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Die
Kirchengeschichte
von
Spanien.
Von
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Zweiter Band.
Vom vierten bis Ende des eilften JahrhonderU — Jahr 305 bis 1085.
Erste Abtheilmg.
Vom Jahr 305 bis 589.
Mit einer Karte.
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Verlag tod Qeorg Joseph Manz.
1
110 . Ton, (oCjl.
Zweiter Band.
Vom vierten bis Ende des eilften Jahrhunderte,
Jahr 305 — 1085.
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Erste Abtheilung.
Vom Jahr 306 bli 689.
Inhalts -Verzeichniss.
Fünftes Buch.
Die Bynode von Elvlra tS. 3—136.
Seite
Erstes Kapitel. $.1. Anlass der Synode. Hosius von Corduba . 3 — 6
S' 2. Die Synode fand nicht statt vor der Diocletianischen Verfolgung 6 — 9
^. 3. Die Synode hat bald nach der Verfolj^ung stattgefunden . 9 — 10
^ 4. Der Ort der Versammlung 10—11
Zweites Kapitel. Die Bischöfe der Synode von Eivira 12—15
Drilles Kapitel. Die Pfarreien der 24 zu Eivira versammelten Presbyter 16—23
Vierte« Kapitel. Die Canones der Synode von Eivira • 24>136
Canon 1 24—38
Canon 2 38—55
Canon 3 55—57
Canon 4 und 5 57—59
Canon 6 .'^9— 60
Canon 7, 8, 9 60—61
Canon 10 61—62
Canon 11 62—63
Canon 12 63—64
Canon 13 64—65
Canon 14 65—66
Canon 15 66-70
Canon 16 70—71
Canon 17, 18 71-72
Canon 19 72—73
Canon 20 73
CanoD 21, 22, 23 74—76
Canon 24, 25 76—77
Canon 26 78—81
Canon 27 81-82
Canon 28,29 82
Canon 30,81 88
VI Inhalts-Verxeichniss.
Seite
Canon 32, 33 84— 85
Canon 34 85— 94
Canon 35 94— 95
Canon 36 95— 98
Canon 37 98- 99
Canon 38 99-101
Canon 39 101-102
Canon 40 102-103
Canon 41 103
Canon 42, 43 ' . 104—105
Canon 44, 45 105
Canon 46, 47, 48 106-107
Canon 49 107—109
Canon 50 • 109
Canon 51, 52 110
Canon 53 111—112
Canon 54, 55 112—113
Canon 56 113-115
Canon 57 115—116
Canon 58 117—118
Canon 59 118-124
Canon 60 124—125
Canon 61, 62 125—128
Canon 63, 64, 65 128-129
Canon 66, 67 129—130
Canon 68, 69 130
Canon 70, 71, 72 131—132
Canon 73 132
Canon 74, 75 133
Canon 76, 77, 78 134—135
Canon 79, 80 135—136
Canon 81 136
Sechstes Buch.
Hosiui von Corduba B. 137—309.
Erstes Kapitel. Hosius von der Synode von Elvira bis zur Synode
von Nic&a, 306—325 137—143
Zweites Kapitel. Hosins und die Synode von Nicäa, 325, 144—165
f. 1. Der Aniheil des Hosius an der Zusammenkunft der Synode . 144—148
%. 2. Hosius führt den Vorsiz auf dor Synode von I^icäa 148 159
f. 3- Hosius führte den Vorsiz im Namen des Papstes Sylvester . 159-163
%. 4. Hosius nach der Synode von Nicäa 163—165
Drittes Kapitel. Osius und die Gründung: der kirchlichen Hierarchie
in Spanien 166-184
$. !• Die politische Eintheilang des Landes vor Au^stut 166—170
Inhaltt-VerzeichDi»8.
J. 2. Eintheilung Spaniens in drei Provinzen unter Au^aslus. Die
Provinz Tarraconensis. Neue Eintheilung unter Conslantin
}. 3. Die Kirche in Spanien in Beziehung auf ihre kirchliche Or-
ganisation vor Hosius
Viertes Kapitel. Hosius und die Anfänge der Metropolitan Verfassung
in Spanien
Fünftes Kapitel. Hosius und die Synode von Sardika, 343—344
$- 1. Hosius vor der Synode zu Sardika ....
}. 2> Hosius Präsident der Synode
$. 3. Verhandlungen des Hosius mit den Arianero
$. 4. Sonstige Thätigkeit des Hosius auf der Synode .
Sechstes Kapitel. Hosius von der Synode von Sardika bis zu sei
ner Verbannung nach Sirmium, 344 — 356
$. 1. Die Rückkehr des Hosius nach Spanien
$. 2. Brief des Papstes Liberias an Hosius vom J. 353—354
S' 3. Die Synode von Mailand. Verbannung des Liberias. Be-
ginnende Verfolgung des Hosius ....
}. 4. Apostolischer Brief des Hosius an Constantius — zugleich das
einzige schriftliche (ans erhaltene) Denkmal seines gros-
sen Geistes
Siebentes Kapitel. Der Fall des Hosius — zugleich seine Aufer-
stehung
$. 1. Hosius In Sirmium. Zeit und Ort der Verbannung .
V 2. Constantius kommt im Juli oder August 357 nach Sirmium.
— Hosius — in den Händen der Missethäter
S' 3. Grausamkeiten — gegen Hosius
J. 4. Synode der Arianer zu Sirmium, Mitte des Jahres 357; die
zweite sirniische Formel. Hosius hat keinen Antheil an ihr
$. 5. Die Schuld — und die Unschuld des Hosius
J. 6. Die Zeugen gegen Hosius
Achtes Kapitel. Der Tod des Hosius zu Sirmium — am 27. Au-
gust 357
$. 1. Der selige Tod des Hosius
$. 2. Hosius starb am 27. August 357
Neuntes Kapitel. Die Rückkehr des Hosius nach Corduba? —
Jakobus der Aelterc, der Apostel Spaniens, und Hosius von
Corduba
Zehntes Kapitel. Hosius der Grosse
£ilftes Kapitel. Hosius der Heilige
Zwölftes Kapitel. Recapitulalion
VII
Seite
170—173 .
173-184
185-191
192-210
192-193
193—194
194-197
197-210
211—218
211-212
212-213
213-215
215 -218
219-267
219-222
222-227
227—229
229—242
242—250
250-267
268-284
268-269
269-284
285-299
300-302
303-306
307-309
Siebentes Buch.
Die Kirche in Bpanien von dem Tode des Hosios — bis
SU dem Eintritte der Westgothen - in die Kirche
(J. 357 bis 6893 B. 310 - 492.
Erstes Kap JteL Die Luciferianer in Spanien. Gregorins. Potamius.
FlorenUas 310—817
ym .Inhalts- VerzeichnisB.
Sei
Zweites Kapitel. Der Bischof Pacianus von Barcelona. Paalinos
von Nola in Barcelona. Vigilantius 318 —
Drittes Kapitel. Der christliche Dichter Juvencus. Papst Da-
masus 32&— 330-
^^ *
Viertes Kapitel. Theodosius der Grosse. Dexter, Sohn des
Pacian 332—334—
Fünftes Kapitel. Aurelias Prudentius Clemens .... 337—
Sechstes Kapitel. Die Priscillianistcn in Spanien — bis zum J. 385 359—
$. 1. Literatur über dieselben 359 —
$. 2. Der Ursprung dieser Sekte im Zeitalter des Hosins . . 361—
$. 3. Die Häupter der Sekte. Die Verbreitung derselben beson-
ders in Lusitanien 366 ~
$. 4. Die Synode zu Saragossa — 380 369 —
$. 5. Die Priscillianisten in den Jahren 381—385 . . 372—
Siebentes Kapitel. Die Geschichte der Priscillianisten vom Tode
des Priscillian, bis (einschliesslich) zu der Synode von Toledo
— Jahr 385—400 379—
$. 1. Martinus, Ambrosius und Papst Siricius in ihrer Stellung
zu den Priscillianisten 379 —
$. 2. Ganz Galizien, mit sämmtlichen Bischöfen dieser Provinz,
föllt zu den Priscillianisten ab. Ende des Maximus, des
Idatius und Itacius. Hieronymus im Verkehre mit Spanien 383 —
$. 3. Die Synode von Toledo 389 —
Achtes Kapitel. Die Kirche in Spanien von der Synode von Toledo
bis zum Wegzuge der Vandalen nach Africa — Jahr 400—429 395 —
Neuntes Kapitel. Orosius von Bracara. Die beiden Avilus von
Bracara. Severus von Minorca. Bachiarius. Augustinus ge-
gen die Priscillianisten. Der Spanier Consentius . . . 398 —
Zehntes Kapitel. Die Kirchenprovinz von Bätika (Hispalisj — Jahr
357—589 414—
Eilftes Kapitel. Die Kirchenprovinz von Lusitanien (Emerita) 420 —
Zwölftes Kapitel. Die Kirchenprovinz Tarraconensis von 357 —
589 426-
Dreizehntes Kapitel. Die Kircbenprovinz von Toledo (Carthagi-
nensis) — 357—589 442—
Vierzehntes Kapitel. Die Kirchenprovinz Galizien, 357—589 • 456—
Fünfzehntes Kapitel. Idatius und sein Chronicon. Die Bischöfe
Pastor, Syagrius und Cartcrius. Martinus von Braga. Turi-
bius von Aslorga und die angeblichen Synoden von 447—448 465—
Sechszehntes Kapitel. Die Westgothen in Spanien. Leovlgild und
Hermenegild 480—
Fünftes Buch.
Die Synode von Elvira.
Erstes Kapitel.
% 1. Anlass der Synode. Hosios von Corduba
Der Sturm der Verfolg^ung war über die Kirche Spaniens gegangen.
La Blute der Märtyrer hatte sie sich bewährt und verjüngt In diesen
Blatsengen hatte der Herr der Kirche starke Säulen aufgerichtet, an
weldien die kommenden Jahrhunderte der Ejrche Spaniens sich stärken
und sich erheben sollten. — Manche hatten sich wohl auch schwach
nid feig geseigt, deren Namen die Geschichte — vergessen hat Jeden-
bOs hatten die Bisdiöfe in dieser 'Verfolgung keinen Basilides luid
VirtiaL Sie hatten keine Märtyrer, aber doch Bekenner, wie vor allen
Hotias von Corduba, Valerius von 2iaragO£a, und vielleicht auch Sabinus
voi Sevilla. — Diodetian und Maximian entsagten am 1. Mai des Jahres
305 der Regierung. Constantius Chlorus wurde nun Augustus des Abend-
\ hndes, und nahm seinen Sohn Constantin als Cäsar und Mitregaiten an.
Er selbst starb schon am 26. Juli 306. — Aber — mit seiner Eriiebung
dl Augustus hatte die Verfolgung im ganzen Abendlande au%ehört Alle
8(ti£en wurden nachgelassen, alle Oefangenen wurden freigegeben, alle
VcriMumten durften surückkehren. Valerius von Saragossa konnte also
■dum im Mai — Juli des J. 306 wieder in seinem Bisthume seyn; auch
Bfiifais, sei es, dass er ge&ngen oder verbannt oder verborgen war, konnte
1^ wieder firei wirken.
•paa. KIrclM. IL 1
2 Fünftes Buch. Erstes Kapitel.
In Spanien aber, wie in andern Ländern, trat jezt das Bedürfhiss einer
neuen Ordnung der kirchlichen Dinge gebieterisch hervor. Aber, was in
Afrika zum Schisma der Donatisten führte , das wurde in Spanien durch
die Einigkeit der Bischöfe, und dftrch die mächtige Persönlichkeit des Bi-
schofes Hosius geordnet. — Auch sonst — nach einem gewaltigen Sturme
— bietet die Erde den Anblick der Verwirrung und Zerstörung dar. —
Es drängten Fragen zur Entscheidung, die nur im Einvernehmen aller
Bischöfe gedeihlich sich entscheiden liessen. — In verschiedenen Bis-
thümem waltete eine verschiedene Disziplin, besonders in Betreff der
Oefallenen und deren Busse. Ordnung sollte in die Verwirrung, Ein-
heit in die Vielheit und Verschiedenheit gebracht werden. Die Bischöfe
Spaniens sollten zum erstenmale zu einer gemeinschaftlichen Berathung
zusammentreten, zum erstenmale sollte sich die Kirche Spaniens als ein
Organismus darstellen. Bis jezt war, soviel wir wissen, und wie es
durchaus wahrscheinlich ist, in diesem Lande keine Synode gehalten
worden.
Allein das Bedüräu» nach Einigung ist immer, nur mehr oder
weniger dringend, vorhanden. Aber es fehlen die Kräfte, es fehlt der
Mann, der die zerstreuten Kräfte sammelt, der das ausspricht, was alle
fühlen, der das vollbringt, was alle wollen. — Einen solchen Mann
hatte in jener Zeit Gott der Kirche Spaniens gegeben ; er war die Seele
und das Haupt der Kirche dieses Liandes. Er sollte zu Grösserm sich
vorbereiten und vorbereitet werden. Er sollte, indem er die Kirche in
Spanien sammelte und einigte, sich vorbereiten, die über dem ganzen
Erdkreise verbreitete Kirche Gottes zu einigen.
Dieser Bischof war der grosse Hosius von Corduba. Wir nehmen
mit Florez u. a. an, daas derselbe im J. 256 geboren sei. Denn nach
Ludor von Sevilla starb er nach vollendetem lOlsten Lebensjahre ^)* Dt .
wir sein Todesjahr aus vielfachen Gründen in das J. 357 sezen, so
kommen wir auf das J. 256 als das seiner Geburt. Er war bei seinem
Tode mehr als 60 Jahre Bischof gewesen. Also hatte er um das J. 296,
in einem Alter von 40 Jahren , den bischöf liehen Stuhl von Cordobs
bestiegen, welcher damals der hervorragendste, wenigstens im südlichen
Spanien, als Bim des Prätors oder Prooonsuls, war^). — Auch ihn tmf
die Yerfolgoag der Jahre 303 — 5. Damals wurde er Glaubensbekenneri
Er selbst hat dieses ausgesprochen in seinem herrlichen Briefe an den
Kaiser Constaatius vom J. 355 — 56: „Ich habe schon in jener firtthen
Zeit Christum bekannt, als die Verfolgong wüthete unter deinem Gro»
vater Maximian. Und wenn du auch mich verfolgest, so bin iob bereM»
') Itidor, de vir, übut cap, 6.
^ Der Proprätor hatte den Titel Proconsul — z. B. DiguU /, ß, S^ st rtaorip^
dwiPS ad Adhan Marekmum, proeoruulm BattkiH — Bedc^r- MarqfiiirdC, d(l>9
S.84.
f. 1. AdIam der Synode. Hosiu» von Cordoba. 3
dier «lies zu duldeiii als daas ich unschuldig Blut vergieflse, und die
Walu-keit verleugne *).^ — Nach Saragossa hat in dieser Zeit Corduba
der Kirche und dem Himmel die meisten Märtyrer geschenkt. Und
wie wir dort den mächtigen Einfluss des gewaltigen Vincentius nicht
Terkennen, so woUen wir hier den Einfluss des die Geister beherrschen-
den Hoaius nicht geringschäzen. Vielleicht ^ dass er beim Martyrium des
FanstuB und seiner beiden Gefährten noch zugegen war, dann aber
Tcrfolgt wurde. — Dieser Bekenner Hosius war es denn auch| der die
Synode von Elvira leitete, und in ihr, wenigstens der Kraft des Geistes
nach, den Voniz führte; der sie leitete, nachdem er sie eingeleitet hatte.
Athanasius giebt uns ein indirectes Zeugniss dafür, wenn er zum
Ruhme des Hosius sagt: „Wo hätte je eine Synode stattgefunden, bei
welcher er nicht den Vorsiz geführt hätte? Geschah es je einmal, dass
er durch seine weisen Aussprüche nicht alle zu seiner Meinung hinüber-
geiogen hätte? Welche Kirche hat nicht die schönsten Denkmäler seines
Schuzes aufzuweisen ^) ?^ — Wir haben kein Becht und keinen Grund,
bei diesen Worten die Synode von Elvira auszuschliessen, vielmehr ist
sie eingeschlossen. — Denn mag auch Athanasius hiebei zunächst an
die Synoden von Nicäa und von Sardika gedacht haben , so folgt nicht,
dasB er an die Synode von Elvira nicht gedacht, weil er nichts von ihr
gewuast. Das Gegentheil ist vielmehr gewiss. Hosius selbst hat dieses
roxausgesezt, und er war in der Lage, es wissen zu können. Zu den
Kachofen in Sardika, in deren Mitte auch Athanasius war, sprach er;
Ihr erinnert euch, dass in einer frühem Synode zur Zeit unserer Väter
fes^estellt wurde, u. s. w., wobei er auf den Canon 21 von Elvira in
Betreff des Kirchenbesuches zu sprechen kommt ^). Hosius sezt also die
Bekanntschaft mit dieser Synode bei allen anwesenden Bischöfen des Mor-
gen- und Abendlandes voraus, und wenn Einer, so war Athanasius mit
der nähern Geschichte derselben bekannt, weil er so vielfi&ch im Ver-
kehre mit Hosius gelebt hatte. In den Worten desselben: welche Sy-
node hätte er nicht geleitet, d. h. den Vorsiz geführt, ist auch die von
Elvira eingeschlossen.
An der Jugend des Hosius braucht man nicht Anstoss zu nehmen;
dann wenn die Synode in den J. 305 — 8 stattfand, was doch heute
Ami ich allgemein angenommen wird, so war er damals fünfzig Jahre alt.
Von den neunzehn Bischöfen aber, welche in Elvira versanmielt waren,
and ausser Hosius noch drei bekannt, d. h. sie werden noch ausserdem
erwähnt, ohne dass man Näheres über sie erführe. Es ist Liberius,
Bidiof von Emerita, der auch auf der Synode von Arles im J. 314
«ntcfschrieben hat Man beachte, dass der Vater der heiligen Eulalia
') AAma; kmtor, Äntmor, ad wumtuAoSf e, 44.
*) <t*iifli, ^po^. de fiiga «na, oqp. J. ed. Mimtfamon^Migne,
*) Qmm. 11. CamoL Sardk.
4 Fflnftes Bach. Erstes Kapitel.
denselben Namen trag^ und es mag jedem Leser überlassen bleiben,
darauf seine oder keine Vermuthungen zu gründen über die Identität
oder Verschiedenheit beider Männer. Auch Sabinus von Sevilla ist oben
erwähnt -worden. Er hat den Leichnam der Martyrin Justa aus dem
Brunnen gezogen, doch ist es nicht ohne Bedenken zuzugeben, ob es
derselbe Sabinus war (Gabinius heisst er auch). Es ist drittens Valerius
von Zaragoza, der Glaubensbekenner, welcher durch Dacian im J. 805
(nach den Meisten 304) verbannt wurde.
Man denkt zunächst an Valerius, wenn es sich um die Einleitung
und Leitung der Synode von Elvira handelt. Man denkt sich ihn als
einen Mann, ehrwürdig durch sein Alter und seine Leiden, der Chri-
stum standhaft bekannt hat, der jezt in harter Verbannung noch fester
geworden ist. Allein die Schilderung, welche, in den Martyrakten des
Vincentius, über die Persönlichkeit des Valerius gegeben wird, zeigt
uns, dass er nicht die Gabe hatte, zu herrschen und andere zu leiten.
Es heisst: Da dieser Bischof eine schwere Zunge hatte, so übergab er
das Lehramt dem Vincentius, und beschäftigte sich selbst nur mit Gebet
und mit Betrachtung der göttlichen Dinge. — Bei dem Verhöre in
Valencia aber antwortete Valerius dem Dacian kein Wort Er überliess
das Wort und die Thaten dem Vincentius. Darum behandelte ihn Da-
cian mit Geringschäzung: Bringt diesen Bischof, sagt er, hinweg. Er
hat es verdient, in die Verbannung zu gehen. Es ist möglich, dass
Dacian das Schweigen des Bischofes für Furchtsamkeit und halbes Nach-
geben betrachtete. Das Schicksal des Valerius war jedenfiJls durch
diese Verbannung nicht erschwert, sondern erleichtert. Selbst die Spa-
nier, die doch ein Literesse daran haben, den Valerius zu erheben,
geben zu , dass er innerhalb Spaniens verbannt war. Seine Verbannung
bestand wohl in nichts anderm, als dass er jezt nicht in sein Bisthum
zurückkehren durftie. Aber schon im Mai oder Juni des J. 305 war ihm
dieses gestattet. Ein solcher Mann aber war nicht geeignet, Haupt und
Seele einer Synode zu seyn. Er kam nach Elvira, weil er dazu ein-
geladen war, vielleicht, weil die Bischöfe von Leon und von Fibularia
ihn mit sich nahmen.
Alles diess ist kein historischer Beweis, dass Hosius die Synode
von Elvira veranstaltet und geleitet habe. Die indirecten Beweise aber
sind doch so stark, dass es gewagt wäre, das G^gentheil anzunehmen.
■
§. 2. Die Synode fand nicht statt vor der Diodetianischen
Verfolgung.
Wir konmien zu der Zeit der Synode von Elvira. Es wird von
Niemand geleugnet, dass dieselbe eine Kirchenverfolgnng vorausseze, sei
es, d^ßs diese stattgefunden, oder dass sie befürchtet wurde, pder dass
Beides zugleich der Fall war. Morinus sezt die Synode vor das J. 252.
S. 2. Die Synode fknd nicbt atott vor der Diodetianischen Verfolgung. 5
Memang liegt ein richtiger Gedanke za Grunde , der aber ohne
katarische Anhahspunkte ist Er meint, dass die^ffischöfe yon Elvira
nach der Entscheidung der Frage von der Eirchenbusse, womach allen
6e£dlenen am Ende des Lebens die Kirchengemeinschaft im weitem
und engem Sinne nicht Terweigert werden dürfe, — solche Beschlüsse
nicht mehr hätten fassen können, welche die Gemeinschaft verweigerten«
Ich bin derselben Ueberzeugung, dass sie es nicht durften. Aber ich
sage, dass sie es gethan haben, und dass sie hierin von der Uebung
der andern Kirchen, besonders der römischen, abgegangen sind. Die
Bischöfe Hosius, Liberius und Valerius, die im Anfange des vierten
Jahrhunderts lebten, konnten aber nicht wohl vor 252 Bischöfe gewesen
sejn, sonst wäre Hosius ja wenigstens 105 Jahre Bischof gewesen, und
er erreichte nur ein Alter von 101 Jahren.
Fast alle Spanier, welche ausführlicher über die Zeit der Synode
gehandelt haben, sezen dieselbe vor das Jahr 304, in die Zeit von
300 bis 303, unmittelbar vor der grossen Kirchenverfolgung. Pseudo-
Dexter und der gelehrte Gonzalez Tellez sezen sie in das J. 300. Denn
der Archidiakon Vincentius muss durchaus seinen Bischof Valerius nach
Elvizm begleitet haben. — Ferdinand Mendoza ist für die Jahre 300
oder 301. — Der Kardinal Aguirre kommt in einer ausführlichen Dis-
sertation zu dem Resultate des J. 303, unmittelbar vor dem Ausbmche
der Verfolgung. Florez sagt gleichfalls, die Synode habe stattgehabt
TOT dem Anfange der grossen Verfolgung. Er geht von der irrigen
VoraiisBeEang aus, dass Valerius vor dem Frieden des Constantin in der
Verbannung starb, wofür ich keinen Beweis aus einem frühem Autor
finden kann ^). — Spätere haben diess angenommen, um den Valerius
mehr za erheben. — Er neigt sich schliesslich zu dem J* 300 oder 301«
Zo dem gleichen Ergebnisse kommt Alexander Natalis: Die Synode
ist gehalten worden, als die Verfolgung des Diocletian bevorstand. Er
meint, die Verbannung des Valerius habe eben nach dem.jJ* 305 noch
fortgedaaert, und weil, nach der starken Phantasie einiger spanischer
Schriftsteller, Valerius in keinen Ort oder eine Stadt habe gehen dürfen,
die mehr als zwanzig Häuser gehabt, habe Valerius nicht nach Elvira
gehen dürfen. Doch giebt er ein bestimmtes Jahr nicht an^).
Tillemont entscheidet sich für das J. 300, in seiner sei es beschei-
denen, sei es unentschiedenen Weise ^). Er erklärt es als gewiss, dass
Valerins in dieser Verfolgung gestorben, und giebt den Grund dafür
n, dass er Märtyrer genannt werde. Wäre er aber auch gestorben,
10 konnte doch sein Nachfolger wieder Valerius heissen. Denn der Sy-
node vom J. 380 in Saragossa wohnte gleichfalls ein Bischof Valerius von
') Florez, 12, 180 — 191. — del htgoTf y tiempo en que se ceUbro este Condiio,
*) Alex. NaL taee, 3, dmert, 21, De conciUo lüSberitano,
^ mmomt, memoire^, 5, 320; 7, 302-, besonders 7, 711 — 715,
6 FBaftet Bvch. Etitei Kapitd.
Stngossa an; und — Prudeuüug sprieht ja .tob dem mTufiriai Haine
der Valerier' *j , d. h. Ton dem Geschlechte der Valerier, ans weldiem
in jener Zeit die BischSfe von Saragossa henrorgiengen. Dass damals
in gewissen Geschlechtem die BisthQmer in Spanien sieh forterbten,
weiss man ohnedem , u. a. aas den Sjnodalschreiben des Papstes Hila-
rins an den Metropoliten Ascanios Ton Tarraco mid die Bischöfe sdner
Provinz^;. Die Schlossfolgerong des Tillemont ist demnach irrig , weH
man schon zwei Bischöfe Valerins Ton Saragossa kenne , dfirfe man
einen dritten nicht annehmen. Wir kennen auch rwei BischSfe Sabini»
Ton SeyAIa; und es ist wahrscheinlich, dass der Presbyter Sabinns in
Arles Ton Sevilla Coadjntor nnd Nachfolger seines Oheims oder doch
Verwandten Sabinns wurde.
Remy Ceillier ist derselben Ansicht Valerins war in den Jahren
908 und 304 nicht mehr Bischof Ton Zaragoza; er wnrde Märtyrer spä-
testens im J. 305 'j. Aber wamm steht er denn nicht ab Heiliger nnd
Märtyrer in der gothischen Litnrgie? Weil er es nicht war. Wer die
Akten des heiligen Vincentins mit Anfinerksamkeit liest , wird einaeheo,
dass er nnd warum er es nicht wnrde. Hllt man es für mdglidi, dass
Prudentins, der seine Hymnen einem Bischof Valerins von Zaragoza
widmete, darüber geschwiegen bitte? In seinem Hymnus auf Vincen-
tins geht er vielmehr sehr vorsichtig über Valerins hinw^; er wollte
ihn nicht erwähnen, weil er ihn nicht rühmen konnte. — Alle Mär-
tyrer dieser Zeit, auch die Bekennerin Leocadia, von der Mariana*)
unbefugter Weise sagt , „dass sie aus Furcht vor den Feinen , nnd durch
den Schmnz des Gefängnisses gestorben sei'' , haben ihre eigenen Feste.
— Und ein Bischof, der einzige Bischof, welcher in dieser Verfolgung
sein Leben für den Glauben gelassen, er gerade wäre übergangen worden?
Es ist undenkbar. — In Saragossa selbst wird Valerins nur als Bekenner
verehrt Ein Brevier von Saragossa vom J. 1572 sagt nur, dass Vale-
rins und Vincentins mit einander in Banden nach Valencia geführt worden.
Valerins habe sich selbst — nach seiner Verbannung — den Ort Enetum
bei Barbastro, nordöstlich von Saragossa, als Wohnsiz auserwählt, und
dort sei er eines seligen Todes gestorben im J. 315 nach Chr. — Wenn
dem so ist, wie man in Zaragoza glaubt, wer verhinderte ihn dann,
im J. 305 oder 306 nach Elvira zu kommen?
*) DomuM Valeriorum in/ukUa, Siehe Bd. 1, S. 322. — Die Uebersezung Silbert^s
ist anrichtig: Hier ist der Volmer Bitchofnooknung Infel geeckmücket Das Hau
oder Geschlecht, nicht die Wohnnng war Träger der infol, d. h. hatte liaeh
damaliger Sitte die Bischofswürde im Besize.
*) Collectio canonum eccl. Hisp. Epietolae decretcUes Hilarü papae,
*j R, Ceillier f Hietoire gin&ale des out. eccl ed. von 1858, /. ^, p, 602—615: — Le
concÜe tenu a Elvire.
*) Marianaf 4, 12, — Lsocadia virgo crudtUinim metu et paedore (fietort) careeris
exammaia perüL
f. 3. Die Synode hat bald nach der Verfolgang BtattgefoDden.
Eine eigenfhümliche Anmoht vertritt Aguirre^). Die Synode ist
geUten worden im Mai des Jahres 308. In Rom war das Edikt der
Verfolgung im Märe — am Charfireitage, den 21. MXrz — angeschlagen
worden, die Nachricht davon sei nach Spanien sehr schnell gekommen;
und die Bischöfe hätten noch schnell vor dem wirklichen Ausbn^she der
Verfolgung eine Synode gehalten, um sich zu gemeinsamen Massregeln
ni vereinigen. — Es giebt überhaupt , und es giebt im vierten Jahr-
hundert im Besondem kein Concü, das im Anblicke, oder in Erwartung
einer nahenden Verfolgung wäre gehalten worden. Wie konnte man
denn in Spanien ahnen oder vermutben, dass eine solche Verfolgung
im Anzüge sei? Das wusste man nicht einmal im Kaiserpalaste zu Ni-
eomedien , das wussten nicht einmal Diocletian , Gkderius und MA^rim^n^
— ehe es beschlossen war. Wie hätte man denn in dem am Ende der
Welt gelegenen Spanien vermuthen können, dass nach vierzigjährigem
Frieden der Kirche, und nachdem Diocletian die Ejrche achtzehn Jahre
in Rohe gelassen, plözlich ein solcher Sturm gegen sie ausbrechen sollte?
Es ist gegen alle historische, wie gegen alle psychologische Olaubwür-
£g^eit, dass die Sjnode vor einer Verfolgung sollte stattgefunden haben.
Hätten aber ^e spanischen Bischöfe nach der Hypothese von Aguirre
gehandelt, so wäre sicher das mit ihnen geschehen, was Pseudo-Dexter
ond Consorten in der von ihnen fingirten Synode dos J. 67 zu Elvira
geschehen lassen'); d. h. die spanisdien Statthalter hätten diese gün-
stigste Gelegenheit gewiss nicht versäumt, sich des spanischen Episco-
pates in seiner Qesammtheit zu bemächtigen. Was Aguirre hier den
Bischöfen zumuthet, das zu thun wäre eine unsägliche Thorfaeit, ja Ver-
blendung gewesen.
§. 3. Die Synode hat bald nach der Verfolgung statt-
gefunden.
Die Synode kann aber nicht lange nach der Verfolgung stattgefun-
den haben , weil ihre Bcstimmimgcn unter dem unmittelbaren Eindrucke
finer vorangegangenen Verfolgung und vieler Abfälle verfasst sind. —
Die Ueberschrift, dass das Concil zu den Zeiten des Kaisers Constantin
gehalten worden, verliert alle Bedeutung, wenn man erwägt, dass damit
Dar die ungefähre 2jeit des Concils unter der Regierung Constantin's
agedentet werden soll. In der Sammlung der Canones der Kirche
Spaniens trägt das erste Concil zu Arles, welches 314 gehalten wurde,
^selbe Ueberschrift. Wäre aber die Ueberschrift über den Akten von
Elvira: „Zu Zeiten des Kaisers Constantius^, richtig, so wäre dieses
*> Affuirre eondL Ilup. L 2, wd, CataUmi 1753 ~ p, 9 — 15.
V Siehe Bd. 1, S. 194.
8 FttDilei Boch. Entd K^iteL
eine erwünBcbte Bestätigung unserer Annahme. Denn Gonstantius Chlorus
lebte ja noch im Mai des J« 306; er war Augustus, während Conatan-
tinui Cäsar war. Mariana neigt sich zu der Annahme^ dass die Synode
von Elvira 325 gehalten wurde ^ wenigstens spricht er in seiner cur-
sorischen Weise unmittelbar nach dem Concile von Nicäa von der Sy-
node zu Elvira ^).
Nach Baluzius Seuid die Synode in den J. 314 — 25 statt Seine
Gründe haben aber bei Niemand Anklang gefunden. Harduin hat sich
für das Jahr 313 entschieden, weil die Canones von Arles — 314 —
viele Aehnlichkeit mit denen von Elvira hätten. — Diese Hypothese ist
ohne Halt Mansi entscheidet sich für das J. 309. Denn im J. 309
seien die Idus des Mai auf einen Sonntag gefallen, und später seien die
Synoden an Sonntagen eröffnet worden. Aber — man darf spätere
Uebungen nicht auf die erste spanische Synode übertragen , die in an-
dern noch wichtigem Punkten von den spätem Uebungen abwich.
Die Neueren seit Baronius stimmen denn auch für die J. 305 oder 306.
Es handelte sich in Elvira um die Behandlung der Ge£Edlenen; und man
musste jezt, nach der Verfolgung, eine gemeinsame Disziplin in Spanien
einführen, sonst war die ganze Bedeutung der Kirchenbusse in Frage
gestellt Die Synode wurde am 15. Mai gehalten, entweder begonnen,
oder beschlossen «); Diese Ueberschrift wird allseitig als acht anerkannt
Im Mai des J. 305 konnte die Synode noch nicht stattfinden. Also
könnte man schwanken zwischen dem Herbste des J. 305, oder dem
J. 306. Da aber der Monat der Versammlung genannt ist, so ist es
das Wahrscheinlichste, dass sie im Mai des J. 306 stattgefunden habe.
— Die Verfolgung war dann einerseits noch in frischem Andenken,
anderseits hatte man sich im Laufe eines Jahres überzeugen können,
dass die Bischöfe bei einer Versammlung nicht mehr von der weltlichen
Obrigkeit GtefiEdir zu befürchten hätten.
§. 4. Der Ort der Versammlung.
Geographisch lag Elvira nicht in der Mitte Spaniens, auch nicht
in der Mitte des christlichen Spaniens. Aber — die Synode musste in
der Provinz Bätika, oder doch im Süden von Spanien seyn, weil sich
hier die meisten Bischöfe &nden. Die Synode musste ferner an dem
Size eines Bischofes seyn. Die Synode musste an einem möglichst ab-
gelegenen, und doch zugänglichen Orte stattfinden. In Cordova und
') Mariana, 4, 16,
*) Sie kann am I.Mai 306 eröffnet, am 15. Mai geschlossen worden seyn; die
zweite (erste) Synode zu Braga vom J. 563 wnrde am 1. Mai eröflhet (Hefcle,
C. G. 8} 18).
f. 4. Der Ort der Versaminlang. 9
SeriUi hätten die StatthiJter, und wohl auch die Masse der Heiden
geBiQrt Basti, Malaca, Urci, Eliocroca lagen zu weit auf der Seite.
Aed wmr Centralpunkt aller Strassen, und liegt in einem allzu engen
TbalkesseL Die Wahl konnte zwischen vier Bischofsstädten schwanken,
Castolo, Egabra, Martos und Elvira. Aber Castulo lag an den Heer-
strassen , Martos (Tucci) liegt ähnlich wie Acci. Bei der Wahl zwischen
Egahra und Elvira entschied vielleicht die grössere Wichtigkeit der
leztem Stadt, vielleicht nicht die schönere Lage; denn auch Cabra liegt
in einer paradiesischen Gegend, Elvira konnte auch zum Theil gewählt
worden aeyn , weil das Bisthum von dem heiligen Cäcilius gestiftet war.
Jedenfidla war diese Wahl — die beste.
Zweites Kapitel.
Die Bischöfe von Elvira.
Neunzehn Bischöfe waren in Elvira versammelt. Sie sind nach dar
Jleihenfolgc ihrer Unterschriften: I) Felix Accitanus; 2) Osius Cordu-
bensis; 3) Sabinus Hispalensis; 4) Camerinus Tuccitanus; 5) Sinagius
Epagrensis; 6) Secundinus Castulonensis ; 7) Pai*dus Mentesanus; 8) Fla-
vianus Eliberitanus ; 9) Cantonius Urcitanus; 10) Liberius EmeritensiB;
11) Valerius Cäsaraugustanus; 12) Deccntius Legionensis; 13) Melantiiii
Toletanus; 14) Januarius de Fibularia; 15) Vincenlius Ossonobenais;
16) Quintianus Elborensis; 17) Succesus de Eliocroca; 18) Eutychianiii
Bastitanus; 19) Patricius Malacitanus.
Von diesen neunzehn Bisthümern sind uns fünfzehn ohne weitoe
Untersuchungen bekannt. Wir kennen die Lage von Acci = GoadiXi
von Corduba = Cordova, von Hispah's = Sevilla, von Tucd = Martoei
von Castulo = Cazlona, von Elvira = Granada, von Urci bei Vera, von
Emerita — Merida, von Cäsaraugusta == Zaragoza, von Legio = LeoDi
von Toletum = Toledo, von Ossonoba in Algarvien bei Estoy oberhalb
des heutigen Villanova, von Eliocroca = Lorca, von Basti = Baza, v(A
Malaca = Malaga.
Es wäre also nur zu fragen), ob Elbora das heutige Erzbisthiai
Evora in Portugal, ob Mentesa das heutige Guardia südlich von Jafii^
ob Epagra das heutige Cabra in Andalusien, endlich welche Stadt Fiba-
laria sei.
Von den Anfängen der Bisthümer: 1) Acci; 2) Corduba; 3) Se-
villa; 4) Castulo; 5) Elvira; 6) Urci; 7) Emerita; 8) Leon; 9) Sara-
gossa — ist in diesem Werke öfters schon gehandelt worden. Die Stadt
Tucci = Martos liegt auf dem Wege von Jae'n nach Cordova, ziemlich
nahe bei Jae'n; es biess auch Civitas gemella, oder einfiach Oemell«!
Die Btseh5fle von Elvira. 11
bne Zweifel , weil sich auch hier, wie in Acci, Soldaten zweier Legionen,
der doch Soldaten einer Legio gemina , rielleicht eben der in Spanien
teknden Doppell^on Gemina, angesiedelt hatten. Die heutige Villa
[■tos mit etwa 14,000 Seelen hat ihren Namen von (Civ.) Martis, nach
cm brannten Geseze, dass in der spanischen Sprache namentlich das
in O übergeht, wie Mjrtilis in Mertola, Luci (Lucas?) in Lugos,
rigantium in Betanzos; Agiria in Daroca, etc. *) Die Villa liegt am Fusse
bes sehr steilen Felsenberges , auf dem eine sehr alte Burg steht. Das
]te Bisthnm Tucd reichte nördlich bis an und über den Bätis; denn
lEtnrgis gehörte zu demselben.
Das Bisthum Epagra — lag zwischen Elvira und Cordova. Es
köflst auch Ebagra, und gewöhnlich Egabra. Man muss aber zwischen
Eptgro und Egabra wohl unterscheiden. In dem Geseze 13(1) der West-
gothen wird Egabro und Epagro neben einander genannt ^). Noch deut-
Gcher unterscheidet das Concil der Aera 877 (839) , welches zu Cordova
^Iten wurde. Die Kirche des heiligen Casianus liegt auf dem Ter-
itorium von Egabra, in der Villa, die Epagro heisst, und nahe der
kidt Egabro, welche unter dem Metropoliten von Hispalis steht. Dar-
■di ist Epagro der kleinere Ort, und liegt im Gebiete von Egabra').
Man unterscheidet heute ein doppeltes Cabra, das Cabra del Crlsto,
IS am östlichen Ende des Bisthumes Jaen liegt, und das Cabra In einer
er MhÖDsten Gegenden Andalusiens, welches beute im Bisthume Cor-
lora — und 9 Leguas davon entfernt, 24 Leguas von Sevilla entfernt ist.
- Min könnte sich versucht fühlen, das Cabra del Santo Cristo für das
Ite Bisthum zu halten. Aber auf einer im J. 618 zu Sevilla gehaltenen
jnode beschwerte sich der Bischof Teudulf von Malaga, dass ehemalige
&rreien seines Bisthumes (die diesseits der Gebirge von Ronda und
ütequera lagen) von den Bischöfen von Astigi, Egabra und Elvira
iin vorenthalten werden^). — Daraus sieht man, dass das Bisthum
Igabra näher bei Malaga lag, und dass Egabra das heutige Cabra ist.
- IMe Stadt Ulla, vier Meilen von Cordova, gehörte in dieses Bisthum.
Ton ülia war ein Presbyter bei dem Concil von Elvira. In dieses Bis-
bmn gehörte ferner das Municiplum Ipscense. Antiquaria, das heutige
btequera, scheint einer der bestrittenen Orte zwischen Malaca und
Epbra gewesen zu seyn. Dessgleichcn Singill, ebenso Barbe oder Barbo.
iadi das heutige Bisdium Malaga reicht nördlich bis zum Xenil , nur
licr L^:aa8 von Cabra.
^ Sa^bmm, voeabmlair^, 1861, p. XXIX.
*)Flom, 7, 105; 13,2.
*) Helfferich, der wettgothitche Arianismus, 1860, S. 113. — Cannni haben-
Cm tccUnam supra arenam constructamf quae sita est in territorio Egabrense, tdUa
fWK vacatur Epagro^ atque civitati Egabro vkma,
*) Gnk. EupaUnte IL — m Cimeä. Hupan, ed. Chmsohx,
12 Fünftes Buch. Zweitat Kapitel.
Bei dem Bisthume Mentesa handelt es Mch gleichfidia um die Frage
ob Mentesa Bastia, bei TugiA, oder ob Mentesa sUdlicfa von Jafin Sil
des alten Bisthumes war. Es lag so nahe bei Ja€n, dass Manche «
für eine und dieselbe Stadt mit JaSn hielten. Die Meisten aber glauben
es sei da gestanden, wo sich heute auf steiler Felsenhöhe der Qr
la Ouardia befindet, der den Titel einer Gra&chaft führt Es ist ein<
Legua von Ja^n, und fünfzehn Leguas von Granada entfernte Voi
dieses südliche Mentesa (der Oretaner) rückte Tarik kurze Zeit nach da
Schlacht am Guadalete bei Xeres. , Tarik kam mit dem Heere nad
Mentesa bei Jaen , und zerstörte diese Stadt voq Grund aus ^). — Di
später keine Bischöfe von Mentesa mehr erwähnt werden, so dürfte darin
ein Hauptgrund für die Annahme liegen, dass nicht Mentesa Bastisy
sondern dieses südlichere Mentesa der Siz des alten Bisthumes ge-
wesen seL
Bei dem Bisthume Elbora handelt es sich wieder um die Frage, ob
Elbora am Tajo, oder das heutige Evora in Portugal Siz des Bisthumes
war. Wir haben uns oben für die Annahme entschieden , dass die Har-
tyrer Yincenz, Sabina und Christeta aus Elbora, dem heutigen Tala>
vera, stammten, wir sehen, dass in den altspanischen (Toncilien die be-
treffenden Bischöfe sich immer von Elbora, und nie von Ebora^ wie
doch das heutige Evora in der alten Zeit hiess, unterschrieben haben.
Darum legt sich der Schluss nahe, dass die also Unterschriebenen ehea
nicht Bischöfe des heutigen Evora, sondern von Elbora = Talavera ge-
wesen seien.
Auf der andern Seite können wir uns aber doch der ErwiSgung
nicht entziehen, dass das Municipium Ebora, schon nach den Alta>
thümem, die hier entdeckt wurden, eine ungleich bedeutendere Stadt
als Elbora am Tajo war; und darum neigen wir uns zu der Annahme, dass
das heutige Evora in der Zeit vom J. 300 bis 711 Elbora geheissen habe,
und dass es Siz der nach ihm genannten Bischöfe gewesen. Auf dem
Aera 704 — (665) zu Merida gehaltenen Concile waren alle Bischöfe
der Eirchenprovinz Lusitanien versammelt, worunter auch der Bischof
von Elbora^), Es ist aber wenigstens zweifelhaft, ob Elbora am Tajo
zu Lusitanien gehörte.
Wo lag das Bisthum Fibularia? Die Lesart Salaria, welche Einige
vorziehen, findet sich nicht in den ältesten Handschriften. Plinius unter
scheidet ein doppeltes Calagurris, das Calagurris Nassica, und das Cala-
gurris Fibulariensis. Das erstere liegt heute noch mit dem Namen Ca-
lahorra am rechten Ufer des Ebro, besteht heute noch als uralte Stadt
und als Bisthum, doch ist der Siz des Bisthumes in die nordwestlich
gleichüeJls am Ebro gelegene bedeutendere Stadt Logronno verlegt
') RoderiaUf de rebus Hup. 3, 2.
*) Cone, Emeriienee 12 «pwa^^omam.
Die Bitch5fe von Elyira. 13
Du zweite Calagorris lag an der linken Seite des Flusses Gallego^
r lä Zaragoza in den Ebro mündet, unweit südlich von der heutigen
dko&atadt Jacca. Von Jacca ist es 3|, von Huesca^ in welches Bis-
■I es gehört, fünf Leguas entfernt — Heute heisst der Ort, der
dar Stelle des alten Fibularia liegt, Loarre y Santa £ngra(n)cia *).
Kmo, Fortseser des Florez, will nicht zugeben, dass es ein Bischofs-
gewesen, wegen der Lesarten Sabaria und Salaria. Aber man muss
1 an die Lesart des Ant Gonzalez halten, dessen Ausgabe der
n ^Muiiflchen Canonensammlung auf neun der ältesten Codices sich
indet, welche sämmtlich „Fibularia^ lesen ^).
Ans diesem am Fusse der Pyrenäen liegenden Calagurris soll nach
ig&n der Kezer Vigilantius stammen^). — Ohne Zweifel meint Au-
108 in einem seiner Gedichte an Paulinus , welcher damals in Spanien
Ute, dieses Calagurris, wenn er es beklagt, dass seinen Paulinus, die
ide des Vaterlandes und eine Säule des Senates, entweder BilbÖis,
r das an Klippen hängende Calagurris besizen werde % Denn das
Muntere Calahorra liegt in einer Ebene am Ebro ^). Li seiner Ant-
et an Aosonius sagt Paulinus, et wohne nicht in den rauhen Ge-
JSB der schneebedeckten Pyrenäen, sondern in stolzen und volk-
hsB-StiKdten^). Ausonius thue darum Unrecht daran, ihm das bergige
wgorriM^ und das an spizigen Klippen hängende Bilbilis, und „den
pl des miebenen Derda^ (Lerida) vorzuwerfen ^). Es sei Unrecht,
r Bilbilis, Calagurris und Ilerda zu nennen, da er doch in Städten,
I Züsgoza, Tarragona und Barcelona wohne.
Da Calagurris = flbnlaria schon am Ende des yierten Jahrhunderts
■w fillenes Bergnest in rauher Gegend war, so begreift es sich,
wn dieses Bisthum frühe wieder eingieng, und ohne Zweifel mit
I bcnaclibarten Osea (Huesca) yereinigt wurde.
) Siehe Madoz », v. toarre, 10, 316,
) Eipatma Bogr, t 46 (1836), p. 33 (Calagurru, p, 28-37). Cf. t, 33, cap, 9. —
P. Canal h< den Bischof Janaftriut ffir den Bischof von Calahorra am Ebro.
) Er ftommte aber aus Cala^rris .zwiaehen Toloaa und den Pyren&en. Siebe
8eliiiiidt, W., Vigilantias, 1860, 8.4-5.
^ 35 ^. Auäoniut PauUno suo S, Bübüi$ , (Mut haerens tcopuUä Calagorris habebii,
) Madoz, 5,242.
^ Hose, Adolf, Panlin, Bischof von Nola und seine Zeit, 1856, Bd. 1, S. 169 -176.
*) Mmkuuimqti€ mäd CtJaffurrm — exprohroM, 7. A^Monio PauUntu,
Drittes Kapitel.
Die Pfarreien der viernndzwanzig zu Elvlra versuuieltii
Presbyter.
Neben und nach den neunEehn Bischöfim unterzeklineteii ▼kiiid'
zwanzig Presbyter in Elvira. Dieselben waren aber nioht «u gMii
Spanien znsanimengekominen, sondern durchaus aus dem südlichen £^
nien; aus der Provinz Bätika, und aus demjenigen Theile von Tanar
conensisy welcher zwischen Bätika und dem Mittelmeere liegt. Au-te
Provinz Lusitanien war kdner anwesend. Der entfecnteato war mm
Cartagena^ sechs bis sieben Tagereisen von Elvira *), diesem Solgem dar
Entfernung nach die Priester aus Lorca, aus Urd, und ans Baria (VeKa)i
welche drei bis fünf Tagereisen nach Elvira hatten. Die Namen vtd
Pfiirreien aber sind:
1) Restitutus von Epora. . Epora ist das heutige Montoio^ am BMii
zwischen Cordova und Andujar. Nach Plinius war es „eine verbündete
Stadt'^, später ein Municipium. Es liegt auf dem Gipfel und am Ab-
hänge eines schroffen Febvorsprunges y mit einer hohen Steinbrücke von
vi&r Bogen in römjLschem Style über den Fluss ^). t)ie Franzcaea ver
brannten den Ort 1808. — Der Name Restitutus ist häufig , beaopdn
in Afirika. — Ein Bischof Restitutus von London wohnte 814 der erittt
Synode von Arles an.
*) Lorinser brauchte dlf Tage von Valencia nach Granada; Ziegler sagt, van
brauche drei Tage von Almeria nach Granada; Wolzogen rechnet sechs Tage-
reisen von Granada nach Murcia — Wolzogen, Reiseskizzen aus Spanien,
1857, 8. 272.
«) Willkomm, Reiseer. 3, 128—29. PUn, 3, 2. Florez, 12, 385-92. Cf. 14, 97.
Tejada y Ramiro — Einleit — F. Mendoza, l 1 de cone, EUb, «. ßnem, —
A. W, Zumptf Mtudia romanOf mve de selectis antigukaium romaruarum aqriiOmt com-
mentaiiones quattuor, BeroUni 1859, p, 319, — CeoM-BermudeZf de amti^
Bupaniae, Madrid 1832, p. 369.
Die Pfkneien der yienmdxwADiig 2a Elvira veraanmelteD Presbyter. 15
2) NaUliSy Presbyter von ürsona. Urso, oder Genua Urbanorum
ist em im Alterthume, wie in dei: neuem Zeit berühmter Ort Heute
hflHit die Stadt Ossuna, woher der Herzog von Ossuna seinen Namen hat
Dm t ist in gewohnter Weise ausgestossen« Es war eine zum Gerichts-
fefe Yon Astigi gehörende feste Bergstadt, die lezte Zufluchtsstätte der
Pompejaner. Von Astigi = Ecija ist es eine halbe Tagereise südlich
entfeiiit. Es liegt in einer weiten Steppe , der von Willkomm soge-
Btnnten niederandaluaischen, hat auf aoUt Meilen kein Wasser; bei der
BelageroDg durch CXsar fimd sich auf sechs Miglien kein Holz, um
Tkunne für die Belagerung zu bauen *)•
Natalia ist ein auch in der alten Earchengesohichte gefeierter Name.
80 hieas namentlich um 200 der Bekenneri dann Bischof der Thco-
dstianer, welcher, nachdem er von Engeln, wie er sagte, gegeisselt
loiden, zu Papst Zephyrin mit der Bitte um Wiederaufnahme in die
lüRhe kam ^). Ein anderer Bischof Natalis wohnte 206 einem Concile
in Garthago an. — Unser Natalis ist der einzige von den vierund-
fwanzig Priestem in Elvira, dessen Name ausser diesem Anlasse auch
lOMt aoch genannt wird. Er wohnte mit einem Diakon 314 der Synode
IM Ades an, wo er sich unterzeichnet als Natalis a dvUaU VrwUnr
\, wihiend eine Inschrift bei Muratori die Stadt Re$. ünonemium
«).
3) Mannis ^on lUiturgi. Die Lage dieser Stadt kennen wir aus
IL2, ILll*).
4) l4tfQponianu9 — war Priester von Eourala oder Carula. . Es lag
•of der Stmsse von Oades nach Corduba ^) , eigentlich auf der Strasse
fOB Sevilla nach Antequera, zwischen Basilippo und Ilipa. Cort^ häh
« für den Ort Puebla de Moron, Lapie für Montelano, Rcichardt für
Caionily Mendoaa für Marchena. Uebrigons kommt Carula eben nur
in dem Beichswegweiser des Antonin, und an unserer Stelle vor, und
M ist mSglidi, dass es ein erst seit dem zweiten und dritten Jahrhun-
dert hk Anfiiahme gekonunener Ort war, den wir uns desswogen nicht
unbedeotend vorstellen dürfen, weil derselbe im Anfange des vierten
Jihiliiiiiderts eine eigene christliche Pfiurgemeinde hatte. Der Name
LaBqM>nii]fl oder Lamponianus kommt sonst auf den alten ConGÜien
mbi Tor.
') Sirtdfo, 3, 141. — Appian. Uitpun. c. 16, — Hirtius Bell Http. 26; 41 ; 05 infin. —
Ptim. 3, 1, 3. — Florez, Münzen, 2, 624; 3, 130. — Bsp. sag. 10, 76' — 77. No-
nmt, de wb. Hup.
*) EMMeb. 5, 28.
*) Florei, 10,77. Gncter, 2.. ^92. Muratori MCCV. 6.
Vr ')Bd. 1, 8. 186 — 89.
^1 *} lim. Aul 411. ed. Pankt^ ei Finder, 1848. — Itmera AmUmini — im An-
hange.
/
16 Fftnftes Bmeli. Drittel Kapitel.
6) Barbatus von AstigL Ob das Tielgeiiannte Aatigi eineii Biachcrf
damals hatte ^ wissen wir nicht. Die Spanier halten , wie gesagt ^ Cri-
spinus für den ersten bekannten Bischof von Astigi. Ich habe dar-
über, ob es nemlich im J. 306 schon Bischöfe von Astigi gab^ bis jeil
keine bestimmte Meinung. Uebrigens liest hier statt Astigi — Mendoia
— Advigi; Loaysa^ der Herausgeber der spanischen ConciUen vor
Aguirre, liest Aduingi. Deutlich steht aber bei Ant Gk)ncaleE — Astigi;
und es fällt mir auf, dass der neueste Herausgeber der Condlien Sp»>
niens, Tejada y Ramiro*), dem doch die Ausgabe des Gonsales vor
und zu Grunde lag, zwar Astigi liest, aber vermuthet, es werde das
heutige Alhama, sieben Leguas von Granada, oder gar Ja^n geweaen
seyn. Offenbar folgt er dem Ferd. Mendoza, der statt Astigi — Aitiffi
gelesen hat, welches allerdings in der Nähe oder an der Stelle des h&m
tigen Alhama lag. — Auch in Beziehung auf die Lage von Elvira fidgt
Tejada unbedingt dem alten Ferd. Mendoza, uüd bagt, es sei aiebeÜ
Miglien von Granada entfernt gewesen. Der Kardinal Agoirre rnein^
die Unterschrift des Priesters Termarius und des Lector Victor zu Alks
314 — müsse — statt: aus der Stadt der Bastigentier — vielmehr heisMi
— aus der Stadt der Astigentier. Aber es würde dann eher heisaens
AsHffitnnoruin^ Sodann ist im J. 306 das Bisthum Basti verbürgt, das
Bisthum Astigi aber ist unverbürgt. Der Name Barbatus — der Bart*
mann — kommt öfter auf den ConciUen, besonders in Italien, vor.
6) Felicissimus von Ateva — besser liest man a Teva. Ateva odtt
besser Teva lag in dem Bisthume Malaga, östlich von Ossona, westlich
von Antequera. Mendoza hält es mit Unrecht für Ategua. £a ist heute
noch ein bedeutender Ort, und daher haben wohl die Grafen vonTeba ihres
Namen. Das heutige Teva liegt zwölf Leguas von Malaga, achtzehn
von Granada, und ist in der Diöcese Sevilla. Davon unterscheidet man
Teba la vieja in der Provinz Malaga, Gerichtsbezirk von Campilloi.
Nicht weit davon ist Ronda. — Auch der Reisende Carter glaubt in
dem heutigen Teba Spuren einer alten römischen Stadt gefunden wn
haben *).
7) Leo von Acinippo. Ptolemäus (2, 4, 16) nennt sie unter dai
Städten der Celtici, jezt Ruinen eines Theata:« und einer Wasserleitung
auf hohem Berge, Ij- Leguas von Ronda entfernt Florez führt mehrere
Inschriften an^). Es gehörte zum Gerichtsbezirke von Sevilla. Auf
*) CoUcdon de cemones — U 2 (iSSO), p. 27.
«) Affuirre coneiL — !•*• Ausg. — 2, 19.
') Carter, S. 255. Auf der Spize eines hohen Berges, eine kleine Meile von Can-
nete, liegt Teba, die wegen der vielen Spuren, dass sie eine rdmisehe Stadt
gewesen, unsere Aufmerksamkeit verdient.
«) Florez, MedaL 1, 152; 3, 6. Pluer's Reisen, S. 427. Carter's Reise, 1» 8. 163
— 70. Florez, Eqt. $. 9, 17 -20.
Die Pfkrreien der vienindxwansig su Elvira versammelten Presbyter. 17
seineQ Münsen sind Aehren und Trauben dargestellt ^). Auf der Höhei
wo Acinippo lag, sah Carter die Sierra Morena, Cadix und das Meer.
£r sah (1772) Theile eines Theaters , die Mauern sechzig Fuss hoch,
dreiundirwanzig Reihen von Sizen, wovon acht noch ganz erhalten waren ^).
— Die swei Meilen des Weges von Acinippo nach Ronda waren voll
von Fundamenten und Merkmalen römischer Städte. Von dieser Stadt
sind nngMKlig viele Münzen vorhanden^).
8) Liberalis von Eliocroca. Ueb|r die Lage dieser Stadt, deren
Bisdiof als der Drittlezte unterschrieb, kann ein Zweifel nicht obwalten.
Es ist Lorca heute noch eine bedeutende Stadt. Von hier kam das Bis-
tfaum nach Cartagena, später nach Murcia, und dahin gehört Lorca
heute noch. — Aber es gilt hier, einen Irrthum zu berichtigen, der
aeh gewöhnlich bei Nichtspaniem findet; es ist nemlich die Verwechs-
bng von Uorcum am Tader — Segura — dem berühmten Orte der
Niederlage der Scipionen, und unserm Eliocroca. Mit Um*echt ver-
mnthet Mannert*), dass Huesca, die südlichste Stadt der Oretaner, das
Oofcum des Plinius seyn könnte. Der Geo^ aph Forbiger meint, dass
Eliocroca vielleicht das Uord des Plinius sei^). Der Spanier Morales
behauptet sogar, man wisse nicht den (neuem) Namen von Eliocroca,
sondern nur, dass es nicht weit von Cartagena entfernt gewesen sei. —
Das heutige Lorca ist aber ein vom heutigen Lorquf verschiedener Ort
Beide bestehen mit ihren alten Namen noch heute fort. Die Villa Lorquf
ist drei Lc^as von Murcia, vier von Mula, von Albacete achtzehn, von
Valenda sechsunddreissig entfernt^). Es liegt an der Segura, d. h. an
dem alten Tader. (Es hatte 1857 nur 1,094 Einwohner.) — Ich selbst
bin auf die Verschiedenheit von Lorca und Lorquf (Ilorcum und Elio-
croca) durch den Fr. von Minutoli aufinerksam gemacht worden, der
im ersten Bande seines Buches: „Altes und Neues über Spanien^ —
1854 — ein Kapitel hat: „Ein Besuch in Elche, dem spanischen Palmjra.'
Er woUte von der Höhe des Thurmes die Felsen von Lorqui sehen ^).
Lorca aber kann man von Elche aus in keiner Weise sehen, das viel
*j MoBdeu, 6, 308. — Corles, 2, 97—100, and ihm folgend Madoz — wollen Lacippo
dem Acinippo substitairen. Aber Lacippo lag anerkannt südlich eine Tage-
reise von Acinippo, — Carter — 1,128—30, nicht weit von Barbesola und
der Seeküste.
*) Siehe Canon 2 von Elvira.
») Carter, 1, 170.
«) PIm. 3, 3, 4. Mannert, Geographie der Griechen und Römer, 2^ Aufl.. 1799. —
1. Bd. S. 392.
*) Forbiger, Alte Geographie — 3. Bd. Europa (1848), S. 65.
*> Midoz, .Lorqui.*' Auch in dem historischen Atlas von Spruner ist Ilorcum an
die Stelle von Eliocroca gesezt, und dann beigefügt Eliocroca?
») Minutoli, 1,98 — 111.
OsBS, tpan. Kirche. IL 2
18 Ffinftes Bacb. Drittet Kapitel.
südlicher und durch Berge verdeckt ist — Lorqui und Lorca liegen
eilf bis zwölf Leguas von einander ^).
9) Januarius von Laurum. Es gab ein doppeltes Lauro j eines vom
Flusse Sucro westlich , zwischen Valencia und llici, in weinbertihmter
Gegend y nahe dem Meere. Manche glauben , es sei das heutige Liria ^j.
Das zweite bätischc Lauro lag bei Munda^ wo Pompejus geschlagen
wurde. Es heisst heute Lora, vielmehr Alora. Es hiess auch Uaoro
oder Iluro , und daraus wird wohl Alora entstanden sejn ^}. Carter
handelt ausführlich darüber. Nacli ihm liegt Alora auf dem Oipfel eines
Berges; die Stadt ist alt^ und wurde von den Kömem Uuro genannt
Von dieser Stadt war wohl der Priester Januarius nach Elvira gekommen.
10) Januarianus von Barbe. Barbe ist wed^r Barberiana noch Barbe*
sula y welche beide Orte zwischen Malaga und Carteja lagen *). Barbe
lag vielmehr an der Strasse zwischen SeviUa und Antequera. Nach
Cortds und Madoz ist es beute la Pedrera. — Aber ein anderes Barbe
lag bei Tucci, und Florez meint, dass die Priest6r Januarian und Leo
von Gemella ihren Bischof Camerinus zum Concil nach Elvira begleitet
haben. Nach den mehrgenannten Schriftstellern des Bisthumes JaoD|
Rus Puerta und Ximena, war Barbe ein mit Tucci verbundener Ort,
und auf einem Alabaster&agment werde es als Municipium BarLiUmum
bezeichnet Der westgothische König Sisebut schrieb an die Bischöfe,
Richter und Priester der Territorien von 1) Barbi; 2) Aurgi; 3) Sturgi;
4) Illiturgi; 5) Biacia; 6) Tugia; 7j Tatugia (Accatucci); 8) Egabro;
9) Epagro. Da nun diese Orte alle nahe bei einander lagen, so schUesat
man mit Recht, dass auch Barbe in jener Gegend lag^).
Das erste Barbe ist eben nur durch das Itinerar. AniUmini be*
glaubigt ^) ; das leztere durch Inschriften und Zeugnisse aus dem siebenten
Jahrhundert Es scheint der wichtigere Ort gewesen zu seyn, und lag
näher bei Elvira, darum glaube ich (mit Florez), dass der Priester Ja-
nuarius aus dieser Stadt stammte.
11) Victorin von Egabro — war aus der schon erwähnten Bischöfe-
Stadt, oder aus dem nahen Epagro.
12) Titus von Ajune; die meisten Schriftsteller wissen sich bei diesem
Titus nicht zu helfen. Ich bin der Meinung, dass die heutige Villa
Arjona dem Ajune entspreche. Der Uebergang von Ajune in Arjuna —
*) Mariana f 2^ 23: Lorquinum quidam putantf alii Lorcam,
«) Appian. Bei. civ. /, 109. - Plutarch. Sertor. 18. - iVmpe;. 18. — Fhru», 3, 22- 1.
4. 2y86, Lwiu», 91,20 addit. Freinsh. — Orosnu, 5, 23. -- Ucker l, Alle
Geo^aphie, 1,404. Furbiger, 68.
») Morus, 4, 2. Aguirre, t 2, 74 (2. ed). — Florez, 12, 303. — Carler, 1, 203;
225—27.
^) Florez , 12, 306 - 8; cf. 9, 54 ~ 55.
») Florez, 7, 104. 12,383; 393.
•) //. Ant, 412.
Die Pfarreien der vienindswADsig au Klvira versammelten Presbyter. 19
bietet wegen der Bachataben A und O und £ in A keinerlei Schwie-
ligkeiten dar. Denn diese Uebergänge sind die Regel. Etwas anderes
ist es mit der Einfügung des R. Denn hier findet vielmehr die imige-
kekite B^el statt, nach welcher das R ausrälit. Es liegt demnach nahe,
m sagwiy daas hier die Abschreiber durch Auslassung des R gefehlt
lubeo. Denn der früheste von den neun Codices, aus denen Ant. Gon*
lalei die spanischen Concilien edirte, stammte doch erst aus dem sehnten
Jahrhundert. Gerade dieser, der Codex Set Aemiliani, enthält die
Namen der Presbyter nicht, sondern zwei jüngere C. U und G (von
Ufgel und Gerona), wovon jener nach Gonzalez aus dem Ende des
nlmten ond Anfang des eilften, dieser aus der Mitte des eilften Jahr-
IxmdertB stammt — „Es sind hier einige Ortsnamen verdorben,^ sagt
L Qonsalea, „aber wir halten es für besser, sie zu geben, wie sie sich
Torfinden.^
Alba Urgao, das heutige Arjona, ist ein vielgenanntes Municipium,
welehea zum Bisihume Tucci-Mmrtos gehörte, heutzutage natürlich zum
fiiidiame Jal^'n. Von Jae'n ist es fünf, von Andujar zwei Loguas ent-
üent — In Inschriften heisst der Ort Munieipium Albense Urgavanense.
Dta heatige Arjona kommt wohl von Urg(j)aona her. Im J. 1013 wird
der Ort erwähnt Im J. 1244 wurde es von Ferdinand dem Heiligen
in Basis genommen *)•
13) Eucharius von dem Municipium. Von welchem Municipium war
der Piiester Eucharius gekommen? Nach Plinius gab es allein in der
Provina BKtika 175 Städte, darunter neun Colonien und achtzehn Muni-
cipien (wovon er selbst nur fünf namhaft macht). Aber seine Angaben
äUmmen aus den amtlichen Aufnahmen unter Kaiser Augustus. Be-
sonders unter Vespasian und seinen Söhnen mehrte sich die Zahl der
Monidpien in Spanien ausserordentlich Ueberhaupt war die Menge der-
!^ben in Spanien unglaublich. Plinius nennt die von uns so oft ge-
nannte Stadt Evora ein Oppidum — vom altem Bechte der Lateiner;
aber nach Münzen war sie unter Augustus schon ein Municipium. Nach
OuD gab ee in ganz Lusitanien nur ein Municipium, nemlich Lissabon;
zur Zeit des Kaisers Trajan werden aber deren schon eilf gezählt —
in einem engen Baume ^). Der Spanier Cean Bermudez hat in seinem
^'erke über die römischen Alterthümer in Spanien — eine Anzahl von
Xiuücipien nachgewiesen ^) , deren Namen man umsonst bei Plinius oder
anderswo sucht. Im Besondem für die Provinz Bätika hat er nach-
') Florez, 12, 379— 82. Madoz, 2, 565. Cortcs, 3, 496 — 97.
*l Zrimptf Studia romana, p. 314. At mumcqnorum ineredibiUs eit in Hitpanüs mtää-
tndo, wuMgnam tarnen partem hoc tempore (zur Zeit vom J. 70—97), reUqua demceps
— oria täte ceneeo,
') Cm BermmdeZf Sumario de he caUiguidades romanae que hay en E^anna, en expe-
cioi Im periemeeimtee a lae heUae-ariee^ Madrid 1832,
20 Fflnftet Bach. Drittes Kapitel.
gewlesen das Mtaue^um Flavium AarigiUmum, d. h. Jaän, das Mw
AxtaUanum, das Htm. Flav. Canamense^ Man. Flav. Munigueme, Flm
Neseamenae, Htm. Flav. Smffiümse, Mun. Flav. SotonegiUmonan *). Yo
diesen Städten kommen nur Canama und Singili bei Plinius Yor| ohi
dass er dieselben als Municipien nennt , was sie ohne Zweifel erst unt<
Vespasian, oder seinen beiden Söhnen wurden. Angesichts dessen — i
das Municipium des Priesters Eucharius schwer zu finden , da ganz Sp
nien toU war von Municipien. Mendoza denkt an Calagurris aus keinei
andern Grunde, als weil es auch ein Municipium war. Florez den]
an Gades aus einem ähnlichen Grunde, wie er bei Carteja an Hesychii
dachte. Es scheint ihm auflEEillend, dass Grades in Elvira nicht einmi
durch einen Priester vertreten seyn sollte , da Carthagena doch auc
einen Priester gesendet hatte. Gudes war eine berühmte Stadt und ei
Municip, also — war Eucharius aus Gades gekommen.
Will man sich für eine bestimmte Stadt entscheiden, so hat allei
Elvira einen Sinn. Elvira war ein Munidp. — Eucharius untersohric
sich in ähnlicher Weise ^aus dem Munioip^, wie bei uns die Lenf
sagen: ich bin ^aus der Stadt^, oder ich gehe ^in die Stadt^. D«
konmit, dass die übrigen Bischöfe, wenigstens die näher wohnenda
je einen oder zwei Presbyter bei sich hatten; z. B. die Bischöfe vo
Urci, wohl auch Malaca und Eliocroca, Sevilla, bestimmter die S
schöfe von Egabra, Cordova, Tucci und Castulo. Warum sollte d<
Bischof von Elvira nicht auch einen Presbyter bei sich gehabt haben?
14) Silvanus von Segalvinia. Ein Ort dieses Namois kommt :
Spanien nicht vor; wohl aber bei Ptolemäus ein Ort Seiambina od
Salambina. Mendoza und alle Folgenden, unter andern Tzschuck
seinem grossen Oommentare zu dem kleinen Pomponius Mela, sind dies
Ansicht, und ich habe keinen Gruhd, anderar Ansicht zu seyn. -
Florez, Cortös und Madoz halten den Ort für das heutige Salabrem
oder Salobrenna, bei Motril, zwischen Almeria und Malaga, woman
der Ort zum Bisthum Malaga oder Elvira gehörte^).
15) Victor von Ulia. Ulia ist eine bekannte Stadt zwischen Corde
und Egabra, welche zu lezterm Bisthume gehörte, heute Montemayor
16) Januarius von Urci begleitete mit dem Priester Emeritus ▼<
Baria seinen Bischof Cantonius nach Elvira ^).
17) Leo von GemeUa (Tucd) kam mit seinem Bischöfe Camerinus.
18) Turrinus von Castulo kam mit seinem Bischöfe Secundinns.
19) Luxurius von Drona. Spanier und Nichtspanier gestehen, da
>) Cean, p. 293, 'Cwn, p. 273. Moiäm, 6, 484. Muraiori, p. 1108, 1. — Zmi
p, 315 - i7.
*) TzBchueknu -— Comm, ad Melam — Leipzig 1807 sq. — 7 voL — Ein Auszog d
von erschien von Ang. Weichert — Leipz. 1816 — 1. Bd. — Florez, 12, 102i
») Florez, 12,5 — 10. — Cortet y Lopez, 3,492—93. — Madoz, 15,2ia
Die Pfarreieii der rierandswansig au Klvira versammelten Presbyter. 21
ne von einem Orte Drona nichts wissen. Hardüin, der Herausgeber
des PHnias , hat auf das bei Plinius vorkommende Brana hingewiesen.
20) Emeritus von Baria war aus Vera im Bisthum Urci gd^ommen.
21 ) Eumantius von Solia — Solia lag zwischen dem Flusse Menoba,
kate Guadiamar und San Lucar la Mayor; es ist anerkannt der leztere
Ort, drei Lieguas von Sevilla entfernt, und gehörte zu diesem Bisthume.
22) Clementianus von Ossigi. Ossigi mit dem Beinamen: Laconicum
— lag zwischen Castulo und Illiturgi an der Südseite des Bätis ^), und
bei üe&er Stadt trat der Bätis in die Provinz Bätika ein. Heute liegt
an ikmet Stelle Mengibar (nach andern Maquiz). Ossigi lag östlich von
DUtoigi, und gehörte zum Gerichtsbezirke von Corduba. Seiner Lage
aaek gehörte es zu dem Bisthume Tucci ^).
03) Eutyches von Carthagena, und
24) Julianus von Corduba — waren aus allbekannten Städten ge-
kommen. Jener hatte den Bischof Succesus von Eliocroca, dieser den
fiadiof Hosius begleitet. — Er steht an lezter Stelle vielleicht , well
er das PlrotokoU der Verhandlungen führte, und demnach auch als der
lote anteneichnete.
OmeSüan EUberitanum decem Concil von Elvira, von nenn-
et nooem episeoporum , Constantini zehn Bischöfen j zu den Zeiten des
tem^oribmi ediium eodem tempore, Constantin gehalten zu derselben
(pta ä Nieoena synodus habita est Zeit, wo auch die Synode von
Nicäa stattfand.
Cum ecneedissent mneti et reli- Als die heiligen und frommen
gkm ^pueofn in ecclesia Eliberitana^ Bischöfe in der Kirche von Elvira
ftoe ett Felix , episeapus Accütmus^ sassen , nemlich Felix, Bischof von
Omii^ episccpiu Cordvbentis, etc., item Acci , Osius , Bischof von Corduba
prei6y<m eU,, die iduum Mßjarum u. s. w., ebenso die Priester u. s. w.,
apud Elibenm residerUibus cunetia, als am 15. Mai alle in Elvira ver-
mUmtUnii diaeanibus et omni plebe^ sammelt waren, während die Dia-
qnseopt univerri dixerunt: konen und das ganze Volk standen,
sprachen alle Bischöfe:
Das Stehen der Diakonen und des Volkes in Gegenwart der Bi-
lehSfe und Priester entspricht einer allgemeinen kirchlichen Sitte. Die
Dakon^i wuen zimächst als Begleiter ihrer Bischöfe gekommen; und
jene fernem Bischöfe, welche ohne einen Priester gekommen, waren
oder nicht ohne mindestens einen Diakon zu der Synode gekommen«
*) Hn. 3, 1. — Baeticae primum ah Oui^tania inßuus.
')Plorez, 5,24; 12,367-68.
22 Fflnftes Buch. Die Synode yon ElTira.
Es konnten aber auch Diakonen in B^Ieitnng ihrer Preftbjrter gekommen ■
seyn, wie dieses auf der Synode zu Arles 314 der Fall war. si
Der 15. Mai wird als Tag der Versammlung genannt An diesem
Tage waren die Bischöfe jedenfalls versammelt; ob dieses aber der Tag
des Anfanges, oder des Schlusses der Synode war, dieses tritt keines-
wegs hervor. Es ist nicht ungereimt, zu sagen, dass an diesem Tage
die Synode geschlossen , dass die gefassten Beschlüsse in feierlicher Weise
— - in Oegenwart des ganzen Volkes «— bekannt gemacht wurden, loh
spreche es nur als eine Hypothese aus, dass das Concil etwa am 1. Mai,
an welchem Tage die älteste Kirche Spaniens das Fest der Ankunft der
sieben ApostelschüLer feierte, eröffnet, und dass sie am 15. Mai, an dem
Tage, an welchem später und heute dieses Fest begangen wird, geschlossen,
dass an diesem Tage die gefassten Beschlüsse verkündigt wurden *).
Es heisst: Alle Bischöfe sprachen. Sie sprachen die Beschlüsse aus,
über die sie bis jezt berathen, und die gewiss nicht an einem Tage
spruchreif geworden waren. Sie sprachen: Sie haben gemeinsam be-
schlossen (placmt inttr eos). Also wurden an diesem Tage nicht so fiut
die Beschlüsse gefasst, als vielmehr die schon vorher gefassten verkündigt
Doch darf man sich nicht denken , dass alle gemeinsam die Beschlüsse
ausgesprochen, sondern, während Einer redete, die andern am Schlüsse
jedes Canons, wie auch zu Sardika 343, wie im Chore antworteten:
placet oder placuü. — In der spätem westgothischen Zeit galt als Termin
für die Eröflnung der Frühjahrssynoden der 17 — 18 Juni. Man ist aber '.
nicht berechtigt, daraus für die Zeit der Abhaltung der ersten Synode
in Spanien — eine Folgerung zu machen. — Es folgen nun die ein-
zelnen — 81 — Canones mit nebenstehender deutscher Uebersezung,
und der Erklärung derselben. Die Uebersezung soll treu, und möglich
wortgetreu seyn, auf die Gefahr hin, dass sie vielfach undeutlich und
undeutsch werde.
Canon 1.
Von denjenigen, welche nach der De kis qui post baptismum
Taufe den Gözen geopfert haben. idolis immolavertmt
Es ist beschlossen, dass, wer immer Placuit inter eos: Qui poH
nach Empfang der heiligen Taufe, in er- fldem bapiismi aättiUiris adutia
wachsenem Alter, zu dem Grözentempel, aetaU ad templum idofiidoUh
um zu opfern, hinzutritt, und das thut, was turf4$ aeeesserU, et fecerii, quoi
ein Kapitalverbrechen ist, weil es die est crimen eapüäUj quia etl
') Cf. eputtola S. Cypriani ad ComeUum Papam de 5 presbyterU et FortunaUi pseudo-
epigcopo — eap. 10 — helttt es ebenso : Qm (Privatas) cum e^ntd not m eoneüioj
quod habutmua Idibus Majit, quae proximae ßtenmt etc
CaooB 1. 23
iSctae ICnetluit laty dau er «neh am nmmit ieeUtU, placuU nee in
Ende nicht die Communion emp£Emgen ftnem cum commtmumem oe-
MÜe. dpere.
Von den neun Handschriften des Gonzalez lesen vier, der Codex
ißmüianengU, Toletanus 1 und 2, und der Codex Bibliotheeae regitu
latt crimen eapitale — crimen principale. Mit Recht hat Fr. Oonzalez
lie erstere Lesart vorgezogen. Denn einmal ist das Wort an sich, d. h.
n früherer Zeit, seltener. Zweitens kommt dasselbe in demselben, oder
n ähnlichem Sinne, gerade im vierten Jahrhundert gewöhnlich vor.
Zweimal kommt bei Ammianus Marcellinus vor: eapitale aitppUeium —
Todesstrafe: 24, 3 (ef. 22, 11 — capitali addixit suppUeio; suppUcio capi*
tafi midetatuM eti), während man früher sich begnügte, zu sagen: aitp^
pticnim. In ähnlicher Webe steht L 26, 3 — capitali animadvenione
iamnavit. Demnach hiess in der Gesezgebung des vierten Jahrhunderts
npOalü senientia einfach die Todesstrafe ^j. — Drittens findet man gerade
tof dieser Synode, und überhaupt in der spanischen Kirchengeschichte,
lie Vergleichung und Nebcneinanderstellung weltlicher und geistlicher
Terbrechen, und darum auch hier vor allem der Versuch , beide gleich-
nissig zu bestrafen. Von spanischen Bischöfen , Idatius und Ithacius
mrde der erste — unglückliche — Versuch gemacht, eine Häresie (der
'risdllianistenj durch das Schwert der weltlichen Obrigkeit zu strafen,
md zu unterdrücken.
Das Opfern im hcidnbchen Tempel wird von den Vätern von Elvira
*in Kapitalverbrechen , d. h. ein des Todes würdiges , mit dem Tode
n bestrafendes Verbrechen genannt. Wie der Mord ein crimen eapitale
!t, so ist das Opfern vor den Gözenbildern ein crimen eapitale. Der
ho vom Christenthume Abfallende, welcher dieses Verbrechen begangen,
at das Leben des Greistes verloren. Er wird ausgestossen und aus-
geschlossen , so lange er lebt , aus der Gemeinschaft der Gläubigen, und
uch vor seinem Tode wird er nicht begnadigt, er wird nicht mehr in
lie Gemeinschaft der Gläubigen aufgenonmien.
öie Bedeutung der Commimio, und der Ausschliessung von
der Communio.
Dass ^Communio^ sowohl Kirchengemeinschaft, als die heilige
Eucharistie bedeute, ist eine allen bekannte und nicht angestrittene
Siehe ^). Gerade weil das Wort in diesem doppelten Sinne überall und
') LactaDtias, der um die Zeit der Synode von Elvira lebte, sa^t: insäL diu. 6, 20
— neque aeauare quemquam crimine capitali (licet),
*) Drey, neue Unlcrsocbungen über die Const. und Canones der Apostel, 1832,
S.255.
24 Ffinftes Bacb. Die Synode von ElTira.
immer vorkommt y darf man die EirohengemeinBchaft von der
nicht trennen. Die Aafimhme oder die Wiederaufiialmie in die Com^
fntmto pacia, in die Gemeinschaft der Gläubigen wurde vollzogen und
besiegelt durch die heilige Communion, durch die Communio Dommka.
Auch unsere Synode gebraucht das Wort bald von der Kirchengemein-
schaft, bald von dem heiligen Abendmahl. Im leztem Sinne steht es —
in Canon 1 — cammunionem aedpere — genau wie wir sagen: er soll
die Communion nicht empfangen. Ebenso in den Can. 2 — nee in finem
aedpere eommunumem , und Can. 3 — ne illtmsBe de dominiea commur
nione videantur — Can. 5 — ad eommunionem plactdt admüti — sie soll
zu der Communion zugelassen werden — und accipiat eavnmtaüonem*
Ebenso Can. 6 — nee — irnpertiendam Uli esse eommunionem; Can. 7, 8,
9, 10, 12, 13, 14 — admitti ad eommunionem 9 17, 18, 22; — post deeem
annos praestari communio debet, — Ein starker Beweis, dass Communio
nicht bloss Kirchengemeinschaft, sondern vorzugsweise Abendmal be-
deutet, ist besonders der 22. Canon. Noch mehr der Canon 28 — der
Bischof soll von dem, welcher nicht communicirt, kein Geschenk an-
nehmen. — Ebenso Can. 31, 32, 40, 46, 47 das erste Mal, wo das
Wort Communio vorkommt, theilweise Can. 53, Can. 55, theilweise
Can. 61, ganz Can. 63, 64, 65 und 66, theilweise 67 und 69, ganz 70,
71, theilweise 72, ganz 73, 75, theilweise 76.
Dabei ist wohl nicht zu leugnen , dass die beiden Bedeutungeii des
Wortes Communio, Gemeinschaft und Eucharistie, nicht selten so in
einander überfiicssen , dass schwer zu sagen ist, welche der beiden Be-
deutungen überwiege, oder in dem gemeinschaftlichen Worte Communio
nachdrücklicher oder vorwiegend enthalten sei.
In dem Sinne von Kirchengemeinschaft, Aufnahme, Wiederauf-
nahme , und Ausschliessung von der Gemeinschaft der Kirche dürfte das
Wort Communio zu nehmen seyn in dem Canon 47 — placuil uUerius
non ludere cum de communione p<usis — es ist beschlossen worden , dass ein
solcher nicht weiter mit der Gemeinschaft des Friedens Spott treibe.
Damit vergleiche man Can. 3 — ne illusisse de dominiea communione
videantur — damit sie nicht mit der Communion des Herrn ihren Spott
zu treiben scheinen.
Hieher gehört Canon 50 — a communione abstineri, und dem ent-
sprechend Can. 16 — und 21, wo es heisst — abstmeri per quinquennium,
sie sollen fünf Jahre ausgeschlossen , Can. 21 — pauco tempore absti'
neaiur — er soll kurze Zeit ausgeschlossen werden — Can. 53 — ab
eo episcopo quis reeipiat commumonem, a quo abstentus fuerit; cf. Can. 74.
Jeder soll von demjenigen Bischöfe die Gemeinschaft (der Kirche) wie-
der empfangen, von welchem er wegen eines Verbrechens ausgeschlossen
*) Cf. Can. 47, SO, 53, 56, 57, 58, 59, 62, 69, 72, 74, 76, 78, 79.
Caoon 1, 25
irordm ist. Noch deutlicher sind in demselben Canon die Worte: eom-
mmmme prwatm, der Oemeinschaft beraubt Cf. Can. 57. — Canon 72
bedeutet eemmunUmi reeondUari nach gewöhnlicher Auffassung — der
Effchengemeinschaft wieder gegeben werden; ebenso Can. 79.
Die Zusammensezungen, in welchen das Wort Communio in unserer
Synode Torkommty lassen dasselbe gleichfalls bald auf die Eucharistie,
bald auf die Kirchengemeinschaft, bald auf beide zugleich beziehen«
Zweimal konmit das Wort communio dominka vor: Communion des
Herm , das erstemal im Canon 3 — ne illunsie de Dominiea eommuniane
videaniur, das zweitemal im Canon 78 — daminicae toeiari eommunimü
— der Gemeinschaft des Herm wiedergegeben werden ; es kann aber
indi Abendmahl bedeuten.
Im Canon 76 wird die Commttnio Ictica dem Diakonen nach fünf-
jähriger Busse zugesichert , welcher wegen eines entdeckten Verbrechens
seines Amtes entsezt worden. Diese Communio Icnca ist die Kirchen-
gcmeinscbaft — mit der heiligen Communion, wie sie die Laien haben
und gemessen.
Im Canon 47 findet sich das Wort — plaeuit uUerita non ludere tum
de commimione paeis — und hier bedeutet es zunächst Gemeinschaft des
Friedens oder der Kirche, und dann erst die heiligt Communion. In
demselben Sinne kommt communio neben pax im Canon 61 vor, aber
getrennt von einander: — die Sünderin soll fünf Jahre von der Com-
munion ausgeschlossen werden , wenn nicht eine Krankheit zwingt, ihr
-den Frieden* früher zu geben. — Ebenso bedeutet in Canon 61 „P(ue^^
die Kirchengemeinschaft.
Wenn communio die Kirchengemeinschaft bedeutet, so bedeutet es
nicht gleichzeitig den Eintritt in die christliche Kirche , d. h. von denen,
welche getauft, oder welche Katechumcnen werden, hcisst es nicht,
ds5s sie zu der ^Communio* der Kirche gelangen. Ein neuer Be-
weis, dass es die mit der heiligen Communion verbundene „Com-
munio* ist Zur Bezeichnung des Antrittes des Katechumenates, der
Taufe, oder sonstigen Eintrittes in die Kirchengemeinschaft, bei welchem
die heilige Eucharistie nicht gereicht wird, finden sich folgende Aus-
drücke: 1) ad bapUsmum admiiti — Can. 4 — zu der Taufe zugelassen
werden; arf fontem lavacri admitti — Can. 10; — dandum baptismum
pUecuU, non denegari — Can. 11. — Nach Can. 22 — sollen Kinder
der Häretiker incuncUmter recipi ddtent, — Nach Can. 37 werden die
Besessenen am Ende des Lebens „getauft'', der Getaufte wird durch
Auflegung der Hände „vollendet*'. — Kranken Heiden werden auf
ihren Wunsch die Hände aufgelegt, und sie werden so „Christen* —
Can. 39. — Vergleiche femer Can. 42, 46, 62, 68, 73. Nach Can. 44
soll eine „mereirix'^, wenn sie zum Glauben konunt, unverzüglich „auf-
genonunen^y d. h. als Katochumene angenonunen werden. Nach Can. 68
26 Fllnftei Bach. Die Synode von Elvira.
soll eine Katechumene am Ende des Lebens ^getauft^ werden , wel(
Ehebruch begangen, ^^et praefoeaverit^.
Demnach sagt die Synode nur von denjenigen, welche schon v<
kommcne Christen oder Christgläubige gewesen, dass sie zu der Co
munion zugelassen, oder von ihr ausgeschlossen werden. Von Heid
welche glauben wollen, sagt sie, dass sie als Katechumenen zugelass
oder daRs ihnen die Hände aufgelegt werden sollen. Von Katechumei
sagt sie, dass sie zu der Taufe zugelassen, oder dass sie getaufl werc
sollen. — Von Häretikern sagt sie, dass sie zu der Busse zugelass
von deren Kindern sagt sie, dass sie unverzüglich, d. h, ohne Bu
aufgenommen werden sollen. Da dieselben die Taufe schon erhall
hatten, da die spanische Kirche, ohne Zweifel der römischen Kir<
folgend, die Taufe der Häretiker für giltig erachtete, so bestand
Aufnahme derselben in der Firmung, oder ,, Vollendung^, und wenn
noch nicht getauft waren, in der einfachen Aufnahme zur Vorbercitu
auf die Taufe ohne eine Busse.
Das Wort Comraunio wird demnach nicht von Heiden, Juden,
waclisencu Häretikern oder Katechumenen gebraucht; diese alle mussi
durch das Katcchumenat und durch die Taufe, die Häretiker theilwe
durch Busse Christen, dann Gläubige werden; es bezieht sich nur <
die, welche schon Katholiken waren, und durch ihre Schuld für ei
Zeit lang oder für immer der Communio, der Kirchengemeinschaft
wohl, als der Eucharistie, verlustig geworden.
Sehen wir uns nun (für wenige Beispiele) nach spätem , besondc
spanischen Synoden um, und fragen wir nach der Bedeutung des Wor
Communio bei denselben. Der Canon 13 der Synode 1 von Toledo v<
J. 4U0 sagt: Diejenigen, welche in die Kirche kommen, und die d
über betroffen werden, dass sie niemals communicircn, sollen ermal
werden , dass , wenn sie nicht communioiren , sie in den Stand der Bu
sich begeben sollen. Wenn sie communicircn (d. h. in der Kirch«
gemeinschaft stehen), so sollen sie sich nicht immer (der heiligen Eucl
ristie) enthalten , wenn sie dieses nicht thun, so sollen sie ausgeschlosc
werden (d. h. von der Eucharistie und Gemeinschaft ausgeschlosf
werden) *). Der folgende Canon 14 bestimmt: Wer die in der Kir<
von dem Priester empfangene Eucharistie nicht nimmt, der soll exco
municirt werden. In ähnlicher Weise hatte die 380 zu Saragossa geg
die Priscillianisten gehaltene Synode verordnet — (Can. 3) , dass , v
die in der Kirche empfangene Eucharistie nicht in der Kirche nehc
') Cttn, 13, De his, qui in eccUaiam intrant et non communieemi , ut excommunicen
— "Wer nie in der Kirche commanicirt, »oll ausgeschlossen werden. Can.
Wer die EacharisUe, die er vom Priester empfangen hat, nicht nimmt, soll
Verstössen werden. — Hefele, Oonc <s^. 2, 67*
Canon 1. 27
HD Anathem für immer verfallen sei. - Daraus erhellt, dass auch der
•0. 14 von Toledo 1 gegen die Priscillianisten gerichtet ist.
Die Synode 2 von Bracara — 572 — unterscheidet in ihrem Can. 81
ruchen Communio und Sacramcntum einerseits, anderseits versteht sie
\di wieder unter Communio die heilige Eucharistie. — Der folgende
Hioii82 verordnet, dass, wer bei seinem Austritte aus dem Leben das
ite und nothwendige Viaticum der Communion verlange, dem solle
I nicht verweigert werden ' ). Dieses Viaticum wird in demselben Canon
IS Sacrament genannt Die vierte Synode von Toledo — 633 — ver-
pdnet im Cän. 18, dass die Priester und Leviten vor dem Altare „com-
Mmiciren^y der Clerus in dem Chore, das Volk ausserhalb des Chores.
Ein Concilium von Mileve verordnet in Can. 18, dass, wer in der
igenen Provinz nicht communicirc, in andern Provinzen oder in Ge-
enden jenseits des Meeres sicli die Communion erschleiche, dadurch
en Verlust seiner Communion oder seines Clericats verschulde. — Die
jnode von Agde 506 verordnet in Can. 18: — Laien, welche nicht
a Weihnachten , Ostern und Pfingsten communiciren , sollen nicht für
Katholiken betrachtet werden.
Aus dem AngefQlirtei> ergiebt sich zur Genüge, dass — Communio
od Kirchengemeinschaft zusammenfallen, dass wer von der erstem,
och von der leztem ausgeschlossen, dass, wer zu der Kircben^emein-
jiaft zugelassen, auch zu der Communion, zu der Eucharistie oder
cm Sacramente des Altares zugelassen ist.
Indem nun unsere Synode auf eine Anzahl schwerer Vergehen und
»^ffbrechen die Entziehung oder die Vorenthaltung der Communion auch
m Ende des Lebens legt, schliesst sie die betreffenden Sünder ebenso
QO der Kirchengemeinschaft, wie von dem heiligen Abendmahle, oder
Empfange der W^egzehrung der Sterbenden aus.
') Vergl. Bracara IL von 572 — Can. 29 — nunquam communicetf morienti tantum
a 9aeramentiKm suboeniaL — Can. 30 — m ultimo vitae dtficUn» accipiat commu-
micnem. — Can. 77 — in morte recipere communionem, — Can. 78 — commtmioneM
im exitu vitae suae redpiat — Can. 79 — a communione abstineantur usque ad wor-
in morte autem eis communio pro misericordia detur. — C'an. 81 — p'atiam
autcipiat und — 5 annit orationibus tantum communicans postea recipiat
rramentum und sacramentum in exitu consequatur. Besonders deutlich Can. 82 —
11 quiM de corpore exiens novisnmum et necessarium communionis viaticum expetit, non
ei denegetwr. Quod si in dewperatione positus (wenn man an seiner Genesang
Zweifel l) pott perceptam communionem iterum sanus /uerit /o/CtuSf tantum orationia par^
tktp* sit, nam non accipiet sacramentum, donec conetitutum poenitentioA impUat tmnpu»,
Cf. 4 Tolet vom J. 633, Can. 18 — quod post benedictionem populo datam eommu-
miatre debeant seuxrdotes. — Corporis et sanguinis Domini sacramentum sumatur, eo
orSne, ut sacerdos et lemta ante altare communicent, in choro clerus , extra chorum
populus.
28 Fflnftes Buch. Die Synode von EMra.
Die Ausschliessung selbst.
Das erscheint uns hart, allzu hart Es war auch zu hart Die
heroische Strenge der Synode von Elvira ist eine Erscheinung, die
ebenso hohe Achtung für die erste Kirche und für die Bischöfe Spa-
niens fordert, als sie uns die Ueberzeugung aufdringt, dass diese Strenge
das Maass überschritten habe. Es giebt keine Synode innerhalb der
Kirche, welche solche Beschlüsse gefasst hätte'). Die der 2ieit nadi
nächste Synode in Spanien, welche uns bekannt ist, ist die votn J. 380,
durch eine Zeit von 74 Jahren von dieser ersten getrennt. Sie begnügt
sich in Betreff der schwersten Vergehen zu sagen oder zu beschliessen:
er sei im Banne für immer (anathema sU in perpetüum). Diess ist ein
mit Absicht gewählter mehrdeutiger Ausdruck , bei dem man sich denken
kann: im Falle er sich nicht bessert, und Proben seiner Bekehrung ab-
legt Die erste Synode von Toledo im J. 400 kennt schon keine Ver-
gehen mehr, welche auch auf dem Todbette von der heiligen Commv-
nion ausschliessen. Der Canon 2 von Toledo nennt denjenigen einen
Pönitenten, welcher in Folge eines Mordes, oder wegen anderer sehr
schwerer öffentlicher Verbrechen öffentliche Kirchenbusse gethan, ein
solcher solle nicht unter den Clerus aufgenommen werden. Also war
die Busszeit für die schwersten Verbrechen, wie für Mord, nicht (ein-
mal mehr lebenslänglich; oder, wenn sie auch an sich lebenslänglich
war, so konnte sie doch nach dem Gutbefinden der. Bischöfe überhaupt
abgekürzt oder nachgelassen werden.
Es ist keine Thatsache bekannt, dass die in den Canones von Elvira
verhängte Kirchenstrafe der Ausschliessung von der lezten Communion
auch vollzogen worden sei. Vielleicht trat sie gar nie in das Leben.
Denn etwas Anderes ist es, in einer Synode eine solche Verordnung
aussprechen , etwas Anderes , einem Todkranken , welcher gebeichtet hat
und losgesprochen worden , und welcher um die lezte Wegzehrung bittet,
dieselbe verweigern. — Darüber schweigt die Geschichte, was in solchem
Falle der einzelne Bischof, was der grosse Hosius that — Wenn er
den Bitten der Sterbenden nachgab , so machte ihm vielleicht sein Ge-
wissen geringere Vorwürfe, denn er hatte sich inzwischen überzeugen
können, dass die Geseze (vielleicht nicht einmal die Praxis) der E^Irche
Spaniens in einem unversöhnlichen Gegensaze stehen mit der Uebung
aller andern Sarchen, besonders der römischen Earche, und dass Nach-
geben in diesem Falle kein Unrecht sei.
Indem die Bischöfe Spaniens so strenge Beschlüsse fassten, konnte
es ihnen schon im J. 306 nicht verborgen seyn, dass sie damit sich
I) Siehe indes? CanQn 2 von Sardika.
Cadod 1. 29
Licht mit der bisherigen Praxis und Gesezgebiing der übrigen Earche
m Einklänge befinden. E^ wäre eine sehr gewagte Behauptung , dass
bete n^insehn Bischöfe die Debung der übrigen Kirchen nicht gekannt
litten.
Unter einundachtzig Canones befinden sich nicht weniger als neun-
ehn, durch weldie den Sündern auch am Ende des Lebens die Com-
nmion verweigert wird. Natalis Alexander sagt zur Vertheidigung
leBer Strenge , dass die Bischöfe diese Beschlüsse nicht „necessüaU prae-
tpa, ud rigore diadpUnae'^ verfasst haben, dass sie also nicht in die Irrlehre
er Novatianer verfSEtUen seien. Zu ihrer Entschuldigung wird auch sonst
engt, dass sie nicht, wie die Novatianer, die Vollmacht der Kirche
eleagnet haben, die Gefallenen wieder aufzunehmen, dass aber in
Ipanien besondere Verhältnisse bestanden haben mögen, welche eine
esondere Strenge erfordert hätten. Solche Verhältnisse walteten aller-
ings ob; aber sie waren innere, nicht äussere; diese Strenge hatte
Iren Grand in dem energischen , darum durchfahrenden und rückaichts-
Men Charakter der Spanier. Indem die Bischöfe solche Beschlüsse
iseten, wussten sie, dass sie damit der Anschauung und dem Wunsche
er Gläabigen entgegenkämen. Durch eine grössere Milde hätten sie
bor AergemiBS gegeben, als durch diese Strenge.
Trosdem hatten sie keinen Grund und kein Recht dazu. Diese Ver-
»reehen, für welche es nach, ihren Beschlüssen wohl eine Kirchenbusse,
iber keine Wiederaufnahme und keine Besiegelung derselben durch die
leilige Communion gab, kamen überall vor, wenigstens der Abfall von
lern Glauben zu der Zeit der Verfolgung, aber nirgends wur4e am Ende
les Lebens die Communion verweigert In Spanien waren die äussern
Terhältnisse, wie in der übrigen Christenheit. Darum hatten auch die
fisdiöfe von Elvira kein Recht, ihre eigenen Wege zu gehen. Indirect
idelt diese Beschlüsse auch der Papst Innozenz I. in seinem Schreiben
A den Bischof Exuperius von Toulouse: „Als unser Herr,^ sagt er,
,der Kirche den Frieden gab, und schon der Schrecken gewichen war,
0 beschloss man, den Sterbenden den Frieden zu geben, und, wegen
ler göttlichen Barmherzigkeit, den (in die Ewigkeit) Scheidenden die
Wegzehrung zu reichen, damit wir nicht die Härte und Unerbittlich-
ceit des Kezers Novatian nachzuahmen scheinen. Es wird also zugleich
nä der Bosse (Absolution) die lezte Communion gereicht, damit solche
fensehen wenigstens an ihrem Ende, mit der Gnade unsers Erlösers,
ror dem ewigen Verderben bewahrt werden *).^
T^^wi^tAii die Bisdiöfe von Elvira auch nicht die einzelnen Kirchen-
«Mhlüsse über die Busse der schweren Sünder, so dürfen wir nicht
■) /anoe. I. ^.6 ad Extfirwm Toht, nr. 2.
30 Fünftes Buch. Die Syoode von Klvira.
übersehen, dass Cyprian, der überall und besonders in Spanien so hoch-
geaclitete Kirchenlehrer, es ihnen in klaren Worten geschrieben, was
Oesez und Uebung der ganzen Kirche in Betreff der Geüedlenen sei.
„Der Papst Cornelius hat mit Uns," schreibt er, „und überhaupt mit
allen in der Welt eingesezten Bischöfen beschlossen , dass Männer dieser
Art (in der Verfolgung abgefallene Bischöfe) zwar zur Busse zugelassen,
dass sie aber von der Weihe des Clcms und der Ehre des Priester-
thumes ferne gehalten werden sollen. * Wenn selbst gefallene Bischöfe
zu der Busse zugelassen werden sollten (und nach der Busse zu der
Laiencommunion) , um wie viel mehr gefallene Laien?
In der That kamen diese strengen Beschlüsse weder in Spanien
noch ausserhalb desselben zur Ausführung. Sie blieben ein todter Buch-
stabe. In der Wirklichkeit sind sie unausführbar. Nach den obigen
Worten des Papstes Innozenz kann es scheinen, als wollten die spani-
schen Bischöfe diejenigen vom ewigen Leben ausschliessen , welchen sie
die lezte heilige Communion entzogen, oder wenigstens, was annähernd
auf dasselbe liinauskommt, dass die also Gestraften an ihrem Heile ver-
zweifelten. Denn , wer an die Verzeihung nicht glaubt , dem wird auch
nicht verziehen. Aber es wird sich um die Frage handeln, wie die
spanischen Bischöfe ihrerseits die Sache betrachtet haben, und — die
analoge Behandlung der zur Todesstrafe Verurtheilten in dem christ-
lichen Europa, und in Spanien im Besondern scheint mir geeignet zu
seyn, das auf der Frage liegende Dunkel am besten zu erhellen.
Die heilige Communion wurde früher besondews in Spanien
und Frankreich den zum Tode Verurtheilten verweigert.
Es dürfte schwer nachzuweisen seyn, zu welcher Zeit im Abend-
lande die Gewohnheit aufkam, den zum Tode verurtheilten Verbreohem
die lezte Wegzehrung der Sterbenden zu entziehen. Diess aber ist ge-
wiss, dass man in Spanien und Frankreich am längsten und am hart-
näckigsten an dieser Sitte festhielt, und dass Staat und Kirche in
Spanien in dieser Angelegenheit besonders der römischen Kirche gegen-
über dieselbe (exceptionell strenge) Haltung und Stellung einnahm, wie
die Synode von Elvira mit ihren Beschlüssen.
Diese Sitte kam in Deutschland am Ende des Mittelalters allmälig
ab, und scheint überhaupt hier nur wenige Jahrhunderte bestanden zu
haben. Denn in dem Concile zu Mainz vom J. 847 — ist d^ Canon 27
folgenden Inhaltes : Von einigen Brüdern (d. h. Bischöfen) ist die Frage
vorgelegt worden, über jene, welche, nachdem sie gebeichtet haben,
ihrer Lasterthaten wegen am Galgen starben , ob man nämlich ihre Leich-
name zur Kirche tragen, für sie Opfer darbringen, und die heilige Messe
halten dürfe, oder nicht? Wir antworten: Wenn allen, die über ihre
CftBOD 1. 31
Bteden wahrhafte Busse thiin, am £nde die beilige Communion
gereicht werden muss, warum denn nicht jenen^ welche wegen
ihrer Sünden die Todesstrafe erleiden? Bei denen, welche dem Tode
Btlie sind , ist die Bekehrung zu Gott mehr nach der Zerknirschung des
flersenfly als nach der Länge der Zeit zu beurtheilen. Beispiele sind
der MOrder am Kreuze; dann Nahum 1 ; Ezechiel 33 ').
Die Synode von Worms vom J. 868 hat fast wörtlich in ihrem
80ten und lösten Canon denselben Beschluss aufgenomnien : Wenn ein
Verbrecher, welcher hingerichtet wurde , aufrichtige Beicht ablegte und
wQrdig biiaste, so darf sein Leichnam in die Kirche gebracht und für
ihn Hesse gefeiert werden. — Denn derjenige raube dem Menschen
im Heil, der ihm die Busse zur Zeit des Todes verweigere^).
Troz dieser Erlasse und Verordnungen verbreitete sich doch im
Mittelalter die Sitte immer weiter, den Verurtheilten die lezte Weg-
lehrung zu verweigern. Im J. 1392 erliess der Erzbischof ' Johann
de Genstein von Prag eine sehr strenge Verordnung an alle seiner Le-
gation Unterworfenen, worin er befiehlt, den zum Tode Verurtheilten
die Sacramente der Busse und der Wegzehrung nicht zu verweigern.
Er weist auf die alten cänonischen Sazungen hin, gegen welche in
einigen Orten seines Sprengeis der verdammliche Missbrauch der Ver-
weigerang sich eingeschlichen habe, und zwar durch weltliche Obrig-
koten. Diess verbietet er unter Androhung kirchlicher Censuren*).
Die alten canonischen Bestimmungen sind wohl die oben angeführten
deutschen Concilien, vielleicht auch eine Verordnung der allgemeinen Sy-
node von Vienne (1311—12), worin allen Justitiarien und weltlichen Herrn
befohlen wird, solches Unrecht nicht zu begehen oder zuzulassen, und
den Verurtheilten das heilige Sacrament der Busse nicht zu verweigern *).
Aber es dauerte Jahrhunderte lang, bis sich allmälig eine mildere
Praxis Bahn brach. Im J. 1435 wurde das barbarische Gescz in der
Stadt Constanz abgeschaffit '). — Im J. 1446 erliess der Bischof Gott-
*) SmJHttm ergo kommt adimity quisquis mortis tempore poonitentiam denegatf ei desperat
dt eiemenäa Dei,
hW^Mn^ Concil. GmcU., Bd. 4 (1860), S. 121; 357. - Uint«Miin, üeschiclile
dtr deulJichcn Concili«'n, Mainz 1852, Bd. 2, 501; 3, 176. — Harzhem, Cou-
dHa Germaniae, 2, 159; 320,
'i Binlerim, Concilien, 6,211. Harzheim, 4, 640— 41.
*t CUssentutiirum, Lib. V. TituL IX. C /. Cum secundum statuta canonica ultimo de-
pmiamdsM supplicio, negari (si petant) non debeat poenitentiae sacramentmn, abusum
dammahilem in guibusdam partibus contra hoc introductum aboleri omnino volentes, justi-
tksrioe omnes et dominos temporales j ut ab huiusmodi desistant iütusUf hortamur etc.
*) Mone, Quellcngcschichte des badischen Landes, I, 337 K «Den 27. Jan. (1435)
ward Hagedorn erircnkt und ward uf%eselzt, das roao sol den verurlalllen
onserD Herrn gen* (ansera Herrn, d. h. das heilige Abendmahl).
32 Fünftes Buch. Die Synode von Elvin.
fried IV. von Würzburg eine Sammlung von Statuten unter fortlaufen*
den Titeln nach der Ordnung des canonischen Aechtes für seine Di5-
cese *) f worin auch die Verordnung der Synode von Vienne mit den
Worten eingeschärft wird:
jfDtk nach dem Concilium von Vienne den zum Tode Verurtheilten
das Sacrament der Busse , so sie es verlangen , nicht verweigert werden
darf, so wird der in einigen Gregenden eingeführte verdammungswürdige
Missbrauch völlig abgeschafiTt, und allen Richtern und weltlichen Herm
befohlen y dass sie solchem Missbrauche entsagen, ja den örtlichen Or-
dinarien wird befohlen, dass sie, sobald es passend geschehen kann, sie
daeu ermahnen, und — falls es nöthig seyn sollte, sie mit kirchlichea
Censiuren zu zwingen nicht verabsäumen sollen ^).^ Fast wörtlich hat
schon eine Würzburger Synode vom J. 1400 dieselbe Verordnung er-
lassen^).
Eine Synode von Bamberg vom J. 1491, in welcher der Bisdiof
Heinrich TTT, für seine Diöcese die kirchlichen Statuten sanunelte und
erliess, verordnet ebenfalls, dass die weltlichen Herm, „um sich nicht
eine ungeheure Schuld aufzuladen^, die helligen Sacramente der Busse
und des Altares den Verurtheilten, im Falle sie dieselben verlangen,
nicht vorenthalten lassen dürfen, und dass — diese Verordnungen auf
den K^^nwftln kundgemacht werden sollen *). Dagegen wird den Leibern
der Hingerichteten das kirchliche Begräbniss verweigert^) (eine Sitte,
die auch heute nodi besteht).
Eine Baseler Synode vopi J. 1603 befiehlt, dass die Seelsorger den
zum Tode Verurtheilten, auf deren Bitte, weder das heilige Sacrament
dar Busse noch des Altares verweigern dürfen, oder verweigern lassen
sollen ^).
Um dieselbe Zeit wurde auch in Strassburg die gleiche Unsitte ab-
geschafft, besonders auf Betreiben des berühmten Predigers Geiler von
Eaisersberg, — in Folge eines eingeholten zustimmenden Gutachtens
der Universität Heidelberg ^).
Im J. 1550 erliess der Bischof Herzog Robert de Croy von Gam-
bray auf der in dieser Stadt gehaltenen Synode, im Rückblicke auf eme
Synode von 1320, den Befehl, unter Strafe der Excommunication gegen
die Ungehorsamen den Verurtheilten die heiligen Sacramente der Busse
I) Harxheim, L 5, 315 — 316; Binterim, 7, 228-30.
*) BanAem, 5, 349.
•) HanMm, S, 12.
0 BlDterim, 7,330— 33.
•) HarthM, 5, 632.
*) Harxhem, 6, 10.
*) Kerker »Geiler von Kaisersberg- in Bd. 48 (1861, II.) S. 649 der Historisch -
poliüf chen Blitter.
Canon 1. 33
und des Altares nicht ssu entziehen, und diese Ezcommunication solle in
' den Kirchen pnblizirt werden ^).
Die Synodaldekrete und Constitutionen des Bischofs Johannes V.
TOD Chur Yom J. 1605 verordnen, dass der Verurtheilte an dem Tage,
an welchem er die Eucharistie genommen, nicht hingerichtet werden
aoUe, j, wegen der Ehre eines so grossen Sacramentes'^ ^). — Vier Jahre
^»iter — 1609 — wurde unter dem Bischöfe Jacob Fugger eine Sy-
node gefeiert, welche in ihrem Titel 10 über die Busse u. a. befiehlt,
daas den Hinzurichtenden nicht bloss das Sacrament der Busse nicht
Tcrweigert, sondern auch jene mit kirchlichen Censuren bestraft werden
loUen, welche sich diesem widersezen. »Wir wollen, dass dieses auch
Ton der heiligen Eucharistie verstanden werde, nur soll dieselbe nicht
am Tage der Hinrichtung selbst wegen der Ehrfurcht vor einem so grossen
Sacnunente gereicht werden ^).^
In ähnlicher Weise verordnet die zu Augsburg unter Bischof Hein-
rich V. gehaltene Synode: Den zum Tode Verurtheilten , welche reu-
mftäüg gebeichtet, dürfe die Eucharistie nicht verweigert, dodi müsse
ae ihnen vor dem Tage der Hinrichtung gegeben werden ^). — Die
Wormser Synode von demselben Jahre 1610 bestimmt, dass die Obrig-
kaktk cu ermahnen seien , dass sie die Verurtheilten nicht ohne die hei-
I^ Commanion sterben lassen. Die 6e£Emgenen sollen — von ihreti
Banden frei, an einen geziemendem Ort gebracht, und nicht an dem
Tage ihrer Conmiunion hingeriditet werden. Dasselbe verordnet eine
OsoabrOcker Synode vom J. 1628 9 wiederholt eine Synode von Cam-
hnj nnn J. 1631, dass die Verurtheilten den Tag zuvor, oder wenig-
stens fttnf bis sechs Stunden vor der Hinrichtung die heilige Communion
empfangen sollen. Eine Cölner Synode vom J. 1662 sagt, obgleidi den
Verurtheilten die lezte Eucharistie nicht vorenthalten werden dürfe, so
rarlange doch die Ehrfurcht vor einem so grossen Sacramente, dass
ihnen dieselbe einen Tag vor der Hinrichtung gereicht werde. — Die
im J. 1688 unter dem Bischöfe Herrmann Werner zu Paderborn gehal-
tene Synode verordnet: j^Den zum Tode Verurtheilten, welche reu-
mOtl^g gebeichtet haben, darf die Eucharistie^ nicht verweigert, doch
Duus ihnen dieselbe einen Tag vor der Hinrichtung gegeben werden,
damit nichts gegen die einem so grossen Sacramente gebührende £hr-
fiircht geschehe*).^
Die römische Kirche war stets die Mutter und Lehrerin der christ-
') Barzkeim , 6, 695.
^) Harzkeim, 8, 649 r ^ob honorem ianti $(uramenti."
*) Harxkem, 8, 863.
') HarxAem, 9, 46; 116; 450; 553; 988.
*) Hartkeim, 10, 152 — ei commode ßeri posaü, ne fiHquid praeter reverentiam tanti
Saertomemä omimgaL
Qftati, spuL Klielie. IL 3
34 Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
liehen Erbarmung. Damm hat man in Rom von jeher die Gefangenen,
und die zum Tode Verurtheilten mit grösster Milde und Liebe behan-
delt, und ihnen jeden Dienst leiblicher und geistlicher Barmherzigkeit
erwiesen. — Im Jahre 1488 wurde unter Papst Innocenz VIIL zu Rom
die Bruderschaft der Barmherzigkeit, oder des enthaupteten Johannes
des Täufers gestiftet. Die Mitglieder derselben — confortaioH — stehen
den Verurtheilten bei. Ihre Mitglieder müssen Florentiner sejm, oder
wenigstens von Familien, die aus Toskana stammen, zur Erinnerung
an die Stifter der Bruderschaft. Ein Prälat und ein Bischof, Mitglieder
der Bruderschaft, trösten die Verurtheilten. Das heilige Sacrament wird
in mehreren Kirchen ausgesezt, und zahlreiche Gläubige beten nnaus-
gesezt vor demselben für ^die armen Sünder^. Der bekannte Abb^
Gaume, welcher darüber (über die Vorbereitung zweier Verurtheilter
zum Tode) berichtet, sagt u, a. „Der heilige Vater (Gregor XVI. im
J. 1842) selbst verrichtete eine lange Anbetung vor dem in seiner Haus-
kapelle ausgesezten heiligsten Sacrament ^).
Die Päpste haben sich dann auch Mühe gegeben, in den katholi-
schen Ländern auf eine ähnliche Behandlung „der armen Sünder^ hin-
zuwirken , wie sie denselben in Rom zu Theil wurde. — Dazu gab
ihnen das katholische Spanien am meisten Anlass und Aufforderung.
Wenn ein strenger histori^her Zusammenhang zwischen der excessiyen
Strenge 4er Synode von Elvira gegen die schweren Sünder, und der
excessiven Strenge gegen die zum Tode Verurtheilten nicht nachgewiesen
werden kann, so besteht doch ein innerer, ein im spanischen National-
charakter liegender Zusammenhang. Wenigstens treten uns hier die
ersten Spuren einer Härte gegen Verurtheilte entgegen, welche sidi
von da über andere Länder verbreitet zu haben Scheint. Der Canon 16
der Synode 2 (1) von Bracara vom J. 563 lautet, dass den Selbstmör-
dern das kirchliche Begräbniss nicht zu Theil werden solle, und fügt
bei: „Ebenso soll es auch mit denjenigen geschehen, welche für ihre
Verbrechen gestraft werden *).*' Dieser Canon gieng in das Dekret Gra-
tian's über, jedoch mit dem Zusaze: Man verstehe darunter die ÜnbiuB-
fertigen, welcher Zusaz wohl nicht nach dem Sinne der Synode Ton
Bracara ist. Die Synoden von Mainz 847 und Worms 868 haben, wie
wir hörten, anders* entschieden. - Jedenfalls liegt die Vermuthung nahe,
dass schon zu der Zeit der Westgothen in Spanien wohl die Absolution,
aber nilßht die Communion ertheilt wurde. Noch nach der Synode von
Trient wurde den Verbrechern die heilige Communion verweigert.
') Gaume, Rom in seinen drei Gestalten, Regensborgr 1848, 2, 196.
') SmiUter et de his placuüf qui pro suis sceleribus pttniuntitr, Hefele , Conc Gkscb.
3, 17. - [Pcrmaneder im Bd. 12, 561—62 des FreiburgerKirchenlcx.] — Decr.
Chat, c. 12, s, ßn, C. XXIII, Qu. 5. Spätere Synodalbeschlässe darfibcr ■. bei
Harxheim, 5, 272, 515, 576, 632; 6, 91; 7, 24, 783; 9, 1002.
Canon 1. 35
Auch Benedikt XIV. spricht die Ansicht aus , dass diese Praxis in
fli angeführten ersten Canon der Synode von Elvira (und den folgen-
n Ton ähnlicher Härte) ihren Ortuid habe^). — Er erzählt, dass der
i^e Papst Pius V. in einem Briefe an seinen Nuntius bei dem spa-
idien Hofe, den Erzbischof von Rossano, demselben aufgetragen habe,
rüber mit dem katholischen Könige Phihpp U. zu verhandeln, dass
& Vemrtheilten die Eucharistie gereicht werde. »Wir glauben, '^ sagt
HB V., ydass dieses heilige Sacrament in keiner Weise verweigert wer-
n solle; da es ja der christlichen Liebe mehr entspricht, dass die
Vemrtheilten), um in solcher Lage den Versuchungen des Teufels
pferer widerstehen zu können, mit der heiligen Communion gestärkt
erden, damit, während der Leib zu Grunde gehet, wenigstens für das
Ittl der Seele, soviel es geschehen kann, gesorgt werde*).*'
Ferdinand Mendoza (geb. 1566, f 1648 zu Madrid) gab seinen be-
Uimten Commentar zu der Synode von Elvira im Jahre 1594 heraus,
r sagt zu der Erklärung unsers Canons (und den folgenden) , niemals
i dem grossten Sünder vor dem Tode die sacramentale Absolution
rweigert, die heilige Eucharistie aber sei demselben, wenn er sie auch
Bnsehte, verweigert worden, und so werde es noch in Spanien ge-
lten'). — Noch mehr, Benedikt XIV., welcher in der Mitte des acht-
Imten Jahriiunderts sdirieb, betrachtet diese Praxis als zu seiner Zeit
ich fortbestehend in Spanien wie in Frankreich. Doch führt er eine
cradnung des im J. 1582 von dem heiligen Turibius in Lima gehal-
aen Concils an, welches vom heiligen Stuhle genehmigt wurde, und
» verordnet , dass die zum Tode Vemrtheilten am Tage vor ihrer Hin-
eiiteng den Leib des Herrn empfangen sollen , damit sie mit Ergebung
id zum Heile ihrer Seele die Todesstrafe erleiden *),*'
Benedikt XIV. stellt in unsrer Frage einerseits die Praxis der Ita-
sner ond der Deutschen, bei welchen den Vemrtheilten die heilige
r^gzehmng gereicht wurde, anderseits der Spanier imd der Franzosen
■ander gegenüber, bei welchen dieses nicht geschah, und fügt allzu
9Mheiden bei (er war noch Prosper Lambertini, als er es schrieb):
Wir find die Gewohnheit dieser Königreiche weder zu billigen, noch
i widerlegen gesonnen.^
Was Frankreich betri£Et, so erscheint diese strenge Praxis zur Zeit
0 Btjudicti XIV. de Sacr\ficio Missaef sub finem: Ea conmeiudo fortaase ex concilio
nSberiiano ^raxit anginem ~ cf. Juoeninus de Sacramenti»; dieeertaL 4 de Eueharistia.
(^aesL6.
*\ Bemedieti XIV. de mfnodo dioeceeanOf L 7, cap. IL
*) De ameXo lüHberriUmo cor\fimumdo ad dementem VIII. Auetore Ferd. de Mendoza^
Madriti 1594 f foL — ConeiUum lUiberiianum ^ adjunctts Mendozae et aUorum cotn-
mmtarSe (ed, Gonzalez Teüez). Lugdum 1665 y foL ConciUa Hispaniaey ed. Aguirre
" editl -- 1693 -^ 1 , p. 340 -^ ediL 2. a Joe. Catalani, Rom. 1753.
*) Agmrrt Omca. Büpan. ed. 1, 4, 288.
3*
36 Fünftel Buch. Die Synode von EMnu
des Kardinals Robert Pullein (f 1147—52) als eine bestehende Sitte. —
^Etwas Anderes ist es;^ sagt derselbe , ^für seine Verbrechen, etwas
Anderes, für den Namen Jesu Schmach zu leiden. Dieses ist das Thor
des Himmels I jenes die Figur der Hölle. Darum wird mit Recht diesen
(Verbrechern), als Unwürdigen eines solchen Sacramentes, die heilige
Communion verweigert Vielleicht ist ein Solcher des Lebens wQrdig
wegen der Zerknirschung d^r Reue, unwürdig aber ist er der Eucha-
ristie wegen der infeunirenden Strafe. Denn wie sollte würdig Christus
in dem wohnen können, welcher von der Begräbnissstätte der Katho-
liken ausgeschlossen wird? Wenn du ihm aber den Leib des Herm
reichest, wie magst du ihm die Ehre der Begi^bniss weigern? Gegen i
den Heiligen des Herm, ja gegen den Herm selbst sündigest du schwer*) =
(d. h, wenn du ihm die Wegzehrung reichest).* =
Das sind harte Worte, in die wir ims nicht finden können. Sie i
werden widerlegt durch die Olossa in Can. „Quaesitnm^^ 13. QuaetL 2^
welche sagt: „Der Leib Christi ist eine Speise der Seele, und nicht im \
Körpers: also erlöst sie die Seele, und nicht den Körper.'' — Aber wie i
in Spanien, so in Frankreich wandelte man die alten unbarmherzigen ::
Wege. Als im J. 1475 der Graf von Set Pol zum Tode verurtheilt «
wurde, flehte er nach abgelegter Beichte um die heilige Communion. j
llan bot ihm statt des Sacramentes — geweihtes Brod, statt des Brodai ^
einen Stein. Nodi imj. 1699 schrieb der. Franzose Johann Granooli% !;
dass in Frankreich die Verurtheilten die heilige Communion nicht em- •
pfangen^). Sein Zeitgenosse Bonus Merbesius (Bon de Merbes, geh. ^
1616, t zu Paris 1684), französischer Oratorianer, meint wenigstens, i
wo es Sitte geworden, die heilige Conmiunion zu reichen, möge sie ^
beibehalten werden^). ,
Am stärksten wurde diese Streitfrage in den Niederlanden behandelt ;
Auf der einen Seite suchten die Spanier ihre Praxis hier geltend la s
machen, auf der andern Seite sträubte sich der weichere germaaisotie \
Gteist der Niederländer gegen solche ungerechte Härte. Der berühmte i
Johannes Molanus (Meulen, 1533 — 1585), Professor in Löwen , ertiob
sich mit Energie dagegen. — Li einer Synode von Hecheln vom Jahr
1607 wird verordnet, dass denjenigen, welche zum Tode vemrtheiH
seien , nodi zu r^diter Zeit die heilige Communion gereidit werde ^.
I) Boberti Btüi Menteniiarum L 6, cap. 53, Patrol, iatina acc. Mtgne, L 186, 904^5,
*) Grancolas (geb. 1660, f 1732) in seinem Werke: L'anden SacramerUain de fEgUm,
Par. Jf, p. 290.
*) Summa Christiana, aeu orthodoxa morum diädpUna, Paritüs 1683, 2foL — 2Wm^
4 üoi m #». — 1770 — 71. pan 3. Quaest 17.
*) PiAt Tractatua de picturis et imaginibus sacrity Leodü 1570, 1574, 1590 m tqjpend.
Siehe ChifJUt, Joh. Joe. (geb. 1612 zu Betan^on, f 1666 zu Tournay) — «Cnh
jt^Nun de sacramento Eucharietiae Mmo euppUcw affidendu non dene^tmdo* — BnuM
Cadoo 1. 37
i jf,tempe9tiv€^ erklärt Prosper Lambertini so , dass zwischen der
an und dem Tod einige Zeit in der Mitte liegen solle, in
lie eucharistischen Gestalten consumirt werden könnten.
&jialogie zwischen der Strenge der Synode von Elvira in der
rang der heiligen Communion, und derselben Strenge, viel-
■te gegen verurtheilte Verbrecher in Spanien und Frankreich
üitend. Die Väter von Elvira aber sind mehr durch die spätere
tntschuldigt oder gerechtfertigt, weil der Volksgeist wenigstens
n solche Strenge verlangte. Auch sehen wir, dass die Laien
die Priester dahin drängen*).
n wir die Aeusserungen, besonders des Papstes Innozenz L, und
ir des Kardinals Robert Pullein berücksichtigen, so scheint es,
»r Verweigerung von Seite der Weigernden die tJeberzeugung
le lag, dass die also Sterbenden ohnedem für die Ewigkeit
seien. Eine solche Anschauung aber darf man nicht ohne Wei-
Vätern von Elvira zuschreiben. Sie sagen nicht, dass die also
n absolut und unwiderbringlich vom Heile ausgeschlossen seien.
nicht, dass ihnen nicht vergeben werde, oder werden könne,
agen nirgends, dass sie von der Poenitentia ausgeschlossen
Man muss vielmehr nach der oben durchgeführten Vergleichung
ren: Wie die zum Tode Verurtheilten durch die sacramentale
I Lossprechung von ihren Sünden erlangten, aber (ier heiligen
yn nicht gewürdigt wurden, weil dieses eine Gnade ist, deren
dig sind, so wurden jene schweren Sünder der ältesten Zeit,
Elnde nahte, von ihren Sünden losgesprochen; ihnen wurden
Bischöfen und Priestern die Hände aufgelegt (wenn sie über-
h ein Verlangen , d. h. eine Reue hatten) , sie wurden im Na-
Borche und Christi getröstet und aufgerichtet Gaben sie aber
esonders brennender Reue, wer oder was mochte dann den
erhindem , ihnen die heilige Conununion zu reichen, umso-
I ja die Zeiten der blutigen Christenverfolgungen au%ehört
- Hosius , der die mildere Praxis der übrigen Kirchen kennen
ktte, gieng hierin vielleicht als der erste voran , und die übrigen
Tn und stillschweigend seinem Beispiele. Wenn die strengere
erhaupt eine Zeit lang bestand, so war sie sicher in den J. 380
ichon abgekommen.
Ipanier Mendoza, Gonzalez Tellez, Aguirre u. a. sind' noch viel
lier in Erklärung dieser und der folgenden Canones, als der
's 4*. Pohl, Pastoraltheologie, Paderborn 1862, Bd. 1, S. 421. — Bene-
IV, de tynodo dioecesana, 8f c, 5, nr. 1,
'rag-e, ob man heute noch in Spanien — den zum Tode Verurtheilten die
Wegzehrung verweigere', bin ich nicht im Stande, zu beantworten. In
reich scheint diese Sitte noch zu bestehen.
38 Fünftes Bach. Die Synode von Elvi».
Schreiber dieses. So handelt z. B. Mendoz* ausführlich über: Piaeuä
et placüU üUer eos. Er hat ans Anlass des Wortes in nnserm Canon
„Tempel'' ein Kapitel über: quae sit iemplanan arigo, quae ratio; handelt
von den heidnischen Tempeln in Spanien, und deren Zerstörung , in
einem eigenen Kapitel über die IdoloUUria, über das cnma% eapUale,
besonders aber^ was unter Communion verstanden veerde. £r verthei-
digt die Synode gegen Baronius und andere ^ meint , eine so grosse
Strenge sei im Anfange noth wendig gewesen , und die Väter von Elvin
hätten durch .dieselbe ein abschreckendes Beispiel geben wollen. — Im
Allgemeinen haben die Spanier die natürliche Tendena, das anzuführen,
worin ihr Concil mit andern Concilien und Gewohnheiten der übrigen :
christlichen Welt übereinstimmt; wir suchen vielmehr nach Spuren der :
eigenthümlichen kirchlichen Zustände Spaniens.
Aguirre bemerkt *) zu dem Worte Placet, das Wort habe Osius .
fragend in Sardika gebraucht , wie 44 Jahre früher zu Elvira, Des
ist ein indirectes Zugeständniss , welches ich gerne acceptire, dass Ho-
sius Haupt und Leiter auch der Synode von Elvira gewesen.
Cuoi 2.
Ueber die Priester der Heiden, De sacerdotibus gentUimmj
welche nach der Taufe geopfert qui post baptismum immo-
haben. laverunL
Flamines, welche nach dem Empfange Flamineij qui paH fUem
der Taufe und der Wiedergeburt geopfert kuxMeri et regcneraücmu %aa\^
haben, sollen desswegen, weil sie die Ver- /leovermU, eo quod ^emiinatw-
brechen verdoppelt haben, weil der Mord rini ieelera, aeeedente hami^
hinzukommt, oder die Missethat verdrei* ddio vd tripUeaverint faekmt
&cht haben , da die Unzucht damit zu^ eoh(»ercnt^ moechia, plaauü to$
flammenhängt, auch am Ende die Com- nee in finem aceipere commm*
munion nicht empfiuigen. nionem.
Dieser Canon ist das grosse Kreuz der Erklärer. Ich sende meine
Ansicht, zu der ich aUerdings auf bedeutenden Umw^en gelangt bin,
voraus. Die Flamines, welche vom Christenthume wieder abfielen, und
opferten, hatten dadurch die Strafe des ersten Canons sich zugezogen.
— Sie nahmen aber auch Theil an den grausamen heidnisdien SpieleOi
an den Thierkämpfen , an den Kämpfen der Gladiatoren , die sidi gegen-
seitig mordeten, sie opferten also, und waren Mitschuldige des Mordes.
Sie nahmen auch Theil an jenen obscönen Spielen, die besonders in
Spanien so unzüditig waren und blieben, dass ein Christ sie verab-
>) Aymnt, Omeäia HispanM •d. QOalam, Rm. 17S3, L 2, p. 8i.
US fieide geopiert natte, jezt, wenn er opiert, d. ti. abtäiit,
inen Mord aad Unzucht begehe. Er meint, die Apostel hätten
I Apoatelconcil die drei Verbrechen einander gleich gestellt, und
diess mit vielen Stellen der Kirchenväter; aber darnach fragen
iV). — Gonzalez Tellez fUhlte wohl, um was es sich handelte,
weist auf die alten Menschenopfer hin , die bei den TorrSmischcn
vorkamen. DieCimbem, Gallier, Germauen (auch die Franken
rocop) opferten Menschen. Unter den Opfern waren besonders
und Jungfrauen, welch' leztere nicht selten vor der Ermordung
lebt wurden. Er weist u. o. auf Eusebius dt praepar. evangdica
ie alten Lusitanier hätten die Sitte gehabt, aus Eingeweiden der
m zu weissagen. In Bätika habe sich ein Freund für den an-
m Opfer gebracht. In Betreff der moechia verweist er auf Suelon.
Tiber. — Baron, arm, 34. — Er schlägt die Erklärung vor;
B, welche nach der Taufe Mädchen dem Saturn oder der Diana
eo quod gemiruiüerint iceUra, oder sie eigentlich verdreifacht etc.
rklärung finde auch eine Bestätigung in der Ueberschrift unsers
über die Priester der Heiden, welche nach der Taufe immo-
(non gacrificaverunt, »ed hottiam humanam immotaverantj. Wenn
•H»ning aber nicht gefalle , so werde er in dem folgenden Canon
lere geben. „Denn auf einem schliipfiig»! und durcbaos dunklen
f vo man nicht sichem Fuas fassen könne, habe er wenigstens
r% gebahnt, auf dem ein Änderer mit mehr Talent die Wahr-
ten könne." Tejada y Ramiro ist geneigt, der Ansicht des Gonz.
teiEutreten.
r heute noch der Erktärmig des Gonz. Tellez folgen wollte,
I seiner BeweiafUhrong ein viel reicheres Material; denn wir
lorch weitere Forschungen tiefere Blicke in den schrecklichen
40 FtLnftei Buch. Die Synode von Elvira.
viele Belege haben, auch in der römischen Zeit, und im vierten Jahr-
hundert nach Christus noch fortdauern mochten. — Es galt, Beispiele
beizubringen y oder es wenigstens wahrscheinlich su machen, dass sur
Zeit der Synode von Elvira Menschenopfer in Spanien vorkamen. Ich
selbst weiss keine Beispiele. Aber — man kann doch darauf hinweisen,
dass besonders in dem südlichen Spanien vor der römischen Zeit — die
phönizische imd libysche Religion allgemein verbreitet, und dass mit
dieser überall zahllose Menschenopfer verbunden waren. Die Südlichen
Spanier wurden in Sprache und Lebensweise, auch in der Religion so voÜ-
konmien romanisirt, wie kein anderes Land, so dass sie selbst ihre Sprache
imd Literatur vollkonmien verlernten und vergassen. Aber nichts ist so
zähe, als die Religion. Die alten Spanier nahmen alle römisch -griechi-
schen Gottheiten an, und errichteten ihnen Tempel und Altäre; Sie
behielten aber doch ihre alten phönicischen und libyschen Grottheiten
bei, von jenem Herkules -Melkart an, dessen Tempel zu Gades auch
im vierten Jahrhundert fortbestand , bis zu der fast obscuren Salambo ^),
deren Fest zu Sevilla Anlass des Martyrtodes der heiligen Justa und
Bufina war, bis zu dem libysch -phönicischen Gotte Nethos in der römi-
schen Colonie Acci. Der der Salambo ähnlichen Göttin Artemis-
Tanais wurden Menschenopfer, und zwar Jungfrauen, dargebracht^). —
Der elende römische Kaiser Heliogabal (218 — 222 n.Chr.), von dem
gerade sein Biograph Lampridius erzählt, dass er den Cult der Gt^ttin
Salambo nach syrischer Weise in Rom eingeführt habe^ d. h. wohl u. a.
sie in ähnlicher Weise in Prozession umhergeführt habe, wie die Hei-
den ia Sevilla, führte die Menschenopfer in Italien wieder ein. Der
Geopferte musste ein einziges Kind der Eltern seyn, und zwar aus einer
vornehmen Familie ^). Heliogabal wählte zu Opfern für seinen Safhm-
Mithra oder Elagabal Ejiaben aus den ersten italienischen Familien. Er
wollte auch aus den Eingeweiden der Getödteten , wie später Julian der
Apostat, die Zukunft erkennen. — Diejenigen, welche die Erneuerung
der Menschenopfer im dritten und vierten christlichen Jahrhundert, oder
die Fortsezung der alten Menschenopfer in Spanien nicht für möglich
oder wahrscheinlich halten, lassen sich dabei von ihrem Gefühle, nicht
von positiven äussern Zeugnissen leiten. — Li allen phönicischen und
carthagisdien Colonieen femden die Menschenopfer statt; warum sollten
sie denn in den zahlreichen Colonieen Spaniens nicht stattgefunden haben?
') Movert, die Phönicier, 1 Bd. 1841, Untersuch angen über die Religion und die
GoUheiten der Phönicier — S. 585—600.
*) Movers, i, 625. Ueber Menschenopfer überhaupt, 8. 406 flg. — 8. 801 betend.
über Kinderopfer. Lamprid, 7 — m AnUm, Hüiogabalo: Salamhimem omni phndu
et jaetatioM Syriqd cuUiu exhümiL Movers, 1,689. Curtuu, 4, 15. — SiUut
ItaL 4, 769.
') Lamprid, c 8, p Caedit et humanat hostieu, UctU ad hoc pueria nobüibuM et decons per
omnem Italiam pairmu et matiimitf credo, ut major esset utrique pttrmUi dohr, ^
CaDon 2. 41
•er Herkules sn Gades war der tyrische Baal oder Herakles , eben der
'eaggott Moloch I d^n soviele Menschen geopfert wurden^). — Nach
[eh, Silins ItaUeas und Philostratus — war der Herkules zu Gades
iB igjptischer Gott Zu leugnen ist aber nicht, dass Gades eine phö-
iöche Colonie war; und andere Schriftsteller, wie Diodor, Arrian,
astin und Appian , beseugen , dass der Cult ganz phönicisch sei *). Die
iüierens gleicht sich nach Movers dadurch aus, dass beide Herkules
in und derselbe, und dass sie in gleicher Art in Tyrus, wie in Aegypten,
erehrt wurden^). Gades aber wurde von Tyrus aus gegründet Es
t gewöhnliche Sage, dass Herakles Ton Tyrus nach Gades gekommen.
Mm er hier den Tcmpeldienst eingerichtet habe, und gestorben sei^). —
)er Dienst dieses phönicischen Herakles hatte stets Menschenopfer in
dnem Geleite. Es wird zugegeben, dass dieser Tempel und Cult im
knfimge des vierten Jahrhunderts noch bestand. Wenn man das erstere
«gesteht, muss man auch das leztere einräumen. „Die Menschenopfer
SAen darum länger, weil man in Cultussachen länger ansteht, Ver-
aderuDgen zu treffen, als im gemeinen Leben "^j.^ — Dass Cadix kein
Bithnm war und ¥rurde, dass es nicht einmal einen Priester nach Elvira
Dtnndte, erklärt sich aus seiner heidnischen Vergangenheit — Der
*empel des Herakles war und blieb sein Heiligthum, der Mittelpunkt
sines Lebens, mit dem es stand und fiel. — Ich halte es nicht für
'ahrscbeinlich , dass im J. 306 eine christliche Gemeinde mit einem
Üester sich in Gades befand. Als endlich unter Theodosius dem Grossen
ier GSiendienst mit Gewalt vertilgt wurde, so war Gades — eine zer-
illene und verödete Stadt. Den Fortbestand des heidnischen Cultus im
'• S06 sezt auch Florez voraus, indem er annimmt, dass der Heide
litor, welcher die Märtyrer Germanus und Servandus auf dem Ge-
ieto von Gades hinrichten liess, wegen des Herkules in diese Stadt
idi begeben habe.
Diejenigen heidnischen Gülte, mit welchen Menschenopfer verbun-
la waren , erhielten sich in Spanien , und nait ihnen erhielten sich auch
Ee 'MeDschenopfer. Man wäre sehr im Lrrthume, wenn man eine Ver-
*) Movert, 401. — Will man diess nicht zugeben, so gab es zum Ueberflass in
Gades auch einen Tempel des Eronos (Saturn «> Moloch). Strab, 3, 169, Mela,
.J, $. — SO. Ital. 3, 24. — PhilostratuMy Vita Apoihnü. 5, 4- 5.
*) Diodor, 5, 20, — Arrum, exped, Akxandri, 2, 16, — Justin. 44, S, — Appian.
UbL mm. 6, 2,
*) MoTera, 416.
•) StnA; 3, 170, Mela, 3, 6. — Amob, 1,36.— SaOuit. B. Jug, 18. — Mover«, 432.
*) J. 6. Müller, »Geschichte der Amerikanischen Urreligioncn.*' Basel 1855, S. 144.
~ »Viel schwerer noch.b<*cs, die Menschen von den Menschenopfern , als
▼00 der Anthropophagie abzubringen'' — 8. 632. Cf. Procop, bell. goth. 2, 26,
ftber die Menschenopfer der Franken; GrotH kitt. Goihorum, p. 617 — über die
Mensehenopier der Gothen.
42 Fünftes Buch. Die Synode von Elyira.
edlungy ein Fortschreiten zum Bessern annehmen würde. Neben dem
zu seinen Siegen fortschreitenden Christenthume wurde das Heidenthom
vielmehr immer gemeiner und blutdürstiger. Die j, Aufgeklärten^ unter
den Heiden , welchen auch heute noch die Herzen unsrer j, Aufgeklärten*
entgegenschlagen, welche das sinkende Heidenthum erheben und ver-
edeln wollten, sind theils überwiesen der Menschenopfer, thdls steh^
sie in dringendem -Verdachte derselben. — Julian ist nahezu, überwiese
der Menschenopfer. Sein grosser Verehrer Ammianus. Marcellinus nennt
ihn ergeben übertriebener Erforschung der Vorbedeutungen, mehr einen
abergläubischen, als überzeugungsvollen Beobachter heidnischer Ge-
bräuche, der ohne Maass unzählbare Thiere schlachtete, so dass man
theils fürchtete, theils wizelte, wenn er mit heiler Haut vom Parther-
kriege heimkehre, werde es an Opferthieren fehlen, ähnlich jenem
Marcus Cäsar, dem die VP'orte zugerufen wurden: die weissen Ochsen
dem Cäsar Marcus: „Wenn du siegest, gehen wir zu Grunde*).*' —
Solche Wuth, Thiere zu schlachten, führt mit innerer Nothwendigkeit
zu Menschenopfern ^).
Dass Kaiser Hadrian Menschenopfer geschlachtet hat, ist kaum m
leugnen. — Der bekannte Apollonius von Tyana, dessen Leben später
Philostratus als Gegenstück gegen Christus schrieb , stand im Verdachte,
einen arkadischen Knaben geschlachtet zu haben, um aus seinen Einr
geweiden die Zukunft zu erschauen^). Daraus gehet wenigstens hervor,
dass solche Menschenopfer wirklich vorkamen.
Eine interessante Entdeckung der neuesten Zeit beweist den Fort-
bestand des Herkulescultes auch im vierten Jahrhundert in Spanien. In
Tarragona fand man aus Anlass von Neubauten ein Herkulesgrab, wor-
über der Freiherr von Minutoli ausführlich berichtet hat^. Die Grün-
dung der Stadt wird dem Herkules zugeschiieben , welcher mit kriege-
rischen Scharren von Afrika herübergekommen, und in Catalonien ge-
storben seyn soll. Spanische Gelehrte meinten , das Grab und das Skelett
des wirklichen Herkules gefunden zu haben. Minutoli weist, mit Zu-
grundelegung der gründlichen Forschungen von Movers, nach} woher
die frühern Colonieen ausgegangen, die in Spanien gegründet wurden;
sodann sucht er nachzuweisen, dass die Erbauung des sogenannten Grabes
*) Amm. Marc. 25, 4.
') Julian warf^sich auch zum Vertheidi^er der Exsectio oder Castratio zu Ehren
der Götter auf, was gleichfalls mit Menschenopfern zusammenhängt Movers,
1, 688 : lifiiy Ol Sioi xeJievovOiy exreuvetv xai avrolg rrp^ iv i^fifv aXMi^ütv — oraL
in Matr, deorum, Antinous, der Geliebte Hadrian^s, ertrank entweder im Nil,
oder »opferte sich für die mystischen Zwecke des kaiserlichen Nekromao^en" —
S. 38 bei jGrregorovius, Leben des Kais. Hadrian.
') Diess giebt selbst Grcgorovins zu a. a. 0. 6. 250.
0 Altes und Neues aus Spanien, von Minntoli, 1854, 3 Bd. 8» 153— 217 »das
Herknlesgrab in Tarragona«,
CaDon 2. • 43
s Herkules mit dem Tempel, der über ihm gestanden haben muss, in
m nerte christliche Jahrhundert ÜEklle, und dass die ganze Anlage mit
Ol BQdem, welche die Kämpfe des Herkules darstellen, ägyptischen
bnkter an sich trage. Diese Ansicht wird noch wahrscheinlicher,
enn man bedenkt, dass Tarraco um das J. 260 zerstört wurde. Der
bhaite Verkehr zwischen Aegjpten und dem Orient und Spanien ist
ich beaeagt aus der Geschichte der Priscillianisten *). — £in gewisser
MXCQB au8 Memphis in Aegypten brachte die Irrlehre nach S])anien.
- Er fand bei einer vornehmen Frau Agape und bei dem Rhetor £lpi-
ms Glauben. Isidor von Sevilla nennt ihn einen Schüler des Manes,
od in der Magie sehr bewandert.
Wenn nun dieser Betrüger die angesehensten Männer und Frauen
i Spanien, wenn er sogar drei Bischöfe, Instantius und Salvian aus
er Eirchenprovinz Merida, und später den Hyginus von Cordova für
eine Irrthümer gewinnen konnte zu einer Zeit, wo das Christenthum
dion lange herrschend war,, so werden wir es nicht auffallend finden
Bzfen, wenn man im dritten bis vierten Jahrhundert noch einen Herkules-
mpel und ein Herkulesgrab in Spanien baute, und wenn zur Zeit der
ynode von Elvira diesem und andern Göttern, besonders des Orientes,
iA Menschenopfer gebracht wurden. — Minutoli spricht keine Meinung
trüber aus, wessen das Skelett gewesen, das man in dem Herkules-
rabe &nd. Will man eine Ansicht aussprechen, so liegt jene am näch-
cn, dass es das Skelett eines Menschen war, der sich freiwillig tödten
AM für Herkules. Wie Herkules sich selbst verbrannte, so ahmten
nd lAen ihn hierin viele nach , und andere wurden ihm zu Ehren ver-
laant Beispiele von Selbstverbrennungen kommen in dieser Zeit in
üeoge vor. Dahin gehört der schon erwähnte Antinous; sodann Pere-
iinis Proteus, dessen Abentheuer und Ende Lucian beschreibt^). Wenn
icht, so war es wohl ein Mensch, welcher dem Gotte zu Ehren ge-
[ifert wurde.
Beweise von der Verbreitung des ägyptisch -orientalischen Aber-
laobens hat auch der Reis^ide Carter in Spanien gefunden. Er bekam
iiwa Stein ^ eine Camee — von Basalt, schwarzem ägyptischem Marmor,
OQ welchem, nach Monfaucon , die meisten Abraxas gemacht wurden ^).
harter hielt ihn zuverlässig für einen von den Steinen, welche die
0 Oriffo istims mali OrienM cu: Aegyptiu, Sulp. Sev. h. 9. 2, 46,, — Au^ustin, de
kaer, 70 — IViadläanitlae Gnosticorvm et Manichaeorum dogmata permixta aectantur. —
Manderoach, Geschichle des Priscill. 1851, S. 6.
*j LaetanL d. üut. 1, 21 (sunt taera) VirtutiSf in quibtu ym sacerdotea non aUeno, sed
MO enunre tacrifieanL — Müller, amerikanische Urreligionen — S. 635 — >Sogar
Männer von Stand wählten freiwillig den Tod des Menschenopfers."
') Mcmifanam^ Palaeoffraphia graeca, — Hefele, »Abraxas" im Frei barger Kirchen«
lexikon. Carter, Reise, '2, 169.
44 * Fünftes Bach. Die Synode tod Elvira.
Schüler des Basilides — u. a. Marcas, den Weibern in Spanien als einen
Talisman und Mittel wider alle Krankheiten auszutheilen pflegten. Die
Charaktere enthalten ein unbekanntes Geheimniss.'^
Derselbe Reisende hat die Buinen eines Tempels in Adnippo (bei
Honda) gesehen und beschrieben, welcher die augenscheinlichste Aehn-
lichkeit mit phönicischen Tempeln hat, in welchen Menschen geopfert
wurden. Er sah noch die Fussgestelle von 1| Fuss Höhe, mit den
Spuren der Füsse der Gözenbilder, welche sämmtlich nach einem em-
zigen Altare gekehrt waren, auf dem geopfert wurde ^). ,;,Die Kinnen
zum Abflüsse des Blutes sind noch ganz.'' — Diese Form erinnert an
blutige Opfer, und besonders frappirt die Aehnlichkeit mitlden mexi-
kanischen Tempeln.
Diess zum Beweise, dass auch im J. 306 noch Menschenopfer in
Spanien dargebracht, und wohl auch auf das Neue dargebracht wurden^).
Auf den zweiten Beweis , dass mit diesen Opfern „moechia^ verbunden
war, will ich nicht eingehen, weil meine Erklärung des zweiten Canons
doch eine andere ist, als die des Gonzalez Tellez, und weil die Materie
zu schlüpfrig ist^). I
Der Wortlaut des zweiten Canons — „die Flamines, welche ge-
opfert, desswegen, weil sie die Verbrechen verdoppelt, da der Mord
hinzukommt,'' scheint mir die Erklärung von Menschenopfern nicht su-
zulassen. Denn wenn auch Menschen geopfert wurden, so vraren doch
nicht alle Opfer Menschenopfer. Nach dem Canon hatten aber alle Fla-
mines, welche opfern, Theil an dem Morde und an der Unzucht. Diesen
Mord und diese Unzucht beziehe ich mit den nicht spanischen Erklären!
1) auf die Spiele des Amphitheaters und Circus; 2) auf die scenischen
Spiele der alten Spanier. Bei jenen Spielen wurde das Blut der Gla-
diatoi^n und anderer Unglücklichen vergossen, bei den leztem Spielen
der Mimen und Pantomimen wurde die Unzucht dargestellt und gefmert,
besonders nach den Berichten der heidm'schen Mythologie.
Der entsezliche Missbrauch, welcher mit dem Menschenleben, be-
sonders durch die Gladiatorenspiele, getrieben wurde, ist allbekannt
Ebenso ist es bekannt, dass solche blutige Spiele nicht bloss in Ronii
sondern in allen Städten des Reiches gegeben , dass überall die Leiden-
») Carler, 2,165.
') Siehe über die Menschenopfer überhaupt bei allen Völkern: Müller — die
amerikanischen Urreligionen , Basel 1855, bes. S. 627 flg. — Stephens, Central-
Amerika, 2, 184 flg. — Yacatan, üb. v. Meissner, 1853, Kap. 14. — Vent, über
die alten Menschenopfer, Weimar 1834. — Lactant inst tUv, i, 2i — LatiaUs
Jupiter eHamnunc (znr Zeit der Synode von Elvira) sanguvM colüitr kumano,
') Siehe darüber Movers, 1, 689 — und die Literatur daselbst — Manch diese
Sitte hat sich bis auf den heutigen Tag an einigen Orten in Syrien — und
am Libanon erhalten" — ßnrckhardt. Reisen, 1, 257, 388. Bnkkingham, Reisen,
2,347.
wmleD. Grosse und kleine StKdte vetteifiirten hierin mit einander.
1 baühmten Amphitheater eu Tarragona, in welchem Fructuosiu
ine beiden Gefährten als Märtyrer vollendet wurden, miiasten
r Füer der (glUcklich-unglUcklicben) Rückkehr des Kaisers Äu-
aus dem cantabrischen Feldzuge — an einem Tage 3,ÜÜ0 Sklaven
eo'). Besonders die heidnischen Priester und Priesteriunen —
t» nnd FUuninieae — deren Aemter erblich waren , wurden duich
z^ommen gezwungen , auf ihre eigenen Kosten dem Volke solche
nnd abscheuliche Spiele zu geben, vofdr sie dann oft mit Denk-
Tafeln und Inschriften abgelohnt wurden, welche ihre traurigen
Ute auf die Nachwelt bringen sollten und znm Theil gebracht
.In dieser Art körperlicher Gewandtheit (der Circus-Spielc,
r Spanier Maadeu) zeichneten sich die Spanier vor allen andern
>n des Erdkreises aus *)."
m den Spielen des Circus im engem Sinoe wird zu Canon 62
elt. Hier ist zunSchst von den blutigen Gladiatorenkämpfen die
— In der Sammlung der Inschriften von Hasdeu, deren es im.
1 t,3fi0 sind, wird u. a. der glückliche Ausgang einee Gladiatoren-
in der Nähe von Chaves (Aquae Flaviae) gefeiert — Eine in Gra-
lern alten Elvirs selbst, gefundene Inschrift ist gesezt dem Spanier
•'■bianus Evander, einem Fähnrich der dreizehnten Legio rt^ax, der
m göttlichen Trajon zum Lohn^ seiner Thaten zehn Mauerkronen,
n BUrgerkronen , qnd eine Bostrata oder SchiSakrono erhalten
£> stammte aus der Stadt Urso oder Oauna. Als er gestorben
t Terordnete der Legat und Procorator des Kaisers in Bstika und
ien , daas sein Andenken jedes Jahr durch ein Festgelsge und
i^ämpfen aof Kosten der Stadt Osuna begangen werden solle.
iarcia Singular aber stiftete einen Fond, fUr zwei Paare von
46 Fünftes Bach. Die Synode von Elvira.
In der Stadt Xeres de la Frontera, dem alten Mimieiphan &
rUmum, fand sich eine Inschrift des Inhalts: Dem L. Fabins Gob
Sohn des Lucius, dem Quatuörvirn, sezte das Volk des Cae$ar. Miet
— die gegenwärtige Gedenktafel , für das Schauspiel, welches er
Volke gab von zwanzig Paaren Gladiatoren — für das HeL
den Sieg der Cäsaren. Sowohl die Inschrift, als der Ort, wo sie
gestellt wurde, wurde mit Bewilligung der Decurionen durdi gern
)f€ne Vota gegeben '). Welch* grausamer und mordsüchtiger QtkÜ
radc in dieser Gegend , besonders wegen sich forterbender Familienff
Schäften, auch heute noch herrsche, davon hat Minutoli in seinem ^^
und Neues aus Spanien^ eine haarsträubende Geschichte mitgetheUC
Puerto Santa Maria, zwei Stunden von Xeres, tödteten sich zwei ji
Männer, welche im Uebrigen die Achtung Aller genossen, in d
Zweikampfe mit Messern ohne irgendeinen Anlass zum Streite, nur
dorn Grunde, weil vor so vielen Jahren durch ein unglückliches
sammopitroffen ihre Väter sich getödtet hätten. Durch ihre gegensei
grausame Ermordung glaubten sie ihren Eltern ein herrliches Tod
Opfer darzubringen, und selbst nut Buhm aus dem Leben zu schei
Dioss sind auch Menschenopfer und Gladiatorenkämpfe, wie sie i
sonst in diesen Gegenden vorkonunen, nur die Form ist eine an
geworden ^). — [Eine fast noch schrecklichere Geschichte hat Min*
erlebt mit seinem eigenen Bedienten und dessen sterbender Mutte
Ein OfBcier, Cäcilius Pap. Optatus, vermacht der Stadt Barcelona
grosse Sunmie Geldes, aus deren Zinsen jedes Jahr Bingkämpfe
halten, und Gel in den Bädern an das Volk vertheilt werden soll
Auch in Bom gab es Gladiatoren aus Spanien ^).
Zu den blutigen Kämpfen der Gladiatoren gehörten natürlich
die blutigen Thierkämpfe, welche in Spanien vorzugsweise Stierkäi
gewesen zu seyn scheinen (siehe Gan. 62).
Die christlichen Flamines nun, welche als Vorsizer und mei
als Tii&ger der Kosten dieser blutigen Spiele — opferten, hatten n
dem Verbrechen des GUMcendienstes sich auch mit dem Verbrechen
Mordes belastet, da sie ja die armen Opfer bezahlten und gaben, w<
in diesen Kämpfen zur Augenweide des Volkes ihr Leben geben sol
sei es in den Faust- und Bingkämpfen, sei es in den Gladiatorenkäm
sei es in den Thierkämpfen. — Aber mit diesen blutigen Spielen 'v
*) ^(Mf/tMf Coü$e. NT. $(iX — Bapmhu «6 SO paria flmdiatonm data pr^ m
virtoria CVMMmiiii. Loci» «( mtariptio Z>. D, per tobellam dakL
*) Altrt und Neues «us Spanien, 1,28 — 43. »Ein Zweikampf in Poerio
Maria."
*) Hir*h(>: Kino GfwiUcrnacht in Merida — 1,18 — 27.
*) (MhvmHf 9ir.96S.
! Spiele verbunden. Indem die Flamines ifanen an-
f TCranst<eten , machten sie sich des Lasters der Un-
i zn hoher Blüthe gelangte römische Theater gerieth mit
m Reiche immer mehr in Verfall. Rohe Spektakel und
lÜchkeiten bildeten den Inhalt der meisten spanischen Spiele,
n üdi die tiefe Entartung jener Zeit überhaupt spiegelt. Als
i der ongUubliehen Barbareien, welche die damalige Bühne
, wird angeführt, dass einst ein Schauspieler, welcher den
a Herkules darstellte, lebendig auf der Scenc verbrannt wurde').
r Rolle hatte man einen zum Tode verurtbeilten Verbrecher
[Ein Seitenstück aus der Wirklichkeit zu dem, was wir
t nnr als Wahrscheinlichkeit Über das Herkulesgrab in Tarra-
t h»ben^J].
j auf die Gräuel, die sich auf den Brettern zeigen dui-ftcii,
ftei uiEugeben, dass die Pasiphae mit dem Stiere, die Ledn mit
[wane in möglichster Naturwalu-heit dargestellt wui'deu. Ein
I grobe Ausschweifungen verunstaltetes Theater mussten die
1 verabscheuen. Tertullian nennt die Theater Häuser der Venus
R Bacchus^), Nicht anders drückt sich darüber der Rbetor Ar-
i*), welcher die Theater Häuser der Venus nennt, und in
^S(ba«k, Gcidiichle der ttramallscbcn Lilrralur und Kunst in Spaniern. 3 B<lr,
:f4i-46 — BoriFii — S"' Auflage, lÖJi - S. Iri üfc'. - EriUrlun}; des rDnii-
«ckea Tbeateri in der ipilern Kaiserzeil, S. 30 Dg. ForldaaeT der scenischen
Spide der RjJtDcr ond Zn*ammetihang: derselben mit deo mittelalterlich cd Furccn.
*i TtrtdSam. ad naiiomtt, t, W. Vidimai latpe cfutratum ÄOin dtum a Ptsnnunte, tt
fv wmmM errnmabatiB- Btrailem iiwtuerat.
*) r<rM0nL dß Mpactanlü und ad natümei, I, 10 — Comti^antur eoran eobis ma-
jml^m m eotpnt ä^^r«, Feauitiai et iKnnufiia eopat intago aiiiulibtl dti vetliL —
Am> rtfipwoDr«! «M£t m ffladiataniiii eavea, ubi super langaintm humanuni, *upeT
■fväiaBMMM poauBMm, prmnd» taUanl dei veitri, argumenta tl hütorioä nocenlibui
TerlulL dt idahlab^. 2 et pauint,
ade. gemUt, 7, 33. Erütäuitiit traclüri M Kanorifict Flora, (i (uü üi ludii
t eenptxtrit rtt agi, U aügratuiH ab {tipanarüna in thealral — [Augutim.
A cääHf: Dti, 3, 14, 7t, — Satriati. da gub«ntat. Dti, 6, 2 ig, Itidar Bi^ai.
4a»£ I. 18. — 7 — nrtuB. dt tpteiac 10. "HkKOrum proprü tacrarrum Venerü etU
hafmt Pamptjui Magnti, m>h> theatn ruo mmar, cum iWsm arctnt otimium twpitur
I tt (faananihaa apui UmpS tibilo prae-
« dtbuiL Sed Vtntri tt Liben eoBBtntL Duo JMta
mia eoK^nrala tt coafwuAi tnls' m matt, AritlatU »I Hbtdmii. Ilaqut (Aeatnon
■it, LA*ri qii»qut damut ttL Nom tt aUot itdot leenicoe lÄberaUa pr^irie vo-
t, — (y. 17 — a ditatro Mparamkr, quod ttt prvaatum ewaittoria» vnpu-
48 FfiDfles Büch. Die Synode von Elvira.
derselben Weise, wie Tertullian , Venus und Bacchus (Liber) mit einin-
der verbindet ^)*
Wie Tertullian und Amobius betont auch Cyprian den nAzertrenn»
liehen Zusammenhang zwischen Gözendienst und den heidnischen Spielen.
Die Idololatrie ist die Mutter aller dieser Spiele^). Er fragt: Welches
Schauspiel ist ohne Gözendienst, welches Spiel ohne Opfer? Wo g3Ü)e
CS einen Wettkampf, der nicht durch einen Oetödteten (gleichsam) em-
geweiht würde? Bei diesen Spielen werde zuweilen selbst der Httisoh
durch die Banditenstreiche des heidnischen Priesters ein Opfer, da das
noch warme aus der Eehle emporsprizende Blut in der Opferschale auf-
gefangen werde, während es noch schäume, und dem gleichsam dürsten-
den Oözen in das Angesicht geschleudert werde. '- — Die scenischen
Spiele aber schildert er in ihrer ganzen nackten Abscheulichkeit Nach
ihm lehren die Mimen (d. h. die Schauspieler) den Ehebruch. Wenn
Cyprian in seinem berühmten Briefe an Donatus schreibt, dass die züch-
tige Matrone, welche zu den Schauspielen gekommen ist, vielleicht ab
eine unzüchtige zurückkehre, so liegt darin eine Bestätigung der be-
kannten Worte des Tacitus, dass die Frauen der Deutschen in sicherar
Keuschheit leben, weil sie durch keine Reize der Schauspiele, durch
keine Verlockungen der Gelage verdorben werden').
Lactantius spricht ausführlich von den blutigen Gladiatorenspieles,
an welchen den Christen Theil zu nehmen stets verboten gewesen. So
schrecklich aber diese Blut- und Gräuelscenen seien, so weiss er doch
nicht, ob nicht die scenischen Spiele noch mehr Verderben stiften*).
' ) Minueiui FtUx — Octav, c. 37, Nunc enim mimus vd exponit aduUeria vßl momtnU;
nunc enerviä fuatrio amorem dum fingit, infligit.
^) Cyprian. Über de ep^ctacuUs, cap. 4. quod enim epectaculum eine idolof quie ludus
sine 9acr\ficio f quod certamen , non consecratum mortuo f — cap, 5, Qiuod ei rwramn prae-
rogem, quo ad aliquod tpecUMCulum itinere perveneril, cof\fitebiiur per luparum, per pr^
eiiiutarum nuda corpora^ per pubUcam libidinem, per dedecue ptd^UcuMf per vulgarem
Uudviam, per communem omnium eontumeUam,
*) Ofpr, ep. 1, ad Donatum, c. 8, — DeUctat in mimie turpitudinum ntagieterio vei quid
dornt geeaerit, recognoacere , vel quid gerere possit, audire, ÄduUerium diedtwr dm
videtur; et, lenocinante ad vida publicae auctoritaUs mcUo, quae pudica forkuM ei
^ßeetacubtm matrona proceeeerat, — reoertitur impudica, Cf, de hab, mrginmmf e. iS,
Tadt. Germania, 19, — Ergo eeptae pudiciäa agunt, nulU» epeciaciäorum hUooebrit,
nuiUe conmmorum inritationilnu connq)ta^. Auch Cyprian spricht de htUnt, tir$,
c. 21 von den convixna laedva, LactanL divin, instituL de vero cuiiu, 6, 20, 8i
homiddium facere nuüo modo licet, nee interetee omnino concediiur^
*) In ecenie quoque neecio an sit corruptela viHoeior, Nam et comicae fabtUae de etuprit
virginum hquuntur, out amorüms meretrieum. — Hietrionum quoque impudentiseam
moiue quid aUmd, nui Ubidinee et docent, et inetigantf quonim enervaia eorpora, ei
m muUebrem inceeeum habümnque moüita, impudica» foeminae inhoneetie geetäme men-
HwUur, Quid de mimi» loquar corruptelarum prae/erentibue diadpHnamt qm docent
adulteria, dumßngunt, et eimulatie erudiunt ad vera, — Admonentur uiigm (Jt
CADon 2. 49
dk nach JjactaDz hängen diese Spiele wesentlich mit dem Gözen-
«ummmen, ja sie selbst sind Gözendienst Der Christ, welcher
solchen Schauspielen anwohnt, welche der Religion (der Heiden)
gefeiert werden, ist abgefallen von dem Dienste Gottes zu den
y deren Feste er dadurch begehet ^).
Als das Christenthum den äusserlichen Sieg über das Heidenthum
rangen hatte, dauerte doch die alte Wuth der Spiele fort, besonders
den grSssten Städten , Rom , Constantinopd , Antiochien , Carthago u. a.
Zur Zeit des Chrysostomus dauerte das alte Unwesen fort, und die
■Mn waren bei Hochzeiten und Gelagen zugegen. Augustinus hatte
Ihfit an sich die traurigen Wirkungen der heidnischen Spiele im AUge-
einen erfahren^).
Nach den Schilderungen, welche Augustinus von den scenischen
jitlen giebt, waren sie gerade die sittenverderblichsten von allen. So
»BS war die Wuth , mit der diese Spiele durch die Jahrhunderte herab
e GemQther erfüllte, dass, als nach der Verwüstung Roms durch
larich im Jahre 41 ü viele Römer nach Carthago flüchteten, sie täglich
1 den Theatern für die Histrionen wie im Wahnsinn tobten ^). —
qgnstin beschreibt selbst den schändlichen Dienst, welcher zu seiner
€t virym€$)f qmd facere postmt, et tnflammaniur Ubidinef quae aapedu maxime eon-
ejtafiar; — probamtqwt tUa, dum rident, et — comtpHareg ad eubieuki reuerimUwr,
*l Nam bidorwm eeltbratUmea Deorum ffta tuni, siquidem ob natales eommf vtl iem-
piormm mooontm dedieattanea sunt constitutL Et primüu$ quidem venationeSf quae vo-
eamtur munera, Satumo sunt attrihutae; ludi taUem scenici Libero ^ drcenses vero
Neptuno, Paulatim tarnen et caeteris das idem honos tribui coepü; singuUque ludi
memimbua eorum eonseerati sunty sieut Sisinius Capito in Ubris Spectaculorum docet,
Si quis igitur spectacuUs interest, ad quae reUgionis gratia convenitutf diseessit a Dei
aUim, ei ad deos se contuUi, quorum natcdes et festa eelebramt Cf. Lact, 1, 20 über
die Flora und die ludi FloraUa.
*) Cf, CkrysosL ham, 7(5) in Matth, — orat. de poeniL et in Herodem, et in Joann,
BapL (oDächt). Cf, op, L 3, 212; 11, 119—20, ed. Montfaucon-Miffne, Cf, oratio
eamira buhe et theatra; und Binterim, Denkwürd. 4, 1, 8. 563.
') AugueL eonfess, 3, 2. — Cf de vera religione, eap, 22 — de dvitate Dei, 1,32 -^
de ecemeoruM institutume ludorwn, Ludi scenici, spectacula turpitudinum et licentia
vtmitatum non hominum vitiis, sed deorum vestrorum jussis Romae instituti sunt (cf Li-
wittf 7, 2, — VcUer, Maxim, 2, 4, 4); — pontifex autem propter animorum caven-
dam peetileniiam, ipsam scemam construi prokibebat (cf 2, 8; 13, 14, 25; 4, 26; 6, 10;
8, 13 — 14; cf Euseb, praqnr, evang, 13,4-^5), quae animos miserorum tantis ob-
eaecavit tenebris, tanta deformkate foedami, ut eitiam modo (quod ineredibile forsitan
erit, ei a nostris posteris audietur), Romana urbe veutata, quos pestilentia ista pos-
eedäf aiqwe isde fugienUe Caxthaginem pervenire potuerunt, in theatris quotidie eer-
tatim pro hietrionihus insanirent (1, 32, ^ Cf 2, 6, Salaian — de gubem, Dei,
€g 15; 2, 26), — Nonnullae pudentiores (matronae) avertebant fadem ab impuris
metibme eeemieemm, et ariem ßagiiii furtiva intenUone dieeebanL Hoc tamen palam
dierendum praebebatur in templo, ad quod perpeinmdum saltem eecretum quaerebatur
m domo. — Aug, de dp. Dei 2, 26,
Gaai, tpan. Klrelie. IL 4
50 Fünftes Buch. Die Syaode tod EWirm.
Zeit noch der in Afrika und Carthago verehrten heidninchen GHtttm
Cölestis, oder der Dea virgo geweiht wurde. Dasselbe find nadh Sal-
Tian in Trier statt. Den Wahn, dass durch solche Spide die €Mter
geehret und yersohnet werden , nennt Augustin ,die unroinstej scham-
loseste, gottloseste, frechste Sühnung^ \i.
Von der damaligen Verbreitung der alten heidnisdien Spiele in i
Afrika ist auch der Canon 11 der Synode von Hippo im J. 383 ein i
Beweis, welcher verordnet, dass die Sohne der Bischöfe und der Cüe- i
riker bei weltlichen Schauspielen weder mitwirken, noch zusdiaiiai i
sollen*!; ferner der Canon 33, welcher verordnet, dass Sdiauspielflni e
und Apostaten, die sich wieder bekehren, die Recondliation nicht Ter» l
weigert werden solle ^;. — Auf der fünften Svnode von Carthago in i
J. 401 wurde verboten, dass an Sonn- und Festtagen Schauspiele anJ^ i
geführt werden; ein Schauspieler aber, welcher christlidi gewordflOi r
dfirfe von Niemand zu seiner frühem Beschäftigung zurfickgefOhrt, odar i
dasu gezwungen werden*'. m
In Gallien dauerte dieselbe Spielwuth fort, und wurden dieaelbn '
kirchlichen Geseze gegeben. Die Synode von Arles 314 scUiesat m •-
c. 4 die Wagenlenker, so lange sie dieses Geschäft treiben, toh der '
Eirchengemeinschaft aus. Der C. 5 schliesst die Schan^Mer glekk- .<
fidls aus^i. Die zweite zu Arles im J. 443 oder 452 gehalte&e Synodi ^i
hatte noch Anlass, dieselben Strafbestimmungen zu wiederiiolen. CL2l)s';^i
Pferde- und Wagenlenker und Schauspieler sind, so lange sie diem ^
Geschäft treiben, von der Communion ausgeschlossen^). Troodem er- ^
hoben sich am Ende des fünften Jahrhunderts die beiden gallischea fe
Schriftsteller Salvianus und Sidonius Apollinaris gegen die Spiele und i
Schauspiele ihrer Zeit.
Zur Zöt des Salvian waren die alten Schauspiele so abscheulidi «
it, €tp»rü turpegy fieii mfi^tts; kumc, im^mam, pmiemdmm^ Mr«**
ti dtUsHmäam takmm mmawmm piaeaiiMum, kag faimkoM n
I, re/ jcdemlütf tmjriiuqwt coa^cte. «emlis tt owiftat ^■ftfiirii
■■■iia«i pimtmrt frfitf; U idtm mtm aokm tUit
>j Hcfele, ConciL G., 2, fA
Mi rCMfW flS Mß9tttL OnHH Mi TfCOtHOMmBHm MM MWtmr.
*} Helele, 2,6a
•> fielele, 1,176; 2,283.
Caoon 2. 51
1 M sittanverderblichy wie zur Zeit des Heidenthumes. Jedes Ver-
und jede Schandthat wurde hier ausgeübt, die höchste Wollust
y Menschen sterben, Menschen zerfleischen sehen von wilden
Noch wurden die alten heidnischen Gebräuche dabei beobachtet*).
Dieses weiset er mit Uebergehung der andern Arten von heidnischen
lielen besonders an den circensischen und theatralischen Spielen nach ^).
Besonders ist es die Weise der Schauspiele, dass diejenigen, welche
ideiiy und welche ihnen zusehen, ein und dasselbe Verbrechen be-
hßDL Denn während die Schauspieler solches billigen und gerne sehen,
i({4ien sie durch die Augen und durch ihre Einwilligung dieselben
arbrechen; so dass nicht bloss die des Todes würdig sind, welche
jcfaes thun, sondern auch jene, welche beistimmen (Rom. 1, 32). Daran
ihnen fiut alle j^Römer^ jener Zeit Theil. — Wenn sich ereignete^
as leider oft geschah,, dass an dem nemlichen Tage ein kirchliches
Hft und ein öffentliches Spiel begangen wurde, so wurden von fast
kn Christen j^den Worten Christi die Worte des Mimen vorgezogen''.
ionsnd kam dann in die Earche, verirrte sich aber Jemand dahin,
id cifiihr sofällig, dass heute Spiele gegeben wejj^den, so lief er spom-
nielis ans der Kirche, und rannte den Spielen nach^). — Doch be-
WfjL er aochi dass solches in den meisten Städten Galliens und Spa-
Ms nickt mehr geschehe *) [wegen der Einfälle und der Besiznahme
Bfliben durch die Barbaren], oder weil wegen der Verarmung und
IS Elendes der Zeiten die enormen Kosten dieser Spiele nicht mehr
■toitten werden konnten. „Die ELendigkeit des Fiscus und die Bettel-
li^gkeit des römischen Staatsschazes'^ in jener Zeit gestatteten gleich-
fli keine Ausgaben mehr. Als aber z. B. die Stadt Trier schon drei-
st zerstört war, verlangten die wenigen Adeligen, welche den allge-
emen Untergang überlebt hatten, von den Kaisem Honorius und Con-
latius circensische Spiele, um sich gleichsam über das allgemeine Yer-
BEben zu trösten^).
*j iSolpigii. de gubematione Dei l. 6. e. 2. — Salvian führt die damals üblichen Spiele,
Spielbiater und Spieler in folgender Terminologie an C6, 3): Equidem, guta
Ingmm est, nunc dictre de amnüniSf amphitheatri» mnlicet, odeiSf htsoriis, pompis,
atkietit, petammarüsy pantomimitj caeteritgue portentiM, quae piget dicere, quia piget
mabtm tale vel noue, de soM^.^iftorum ac theatrorum impuriitUibus dico,
') In Betreff der Theater fährt er fort : Qui$ integro verecundiae statu dicere queatf
UloM rervm twrpium imUatione*^ illas vocum ac verborum obeeoenitateMj üku motuum
tKrpitmdimes, iüas geshtum foeiUtaUs. — Solae theatrorum tmpuritates tunt, quae
hameete nom poemtnt vel aceiuari,
') Sah. 6, 7. J^pemittur Dei temphimf ut curratur ad tkeatrum, Eccleeia vaeuatur, circus
mpleter, Ckrishm m aitario dimUHrnuif »t aduUerantee vitu impwrissimo aculo» ludi-
rrw tmyium fomieaiume paeeamue,
*) Neu agiimr m pbuimie GalUarvM urbänt» et ^apaedanaif — 6, 8,
') De geh, D, 6^ iS. Cireeneee ergo Dreoeri dmderaüe^ ei hoc vaeiatif hoc expugnoHf
A*
52 Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
SidoniuB ApoUinaris nennt schmuzige Gcspiilchc — theatralische
Reden '). — Dass auch in und nach dieser Zeit Weiber auf Theateni
in der obscönen Weise des Ileidenthumes spielten , davon ist die spätere
Kaiserin Theodora ein Beispiel, welche der ^iromme^ Ejuser Justiniaii
vom Theater hinweg auf- den Thron neben sich erhob. Procopius be-
schreib^ ihre Laufbahn und Leistungen auf dem Theater^).- — Was
mochten die strengen Geseze in den Gesezbüchem des Theodosius und
Justinian helfen , wenn das Leben so mächtig dagegen reagirte , und die
Mächtigen sich so schwach erwiesen?^) Die Häufigkeit überhaupt , mft
welcher diese Verbote auch in spätem Concilien eingeschärft werdiii
mussten, beweist den Fortbestand des alten Ucbels, wenigstens in allflSB
denjenigen Ländern, welche ehedem Theile des alten römischen Reich« ,
gewesen waren. Dieses Reich war längst zerfallen und zerstört, aÜMf
die Greuel, die es grossgezogen, aber das Gift, mit dem es das Volk
der Heiden erfüllet hatte, lebte noch in den christlichen Völkern ÜMii
Die Trullanische Synode vom J. ()92 sagt in ihrem Canon 51: Dkm ,
heih'ge und allgemeine Synode verbietet die Mimen und ihre Schnnpiel% '
die Schaugepränge der Jagden (d. h. wohl die Thierkämpfe), und im \
theatralischen Kämpfe. Wer diese Dinge treibt, wird, ist er ein Clenfcfl)^
abgesezt, ist er ein Laie, ausgeschlossen. In milderer Weiae
der Canon 24: Kein Cleriker oder Mönch darf an Pferderennen
Theatern Theil nehmen. Ist er bei einer Hochzeit, so muBS er aidi
fernen, wenn die Spiele anfangen^).
Wenigstens in Betreff Spaniens ist es eine erwiesene Tl
dass der Endpunkt des alten heidnischen Theaters mit den AnStkoffi'
des modernen Theaters zusammenfiel, und dass, da die alten Spiflk
unausrottbar waren, der Clerus selbst das Entstehen neuer aof dbiwt-
lichem Boden wurzelnder Theaterspicle begünstigte ^). Hier, in Spaniea,
dauerten im ganzen vierten Jahrhundert noch die Spiele der Mimen und
Pantomimen fort^). — Die pantomimischen Darstellungen , an welchen
nicht mehr das ganze Volk in den Theatern Theil nahm, sondern nur
entweder der Pöbel auf der Strasse, oder „eine gewählte, geschlossene
post cladem, poU tanfftunemf post mtppUda^ post captivitatem , pagt toi evertae urhit
excidiaf Theatra igüur quaeriiiSf eircum a prine^bus poatubuisf
«) Sidon. Äp, epÜL 3, 13..
») HiBtor. arcana, c. 9. - Menagiana, J, 254-~59 — (ed, 1713—16).
») Codex Thäodos, L, XV. tiL 7, L 4 ßt 8, — Cod, JmU Üb. V. tU. XVH, i. 8. -
. Nov. CXVf c. 3f §. 10. — Ammian. Marc. 14, 6 — föhrt «trui müUa aaliaineum'' ao.
*) Uefele, C. G., 3, 304, 307. 4, 47, c. 35 der Rdmischen .Synode von 826. -
Die Mainzer Synode von 852, — in £. Dümmler) Geschichte des ostfr&nkisehen
Reiches, Berlin, 1862, Bd. 1,343— 44 nnd die dortigen Belegstellen.
*) Schack, 25 flg. Ticknor, Geschichte der schönen Literatur in Spanien « deutsch
von Julias, 1852, 1, 207. »Aufhören des griechischen und römischen Theaters.'
*) MaeUer, CommenL de yemo, tnonima et hau aevi Theodaeiam. GoUmg. 1796 ^ p. 91 sy.
Canon 2. 53
qidbchaft^ bei Hochzeiten und ähnlichen Festivitäten , oder die Reichen
kcifcuipt und nach Beh'eben in ihren Pallästen , nahmen in der spätem
jMneit immer mehr überhand ^). Die Eniser Carinus und Numerian,
Aue des Cams, stellten unter anderm Tausend Pantomimen und Gym-
irten der Augenweide des Volkes zur Disposition % Der Cäsar Gallus
flends hielt Tänzerinnen im Ueberfiuss.
Als Beweis, wie verbreitet diese scenischen Spiele in dem alten
»nien gewesen, werden auch die vielen, zum Theil heute noch in
reo TrQmmem vorhandenen Theater Spaniens angeführt, z. B. zu
KTagona, Merida, Corunna del Conde, Sevilla, Ecija, Caziona, be-
ttdcfB Sagunt Jedenfalls war das nc^h im sechsten und siebenten
ihiliimdert in Spanien fortbestehende Theater wesentlich heidnisch.
Im es war sowohl der Haltung als dem Inhalte nach vom Anfange
ii nm Ende mythologisch ^). Innozenz I. zählt in seinem Schreiben
ft £e in der Synode zu Toledo — J. 400 — versammelten Bischöfe
deo Hisständen des kirchlichen Lebens in Spanien auf, dass viele
— ma der Würde von Priestern und Bischöfen erhoben wor-
tef welche vorher Advokaten oder Kriegsleute gewesen, dass viele,
MriAe dem Volke Lustbarkeiten und Spiele gegeben, zu der Ehre
k iilfrlistmi Priesterthomes gelangt seien ^). Der König Sisebut liess
Biwhof Ensebius von Tarraco absezen, weil derselbe gestattet hatte,
Sehaospiele mit Anspielungen auf heidnische Götterlehren gegeben
Indess ist der erwähnte Brief Sisebuts sehr unklar ge-
Statt einer Abseisung kann man auch eine Rüge in dem-
finden^), und Florez sucht im Besondern nachzuweisen, dass in
*) Cf. JmUmM CapUol. vita Mord AureUiy c. 23. — Flavitu Voptscus — Carinus c. 18, —
(y. Smetam, DowuL 7. — Ptinius h, n, 7, 24, — Macrobitu S. 2, 7. — AmmiemtUf
14, €, — Mämoves de VAcademU des Inscriptions , 1, 121.
*) Amm. L e. Exfrimunt (feminae) innumera simukura, guae finxere fabuhe theatrtUes.
») 8chaik, 28—29; 72 fl^. (Cf. Dufresne zu Mimus.) — Masdeu, 8, 131; Florez passim,
ood die Reisebeschrei bongen von Laberde, Pluer, Carter, Stmnbume, DiUon, in
ocoerer Zeit das grosse Sammelwerk: yi^annapt^toruca''. — Schack, S.73— 75.
Schock nennt den Gottesdienst der Westgothcn ..mimisch", und will einen Zu-
sammenhang mit den alten Spielen herausfinden.
*) (^tmtai qui vohgptaUs et edUiones popuh celebrarunt, ad honorem swnmi sacerdotn
pervenisse! qvonm onmwm mammem ne ad societatem guidem ordinis clerieorum opor-
tmerat pervemire, Innoe. ^ffütoi. S. nr. 4,
*) Pddäki, Bistoria eecles. de Espanna, 2 parte 1605, p. 188. — Mariana, 6, 3, —
Florez, 7,317, — Eusehio episeopo a Sisebuto rege direeta — Objeetum hoe, guod
de buKs tk§airüs taworum ( ToL ludis theatris phanorum) sc^cet mhusterio sie adeptus,
tmäi videtMT imcertum: qms non videat guod etiam videre poeniteat, Beatis viris cada-
Vera te amUftrre foetentia, et homines divinis cultibus assidue deditos tua exprobrare
Bm fo€tida. Ergo dektesps nostrae perenniiatis affatus negutufuam expectes, sed
, qmi Deo magis , guam miserandis plaeei hominibus, Eeclesitan Bareinonensem
54 Fünftes Bach. Die Synode von Elvira.
dieser Zeit (Sisebut starb 621) Severos Bischof von Barcelona , Eusebim
dagegen Metropolitan von Tarraco gewesen. Der Brief Sisebuts ist
schwer verständlich. Mariana hat ihn in seiner gewohnten Eilfertigkeä
sicher nicht verstanden; Schack und Ticknor -Julius scheinen sich auf
Mariana gestüzt zu haben ^).
Was Isidor von Sevilla von dem Theater und den scenischen Spielen
sagt, kommt im Allgemeinen mit Obigem Uberein. Das Theater trug
auch den Namen prosHbidum etc, wegen der Unsittlichkeit seines Cha-
rakters. Doch die Art und Weise seiner Berichterstattung scheint ansa*
deuten, dass derlei Spiele zu seiner Zeit in Spanien noch vorkamen.
Im Allgemeinen sagt er , dass der Christ solche Schauspiele verabscheuen
müsse, weil er deren Urheber, die Gözen, hasse. — Denn^) „diese
Schauspiele der Grausamkeit sind nicht bloss durch die Laster der Men-
schen , sondern durch den Befehl der Dämonen entstanden. • Der Christ
soll nichts gemein haben mit der Wuth des Circus, mit der Scham-
losigkeit des Theaters, mit der Grausamkeit des Amphitheaters, mit der
Wildheit der Arena, mit der Ausgelassenheit des Spieles. Der ve^
leugnet Gott, der solches zu thun sich unterfängt, er ist abge&Uen toq
dem christlichen Glauben, der auf's Neue nach dem begehrt , dem er
in der Taufe längst entsagt, das ist dem Teufel, seinem Pompe und
seinen Werken.**
Durch Inschriften sind die scenischen Spiele in Spanien beoeqgli
z. B. ein Flamen und eine Flaminica gaben scenische und drcensiadie
Spiele vier Tage lang in Tucci, und dazu ein Mahl. — Ebenso be-
zeugt eine Inschrift von Canama bei Sevilla die Abhaltung von sceni-
schen Spielen^).
Nach dieser Auseinandersczung können wir sagen, dass die Fla-
mines, welche auf ihre Kosten dem Volke Spiele gaben, erstens den
Gözen opferten, zweitens den Mord (der Gladiatoren und der Thier-
') FloreZf 25^ 85, — Martanct, 6, 3. — In Hispania pari decemendi liberiatB EmMbita
Barcinon, episcopus loco a rege motus est lU ipsitu Suebuti UtierM deelarami^ tub-
stituto tdio: quod in theatro quaedam ah histrionibus agi concessistet, guae ex vana
deorutn tuperstüione traducta, cutres Chrisiianae abhorrere uidebantur, — SdkadCf Lc
— Ticknor, Geschichte der schönen Literatur in Spanien, Leipz. Id52 —
Bd. 1, 8. 207.
') Isidor Hisp, etymologiar, 18, 42: Idem vero theaimm, idem et prosHbuhm, eo gmod post
Utdos exados meretriees ibi prastarenL Idem et lupanar vocatum, ab ei$€hm wieretri-
cibuSf guae -^ lupae nuncupabanhar. c. 43. Scena autem erat locus infra tkeätim m
modum damus instructa, — ubi eantabant comidf tragid, atgue s€diab«mi kätrioms et
mim, c. 48, Htstriones sunt, gui muliebri indumentö gestus impudieanam fiminarum
expninubitnL
') Florex, 9, 63. — editis scenids ludis per gwxtriduum et dreensihm et ^mh dkiso, —
Bei Masdeu, Col, nr, 744 nach Ccga verlegt. Masdeu, nr, 819 ^ buüs seeniäs
impensa sua /actis, ^ulo dato.
€aDoii 3.
56
) Texvchuldeten , drittens Unzucht begehen machten und be-
; denn nach dem Vorgelegtefh kann man das Geben und das
illen scenischer Spiele nicht anders denn eine unnatürlidie Wei-
nen.
»ei bleibt es nur auflallend, dass die spanischen Erklärer Men-
jt>nsaleE Tellez, und neulich noch Tejada j Bamiro diesen
! nicht so verstehen , während die neuesten nichtspanischen Er-
s. B. der Verfasser bei Achterfeldt- Braun und Hefele (1, 122)
denken tragen , das homiddium von den Gladiatorenspielen , die
▼om Theater jener Zeit zu verstehen.
CiBon 3.
nselben, wenn sie den Gözen
inr ein Spiel gegeben.
ISO ist beschlossen worden, dass
i Flamines, welche nicht geopfert,
mir ein Spiel gegeben, desswegen,
sich der schrecklichen Opfer ent-
laben, am Ende die Communion
ea solle, nachdem sie jedoch die
le Busse vollbracht haben. Gleich-
beschlossen, dass wenn sie nach
le in Unzucht gefallen, ihnen die
lion nicht mehr zu geben sei, da-
nicht mit der Communion des
iohn zu treiben scheinen.
De dsdem, si idolis tan-
tum munus dederunt
Ilcm flamineij qui non im^
molaverirUf sed munm tanium
dederint, eo quod ae a funestie
€d>ainuermt sacriflciia, pltusuit
eis in flnem praeatäre eommu"
nionem^ acta tarnen legitima
poenitentia: item ipH H poet
poenitentiam fuerint moeehoH,
plactät uüerius lUe non esse
dandam cammunionem, ne illu"
iiase (lutieae) de dominica com"
mtmione videantur.
%u9 dare kann man allerdings von Almosen, oder Geschenken
7Ötter verstehen , und sich dabei auf den Vorgang mit Justa und
ron Sevilla berufen. [Mendo%a — TertulL apol. c, IS ctrctdt cau-
iigio mendieans, ExigitM merctdem pro solo templi, pro aditu saeri.
noL $at. 8. cf. 3, 15, — Lucret. 2, 624 — 28. — Tertull. apol. 42.
f qtiotusqidsque jam jactat. Porrigat mmurn Jupiter et aedpiat.
M. „AuguHui'' c. 91. — Veepasian. c. 23. — TertuU. ad natioi%.
- ifmuctu« Felix, e. 24. PeUes (=z eymhala) aln oaedunt men-
vicantes Deos ducunt, d. h. die Opferpriester schlagen die Trom-
nd führen ihre bettelnden Götter von Gasse zu Gasse*).] —
- dann hätten die Bischöfe wohl: Stipea statt munera geipgt;
Iten sie wohl wegen solcher Bettelgaben nicht lebenslange Busse
;ty und dann hätten sie vergessen, eine entsprechende Strafe für
, Phdo. 1,655.
(
56 Fünftel Buch. Die Synode von Elvira.
die ähnlich fehlenden — Laien — d. h. die sonstigen Cfaristen, su be-
stimmen, die den Gözen Almosen gaben.
Binius versteht munus falsch; Albaspinäus *) richtig von jpSpiekn*,
bei denen ein anderer Flamen präsidiren konnte, nicht der chiistlich
gewordene Flamen, welcher die Kosten des Spieles bestritt, das heisst
das Spiel dem Volke gab. Denn mitnus bedeutet Geschenk und Spiel,
weil es ein geschenktes Spiel ist
Ebenso Gonzalez Tellez — et ethtiones publiea$ po$t bapUtmum oels-
braverint. Munera zu geben ist eine erbliche Sache der Flamines, m
ist necessitas, nicht ambitio. — TertulL de spectae. 12, — Er sagt: fmmm
dictum est (gpectaculumj ab officio, guomam officium etiam muneris no-
men est. — Mortem homicidiis (der Gladiatorcnspielc zu Ehren der Todten)
consolabatUur, Haec muneris origo, Sed — ferrum volupteUi saÜs non
fcunebaty nisi et feris humtma corpora dissiparentur. Dann sagt er weitefi
diese Art „editionis^ (sc. munerum) sei übergegangen als eine Pflicht an
die in Würde und Amt Stehenden „guacsturiu dieo et magistratua, ä
flaminia, et eaeerdotia.
Diese Stelle Tertullians dürfte alle Zweifel heben. Gt>nzal. Telloi
weist femer auf den C Theodos, De deeurionib. auf tjujac Üb. Obsen.
Cap. 13. et in L. 6 ff. De exeusatt. Ant. — Gothofred, in L, In hanarOna. &
De vcicat. munerum.
Im engem Sinne bedeutet „mtmus^^ Schauspiel, besonders Gla^
torenspiel, von den Beamten und Priestern zum Danke für das empfim-
gene Amt gegeben dem Volke — (munus praebere — Cie. de off. 2, 10^ 5f
— funetus est aedilicio maximo munere. — Juvenal. 3, 36. — Von Titut
berichtet Sueton c 7 : Amphitheatro ckdicato, munua edidit appareOissimim
largisrimumque. — Von Marc. Aurcl als Thronerben erzählt sein Ko-
graph: et gladiatorumy quasi privatus, quaestor edidit munu$ (JuL Capi'
tolüi. 0. ef. cp. 23). — Von demselben und L. Verus sagt derselbe — 8
-^ funebre munus patri dederunt (dem Antoninus Pius).
Aus solchen Beispielen kann man ohne Mühe ersehen , was j^mum»
dare^^ in unserm Canon bedeutet Häufiger ist der Ausdruck — edev«;
doch haben wir auch das Wort dare gefunden. Ein Flamen , der auf
seine Kosten dem Volke einen Gladiatoren- oder Thierkampf giebt, hat
des Mordes sich schuldig gemacht Weil er aber nicht selbst beim Spiele
den Vorsiz geführt, nicht selbst geopfert hat, — so soll ihm am Ende
des Lebens die Gommunion gegeben werden.
Pällt er nach der angetretenen Busse — in Unzucht, so soll er die
Con^nunion nicht erhalten. Moechia ist hier wohl dem Wortlaute nach
zu &ssen, als Unzucht sowohl wie EhebrucL
■) Aubespine, Bischof ▼. Orleans, f 1630. Noten zu mebrerea alten Coneilicn
bei Labb^ o. i. w.
CaDon 4. 5.
57
CuoB 4«
^selben, wenn sie noch als
lenen opfern, wann sie ge-
ift werden können.
, wenn die Flamines Catechu-
1, und sie sich von den Opfern
my ist beschlossen, dass sie
Abflösse von drei Jahren ge-
en sollen.
De eisdem, si catechumeni
(idhuc immolant, quando
haptizentwr.
Item fltxmines si fuerirU ca*
tcchuvncni et se a sacrifieiis abs'-
tinuerifUf poH tricnnii tenipora
piaeuU ad baptiimum admitti
dd>ere.
Gan. 42 sind zwei Jahre Vorbereitung zur Taufe ; nach Can. 4
ahre für die Flamines bestimmt, weil sie, meint Mendoza,
unterrichten waren; denn „literatV^ glauben schwerer. —
21. — Ihre Schuld sei vorher grösser gewesen. — Gonzalez
nt, die drei Jahre seien nicht Vorbereitung, sondern auch
Dazu kommt, dass man die Flamines länger prüfen und
dusste.
Ganon 5.
a Frau im Zorne die Magd Si domina per zelum an-
tödtet. cülam ocdderit.
eine Frau (L e. Herrin), von
li entbrannt, ihre Magd geisselt,
s innerhalb dreier Tage den
r Qualen aufgiebt, weil es in-
wißs ist, ob sie dieselbe mit Ah-
aus Zufall ermordet hat, wenn
it| soll sie nach sieben Jahren,
) diess, nach Ablauf von fünf
oach vollbrachter regelmässiger
ur Communion zugelassen wer-
1 sie aber innerhalb dieser be-
— Zeit erkrankt, soll sie die
n erhalten.
8i qua domina furore zeli
accensa flagris verberaverit an'
cillam suamj üa ut intra ter-
tium diem animam cum cru"
ciatu effundat, eo quod incer-
tum Sit volitntate an casu occt-
derit, si voluntate, post 7 annos,
si casu, post quinquennii tem^
pora, acta legitima poeniieniiaf
ad communionem placuit ad-
mitH^ quod 8% infra tempora
constituta fuerit inßrmaUiy ac-
cipiat communionem.
isa untersucht, was Zelus und Zclodyipia sei. — Cf. Oratian in
wma 50 dMnet. 43, — Die Freien seien mit fustibm, die Sdaven
flageUis und verberibus nach Ulpian geschlagen- worden. —
inns Pius habe eine Zeit milderer Behandlung der Sclaven
Sein Rescript über die Sclaven des Spaniers Julius Sabinus
Es war gerichtet an Aelius Marcian, den Proconsul von
58 FüDftes Bach. Die Synode von Elvira.
Die Macht der Herren gegen ihre Sclaven müsae ungeschmälert
seyn, und keinem Menschen dürfe sein Recht entzogen werden; aber
es liegt im Interesse der Herren selbst , dass denjenigen ^qm jutU de-
preeantur^^, nicht die Hilfe gegen Grausamkeit, Hunger, oder unertriSg-
liche Misshandlung entzogen werde. „Untersuche also die Beschwerden
derjenigen y welche aus der Familie des J. Sabinus zu der Statue ge-
flohen sind, und wenn sie entweder härtar gehalten sind, als billig ist,
oder grosse Misshandlung erfahren haben, so sollen sie in die Gewalt
ihres Herrn nicht zurückkehren , und wenn dieser betrüglich mdne Ver-
ordnung umgehet, so soll er wissen, dass idi dieses Vergehen strenge
bestrafen werde.*' — Uebrigens weisen die Erklärer unsers Canons auf
die bekannten kaiserlichen Edikte seit Constantin und die zahlreichen
Erlasse der Synoden zum Schuze der Sclaven hin.
Gonzalez Tellez weist in BetreflF des Wortes flagella (vielmehr flagra)
auf Gothofredus in 1. 12, de jure fisci, — auf Just. LipHus L 2. de eruce, cap. 3,
— Greiser l. 2, de cruce, cap, 4.
Auffallend ist es wohl, dass, wenn die Herrin die Absicht des Mor-
des gestehet, sie nur sieben Jahre Busse bekommen soll, wenn dag^g;en
ihre Züchtigimg ohne ihre Absicht die Sclavin getödtet hat, fünf Jahre
Busse thun soll. Dieser geringe Unterschied der Busszeit hat vielleicht
darin seinen Grund , dass das Bekenntniss oder Geständniss als Verdienst
und als Theil der Busse angenonmien wurde, da Niemand die Herrin
überweisen konnte, dass sie mit Vorbedacht ihre Sclavin getödtet habe.
"Wüsste man sonst nicht, dass die „ancilla'^ eine Sclavin sei, so
würde die geringe B.usszcit von sieben Jahren für einen Mord diess be-
weisen. Die Bischöfe wussten an sich, dass der Mord des Sclaven so
straffällig sei, wie der Mord eines Freien. Aber wie die ELirche an
sich und mit einem Schlage die Sclaverei nicht aufheben konnte, wdl
sie zu tief in das gesellschaftliche Leben verflochten war, so konnte sie
— vor dem äussern Forum der Kirche — vor dem Forum der kirch-
lichen Disziplin den Todtschlag eines Sclaven nicht mit denselben StraÜBi
belegen, wie den eines Freien.
Es ist hier bloss von grausamen Herrinnen die Rede, die ihre Scla-
vinnen zu Tode geissein, nicht von Herren. Waren denn die Herren
in Spanien weniger grausam? Das Edikt des Pius Antoninus in B^rsff
des Spaniers Jul. Sabinus beweist das Gegentheil. Aber es ist walu^
scheinlich, dass den Vätern von Elvira keine solche Klagen gegen die
Herren zu Ohren gekommen waren. An sich ist die Grausamkeit der
antiken Frauen gegen ihre Sclavinnen bekannt, welche, wie Böttiger
in seiner „Sabina' es darstellt, stets mit scharfen Instramenten bewaffne
waren , um ihre Sclavinnen blutig zu stechen oder eu schlagen '). *-
>) Friedländer, Darstellungen aas der Sittengeschichte Roms in der Zeil des Aa-
gast bis lam Ausgange der Antopine — Leipzig 1862, S. 281«
Canon 6.
59
Daio fiült nodi die durchschlagende, in nnserm Falle todtschlagende
Energie spanischer Frauen in das Gewicht
Das Flagrum ist ein Instrument, womit man hauptsächlich die Sclaven
xichtigte. Es bestand aus mehreren Ketten mit Metallknöpfen am Ende
— daher — durum fl. — Juv. 5, 173 — , welche an einem kurzen Stiele
brfestigt waren , wie eine Geissei *). Es verursachte mehr heftige Schläge,
als daas es einschnitt, während das Fiagellum schnitt oder rizte. — Doch
8igt Ldvius — cacsa flagro — 28, tl ^).
CaBon 6.
Wenn Jemand durch böse Mittel
einen Menschen tödtet.
Wenn Einer aber durch boshafte Künste
einen Andern tödtet, dem soll, weil er
dieses Verbrechen nicht ohne Abgötterei
rollbringen konnte, auch am Ende die
Commonion nicht ertheilt werden.
Si quicunque per malefi-
cmm Jiominem interfecerit
Si quis vero maleficio intev'
fecerit alterum, eo guod sine
idololatria perficere scdus ncn
potuit, nee in flnem impertien"
dam Uli esse eommumonem.
Statt maiUfleio — zu lesen — veneficio ist kein Grund. Denn, um
durch Gift Jemand zu tödten, dazu bedarf es keiner Abgötterei, son-
dern nur der Wirkung des Giftes. Die römische Gcsezgebung beson-
ders Ton Constantin an — ist unerschöpflich in Gesezen gegen die nictgi
und maieficu Was vom fünften bis achtzehnten Jahrhunderte Hexen
and Zauberer waren, das waren besonders im vierten Jahrhundert die
matefei nnd magi. — Gothofredus — hat in seinem berühmten Com-
mentare zu dem Codex Theodosianus mit gründlicher und erschöpfender
Gelehrsamkeit darüber gehandelt Vor wenigen Monaten hat Bernays in
seinem Werke über die Historia scuira des Sulpicius Sevcrus, welches
in seinem aweiten Buche die Hauptquelle für die Geschichte des Pris-
cüfianismus ist, — mit Benüsung und Hinweisung auf Gothofred , kürzer
von der Magie des vierten Jahrhunderts gehandelt ^). — Die Väter
von Elvira theilten hierin die Ueberzeugung aller ihrer Zeitgenossen;
ob mid wie weit sie hierin im Irrthume waren, weiss bei diesem dun-
kda Gkbiete der Natur und des Geistes Niemand zu bestimmen. Selbst
Onos wird von dem Heiden Zosimus ein Aegyptier, d. h. ein Magiw,
em Zauberer genannt Magi sunt^ qui eulgo malefici vocantur. Hi vio"
*) PUmL Am^ 4, 2, 10. - Martial, 8, 23; 4, 79,
*) PlamL Mere. 2, 3, 80. — U^ Dig. 47, 10, 9. — pinsere, rumpere — SueUm. „ Clamlitu**^ 8;
Otko, 2. — Lot Pacai, 30,. 5. — Ämm. MarceL 31, 8. — Rieh, AnL — ^. v. flagrum;
fiageOum.
*) Siehe unlen bei der Geschichte der PriscilUanisten. — ß*, über die Chronik
des Solpicius Sevelras, BerL 1861.
60
Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
lerOia tanium earminis kUerimtaU (Bhaban.). — Mens hautU nulh
polluta vmem, Ineantata perit — Lttean f).
CtDOB 7.
Ueber die wegen Unzucht Büssen-
den, wenn sie wieder sündigen.
Wenn etwa ein Gläubiger nach dem
Falle in die Unzucht, nachdem er die
festgesezte Zeit Busse gethan, wieder die
Unzucht begehet, so soll er auch am
Ende die Conmiunion nicht empfangen.
De poenümtibus mot
si rursus moechave
Si guU forte fiddis pc
mm moechiaey posl tempa
itUuta aeia pomiUrUiaj
ftterü famicatus f placuii
finem habere eum eommur
CUOB 8.
Ueber die Weiber, welche ihre Man- De feminis, quae v
ner verlassen und andere heirathen. vvri^ suis alüs nul
Ebenso sollen Weiber, welche —
ohne einen vorausgehenden Grund —
ihre Männer verlassen, und sich andern
zugesellt haben , auch am Ende die Com-
munion nicht empfangen.
Item feminae, qitat
praeeedente causa reli
viros suoB ei aXteris se c
verint, nee in flnem ac
communianem.
Mendoza handelt hier ausführlidi von der Geschichte der Eh
düngen, und meint, dass die spanischen Bischöfe zuerst die Un
lichkeit der Ehe ausgesprochen haben.
Ganon 9.
Ueber die Weiber , welche die ehe- De feminis, quae adt
brecherischen Männer verlassen, und viros rdinqimnt et
andere heirathen. nuhunt
Ferner soll einem christlichen Weibe,
welches einen ehebrecherischen Mann, der
ein Christ ist, verlässt, und einen andern
heirathet, diese Heirath verboten werden.
Thut sie es dennoch , so soll sie nicht vor-
her die Conmiunion empfangen, bis der-
jenige, welchen sie verlassen hat, aus diesem
Leben abgeschieden ist , wenn nicht etwa
eine Krankheit sie ihr zu geben zwingt.
lUm femina fldelis
adulterum virum relique
lern et alterum dueU^
heatuTj ne dueat: ei •
non prita aecipiat com
nem, nüt, quem reliquUj
eulo exierüy niri fonü
cesiUas infirmüatia dar
ptderit
>) TartulL (U idoL 9.
Canon 10.
61
lener Canon fOhrt den klaren unterschied zwischen Separatio und
tio der Ehe ein« Der Ehebruch trennt die Eheleute — a tharo
la, jd>er er trennt die Ehe nicht, weil er die Wiedenrerheirathung
schuldigen Theiles unter der Strafe der Ausschliessung verbietet
diesen — und die entsprechenden anderen — Canones haben sich
ter von Elvira um die Kirche grosse Verdienste erworben. Wie
rche Spaniens in Beziehung auf diese Frage den übrigen Kirchen
seidentea im klaren Aussprechen der Lehre und Disziplin voran-
ist, so in der Lehre von der unbefleckten Empf&ngniss der selig-
tingfrau^ und von dem Ausgehen des heiligen Geistes von dem
und dem Sohne zugleich. ^Dass die katholische Kirche,^ sagt
jrk ausgepiügtem nationalen Selbstgefühle der Spanier Ferd. Men-
u Papst Clemens VIII., ^ deren Sid^erung dir nicht der Zufall,
menschliche Weisheit, sondern Christus selbst übertragen hat,
I Spanien viel zu verdanken habe, das kann dir, um anderes zu
then, nicht allein dieses Concil nahelegen, sondern dich davon
ugen' (hoc unum concUium non »uadere tibi tantufn^ sed et per-
i potestj. — Gonzal. Tellez weist auf c. 65 von Elvira, und c. 93
^ TruUana — t;. 692 %
GUOB 10.
der Verlassenen eines Kate-
enen, wenn sie einen andern
heirathet.
snn diejenige, welche ein Katechu-
rerlässt, einen Mann nimmt, so kann
der Taufgnade zugelassen werden,
ird auch in Betreff von Frauen -Kate-
nen zu beobachten sejn. Wenn Jene
IXabige ist, welche geheirathet wird
9BI, der seine unbescholtene Gemah-
rlaasen hat, und wenn sie gewusst
taa Jener eine Gemahlin habe, welche
le Grund verlassen, so soll ihr am
die Communion ertheilt werden.
De relicta catechumeni^ $i
alterum duxerit
Si ea, quam eatechnmenut
rdinquü, duxerit maritum, pot^
est ad fontem lavcmri admitti:
hoe et circa feminas catechw
mencu erit obsennrndum. Quod
9i fuerü fiddü, quae ducitur
ab eo, qui uxorem inculpateun
rdmquitß et cum sderit illum
habere uxorem, quam tine eauaa
reliquit, plaeuit in finem huku^
modi dari communionem.
hsß die Fassung des Canon an Undeutlichkeit leidet, brauche ich
erst zu bemerken. Die Ueberschrift selbst ist undeutlich, weil es
ittwe bedeuten könnte. Denn bei Idatius , und nach ihm bei Isidor
[efele, ConciL Gesch. 3, 98, 103, 288, 486, 549.
ändert der englischen Kirche, 18409 S. 164.
Schrödl, das erste Jahr-
62 FfiDftes Buch. Die Synode von Elvira.
von Sevilla heisst die Wittwe des im J. 453 durch Maximus ermordeten
Kaisers ValcntiDiaA lU. — die ^Hinterlassene^ (relieta VaUniinUmi) Uth
Uui ehron. parv. — Isidftr, de rebv» Vandalorum ^). — Doch kann es
hier nicht Wittwe, Hinterlasscnc , es muss Verlassene bedeuten. Ein
Katechumene verlässt seine Gemahlin, und nimmt eine andere (Heidin).
Diese kann in das Katechnmenat und in die Kirche eintreten. Denn
sie hat von der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe nichts gewusit
Oder eine Katechumenin verlässt ihren (heidnischen) Mann. Dieser kann
zur Taufe gelassen werden ; denn auch er hat die Natur der ehristliehen
Ehe nicht gekannt.
Aber anders gestaltet sich die Sache, wenn die zur (zweiten) Ehe
Genommene eine Christin ist, und wenn sie weiss, dass der Mann seine
Frau ohne Grund verlassen hg^. Dann handelte es sich darum , ob sie
am Ende des Lebens die Communion empfangen, oder nicht empfimgen
soll. Aber es wurde beschlossen, ihr am Ende die Communion su ge-
währen.
GUOB 11.
Von der Katechumena, wenn sie De catechumena, si gra-
schwer erkrankt. viter aegrotaverit.
Wenn aber innerhalb der fünf Jahre Intra qtdnquennii atUem tenh
die Katechumena schwer erkrankt, so ist pora aüechumena m (^raviUt
beschlossen , . dass ihr die Taufe ertheilt, fuerit infirmata, dandum ei ba-
nicht verweigert werden solle. ptismam placuit, nan denegarL
Das Auiem deutet auf den vorhergehenden Canon. Sonst daaert
das Katechumaiat nur zwei Jahre (c. 42), bei einer Frau aber, welche
einen Mann zu Lebzeiten von dessen rechtmässiger Gemahlin geh^irattiet
hat, soll es fünf Jahre dauern, weil sie auch gegen die heidnische Sitte
und das Naturgesez gesündigt Wird sie aber während, der fünf Jahre
Probe- und zugleich Busszeit krank, so muss sie getauft werden. GkmnL
Tellez sagt, sie erhalte fünf Jahre Busse, weil sie noch vor der Tauft^
und bei dem Bestehen der ersten Ehe gesündigt habe. — Hefele CmsI
die Canon. 9, 10 und 11 in folgender Weise auf und zusammen. Di^
selben besprechen zwei von einander verschiedene Fälle, von deMD
jeder wieder zwei Unterabtheilungen hat.
1) a) Wenn ein Katechumenus seine noch ungetaufte Fraa ohne
Grund verlassen, und diese einen andern genommen hat, bo darf sie
dennoch getauft werden.
') Ebenso — ' Bincmari Rhem, annaUt — 869 — T^eutbergam, Lotham regit n
(die Wittwe des am S. Aag. 869 zu Piaccnza t Königs Lothar). ^ Siehe
Dümmler, E., Geschichte des oslfränkischen Reiches, 1862» 8.683. r- Bvtt
MonmmeiUa Script 7, 486,
Canon 12.
63
b) Ebenso 9 wenn eine Eatechumena ihren (noch ungetanften Mann
ohne Grmnd) verläast und dieser heirathet wieder, so darf er getauft
Anders stelle sich die Frage, ob Jemand die gegen das Recht Ver-
lassene heirathen könne; und der Fall und die Antwort sei doppelt.
2) a) Wenn eine Getaufte wisse, dass Jemand seine Frau ohne
Grfimd Terlassen, und sie heirathe ihn dennoch, so darf sie erst auf
dem Todbette wieder communiciren (s. l.Cor. 7, 12).
b) Wenn aber eine Katechumena einen solchen heirathet, so werde
ihr die Taofe auf fünf weitere Jahre (Probezeit) verschoben, und nur
im Falle der Erkrankung dürfe sie früher getauft werden.
GanoB 12.
Von den Weibern, welche das Ge-
werbe von Kupplerinnen treiben.
Eine Mutter, oder Verwandte, oder
jede Gläubige, wenn sie das Gewerbe
der Kupplerinnen treibt, soll darum, weil
sie ein^i fremden, oder vielmehr ihren
eigenen Leib verkauft hat, auch am Ende
die CSommunion nicht empfangen.
De mulieribus, quae leno-
cinium fecerint
Mater, vel pareru, vel quae-
libet fidelia, H lenocinium exer-
cuerü, eo quod alienum corpus
vendiderit, vel potiua «uun^ plor
etat eam nee in flnem aedpere
commumanem.
Spitere Sammler der Kirchengeseze, wie Ivo, p. 8. c. 306 —
Borduurd W. 19, 6 — lesen: msi in fine non aceipiat eammunianem. —
Heodosa handelt hier eap. 25 „de poena lenocinii^^. — Er führt die Stelle
an — L4. (dt praetor ^ de hi$ qui notantur infamia. — Leno-
faeUp qid quaestuaria mancipia habet; sed et qui m liberia hunc
exereet, m eadem causa est, — Yalentinian und Theodosius
(l Imenet fn. C. de speetaeuUs. L 10) verordneten, dass Sclaven, Kinder
and Verwandte, welche also missbraucht würden, aus der Gewalt ihrer
Ellani oder Herren zu entlassen seien, und den Schuz der Bischöfe oder
Defenaoren anrufen dürfen. — TerUüL de idololatr. c. 11. — Nach den
Geaeseo Solon*s seien die „lenanes^ zum Tode verurtheilt worden. Der
Tyrann Cleomenes von Methymna Hess mehrere „Unas^ in Säcken in
das Meer werfen.
Hit gleicher Strafe werden nach unserm Canon belegt, Eltern,
«ridie ihre Kinder, Verwandte, welche ihre Verwandten, Frauen, welche
flire Sdaven u« -s. w. also verkaufen. — Es heisst einen fremden , oder
▼iehnehr ihren Körper. Das begreift man bei Eltern, und auch Ver-
moidten. Bei Sdavinnen muss es auf das Verhältniss des Eigenthumea
boogea werden. Ueberhaupt aber darauf, dass die Frau, welche ein
Bolcfces Gewerbe treibt, >dem Willen und der schlechten Absicht nach
64
Fanftes Bach. * Die Synode Ton Elyinu
ihren eigenen Leib vei*kauft, ihn in der Regel verkanft hat, und nun
die Sünde y die sie selbst nicht mehr vollbringen kanoi durch andere
wie durch Glieder des eigenen Leibes vollbringt.
CUOB 13.
Ueber die Gott geweihten Jung- De virginihus Deo dicaiiSf
frauen, wenn sie Unzucht treiben. si adulteraverinL
Virgmei, quae $e Deo ^
tavcruniy ri factum perdideritU
virffinitatiM, dque eidem Ubiäbi
ieroitritU non üUelUffenUi quid
admiservfU, plaatä nee in finm
eis dandam e$$e eammunianem.
Quod ti Memel pereueuae ad
infirmi earpon» lapeu vUkUm
omni tempore vUae iuae hȊuh
modi feminae egerint pomhm
Uam, td dbttmemU 9e a eoA%
eo quod lap9ae pofmt rftleaii-
tur, placuü eoM m p%an eam*
munionem aedpere debere.
Wenn Jungfrauen, welche sich Gott
geweiht liaben, die Gelübde der Junji^äu-
liehkcit zu Grunde richten, und derselben
Lust fröhnen, und nicht einsehen, was sie
verloren haben, ist beschlossen worden,
dass ihnen auch am Knde die Communion
nicht ertheilt werde. Wenn solche Frauens-
personen sich einmal bethören lassen, oder
durch den Fall des schwachen Fleisches
verdorben — die ganze Zeit ihres Lebens
Busse thun, so dass sie jeder Unzucht sich
enthalten, ist beschlossen worden, dess-
wegen weil sie vielmehr gefallen zu seyn
scheinen , so sollen sie am Ende die Com-
munion empfangen dürfen.
Mendoza behauptet, dass es schon zu der Apostel Zeit in SpanicB
gottgeweihte Jungfrauen gab. Diess ist wahrscheinlich, aber nidit er-
wiesen. Für die übrige Kirche ist Justin der Märtyrer der erste Zeuge
um 150. Hierher mag man auch die Geschichte der heiligen Theda,
des Lazarus und der heiligen Martha, sowie der heiligen Olcilia reehnen.
Für Spanien hat man kein früheres historisch beglaubigtes Beispiel, ab
das der heiligen Eulalia von Merida , ein oder zwei Jahre vor der Synode
von EUvira. — Aber da ich erwiesen zu haben glaube, daaa die Eirdie
Spaniens von dem Apostel Paulus, — sodann von doi Siebenminnera,
welche von Petrus und Paulus gemeinsam nach Spanien gesendet wor-
den, gegründet wurde, — da sonach die Kirdie von Spanien nach dflr
Kirche von Rom und überhaupt Italiens, da sie in Leben nnd £inridi-
tungen sich durchaus nach der römischen Kirche bildete — (ao das
man in einem gewissen Sinne, namentlich in Beziehung auf die Litaigie
— die G^talt der ältesten römischen Kirche aus der G^eatalt der llteaten
apanischen Kirche erkennen kann), da die beiden Heiligen Pndentiaiia
und Praxedis in der Mitte des zweiten Jahrhunderts ohne Zweifelr Oott
geweifaete Jungfrauen — virgine$ Deo dieaiae — waren, — * ao reMit
aieher der Stand der gottgeweihten Jungfrauen in Spanien, wenn nidil
in das erste, so doch in das aweite christliche Jahrhundert carfklL -*
Cadod 14.
65
sagt Mendoza weiter — dass unter dem Abfalle dieser Jung^
*h eine etwaige Ehe mitgemeint sei; denn gerade durch eine
•en sie ihre Verblendung zu erkennen, und ^dass sie nicht ein-
s sie verloren haben^. [Oonc* Turon. v. 461 — c. tf. — Cone.
e. iO-A (angebliche Synode) ; besonders aber ToUtaman 1, 16, 19].
die Tochter eines Bischöfe , oder Priesters, oder Diakons, die
ge^weihet hat, sündigt und heirathet, so dürfen ihre Eltern
inen Verkehr mehr haben; sie selbst wird excommunicirt und
iivenn sie stirbt, das Sacrament wieder erhalten — ToUi, 4, 55.
, erklärt die Worte „non inteUiginUs^^j wenn sie keine Reue
1 „Uzp^aei^, wenn sie nicht mit ihrem Willen gesündigt haben.
3llez unterscheidet zweierlei Jungfrauen in Spanien; er weist
higenia — 21. Sept., Thecla und Petronilla. — Einige sind
feinung, dass es schon Klöster um diese Zeit in Spanien ge-
e. Aber — wie sollte dieses möglich sejrn? Das Beispiel
i von Merida beweist das Gegentheil, und vor dem vierten
rt haben nachweisbar nirgends Männer« oder Frauenklöster
Die gottgeweihten Jungfrauen sonst und in Spanien legten
Dgesichte der Kirche die feierlichen Gelübde der beständigen
chkeit ab , wozu auch das Gelübde kam , liiemals in den Stand
sa treten; sie unterschieden sich wohl durch irgendeine Aus-
in der Kleidung, vielleicht auch Stellung in der IGrche, und
sonst in den Häusern ihrer Eltern oder Anverwandten. Diese
et sich noch bis zur neuesten Zeit bei den katholischen Arme-
Constantinopel. Liest man femer das Leben und die Lebens-
r heüigen Rosa von Lima, „der ersten Blume der Heiligkeit im
t Amerika'', sodann das Leben der im J. 18Ö0 seliggesprochenen
[aria Anna de Paredes von Quito (f 1645), so begegnen wir hier
1 Erscheinung, dass die gottgeweiheten Jungfrauen in dem Hause
tem, aber hier an einem abgelegenen Orte, wohnten.
Cuon 14.
weltlichen Jungfrauen, w'enn
sie gefallen sind.
^uen, wenn sie ihre Jungfräu-
nicht bewahren , wenn sie diejcni-
rmthen, welche sie geschwächt ba-
ld sie als Ehegatten behalten, wer-
eil sie bloss den Eintritt in die
fleckt haben, nach einem Jahre
I8B6 wieder aufgenommen werden
Wean sie aber mit andern Man-
•pui. Kixehe. II.
De virginihus saecularibus,
si moechaverint
Virgines, quae virginUatem
tuam non custodierint, H eos-
dem qui eas violaveHnt duxc"
rint et tenuermt marUoi, eo quod
eolas nuptia» violavenM, poH
annum sine poemtentia reeon^
cüiari debebunt^ vel n alios
tognoveHM viros, eo quodmoe-^
5
66 Fünftes Bach. Die 8ynode von Elvira.
nern gesündigt haben, iat beschlossen ehatae nmtj plaeuU per quin^
worden y darum, weil sie die Ehe ge- quennii tempora ocUl Ugiüma
brechen, dass sie nach Vollendung der ge- poenitentia admitti eoi ad com^
sezmässigen Busse von fünf Jahren zur munionem oporUre.
Communion zugelaken werden sollen.
Alle Erklärer fassen sich kurz bei diesem Canon. Mendoza citirt
einige gleich lautende Canones, und weist hin auf c. 72. ' — Aubespine
erklärt, dass also Gefallene die Virginität nicht gelobt hätten, und dass
;,ohne Busse^ bedeute ^ohne Strafe'. Gonz. Tellez sagt, im Orient sei
für solche Gefallene drei Jahre Busse bestinmit gewesen ; die Gefallenen
aber haben bis zu der Ehe getrennt von einander leben müssen.
Ganon 15.
Von der Ehe derjenigen, welche De conjugio eorum , qui ex
aus dem Heidenthume kommen. gentüitate veniunL
Wegen Ueberfluss an Mädchen sind Propier eapiam ptuüarum
den Heiden christliche Jungfrauen in gentiUbm minime in matrimo'
keiner Weise zur Ehe zu geben , damit nium dandae etaU virginee dmr
nicht das in seiner Blüthe üppige (Jugend- etianaty ne aetaa in flore tumait
liehe) Alter dem Ehebruche der Seele in aduUerium ammae reeoir
verfidle. vatur.
Mendoza und Tejada y Ramiro (der sich gewöhnlich auf Mendoia
und Gonzalez Tellez stüzt) , verweisen hier auf TertuU. L 2 ad uxorenu JL
/. AreU II ; — Gonz. Teil, auf die Ehe des Heiden Valerian mit der
heiligen Gäcilia, der Chlotilde mit Chlodwig — s. Baron. 494, Nr. 28
bis 32 ; auf Bellarm. de matrim. 7, Oif.
Es ist zuerst aufTallend , dass die Synode für die betreffenden Elfen
— denn diese geht der Canon an — keine Kirchenstrafen im Falle dar
Uebertretung ansezt, wie auch der Canon 81 den Frauen, welche unter
ihrem eigenen Namen Briefe schreiben und annehmen, keine kirchlichen
Strafen dictirt. Demnach haben wir hier weniger ein strenges Verboty
als eine ernste Warnung, nicht leichtsinnig und ohne die Bedingung
der christlichen Eandererziehung, christliche Töchter heidnischen Männern
zur Ehe zu geben.
Wir begegnen]^hier zugleich] einer Erscheinung, welche sich durch
die ganze EJrchengeschichte, besonders der ersten vier Jahrhunderte,
gleichmässig hindurchzieht, und durch sie bestätigt wird, — der Er-
scheinung der beständigen Ueberzahl christlicher Frauen und Mädchen
über die christlichen Männer. Die Bischöfe der Christenheit konnten
höchstens vor solchen Ehen warnen. Es war aber nicht möglich, sie
zu verbieten; denn sie verbieten , — hiess die Ehe verbieten. Aber die
CAnon 15. 67
^bubensinnigkeit und die daraus hervorgehende Thatkraft der christ-
idMD Frauen hat sulest doch den Sieg über die matten heidnischen
iiiuier daTon getragen. Diese glaubten weder an ihr Heidenthiun , das
ie ans GleichgUtigkeit nicht verlassen mochten, noch glaubten sie an
ha Christenthum ihrer Frauen. Aber sie liessen ihre Frauen gewähren^
nd ne gaben deren beständigem Andringen nach, dass die gemein-
jiafUichen Kinder christlich getauft und erzogen werden dürften. —
V'eiiii nun diese alten Heiden starben, starb mit ihnen das alte Heiden-
xum aus, und das junge Christenthum lebte in den christlich erzogenen
löhnen auf und fort — Wir sind darum -weit entfernt, es tadeln zu
rollen, dass die Yäter von Elvira solche Ehen verboten, bleib^i aber
ei der Behauptung stehen, dass ihr Verbot — eine Warnung war.
litten sie selbst an die Möglichkeit einer allseitigen Durchführung des-
dben geglaubt, so mussten sie eine — wenn auch die kleinste — Kirchen-
trafe auf die Uebertretung des Verbotes sezen.
Unter den schweren Vorwürfen, mit denen der (zeitlveilige) Schis-
BStiker Hippolyt in seinen neu entdeckten zehn Büchern, „Widerlegung
iDer Häreaieen^ den Papst Kallistus I. beschwert, ist auch der über
iie unstandesgemässen Ehen. Diese Ehen zwischen Freien und Edlen
Fnuen) und zwischen Männern aus dem Stande der Sdaven und der
Irmem Freigebomen waren nach den römischen Gesezen und nach der
Meadidien Meinung keine wahren Ehen. Kallistus aber, 'der früher
nDirt Sdare gewesen, erklärte nun solche Ehen als wahre und voll-
phige vor der Kirche. Da nur sehr wenige Männer aus den hohem
Sttnden Christen waren, um so grösser aber die Zahl der christlichen
Jmigfrmnen aus den höchsten Ständen war (man denke an Agnes, Ana-
rtasia, Cäcilia), — so waren diese Christinnen gezwungen, Heiden zu
ibinem zu nehmen.
Dem gegenüber erlaubte, wie sein Gegner Hippolyt sagt, Papst
Eallistas den Frauenspersonen, welche unverheirathet waren, und in
las Alter kamen, welches Hippolyt fjhxicc äva^ia^ die Väter von Elvira
Etft gleichlautend y^neta» in flore tumens*', wir aber nach dem gewöhn-
Sehen Sprachgebrauche ^yOetas nubilis'^ nennen, und welche ihre (adelige)
Würde nicht durch eine nicht standesgemässe Ehe verlieren wollten,
eben Sdaven oder einen Freien zu wählen , und ihn (in einer durch
daa Greaes nicht erlaubten Ehe) zum Manne zu haben *). Daraus nun
•> SppoL etr, haeres, ed. Oxon. 1851, — /. 9, p. 461 — xai ya^ xai ywai^iy exe-
rpt^gVy tl avetyd^i mv, xai tjltxi^ yt exHatowTO aya^i^ rj eocvruy d$iay firj ßov-
iaarro na&ai^ty iSta to CfJaj?J voixiuwQ yafJOfS^ai, exeev iva cy Sy cu^uvrai
€vymurcrf tirt oixenfY, etre iJiev^epw, xai rovrov xgevety avri aydghg fjc^ vofua yeya-
/affiutfv. 'SrSiv tJQ^Ofxo ittixei^iy stißrai ieyofuvai aroxtoiis ifHx^fMotots ^ xai xegi-
UffuWStu xpog TO ra OvJUafißayo/uva xarafldXXetVy Stet t6 fjofre ex dovJLov ßov-
itf$m Sxß<^ rittf^r , fojn i( ainJiovc , Sia r^ 6vyyev€tetv xcU wnQcyxoy o^oücy. —
5»
68 Ffioftes Bach. Die Synode tob Hrin.
seien schwere Verbrech^i heirorg^angeiiy weil durisdiche Fimuen wegen
ihrer Verwandtschaft and ihres Reichthums sich geschämt hätten , Kin-
der ans solchen Ehen zu haben. Damm wirft er dem Papste — die
Schuld an der Unzacht und an dem Morde zugleich vor.
In einer gelehrten Untersuchung handelt Döllinger (Hipp, und Kat
listusy iSSSy S. 159 — 189; von diesen Ehen, und spricht die (auch von
mir getheiltej Ueberzeugung aus, dass der rigoristische Hippolyt in
solchen Fällen gerathen oder geboten hätte, überhaupt keine Ehe einso-
gehen, d. L die überwiegende Mehrzahl der christliehen MädcheQ zu
einem durch die Umstände gebotenen Cölibat ermahnt und verhalten
hätte. Ebenso habe der Bischof Pinytus von Knossus auf Creta eine
grosse Anzahl von Laien dazu nöthigen wollen, ehelos zu bleiben*).
Wenn wirklich einzelne Verbrechai der von Hippolyt erwähnten Art
aus der Erlaubniss des Kallistus hervorgegangen seien, so könne dieser
in keiner Weise dafür verantwortlich gemacht werden.
Die Tochter eines senatorischen Geschlechts konnte in Folge ^ines
Senatsbeschlusses imter Kaiser Marc Aurel und Commodus . mit Frei-
gebomen niedem Standes keine Ehe eingehen, ohne ihren Rang als
femkia dariaima zu verlieren (= ri^v ionntov i^op xa&aigeiv des Hip-
pel jt). Heirathete sie einen Freigelassenen, so behielt sie ihren Rang,
weil dasGresez solche EheQ. ignorirte; vor demselben galt sie als unvei^
ehelicht Trozdem konaütan ihre Söhne Decurionen werden. Eallistas
erkannte nun die vor dem Geseze ungiltige Ehen als kirchlich
Döllinger bemerkt, S. 159 — zu den vorsiehenden Worten, dass schoi^ ud Jdir
1853, zwei Jahre nach dem Erscheinen des Werkes, drei verschiedene LcsarleOi
d. h. Emendationen , aufgestellt seien. Miller, der erste Herausgeber, schlage
vor, nach istdrpe^ev — einzuschalten: diia^rehy und zu schreiben: ^Jtadfi
Mtuoivro cd h a$ifc, exerge^pev a^uxgnir. — Bunsen macht einen andern an den
Haaren herbeigezogenen Vorschlag; ebenso Wordsworth. Döllinger tehlSgt
viertens vor, zu lesen: xoi yag neu ywou^iy ixirg*^f>iVy ti ävavSQOi ilev, tteU ^liwip
xtuovrai (oder xeuotvro)^ ayct^ia (vielmehr ayd^m)^ riff kcoorOn o^uxir ipr foji fk»-.
iotvro xaScugei¥^ d. h. Weibern, wenn sie männerlos, und noch im Alter glühen»
der Begierden seien, gestattete er Unwürdiges, falls sie ihrem Bange vor der
Welt nicht entsagen wollten. Ich mache den fünften Vorschlag, za lesen and
zu übersezen: Denn auch den Weibern gestaltete er, wenn sie noch unver-
heirathet, und von unwürdiger (d. h. heftiger) Begierde der Jugend entifindet
wären, oder wenn sie ihre eigene Würde dadurch nicht verlieren wollten, dass
sie eine nicht standesmässige Ehe eingehen, mit einem Sclaven oder Freien
in einer nicht standesmässigen Ehe zu leben. Mein Vorschlag verlangt nnr,
d3^8 fiij zweimal gesezt werde: tj iccvrüv d^iav fiij fiovJtotvro xa^cu^cjy ffta r»
fd^.vofjLifjuog yofi^S^cu, Es scheint mir nicht wahrscheinlich, dass (wie Döl-
linger S. 161 es auffasst) das yo/ufuas ytt/Joj^^ou — das erste Mal eine recht-
mässige kirchliche Ehe, das zweite Mal in demselben 8aze ^ y^fu^ y^YOfuf-
fwnjy — eine rechtmässige römische Ehe bedeuten sollte.
1) EuUb, h. t. 4, 23, «d Sclißoe^ler - 4, 3i, ßdidii Bugo Lamm», Seaphtnoe, 1862.
Canon 15. 69
3iai an« Dieas konnte in einer Zeit nichts Auffallendes seyn, in der
. R Heliogabal um Geld die unyrürdigsten Subjecte als Senatoren
norte, die Kinder der Senatoren als Opfer seinen Gözen schlachten
mBy und sein eignes Pferd zum Consul ernannte. Es ist ein grosses
erdienst des Festes EallistuS; dass er Ehen niit Sdaven für kirchlich
big erklärte. Zu diesem Zwecke wurde der Sciaye entweder vorher
agelaasen, oder er blieb vorerst in seinem frühem Stande. Dabei
tte Kmllist Allerdings mit den natürlichen Yorurtheilen der christlichen
"anen zu kämpfen. Tertnllian wirft ihnen ihre Abneigung vor^ einen
mem Christen zu heirathen, um nicht dadurch ihren Stand zu ver-
ren. Darin also harmonirt Tertullian der „Strenge^ mit dem j,laxen^
lilistuB *).
Dabei haben wir Anlass, auf einen sonst selten beachteten Grund
r Vennehrnng der Christen in den ersten Jahrhunderten hinzuweisen.
i den Heiden war es damals Sitte, aus der Ehe keine Kinder zu
ben. So musste nothwendig die Zahl der Heiden stetig abnehmen,
5 der Christen stets zunehmen, deren Ehen fruchtbar waren. — Bild
ler Christin dieser Zeit war eine „Marcia^ mit ihren Tugenden und
Uem ^). Hippolyt nennt sie eine gottesf ürchtige Zuhälterin des Com-
)dos. Die apostolischen Constitutionen, deren achtes Buch nach den
stenochangen von Seb. Drey in dem vierten Jahrhundert, jedenfidls
>r der Zeit des Epiphanius, entstanden ist ^), verordnen, dass eine solche
BcUcDeii Tirog dniatov Sovlfi^ ixeivq) fdövtp axoXd^ovaa, als Christin
nfgenommen werden solle. So musste auch Marcia, trozdem dass sie
oeUion; des Kaisers Commodus war, in der Gemeinschaft der Earche
eben, sonst hätte sie, wie Hippolyt erzählt, nicht den Papst Victor
1 sich rufen, und ein Verzeichniss der nach Sardinien deportirten Christen
m ihm begehren können. „Victor betrachtete also wohl ihr Verhältniss
1 Commodos als ein eheliches, als ein inaequäle eonjugium; Commodus
handelte die Marcia, die er ihrer niedrigen Geburt wegen nicht förm-
di heirathen konnte, doch ganz als seine Gemahlin, so zwar, dass er
idben ihr keine andere Gemahlin gehabt zu haben scheint, und ihr alle
!kren einer Kaiserin erweisen liess. Endlich aber musste auch sie, um
kr eigenes Leben und das vieler Anderer vor dem verrückten Tyrannen
*) TvtuXL ai uxor, 2, 8 — ut gentiUs quidem extraneis junctae UberUxtem suam amü'
ImU, moMtrae vero diaboU servot siH conjungant, et in statu suo perseverent,
*) PkUas, 9, 12, — edL MtUeTf p. 466 — ^ Mccpxia, oioa ^tXoSeoc ncüLXaxri KofiftoSov,
^ Drey, Neoe Untersochun^en über die Constitationen and Canones der Apostel,
1832 — 8. 145 — 147, ond im Freiburger Kirchenlexikon : Art Constit d. Ap. —
(CotuL 8, 32), Cf, Auguttin, de ßde et openbuSf c. 19, — de eoncuhinaf si pro/eesa
se akttm eognitunam, eikan ti ab illOf cui tubdita est, dimmütaiitr! merito
ad perdpiendum bc^tismum non debeat admüH,
70 Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
zu retten, an der Verschwörung , die seine Ermordung beschloss, TheQ
nehmen *)*'.
Die Väter von Elvira be&nden sich, genau erwogen , auf dem Bo-
den des Papstes Kallistusj was sie nicht verhindern konnten, d^vor
warnten sie. Ein Menschenalter später war Spanien ein christliches Land
geworden y und der Canon hatte zum grossen Theile seine Bedeutung
verloren. Die Glaubensinnigkeit und Glaubenskraft der spanischen flauen
— hat aber in der R^el über die Glaubenslosigkeit und Mattigkot
unchristlicher oder akatholischer Männer gesiegt^).
Ganon 16.
Ueber katholische Mädchen, dass De pueUis fidelihfis , ne in-
sie sich mit Ungläubigen nicht yer- fidelibus conjtmgantur.
binden sollen. « ^. . ^ ^
Man solle auch Eezem, wenn sie nicht noluerirU ad Eccletiam eatho'
zu der katholischen Kirche -— übertreten Ueam, nee ipsiB ctxthoUeoi doa^
Wollen, nicht katholische Mädchen (zur Ehe) da» esse puelUuy sednequeJit'
geben ; sondern es ist beschlossen, dass sie daeis neque haereUdB dort pUh
weder Juden noch Eezem gegeben wer- cuit, eo quod nuUa posiit em
den, darum, weil keine Gemeinschaft zwi- societas fideli cum infldde: m
sehen dem Gläubigen und dem Ungläu- contra interdictum fecerinipO'
bigen stattfinden kann: wenn die Eltern rentes, absiineri per qtnnquair
gegen dieses Verbot handeln, sollen sie nium placet,
fünf Jahre ausgeschlossen seyn.
Während im vorstehenden Canon keine Eirchenbusse festgesezt wird,
sollen nach diesem die Uebertretenden fünf Jahre Busse thun. Denn
ich sehe keinen Gnmd, diese Kirchenbusse auch auf den Canon 16 la
beziehen. Warum dieser Unterschied der Behandlung? — Eine chxirt-
liehe Frau eines heidnischen Mannes war in geringerer Gefahr , ihren
Glauben zu verlieren, als die katholische Frau eines häretischen oder
jüdischen Mannes. Jener kümmerte sich in der Regel nicht um ihre
Religion, und liess sie in derselben gcwldiren. Auch durft;en wohl in
der Regel die Kinder christlich erzogen werden. Hier bei der Häresie
imd dem Judenthume war die christliche Frau alsbald von einem &st
unentrinnbaren Neze umringt; die ganze Synagoge und die ganze Sekte
umgab sie, und zog stets engere Kreise um sie. Man schloss sie von
0 Düllinger, Hippolytus und Kallistas, Seite 158 bis 189. Cf. Herodian, 1,16.
— Phihsophumena, P, 11— H, und die Citate im Bd. 1, S. 14a
^ Trozdem schmeicheln sich die Eogländer, dass sie durch Niederlassungen and
gemischte Ehen Spanien allmälig protestantisiren werden.
Canon 17. 18.
71
jadem kathoIiBcheii LuftrogOrab; nnd — wenn ihr Mann weniger eifrig
war, weniger fimatisch, so lag er im Banne der ganzen Y^rwandtsdiafty
der ganzen Synagoge. Sie musste abfallen, oder zu ihren Eltern zurück-
ffelieB. Aber gerade di^e hatten sie an einen häretischen oder jttdi*
achen Miuin hinausgegeben , um ihrer ledig und los zu werden. — Dazu
kommt, dass die katholischen Töchter „propter copiam pudlarum^^ wohl
gezwungen seyn konnten, Heiden zu heirathen, wenn sie überhaupt
heiralfaen sollten oder wollten, nicht aber Juden oder Häretiker, deren
Zahl eine ▼erhältnissraässig unbedeutende war. Endlich konnte man sich
für Ehen mit Heiden — auf den Apostel Paulus und die heilige Schrift
— besonders 1, Cor. 7, 14 berufen,
WoDte ein Häretiker ein katholisches Mädchen heirathen, so musste
er zu der Kirche übertreten. Von den Ansprüchen und dem Einflüsse
der Juden in Spanien werde ich bei Canon 49 und später sprechen«
Gtnoi 17.
Von denjenigen, welche ihre Töch-
ter mit heidnischen Priestern ver-
binden.
Wenn etwa Einige ihre Töchter mit
Pnestom der Gözen verbinden sollten, so
soU ihnen anch am Ende die Communion
Bicht ertheilt werden.
De his , qui fUiaa stMS so-
cerdotibiis Gentüium con-
jimgtmt
Si qui forte iaeerdoHSbm
idolorum ßias $ua8 — junxe^
rinty plaeuU nee in flnem eis
dandam esse communionem.
Die Frau eines Heiden konnte Christin bleiben. Die Frau eines
iieidmschen Flamen musste Heidin werden, selbst opfern, und bei Opfern
inwesend seyn. — Das Wort ^yforte*^ aber kann andeuten, dass damals
den Bischöfen solche Fälle nicht bekannt waren, oder dass sie in den
lezten Zeiten nicht vorgekonunen.
Gtnoi 18.
Von den Bischöfen und (Kirchen-)
Dienern, wenn sie fleischlich ge-
sündigt haben.
Bischöfei Priester und Diakonen, wenn
äe, in ihrem Amte stehend, entdeckt wor-
den sind, dass sie Unzucht begangen ha-
ben, — sollen — wegen des Aergernisses
md des gemeinen Verbrechens, auch am
Ende die Gonununion nicht empfangen
dürfen.
De sacerdotibu& et mmi-
striSy si moechaverint
Episeopif pre^pytetes et dia-
cones si in ministerio pasUi de-
tecti fuerint qttod sint moe^Ü,
plactdt propter scandalum et
propter profanum crimen nee
in finem eos communianem ac"
cipere debere.
72
Ffinftes Bach. Die Synode von Elvirf.
Nach Aguirre ist hier jede captda ülieita unter dem Verbrechen au
verstehen. Dass in dieser Hinsieht üch die Bischöfe von den Pxiestem
und Diakonen nicht trennten, erforderte die natürliche Billigkeit, und
wohl auch der Bückblick auf Bischöfe, wie Basilides von Merida, und
Martialis von Astorga^).
De clericis negoHa et nun-
dinas sectantibus.
Episcopi^ prc8byUre8 ei diu"
cvnes de locis niü negotiandi
causa non diacedant, nee dr^ ;
cumeuntes provineiai quaeHuth
SOS nundiruu sectentur: eane ad .
vicium eibi eonqtdrendum aiA ■
filium out libertum aut mer*
cenarium aut amieum out
queniHhet mittönt, et et volvr
erint negotiari, iofiira provm^
dam negotientur.
Gtooii 19.
Von den Clerikem , welche Geschäf-
ten und Märkten nachgehen.
Bischöfe, Priester und Diakonen sollen
Handelsgeschäfte wegen von ihren Stellen
sich nicht entfernen, noch in den Pro-
Yinzen umherziehend des Gewinnes wegen
die Märkte aufsuchen ; jedoch mögen sie,
um sich den Lebensunterhalt zu erwer-
ben, entweder einen Sohn, oder einen
Freigelassenen, oder einen Miethsmann,
oder einen Freund, oder sonst Jemand
schicken, und wenn sie Handel treiben
wollen, so sollen sie innerhalb der Pro-
vinz handebi.
Aus dieser Armuth erhellt nach Mendoza, dass das Concil vor Con-
stantin stattfand. Auch die apostolischen Constitutionen — l. 8. de epiic.
et cler. erlauben den Handel — cap. M, 31, — Dagegen L 15. c, Theodm.
de episc. et cler, — Gouz. Tellez weist u. a. auf BarboBa , juM eeclei, J,
e, 40. nr. S3. — auf Sulpic. Sever, LI, c. 23. — „inhiant poseeseianibut'f
wogegen Bcrnays jüngst in einer Schrift über die Chronik des Sulpic.
Severus nachgewiesen hat, dass der leidenschaftliche Sulpicius Sev. in
seinen Beschuldigungen gegen die Bischöfe seiner Zeit alles Maass übtf-
schreite. Der heilige Martinus war ihm alles, und alle andern wuen
ihm nichts. Er weist auf den Vater Gregor's des Grossen j I, e.S tk
Vit, patr. — auf Nicotins von Trier. Darüber Oazaeua ad Caetian, dL
coen, inst, 2, 3, — Bellarm» l. 2. de mon, 42. — Spondan. in Baron. 57. i.
— 398, 15.
Was bedeutet: provincia? Nicht Spanien, sondern eine der vier
Provinzen, in welche damals schon Spanien zerfiel, und zu welchen
sp&ter auf dem Festlande nur noch die fünfte, Carthaginensis,
■) Bei diesem Anlasse trage Job zu Bd. 1, 8.262 nach, dass der damalige Pro-
curator von Astorga wirklich Docenarios hiess, und dass unter Marc Aarel.
ein L. N. Crispinus Martialis Saturninas als Ug, Aug, und jwridiau von
Asturicn und Galicien vorkommt — Zumpt, Studio romaruif 1859, p. 147-^^8,
Cadod 20.
78
wn ist naft&riich weh mit eingeschlossen, dass sie des Handels wegen
idit nach Afrika , nach Rom oder Gallien reisen sollten.
In den Worten: einen Freigelassenen, Miethsmann etc., sehe ich
■e Andeatang^ dass die Macht des Christenthmnes damals sdion die
Jarerei theilweise aofgehoben. Christliche Laien hatten noch Sclaven ;
«r die Bischöfe ^ Priester und Diakonen hatten nur noch Freigelassene.
Gtooi 20.
eher die Wucher treibenden Cle- De clerids et laicis usij^
riker und Laien. rariis.
Wenn ein Cleriker entdeckt wird , der
rachttrzinsen annimmt, so soll er abge-
it and ausgeschlossen werden. Wird ein
lie überwiesen, dass er Wucherzinsen
igenommen , und wenn er nach der Zu-
dtweisung verspricht, dass er darauf ver-
ehten, und solche nicht mehr eintreiben
oUe, so soll ihm verziehen werden. Be-
rrt er aber in dieser Ungerechtigkeit , so
Ue er aus der Kirche Verstössen werden.
8i quis clericarum deUcius
fuerit usurcu aecipere, placuit
eum degrculari et abstineri. Si
quis etiam laicus accepüse pro^
batur usuras, et promiserit cor^
reptua jam $e cesscUurum nee
ulteriue exacturum, placuit ei
veniam tribui: si vero in ea
iniquitate duraverit, al» ecclesia
esse projidendum.
Mendoza und Gonz. Tellez sammeln hier in ihrer Weise die andern
rspanischen Belegstellen fUr die Behandlung der Wucherer in der
!ten iü'rche. Siehe Salmasius de usuris, eap 10. — Balierini, Petr, de
rt dicino et naturali circa usuram. BononiaCj 17 48. — 2 vol. 4, libri VL
dB Doctrina della chiesa cattolicüj circa Vusura dichiarata e dimostratoj
1734 in 4P et Bologna 1747 in 4".j — Hefele, über die Wucher-
der Alten, Tüb. Quartalschrift, J. 1841, S. 405 flg. ') und die
rl Darlehen, Mantes pietatis, Rentenkauf, Wucherzinsen etc im Frei-
sger Kirchcnl. — Der Jude Jost sagt verläumderisch , dass aus solchen
Unionen folge, dass der katholische Clerus damals in Spanien auf der
iedrigsten Stufe der Sittlichkeit gestanden, und „wir sogar Grund zu
ler Vermuthung haben , dass sich die Geistlichkeit selbst bisweilen der
Moi zu Beförderung eigennüziger Absichten bedient habe')^.
0 HefcIe, .Rigorismas in dem Leben and den Ansichten der allen Christen* —
Tüb. Quartalschr. 1841, p. 396 flg.
')Joft, Geschiebie der Israeliten seit der Zeit der Maccabäer bis auf unsere
Tage, 1825, B. 5, S. 11.
74
Ffinftes Buch. Die Synode von Elvira.
Guoi 2L
Von denjenigen, welche allzu saum-
seUg im Kirchenbesuche sind.
Wenn Jemand, welcher in der Stadt
wohnt, drei Sonntage nicht in die Kirche
kommt, der soll eine kurze Zeit ausge-
schlossen werden, damit ihm eine Zurecht-
weisung zu Theil werde.
De Ms qui tardim ad ecde-
siam accedtmt
Si guis in civitate poiUu»
tres domimccu <xd eedenam noii
aceesserit, pauco tempore o6i-
tmeatur, lU correptui e9$e t^
deatttr.
Siehe Can. 11 (14) von Sardika. — Aus diesem Canon schliesst man
mit Recht, wie aus der Einleitung zu der Synode, dassdie Kirchen in
Spanien während der Verfolgung nicht demolirt wurden. — In der
„Stadt'' aber ist gesagt, weil die Landbewohner die Entfernung von der
Kirche entschuldigen könnte, wobei man aber nicht an eine Gefahr des
Kirchenbesuches für sie zu denken hat.
Canon 22.
Von Katholiken, welche zu einer De catholicis in haeresim
Häresie übergehen, wenn sie zurück- transeuntibtcs , si rever-
kehren. tantur.
Wenn Jemand von der katholischen
Kirche zu einer Häresie übertritt und
wieder umkehrt, so soll ihm die Busse
nicht verweigert werden, weil er seine
Sünde erkannt hat; er soll zehn Jahre
Busse thun , und nach zehn Jahren muss
ihm die Communion ertheilt werden.
Werden aber Kinder herübergeführt, so
müssen sie, weil sie nicht mit ihrer
Schuld gefehlt haben, unverzüglich auf-
genonmien werden.
ßi qtUs de catholicä eedt*
sia ad haeresem transUum f^
cerit rurstisqne recurreritj pUh
cuit huic poenitenUam tum
denegandam eo quod eo{
verit peccatum suum ; qui
deeem annia agat poenU&Mam^
cui po9l deeem anhas praeämi
communio debet; H vero in*
f(mt€8 fuerint tramdueH, qmi
non 8UO viUo peceaveritU tfumuh
ctanter recipi debent (debebuni)*
Canon 23.
lieber die Zeiten der Fasten. De temporihus jemmiorum.
Die Auflage (Vermehrung) der Fa-
sten soll in jedem Monate gehalten wer-
den ^ mit Ausnahme der beiden Monate
J^unii steperpoHHones (Ae. T.
2 8tiperimpa8itkme$)per iingulot
men9e8 plaeuU ceUbrari, exe^püi
Canon &. 75
i£ und Aogiuti yregeai der Sch^vrach- ^Uebm duamm memium JüUi
A Kmnelncr, et Augutti propter quorumdam
infirmitaienu
IMe bdden Monate Juli und AuguBt sind nicht ausgenommen wegen
er Feldarbeiten, da um die3e Zeit besonders in Südspanien längst alle
dder Terdorrt sind, sondern — wegen der unerträglichen Hize und
er Fieberkrankheiten. Dann vollends ist j^Ecija^ die Bratpfanne von
Adahmen; dann ist das I^nd um den Quadalquivier verödet und ver-
OTTt; dann brütet versengend eine afrikanische Sonne über der Salz-
eppe von Oberandalusien; dann verbirgt sich Alles am Tage, und wer
mal mufis, reist in der Nacht
SuperpotiUo und superpositio jejunn ist ein strengeres, als das ge-
r5hnlicbe kirchliche Fasten. Man sagte auch : jejunium mperponere; dies
tptrpotUus (ißjy^i)} mperjejuYiart. Bei Hieronymus (tpitaph. PauUze
1 und i7J heisst es: Duplex oder dtq)lie€Uum j^unium. In Actis mar"
ffum Nunndarum nr, 8 heisst es: CorUinuatis in earcere gemina super"
tmücne jejtmiorum , et orationibus saepe repetiHs *). Bei diesem Fasten
Dthielt man sich des Brodes und jeden Trankes. — Faustus Rheg. ep, 5.
pricbt von „altema jejunia^^ Das continuare jejunium heisst im Griechi-
Aen awemreiv rijv vficxslav (Sozom. h. e. i, Jl).
Ein solches jejumum superpositum hielten die Väter der ägyptischen
Vt&ste während der Quadragesimalzeit (Hieron. ep. 22). In dem Leben
lea hdligen Samson, Bischofs von Dole, heisst es 1 , 10, dass er zuweilen
JSyperpcsUianes iriduanas facere contendebat^^ ; imd Lib. 2, 12 — super-
fosUümes frequentissimas y nee non et biduanasj interdum autem et totas
Adomadas — peragensy sepUmo demum die reficiebatur, Rhabanus Maurus
~ 2, 26 d. instit. elerie. sagt: Wer die vorgeschriebenen Fasten nicht
äh, der sündigt Wer aber zu den vorgeschriebenen noch freiwillige
Bgt, der wird seinen eignen Lohn erhalten. Epiphan. c. 22 in expos.
\L ceOhoL sagt: xai ol anovSctioi SmXäg, xcA rgmlägy xai TerganXäg
'm^i&eyrai (superponunt). Greg. Tur, vii. patr. 15 nennt das augmenitum
ii$imentiae den Genuss nur von Gerstenbrod und Wasser. Cf. Pallad.
% Jdstor. laus. 1 , eap. 20.
SuperposUiones heissen sodann die den Mönchen aufgelegten Buss-
tefen — Martene tmecd. 4, 7. — cf. CapUula Theodor. Cantuar. c. 52;
— z. B. in der Regel Columban's heisst es : ,,Qm vituperat aliquem fra-
trem obseguium dantem^ tribus Superpositionibus poeniteatJ^ Regula 8. Do-
Mi^ cap. 29. — Reg. Halitgarü — c.9 et 10. — Aehnlich sagt man :
SuperposiHo silentU — Columban. poenit. 5 et 6. — de poenitent. mensura — 9.
0 Pastio 9Ct JaeM, Mariani et aliorum plurimonn» m<Mrtynim in Numidia — <9>. Ruinart,
Le.p,271. — Cf. MenarduM eoncordia regtd. c. 54. — Du Can^€ — plossa*
s.h.p.
76 FUnftes Baeh. Die äyoode von ElTira.
Petita C^umaeens. epkt. 1,27 — Videant dhcrM, tämm mtperfluae locii-
«0m utite iäaühtm imptmi, an tuperponi debeaL — SuperpomÜo pmA^
marum ist VermehniDg des gein-öhnlichen Offidums; auch bedeutet es
die Aofl^^g Ton Buss- (d. h. hier Straf-) Psahnen. Wie mperpoM
<Ba sagte man: tuptrpotiU pmlmL — £ndlich heisst mparpoiUuM über-
haupt ausserordendichy z. B. die Synode von Rom 826 yerordnet €.26
— Kein Bischof darf von den untergebenen Cüerikem und heüigen Qitan
mehr als das gesezlich Festgesezte verlangen , oder ansserordentUdie
(mperpotUa) Leistungen an Frohnen yerlangen *).
Bei den Fasten assen die Christen nur einmal; entweder um dis
neunte Stunde oder am Abend. In der Quadragesima dauerte das Faata
bis zum Abend. Die Stationsfasten oder Sen^j^wua dauerten bis zur
neunten Stunde^). Es ist wahrscheinlich, dass die Väter von Elvva
unter der Superpontio das Fasten bis zum Abende gemeint haben | das
am Anfange jeden Monats stattfand. Aber jedes Land hatte hierin seine
eigene Praxis , und aus Mangel an weitem Nachrichten sprechen, inf
eine bestinmite Ansicht über die Dauer und Art des Fastens in Spaniea'
nicht aus.
CiBon 24.
Von denjenigen, welche in der De his, qui in peregn
Fremde getauft werden , dass sie haptizantur , ut (id denm
nicht unter den Clerus kommen. non venianL
Alle, welche in der Fremde getauft Omnes qtd in peregre fiterM
worden, weil ihr Leben in keiner Weise bapUxaii, eo quod eorum mi*
bekannt ist, sollen in andern Provih- nime rit cogmta vita, platuü id
zen nicht in den Clerus aufgenommen cUrum non este promovendm
werden. in alienü provinciia.
Corp, jur. canon. c. 4, Bist, 98. — Derlei Beschlüsse zu fass^i gab«
zu aller Zeit ^die Afrikaner^, die nach Europa kamen, den reichslM
Anlass. Cf. Carthag. 4, 22. Gregor. M. ep. 2, 25,
CaQOi 25.
Ueber die Empfehlungsbriefe der De qnstoUs cammunicato*
Bekenner. riis confessorum.
Wer immer Briefe eines Qonfessor Omnü qui otttdertt Ukrm
bringt, dem sind, mit Entfernung des eönfes9oriai, sifilaio tumdm
1
I) Hefelc, ConciL-G. 4,{r. — Siehe Böhmer, »die christlich-kirchliche Alter-
thumswissenschafl«, Brcsl. 1839, 2, 98. — Binterim, Denkwürdigkeiten,
5, 2 (1829.)
*) August, de tnorib. eccL cath. i. c. 33, Soerote» h, e. 5, 2L — Cpiü, Hi«r. oot 18.
Canon 25. 77
imens des Confessor, kirchliche Empfeh- eonfessoris, eo quod omnes sab
mgsbriefe zu geben , weil alle unter dem Jiac nominis glaria passim con-
[eOigenscheine dieses Namens da und dort cutiant simplices, communica"
k Einfältigeni v^^rren; iariae ei dandae nmt lüerae.
Hendoza handelt Ton den Privilegien der Bekenner, besonders In-
B^enzbriefe zu geben, — was hier — als bekannt, besonders aus der
eidiichte Cyprian^s — anzunehmen ist Mendoza und mit ihm Baro-
ns (Jahr 306, nr. 48) nehmen an, dass hier solche libelli pacis oder
riedeasbriefe gemeint seien. Dieser Erklärung steht die Erwägung ent-
sgen, dass dann der Can. 25 nicht hätte verordnen können, es sollen
khen Gre&Uenen lüerae eammunicatoriae gegeben werden. — Gonz.
eDez ericlärt epüt, confessariae für solche,, welche confessores gaben,
id meint, Betrüger hätten sich derselben bedient, um von EinfUtigen
eld zu erpressen.
Aguirre erklärt gegen Aubespine, dass die Einfältigen durch solche
riefe angetrieben wurden, die „laptos'^ aufzunehmen. — B. Geil Her
2, 607 — 8 der neuen Ausgabe v. 1858); und nach ihm Migne (Dictum^
de» CaneileSj 1,820) — femer München in seiner Abhandlung
das erste Concil von Arles (Bonner Zeitschrift für Philosophie und
heologie, H. 27, 51 flg.)) ^i^dlich Hefele (C. 6. 1, 137) verstehen unter
an Confessor den Reisenden selbst, welcher das Concept eines für ihn
m ihm selbst ausgestellten Empfehlungsbriefes, in dem er sich Con-
szor nennt, dem Bischöfe vorlege (wohl um dessen Unterschrift zu
rlangen?j.
Allein — solche Briefe erwähnt meines Wissens die alte £archen-
fischichte nicht Dagegen macht die Analogie mit dem Gebahren der
onfeBsorez zur Zeit Gyprian's die Erklärung des Aubespine (der auch
erbst beitritt, Tüb. Quartalschr. 1821, 30), annehmbar, dass Christen,
dche reisen wollten , nicht von dem Bischof, sondern von einem Gon-
88or sich Empfehlungsbriefe geben Hessen. Diese Unsitte will unser
iDon abschaffen; würde ein Reisender solchen Brief seinem oder einem
idem Bischof präsentircn , so sollen dieselben dem Reisenden mit Be-
ätigung des erstem Briefes (iublato nomine confeesaris) gewöhnliche
*ier€ie eommumeatoriae ausstellen, d. h. ein Zeugniss, dass er in der
irchlichen Gremeinschaft stehe*).
') C/. ComdL AreL i. e. P. De hii, qui amfßMtortim UiUroM affenmt, plaadi, ut ntblaiii
at äüuiM, mUoM aee^nant eommunioatoriai.
78 Fünflet Bach. Die Synode von Elvira.
'.I
Canoi 26.
Dass an jedem Sam&tage gefastet Ut omni sabbato jefth
werde. natur.
Den Irrthom zu verbessern haben wir Errarem pkteuU corrigi, «(
beschlossen, dass wir nenüich an jedem omni tabboH die iuperpoääo^'
Tage des Sabbath das Fasten halten sollen, nes eel^emta.
Mendoza handelt ausführlich von dem Gebote des Samstagsfasteni
in 4er abendländischen, von seinem Verbote in der morgenläncGschei
Kirche. — Im Oriente fastete man nicht, weil durch den Kinfl^i;^ Jer
Judenchristen die Feier des Sabbathes neben dem Sonntage herrschend '
blieb [Etutb, .5, 24. — Iren, fragm. — Epiphan. haer. 30. — Can. ql^.
65 [aO]. — ConsUt. apost. 2, 59; 5, 15, 20 — nSv fiävrot adßßmop — \^
evtfQaivead'e , 7, 23 — rd aüßßarop fdävtoi xul xr^v KvQiax^p (|UDI
Sonntag) 4oQTÜißT€^ ort xo f4€v Srjfiioxfgyicc^ iisriv vnöfivfjfiay 17 H ■
&vu(nüa€(X}Q\ — den man als Erinnerungstag an die Schöpfung be-
gieng« — Der Montanist 'fertullian sagt, dass die Katholiken ap
Samstag nicht fasten (de jejun, 14 adv. psych. — quanquam va9 eHam
$abbatum, iiquando continuatis, nunguam nisi in pasctia putalM jejunandm ^
(cf. dr. Mardon^ 4, 12 — veniam jejunii dico), was auch die Mo&tanisfcei
nicht thaten ').
Darüber herrschte im Orient eine verschiedene üebung, ob noan m
Sabbathe arbeiten dürfe oder nicht; denn während das Concil vonliio-
dicea c. 29 sagt: ov Set xQ'^'^^cc^oifg lovSatieiP, xcü ip tq> aacßßfh^ agph
XäCeip, verordnen die ComtüiU. ap. 8, 33: oi SovXoi außßär(p xak J&-
QiaxrjP axoXcc^Q}aap ip vfi ixxhjaUf Sid r^p SiSacxakiap xriq evaeßela^
Anderseite finden wir wieder Uebereinstimmung zwischen teztem Wort« ^
über den Kirchenbesuch am Samstage, und den Can. 16 und 49 voft
Laodicea : dass am Samstage die Evangelien und andere Theile der SduJ^
vorgelesen werden sollen; und dass man in der Quadragesima das Bnd
nur am Samstag und Sonntag opfern dürfe. — Später bemerkt mden
Epiphanius , dass nur in einigen Gegenden am Sabbathe Gottesdienst gj^ ^
halten werde (expos. fid. c. 24 : ip ruA Sä rönoig xou ip toiq adßß$0^ ^
avpü^eig inirekovct).
Darnach kann man den Samstag als einen „abgewürdigten^ Sonntag •
bezeichnen. Im Abendlande war derselbe kein „gebotener^ Feiertag.
Aber dennoch — war an demselben^ audi im Abei^ande hat aonnlig* -
■) Hefele, Cohcilien, 1, 138; 794. — 3, 308. — Drey, Untersuch, über die Conti
und Canonei der Apostel, 6. 283—85 zu Can. 65 (66) d. Ap. — Bes. Nickes in:
»ZeiUchrifl für die e^esammte kathol. Theologie- — Wien 1856, 8 Bd. H. 1,
S. 43-54.
CaDon 26. ^
GoResdienst Noch zu seiner Zeit sagt Augustin , doss in Nord-
^ labbatum maxitne Ai lolerU eonvenire, qtä auriutU verbum Dei"
16. al. fi6 ad Ca*ul. §. 3JJ. — Gregor der Grosse nannte zwei Jahr-
)t ^äter — diejenigen ßümer, welche die Arbeit am Sabbathe
B voUten, „Predigei- des Antichmt" (q>. 13, 1).
ni Anderes ist es mit dem Fasten am Sabbatlie. Dieses Fasten
,die römische und cinijje Kirchen des Abendlandes", sagt Au-
ip. c ad Camil.}. — Der Mittwoch und Freitag waren Stations-
kdt der orientalischen Sitte, der I'reitag und Samstag nach der
D. Die alesandrinischo scheint die Sitte' der römischen Kirche
en zu haben. — Aber TortuUian kennt nur den Mittwoch und
Ja Stationxtage (de jejun. c. 14). Marcion empfahl das Fasten
tige, weil an diesem Tage der hose Gott der Juden ausgeruhet
dem Werke der Weltschöpftjug (Epiph. hai^. 42). — Von da
t lÖO — meint Beveridge, habe man, statt am Samstage, am
£ zu ^ten augefangeu'j.
die rSmischo Kirche habe an ihrer alten Praxis festgehalten, —
' and sein Zeitgenosse Cassion behaupten (wohl mit Recht),
romische Praxis von dem Apostel Petrus stamme, womit es
immt, dass Alexandrien, die Kirclic des heiligen Markus, die-
ois hatte (Cau. 3, 10 de inst, cofirwb. — Augmt. ad t'asuLj. —
Tährt den Grund an, weil Simon Mugus am Samstage durch
in der liübe ^-i.'stiji-iit wurde, eine Erkläi-uiig, welche — nach
I — die meisten Bömer verwarfen. Innozenz I. (ep. ad Decen-
t.4J giebt als Grund an, dass am Freitag und Samstag — die
HU Furcht vor den Juden sich verborgen gehalteo. »Den Freitag
ir wegen des Leidens des Herrn , den Sabbath dürfen wir nit^t
n, weil. er ein Zwischentag ist zwischen Trauer ond Freude."
doaa befindet sich im Irrthume aus spanischen PatriotiBii^aB,
b^ianptet, dass die Täter von Elvira dsa.Samstagsfasten erst
rt. Sie hatten es viehnehr — nicht etwa aOa Afrüta, wie u. a.
neint, wo noch im fünften Jahrhundert keine feste Praxis
, sie hatten es vielmehr aus Rom bekommen. Dieas konnte
it erst im vierten Jahrhundert der Fall sejn, sonst hätte Inno-
im J. 400 dieses wissen, müsseu. Schon Hieron jmus rechnet
stags^ten in Rom und in Spanien unter die unvordenklichen
reiche man aia apostolische Ueberlieferung festhalten miisse (de
quod quaeria, utrutn jejunattdum lU: tt dt Ettehariatia an aeei-
uotidüj quod Somana ecclesia et Hiapaniae ob$ervare perhiberUur,
tädan et mppol]/tui, vir disertiirimui; et carptim diverä leriptoreg
aueteribu» ediäere. — Ego illud te admonendum ptOo, traditisnei
•trtfii, Cod. com»», eecltrtai priautiaaa vindie. ac iäat^. — Load^ 1678. — L2.
80 Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
eedmcuticoi ita obtervandoB, ut a majartbui tradUae $urU — ep. 71
LtteMum Baeticum genere). Das Fasten des Samstags war also m 1
und Spanien eine unvordenkliche Uebung. Mit Recht leitet Bish
aus Canon 26 von Eivira die in Spanien schon bestehende SitM
(— Denkw. 5, 2 — 128, vergi. 2, 2— 615 — Tergl. derselbe im JSjÜm
1821, 2, 429. — Ueber die Synode zu Elvira, S. 417--444 — ff
Herbst in der Tübinger Quartalschrift, 1821 — S. 1—44 ;,die
von £lvira), am Samstage zu fasten. Trozdem ist seine Erklärung
Canons völlig falsch. Er versteht mit Fleury unter disr j8i
gesteigertes Fasten, — und behauptet, die Synode habe dieses
und ein gewöhnliches Stationsfasten befehlen wollen. Dadurch
der alte Gebrauch nur in seine Grenzen gewiesen. — Mit
weist Hefele auf Canon 43 von Elvira (welchen man niushsehe),
dasjenige bedeute, was allgemein geschehen soUe, nidit abefi
jyder Irrthum^ bestanden habe. Der Canon wolle sagen, dass am
tage Superpositio gehalten werde.
Was bedeutet nun aber hier SuperpasiHo? ■ — Es bedeutet j|
dings Fasten, gesteigertes Fasten, aber in dem Sinne von CMli|
jtjunium, oder von die» superpasUua^ (j^unii). Der Samstag soUlBj
Stations£EbBttag, also ein Semijejunium , ein Fast^i bis zur neunten
er sollte aber dennoch eine SuperposHio oder ein dks »uperpötüM
weil er als Fasttag dem Freitag angereiht wurde. [So Aguirre^)*]^
Dass Mittwoch und Freitag Stationstage in Spanien waren,
aus der Passio des heiligen Fructuosus — von Tarraco. Am
hatte er mit seinen Gefährten die Station gehalten im Gefängnisse^
Freitage, dem Tage seines Todes, war er — um lOUhr'lioi
nüchtern , und blieb es , ^tU in paradiso — iolveret itatianem^ (Tk
de jejtmiiSj p, 1 , eap. 19 et p. 2, cap, 15). Da der Canon 26
tionsÜEtöten am Mittwoch nicht abschaffte, so hatte man weni(
Spanien drei Stationsfasttage, den Mittwoch, Freitag und Samstag.
Rom waren es der Freitag und Samstag, der Mittwoch dagegen istfli
unbestritten. Binterim sagt (Denkw. 2,2 — 613), dass die Römer^
Fasttage in der Woche hielten. Dagegen 5,2—124 sagt er: ,1b <
Regel waren zwei Stationstage, der Mittwoch und Freitag nadij
orientalischen Disziplin, der Freitag und Samstag nach der römwl
Disziplin.^^
Ist die erwähnte Annahme des Beveridge gegründet, so erkläztl
auch die schwankende Praxis in Spanien. Die sieben Apostelsdl
*) A^uirre will in einer Dissertation beweisen , dass Can, 65 (66) apoUoL d
schoben sei. Wie Aguirre, so Gonzalez Tellez: Continuato jejunio ftriM ti
Nickes 1. c. S. 50. — »Der Canon 23 will nichts anders als vorschreiben,
die Superpositio jeden Monat beobachtet werde. Ebenso verhält es sieb
Can. 26 derselben Synode. Er verordnet jeden Samstag die
Canon 27.
81
den Freitag und Samstag als Stationsfasttage von der römischen
iickeb Später kam von andern Kirdien die Haltung des Mittwoches
I Slalionstages y und augleich die Folgerung oder Folge, den Samstag
Dan sa lassen« Daher , wie in Afrika , in verschiedenen Bisthümem
16 verschiedene Gewohnheit. Die Sjnode von Elvira befiehlt die römi-
ke Feier des Sabbathes als Fasttages j und behält stillschweigend den
ittwoeh beiy vielleicht weil sie hierin den einzelnen Bisthümem ihre
M WaU lassen wilL
In Frankreich war der Samstag Fasttag nur in der Quadragesima
^pafg CaeBorü AreL ad motuich, cap. 22. — AurdUm.' ÄreL in app.
ptL). — i- In England hielt man den Mittwoch und Freitag, nicht den
imstag (Beda fM. AngL 3, 5. Dagegen t, 3 Condl. Hwrdwn. p. 1986).
In Deutschland hielten einige Bisthümer den Samstag, andere den
iHwoch. An den Frdtagen fasteten im neunten Jahrhundert alle, an
n Samstagen nur einige (Rhab, Maur. d. insHt. elerie. 2, 23). — Im
1307 herrschte in der Djözese Köln eine grosse Verschiedenheit (Har%^
■i C. Gem. 4, 108).
Am strengsten scheinen jedenfalls die Spanier im Fasten gewesen
t seyn, obgleich man ihre Praxis im Einzelnen nicht verfolgen kann.
■ das J. 400 wurde am Samstag wenigstens in Südspanien noch ge-
ilet (nadi obigem Briefe des Hieronymus). Später aber bildete die
cndiiedenheit der r(imischen und der orientalischen üebung einen
nmd des Streites und der Spaltung. „Nachdem Innozentius I. (402
ia 417) in einer Decretale das Sabbath-* oder Sonnabendfasten legalisirt,
IS CemtSUum Truü. quinuextum can. 55 aber einen ausdrücklich anti-
iouiGiien Beschluss gefasst hatte , ward dieser Unterschied endlich selbst
it eine angebliche Ursache zum Riss des kircblichen Bandes zwischen
und Occident*^ [Guericke, Lehrbuch der christlich -kirch-
Archäologie, 2. Aufl. Berl. 1859^ S. 148 ')].
GanoB 27.
on den Clerikem, dass sie fremde
'nnen nicht in ihrem Hause haben
sollen.
ISn Bischof oder jeder andere Cleriker
dl entweder nur eine Schwester , oder
M Tochter als eine Gk)tt geweihte Jung-
hs bei sich haben: eine Fremde aber
ft haben ist Tcrboten«
Be clericiSy ut extraneas
feminas in domo non ha-
heant
Episcopus vel quiUbet cUius
clericiu aut sororem aut fiUam
virginem dieatam Deo tanUan
aecum ?uAeat: extrcmeam ne-
quaquam habere placuü.
*) Hefele, G. G. 3, 308.
Gast, spaa. Kirdie. IL
6
82
Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
Cf. Nieam. c3.— Aneyr. 19i — Genmd, 7. ^ lUard. 5.^ 2 ToleL 3.
— i Hiq^al 3.-4 ToUt. 42-^43. — 2 Bracar. 15. — 2 AH. 3. — 1 Ar-
vem. IS. — Agd. 506, 10. 11. — 1 Turon. 4. — 2 T. 3—4. — «fc. —
ef. Qonxal. TeU, in tU. Decretal. : de cohabüatione elericorum. — Ankngend
die virgina deo dicatae — , so weist Gonz. Tdl. u. a. auf Oregor'B voa
Nazianz Gedicht: Ad HdUrUum pro monaehis exhoriatoHium (Migne, ptär.
graeea, 37, 1469 — ed. Clemeneet-CaUlau, 2, 996 eq.). — Davon lebtca
die Einen allein in ihren Häusern ; aU(u simul congregtMtae, commune 4h
eidenum proßentur eaelatis vitae, ae aeguaU» vitae modoe. AUae mk
pettenUbuB aaeident Inflrmitj aut frcUr^ua pudieitiae teatibuBi — Besondoi
gross war in Armenien die Zahl solcher Gott geweihten JungfiiuMi^
und es ist bemerkenswerth, dass diess bis zum heutigen Tage der Fdl
ist (s. Gams, Eirchengeschichte des 1«. Jahrk, Bd. 3 (1858), S. 699— OOft
Während im Abendlande später alle Gott geweihten Jungfrauen in Km-
ster eintreten mussten, erhielt sich im Orient die alte Sitte , dass m
allein in ihren Häusern leben ^ wie schon Justin um das J. löO es te»
zeugt y bis zur Gegenwart.
Cuoi 28.
Ueber die Gaben derjenigen, welche
nicht communiciren.
Ein Bischof soll von demjenigen ,
welcher nicht communicirt, kein Ge-
schenk annehmen.
De oblaüonüms eorum, ^
non communicant i
Epieecptan plaeuit et l4
qtd non comtnimitai,
aceipere non debere.
D. h. von keinem Büsser oder Catechumenen , oder einem soldiai
der sich durch eigene Schuld von der heiligen Conmiunion annnrhlifji
(Drey, S. 255, und die dort angeführten Belegstellen).
li
t\
ff
ii
i:
Ir
Gadod 29.
Von den Besessenen, wie sie in der
Kirche gehalten werden sollen.
Ein Besessener, der von einem un-
ruhigen Geiste gequält wird, dessen Name
soll weder am Altare mit seiner Gabe
genannt, noch soll gestattet werden, dass
er selbst in der Kirche Dienste leiste.
De energumenis guaUiUr
habeantur in ecclesiis. 'I
ir
Energianenui qui €i6 g'riitflfl *
epirüu exagUatur, kuiui noäm ^
neque ad altare emn oblaHmt jj
eeee reeUandum, netpentnlkiifh^
dum lA iua manu in eoeMl
minigtret.
Vergl. c. 78 (79) apott. — ap. Contt. 8, 32. — Drey, 8. 403. - y
c£ Can, 37 von Elvira. — Carthag. 4 (3) 91. ^
CmnoB 30. 31.
88
Ganoi 30.
iejenigen, welche nach der
n Unzucht gefallen sind, nicht
:onen werden sollen.
De his qui j>ost lavacrum
moechati sunt, ne subdia-
' cones fiant
Subdiaeanoa eos ordinari nan
dihere qui in adoleseentia $ua
fuerinZ moechati, eo quod pod-
madum per mbreptionem ad oZ-
tiorem gradum promoveaniur:
vd ri qui iunt in praeteritum
ordinaU, amoveantur.
eigen sollen nicht als Subdiakonen
werden, welche in ihrer Jugend
t begangen haben, desswegen weil
hher durch Unterschieichung zu
hem Stufe betördert werden. Wenn
der Vergangenheit einige ordinirt
sind, so sollen sie entfernt werden.
nzaL Teiles versteht unter „moechaii^^ Ehebrecher, und weist auf
fs Brief ad Antonianum (cap. 27?) hin, wo jf,moechui^^ einen ad-
deutet Solche seien früher nicht absolvirt worden. Diese Strenge
s auf Papst Zephyrin gedauert, wogegen der Montanist Tertullian
1er den Verfasser des „Pastor Hermae^ einen „Ptutor moeehorum^
^TcrtuU, de pudic. c. 20. — e. cp. 10 — ecriptura Pattoritf quae
iechae amat); indem er es mit Hohn beklagt, dass der „Pontifez
m, quod est episcopua episeoporum — edicit: Ego et moechia (e) et
itmis ddida, poenitenHa functis dimittoJ^ Merkwürdig sind die
tn Zeugnisse in dieser Schrift für den römischen Pontifikat; denn
»m heisst er cap. 13 den honus pastor et benedictue Papa ef. de
30, wo er den Papst Eleutherius „benedictus^^ nennt. — Äguirre
t, wohl richtiger, moechia von Unzucht überhaupt, und weist auf
Htstol. 60 (Ol). Der Verfasser bei Braun -Achterfeldt — erklärt,
djenige, welcher einmal Subdiakon geworden, nachher leicht zu
liem Weihen aufsteige (L c. S. 101).
CanoD 3i.
en Jünglingen, welche nach Be adolescentihus, qai post
ufe Unzucht begangen haben. lavacrum moechati swnt
glinge, welche nach der heiligen-
i^^ade Unzucht begangen , nach-
aber geheirathet haben, sollen nach
^ter vorgeschriebener Busse zu
mmunion zugelassen werden.
mdosa sagt, dass die Strafe der
heit der eingegangenen Ehe , und
Adolescentea qui post fidem
lavacri salutaris fuerint moc'
chati, cum duxerint uxores, acta
legitima poenitentia placuü ad
communionem eos admitti.
„moechia^ aufhöre durch die
weist auf Can. 14 und 72 hin.
6»
84
Fünftes Buch. Die Synode von Elvirt.
Glioi 32.
Von den excommunicirten Priestern,
dass sie im Nothfalle die Commu-
nion ertheilen.
Bei einem Priester, welcher durch einen
schweren FaU in den Ruin des (geistigen)'
Todes gerathen ist, soll man keine Busse
verrichten können, sondern vielmehr bei
dem Bischöfe: wenn aber die Krankheit
drängt, ist es nothwendig, dass ein Prie-
ster die Communion ertheile, und ein
Diakon, wenn der Priester (Bischof) es
ihm befiehlt
De excommunicatis
teri8J^ ut in necessitc
munionem de^
Apud pretbyterum
gravi lapiu in ruinat
indderü, plaeuü poa
agere nan deberey 9e
aptid qnseopum: eoger*
infirmitaU neeesse est
Urem eommtmianem j
debere, et diaeonem s
$erU ioeerdat.
Die Reconciliation der BUsser stand nur den Bischöfen zu
doza weist auf Cypr. ep. 13 ad Clerum hin, wo es u. a. heisst:
nüenUs) premi inflrmitcüe aliqua et perietdo coeperinty €iH>€MHOl
fnCtn et manu eis a vohis in poenitenüam impoHta, cum pace
tyribus (d. h. hier den Bekennem) eibi pramiwa ad Dominum ren.
OonzaL Tellez sagt, der Diakon habe ihnen die Eucharistie, n
Absolution geben dürfen , und der Bischof habe speziell befragt
müssen. Binterim erklärt: im Falle der höchsten Noth solle der
die Communion reichen, und, wenn er es verlange, der Dia
dabei unterstüzen. Dicss ist gesucht Die Diakonen leiteten ds
Spanien manche Gemeinden ohne einen Priester (s, c. 77 —
regens plebem sine episcopo vel pre^ytero)y und mussten darum i
heilige Communion spenden. Hefele (C. G. 1, 139) sagt, in der
schrill müsse es heissen: De presbyteris, ut excommunieatis etc.
ist hier ja ebenso von excommunicirten Priestern, wie Laien di<
Gttioi 33.
Von den Bischöfen und Dienern, dass De episcopis et m
sie sich der Frauem enthalten. ut ab uxorihus ahst
Es ist den Bischöfen, Priestern und
Diakonen und überhaupt allen im Dienste
(des Altars) stehenden Clerikem ver^
boten (geboten), dass sie sich nemlich
ihrer Frauen enthalten, und keine Kin-
der erzeugen sollen; wer dagegen han-
deln würde, soll von der Würde des
Clerus entfernt werden«
Plaeuü m totum y
episcopis, presbyteris <
nibus vel omnibus de
sitis in ministerio abs>
a conjugibus suisy et n
rare filios: qiäcumque
cerüy ab honore iMerie
terminekiTm
Canon 34. 85
Dass bei der Erklärung dieses berühmten Canons Paphntitiiis stets
1 den Vordergrund gezogen, und von Verschiedenen verschieden be-
•Ddeh wird, lässt sich denken, Herbst (Qnartalschr.) lässt sich in eine
iftangSTolle Erörterung über diesen Canon ein, und Binterim zieht
nm derb und herb gegen die ^Quartalschreiber'', denen er in corpore
n Anfsaa des Einen zuschreibt, zu Felde. (Katholik, S. 430—32). —
of eine Erklärung, eigentlich geschichtliche Entwicklung des CöUbates
w imirtri tecUäae brauchen wir hier umsoweniger einzugehen, als
e Quellen hiefür allen zugänglich sind.
Gadoi 34.
HB keine Wachskerzen auf den Ne cerei in coemeteriis in-
egT^bnissorten angezündet werden cendantvr.
^^^^ Cereos per diem plaeuU m
Während dds Tages sollen keine Wachs- coemeUrio non incendi, inquie-
■Bcn auf dem Gottesacker angezündet ^o^^ ^f^ aanctorum ipirüua
Orden y denn die Geister der Heiligen won sunt, Qtä haec non ob"
Den nicht beunruhigt werden. Welche iervaverint, arceantur ab eceU^
nicht beachten, sollen von der «wi« eommunione.
thaft der Kirche ausgeschlossen
Li Betreff der Worte : inqmetandi non sunt — weist Mendoza mit Recht
if & Worte des von dem Grabe aufgerufenen Samuel: qttare mquietcuH
§ mi $useüarer? (1. Eon. 28, 15). — Es ist bekannt, wie schon im
reiten und dritten christlichen Jahrhundert die Erklärung dieses myste-
EMn Vorganges die christlichen Schriftsteller beschäftigte, und wie
Buds schon die Hexe von Endor ein Kreuz der Exegeten war. Ueber
i schrieb der vielbesprochene Uippolyt in einem — bis auf ein Bruch-
idL — vex4omen Briefe *). Nach ihm erschien der Dämon , nicht
imu€l (Möhler, Patrologie, 1840, 8. 589). Von den ehedem vier Ho-
lEen des Origenes über das erste Buch der Könige haben wir noch
ra, wovon nur die zweite im Griechischen — vnig rijg iyyaarQifiijd'ov
- tiber die Hexe von Endor. Leo AUatius hat dieselbe nach einem
bmiiscripte im Vatikan — zu Lyon 1629 in 8^ drucken lassen, von wo
ie m die Ausgabe der Werke des Origenes von de la Bue übergieng
2,180 sq.)- Origenes hielt diese Homilie, ohne Vorbereitung, auf Be-
bU eines Bisdiofes, da er schon auf der Kanzel war. Nach ihm hat
') Ein Pragmenl gab Simon de Magistris — eif rip^ iyycUfrptfiuSov — ans einem
▼atikan. Codex in f,Acta Martyrum Oatiennum*^ — Romae 1795 ^ p, 160, Döl-
lioger, Hippolyt, S. 41 — 42, Mignty BOr. gr. 10 (op. Htppofyt,), p. 607: oCSh
86 Fünftes Bach. Die Synode von Elrira.
die Hexe wirklich die Seele des Samuä hervorgernfeiu Der wahre
Samaäy nicht ein Grespenst^ erschien. Ein D&mon hätte nicht, wie
Samueli das Kommende Yoraussagen können [R CeiUier, t 2 (1868) y 153].
— G^en diese Erklärung erhob sich zuerst Methodius — de PythaniiM
eotUra Origerym [Hieran, eatal 83. — Möhler, U e. 086. — B. CeülM»,
3j 66. (1859)] in einer Abhandlung^ die wir nicht mehr besisen. JSi
könnte auch das Buch: De reiurrcetUme canira Origenem — gemeint seja;
wenigstens sagt Methodius in den vorhandenen Auszügen des Photon
aus seinem Buche — cap. 19 — xcd 6 2a(AOvriX q>atv6fiepog cig S^lk
iartv ögcerös äv^ nagiartjaiv j 6ri a^ua Tugiixeiro, d. h. der Dämoa
nahm des Samuä Grestalt an.
Während Basilius unentschieden sagt: SSccfiOvijX ^ ihwiai, 17 8om^
8C iyyceCTQifivd'ov, haben wir von seinem Bruder Gregor von Nyssa emfll
Brief an den Bischof Theodosius: negl Xfjg iyyccargifitf&ov , der die &
scheinung für ein Blendwerk Satans hält (op. td, MartUi-Migne^ i, 2jl12).
— Eusthatius von Antiochien verfietsste eine ausführliche Schrift — dQ
td Tfjg iyyuaxQijAvd'ov ^coigtifia duxyvoßtnixög — eonira Oriffenmn it
Engattr. disBerUUio. Leo AJlatius gab dieselbe 1629 mit der erwähnte
Homilie des Origenes zuerst heraus. (Sie ist an einen Eutropios ge*
richtet) Er zeigt, dass Satan keine Gewalt über die Seelen der G^
rechten habe. Die Erscheinung selbst sei nur ein Phantom Satans* gl*
wesen. Eusthatius behandelt den Origeiies allzu hart und mit grosMr
Verachtung, erwähnt auch der uns nicht erhaltenen Schrift des Meths-
dius gegen ihn ^). Anastasius der Sinaite beantwortet die Frage nad^
dem Vorgange Justin des Märtyrers, ob Samuel wirklich ^rschknoii
bejahend , weil alle Gerechten unter der Gewalt Satans gestanden (Anb^
Hat. Sinait. quaeaUanes 154 — qu. 1I2J.
Von den Lateinern sprechen sich gegen die wirkliche Erscheinui^
Samu^Fs aus : Tertullian (de anima c. «57 — nee enim pytlumieo apirM
minta lieuiU €mimam Samuelis ef fingere); Philastrius betrachtet die Mflt
nung des Justin und Origenes nicht bloss für eine (voa ^^ besonden
behandelte) Kezerei, sondern fügt bei: eumque plurimi huU acqmutm
mendacio malint y in perpetuum deacendunt interitum, cum Propheta dieti:
Jtutorum animae in manu Domini, et non tangit eas mors. — Troz dieMC
Androhung sagt dennoch Sulpicius Severus — fdstor, aacr, J, 36: ^
Savl per midierem, cuiua viscera epiritua erroria impleverat, Samu^Um ctw»
eaUtm conauUi. — Hieronymus hinwieder neigt sich an mehreren Stellen
in Kürze zu der Ansicht, die Erscheinung sei ein Blendwerk gewesei
(in Ezechieh 13, 17 — qualia fuit illa, quae viaa eat auaeUaa$e JBaanuSaiiL
*) Eualhatii in hexaimeron cammentaritis ac de engastrimytho dimertat. ad», Orig, <— Lm
AUatius primus in lucem protulk, latine veriit — Lugd. 1629, p. 3iS sq. — Daran
schloas Leo AUatius selbst noch: de engastrimytho syntagma^ c. iO, p, 442$^.
Dallaeut, de usu pcUrumf Gen. 1686, p. 297.
den Lebenden erscheinen könne (ad Simpliäanvm — qu.3. 1,2, —
p^ pglhoniaam quomtidii evoeari poluerit. Sanrnttü forte phat^
%itf non gpiritm). — Von dea acht Fragen des Duicitius behan-
e «echste anser Thema — utrum Samuel ptr pythonüiam vere
le btfamo evoeatui. Samuffii forte phaniaima, non tpiritu» apparuit
iederholong der Antwort an Simplician, Bischof von Ifailand
ad Simpl. L 2. qrt. 3). — Inzwischen sei er andern Sinnes ge-
:^ mit Rficksicht auf Eccies. 46, 23 — und Matth. 17, 3- — Das-
nederholt er in seiner Schrift: De eura pro mortuü gerenda —
— .- Samuel prophoa defunctui vivo Sauli etiam regi futura prae-
juamvit nonnulli non ipium ftdtu gut poeut*«et magiä$ artilna
BM verschiedene Anschaaong findet sich denn auch bei den Exe-
lor BpStem Zeit Thomas von Aquin ist für das „phantatma".
mnc Zeit ist noch die dritte rationalistisclie Erklärung hinzuge-
daas die Hexe von Endor durch ihre taschenapielerische Ge-
dikeit den Saul hinter das Licht geführt habe. (Jostin der Mar-
n» Karl Semisch, Breslau 1840—42, 2, 463—64).
len bejahenden und remeinenden Erklttrem des Vorganges zu
geket der Zeit und der Entschiedenheit der Bejahung nach voran
der Märtyrer, welcher u. a. auf die wirkliche Erscheinung des
einen Beweis für die Unsterblidikeit der Seele stUzt Kai 6ri
9 «i vmr«*, «n*Sei|« vfSv ix rov — rriv .Sofiov^ V^'X^" "^fl-
inä rije ijfyaargtfiij&ov , tög ^^ioia€y 6 ^aoüX. Es scheine, dass
«len der also (d. h. im alten Bande) Gerechten und der I^o-
ODter die Gewalt solcher Mücht« gefallen, wie sie hier bei der
■on Endor als Tbatsache hervortrete. Darum sollen wir bitten,
uerQ Seelen bei dem Tode nicht in die Gewalt solcher Mächte
88 Ffinftes Buch. Die Synode von EMra.
nicht die onbedeatenderen, Justin und Origenes, hatten sieh für die
Wirklichkeit der Erscheinung ausgesprochen; zwei andere^ Teriolliaa
und Hippolyt, jener von der Kirche getrennt ^ dieser erst durch seinen
Tod wieder mit ihr vereint, und selbst Urheber eines Schisma , hatten
sich dagegen ausgesprochen. Dazu kommen die klaren Worte deac kd»
ligen Schrift (Jes. Sir. 46, 23): „Damach entschlief Samuä, und er offen-
barte dem Könige, und zeigte ihm das Ende seines Lebens, und tt
erhob seine Stimme von der Erde in der Prophezeiung, um die GoC^
losigkeit des Volkes zu tilgen, '^ — Worte, welche später den Augustm
zwangen, seine fiühere Meinung zurückzunehmen. Wer möchte also
es auffitUend finden, wenn die. Väter der Meinung waren, dass Todta
aas ihren Gräbern wieder aufgerufen, wenigstens durch gewisse Mittdi —
ihre Seelen beunruhiget werden können?
Doch kann das Wort: ingttietandi nan mnt — nicht bloss bedeuten:
sie sollen in ihrer Ruhe nicht gestört, nicht beunruhiget werden; soih
dem auch: man soll nicht den abergläubischen und yerbrecherisdben
Versuch machen, dieses zu thun, sei es mit, sei es ohne Ehrfolg; denn
eine solche Aufmerksamkeit und Ehre, die ihnen durch die am hdlen
Tage an ihren Gräbern brennenden Lichter erwiesen werden will, ver-
schmähen „die Geister der Heiligend, da eine solche Ehre ihnen nicht
zukomme. Indess lebten die Väter von Elvira in einer Zeit, wo die
Beschwörung der Todten , das Hervorrufen und Hervorzaubem der-
selben, namentlich zum Zwecke der Prophezeiung, ebenso oder noch
mehr an der Tagesordnung war, als heute — in den Tagen des aber-
gläubischen Unglaubens, und des gesunkenen Bai Empire. Nicht ans
unserer, sondern aus der Denkweise ihrer Zeit müssen wir in emer
Frage, die den Glauben nicht direct berührt, die Meinung jener Bischöfe
beurtheilen. Damals glaubte alles, und auch diese Bischöfe, dass man
durch böse Künste, durch Magie, nicht bloss veneflcio, sondern auch
„fnalefieio*' (Can. 5) Jemand „vergeben^, d. h. tödten könne. Damals
glaubten Christen , Heid^i und Juden , also auch diese Bischöfe , ' dass
man durch Magie oder Zauberformeln die Todten hervorrufen könne').
Zu einer Zeit, wo die dämonische Besessenheit so sehr in die Ejreke
hereinragte und hereintrat, dass sie z. B. die Bischöfe von ElVini in
mehreren Beschlüssen veranlasste (Can. 29, 37), dass, als z. R Origenes
seine erste uns erhaltene Homilie über das 1. Buch der Könige hieh,
plözlich ein Mensch von einem Dämon besessen und gequält wurde,
was den Origenes nicht hinderte, seine Rede fortzusezen (R. Ceillier,
2, 163); — darf man sich nicht wundem und keinen Anstoss daran
nehmen, dass die spanischen Bischöfe als Grund ihres — auch sonst
begründeten Verbotes — die Beunruhigung oder Nicht -Beunrohigoiig
der Todten angeben.
3
t
') Synod, 4 Joletan, — c. 29 <^ de derids mayos out anupicm cqmmdtnSbm»^
Canon 34. 89
ist hat man die Todten weniger durch Kerzen , als durch G^
rebete, Zauberformeln, allerlei Gaukelwerk , durch „Ineaniationes,
und arUs vnagieas^^ hervorgerufen. Die Christen in Spanien^
Tage Ldditer auf den Gottesäckern anzündeten, mochten dabei
ler weniger klare Gedanken und Wünsche haben, oft nur den
I, die Todten zu ehren, oder deren Aufinerksaml;eit auf sich ta
Ton ihnen gehört, oder erhört zu werden. Indess giebt es nichts
inter dem Monde. Wie das Todtenbeschwören , so ist das Tisch-
md Tischklopfen unserer Tage nur eine Repristinirong des Wahn-
erglaubens jener alten Zeit. Denn, sagt Tertullian, ti et tnagt
naia edunt, et jam defunctorum infamant (indamant) €tnimas; si
n eloquium oraeuU elidunt (elidunt); ti mtdta miraeula dretdatorüs
ü Ituhmt, M et somnia immüttmt habentes semel mvitatortun ange"
t daemonum assistentem Mi potestatem, per quos ei eaprae et
e divinare eomueverunt — ete* (Tertull, apolog, c, 23, —
m, Phon. 6, 762.)
r haben oben — zu Canon 2 — von den blutigen Menschen-
ener Zeit gehandelt Es wurden aber auch viele Menschen, beson-
laben, getödtet, um aus deren Eingeweiden die Zukunft zu er-
u Diess bezeugen u. a. die obigen Worte des Tertullian: „me
en Ejiaben, damit sie Orakel sprechen.'^ Diese Art der Men-
fer kann man ßQ€(pofi(XVT€la oder paedanumteia heissen (Junivs,
feü» puerarum; Bonifado BaUhastxr, L 8, 21 — histaria ItuUcra,
WS2. — Elmenhont, Notae ad OenrmRwn de eccle». dogmat. Harn"
U4 — p. 195 et 210. Infantea impolluti ad magiam adhibiti).
:hter Lucan sagt — 6, 556:
Nee refugU caedes, vivum n sacra cruorem
Extaque fwiereae potcunt trepidantia mensae — cf. 707,
ideref^ der Kinder (TertüU. c. 23) bedeutet (mimam mffocare,
ie Tertullian, und noch mehr als dieser glaubt der Kirchenvater
ler Märtyrer nicht bloss an das wirkliche Hervorrufen des Samuä,
bt auch an das Hervorrufen beliebiger Todten durch Todten-
(rer, und gründet auch darauf einen Beweis für die persönliche
er der Seele nach dem Tode: vexvofAavretccv (ikv yuQ xoti ai
oQwv naiStov inonrevacig xal ^jv/äv dv&Qionlvtov xX^jöeig xac
i€Poi nagä rote: fiäyoig ovetgonofmol xcci nägcSgoi — n€tadt(oaav
T« xai fi€rä d'ävarov iv ald&fjöei eidiv ai i/n;/«/, x(A ol rpvxoüg
ovTOfv Xa(ißav6fA€voi xa\ (fimöfisvoi av&gconoi^ ovg Saifiovio^
' xal fiaivofi^vovg xaXovai ^üvreg: „die Prophezeiungen der Todten,
) Beschauungen (der Eingeweide) unverdorbener Knaben, und
Tomifungen menschlidier Seelen, und die bei den Magiern so-
en Traumsender und Beisizer -^ mögen euch überzeugen, dass
e Seelen nach dem Tode noch Empfindung haben; ebenso die
I GMstem Verstorbener ergriffenen und hin und her gezerrten
90 Fanftet Buch. Die Synode tob Elrirm.
Men wehen, welche man aUgemein Besessene und Wahnsinnige nennt'
(aq^ I, IS).
Diess sind nene Zeugnisse f8r die Fortdaaer der Menschenopfer in
jener Zeilj und machen die bezügliche Anklage g^^ Julian den Apo-
staten um so wahrscheinlicher. Denn gerade als Julian so seinem Feld-
snge gegen die Perser sich anschikte, j^schlachteten die Heiden eine
grosse Menge Kinder beider Geschlechter, beschauten deren Eingeweide,
ja genossen sogar ron deren Fleisch' (SocraL 3,JS — oig xai cnXciyx^Hh
axanovftevotr ntüSmQ xatadOeiv äfp^f'ogovg^ äd^yag xai d^leiag, Mi •
aoQxäv änoytvBa&tu. Kai xavra inoiovy xavd xe xäg äiXag nöXntt '
xai xatä rd^ji&fjvag^ xai xazä r^v !AlE^avSg€uaf). Solches geschab -i
am hellen Tage, und in vielen Städten, besonders in den grossen Welt- <
Städten Athen und Alexandrien. Den beständigen und nothwendigeo i
Zusammenhang zwischen Menschenopfern und dem Genuss des Man* :
schenfleisches hat Müller in Basel in seinem geschäzten Buche über die i:
amerikanischen Urreligionen überzeugend nachgewiesen. ;:
Ebenso erzählt Dionysius der Grosse bei Eusebius, dass Kaiser Vi- (h
lerian unter dem Einflüsse seines Magus Macrian Kinder habe schlachtea, ;.
sie den Gözen opfern^ und die Eingeweide Neugebomer habe unter os
suchen lassen (h. e. 7, 10 — mäSccg ä&Xiovg anoo^päxtBiw , xäi r^am ^i
ivatfjvcDw wttäQmv xara&veiw, xai ankdyxva v€oymj diatQcip se. — ^
vnoti&i/devog MaxQiavög). — Noch schlimmer, wo möglich, trieb ;;
es der Tyrann Maxentius in Roiu. Er liess Schwängern den Leib wdr \}
schneiden, die Eingeweide Neugebomer erforschen, Greister dtiren ela, ^
hoffend, dass er dadurch den Sieg über seine Feinde gewinnen werde ^
(ywoCLxag iyxvfiovag ävacxi^ovroq y rtnk Si vBoyvwv ankdyxva ßgetpA j^
SuQew(0(Aivov y — xai rivag a^QtiTonoitag im daifiövcDV ngogxXfjifeig — i^
avvtCTafiivov — Eum, ä. «. 8, 14). 4
Kurze Zeit nach der Synode von Elvira — waren also in der Haupt- <i
Stadt des Reiches die grausamsten Menschenopfer, und das Beschwörai ;^
oder Hervorrufen der Todten an der Tagesordnung. Wäre es nidit ^
schreiendes Unrecht, die Väter von Elvira des Aberglaubens zu be- •
schuldigen, als hätten sie selbst an die Möglichkeit solcher Todtenbe-
schwörungen geglaubt? Was Ueberzeugung des ganzen Alterthumsi t^
war, worüber wir nicht urtheilen können, weil es zu den „Nachtgebietea* ,
des Natur- und Yölkerlebens gehört, was das ganze vierte christliche \i
Jahrhundert erfüllte, was mit blutigen Zügen in die Gesezgebung und ^
die Geschichte dieses Jahrhunderts eingeschrieben ist, — womit die t.
„Aufgeklärtesten^, wie Julian und Amm. Marcellin., sich jedenfidls mehr ^
beschäftigten, als die christlichen Dunkelmänner, das war auch, das :
musste auch Ansicht der spanischen Bischöfe seyn. In Dingen des natür-
lichen Wissens, Wähnens und Glaubens werden die katholischen Bischöfe
stets auf dem Boden ihrer Zeit stehen müssen; und wenn sie, wie
B. B, Virgilius von Salzburg, Gerbert, Albert der Grosse, in einzelnen
Canon 34. 91
Pudlen ihrer Zeit um Jahrhunderte Toraus sind, so werden sie miss-
Tentmden, oder kommen in den Geruch der Zauberei oder Kezerei.
Spanien ist, wie j,das Land des Sonnenglanzes'', so „das Land des
KoMDseheineB^. In keinem Lande wird bei den Gottesdiensten, und
bei den Leichenfeierlichkeiten ein grösserer Aufwand darin gemacht
IVoz der Plünderung der Kirche ist diess noch heute der FalL Als im
J. 1843 die Stadt Barcelona von den schwersten Leiden heimgesucht
oad glücklich befireit worden war, fanden nur in den Hauptkirchen fol-
gnde Dankfeste statt In S. Maria del Mar — 42 Dankämter; eine drei-
aeknatüDdige Aussezung des SaneHssimum, wobei 1,230 Wachskerzen
brannten. In S. Maria del Pino , ein Dankamt eum expotUume SancHsnnd
oad Te Deum^ wobei 264 Wachskerzen brannten; eine Andacht zur hei-
ligen Filumena mit 60 Kerzen; 3 Dankämter zu Ehren der seligsten
JoDgfrma, mit je 40 Kerzen. In San Justo j Pastor: über 20Hoch-
imter cum expontUme SancHstimi; ein dreizehnstündiges Gebet cum eX'
pomiione mit 124 Kerzen. In San Miguel: 22 feierliche Dankämter; ein
drozehnatündiges Gebet mit 304 Wachskerzen ; 20 Abendandachten mit
ftedigt In 8. Jaime : ein dreizehnstündiges Gebet mit 250 Kerzen. In
der Kathedrale: 2 feierliche Dankämter zu Ehren der heiligen Eulalia
mä 196 Kerzen. Aehnliche Andachten ÜEmden in allen übrigen Kirchen
ilrtt (Lorinaer, Reisesk. 1, 162—63).
Einige Jahre später reiste Mor. Willkomm über Barcelona zurück.
Er war am Palmsonntage in dieser Stadt, und sah die grosse Prozession
des Palmsonntages, von der er u. a. sagt: Hierauf kamen in unabseh-
barer Doppelreihe Tausende von schwarzgekleideten Personen mit ent-
bltetem Haupte , brennende Wachskerzen in den Händen haltend (Will-
komm, Zwei Jahre in Sp. 3, 341). — Am Gründonnerstage, sagt er,
strömt alles in die Kirchen, um vor dem von Hunderten von Kerzen
umstrahlten Manummto (plastisches Bild der Einsezung des heiligen Abend-
miUes) SU beten. — Am Freitag Nachmittags ist das „ErUierro^ -— die
Gimblegong Christi. — Tausende von Kerzen flammten in dem nacht-
riiwanen, von Weihrauchswolken erfüllten Dome*) [S. 343].
Am 6. Januar 1854 wurde die Leiche einer königlichen Prinzessin
isi Eseurial beigesezt Hackländer sah die Vorbereitungen zur Leichen-
feier, und sagt darüber u. a.: „Die Kirchendiener waren beschäftigt,
liesenhafte Broncecandelaber mit Wachslichtern zu bestecken, oderWachs-
bckeln von merkwürdiger Dicke um die Estrade aufzustellen^ (Ein Winter
m Spanien, 2, 81). — Und über die Feier bei dem Einzüge der Leiche
0. a.: Ana den Thttren des Domes strahlte reiches Licht hervor, zu dem
adi das Auge gern wandte, namentlich gegen den flinmiemden Glanz
*) 80.2,237 — 30 sagt derselbe über die Missa del Galio in Sevilla: »Troz der
Taosende Ton Kerzen, die in den Kapellen und namentlich am Hochaltar
lammten , war das Innere der Kirche nur matt erhellt.«
92 Fünftes Bach. Die Synode von Elnra.
der Hnnderte von Wachskerzen vor dem Chor und im SdiiffiSy weL
— aus dem Dunkel gesehen , — wie ein Weihnachtsbaom mit wm
ligen Lichtem aussah (8. 88). Alle überstrahlte aber der grosse Bra
candelaber^ dessen man sich nur zum Begräbnisse eines Mi%Iiedea
königlichen Familie bedient, mit seinen neun Büscheln angesünm
Wachskerzen (8. 88).
Die 8itte, Wachskerzen auf den Gräbern der Todten
besteht heute noch in Spanien y besonders am Allerseelentage (W
Reiseerinn. aus dem J. 1850, Leipz. 1852, 1,218 — 62. — Die
de lo$ DifufUos — der AUerseelenvorabend in Madrid). j,Enorme
von Wachskerzen,^ berichtet Willkomm, ^werden eonsuoEiirt,
das 8chmüdcen der Grabstätten besonders darin besteht, dass man
nende Wadiskerzen auf oder ror denselben aufstellt, wozu man
zttglich lange und dicke Kerzen von weissem Wachs verwendet
Kerzen werden vor den (Grab -) Nischen entwedier auf Leuchtern,
auf Gerüsten aufgestellt Bei den Granden und andern vornehmen
habe ich zuweilen bis 100 brennende Kerzen in Form von
angestellt gefunden. — Eine Grabnische kostet 3 Thaler auf 4
Ist diese Zeit yerstrichen, so muss die 2iahlung erneuert werdeny
nicht, so werden die Gebeine in das oiorio eomun — das
Beinhaus — gebracht Diese geringe Pietät gegen die Versto!
kundende Einrichtung besteht in allen spanischen Ejrchhöfen. Die
Leute, die ihren Verstorbenen keine Nische kaufen können, pflegv
Stellen, wo ihre Angehörigen ruhen, mit einer in den Boden
Kerze von gelbem Wachse, an welcher ein Zettel mit dem N
Todten befestigt ist, zu bezeichnen.^
Diese in Spanien seit der ersten Zeit der Kirche herrschende
erklärt die Verlegenheit oder die üble Laune, mit welcher die b
den Spanier den Canon 34 von Elvira behandeln. Gt)nzalez Teiles
das Verbot sei gegen die Uebung der ganzen Kirche, besonders 8
— Dazu kommt noch, dass der Kezer Vigilantius, der zwar kei
bomer Spanier, aber doch Pfarrer im Bisthume Barcelona war ^),
Hieronymus früher in einem Briefe an Paulin von Nola im Ernste
VigilanUta^^ genannt , der ihm von Paulin zugesandt und empfohlen
den war, gegen Reliquien- und Li cht er dienst eiferte. Er sagte a.i
j,Fast heidnischen Gebrauch sehen wir unter dem Verwände der Bl
gion in den Kirchen eingeführt, da bei hellem Ti^e eine Unmasse Ü
Lichtem angezündet wird ; und überall küsst und betet man an so €ii
Staub, der in einem kleinen Gefässe in kostbare Leinwand gehüllt ist*
«) Tejada y Ramiro, Coleccion, 2, 67.
*) Schmidt W., »Vigilantius, s. Verhältniss z. hl. Hieronytnut u. z. Kirehenld
damal. Zeit — Münster — 1860, S. 5.
') Op. Hter<m. ed. Martkau^- VoUarsi, 2, 389—90,
Canon 34 93
blieb ib heidnisch die Lichter auf den Gräbern der Märtyrer ^), so
im 0 scbeinea könnte , dass die Väter ron Elvira gerade dasjenige
«IriB liaben, was Vigilantius als katholische Sitte seiner Zeit be-
4Hh( ond tadelt y oder wie sich Dr. Herbst ausdrückt: „Vigilantius
I, wts zu Elvira unter Bann rerboten wurde ^).^ Vigilantius eiferte
fegen die „moleg ctreorum^, gegen den massenhaften Eerz^iver-
I, wovon er sich besonders bei seinem firühem Gönner Paulinus
ibeneugen können*); und er hatte in diesem Tadel seine Naoh-
in dem heutigen Portugal, wo man langsam und mit Würde
ide Priester „Wachslichtverschwender^ heisst^).
gPer dum'' seien die brennenden Kerzen verboten worden , sagt
Woza, weil die Väter die nächtlichen £a?ct46ui« (wenigstens der Männer?)
ik verbieten wollten. Seit Gallienus hätten die Christen eigene Gottes-
ker gdabt *). — Der folgende Can. 37 beweise die Erlaubnisse Lichter
k Gottesdienste zu gebrauchen. Mendoza sagt femer , er habe einst
In gedacht y die Lichter auf den Gräbern seien verboten, gewesen,
laicht die Heiden auf diese Gräber aufinerksam zu machen; allein
b Viter von Elvira hätten dann gewiss dieses als Grund ihres Ver-
Nb angedeutet Loaysa, einer der frühesten Erklärer unserer Synode^
ti «dir mit Unrecht ^ unter den „Sandi^ seien die lebendigen Gläu-
n verstehen, welche durdi die Sorge um ihre „eerä^' in ihrer
gestört würden. Ebenso Aguirre. Andere, wieHurtado^) und
i, verstehen unter den j^Sancti^' die Bischöfe. Mendoza sagt be-
•Wa — von dem Worte Sancti, und seiner Erklärung des ganzen
«■: ;,Qu<u inUüexif proba sunt, credo et quae non irUellexi/' Die
A*"* sind aber ohne Zweifel die Martyi-er zunächst der Jahre
W fcis 305. — Gonzalez Teil, meint, der den „Heiligen*' durch
fc Kerzen gewidmete Cult habe ihnen missfallen, und solches sei
•e Art Beunruhigung derselben gewesen. Sodann meint Gonzalez,
ta müsse Canon 34 und 35 umstellen, und statt ^^per diem'' —
WWf lesen , ein guter Einfall , der aber schwerlich Beifall findet. —
b Aufsaz bei Braun -Achtcrfcldt (2, 94 — 97) erklärt gegen Florez
5.206 — 7} die Worte: non sunt inquictandi — sie werden keines-
')SchnHdt, S. 23 — 29. .Gebrauch der Lichter auf den Gräbern der Märtyrer."
•»Tüb. Quartalschr. 1821, S. 34.
'jBqsc, Paulin von Nola und seine Zeil, 1856, 2, S. 76 u. 88. — Paulini op.
td, Sfuratori, p, 385; 427; 472.
) Klose iu dem Art «Portugal-, Bd. 8. v. Herzog's Realencyclopädie. Cf. Ba-
nn. 34 y 311, — 58 f 70. — PauUn. in nataL 3. S. Felicis. — Spondan. de coeme-
trriit sacriSf pari. 2. L 1. cap, 20. — Bellarmin, de purgator. 2, i9. — Suarez,
L 1. in 3 parL Disp. 55. Sect. 1,
S Äiuput de eiuitai. />et, 1, 13.
'i Im unico wtartyrio, resoL 34, digress, 1, sect, 6,
94 Fünftes Bach. Die Synode von Elrira.
fklljB, d. h. de kOnnen gar nicht beunruhigt werden. (Flores meinly
der Canon verbiete , die Geister der Gläabigen m bennnihigen^) Ei
sei ein der Christen unwürdiger Gebrauch, die bösen Geister aa iner-
söhnen, indem man auf dem Sterbebette (Can« 37) oder nachher auf
den Gräbern Lichter anzünde. Solcher Dienst würde die Geister der
Heiligen beunruhigen. Binterim erklärt (Katholik, 1821, 2, 435): «Damit
die Priester, welche die heiligen Functionen vollsiehen, dadurch nidhft
gestört werden.^ Hefele spricht sich nicht näher aus, führt aber die
annähernd richtige Erklärung des Baronius an: „Manche Neophjtai
brachten aus dem Heidenthum die Sitte herüber, auf den Gräbern recht
viele Liichter anzuzünden. Die Synode verbiete dieses, weil dadordi
die Seelen der Verstorbenen metaphorisch beunruhigt, d. h. durch solchea
Aberglauben beleidigt würden.^ Meine Erklärung habe ich oben schon
gegeben , dass die Christen , und selbst die Bischöfe von der allgemeinen
Meinung theilweise befangen waren, es sei den Menschen möglich, die
Todten hervorzurufen, sie wenigstens zu beunruhigen.
i
Gaioi 35. \
Dass Weiber nicht auf den Begrab- Ne foeminae in coemeterik
nisspläzen die Nacht über wachen ' pervigüefU.
^^*^®^- . PUuuit prohiberi, im fof ^
Man £Emd für gut, zu verbieten , dass fnmae in eoemetario penrigUai^
Frauen nicht auf dem Gottesacker die «> <P*od aaepe sub obUniu of
Nachtwachen halten sollen, weil sie oft <•<>'»" laUnUr sedara eamaä^
anter dem Vorwande des Gebets heim- <i^*
lieh Verbrechen begehen.
Hier ist nicht von den Vigilien an den hohen Festtagen und in dflD
Kirchen die Bede, welche allgemeine Sitte waren, sondern von dflii
Nachtwachen auf den Gräbern der Märtyrer, welche nur den FrmeOi
nicht den Männern, verboten werden. Es hängt aber dieser Canon ntft
Can. 34 enge zusammen. Beide beziehen sich auf den Cult der neafln
glorreichen Märtyrer, die Spanien in der jüngsten Verfolgung erhaitan
hatte, und damit es nicht scheine, als nussbilligen die Bischöfe diesen
Cult, so nennen sie im Can. 34 diese Märtyrer „Heilige'^. Nicht den
Cult, sondern dessen Auswüchse tadeln und verbieten sie. Sie mtusten
Beispiele aus jüngster Zeit vor sich haben, dass sich heidnischer Aber-
glaube hier geltend machte, und dass Frauen gemeine Laster begangen
oder zugelassen hatten. Der Anstand und der gute Name der Christen
vor den schmäh- und scheelsüchtigen Heiden und Juden PMtfAte hiiBr
eine grössere Strenge zur Pflicht — Die Begräbnisspläae befinden sich
i
Canon 36. 95
der Städte und im Dunkeln (Hieron. EsuOl 40. — PtudenL
. — Ueber Vigilien in Spanien noch im seehsssehnten Jahiv
- 8. Tiifeda y Bamvro, Coleeeian, t 5 (1855), p. 236. nr. XX.,
stattfindende Missbräuche unter Strafe des Bannes verboten
- (Cf. Oyprkm. de arat. dorn. cp. 36. -^ TertuU. ad uxor» 3, 4 — 5.
eaUeh. 18, 17. — Ambros. P9. 118 (8. 43). — 8erm. 60. —
ed. MaH.^Viülarn, 1, 728, 1, 089; 2, 396. — Hü», in PmOm.
\). — Gregor. Naz. or. 2 de paeeha 6. 2. — PaiMn. in neAal. 7
- Augtatm. eonfe$$* 9y 7. — Bidon. Apoll. 5, ep. 17. — Baron.
19. — in MarlyroL 5. Jan. — Iridor 1, ep. 22 de off. eeeUe, —
Denkw. 4, 1 , 846 %. — 6, 2, 151.
Guoi 3S.
ne Gemälde in der Kirche Ne picturae in ecdesia
seien. fiant.
len in den Kirchen keine Bilder PlaeuU pieturat in eoeUda
enj damit nicht das^ was ange- eete non dä>ere, ne quod etMr
yerehrt -wird, an den Wänden Umt et adoratur in panMm
werde.
Zahl ist Legion y die diesen Canon erklärt haben. Siehe Hen-
ronius — J. 57. 111. J. 305. 41 ^ der den Canon für unter-
iftlt; Bellarm. l. 2 de imagin. 9. — wegen Feuchtigkeit der
rielmehr dass die Heiden nicht spotten; es durften aber Tafeln
irchen seyn. — Die Bischöfe hätten heidnische Irrthümer ge-
denn in der That habe der Bilderdienst erst nach dem Sturze
snthums ohne Ge&hr entstehen können. — Falsch ist aber die
lg, dass hier nur die Bilder Gottes gemeint seien , und dass
noch keine Heiligenbilder gegeben habe. Richtig ist die Be-
dass auf diese Bilder keine Strafe gesezt worden. Andere
damit nicht die Heiden meinen , unser Gott sei ihren Gittern
theilweise wahr ist es, zu sagen , die abendländische Kirche
Anfuige keilie Bilder Gottes darstellen lassen. Wohl sagt
lix mit Recht: Quem colimus Detmi^ nee osiendimm nee videmta.
ieht sich aber auf den heidnischen Wahn, dass das Gözenbild
seL — Amob, l. 3. — l. 6 in princ. — Laet. 2, 2 de div. imt.,
iselbe Anschauung, wie die Väter von Elvira: cum satia eU
o$mna precibue adorare. — At enim praeeenJU» non niti ad imo"
üdtunt. Er gebraucht das herrliche Bild: Nachdem Gt)tt selbst
i iity bedarf es nicht mehr seines Bildes» — Optatos von Ifileve
96 Fttnftet Bach. Die Synode von Elvira.
erwähnt einige, Bilder *). — F. Hendoza meint, daae das Bfldenrerbot
auch mit der Arcandisziplin sosammengehangen habe. — Beaohteiuh .
werth ist, dass auf der bilderstürmendcn Synode von 754 alles g^g&a .
die Bilder vorgebracht wurde, nur dieser Canon nicht; dass aaoh der ^
Bildergegner Claudius von Turin seiner nicht erwähnt (wahrscheinlioli .
wusste man nichts davon). Gronz. Tellez meint mit Recht, dass die Vltsr ^
es hätten sagen müssen, wenn sie die Bilder wegen des Spottes dar
Heiden verboten. Er ist für die Erklärung, dass Tafeln nicht verbota r
seien. Florez und Braun -Achterfeldt (S. 9S) beziehen das Verbot asf •
den Spott der Heiden. Aubespine meint, der Canon verbiete nur die
Abbildungen Gottes, weil er j^adaratur^ sage. Ganz mit Unrecht I Adth
rare bezieht sich hier vielmehi* auf den Dienst der Heiligen, CoUre ui ,
den. Dienst und die Anbetung Gottes, wovon wir oben schon im drittoi '
Buch bei Fructuosus von Tarraco ein Beispiel gehabt, und wovon sidi
Jeder durch die in jedem grössern Lexicon s. v. adoro angeführten Stelki
der Classiker und der kirchlichen Autoren überzeugen kann, z. B. LMit^ .
J8, 43. — Virgil. Am, 2, 700. — 10, 077. — (3, 437). — Omd. THd. ^
1, 3, 41. — Stat. Silv. 3. praef. — 4. praef. — Plin. h. n. 12, 14 (32)^62. *"
— Juvenal. 14, 97; 15, 2. — Besonders PUniua hitt. natur. 27^ 1 (i).— ^
adorare priscorum m invenitndo euram. — QumeiiL imUL 10, i, 88 A»
mum tietU iocroi veUtstaU lucos (uiaremia. — Cf, Skttku Theb. 12, 8H ^
— longe sequere et vestigia »emper adara. i "
Das Wort adarare wurde besonders von der in der Eaiserseit
gerissenen Sitte gebraucht, die Herrscher nicht anzubeten, wie man U ^^
uns gewöhnlich sagt, sondern dadurch zu verehren, dass man nach dv ^
Sitte des Morgenlandes die Rechte zum Munde führte — adora$ u e. §t ^,
o» ducis manum — , und sich mit dem ganzen Körper verbeugte. So sii||| ^
Plin. h. n. 28, 2 (5) 25: In adarando dexteram ad osetdtan referimu$ Wi.i^
tumque corpus circumagimus. Dieses Sichumkehren und eine KaaihaH|^
Zuwerfen wäre nach unserer Anschauung unschicklich. — Ebenso Wf ^
schicklich wäre es, mit bedecktem und verhülltem Haupte Jemand vtf^ ^^
ehren wollen. Aber Sueton erzählt von Vitellius, dem Vater des E% >I
sers Vitellius, C. Caesarem, d. h. den Caligula — adorare vi Deum tmr :^
9iajt;udi, cum reverms ex Syria non alüer adire ausu» enet, quam eapiU [^
velato circumvertemque se, deinde proeumben» 8uei, VüdL 9*A ^jc
— Cf. Hieran. 4, 953. — 5, SP. — (den Tempel) — Minue. Fettr, a * ^^
— Caedlius, rimtdacro Serapidis denotato, td vulgus iuperdOiatum «oht *
manum ori admovena oseulum UAiia impreuiL — Hieron* m Oieom. n ,^
— Qta adorant, eolent deasculari manum mam. ^
>) Äugmt 17 de ßd« et eymh, •- de emL Dei, 4, 31. — epiei. 111 (HB) ai Fkrit
ttadcm. — jEu&eb, de praqxgr, eoang. 3, 3. — Cmwtonl. «9». 4 ai emeL 9oeL —
dem. AUae. ad getUee tp. 4. ^ in etromai. 5. 5. Novaikm. de HmiaL c tf «f 7.
CaDon 36. 97
Wir sind gewohnt , die Worte: Heilige soll man yerehren, Gott
soll man anbeten, cu übersezen; Sancti eolendi, Dem adorandu».
Nach der Sprache des Alterthums müaste man umgekehrt übersezen:
SbuCs adorei^iur, Dem eolatur, — Dass calere mehr bedeute, als ado^
nrt, ist u. a. aus den schon angeführten Worten des Martyriums des
heiligen Fructuosus su entnehmen: Fruciuosm dixit: Ego timim Deum
tdo. Augurim diaconim dixit: Ego Deum (mmipotentem eolo. Femer
am den Worten des Pri&ses Aemilian an den Diakon Eulogius: Num^
fmd eine Fructu€9wn eolis'/ (Betest du wohl gar den Fruotuosus an?), so-
wie der Antwort des Eulogius: Ego Fmchtosum non eolo, sed tptum eolo,
fitem €i Fruetuotm. — Noch deutlicher aus der Stellung der Worte des
Aemilian: Qta emdiuntur, qui Umentur, gui adorcmlur, n Du non eoltm^
iHPy nee imperatonan vuUm adorantur? Wen soll man noch hören, wen
ftrditen, wen rerehren, wenn man die Gatter nicht anbetet (ihnen nicht
dienet) , das Angesicht der Kaiser nicht verehrt ^) ? Diess gehet endlich
aas der Stellung der Worte in unserm Canon hervor. (Siehe Alex. NettaL
k, etde». eaee. HL diestrt 21.)
Binterim meint, die Sjnode habe nur jene unpassenden Bilder ver-
boten, die Jeder nach eigenem Belieben in den Kirchen anbrachte. Das
Bicfatige hat sicher Dr. Hefele getroffen, wenn er aus Anlass der Gte*
sehidite des Bilderstreites sagt: ^Sehr stark rigoristisch sprach sich gegen
die Anwendung der Bilder — in den Kirchen die berühmte Synode von
Elvira im J. 306 aus. (Ich nehme mit Vergnügen Akt davon , dass
hier das Jahr 306 angegeben ist , während es in Band 1 heisst : 305 oder
306L) — Aber gerade sie steht an der Grenzmarke zweier Perioden,
am digange der constantinischen Zeit.^ Es waren nun die beiden Haupt-
gründe (Juden- und Heidenthum), die früher gegen die Bilder sprachen,
nidit mehr vorhanden. j,Von nun an wurden sehr zahlreiche Abbildungen
Chrisdi aber auch der Apostel und Märtyrer in Form von Gemälden,
Mosaiken und Statuen gefertigt, und zum Theile von Constantin selbst
m Kirchen und an öffentlichen Pläzen aufgestellt.^ [Hefele, C. G. Bd. 3
(lasB), assT.]
Noeh auf einen andern wichtigen Umstand ist hinzuweisen. In und
vor dem J« 306 gab es gar keine christliche Kimst, nicht in Rom, viel
weniger in den Provinzen. Die „Pictur<ie^ dieser Zeiten waren EÜLeck-
«reien und Schmierereien , keine Bilder. Der berühmte Perret hat nach-
gewiesen, dass in den römischen Catacomben die besten Bilder, nament^
lidi auch der seligsten Jungfrau aus dem ersten und zweiten christlichen
Jakriinndert stammen^). Nachher zerfiel die Kunst überhaupt, und die
•) Siebe Bd. 1, & 266.
*) Fr. Aug. Lehner: lieber die früheste Eolwickelang des Mariencultus ~ Wien,
1662 —8.33 — 34. »Et sind theils Wand8:emälde , thcils Sculpturarbeiten,
theilt in Gold emaillirte Darstellungen auf dem Boden yon Glasgemälden, die
^iBS, span. Kirche. II. 7
96 Fünftes Buch. Die Synode von EMra.
Malerei insbwondere. Die Catacomben geben davon Zeogniss. A
diesB in Rom der Fall war , welch^ grauenhaften Anblick müasea yoI
diese Oenälde^ in einer apanischen Kirche im J. 306 dargeboten hi
— Es gab allenCngs chr]8tli<^e Künstler. Die vor wenigen Jahren
gefundene Paaio der Quaiuor coranoU lehrt, dass dieselben vier in
Bur Zeit des Diocletian gemarterte Bildhauer aus Siscia in Paom
waren. Allein aus ihrem Martyrtode folgt nichts für ihre Kunst
in Rom stand es mit der Kunst doch immer noch am besten.
Man denke sich um ein Menschenalter zurück, und beachte, we
Werth damals die christliche Kirnst hatte, und ^was es danuds füi
malte und gekleidete Heilige in unsern Kirchen gab. Wenn man
lieh, wie Schreiber dieses, in der Basilika des heiligen Boni£Ei<dus
neue Blüthe der christlichen Kunst sn betrachten Anlass und Grel(
heit hat, kann man die christliche Kunst schäsen und bewundem. 'S
aber an den Wänden d^ Kirche von Elvira, in welcher jene Bis
versammelt waren, Wandgemälde oder Gemälde -an der Wand siel
fanden , so haben sie den Augen der Betrachtenden wahrscheinlich h
erbaulichen AnbUek dargeboten. Jede andere Sjnode, welche im J
sich über die Bilder auszusprechen gehabt, hätte Wahrscheinlich ei
gesprochen, wie die Synode von Elvira. Und wenn dieselben Bi»
im J. 400 sieh über die Bilder auszusprechen gehabt, so hättei
wahrscheinlich ihrem Canon eine andere Fassung gegeben.
GanoB 37.
Von den nicht getattften Beses- De energumenis non h
, senen. aatis.
Diejenigen, welche von unreinen Gel* Eot qui ab immundü .
Stern geplagt werden, können, wenn sie Ubus vexantiurf d in flne n
in Todesgefahr sich befinden, getauft wer- fuerini eonttüuU, b(^tiMar\
den ; wenn sie Gläubige sind , ist ihnen eet^ H fUkles fuerini, dw
die Communion zu geben. Man muss esse communionem. Proh
auch verbieten, dass sie öffentlich Kerzen dam etiam ne kicemoi h
anzünden f wenn sie es gegen das Verbot blice accendant; Hfacerec
Üiun, sollen sie von der Communion ferne irUerdidum vduerintf a&
gehalten werden» anh4r a eammumone.
Mendoza handelt in seiner Weise von der Geschichte det Li
In den Kirchen. (Siehe Binterim, Denkwürdigkeiten, 4, 1, 122
uns die altchristlicfacD Marienbilder vorführen. Einige tUmmen a«s dem s^
und dritten, die meitlea, besonders die Reliefs, aus dem viertea und fi
Jahrbunderl.« Dem Verfasser stand das neueste Werk Rospi^s fiber die
^mben noch nfcht xu Gebote, wie such dem Sehrtlber dieses niclit
Caaon 38. 99
ioa erhelle auchy dass die Bischöfe Spaniens die Lichter in den Kirchen
lljgt haben I was sicher zu bezweifeln Niemand eingefallen. Auch
«des Teiles tritt Mendoza bei, dass hier die Lichter in den Kirchen
leint seien, welche die Akolythen trugen. Auch in der Kirche Afrika's
den aolche Leute , ron denen oft schwer zu sagen , ob sie besessen,
r mente ei corpore eapü seien , dazu verwendet, die Kirchen zu fegen,
andere Handdienste zu leisten. Die Erfahrung zeigt heute noch,
( solche Leute, körperlich und geistig hinfällig, bei denen GutmÜthig-
nnd Terschmizte Bosheit seltsam sich begegnen , sich in die Kirchen
Igen, und ihr Glück darein sezen, als sogenannte Sacristeilttmmel
so gcriren. Ihre Freude ist ebenso unbändig, wie ihr Stolz, wenn
sich vor dem Publikum hier wichtig machen können. Braun-Aditer»
It (2, 95) versteht das Anzünden der Lichter von den Lichtem auf
I Todbette, womit die Besessenen etwa die Dämonen verscheuchen
r begütigen wollten. Vom kirchlichen Amte sei hier nicht die Rode,
er das ^publietf^ bedeutet vor dem ,,Publikum* in der Kirche. Das
rbot geht aber nicht blos» auf das Anzünden der Kirdbenlampen bei
eigenen Taufe der Katechumencn oder wohl eher bei ihrer Com*
oion, wie Dr. Hefele meint, denn wegen einer solchen Kleinigkeit
■e sicher kein Canon verfiisst worden , — sondern auf das Anzünden
Kerzen überhaupt beim Gottesdienste, wozu sich solche Leute her-
liSngten^). Das liegt auch in der Fassung. Wenn sich diesdben
its sagen lassen ,^ sollen sie von der Communion ausgeschlossen werden,
erdings passt die Ueberschrift nur auf einen Theil des Canon. Die
\tUtr sind mehr als „chriUiani" ; es sind Gläubige, die schon getauft
I, ehrUticmi sind zunächst Katechumenen. — Hier aber bedeutet com"
uo zum erstenmale das Abendmal, zum zweitenmale die Kirchen-
leinschaft. Denn da die Besessenen die Communion erst am Ende
Lebens empfangen durften, so konnte ihnen die Entziehung dM>
en nicht als Strafe im Falle des Ungehorsames angedrohet werden.
le Strafe bestand vielmehr in dem Einreihen unter die Süsser, und
t Hinausweisen aus der Kirche.
Ganoii 38.
IS im Nothfalle auch Gläubige Ut in necessitate et fideles
taufen können. haptizent
[n Betreff derjenigen, welche von ihrem Loeo petegrt ruwigqnUi aut
Imorte weit zur See reisen, oder wenn si eoeUda proxma non fiurü,
i Kirdie nicht sehr nahe -ist, könne passe fidelem, q» Uwatorum
Oliafaiger, welcher seine Taufe voll- swun inisgrtmn Mlki , nee dt
1 Oder WM sie iür «eh xu than, — nicht unterUitea wollten.
1
l
c
100 Faoflet Buch. Die Synode von Elviri.
ständig hat, auch nicht in zweiter Ehe bigamus, baptiaare in
lebty einen im Nothfalle der Krankheit täte infirmitatis poaiium Mte-
befindlichen Kateehomenen taufen, so je- ehwnenum, üa td H Muperv^
dochy dass er ihn, wenn er am Leben xerit ad episcopum eum pa^
bleibt, zum Bischöfe führe — und er durch dueatj ut per numue impoei
Auflegung der Hände voDendet werde. tianem perfid potsii.
Mendoza zeigt, dass die Bischöfe allein die regelmässigen TänÜBr
waren. JSr verweist auf Tertullian aap, 17 de bapUsmo: DoiuU qukkm
habet juM aummu» eaeerdoe, qui est epieeapus, Dehinc pretbyteri et diaam^
non tarnen eine epiecapi auetoritaU^ propter Eccleeiae honorem* AUoqiäi^
etiam laieii iue etL — Tunc enim eonstaniia mcettrretUü excipüwr, em.
utget eireunutantia perieUtantii. — Sacerdoe bedeutet Bischof und Pk^
ster, zum Unterschiede heisst hier der Bischof ;,der höcliste Priestei^ *
Gyprian nennt seine Priester stets „conaaoerdotes^. — Cjf. Hiercn^ oAl '
Lucif. c 20 — 27. Ambros. 3, 1 — de eacram. — Zrtd 2, 24 de of. ^
«eete. — Auguit* ad Fartimatian, eap. 4. — Gelanta L ad LmoatL
eap. 9^).
Dass die Firmung gleich nach der Taufe erfolgte, ist allbekannt —
Hieron. ^r. Ludf. €.8 — 9. — Ambros. de sacram. 3, 2. — C. laA '
e. 47(48). — Hefele, Conc G. 1, 746 — „dass die Getauften nach dsr *
Taufe mit dem heiligen Chrisma gesalbt werden sollen.^ — TertulL ie
bapL 7 — sagt: Exinde, egresH de lavacro, perungimur benedicta uneOmi ^
de prMna discipUna. Diess geschah auf der Stime — PrudentU i^ycto- '
machia —
Post inscripta oleo fronti signacuhf per quae
ünguentum regale datum est et chrisma perenne,
Dehinc (TerL c. 8) manus imponitur per benedictionem advocant et mvir
tans epiritum aanctum. Cf. Cyprian, 73, 6 ad Jubaj. — ad Januar, cap.. 2.—
Paieian. de baptismo, cap.O. Die Firmung ist die Vollendung oder cq>Q€tyis, *"
dieBesiegelung: lavacro enim peccata pitrgantur, chriemate eptritus» eanetm ^■
iuperfitnditur: utraque vero ista, manu et ore ontiHitie impetramut^ Tanfe .
und Firmung sind unzertrennlich. — Cf. CansUt. apatt. 3, 16 ; e. 77 ymn .
Elvira. — Euseb. 6, 43. ^
In der römischen Elirchc gab es indess zur Zeit Cyprian^s — 46 P^ j-
byter, 7 Diakonen, 7 Subdiakonen , 42Akolythen, 52Lectoren, Eza^ .
eisten und Ostiarier (Wittwen und Hilfsbedürftige über 1,500). Hier wir
Novatian ein Besessener, wiurde exorcisirt, verfiel in eine gefährliche '
Ejrankheit, und bettlägerig erhielt er die Taufe. Es gab also auch, da- '^
mals schon eine Taufe durch Begiessimg mit Wasser; und der in anaeM
Canon 38 und in Can. 37 vorgesehene Fall kam an ihm zur Anwendaq^
Da er wieder gesund wurde, erlangte er nicht das Uebnge.y
') Auch Ammian. MarcelHn. ip. 15, 7 — ahjicert episoopvm sede saeerdöialL
Canon 39. 101
man nach der Ordnung der Kirche theilbaft werden muss, der Firmimg
dvch den Bischof (xov atfQuyia-d'fivtu vno xov inufxönov). ' Trozdem
w«de er Presbyter (durch Papst Fabian?), durch welche Schleichwege,
md nicht enählt, aber unter dem Widerspruche aller Presbyter und
lider Laien. Die Firmung aber hatte er nicht erhalten; warum nicht,
wird nicht gesagt Nach alter Sitte aber schloss die klinische Taufe
fun dem Eintritte in das Clerikat aus.
In patriotischer Uebertreibung behauptet Mendoza zu diesem Canon,
da« es damals in Spanien die meisten Bisthümer und Kirchen in der
Welt g^eben. Verglichen mit Afrika ^ Italien und dem Oriente ist eher
dtt G^^theii wahr. Denn zur Zeit Cyprian's schon zählt man mehr als
87 Bischöfe in Afrika , und zur Zeit des Cornelius kamen 60 Bischöfe in
Born snsammen. Im J. 306 aber gab es neben den 19 in Elvira vereinigten
Kidiöfen yielleicht noch Bischöfe in Tarraco, Barcino, Astorga, Lissa-
bon, Braga, und Astigi. — Es ist bekannt, dass in den Briefen des
FBeado-Isidor — den Päpsten des ersten bis vierten Jahrhunderts
Bdefe über die heilige Firmung angedichtet werden, woraus denn auch
ia CaUekUmui ranumua Stellen dtirt
Den bapHtmui integer hat, wer kein Verbrechen nach der Taufe be*
gieag. — Die Bigami waren anrüchig. Aguirre weist auf Epipkan.
i«r. 59. — Das Führen des in der Noth Getauften zum Bischöfe hatte
kdnen andern Zweck, als dass dieser die Taufe vollende, d. L die
Firmung ertbeile, nicht aber (s. Braun -Achterfeldt S. 103), dass der
Bisdiof die Taufe bestätige.
Guon 39.
Von den Heiden, wenn sie in Grefahr De gentüibus, si in discri-
die Taufe verlangen. mine baptizari expeUmt.
Heiden, wenn sie in einer Krankheit Gentiles ri in inflrmitate de^
verfangen , dass ihnen die Hände aufge- rideraverint ribi manum imponi,
legtwerden, wenn ihr Leben einigermassen si fuerit earum ex cdigua parte
dui>ar ist, so sollen ihnen die Hände auf- honesta vita, placuit eis ma"
gdegt, und sie so Christen werden. nam imponi et fleri christianos.
Die Spanier sind bei diesem Canon sehr kurz. Mendoza hat —
sonderbar genug — nur wenige Zeilen über ihn. Bei uns zu Lande
hat er in lezter Zeit mehr Beachtung gefunden. Katerkamp versteht
onter dem Aufl^;en der Hände die Aufnahme in den niedersten Grad
der Katechumenen. Ebenso bedeute christianos in Can. 45 einen Eji*
techumenen. Auch Constantin der Grosse erhielt vor seiner Taufe die
Händeauflegung. Dr. München in Köln sucht den Sinn unsers Canon
also zu erklären, mit Rücksicht auf die eng damit verwandten Q^io^QS 37
102
FtinfteB Bach. Die Synode von Elvira.
und '98: j,Wer auf dem Festlande erkrankt, und einen Bischof mÜBii
kann, darf nicht nur die Taufe, sondern sogleich die Finnong erhalten').'
Diese Erkllrung eignet sich Dr. Hefele mit den Worten an (C. G. 1, 144):
j,So aufgefasst steht dieser Canon auch im richtigen Verhältniss so den
beiden yorausgehenden und zur milden Praxis der alten EJrche in Be-
treff der Kranken.^ Dagegen erhob sich Dr. Nickes zu Set. Paul in
Rom — mit grösster Energie^). ,,Da8s Dr. Hefele nicht uigestanden, den
Herrn Dr. München vollkommen beizustimmen, das, ja das wundert mich«'
Richtig aber sind seine Bemerkungen über den Unterschied Ton eM*
ttkmut und fidelis. 6o heisse nach Can. 51 auch ein Häretiker, ebeä
weil er die Taufe empfangen. Nach Can. 45 sei eaieehitmenua und cM-
siUmus gleichbedeutend. „Die Sache hat ihre Richtigkeit^ Cf. Gui.
67, 73 sq. — Ganz richtig ist femer die Argumentation, dass nach des
Sprachgebrauche unserer Synode ^^christianus^*^ im Can. 39 nur einen
Katechumenen bedeuten könne. Die Handauflegung sei darum die Auf-
nahme in das Ejitechumenat.
Einem solchen „Katechumenen'' sichere die Kirche auf den Fall
seines Todes die Gnade der Begierdtaufe zu. Es scheint mir aber, dass
Dr. Nidces noch auf den Can. 77 verweisen konnte, wo von den^,
welche die Taufe, durch einen Diakon, aber nicht die Firmung durch
den Bischof erhalten hatten, gesagt ist: sub fide qua qtäs ereduüi, po^
mit eme jutUu.
CUOB 40.
Dass die Gläubigen nicht das, was
ein Gözenopfer ist, annehmen sollen.
Es ist yerboten, dass, wenn die Be-
emet ihre Antheile erhalten, sie das, was
den Gözen gegeben worden, nicht als
ihren Antheil annehmen sollen. Wenn
sie es nach diesem Verbote wieder thun,
so sollen sie fünf Jahre von der Com-
munion ausgesdilossen werden.
Ne id quod idolothyUm
est, fideles acdpianL
Prohiberi plaeuU, ui cum fo-
tioncB suas (»edphaU paaaeaora^
quidguid ad idolum datum fit
erity accepto non ferani: $i poä
interdictum feeerintf per guAir
quermii spatia tempornm a eamr
mtuUone e$se areendoi.
Die Poae$9ore8 sind (nach Mend.) die dommt, welche ihre Rationen
Ton ihren Verwaltern erhielten — Columella, 1,8, — Diese Oekonomen
0 Manchen I üeber das erste Coneil von Arlet — Bonner Zeilscbrifl von Aehle^
fcldt-Brwin, 9, 78. — 26, 49; 27, 42 üg. Can. 6 von Arles — Z>« Ait, fd
M vf^rmiiaU credere volunt, placuit debere his manum imponi.
f) 2ieits€hrift für katholische Theologie — v. Scheiner und Hänsle in Wien, 8,1
(1856), S. 33 — &8: «Bemerkungen zum ersten Bande der Hefele*schen Coo*
^lien^e^ehiehtef«
Canon 41.
108
ieiflt auf sich die Sorge für die „tcusrifida^. — Ambroi. ep. ad
m/p. — Auguttin. ep. 104 (4t!) ad Public. «. fln. — Eine zweite
1^ ist, die Herren sollen nicht conniviren, wenn ihre Oekonomen
isch kaufen — Colum. I, H — Sacrifteia^ nisi ex praeeepto DamM
I fvilUeus). Gonzal. Teiles erklärt — aeeepto ferant = geneh-
Der Ver£Bis8er bei Braun -Achterfeldt erklärt (2,97): Die Eigen-
■ollen nicht gestatten, dass ihre Verwalter die üblichen Opfer
1 Einkommenden an die Götter entrichten, eine Erklärung, die
und natürlich ist — Hefele erklärt: Wenn die Besizer yon
&Gken ihre Rechnung (ratione$Jj z. B. Früchte Ton ihren Päch-
fiUeicht noch Heiden y einnehmeni so sollen sie nichts , was schon
iösen geopfert war, annehmen. — Das Wahrscheinliche scheint
e Besizer sollen die Rechnungsposten ihrer. Verwalter nicht ge-
sn, welche Gaben oder Ausgaben für den Gözendienst präsen-
amit sie sich nicht indirect am Gözendienste betheiligen.
GUOB 41.
ie Herren ihren Sclaven ver^
iten, Gözen zu verehren.
Gläubigen sollen ermahnt werden,
riel sie können, sie es verhindern,
i Gözenbilder in ihren Häusern
wenn sie aber Gewalt von ihren
fürchten , so sollen sie wenigstens
bst rein bewahren; thun sie es
o sollen sie von der Kirche fern
t werden.
Utprohibeant dommi idola
colere servis suis.
Admimeri plaeuü fiddee, iil.
in quantum posiunt prof^ibeatU
ne idola in domibu» tuü ha^
beant : ei vero vim meUnmi ser^
vorum, vel 8t ipeoe pwros con^
servent; ei non fecerint,
a6 eeeleeia habeantur.
Coriolan handelt bei diesem Canon von der Idololatrie. (Com"
we de eaneU. general, Rom. 1024. — Summa condUarum omnium;
Fr. Longo a Coriolano etc. Paris, 1045. — F(d.) — Uebertrieben
irenn Gonzalez Tellez sagt, alle Elviraner seien damals Christen
, nur die Sclaven noch Heiden, weil der Eingang laute: ^a^an^
umibue et omni pld>e'' ; das heisst doch wohl; das ganze Volk, so
gläubig war. — Der Glaube selbst ist eine Gnade , und so kam
las8 Herren Heiden und Sclaven Christen, dass Sclaven Heiden
nachdem ihre Herren Christen geworden.
104
FÜBflet Bacb. Die Sysode tod EIt!».
42.
Von denen, die zum Glauben kom-
men, wann sie getauft werden sollen.
Diejenigen , welche xn den ersten An-
fingen der Glaubenswflligkeit gelangen,
wenn ihr Wandel gut ist, sollen inner-
halb zweier Jahre xn der Gnade der Taufe
zogelassen werden, wenn nicht Krank-
heit ein zwingender Grand ist, schneller
den Gefährdeten oder nach Gnade Ver-
langenden zu Hilfe zn kommen.
Dehisquiadfidemveniimi^
quando b^g^HsetUur.
Eo9 gm ad prUnofn ßdem
er^ulUaÜs tBccedmUj at btmm
fuerint amvenaUonii, MHf
bienmum temporum ji^aeuü ml
haptismi gratiam admÜH dAir%
niii infirmUaU eompdUnie eöB^
gerü ratio vdoeius wi6t?efi>rgfw^
ridiiarUi vel graüam potiulMt
CaiMi 43.
Von der Pfingstfeier.
Gemäss der Auctorität der Schriften
ist die Unsitte abzustellen beschlossen wor-
den, dass wir nemlich alle Pfingsten
firiem sollen, damit nicht, wer es unter-
liesse, eine neue Häresie einzuführen
seheine.
De cdebratione pentecostes.
Pravam instUuäanem emeur
dari plaeuit juxta auciorUaUm
scripturarum, ut cuneH dkm
Penteeoties celebremua, ne ai ^idii
non feeeritf novam haart0m
induacisse notetur.
Nach den meisten Erklärem bedeutet hier „penteeotU^ nicht du
Pfingstfest, sondern die fünfzig Tage — zwischen Ostern und Pfingsten.
Denn die Handschrift ToleL I. liest hier: diem PmUeostes paH Paidia
ceUhremui non guadrageMmam nisi quinquagesimam — d..h. wohl, diB
Feier des vierzigsten Tages oder der Himmelfahrt Christi hat nur dann
eine Bedeutung, wenn derselben die Feier des fünfzigsten Tages, oder
der Sendung des hdligen Geistes folgt — Dass es im J. 306 vcfrsclue-
dene Häresieen in Spanien gab, erhellt aus dem Concile von Elvin
selbst — V. c. 22. — Die hier verbotene Unsitte erinnert an die Mon-
tanisten, welche das Zeitalter des heiligen Geistes erst mit Montanta^
mit HaximiUa und Priscilla eintreten lassen ^). Sie erinnert aber auA
an die spätem Priscillianisten , deren Keime und Vorläufer eines viel
Xltem Datums in Spanien gewesen zu seyn scheinen, als man gewShsr
lieh annimmt — Auf diese Unsitte scheint sich auch das Kapitel 19 — 76
der CoUatio 21 des Cassian zu bezichen, welcher auf die Frage, warum
fttnfzig Tage nach Ostern das Fasten unterbleibe, da doch Cljristus schon
nach vierzig Tagen zum Himmel aufgefahren sei, den Mönch Theonas
I) Heibst, Qoartalschr. 1821, S. 39.
GanoB 44. 45.
106
rten ISsst, dass es yon ältester Zeit an in der Kirche so gehalten
n sei. — Insofern war es wenigstens der Anschein einer „neuen
ie', die zehn Tage nach der Himmelfahrt nicht zu feiern. Deut-
noch erklärt Hieronjmus dieäe „neue Häresie'^ als montanistisch *).
jt Rauben,' sagt er, „dass desswegen nach den vierzig Tagen — das
L gehalten werden müsse: obgleich der bald darauf folgende Tag
fitsten und die Ankunft des heiligen Geistes — uns eine Fest-
rerkünden. Und aus Anlass dieses Zeugnisses halten Montanus,
k und Maximilla auch nach Pfingsten die Quadragesima : weil^ wegen
egDAhme des Bräutigams, die Söhne des Bräutigams üeisten müssten.
Jebuog der Kirche aber kommt zu dem Leiden und zu der Auf-
rang des Herrn durch die Bezähmung des Fleisches, damit wir
i das körperliche Fasten uns auf die Sättigung des Geistes vor-
ÜiDon 44.
den heidnischen Buhlerinnen, De meretricibus paganis si
wenn sie sich bekehren. convertantur.
diejenige, welche ehedem eine Buh-
war und nachher einen Mann ge-
hat, wenn sie später zu der Glau-
kratwilligkeit konmit, soll unver-
Ikfc angenommen werden.
Meretrix guae aUquando fu"
erit et portea habuent mari"
tum, 8i poHmodum ad ereduli"
taUm venerü, ineuneianUr pkn
euU C8H t^eeipimdafn»
Guon 45.
den Eatechomenen , welche die
Kirche nicht besuchen.
iTer ehedem ein Katechumen war und
iogste Zeit nicht in die Kirche kam,
i Aber Jemand von dem Clerus ihn
mt, dass er ein Christ ist, oder wenn
e glaubwürdige Zeugen für ihn auf-
ly dem soll die Taufe nicht verwei-
irerden, desswegen weil er den alten
dien verlassen zu haben (desswegen
er in seinem alten Menschen gefehlt
iben) scheint
De catechumenis qui eccle-
siam non frequentant.
Qui aliquando fuerit caU"
chumenus et per inflmta tem-
pora nunquam ad ecclesiam ac-
cesserit^ si eum de clero guisque
eognoverit esse Christianum, out
tetiei dUqui extiterint fldeles,
placuit ei baptismum non ne^
gari, eo quod veterem homi^
nem dereUquisse videatur (eo
quod in veterem hominem de^
liquisse videttUtr).
CmumaUar, im Mattk, cap, 9, 15 -^ VemmU dieSf eum aufarehtt oh eis ^ponmu^
et
106
Ffinftet Buch. Die Synode tob ElTirm.
Von den Glaabigen, die abgefaUen
sind, wie lange sie Busse thun sollen.
Wenn ein apostasirter Gläubiger die
Ilngste Zeit nicht in die Kirche gekom-
men y wenn er aber dodi endlidi zurück-
kehrt, nnd den Gtözen nicht geopfert hat,
80 soll er nach zehn Jahren die Com-
mimion empfangen.
De fiddibus si oposi
ritU quamdim poeni
8i qui» fkkUi aptml
uißniia tonpoTU od €€
tum {MceeuarU, n tarn
quando fuerii recerma
erit idoiaUHTj poH deeen
plaeuU camnnmUmem q
Mit Recht sieht Hefele in diesem, wie in dem Can. 45 ei
ziehuDg auf die kurz vorhergegangene Christenverfolgung, in der Id
aus Furcht sich ferne hielt von der Kirche, wenn er auch den
nicht opferte.
CaMi 47.
Von einem Verheiratheten , wenn
er öfters die Ehe bricht.
Wenn ein Glitubiger, der verheirathet
ist, nicht einmal, sondern oft die Ehe ge-
brochen hat, der soll am Ende des Lebens
aufgenonunen werden: wenn er Besserung
verspricht, werde ihm die Conmiunion ge-
reicht; wenn er wiederhergestellt auf das
Neue die Ehe bricht, ist beschlossen wor-
den, dass er nicht mehr mit der Commu-
nion des Friedens Spott treiben könne.
Vergl. Can. 69 und 78.
De eo, qui uxorem )
saepius moechatt
Si qui$ fdeH» habm
rem non $emd $ed 9atp
nwechaiHi, in fb%e ma
eanveniendus: quod si i
miserit ee$$atwrwfn, detur
munio: si resuseiiatus na
crü moechatus, plaeuit t
fiofi ludere eum de camn
paeis.
GUOB 48.
DasB der Clerus von den Getauften
nichta annehme.
Es soll abgesteUt werden, dass nemlich
die, welche getauft werden, wie es bis
jezt üblich war, kein Geld in die Nische
werfen, damit nicht der Priester das, was
er omaonst empfangen hat, um Geld zu
TertheQen acheiiie. Auch sollen ihnen von
De haptijsatis ut nü
c^^kU clerus.
Emendari phseuü, m
b(xptizaniur , td fieri
ntünmos in eoneha na
t€mt, ne saeerdos qtiod
aeeq^ preüo distrahi
deatur. Nequs pedes
CaBOB 49.
107
tem oder Clerikem nicht die lavandi 9uni a ioeetdeftStnu vd
raschen werden. derieit.
werden die Stolgebtthren bei der Taufe, wie sie bis jezt üblich
id wahrscheinlich durch die freiwilligen Gaben der Gläubigen
g kamen, untersagt'). Ein ähnlicher heidnischer Gebrauch
« bei den alten Apologeten erwähnt, z. B. Clemena Alex. —
ap. 2. — Arnob. 5, 19. — Das Wort coneha wird in kirdi-
rachgebrauche bei uns am häufigsten gebraucht für Altamische
nische. — Dann bedeutet es jedes muldenartige Gefäas in der
kirchlichen Zwecken. Z. B. Paulin von Nola spricht von —
ientum agmina eoneharum — poema 28, 4i — 42. — So steht
auch von dem Gefässe, worin das Taufwasser sich befindet^
E88 die Taufe durch Untertauchen oder durch Begiessung er-
bedeutet auch eine Nische am Eingange in die Kirche, in welche
ngen Münzen als Opfer für die Kirche und ihre Diener zu
gten, also Opferstock.
Getauften sollten die Füsse nicht gewaschen werden. Diese
sehte auch in Mailand (Amhros. de iaeram. 3, 1). Ambrosius
dass diese Gewohnheit sich nicht in Rom fand, yielleicht,
wegen der grossen Menge der Täuflinge. „In allem, ^ sagt
iche ich der römischen Kirche zu folgen ; aber auch wir andern
haben unsere Einsicht. Was darum anderswo mit mehr Recht
i wird, halten auch wir mit mehr Recht fest^ Auch in Gallien
lese Sitte. Cf. K Ceillier, 2, 610 — der aber den Canon mit
o auffasst, als sollten die Cleriker, nicht der Bischof den Ge-
5 Füsse waschen. Nur eine Handschrift liest statt vd — $ed
Das Verbot in Elvira erfolgte wohl wegen der Gleichf örmig-
1er römischen Kirche. — Cf. Corpus jur. can. c 104. Cau8a L
Canon 49.
i Früchten der Gläubigen,
nicht von den Juden ge-
ignet werden sollen.
genthümer sollen ermahnt wer-
t zuzugeben, das ihre Früchte,
) von Gott mit Danksagung ern-
ten den Juden gesegnet werden,
unsem Segen nicht unnüz und
De frugibics fidelium, ne a
Judaeis baptijsentur.
Admoneri placuitposseMorei,
ut non patiarUur fmctu» 8uo8j
quo8 a deo percipiunt cum gra-
iiarum actione, a Judaeis be^
nedici, ne nosiram irrüam et
inftrmam faciant benedictiO'
die zweite (drille) Synode v. Bracara v. J. 572: c. 7 — die Getstliehen.
för die Taufe nichts fordern, wohl aber freiwillige GescheDke aDoefamen.
106 Ftinftes Buch. Die Synode von Elvira.
kraftlos machen: wenn Jemand nach dem nem: $i guit po^ interdkium
Verbote es zu thun sich unterfienge, der soll facere usurpaveni, peniha tA
ganz von der Kirche ausgestossen werden, eecUsia abjidaiur.
Christliche Gutsbesizer konnten entweder heidnische , wie Can. 40
schliessen lässt, oder auch jüdische Pächter auf ihren Gütern haben;
jene und diese konnten die Früdite der Felder sich von den Joden be*
nedidren lassen. Es ist ebenso gesucht, als unwahr, wenn Jost unfter
dem Segnen der Früchte den Tischsegen oder das Tischgebet frommer
Juden Tcrsteht, das dieselben einer Mahlzeit vorausgeschickt hätten, die
sie gemeinschaftlich mit Heiden oder Christen genossen^). „FruüuiF
heisst nie Mahlzeit oder Speisen. Im nächsten Canon steht für die MiaUU
zeit „eUms^^, was auch das gewöhnliche Wort ist
Die Juden waren besonders in Bätika auch im Binnenlande überall
yerbreitet, und hatten es stets bis auf ihre Vertreibung am Ende das
fünfzehnten Jahrhunderts auf eine JudaYsirung des ganzen Landes ab-
gesehen. Wer dieses nicht einsehen will, der will partheiisch zu ÜA>
gunsten der Christen seyn. Eine „liberale^ Geschichte der Juden m
Spanien schrieb der Gaditaner Adolf de Castro, eine seiner anreite
Erstlingsarbeiten ^). Kürzlich hat der Franzose La Bigaudiftre vom Stande
punkte des seichtesten Liberalismus und ohne Quellenkenntniss über die
Judenverfolgungen in Spanien geschrieben. — Unpartheiischer sind die
Schriften des deutschen Gelehrten H. v. Grätz über die Juden. In seiner
Abhandlung: j,Die westgothische G^ezgebung in Betreff der Juden* —
Breslau 1858, giebt er zu und weist nach, dass die strengen
gegen die Juden ein Akt der Nothwehr waren, und dass die Juden j(
Art Proselytenmacherei trieben^). Adolf Helfferich in seiner mida^
erwähnten Schrift nimmt wieder entschieden Parthei für die Jaden *)k
') Jost, 5, 33. — »Wenn es viele Juden in Spanien gab, die Pachtun^n haU(%
oder mit den Landwirthen in enger Verbindung lebten, so nahmen sie anck
Thcil an den Erntefesilichkeiten^ wobei die besten Früchte zum Grenasse der "*
Gäste hergegeben wurden. Da die Juden sich nicht in der Uebung ihrer Gc- ^.
brauche stören liesscn, so gab die Gewohnheit, die Früchte zu tcgnea "^
(Berachoth sect. IV.)^ den Geistlichen der Kirche einen Anstoss^ und sie W-
fürchteten, mit ihrem Segen nichts auszurichten, wenn den Jaden dtest ph
stattet würde, weil das Gebet der Juden bei der Gottheit das GegentheU du ~"
Ihrigen bewirken müsse.**
*) Adolf o de Castro — Hutuma de h» Judiot en Espanna , 1847. — Amador d$ ht
Bios, Estudkfs htsioricos, poUticos y literan'os sobre los JutUos d/s Equmma, 1848. —
Histaire des pers^cutions religieuses en Espagne, Jui/s, Mores, ProUsUmts — pm I#
Bigaudikrt — Paris JSGO.
') Grätz, »die westgothische Gesezgebung in Betreff der Juden*, 1858, 8. 5. —
»Diese Geseze, welche man als Ausfluss — eines grausamen Fanatismus ge-
brandmarkt hat, dürften in milderm Lichte erscheinen," u. s. w.
^ Helfferich, der westgoth. Arianismus u. s. w. 1860 — S. 69 flg. Siehe von demi.
— EnUtehang und Geschichte des Westgothenrechtes , Beri. 1858- S. 41 fl^*
Canon 50. 109
Pie Jaden sind stets im Rechte. Sie werden verfolgt ^von dem unver*
sShnliehen Hasse der katholischen Geistlichkeit^^ aus keinem andern
Grande, als weil sie in einer überaus glücklichen Lage waren. Doch
kann er nicht leugnen , dass der katholischen Kirche in Spanien von
d« mit dem Judenthume verbündeten Arianismus grosse Gefahr drohte.
Die Juden segneten die Früchte auf dem Felde nach ihren Cere-
BMMiien. Ob die Bischöfe schon damals die Feldfrüchte segneten , können
vir nncli den vorliegenden Quellen nicht wissen. Denn auch dadurch
machten die Juden den Segen der Bischöfe unwirksam ^ dass sie über^
hmpt auf den Feldern oder innerhalb der Lebenskreise der Christen
ihre religiösen Funktionen übten. Das älteste uns erhaltene Sacramen-
tirinm Gregorys L, welches wohl mehr Gelasius L zuzuschreiben ist,
cnthilt unter andern Segnungen und Weihungen — Benediktionen des
Brodes, der Aehren^ der Trauben u. s. w. — Die Juden waren vor den
Qizisten nach Spanien gekommen ; sie hatten grössere Macht und grossem
Bckhthum als die Christen , sie waren die zudringlichsten Proselyten-
Okidber. So erklärt es sich, dass viele Christen in Spanien judaisirten,
nd die Juden in ihren religiösen Gebräuchen nachahmten oder gewähren
fienm (cf. Tolet 4; c. 63. — Nach Can. 58 haben viele Geistliche und
Laioi sich bisher von den Juden bestechen lassen und sie beschüzt).
GuoB 50.
Van den Christen, welche mit Ju- De Christianis y qui cum
den essen. Judaeis vescuntur.
Wenn aber ein Cleriker oder Gläu- Si vero quis clericu» vel fide-
biger mit Juden Speise geniesst, so soll lis cum Judaeis cibumiumpserü,
«r von der Communion ausgeschlossen placuit eum a eommunione abi-
Verden, damit er gezüchtigt werde. tineri, ut debeat emendari.
Dieses Verbot findet sich auch in andern alten Concilien. Cf. Laodic
C.37; 38. Synode zu Yannes oder Vennes in der Bretagne im J. 465
- Can. 12. — Synode von Agde im J. 506 — Can. 40. — (Cf. Ora-
tim. Decr. e. 14, eama XXVIIL qu, l.J — Synode von Epaon im J. 5l7y
CiiL 15. — Synode von Orleans 538 — Can. 13. — Synode zu Ma^on
VQB 584 — Can. 15 — unter Strafe der Excommunication. (Cf Syn.
Tmllana — Can. 11. — 3 Tolet. Can. 14. — 4 Tolet Can. 62. Ebenso
kg Virigoih. Üb. IZ tiL 2. L 8. — 1. 12. tü. S. l 7.)
110 Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
GuoB 51.
Dass Häretiker nicht unter den De haereticis, ut ad cl
Clerus aufgenommen werden, x non promoveantm
Wenn ein Gläubiger aus irgend einer Ex omni haered fidi
Häresie kommt, so soll er in keiner Weise venerit, minime e$i ad a
unter den Clerus befördert werden. Sind promovendu$: vel qui m
solche früher ordinirt worden, so werden prcieterüum ardinatif mne
sie ohne Bedenken abgesezt deponantur.
„FiddU^^ bedeutet hier den Christen , welcher die Eezertaufe erl
hat, und dessen Taufe nicht zu erneuern ist
Cuon 52.
Von denjenigen , welche Pasquille De his qui in ecclesia l
in die Kirchen legen. los famosos ponun
Diejenigen , welche Pasquille in die •» Hi qui invenU fuertnt
Kirchen legten und entdeckt worden sind, los famosoi in ecclesia p<
sollen ausgeschlossen werden. anathematizentur.
In der römischen Gesezgebung war auf dieses Verbrechen 1
Geisselung bis zum Tode, theils überhaupt Todesstrafe gesezt: Cod, i
dos. de famos, libell. bes. Lib.i). tit.34. leges 10. — Cf. JuvenaLO, 243. St
Oetav. eap, 55 — etiam sparsos de se in curia famosos libellos nee €sq
nee redargtut. — AuguUin. civit. Dei,2,9 — 14 weist auf den U
schied der Griechen und Römer in dieser Beziehung hin, indem
erlaubten, dass z. B^ auf den Theatern Götter und Menschen nad
lieben au%ezogen würden, die Römer dagegen die Menschen in E
nahmen, während sie gegen die Götter alles gestatteten. Diese I
sieht gegen die Menschen und diese Rücksichtslosigkeit gegen die G
hatte schon fr*üher Amobius mit gewohnter Energie hervorgehobe
cf, Ämob. 4, 34 — 35 — adv. gentes: majestatis sunt apud vo$ rd, q
vestris sequius obmurmur(werint aliquid regibus. Carmen malum eo9
bere, quo fama äUerius coinquinatur ei vita, decemviraUbui sdtü eVi
noluislis impune. Unser Canon steht im Deer. OraU ean, 3. Ckm
Quaest. 1.
Canon Ö3.
111
CaMi 53.
m Bischöfen, welche mit ei- De episcopis, qui excom-
iswärtigen Excommunicirten municato alieno communis
Gemeinschaft haben. cant.
Mi allen gefallen, dass Jemand von
gen Bischöfe die Communion em-
von welchem derselbe wegen eines
ms ausgeschlossen wurde. Wenn
erer Bischof es sich herausnimmt,
ulaasen, während der Bischof es
keiner Weise thut oder zulässt,
chem ihm die Communion entzogen
der möge wissen , dass er über
!>inge seinen Mitbrüdem unter 6e-
iines Amtes werde Rechenschaft
nüBsen.
Plaeiät euncUs, td ab eo
episeopo quu recqdat commu"
nionem a quo abHentus in cri"
mine aliguo qtda fuerü; quod
n (üiu8 epiacopuB prae$ump$erit
eum admitlij illo adhtte mirUme
faciente vd eamentienU a quo
fuerü commumone privaiuif
tciat te huiuimodi eau8€u inter
frairea esse cum Status sui pe^
rieulo praestaturum.
a Erklärer verweisen auf die Canones Nicaea I, c.5; Can. apo§L
L — Drey, Untersuchungen, S. 259 u. 405. Hefele, C. G. 1, 784;
i von Arles I; Can. 2 u. 6 von Antiochien 341;, Can. 13 (16)
rdica. — Femer auf Orange I. von 441 — Can. 11; auf Hippo
, c 19; Carthag. IV. — 398 — c 6. — Saragossa L v. 880 —
— 3 Toledo V. J. 589, Can. 11 ; Turin v. 401 — Can. 7.
3 ganze Eirchengeschichte Spaniens seit dem Tode des Hosius
en traurigen Beleg von der Unordnung und Verwirrung der kirch-
Verhältnisse, welche durch Einmischung von Bischöfen in die
ition anderer Bischöfe entstand. Dahin gehörte u. a. die Intru-
B Kezers Priscillian als Bischofs von Avila durch die kezerischen
s Salvianus und Instantius, das gewaltthätige Verfahren des Bi-
Itbacius von Ossonoba. Diess beweisen die Dekretalbriefe der
IKriciufl vom J. 385 an Himerius von Tarragona, Innocentius I.
404 an die auf der Synode zu Toledo im J. 400 versammelten
3: „De dissensione corruptaque diseipUna ecclesiarum Hispaniae^^,
' Dekretalbrief merkwürdig genug aus der ,,Collectio canonum
'■ Hupancuf^ ausgeschlossen ist; des Papstes Leo I. vom J. 447 an
Turribius von Astorga, sowie an die übrigen Metropoliten von
i; diess erhellt aus den zwei Schreiben des Papstes Hilarius vom
an den Metropoliten Ascanius von Tarraco; aus dem Briefe des
Hormisdas vom J. 517 an den Metropoliten Johannes von Tar-
^ und aus swei Briefen desselben an die spanischen BisM^öfe; aus
lireiben des Papstes VigiHus vom J. 538 an den Bischof Pro-
von Braga etc.
112
Fünftes Buch. Die Synode Ton Elvint.
Aus dem vorliegenden Canon könnte mit grösserm 8>
Rechte, als aus Canon 58 von Elvira auf eine damals schon
Metropolitanverfassung in Spanien geschlossen werden. So er
auch Gonzalez Tellez die Worte : Cum siatua $ui perieulo — d
auf einer Provincialsynode geschehen solle. Da aber eine so
liehe Verfassung im J. 306 in Spanien noch nicht bestehen kc
sie überhaupt noch nirgends bestand, so enthalten diese Wort
unbestimmte Drohung, da die Bischöfe hofiten, es werde
Warnung sein Bewenden haben. Auf diesen wie auf Can.
wir noch in Buch 6 — £jip. 3 zurückkommen.
Canon 54.
Von den Eltern, welche das Gelöb-
nis? der SponsaHen brechen.
Wenn Eltern das gegebene Wort der
Sponsalien brechen, sollen sie drei Jahre
ausgeschlossen seyn; wenn jedoch der
Bräutigam oder die Braut in einem schwe-
ren Verbrechen ertappt worden, so sind die
Eltern entschuldigt; wenn bei denselben
ein Vergehen sich findet, und sie sich be-
fleckt haben, so wird die obige Sentenz
aufrechtgehalten.
De parentibus,
sponsalium fn
Si qui parenUs /
rirU sponscdiarumj ti
pare abttineantur; H
spoiuus vd tponsa ii
mine fuerwl depreh
exeusati parenUs: i
fuerit viüuim et po
mptrior $ententia si
Dieser Canon steh^ auch im Corp. jur. canan. c. 1, Ca
QuauL 3.
GaiOB 55.
V
Von den Priestern der Heiden,
welche nicht mehr opfern.
Priester, welche nur Kränze tragen,
aber weder opfern , noch auf ihre Kosten
etwas den Gözeu geben , sollen nach zwei
Jahren die C^mmunion empfangen.
De sacerdotibus
qui jam non sa
SacerdoUiy qui
ronas portant, nee
nee de iuis tumpUbu
idolapr<Mestani,plac\
nUan aceipere eomrn
Hefeloi hierin dem Aubespine folgend^ versteht unter
dhUi — ehemalige — schon getaufte, heidnische Flamines
diesot Amt, wenigstens den Titel desselben, noch ab Christi
Kin Christ gewordener Flamen hat sich ferne von allen Opfer
or hat aber, wahrscheinlich zur Zeit der ChristenYerfolgong
CMon 56. 113
1^ seines frUhem Standes, den Kranz, getragen'}. Für diwe
e ȟ er xwei Jahre Busse thun, ein Jahr weniger, als er Ka-
ie luttte seyn miisBon (s. Can. 4), wenn er anch vorher, noch
<, geopfert hatte. Unser Canon steht in Beziehung eu Canon 2
^>Beh Can. 2 erhielten die Christen , die als Flamines opferten,
Spielen Theil nahmen, auch vor dem Tode die Communion
Ä C«n. 3 erhielten sie die Communion an dem Endo des Le-
rn ate Festspiele gegehen, aber nicht geopfert hatten.
Code des vierten Jahrhunderts war eine viel laxere Praxis in
ingerissen, worüber sich Innozenz 1. in dem erwähnten Briefe
mischen Bischöfe beschwert. Diese Bischöfe hatten in grosser
ate ordinirt, deren früheres Leben sie von den Weihen aus-
Dieselbcn hatten nach der Taufe weltliche Aemter bekleidet,
exereitaliotu ver»ati sunt) namcntiich als Sachwalter, sie waren
^vcsen , sie hatten dem Volke Festspiele gegeben , was die
DO Eirira unter lebenslänglicher Busse verbot fquanto» qui vo-
eäitionei populo celtf/rarurU , ad honorem nimmt Mcerdotü
' — and waren dennoch Bischöfe geworden, da sie nicht ein-
' den niedem Clcrus hatten aufgenommen werden sollen (tpitt.
S, 4). In ep. 2, 12 an Victricius von Rouen beklagt sich Inno-
:h€all8 über solche Männer, die von Bischöfen ordlnirt worden,
sie vorher in weltlichen Aenatern Spiele gegeben (conttat eo»
lumif etiam voluptalet txhibere, quas a diabolo inventaa mm du-
at, et ludorum vel rnttnerum t^rpt^aiibui [ve^L Caa, ^
me, auf MavmtJ.
. Cawa 5«.
a Obrigkeiten' und Duum- De moffiatratibus ei dwM-
vim. , viris.
Ugistrat ab» soll das eine Jahr, MoffUraUa twra'ioto atmo
aa er du EhiiiinTirat begleitet, 7U0- agtt duuntvtralumfprokt'
(MKD bleöbeii, dua er sich d^- bembim plaeet, td »e <d> eede-
der Kir^e ferne halte. tia eohÜ>«aL
nL Teiles weäat auf Conrionttn. L S de epiie. H deriri» vaati!, 32i
, vorin Bischöfe und Priester von ÜeberqaluBe solaber Lutea
urden. Der g^elute J. Qothofredns meint in seiner SchHüt:
•dieL Chriitiitnonim emt gentil^nu communkm^, auf Betreihen
Utt« fOrt) n«9Ma£), .CWowM*, ^. m JCtOr. — Arii 1610, n <■.' £<y-
W7/, Ml, im S*.~ Dam fit Vorrede tu Beeker*! CWlnt — diflte Anf-
«,Bcfa,1868, H. VU. ^
■fM.Klnh«. U. 8
114 Fttnftet Bach. Die ajiiode von ElTinu
dw Hotinsy was mir sehr wahmcheinlich ist 0(. lab. 12. Ooi. :
jyiif Deeurion.'^ -^ Die aaf&Uende Hilde, womit die DvomTin
wenigstens den Spielen prilsidiren y und dnrdb ihre Gegenwart i
ligen nrassten ($edeni H in tpeekuntUi jnAUeii $aeerdoimn amiimn, \
tiraiuwnque eolUgia, panüfiea maximi, ei maximi curianei; mdä i
populm et ienakit — Amob. 4, 35)^ hier behandelt wordeo, dttrfti
weniger in dem Umstände liegen, dass durch ein Verbot der Ki
dass die Christen solche Aemter übernehmen, die widitigsten i
in den Städten den Händen der Heiden anheimge&llen wXreni ab
dass sich Niemand solchen Aemtem entstehen konnte, den die B
folge und die Wahl tra£ -« Was das Duumvirat in den wpm
war das Amt eines Decurio (Rathsherr, Senator) in den kleinem
nischen StXdten. Diese Aemter, denen man sich nich^ entliehen 1
waren mit den erdrückendsten Lasten und Auq;aben Terknüpft
Staats- und die Kirchengeschichte des gansen vierten Jahrhundi
voll Ton diesem Gtegenstande. Weil die von Constantin, und bei
von Constantius gegebenen Gesese — dem katholischen Giems, di
Constantius dadurch gefügig machen wollte, eine glKniende äusssi
nahmsstellung gaben, weil der Clerus u. a. Ton der Last des D
nats befreit wurde, so drängten sich yiele Individuen aus keinem i
Grunde unter den Clerus ein, als um seiner bevorzugten StelluB|
haftig au werden» — Die Decurionen waren besonders bei der dai
aerrüttenden Steuereintreibnng die unglücklichen Werkseuge. £
sizer von mehr als 25 Morgen Land, also alle vermögliehen Leute,
haftbar für die Steuern des ganzen Bezirks. Viele flohen au de
baren, um dieser Last zu entgehen. Die senatorischen Familien
frei von dem Decurionat. Constantin gab auch den Staatsproft
und den Aerzten Befreiung von dem Deeurionate (Geseze vom <
326, 333). Durch Geseze vom J. 313 und 319 — erhielt der
Befreiung von allen öffentlichen Lasten — muneraj j,dle theils in 1
Aemtem, theils in Abgaben bestanden, oder in dem verrufenen
rionat Beides vereinigten.^ Dem sofortigen Zudrang der befreiun
gen Beichen zum geistlichen Stande musste schon im n&chaten Jal
durch ein ganz rohes allgemeines Verbot begegnet werden, welch«
wahrscheinlich nicht selten umgangen wurde {€od, TheodoB. XV.
Burckhardt, die Zeit Constanstin des Grossen, Basel 1853, S. 9
410, 456). Eine Reihe von Gesezen Constantin*s aus den Jahi
bis 331 (Cod. Theodos. XII , 1) zeigt uns, durch welche zum Tli
zweifelte Mittel, z. B. Vermählung mit Sclavinnen, Flucdit in die
zu den Barbaren, in andere Städte, in Verstecke *— man dem £
nate zu entfliehen suchte.
Decurionen in Spanien waren die Mitglieder des Rathes der
Sie kommen auf den von Masdeu gesammelten Lischnften nur Ön
Duumwim dagegen 227mal vor. Die Inschrift daselbst Nr. 704
CwaftT. . . 1«
ßmmo ISikMmut A im. Tiiinfirff fr ffTfrfn laüftfiin (JUantm
\, wi kanliisk. ein PatekitattM^ «» «moIoIii Aom^onI^
I JL F. iJJMfÜawf pcmerunL -^ Die Wfirde der Deeuriimep und
B ihattaL imYmüfgpnf ffia der Fbindto an & FindSen ge-
In beiden IWen konnten idel^ ^die Cttirietai denrnd^ ludit
. Onieffieiie Doomti^^
■I m» luthdddUben'GMbiVnefaen^QntiBrtoei^^ BMfluriiiig
HitteB die flnelfSfe den TennOgHdien Ghrietan die Aniidune
I Tetbotad, so Iiitfen sie eine Üniiri%^fishkeit Verlangt, und ttsi^
m de «b tiodh" den Vorwarf der Auflehnung gegen die lie-
Gewalten nnd Obrigkeiten sogeeogte. DerumTerfalngen dül
fOB BKfin keine KiroheAetraftn' Ober dÜB^-^ ouiedeAi'geilnifteD
rin, aondAm rie bktten efo -wMfaorend «ibree AmisjalüreB ton der
m; ei fat keine Sbefei sondern ttne'Mattnregel der Ordniäi^
webr. Die BeKatidiabg mur tnild«, aber aneh gtetNsbt . - ^
HuunTirn d v Slldte traren' gUEeh den bdden Gönadn inBeip.
dauerte in'der'BigeT ein, amreilen fünf Jafare. In ebi^gU
Sakhen, wib Cbürt^teai Tämgona, in Coftanä dd Göäde, -^
CSmiia-^i hiäiien Oe DttomTirn QuoiiierMH; iMl es in dWTluÄ
n, oder'ireit die Tier' epiftisr anf sweT reÄüfirf tmrden. IKÄ
deba aacb Toikonimen, waren Prieater {Matim, S.'erä.ß,4l).
188 man das Duumvirat spanischer Städte als Ehren^L Die
i8 GrermamcuSy die Cäsam Drusus und Nero, sowie Caligok,
iimiTim von Cartagena; Oermanicus und Drusus , SOhne des
waren Duumvim von Ouadix*). Die Decurionen waren sonst
r des RatheSi der Curia , des Ordo in den spanischen Stftdten.
ith tritt aber spiter ganz hinter den Duumvim zurück. Bei der
iden Centralisation des Staates waren seine GeschXfte wohl auf
lucirt, wie auch der Senat in Rom immer meht ein Schatten,
rbleibsel veigangener Zeiten wurde.
Gaaoi 57.
len, welche Gew&nder zur De his, gui ve$ümmta ad
aLücknng eines Aufzuges omandam pompam dede^
geben. runt
ranen oder deren Männer sollen Maironae vel earum tnoHH
linder mr Ausachmückung eines vettimmta mm ad armayiam
. -i
s, Mauzen t. Spanien, 1, 122— ISO und Tabula IL p. 816—340 — über
fena; auf den Mftnien erscheinen Nero und Dmtns als Qalnqnennalen»
als (Ehren*) Ma^strate auf fünf Jahre.
8*
116 FÜDftei Bueh. Die Synode Yon Elvira.
weltlidien Festau&uges geben; und wenn waeeuUiriter pampam nmd
sie es thun, sollen sie drei Jahre aus- et ri fteerirU^ triennh iM
geschlossen sejn. neorUiir.
Eine Pompa bedeutet theils einen feierlichen Leichenzug (PUtA 1
i, i, 92. — Cie. Tute. 5, 32. — de off. 1, 36. — pr. Milo. 13. — Om^
„Attie.^ 22f 2. — Virgil Qe. 3, 22. — Am. 5, 53. — Prap. 2, 13^ 19. ^
FaH. 6j 663.)y theils einen Triumphzug (Ov. PofU. 3, 4, 05. — 8emL
beat. 25, 4. — MartiaL 8j 78. 2. — Suetan. „Caaar'' eap. 37 — ^
iriumpho inter pomptu fereula trium verborum prtutuUt Hiulum [\
Veni. Vidi. VicL — liidar etym. 18, 2)\ theils einen Au&ug bei
Zeiten (Ov. Heroid. epüt. 12, 151. — Luean. 2, 352).
Am häufigsten bedeutet es, wie in Can. 57, den feierlichen Ad
bei den circensischen Spielen, wobei u. a. die Götterbilder gen
wurden (Ovid. FaH. 4, 391. — Liv. 30^ 38. — Sueton. j^J. Cauar^ eap.7\
FeretUum circenti pompa; cfk Cic. Ait. 13, 28, 3. -r- Sueion. h
cap. 16. — Cäligul. eap. 15). In lezterm Sinne kommt es auch
chenschriftstellem vor, z. B. bei Tertuüian. de tpeetae. 7, — »ed
patdo pompaHor tuggeetua, quibuB proprie hoc nomen pompa
QmLi$euinque pompa eirci, etti pauea eimtdaera dreumferai. In ime
latria est; et ti unam theruimi (Prozessions- oder Oötterwagen)
Jovie tarnen plaiuiintm ett. — Minue. FeL ^Oetav.*^ 37 — maUe
tibus et pompia veitria et spectaeuüi ab^inemui. — Bei Augustin
diese Spiele ludi pompatid {Op. 5y 14S. Serm. 21 de «cr^ ef. di
bolo c. 2.).
In Verbindung damit steht der auch in die Eirchensprache
gegangene Ausdruck, z. B. bei der Abschwörung im Taufiritus:
oder pomp(u diaboli — Pomp oder HofEsuiih des Teufels — cf.
de apectac.: sine pompa diaboli — eap. 12. — (ef. Amob. 1, 59 po
monis); Augtutin. — pompae diaboli — op. 6', 652; 653; 661 — ed.
— Sälvian. 6, 6, — Isidor de offic. eccUi. 2, 24 — 25. — Binterimi
würdigk. 4, 1, 660 — der aus Plato de leg. die Stelle anführt: A(|
cationes et pompaa diis agitari.
In unserm Canon bedeutet also pompa den Festaufzug bei dei
censischen Spielen, bei welchen auch die Bilder der Gözen heromgil
wurden. Die Christen, die aus Schwachheit oder Furcht G^wlnder^
gaben , nahmen indirekt Theil an dem Gözendienst und seinen Gitt
und verdienten darum ganz anders gestraft zu werden, als die Duunwk
0 Eine Intchrifi in THrrftco lautet: if. LaeHo Sainmano dtcmiaH asdaUiM p
patri kariatim, Laelia Cotte aoror. Die pompa aediL war der ganie Appavft
Schmuck, mit welcliem die Aedilen bei ihren öffentlichen Fanktionen ul
besonders bei den circensischen Festen. Florez, 24, 210.
CMoa 5a 117
Cntm 58.
jenigen y welche Empfeh- De his, qui communicaUh
tfe bringen, dass sie über rias literas portant, ul de
lanben befragt werden. fide interrogentur.
Ily und besonders an dem Orte, Plaeuit tMque et maxime in
er erste Stuhl des iSpiscopates eo loco, in quo prima caihedra
ollen diejenigen, welche Briefe comiUiUa est epiaeopatus, td in-
ngemeinschaft überbringen, be- ierrogentur hi qid cammtiaueii^
len, ob sich alles, durch ihr torioi literoi tr€uikmt, an omnia
augniss bestätigt, richtig ver- reete habeani iuö teHimonio
camprobcka.
' die eaUudra prima — siehe unten Buch 6 — Kap. 8 {. 3. —
1 an die mit Empfehlungsbriefen sich Meldenden konnten nicht
: haben, zu erforschen, ob in den jenseitigen Bisthümem alles
Stande sei, sondern — ob die sich Meldenden ihre Briefe nicht
erschlichen oder gestohlen hätten. — Betrüger bedienten aioh
ener Briefe, um sich in die Ounst der Christen einzusohleichen
EU erschleichen. . Andere, die in ihrer Heimath excommunidrt
hten sich in einer andern Gemeinde einzuschleichen, um viel-
feer triumphirend zurückzukehren. Häretiker konnten so
tt suchen, das Gift ihrer Irrlehre zu verbreiten«
isa, Florez u. a. haben in den Worten: ^ erste Cathedra des
s'' ein Zeugniss der damals in Spanien bestehenden Primatial-
finden wollen. Zu diesem Zwecke haben sie, ohne durch
ken unterstüzt zu seyn , statt — prima eaihedra epüeopatuM —
piiecptu primae cathedrae. Schon dieses Manoeuvre beweist,
rer Sache nicht sicher waren. Alle die von Anton Gonzalez
in neun Handschriften lesen vielmehr: der erste Stuhl des
nicht der Bischof des ersten Sizes. Dieser ist kein anderer,
chöfliche Stuhl. Nicht die Bisthümer werden dem Primatial*
gegengesezty sondern zwischen Pfarreien und bischöflichen
ird unterschieden. Auch die Presbyter hatten ihre cathedrae,
erundzwanzig Presbyter zu Elvira sassen neben und unter den
Bischöfen auf vierundzwanzig cathedrae.
inwurf ist ohne Bedeutung, ob es denn, wenn das Bisthum der
sisst, deren mehrere, einen zweiten und dritten gebe. Innerhalb
nms giebt es nur einen bischöflichen Stuhl , nur eine cathedra
I wie ihn Cyprian nennt, aber es giebt mehrere cathedrae,
Bisthum mehrere P&rreien hat Nicht Bisthum wird mit
ondem cathedra wird mit cathedra verglichen. Es mag über-
ifaeinen, zu sagen, der erste Siz des Bisthums, statt der Si«
118
Fünftes Boch. Die 8yBode von EMn.
des Bisthums, aber wer hat ein Recht, jedes überflOfleige Wort
beanstanden? Wir sagen bald: der Papst, bald der römiscbe Fi|
bald der Papst in Rom. Wem fällt es darom ein, zu fragen: gielil
vielleicht einen andern, als den römischen Papst, oder wohnt dsr
anderswo als in Rom? Logisch betrachtet, ist es ttberflOsaig n
der römische Papst; aber so zu sagen — ist Gewohnheit , gl«
üeberlieferung der Sprache. — Den Bischöfen aber wird grössec»^
sieht bei Aufiiahme derer ^ welche Empfehlungsbriefe brachten,
pfohlen , weil ein Irrthum der Bischöfe hierin — folgenschwerer ist,
weil Niemand ist, der den begangenen Fehler heilen könnte; wohl:
darum, weil derjenige, der mit seinem Empfehlungsbriefe von
Bischöfe angenommen worden, dadurch gleichsam einen Freil
den Umfang des ganzen Bisthums, und mehr oder weniger f&r
Bisthümer hat.
Solche Briefe konnte man sich aber auch erschleichen ,
fremden Namen ausgestellte sich erwerben, man konnte ao an
unter einem, auf einen fremden Namen ausgestellten kirchliehett
reisen. Darum haben die Pfarrer, und vor allem die Bischöfe
Fragen genau zu ermitteln, ob der Brief für diese Person
sei, woher sie denselben erhalten u. dgl. Bei diesem Anlasse
allerdings der Bischof sich über Verhlütnisse einer anderen
erkundigen, aber nur — zu dem Zwecke, um sich zu versichem,
üeberbringer ein Recht habe, Empfehlungsbriefe eines katho
schofes vorzuweisen (^cf. can. apott. 34). .''
Mendoza kann indess in seiner Erklärung des Canon nicht xm
unter der prima cathedra — den Bischofissiz überhaupt zu ver8tehen|i
zuzugeben, dass sich aus demselben nicht der Bestand von Erzbisthd
und Primatialsizen in Spanien nachweisen lasse. i
G«soi 59.
Dass die Gläubigen nicht, um zu
opfern, in das Capitolium hinauf-
steigen sollen.
Es ist zu verhindern, dass nicht etwa
ein Christ, gleich einem Heiden , zu dem
GMSzen des Capitols, um zu opfern, hin-
anfetoige, und dort zusehe; so er dieses
thot, wird er dem gleichen Verbrechen
unteriiegen; ist er ein Gläubiger (d. h.
getauft), so soll er nach zehn Jahren der
Tollbrachten Busse aufgenommen werden.
De fiddihuSy ne ad 0
tolium causa sacrifiei
ascendant
Prohibendum, ne qub i
itianui, ui OenäUe, ad id
CapiioUi eauea eaertfk
aseendat et videai; fm
fecerit, pari erkmme Umä
H fuerit ftdeliM, ptmtr 4
annoi aeia poenümfia
piatur.
Cmiod 59. 119
Die Strmfe der „OiTiaiiani^ oder Eateohumenen tat nicht angegeben.
Em EAtechumene oder Getaufter konnte cur Zeit der Verfolgong auf
du Capitolimn hinaofrteigen , um dort swar nicht sn opfern j aber um
pKhen und für einen Heiden angesehen zu werden ; er opferte indirekt
San Abfall war Mhnlich dem des Libellaticus j der sicli von der Obrigkeit
bwriieinigen lisst, dass er geopfert habe. Das Hinangehen und Sehen
wurde ferner als Huldigung gegen den und Anbetung des Gtösen be-
taditet, wie Tertullian sagt (de idololoMa 10): Si CapÜoUimi, ri Sero'
maerißcaior et adoraiar imraverOf a Deo exddamj quemadmodum
j vel iheairwn spectatar,
Hortado und andere bezogen die Stelle auf das Capitol in Bonii
«dl sie nicht wnssten, dass römische Pflancstädte allenthalben sich mit
Cipitolen in Nachahmung der Mutterstadt schmückten. — EnaU eoUmiae^
ngt AoL Gellius (J6, 13), quati efflgia parvae nmulaeraque guaedam poptdi
Bamaii; darum hatten sie auch Capitolien. — Die bisherigen Erklärer
Uwn nch indess begnügt, auf die Capitole Ton Gapua {SuOon. „Tiber.'^ —
4#, „OaUgulaf^ cap. 57); von Benevent {Sudan, de grarnmaUeU —
0); Ton Carthago (Cgpritm. ad CameL de 5 prtA. et Fartunaio —
13 -— eompeüuntur lapH^ ut linguii atque arej quo in eapüolio ante
, eaeerdotüme eonvieium faeUmt; eap. 18 — quid tupered, quam
eapitoUo eedat\ derselbe — de lapeie cap. 8 — quando ad eapi-
epemie ventum ett; eap. 24 — unue ex hit, qui eponie Ck^^Uum fMyo-
ateendit); von Narbonne in Gallien (Autoniut — de clor. urb.
IJ. Sidon. ApoUinar. earm. 74, 40 oder 5, 23 — Salve Narbo — ddu^
Mi, eapitoiiie, moneUt etc.); au Antun — Auguelodunum (Eumen. pro
tmL idkel. — inter ApoUinii templum atque CkipitoUum); sodann au Tou-
louse — Tolosa — hinauweiBen. (S. Martyr. S, Satumini eap. 2 — eceteda
fotva juJda CapitoUum; eap., 4, ad CapitoUum tolua aitrahitur] und Sidon.
J^poüin. epieioL 9^ 16 — de gradu eummo CapitoUorum praedpitatum. — Ve*
n«tf. Fortun, L 2, 11. Martyr. rom. 29. Novemb. — Oregor. Tur. h. Fr.
1,28).
Kürzlich aber hat Dr. Braun in Bonn, von dem wir wünschen, dass
sr aüie werthTollen Abhandlungen in ähnlicher Weise gesammelt und
Üboirbeitet herausgebe, wie £. Lassaulx seine „Studien des dassischen
Akerdiams', Begensburg 1854. 4, und von dem ich vermutfae, dass er
wenigstens der zweiten bessern Hälfte des mehrfach citirten Auf-
yZu der Eirchengeschichte Spaniens^ in der Zeitschrift ftir Philos.
■nd kathol. Theologie, Heft 81, 39. 82,64 — sei, — ein Ptogramm
haausgcgoben; „Die Eapitole,^ Bonn 1849, worin er u. a. die urkund-
fieh nachweisbaren Capitole der ganzen römischen Welt zusammenstellt
Unter anderm weist er nach ein Capitol in Ravenna aus der Poirio
& ApoEUtutrii; ein Capitol zu Florenz aus der Kirche S. Maria auf dem
Capitol; ein Capitol für Verona aus einer Inschrift, die auch bei Orelli
. 68 steht; für Mailand (VghdU Jtalia eaer. 4, 201); für Modeoa
120 Fanflet Buch. Die Synode von Elvinu
undFalerii (U&rcdU, de Oä. inter. t. 2, p, 291) and Ani Siardini, defß i
müdd edifid di Bavenna, p. 173, 174). —
Ftk den- Nachweis von Capitolen in Rheims, Niflmes, SaintaSi i
Besannen , Glermont (Autan) und Pamiers — begnügt sich Braun, aof j
die von Ducange s. ▼. Capitoliom beigebrachten Stellen sa verweiaen ^)* t
Ausführlich handelt Braun von den Capitolen der Städte Augsburg, Tri« i
und Köln in Deutschland. Für Augdburg bezeugt es die Paaio d^r '
heiligen Afra, a« der der Richter Oaius spricht: Aecedem ad Ctqniaikm .<
§aerißea, und welchem Afra antwortet: Mein Gapitolium ist ChristaH
den ich vor Augen habe. Für Köln bezeugt es u. a. die Kirche S. ICsria
im Capitol, für Trier u. a. die Vita des heiligen Agritius — ap. BoUand.
13. Jan. p. 778. — ef. 29. Jan. p. 919. — Guia Trevirar. ed. WffUenbath
€t Muellerj 1, 7; p.45 — ad lithti MosdUu juxta CapüoUum.
Für Spanien wissen die Spanier eben nur die beiden Capitole m
Ghranada-Elirira und in Sevilla nachzuweisen — aus Inschiiften. BmA<
führt die Inschrift aus Sevilla an : Jd. P. (Stjatuam m Capü(oHo) F. £
loeo IV TUu. C. C. B. D. aus Coro AnUq. HUpal. I, 12. Wenn
ftraun auf unser Elvira die Worte des Plinius bezieht: IlUberk —
quondam urMi iemu vettigitan (PUn. 3, 6), so ist diess eine Varwf
lung mit Gaucoliberis-Collioure bei RoussiUon. — Für das Capitol
Elvira wird angeführt Pedrasza (s. Buch 2, 10) 1 j 17, und Qonm. !<
lu diesem Canon; aber beider Auctorität ist nieht sehr zuverlässig..
Da indess Spanien unter allen Provinzen am meisten romaniairt
so darf man annehmen , dass es auch hier verhältnissmttssig am m«
Capitole gegeben habe. — In Barcelona heisst heute das bekannt
Montjuich; die einen leiten den Namen von Mam Jovis, and<
Mant Judaeorum ah, weil hier die Juden im Mittelalter gewohnt
oder begraben worden. Beide Ansichten möchte Florez (Eip. sag. 29y
ef. 34, 55 — 57) vereinigen. Zur Zeit des Heidentbums habe der
Jupitersberg geheissen. Dagegen lässt sich geltend machen,
Name demnach schon feststand — Jupitersberg, als die Juden in
angebliche Berührung mit ihm traten. Pomponius Mela nennt
Mons Joüii am Fusse der Pyrenäen, oder bei den Sealae
nördlich von Empoiias (Florez, 24, 53; Marea, Marea Hup. U 2, t*
nennt aber einen zweiten Mom Jovia — Juxta Jovii montem BubritM '^
th Bardnonii Uiore, inter Subttr et Tolobin, majui. — Neben dem ^
0 Santonense bedeutet aber nicht, wie Braun S. 19 sagt, Saintoog, sondero
sodann heisst Apamiense hier nicht Pamicrs, sondern Apamea, denn Thyrsus:^^^
nicht in Pamiers, sondern in Apamea im Oriente Märtyrer. £benso ist be--^^
cange und darnach bei Braun das Citat über Autun unrichtig; nicht in ttr-^^'*
Panegyricns an Constantius, sondern in seiner oratio pro regtaur. tehoUt eap, ^j
Auitm bezeugt Eumenias das Capilo) daselbst, Perner bM Prann das Qmf^^^
von Pampelopa ausgelassen.
Caood 59. 121
Amg ist — an der Küste von Barcelona, swiadien Sobiir und To-
Ikj der LJobregat, ein grösserer Floss. Das kann nur der beatige
a^nch swiscben Barcelona und dem Llobregat — Eubrieatu» — seyn.
in Rom den Jupiter, weil er seinen Tempel auf dem Capi-
hjUte, den capitoliniscben nannte, so hiessen im Nordosten von
lüen die Berge, auf -welchen Jupiters Tempel standen, die capitoli-
dien. Denn wie Barcelona seinen Jupitersberg oder sein Capitolium
IIa, alao — das benachbarte Gerona. Ein Berg, zugleich eines der Forts,
Uie die Stadt überragen, heisst heute noch MontjuicL (Siehe Gerona
i Mmdom; es war dieses das Capitol der alten Bischo&stadt Gerona.)
iSn Capitol in Uerda oder Lerida darf man um so sicherer annehmen,
■ der Feldherr Sertorius diese Stadt zum Size seines neuen Reiches
''chle. Da er in ihr römische Schulen und einen Senat einsezte, warum
'""tt er es an einem Capitolium haben fehlen lassen? Die Beschrei-
der Lage der Stadt bei Luean. (Pharsal 4,1t— 16 —: CMt iumei
9 Unique exeret>U in altum — pingue solum tumulo: super htmc fun^
^^i'ctiiKa iwTffÜ lletda manu, — At proxima rvptB Signa tenet Magni
ZT^'^li '^^ Caesar eoUe minore castra levat) — weist auf einen solchen
T*j*^5wden Berg hin. — Ebendahin weist uns die Beschreibung Le-
^ * ^ Ausonius (ad PauUnum ep. 4, 58^59 — guae defectis juga per
£7^^ mtniä arida torreniem SieaHm despeekU Hüerda) — das dürre
^T^; das an schroffen Höhen herab in Trünmiern liegt, blickt auf
,^r^f9ttom Sicoris nieder, über welchen — nach Lucan — eine ge-
^"VBrticke geschlagen war.
/J* Oalagurris Fibularia, — Loarre — hatte wenigstens, wie das
^^%>Q]i hängende^ Bilbilis des Martialis, keinen Mangel an Anhöhen
^^pitol, (Bilbilis aid haerena scapulis Calagorris habebü — Auson.
. ~~ ^7). — Das andere berühmtere Calagurris am Ebro war
'tJ*'^*^^ eine Festung, in der Sertorius belagert vnirde, und von
"•^f »ich Pompejus und Metellus unverrichteter Dinge zurückziehen
CXUmus epitome 93). Sertorius fiel durch den Verrath des Per-
I^ie Stadt Galahorra konnte nicht erobert, nur ausgehungert
Utt Oapitolium der Stadt Pampelona (Pompelo) hat Ducange nach-
ff^^ aus einem alten Statut für das Königreich Navarra — fuU or^
ii^"*) qtiod in Capitolio venderetttr bladum (= bUj Korn). — Braun,
W ton ich diese Stelle nicht finde, weist dagegen auf die Passio der
lirtjwf Vincentius und Orontius in dem Flecken Rosas am Ter, 2^ Le-
py ▼Ott Figueras {Bhodae am Fuss der Pyrenäen) , beati mariyres —
iiriMS ihodas, ubi jam dictus — Ruflnus Capitolium constituerat , per^
*) — Acta Set. t 2. Januar. (22), p. 390. Von Pampelona
1
f)CipHoIien gab e8 sach da, wohin niemala die Römer gedrungen waren, z. B.
AI fliJdefbeim ^ siehe Lüntzel, »Geschichte der PiQcete nnd Stadt Hildes-
122 FttBlIet Bach. Die Syaode tod Elvira.
enfthlt M. Willkomiiiy cbm es lich rtthme, die erste Stedt Speniok^
wesen so sctü, welche das Licht des Eyangeliains empfieng. Ihr ^
Bisdiof soll der heilige Fermin, ein Schüler ihres Apostels, des hsE
Satamin (yon Toulouse)^ gewesen sejn. Aus diesem Ghnmde ist E^i
ein sehr gewöhnlicher Mannsname in Psampdona, wie überhaupt in |
Navarra (wie Esithis in Gazorla), und am Tage des Heiligen wird,
grosser Jahrmarkt gehalten (Willkomm , Wanderangen, 1, 265).
Üeber das alte Saragossa (CaeiorauguMia) hat derselbe WiUkfl^
einige topographische Untersuchongen angestellt Er bemerkt mit Bl^
dass die römische Stadt nicht so gross gewesen, wie die heutigei ds ^
fianptstrasse, der Coso, welches Wort durch Cormption aus Faua
den "^ Wallgraben — jetzt in krummmr Linie mitten in der Stadt
— Das Kloster Santa Engracia liegt im höchsten Theile der. Stadt,
beherrscht sie. Es war wahrscheinlich die Burg und das Capi
(Wanderungen, 2, 20, 2fi, 28.) — Von allen bedeutenderen spaniicki
Stiidten lag nur Leon unbedingt in der Ebene. Da dieses splÜeRi£|
niem aUsu j,spanisch^ vorkam, so erfanden sie die Fietion, dass
suerst auf der Höhe gelegen habe, in ruhigem Zeiten aber in difl
▼erlegt worden seL Allein Leon war keine römische Fflanastadt,
ein Lager der Soldaten, und es war nach der Form der alten
die meist in der Ebene lagen, gebaut Von einem Capitol konnte,
keine Rede seyn (auch heute noch ist es eine Inselstadt) (i
Bd. 2, 140). Es hatte über 20 Fuss dicke Stodtmauem nebst Tbl
Dagegen lag von Anfang an die römische Stadt Astorga auf einer *<i
Umgegend beherrschenden Höhe (Ziegler, 2, 153), und war eine FesMJ
Auch die Stadt Lugo, das alte Bisthum JLucut AugutÜ — Luotmäti
liegt auf einer Höhe von 770 Fuss, der einzigen Anhöhe in einem l|
kreise von 4 Leguas (Ziegler, 2, 160—61). Die Stadtmauern, 12— liVlj
hoch, 6 — 7 dick, sollen römischen Ursprungs seyn. j
Das römische Capitolium hiess auch eUvuB Capüolmus (Oieer. M
2j 1,7. — Liv. 3, 18. — Der Hügel war in zwei durch eine FJM
das Iniemumtium, getrennte Gipfel getheilt; der nördliche und höeU
wo jezt die Kirche ara CotU steht, war Festung, und hiess arz, i
niedrige im Süden, jezt Monte CapHnOj trug den Tempel des (
pitol, der dem Jupiter, der Juno und Minerva geweiht war. |
mittlere eeüa war die des Jupiter (Tae. Hut 4, 53. — Becker, Hu
buch der römischen Alterthümer, 1 , 386 —387. — Braun, S. \% \
Neben dem berühmten Capitolium gab es in Rom ein (ki^püoUmn vi
heim« — Theil2, 8. 51 (Hild. 1858): Candtlam, qwu singuliM nocHlnu anM|
mperiori ckmatro ante capitolium. — Im J. 1221 stellt Bischof Siesfried ein«1
kundc ans j^tii elavuiro nostro auperiori ante nostrum capitulum;" im J. i23b Bte
Conrad „in ocpUoiio eociesiae nottrae;* im J. 1240 heiMt €6: acta jmiI
m eafMio^ ebepso lÜiS*
Cadoii 59. 123
a QniriiiaL Der Spanier Martialis sagt daher (7, 73): — Inde
veUrem prtmpicii kUk Jovem. — Cf. 5, 22 — anHquum fjovem —
VmfB I^ L. 5f iS8* — Vaier, Max. 4j 4, 11. — Aber auch arx bedeutete
im gansen Berg, z. B. arx CapitoUnOf Liv. 6j 20; arx CapiioUi, TaeU. h.
ig 78. — Siehe Becker, 1 , 386. Borat, Carm. 1,2,3. — Ovid am.
ifSfSS. — Oft steht arx et CapüoUum, Cie. CaUl. 4, 9, 18. — Act. in
Vor. 2—6, 72, 184. ^ LH). 2,7.-3, 18. — 5, 47. — Aul. QdL 5, 12.
Die Bnxg in Spanien schliesst darum auch oft das Capitolium oder
len Jupiterstempel in sich. Diess gilt gewiss yor allem von der be-
iflhmten Burg von Tarraco (Martiäl. 10, 104 — Hispanae pete Tarra^
fmk arem; siehe Hymnus auf Fructuosus, Buch 3, 4.) Auton. de clor,
wb. Ton Sevilla — e.9 — Non aree potau tibi Tarraco eertat; vor allem
ibsr an denselben in Poema X. V. 233 Paulinus ;
£i eapitB intigm despeetans Tarraco pontum
Und mit erhabenem Haupt blickt Tarraco nieder zum Meere.
Tarraco, das j,Werk der Scipionen^'y die Residenz der Römer in
fl^uien, an Umfang mit Carthago wetteifernd , hatte sicher ihr Capi-
dknn, hatte jedenfalls ihren j^alten und neuen Jupiter'' (s-Tempel); denn
ffon GhJba erzählt Sueton, „g^^od oblatam a Tarraeonmribuä e vetere
kmplo Jovii eoronam auream librarum 15 eonfla8$et, etc. (Galba 12.)
«- Ebenso berühmt war die Burg der kaiserlichen Stldt Emerlta, deren
üaftag und Trttmmer heute noch nachgewiesen werden (Historia de
Ist mitlyuiihuki de Merida — por Femandez y Pertz, Badajoz 1857). —
Smmit lib. 4. AnHq. Lue. tit. uU. weist einen Tempel des Jupiter am
flBiBe Exarrama, eine halbe Legua von Torrano (südöstlich von Evora),
Bach. — Auch Evora, dessen Alterthiimer Resende beschrieben, liegt
nf einer Anhöhe. — Toledo hatte seine Burgen j und vielleicht auch
lernen Jnpiterstempel. — Ob Valencia eine Burg gehabt , kann ich nicht
tnden; um so bekannter ist es von dem nahen Murviedro. — (Fischer,
Gemälde von Valencia, 2Bde, 1803. — Minutoli, Altes und Neues aus
Spanien, 1, 1 — 17, das Corpusfest in Valencia.)
Die Biiehofsstadt Lorca ist an dem Abhänge eines steilen Berges
pbaat, and war firüher ein überaus fester Plaz (Lorinser, 1 , 279). Auch
Bm li^ auf dem nördlichen Abhänge eines Berges (1, 296). Selbst
im in der Tiefe liegende Guadix hatte seine Burg , und hat heute noch
& Spuren davon (Lorinser sah das stattliche Gebäude einer schönen,
wd einer kleinen Anhöhe gelegenen Kirche, 1 , 304 und Madoz s. v.
Guadix). — Die Bischofsstadt Urci lag auf einer Anhöhe. — Die alte
Bischofntadt Astigi ist rings von Bergen überragt. — In Malaga saih
der Reisende Carter (Reise von Gibraltar nach Malaga — 1772 — deutsch
1TZ9 y 2 y 266) einen Capitolinischen Berg. Er sagt : „Die Lage kommt
gaum mit derjenigen überein , welche die Römer in allen ihren Colonieen
n ihrem Capitolium , zur Nachahmung des Capitolii in Rom erwählten^
124 Ftlnflet Bach. Die Synode yon Elvira.
[der Berg liegt gegen Morgen nach der See hin*)]. •— Gadix
keine römische Colonie. Um so gewisser SeTÜla) dessen Capitol d]
eine Inschrift verbürgt ist, wie das Ton Oranada. Wie^ Sevilla ,. so
Gordova nach dem zweiten Jahrhundert seine Stelle geändert Die
rUhmte CoUmia Patricia lag fiüher mehr gegen die Östlichen Berge
es ist die Vermathung erlaubt, dass es ein Abbild der Siebenhügeli
sejn sollte.
Die Lage des alten Castulo — Cazlona — wurde im J« 1782
Franz Perez Bayer untersucht Es lag an der recht^a Seite des Flu
Guadalimar, bei einer Mühle Namens Caldona, auf einer doppelten
hohe, mit allen Zeichen einer Festung (Cortia, Diceianario^ 2, 332 —
— An der Stelle des alten Mentesa bei Ja^'n steht heute der
la Guardia. Willkomm beschreibt ihn als ein unzugänglich scheine]
Felsennest. — Auch in Gartagena zeigt man noch ein altes Gai
und ein römisches Amphitheater (Willkomm, Zwei Jahre in Span
3| 327). — Der Ort Martos, Givitas Martis, oder Tucci, gleichfalls
Bischo&siz, liegt am Abhänge eines hohen Berges, dessen Gipfel
Castell krönt (Itinerario deacriptivo de Espanna p. Laborde, Valei
1826, p. 487 --88). — Endlich — Cabra, das alte Bisthum Ega'
hatte wenigstens im Mittelalter eine Festung (Madoz, 5, 48).
Die ^Capitole' in Spanien sind ein noch unangebautes Feld,
wird Sache der Spanier seyn, welche namentlich für die Geschi^
ihres Landes zur Zeit der Biömeirherrschaft so viel geleistet haben,
Untersuchungen weiter zu führen.
Guoi 60.
Von denen, welche getödtet werden, De his , qui destrueni
während sie Gözenbilder zerstören. idola occidwntur.
Wenn Jemand Gözenbilder zerbricht, Si quis idola frcgerii et
und dabei getödtet wird, da dieses im dem fuerit oecisw^ quatenu
Evangelium nicht geschrieben, auch nicht evangelio ser^tum non ett m
gefunden wird, dass es je unter den Apo- inioenieiur stA apoHoHi itnqt
stein geschehen sei, der soll nicht unter die factum , plaetät in numei
Zahl der Märtyrer aufgenommen werden. tum non reeipi martyrum.
Den eifrigen Spaniern ist dieser Canon viel schwerer auf das E
gefallen, als die grosse Strenge so vieler Canones. Denn leztere
gleichsam aus ihrer Natur selbst genommen , dieser Canon aber ist gCj
') Der Alcataba der Mauren, wo ehemaU (nach Carter) der vornehmste li
niache Tempel stand. »Die Trümmer zci^n, dass hier zur R5mef Zeit
Fettim^ und prichti^r Tempel stand.«
Cabob 61. 62. 125
3« Natar; and viele — haben wenigstens seine Aechtheit bestritten«
^ der ansfOhrlich über denselben handelt, meint, wie Tejada j
im J. 1850, die Schwestern Justa und Rufina von Sevilla haben
im Anlasw dazu gegeben, und der Bischof Sabinus habe die Sache viel-
kidit in Anregung gebracht Er meint, an sich seien die also Getöd-
ftelBi Märtyrer gewesen, nur von der Kirche nicht anerkannt — Hatten
die Bischöfe von Elvira einen Anlass zu diesem Canon, so war es das
?orgehen der heiligen Qermanus und Servandus (s. Buch 4, 12) ; damit
iber Niemand glaube, dass sie denselben die Ehre der Märtyrer rauben,
Agen die Bischöfe bei: ,»Wenn er dabei getödtet wird.^ Denn diese
Mntyrer wurden nicht bei dem Zerstören der Gösenbilder getödtet
Wahrscheinlich aber waren diese Beiden nicht die einsigen Spanier,
mkk» Göienbilder zertrümmerten, obgleich der Reisende Carter (2, 204)
ibectreibt, wenn er meint, j,die ersten Christen unterliessen es nie, die
GOzenbilder, welche ihnen in die Hände fielen, zu zerstören.^ Unter
lUoi christlichen Kaisern hat Theodosius der Grosse, ein Spanier, es
ncragsweise als seine Pflicht betrachtet, die Tempel und die Qözen-
lUsr des Heidenthums zu zerstören. Der spanische Bischof Idatius
oihlt in der Form des Lobes: ^^Cynegius, der Präfekt des Orients
(glfiichfall8 ein Spanier), erlangt grossen Ruf, und — mit herrlichen
Wecken j^chmückt, drang er bis nach Aegypten, und zerstörte überall
die Gözenbiider der Heiden'' (s. über des Cjnegius Leichnam, 6. 1 , 66
— <. Ckroniean Idatü ad ann, 388).
CUOI 61.
Ton denen, welche zwei Schwestern De his , qui duahus soro-
zur Ehe nehmen. ribus copulantiir.
Wenn Jemand nach dem Tode seiner Si quis poit obUum uxorit
Frau deren Schwester heirathet, und sie tuae sororem ejitt duxerit et
leibst eine Gläubige ist, so sollen sie fünf ipsa fuerit fldelis, quinquen^
Jakre Ton der Communion ausgeschlossen nium a communione placuü
voden, wenn nicht etwa dringende abstineri, nUi forte velodua
Knnkheit den Frieden früher zu geben dqri pacem neccesHtaa coegerit
■Odngt. infirmitatis.
Btatü. epitL 160. — Oone, Neoeae$ar. c 2. — c. 1 und 8 X de eon*
affn. (IV, 14); Sjfl%. Trident. Sesi. 24, ep.4 de ref. mairim.
Cuoi 62.
Ton den Wagenlenkem und Schau- De aurigis et pantomimis
Spielern , wenn sie sich bekehren. si cowvertcmtwr.
Wenn ein Wagenlenker oder Schau- Si auriga out pantomimiu
ipieler glauben wollen, so sollen sie zuvor eredere voluerint, placuU, ut
126 Fttnftei Bucli. Die Synode von Elvira.
ihren Kttnsten entsagen, und dann erat priut arUbui euif rmumtimi, 4 i
aufgenommen werden, so dasa sie nachher tune demum iUMC^^kmUt^^ fli ^
nioht mehr au denselben aurückkehren; ut üUerius ad ea non rwm ^
wenn sie wagen wollten, es gegen das Ver- taniur, qtd d faecrt ctmUm i
bot au thun, so sollen sie aus der Kirche mterdicUan teiUavtrirU^ t'^ ü
ausgeÄtossen werden. eiantur ab tedetku ■ ,
Vergl. oben die Erkl&rung des Canon 2 und 8. — AuHfm ii v
suüSlchBt der Wagenlenker , der bei den Circusspielen sieh am defe l
Preis bewirbt (Sueton. „CdiiguM^ ep. 54). Aurigabai (CaUgyta) m^ i
frudo plutifariam circa — Rieh, Illustrirtes Wörterbuch der rMd :i:
-sehen Alterthfüner, 1862, p. 65 — 66. Der Pantomime hat olmedeai t
wie wir oben Can. 2 sahen, ein durchaus unsittliches Gewerbe. Dai c
Wort kam in Italien zuerst zu den Zeiten des Augustus anf ^ dtt ii
Pantomime hat viele Aehnlichkeit mit unsem BaUettttnzem; dortl i:
Gesten und Mienenspiel, ohne Hilfe der Stimme, spielte er. Er tr^ ie
eine Maske, und eine Tracht, die je seiner Rolle entsprach, ^ and gi^ j
wohnlich unsittlich und leicht war. — Das durch ihre Spiele, webb .«
gewöhnlich Liebesgeschichten und mythologische Szenen darstellten,^ :k
gerichtete Sittenverderben in Rom war so gross, dass mehrere TTawflr c
zu Tdrschiedenen Zeiten sich genöthigt sahen, sie aus Italien an ver %
bannen (Macrob. 8at. 2, 7. — SueUm. Augud. ep. 45, Nero. 16. — Ikh ,
mU. 7. — TaeU. Annäl. 4, 14. — 13, 25. — PlMus See. panegffr. 46, A
— Domitian hatte die Spiele verboten, Nerva sie wieder erlaubt, ^ßMfaa
hob sie wieder auf — (neqttc enim a te minore concerUu, ui tollere» jnp»-
tOfnimo9j quam a patre tuOj ut reUUueret, exactum e$L — Caemodor.
variar. epieL 1, 20J. — Ant Bich, Alterthümer, S. 443 — BöttiebBTi
(kleine Schriften archäolog. und antiquar. Inhalts), 1850, Bd. 1, 400 —
nennt die Pantomime der Römer ^den Abgrund der dramatischen Kunst'*).
— Cf. desselben Bd. 3, 394—401. — Becker-Rein, j,Gallu8, oder römi-
sche Szenen aus der Zeit August's^, 1849, Bd. 3, 280. Dritte Ausg. von
1863, S. 360—61.
' Der Kardinal Aguirre erhebt sich bei diesem Canon gegen die &m
dem fieidenthum vererbten imd bis heute noch fortgeschleppten Stier-
kampfe der Spanier, deren sich diese sonst so willenskräftige und edle
Nation bis heute noch nicht zu erwehren im Stande war, obgleieh sie
unberechenbaren Schaden angestiftet, und ein blutdürstiger Satanaengel
im Fleische und im Geiste des spanischen Volkes sind. j^Waä iat neki»
scher, ^ sagt er, „als ein Thier zu reizen, damit es Menschen zerfleisoha
Spanien allein hat bis jezt dieses Heidenthum beibehalten | zum unter*
gange der Seelen, und Niemand ist, der es überweise und yerkindflM
') Friediftnder, Ladw., Darstellungen ans der Sittengeschichte Roms, in der 2eit
von August bis mm Ausgang der Antonine — Leipiig 1662 — S.'268— 283.
Cf. 279-86.
Canon 62. 127
or Vegeket nidit blots Todsünden, sondern ihr seid Mörder, und
m eaeh wird das Blut aller derjenigen gefordert werden, welche Ton
na Thieren, sei es in der Rennbahn, sei es auf dem Wege ermordet
■dm.* Aneh die Zuschauer seien nicht ohne Schuld. — Es ist nahesu
ihguiflidi, dass diese blutigen Greuel des Heidenthumes annoch fort-
oern, die an dem Lebensmarke dieses Volkes xehren, dessen grosse
äfigei wie u. a. der heilige Vinzenz Ferrer — so sehr dagegen ge-
tat kaben. Als im Jahre 1812 — vier Stierkämpfer kurz nach einander
» den Stieren serfleischt wurden, verboten die Bischöfe die Theil-
ihme an den Kämpfen bei Strafe der Verweigerung der Absolution.
Jber wieder siegte die alte , die grausame Leidenschaft des Volkes. Im
. 1652 wurden wieder vier Kämpfer ermordet, — und Alles ist beim
iktm geblieben^). Möchten die Spanier einmal einsehen, wie sehr sie
■h, und uns allen schaden durch diesen aus dem Heidenthume ver^
Oreuel. — Wenn heute irgendwo in Spanien ein Gtözenbild
I, Tarnende von Händen würden sich im Augenblicke geg^i es
ibeben , es in tausend Stücke zu zertrünmiern. Der 6öze ist in euerem
igmetk Heraen. Mit der Kraft des Glaubens , und mit (}er Kraft des
IRDenSy mit welchem Gott euer Volk begnadet hat, erwürget diesen
ihldfirstigen Gözen in euerem eigenen Herzen.
Es ist nicht zu berechnen, zu wie vielen Greueln, Blut- und Un-
htkm diese grausame Leidenschaft das spanische Volk in allen Klassen
■d Sünden schon getrieben hat Ein trauriges Beispiel aus der neuem
KiiAaBgeschichte Spaniens erzählt Minutoli — (Altes und Neues aus
, 1,59— 78j u. d. T. ^Ein Exclaustrado^ Die Kirohenfeinde
die durch einen Stierkampf entzündete Blutgier des Volkes von
hnelona im J. 1835, und hezten dasselbe gegen ein Kloster, das in
knd gesteckt wurde, damit die Mönche mit verbrannt würden.
Die Stierkämpfe waren in der alten Zeit allgemein verbreitet, wäh-
nd sie heute nur noch auf Spanien beschränkt sind, da selbst Portugal
■k ihrer erwehrt hat Sie fanden in Rom seit J. Cäsar statt (Suetan.
iflwJffiii* cp. 21. — B^tticher, Vermischte Schriften, 1850, 3,199);
noDders auch in Thessalien (a. a. 0. 3, 325—334 j,Ein Sieg des Alter-
hmß über die Modernen.' Plin. h. n. 8^ 45) , mit einer ganz andern
baskfertigkeit, ab es in Spanien geschieht — Dass Stierkämpfe schon
■ allen Spanien heimisch waren, sieht man aus den zahlreichen Münzen -
IMJuBgen bei Flores „Medalku^f auf • welchen die wüthenden, zum
lapfe sich auareckenden Stiere ausserordentlich häufig vorkommen.
Bildie Stiere finden sich auf den Münzen von Asido [Forbiger, 3 (nicht 2),
il8]| CSalagurrisi Cascantum, Celsa, Certima, Clunia — acht Stiere
0 HlBitoli, Altes und Neaet aat Spanien, Berl. 1864, 2, S. 71 — 122 »dM Süer-
128
Ffinftea Buch. Die Synode tob Elvirft.
— r Dertosa^ Jlreavica^ Gncnrris, Obuloo, Orippoi Segoyi», Tc
Tiiriaw).
Zur Zeit der Gothen Terschwanden diese StierkSmpfe, UnCei
Mauren worden sie wieder allgemein. Die heutigen Spanier aber
sie von den Heiden v^d Mauren ererbt, -— und schämen sicJl diesei
Schaft nicht»
Cuon 63.
Von den Frauen, welche ihre Kin- Be tixoribus, quae ßi
der aus dem Ehebruclie tödten. adfdterio necant
< Wenn eine Frau in Abwesenheit des«
Mannes durch Ehebruch empfangen hat,
und nachher die Frucht tödtet, so soll
ihr auch am Ende die Communion nicht
ertheilt werden, .weil sie das Verbrechen
▼erdoppelt hat
8i qua per adüUeriw
$€nie marito mo eoneepen
que past faeUuu oedderit
euit nee m finem dandm
eornmunionemp eo quod
naverit tedui.
OeminfmU »eeUa, durch Ehebruch und Mord; siehe Oan. 2.
Cuon 64.
Von den Weibern, welche bis zu De femims, qudeusqi
ihrem Endef mit Fremden ehe- mortem cum alienis
brechen. adidterant
Wenn Eine etwa bis zum Ende ihres
Lebens mit einem fremden Manne Ehe-
bruch getrieben, soll ihr auch am Ende
die Communion nicht gereicht werden.
Wenn sie aber deiiselben yerlässt, so soll
sie nach zehn Jahren die Communion em-
pfMigen — nach vollbrachter vorgesdirie-
bener Busse.
8i qua luque in ftnem
ti$ nute cum aUeno viro
moeehata, plaeuUf nee in
dandam ei eeee eommunx
Si vero eum reUqueritf
deeem ontiM acdpiat cö
nionem acta UgiUma ;
teniUa,
Guoi 65.
Von den Frauen der Cleriker, wenn
sie die Ehe brechen.
Wenn die Frau irgendeines Clerikers
die Ehe gebrochen hat, und ihr Gemahl
weiss, dass sie Unzucht treibe, und er sie
nicht sogleich yerstösst, der soll auch am
Ende die Communion nicht empfangen,
De adulteris woaribu,
rieorum.
Si euna deriei uxat
moechata et aderit eam m
Hots moecfuxri et non eoi
Hmprt^ecent, nee in pfu
cipiat c(mmivnkmemp iw
Canon 66. 67.
129
es nicht scheine, dass von den-
Ly welche ein Vorbild des guten
is seyn sollen, die Beispiele der
dien ausgehen.
qtä exemplum btmae eonvena-
iionü e8$e debent, ab eis vide-
aniur Bedenan magitteria pro^
eedere.
ynaaL Tellez, Herbst (Quartalsch. 1821, 43) — u. a. verstehen den
Ton den hohem Clerikem, welche ihre Prauen zum Dienste bei-
en, der Canon sei so streng, weil solche Männer den Schein von
hatten. — PUnius See. epist. 6, 3i.
Ganoi 66.
lenjenigen, welche ihre Stief- De his, qui privignas stuis
nütter zur Ehe nehmen. ducunt
9in Einer seine Stiefinutter zur Ehe
men, der soll, weil es ein Incest
:ch am Ende die Communion nicht
Igen.
8i qui» privignam ntam du"
xerit uxorem, eo quod $U tn-
cestus, placuU nee m flnem
dandam esse eammunianem.
Guon 67.
der Ehe einer Katechumenin.
\ wi verboten , dass eine Gläubige
Katechumene entweder Zierbcngel
laarkräusler halten. Die dagegen
■ollen von der Communion ausge-
len werden.
De conjugio catechwmenae
foeminae.
Prohiberidum rU qua flddis
vel catechumena out eomatos
Qut viros cinerarios habearU:
quaecunque hoc fecerint, a com"
munione areeaniur.
1« Ver&sser der Ueberschrift hat den Canon selbst nicht verstan-
I. a. ein Beweis, dass diese Ueberschriften erst bei der CoUecHo
0n eeelesiae Hispanae beigefügt wurden. Von den neun Händ-
en des Anton Gonzalez liest die Hälfte cenorarios^ eine generarios
merarios^). Die Abschreiber haben dieses Wort nicht verstanden.
wü sind Sclaven, welche Brenneisen in der Asche heiss machten,
r omatriz bei dem Frisiren ihrer Herrin Dienste zu leisten (Varro
V. 129. UV. p. 32. [ed. 1581] Tertull. ad uxorem, 2^8), und
e oft in üblem Verdachte des Umganges mit ihr standen (et cinerariis
iendoxa mitsverstcht den Canon von einer wirklichen Ehe; er liest aber nicht
■Mi^diii ond eomatif sondern nach eigener Erfindung comici et scenici.
M, tpaa. Kirehe. II. 9
130
Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
pertgrinae procerUaÜt. Oinerctriua wird auch mit daiXog ixalgcLq
Nach Brmun-Achteifeldt bedeutet es einen ^^Cicisbeo^.^-^ Ein
oder- gleiches Geschäft , wie die dnerarii^ hatten die emiflonei
^Gallus''; Rieh, ^Alterthümer«).
Ein t^ eamcUut ist zunächst ein Haarmensch, der üppi
trägt (SuOan. Cal. 35. — MartiaU i2, 70) ; •— sodann der künstlic
Haar trägt (MarHal.1, 73, 8. — 10, SJ, 3, 12). — Daher sa
Comato calvo turpius — d. h. hässlicher, als ein Kahlkopf
ohne) Perrücke; femer sind comati Leute, welche nach Art d<
oder Kind^ lange herabwallende Haare trugen, also im AI
Zierbengel I Stuzer (Rieh. 8. v. comatus) ^).
GtDOi 68.
Von einer ehebrecherisclienKateclin-
menin, wenn sie ihr Kind tödtet.
Hat eine Katediiumene durch Ehebruch
empfangen und es erstickt (getödtet), so
soll sie am Ende die Taufe erhalten.
De catechumena
quae filium n
Catechumena j si
uUerium eonceperit <
eaverit , placuit eat
baptizari.
Canon 69.
Von den verheiratheten Männern,
welche nachher in Ehebruch ver-
fielen.
Wenn Einer, welcher eine Frau hat,
einmal gefallen ist , so soll er fünf Jahre
Busse thun , und so wieder aufgenommen
werden, wenn nicht einegef^rlicheKrank-
heit ihm vor dieser Zeit die Communion
zu geben zwingt; dasselbe wird in Betreff
der Frauen zu beobachten seyn.
De viris conjugatl
in adulterium i
Si quis forte ha
rem sernel fuerit lap8\
tum quinquenmum
bere poenitenüam et
ciUari, nin neceseitc
tatii coegerit ante te
cammtmionem: hae ei
minas cbservandtsm.
Gegen aduUeri sind die Canones 2, 7, 18, 30, 31, 47
es, 68, 70, 78.
') Becker, Gallus, 3 Ausg. von 1863, v. Rein, 2, 138; 3, 197. — Ten
/eminar, l. 2, cap, 7 — structores capiUaturae, — Böttiger, »Sabina", 1, 143.
^PJotina% S. 232 flg.
Caoon 70. 71. 72.
181
Casai 79.
m FrauMi, welche mit Vor-
i ihrer Männer Ehebruch
treiben.
1 eine Frau mit Wissen ihres Män^
brach begeht , so soll ihm auch am
e Communion nicht ertheilt wer-
mh er sie aber veriässt, so soll er
in Jahren die Communion empfan-
nn er sie nemlich, nachdem er um
hebruch gewusst, einige Zeit in
Hanse behalten bat
De feminiSy quae consciis
viris adtUterant
Si cum eonscierUia mariti uxor
fuerit moeckata, plactdt nee in
piem dandam ei commumo-
nem: ai vero eam reHquerit^
poit deoem tmnos €Keipiat com-
munionem, ti eam cum seiret
aduUeram äliguo tempore in
domo 8ua retintät.
CaeoD 71.
Ton Enabenschandem.
^enschändem soll auch am Ende
imunion nidit ertheilt werden.
De sttipratorUms puerorm^.
Stupratoribus puerorum nee
in finem dandam e$86 eommu-
fUonem.
>er die Verbreitung dieses Lasters bei den Alten s. u. a. „Gallus^
Msker — Rein, 1863., Bd. 3, S. 66—67 und W. Rein: Römisches
h^cht, 1844, S. 863— 868.
Udod 72.
m unzüchtigen Wittwen, wenn De viduis moechis si cum-
diher denselben zum Manne dem postea maritum duxe-
nehmen. rint
m eine Wittwe Unzucht getrieben,
^ nachher denselben zum Manne
ist sie nach voUbrachter gesez-
r Busse von fünf Jahren durch
Eununion mit der Kirche zu ver-
: wenti sie, nach Yerlassung yon
einea andern zur Ehe nimmt, so
ancfa am Ende die Communion
1 ertheiien; oder wenn Jener ein
i;er ist, den sie nimmt, so soll er
oh seim Jahren, nach vollbrachter
8i qua vidua fuerit moe^
chata et eumdem poitea habu-
erit mOritum^ post quinquennii
tempus acta legitima poenitentia
placuit eam communioni recon^
eiliari: ii alium duxerit rekkto
iUo, nee in flnem dandam e$9e
eommunionem; vd si fuerit üle
fidelis quem aeeepü, commu"
nionem non accipiet, nisi post
deeem annoi acta Ugiäma
9»
132 Fünftes Bach. Die Synode von Elvira.
gesezmässiger Busse, die Communion em- poeniteniiay vel si
pfangen,weiin nicht etwa Krankheit nötbigt^ coegerit velodiua dari
ihm früher die Communion zu ertheilen. nwnem.
Corp. jnr. ean. e. 7. Causa XXXI. QuaesU 1.
CaBOD 7a
Von den Angebern. Bi ddatoribt
Wenn ein Gläubiger ein Angeber ist^ Delator H qim exU
und durch seine Angaben Jemand pro- Ua, et per ddaJtkmcm
scribirt oder getödtet worden ist, so soll quis fuerit pro$cnptu8
er auch am ]£nde die Communion nicht fectut, placwt eum rui
empfangen: ist die Sache weniger erheb- aceiperecommtmumen,
lieh gewesen, so wird er nach fünf causa fuerit, intra (
Jahren die Communion empfangen: ist nium aecipere poterii
er ein Catechumene, so soll er naeh nionem; si catechun
fünf Jahren zu der Taufe zugelassen erit, post quinquermv
werden. admütetur ad baptisTi
Corp. jur. ecmon. e. 6. — Causa V. quaest. 6.
In dieser Zeit trieben besonders die frumerUarü das 6es
Anklägerei im grössten umfange. Sie waren die privilegirtej
Spione, die Verwalter des öffentlichen Fuhrwesens, die durcl
Anklagen oder den Schrecken davor namentlich in den e
Provinzen die angesehenen Leute auf das schändlichste branc
Schon Hadrian bediente sich ihrer als Spione. Später vn:
als Botschafter und selbst zu Executionen gebraucht, weil si<
hinkamen. ^Eine Bande böser Menschen, unter hoher Protec
genseitig sich stüzend und haltend, diesen hilf loa gegenüber die
altangesehenen Familien in Gallien, Hispanien oder Syrien, g
und zu den grössten Opfern genöthigt, um nicht als Theiln<
erdichteten Verschwörungen denuncirt zu werden. Später, i
stantin, der die Angeber hasste — (Gesez gegen Delatoren voi
— Co€L Theodos. X. 10 — ) kam die Saqhe wieder auf, nur untc
Namen ; abermals waren es die Uebernehmer des kaiserlich«
Wesens, welche als „Agtntes in rebus^^, als „Veredarii^^ jene sei
Rolle weiter spielten^ — (Burckhardt, die Zeit Constantin^s des
1853, S. 73— 74, und daselbst die Belegstellen). Unter Constan
erreichte das Spionenwesen seinen Höhepunkt (Ser. Hist. Aug. „h
— „Commod." 4. — Maximus et BaUnnus, <kq>. 10. — Clauf^
cap, 17. — AureL Victor ep. Caes. 39—41.)
Caiton 74. 75.
Csnra 7i.
den falschen Zeugen.
«^er Zenge wird , jo nacbdem
De falsis tcstibus.
autem non probaverit oattvento
cUto, placuit per ^itin^tcn-
i tacuerit Änstotiä, und in der
Faitu» teHU prout at cri-
echen Mt, ausgeschlossen wer- mm abatinetiütir : ti tarnen non
1 jedoch dasjenige nicht lebcns- fiteril mortaU quod olijecU, et
ist, was er angezeigt, und er ca prohaverit, quod non tacuerit,
1 wird er dafür, daas er niclit ge- biennii tempore abilimbUur f «i
hftt, irwei .Jahre ausgeschlossen
enn er es aber vor dem versam-
eroa nicht beweist, so soll er
: auageschlossen bleiben,
findet hier an dem Worte nor,
iie Lesart; diu tacuerit, durch keine aito Handschrift unter-
Jagegen i«t in der Interpunktion ein doppelter Irrtbmn durch
reiber in den Canon gekommen, der darum auch theiis nicht
i, tbeils miss verstau den wurde. Es musa nicht interpungirt
t probaverit quod Tum tacueril, liimnii Umport abttinebitur , aon-
robaverit, guod non tacuerit, ete. Wenn er seine Anklage be-
1 er desswegen, weil er nicht geschwiegen bat, zwei Jahre
i; — und es darf nicht hciaaen; « autem non proliavcrü, con-
' placuit per quinqttennium abitineri, sondern: «i nun proliaverit
ero : wenn er seine Anklage nicht vor dem yersammelten Clenu
»U er ftlnf Jahre Busse thun.
CtHB 79.
en, welche Priester oder De Mb, qui sacerdotavd
nklagen, ohne ob zu be- ministros accusant nee
probant.
Si qtäi autem epiieopum vel
prabytenm vd. dfoconum faUia
criminxbv» appetierit et probare
non potuerü, nee in finem dan-
dam ei eue communionem.
weißen.
tber Jemand änen Bisdiof oder
ler Diakon mit falsehen Inzieh-
t und sie nicht beweisen kann,
-uch am Ende die Communion
alt werden.
I, 14.
ncDDl; MM Uatträ — die scbverere Leiarl? Dr. Niekes lieit allzu ge-
eoKoattm darieenm placuit (a. •■ 0. S. 37 — 43), wodoreb er lich selbit
cntiadni«« des CsDoni anmSglich machl. Daraach dürften «eine Worte :
. dem Dr. Hetele iit es nicht gelungen , dasaelbe (den CanoD.T S. 38) für
ikonfl vor Aenderang und falte her Auslegung iicher in «lellen- — auch
D ibre AnweadoDg finden-
134
Fünftes Buch. Die Synode von Elvira.
Gmioi 7%.
Von den Diakonen, wenn es er=-
wiesen wird , . dass sie vor ihrer
Würde gesündigt haben.
Wenn ein Diakon ^ich ordiniren lässt,
and es sich nachher erweisst, dass er eine
Todsünde begangen hat, der soll, bei
freiwilligem Bekenntnisse, nach vollbrach-
tieir gesezmässiger Busse, nach drei Jahren
die Communion empfangen; wenn ein
anderer ihn entdeckt hat, so soll er nach
fünf Jahren vollbrachter Busse die Com-
manion mit den Laien empfangen dürfen.
De diaconibus, H ante ho-
norem peceasse proba»Uur.
Si qui9 diaeanum se pemd'
itrü ordinari et poBtea fuerU
detectus in crimine mortis quoi
aliquando eommiserüj si tpotdi
fuerit confofsus, placuü em
acta legitima poeniUntia pott
triennium accipere eomwunkh
nem: quod si alius cum däS'
xeHt, post quinqumnium ada
poenitentia accipere communis^
nem Imcam debere^
Ccftnmunio Icdca ist offenbar Laiencommunion , und falsch die &
klärung des Gonzalez Tellez, es sei ihm nur der Umgang mit Laien
gestattet gewesen.
Ctnon 77.
Von den Getauften, welche vor der De haptizatis, qui nondum
Firmung erterben. confirmati moriuntür.
\
4
Wenn ein Diakon, welcher eine Ge-
meinde ohne Bischof oder Presbyter leitet,
einige tauft, so wird sie der Bischof durch
die Segnung vollendein müssen: sind sie
aber vorher aus dem Leben geschieden,
so wird Jeder unter dem Glauben, welchen
Si gtiis diaconns regens pU'
htm sine episcopo vel presbyten
aliquos baptizaveritj episcopm
eos per benedictionem perfUtH
debebit; quod si ante de saeaii,
recesserintj sub flde qua qsk
credidit poterit esse justus.
er gehabt, gerechtfertigt werden.
Diess entspricht der Eirchenlehre , dass die Firmung nicht absolut
nothwendig zum Heile ^ei. Aus diesem Canon erhellt, dass es Gemein-
den ohne Priester gab, die nur unter Diakonen standen.
Ctnon 78.
Von verheiratheten Gläubigen, wenn
sie mit einer Jüdin oder Heidin Un-
zucht begangen haben.
Wenn ein verheintheter Gläubiger (ge-
taufter Christ) mit einer Jüdin oder Heidin
De fidelibus conjugatis si
cum Judaea vel gentUi
moechatae(i) fuetinL
Si quis fldeUs haben» uxc
rem cum Judaea vel gentiH
begebt, so soll er von der Com-
reme gelialten werden. Wenn
'er ihn entdeckt, so soll er itach
massigen Busse von fünf Jahren
^ommoDioD des Herrn wieder
imen.
- *
18&
fiierit moechatus , a eommu-
nionc arceatur: quod n aliv»
eitm detexerit, pant qttitu/ueri-
niiim acta Inßtima pomitcntia
polerü dominicae sodari com-
munioni.
qni taiiidam lu~
dunt.
Si quit ßiieli) aUam, Ut at
lab'dam luierit nummi», pla-
cuit eitm abalirfri , et li emen-
Canon 79.
len, welche mit Würfeln De hts
spielen,
ein Gläubiger mit Würfeln , dsH
Ti Warfelbrette um Geld spielt,
usgeschlossen werden; wenn er
rt und es aufgiebt, so wird er datu»re(tavcrit,pt>itannumpo-
m Jahre wieder zur Gemein- Itril crnimunioni recondlinri.
elaasen.
s Spiel mit Würfeln und um Geld, das später in Spanien auch
estrsft wurde, weil es u. a. zu vielen blutigen Streitigkeiten
kb, wurde zu Elvira unter doppeltem Anlass verboten, weil
Vörfeln Gözenbilder, besonders das der Venus stand (Juomal
MC. de tranguillat. 14. — Priron. Sat. J-J. — Martial. 14, 17. —
taii'is 71 — ul qviiqite canem, aut saitonem miserat — tollebat
qui Venerem jectrat. — Canit, der Hundswurf, war der schlecli-
f; bei dem Wurfe 8mio zeigten alie Würfel die Zahl sechs;
wurf war der beste — ProperL 4, 9, 19; Horat. eattn. 2, 7, 25.-
&Dt. lUch unter „aibavua, latrtmculi, latrvnetdaria Uända" —
eil dieses Spiel an sich einen unsittlichen Charakter hat,' als
el um Geld ■). — Auch bei den alten Römecn war das Spiel
strenge verboten').
CUOB 80.
1 den Freigelassenen. Be liberti'<.
a verbieten, dass nemlich Frei- Prohibendum, ut libtrti, guo-
deren Patrone in der Welt rum patroni in »aeeulo fuerint,
ht unter den Clerus aufgenom- ad elerum non promoveantur.
en.
r, Galloi, 3, 252—266 CS. 325-343 der 3. Aufl. v. 1863) .die geselligen
', iil der ADsichl, dass auf den virr Würfeln keine Figaren, aondero
I gewesen, und dass der, welcher vier vecsebiedene Zahlen geworfen,
«DDiworf gethan habe (S. 32Sl.
, S. 333-34.
▼OB ElTiia. C
*21
Die FrageUsseDim
■ heidnischen)
81.
_- . rarie Ler Fraaen. De feminar^m fj
Ne faninac *u> _r
que maritorum norr.i
da scribere audeant, c
mnt, vel liUerag air.
ficas cid Buum mA^j'
8cripta$ accipiani.
lusLt in ihrenii
;jjKr 9aaner. an Laien
.^jiiuüüc sind, zu schrei-
aoch aach sollen
[irca Xamen geschrie-
Tun Irgendjemand
.:w .*t
^^^
jiiua. Jer mehr eine Warnung, als ein Vertvjt
XI ier miditigem, oder vorherrschenden sociaiec
:.4 11 5«Hiuien. ,Ich würde,*' sagt Carter (2,284', -k
. ««aui .eil ;ille Grebräaclie erzählen wollte, welche di(
^ .toMcirti beibehalten haben. Eine Frau nimmt in ;^
gu >aat^a ihres Mannes an, und verliert bei dcj
«^. jiu ^iipfn* Der Sohn hat die Freiheit, sich nach sein«
j^utar MnMr lu nennen, und wählt gewöhnlich den N:
-dtiulii». nach dem spanischen Sprichwort:
El hijo de ruyn Padre
Ttama el apelUda de la Madre,
^ S'üu euM« K^n Vaters nimmt den Namen der Mutter ai
A^iuv .*«K-b. das» das Concil den Frauen nicht verbietet, E
:&viu y.uuilivunamen zu schreiben, sondern nur gebietet, diis;
Vjk«A*%*^^ 'hi-w Mannes beifügen sollen. Daher wohl die vielen
.•^tt\« » v^j^anion. Diess ist einmal Vulkssittc, und scheint a
i»va» >»;rtJkllKrh oder verwerflich zu seyn.
Sechstes Buch.
Hosius von Corduba.
Erstes Kapitel.
•ritt v«i der Synode von Elvlra bis zur Synode von Nicfta,
306—325.
Vor, wahrscheinlich nach der Niederlage des Maxentius kam der
iMliof Hosius zu dem Kaiser Constantin, aus welchem Anlasse — ist
ebt bekannt Eusebius erzählt, dass, als Constantin die Vision des
(des Labarum) am Tage, und wieder in der Nacht hatte , er die
der ihm verborgenen Lehre, das ist die Bischöfe, zu sich
srief , welche ihn über das Zeichen und die Lehre vom Elreuze unter-
iditeten , und welche er in seine Nähe und in seinen Rath zog ^).
Man glaubt, unter denselben sei Osius gewesen (Tillemont, Ceillier
La.). — In einem im Anfange des Jahres 313 geschriebenen Briefe an
3idlian , Bischof von Carthago , dem er 3,000 Folles für die Bedürfnisse
cmer Gläubigen zuweist, heisst es u. a.: „Wenn du die erwähnte Summe
riüütst, so wirst du dir Mühe geben, dass an alle oben Erwähnte nach
lern an dich von Hosius gerichteten Breve — dieses Ge^d vertheilt
nrde^).^ — Daraus geht wenigstens hervor, dass Hosius imBathe des
sase.
*) EuHb. k e. 10, 6. — Nicephor. h. «. 7, 42. — Bar<mim, 312, 92.
138 Sechstes Buch. Erstes Kapitel.
In dem Streite der Donatisten vertrat Hosiim ei&ig die Sache der i
Katholiken. Dies erhellt aus den von den Schismatikern ihm gemachtea ;,
Vorwürfen. Obgleich er dem Kaiser im Ganzen zur Milde rieth, so i
beschuldigten ihn die Donatisten dennoch, dass er den Kaiser g^gen mt ;.
eingenommen habe; er habe dem Bischof Cäcilian von Carthago geholfen, r
und Viele zur Gemeinschaft mit demselben gezwungen. Er habe den j
Constantin zur Härte gegen sie vermocht. Aus diesen Vorwürfen gehen s
die Verdienste des Hosius hervor*). ,i
Dieser wohnte der Synode von Arles im J. 314 nicht an, sei 6i^ ;.
dass er an der Seite des Kaisers blieb, sei es, dass er auch den Scheüi 'i
der Partheilichkeit meiden wollte , und er sich schon gegen die Donatisteii »i
ausgesprochen hatte. Es ist allgemeine Annahme, die ich firüher auek -;_
getheilt, dass Hosius bis zum J. 325 in der Nähe des Kaisers geblieben sei ^
— Heute bin ich zweifelhafter Ansicht geworden« — Denn am 18. April ,
321 erliess der Kaiser Constantin an Hosius ein Dekret, worin die Sclavea ,=
als Freie erklärt werden, deren Freilassung in Gegenwart der Bischdft ^
und der Kirche, oder durch Geistliche in irgend einer Weise ausge- .
sprechen worden sei. Daraus geht nicht hervor, dass Hosius zur Zeit ^
des Erlasses dieses Dekretes sich in der Nähe des Kaisers befand. ^
Der Heide Zosimus erzählt, wegen der Hinrichtung des Crispus und
der Fausta, und des Eidbruches gegen Licinius habe Constantin^ ge* .
stachelt von seinem Gewissen, sich an den Neuplatoniker Sopat^ ge> ^
wendet, um entsündigt zu wenden. Auf die Antwort, für solche MkM
thaten gebe es keine Sühne, habe sich ein aus Spanien nach Rom ge> '
kommener Aegyptier durch die Frauen am Hofe in die Nähe des Kaisea
gedrängt, und den Kaiser überzeugt, dass das Christenthum jedeMiaee- /
that tilge ^). Darauf hin habe der Kaiser seine Bekehrung zum Christen-
thum durch den Bau einer neuen Hauptstadt, und durch das Verbot '
heidnischer Orakel kundgegeben. Gegen diesen Bericht ärgumentirt
Sozomenus (1,5), dass Crispus im 20. Jahre des Constantin 326 — 2?
ermordet worden, während Constantin schon vor dem Kriege mit Maxen- *
tius Christ gewesen sei. Etwas Wahres aber mag an dem Berichte des ^
Zosimus seyn. Hosius, denn dieser war der Zauberer, der Magier , cter
Aegyptier des Zosimus , welcher sich den mächtigen Einflojss' des
grossen Mannes auf Constantin nicht anders , als eine Verzauberung i»
selben denken konnte, kam vielleicht wieder aus Spanien im J. 323 — 21
zu dem Kaiser, und gewann alsbald seinen frühem, ja einen grossem
Einfluss, als früher.
Constantin sandte im J. 324 den Hosius aus Aiilass des Streue»
über die Osterfeier, und wegen der Unl*uhen, welche Anus zu Alexan*
') Augustin, contra epUiolam Parmmianif lf4 — 5,
^ifg ytyofjuyog, — ^b«. 2^ 29.
Hotiiia TOQ der Synode voa Elviim bis zur Synode von Nic&a, 306 — 325. 139
cien liet'vuigerufen hatte, in diese Stadt, um den Frieden su yermitteln.
]m darf annahmen, dass Hosius soweit des Griechischen mächtig war,
■i er ohne Dohnetschw seine Mission rollziehen konnte. Hosius war
87 — 68 , Athanasius etwa 24 Jahre alt Damals wohl lernten sich
der Grosse und Athanasius. der Grosse kennen, deren innige und
■srtrennliche Freundschaft eine so rührende Erscheinung in ,der Ge-
ludite des vierten christlichen Jahrhunderts ist. Hosius war der Ueber-
JDger des bekannten, yielleicht von Eusebius von Nicomedien inspirirten
Bhreibens, worin Constantin seine vollkommenste Unwissenheit über
m Kern des Streites kundthut, und beide Partheien, den Bischof
Isländer und den Kezer Arius, auf gleichem Fusse behandelt (EuBeb.
t GmtL 2, 6*3. — Soerai. 1,7)^). Hosius liess sich hier in theologische
!ii{Nitationen ein, indem er, dem Sabellianismus gegenüber, Wesen und
iononen in der Gottheit zu erklären und zu unterscheiden suchte.
Jbsrt de Broglie , von dessen berühmten Werke : ^Die Kirche und das
imische Reich im vierten Jahrhundert^, zur Zeit vier Bände erschienen
■d, hat, wie mir scheint, von der geistigen Kraft des Hosius eine viel
■ niedrige Vorstellung. Er sagt u. a.: „es war ohne Zweifel ein sehr
Allendes Vorkommniss , welches die frivole Bevölkarung von Alexan-
EMD (anm Spotte?) erregen musste, aus den fernsten Ländern des
bsnds eiaen Bischof ankommen zu sehen, welcher nur das Lateinische
«ach, und ausserdem ohne Reinheit und mit einem Prövinzialdialekte,
m m der gebildetsten Stadt, welche ein Product der griechischen Cir
üinlkm war, eine der schwierigsten Fragen lösen sollte, welche in
SB wechselseitig sich berührenden Gebiete der Theologie und Philo-
ipfcje vorkommen können').^ ^
Wir sehen uns umsonst nach Gründen um, die eine so geringe
ismnng von den geistigen Gaben des Hosius rechtfertigen. Es wird
igends aosdrücklioh bezeugt, dass Hosius auch das Griechische ge-
vocheii habe, wohl nur, weil es sich von selbst verstand. Denn dass
awipoc a^wxiCroVf w Svofia für ^y'Oöiofy fAiäg de rüv ev r^ '/axccvioc xoAtuv ovo/ua
Kovd^ovß^ (Corduba), vxij^x'^ ixiönoßcog' jraw re ccvrov i^cuta, Kai öta ri/ut^
fyer 6 ßccöUso^; ef. e. 8. — ro de juxxov (in Alexandricn) extxpareOrepov ^ xal
riff Tov ßaöüJiac Oxovd^^ xai d^iomörucg rov dutxovrfOauevov rolg y^äfLuoUSiy. —
SowmeHu» 1, 16, — xdfixei ayÖQa tov ayuff avTW xiorei xai ßita exiö^fiov^ xai
redp vMi^ rov öoyfAarog opuokoyiatiQ «v roii n^oö^^ey x^^^ ev^oxitiipcöra. — if¥ de
«eror '€}0tog 6 Ho^Sovßi^ knißwiMoq,
^ Ahtrt de BrogUe^ rigUie ei Fempire romain au qiKUrihne sikcU, Bd. 1 and 2 er-
fchienen 18Ö6, und enthalten die Regierangszeit des Kaisers Constantin, Bd. 3
■nd 4 erschienen 1859, and enthalten die Regierangszeit der Söhne Constantin^s,
and die Zeit des Apostaten Julian. Der Verfasser macht Gebrauch von der
Conciiicngeaehtchte des Dr. Hefeie» und findet sich als Laie und Staatsmann
in der Kirchengeschichte weniger zurecht, als in der politischen Geschichte.
140 SechitM Buch. Entet Ka^teL
er den Vonis ea Nidia geffihrt, ynrd von allen sog^gebeD. Ein Ym^ i
fidzender aber mius die Verhandlangen leiten; er mnm die Bednar v». i
stehen, und mnss den Inhalt der Beden znsammen&sBen kOnnen. Dwi ^
also wSre j^das seltsamste Vorkommniss' gewesen, anf der einen Ssila i
300 Bischöfe, die nur gneclusch sprachen und varstanden, nndtiü^ n
ihnen einen Prilsidenten, der nur lateinisch yerstand und es anliledi x
sprach. j
Welch kolossalen Fehl^ hätte aber Oonstantin g^nacht, wi^l i
w einen Mann als Vermittler nach Alexandrien gesendet, dem db ^
Eigenschaften eines Vermittlers fehlten, mid welch kolossalen FehUr ^
hätte der 67 Jahre alte Hosins begangen , wenn er eine solche SendoDg -^
übernommen hätte, welche schon durch die Lächerlichkeit ihrer Am L
fühmng zu Wasser werden musste? Ebenso ung^ründet ist es, » ^
sagen, Osius sei in Spanien ^fem von jedem Studium^ in dem tiNT* ^
lieferten Glauben auferzogen worden , und dass nur der einfältige Glaobl ^
denselben zu Alexandrien das Richtige habe finden lassen. -^
^Hosius untersuchte,^ sagt Broglie '), ^alles mit G^wissenhaftigkaib ^
Er liess sich Bechenschaft geben sowohl von der neuen Liehre im ^
Arius, als von den andern früher verdammten Irrlehren, zum BeispU ^
von der des Sabdlius, welcher die Arianer ihre katholischen GegiMl ^'
beschuldigten« Osius liess sich in der Bedeutung der griechiaohen Am -
drücke unterrichten, welche ihm sehr fremd waren, er wiederholte stam ..
melnd (hört!) die Worte Substanz und Hypostase, hörte gedold^ dil l
unendlichen Discussionen der Dialektiker von Alexandrien an, dam -^
gab er sein Gutachten ab, und obgleich wir nicht die Ausdrücke dm .
selben besizen, so ist es doch nicht zweifelhaft, dass es zermalmend fkr .
Arius war.**
Aber wie mochte das Gutachten eines die Schlagworte der Contra j
versc „stammelnden^ Greises erdrückend, zermalmend ftir Arius seynl
Einem so wenig gebildeten Manne gegenüber, der in so hohem Ate
erst zu Alexandrien die Anfangsgründe der Theologie sich mühsam be^ ^.
bringen lassen muss, hätte denn doch Arius gewonnenes Spiel gehabt
A. de Broglie beruft sich auf die Worte des Socrates , aber diese sagen
wörtlich '): Osius, der Bischof von Corduba, hat, indem er die Lehre d«
Libyers Sabellius (von welchem die sogenannten Philosophumena dei _.
Origenes gelehrt haben, dass er vierzig Jahre früher [und zwar in
') BrogUtj If 386, — ^,11 se fit ensetgner U sens de terms grecB, qui bti ÜaimU fort
itrangera: U rip^ta en balbutiant les mots de auhstanoe et cP^poMtcue (Socr. 3, 8,) —
puit ü dtmna son opinion, et il n^est pas douteux, qu'eUe fkt accablante p<mr Arms.*
*) "Oßwg yap 6 HoQSwßif^ n^ h 'Joxayia ixiaxoxo^^ — ro £ctfliJlMov rov ^ißvo(
ixßaJieiv doyfia xpoSv/movftevo^y ripf xepi ovOucc ftai wtoffraffeta^ xsxoofrai (iljn^iVy
ifTtf xai aMf erepeef epiOxeJUa^ vxoSeat^ yeyovev. MAa tcrt für ff tr IVtMcaft ixt-
yerofievr; övvodog jrtpi ripf tovtov ^i^nfCiy ovSh Xoyov i^üa^er (muss' hcissen': r^v
Xipl TOVTOV (ifTtfOtv odSk JLoyoo jj(üoeev), Socr,^3f 8 (7).
Honiu TOB der Synode Ton Elvira bis sar Synode von Nicia, 306 — 325. 141
ob] gelebt habe^ als man bie jezt angenommen) widerlegen wollte!^),
1 Akocandrien die Streitfrage über das Wesen und die Hypostase
w^k ovaiae xcri ynoardiceoDg) behandelt ^ was später zu einem andern
den Anlass gegeben hat. Aber die Synode von Nicäa hat diese
mit keinem Worte berührt Das Leztere ist tmwahr. Auch
ein Laie, und kein Theologe er hatte kein Verständniss
li kein Interesse für -theologische Streitfragen. Seiner Tendenz liegt
niher, diese Streitfragen von dem Standpunkte des E^aisers Oonstantin
i betrachten, welchem sie als blosse persönliche Streitigkeiten und
whthahqpeien erscheinen.
Ans seinem Berichte , aus welchem ein indirekter Tadel g^en Oslos
ndurchsehimmert, geht wenigstens so viel hervor, dass. Osius selbst
• l^reitfragen behandelte, um die es sich zu Alexandrien handelte,
id — selbst ein Theologe und gewandter Dialektiker, erstens den Un-
nofaied zwischen Wesen und Person in der götdichen Dreieinigkeit
Bm»riiob und nachwies, indem er sich für die Bezeichnung der Personen
■ Wortes j^ypostase^ bediente, dass er zweitens jener beständigen
Iwdinidignng der Arianer widerlegend entgegentrat, ab seien die Ea-
loliken mit ihrer Lehre von der gleichen Wesenheit des Vaters imd
m Sohnes der Irrlehre des Sabellius anheimgefallen. Die Controversen
megten sich also in ähnlichen Entgegnungen und Gegensäzen, wie die
ü Kallistos, Hippolytus und Sabellius zu Bom um das J. 220^ wie
ie jfes Dionysius von Alexandrien, der Sabeliianer in der Pentapolis,
wtk im Dionysius von Bom um das J. 257, wie die der Eusebianer im
. 341 za Antiochien gegen die Katholiken. Osius zeigte in Alexan-
osn (324 — 25) und musste zeigen, dass die katholische Lehre von der
ottiieit des Sohnes, von der sabellianischen Irrlehre , nach welcher der
lim keine Person, sondern nur eine Erscheinung, ein Durchgangs-
oment der (in ihm menschgewordenen) Gottheit ist, himmelweit ver-
Ueden sei. — Eine solche Disputation hätte ein Mann nicht unter-
dunen und durchführen können, der erst zu Alexandrien angeÜEUigen
Ute, sich mit den herrschenden Streitfragen zu beschäftigen.
In dem von Photius ims erhaltenen Auszuge der Kirchengeschichte
CS Ariancrs Philostorgius wird erzählt, dass vor der Synode von Nicäa
iJezander von Alexandrien nach Nicomedien gekommen, und mit Osius
m Corduba und andern bei diesem befindlichen Bischöfen sich unter-
ledet und es dahin gebracht habe, dass sie — in der feierlichen Form
Synodalabstimmung — den Arius excommunicirt, und die gleiche
')Döninger, Hippolytus und Kallistus, 8.200% Sabellius lehrte um 218
ia Rom. Er wir ein Libyer aus der Peulapolis. Weil derselbe bisher erst im
J. 257 erwihnt wurde, eu welcher Zeit Dionysius der Grosse fge^en seine Lehre
ciosehriti, giaaMe man, dass er erst um diese Zeit in der Pentapolis anfse-
Ireten sei. Cf. Origmi» phÜMopk 9, 10—12.
142 Sechstes Buch. Erstes KapiteL
Wesenheit des Sohnes mit dem Vater ausgesprochen haben. — P
storgius hat zu viele — bewusste oder unbewusste — Irrtfatlmai
arianischen Interesse in Umlauf gesezt, als dass diese seine Aii|
weil sie vereinzelt dasteht, Glauben verdiente^). - •
Sowohl Eusebius in seinem Leben ConstantinS| als Theodoni
Cyrus erwähnen di^ Sendung des Hosius nach Alexandrien, ohne ji|
seinen Namen zu nennen. Eusebius sagt, dass der Ejuser
auf* die Kunde von den in Alexandrien ausgebrochenen Streii
„ergri£fen von dem tiefsten Schmerze, sogleich einen von den
fürchtigen Männern seiner Umgebung, den er genau kannte — ab
durch die besonnene Kraft seines Glaubens probten Mann,
sudem durch das glänzende Bekenntniss des Glaubens in firiihenr'
gefeiert war, als Friedensstifter nach Alexandrien sandte.' Diesen li
nannte Eusebius nicht, aber er kannte ihn?). Er ist gezwungen, üs
loben , aber er thut es mit Widerstreben , und unterdrückt wenigil
den Namen des berühmten, und so hoch in der Gunst des Kii
stehenden Mannes, eines Mannes, weldier, wie er zugestehen 4
nicht bloss der Ueberbringer des kaiserlichen Briefes war, sondern tf
nach den Absichten des Kaisers den Frieden herzustellen suchte. ^
Theodoret, welcher bekanntlich zu gleicher Zeit mit Socratei
Sozomenus seine Kirchengeschichte schrieb, und die historischen
des Eusebius als seine Vorarbeiten benüzte, spricht von der
des Hosius, dessen er später mit hohen Ehren gedenkt, in einer
aus der hervorgeht, dass er nicht wusste, dass Hosius dieser Greoi
nach Alexandrien war. „Als der Kaiser dieses ierfuhr, sandte etf^
die Quelle der Uebel selbst zu verstopfen, einen wegen seines Sdll
Sinnes vielberühmten Mann mit Briefen ab, um den Streit beizuhl
und die Eintracht in die Gemüther zurückzuführen. Als er sich aU
dieser Hoffiiung täuschte^ so berief er jene berühmte Versanmilung I
Nicäa*).*' Weil hier Theodoret den Gesandten einen „negißöfixog^'j A
>) PhÜMtor^. eecl. hist, 1,7 — öwodtxouc ¥?^<C ayofioJLoy^Cai xapaßMUßd^»
ovCiav Tfä xccrgi rcv viov, xai rov "A^etov axoxtj^v^aöScu,
') Euseb. vitß Constantini 2, 63 — ravra Sk xvSofurog 6 ßcMiXtvg xed rip ^
vxe^aXyrjOag ^ CvyuftOQoy re oixeiav t6 x^ayfia StfUvtKy xapc^^ua n^ <
avrüv Seoöeflcüv , ov ei ifjriOraro Oti^povt xiCretag a^er^ deSoxt/uucfffiuvw <d
loLfJUtQWOfuvov TctiQ vxkp evösfietocf ifioAoyuttc nara rovg efix^Stv /poroüf»'
ßtvOeu el^ijvT^ Tolg narä ripf j4Xi^oyd^euxy du6Tu6n hutifutti' y^aufui ^ i
Mcuorarov SC avrov roig t^ tQeöxeJUotg airiotg exiriStfCiv, Dann folgt da
kannte Brief des Kaisers. Zum Lobe des Hosius aber fugt Eusebius
hinzu: L 2, 63 — dajxowlro Se w rfi ypctf)^ fiovov övfixgdrruvy dJUa nai r^
Horaxdfi^/HxrrfK vevfiari xcdog xayaScfy xai i/v rd xayra &90^ßiff **^f ^ ^
7h dk ^ apa x^sirrov ij xarä ripf rw y^fifjtarog duatondeef,
*) TheoäortL h. eccUg, 1,6 — xai rtva ruv is^ ayxtvoift 4tM^ifioipru¥ «tc rtfw jiJL
yqctfifjuxruy dxiCreüLt.
Hosios Ton der Synode Ton Elvira bis snr Synode von Nic&a, 306—325. 143
aTidberühmten' Mann nennt, und später Eusebius, indem er eine Ueber-
■dift der sn Nicäa versammelten Bischöfe giebt, den Osius gleichfalls
wtfaßöijTog nennt y könnte man vermuthen, dass Theodoret mit diesem
Aidikate den Hosius selbst andeute; aber mehr als eine Vermuthung
jit es nicht Beachtenswerth ist y dass er demselben Scharfsinn —
(ifXiwoui — 9olerUa) zuschreibt.
Auffiiliend ist es femer, dass Osius sich mit einem solchen Briefe
desKiubers senden liess, dessen Inhalt ihm nicht verborgen seyn konnte,
ind der seiner Ueberzeugung entgegenstand. Dieses that Hosius wohl,
toI ihm zum voraus nicht verborgen war, dass die Arianer sich nicht
fBgen, dass aber der Kaiser nachher um so mehr seinem Rathe nach-
geben würde.
f il
Zweites Kapitel.
Hoslus imd die Synode von Nic&a — 325.
§. 1. Der Antheil des Hosius an der Zusammenkunft
Synode.
EosebiuSy Rufinas, Socrates, Theodoret und Sozomenus/ —
haupt die Zeitgenossen schreiben die Initiative in der Berufunf
Synode von Nicäa dem Kaiser zu. Von keiner Seite wird des Pi
erwähnt. — Der Kaiser aber war kein Theolog, und hatte dieses kü
durch seinen Brief nach Alexandrien bewiesen. Er wollte äussern Fi
haben, er verstand vom Dogma nichts, und betrachtete jeden
darüber als Wortgezänke und Liebe zu dem Streite. In dieser Me
wurde er von seinen Hofleuten, und besonders den Eusebianen
stärkt.
Aber Constantin verstand eben so wenig, wie das Dogma, e
Hierarchie und die Regierung der Kirche. Ihm lag es nahe,
einen Machtspruch den Frieden äusserlich herzustellen. Ihm lag es
den streitenden Partheien absolutes Stillschweigen aufzulegen, da in {
Augen Alexander ebenso Unrecht hatte, als Arius, ja wohl gröe
weil er den Arius excommunicirt, imd seine Sentenz der ganzen f
mitgetheilt hatte. Es musste Jemand da seyn, welcher den Kais«
den Umfang wie auf die Grenzen seiner Macht aufmerksam m
und ihm i^eigte, auf welchem kirchenrechtlichen, und allein giltigei
entscheidenden Wege er den ausgebrochenen Streit schlichten k
Nicht er sollte der Kirche den innern Frieden geben ; er sollte ab<
Kirche Mittel und Wege geben, sich selbst den gestörten kirch
Frieden wieder zu geben; er sollte die Kirche veranlassen, sich
ihren eigenen Glauben auszusprechen. Bis jezt hatte es sahl
redenden Bischäfe Aea Oriente berafen; aber diese Synode
ente allgemeine, nicht bloss, veil ihre BeschlUise von der
irdut angenommen wurden , und die ganze Kirche Terbindende
icht bloss, weil die Zahl der hier versammelten BischSfe weit-
ler war, als sie auf einer frühern Synode gewesen, sondern
h desshalb, weil in den Legaten des Papstes, dem Bischöfe
od den Presbytern Vitus und Vincentius, einerseits die gesammte
lea Abendlandes, anderseits das von Christus gesezte Oberhaupt
ia Tertreten und erschienen war.
lAbendläudem war es leichter und natürlicher, sich dem Primate
ÜKhea Papstes zu fügen und zu beugen, den Orientalen war
Imrer nnd femer liegend. Von den Ländern des Orients war
^ ausgegangen, und verbreitet worden naeh dem Occident,
tima von Jemsalem, von Antiochien und Algxandrien konnten
>U eines hohem Alters rHhmen, als die rSmiache Kirche. Petrus
BT neben Jahre vorher erster Bischof von Antiochien gewesen,
M«r Bischof von Rom warde. Indem aber die dreihundert
h Tersammelten orientaliscbea BiscbSfe nach der Reihenfolge
dcBcbriften feierlich den Vorrang der rfimischen Kirche aner-
'i W diese Synode die erste allgemeine Synode der ganzen
— £s handelte sich damals nicht um das Recht, sondern um die
>%keit der Berufung einer allgemeinen Synode. Der Papst
HM nicht bloss vennSge göttlichen Rechtes, sondern auch ver*
■Mnischen Rechtes — beut zu Tag« und in spüterer Zeit diese
■( Faktisch gieng die Berufung der craten drdi im Uoi^enlande
XD Synoden znerst von den Kaisem aus; und indem die Päpste
I fügten , erkannten sie damit keinenfalls das diesafallsige Recht
tt an. sondern sie nahmen die Thatsache der Bemfime an. Veil
146 Sechstel Boch. Zweites Kapitel.
Eklektiker und Dilettant, w'ire nie zu einem solchen Entschlnsae
kommen 9 wenn nicht Bischöfe oder kirchliche Männer ihn dahin gebi
hätten. Als nach ,der Synode von Nicäa die Eosebianer und
bischöfe überhaupt sein Ohr hatten y war er diesen unbedingt su
Der grosse Athanasius musste fallen y und der elende Arius musste f
bilitirt werden, weil der willensschwache Ejuser unter dem Drucke I
Beratfaer stand. Jezt, vor und zur Zeit der Synode von Nieäa, bea
sich Constantin kirchlich, und überschritt wenigstens nicht in wesendil
Stücken die Grenzen seiner Macht Warum? Weil er jezt kircU
und charakterfeste Rathgeber an der Seite hatte. Sie alle übdj
Hosius, dessen imponirender, die Geister beherrschender PersSnlidl
sich der Kaiser um so lieber beugte, weil er voll der Hochachtang;
dem grossen Manne war, dessen Gleichen er bis jezt unter den dl
liehen Bischöfen noch nicht gefunden zu haben glaubte.
Constantin kannte nicht den Nuzen und die Nothwendigkeit
Synoden. Qsius kannte sie besser, als irgend einer seiner Zeii
£^ hatte in einer Synode zum erstenmale die Kirche von Spaniea
einigt und geeinigt Jeart wollte er die ganze Kirche durch das
einer Synode einigen. Niemand hatte — nach meiner Ueberzeoj
einen grösseren Einfloss auf die Berufung dieser Synode, also
grösseres Verdienst um die Berufung der allgemeinen Synoden,
mand leugnet z.B., dass an der Berufung der dritten allgemeinen
Nestorius den grössten Antheil hatte — 431. — Warum sollte mif;
Antheil des Hosius an der Berufung der ersten Synode leugnen? j
Doch es fehlt an positiven Beweisen, und es scheint verdiv
dass Eusebius, im Grunde der einzige gleichzeitige Berichterstatter f
die Synode, über diese Sache hinweggehet — Aber Eusebius, deral
seinen Helden rühmen und verherrlichen will , dessen Leben Co
ein fortlaufender Panegyrikus ist, hat nichts weniger als eineGes
der Synode von Nicäa geschrieben. Er hat dicke Pinselstriche zu
sten seines Helden aufgetragen; er erzählt einige Aeusserlichkei
Nebensachen, dagegen von den Verhandlungen selbst nichts, weHj
der Verlauf derselben persönlich zuwider war, und er selbst daria.!
tragisch- komische, d. h. eine traurige Rolle gespielt hatte. Ihm ko|
der grosse Antheil des Hosius an dem Zustandekommen and i
Ghmge der Synode nicht verborgen seyn. Er konnte ihm nicht bbA
als gram seyn, und, selbst Hofbischof, — konnte er nicht anden
eifersüchtig auf den Einfluss des Hosius auf den Kaiser seyiL
Sein Schweigen beweiset nichts.
Ein anderer Zeitgenosse hat über die Synode von NiCäa niolit
schrieben. — Die Schrift des Athanasius : De decretis Nicaenae StflnOi
— enthält keine Geschichte des äussern Verlaufes der Synode, sonc
') AtkanoM. op. ed. Maur, 1, 164" 187.
^eit, bexiehungs-weise Unwissenheit erhellt anch daraoa, daas
m Sylvester den Juline ala rfimischen Papst jener Zeit neimt
t abfaSng^g Ton der Erzählung des Easebini ist Tbeodoret,
ueh Ensehius) berichtet, dase der Kaiser jene vielgenaiinte
. Ni<Aa. versammelto '). —
«OB erscheint demnach als einziger Berichterstatter. Da Hosiua
n Vorsizender der Sjnode war, Eusebius aber davon nichts
U, — so erscheint auch sein Schweigen in vorliegenden Falle
tUch, wenigstens sla verdächtig. Rufinus von Aquileja, der
t und Fortsezer des Eusebius, weiss nicht viel mehr, als dieser,
findet sich bei ihm die vielleicht aus der mündlichen Tradition
aDO Notiz, daas Constantin „auf den Rath, oder nach dem
t«n der Bisdiöfe" die Synode nach NicSa berufen habe*),
it bei diesen „Bischöfen" znerat an Osios, den Rath und Ver-
ha Kaisers, denken müsse, kann wohl nicht bezweifelt werden.
Kschöfe mögen seinem Rathe beigestimmt haben; er war aber
Iv änäussreichste Rathgeber , und selbst der nnwiirdige Eusehitu
omedien konnte nicht gegen ihn aufkommen.
gauMse des RuSnus war der Aquitanier Sulpicios Sevems. Bei ihm,
1 ^aüger Geschichte" einzelne Detaiiangaben über die Eirchen-
tl des vierten Jahrhunderts von grossem historischem Werthe
^ sind, findet eich die positive Angabe, dass nach der Ueber-
ds Zei^Dossen Hosius der Veranlassor der Sjnode von Nic&a
«Die Synode von NicSa kam, wie man glaubte, auf
Btreiben zu Stande" (Ijlieama »ynodua ouetore illo coirfeeta
')'). Sulp. Severus spricht hiemit [die aUgemeine Anschauung
148 Sechstes Buch. Zweites Kapitel.
jener Zeit, aus; xmdf wie wir bald sehen werden, gaben die
jener Zeit, welche den Osius nicht weniger, als den Athanasins
ein indirektes Zeugniss für die Wahrheit der Thatsache selbst
Mass man zugeben, dass in dem Geiste des Kaisers de^
eine allgemeine Synode zu berufen, nicht allein und ausschlieBslii
wachsen konnte, dass er Rathgeber suchte oder £EUid, muss
geben, dass in dieser Zeit Hosius in dem Rathe des Kaisers den
Einfluss hatte, so wird das positive Zeugniss des Bufinus und noch
des Sulpitius Severus yon grossem Gewichte seyn, während das Seh
des Partheimannes Eusebius diesem Zeugnisse nichts von seinem
nehmen kann. Wenn aber Osius diesen Einfluss auf den Kaiser-
und ausübte, so erhellt, dass er um die katholische Kirche dadurcb
die grSssten Verdienste erwarb , ■. und dam schon wegen diesea
Verdienstes sein Andenken für aUe Zeiten im Segen bleiben man.
§. 2. Hosius fuhrt den Vorsiz auf der Synode von NicSa.
Eine, wenn auch gedrängte, Geschichte der Synode von IfidUflr
schreiben liegt nicht in dem Plane dieses Werkes '). — Hier soll Mt
über dasjenige gehandelt werden , was mit dem Spanier Hosius in (witi^ .
lieber oder angeblicher) Verbindung steht — Die Synode dauerte ns;^
14. Juni bis zum 26. August des Jahres 325. Von abendländisclii''^
Bischöfen, welche der Synode, deren Mitgliederzahl jezt .gewöhnlich dt ^
318 angegeben wird, beiwohnten, werden nur Hosius von Gorclobiy /"
Gäcilian Yon Carthago , Marcus, Metropolit von Calabrien, Nicasiuant^
Dijon, Domnus von Stridon angeführt. ^
') Eine solche findet sich von mir in dem von Aschhach hcransgegebeoen Krehi^
lenikon.
') Marcus Calabriae (provindae Calabriae), während einige Zeilen vorher steht: Mi^ ""
CM« Metropolitanus Calahriensis, Provinciae Africas^ Ccucüianus Ccurthagmemsit. f^
vinciae DcUm<Uiae (Dardaniaef) Bunius Stoborum. Provincias PannoiiuM, Dmttt '
Stridonensis. iVovtnaiae GaUictrum — Nicasius Divionensis. — Manaham , AnhMli ^
»Der Triumph der katholischen Kirche in den ersten Jahrhunderten« — ^*^
üem Englischen v. Reiching — Regensb. 1861 — sagt — 8. 183 — Boaiafi »
schof von Stobi in Macedonien. Die Stadt, welche bei den SchriflstelleaiM^
heisst (Straboy 8, 389, — Ptolem. 3, 13. 34, — Livius, 33, 19, 39, 54.40,^^
— Plin.4, 10. 17)^ dagegen Stopi auf der Tabula PeuHnger. (f) , war spUi«
Hauptstadt von Macedonia salutarts (Forbiger, Handbuch d. alten G^eogiapU^
3»[1848J, S. 1,058), wird in der ersten Unterschrift der Synode von Nidlt^^'^
Provinz Dalmatien, in der zweiten der Provinz Dardanien zugeceeboct, a^j
der Unterschrift: Bornas Triporum. Nach Lequim -^ orisM ekrisÜoHK, nach
strate — Antiquitates scelesiae Ulustr. t 2, nach Carol. a 8. Paulo, nach Binterim!^^
Denkwflrdigkeiten, 1,2, S. 485 flg. gehörte Stobi (es trägt noch heote difli*-
Namen) zur Kirchenprovinz Thessalonich in Macedonien. Dagegen war Scql
(Ptokm. 3, 9, 6. — 8, 11, 5. — Geo^. Rav. 4, 13. — Nicspk, Biymm. 4, 11 -
f. 2. Hoiiiu« rnhrt dirn VorsiE auf der Synode von NicKa. 149
El ü( <»ii gelSafiger Irrthnm , daea das Abendland eu Nicäa nicht
RH) war. Diese Vertretung ist vielmehr unleugbar , und giebt der
Bfinheit der Synode eine verBtärkte Bedeutung.
Uann beachte man , da«s die Art und Weise der Vertretung nicht
Ja&lle oder dem GutdUuken überlassen, daas sie vielmehr zum
/«»tgeBtellt , also auch die Einladungen darnach ergangen waren.
a beachte , dass aus jedem Lande der lateintscbcn Kirche ein Ver-
in Nicäa anwesend war. — Afrika war durch CäciHan, Spanien
irch Hosius, Gallien (Britannien und (rermanien) war durch
s, Italien durch die beiden römischen Presbyter und den Bischof
aos Calabrieu , Pannonien und die angrenzenden Länder waren
Domnas yon Stridon, Illyrien, soweit es lateinisch war, war
Itt durch DaciuB und Buniua vertreten.
er war Voreizender zu Nicäa? — Der Kaiser Constantin eröffnete
ikber Anrede die Synode. Hören wir zuerst den Bericht des
ma CoBH, l 9. c 4. — f\xieop. il, aed. 4, 4) flauptsUdI von DsrdaDieii, und
I de« Etibiichor» von [llyriciim, am diius, und nördlich von Stobi, idd-
«tlich von Kardira, untfr welchem mehrere Biatliümer stunden (Farbiger,
Ifiaby. E> bpitil heule U>kub. An Scodcii, spilet Prima Jusliniano in der
vriat Pntevd.lana, heule Seodur oäet Sculari (Forbiger, 3,844), kann man
>U nicht denken. Der im Jahr 1860 lu Ulm gestorbene Pbilolog Th. L. Fr.
M, welcher in der Geog-raphic der Haemas- Halbinael, wie kaum ein an-
atj, bewandcil war, hat die Schritt dos Kaiscre Con^Unlm des Purpur-
(kMnen — dt firofindit — (de lAemalibutJ ngni Bgzanlini — heiausgegcben —
Vmgae 1847. Darin heitst e»; ixa^ia Maxilmia( IL, üj>' ^i/iäm itöttit S
«< ineral wird genannt Srößoo (Talel, p. 3). — Die» iit wörllleh dem ^W-
i^fot — Reiiebegleiler — des jBngem (de« Gr«mma(ikera) Hieroeles im An-
ige de» secbsteo Jabrhunderlt — enlnommen, der zueril von Caralut • 8. Paulo
deiien ^Gaographia tacra' — Parii 1641; Anut^daa 1704, Fol — edirt,
eder abgedruckt wurde in Äntiquilatet eccieiiae iUoMlralat, Soataa 1697, FoL 2 voL,
d in dem ./nperium orienlaW des Ansel. BandurÜ — Ptirü 1711 — 2 voL Fol. —
■ beate Ausgabe galt die von Wesseling in seinen: ^lUntrana veUraM Ba-
mcrmm'. - Amtulod. 1735, p. 631 - 734. — Einen geringem Werlh legt Tafel
f die Anagabe de* Imm. Becker in Berlin — BonwH 1840. ~- mnen eor-
nen Teit hat Tafel aelbsl aU Anhang la ConalanL Porphyrog. erwähntem
crke — (p. 11 - 17> gegeben. (Diese Ausgabe isl von A. Polthaal: „BBilio-
ca kitorka medä atvi' ~ BeroL 1862 _ uberseheD worden.) Die im J. 1858
(ekündigte Autgabe des .Reise begleiten' v. M. Cb(. MQIIer — in der von
TDin Didot heranigegebenen Sammlung der kleinern griechischen Geographen
isl meinet Witiens noch nicht erschienen. In dem ,/niiai «cefasüinni
OH CemttmL tabjadmtium' von Leo Sapiens (a. 886 — 911) Bndel lieh da*
Mham Stobi Dicht mehr. Bei der Unsieherheit der Lesarien wollen wir
dabingea teilt uja lassen, ob der Bisdiof Bmma Siakarwm, «och BoJiai
ih'gii« nnd Boniiu Triponm genannt, zu den lateiaiscben oder griechitcben
tehfrfen gehört habe. FQr das erslere spricht der Umstand, datt er nnler
■ laleinJBcheD Biaebcfen steht. — Der Metropolit von Calabrien war der
Kbo( von ßheginm.
150 Secbstes Buch. Zweites Kapitel.
Augenzeugen Eusebius^): Nachdem alleBischQfe in den bestuumteni
eingetreten waren , an dessen Seiten sich sehr viele Size befanden,
sich Jeder an seinen Plaz, und schweigend erwarteten sie die
des Kaisers. In Bälde traten die Hofbeamten ein, jedoch nur
die gläubig waren; und als sofort die Ankunft des Kaisen
wurde, standen alle auf; er aber erschien jezt wie ein Bote Grottetj
Gold und Edelgestein, eine herrliche Erscheinung (besonders i&i
Augen eines Hofbischofes, wie, Eusebius), sehr gross und schlank,
Schönheit und Majestät Mit dieser Hoheit yerband er suglmk
yiel Bescheidenheit und religiöse Demuth, so dass er seine Ai
erbietig zu Boden schlug, und sich auf den für ihn .bereif
goldenen Stuhl nicht sezte, bis ihm die Bischöfe das Zeichen
geben hatten. Nach ihm liessen aber auch sie sich alle auf ihm^
nieder. Jezt erhob sich der dem Ejiiser zunächst rechts sizeac
schofy und hielt an ihn eine kurze Anrede, Gott um seine
dankend. Nachdem er sich wieder gesezt, sprach der Elaiser mit
Stimme also:
„Es war mein höchster Wunsch, meine Freunde, euerer V<
lung mich erfreuen zu können. Ich muss dafür Gott danken,
mir zu allen andern Gnaden auch diese, die allerhöchste, erwi<
nemlich euch alle einträchtig und in einer Gesinnung hier ▼<
zu sehen. Möge kein böslicher Feind dieses Glück uns wieder
und nachdem die Tyrannei des Feindes Christi besiegt ist, soll der'|
Dämon das göttliche Gesez nicht mit neuen Lästeinmgen verfolgen.
Zwietracht in der Ejrche halte ich für schrecklicher und schmerzlich(
jeden andern Ejrieg. Sobald ich durch Gottes Hilfe über die Feinde
hatte, glaubte ich, es sei jezt nichts mehr nötbig, als mit denen,
ich befreit, in gemeinsamer Freude Gott Dank zu sagen. Als ich nun
von euerer Zwietracht hörte, war ich überzeugt, diesen Gcj
keinem andern nachsezen zu dürfen, und habe in dem Wunsche, M
meine Dienstleistung Hilfe bringen zu können , euch schleunigst berd
Ich werde a1)er nur dann meinen Wunsch zu erreichen Rauben, ii
ich die Gemüther aller vereint, und friedliche Eintracht erblicke, nd
ihr, als Gottgeweihte, auch andern verkündigen müsst. Zögert i
nicht, meine Freunde, zögert nicht, ihr Diener Gottes; entfernt
Ursachen des Streites, und löset aUe Knoten des Zwistes durch die
seze des Friedens auf. Dadurch werdet ihr das Gott angenehmste ^
vollbringen, und mir, euerem Mitdiener, eine überaus grosse Fre
bereiten.*'
Also lässt Eusebius den Kaiser sprechen ^) , wobei er sicher Ein
von dem Seinigen beigemischt hat. — Theodoret , dessen Bericht i
0 Nach der Uebersezung von Hefele, C. G. 1,267 — 68.
») JSW». viL Comt. 5, 12.
{. 2. Hosiiu ffihrt den Voniz anf der Syoode tod Nic&a« 151
die jSJTüode ansBerordentlich mager ist ') , hat einige fremdartige Beieäse
£eferat über dre Rede des Kaisers gezogen. — Ebenso bat
flieh nur auf den Bericht des £asebius gestüzt. Sosomenos hftlt
^ Reihenfolge der Ereignisse nicht fest, und reiht in der Weise von
j^^Q^ten die einseinen Nachrichten an einander. Die Bede des Kaisers^
^ tf miftiheilty ist offionbar eine Paraphrase oder vielmehr Umstel-
^£ der Bede bei Ensebins^). Beide sagen, dass der Kaiser lat^
^di getpreohen, nachher aber seine Worte von Jemand grieichisch vor-
\ l^^*8^ w<»rden, dessen indess der Kaiser gleichfalls mächtig gewesen,
^. 4^ er Dftchher in dieser Sprache an den Disputationen Theil genom-
^^ Evebius, und nach ihm Andere, sagen, dass der Kaiser nach
sn: Waitigter Bede — das Wort an die Yorsizenden der Synode abge-
^.j iHlea tuibe^). Wer war nun jener Bisdiof, welcher die Empfangsworte
-«;i; Mte Kaiser richtete, wer waren femer die Yorsizenden der Synode?
x: s Ubm Eosebius jenen nicht nennt, scheint er sich selbst damit zu be»
■idmcD. Man wird dabei an jene Kirchweihrede erinnert, welche Eu*
;g^ mKqi im J. 335 nach der Synode von Tyrus — zu Jerusalem hielt *),
, ia wM er aber keineswegs seine rednerische Thätigkeit mit Stillschweigen
ttsgcht, denn er sagt: |,Daselbst haben auch Wir, welchem Grösseres
ikrVadienst anvertraut wurde, mit mannigfachen öffentlich gehaltenen
r zc Baiadas Fest verherrlicht, indem vrir theils die Zier und Pracht der
is; kiii|^eQ Bauten in der Schrift darstellten, theils die prophetischen
^ Qmik ab in dieser Zeit eingetroffene und in dem Baue selbst erfüllte
^ ^olilken*),« — Er erzählt weiter, dass er über den Bau der Basilika
•iBMli verfasst, und es dem Eidser gewidmet habe. „Dieses Budi,^
iw<^fort, „werden wir passend an den Schluss dieses Werkes an-
:^. »n, aad zugleich jene Festrede über die dreissigjährige Begierungs*
^ >^<Mi Kaisers anfügen, welche wir kurz nachher, nachdem Wir nach
e. * ^*"*tttinopel gereist waren, vor dem Kaiser selbst vorgetragen, indem
1^ vir daioals zum zweitenmale in dem kaiserlichen Pallaste den höchst^i
^ , Hsn und Gott aller Dinge mit Lobpreisungen erhoben. Als dieses
''fi^^bto Kaiser hörte, schien er vor Freude aufiBujauchzen ^).
''M machte er auch nach beendeter Bede kein Hehl , als er die an-
^^noden Bischöfe an seinen Tisch zog, und ihnen jedwede Ehre anthat^
^-e^
. T-
i:
^' *) 2Uo(hr. k. eeeU$. 1 ,6.
J* ^Sonm. 1,19.
*) Ib^Sidov rov Jicyov roig r^ ßwodcv jtpoddpotg, Aueb, 3, 13,
£z^ *) Vit Corui. 4, 15 — erSa dij xai ^ fit lg xCn vxhq i^fiaf ayaMv ij^ua/juvot^ fcoi-
MÜtuc Toic *k t6 MOtvov dietiehOi r^ ia^Triv hrifMäfuv,
*) Siehe des Eusebias Festrede (zQ Tynis) in 1. 10 seiner Kirchengeschiehte, wo
er zu zeigen saeht, dass die einzelnen Theile der Basilika eine mjsüsehe Be<*
deutong haben.
^) Oi d^ Mor^ipt^otifjurog 6 rä ^«^ f^^i ycerw/ierta eann.
152 Seclitif« Bicb. Zweitn KapileL
Der Hofbi«ciM>f EiuebiiiSy der das W^rmodhfius in so ngea
Sdiwingimgeii Tor dem Kaiser emporsteigen liess, wchmi aicli
auch sein eigenes Lob ror seinen Lesern zu TerkQiidige&. Es
mir nicht, dass dieser lobhudelnde Hofbisehof es Qber sicfa (
hätte y sich selbst zn verschweigen, wenn er die Aiurede an det
gehalten hätte; er hätte es wohl nicht über sich gebracht, diese)
mitsuthrilen *). Es ist wahr, dass Sozomenns wörtKeh sagt, c
nachdon rieh aDe Bischöfe gesezt, Eusebius Pamphili sich erhob
Anrede an den Kais^ gehalten, und um seinetwillen einen Danl
an Gt>tt Yorgetragen habe, während Socrates des ganzen Vc
nicht erwähnt^). — Dagegen berichtet Theodoret ebenso Im
Alsbald begann der grosse Eusthatius, weldier Patriarch von Ai
geworden war, mit den filumen der Lobeserhebungen das Hi
üjusers zu schmücken ^ und er erwiderte seinen frommen Eifer
bührendem Danke ')» ^— Theodoret verdient soviel Glauben, al
menns, ja er ist kritischer und gewissenhafter. — Für Sozomenu
dagegen, dass es in der Kapitelsüberschrift zu Eusebius — Leb
stantin*s — 3, 11 — heisst: „Stillschweigen der Synode, nachc
Bischof Eiisebius etwas gesprochen hatte.^
Diesen Widerspruch sucht der Herausgeber der Historia U
d. h. de» Scholastikus Epiphanius, welcher im Auftrage Cassioc
drei Werke von Socrates , Sozomenus und Theodoret übersezte u:
arbeitete, dadurch zu heben, dass er behauptet, nach Eusthatius
tiochien habe auch Eusebius Pamphili einige Worte gesprochen *).
Choniat. sagt in seinem „Thesaurus orthodoxae fidei^ (5, 7): „]
bezeugt in dem dritten Buche des Lebens Constantin^s, dass e
in der Synode gesprochen habe. (Nicetas also hält den Eusebii
für den Verfasser der Ueberschriften seiner Kapitel.) Wenn wl
dem Theodoret Glauben schenken, hat zuerst Eusthatius gesproc
wie aber Theodor von Mopsveste schreibt, ist dem Alexander,
von Alexandrien, diese Ehre übertragen worden.*'
Wo Theodor dieses sage, berichtet Nicetas nicht. Von Theod
lorenen Schriften ist besonders durch Angelo Mai Vieles neu auf]§
worden; noch aber fehlt es an Registern^ und es ist besser, in dies<
unvollständig zu seyn , als Tage lang seine sämmtlichen Schriften
sie jezt bekannt sind, zu durchsuchen, bei der augenscheinliche]
schoinlichkeit, nichts zu finden. — Des Nicetas Angabe ist durchai
würdig. Theodor , welcher um 428 starb , und schon um 370 — 38(
*) Ho arthoilt auch Baronius (325,56 — ^), und indirect Tillemont
•) 8oMOm, if iff. -- avcUfrac Eiiöißiof 6 17a/ut^üov Jioyov riva rtä ßceatXei x^
•) Th90d. h, 9. 1,6.
*) Histor, tripart 2, S,
aaidnen war terner berTomgend darch sein hohes Alter, wilh-
dutiiia erst vov wenigen Jahren Patrisrch geworden war. (Er
B87 im Exil.) So begreift man auch, wanun Eusebins den
ndt nennt, dessen entschiedenster Gegner er war.
mos dagegen ist für Euaebius als Redner, erstens well er unter
Hittiint der gelehrteste and beredteste Bischof gewesen, was
nner Weise zugebe, sodann weil » im Eingange seines Werkes
Ntolich haben wir selbst den siegreichen KSnig, als er mitten
Vtnammlung der Diener Gottes sass, durch den Hymnus auf
wu^ährige Regierung geehrt ')." Aber in der eigenen Chronik
«faias heisst es, und zwar zum J. 330: „Das Fest der z^anzig-
ifiegierung des Constantin wurde za Nicomedien begangen,
folgenden Jahre z« Rom gefeiert." In dem — wegen seiner
im Genauigkeit anerkannten „Chronieon patthalt" heisst es zum
Uch dem Beridite über die Synode von Nicäa: Constantin er-
Minen Sohn CoDstans im November zum Augustus, begieng
■ iwsnzigste Jahr seiner Regierung, und feierte die Vicennalien
dnreh glilozende Schenkungen. Frosper berichtet, dass das
Nicomedien und in Rom, Idatius, dass es nur in Born begangen
J. Von Nicäa ist keine Rede; und die Bede, welche Etuebius
!e, Cone. Getcfa. 1,34.
I Hehle trid der HeiDnng de« Valesiu» bei, Codc. Geiefa. 1, 33—34; 1,268.
tarnt, hAb. 6, mt. nr U eoneäa — 6 — nci^ in leiner *tet« «chwanliendeD
I in Alexander. '
ffcle, Jahrbächer der lamiichen Getchiehle — NördlinKen IBM, S. 586. —
1 Born zarüekgekehrl (T) begieng CoDgtanllD leioe 2C|jäbrise RegieruDgi-
bII groisem Pompe — Jnli 325 — nach den F. C. im folgenden Jahre.
itgl. dagegen Idtltr, Ctroa. //., U2 A. —■■ Ckta». poul. p. 282. — Bieb>
Zweites Kapitel.
Hoslns und die JSynode von Nic&a — 325.
§. 1. Der Antheil des Hosius an der ZuBammenkunft der
Synode.
Eusebius, Rufinus, Socrates, Theodoret und Sozomenus,' — über :
haupt die Zeitgenossen sehreiben die Initiative in der Berufung der
Synode von Nicäa dem Kaiser zu. Von keiner Seite wird des Papatei
erwähnt. — Der Kaiser aber war kein Theolog, und hatte dieses kürsBeb
durch seinen Brief nach Alexandrien bewiesen. Er wollte äussern Frieden
haben, er verstand vom Dogma nichts, und betrachtete jeden Streit
darüber als Wortgezänke und Liebe zu dem Streite. In dieser Meinoiif
wurde er von seinen Hofleuten, und besonders den Eusebianem be-
stärkt.
Aber Constantin verstand eben so wenig, wie das Dogma , so die
Hierarchie und die Regierung der Kirche. Ihm lag es nahe, dordi ;
einen Machtspruch den Frieden äusserlich herzustellen. Ihm lag es nahe^ •
den streitenden Partheien absolutes Stillschweigen aufzulegen, da in seinen
Augen Alexander ebenso Unrecht hatte, als Arius, ja wohl grössores, -
weil er den Arius excommunicirt, und seine Sentenz der ganzen Kirche
mitgetheilt hatte. Es musste Jemand da seyn, welcher den Kaiser auf
den Umfang wie auf die Grenzen seiner Macht aufmerksam machte^ .
und ihm zeigte, auf welchem kirchenrechtlichen, und allein giltigen und
entscheidenden Wege er den ausgebrochenen Streit schlichten könnte.
Nicht er sollte der Kirche den Innern Frieden geben ; er sollte aber der
Kirche Mittel und Wege geben, sich selbst den gestörten kirchlicheil
Frieden wieder zu geben; er sollte die Kirche veranlassen , sich über
ihren eigenen Glauben auszusprechen. Bis jezt hatte es BahlreiGhe
f. 1. Der Antheil des Hosim an der Zvaammenkunft der Synode. 145
iioden eiiiBelner LSnder und Theile der Kirche gegeben. Eine all-
meiiie Synode der ganzen Ejrche war noch nicht gehalten worden.
k Synode von Arlee im J. 314 war der Ucbergang von den Prorin-
■kynoden su den allgemeinen Synoden gewesen. Dort war die eine
[ilfie der Kirche , dort waren die Kirchen kteinischer Zunge vertreten
ewesen. Dort waren die Bischöfe aus gans Afrika ^ Italien, Illyrien,
illien, Germanien y Britannien, Spanien zusammengetreten. Der Orient
ar Ton dem Schisma der Donatisten nicht berührt worden. Der Occi-
2Dt war, wenigstens bis jezt, von der Irrlehre der Arianer nicht be-
ihri worden. Für die Synode von Nicäa wurden zunächst nur die
riecfaisch redenden Bischöfe des Orients berufen; aber diese Synode
ar die erste allgemeine, nicht bloss, weil ihre Beschlüsse von der
insen Kirche angenommen wurden , und die ganze Elirche verbindende
raren, nicht bloss, weil die Zahl der hier versammelten Bischöfe weit-
Qs grösser war, als sie auf einer frühem Synode gewesen, sondern
orzöglich desshalb, weil in den Legaten des Papstes, dem Bischöfe
[osius und den Presbytern Vitus und Vincentius, einerseits die gesammte
iTcfae des Abendlandes, anderseits das von Christus gesezte Oberhaupt
er Kirche vertreten und erschienen war.
Den Abendländern war es leichter und natürlicher, sich dem Primate
SS römischen Papstes zu fügen und zu beugen,' den Orientalen war
eis schwerer und femer liegend. Von den Ländern des Orients war
e Kirche ausgegangen, und verbreitet worden nach dem Occident
ie Kirchen von Jerusalem, von Antiodiien und Alexandrien konnten
dl wdd eines hohem Alters rühmen, als die römische Kirche. Petrus
ilbst war sieben Jahre vorher erster Bischof von Antiochien gewesen ,
le er erster Bischof von Rom wurde. Indem aber die dreihundert
t Nidia versammelten orientalischen Bbchöfe nach der Reihenfolge
r Unterschriften feierlich den Vorrang der römischen EJrche aner-
innten, war diese Synode die erste allgemeine Synode der ganzen
irche. — Es handelte sich damals nicht um das Recht, sondern um die
othwendigkeit der Berufung einer allgemeinen Synode. Der Papst
it gewiss nicht bloss vermöge göttlichen Rechtes, sondern auch ver*
Sge historischen Rechtes — heut zu Tage und in späterer Zeit diese
efngniss. Faktisch gieng die Berufung der ersten drei im Morgenlande
shaltenen Synoden zuerst von den E^aisem aus; und indem die Päpste
ch dem fügten, erkannten sie damit keinenfalls das diessfallsige Recht
nr Kiöser an, sondem sie nahmen die Thatsache der Berufong an, ^eil
e ihren eigenen Wünschen entsprach.
Solche Erwägungen und Entschlüsse aber, aus welchen die Be-
ilug der Synode von Nicäa hervorgieng, konnten unmöglich ihren
iteo und einzigen Grund in dem Geiste Constantins haben. Er, der
ir an dem Handgreiflichen festhielt, und sich den Christen zugewendet
atte, weil sie seine Plane am besten forderten, er — ein christlicher
Quu, spsB. Kirche. IL 10
146 Sechstel Buch. Zweites Kapitel.
Eklektiker und Dilettant, wäre nie zu einem solchen Entschliuae ge-
kommen, wenn nicht Kschöfe oder kirchliche Männer ihn dahin gebiii^
hätten. Als nach ,der Synode von Nicäa die Eusebianer und die Hofr
bischöfe überhaupt sein Ohr hatten y war er diesen unbedingt su WiUflB.
Der grosse Athanasius musste fallen j und der elende Arius muaate reha-
bilitirt werden, weil der willensschwache Kaiser unter dem Drucke üUer
Beratfaer stand» Jezt, yor und zur Zeit der Synode von Nicäa, benafan
sich Constantin kirchlich, und überschritt wenigstens nicht in wesentlidMi
Stücken die Grenzen seiner Macht. Warum? Weil er jezt kirehlioha
und charakterfeste Rathgeber an der Seite hatte. Sie alle übemgl
Hosius, dessen imponirender, die Geister beherrschender PersSnIichhjl
sich der Kaiser um so lieber beugte, weil er voll der Hochachtung yor
dem grossen Manne war, dessen Gleichen er bis jezt unter den chriii
liehen Bischöfen noch nicht gefunden zu haben glaubte.
Constantin kannte nicht den Nuzen und die Nothwendigkeit der
Synoden. Osius kannte sie besser, als irgend einer seiner. ZeitgenosMk
£^ hatte in einer Synode zum erstenmale die Kirche von Spanien Te^
einigt und geeinigt Jeset wollte er die ganze Kirche durch das Mittd
einer Synode einigen. Niemand hatte — nach meiner Ueberzeagung «^
einen grösseren Einfluss auf die Berufung dieser Synode, also auch eia
grösseres Verdienst um die Berufung der allgemeinen Synoden. Ifis»
mand leugnet z.B., dass an der Berufung der dritten allgemeinen Synoll
Nestorius den grössten Antheil hatte — 431. — Warum sollte nuai im
Antheil des fiosius an der Berufung der ersten Synode leugnen?
Doch es fehlt an positiven Beweisen, und es scheint verd3lcb%
dass Eusebius, im Grunde der einzige gleichzeitige Berichterstatter Qbör
die Synode, über diese Sache hinweggehet — Aber Eusebius, der allek
seinen Helden rühmen und verherrlichen will , dessen Leben ConstaiitiM
eia fortlaufender Panq^kus ist, hat nichts weniger als eine Geschichli
der. Synode von Nicäa geschrieben. Er hat dicke Pinselstriche su Ott*
sten seines Helden aufgetragen ; er erzählt einige Aeusserlichkeiten wi
Nebensachen , dagegen von den Verhandlungen selbst nichts , weil ifatt
der Verlauf derselben persönlich zuwider war, und er selbst darin ein
tragisch- komische, d. h. eine traurige Rolle gespielt hatte. Ihm konnls
der grosse Antheil des Hosius an dem Zustandekommen und des
Ghudge der Synode nicht verborgen seyn. Er konnte ihm nicht andei%
als gram seyn, und, selbst Hofbischof, — konnte er nicht anders aif
eifersüchtig auf den Einfluss des Hosius auf den Kaiser seyn. —
Sein Schweigen beweiset nichts.
Ein anderer Zeitgenosse hat über die Synode von Ni4^ nidit ge-
schrieben. — Die Schrift des Athanasius : De deeretü Nieaenae ßi^nodi ')
— enthält keine Geschichte des äussern Verlaufes i&t Synode, sondern
I) Atkamu, op. «2. Maw. 1, 164" 187.
Der Anüieil des Hosias an der Znaaminenknnft der Synode. 147
twortong von Ein'VTÜrfeii gegen deten Beschlüsse; und ist erst
S60 und 354 yer&sst. Es handelte sich ihm besonders nm die
;iing des Wortes: dptoovaioq. — Socrates, welcher 100 Jahre
Synode sclnrieb j giebt einen theils wörtlichen y iheils sachlichen
18 des Eosebios Geschichte Constantins *). — Sozomenus führt
) des Eusebios fast i^örtlich an, und fügt nur bei, flass der
des KMsen (nach Alexandrien) Hosius inrar. Ucber die Be-
ir Synode sagt er kurz: ^AIs der Gesandte ohne Erfolg ssu-
B, so berief der Kaiser eine Synode nach Nicäa^).* — Seine
gkeity be^ehungs weise Unwissenheit erhellt auch daraus, dass
60 Sylvester den Julius als römischen Papst jener Zeit nennt
0 abhängig von der Erzählung des Eusebius ist Theodoret,
nach Eusebius) berichtet, dass der Kaiser jene vielgenannte
1 Ni<äUt versammelte*), —
MOS erscheint demnach als einziger Berichterstatter. Da Hosius
m Vorsizender der Synode war, Eusebius aber davon nichts
11 , — so erscheint auch sein Schweigen in vorliegendem Falle
dich, wenigstens als verdächtig. Rufinus von Aquilqa, der
or und Fortsezer des Eusebius, weiss nicht viel mehr, als dieser*
findet sich bei ihm die vielleicht aus der mündlichen Tradition
ne Notiz, dass Constantin ^auf den Rath, oder nach dem
en der Bischöfe'^ die Synode nach Nicäa berufen babe*)^
f bei diesen „Bischöfen^ zuerst an Osius, den Rath und Ver-
» Kaisers, denken müsse, kann wohl nicht bezweifelt werden.
Sschöfe mögen seinem Rathe beigestitiimt haben; er war aber
r einflussreichste Rathgeber, und selbst der unwürdige Eusebius
nedien konnte nicht gegen ihn aufkommen.
enosse des Rufinus war der Aquitanier Sulpicius Severus. Bei ihm,
jyheiliger Geschichte^ einzelne Detailangaben über die Ejrchen-
I des vierten Jahrhunderts von grossem historischem Werthe
ten sind, findet sich die positive Angabe, dass nach der Ueber-
der Zeitgenossen Hosius der Yeranlasser der Synode von Nicäa
pDie Synode von Nicäa kam, wie man glaubte, auf
treiben zu Stande^ (Jj^ieaena aynodua auctare illo eanfecta
) ^). Sulp. Severus spricht hiemit [die allgemeine Anschauung
f. i, 8.
u 1, 16—^17, ixtl axgcotrog ixemjti 6 rtjv el^irpnjv ßgaßevffai dx€6rttJLfjuvoCy
iii^ 6vvodov ttg Nuteuav r^ BiSvyiag,
loreL k. eec. i, 6 — ixBtSij dt r^ iJüriSo^ i^pevOSTjy rrpf nokod-qvXkrjrw huivrjfv
r JViMeekay övinjyei^e ffvvodov,
. Aüft eee. 1, 1, — 7\iiii iUe ex sacerdotum sententia apwi wrhem Ntcae-
^pweeipdU condUum eotwocaL
C iStMr. hiti, Bocra, 2, 40,
10*
148 Sechstes Buch. Zweites Kapitel.
jener Zeit aus; xmdy wie wir bald sehen werden , gaben die Arianei
jen^ Zeity welche den Osius nicht weniger, als den Athanasins haiwtqi,
ein indirektes Zeugniss für die Wahrheit der Thatsache selbst
Mass man zugeben , dass in dem Geiste des Kaisers dei^ EntscUiiai^
eine allgemeine Synode au berufen , nicht allein und ausschliesslich er
wachsen konnte , dass er Rathgeber suchte oder &nd, muss .man «a*
geben, dass in dieser Zeit Hosius in dem Rathe des Kaisers den gcSssl»
Einfluss hatte, so wird das positive Zeugniss des Bufinus und noch mdki
des Sulpitius Severus von grossem Gewichte seyn, während das Schweqp
des Partheimannes Eusebius diesem Zeugnisse nichts von seinem Wertlf
nehmen kann. Wenn aber Osius diesen Einfluss auf den Ejdser haH
und ausübte, so erhellt, dass er um die katholische Kirche dadurch mk
die grössten Verdienste erwarb , ; und dass schon wegen dieses einiigtt
Verdienstes sein Andenken für alle Zeiten im Segen bleiben muss.
§. 2. Hosius fuhrt den Vorsiz auf der Synode von Nicfta.
Eine, wenn auch gedrängte, Geschichte der Synode von NidUi n
schreiben liegt nicht in dem Plane dieses Werkes '). ^ Hier soll nur
über dasjenige gehandelt werden , was mit dem Spanier Hosius in {mA
lieber oder angeblicher) Verbindung steht. — Die Synode dauerte ▼«■
14. Juni bis zum 26. August des Jahres 325. Von abendländiseha
Bischöfen, welche der Synode, deren Mitgliederzahl jezt gewöhnlich id
318 angegeben wird, beiwohnten, werden nur Hosius von Gordditf
Cädlian von Carthago , Marcus, Metropolit von Calabrien, Nicasius tos
Dijon, Domnus von Stridon angeführt.
') Eine solche findet sich von mir in dem von Ascbbach herausgegebenen Kirthei'
lenikon.
*) Marcus Calabriae (promnciae Cahbnae), während einige Zeilen vorher steht : JKi^
CM« MetropoUtanus CalabriensiB. Promnciae Africaej Caeciliantu CarthagineHm, Br^
vmciae DalnuUiae (Dardaniae?) Bunins Stoborum. Provinciae Pannoniakf Ikmmf
Stridonensis. Provinciae GaUiarum — Nicasius Divionensis. — Manabam , AmbrtNi
»Der Triumph der katholischen Kirche In den ersten Jahrhunderten** — > M*
üem Englischen v. Reiching — Regensb. 1861 — sagt — S. 183 — Bonioi, B^
schof von Stobi in Macedonien. Die Stadt, welche bei den SchriflsteltenSliU
heiflst (Strahoy 8, 389, — Piolem. 3, 13, 34, — Livius, 33, 19. 39, 54. 40, ü-
— Plin. 4, 10. 17) y dagegen Stopi auf der Tabula PeuHnger, (t)^ war sp&teie
Hauptstadt von Macedcnia salutarxs (Forbiger, Handbuch d. alten Qeographic^
3»[1848J, S. 1,058), wird in der ersten Unterschrift der Synode von Nieia dcf
Provinz Dalmatien, in der zweiten der Provinz Dardanien zogerechact, ait ;
der Unterschrift: Bonius Tr^ionon. Nach I^equien ~ oriens ehrisiian,, nubSdtd 1
strate — Antiguiiates ecclesiae iUusir. t 2, nach Carol. a 8. Paulo, nach Binterili
Denkwürdigkeiten, 1,2, S. 485 flg. gehörte Stobi (es trägt noch heute dies«
Namen) zur Kirchenprovinz Thessalonich in Macedonien. Dagegen war St^
(Ptokm. 3, 9, 6. — 6, 11, 5, — Qeogr. Ran. 4, 13. — Nicspk Btymm. 4, 18. -
f. 2. Hosius führt den Vorsiz aaf der Synode von Nic&a. 149
Es ist ein geläufiger Irrthum, dass das Abendland eu Nicäa nicht
Straten war. Diese Vertretung ist vielmehr unleugbar j und giebt der
Jlgfwieinheit der Synode eine verstärkte Bedeutung.
Sodann beachte man , dass die Art und Weise der Vertretung nicht
m Zufalle oder dem Gutdünken überlassen , dass sie vielmehr zum
■aas festgestellt y also auch die Einladungen darnach ergangen waren,
- Man beachte y dass aus jedem Lande der lateinischen Kirche ein Ver-
in Niti&a anwesend war. — Afrika war durch Cäcilian, Spanien
durch Hosius 7 Gallien (Britannien und Germanien) war durch
, Italien durch die beiden römischen Presbyter und den Bischof
aus Calabrieu, Pannonien und die angrenzenden Länder waren
dreh Domnus von Stridon, lUyrien, soweit es lateinisch war, war
ieUeieht durch Dacius und Bunius vertreten.
Wer war Vorsizender zu Nicäa? — Der Kaiser Constantin eröffiiete
i feierlicher Anrede die Synode. Hören wir zuerst den Bericht des
Anna Comn, L 9. c, 4. — Procop, d, aed, 4, 4) Hauptstadt von Dardanien, und
8iz des Erzbischofs von lUyricum, am Axius, und nördlich von Stobi, süd-
westlich von Sardica, unter welchem mehrere Bisthümer standen (Forbiger,
3, 1,095). Es heisst heute Uskub. An Scodra, später Prima Justiniana in der
Provinz Praevalitana, -heute Scodar oder Scutari (Forbrger, d> 844), kann man
wohl nicht denken. Der im Jahr 1860 zu Ulm gestorbene Philolog Th. L. Fr.
Tafel, welcher in der Geographie der Maemus- Halbinsel, wie kaom ein an-
derer, bewandert war, hat die Schrift des Kaisers Constantin des Purpar-
gebornen — de provindia — (de thematibus) regni Byzantini — herausgegeben —
TMMgae 1847, Darin heisst es: ijta^x^ Maxedoviag 11.^ wp* i^tfAova jroXii/p 8
und zuerst wird genannt Zroßov (Tafel, p. 3). — Diess ist wörtlich dem Svy-
aohifiOQ — Reisebegleiter — des jungem (des Grammatikers) Hierocles im An-
fange des sechsten Jahrhunderts — entnommen, der zuerst von Carolus a 8. Paulo
in dessen „Geographia sacra* — ParU 1641; Amsterdam 1704, FoL — edirt,
wieder abgedruckt wurde in Antiquitates ecclesiae iUustrataef Romae 1697, FoL 2 voL
and in dem „Imperium Orientale*' des Anscl. Bandurii — Pcaris 1711 — 2 voL FoL —
Als beste Ausgabe galt die von Wesseling in seinen: pitineraria veterum Ro-
«MMomm«. — Amstelod. 1735, p. 631 - 734. — Einen geringern Werlh legt Tafel
aof die Aasgabe des Irom. Becker in Beriin — Botmae 1840. — Einen cor-
reeten Text bat Tafel selbst als Anhang zu Constant. Porphyrog. erw&hntem
Werke — (p. 11 — 17) gegeben. (Diese Ausgabe ist von A. Potthast ; pBibUo-
d^Ka kistorica medü aevi'^ — BeroL 1862 — übersehen worden.) Die im J. 1858
angekündigte Ausgabe des »Reisebegleiters** v. M. Chr. Müller — in der von
Firmin Didot herausgegebenen Sammlung der kleinern griechischen Geographen
— ist meines Wissens noch nicht erschienen. In dem „Index eceluiarum
tkrano Constant, subjadentium^ von Leo Sapiens (a. 886 — 911) findet sich das
Bistbam Stobi nicht mehr. Bei der Unsicherheit der Lesarten wollen wir
et dahingestellt seyn lassen., ob der Bischof Burnus Stoborum, aueh Bodius
Siobiorum und Bonius Tryaorum genannt, zu den lateinischen oder griechischen
Bischöfen gehört habe. Für das erstere spricht der Umstand, dass er unter
den lateinischen Bischöfen steht. — Der Metropolit von Calabrien w^r der
Bischof von Rhegium,
150 Sechstes Buch. Zweites Kapitel.
Augemseiig^n Eusebios ^) : Nachdem alle BiscbQfe in den bestiiiimten C
eingetreten waren , an dessen Seiten sich sehr viele Size befanden, heg
sich Jeder an seinen Plaz, und schweigend erwarteten sie die Ankoi
des Kaisers. In Bälde traten die Hofbeamten ein^ jedoch nur soldi
die gl&ubig waren; und als sofort die Ankunft des Kaisers gepieU
wurde y standen alle auf 3 er aber erschien jezt wie ein Bote GpotteSy .t<
Gold und Edelgestein^ eine herrliche Erscheinung (besonders in di
Augen eines Hofbischofes, wie, Eusebius), sehr gross und scUank, n
Schönheit und Majestät Mit dieser Hoheit verband er sugleich sd
viel Bescheidenheit und religiöse Demuth, so dass er seine Augen el
erbietig zu Boden schlug , und sich auf den für ihn .bereitstehend!
goldenen Stuhl nicht sezte, bis ihm die Bischöfe das Zeichen dazu g
geben hatten. Nach ihm liessen aber auch sie sich alle auf. ihre &
nieder. Jezt erhob sich der dem Kaiser zunächst rechts sizende B
schofy und hielt an ihn eine kurze Anrede, Gott um seinetwill^
dankend. Nachdem er sich wieder gesezt, sprach der Elaiser mit sanfll
Stimme also:
„Es war mein höchster Wunsch, meine Freunde, euerer Yersama
lung mich erfreuen zu können. Ich muss dafür Gott danken, daiA.
mir zu allen andern Gnaden auch diese, die allerhöchste , erwiesen
nemlich euch alle einträchtig und in einer Gesinnung hier
zu sehen. Möge kein böslicher Feind dieses Glück uns wieder
und nachdem die Tyrannei des Feindes Christi besiegt ist, soll der
Dämon das göttliche Gesez nicht mit neuen Lästerungen verfolgen,
Zwietracht in der Ejrche halte ich für schrecklicher und schmerzlicheir:^
jeden andern Krieg. Sobald ich durch Gottes Hilfe über die Feinde
hatte, glaubte ich, es sei jezt nichts mehr nöthig, als mit denen,
ich befi:*eit, in gemeinsamer Freude Gott Dank zu sagen. Als ich nun ^^
von euerer Zwietracht hörte, war ich überzeugt, diesen Gegen^i^
keinem andern nachsezen zu dürfen, und habe in dem Wunsche, dva\
meine Dienstleistung Hilfe bringen zu können , euch schleuiMgst benzAi
Ich werde aber nur dann meinen Wunsch zu erreichen Rauben, wei
idi die Gemüther aller vereint, und friedliche Eintracht erblicke, weld
ihr, ah Gottgeweihte, auch andern verkündigen müsst Zögert lii
nicht, meine Freunde, zögert nicht, ihr Diener Gottes; entfernt al
Ursachen des Streites, und löset alle Knoten des Zwistes durch dieG
seze des Friedens auf. Dadurch werdet ihr das Gott angenehmste We
vollbringen, und mir, euerem Mitdiener, eine überaus grosse Freu*
bereiten.^
Also lässt Eusebius den Kaiser sprechen ^) , wobei er sicher Einig
von dem Seinigen beigemischt« hat. — Theodoret, desäen Bericht üb
•) Nach der Uebersezung von Hefele, C. G. 1,267 — 68.
*) Eu8, Vit, Comt, 3, 12.
%. 2. Hoflias flUirt den Vonis aaf der Synode von Nicäa. 151
& Synode «osserordentlidi mager ist *) ^ bat einige fremdartige Beisäse
Referat über die Rede des Kaisers gezogen. — Ebenso bat
sieb nur auf den Beriebt des £usebius gestüzt Sozomenus bXit
is Reihenfolge der Ereignisse nicht fest^ und reibt in der Weise yon
JttMdoten die einaelnen Nacbricbten an einander. Die Bede des Kaisers^
ik er mitdieilt| ist ofiGonbar eine Paraphrase oder viebnebr Umstel-
Jng der Bede bei Eusebius^). Beide sagen ^ dass der ELaiser latei-
gesproobeni nacbber aber seine Worte von Jemand grieobiBcb vor-
worden, dessen indess der Kaiser gleicbüedls mächtig gewesen^
^ er nachher in dieser Sprache an den Disputationen Tbeil genom-
mok habe.
Euaebius, und nach ihm Andere, sAgen, dass der Kaiser nach
Wttkdigter Bede — das Wort an die Yorsizenden der Synode abge-
tMca habe *), Wer war nun jener Bisdiof , welcher die Elmpfangsworte
m den Kaiser richtete, wer waren femer die Yorsizenden der Synode?
^iAjiu Eusebins jenen nicht nennt, scheint er sich selbst damit lu be-
vädmen. Kan wird dabei an jene Kirchweihrede erinnert, welche Eu-
^ «Am im J. 335 nach der Synode von Tyrus — zu Jerusalem bieh *),
^ VDhd er iber keineswegs seine rednerische Thätigkeit mit Stillschweigeiti
ttsgdit, denn er sagt: „Daselbst haben auch Wir, welchem Ghrösseres
nac Ihr Verdienst anvertraut wurde, mit mannigfachen öffentlich gehaltenen
* n: Undis Fest yerherrlicht , indem wir theils die Zier und Pracht der
ce Uni^ifihtti Bauten in der Schrift darstellten, theils die prophetisoben
.^^ Gtteke als in dieser Zeit eingetroffene und in dem Baue selbst erfüllte
:bt: ^"Alhn*).« — Er erzählt weiter, dass er über den Bau der Basilika
fli Aeb verfasst, und es dem ELaiser gewidmet habe. „Dieses Budi,''
Abt er fort, „werden wir passend an den Schluss dieses Werkes an-
1^, isiieB; und zugleich jene Festrede über die dreissigjährige Begierungs-
rc^^- iflft dei £siBers anfügen, welche wir kurz nachher, nachdem Wir nach
. c Goattintinopel gareist waren, yor dem Kaiser selbst vorgetragen, indem
<?r m dunals zum zweitenmale in dem kaiserlichen Pallaste den höchsten
* B&m und Gott aller Dinge mit Lobpreisungen erhoben. Als dieses
dbr gotigeliebte Kaiser hörte, schien er vor Freude aufisujauchzen ^).
Jkmea machte er auch nach beeildeter Bede kein Hehl, als er die an-
den Bischöfe an seinen Tisch zog, und ihnen jedwede Ehre antbat^
*) neodor, k, eedea, 1, 6,
*) Saxam. 1, 19.
') [JetQiSidcn rcv JLcycr roig r^ öwodov jt^edpoif, Aueb, 3, 13,
*) ViL Contt, 4, 45 — ivSa dij xai ^fJLel^ rtäv vjrk^ fffiöcf ayaMv ij^uafuvoi^ xot'
miJLeuf ralf Ue ro xoiyov SteUe^eÖt n^ io^r^ irifM&fuy.
*) Siehe des Easebius Festrede (za Tyrns) in 1. 10 seiner Eirchengeschiehte, wo
er zu zeigen sacht, dass die einzelnen Theile der Basilika eine mystische Be-
deutung haben.
152 Sechst» Bocli. Zweites Kapitel.
Der Hofbiflchof Ensebius, der das Weihrauch&M in so ungemeeseneB i
Sohwingangen vor dem Kaiser emporsteigen liess^ scheut sich nicht, i
auch sein eigenes Lob vor seinen Lesern zu verkündigen. Es sdieint s
mir nicht, dass dieser lobhudelnde Hofbischof es über sidi gebradit i
hXtte, sich selbst zu verschweigen, wenn er die Anrede an den Kaissr c
gehalten hätte; er hätte es wohl nicht über sich gebracht, dieselbe nicht i
mitiutheilen ^). Es ist wahr , dass Sozomenus wörtlich sagt , dass , •— i.
nachdem sich alle Bischöfe gesezt, Eusebius Pamphili sich erhoben, eina 9
Anrede an den Kaiser gebalten, und um seinetwillen einen Dankhymm m
an Gt>tt vorgetragen habe, während Socrates des ganzen Voi^ganga %
nicht erwähnt^). — Dagegen berichtet Theodoret ebenso bestimmt: e
Alsbald begann der grosse Eusthatius, welcher Patriarch von Antiodiia l.
geworden war, mit den filumen der Lobeserhebungen das Haupt dsi -
Kaisers zu schmücken > und er erwiderte seinen frommen Eifer mit ge* =
bührendem- Danke ')• — Theodoret verdient soviel Glauben, als 8010- s
menus, ja er ist kritischer und gewissenhafter. — Für Sozomenus sprioiil ^
dagegen, dass es in der Kapitelsüberschrift zu Eusebius — Leben Ood- j:
stantin's — 3, 11 — heisst: „Stillschweigen der Synode, nachdem der "
Bischof Eusebius etwas gesprochen hatte.^ ^^^
Diesen Widerspruch sucht der Herausgeber der Histaria (ripatliltif ^
d. h. des Scholastikus Epiphanius, welcher im Auftrage CSassiodor^s dfa j^
drei Werke von Socrates, Sozomenus und Theodoret übersezte und üb» :
arbeitete, dadurch zu heben, dass er behauptet, nach Eusthatius von Ab- ^
tiodiien habe auch Eusebius Pamphili einige Worte gesprochen *). Niostei ^
Choniat. sagt in seinem „Thesaurus arthodoxae fidei*' (5, 7): „EaseUv ^
bezeugt in dem dritten Buche des Lebens Constantin^s, dass er saent ^
in der Synode gesprochen habe. (Nicetas also hält den Eusebius sdbit
für den Verfasser der Ueberschriften seiner Kapitel.) Wenn wir jedoch .
dem Theodoret Glauben schenken, hat zuerst Eusthatius gesprochen, —
wie aber Theodor von Mopsveste schreibt, ist dem Alexander, Bisdutf
von Aleyandrien, diese Ehre übertragen worden.^
Wo Theodor dieses sage, berichtet Nicetas nicht Von Theodor^s ve^
lorenen Schriften ist besonders durch Angelo Mai Vieles neu au%eftmdeB
worden; noch aber fehlt es an Registern j und es ist besser, in diesem Falb
unvollständig zu seyn, als Tage lang seine sämmtlichen Schriften , soweit
sie jezt bekannt sind, zu durchsuchen, bei der augenscheinlichen Wah^
scheinlichkeit, nichts zu finden. — Des Nicetas Angabe ist durchaus glaub-
würdig. Theodor, welcher um 428 starb, und schon um 370—380 blühte.
') So artheilt auch Baronios (325,56^59), und indirect TillemonL
*) 8o3um. i, Iß. — avaffrcBg E^ißuK 6 Uafi^ülav JLoyov riva rä ßaaUei jr^ipttfifSif
Med SC €wra¥y rä ^a xo^i^^*^ v^uvov,
*) Theod, h, 6. i, 6.
*) Histor. tr^KorU 2, 5,
f. 2. Hotins führt den Vonis aaf der Synode von Nicäa. 153
kt «in nlherer Zeiigenowey und verdient in dieser Beziehung mehr Olau-
bca. als die jüngeren Sosomenus und Theodoret Theodor's Worte, dass
die Sjnode dem Alexander diese Ehre anvertraut habe, sind an sich
^bobwilrdiger. Denn einmal geht der kirchlichen Bangordnung nach
ileiandrien vor Antiochien *) ; wenigstens wird in dem berühmten Canon 6
nm Nicäa der Patriarch von Alexandrien vor dem von Antiochien ge-
■mnt Auch stehen in der Beihenfolge der Unterschriften zu Nicäa
ladi OainB und den beiden römischen Presbytern zuerst die Bischöfe
von Alexandrien und seiner Kirchenprovinz. — Der Bischof Alexander
v«a Alexandrien war femer hervorragend durch sein hohes Alter, wäh-
rend EnsthatiuB erst vor wenigen Jahren Patriarch geworden war. (Er
ilarb um 337 im Exil.) So begreift man auch, warum Eusebius den
Bedner nickt nennt, dessen entschiedenster Gegner er war.
ValeBioB dagegen ist für Eusebius als Redner, erstens weil er unter
allen anerkannt der gelehrteste und beredteste Bischof gewesen, was
ick in keiner Weise zugebe, sodann weil er im Eingange seines Werkes
nge: ,, Neulich haben wir selbst den siegreichen König, als er mitten
ia der Versammlung der Diener Gottes sass, durch den Hymnus auf
leine xwanzfgjährige Regierung geehrt ^).^ Aber in der eigenen Chronik
des Eusebius heisst es, und zwar zum J. 330: „Das Fest der zwanzig^
jUiz^;en Regierung des Constantin wurde zu Nicomedien begangeui
and im folgenden Jahre zu Rom gefeiert.^ In dem — wegen seiner
Ustorischen Genauigkeit anerkannten „Chronicon poBchdU^ heisst es zum
J« 325 y nach dem Berichte über die Synode von Nicäa: Constantin er-
nannte seinen Sohn Constans im November zum Augustus, begieng
aaek das zwanzigste Jahr seiner Regierung, und feierte die Viccnnalien
ni Rom durch glänzende Schenkungen. Prosper berichtet, dass das
Fest in Nicomedien und in Rom, Idatius, dass es nur in Rom begangen
worden*)« Von Nicäa ist keine Rede; und die Rede, welche Eusebius
■) Hefele, Conc. Gesch. 1, 34.
*) Auch Hefele tritt der Meinung des Valesius bei, Conc. Gesch. 1, 33-34; 1,268.
TUlemomif mim. 6j not, nw U eonciU — 6 — neigt in seiner stets schwankenden
Weise za Alexander. *
*) Scheiffele, Jahrbücher der römischen Geschichte — Kördlingen 1853, S. 588. —
•Naefa Rom zurückgekehrt (?) begieng Constantin seine 20jährige Regierungs-
ieier mit grossem Pompe — Juli 325 — nach drn F. C. im folgenden Jahre.
— Vetgl. dagegen Ideler, Chron, II. , 442 Ä. — Chron. pasch, p. 282. — Rich-
tiger, wie mir scheint, sagt in seinen: „Armalea veUrum regnorum et populorttm
imprimia r&manomm eonfeeti'' a Cor. Tim. ZumpHo, tertium ediL ab Aug. WUh. Zumptio
— Berotimi 1862 — p. 180 der Verfasser und Herausgeber : Jahr 326 — Bomae,
Auf dem Weg« dahin hatte Constantin den Crispus und den Licinianns in
Folge der Verleamdnng (der Fausta) ermorden lassen, worauf auch, nach Ent-
deckung des Betruges, Fausta sterben musste. Romae vicennalia sua circa Idus
JmUas agitat HtUna morbo decedit (Äug. 18), ao Romae s^elitnr^ tUHieta Borna,
quam mrmu non videat, Comtaniinu* Sirmium petit.
154 Sechstes Bach. Zweites Kapitel.
gebalten, wurde darum wohl zu Nicomedien vorgetragrä, waaidi natifa>
Lieh immer eine grosse Menge von Bischöfen aufhielt, sei ea, daas fi«-
sebius im Juli 325 sich von Nicäa dahin begab, sei es, dass dieses Feit
erst 326 zu Nicomedien begangen wurde. Constantin aber koante so-
wohl im J. 325 als 326 seine Vicennalia begehen, denn im J. 906
war er Cäsar, im J. 306 Augustus geworden.
Bei Baronius zu Ann. 325 — 55 ist die angebliche Rede des Eaaduh
tius an den Kaiser mitgetheilt, die yiele Merkmale der
sich trägt, in der es u. a. heisst: Pakt glorifieatur, /Utui wmA
Spiritus aaneiuB (mnunciatur, trinUas eomuManiiaUB, tma dkrinäas ii
Mbu8 peraonü et hypottoiibus (warum nicht vtl oder u e* kf^oiiaiibmli
pruedieaiur. Die weitern Worte: Ariut nobis, qui a futcre aecepUdmm
minationem, oraUom» eauta eH et eonveniu»: qui neado quamodo alieetm
in preabyteratum ecclesiae AUxandrinae ^ nos UOuit, cum esaei aiimui s
doetrina — apostolorum et prophetarum, machen die Aech&eit noch ¥8^
dächtiger, würden aber im Falle der Aechtheit eher auf den PmtriardiSi
von Alexandrien als Redner hinweisen. Den Arius möge der KaiiV
bereden, yon seiner Meinung abzugehen; wo nicht, so möge ihn im
Eiuser völlig aus der Gemeinschaft Christi und der Eircbe entfemeib
So konnte doch kaum ein Bischof sprechen, so konnte wenigstens te
grosse Hosius nicht sprechen. Und hätte ein Bischof in der ecsisi
allgemeinen, im heiligen Geiste versammelten Synode so geeprocbsii
so wäre wenigstens er vom heiligen Geiste sehr verlassen gewesen.
Kommen wir nun zu der Frage des Vorsizes. Eusebius sagt efe
fach, dass der Kaiser die Weiterführung der Synode den „VorsizendeK'f
Toig ngoäSgoigy überlassen habe. Dieses kann im Allgemeinen bedeulaiy
den ersten Bischöfen, den Patriarchen, [wie denn Theodoret, indem er
die Einleitungsrede dem Patriarchen von Antiochien, Eusthatius, so-
schreibt, bemerkt, dass derselbe nach dem Tode des Philogonius -«
Bischof geworden*) — rr^v ngoeSgiav hxxdv — ]; es kann aber auch:
*) T%€odoret. op. «cf. Sirm.-Schuhe (1769) — jrpoedpia ixkhfiiev^ 3, 756 — d«
Bistham — (man könnte es, wenn auch gezwungen, auf den Vorsii der Synode
bezichen): JSvCräStogy 6 r^ !/4yrioxicjy eMxhjöiagy ripf x^oedpüiv Xeg^ — ▼erfL
Erklär, ad 1 Tim^th, 8, 6 — r^ alctliweiag t6 jtd^og ^ t^ MpotSpuap it^dfUf^s
— (wenn er die Leidenschaft der Ueberhebung aas seinem Episcopate nihrt).
Den Athanasias nennt Tiieodoret : 6 r^ Idle^ayd^oo rou xecvtv^ifftov xpaeS^
didSoxoc — den Nachfolger des Vorranges des berühmten Alexaader (3,760);
▼on Chrysostomus sagt er, dass er — xoJUcixtc r^ axo(fr(>JUM^ MfOiS^
rcBQ ^^^fxwc de^dfjuyoffy dass er oft vergebens zum Bischöfe ernaant wordefl
sei (3, 935). Cf. 3, 1,139 — x^oed^ d^u^caroäiQ d$mSif¥tu -« et 3, 1,226;
4, 1,313; 3, 803; 4,370. Makarins, der damalige Patriarch tod Jenitalen,
heisst bei Th. 6 r^ xoXtue xqM^ (H. e. 1,17); überhaupt heisst M^otSftf
bei ihm Bisehof — op. 4, 1,189 Bischof von Alexandrien; 4,1,190 — Bisehof
des Morgenlandes; 4, 1,278 — Bisehof von Antiochien; ir^. f% äoUtfam
3,791
1* bei der äyiiode im tibche, so geben uns die Aktenstücke
TarhAadluDgen selbst eine um so bestimmtere Antvoit. Kuh
t aabeatreitbv imd nnwiderleg;Iich Hosius von Cordub« den
BfBbrt, wenn uiders derjenige den YorsiE führt, dessen Namen
1 Unterschriften als der Erste steht — Dass der Kaiser selbst
ratender sejo konnte « bedarf hier nicht der weitem AusfUh-
' konnte es nicht seyn, weil er dazu nicht die Sendung und
theologische Bildung hatte. £r selbst nannte sich mit Becht
"ür die äussern Angelegenheiten der Kirche *). — Für Euetha-
^orsiaenden haben sich verschiedene Stimmen erhoben. Dieser
iDÜdigt Theodoret indirect, oder sucht sie geltend zn machen,
ivch Eusthatius hält nach seiner Darstellung nicht bloss die
Dgsrede an den Kaiser; in einem Sendschreiben an die Manche
^rntesia, OsroSne, STrien, Pbänicien und Ciliiaen sagt er aus-
: kDcd (von uns bekannten) Glauben hat uns gelehrt Jener
welcher durch die Hand des grossen Petrus die Bischofsweihe
EusthatiuE der Grosse , welcher auf der Synode die erste Stelle
und aus Liebe zu der Frömmigkeit die Verbannung erduldete*)."
weniger sagt ein unter den Schriften des Proclus von Conatan-
[ch befindender Brief, welcher den Namen des Patriarchen Jo-
'on Antiochien (um 437) and der Synode des Morgenlandes
f xtpi rwv tvffiänrf ixifuUCTipm ixiSxeifiatSai r^-avrüy rni/^ff turrpitpet
Ux. 1, 8.
n. 1, 17 — !MtertaSia{ — ulttaTtn thai tdo(i ^upor r^ »tfl rai/ra ßovi^,
btDM) GregoriDS Nsiiauz.
) dai K&bere dwübei bei Befeie, C. G. 1, 33.
i»r«. op. 4, 1313 — ^1. Timd. 151. — ^toSvfiJTou xe« reit ~ ftoni-
156 Secbsta« Bach. Zweitet Kapttal.
triigt*), dass Easthaiius unter den Vätern von NicXa der ente in i
Vertheidigang der orthodoxen Lehre war. Allein in die Worte i
Theodoret wird zuviel hineingelegt; denn der berühmte Bischof ii
Cyrus, welcher rieh des Wortes „ngtorevcty^ bedient, yersteht damn
nicht den Vorriz in dem gewöhnlichen Sinne, sondern die henrorragei]
kirchliche Thätigkeit des' Eusthatius zu Nicäa. Er sagt z. B. in ein<
Briefe an Proclus yon Constantinopel , dass der angesehene Laie P
lippus — die erste Stelle, den Vorsiz in der Stadt Cyros einnehme
fhr sagt in dem berühmten Briefe an Papst Leo L vom J. 449: In aU
Dingen gebührt Euch die erste Stelle ^). Er nennt die rSmisdie Eirc
ngoxcc&fjfjiävfj rfjg oixovfiävtjg , ähnlich wie Ignatius sie ngoxct&i^fi^Pfi i
Ayantiq nennt ^). — Der Brief 15 trägt die Ueberschrift: 2tX߀Cv^ ng
reüorci, — Silvano primciH.
Die Worte des Theodoret also bedeuten nidit, dass Eusthatius d
Vorsiz zu Nicäa geführt habe. — Dazu kommt noch (nach Hefele) , di
der Pluralis des Eusebius „die Vorsizenden', und der Rang des'I
triarchen yon Alexandrien vor dem yon Antiochien dagegen spred
Nebstdem sage die Synode in ihrem Schreiben an die alexandrinke
Gemeinde: j,T)ass ihr Bischof Alexander von allem, was geschehe
Leiter und Theilnehmer — xvgiog xai xoircovög — gewesen sei *)."
Matthias Schröckh stellt in seiner Eirchengeschichte ^) die Theoi
auf, dass die beiden Bischöfe Alexander und Eusthatius m dem Vorn
mit einander abgewechselt haben, sie also die „ngöeSgoi" gewesen ae»
Er kann nicht leugnen, dass Osius die Akten als der Erste unterschrii
allein er leitet diess aus seinem grossen Ansehen bei dem Kaiser her.
Diese Behauptung ist ohne Grund. Dass Hosius den Vorsiz gefüb
erhellt imbestreitbar aus den Akten des Concils selbst. Die erste Unt
') Joannes Äntiochenwi epUcopus et Orientis synodus Proclo ConMtantinopolitano. I
Brief ist nur lateinisch vorhanden, dass er aher eine Uebersezung aus d
Griechischen ist, geht aus den Worten hervor: decem miUia libros adversus erro
9cnpto§f und — «iecem müUa mala. Die betreffenden Worte lauten: Apmd hea
simum JEvsthaHum f qui sanctorwn patrum, qui apud Nicaeam congregati hmt, pm
exisiens fidem orthodoxam canßrmavit — wahrscheinlich hiess es: jr^c#r«v0ter <
jtiörtv ogSodo^ov ißeßaicjöiy. — Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Theodo
dieses Schreiben redigirt hat. Denn die Redewendungen gleichen auffalle
dem oben citirten Briefe 151 des Theodoret an die Mönche. Nicephorus C
listi führt über Eusthatius nur die Worte des Theodoret an (kist. ecd. 8, 16),
') Theodoret epist. 47 (4y 1106). — toy jtepißJiexrov ^^üutxov, rw r^ i^ture^ea; i
letag xgtaravOYra (cixntati» nostrae primaten),
*) Theodoret tp, 113 (4, 1187) dta navta yoQ 6ft^ ro x^ioreveiy apfiorret — Va
entsM primae in omnibue tenere, convenit.
*) Dadurch könnte man sich in der Ansicht bestärken lassen, dass dem Theodoi
der Text der ignatiani sehen Briefe vorgelegen und vorgesehwebt habe.
*) SoetoL i, 9.
•) Schröckh, Kircbengcscb., Thl V, 8. 335»
$. 2. Hosias ftthrt den Voniz auf der Synode von Nic&a. 157
scbrift findet sich nach dem Symboliun am £nde der 20 Canones yon
Kida in lateinischer Ueberseasung:
Ottut €pitcapus dvitaÜB Cordubensis provinciae UigpanUu dixit: Ita
9tiö, Hcui tuperiui scriptum ett.
VÜMig (^nicht Victor) et Vineeniiut presbyteri urbiB Romae pro vmenxbiU
jKqMB et epitcopo no$tro saneto Silvestro subBcripsimu», ita crederUts,
aufra $oriptum OL
Dann wird bei den Unterschriften ^ genau wie in Arles, die geo-
giaphische Reihenfolge der einzelnen Länder eingehalten. Eis folgen die
BiNliöfe von Aegypten, voran Alexander Älexandriae magnae, ThebaiS|
Libyen y Palästina (Macarius von Jerusalem als der erste ^ Eusebius von
Cfaarea als der fünfte), Cöle- Syrien, Arabien, Mesopotamien, PersiSy
dum Cilioien, Cappadocien, Armenien, Pontus, Galatien, Asien, Ly-
£ea, Phzygien, Pisidien, Lycien, Pamphylien, die Cycladen, Carlen,
Imrien, C^em. Dann folgt Bithynien, Provinz Europa, Provina
Diden (mit Sardika), Mösien, Macedonien, Achaja, Thessalien, Cala-
UeDy Afrika y Dardanien, Dalmatien, Pannonien, Gallien, Gothien,
Boqpbonis. — Hätte man den Osius und die römischen Presbyter Ehren
Über, etwa wegen der weiten Entfernung ihrer Länder, als die ersten
uA tmterzeichnen lassen, — so wären offenbar der Primas CäciUan
fOD Carthago und die übrigen Abendländer nicht an die lezten Stellen
gekommen.
Eine andere erhaltene Liste der Unterschriften lautet: OeiuB Cordur
Uaää ^piecopus dixit: Sie ,credo, gitemadmodum dictum est. — Victor et
preebyteri romam^ etc. ita credentee, ncut scriptum est^ — Unter-
sind 225 Namen, in der ersten Liste 227 (resp* 225) Namen,
dinmter eine ziemliche Zahl Chorbischöfe *).
Georg Zoc^a und nach ihm Dom Pitra imd Carl Lenormant haben
die Bruchstücke einer koptischen Uebersezung der Akten der Synode
von NicSa mitgetheilt, worin es u. a. heisst: Elenchus episcoporum Con^
eSn Nicaeni super fide^):
Haee sunt nontina episcoporum qui subscripserunt: Uli ipsi qui con^
prspati sunt Nieatae, qui subscripserunt super fide orthodoxa.
Ex Hisipahia Osius civitatis Cordubae : „Ita credo quemadmodum supra
senptum est^. — Vito et Innocentius presbyteri: „Subscripsimus pro episcopo
9ostro qtä q^iscopus Romae sst; ita credit, quemadmodum supra scriptum est/^
Auch Gelasius von Cyzicus, bei dem sich freilich viele Lni;hümer
finden, führt den Osius überall als Yorsizenden der Synode an.
*) Mwui, a a U 2, €92, 697. •
*) SpicUegvum solemense, t. 1 (1852), p. 513, 516, 529. — Hiezu bemerkt Pitra
(SpidL i, 529): s. Mcam, Canc. L 2, 692 tt 697. Littera 5, in quam deginit, vox
credentes, ob affiadUMUm uit/n proximae vods sicut, irreptiase videtur, Si enim
eredente (wie die koptische Uebersezung lautet) r^tosueriM, texiut copiiau et
158 Sechstes Bach. Zweites Kapitel.
Für den Vorsiz des Osiue zeugen femer zwei Stellen in den Schrifioi
des Athanasius. Die erste ist oben angeführt^): „Wo hätte je eine
Synode stattgefunden, bei welcher er (Osius) nicht den Vorsis gefOhii
hätte? ^) — Dass Athanasius zuerst darunter die Synode ron NitiU md
Sardika verstanden hadbe, wer möchte es leugnen? Auch sieht man
daraus, dass Osius nicht bloss Ehrenpräsident war, oder nicht bloas dift
Ehre hatte, seinen Namen zuerst zu unterzeichnen, sondern eneh*^
Verhandlungen leitete und beherrschte, indem er durch scharfe* nad
richtige Rede, sowie durch die Gabe der Ueberredung — ein gtjbmniäi
Leiter der Menschen war. Was hier Athanasius aus mA qmcht, dsi
wiederholen — nach seinem Berichte — die Arianer bei dem KmiM^
Constantius (im J. 355 und 356). Sie sagen: „Dieser (Osius) ist M
Stande, durch seine Rede und seinen Glauben alle g^en uns su Obop-
reden^ Dieser ist der Leiter der Synoden, und wenn er schreibt, h9Mk
alle auf ihn. Dieser hat auch das Glaubensbekenntnis» in NiiäLa tv-
fasst, und die Arianer überall als Häretiker verschrieen^).'
Es scheint, dass neben dem jung^i Athanasius dem Ghroeseii dtf
alte Hosius der Grosse die Verbandlungen zu Nicäa in erster Linie ge^
leitet und beherrscht habe, der Mann des starken Glaubens ^ und der
Gkbe, alle zu überreden und zu leiten.
Die „Vorsizenden' der Synode (ngöeSQo^f rfjg awöSov — £tiMl.
3, 13) waren demnach Hosius und die beiden römischen Presbytec^
welche nach ihm unterschrieben. Indem aber Eusebius eine Beschrei-
bung der zu Nicäa yersammelten Bischöfe gab, waltet- bei ihm dtf
geographische Gesichtspunkt vor; er beginnt mit dem Morgenlande, nÜ
er schrieb, und schliesst mit dem fernsten Abendlande, von wo HoM
stammte. Aber auch er gab Zeugniss von der Oecumenicität der Synodt
von Nicäa. j^Von allen Kirchen, welche das ganze Europa, Afrika und
Asien erfüllten, waren die auserwählten Diener Gottes versanundit; uad
dasselbe Haus Gottes umfasste Syrer und Cilicier, Phönicier und Arabar
und Palästinenser; zu diesen Aegyptier, Thebäer, Libyer, und die t«s
Mesopotamien. Selbst ein persischer Bischof war auf der Synode, tmd oa
Scythe fehlte nicht in dem Chore; Pontus, Galatien und PamphyUflB^*
Cappadocien, Asien und Phrygien — sandten ihre Auserwählten; aber
latmae verstanes consentient üebrigens habe man sich nach Vergleich der fO^
achiedenen Lesarten dahin zu vergleichen , dass die beiden römischen Presbyter
Vitas (nicht Victor, welcher griechisch immer Saaru^ heisst) and Vinetntiw
hicssen. — Pitra legt auf diese Ueberseznng grossen Werth.
») Bd. 2, S. 5.
*) Äthan, apoL de fitga sua, cap. 5, — fcoia/; yoQ ov nadifj^ccro 9vy6doio^ mä lipß
*) Äthan, ad menachoa, cap. 42 (p. i, 29i ed. Mantf,) — cmmv i^iv h JAp^ mi
xüfm xeiSetv xayrag xetS^ ^fuw, — Oiroq nai «fwodw naSi^yeltai' — einf
med liffß h Nmedp^ Mißrw i^ero (hk Nica/enam fidmn edüHi).
S» 3. Hotias ftthrte den Voni« im Namen des Papstes Sylvester. 159
weh Thnoier und Maeedonier, Adiajer und Epiroten ^ yon welchen
tme am entfemtesten wohnen^ kamen herbei. Ja sogar von den Spa-
war jener viel gerühmte Bischof einer ^ welcher unter den Vielen
Ton der königlichen Stadt (Rom) war der Vorsteher (der Kirche)
Alters weggeblieben y von ihm gesandte Priester aber füllten
Stdle ans (Em. 3,7). — Dagegen führt Socrates (1, 13) den
QmaMy wie er es in den Akten und dem uns verlorenen Buche des Atha-
tmiom — Svpoducög — vorfand, als den ersten unter den Bischöfen zu
KdUt «d: OsiuSy Bischof von Corduba in Spanien, so glaube ich, wie
ei oben' geschrieben ist; von Rom die Priester Vitus und Vincentius;
Alexander ans Aegj^ten ; Eusthatius aus dem grossen Antiochien ; Ha-
Ctfios von Jerusalem, und die Uebrigen.
Die G^esohichtschreiber müssten sich glücklich schäzen (zuweilen auch
sglttcklich?), wenn sie in allen historischen Fragen so sichere Anhalts-
pmkte za einer Entscheidung hätten, wie in der Frage nach dem Vor«
nie m Nieäa. Wer leugnet, dass Hosius den Vorsiz geführet, der
kamt entweder nicht die Ausschlag gebenden Zeugnisse, oder er hat
an IntereiBe daran, die Thatsache zu bestreiten.
§. 3. Hosins fiahrte den Vorsiz im Namen des Papstes
Sylvester.
Horios war aber ein ein£BUiher Bischof; und anders wird er nie ge-
Bamit £ine Metropolitanverfassung gab es damals noch nicht in Spa-
nien; vnd wäre er auch Metropolit von ganz Spanien gewesen, so hätte
ihm diesea keinen Vorrang zu Nicäa gegeben. Dass er in der Gunst des
Kaiaers stand, das theilte er mit vielen Bischöfen zu Nicäa, namentlich den
beiden Eusebius. An Alter, persönlichem Ansehen im Orient und vor allem
an der Bedeutung des Bisthums überragte ihn Alexander von Alexandrien.
Waram war er aber doch Vorsizender? Weil der Kaiser ihn dazu be-
stimmte, oder weil er der Tüchtigste war, kann man sagen. Aber, das
Lestere zugegeben, brauchte er nicht vom Kaiser vorgeschlagen zu wer^
den; denn seine Befähigung hiezu war den Bischöfen sicher besser be-
kannt, als dem Kitiser. Aber Hosius selbst war ein so kirchlicher,
energischer und consequenter Mann, dass er die Uebertragung einer so
überragenden und innerkirchlichen Stellung von dem Kaiser, „dem Bi-
schöfe der auswärtigen Dinge', gewiss nidit angenommen hätte. Der
Wunsch des Kaisers war noch keine Uebertragung des Vorsizes.
Ck>n8tantin, welcher auf den Bath der Bischöfe, gewiss vor allem
des Hosius, die Synode berief » hatte wahrscheinlich dem Hosius die
Verhandlung mit dem Papste (und den Bischöfen des Abendlandes) über-
lassen. .Der Papst war um seine Beistimmung, um seine Mitwirkung,
selbst um sein persönliches Erscheinen «— vom Kaiser (oder vielmehr
naeh dem Wonadie des Kaisers von Hosius?) ersucht worden. Ihm,
160 - Sechstes Buch. Zweites Kapitel.
dem Nachfolger des Petras ^ dem ersten Bischöfe der Christenheit , und
zugleich dem Haupte der übrigen Bischöfe, kam w^en seineB kirdi^
liehen Vorranges (nicht etwa bloss, weil er Bischof der „IcönigKchen
Stadt^ war,) der Vorsiz auf der Synode zu. Aber er konnte oder wollte
nicht konmien. Die Entfernung, das Alter, die Verschiedenheit .^er
Sprache, manches Andere hielt ihn ab. Darum — übertrug er — den
Vorsiz in seinem Namen dem Horius. £r sandte aber zudem noeh,
nicht «twa zwei römische Bischöfe, sondern zwei römische Priester,
welche seine Stelle yertreten sollten. Wären Bischöfe gesandt w(»deD,
so konnten Zweifel und Schwierigkeiten in Betreff des ' Vorsizes ent-
stehen; diese schnitt Sylvester zum voraus durch die Sendung von ein-
fiichen Priestern ab.
Was bei allen folgenden Concilien im Oriente ges<^hah , warum
hätte es bei der Synode von Nicäa nicht geschehen sollen? Uebtaül
präsidirten die Gesandten, oder wenigstens die Bevollmächtigten des
Papste^. Die zweite Synode — Constantinopel I von 381 — Icann hie-
her nicht bezogen werden, weil bei ihrer Berufung nicht ein allgememei
Concil beabsichtigt wurde. Aber zu Ephesus — 431 — präsidirte Oyrill
von Alexandrien , im Namen und Auftrage des Papstes Cölestia ; auch
als zwei Bischöfe und ein Presbyter von Rom kamen , blieb Cyrill Vor-
size^der, und an zweiter Stelle unterschrieb einer der römischen Bischöfe.
Zu Chalcedon — 451 — präsidirtcn die päpstlichen Legaten.
Wenn aber Hosius, schon wegen seiner Kenntniss der lateinisdien
und griechischen Sprache, wegen seiner .Geschäfbgewandthelt, wegen
seiner Herrschaft über die Gemüther der tüchtigste, gleichsam der ge-
bome Präsident der Concilien war, warum sollte denn Papst Sylvester
diese Eigenschaften nicht ebenso gut an ihm erkannt und anerkannt
haben, als der Kaiser? Um so besser war es, dass sich Papst und Ejdser
leicht in ihm vereinigten.
Niemand von den Alten hat behauptet oder angedeutet, dass Hosius
im Auftrage des Kaisers, oder dass er nicht im Namen des Papstes den
Vorsiz geführt habe. Der Kaiser hat, streng genomm^, die Synode
nicht einmal eröffiiet; sie war schon im Gange, als er kam. Er hatte
aber, eine unbezwingbare Lust oder Leidenschaft, Predigten theils zu
hören, theils zu halteü, und er wäre ganz gewiss nicht abzuhalten ge-
wesen , bei einer so, yortrefflichen , wohl nie mehr wiederkehrenden Ge-
legenheit eine seiner stereotypen Friedenspredigten zu halten ^).
J) Keim, Theod., der Uebertritt ConstaBtin^s des Grossen zum Christeotfaume,
Zürich' 1862 — S. 62. »Er sah das Predigen als seine Pflicht an, wenn auch
die Redegahe Anderer ihn beschämte. Er studirte darauf bei Nacht, und schrieb,
ohnehin schireibselig, seine Rede in der Regel lateinisch nieder. Der Gang
•einer Predigten war stereotyp. — Bis zulezt schrieb er^^ und hielt er seine
Beden. Vor seinem Tod hielt er sich sogar eine lange Leichenrede, in welcher
%. 3. Hotias fQhrt den Vorsis im Namen des Papstes Sylvester. 161
Was die frühem Schriftsteller nicht leugnen und nicht ausschliessen,
den Vorsii des Hosius ira Namen des Papstes , das berichtet der Ge-
lefaichtschreiber der Synode von Nicäa, Gelasius von Cjzicus, mit be-
ilminten Worten. Er führt die obigen Worte des Eusebius über die
m Nicäa Tersammelten Bischöfe an, und fügt zu den Worten über
HoahiB hinsu*): j^CAber auch von den Spaniern war der vielgerühmte)
— Hoahis gekommen^ welcher zugleich die Steller des Bischofes des
groven Rom yertrat, mit den römischen Priestern Vitus und Vincentius
— [welcher zugleich unter den Vielen sass^)].^ Photius von Constan-
tinopely weleher einen Auszug aus dem Werke des Gelasius giebt, führt
gerade diese Stelle an: ^Er (Gelasius) sagt, dass Hosius von Corduba,
und Vitus und Vincentius, die römischen Priester, als Gesandte d^
römischen Bischofs Sylvester, dort gewesen seien ^). J. Frohschammer
macht dagegen geltend, dass Gelasius jene Worte dem Eusebius unter-
schoben habe, bei welchem in der That nichts ausgefallen sei^). Aber
er behauptet nut Unrecht, dass Gelasius etwas dem Berichte des Euse-
bius Entgegengeseztes sage. %Beide Berichte,^ meint er, „können nicht
lugieich wahr sieyn.^ Aber wenn das unwahr ist, was Gelasius von Gon-
stantinopel (welches im J. 326 noch nicht bestand) , schreibt, folgt d€fnn
daraus die Unwahrheit des über Rom Berichteten? Frohschanmier be-
ortheilt oder verurtheilt seine eigenen Einwürfe* durch das, was er
(S. 123 flg.) über den von Theodoret näitgetheilten Brief Alexaiider*s
Ton Alexandrien — an Alexander von Byzanz sagt Durfte Theodoret
Alezander Bischof von Constantinopel nennen , ehe diese Stadt bestand,
durfte er dieses Wort in den Brief an Alexander sezen, — dann durfte
such Gelasius jenen Zusaz über Osius zu den Worten des EusebiuB
er weniger sich, als den Andern wehe that; er meinte sich mit dieser leztcn
That die schwere Reise zu erleichtern (Etueb. viL Conat. 4, 22; 57, — 4, 33,
4f 29; 32, — Constantin's oraL ad coetum sanci, 2, Die Leichenrede v, Const 4, 55),
Bekanntlich hat auch Karl der Grosse in seinen lezten Jahren zu predigen an-
gefangen, und zwar mit grosser Kraft und Salhung (s. Ahog, Universalgesch.
d. ehristL Kirche, 7^ Aufl. 1859, S. 411 — 412. Admoniiio dvmni CaroU tmpero-
iorit, aus Periz, monum, f. 3, 101 — 103), Frommen und cifiigcii Laien tbut
nichts weher, als dass sie nicht predigen dürfen. Sie versprechen sich die
grdssten Wirkungen von ihren eventuellen Reden, und meinen, das ^muUMr
taeeai m eedesia' schliesse sie vom Predigen nicht aus — cf. Burckhardt, Con-
stanlin d. Gr., S. 401 — 2.
*) Gelam kUtoria coneil Ntcaenif L 2, 5 -^ apud Harduin C, 1,346 — 462; Marui,
2, 754^945.
*) Gtia». 2,5 — (ovrog 6k Ujrdvtry 6 xavu ßo<afxtyog) o^Oßio^, iytexatv xai rov
rojtav rov r^ fieyiön^ 'Ptotnjg ijtiöxoxov ^Ußd6rpov, Ouv x^tgßvri^tg 'Ptautjg Bi-
Tt0t€ «cd Boeevrüo C^^ig jtoJUoig aua öwtSgewavJ,
*) PkoL MUotk, 88 — ift xpoatixov UUfteOr^oo rov ^Ptiiuifg xccptPvaL
*) Frohschammer, Beiträge zur Kirchengeschichte in drei Abhandlungen, Lands-
hut 1860. — -lieber den Vorsiz auf der Synode zu Nicäa- - S. 117—138.
Garns, span« Kirche. IL 11
162 Sechstes Bach. Zweites Kapitel.
machen, ohne den Vorwurf „der Fälschung'' zu verdienen. - Gegen
solche Vorwürfe bemerkt Hefele (1, 35), dfllss „Gelasius den Bericht des
Eusebius nicht sclavisch abschrieb, sondern da und dort Einschiebsel
machte ) d. i. Notizen einflocht, die ihm anderswoher bekannt waren.
So schob er gleich nach den Worten über Osius auch eine Naehricht
über den Bischof von Byzanz ein, und veränderte in demselben Kapitel
die von Eusebius angegebene Zahl von 250 Bischöfen ohne weiteras in
die Zahl ^dreihundert und darüber^, ohne mit einer Sylbe anzudeuten,
dass -er das Wort des Eusebius nicht buchstäblich wiedergegeben habe.
Diess berechtigt uns zu der Annahme, Gelasius habe auch an dieser
Stelle die ihm sonst zugekommene Notiz über Osius unbedenklich in
die Worte des Eusebius eingeschaltet, keineswegs aber den Eusebius
missverstanden''. — Die Wahrheit ist, dass Gelasius , dassl^otius, dsss
ailO) welche die unleugbare Thatsache des Vorsizes des Hosius ane^
kannt hAb^i, sich den Vorsiz desselben nicht andera, denn in Folge
einer Uebertragung von Seiten des Papstes erklären konnten. Diese
war die kirchliche Anschauung aller Zeiten; Eusebius, und die ihm
folgt«!, widersprechen dem nicht; und Niemand, auch Frohschammer
nicht, hat bis jezt genügend erklärt, wie Hosius zu dieser Ehre oder
Würde hätte kommen , wie er die erste Stelle unter den dreihundert
Bischöfen hätte einnahmen können, wenn er nicht die Stelle des ecsteo
Bischofes der Earche vertreten hätte.
Dass Hosius im Namen des Papstes ^u Nicäa den Vorsiz gefühlt,
haben alle Katholiken, nicht bloss Baronius '), sondern auch die ganien
oder halben Gallikaner, Valesius^), Petrus de Marca, Alexander Na-
talis, Baluzius, angenommen. Tillemont behandelt die Frage allzu ober-
flächlich; Ceülier bejaht sie ^). — Neulich haben auch Hefele und
AI. de Broglie die Frage bejahend beantwortet Weil in allen Unter-
schriften und bei Socrates der Name des Hosius bei den Legaten des
Papstes und an der Spiz^ stehe ^), und man i;Licht begreifen könne,
warum in Gegenwart zweier, sonst auf ihren Vorrang so eifersüchtigen,
Patriarchen ein mfacher Bischof von Spanien allen andern den Bang
abgelaufen hätte — (aurait pris U pas sur totis les antra) — ^ , so müsse
man annehmen, dass er den anerkannt ersten Siz der Christenheit ver-
treten habe. Femer haben in der Mehrzahl der folgenden Concilien
die Päpste gewöhnlich drei Legaten als ihre Stellvertreter gesendet,
einen Bischof und zweil Priester (?); drittens nenne Athanasius den Osius
das Haupt und den Leiter aller Concüien; viertens sei es natürlich, dass
0 Baron, 325. 20,
*) VaUs, ad Socrat. 1, i3, i
') Osius avaii FhonMur de repr^enUr h personne du Pape^ et dritte eon U^aL —
CeiUier, L 3, eap, 19 (p, 420-^21),
*) Le nom d*Osiua est rapprochi de.cebu des Ugats du p4xpe (Broglie^ 2^-20).
f. 4. Hosins nach der Synode von Nic&a. 163
CoMtuitin, welcher, ohne den Schein der Unterdrückung , dennoch
cbm entscheidenden Einfluss auf den Gang der Synode habe behalten
voDcn, den Papst Sylvester gebeten habe, in dem gemeinsamen Interesse
der Kirche und des Staates , an die Spize des Concils den Vertrauten
■BMI An- and Absichten zu stellen, welcher schon zu Alexandrien
KiantniBH von der ganzen Angelegenheit erlangt habe.
Noeh beachte man, dass nach den erwähnten Worten der Arianer
Onus wahrscheinlich das berühmte Glaubensbekenntniss von Nicäa redi-
girthat»).
§. 4. Hosius nach der Synode von Nicäa.
Von jezt an bis zur Synode von Sardika, durch achtzehn Jahre,
des Hosius keine Erwähnung mehr in der Oeschichte. Es ist
mdit SQ zweifeln, dass er bald nach der Synode in seine Heimath zurück-
geehrt seL Ob er von dort einmal oder öfter noch nach Italien oder
h den Orient gekonmien, ob er den Kaiser noch gesehen, darüber
Üben wir keine Andeutungen. — Im J. 326 reiste Constantin nach
ftom, ennordete auf dem Wege dahin den Crispus zu Pola und die
Ikosta*) — und feierte in Rom seine Vicennalien. In den Jahren 324
ud 325 hatte er im Oriente dem Christenthum über das Heidenthum
fie Herrschaft zu geben gesucht. Wahrsagerei und heidnische Opfer wur-
den gesezlich verboten. Ein Gesez verordnete die Erweiterung aller christ-
Bdm Kirchen. Ein Gesez vom J. 325 verbot alle Gladiatorenspiele ^).
In Sonmier des J. 326 wollte er in dem annoch heidnischen Rom
dm Sieg des Ghristenthums erklären und durchführen. „Nach der Sitte
der Vicennalien sollte das Heer an irgendeinem Tage feierlich zum Ca-
pitol und zu der heiligen Opferstätte ziehen. Constantin unterliess nicht
wir den Aufisug, er verhöhnte in verachtendster Weise, gleichsam in
Inter und berechneter Provocation die alte Sitte. Es war sein Bruch
■il dem Heidenthum. Senat und Volk war wüthend, offen ergossen
Mk die Schmähungen, welche gleichzeitig am Mord des Crispus den
vekUichsten Stoff zur Vergleichung der neuen ^goldenen Zeit^ mit dem
Atmen f mit dem neronischen Zeitalter fanden. Die Schmähungen
ükten Einen grossen Erfolg, die Verlegung der Residenz von Rom ^).''
Im Zosanmienbang mit dem Vorstehenden nun erzählt der Heide
'1 *E^iStTO — expotuü ßdem.
*i Broglie, ehap. 5 — meurtre de Crispus et de Fausta, 2, 71 — 133,
*» Cod, Theodos. XV, T. 12. — Eus. vit Const. 4, 25. «Es wurde gegeben, um
vergessen zu werden,** Burckhardt, Constantin der Grosse (1853), S. 399.
*) Tb. Keim, Constanün^s Uebcrtritt, S. 55. — Zosimus, 2, 29. — r^ dk jtea-giov
waraiaßoüöi^ soqt^^ xccS' j^v dydyxtf to ötqcctoxsöov ^ Uvai sis ro HaxsnUioVy avO'
der €vttßt(ta¥ aycudip — ripf ye^ovCuxy xai rov S^uov aveCnjOev.
4 4 •
164 Sechstet Bach. Zweites Kapitel.
Zosimiis [was schon oben berichtet wurde*)], dass w^en der Hinrich-
tang des Crispus und der Fausta, und wegen des Eidbmehes gegen
Licinius (dem er das Leben versprochen, es aber genommen hatte), der
Kaiser Gewissensangst empfunden, und sich an die heidnischen Priester
am Entsündigung gewendet habe^). Da diese geantwortet, für solche
Verbrechen gebe es keine Art von Sühne, habe sich ein aus Spanien
nach Rom gekommener Aegjptier (d. i. Magier) durch die Frauen bei
Hofe in die Nähe des Kaisers zu drängen gewusst, und ihn überseogt,
dass das Cbristenthum jede Art von Missethat zu tilgen im Stande sei
Dann habe der Kaiser seinen Uebertritt zuerst zu erkennen gegeben —
durch seine Geseze gegen die heidnische Erforschung der Zukunft, so-
dann durch die Erbauung einer neuen Hauptstadt
Nehmen wir einen Augenblick die Wahrheit der Thatsachen an.
Hosius wäre dann nach der Synode von Nicaea in seine Heimath zurück-
gekehrt, aber aus Anlass der Anwesenheit des Kaisers zu Born im
Sommer 326 wieder nach Rom gekommen. Nicht unwahrscheinlich ist,
dass Constantin in. Folge seiner verübten Missethaten eine Zeit lang
dumpfer Verzweiflung anheimfiel ; dass er innerlich sogar vom Chriiteo-
thume, dem er doch stets nur äusserlich angehört hatte, abfiel, viel-
leicht sogar dem Christengotte Vorwürfe machte, oder ihn für ohn-
mächtig hielt, weil er ihn so tief hatte sinken lassen, dass er auf kone
Zeit bei heidnischen Priestern oder bei Neuplatonikem Tr9st geeuchft;
dass erst der (gerufene oder nicht gerufene) Bischof Hosius ihm wieder
Muth und Hoffnung auf Vergebung eingefiösst. — Wenn aber 2k>8imii8
von den Frauen an dem Hofe des Kaisers redet , so könnte darunter nur
die heilige Helena, die Mutter des Kaisers, verstanden werden. Nach
Zosimus war sie äusserst betrübt über den Tod ihres Enkels Crispus.
Sie starb, etwa 79 Jahre alt, nachdem sie ein Testament gemacht, und
ihrem gegenwärtigen Sohne die lezten Ermahnungen gegeben , bei voUein
Bewusstseyn, Sie und der Kaiser bedurften in dieser Zeit
eines Hosius. Nach Eusebius Hess der Kaiser ihren Leichnam in
jydie königliche Stadt'', d. h. nach Born bringen, und dort beisezen^)
(Socrates versteht darunter Constantinopel). Daraus folgert man, dass
Helena nicht in Bom gestorben; ihr Tod erfolgte wohl 326, nach andern
327 oder 328. Aber nach neuem Untersuchungen feierte der Kaiser
seine Vicennalien Mitte Juni 326 zu Bom, und Helena starb den 18. Au-
gust, zu der Zeit, als der Kaiser noch in Bom war. Nach Nic^honis
(8, 31) starb die Kaiserin in Bom selbst, und ihr Leib wurde zwei Jahre
') 8. 138.
*) Zoi, 2, 29, Sozam.i, 5. Burckbardt, S. 402.
*) IJiiiürfj yow dopv^popifc ijti r^ ßaöUevovöay jroJLiv (to Oxrjyog) areftoui/^tro , er-
recv^d di ij^tot/s ßaCUmolg axeriSero — Euseb, vit Corut, 3, 47, -^ 7%eo</<or. /, 17,
— SocraL i, 17, — Baron, 326, 60— 64,
$. 4. Hosius nach der Synode von Nic&a. 165
&ter nach CSonstantinopel übertragen. Ich spreche meine Meinung dahin
8, dasa sie in der Nähe yon Rom, sei es an Altersschwäche, oder
eil die Mordthatea im kaiserlichen Hause ihre Lebenskraft bradien,
»ICHrben, nnd in Rom bleibend beigesezt sei').
"Wenn also, was nicht miwahrscheinlich , bei ihrem Tode Hosios
Igegen war, so wird er, bei dem bleibenden Weggange des Euusers
den Orient, wieder nach Spanien zurückgekehrt seyn, während Burk-
irdt ohne den Schein eines Grundes sagt : . „Hosius wurde gestürzt,
\er verschwand wenigstens für sehr lange Zeit aus den Geschäften ^).^
Marcellus yon Ancyra citirt aus einem Briefe des halb arianischen
ischofes Narcissus von Neronias, dass Osius von CSorduba ihn (wahr-
heinlich in Nicäa) gefragt habe, ob er in Gott zwei Substanzen an-
shme, wie Eusebius von Cäsarea, und fügt bei: Ich weiss aus seinen
chriften, dass er glaubt, es seien drei. — Nach einem von allen Seiten
Zweifel gestellten Berichte des Gelasius von Cyzicus hätte Osius mit
idem hervorragenden Häuptern, der Katholiken zu Nicäa mit einem
sidnischen Philosophen dispufirt, welcher sich in Folge davon bekehrt
ttte»)r
Ein platonischer Philosoph Chalcidius, der nach gewöhnlicher An-
ihme im sechsten Jahrhundert lebte, dedicirte einem Christen Osius
ler Hosius seinen Commentar zu dem Timäus des Piaton. Es ist nicht
ihndieinlich, dass darunter Osius von Corduba gemeint sei.
Lridor von Sevilla, ein Gegner des Hosius, der zugesteht, dass er
IE gewandter Redner war (eloquentiae viribti$ easercüätm), berichtet, dass
etsdbe zwei schöne Schriften verfasst habe. „Er schrieb an seine
efcwester einen Brief über das Lob der Jungfräulidikeit im Schmucke
Der schönen und beredten Darstellung;- auch verfasste er ein anderes
Terk — über die Erklärung der priesterlichen Gewänder im alten Te-
imente, ausgearbeitet in vortre£Flichem Verständnisse und Geiste ^).^
Von diesen Schriften ist uns leider nichts eriialten; wir sehen aber
18 dem einzigen uns erhaltenen Briefe an den Kaiser Gonstantius,
eiche geistige Kraft und Frische Hosius noch — hundeH Jahre alt —
') Siehe TüUmonty m. f. 7, i — 19 und Notes swr Samte- Helene. Es giebt in der
Nähe von Rom (unter der Villa del Grande) eine Catacombe der heil. Helena,
welche durch ihre Grösse und ihren Mosaikfüssboden vor andern Gatacomben
sicH auszeichnet Siehe: Die römischen Gatacomben v. Spencer Northcote —
äbers. v. Rose, Göln 1859, S. 102.
*) Burckhardt, .8. 421.
>) TOlemont, m. 6, 646; 681 (ed. Parts 1799).
*) Jsidor., de viris iüußtribus c. 5.
Drittes Kapitel.
Oslos DDd die GrflndDiis der kirchlichen Hierarchie
In Spanien.
§. 1. Die politische Eintheilung des Landes vor Augustus.
Die VerthefloDg der einzelnen Volksstänime vor den Zeiten der
römiBohen Hemchaft in Spanien ^) — hatte keinen Einfluss aaf die Ein-
ftthrong des Christenthumes in dem Lande. — Zur Zeit der rönusdien
Herrschaft traten die einzelnen Volksstänime zurück; sie giengen auf
und unter in den Bewohnern der spanischen Provinz. Es war weder
förderlich y noch hinderlich für die Verbreitung des Christenthumes, dasi
z. B. in dem mittlem Spanien Celtiberier wohnten, in den nördlicheo
Theilen Vasconen, Asturier, Galizier. Die Volksstämme mit ihren Eigen-
äiümlichkeiten verschwanden, als der eine römische Staat mit der gleichen
Sprache, den gleichen Gesezen und derselben Verfassung, alle Volks-
stämme verband. Wenn auch noch Eigenthümlichkeiten der Volks-
stänmie fortbestanden, und theilweise noch fortbestehen, wie die der
alten Vasconen, der heutigen Basken, so zeigen sich doch nirgends
Spuren, dass die Geschichte der Kirche in Spanien dadurch wäre be-
rührt worden.
Dagegen war die politische Eintheilung des Landes unter den Rö-
mern maassgebend für die Einrichtung und Verwaltung der Kirche in
Spanien. Eine genaue Beachtung und Kenntnissnahme von der politi-
sdien Lage des Landes giebt uns ganz überraschende Au&chlüsse, und
giebt uns zuverlässige Einblicke in die äussern Wege und Formen der
Einführung des Christenthumes in dem Lande. Wenn wir die Strassen
') Spaniea im Sinne der alten Römer amfasste die ganze pyrenäische Halbintel
$. 1. Die poliUsche Eintheilaag des Landet vor AugastoB. 167
nd die Verkehrswege des Landes genaa keimen, können wir darnach
loi äuseem Gang der Ausbreitung der Kirche im Lande annähernd
xtchlieseen. Wenn wir wissen und beachten, welche Theile Spaniens
n dem lebhaftesten und ununterbrochensten Verkehre mit Rom standen,
ron wo aus das Christenthum nach Afrika, nach Spanien, und in alle
Linder des Abendlandes yerbreitet wurde, können wir daraus — mit
Zuziehung anderer Quellen — mit ziemlicher Gewissheit erkennen, in
irelchen Gegenden Spaniens das Christenthum sich zuerst ausbreitete. -*
Ir'on den volkreichsten Städten können wir auch, nach der Analogie mit
indem Ländern, annehmen, dass sie früher, als andwe, christliche G^
ndnden hatten.
Im J. Roms Öl 6, in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten
)anischen Kriege, drang Hamilkar erobernd in Spanien vor. Sein Nach*
biger Hasdrubal gründete im J. 625, 243 Jahre vor Christus, die Stadt
ind den Seehafen Neu-Carthago, der bis zum heutigen Tage, unter
lem Wechsel so vieler Regierungen, seine Bedeutung als Kriegshafen
Spaniens behauptet hat. — Als die Punier sich das südliche Spanien
interworfen, und von ihren festen Punkten aus — das ganze Land unter
bre Botmässigkeit zu bringen — Aussicht hatten, traten die eifersüch-
igen Römer dazwischen, und schlössen zunächst im J. 526 einen Ver-'
ng mit Hasdrubal, nach welchem der Ebro von den Carthaginiensem
icht überschritten werden, und auch das südlich vom Ebro gelegene,
en Römern verbündete, Saguntum, unter dem Schusse der Römer
leiben zollte^).
Nach dem Tode Hasdrubal's übernahm Hamilkar's Sohn, Hannibal,
!e Gewalt in Spanien, und wollte durch Unterwerfung des ganzen
andes sich den Weg zum Kriege mit den Römern bahnen. Er eroberte
a Jahre 536 Sagunt, und zerstörte es. Den Römern und denPuniem
«r dieser Anlass zum Kriege willkommen. Neben Italien wurde Hi-
Nmien ein Hauptschauplaz des zweiten punischen Krieges. — Nach
wechselnden Erfolgen übernahm P. Com. Scipio , der Sohn und Neffe
er in der Schlacht bei Ilorcum gefallenen P. Cornel. und Cn. Comel.
dpio, im J. 544 der Stadt, 210 vor Christus, die Führung des römi-
^en Heeres in Spanien. Innerhalb vier Jahren , bis zum J. 548 , ver-
leb er die Punier aus ganz Spanien. Das ganze südliche oder jensei-
ge Spanien, sammt Gades, war und blieb in der Hand der Römer,
Qd dieser Theil des Landes wurde zuerst und vollständig romanisirt
*ie Bewohner dieses reichen und fruchtbaren Erdstriches fänden ihren
ortheil in der Verbindung mit Rom, und der Handel zwischen Rom
nd Gades wurde überaus belebt und blühend.
Aber der Nordwesten von Spanien war auch den Puniem nicht
Qterworfen gewesen, und grösstentheils noch unbekannt. Der Kampf
») PbfybiuM, 2, 13; 3, 27, 29. - Lwius 21, 2,
168 Sechstes Buch. Drittes Kapitel.
danerte volle zwei Jahrhunderte , bis sich die Römer Herrn des ganseii
Landes nennen konnten. Die tapfem Geltiberier ^) ^ welche die Mitte
von Spanien bewohnten, konnten erst nach langen und wechselv(dlea
Kämpfen von Cato dem Aeltem — 557 der Stadt ^), so wie durch Tiber.
Gracchus unterworfen werden, 574 — 576^). — Die Lusitanier eriiobca
sich unter ihrem Führer Viriathus zu entschlossenem Widerstände % —
Durch die Eroberung von Numantia — 621 d. St. — 133 v. Chr. —
kam^ü die meisten Völker des innem Spaniens unter römische Herr-
schaft. Noch dauerte der Kampf mit den nördlich vom Tajo wohnen-
den Luntaniem , welche erst von Julius Cäsar — 693 d. St -^ völlig
bezwungen wurden ^). Es folgte der Krieg mit Sertorius. Zulezt wur-
den die nördlichen Gefoirgsvölker, namentlich die Cantabrer und Asturer,
von Augustus — 732 — ' und Agrippa gänzlich überwältigt*).
Erst seit Augustus war die ganze Halbinsel römisches G^Uct Viele
römische Golonien wurden angelegt, und durch ein Kez von La^dstrassen
das ganze Land durchzogen und verbunden^). Vor den Zeiten des
Augustus y und seit der Vertreibung der Carthaginienser aus dem Lande
wat* dasselbe in zwei Theile , oder zwei Provinzen zerlegt worden. Schon
im J. 550 d. St. werden zwei Proconsuln für Spanien erwähnt'). —
Das diesseitige oder nordöstliche, und das jenseitige oder südwestliche
Spanien fiel zusammen einerseits mit der spätem Provinz Tarraconenai^
anderseits mit den beiden Provinzen Bätika und Lusitanien. Jenes htiaä
auch das innere, dieses das äussere Spanien^).
Zuerst galt der Ebro als eine von der Natur gesezte Grenae'^
Doch war nach dieser Scheidungslinie die Ausdehnung der beiden Pro-
vinzen in gar keinem Verhältnisse der Grösse zu einander. — Später
scheint sich das diesseitige Spanien bis zum Gebirge von Castulo erstreckt
zu haben. — Man nahm gewöhnlich eine von hier und den Quellen
des Bätis bis nach Carthagena, oder nach Murgis (Almeria) gezogene
Linie als Grenze der beiden Provinzen an *'). — Die Grenzlinie lief
vom heutigen Cabo de Gata aus, vormals Promontorium Charidemi^');
») FUn-, 2, 17.
•) Appian, Bigp, 41, — Ptutarch,, Cato maj, 10. — Liv. 34, 17.
•) Strabo, 5, 162^63, Liv. 40, 49. Flor. 2, 17.
<) Straho, 3, 3 (2, 3). Appian. Hisp. 73 — 74. Orosius, 5, 4.
*) Caesar, Bell dviU, 1, 60. Appian. Hisp. 102. Sueton. Caesar. 34.
•) Dia Com. 53, 25; 29. — Liv. 28, 12. Flor. 4, 12.
*) SaäusL kist fr. p. 820^ Cort. — Polyb. 3, 39. - Strabo, 3, 160. — Itiner. Asüm.
•) Li». 29, 13, 7.
•) Cicero, pro lege Manu. 12. - pr. Font. 3. - Liv. 28, 18; 30, 30; 32, 28; 45, 16.
Plin. 3, 1, 2. - TadL annal. 4, 13. Flor. 4, 2. Strab. 3, 166.
«•) Liv. 32, 28. — Caes. B. civ. 3, 73.
") Stephan. BtfxanU — »Ibcrien" — nach Artemidur, — Strab. 3, 166,
»») FtoL 2, 4, 7.
S- 1. Die iK>lititcbe Eintheilung des Landes vor Augnitas. 169
lachen CSarthagens und Almeria, vor Alters rwischen Abdera und
rea (i)j giong swiachen Illitargis und Castulo (Andujar und Cazlona)
V den BäÜBy lief von da in nordwestlicher Richtung über den Anas,
■ hier zog sie direct nördlich, und swiachen Toledo und Talayera
I hl Reynajy doch n&her der leztem Stadt , über den Tagus oder Tajo.
ermnf lief sie wieder nordwestlich, rechts an Salamanka (Salmaütika)
ruber, welche Stadt noch im jenseitigen Spanien lag. Nordöstlich
a Salmantika, welches an dem Tormes, einem Nebenflusse des Duero,
gt, über den eine steinerne Brücke von 27 Bogen führt, die noch
r Hälfte ein Werk der Römer ist ^) , erreichte die Grenze der beiden
lanien den Durius oder Duero, und folgte von nun an dessen ge-
Iknimtem und gewundenem Laufe bis zu seinem Ausflüsse in das Meer
i Oporto *).
Dadurch zerfiel Spanien in zwei iHumlich sehr ungleiche Provinzen,
c grössere nordöstliche, die kleinere südwestliche. Die grössere Be-
ilkening und Fruchtbarkeit aber des jenseitigen Spaniens wog jene
illerenz wieder auf. Wegen dieser Eintheilung in Spanien sagte man:
iqfoniae, d. i. die zwei spanischen Provinzen'). Auch in späterer Zeit,
ichdem das Land in drei Provinzen eingetheilt war, sprach man vom
BMeitigen und jenseitigen Spanien ^). Das diesseitige Spanien bedeutete
an die Tarraconensische Provinz, das jenseitige aber die Provinzen
nitAnia und Bätika. Ebenso blieb es bei lateinischen und griechischen
iiriftstellem, besonders bei leztem, Sitte, Hispaniä statt Hispania zu
Iraben ^).
Als römische Verwalter Spaniens erscheinen zuerst zwei Proconsuln ®).
ie» dauerte von den beiden Scipionen an, dem Vater und Oheim des
:qpio Afrikanus des Aeltem , bis auf Cornelius Lentulus und L. Ster-
üus, welche im J. u. c. 555 erwählt wurden^). Später, vom J. 554
*) Willkomm, Wanderun^^en durch das uordöstl. und centrale Spanien, 1852,
Bd. 2, S. 343-49.
*) Minuloli, Spanien und seine fortschreitende Entwicklung, Berlin 1802, S. 23.
*) Caemu-, B. Civ. 1, 10, — SaUusL CaUL 18. — Liv. 28, 18, — 30, 3. - PUn.
17, 26; (40), 30, 30,
*) Flonu, 4, 12.
*) Das Itineranum Antonini schreibt: de ItaUa in Hispanicu, — Bei spätem Griechen
kommt Xxayia und Xxoevuu abwechselnd vor, z. B. bei Theodoret die Einzahl,
3, 949 (Schulze -Noeuelt); die Mehrzahl, 1, 1425, 3,451; 773. — Agathias —
ed. Barm, p, 306 — schreibt: Xjtovux. Gregor von Tours sezt bald die Ein-
zahl, bald die Mehrzahl — Hitt eccL Franc, 5, 39. - cf. 4, 8; 1,24 de gUma
mariyrum. Mehrere Beispiele s. oben bei den Zeugnissen der Kirchenväter für
die Reise des Paulus nach Spanien. (Band 1, S. 40 flg.)
•) Liü, 28, 38, 29, 11; 13,
^ Noniue Ludov,, „Hispania** 1607 — bei SchotHue, BiMpamia iUuetrata, L IV --
capJl4. — Lio, 31, 50,
170 Sechftes Buch. Drittes Kapitel.
an — wurde das Land durch zwei Propr&toren verwaltet ^). Die Fh>-
prätoren wurden auweilen auch noch ProconBuhx genannt^). In ■mwef.
ordentlichen Zeiten wurden auch besondere Magistrate ernannt. «Ala im
J. Ö69 ein Krieg in Spanien drohte, wurde neben den beid^ Prilomi
der Consul M. Porcius Cato nach Spanien gesendet ^), In dem Kriegei
welcher g^^ Sertorius geführt wurde, wurden Q. Metellus ala F^
consul, und Cn. Pompejus als Quästor mit consularischer Grewalt moh
Spanien gesendet *). Pompejus selbst liess seine Provinz Spanien dmdi
seine beiden Legaten Afhmius und Petrejus verwalten.
§. 2. Eintheilung Spaniens in drei Provinzen unter Augustu .
Die Provinz Tarraconensis. Neue Eintheilung unter Con-
stantin.
Augustus theilte im J. 727 Spanien in die drei Provinzen: T*n«-
conensis, Bätika und Lusitania ^). Die neue Eintheilung ruhte indeti. .
auf natürlichen und geographischen Gründen, und scheint thatsSdilidi ]
schon vorhanden gewesen zu seyn. Schon Cäsar unterscheidet das dies- '
seitjge Spapien, das Land vom Gebirge bei Castulo bis zum Flonp
Anas, also die Provinz Bätika, sodann das Land vom Anas bis an \
Meere — also Lusitania^). — Bätika wurde als Provinz dem Senile
zugetheilt ^). Die beiden andern Provinzen, Lusitania und Tarraconenni
wurden kaiserliche Provinzen ^). Von jezt an wurden je drei Prätoiren
nach Spanien gesendet; zwei vom Kaiser, einer vom Senate.
Die Provinz Tarraconensis umfasste zwei Drittheile von Spanien.
Diese Provinz stand unter einem Statthalter mit consularischer Macht
(Proconsul) , welcher drei Legionen ^) und drei Legaten zu seiner Dispo-
sition hatte. Zwei dieser Legionen standen in dem nördlichen Spanien, die
erste zwischen dem Durius und dem Cantabrischen Meere. Die zweite
Legion mit dem zweiten Legaten stand östlich von jener — bis zu den
Pyrenäen. Der dritte Legat mit der dritten Legion stand im Innern
des Landes, im Lande der Celtiberier, und in dem Lande zwischen dem
Ebro und dem Meere. Die drei unter Augustus in Spanien stehenden
Legionen waren die Legio IV Macedonica; die Legio VI Victrix, und die
«) Liü, 30, 41 (31y 50). — S3, 26, ~- 44, 17, - 46, 16,
*) Pigh, AnnaL 1599. II, 253.
•) Liü. 33,43. - 34, 8; 17. 18; 21,
*) L{v. epitom. 91. 92,
*) Mela, 2, 6, 3. — Appian, Hispan, 102.
•) Bell civ, 1, 38.
^) Dio Cau, 53, 12. (Sueton. Octav. 27.) Strabo, 17, 840,
*) Dio C. l,c Sirabo, 3, 4, 20 (166).
^ TaeiL Ann. 4, 5. -^ StrcUt. L c
f. 2. Einüieilung Spaniens in drei Provinzen nnter AogOBtns etc. 171
^ JT*) Gemina. Spiter, xor Zeit der Kaiser Oalbä^ Vitellins und
apasian j werden die Legio I Adjutrix ^) , und Legio VII Oemina er-
duit. Ans dem Standlager der LeEtem ist die Stadt Legio y jezt Leon,
rfoig^;angen »).
Der Pxltor von Tarraconensis irohnte gewöhnlich in der Hauptstadt
nacoy abwechselnd in Cartagena. Im Sommer bereiste er das Lmere
s Landes % Der Prfttor von Bätika wohnte in - Corduba , der von
■ikuiien gewöhnlich in Emerita.
Durch Augustus wurde ganz Spanien in gewisse G^riohtssprengel
igedieilt, Convenha jttridiei genannt ^). Ea waren im Ganzen yierzehn
Idier Obergerichtshöfe, auf welchen die Streitigkeiten der Provinzialen
leiter Listanz entschieden wurden. Doch erscheinen wenigstens einige
eser Conyentus schon in fiüherer Zeit*). In der Provinz Tarraco-
ssis befanden sich sieben, in der Provinz Bätika vier, endlich in Lu-
mia drei Obergerichtshöfe').
Diese Eintheilung in drei Provinzen blieb bis auf die Zeiten der
Deinherrschaft des Kaisers Constantin "). Durch Constantin ehielt
«nien einen Vicarius, der zu Sevilla residirte*), und unt^ dem Pi^
stiiB Ton Oallien stand. Das Festland selbst wurde in fünf Provinzen
Iheilt. Bätika und Lusitania blieben in ihrem frühem Bestand. Die
orins Tarraconensis dagegen wurde in drei Provinzen zerlegt, in Tar-
sonensis im engern Sinne, in die Provinz Carthaginensis mit der
npAstadt Neu-Carthago, und in die Provinz Galicien mit der Haupt-
ilt Asturica (nach andern Bracara) ; dazu kam als sechste Provinz Mau-
tania Tingitana, welches schon Kaiser Otho aus besonderer Gunst zu
r Provinz Bätika geschlagen '^) , und als siebente Provinz die Inseln
i Hittelmeere, welche indess erst zur Zeit Thcodosius des Grossen und
iner Söhne als eigene Provinz erwähnt werden **).
Die Provinz Lusitanien grenzte im Westen und Süden an das atlan-
»ehe Meer, im Osten an den Anas, bis zu der nördlichen Ausbeugung
% leztem, durch welche er dem Tagus am nächsten kommt. Von
I an lief die Grenze nördlich über den Tajo an den Duero, und war
') Tac HUt. 3, H, (Dio Coms, 53, 26.)
») Tac, Bist. 2, 67; 86,
*) Päufy, Realencychp. IV, 888 — Legio. — Matdeu, ffisL criL Hispan. VI, Nr. 917-^43,
«) Strab. 3, 167.
•) Hin. 3, 3; 4 ^ 4, 20 und 21, (35). — VelUj. PaUrc. 2, 43.
*) SueUm. Caesar. 7, cf. mit Caes. B. civ. 2, 19. — B. Alex. 56.
') PUn. l. e.
•) Zosim. 2, 32; 33.
*) Notitia dignitatum Occid. cp. 20, ed. Buecking, 1853. ■— Cod. Theod. L. 5 de sponsaL
und L. 61 de eure. pubL
••) Tae. HisL 1, 78.
") Noiiiia dignüatum m part Oceid, c. 20.
172 Sechstes Buch. Drittes Kapitel.
dieselbe mit def oben angegebenen Grenze zwischen dem yormaligeii
diess- und jenseitigen Spanien. Denn die neue Eintheilong unter As*
gustus war eigentlich nur die Zerlegung des jenseitigen Spaniens in
zwei Hälften, die durch den Anas geschieden wurden , während das diti^
seitige Spanien nur den Namen wechselte , und von nun an die Tam-
conensisohe Provinz hiess. Die alte Provinz Lusitania bildet den grOnten
Theil des Territorialbestandes des heutigen Königreichs PortugaL Nor
im Süden war Lusitanien weniger breit, als Portugal, da Portogid jen-
seits der Guadiana (des Anas) Besizungen hat, die Gebiete von OliTenfis
Mourao , Serpa , und andere Ortschaften ^). Dagegen erstreckte aidi l4h
sitania in der Mitte — weiter nach Osten, es erreichte hier mehr ab.
das Doppelte seiner jezigen Breite, bis nach Talavera de la Bejm^
welches tief im heutigen Spam'en liegt Auch, wo Lusitania nach Nofr
den wieder schmaler wurde, schloss es noch die jezt spanische Stidt
Salamanca ein. Von heutigen bedeutenden spanischen Städten lagm
innerhalb der Grenzen des alten Lusitania (neben Talavera nnd Salar
manca) die Städte Avila (was von andern bestritten wird), Ciudad Bo*
drigo, Coria, Plasencia, Caceres, Merida, die alte Hauptstadt Lob-
tanias, Alcantara, TruxiUo, Medellin^) u. a. — Im Norden jedoch hat
das heutige Portugal jenseits des Duero noch die beiden kleinen Phh
vinzen — Tras os Montes — (jenseits der Berge) , und Entre Minho •
Duero, während der Duero die Grenze des alten Lusitaniens bildete.
Die Grenzen der Provinz Bätika, welche im Vorstehenden adioä
angegeben sind, erlitten durch die Eintheilung unter Oonstantin kebs
Veränderung. Die gleichen Grenzen hatte die neue Provinz Cartfaa^
giniensis gegen Süden und Westen. In diese Provinz gehörten noch
Toledo, Segorve, Siguenza und Osma, selbst Palentia^ Complutont
(Alcala deHenares), Auxuma, Segovia, Segobriga, umsomehr Valencia
und Valeria. Diese Provinz war wie ein schmaler Keil, der sich mittea
durch ganz Spanien, schob, der sich zwischen die beiden Pjto vinzen Ta^
raconensis und Asturien einschob, und der fast bis zum cantabrischen
Hochgebirge reichte ^).
Die Provinz Galizien — lief von Ocelodurum oder Zamora am
Duero, entlang dem Nebenflusse des Duero, Ezla, — bis zu den Bergen
von Saldanna und Oca. — Uebrigens war, nach neuern Untersuchungen,
Asturien und Galizien schon eine seit der Mitte des zweiten Jahrhun-
derts von Tarraconensis getrennte Provinz, welche wenigstens eine
') Schäfer, Geschichte Portugals, I, 2. — Die Halbinsel der Pyrenfiea, ▼oo
M. Willkomm, 1855, S.491. — NoniuM, c 29.
*) Hutoria e Memoriat da Academia Recd da* Sciencia$ de IMoa, t, IX, p. 2(3
(Schäfer L c). PUn, 3, 2. Ä. n. 4, 36 (21).
*) FloreZf Ifmiu$ d« h Qortha^iMnief 6, 2—Ö3,
f. 3. Die Kirche in Spanien in Besiehung auf ihre kirchl. Organisation etc. 173
eigene Abgaben- oder Finaiisverwaltung — unter einem römischen Pro-
enntor hatte ^). Znweilen beissen diese obersten Beamten auch juridiei
mA Ugaii. — Schon unter Antoninus Pias erscheint sie als eigener
Bcnrk , Tielleicht wurde sie unter Hadrian eine kaiserliche Provinz unter
imk Namen Galizien und Asturien (Gruterj inscr. 420. 5. — ).
Unter dem Kaiser Commodus erscheint ein Procurator von Asturien
nd Omlicien ^). Nach Zumpt wurde Asturien und Galizien durch Cara-
cdla Ton Tarraconensis getrennt (S. 150). Antoninus Pius habe zuerst
mgen der Einfälle der Mauren Asturien und Galizien auf kurze Zeit
fliaem besondem Legaten übergeben, Caracalla habe die Trennung zu
met bleibenden gemacht Die von Procuratoren verwalteten Provinzen
kBeben noch in einer begrenzten Abhängigkeit von den durch Legaten
vorwalteten Provinzen. In Asturien, wie in der Provinz Tarraconensis
adieinen auch juridiei — Gerichtsverwalter — als obere Beamte. Es
cncheint ein gevdsser L. Novius Grispinus Martialis Saturninus, und
Aot UDBerer obigen Beweisführung keinen Eintrag, dass nicht Basilides,
«»dem Martialia unwürdiger Bischof von Astorga gewesen sei ^). Zumpt
meint femer (S. 148)) M. Aurel habe, als er die Legio VII gegen den
£infiül der Mauren in die Provinz Bätika sandte, die Provinz Tarra-
eonensia in zwei getheilt; und Asturien habe ihren Legaten erhalten
(mam legaHi AugusU juridiei nominantur). Nach der Vertreibung der Mauren
aoi B¥*^^ sei Asturien wieder mit Bätika vereinigt worden, doch habe
Um» nieht lange gedauert, denn aus einer neulich gefundenen Inschrift
(Ordä nr* 0,914) erhelle, dass die definitive Trennung durch Caracalla
geteb^en, und C. Julius Cerealis heisst leg, Aug. pr. pr. — Somit ge-
Bdmhf was diese Provinz betrifft, unter Constantin nichts Neues.
Das dritte oder Tingitanische Mauritanien kam, wie man glaubt,
aar Z^eit des Diocletian politisch zu Spanien, und blieb bis zum Ein-
falle der Barbaren, als gesonderte Provinz damit verbunden. Ob ea
überhaupt hier jemals Bischöfe gegeben habe, ist zur Zeit noch nicht
bewiesen. Auch die Balearen erscheinen um das Jahr 400 als eigene
Provinz.
§. 3. Die Kirche in Spanien in Beziehung auf ihre kirchliche
Organisation vor Hosius.
Alle Versuche, eine kirchliche Organisation Spaniens vor oder zur
Zeit der Synode von Elvira oder auch nachher — nachzuweisen , haben
*) Zumptf Stmdta rttmana, 1859, p, 142 iq, — Becker- Marquardt, Handbuch der
römischen Alterthümcr, 3, 1, 80 — 82.
*) Ortüif sr. 3, 574 — Inseriptionum latinarum selectarum ampliasma colUcHOf Turic. 1828,
*) Siehe Bd. 1, S. 246-251.
174 Sechstes Boch. Drittel KapiteL |
keine Thatsacben j sondern nur Vermuthungen zn ihrem Aqflgaiig«b(
berief die Synode von Elvira? Gewiss kein Metropolit,
solcben gab es nicht — Hosius war aber Bischof d^ Pro^
Stadt von Bätika, er hatte den Ruhm eines Bckenners erkngt,
gab er wahrscheinlich den Anstoss dazu. Die Formen der
Hierarchie waren noch nicht da, aber ein halb^ Jahrhundert
der gewaltige Geist die Kirche Spaniens, der diese Formen bildel
Da aus den 81 Canones von Elvira sich keine Schlüsse auf k
stehen einer kirchlichen Hierarchie in Spanien ziehen lassen, w
es sich, ob sich aus der Ordnung der Unterschriften keine solchen
ziehen lassen. Die Bischöfe unterschreiben in der — Buch 5^
angegebenen Ordnung: 1) Felix von Guadix; 2) Hosius von
3) Sabinus von Sevilla; 4) Camerinus von Tucci - Martos ; 5) Sil
Epagra-Cabra; 6) Secundinus von Castulo-Cazlona; 7) Pardos
tesa; 8) Flavian von Elvira; 9) Cantonius von Urci; 10) Ldl
Merida; 11) Valerius voii Saragossa; 12) Decentius von Leon;
lantius von Toledo; 14) Januarius von Fibularia (Loarre); 15)
tius von Ossonoba; 16) Quintianus von Elbora; 17) Su<
Eliocroca- Lorca; 18) Eutychianus von Basti -Baza; 19)
Malaca.
: Man ist hiebe!, besonders nach der Analogie von Afrika,
Voraussezung ausgegangen (wie noch neulich der Verfasser bei^
Achterfeldt) , dass die Bischöfe nach der Zeit ihrer Ordination^
zeichnet haben. Felix von Acci war der älteste, sagte man,
schrieb er zuerst. Andere, wie Gonzalez Tellez, meinen, aofl
Kleinigkeiten hätten sich jene Männer gar nicht eingelassen (<
dem Spruch Worte: minima non curat prtzetar). Aber Hosius
zweiter Stelle Bedenken erregt. Wie konnte er, der früh«
J. 294 Bischof gewordgi , unter den neunzehn Bischöfen der z''
sejn, besonders wenn man, wie die meisten Spanier, die S]
die Jahre 300 — 304 sezte? Auch Bischof Valerius schien an]
Stelle zu weit zurückzustehen.
Es fällt auf, dass nicht auch noch zwei andere Punkte ßd
erregten, dass nemlich Felix, der Inhaber des 'ältesten Bisthm
Spanien, gerade auch der älteste Bischof seyn sollte, d. h. daai
neunzehn möglichen Fällen gerade der neunzehnte eintrifft, «ir
dass die neunzehn Bischöfe, deren es zwölf südspanisohe sind, |
so auf einander folgen, dass zuerst in einer ununterbrochentti
neun südostspanische, dann die sieben andern direct hinter eil
zulezt drei Bischöfe des Südens stehen. — Das wäre doch ein a
Spiel des Zufalls, dass hinter einander neun in der Nähe von
residirende Bischöfe dem Alter nach allen andern weiter entfernt
schöfen vorangehen sollten.
f. 3. Die Kircbe in Spanien in BcsiehuDg auf ihre kirchl. Organisation etc. 175
Doch hat man nur stark an Osius an zweiter, und weniger stark
la Valerius an eilfter Stelle sich gestossen. Darum hat Florez (10, 168)
bihaoptety dass durch die Schuld von Abschreibern diese unerwartete
Bdienfolge der Bischöfe entstanden sei; dieselben hätten nemlich ge-
1) AceiUmuM 2) Cordvhensia
3) Hupalemii 4) Tueeitanus
anstatt:
1) AeeUanuB 11) Cordubmm
2) HupalensiM 12) TuccUanu».
In ähnlicher Weise sagt der Verfasser der Abhandlung ,,zur Earchen-
gosdiichte Spaniens* in der Zeitschrift von Achterfeldt und Braun (1852,2):
yÜB mSgen nemlich die Namen der Bischöfe in zwei Columnen ge-
idurieben gewesen seyn, die eine zehn, die andere neun enthaltend.
Der Abschreiber aber verstand diese Eintheilung nicht, und statt die
Namen der einen Columne hinter einander zu lesen, las er jede Reihe
gleich YoUstiindig hinter einander, so dass er fortwährend von einer in
die andere gerieth.*
Aber auch bei dieser Annahme treten auffallende Erscheinungen
ein , die man nur nicht beachtet hat Es steht nemlich der Bischof von
Aed aoch hier als der erste. Dann stehen fünf südwestliche Bischöfe
£rect hinter einander, dann drei entferntere, dann wieder sechs süd-
wtiKche nach einander, dann vier entferntere, endlich der lezte aus
Wir haben die Unterschriften der Toletanischen Concilien von dem
dritten im J. 589 gehaltenen bis zum siebenzehnten im J. 694 gehal-
tenen Tor uns, die Metropoliten stehen nach ihrem Alter voran, dann
liehen gleich&Ils die Bischöfe nach der Zeit ihrer Ordination {CoUecHo
etnomim eeeU$. Hi9p<mae — ed. Ant. Gonzalez, Madr, 1S08 [1821 J). Aber
nirgends stehen die Bischöfe in dieser seltsamen Reihenfolge^ wie die
xa Elvira; überall sind sie in Beziehimg auf die Lage ihrer Bisthümer
mehr sertheilt und zerstreut Davon abgesehen, wird es sich fragen,
wie die ältesten Handschriften lauten, nach deren Wortlaute man sich
richten muss. Fraiiz Gonzalez hat zu seiner Sammlung der Earchen-
geseze Spaniens neun (9) der ältesten Codices benüzt. Diese Codices
lesen einstimmig den Hosius an zweiter Stelle. Nicht eine Handschrift
liest anders. Die ältesten Codices (C. Alveldenäs und C. Aemilianm) tragen
die Aufschrift der Jahre 976 und 994 (Gonzalez praefat.). — Auch
diese haben den Bischof Sabinus nicht an zweiter , sondern an dritter
SteUe.
Wir wollen demnach nachzuweisen versuchen, dass die Bischöfe
von Elvira nicht nach dem Alter ihrer Weihe, sondern nach dem Alter
ihrer Bisthümer unterschrieben. Gelänge dieser Beweis, so würde sich
176 Sechstet Buch. Drittes Kapitel.
daraus für die Aufhellung der ältesten Eirchengeschichte Spaniens kein
geringer Gewinn ziehen lassen. Auf den Einwurf dürfte kein G^widit
zu legen seyn, dass eine solche Ordnung der Unterschriften auf keiner
andern Synode sich finde. Diess Bedenken hebt sich u. a. dordi die
Erwägung, dass — wenn die Väter von Elvira in Angelegenheit der
Kirchenbusse ihre eigenen Wege im Gegensaze gegen die BeacblQne
der katholischen Kirche gegangen sind, es für sie eine nnbedentende .
Sache war, in der an sich harmlosen Frage der Reihenfolge der unter- ,
Schriften ihre eigenen — wenn auch spanischen — Wege zu gehei^.
Dass das Bisthum Acci oder Guadix das erste und älteste Bisthm :
in Spanien sei, ist allbekannt, und oben gezeigt Diesen Vorrang im i
Alters hat ihm nicht Toledo, nicht Sevilla, nicht Cordobs oder flsntimi ^
di Compostella, streitig machen können. Torquatus, das Haupt dm ^
sieben Apostelschüler, war erster Bischof in Acci, deaswegen imtBr |=
schreibt der Bischof Felix von Acci als der erste in Elvira. — Gnafiz ^
war indess politisch niemals eine bedeutende Stadt; deaswegen bssehte
ihm seine Auszeichnung, das älteste Bisthum Spaniens zu seyn, ksiiMS -
Vorrang an Ehre oder Macht. .
Cordova war die Hauptstadt des südlichen Spaniens. Da Panhi (
nach Spanien kam, kam er wohl auch in diese Stadt; ebenso vielleiflhl i
einer der Apostelschüler, etwa der heilige Euphrasius. Die Kirche' wl i
das Bisthum sind offenbar aus dem ersten christlichen Jahrhondert — ;
Die politische Bedeutung und Stellung der Stadt spricht dafür,' im i
dort zuerst das Christenthum verkündigt, und ein bischöflicher SloU :
errichtet wurde.
Das Gleiche gilt von dem berühmten Sevilla. Nebstdem bat nickt '^
bloss Italica, sondern auch das nahe Sevilla Anspruch auf den heiljgeB
Gerontius, der im siebenten christlichen Jahrhundert, wie Torquatos ii ;
Toledo, und wie Euphrasius zu Illiturgi, eine seinem Andenken gt •:
widmete Kirche am Ufer des Flusses Bätis hatte.
Das Bisthum Tucci, der Reihe nach das vierte, reichte nSnUieh ^
über den Bätis, und in seinem Umkreise lag das Illiturgi des Euphrssiiii^
Grundes genug, dass wir seinen Ursprung aus dem ersten christliches ^
Jahrhundert herleiten. — Das Bisthum Egabra, das fünfte in der Beihe^ '
lag in weiter Ausdehnung von Norden nach Süden an der Strasse zifi* -
sehen Cadix, Malaga -Antequera und Sevilla nach Cordova und Ol- -
stulo ; es lag auf dem muthmasslichen Wege des Apostels Paulus durdi '
Spanien, es lag zwischen Hispalis, Astigi und Corduba einerseits , knitt' '
seits zwischen Acci, Iliberris und Illiturgi, den Städten der Sieben- ^
männer; es selbst war eine bedeutende Stadt in paradiesischer Gtegen^ ^
so dass sich Niemand wundem darf, wenn es schon im apostolischen '
Zeitalter Bischöfe hatte. — Das sechste Bisthum, Castulo, ist schon
dfter in diesem Werke vorgekommen als ein Bisthum aus der ältesten
t demselben, wo mcht mit grüsserm Rechte sagen kann, als dass
itim Castolo - Beaoia nach JoSn verlegt worden sei, so iBsst sich
;«r Sicheriieit annehmen, dass das Bisthnm Mentesa den heiligen
na für seinen Begründer hielt, und die Stellung des Bischofs
itoaa in. den vordem Reihen der Unterschriften der Synode
li daraus erklären.
folgen achtens and neontena die Bisthümer Elvira und Urd —
le^annt apostolischen Ursprungs. Das Bisthtun Emerita, das
et Reihenfolge nach , ist doch wahrscheinlich nicht apostolischen
{68, sondern dürfte aus dem zweiten christlichen Jahrhunderte
. Das BisÜium Saragossa, das eilfte der Reihe nach, ist wohl
Uer, als Merida, und wahrscheinlich von Tarraco aus, gegründet
irtlhrend anderseits das zwBlfte Bisthum, Leon, von Saragossa
1 vielleicht erst um 257, gegründet worden seyn dürfte. Es
I dreizehntes das Bisthum Toledo.
der spStern Würde, eu welcher sich Toledo erhob, wurde
sacht, dem Bisthume das möglichst grSsste Alter su rindiziren.
) Toletaner wissen sich allein des heiligen Eugenius zu rUhmen,
aie einen SchlUer des heiligen Dionysius von Paris nennen.
B alte spanisdic Liturgie weiss weder von Dionysius dem Areo-
DOch von seinem angeblichen Schüler Eugenius. Dieses ist ein
lendes Zeugniss gegen seine Existenz. Auch stammt die Tra-
ler Eugenius erst aus dem spätem Mittelalter. Umsonst beruft
h «of das rämische Uartyrolo^um , für welches der Kardinal
I die wichtigste Auctorität ist Manche Heilige, an deren Hei-
te selbst die stärksten Zweifel hatte, z. B. den Qregorius von
bat er dennoeh aufgenommen , weil er liebgewordene Traditionen
riesen irollte. Die sanze Lfurende von DinnvHinR ist ISnffst aufh
178 SechBtet Buch. Drittes KapiteL
auf der ersten Synode von Toledo anwesend war, und eine entsdiieda
historische Person ist: ^Er gilt^' wie die alte Zeit uns belichtet, J^i
Toledo als der neunte , in Complutum ab der erste Bischofs (Ildtf.'d
viris illitstr. c, 2). — Wenn wir nun jedem der yorausgi^^angeneii «ob
Bischöfe eine Regierung von 18 Jahren zutheilen, was fttr den Dnreh
schnitt, und verglichen mit der Regiemngszeit der spätem Bischöfe Ta
ledo*s zur Zeit der Westgothen, zu viel ist, so kämen wir etwa bii
zum Jahre 260 Tor Christus zurück. Nehmen wir 15 Jahre ihrer Be
gierungszeit an, so kommen wir bis zum Jahre 280 zurück. Dana
konnte wohl Melantius noch der erste Bischof von Toledo seyn ; er battt
dann 25 — 26 Jahre regiert Um dem Gewichte des Zeugnisses^ weleliai
in der Angabe des üdefons liegt, zu entgehen, haben einige SpaiMr
ohne allen Grund behauptet, Udefons fange die Bischöfe Toledo^s eot
Yom J. 325 zu zählen an, yielleicht weil in diesem Jahre GcHUtaotii
Alleinherrscher wurde, oder eine neue christliche Aera begrttndeta
Der Bischof Melantius von Toledo aber unterschrieb als der droi-
zehnte unter den Vätern von Elvira, weil sein Bisthum erst seit ki^
zerer Zeit gegründet war. Dasselbe muss nun yon den sechs leilMi
Bisthümem gesagt werden, welche schon desswegen sänuntlich löe
jüngere Stiftung sind, weil sie sich theils in entfernteren, theOs ii
yölÜg unbedeutenden Städten befEuaden. Beides ist der Fall mit dem -
der Reihe nach yierzehnten — Bisthume von Fibularia Calagorris (sidbe
oben S. 14 — 15 ^ Kap. 2); mit Ossonoba in Alganre, dem fünfkehdlai
etwas weniger mit dem Munidpium Elbora; mit dem siebzehnten ml
achtzehnten Bisthume Eliocroca und Basti , endlich mit dem neunsehnten
Bisthume Malaga. Allerdings gehörte Malaca zu den bedeutendem
Städten des südlichen Spaniens. Aber es war eine Handelstadt, und
Yon dieser gilt im Allgemeinen , was wir oben im Besondem von Qa/iä^
Cartagena und Carteja gesagt haben. Wie die See- und Uandelstidl
Cartagena erst später einen Bischof erhielt und ihn nicht behielt, n
darf es nicht auffallen, wenn die bedeutende Handelstadt Malaga spllor
einen Bischof erhielt, als kleinere Städte in Bätica.
Wir sind weit entfernt, zi:^ behaupten, dass Spanien im Jahre 306
nur die neunzehn hier genannten Bischöfe gehabt habe, denn wir
dass Tarracp und Asturica schon um 250 Bischöfe hatten,
hatte hnch Barcelona im J. 306 schon einen Bischof Demnach stelleB
wir, mit Einrechnung der leztem, folgende Reihenfolge der Bisthümer
Spaniens nach der Zeit ihrer Entstehung auf:
1) Das Bisthum Acci, gegründet in den Jahren 64—69 nach Christ«;
2) das Bisthum Cordoya, gegründet im ersten Jahrhundert; ebeneo 8) du
Bisthum Sevilla. — Nidit weniger die Bisthümer: 4) Tued; 5) Efplttt
6) Castulo; 7) Mentesa; 8) Elvnra; 9) Urd. 10) Das Bisthnm TwiM»
gegründet im ersten oder zweiten christlichen Jahihundert? 11) du
Bisthum Emerita, gegründet kn zweiten christliohen Jahrhundert; 12) du
I Buan» vuugv uoucrwiuuuiig, tsiuu uc
iteiwdiriften der 24 Presbyter zu Elvira als aiu einem älmlicheD
I •llmlliga? GrÜDdiuig ihrer Pfarreien herrorg^angeD za be-
ll. Denn zaent unterschreibt Bestitutus von Epor« — an der
I airiscben Cordova and Ulitui^. AJb der zweite unterschreibt
oKt auch genannte Presbyter Natalia von Urso-Ossuna, im Bis-
Aatigi, auf der Strasse, welche der Apostel Paulus vielleicht
.te, veno &r von Sevilla nach Astigi zog. Als der dritte unter-
it Maonu von lUiturgi, der Erbe des heiligen Euphrasius. Als
irte Lamponian von Karula , einer Stadt an der Strasse von Gades
Jorduba. Als der fünfte unterzeichnet Barbatoe von Ästigt , der
des heiligen Paulos (und des heiligen Crispinus). Weiter aber
ch die Reihenfolge nicht wohl verfolgen.
ir schauen uns nach weiteren Stiizen für unsere (vorläufige) Hy-
I Ton dem ZusammenhaDge der Untcrachriften der spanischen
fa (zu Elvira) mit dem Alter ihrer Bisthümer um. Wir begegnen
iten Synode zu Arles im J. 314, welcher spanische Deputirte an-
n, vriihrend der grosse Bischof Hosius sich wohl in der Um-
; des Kaisers befand. Bei den Untcrscliriften der Bischöfe, Prio-
id DiakoDoa wird zu Arles fast ganz die gcograpliische Keihen-
ier Lage ihrer Biathümer eingehalten. — Es wird angefangen
r Insel Sidlien; dann folgt Italien, hierauf Oallien, Britannien,
Spanien, Mauritanien und Sardinien, endlich die Provinz Afrika,
I der Umkreis vollständig beachrieben iat Aus Spanien waren
rdiiete von sechs Städten anwesend; aus der Stadt Bätica, aus
anfl Eroerita, aue Tarraco, Zaragoza und Basti. — Hätten die
r ihreneits, wie im Allgemeinen die Italiener und die Gallier,
aeh ihnen die A&ikaner, die geographische Reihenfolge in ihren
«hnflMTt >iAihAhii1tnn - an Wittfin hia Atwa an nntprv.Pir.hnof •
180 Sechstes Buch. Drittes KapiteL
aus Zaragoza ; 6) Termarius , Priester aus Basjd, — Alles bestStigt uns
Yermuthungy dass die Vertreter Spaniens zu Arles nach demselben j
steme unterzeichnet haben, wie die Bischöfe zu Elvira. Fünf Stäi
die in Elvira vertreten waren, sind auch in Arles vertrete: 1) Emei
und derselbe Bischof Liberius, der i^u Elvira gewesen war; 2) die b
sehe Stadt, das heisst Sevilla (wie sie auch bei Strabo heisst, 3, 141
f] BiüTig), und der Priester Sabinus, wohl ein Verwandter des Biad
Sabinus von Sevilla; 3) die Stadt Urso und derselbe Priester Nata
der sich zu Elvira unterschreibt: JSataUs preabyter Urama, während
acht Jahre nachher zu Arles einen kühnern oder einen mehr poödso
Anlauf nimmt, und sich ex dviUtte Ursul^niium NataUs pretbyier nei
Auch die Städte Zaragoa^a und Basti waren zu Elvira durch ihre
schöfe vertreten; von Tarraco allein war Niemand erschienen.
Will man alle Umstände und Gelegenheiten (zu Folgerungen)
ntizen, so ergiebt sich aus dem umstände^ dass wir wenigstens zwei
Elvira anwesende Männer auch in Arles wieder treffen, dass die i
der beiden Synoden nicht weit von einander getrennt sejn kponte. V
man noch scharfsichtiger seyn, so kann man also argumentiren: ^at
von Ossuna unterschrieb zu Elvira als der zweite unter 24 Priesti
Wurde zu Elvira nach dem Alter der Weihe unterzeichnet, so n
er wohl schon ein bejahrter Maim gewesen seyn. Nun machte er a
acht Jahre später, im J. 314, noch eine weite Reise in das Aasli
also werden die Presbyter zu Elvira wohl nicht nach ihrem Alter un
zeichnet haben. Diese Argumentation hätte vielleicht mehr Glaobf
digkeit^ wenn nicht Hosius in allzu bedenklicher Nähe wäre, der
87 Jahren noch die Synode von Sardika leitete und beherrschte, \
wenn nicht die benachbarten Sevillaner sich ihres Priesters JDon Bu
mente erinnerten, der, nachdem er in einer Weise, die wir hier nä
anzugeben uns nicht getrauen, seine natürliche Lebenskraft bethätigt i
bewahrt hatte, neunundneunzig Jahre alt — die Priesterweihe erhi
von nun an jeden Tag seines noch übrigen Lebens von zweiundzwao
Jahren die heilige Messe feierte — in voller Kraft des Leibes und *
Geistes, und endlich im Jahre *1679, in einem Alter von 121 Jahr
starb ^). Unter solchen Verhältnissen konnte auch den Natalia aus <
Stadt „der Ursulentier^ sein Greisenalter nicht abgehalten haben, aus
Landes zu reisen.
Li derselben Ordnung nun, in welcher sie zu Elvira unterschrieb
folgen die Namen auch in den Unterschriften der Spanier zu Ar!
Dass Liberius, der einzige in Arles anwesende Bischof, zuerst unt
zeichnet hat, erklärt sich, aus seiner bischöflichen Würde, Ihm \
bührt der Vortritt als Bischof vor den Priestern und Diakonen. 1
spätem spanischen Abschreiber, welche in dem Verzeichnisse der V
0 Ziegler, Beise nach Spanien (1852), 1, 954.
. Dj> Küche in Spanien in Beziehung auT ihre tirchl. Org&niiation e
ihres Landes fest nur Priester sahen, übersahen, dasa Uberiiia
iBi'er sei. Sie meinten, er gehöre noch zu den voranstehenden
ien Btfldiöfeii. Sie schrieben also, nicht beachtend, däss der
t Bethausius aus der Stadt Rheims schon vorausgegangen war,
■mul: ex dvüate llhemorum (statt Emeritensiumj Liberius episcopus,
Saetmua, und sie achrieben so in der Gedankenlosigkeit oder
der Stadt Rheims zwei verschiedene Bischöfe zu,
den Bischof Liberius von Merida folgt in den Unterschriften
iester Sabinus aus der bätischen Stadt. Die Spanier sind nicht
■Den über diese Stadt, Viele meinen, man dürfe an die Stadt
I (heute Baeza am Bätis) denken, wohin später das Bisthum von
k verlegt vnirde. Florez will diess nicht zugeben, und meint, ea
l irgendeine nntergcgangeno alte Stadt seyn, deren Lage man jezt
nehr kenne. Auch der deutsche Geograph Forbiger ist derselben
, daas die von Strabo erwähnte Stadt Bätis , weil sie von keinem
Schriftsteller erwähnt werde, bald wieder verschwunden seyn
'J. Dieaca ist aber eine ebenso seltsame als unnöthigc Rosignation.
»äss doch, wo die eingegangenen Städte Sagnnt, Numantia, Illi-
[Fibularia), Ossonoba, Castulo, Mentesa und Urci lagen. Wie
nun die Lage der Stadt Bätica, welche noch im J. 314 bliihete,
vergessen seyn? Für uns kann, schon wegen dos Namens
and wegen der bevorzugten Stelle, an welcher derselbe za
iterzeichnct , kein Zweifel bestehen, dass Hispalia — die bUtische
», die Stadt, von welcher an der Bätis für grosse Schiffe schiff-
vi, und bis zu welcher sich die Fluth des Meeres erstreckte *).
iibinus unterzeichnet sich der mehrerwühnte Natalis, nicht ohne
Diakon Cytherius. Seine Pfarrei muss eine der ältesten in Spa-
fwesen seyn, und wie er in Elvira eine bevorzugte Stellung ein-
iften hatte, so auch jezt zu Arles.
Rt nach den Unterschriften der Priester zweier bätiacher Städte
die Unterschriften der Gesandten von Tarraco. Wenn Spanien
r neuen Eintheilung unter Constantin irgendeine Hauptstadt hatte,
' es Tarraco, Aber die Vertreter dieser alten und ruhmreichen
■tehen zu Arles hinter denen aus der Provinz Bätica, weil in den
;eln der leztern das Christenthum früher geblüht hatte. — Auf
no folgen die Vertreter von Saragossa, wohin das Christenthum
fcfcyiTiHj-li von Tarraco gekommen war. Endlich folgt die Stadt
rän Südosten von Spanien mit ihren Vertretern als die lezte, ganz
hrbiger, Bandbuf-h der allen Geographie, 3(1848), S. 64. - Sirabo'« Erd-
iMchreibDiif , äberie:tl und durch AaincrkuDg^n erlKulerl von A. Forbiger,
i(Bl%. 1857, 2 Bdchen. S. 9. — FrUdemmn, ad Snabon. t. 7, p. 5!)7 »?.
la heUsI London die ThcTnscStodt, Paris die tJeine-Sladl, lisrlin die Spree -
h*dt, Lciptig die FleiHe.Sl«dt, Florenz die Atno-Stadt, u. •■ w.
182 Seclutei Bocli. Drittes Kapitel.
entsprediend der Unterschrift des Biscbofii von Basti sh Eünr^y iro der-
selbe unter nemuebn als der vorleEte unterzeichnet hat
Wir b^;egnen demnach auch hier in Arles der Anwendung des-
selben Prinzips, wie zu Elvira, dass zuerst die Vertreter der ältesten,
zulezt die Vertreter der jüngsten Bisthümer unterzeichnen; daas^ uriüi-
rend im Allgemeinen zu Arles die geographische Ordnung festgehatten
wird, die Spanier, sobald nach dieser Ordnung die B^e des Unter-
zeichnens an sie kommt, zu dem bei ihnen (wahrscheinlich durch Osioi)
eingeführten Modus der Unterschrift nach dem Alter der BisthOmer
zurückkehren.
Auf der Synode zu Nicäa — 325 — waren keine Spanier, aussv
Osius, und wenige Abendländer anwesend. Dagegen erschienen vA
Osius auf der Synode zu Sardika noch fünf andere Bischöfe aus Spanien:
Osius von Corduba, Anianus von Castulo, Florentius von Emerita, Do-
mitianus von Asturica, Castus von Cäsaraugusta, Prätextatus von B•^
cino — Baroelona. — Wir haben drei (resp. fünf) versehiedene Ve^
zeichnisse der in Sardika unterschriebenen Bischöfe. Ein VerzeichmM
haben wir in einem Briefe der Synode von Sardika — an die Eardie
von Alexandrien, in der Angelegenheit des Athanasius; ein zweites in
dem Schreiben der Bischöfe an den Papst Julius von Rom; ein drittel
in einem Schreiben an alle Bischöfe (nebstdem zwei unvolIständige)i
In den zwei ersten Verzeichnissen stehen die spanischen Bischöfe pi*
mittelbar neben und nach einander, und zwar jedesmal so, dass im
Bischof von Castulo als der erste, der Bischof von Barcelona als te
lezte unterzeichnet Dagegen in dem dritten Verzeichnisse, wo nur d^
Namen der Bischöfe, keineswegs aber ihre Bischofssize, stehen, befindea
sich die spanischen Bischöfe weder an hervorragender Stelle, noch stehen
sie in einer Gruppe neben einander. In diesem dritten Verzeichnisse ist
vielmehr der Bischof von Barcelona vor den übrigen Spaniern, und in
der Reihe der Unterschreibenden der achte. Florentius von Emerita,
wohl derselbe Florentius, welcher im J. 314 als Diakon mit seinem
Bischöfe Liberius zu Arles unterzeichnet, und darum wohl schon dp
bedeutendes Alter erreicht hatte , steht als der vierzehnte in der Reihen-
folge, Domitian von Astorga als der neunzehnte. Castus von Saragossa
ab der achtundvierzigste , endlich Anianus von Castulo als der zweiund-
fünfzigste. Auf dieser dritten Liste, auf welcher Protogenes von S*^
dika, der schon 316 Bischof gewesen, sogleich nach Hosius und den
zwei römischen Presbytern, dagegen Athanasius, welcher im Jahre 328
Erzbischof geworden war (Hefele 1, 429), erst als der neunundfünf-
zigste unterzeichnet, haben die Bischöfe wahrscheinlich nach dem Alter
ihrer Ordination unterschrieben.
Die Brüder Ballerini haben noch ein viertes und fünftes mangel-
haftes Verzeichniss jener Bischöfe mitgetheilt. Das vierte, welches sich
im Anhange eines Sendschreibens an die Christen in der Mareotis findet,
i. 3. I>ie Kiiehe in SpaDien in Beziehang auf ihre kirehl. Organisation etc. 183
it nur 27 Untenchiiften, davon von den fünf Spaniern nur den Domi-
in ▼on Astoiga, yieUeicfat auch diesen nicht, weil sich zwei Bischöfe
■na Namena zu Sardika finden. In dem zweiten Schreiben des Atha-
MM an dieselben stehen, unter argen Schreibfehlem schwer erkennbar,
Ei Ibrigen vier Spanier ^). — Wir können füglich von den zwei lezten
lai Terstümmelten Verzeichnissen absehen, sowie das dritte — das
na Ider nicht näher berührt — bei Seite lassen. Dagegen ist für uns
!■ erste und das zweite Yerzeichniss massgebend, weil hier die aus
j^mieii gekommenen Bischöfe bei einander stehen. — In dem Schreiben
tat Synode Ton Sardika an die Kirche von Alexandrien steht zuerst
Ums von Corduba als Präsident Dann folgen Vincentius von Capua,
Uspodina von Neapel, Athanasius und Januarius von Benevent Dann
blgen als der sechste bis zehnte die fünf Spanier in der oben ange-
tiiiten Ordnung unmittelbar hinter einander: 1) Castulo, 2) Emerita,
i) Asturica, 4) Cäsaraugusta, 5) Barcino.
In dem zweiten Briefe an den Papst Julius haben sich die Italiener,
rdche vorher zwischen Hosius und den Spaniern standen, hinter die
Ipanier zurückgezogen; Vinzeuz von Capua steht als der vierzehnte etc.
Iligcgen stehen hier die fünf Spanier unmittelbar nach Osius, und zwar
I derselben Reihenfolge, wie vorher, so dass man bei der ersten Unter-
dkrift von einem Zufalle nicht sprechen kann (wenn nicht irgendein
ifflianfifcnger auf die Grille kommt, dass sie in einem Zuge beide Akten-
lAe unterzeichnet hätten). Niemand wird glauben, dass die Spanier
isnregen in den vordersten Reihen unterzeichnen, weil sie die ältesten
VaAßCe -waren. Sie stehen den übrigen in Sardika anwesenden Bischöfen
m zwei Gründen voran, aus einem Grunde der Ehre, und aus einem
imde der kirchlichen Ordnung oder Hierarchie.
Diese Spanier waren aus dem fernsten Lande des bekannten Erd-
reises angekommen. Denn als das Ende der Erde galt Spanien stets
BL 1 , Kap. 2). Die Synode von Sardika wollte den grossen Hosius, den
brwürdigen Greis von 87 Jahren, dessen Gegenwart alle mit so grosser
"reude erfüllte, und die mit ihm gekommenen Spanier dadurch ehren,
■SS sie ihnen die ersten Stellen bei der Unterschrift ihrer Erlasse ein-
iomte. — Es ist klar, dass, nachdem es einmal festgestellt war, dass
ie Spanier nach einander und in den vordersten Reihen unterzeichnen
>Ihen, es ihnen überlassen bleiben musste, nach welchem Range sie
übtt einander folgen wollten. Die Spanier blieben auch hier dem Prin-
ipe treu, nach welchem sie sich im J. 306 zu Elvira, im J. 314 zu
ürles, gerichtet hatten. Sie unterzeichneten nach dem Alter ihrer Bis-
bfttner. Zuerst also unterzeichnete Anianus, der Bischof von Castulo,
Vorgänger zu Elvira als der sechste unterzeichnet hatte, und
Bisthum von ältestem Ursprünge war. Ihm folgt Florentius von
*) Siehe S. Leoma l op, l3 (Mignt p. ku. 56), p, 849 sq. (609 sq.).
184 SechttM Bach. Drittet Kapitel. $. 3. Die Kirche in Spanien etc.
Emerita, dessen Vorgänge Liberias in Ehim «Is der zehnte, und an«
mittelbar nach den nean südöstlichen Bischöfen, onterzeichn^ hattei
Diesem folgte in der Beihe der Bisdbof von Asturica, welche Stadt rvrar
weder in Elvira noch za Arles L vertreten war, von wdcher wir aber
doch wissen, dass sie schon am and vor 2d0 n. Chr. eigene Bischöfe
hatte. — Diesem folgte der Bischof Ton Saragossa, der in Elvira als
der eilite, and nach den Bischöfen von Castalo ond Emerita anter-
zeichnet hatte, während die Vertreter des Bisthams Saragossa in Ades
gleich&Us an der vorlezten Stelle onterzeichnet hatten. Als der lezte
anterschrieb in Sardika der Bischof von Barcelona. Dieses Bistham ist
bis jezt noch nirgends erwähnt worden, wahrscheinlich weil es noch nicht
lange bestand. Jedenfalls wissen die Barceloneser vor Prätextatos keinen
Bischof anzaf Uhren {Mann, eandl. Coli. III, 38 — 42 9q, — Hefele, GoncL
GescL 1,519— 26).
Viertes Kapitel.
Hosios ond die Anfänge der Hetropolitanverfassnng in
Spanien.
Haben ^ir unsere Hypothese ^ dass die spanischen Bischöfe anf
ihren bisherigen Synoden nach dem Alter ihrer Bisthümer unterzeichnet
haben, mit solchen Ghünden und Belegen imterstUzt, dass sie der ge-
9chiditlichen Wahrscheinlichkeit nicht mehr entbehren dürfte; haben 'wir
uns überzeugt, dass durch die Wahrheit dieser Hypothese — auf die
ilteste spanische Kirchengeschichte ein neues und überraschendes Licht
£illen, und die Tradition von den sieben nach Spanien aus Rom ge-
sendeten Bischöfen dadurch eine erhöhete Glaubwürdigkeit gewinnen
würde, so wollen wir jezt nachzuweisen versuchen, wann und wie
die Metropolitanverfassung in der Kirche Spaniens eingeführt wurde.
Eis ist diess eine Frage, welche man bis jezt für eine offene und unent-
schiedene gehalten hat. Nur über die Thatsache war man einverstan-
den, dass die kirchliche Eintheilung und Gliederung der politischen
Eintheilung folge, dass also, wenn es vor Constantin Metropoliten in
Spanien gegeben haben soUte, es wegen der drei damaligen Provinzen
nur drei habe geben können, dass seit Constantin^s neuer Eintheilung
der Provinzen es fünf Metropolen auf dem Festlande von Spanien ge-
geben habe.
.Nach der neuen Eintheilung Constantin^s vom J. 330 — 32 hatte
der Vicarius von Spanien seinen Siz in Hispalis, während zu Cordova
ein Comes, ein Consularis, oder irgend ein anderer Beamter als Präses der
Provinz Bätica wohnte. — Als sechste Provinz rechnet man die Balearen,
mit der Provinzialhauptstadt Palma ^) , und als siebente Mauritania Tin-
gitana, mit der Hauptstadt Tingis (Tanger). Sextus Rufus, welcher
<) Cenni Caj.f de antiquUaU 9eeL ffupanae, p, 87 tq.
186 Seclutei Buch« Wertet KapiteL
unter dem Kaiser Valentinian L schrieb, l&Bst die Balearen ans, und
spricht nur Ton sechs zu seiner Zeit bestehenden Proyinieci SpanieoSi
welche er in dieser Ordnung aufführt: Tarraconoiais, Ourtagineusisi
Lusitania, Galläcia, Bätica, Tingitana Mauritania.
Es wird &st allgemein angegeben, dass sich die kirchliche Einthd-
lung Spaniens — bis zu der Zeit der Eroberung durch die Muhame-
daner aus dieser politischen Eintheilung herausgebildet habe. In der
That erscheint Tarraco im J. 385 als die Metropolis der Ksihümer dsr
gleichnamigen Provinz. Die Stadt Asturica (nicht Bracara) erKheint
als Metropole der Bisthümer Galiziens, an dessen Stelle spXter Bracara
als Hauptstadt des SueTcnreiches trat — Emerita war immer die M»*
tropolis der Provinz Lusitanien. — Sevilla war immer die Metropolii
der Bischöfe von Bätika. — Nur bei der Provinz Cartagena war ein
langes Schwanken und eine lange Unentschiedenheit Zwar fand im
J. 400 ein Concil, das sogenannte erste Concil, zu Toledo — statt. —
Daraus aber lässt sich tin. Schluss nicht ziehen, dass Toledo damals ab
Metropolis der Provinz galt Vielmehr hat der oben genannte Bischof
Asturius von Toledo , welchen sein Nachfolger lldefons als den neunten
Bischof dieser Stadt bezeichnet, unter den neunzehn dort versammettea
Bischöfen als der eilfte unterzeichnet Als erster unterschrieb der Bi-
schof Patronus oder PMruinus, er prXsidirte und leitete die SyAOck
Aber welcher Kirche stand Patronus vor? — Er war Bischof und M^
tropolit von Emerita. — Der Bischof Asturius von Toledo war de»
nach weder Vorsizender der Synode, noch auch Metropolit; er war Bh
schof wie die andern, und unterzeichnete nach dem Alter seiner Ordi-
nation. Nicht die kirchliche Stellung, sondern die geographische Lage
dieser Stadt in der Mitte von Spanien erklXrt es, dass Bischöfe aas
ganz Spanien gerade in dieser Stadt zusammentraten. Erst von der
zweiten, resp. dritten Synode von Toledo im J. 527 kann man mit
einigem Rechte sagen, dass der Bischof Montanus von Toledo daselbit
als Metropolit ftingirt habe. — Dagegen war und blieb die Stadt Tai^
raco stets der Metropolitansiz der Provinz Tarraconensis, da sie ohne
Zweifel auch die älteste war, in welcher ein Bisthum errichtet , und
von jeher die Hauptstadt der betreffenden , unter Constantin so sehr ve^
kleinerten, Provinz war.
Die gelehrten Spanier aber können sich in der Frage, wann in
ihrem Lande die Metropolitaneintheilung angefangen habe, nicht einigen.
Florez nimmt vor der Zeit Constantin*s nicht weniger als drei Primaten,
und zwar Primaten des Alters an, eine allzu verwickelte Combinati(m,
für welche keine Beweise beigebracht werden *). Caj. Cenni kommt der
Wahrheit sehr nahe, geht aber an der nahen Wahrheit vorüber, wenn
er meint, man dürfe sich nicht vorstellen, dass die fünf Metropolen
') florez 4f 69 $q, Del Origen de h$ Brovmein Ecktiattieaa m E^ptuma,
xdieint, dass die Annesenhcit der sechB spanisdien Bischöfe hk
der Anfang nnd die Begründung des kirchlichen MetropoUtan-
in Spanien sei Diese sechs BiscbGfe — mit Einschluss des
— waren eben ausgewählt, je einer ans einer politiechen, je
18 einer sieb bildenden kirchlichen Provinz, um alle Kirchen
9 in Sardika zu repijlaentiren. Die siebente zweifelhafte Pro-
nritanien fällt weg, da es bis jezt nicht gelungen ist, Äufklä-
Über die kirchlichen Verhältnisse daseibat zu geben.
' die Kirchenprovinz Bätika gicng als Metropolit Hosius selbst
rdika. Für die Provinz Lusitanien gieng Florentius von Eme-
MetropoÜtanbischof nach Sardika. Für die neue Provinz Carta-
, die eine politische Hauptstadt in Cartagena, aber noch keine
le hatte , gieng der Bischof eines der ältesten und ehrwürdigsten
er der Kirchenprovinz, der Bischof von Gastulo, als provisori-
etropolit, nach Sardika. Für die Provinz Galizien gieng der
der damaligen Hauptstadt Ästurica als Metropolit nach Sardika.
amals Überhaupt einen Bischof von Tarraco gegeben habe, ist
ine Frage. Jeden&lls wird zwischen dem J. 259 und 385, also
re lang, überhaupt kein Bischof von Tarraco in der Geschichte
Für ihn, der entweder nicht vorhanilen, oder nicht disponirt
1 Gehen, gieng als Stellvertreter der Bischof des — nach der
idt — ältesten und bedeutendsten Bisthumes in der Provinz , der
Castus von Saragossa, nach Sardika.
Ilich der Bischof von Barcelona, für welche Provinz {peng er?
politische Provinz der Balearea , welche allerdings keine Kircheo-
wnrde, aber nach der Analogie es doch werden konnte oder
— £s ist schwer, über die Kirchengeschichte der Balearen zu
D, weil es fast ganz an Nachrichten fehlt. In den J. 1632 und
f
188 Seehstei Bacli. Viertes KapiteL
Juden) , welchen er dem Baromos entnommen hat *). In dem Venddi-
msse der Bischöfe des vandalischen Reiches Tom J. 484 kommen drei
Bischöfe dieser Insehi vor, der von Majorka, von ICnorka, und Yon
Ebusa, welche znr Zeit der Vandalenherrschaft nnter dem Bisdhofe Ton
Cagliari standen '). — Femer besizen wir einen Brief von Gr^por dem
Grossen an seinen Defensor fd. i. Nnntinsj Johannes in Spanien, worin
er ihn auffordert (auf der Reise nach Spanien), auf die Insel Capr^ra
— bei Majorka — zu gehen, um dort zuchtlose Mönche zur Ordnung
zurückzuführen. Daraus schliesst man, ob mit Recht?, dass die Ba-
learen damals kirchlich zu Spanien gehört haben ^). — Wir besizen
einen um dieselbe Zeit geschriebenen Brief des gelehrten Bischofes li-
dnian von Cartagena, worin er den Bischof Vincentius von Ebusa oder
Ivica wegen des Abei^laubens zurechtweist, dass nemlich Briefe rom
Himmel fedlen^j.
Wenn um das J. 600 ein Bischof in Ebusa, oder f&r die Pitfayuseo
eingesczt war, so darf man wohl schliessen, dass auch in Majorka oder
Minorka Bischöfe sich befanden. Aber, wie soll man es sich erklSnm,
dass nie einer dieser Bischöfe auf einer spanischen Synode erschienen?
Die sogenannte Diöcesancharte des Königs Wamba kann uns kernen
Aufschluss geben; denn sie stammt aus dem Mittelalter. Wir werden
also sagen müssen, die Balearen hatten Bischöfe um 420. Bald dazarf
fielen sie in die Hand der Vandalen, und die drei Bischöfe der Lusah
kamen unter die Eirchenprovinz von Cagliari auf Sardinien, welcha
Insel gleichfalls ein Bestandtbeil des Vandalenreiches war. Dieses Beidi
fiel mit allen seinen Bestandtheilen in den J. 532 — 34 in die Hand der
Oströmer. In diese Gewalt fielen auch die Balearen'), und, ob man
auch auf Sardinien keine Nachrichten darüber habe, muss doch ange-
nommen werden, dass die Bischöfe der Balearen unter dem Metropoliten
von Cagliari standen, bis die Inseln selbst am Ende des siebenten Jahr-
hunderts in die Hand der Muhamedaner fielen. Die Balearen wurden
nur vorübergehend von Karl dem Grossen erobert Zur Zeit der Muha-
medaner scheint das Christenthum, wenigstens die Bisthümer, auf den
Inseln verschwunden zu seyn.
Aber — im Jahre i058, 3| Jahrhunderte nach der Unterjochung
Spaniens und auch der Balearen durch die Araber, schenkte der mau-
rische Fürst Hali die balearischen Inseln dem Bischöfe von Barcelona —
auf seine Bitten — für dessen geistliche Jurisdiction. In der Urkunde
>) Baronius ann. 418. nr. 43-^63,
*) Victor Vi'tenna, de perteeuL VandaUca (in appendice),
*) Martini P., Storia ecclesiastica di SardegtuL (der Insel). 3 voL Cagliari 1839 — 40,
— i, p.82; 95,
*) FloreZf 5, 406. appendice IV.
*) Procopiusj de hello VandaUco, 2, 5.
\
I
Hosiat and die Aof&nge der Metropolitanverfassang in Spanien. 189
der üebeigabe heisst es, dass schon Halles Vater, Mngejdy die geist-
liche Gerichtsbarkeit über die Balearen demselben Bischöfe auf dessen
Ktten zurückgegeben habe (interveniu jam dicti PanUfieis revoeavit
äfue mbdidü mtuUu Balearct sub jure et dioeeeri 8td%9 BarcJUnonermsJ»
Kdn Geistlicher auf diesen Inseln dürfe seine Weihe und seine Voll-
■achten von Jemand anders empfangen, als dem Bischöfe von Bar-
osioDa. Diese Urkunde, welche zur Zeit der Einweihung der Elathe-
inle sa Barcelona im J. 1058 ausgefertigt wurde, haben unterschrieben
fie damals in Barcelona anwesenden Bischöfe, nemlich der Erzbischof
lon Arles, der Erzbischof von Narbonne, die Bischöfe von Maguelone,
nm Nimes, von Urgel ^). Glaubt man wohl, jene Uebergabe wäre
erfolgt, und diese Bischöfe, welche ihrerseits, etwa abgerechnet die Bi-
schöfe von Arles und Urgel, gleichfalls Ansprüche auf die geistliche
Jurisdiction über die balearischen Inseln erheben konnten, hätten sich
n dieser Unterschrift herbeigelassen , wenn nicht das Bisthum Barcelona
die ältesten und begründetsten Ansprüche gehabt hätte? Man findet
unter den Unterzeichneten den benachbarten Bischof von Gerona nicht,
denn in Gerona zeigte man eine erdichtete päpstliche Bulle aus dem
sehnten Jahrhundert, in der man sich den Besiz der balearischen Inseln
nMhrieb, oder vielmehr durch einen päpstlichen Machtspruch zuschreiben
Eev ') , wie num in dieser Zeit auch in Narbonne durch unterschobene
pipstUche Bullen gegen die gerechten Ansprüche des sich wieder er-
ksbenden Erzbisthumes Tarragona ankämpfte. — Barcelona behielt sein
dfcsi und verbrieftes Recht, bis die Balearen, unter dem Widerspruche
der Bischöfe von Barcelona, im J. 1237 einen eigenen Bischof erhielten ^).
Wir nehmen demnach mit Recht an, dass Bischof Prätextatus von
fineelona im J. 343 auch Bischof der Balearen war, und dass er, weil
fiese eine eigene politische Provinz bildeten, als Vertreter derselben
udi Sardika gieng.
Wir haben oben gesagt, dass die Bischöfe in Sardika bei der Ord-
umg der Size und der Unterschriften den spanischen Bischöfen einen
fTorrang der Ehre eingeräumt haben. Allein — sie räiunten ihnen auch
sinen Vorrang der Macht ein. Denn diese Bischöfe erschienen theils
dfl wirkliche Metropoliten, theils als Stellvertreter der Metropoliten.
Bei der Reihenfolge ihrer Unterschriften kann nichts aufiEallen, als dass
ier Bischof von Saragossa nicht vor dem Bischöfe von Asturica unter-
leichnete. Denn es ist an sich wahrscheinlich, und auch oben von uns
ingenommen worden^), dass das Bisthum Saragossa älteren Ursprunges
ist, ab das Bisthum Asturica, da das Christenthum in der Richtung von
») Die Urkunden bei Florez, 7, 305 — 6.
^ Petrus de Marca, j,Marca Eispamca*', 1688, p. 834.
*) DamBto, 1, 298 sq.
*) Bd. 1, S. 252.
f
190 Sechstes Buch. Viertes Kapitel. >
Osten nach Westen, von Tarraco nach Saragossa, von Saragossa nach
Leon und Astorga, in Spanien eingeführt wurde. — Mein man hat
zu beachten , dass der Bischof von Astorga wirklicher Metropolit war,
und insofern den Vortritt hatte vor dem Stellvertreter des Metropoliten,
dem Bischöfe von Saragossa. Dagegen kann man nicht geltend machen,
dass auch Anianus von Castulo, der Erste der Unterschriebenen, nur
Stellvertreter des Metropoliten war. Vielmehr war Castulo wenigstens
damals noch die bedeutendste Stadt in der Provinz Cartagena, in Ou^
tagena selbst gab es wahrscheinlich noch keinen Bischof, und der K-
schof von Castulo hatte auch sonat die meisten Ansprüche, Metropolit
di^er neuen Kirchenpro^nz zu seyn.
Die Frage aber, wann diese Metropolitanverfiissung in Spanien in
das Leben getreten sei, scheint mir der Hauptsache nach beantwortet
zu sejn. Der grosse Hosius erwarb sich auch dieses Verdienst um die
Kirche seines Vaterlandes. Nur muss man nicht verlangen, dass die
neue kirchliche Einrichtung sogleich als ein vollendetes Ganzes hervo^
getreten sei. Diese Verfassung bildete sich allmälig, aber durch viele
E&mpfe und Verwicklungen hindurch, wie man aus dem Briefe des
Papstes Siridus vom J. 385 an den Metropoliten Himerius von Tarribo,
imd aus dem Briefe des Papstes Linocentius I. über die Spaltung uttd
die verfallene Disziplin der Kirchen von Spanien ersieht
Aus der Kirchenprovinz Mauritanien konnte kein Metropolit nadi
Sardika gehen, denn, troz der Behauptungen von Morcelli, hat man
bis jezt keinen Bischof und keinen Bischofssiz in diesem Lande nach-
weisen können. Mauritanien wurde in den J. 39 — 42 unter Kaiser Clau-
dius erobert, in zwei Provinzen gctheilt — 42, deren Grenze der Fluss
Muluchath bildete, und welche durch zwei Procuratoren verwaltet waren,
die in wichtigem Angelegenheiten dem Legaten von Afrika unterstellt
waren *). Plinius führt nur fünf Städte des Tingitanischen Mauritaniens
an, Zilis und Lixus, beide am atlantischen Meere, Tingis, die Haupt-
stadt, im Innern des Landes Babbah, und Banasa am Flusse Subur^).
— Obgleich Tacitus sagt, dass Kaiser Otho die Städte der Mauren der
Provinz Bätika zum Geschenke gegeben habe ') , so erscheinen doch
bald darauf die beiden Mauritanien wieder vereinigt unter einem Pro-
curator % — Beide Mauritanien erscheinen vereinigt auch unter Trajan,
ja bis in die Mitte des dritten Jahrhunderts. Denn aus einem Briefe
0 Marqaardt- Becker, Römische Alterthümer , 3,1, 8. 2d0*-82. — Zumpt,
Studia romcma, 1Q59 , p, 130 — 150, — Paaly, Realencyclopädie der elastischen
Philologie, Bd. 4 (1846), Mauritanien, p. 1664 — 67. — Georgii L., Alte Geo-
graphie (1838), 1, S. 550. "
•) Plin, J, 1 (1). — Strabo, 825. 829, - Meia, 3, 18.
•) TadL hisL 1, 78; 2, 58, cf, PUn. 5, 1 (1).
«) Orem intcripu nr. 3. 570 (485).
Hodna «Dd die Anf&Dge der MetropolitanverfassuDg in Spanien. 191
YpijMBB geht kenror, dass ihm die geistige Sorge über beide Mauri-
oien ohUkg ^) ; ja die Verbindung mit Afrika ist bis aaf Constantin nach-
tweisen ^). Aber im vierten Jahrhmidert gehört Tingitana zu Spanien.
Um das J. 390 kommt Mauritania Sitifensis vor. — Morcelli nennt
Bgis einen altchristlichen Bischoüssiz, aber er beweist es nicht ^). —
bleich man nun gewöhnlich behauptet ^ dass das politisch zu Spanien
iiSrige l^ngitana in kirchlicher Beziehung einen Primas mit Mauri-
iiia CSaesariensis hatte, so ist es dennoch nicht gelungen, Bischöfe da-
Ibst nachzuweisen. Wohl hatte nach der Liste der afrikanischen Bi-
böfe zur Zeit der Vandalen Mauritanien Caesariensis 126, das westliche
iä kleinere Sitifensis 44 Bischöfe, aber — wo stehen denn Bischöfe
DB der Provinz von Tingis? So nimmt denn auch der Reisende Barth
[f dass, weil keine Bischöfe von Zilis oder Zila genannt werden, es
idi keine daselbst gegeben^).
Das — waren allerdings ausserordentliche kirchliche oder unkirch-
he Yerbältnisse. Aber was will es denn bedeuten, wenn man, wie
axea, Morcelli u. a., noch so oft behauptet, dieses äusserste Mauritanien
be kirchlich zu Afrika gehört, wenn man k^ne Beweise beibringt,
I etwa die vagen Worte Cyprian's, die doch jaicfat beweisen können,
SB derselbe Bischöfe in diesen entlegenen Oegenden eingesezt habe?
»er scheint mir, einzugestehen, dass wir bis jezt über das kirchliche
iben von Mauritania Tingitana nichts wissen.
*) Cjfpr, tp. i5;ep, 3 — habet etiam (nostra provmda) NunUdiam et Mauritaniam tibi ca-
*f Zh^m, geoffr. aaer, ap. JBoeclang, notitia dignitatum uiriusque impenif 2, p. 146—149;
452 sg. — Dypin, p, 637, - OrelU, nr. 3. 672.
•) Mpreeia, Africa ekrisüana (1816), 1 (21 -33); 326,
*) Hein. Barth, Wanderongen darch die Küstenländer des Mittelmeeres. Erster
Bd.» Berlin 1849, 8. 17. ~ »So gab diese Stadt (Julia Constantia Zilis) das
Beispiel, dass der äusserste Nordwesten Afrika^s passender und inniger mit
Hispanien verbunden werde, welcher Grundsaz hernach von Dioclctian durch-
gefShrt wurde , so dass das ganze jezige Marocco , vollkommen losgerissen von
den sechs afrikanischen Provinzen, zu Hispanien geschlagen wurde. Bischöfe
•OS Zilis sind nicht bekannt
Fünftes Kapitel.
HosiDS Diid die Synode von Sardika — 343 — 341
§. 1. Hosius vor der Synode zu Sardika.
Mit Recht schreiben wir dem Hosius den grossem Theil des Yv»
dienstes an der Berufung der allgemeinen Condlien zu , an dem VaS
dienste, durch welches der katholischen Kirche eine Einrichtung ge-
schenkt wurde, mittels deren der heilige Geist sie in den schwierig^rtm
Zeiten erleuchtet, geleitet, geeinigt und gereinigt hat Wenn Hodos
sonst nichts gethan hätte, so würde er doch den Beinamen des Grossen
verdienen , er hätte doch der Kirche Gottes unvergängliche Dienste ge-
leistet. — Siebenzig Jahre zählte Hosius, als er nach der Synode von
Nicäa in sein Vaterland zurückkehrte, gewiss in der sichern Erwartung,
dass er den Rest seines Lebens dort zubringen werde. Aber er war
noch für viel schwerere Kämpfe vorbehalten. Bald nach der zweiten
Verbannung des Athanasius aus Alexandrien — 340, finden wir die bei-
den Freunde bei einander ^). — In seiner Gegenwart hielt Athanasius
Besprechungen mit dem Kaiser Constans. Im Sommer 343, im vierten
Jahre der Anwesenheit des Athanasius in Rom — berief ihn der Kaiser
Constans zu sich nach Mailand, und theilte ihm mit, dass mehrere Bi-
schöfe (besonders Papst Julius, Hosius von Corduba und Maximin von
Trier) ihn ersucht hätten, an seinen Bruder Constantius wegen Berufung
einer Synode zu schreiben. „Als ich,'' sagt er, „in dieser Stadt (Mai-
land) weilte, berief er mich wieder nach GaUien, denn dorthin kam
auch der Vater Hosius, damit wir mit einander von dort nach Sardika
*) Äthanat. apoL ad CoMtanU imperoL c, 3, — utayog iörty ö Jlccr^ 'OCwf tixiiv.
f. 2. Hosius Pr&sident der Synode. iQS
[!>).« Damit stimmen die Arianer überein ^ welche sagen, dass
lasius nach Italien und Gallien gegangen, und dass Papst Julius,
y{ Maximin von Trier, und „Ossius*' ihm Gehör geschenkt hätten,
c auch auf die Abhaltung der Synode gedrungen ^).
iBch den neuem Forschungen kam Athanasius im Sommer 343
Mailand, von da begab er sich nach Gallien, und reiste von dort
sius, den spanischen und sonstigen abendländischen Bischöfen nach
va, wo sie vor dem Spätsommer des Jahres 343 nicht ankonunen
cn. Die Synode aber dauerte wohl bis zum Frühjahre 344^).
§. 2. Hosius Präsident der Synode.
)as Menologium der Griechen (zum 27. August) schreibt dem Ho-
in der Berufung der Synode von Sardika den Hauptantheil zu;
up 08, welcher diese Synode zusammen brachte*). — Jedenfalls
s er nicht bloss den Vorsiz, sondern er war Seele, Haupt, Leiter
Vlies. — Man kann sagen, dass er die Beschlüsse von Sardika
te. Sie sind sein persönliches Werk und Verdienst. — Papst Julius
5, wie es zur Zeit der Synode zu Nicäa geschehen war, wie-
eine Bischöfe als seine Legaten nach Sardika, damit in Betreff
orsizes keine Schwierigkelten entständen, derselbe vielmehr unbe-
Q dem Hosius bliebe, — sondern zwei Presbyter, welche nach
B unterschrieben mit den Worten: Julius von Rom durch die
jter Archidamus und Philoxenus. Aber ihre Namen konunen
inmal in dem Sendschreiben an alle Kirchen vor. — Osius schlägt
Qzelnen Canones vor, und unterschreibt zuerst Athanasius nennt
Dsdrücklich den Vorsteher der grossen Synode*). — Theodoret
dass Hosius zu Sardika die erste Stelle eingenommen habe^). —
lenus nennt die Bischöfe von Sardika, die um den Hosius waren
uq>i TÖp"Oaiov)'')y doch sagt er in demselben Kapitel, dass Hosius
u ßjUTtxeftipitro xdlty ttc W PaXXiag ^ ixtl ydp xai 6 ITarijp "OOiog iJQxeroy iva
lUlStv eig rr^v £apSixrpf oötoOwfJtey — cap. 4 npol, ad Const,
Er op. hiatorico Ililttrii — fragm, S (2), 14 • ■ Athanasius in ItaUam et GaUiam
itrpsns siln Judicium compuraviL Cui ronuensum coiHmoduntes non rwtSf Julius Roma«
crbis episcopusj Alaximus (Maximinus Trev.) et OssiuSf caeterique comphares ipsommj
vncilium apud Serdicum fieri ex imperatoris benigmtatß sumpserunL — V. Niehucs,
jreschichte d. Verhältnisses zw. Kaiserthum und PapsUhum im Mittelalter —
l Bd. — Münster 1863, 8. 274.
Flefelc, C. G., 1,515.
rj ecurj Tffu^, tov oöiov xargog rjiiufv *O0tov, iyrtöMOXov Kopdcvfli/f — Mtü n^y
fsvofiempf Cwodw xard rijrv £aQdtx^ avrog Ovysx^orsL
xptnjyo^of — Ath, ad monach. 16,
TkewL h. e, 2, 12,
Soxtm, 3, 12.
jDi, Span. Kirche. IL 13
194 Sechste« Buch. Ffinfles Kapitel.
and Frotogenes die Häupter (aQxovTEs) der Synode gewesen eeioL
Ebenso nennt Socrates den Frotogenes und den Hosius von Cordiibt
die Häupter der Orthodoxen '). Die Eusebianer in ihrem Sendschreiben
an die Bischöfe von Afirika sagen inuner, dass Osins and Frotogenes
Häupter der Synode waren. Diese beiden waren wahrscheialich sogleich
die ältesten Bischöfe der ganzen Synode.
Der Yorsiz des Hosius wird so erklärt, dass er von dem Ftpele
(vielleicht auch von den beiden Ejüsem) einen besondem Anfing er
halten habe^).
§. 3. Verhandlungen des Hosius mit den Arianem.
Drei gleichzeitige Zeugen berichten darüber; Hosius selbst , Aths*
nasius und die in Fhilippopolis versammelten Eusebianer. — Als die
Eusebianer erftihren, dass bei den vor ihnen zu Sardika eingetroffenen
Abendländern Athanasius und die übrigen Abgesezten sich beflbiden,
so beschlossen sie, ihre Thcilnahme an der Synode von der Aussohlie»-
sung der von ihnen Abge^ezten abhängig zu machen. Sie bewohnten
zu Sardika alle ein Haus, um eine geschlossene Macht zu seyn').
Ueber das Weitere berichtet Hosius selbst: „Ich selbst wohnte der
Synode zu Sardika an — , und habe die Feinde des Athanasius wa^
fordert, sie sollen in die Kirche kommen, in der ich mich befand, wif
wenn sie Etwas gegen ihn hätten, es vorbringen. Ich gab ihnen mem
Wort, und hiess sie guten Muthes seyn, sie dürfen nichts anderes, ak
ein gerechtes Urtheil in allem, erwarten. — Diess habe ich nicht ein-
mal, sondern zum zweiten Male gethan, indem ich ihnen zugab, wenn
sie vor der ganzen Synode nicht wollten, so sollten sie es mir allein
mittheilen; und wieder habe ich versichert, falls er schuldig erwiesen
würde, so wird er durchaus auch von ims verworfen werden. Wiid
er aber unschuldig erfunden, so dass ihr als Verleumder erscheinel^
wenn ihr ihn aber doch euch verbittet, so überrede ich den Athanasfosy
mit mir nach Spanien zu gehen. ^ Athanasius war damit einverstanden,
und widersprach dem nicht. „Jene aber, die ihrer eigenen Sache mias-
trauten, wiesen dieses doch zurück.^
Von diesem weicht der Bericht des Athanasius nicht ab. Er führt
die Arianer redend ein, als sie von Sardika sich zu entfernen gedachten:
„Osius aber, und alle übrigen Bischöfe thaten ihnen zu wiederholten
Malen die Bereitwilligkeit des Athanasius und der Ucbrigen kund, sich
zu vertheidigen, und ihre Gegner als Verleumder zu überweiseiL Sie
>) SocroL 2, 20.
*) Petrus de Marca de eoncord, sacerdoi. et imperii, L5, 4. — NataUB ÄUx, k, eee. & 4.
diiB. 27. Art. IL — Ilefelc, 1, 524.
*) Äthan, ap, ctr, Arian, c. 48,
f. 3. Verhaodlungen des Hmius mit deo Arianern. 196
gten andi: Vfean ihr die Untersuchung fürchtet, warum seid ihr denn
ikommen? entweder hättet ihr nicht kommen , oder — ^ nachdem ihr
ämnBoakj nidit fliehen sollen ^).^
Durch den Priester Eusthatius von Sardika liesscn die Eusebianer
m Orthodoxen sagen , der Kaiser habe ihnen Nachricht über seinen
ii|g über «Ue Perser g^eben,. und darum müssen sie eilends abreisen
rohl um ihm Glück zu wünschen). Osius liess ihnen melden: ^Wenn
r nicht erscheint, und euch wegen der von euch ausgestreuten Ver-
imdongen, und wegen der g^en euch yorgebrachten Klagen recht-
rtigt, 8o mög^ ihr wissen, dass die Synode euch als Schuldige yer-
theilen, den Athanasius aber und seine Gtefährten als unschuldig er-
iren wird.' — Ein grosses Lob wird in dem Schreiben der Synode
n Sardika an alle Kirchen dem Hosius selbst gespendet: |,Nicht ein-
al bloss und ein zweites Mal, sondern oft Tor uns gerufen haben (die
nuier) es versehmähet, zu erscheinen; obgleich wir alle Bischöfe zu-
immengekommen waren, besonders aber der Greis glückseligen Alters
[oäos, welcher wegen seines Alten und wegen seines treuen Bekennt-
iaaes, und weil er so viele Mühseligkeiten übernommen hat, aller Ehr-
irdit würdig ist ^).''
Anders allerdings lautet der Bericht der Arianer, welchen rie an
«e wirklichen oder vermeintlichen Anhanger sandten. Hieher aber
)di5rt nur das, was sie im Besondern über Hosius vorbringoi ^). Sie
ab und scfaliessen im Besondem von ihrer Kirchengemeinschaft
: 1) den Ossius, 2) den Protogenes, 3) den Athanasius, 4) den Mar-
9QDai von Ancyra, 6) den Asclepas von Gaza, 6) den Paulus von Con-
itaatinopely 7) den Julius (von Rom). Indem sie den Hosius allen an»
fam voranstellen, erklären sie ihn eben damit als den Urheber deit
^jtgen sie vollbrachten Unthaten. Zum zweitenmale verdammen sie die
liapier der Orthodoxen in folgender Reihe: „Darum hat unsa?e ganze
ITenammlung den Julius aus der Stadt Rom, den Ossius und den Pro-
ogODßBy und den Gaudentius, und den Maziminus von Trier (dieser
ieitere wohnte der Synode an; Gaudentius war Bischof von Naissus,
md gleichfalls anwesend) verdammt nach dem ältesten Geseze, als die
Urheber der Gemeinschaft mit Marcellus, mit Athanasius und den übrigen
Uisseth&tem, welche auch an den Mordthaten des Paulus von Constan-
tinopel und an seinen grausamen Thaten Theil genommen haben.'' Dann
werden die Missethaten des Protogenes und des Gaudentius besonders
erzählt. Den Julius aber von der Stadt Rom verdammen sie als den
Urheber und den Anführer der Uebel, weicher den Missethätem und
den Verdammten als der erste die Thüre der Gemeinschaft geöffiiet,
*) Aihan, ad monach, 279, 292 ed, Maur» — cf, apoL amtra Arian. c. 36 tq.
') Atkanoi, contra Arianoi, cap. 44. — Hilar. frag, operm kutor, nr, 11,
s) nUar, fragm. HI. (oUom U.pmrL)
13 •
196 Sechstes Bach. Ffinftes Kapitel.
uBd für die übrigen die Bahn gebrochen hat, die göttlicben Bechti
aulösen: denn er Babm den Athanasius anmassend und faerausfordei
seinen Schuz, einen Menschen , in Betreff dessen er weder die Z<
noch die Ankläger kannte.
^Den Ossios aber (verdanunen sie) wegen der obenerwähntai £
und wegen Marcus glückseligsten Andenkens ^ welchem er iniiner sei
Unbilden zufügte: aber auch, weil er alle Bösen, welche w^en
Verbrechen nach Recht verurtheilt waren, aus allen Ej^Üften in i
nahm, und weil er im Morgenlandc mit Missethätem und Verwoi
zusammen gelebt hat Denn auf schändliche Weise war er der i
trennliohe Freund des Paulinus, eheirialigen Bischofes in Dacien,
Mensöhen^ der einmal wegen Uebeldiaten angeklagt und von der I
verjagt, war, welcher bis eum heutigen Tage in der Apostasüe' vei
und öffbotlich mit Concubineh und Dirnen Unzucht treibt, dessen fi
Über.MaUfkia [emus maUflciorum Ubros^)] der Bischof und Bek
Macedonius von Mopsus verbrannt hat Aber auch dem fiustasiu
dem Quimatius hieng er auf die schlimmste Weise an, und wi
Bujsenfireand, über deren schmählichen Lebenswandel niehts eu
ist: denn ihr Ende hat sie allen kundig gemacht. Mit diesen und
liehen Leuten war Ossius immer verbündet, immer ein Begünstige
Missetbaten, wirkte er gegen die Kirche, und brachte den Fe
Glottes stets Beine Hilfe.^
Hierauf kommen die Verbrechen des Maximus von Triei^ a
Reihe» •. Dann sagen die Verfasser: „Um dieser Ursachen willen 1
also das Concil für recht erachtet, dass es den Julius von der
Rom, und den Ossius, und die übrigen oben Erwähnten abseztc
verurtheilte. Da dem so ist, so müsst ihr, gelicbteste Brüder, euc
ihneii in Acht nehmen und ferne halten, und sie in keiner Wd
eurer Gemeinschaft zulassen: auch keine Briefe von ihnen annel
und keine Friedensbriefe an sie richten ^). Und weil diejenigen , w
bei Ossius waren, den katholischen und apostolischen Glauhen zers
wollten, indem sie xlie neue Sekte des Marcellus billigten, welche
Mischung ist zwischen Paulus (von Samosata) und Sabellius, so l
wir nothwendig den Glauben der katholischen Kirche festgestellt , wei
diejenigen, die mit Hosius sind, verläugnet, da sie die Häresie des
oellus eingeführt haben.^ — An dem Anfang und Ende dieses ni
trächtigen Synodalschreibens heisst es, es sei nach Afrika gesendet wo
Aber es ist adressirt an den (Arianer) Gregor , Bischof von Alexanc
an den Bischof von Nicomedien, an den Bischof von Carthago, an
Bischof von Neapel in Campanien, an einen andern Bisdiof in <
panieui an den Bischof von Salona in Dalmatien, an An£on, an Do
') Oder dessen vernichte Bücher.
') Es heisflt liuera» dominicas, wohl statt pac\ficai.
1
f. 4. SoiMlise Thltiskeit des Hobiiib auf der Synode. 19?
ftsnisclier Name), Desiderius, Fortunatus, Eutbicios, MaximuSf
■1, und alle unsere Mitbischöfe aaf dem Erdkreiec, die ProsUyter
I DiakoQ&
TTEcits halten ancii die Orthodoxen , oder „die nm Osius" waren,
rpler der Arianer abgeaezt iiad mit dem Bannu belegt, wie es
icbt war. Und zwar den Gregor von Alexandrien, den Basiliiu
cjTB, den Quintian von Gaza; forner die Arianer Theodor, Nar-
icacius, StepbanuB, Ursacius, Valens, den Menophantus , den
f. Sie sollen niclit nur nicht mehr Bischöfe, sondern anch aus
uigeroeio^iaEl ausgesc blossen seyn.
einem aiidem von der Synode erliiBsenen Aldenstiicke , in dem-
u au den I'apst Julius wird mitgethoilt , was im Beeondorn ia
der vollendeten Schurkon, dea Valens und de« Ur.sacius, be-
ll worden. ^Was aber in Betrolf der gottlosen und der un-
ea Jünglinge limpcritis adalacentil-ii« — eie wurden beide in
Greisei besclilossen wurde, da« büre." Dann verweisen sie
djesfallaigcs Sdireibcn an die Kaiser. Valens wird noch im
m des Mordee an dem Bischöfe Viator beschuldigt. — Aus
[teacblUseen werden wir uns den unauslöschlichen Hass des Va-
i des UreAcius — gegen Uosius erklären, und wie sie darnach
1, diesen Häss an ihm zu kühlen. Gott aber Hess es zu, dass der
t und der Heilige in die Hände der Miasethäter gegeben wurde.
kl> Sonstige Thätigkeit des Hosius auf der Synoda
n dem Berichte des Atbanasius haben Einige zu Sardilca den
I gemacht, ein neues, das Nicänischc ergänzendes, Glaubens-
Bis zu entwerfen']. Trozdcm kam eine angebliche Glaubens-
ron Sardika in Umlauf^ welche Athanasius und die um ihn ver-
le Synode ffir falsch erklärten '), — Aber Theodolit theUt den-
1 Sdilosse der zu Sardika erlassenen Aktenstücke die Glaubens-
nit, welche er offenbar für das Werk der ganzen Synode hält*).
Formel ist orthodox gegen die Arianer. Aber eigen ist hier, und
ulass zn MiasTcrständnissen , dass vnöarußig Wesen bedeutet,
I den HSretikem gesagt wird, dass sie statt vstöartiöie — ovaite
a *). Aber das Wort Drei - Personen — trea p«rtonae — iQia ngö-
ittH pir yif mtf, ä( ndioüf oG«tjf r^ xari IVinamr bityUoo, ygäipai xtgi
tuf, lal inxiif^ay y< xfonirüc ^ Ji oyiii avreSo; f/ycofeixit/e* , tutt ü^iS*
h m lOfi xtSrmK ypäpta^tu. — AAimat. lomtu ad Afilüeiainu, c. 'S-, (op.
lUmr. 3, 616— 17.)
-t. 10.
9im. i. >. 3, e. - Hüloria IriparL 4, 24. — Sotom. S, tS.
I. SalalU — Motad, 4 — diMteruu. 29. — In der luIciuiBcben üebeneznng
ul ck be»«er nod wobl ricbliger: quam ipm Oratd («lall A>
198 Seehitet Bach. Fünftes Kapitel.
öoma, wcdcheB in der spätem griechischen Dogmatik Eingmng £uid^)| iviri
▼ennieden, so dass nirgends gesagt wird^ es seien drei Pecsoneo ib
einem Wesen« — Diese Formel ist' lange , fast zu lange, und sie meint
Soaomeütis mit den Worten : Sie gaben auch damals eine andere Sdhrift
über den Glauben heraas, breiter, als die von JNicäa, welche jcdodi
gleichen Inhalt hat, und nicht sehr von dem Wortlaute derselben ▼e^
schieden ist Hosius und Protogenes, die Häupter der abendltodinehw
Bischöfe zu Sardika, schrieben aus Besorgniss vielleicht, ee möchtsi
ihnen Einige Abweichung von der Synode von Nidia vorwerfisn, «i
(Papst) Julius, und versicherten, dass sie zwar den Glauben von Nidh
annehmen, dass sie aber, wegen des Bedürfnisses der Deutlichkeit, jeM
Formel erweitert haben, damit die Arianer die Nicänisehe Formel weg«
ihrer Kürze nicht für sich ausdeuten könnten ^). — Da in den vorlii»
denen Akten sich diese Sai*dicensische Glaubensformel nicht befiuid| H
schienen sich Theodoret und Sozomenns zu irren. Aber Scipio üaSii
£uid zu Verona eine alte lateinische Version fast aller Akten von 8ff
dika. — Hinter den Canones steht ein kurzer Brief des Osioa und Pir»
togenes an Julius , offenbar der von Sozomenus erwähnte. — „An im
geliebtesten Bruder Julius , Osius und Protogenes ^). Wir erinnern m
halten sie fest und haben jene Schrift, welche den zu Nidia erkiMH
katholischen Glauben enthält, und alle anwesenden Bischöfe waren
einstimmig. Denn drei Fragen sind aufgeworfen worden: dass
Zeit war, als er nicht war (das Uebrige fehlt durch Schuld des AV
Schreibers). Aber weil nach diesem die Schüler des Arius Schmfchnngei
vorbrachten: so hat eine gewisse Rücksicht gezwungen (damit aidi
Einer, getäuscht durch jene drei Argumente, vom Glauben abweiche)'
— das folgende ist undeutlich. — i, Damit also kein Tadel entstehe
zeigen wir dieses deiner Güte an, gelieb tester Mitbruder. ^ — Als Aa
hang des Synodalschreibons von Sardika findet sich aber dieselbe £xpo
sition, welche uns Theodoret mittheilt. In Betreff der Einen Sjibstsiu
— Hypostase — heisst es: ünam esse substaniiam, quam ipsi Oraed utkm
appelUmt etc.
Also waren Osius und Protogenes der Ansicht, dass der Glaube
von Nicäa gegen Missvorständnisso durch eine nähere Erklärung zu schüieo
sei. Was wir haben, ist ihr der Synode vorgelegter Entwurf, welchen
die Synode verwarf. Aber ihr Entwurf kam unter die Akten und wurde
bald unter die ächten Akten gerechnet, wie von Theodoret^ Sosomenii&
und der Synode von Chalcedon in ihrer Anrede ai^ Kaiser Marcian^).
Bekanntlich wiu*de Marcellus von Ancyra zu Sardika vom Vorwurfe
der Irrlehre freigesprochen. Es tritt aber nicht hervor, ob Hosius ba
>) JoawMB Dcpncue. de «. trinitaUf ca/). 1. — rpei^ vxoeratJeig ^roi r^üc x^iouxa.
>) Sogom. 3, 12,
<) Baäermi, <^. «. Lwni$ t, 3, 597 sq. — Mansi colL 6\ 1209.
*) Hardmn, condL 2, 647, - ColeH, t. 4, 1766,
f. 4 Sonstige Th&tigkeit des Hosias auf der Synode. 199
lieser Frage eine besondere Thätigkeit ent<et habe. In die über die
^TMge des HarceUus obwaltende Dunkelheit hat kürzlich eine kleine
ädirift LAcht gebracht: „Ueber die Orthodoxie des Marcellns Ton An-
eyim, ron Fr. Aug. Willenborg , Münster 1860.'' — Damach hat es
■il der Orthodoxie des Uarcellus allerdings eine eigene Bewandtniss;
m hat die aUerbedenklichste Aehnlichkeit mit seinem Schüler PhotiniiS|
ler den Logos für die unpersönliche Kraft Gottes , Christus für einen
imsdien hält, durch welchen der Logos Gottes gewirkt hat — Aber
ler Papst Julius und das Concil von Sardika sprachen ihn dennoch firei,
indem aie sich an die strengen gcsczlichen Formen hielten. Denn seine
AiAllger, die £usebianer, brachten ihre Klagen gegen ihn vor dem
Concil nicht vor. Beine Ankläger waren selbst Häretiker. Sie brachten
?erleiundungen gegen ihn vor. Dann wurde gelesen die Schrift — des
Maroelliu (g^en Asterius?). ^Was er untersuchungsweise ausgesagt
btte, das haben sie verleumderisch als Behauptung dargestellt Es
wurde also gelesen, was den Fragen folgte, und was ihnen vorher-
gieng, und der Glaube des Mannes wurde als der rechte befunden.
Denn nicht legte er dem Logos Gottes einen Anfang von der heiligen
Maria bei, wie sie versichert haben, noch hat er geschrieben, dass sein
Rock ein Ende habe, sondern dass es ohne Anfang und ohne Ende
•ei').^ Wenn nun die Synode den Marcellus in den erwähnten zwei
Anklagepunkten freigesprochen, so habe sie eigentlich nicht geirrt
Meine Aufgabe ist hier nicht, die Canones von Sardika zu erklären,
■<Mie Hosius diktirt hat Nur einige Bemerkungen will ich da ein-
f%BD, wo seine eigene Persönlichkeit und seine individuelle Richtung
harrortritt. Der Canon 1 verbietet den Uebergang von einem Bisthum
m einem andern (grossem) , aus Geiz oder Ehrgeiz. Wer dieses thue,
loUe nicht einmal die Communion unter den Laien haben.
yOsius der Bischof der Stadt Corduba sprach : Es ist nicht so fast
die üble Gewohnheit, als die verderblichste Comiption, mit der Wurzel
nmirotten, dass keinem Bischöfe erlaubt sei, von seiner Stadt in eine
andere überzugehen. Der Grund , aus welchem sie Solches zu thun sich
unterfimgen , ist deutlich, da hierin kein Bischof gefunden worden ist,
der von einer grossem — 'in eine kleinere Stadt übergegangen wäre.
Daraus erhellt, dass diese von dem Feuer der Habsucht entbrannt
und Sclaven des Ehrgeizes sind, damit sie eine grössere Gewalt erlangen.
Wenn es allen gefällt, so soll diese Pest härter und schärfer geahndet
werden, so dass der also Schuldige nicht einmal die Communion der
Laien am Ende empfange.'' Sie antworteten: Das Gelesene gefällt uns.
») AtkanoB. ctr, Arian, c, 47, — Willenborg, 8. 74-— 75. Siehe Klose, Geschichte
uDd Lehre des Marcellus and Photinus, Hamburg 1837, S. 16. »Da Marcellas
ihnen in diesem Punkte eine genü^jende Antwort gab, so sprachen sie ihn
frei, und erkannten ihn als Bischof an.**
200 Sechstes Bach. Fünftes Kapitel.
Man bemoriLe hier zwischen Canon 1 und 2 dieselbe Steigerung, wie in
den zwei Theilen des Canons 13 von Elvira. — In der unbefugt strengen
Strafe, welche unser Canon über Bischöfe verhängt, „qtd dupUmeapcrunL
9celu8^ (welche das Verbrechen verdoppelt haben), findet unsere obige
Annahme eine Bestätigung^ dass der Einfluss des Hosius auch Eu£3vira
— für solche strenge Strafen in die Wagschaale gefallen seL Darun
ferner, dass die Väter zu Sardika zu solchen, durch frühere Kirchoi-
beschlüsse ausgeschlossenen — Strafen ihr „PUuxV^ sprachen, folgt die
überherrschende Macht der Persönliclikeit des Hosius. Seine Rede
war eine Ueberredung *)•
Die Synode von Sardika — ist keine allgemeine; und auch allgd*
meine Synoden sind in Sachen der Kirchonzucht nicht unfehlbar^). In
dem Corpus juris canonici sind dem dort aufgenommenen Canon 2 von
Sardika [c. 2 de electione (L 6)] die Worte beigefügt : um dt hoe poa»'
UABrit — ein solcher solle in TodesgefiEibr nicht einmal die Laiencook-
munion erhalten , „wenn er nicht bereut hat^. Diesen Zusaz, welcher
den ganzen Canon aufhebt , findet man weder in dem lateinischen noch
griechischen Texte unserer Synode, auch nicht bei Dionysius Exiquiu,
oder bei (dem angeblichen) Isidor, welcher die erwälinte Stra&enteni
zu Canon 1 gezogen hat. Hefele vermuthet nach Van Espen, der Znsii
sei durch B^ymund von Pennaforte, welcher die Dekretalen sammehi^
eingeschaltet worden.
Zwingt uns die Unpartheilichkeit, zu gestehen, dass durch die Dk&-
rung des Canon 2 Hosius und die ihm unbedingt folgende Synode eiMB
grossen Fehler begangen, und beschlossen habe, was sie zu beschliesMn
') Athanasias nennt ihn den x^oi^ogog (Vorredner) dcM Synode — Hutor. Arian,
ad moncuA. e. 16 — ef. -- apolog. d. fuqa sua — c. 5 - xal Xeytov 6pSäf^ ov
jrovror BneUf9; hat er durch seine (rechte) Ucdc nicht allf^^ube rredec? nnd
c. 42 ad mo%. — die Worte derÄrianer: Hosius ist im Stande, dnreh sein Wort
and seinen Glauben alle gegen uns zu erregen. Er hat den Glauben von Nicit
entwickelt (i^Sero),
') Dwertath historica, qua ostenditur cathoUcam ecclesiam tribiis prioribua aaecuUa eagti-
talium criminum reis pacem et absolutionem ticutif/iinni deneyasse -- auct. F. Jos. Am^.
Orsi, MedioUini 1730. Wir haben dieses Werk des (spätem) Kardinals Orii
oben zu der Synode von Elvira, über welciie es indess nur Unbedeutendes
enthält, nicht bcnüzt. -- Cf. Sect. 4, digressio 5 — de lUiberitana mpindo —
p. 260 — 281, Er handelt fust nur von der Zeit der Synuüe und verlef^t »ic vor
die Kirchenverfolgung (p. 260 -278), Er sagt im Allgemeinen, dass am End«
des dritten Jahrhundeils die Kirchenzuchl strenger geworden sei, als früher:
1) wegen des Vcrderbnisses der Sitten; 2) in Folge der Abschaffung der Em-
pfehlungsbriefe der ßekcnncr; 3) weil die Verfolgungen seltner geworden:
4) in Folge der Häresie der Novatianer, und meint schliesslich (p. 307 — 8):
die Worte: »Auch am Ende sollen sie die Communion nicht empfangen** — iq
den Canones von Elvira und c. 2 von Surdika — seien nur zur grössern
Abschreckung, und um mehr Busseifer zu erwecken, erlassen worden.
$. 4. Sonstige Thäügkeit des Hobius auf der Synode. 201
wein Recht hatte ^J^ so müssen wir dagegen das grosse, das glänaende
V'erdienst hervorheben , welches sich Hosius um die ganze Earche durdi
üt Dictining der Caaones 3 — 5 erwarb. Der Bischof Hosius sprach:
yAocb diess ist beicufügen nothwendig, dass die Bischöfe aus ihrer Pro-
iu in eine andere Provinz , in welcher sich Bischöfe befinden , nicht
Uofibergehen, ausser sie seien von ihren Mitbrüdern eingeladen, damit
■ir nicht die Thüre der Liebe zu verschliessen scheinen (damit wir nicht
lie Oelegenheit abzuschneiden scheinen , einander Liebesdienste zu er-
veisen). Wenn in irgendeiner Provinz ein Bischof gegen einen Bischof
einen Mitbruder einen Streit hat, so solle keiner von Beiden einen Bi-
Gbof ans einer andern Provinz als Untersucher (cognUarem) herbeirufen.
Wenn ein Bischof in irgendeiner Sache gerichtet worden ist, und
ar glaubt, er sei im Rechte, dass in dieser Sache die Untersuchung
imeuert werde ,> so wollen wir, wenn es euch gefällt, das Andenken
Im heiligen Apostels Petrus ehren, so dass von Denen, welche die
iadie geprüft haben, an den römischen Bischof Julius geschrieben wer-
len möge, und wenn or entscheidet, das Gericht sei zu wiederholen,
io zoll es erneuert werden, und er selbst möge die Richter bestimmen:
veon aber die Sache keines weitern Gerichtes bedarf, so soll die frühere
Entacheidung bestehen bleiben.^
Durch diesen Canon in Verbindung mit den beiden folgenden hat
Beaiaa der Machtstellung des römischen Primates und dadurch derEnt-
wiAInng des kirchlichen Lebens den grössten Dienst und Vorschub ge-
— Der Papst erhält die leztinstanzliche Entscheidung in allen
n gegen die Bischöfe. Er ist der oberste Richter des christ-
iidien £rdkroises. Er sendet auch seine L^aten in die kirchlichen Pro-
Tmaen, um die streitigen Fragen^ zu entscheiden, und bei kirchlichen
Gerichten der Bischöfe und über Bischöfe den Vorsiz zu führen. Wir
kitten wohl ein Recht, am 27. August des vorigen Jahres, dem (1405)
Todeztage des Hosius, zu sagen, dass er das Ansehen des römischen
Stuhlez im Morgen - und im Abendlande hob. — Li Betreff der nähern
Eridäning unsers Canons aber verweise ich auf Hefele, Conc GescL,
8.639—42^).
— Den Canon 4 dictirto Bischof Ghiudentius von Naissus, dass, wenn
ein Bischof durch das Gericht der benachbarten Bischöfe abgesezt wor-
den, und er noch eine Vertheidigung in Anspruch nimmt, so solle kein
aoderer Bischof eingesezt werden, bis der Bischof von Rom darüber
*) Ort! will das Unbefugte des Beschlasses nicht zugeben, darum zieht er eine
gpetochle Erklärung vor.
*) Siehe auch Herbst: die Synode zu Sardika — im J. 344 oder 347, in: »Tüb.
Quartaltchrift v. 182&% S. 1-45, und speziell über Canon 3 — 5 — S. 20 — 33.
— Bei Möhlcr, Athanasius der Grosse — 1827 — findet man keine Erörte-
rungen (wie ich auch nicht finde, dass sich Hefele darauf beruft).
202 Sechstes Bach. Fanftes Kapitel.
f
MtBchieden bat (Es ist die Appellation nach dem er8tinstuuslidie& U^
theile gemeint Hefele, 543 — 46.) a
Canon 5. Der Bischof Hosius sprach: „Es wird beecUossen, daas i
— wenn ein Bischof angeklagt ist, und die Tersammelten Bisclidfe der i
Umgegend (Provinz) über ihn richten und ihn absezen, wenn aber der k
Abgesezte appellirt, wenn er zu dem Bischöfe der römischen Sirdie «
seine Zuflucht nimmt und bei ihm Gehör verlangt: wenn dieser (der i
Papst) es für recht hält, dass der Prozess erneuert werde , so möge er >
den Bischöfen j die in der benachbarten und angrenzenden Provinz siiid, i
zu schreiben sich würdigen, dass sie selbst alles genau untersuchen, und !>
nach der Wahrheit entscheiden. — Wenn der, welcher um eine wie- i
derholte Untersuchung seiner Sache bittet , durch sein Ansucheft des m
römischen Bischof bestimmt, dass er von seiner Seite einen Priest« e
sendet 9 so wird es in der Hand des (römischen) Bischofes seyn, im &
er will und was er für gut findet; und wenn er Liegaten sendet, fie t-
im Vereine mit den Bischöfen das Gericht bilden, und die AuctoriOt c
dessen besizen, von dem sie entsendet sind, wird es bei ihm stehen.^ a
Wenn er aber glaubt, dass die Bischöfe genügen, den Prozess zu enft- «
scheiden, so wird er thun, was er in seinem weisesten Ermessen flir \
gut findet
Siehe da, die grosse Ehrfurcht, mit welcher der greise Hosius von im
Nachfolger Petri redet Diese Ehrfurcht und zugleich Dankbarkeit wolite
dem Haupte und Vormanne der Earche Spaniens inne, die sieh Om
nahen Verbindung mit der römischen Kirche, und den Aposteln Petm
und Paulus stets bewusst war ^9 ^^ ^u^^ nicht anders wusste, als dass
sie ihre Liturgie von dem Apostel Petrus empfangen. — Hefele &ssk
den Inhalt der Canones 3 — 5 so zusammen: Ist ein Bischof von soiiieii
(Tomprovinzialcn abgesezt worden, glaubt aber eine gerechte Sadie zu
haben, so kann er nach Rom appelliren, und zwar entweder selbst (e. 6)
oder durch Vermittlung seiner Richter erster Instanz (c. 3). -^ Bom
entscheidet nun, ob der Berufung Raum gegeben werden solle oder
nicht In diesem Falle best&tigt es das erstinstanzliche Urtheil, im an-
dern beruft es ein Gericht zweiter Instanz (c. 3). — Zu Richtern zweiter
Instanz wählt es Bischöfe aus der Nachbarschaft der betreffenden Kirdien-
provinz (c 3 und 5). Der Papst kann aber auch seine Legaten diesem
G^chte beiordnen, welche dann in seinem Namen den Vorsiz fOhien
[o. 5^)]. Wenn ein in erster Instanz abgesezter Bischof nach Rom appelliit,
>) läd&r n. de ecei ojfit, 1, 15 (indirecter Beweis).
*) Siehe J. Fcssler, »der canonische Process — io der Toijastfnianisehen Zeit")
Wien, 1860, S. 50- d3. Der Verfasser verlegt 8. 50 die Synode von Sardib
noch in das J. 347. — Fessler giebt keine weitere Erklarang; da§^egen eiae
aosführliche Herbst a. a. O. nnd Hefele, S. 546—555, mit Angabe der frühem
l4tcratur.
f. 4. Sonstige Th&tig)cdt des Hosius «uf der Synode. 203
darf sein Stuhl nickt besezt werden, bis Rom für oder gegen ihn —
entschieden hat (c. 4).
Canon 6. Der Bischof Osius sprach: „Wenn in einer Provinz, wo
fifther Tiele Biachöfc waren, nur mehr Einer übrig ist, und Dieser will
aas NaehlXssigkeit keinen weitern Bischof (ordiniren), und das Volk hat
flieh TeFBammeh, so müssen die Bischöfe der Nachbarpro vina sich zur
errt mit dem einiig Uebrigen in*s Benehmen sesen, und ihm zeigen,
daaa die Oemcinden mich (geistlichen) Leitern verlangen, und es sei
billig, daaa auch sie kommen, und mit ihm einen Bischof ordiniren;
wenn er aber auf die empfangenen Briefe schweigt, sich verstellt (als
wttaate er von allem nichts), und [nichts antwortet, so müsse man dem
Verlangen des Volkes entsprechen , die Bischöfe aus der Nachbarprovma
mfiaaen nonlich kommen , und einen Bischof ordiniren. Die griechische
Fassung giebt einen gana andern Sinn: In einer Provinz, wo viele Bi-
schöfe aind, versäumt es Einer, bei einer Ordination eines erwählten
Bischofea sich einzufinden. Das Volk verlangt aber, man solle nicht
auf ihn warten. Dagegen solle der AbwQsende durch den Exarchen
(Bischof j der Provinz berufen werden ; man solle eine Zeit lang auf ihn
warten; komme er aber nicht und gebe er keine Antwort, so solle dem
Wonach des Volkes willfahrt werden. — Bei der Einsezung eines Me-
tropoliten sollen auch die Bischöfe der benachbarten Provinz eingeladen
«erden. Wieder anders liest eine alte lateinische Uebersezung des ur-
ipfln^ichen griechischen Textes, nach welchem es sich um die gleich-
Wahl und Weihe mehrerer Bischöfe handelte. Diese Ueber-
repritoentirt nach Hefele „den ältesten griechischen Text, wie er
««■ige Jahre nach der sardicensischen Synode gestaltet war. Diesen
griechischen Text dürfen wir aber darum für den ächten und Ursprung»
liehen halten, weil er auch mit dem lateinischen Originaltext viel eher
in Harmonie zu bringen ist, als der gegenwärtige griechische^ (S. 561).
— Unaer Canon hat noch den Zusaz:
Ea lat nicht zu gestatten, einen Bischof entweder in einem Dorf,
oder in einer kleinen Stadt, der ein Priester genügt, zu ordiniren, weil
dort kein Bischof nothwendig ist, damit nicht der Name und das An-
sehen dos Episcopates gcringgeschäzt werde. Die aus einer andern Pro-
vinz Eingeladenen dürfen nur in den Städten einen Bischof aufstellen,
welche schon Bischöfe hatten, oder — in einer solchen und derart volk-
reichen Stadt , welche einen Bischof zu haben verdient. Ob dieses allen
gefällt? Die Sjnode antwortete: Ja.
Von der ältesten bis auf die neueste Zeit, z. B. bei der Errichtung
des Bisthums Erfurt durch Papst Zacharias auf den Vorschlag des hei-
ligen Bonifacius ^)^ bei der Errichtung des Bisthums Rottenburg u. s. w.
berief sich Rom auf diesen Canon. Vielleicht wurde derselbe ausser
') Seilers, ßonifacios, Apostel der Deutschen, Mainz, 1845, S. 304—5,
204 Sechstes Buch. FOnftes Kapitel.
Acht gelaflBeoy als vor wenigen Jahren eine ElirohenproTnus Oregon
dekretirt yrurde, die wegen Mangel an Bevölkerung nieht in*8 Leben
treten konnte *). Ein BedürfnisB dagegen war die Dismembrimng meh-
rerer froherer Bifltfaümer in Mexiko , die Papst Pias JX, im Gonsistoriam
vom 16. März 1863 verkündigte ^). Diese Vwordnung von Sardika traf
besonders die Kirche von Afrika, in welcher das Presbyterat von dem
Episcopate so za sagen verschlungen wurde, zum offenbaren Schaden
der Kirche.
Canon 7. Der Kschof Hosius sprach: Unsere ungestttmme und hin*
fige Zudringlichkeit und ungerechten Bitten haben bewirkt, dass wir
nicht solche Gunst und solches Vertrauen besizen, da einige Bischdfo
beständig zum kaiserlichen Hoflager gehen, besonders die Afrikaner,
welche, wie wir hörten, den heilsamen Rath unsers helligsten Brüden
und Mitbischofes Gratus verachten und verschmähen, so dass sie vor
das.Hoflager nicht bloss viele und verschiedene der Kirche keineswegs
nüzliche Anliegen bringen, nicht damit, wie es sejn sollte , den Armen,
den-Wittwen und Waisen geholfen werde, sondern um Einigen welt-
liche Aemter und Verwaltungen zu verschaffen. Diese Verkehrtheit ve^
unsacht Murren und Aergemiss. Geziemend ist aber, dass die Biseböfe
für diejenigen sich verwenden, welche ungerecht unterdrückt werden,
oder wenn eine Wittwe bedrängt oder eine Waise beraubt wird, di
diese Dinge eine Fürbitte rechtfertigen. Wenn es Euch nun gefäU^
geliebteste 'Brüder, so beschliesset, dass sich die Bischöfe nicht su den
Hoflager begeben sollen, ausser etwa die, welche durch die Briefe des
frommen Kaisers entweder eingeladen oder berufen werden. Weil es
aber oft geschieht, dass die, welche Unrecht erleiden, zu dem Mitleiden
der Kirche ihre Zuflucht nehmen, oder auch die, welche "wegen Ver-
gehen verbannt oder auf Inseln deportirt oder sonstwie verurtheilt' wer-
den, so ist diesen die Hilfe nicht abzuschlagen, sondern ohne Bedenken
und Zögern — für sie um Verzeihung zu bitten. Diess also beschliesset,
wenn ihr einverstanden seid. Alle sprachen: Also sei es und werde
fastgesezt
Aus obigem Canon glaube ich folgern zu dürfen, das Hosius nie
am Hofe Constantin^s erschienen ist, ohne schriftliche Einladung, weil
man ihm sonst hätte entgegenhalten können: Arzt, heile dich selbst!
Die afrikanischen Bischöfe hatten durch seine eigene Vermittlung Unter-
stüzung für ihre Gemeinden von dem Kaiser erhalten^). Bischof Ghratus
von Carthago, der in Sardika war, hat vielleicht ihm gemachte Vor-
*) Gams, Kirchcng^eschichle des 19. Jahrb., 3, 661 flg.
') K&InIsche Bl&tter v. 25. März 1863. — Allokation vom 16. März. — Es wnr.
den die Binthümcr Mcchoacan und Gaadalaxara ErzbisthÜmcr, and sieben neue
Bistliümcr errichtet (vorher waren es zehn BIsthümer sammt dem £rzb. Mexiko).
•) 8. 137-
f. 4. Sonstige Thätigkeit des Hosins «nf der Synode. 206
rürfe dadurch abgelenkt, dass er das Vergebliche seiner Bemühungen
errorhob. Die armen und geldgierigen Afrikaner aber suchten nach
rie Tor — Hilfe in Europa / und waren 2u allen Zeiten unwerthe Gäste.
- Im An&nge des fünften Jahrhunderts hatten die afrikanischen Bischöfe
»ne Kenntniss von den Beschlüssen von Sardika ^). Es soll nur eine
Termuthung seyn, dass der vorstehende und einige andere Canoncs —
liesee Versehwinden oder Nichtwissen erklärlich machen ^). — Das
iebente Concil von Toledo ( J. 646) schreibt vor j dass die benachbarten
iiachdfe in Toledo erscheinen sollen „aus Achtung gegen den Fürsten,
m den Siz des Königs zu ehren, oder zum Tröste des Metropoliten,
md auf die Einladung des Leztern, je einen Monat im Jahre'
can. 6). Aehnlioh die dreizehnte Synode von 683 — c. 8.
CSan. 8. Osius der Bischof sprach: Auch das soll euere EJugheit
loch beschliessen, dass, nachdem entschieden wurde, ein Bischof sei
licht zu tadeln , wenn er in oben erwUhnten Anliegen zu Hofe gehe,
T (in diesem Falle) auch einen bcsondcm Diakon an den Hbf schicken
olle. Denn die Person eines Dieners ist nicht gehässig (invidiosa non
dj, und was ihm beschieden worden, kann er schneller zurückbringen.
Canon 9. Hosius der Bischof sprach : Auch diess scheint folgerecht
a seyn, dass, wenn Bischöfe aus einer Provinz an den Metropoliten
iure Gesuche senden, dass dieser einen Diakon mit Bitten an den Kaiser
hsende, und ihm zugleich Empfehlungsbriefe an diejenigen Bischöfe
dtgebe, die sich eben in den Gegenden und Städten befinden, wo zur
Seil der glückliche und selige Augustus den Staat regiert.
Hat der Bischof aber Freunde am Hofe, welcher etwas an sich
Jehickliches zu erlangen wünscht, so ist ihm nicht verwehrt, durch
einen Diakon sein Ansuchen denen mittheilen zu lassen, von denen er
reiss, dass sie in seiner Abwesenheit für ihn eine wohlwollende Für-
prache einlegen können.
Die nach Rom kommen, sollen — wie gesagt, unserm heiligsten
Smder und Mitbischofe der römischen^ Kirche die Bitten übergeben, die
ie haben, dass er sie selbst vorher untersuche, ob sie schicklich und
gerecht sind, und er soll Fleiss und Sorge tragen, dass sie an das Hof*
Bger gelangen. Alle sprachen, es ge&lle ihnen, und der Bath sei
«säend. — (Ein Zusaz des Bischofs Aljpius von Megaris folgt)
Canon 10. Der Bischof Hosius sprach: Ich halte auch diess für
lotbwendig, dass ihr sorgfältig darüber verhandelt, dass, wenn ein
leicher oder wenn ein Scholastikus (ein Gelehrter) vom Forum oder
tm einer Beamtenstelle ab Bischof postulirt wird, er nicht ordinirt werde.
') Die sogenannte pPrUca" ist nicht afrikanischen Ursprungs.
*) Aus der Synode zu Carthago von 348 scheint hervorzugehen, dass dort Canon 5
— mit Bekiehnng auf C. 18 und 15 von Sardika erlassen wurde — Hefäe, 8. 61iy.'
206 ßechates Buch. Panftes Kapitel.
wenn er nicht vorher das Geschäft eines Lektor, oder das Amt eines
Diakons oder Presbyters verwaltet bat, und so soll er, wenn er würdig
ist, durch die einseinen Stufen zu der Höhe des Bistbumes enqK>c8teigen.
Durch diese Beförderungen, die lange Zeit in Anspruch nehmen mussten,
konnte sein Glaube, seine Bescheidenheit, seine Würde, seine Demutk
geprüft werden. Wird er als würdig erfunden, so möge er mit dem
göttlichen Priesterthume geschmückt werden , denn es schickt sich nidri;,
noob ist es mit der Einsicht oder Zucht verträglich, dass ein Bisdio^
Presbyter oder Diakon, welcher Neophyt ist, verwegen oder leichtaimug
ordinirt werde, da dieses der Völkerlehrer Paulus verboten hat (1. Tim.
3,6); sondern die, deren Leben lange Zeit geprüft, deren Verdiensle
anerkannt worden sind. Alle sprachen ihre Beistimmong auB.
Canon 11. Der Bischof Hosius sprach: Auch diess müsst ihr fest-
sesen, dass — wenn ein Bischof aus einer Stadt in eine andere , oder
aus seiner Provinz in eine andere geht, und mehr der Ehrsucht, als
der Frönmiigkeit dienend in einer fremden Stadt lange wohpen will;
es ist aber der Bischof dieser Stadt nicht so unterrichtet und geldirt,
so soll der Ankömmling ihn nicht zurücksezen, und nicht häufig pre-
digen, um ihn zu Schanden und verächtlich zu machen, so dass er durch
solchen Anlass sich den Weg bahnen will, die ihm zugewiesene Kirche
zu verlassen, und zu einer andern überzugehen. Bestimmet also dne
Zeit, denn einen Bischof nicht aufzunehmen ist inhuman, und wenn sr
zu lange bleibt, ist es vom Uebel. Ich erinnere mich aber, dass unsen
Brüder (unsere Väter) in einem frühem Concil beschlossen haben, düs
wenn ein Laie in der Stadt, wo er wohnt, drei Sonntage, d. L drei
Wochen die Kirchen nicht besucht, er von der Communion ausgeschlossen
werde. Wenn also diess — in Betreff der Laien bestimmt ist, so soll
und darf auch kein Bischof, wenn es keine Noth wendigkeit ist, längere
Zeit von seiner Kirche abwesend seyn. Alle sprachen: Ja (s. oben
Synode von Elvira c. 21).
Canon 12. Der Bischof Hosius sprach: Weil nichts übersehen we^
den darf, giebt es einige Brüder unsere Mitbischöfe, welche nicht ia
der Stadt wohnen, für die sie als Bischöfe eingesezt sind, entweder
weil sie dort wenige Gilter, anderswo aber genügende Besizungen haben,
oder auch aus Anhänglichkeit an ihre Angehörigen, denen sie zu Willen
sind; diesen kann insoweit nachgegeben werden, dass sie zu ihren Be»
aizungen gehen, und die Frucht ihrer Arbeit anordnen oder darüber
▼erfügen, dass sie drei Sonntage, d. i. drei Wochen — wenn ein lln*
gerer Aufenthalt nothwendig ist, auf ihren eigenen Gründen verweilen,
oder wenn eine Stadt ganz nahe ist, wo sich ein PreBbyter -befindet,
soll er (der Bischof), damit er den Sonntag nicht ohne Kirche zuzu-
bringen scheine, dorthin gehen, damit weder seine häuslichen Angele-
genheiten durch seine Abwesenheit Schaden leiden, und er — dadurch,
daw er nicht häufig in die Stadt, wo ein Bischof wohnt, kommt, dem
g. 4. Sons^ge Thäügkeit de% Hosiut auf der Synode. 207
)rwQrf der Eitelkeit und dea Ehrgeisea entfliehe (ist eine Beschi^Ln-
Qg des Gan. 11).
Can. 13. Der Bischof Hosius sprach: Auch dieses möge allen gefallen,
m — wenn ein Diakon, Presbyter, oder sonst ein Cleriker von seinem
idiofe ausgeschlossen ist, uid er zu einem andern Bischöfe gehet,
■m dieaer weiss, dass er von seinem Bisthume abgesest worden, so
1 er ihm die Communion nicht bewilligen. Wenn er es thut, soll er
Men, dass er vor der Versammlung der Bischöfe Rechenschaft geben
rd. Alle sprachen: Diese Bestimmung wird den Frieden bewahren^
d die Eintncht sehtLsen. — [Hefele weist auf Canon 5 von Nicäa,
d 6 von Antiochien — 341. Noch näher liegt es, auf Canon 63 von
vira sa verweisen; dort heisst es von .dem fremden Bischöfe, der
len AusgeMhloasenen aufiiimmt: $eiat $e ht^umnodi cau»m inier fraireB
B cum 9kU»it'9ui peneulo praetUOurum; hier heisst es: $eiat $c eonvin
(ü epueapi» eauHu eise dictumml.
Canon 14. Der Bischof Hosius sprach: Was mich noch drängt, darf
i nicht verschweigen. Wenn etwa ein aomiger Bischof (was nicht
m soll) schnell und hart gogen seinen Presbyter oder Diakon ver-
irl und ihn aus der Kirche Verstössen will, so ist Vorsorge isu treffen,
m nicht ein Unschuldiger verdammt werde oder die Gemeinschaft ver-
re. Darum soU der Abgesezte die benachbarten Bischöfe ansprechen
r&n, seine Sache soll gehört und sorgfältig untersucht werden, denn
n Bitlenden darf das Gehör nicht verweigert werden. Jener Bischof
Adher mit Recht oder Unrecht ihn ausgeschlossen, soll es in Geduld
tn^ecn , dass die Sache untersucht , und sein Spruch von Vielen ent>
sder bestätigt oder verbessert werde. Bevor jedoch alles genau und
cgaam untersucht ist, darf den Ausgeschlossenen kein Anderer in die
smeanschaft auftiehmen (griechisch: der Ausgeschlossene darf die Ge-
anschaft für sich nicht verlangen). Wenn aber einige zusammenge-
ieme Cleriker Uebermuth und Prahlerei an ihm gewahren, da es nicht
Bsend ist, ungerechten Uebermuth und Tadel zu ertragen, so müssen
1 einen solchen mit scharfen und schlagenden Worten anlassen, damit
in den geziemenden Befehlen des Bischofs gehoi*che. Denn, wie der
sehof seinen Untei^benen eine aufrichtige Liebe und Zuneigung er-
sisen soll, so sollen auch die Untergebenen gegen ihre Bischöfe die
licht ihres Dienstes aufrichtig erfüllen.
Darauf folgt als Zusaz Can. 18 der Lateiner: j,Bischof Januarius
on Benevent) qprach,'' der im Griechischen fehlt
Can. 15. Bischof Hosius sprach: Auch diess wollen wir alle fest-
len, dass — wer aus einem andern Sprengel einen fremden Kirchen-
soer ohne Zustimmung des eigenen Bischofb und ohne seinen Willen
diniren will, dessen Ordination soll ungiltig seyn. Wer sich dessen
er unter&Dgen hat, der soll von unsem Brüdern den Mitbischöfen
oaahnt and zureehtgewiesen werden.
208 Seolutes Buch. Panftes Kapitel.
Den Canon 16 sprach Bischof A^tins von Thessalonich; Canon t7
Olympius von Aö'nus in Thracien. Den Canon 18 , der in dem lateini-
schen Texte fehlt y sprach Bischof Qaudentius. Derselbe Gaudenti«
sprach den Canon 20; diese vier Canones werden hier übcrgai^^en, -mä
sie nicht Hosius verkündet hat Der Canon 19 , den Hoeius sprach,
fehlt im Lateinischen: „Es ist die Ansicht meiner Wenigkeit , da irir
rahig und geduldig seyn, und stets Mitleid gegen alle haben müsseD,
man solle s^^ar die, welche von einigen unserer Brüder einmal in im
Olerus aufgenommen sind , -wenn sie zu den Kirchen , für welche A
eingesezt wurden, nicht zurückkehren wollen, hinfort nidit mehr mat
nehmen. Eutychian aber soll sich nicht den bischöflichen Namen ai-
massen, und MusXus soll nicht als Bischof betrachtet werden. Veriämga
sie aber die Laienconmiunion, so solle sie ihnen nicht verweigert werden
Alle sprachen: So ist es gut^ — Die erwähnten Beiden waren FA^
tendenten- Bischöfe von Thessalonich gewesen. Es erklärt sich auch im
Wegbleiben der Canones 18 und 19 aus dem lateinischen Texte dams,
dass dieselben nur eine örtliche Bedeutung hatten *)•
Schliesslich hat der lateinische Text noch einen Canon 12 d. L;
Der Bischof Hosius sprach : ,,£s ist aber auch eine Bestimmung nbA>
wendig, geliebteste Brüder, damit nicht etwa einige, unwissend darülMr,
was in der Synode beschlossen worden (über die Reisen an das Htf
lager) plözlioh in die Städte kommen , die an der Ueerstrasse *) liegiL
Es muss also der Bischof einer solchen Stadt ihn (den zu Hofe reitCfr
den Bischof) mahnen und unterrichten, dass er von dieser Stelle üb
seinen Diakon weiter sende; auf die Ermahnung aber kehre er selbst
in seinen Sprengel zurück.^ Dieser Canon gehört offenbar, wie Ganob 20
des griechischen und lateinischen Textes — zu Canon 8.
Im J. 1852 hat F. Larsow in Berlin ^die Festbriefe des heiligen
Athanasius, Bischofs von Alexandrien — aus dem Syrischen überseik
und durch Anmerk. erläutert'' zum erstenmale herausgegeben '). Darnach
«) Hefele, S. 579-80; Herbst, 8.34.
*) I» canali — if JfayajUia — cf, Uucange ylo^sar, ». tl inf. kU, s, v. CanaUs •■ vk
publica, — Hier wird iinsor Canon — 12 citirt, und auf eine Stelle des
Athanas. t^L contra Arianos, cap. 50 hing^cwiesen, wo die Unterschriften der
Bischöfe von Sardika angeführt werden. Hier heisst aber: In Canali ItaBat,
nicht wie Dncang^e n. s. Fortsezor meinen, die Bischöfe, die auf den Strassen
Italiens hiehergekommen, sondern die Bischöfe — an der Heerstrasse Ilaliens.
Gonstant Porphyr, «eis admin. regno*' cap. 34 sagt, eine Gegend fn Dalmitieo
habe Canali» gcheissen. — Cf, Ed. Brmckmeier ghstar, diphm. — 1853 — vor
allem aber Codex Th^odoiianus ed. Gothofredm - Dan, BiUtmu im Ghuarim
nomicwm und im Commentar zu lex 2 de curiosis — Über 6, tüiäue 29, lex 2 und L8
— (ä. 5| /. 15 de cureu pubUco,
") Er ist ohne Zweifel ProtcslanU Um so wohlthnender sind die Worte in sefncr
Vorrede — B. VI. »Wie würde sich dser geistreiche Mdhler, der durch seist
f. 4 Sonttige Th&tigkeit des Hotius auf der Synode. 209
d Tmch andern Daten fällt die Synode von Sardika in das J. 343 oder
ly da Athanasins drei. Jahre nachher wieder in Alexandrien war.
Me hat, F^Laisow berichtigend , der die Synode in das J. 343, nicht
4 Terlegt^ nachgewiesen y dass die Synode vom Spätjahre 343 bis Früh-
ir 344 dauerte^). So kann man dieselbe sowohl in das J. 343 als
4 Terl^eiL
Aus den eben erwähnten Festbriefen des heiligen Athanasins er-
iran ^ir ferner (zum erstenmale), dass „in Sardika in Betreff des
terfestes üebereinstimmang stattfand. Man bestimmte einen Abschnitt
a fünCdg Jahren , nach welchem die Römer und Alexandriner überall
B Ostartag nach dem Brauche anzeigten'' ^).
Vau der Synode in Sardika besizen wir noch mehrere Aktenstücke;
mal ein Cürcularschreiben an alle Bischöfe, der Christenheit ^ das von
hanaaiiis griechisch (apoL eont. Ärianas c« 44^*5 1), in dem sogenannten
Hi HMorieum des Hilarins lateinisch mitgetheilt ist Die Zahl der
tenchrifien ist aber bei diesem Schreiben viel grösser, als bei den
den folgenden; und die. Unterschriften sind nach den einzelnen Län-
n geordnet Es smd 285 (282) Namen , darunter 79 Bischöfe in Sar-
ai; die übrigen haben die ihnen zugesandte Encyclica zum Zeichen
r Uebereinstimmung unterschrieben ^ nemlich 34 gallische Bischöfe,
Afirikaner, darunter Gratus, nicht weniger als 94 Aegyptier, deren
■plliche Unterschriften wohl Athanasins erlangt, 15 Italiener „am
^j 12 Cyprier, 15 von Palästina. — E^ giengen also, yer-
wir, drei Boten ab, die Unterschriften einzuholen, eineac über
jpam und Palästina nach Aegypten, oder umgekehrt, einer nach Afrika,
iMr nach Gallien, der die Unterschriften der Italiener „amHeerwege^
iCnahm (oder es wurden dem Athanasius die Unterschriften von Gallien
id Afrika zugesendet). — Die grosse Zalil der ägyptischen Bischöfe
t eine indirecte Rechtfertigung des Pati'iarchen Cyrill von Alexandrien,
er im J. 431 mit etwa 50 Bischöfen nach Ephesus kam, und beschuldigt
urde, das Land hirtenlos zurückgelassen zu haben. AUein es blieben
och noch 50 weitere Bischöfe zurück, mehr als genug für ein ver-
leichsweise so kleines Land ^).
Ein zweites Sendschreiben' war an die Alexandriner, ein drittes an
bekannte Schrift ),AthanasiU8 der Grosse und die Kirche seiner Zeit, besonders
im Kampfe mit dem Arianismus^, der Kirche nie hoch genug zu schäzende
Dienste geleistet hat, gefreuet haben, hätte er die Auffindung der Festbriefe
erlebt* Das ist einmal edel gesprochen. Ganz anders der Pastor Voigt in
Hamburg, dessen Schrift: »Die Lehre des Athanasius von Alexandrien über
den Logos,** eigentlich in eine Polemik gegen Möhler ausläuft.
«) 8. 515—516; v. Larsow — S. 31.
«) Lanow, S. 31; 141 - das Nähere bei Hcfole, S. 316 flg.; 583 flg.
•) Hefele, C. G. 2, 165. — «Er erschien mit 50 Bischöfen, etwa der Hälfte
seiner Saffraganen.**
Oams, Span. Kirche. U. 14
210 Sechstes Bach. Ftlnftes Kapitel. $. 4 Sonstige Th&tigkdt etc.
den Papst Juliiui gerichtet Ein viertes an den Ejdser Constantins ge-
richtetes ist nicht erhalten. In dem Briefe an den Papst werden die
berüchtigten Arianer Valens und Ursados ^gottlose und unTemünftige
Jünglinge^ {adoleaemtuU, d. i. wohl erwachsene Buben) genannt. Der
Papst wird ersucht ;. die Verhandlungen den Bischöfen von Italien, Biet-
lien und Sardinien mitzutheilen ^). Drei andere Urkunden sind tod
zweifelhafter Aechtheit
Die Eusebianer erliessen ron Philippopolis , östlich von Sardika ') ge-
legen^ wo sie sich zu einem Afterconcil zusanmiengethan hatten^ gleidi-
ialls eine sehr ausfUhrliche Encyclica, die in dem „Optu Hittoriam'
(des Hilarius) die Ueberschrift trägt: Es fängt das Dekret der oriaüi>
lischen Bischöfe in Bardika von Seite d^ Arianer an, weldies sie luA
Afirika sendeten. — < Aus diesem Anlasse klagt Möhler über j^die Saum-
seligkeit der katholischen Bischöfe ^ ihre Beschlüsse nicht mitzutheSeö,
die «ich auf ihre gute Sache verlassend meinten, es werde sich alla
von selbst geben'^^). Diese Klage, sehr oft gerecht g^^n die Vc^ il
fechter der guten Sache, scheint uns hier nicht gegründet zu seyn, w^u
man nicht etwa den grossem Umfang des Schreibens der Eusebiiner
betonen wilL Das Schreiben hat 73 Unterschriften , während sie voAet
behauptet, sie seien 80 versammelte Bischöfe (uro. 16). -^ Dm
Sendschreiben wimmdt von den unverschämtesten Lügen. Der groM
Lügner Valens von Mursa, der zulezt unterschrieben hat, mag im
Schreiben auch redigirt haben. — Er war es auch, der am 28. 8i|i
351 nach dem Siege des Constantius bei Mursa über Magnentias te ,
Kaiser die erste Nachricht des Sieges gab, behauptend, ein Engel ißk .
ihm die Kunde gebracht, worauf Constantius standhaft an ihn glaubliL
') Das Fehlen der Namen der (meisten) italienischen 3ischöfc in densi ersten Sedt ^
schreiben dürfte darin seinen Grund haben, dass Papst Julius die Unterscbriiki !>
nicht sammelte oder nicht einsendete; das Fehlen der spanischeh Bischöfe dürfte i-j
die weite Entfernung — und die Vertretung sänimtlicher Bischöfe durch ihre
sechs Metropoliten erklären.
•) Ueber Sardika — und seine Suffraganatc cf. lUyricuin sncrum, VenetÜM 17$t^^lBi9 ^
U Dan, Farlaü — t. 8. Fol, ~ Den 8. Bd. edirte Jac. Coleti 1819. Derselbe •
enthält u. a. die Metropolen — Scupi und Sardika (Scopia od. Uskub). Dietf ^
zur Ergänzung der Anmerkung S. 48—49 über Scupi. \
*) Athanasins der Grosse, Bd. 2, S. 74. \^
ü
Sechstes Kapitel.
ImIis von der Synode von Sardlka bis zh seiner Verbannung
naeh Sirminm, 344—350.
§. 1. Die Rückkehr des Hosius nacli Spanien
Zweifel.- Ein indirecter Beweis für sie li^ in deim
folgenden Briefe des Hosius^ dass er — auf daa Verfangen der
den Ajthanasius Ton Sardika mit sich nach Spanien genommen
^würde. Athanasius begab sich von Sardika nach Naissus, ohne
Zwabi zu dem Bischöfe Graudentius. Naissus lag nordwestlich yon
StfdikAy in der Richtung gegen Sirmium. Auf dieser Strasse musste
maA Hofiius zurückkehren. Athanasius feierte hier Ostern des J. 344.
Qrteni des J. 345 feierte er zu Aquileja, wohin er durch einen ihm zu
VaiBSoa übergebenen Brief des Kaisers Constans eingeladen worden. In
Aqnileja erhielt er den ersten Brief des Kaisers Constantius. Hier war
es «ach, wo er mit Bischof Fortunatian, der später eine traurige Rolle
ipielte, den Kaiser Constans besuchte. Die Worte des Athanasius an
Constantius lauten: „Nie sah ich deinen Bruder (Constans) allein: nie
hat er mich allein angeredet: sondern stets in Begleitung des Bischofis
der Stadt y in der ich eben war, und mit andern, die eben dort anwe-
send waren, bin ich zu ihm gegangen. In ihrer Begleitung bin ich ge-
kommen, und wieder hinweggegangen. Hievon kann Zeugniss geben
der Bischof Fortunatian von Aquileja; aber auch der Vater Hosius ist
im Stande, es zu sagen'' u. s. w. Sollte hier eine Art von Ideenasso-
cistion durchscheinen, so Hesse sich die Vermuthung aussprechen, dass
Hosius und Athanasius mit einander nach Naissus reisten, und dort bei
dem Bisehofe Gaudentius weilten, dass sie dann mit einander über Sir-
mium, den künftigen Verbanniihgsort des Hosius, wohin die Strassen
14*
212 Sechstes Buch. Sechstes Kapitel.
nach Gallien und nach Italien führten, nach Aquileja reisten und mit
einander den dort anwesenden Constans besuchten. Aäumasins b^ab
sich später noch nach Gallien , und erst von hier aus kehrte er in den
Orient zurüd:.
Von da an viele Jahre liegt die Geschichte des Hosios und der
Kirche von Spanien wieder in tiefem Dunkel begraben. — Spanisdie
Gelehrte suchten einiges Licht und Leben in das Dunkel zu bringen,
indem sie in den J. 350 oder 354 den Hosius eine oder mehrere Syno-
den halten lassen , zur Durchführung der Beschlüsse von Sardika, und
der zu Antiochien befohlenen Metropolitaneintheilung. — Ich sehe mcH
welche Gründe man für solche Synoden anzugeben weiss. — Wir haboi
gezeigt, das» die neue kirchliche Eintheilung schon in Sardika fiiktM
durchgeführt war. — Da ferner die Sammlung der spanischen Cco-
cilien von einer Synode um das-J. 350 nichts weisd, und andere Zeu^
nisse fehlen , so müssen wir uns bescheiden ^ davon nichts zu wissen*).
9
. '■ •> I •
§. 2. Brief des Papstes Liberius an Hosius vom J. 353 — 54.
Der Kaiser Constans — war im J. 350 im Kampfe gegen Magnfen-
tius gefallen ; Magnentius wurde bei Mursa (Esseck) 28. Sepl 351 ge-
schlagen; und tödtete sich, nach einer zweiten Niederlage, selbst -^
10. Aug. 353. — Jßzt war Constantius Alleinherrsdier, und sein Ehil|^
bemühen war es von nun an, dem Arianismus im Morgen- und m
Abendlande den Sieg zu verschaffen. — • Seit dem 22. Mai 352 mr
Liberius Papst. — Der in dem „Opus higtorieum^ ihm zugesehriebeM
Absagebrief an Athanasius, der in die J. 352 — 53 fallen müsste, und
anfängt ^ßtudens paei^^ — wird von allen Seiten als unächt bezeidmot
und anerkannt, weil er der ganzen Geschichte zuwiderläuft, und sein
Inhalt durch keine Thatsachen verbürgt^) wird. Ohnedem sezten die
Arianer fingirte Briefe in Umlauf, mit einer Unverschämtheit, die Staunen
erregt ^).
Constantius wohnte vom Oktober 353 bis Frühjahr 354 zu Arles
in Gallien. Dahin schickte Liberius eine Gesandtschaft mit der Bitte,
Constantius möge ein Concil zu Aquileja veranstalten. Vincentius, Bi-
schof von Capua, imd Marcellus , gleichfalls Bischof in Oampanien, waren
die Gesandten. Der Kaiser — statt auf die gewünschte Synode von
Aquileja einzugehen, liess in seiner Gegenwart eine solche in Arles
halten, und den dort Versammelten ein Dekret gegen Athanasius vorlegen.
>) Hefele erw&hnt der Sache nicht; die Spanier stüzen sich a. a. anf eine 1ral»^
ttimmte Angabe des UbelUu Synodicus der Griechen, — cf.' Aguirre, t 2, 16 (der
ersten Ausg.).
*) Hefele, 626 flg. — T. Quartalschrift v. 1853, 8. 263 flg«
*) Op. hitU 2, 3. — Äthan, ap. ad Constantiwn, c. 6; 11; 19.
3. Synode von Mailand. Verbannung des Liberias. Beginnende etc. 213
iB nnd UrsaciüB waren die Häupter der Arianer. Sie drangen durch,
td die päpstlichen Legaten, den Drohungen weichend, untersdürieben
''erdammung des Athanasius.
Jeber den Fall des Vincentius von Capua, der sich später wieder
, auf das tiefste betrübt, schrieb Papst Liberius an Osius yon
iba:
.Inzwischen kamen, da ich dir nichts verschweigen darf, viele Bi-
) ans Italien zusammen, welche mit mir den frommen Kaiser Con-
us gebeten hatten, dass er, wie er längst schon zugesagt hatte, ein
11 in Aquileja zusammentreten lassen möge. Ich thei^e deiner Hei-
t mit, das9 Vincentius von Capua, zugleich mit dem gleichfalls
mischen Bischöfe Marcellus unsere Gesandtschaft übernahm: denn
ftreff seiner (des Vincentius) hatte ich starke Hofinung, weil er die
legenheit selbst vollkommen inne hatte, und weil er als Bichter in
Iben Sache häufig mit deiner Heiligkeit gesessen war; — so hatte
eglaubt, dass durch seine Legation das Evangelium Gottes unver-
bewahrt werden könne. Aber — er erreichte nicht nur nichts,
m er Hess sich selbst zu jener Heuchelei verleiten. Nach seiner
— bin ich, vom doppelten Kummer gebeugt (wegen des Falles
ji, und weil der Legat des Firstes gefallen war) — umsomehr
ilossen, für Gott zu sterben: ne viderer novistimia ddatar, oder
es nicht scheine, dass ich den Beschlüssen gegen das Evangelium
tn Beifall gebe.''
[an sieht, dass wir einen Auszug aus dem Briefe des Liberius vor
aben, den wir zuerst dem sogenannten opus historicum verdanken,
sieht nicht, ob es eine Antwort auf einen Brief des Hosius war. —
8 stand mit allen katholischen Bischöfen in beständigem brieflichen
shr, und so ist es nicht unwahrscheinlich*, dass die Mittheilung des
liehen Schreibens von ihm ausgieng.
L Die Synode von Mailand. Verbannung des Liberius.
Beginnende Verfolgung des Hosius.
^un gieug Lucifer von Cagliari, mit dem Priester Pancratius und
Diakon Hilarius zu dem Kaiser, mit einem würdigen imd frei-
igen Briefe des Papstes. Eusebius von Vercelli begleitete auf den
3ch des Papstes den Lucifer. Li Folge dess berief der Kaiser nach
nd eine neue Synode , wo er eben weilte. Mehr als 300 Abend-
r erschienen. Sie kamen, wurden angesehen, bedroht und besiegt.
[rei Bischöfe Lucifer, Eusebius, und Dionys von Mailand wurden
a Orient verbannt.
>)nstantius schickte den Eunuchen Eusebius nach Rom, um den
zum Abfalle zu bewegen. Ohne Erfolg. Nun musste der Präfekt
214 Sechstes Bach. Sechste« KapiteL
von Born den Papst an den Hof senden. Er blieb standhaft i und redete
mit apostolischer Kraft ^). Sofort wurde er — Ende des J. 355 oder
Anfangs 356 nach Beröa in Thracien verwiesen. Felix wurde Gtegea-
papst Auf dem Wege suchte Bischof Fortunatian von Aqiiileja den
Papst, der sich in ihm getäuscht hatte , wankend su machen^).
Um dieselbe Zeit liess, auf die Vorstellungen der Arianer, — Coih
stantius den Hosius rufen. ^Nach so vielen und grossen Miaaethaten
glaubten doch die Arianer — nichts vollbracht zu haben , so lange de
grosse Hosius ihre Bösartigkeit nicht erfahren. — Sie scheuten luk
weder, dass (weil) er der Vater der Bischöfe ist, noch vor der Zeil !
' seines Episcopates, in dem er sechzig Jahre und darüber gelebt Sil
giengen also zu Constantius, und redeten ihn also an: Wir haben all«
gethan, wir haben sogar den römischen Bischof verbannt, und vor ihm
sehr viele andere Bischöfe; wir haben jeden Ort mit Schrecken erfüllt .
So lange aber Hosius noch in seiner Kirche ist, sind alle in ihren
Kirchen. Er ist im Stande, durch seine Beredtsamkeit und seinen
Glauben alle gegen uns zu überreden (Ixccvög iariv iv Xoyip xtü niaui
nel&eiv näwccg xad^ rjfA&v). Er ist der Leiter der Synoden, und wenn .
er schreibt, wird er überall gehört. Er hat den Glauben in Kicäa aoi- '
einandergesezt, und überall verkündigt, dass die Arianer Kezer seieOi
Wenn er bleibt, so ist die/ Verbannung der IJebrigen fruchtlos; deoa
imsere Häresie muss unterliegen. Beginne darum , auch ihn zu ve^ ^
folgen, und schone seiner nicht, troz seines hohen Alters.
Als der Kaiser solches hörte, zögerte er nicht, sondern schrieb ikDi
er solle zu ihm kommen, um die Zeit, in welcher er zuerst den Liberias
versuchte (d. i. nach der Synode von Mailand und noch im J. 355). Ab
er kam, redete er ihn an in seiner gewohnten Weise, er solle B&g^
Athanasius schreiben, und mit den Arianern Gemeinschaft halten. Der
Greis, der solches nicht einmal anhören konnte, wurde betrübt, diM
er eine solche Sprache führte , überredete den Kaiser durch seine Worte,
und brachte ihn von seinem Vorhaben ab."
Hier begegnen wir wieder der überherrschenden Bedegewalt des
Hosius. Die schöne und kräftige Rede des Liberias — hatte unmittelbar
die Verbannung desselben zur Folge. Die Rede des Hosius stimmte
den Kaiser um. „Der Greis schlug imd überredete {inmhfi^aq xcu nticw^
aircöv) den Kaiser,'' er kehrte wieder in sein Vaterland und zu seiner
Kirche zurück. — Aber die Häretiker klagten, und stachelten wieder
den Kaiser auf, es mahnten und reizten die Eunuchen (d. L zunächit
der allvermögende Eusebius) , und wieder sandte der Kaiser Briefe mit
Drohungen. „Hosius wurde nun zwar übermüthig behandelt, keinesw^
jedoch aus Furcht vor Verfolgungen in seiner Ueberzeugung erschüttert
') Äik. hist. Arian. cap. 39. — Theodoret — hist eceL, 2, (13) 16.
*) Hisnm. d^ vkU OL c »7.
$• 4. Apostolischer Brief des Hosias an Constantius etc. 215
b er aber {efitatand in seinem Entschlüsse, da er das Hans seines Glaa«
608 auf dem Felsen aufgebaut hatte, so sprach er freimüthig gegen
ie Härene, indem er die schriftlichen Drohungen für nichts betrachtete,
h für Wassertcopfen und Windstösse. Da aber der ^aiser oftmals
woHäxig) achrieb, indem er ihm bald sdimeicbelte als einem Vater,
ald drohte, nnd die Verbminten au&ählte, und sagte: Bist denn du
or Einaige, der noch der Häresie entgegensteht? Gieb nach, und
^knbe gegen Athanasius; — denn wer gegen ihn schreibt, der theilt
■DB die arianisdie Parthei mit uns, — so fürchtete sich Hosius nicht,
■idem — obgleich durch Uebermuth gereizt, schrieb er d^i folgenden
def, welchen wir gelesen haben'':
. 4. Apostolischer Brief des Hosius an Constantius — zu-
gleich das einzige Schriftliche (uns erhaltene) Deiikmal
seines grossen Gieistes.
Hosius an den Kaiser Constantius, Gruss in dem HerrnI
Ich war schon langst Bekenner des Glaubens, als die Verfolgung
egann unter deinem Grossvater Maximian. Wenn auch du mich ver-
ilgst, 80 bin ich bereit, eher alles zu erdulden, als unschuldiges Blut
1 rergiessen, und die Wahrheit zu verrathen: auf dich aber, der du
klefaee schreibest und drohest, höre ich durchaus nicht. Höre also au^
ikbea zu schreiben, und sei kein Arianer, noch höre axd die Orien-
den, noch traue dem Ursacius und Valens. Denn was Jene sagen,
■i sprechen sie nicht wegen des Athanasius , sondern wegen ihrer eigenen
Ibesie. Glaube mir, Constantius; ich bin dem Alter nach dein Gross-
ifcr: ich wohnte selbst der Synode von Sardika an, wohin du und
sin seliger Bruder Constans uns alle berufen habet, und ich selbst
ibe die Feinde des Athanasius aufgefordert*), als sie in die Kirche, in
?r ich mich befand, gekommen waren, sie möchten es doch sagen, so
e Etwas gegen ihn hätten. Ich forderte sie auf, Vertrauen zu hab^
üd nichts anderes zu erwarten, als — dass das Gericht in allem ein
erechtes seyn werde. Diess habe ich nicht bloss einmal, sondern auch
n zweites Mal gethan, indem ich ihnen es überliess, wenn sie es nicht
>r der ganzen Synode wollten , so könnten sie es mir allein (vortragen) ;
dem ich wieder versicherte , dass , wenn er als schuldig befunden wer-
sn sollte, er auch von uns Verstössen werden wird. Sollte er aber
s unschuldig erfunden werden, und beweisen, dass ihr Sykophanten
ad, — wenn ihr euch aber trozdem den Mann verbittet, so über-
sde ich den Athanasius mit mir nach Spanien zu gehen ^).
') VcrgL S. 215 — oder — sie sollten kommen.
') ^'tü uer'' efiaurov jteiSw tov jiSccydGiofv iXSety tlg ra; Sjtayiotf — so sicher ist
Hosius seiues Erfolges, dass er sagt: ich berede ihn. Die zwingende Macht
216 Sechstes Bach. Sechstes Kapitel.
Atkänasios unterwarf sich diesem -^ ohne Widerspmdi; JeIIe^abery ii
dem sie kein Zutrauen zu ihrer Sache hatten, — lehnten o$ ebenso a
Athanasitts erschien nun wieder an deinem Hoflager, als du an ihn schri
best und ihn beriefest, und er verlangte, dass seine in Antiochien gege
wärtigen Feinde entweder sämmtlich oder einzeln berufen werden , d
mit sie entweder überweisen oder überwiesen werden ; dass sie entwed
dem Anwesenden Das beweisen , was sie über ihn sagen , oder den A
wesenden nicht verleumden. Aber — obgleich du ihnen suredeü
thaten sie ^ nicht'); Jene vielmehr weigerten sich dessen.
Warum also hörst du immer noch auf ihre Lästerungen gegen ihi
warum erträgst du — den Valens und Ursacius, obgleich sie Busse |
than, und ihre Verleumdung schriftlich bekannt haben? — Sie hab
gestanden, nicht, wie sie sich selbst ausreden, mit Gewalt gezwunge
indem keine Soldaten hinter ihnen standen, indem dein Bruder nid
davon wusste (denn nicht bei ihm geschah solches , was jezt geschieh«
möchte es nicht geschehen I); — sondern mit ihrem fi:eien Willen b
gaben sie sich selbst nach Rom, und in Gegenwart des Bischofes m
der Priester schrieben sie dieses, nachdem sie vorher an Athanasi
einen freundschaftlichen und friedfertigen Brief geschrieben hatten. Wa
sie aber, Gewalt vorscbüzen, und dieses für Unrecht halten, so bill^
auch du solches (die Gewalt) nicht j höre auf, Gewalt anzuwend€
schreibe weder, noch sende Beamte (xöfnrag = comifes). Gieb vielmc
frei die Verbannten, damit nicht, während du dich über die Gewi
(gegen deine Anhänger) beklagst, dieselben noch grössere Gewalt übe
Ist je etwas dergleichen von Constans geschehen? welcher Bisd
wurde verbannt? wann ist e;^" in Mitte der Bischöfe erschienen*)? Welcl
seiner Palastbeamten (nakuxtvog) hat gegen Jemand eine Unterschi
erzwungen, dass Valens und die Seinigen derlei aussagen? — HS
auf, ich bitte dich, und sei dessen eingedenk, dass du ein sterblicb
Mensch bist 3). Fürchte den Tag des Gerichtes; bewahre dich seil
rein auf denselben. Lege dich nicht selbst in die kirchlichen Ding
seiner Rede und seiner Persönlichkeit hatte denn wohl auch Athanasios
auf ihrer gemeinschaftlichen Reise von Gullien nach Sardika erfahren •— oi
auch er hatte unlcr diesem beherrschenden Zauber zu dem fatalen Canon 2 v(
Sardika Ja und Amen gesagt.
*) ijviöXov — es muss wohl Iieissen: rpfiexw,
*) Diese wohlverdiente Zurechtweisung, die sich u. a. auf die Synode von Mi
land bezog, wo.Constantius mit allen möglichen Drohungen sich den Bischdf*
präsentirte., mag den hochmuthigen Menschen nicht wenig gestochen und {
troffen haben.
') Wirklich starb Constantius vier Jahre nach Hosius, fünf Jahre — nachdem
diesen Brief erhalten, und es nicht auf die Hälfte der Lebenszeit des Hosi
gebracht hatte — Amviian. MarctUin. — 21 f 15: ultimum apirans deflebat exitu
diugue cum anima coUucUitua jam discessuraf abüt e vita 3 Nön, Octobrntmf tm/x
vitaegu« atmo quadra^enmo ei mensibus pauds.
9" t Dieses schreibe ich dir , aus Soi^ fUr dein Seelenheil. Wm
e Dinge acbeUngt, Über die dn mir gesi^irieben hast, so ver-
k aoUiesse midi 'weder den Arianem an , ri^mehr spreche ich das
m gegen ihre' Eezerei : noch schreibe ich gegen den Äthanasias,
a Wir (d. i. Hosius als Vorgisender und in seiner Überragenden
g in der Kirche), und die r&mische Kirche, und die ganee Synode
ardika) unschuldig erklärt hat Du selbst hast dich davon Ubeiv
hast den Mann zu dir berufen, und hast gestattet, dass er mit
in seine Heimath und zu seiner Eirdie zurUckkehrea dürfe. —
liegt dens nun der Qnmd zn einer so grossen Vei^nderuDg? Die-
■ind seine Feinde, die es schon vorher waren: und was sie jezt flu'
laan sie sprechen es nicht in söner Gegenwart ans) , das h«ben sie
bevor dn den Athanasius zu dir gerufen hast, g^en ihn gesagt:
Imd sie , nachdem sie zu der Synode gekommen , gemurmelt : nnd
, wie oben gesagt, die B«weise< verlangte, haben sie keine toiv
1 können: denn, wenn sie solche gehabt, so wSren sie nicht so
ilidk entwichen (nadi PhilippOpolis). Wer hat dich nun nach so
Zeit Überredet , deine eigenen Schriften und Reden zu vergessen?
inne, nnd gieb nicht gottlosen Menschen nach, damit du nicht
ddne Nachgiebigkeit gegen andere selbst an ihrer Schuld Theil
rt. — Demi so zwar fehlest dn mit andern, in dem Gerichte aber
Id allein Kechenschafl geben. Jene wollen durch deine Hilfe —
ügenen Feind schädigen, sie wollen dich zum Helfershelfer ihrer
1 Schlechtigkeit machen, damit sie durch dich ihre verdammungs-
;e HXresie in der Kirche ausbreiten '). — Es ist aber nicht ver-
;, Andern zur Lust — sich selbst in augenscheinliche G«&hr
u HSre anf, ich bitte dich. Folge mir, Constantius. Denn so
218 Seeliftct Bvdi. Seclistef Kapitel. $. 4. ApMtoUaditr Mef etc.
ob wir mehr dankbar für die Eibahiing dieses einzigen sdiriftlicheQ
Denkmales des Hosiua, od^ mehr betrübt über den Verlust seiner übrigen
Schriften seyn sollen* Wir wollen es — in keinen Vergleich bringen
mit den heftigen Angriffen des Lncifer yon Cagliari gegen den Kaiser
Constantias. — Ab^ vergleicht man es mit dem ^pBache gegen Con-
stantius'' des Hilarius von Poitiers, so steht es an Freimüthigkeit und
entschiedener ^raehe hinter demselben nicht eurück, zeichnet sich aber
TortheUhaft an Gemessenheit und Ruhe der Sprache aus, wobei alle^
dings in Anschlag su bringen ist, dass die Schrift des Hüarius nach
den Synoden yon Bimini und Seleucia verfasst ist
jySo schrieb 1^ fl&hrt Atfaanasius fort, „dieser Abrahamitische Grei^
der wahrhaft Heilige dachte und schrieb so; er aber (Cönstantiaa)
hörte au drohen mebt auf, und suchte stets nach Vorwänden zum An-
griffe gegen ihn. Er sezte ümx zu mit heftigen Drohungen, um ihn
entweder mit Gewalt auf seine Seite zu ziehen, oder im Falle des Wi-
derstreben» zu verbannen. Aber — wie die babylomsehen Führer und
Satrapen, da sie nach einer Gel^^nheit zur Anklage des Daniel suchten,
sie nur im Geseze Gottes selbst fanden, — so konnten auch jezt die
Satrapen der Gt>ttlo8igkeit — keine andere gegen den Greis — auch
nur ersinnen. — Denn allen war er bekannt der wahrhaftige Heilige^
und sein unantastbares Leben, sowie sein Haas gegen die Häresie. So
verleumdeten sie nun auch ihn, nicht mehr wie Jene bei Darios (des
ungern die Beschuld^ngen gegen Daniel hörte) , sondern wie Jesabel
den Naboth, und wie die Juden — vor Herodes, indem sie sagten: Er
unterschreibt nicht nur nicht gegen Athanasius, sondern er verdunsit
audb uns seinetwegen; und er hasst so sehr die Häresie, dass er so^
den Andern schreibt ^) , sie sollen eher den Tod erdulden , als Verrälh«
an der Wahrheit werden. Denn um der Wahrheit willen wird unser
geliebter Athanasius verfolgt, der römische Bischof Liberius und alle
Uebrigen erdulden Nachstellungen. Als Constantius, das Haupt der
Gottlosigkeit, und der König der Häresie dieses gehört, und besonders,
da er erfahren hatte, dass in Spanien auch; noch andere die Gesinnong
des Hosius theilen, so versuchte er es, sie z^r Unterschrift (gegen Aths-
Aasius) zu bringen, und da er sie nicht zwingen konnte, so liess er den
Hosius kommen, den er — in der Verbannung ein Jahr zu Sirmiiun
zurückhielt, indem der gottlose Mensch weder Gott fürchtete, noch anf
die Hochachtung seines Vaters gegen Hosius Rücksicht nahm, noch —
der Erbarmungslose. — Scheue vor dem Alter trug; denn er (Hosioe)
war hundert Jahre alt *).*'
') Der lebhafte Briefwechsel, den Hosius stets führte, mag auch die Mittheilanf
seines obigen Schreibens an andere Bischöfe, und durch diese an den Atha-
nasius erklären.
'^ 4'ihan(u, Mitoria Aricmarum ad monachos, cap, 42 - 45,
Siebentes Kapitel.
Der Fall des Hosins — zn^leich seine Attferstehims.
§. 1. Hosius in Sirmium. Zeit und Ort der Verbannung.
• CoxiBtantiiis hielt den Hosius über ein Jahr in der Verbannung. Da
U18 nun ausgemacht ist| und von allen SeiteA zugegeben wird, dass die
sogenannte zweite Formel von Sirmium ^ mit der Hosius in Verbindung
gebracht wird, im Jahre 357 zu Sirmium yerfasst wurde , so müssen
den Anfang der Verbannung des Hosius. in das Jahr 356 sezen. —
Florez nelmie ich femer an, dass Hosius seinen Brief noch im Jahr
30 geschrieben, wenigstens zur Zeit als er von der Verbannung des
lAorins noch nichts wusste*). — Sonst hätten wohl statt des allge-
meinem Ausdruckes: j^Es wird ihm nachgestellt^ ' — die Arianer (in
den dem Osius in den Mund gelegten Worten) gesagt: er ist verbannt
worden. Wir erklären die Worte : Constantius Hess den Hosius kommen
(ßetanäiAnsTUi röy'ücnoy), von einer persönlichen Gegenwart des Con-
stantius in Sirmium.
Sein jeweiliger Aufenthalt kann aus den erlassenen Gesezen nach-
gewiesen werden. Vom Jahre 355 haben wir achtzehn Gesezo des Kai-
sers; das erste und zweite erlassen von Mailand, das dritte von Sirmium,
das vierte ohne Ortsangabe; ebenso die {e;r fünf und sechs. Das siebente
ist fälschlich von Rom datirt Die folgenden Geseze sind fast ausschliess-
lich von Mailand datirt, wo Constantius den grossem Theil des Jahres
zubraohte. — Dort weilte er noch im October und November des J. 355.
— Nach einem kurzen Feldzuge am Bodensee kehrte er nach Mailand
in die Winterquartiere zurück ').
*) Florez, 10, 212.
') Cf. Ammkoi, Marcelim. 15, 4. Su^ Seoer. h. 9. 2, 39. — SocnOu, 2, 36. —
220 SeehBtes Bach. Siebentes Kapitel.
Constantiiis brachte gleichfalls einen Theil des Jahres 356 in
land zu*). Wir haben Vom J. 356 — acht Geseze; fünf tragen die
Unterschrift yon Mailand, eines keine , eines von Fortan TVqfani, mom
von Constantia. — Es ist nicht bestimmt nachzuweisen , dass Constaih
tius im J. 356 zu Sirmium weilte. Um so sicherer steht seine Anw^
senheit daselbst im Jahre 357 fest — Wir nehmen an, dass er den
Hosius in der ersten Hälfte des Jahres 356 berief ^ der auf dem Land-
wege durch Gallien, Rhätien und Obe^)annonien reisend, gegen IGtle
des J. 356 in Sirmium ankommen mochte. War ihm befohlen worden,
über Mailand zu reisen, so führte die Strasse über Aquileja, Emou
(jezt Laibach) und Siscia (jezt Sisseck an der Save) — nach Sirmiuia
Siscia — war yor dem Emporblühen von Sirmium — die wichtigsli
Stadt in Pannonien gewesen').
Sirmium selbst lag am linken Ufer des Savus. Es lag am. Ejreo-
Zungspunkte verschiedener Strassen nach Italien, Gallien, Germanien,
südlich zur Hämushalbinsel , und auf doppeltem Wege nach Constao-
tinopel, auf directem Wege über Naissus und Sardika, und entlang der
Donau — per eircuUum ripae Isirieae, dessen Stationen wir oben ve^
folgt haben ^). — Es war als Hauptniederlage aller Eriegsbedürfiiisse
der Bömto in den Kriegen gegen die Dader und andere DonaüvSlker
— zu hoher Blüthe gelangt, und die grösste Stadt in Pannonien uAd
Slyricum, mit einer grossen Waffen&brik, einem geräumigen FoiuiDi
und einer kaiserlichen Burg*). Hier war der Kaiser Probus geboren^
der auch in der Nähe der Stadt ermordet wurde. — Hier weilte Dio-
cletian gern und oft, und erliess eine Menge seiner Geseze von hier^.
Die im Jahre 1853 durch Wattenbach und Th. G. Karigan mitge-
thcilte^), jüngst von Th. Keim erklärte — „Passio sanetarum quatuor
eoronatorum^^ ^) führt uns in die Umgegend von Sirmium , wo DiocletiaB
Sozom. 4, 9. — Scheiffele, O., Jahrbücher der römischen Gesch., 1853, 8. 59&
— C. T, Zumpt, annale» f 1862, p. 183.
') Ammian, A£, 16 f 7.
*) Forbiger, A. G., 3,475.
*) Bd. 1, S. 400.
*) PloUm. 2, 16, 8. — Strabo, L 7, 5 (2, 3U), — fferodian, 7, 2. — PUn. 3, 25, — Etänp.
fiy 17, - hin. Anton, p. 124. ISl. Amtkian. M. 17, 13; 19, 11. - Zosim, 2, 18.
Orelti inacript nr. 3617. — lüyricwn sacr. ed. Farlati et CoUti, t, 7 - ed. 1817,
p. 449—671 — „EceUsia Sirmienns'',
*) Wieiersheiffi, Gesch. der Völkerwanderung, Bd. 3 — 1862 — 8. 25; Forbifcr,
3, 479.
*) Im Fcbraarheft 1853 der Sizungsberichte der philos. histor. Klasse der k«iserl
Akademie der Wissenschaften; erschien auch im besondern Abdrucke: Paano
eanctorum quaiuor coronatonim. — Aus einer Handsch. der Bibliothek in Gotha
mitgeth. — Wien 1853, 25 8.
^ Eine christliche Quelle über die erste Regierungsseit Pioeletian's r~ vod
|. 1. Hotiiu in Slrmiom. Zeit und Ort der VerbaDBong. 221
eben, and urar am Anfiuige seiner Begiemngy «nweaend ist - In den
{rossen Steinbrüchen in der Nilhe hat Diocietian 822 Arbeiter; yier der
Oeschiektesten daninter sind inSgelieim Christen: Claadius, CastoriiiSy
Brnpromanns, Nicostratpa. — In der Nähe befindet sich seit drei Jahren
im Bischof CTrill von Antiochien in Verbannung. Also war Sinniiim
ükm vor Hosios ein Ort der Yerbanniing für Bischöfe. — Wir kannten
Jan CyriUns schon vocher'als achtzehnten Bi8du>f von Antiochien. Er
kalte im Jahre 804 oder 806 den Tyrannus soin Nachfolger, und regierte
wnaig Jahre ^). — r. Unsere Passie .ist auch eine ganz merkwürd%e
BastMtiftiing der gleichsam stoss- .und zwangsweise erfolgenden Christen-
perfidgang durch und unter Diocietian. Dieser mtisste gleich im An-
Su^ sdner B^gierung theils aus Gtötterfurcht, theila ditrch Drohung^
{CBwongen werden, die Christen yerfolgen zu lassen. Ebenso tritt hier
Khon sein bekannter J&hzöm hervor. j^Wüthend be&hl Diocietian die
POnfe (zu den Obigen noch Simplicius) in bteiemen Särgen lebendig
in den Fluss — Save — zu werfen'' — am 8. NoTcmber. Nach einem
^uÜButhalte von eilf Monaten gieng Diocietian nach Rom ^). — Ein Gesez
les .Diodetian ist aus Sirmium vom 1. Januar 286 datirt. Am längsten
ireüte er im J. 294 au 8inniQm> und in dieses Jahr verl^ Keim dea
red der fünf Christen ^).
IrenäuSy der erste bekannte Bischof von Sinniüm, wurde in der
Verfolgung von d04 folg. — Märtyrer unter dem Präfekten Probus tqu
Ptamonien y dessen ächte Maitjrakten erhalten sind *). Irenäus ist Patron
der Kirche von Slrmiom.
Auch der Kaiser Constantin weilte oft und lange in Sirmium ; z. B
■i J. 315, im J. 817 — 18, im J, 319 — 320») u. s, w. Diejenigen,
vddie annehmen, dass Hosius um diese Zeit stets im Gefolge des Kai-
Mn gewesen, und dass er erst nach der Synode von Nicäa nach Spa-
nien zurückgekehrt sei, sind desswegen auch gezwungen ^ einen {rühem
llngern Aufenthalt des Hosius in Sirmium anzunehmen.
Th. Keim (Prof. in Zürich) — in »Heidenheim**: Deutsche Vierteljalirschrifl —
Nr. 5 — vom 30. Mai 1868, S. 3—11.
*) Euteb. k, eccL 7, 32. — chronic, ad a. 306,
*) Siehe oben S. 98 — die sogen. Coranati worden nicht in Rom gemartert, son-
dern ihre vier Glaubensgenossen, der^n Qedftchtniss — in Rom sofort an einem
Tage — mit den vier (fünf) Märtyrern Pannoniens begangen wurde.
*) Vergl. auch Th. Mommsen: Ueber die Zeitfolge der Verordnungen Diocletian^s
and seiner Mitregenten, 1860 — z.B. S. 355 — 356. Mommsen gesteht, dass
sich seit Tillemont (HiMtoire des emperewrs, t 4) Niemand damit beschäftigt habe.
Nach jfllbfricum tacntm" t 7, p, 465 — 69 giengen Ep&netus and Andronicas
dem Iren&as als Bischöfe voran.
*) Acta mart, nncera — L c, p, 432 — 34, Rainart sezt sein Martyrium — auf den
(25.) M&rz 304.
*) Wieteraheim, 3, 187.
3S2 Sechstef Bach. SiebeDtes Kapitel.
Einen grossen Theiji des Jahres 321 l^aohte Gonstantm ^ in' Sa-
mium zu. Am 17« April erliesa er Ton dort ein Gesea. Sohoh am fi^
genden Tage erliess er an den j^Bischof Osins^ das obenerwHhnte OeNs
-^ de m€mumi$9i$ in eedetia ^). Wenn auch Hosins selbst nicbl in Sn
miom eben weilte, so war doch diese Stadt für ihn dämm in firühenr
Zeit — ein Ort der Freude, wie später ein Ort der Leiden imd Qiuden:
Wie Constantin, so weilte sein Sohn Constantios wiederholt in Bb-
mium^ wo er u. a. im J. 851 — der bekannten haibarianisohoi Synode
pribddirtey.anf welcher dia erste sogenannte sinnische Formel -entfmrfct
worde, welche Hilarios orthodox deutet, Athanasius mit Recht verwiill^
da. darin der Sohn dem Vater unterworfen genannt wird. Bischof Ph^
tinqs wurde verbannt, und Germinius der Arianer ihm som Nadifolg*
gegeben. — - . Im J. 352 gab CJonstantius yon Sinnium aus verschiedsii
G-esese, wo er noch im Dezember weilte. In den J. 368 bis 356 Udl
er sich in Gallien und Italien auf; doch wurde im M3Lrz 356 ein Geiei
aus Sinnium erlassen.
§.2. Cioiistantius kommt im JuH oder August 357 nach
Sirmium. — Hosins — in den Händen der Missethftter.
Constantius hielt sich in den ersten Monaten des Jahres 367 nodi
in Mailand auf. Die Geseze vom Februar, März und April d. J. siod
aus Mailand datirt. — Ende April bis Anfangs Juni weilte er in Bodl
Dort brachte er nach Ammiah. Marcellinus 30 Tage zu, und reiste am
29. Mai wieder ab. — Aber — wir haben noch ein vom 29. April ani
Mailandy vom 1. Juni aus Rom datirtes Gesez. Mit den 31 Tagen seines
dortigen Aufenthaltes mag es demnach seine Richtigkeit haben; allein seiae
Ankunft, wie Abreise muss einige Tage später angenommen werden«
Damals hatten die römischen Matronen den Muth^ den die M^ner
nicht hatten, den Kaiser um die Rückkehr des Papstes Liberius zu bitten.
— Er hielt ihn aber noch länger, als ein Jahr zurück, und sendete ihn
zurück, nachdem er ihn zum Nachgeben vermocht hatte j^durch den
Ueberdruss an der Verbannung^. Nach Ammian. M. reiste der Kaiser
unmittelbar — aus Rom nach Illyricum — über Trient (per Tridentum
üer in Illyricum festinavit — 10 ^ 10 J] und zwar nach Sirmium.
Aber wir haben zwei im Juni von Mailand erlassene Geseee^ und
ein — drittes aus einem Orte „Vallis^, der sonst nirgends vorkommt
Denn der Ort Vallis in Afrika kann nicht gemeint sejn; ja wir haben
noch zwei Geseze vom zweiten und vierten Juli aus Mailand. Daer nächste
Gesez vom 15. Juli trägt keine Ortsangabe; ebenso wenig ein Gesez
vom 31. Juli, vom 28. August, und drei weitere — bis zum Desember.
Dann sind zwei Geseze im Dezember aus Mailand, und zwei spätere
aus Sirmium datirt
*) Siehe oben — S. 138.
$. 2. ConsUntias kommt im Juli oder AagQst 357 nach Sirmium etc. 228
Dft eeehs OeBese ohne Ortsangabe — in der Mitte zwischen den
BS Mailand ergangenen Oesezen stehen , so hat sich der ehrliche Gotho-
«dos an der Meinung yerleiten lassen , Qonstantias ^sei bis Mitte De-
■nbers Tom Juni an in Mailand geblieben ^ und dann eirst nach Sir-
nm gereist — über Trient Gk>thofred vwl^ desshalb mit Unrecht
ia Vorginge mit Hosius in das Jahr 3Ö8. Er sagt zum J. 868: Liberius
> mie Hoeiusi welche in Sirmium weilten^ wurden ei^ in diesem Jahre
Sizen wiedergegeben.
£b finden sich sonst wohl einzelne Geseze ohne Ortsangabe des
; aber ich finde in der Zeit von 851 bis 361 , der Alleinherr*
shaft des Constanthis -^ nirgends so yiele Geseze ohne Ortsangabe,
ia ist mQglichy selbst nicht unwahrscheinlich ^ dass Constantius in einem
ewinen Sume das Incognito wahren wollte. — Die Zeugnisse seiner
UBweeenfaeit in Sirmium sind aber so bestimmt und stai^c, dass sie nicht
eaweifelt werden darf. Er kam u. a. auch, um den Widerstand des
[osius bezwingen zu helfen.
Dieser -^ war schon ein Jahr in der Hand der Bösewichter Valens
nd Ursachis, deren jener in dem nahen Mursa (jezt Esseck) , der andere
1 dem nahen Sitigidunum (jezt Belgrad) ihren Siz hatte ^ der sie allem
knscheine nach nie festhielt — Es wäre schweres Unredit g^en Ho*
iosi wenn man nicht berücksichtigen wollte ^ dass die Lage keines der
«bannten Bischöfo dieser Zeit — mit der seinigen verglichen wer-
\m kann. — Liberius war zu Beröa in Thraden, aber bei ihm waren
Mmsche Cleriker; und von persönlicher Verfolg^g gegen ihn ist nir-
fmä» eine Spur. Es ist nur die Rede von der Einsamkeit oder Ver^
MBenheit seiner Verbannung, — Eusebius von Vercelli — hatte zwar
en seinem Wächter, dem -Bischöfe Patrophilus von Scythopolis, vieles
a dulden, — Ungebühr und Grausamkeit, aber er hatte stets Gefährten
1 seiner Noth, stets Brüder an seiner Seite (Servua Bei Eusebius cum
miervii »ui$ qui mecum fldei causa labarant, PatropMlo custodi cum suis).
- Von Lucifer kann hier nicht die Rede seyn, da er als Schismatiker
ndigtej und sein stets polterndes und herausforderndes Wesen — per-
Snliche Insulten eher erklären würde. — Dionysius von Mailand, der
ach Cappadozien verbannt wurde, starb im Exil — aber man erfährt
ichts ITäheres über ihn.
Es bleibt nur Hilarius von Poitiers übrig. Aber er bewegte sich
ut grOsster Freiheit in seiner Verbannung, verfasste Schriften, reiste
on einem Orte zum andern, schrieb ungehindert Briefe nach allen
leiten, stand mit den Halbarianem im besten Einvernehmen, und kehrte
- endlich nach Gallien zurück, ohne dass bis zur Stunde Jemand das
ächste Motiv seiner Rückkehr weiss ^). Wer möchte es wagen, die Lage
es Hilarius mit der des Osius zu vergleichen?
') Nach Sufy, Sev. h. s, 2, 45 wurde er aU Bahestörer des Orients zurfickverwiesen«
1
234 Sechttes Buch. Siebentes Kapitel, jj
Ja — HomuB hatta einen Begleiter an seiner Seite — den Potamioi -
▼on Lissabon. — Aber die Verleomder des Hosiusi die oftgenannten =
Fanstin und Uaroellin, sahen sich gezwungen, cum Böhme des Bona ^
an sagen, dass er den Potamios als Abtrünnigen schon in Spanien Te^ 2
folgte. — jyPotamios,^ sagen sie, «Bischof der Stadt Lissabon , Te^ '•■
theidigte inerst den katholischen Glauben, verleugnete jedoch qiitBr >
um den Lohn eines vom Staate gegebenen Grundstückes (praemiB pmi '
fUeäUB)^ nach dem er yerlangt hatte, den Glauben. — Ihn entdeckte 3
Onus Ton Corduba bei den Kirchen Spaniens — und er. wies ihn aorttck a
als gottlosen Eeaer. Aber Osius wurde nun selbst auf die Klage dfli s
Potamius su dem Könige Constantius gerufen ^).^ i
Wir erfahren hier -^ einen neuen Incidenapunkt über die VerbM- ^^
nnng des Hosius, der, mag er — bei der notorischen LügfflahafljgWl 2
unserer Ludferianer — viel&ch auf Erdichtung beruhen, doch insoftoi >
andere Angaben ergänzt und bestätigt, nach welchen — Potamius an- ^
gleich mit Hosius in Sirmium war. — Diess bezeugt uns HHariini nit «
den Worten: qoi Urne apud Sirmium in $mtmtiam Poiamü (Uqm (M s
coneeiteranl — welche damals in Sirmium der Meinung des Potamiii s
beigetreten waren ^). Dieses bestätigt femer auch Phdbadius Ton Ag« z
in seinem: JU6er eontta Arianoi top. 5 — welcher anführt: «den Borf e
des Potamius, der Tom Morgenlande und Tom Abendlande übersandsk e
worden ist (quae ab orieHte et oeddtnte irantmüta atj. Derselbe sagt: .:
jiMan muss verstehen den Ursacius, Valens und Potamius,^ indem m :
diese drei Männer auf die gleiche Linie der Heuchelei stellt. — Andemn c
heisst es, dass ^^unter dem Namen des Potamius'' (sub nomine FaUmä) i
— die sogenannte zweite sirmiscbe Formel übersendet worden.
Daraus geht zur Genüge hervor, dass Potamius wirklich im J. 357 •
mit und neben Hosius zu Sirmium anwesend war. Aber — wie ksa c
Potamius nach Sirmium? Kam er dahin als Verbannter, mit oder naek .
Hosius? Kam er dahin — mit oder ohne seinen freien Willen? Aths- ;
nasius erwähnt seiner überhaupt nicht, weder hier, noch sonst, troz dei \
Briefes, den Potamius nach der Synode von Rimini an ihn geschiiebeB <
hat, in welchem er sich, wie Gregor von Elvira, rein waschen, und :
als orthodox darstellen wollte.
Es liegt aber — nachdem Potamius schon in Portugal vom Glauben
abgefallen, und dort von Hosius „entdeckt'' worden war, nahe, sa ▼e^
muthen, dass er — vielleicht nicht beim Kaiser, aber bei den beiden
Ohrenbläsern des Kaisers Valens und Ursacius den Hosius denuncirt
habe, dass er — entweder freiwillig, oder — einer ergangenen Ein*
>) Hunc Onus de Corduba apud ecclesias Ilispantarum ei detexit et repulä ui impiim
haereticum, Sed et ipse Osius, Poiamü quertla accersUus ad ComikmiÜmm r^gsm —
L c, cap, 9 • — Hbelius precutru
*) HiL ^ über de synodis — um 358 — c<9>. d.
]. 2. CoDtUtntius kommt im Juli oder August 357 nach Sirmium etc. 225
tduDg gerne folgend, -r- den Hosius als Quälgeist nach Sirmium be-
leitet habe. — Allerdings weiss Athanasius nichts von seiner Denun-
ation, aber der Bericht der Luciferianer und sein Bericht können sich
igänzen. — Die Klagen und Einzelheiten, mit denen Valens und Ur-
ans dem Kaiser in den Ohren lagen , und die oben angeführt wurden,
muten sie füglich yon Potamius erfahren haben.
Der Portugiese Michael Joseph Maceda giebt sich in einer grossen
äMertation, — die ein Anhang seines berühmten Werkes ist: Hosius
w€ äoncHu — BanarUae 1790^) — vergebliche Mühe, den Potamius
8 unschuldig darzustellen^). — Er will ihn aus seinem an Atha-
isius nach der Synode von Rimini gerichteten Briefe rechtfertigen.
.ber Niemand ist Richter in seiner eigenen Sache. Und ausdrücklich
arichtet Hieronymus, „dass einige der dort gefallenen Bischöfe an die
tdcenner, die wegen Athanasius verbannt waren, Briefe zu schreiben
pgmnnen^ (aXü ad tos confessores , qui <u6 nomine Athanasii exulabcmJt^
^eperwU liUras miUere, — adv. Luciferianos — cap. 19), — Das trifft
of Gregor von Elvira, es trifft aber auch der Hauptsache nach — auf
^otamius zu. — Gregor und Potamius, die beide der Synode von Bimini
nwohnten, sehrieben an die Häupter der Orthodoxen, um bei ihrer
Uekkehr nach Spanien sich dadurch in ein günstiges Licht zu sezen.
* Aber wie man kein Recht hat, aus dem Lobe, das sich Gregor von
ÜTira in seinem Briefe an Eusebius selbst spendete, an seine Gerech-
i|jkeit und Unschuld zu glauben, so ist Maceda nicht im Rechte, aus
Im Briefe des Potamius den Schluss zu ziehen, dass er „Freund des
A&inasius'' im Jahre 359 war, und dass er im J. 357 an der soge-
ittimten zweiten Formel von Sirmium keinen Theil hatte ^).
Die Belastungszeugen gegen Potamius sind Hilarius von Poiticrs,
'kSbadius von Agen, die erwähnten Luciferianer, indirecte Zeugen
jagen ihn sind Hieronymus, im Zusammenhalte des uns erhaltenen Briefes
les Potamius selbst, — sodann Athanasius, der den Brief desselben nicht
«antwortet zu haben scheint — Wenn wir uns aber nach den Ent-
istangsseugen umsehen, welche bei Hosius mehr Glaubwürdigkeit ver-
lienen , so weiss uns — auch Maceda — keinen anzuführen , — als den
^otamius selbst, und seine Auslassungen — können wir nicht als Ent-
*) Das mir, nach ver^ebüchen Nacbforschung^en in München, Wien und Rom —
endlich dnrch die Güte des Dr. Jos. Nolte aas Paris gesendet wurde.
*) — Pi>iamiM imnoceiUy mnocentiae M. Hosü vindexj p. 381 — 440.
*) Tillemont — mmn, 8, 195 — ist im Irrthnme , wenn er aus dem Umstände, dass
PoUmiiit Arianer wurde, sehliesst, Potamius könne seinen (orthodox lauten-
den) Brief nicht geschrieben haben. Anderswo (j. 7, p. 774 — Noten zu Euscb.
▼on Vercelli) — nennt er ihn »einen miserablen Bischof von Lissabon**. — Ihm
folgen die Brüder Ballerini in Annahme zweier verschiedener Potamius. Cf, op,
Zsnofuf €piac p, 310. Bei diesen fleissigen Schriftstellern ist es um so auflal-
der, dass sie sich der obigen Stelle des Hieronymus nicht erinnerten.
äsms, span. Kirehe. II. 15
226 Sechstes Bach. Siebentes Kapitel.
lastung zulassen. Niemanden wird die Ausrede überzeugen , dass di«
Belastungszeugen Hilarius und Phöbadius nicht sagen , dass Potamin
Bischof von Lissabon gewesen. — Denn — einen zweiten Potamia
anzunehmen y ist überall kein Grund vorhanden. Dazu kommt , dasa de
Styl der beiden Tractatus, die den Namen des Potamius tragen , im
unsers Briefes — unverkennbar sich gleichen , in Beziehung auf bari»
rische Sprache , grässliche Bilder und Unverständlichkeit des Siniies.
Femer wird es Niemand überzeugen , dass die sogenannte zweifa
Formel von Sirmium gefälscht , dass das obenerwähnte Buch des Ph5
badius gefälscht worden y worin Potamius dem Valens und Ursacius -
gleichgestellt werde. Maceda sucht die Worte des Phöbadius — „tarn
vestrum, id est epittola Potamü, quae ab Oriente et Occidente transrmm
est^^ — als vollendeten ünsinn darzustellen, und daraus die Pälscboni
zu erweisen *). — Aber — auf solche Argumente kann man sich nich
verlassen y weil dadurch alle historischen Zeugnisse in Frage gestellt
würden.
Hatte Hosius an dem Kaiser Constantius , an seinem verrätherischei
Mitbischofe Potamius aus Spanien — zwei gewaltige und gefährliche
Gegner 9 umlauerten und umlagerten ihn ohne Zweifel in Sirmium no^
viele andere falsche Brüder, Spione und Schergen der Gewalt, denen
gegenüber der hundertjährige Greis allein stand, und denen er alleii
ein Jahr lang einen Widerstand leistete , der über jedes Lob erhabeq
ist, — so fehlt es vollends der deutschen und jeder Sprache an Worteo,
um die diabolische Verworfenheit seiner beiden Todfeinde Valens und
Ursacius darzustellen, in deren Hände Hosius — nach den verborgenen
RathscMüssen Gottes ausgeliefert war.
„Diese beiden Ungeheuer der Gottlosigkeit^ [duo iniguüatis portenta^)]
— waren beinahe inmier von ihren Sizen entfernt ^) ; nach Sirmium aber
hatten die Beiden sehr nahe, und ohne Zweifel — quälten sie obM
Ende den Hosius. An ihm sich furchtbar zu rächen, hatten sie — al>
gesehen von ihrer bodenlosen Schlechtigkeit , von menschlichem , und toc
ihrem arianischen Standpunkte aus die ärgsten Gründe. Sie — wusstei
sich gehasst und verabscheut von Hosius. — Unter seiner Leitung batt«
— die Synode von Sardika — gerade sie — vor den von ihr ver-
dammten Arianern gekennzeichnet und gebrandmarkt, indem sie diese
Beiden j^gottlose und unverständige Jünglinge*^ (d. i. dumme 'Jungen)
nannte. — Dann hatten Valens und Ursacius Busse gethan, an Papst Julius
geschrieben, waren nach B.om gereist, hatten die Arianer verdammt,-
347 1 auch wehmüthig und demüthig an Athanasius geschrieben.
I) Pho€bcuL c. 5 L eoHira Ananas,
*) Siehe Il^fricwn gaerum, t 7, 1817, p. 587 — Ecclesia Munttm,
^) L, c. qua (tcUna Mun, Vakn») fnre umper abfidt.
§. 3. GrauBamkeiten — gegen Hosius.
rie ihre Rache aaf jede Art an ihm kühlten, daran yrVn
wofeln, Vf&oa bs auch nicht noch besonders berichtet würde,
irar fGr ihn. Niemand schUzte ihn.
VerbannoDg dauerte ein Jahr asd dartlber, Mitte des J. 356
üeber die Verfolgung des Kaisers sagt Athanasius im Ällge-
Er that dem Hosius solche Gewalt an, und hielt Ihn so lange
tas er — erschSpft (&XißivTa), endlich kaom mit Valens und
Gemeinschaft hielt* — Anderswo sagt er, daas Hosius Heber
nte erduldete, als dass er die Wahrheit verrieth. „FOrchtend
ngen des Constantius, schien er jenen (den Arianem) nicht zu
hen; sondern die viele Gewalt und das tyrannische Ver-
les Constantius, und die zahlreichen Misshand-
nnd die Schläge zeigen, däss er nicht, weil et aas
lielt, sondern weil er wegen der Schwachheit des
ie Schläge üicht mehr ertragen konnte, ihnen eine
; nachgab *).
[inzuftlgung eines neuen Umstandes der Verfolgung erzählt er
ass Hosius später „wegen der vielen über alles Maass ihm et-
:liDtge, und wegen Nachstellungen gegen seine Verwandten,
in Augenblick wich, als Greis, und schwachen Leibes*)",
len Verwandten des Hosius kennen wir eben nur seine Schwester.
;lich, dass sie ihres Besizes beraubt, oder gequält, und so
rächt wurde, ihm zu schreiben, dass er nachgehen solle (vor-
228 Sechstes Buch. Slebeotes Kapitel.
ausgesezty dass sie damals noch lebte). In allen Jahrhunderten haben
die Verfolger der Kirche sich dieses höllischen Mittels bedient j um sick
an den standhaften Bischöfen zu rächen. — Heinrich U. von England
verfolgte die Verwandten des Thomas Becket. Als Heinrich VIIL Tot
England y der grosse Wüthericb, des Kardinals Reginald Polus (Pole) -
nicht habhaft werden konnte , liess er seine Mutter ^ seinen Bruder ^ und '^
mehrere seiner Freunde hinrichten.
Die Berichte des Socrates und Sozomenus über die Grausamkeiten T
gegen Hosius lassen sich auf Athanasius zurückführen. Socrates sagt,
;,der in jener Zeit allberühmte Hosius , Bischof von Corduba, war nn-
freiwillig in Sirmium zugegen** *). — Er verwechselt aber die Synode ,
von 351 gegen Photinus — mit der von 357. — Hosius konnte im Jib '"
351 unmöglich als Verbannter in Sirmium seyn y indem er damals — ^
innerhalb des dem Magnentius unterworfenen Gebietes sich befand').— /*
Socrates berichtet zum zweitenmale den gleichen Irrthum. Sonst aber "^
ist es wahr, dass er (fünf Jahre später) durch die NachsteUungen der '
Arianer in die Verbannung geschickt wurde. ^^Damals,^ fährt Socnliei '
fort, „liess ihn auf Betreiben der in Sirmium Weilenden der Eaiier ^
konmien, indem er verlangte, dass er entweder durch Ueberredung ode^ °
mit Gewalt den Anwesenden beistimme. Wäre diess geschehen, 9 ^
schien ihrem Glaubensbekenntniss das gewichtigste Zeugniss su Thel ''}~
geworden zu seyn. Desswegen nun war er, wie ich sagte, geawuQga ^
und unfreiwillig anwesend. Da er es aber verweigerte ^) , sich ihw ^
beizugesellen, so thaten sie dem Greise durch Schläge und Martern«*'^
die äusserste Gewalt an. Desswegen fügte er sich auch gezwungen — ^
den damals ausgegebenen Glaubensformeln und unterschrieb.^
Wie — wenig zuverlässig — abgesehen von den aus Athanasiü _
entlehnten Einzelnheiten — dieser Bericht sei, beweisen auf das Nett "
die Schlussworte: „Solchen Ausgang hatten die damals in Sirmium for '^
sich gdienden Dinge. Der Kaiser Constantius aber verweilte längen u
Zeit in Sirmium, weil er den Ausgang des Krieges gegen Magnentiv ^
abwartete.^ Dann erst folgt der Bericht über das Ende des Magnen-
tius, die Sjrnode von Mailand 355, und unmittelbar nachher die Synode _
von Bimini 359.
Sozomenus erwähnt eines Briefes des Hosius an die A^'tianer, seine .
Verbannung und seine Leiden in Sirmium [wovon des Zusammenhanget ^
wegen in %. 4] *). ^
•) Socrat. 2, 29. 31.
*) Eine Uebersicht über die Literatur über Photin und die Synoden von Sinninn
siehe in meinem Artikel •»Photinns" im Freiburgcr Kirchenlexikon» Bd.8)440> "^
— Hefele, 1,623.
') — Soc, 2f 31 ^ ijtil dh avrof Mo^eiro CwriS^öSat, MhffciQ rt mU CrgaftJUiötK
0 Soxom. 4, 6f 13, 15.
US, nnd die Bpätern Epiphanius, Sulpicios Sevenis und An-
Lblen nichts von Verfolgungen gegen HosiuB in seiner Vei>
in der sie nur indirect handeln.
beiden Xjuciferianer können die Verbannung nicht leugnen,
1 sie ein Intwesse haben , den Fall des Hosius mÖgUdist ecla-
Luenhaft dannstellen , — so erdichten sie. Sie sagen : „Aber
auf die Klage des Fotanuus zu dem Kaiser CoDStantius be-
^rschreckt durch Drohungen, aus Furcht, er ein Greb and
te VerbannoDg und Aechtung zu erdulden haben, giebt die
Grottlomgkeit , nnd — nach sc vielen Jahren — fällt er ab
n*)." — E» ist seltsam, dass sie von einer Furcht der Ver-
len , und von Drohungen 1 Aber — sie müssen doch so viel
ch zugestehen, dass Hosius verbannt und verfolgt wurde, und
dem Zwange unterlag (wenn er überhaupt unterlegen ist).
ode der Arianer za Sinuium, Mitte des J. 357; die
rmisclie Formel Hosius hat keinen Antheil an ihr.
Mitte des Jahres 357 and in der Anwesenheit des Eüsers
, der vor der sweiten Hslfte des Juli nicht wohl in Sirmiam
e, da er in den ersten Tagen des Monats noch in Mailand
n die Arianer, die sich inzwischen strenger in die Partheien
und Gangarianer (Änomäer, Agtianer, Eunomianer) geecbie-
, eine Synode, deren Ergebniss die zweite sirmische Formel,
rh mn vorilhoi^i-flhftndp.r Slew der strnnp^n Arianer — über
230 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
ansezen zu dürfen. Der ausführlichste Bericht darüber findet uch W
SozoHienuSy der aber leider verschiedene Dinge mit einander Terwech-
seit, und desswegen weniger zuverlässig ist; — Es gehört nicht in
meiner Aufgabe, die verschiedenen sirmischen Formeln auseinand^ n
sezen, und zu halten. Denn troz der Verwirrung, welche Socrates und
Sozomenus in diese Geschichte gebracht haben, muss es als historisobe
Errungenschaft der Gegenwart angenommen werden , dass die erste grom
Synode von Sirmium semiarianisch , und damals Hosius nicht zugegen, die
zweite vom J. 357 ganz arianisch, zur Zeit der Anwesenheit des Hosius, dit
dritte im J. 358 wieder semiarianisch war, zur Zeit der Anwesenhot
des Papstes Liberius ^). Diess vorausgesezt, fügen wir die Erzihltmjf
des Sozomenus hier ein^):
„Als der Kaiser zu dieser Zeit in Sirmium weilte , berief er eiti
Synode der Bischöfe (351). Aus dem Morgenlande waren neben mehreren
andern Georgius von Alexandrien , BasUius von Anoyra (das anerkannte
Haupt der Halbarianer) und Marcus von Arethusa — dahin gekommefi.
Aus den Provinzen des Abendlandes aber Valens, Bischof von Mivbi^
und der Bekenner Hosius; er, der theilgenommen hatte an der Synode
von Nicäa, nahm an dieser unfreiwilligen Antheil. Denn dieser im
kurz zuvor durch die List — und die Nachstellungen d^ Arianer —
zu der Verbannung verurtheilt worden, und wurde auf Betreiben der
in Sirmium Zusainmengetretenen von dem Könige berufen. Denn ae
glaubten y wenn sie ihn, sei es durch Ueberredung oder durch Gewalt
— zur Beistimmung brächten, einen überall berühmten , und von alka
bewunderten Mann, er ihnen ein hochschäzbares Zeugniss ihres eigeneo
Bekenntnisses seyn werde. Als sie nun in Sirmium zusammengekommoi
waren (es war dieses das Jahr nach dem Consulate des Sergius nvA
Nigrinian, in welchem Jahre weder im Morgenlande noch im Abend-
lande ein Consul war (es sind die beiden Jahre 350 und 351 gemeint)
— wegen der von den Tyrannen im Reiche erregten Verwirrung; »o
sezten sie zunächst den Photinus ab, als einen Anhänger des Sabellins
und des Paulus von Samosata. Als dieses geschehen war, gaben ne,
entgegen dem, was früher geschehen war, drei Glaubensformeln heraos.
Die eine schrieben sie in griechischer Sprache, die zwei andern in
lateinischer Sprache; dieselben waren weder dem Wortlaute, noch dem
^inne nach, fast überall, weder unter einander noch mit den frühern
Formeln — übereinstimmend ')."
— Dann geht er an eine Beschreibung dieser drei Formeln, die er
gleichfalls verwirrt. Seine Hauptirrthümer bestehen aber darin, dass er,
dem Socrates nachfolgend und ihn überbietend, drei Synoden von 351?
') Das Nähere bei Hefelc, 8. 618 - 652 — 656 ü^.
») Sox. 4, 6.
») Ibid.
f. 4: Synode der Arianer su Sinnium, Mitte des J. 357 etc. 231
57 und 358 in eine einsige susammenwirft^ die vom J. 351 , und dass
r diese einzige Synode — unglaublich zu reden — drei verschiedene
flaubensformeln — herausgeben lässt. Seine Inhaltsangabe der zweiten
nnischen Foimel ist indess nicht unrichtig.
Nachdem sich Sozomenus an seinen unvereinbaifen Widersprüchen
Icht gestossen, fährt er in Betreff des Hosius fort: ^^Solches beschlossen
B in Betreff des Glaubens , während der Kaiser selbst zugegen war.
onus nun weigerte sich zwar anfangs, ihnen beizustimmen. Da er aber
sswungen wurde, und, wie gesagt, er — ein Greis — Schläge
i erdulden hatte, so stimmte er bei und unterschrieb.'' Dann wird
diter yon Photinus gehandelt
Unrichtig ist es femer, dass — Constantius, nachdem er von Rom
hch Sirmium (357) gekommen, dahin den Liberius aus Beröa berieft),
as Leztere geschah vielmehr erst im J. 358. Doch enthält das
fölfte und fünfizehnte Kapitel des vierten Buches des Sozomenus eine
Dgabe über einen Brief des Hosius an die Arianer, welche wir in
ai nächsten Paragraphen zu verwerthen gedenken.
Dagegen können wir indirect aus den Angaben des Sozomenus, im
asammenhalte mit andern Nachrichten und Berichterstattern , schliessen,
«8 der Synode von 357 nur abendländische Bischöfe beigewohnt haben.
idem scheint die Zahl derselben nicht gross gewesen zu seyn. „Ho-
m hatte nemlich ,^ berichtet Sozomenus ^) , „zugleich mit einigen dort
Endlichen Bischöfen, um die Streitigkeiten des Valens, Ursacius und
tfminius (Bischofes von Sirmium) zu heben, gezwungen in Sirmium,
ie gesagt worden, seine Uebereinstimmung dahin ausgesprochen, dass
der das Wort „gleichen noch ähnlichen Wesens^' gebraucht werden
Ute; da diese Worte weder irgendwo in der heiligen Schrift gefunden
irden, und eine allzu neugierige Erforschung — über den Geist des
Bnschen hinausgehe. Als sie nun darüber einen Brief des Hosius sich
■gewirkt hatten, so überschickte Eudoxius einen Brief, in welchem
dem Valens, Ursacius und Germinius seinen Dank aussprach, und
ihrer Thätigkeit zu verdanken bekannte, dass die Abendländer richtig
urten.''
Hier werden also nur — mit Hosius — vier Bischöfe aufgeführt,
ilche damals in Sirmium sich befanden. Als fünften müssen wir den-
iben den Potamius beifügen. — Zu demselben Ergebnisse der ge-
igen Zahl der anwesenden Bischöfe gelangen wir, wenn wir auf den
Ticht des Hilarius über diese Synode und ihre Glaubensformel Rück-
ht nehmen. Wir führen sie nach ihm an. Er giebt der zweiten sir-
ischen Formel die üeberschrift: Exemplum blasphemiae aptid Sirmium
r Onum et Potamium conscriptae — (Ein Exemplar der Blasphemie,
') Soz, 4, 15,
') lind. 4, 12.
232 Sechstes Bach. Siebentes Kapitel.
welche in Sinnium — durch Hosius und Potamius niedergeschrieben
wurde (vorausgesezt, dass diese Ueberschrift von Hilarius selbst ist).
^Da es sich zeigte, dass in Betreff des Ql^bens — einiger Strot
herrsche , so ist in Sirmium alles mit Fleiss verhandelt und erörtert woi^
den , und zwar in Gegenwart unserer heiligsten Brüder und Mitbisehöfe
Valens, ürsacius und Germinius.**
Dem Aktenstücke selbst geht der Name seines Verfassers weder
voran, noch nach. Denn es ist nicht zu zweifeln , dass die UebeK>-
schrift der zweiten sirmischen Formel: Exemplum blasphemiae Apmi
Sirmium per Osium et Potamium conscriptae — sei es von Hilarius*),
dem das Wort blasphemia äusserst geläufig ist, oder von einem Redactor
seiner Schriften herrühre. Es ist natürlich, dass, wenn die ZMA dsr
versammelten Bischöfe eine grössere gewesen wäre, die Namen der An-
wesenden beigefügt worden wären, um der Formel grössere Auctoritti
zu verschaffen. — Wir sind berechtigt anzunehmen, dass nur Valens,
Ürsacius, und der von ihnen jezt beherrschte, in spUtem Jahren aber
sich von ihnen emanzipirende Bischof Germinius sich zu einem Concilia-
bulum zusammenthaten. — Nebstdem nehmen wir an, dass Potamius
sich dazu hergab, seinen Namen der Formel zu leihen, als wäre erder
Verfasser.
Aber die von Athanasius^), und nach ihm von Socrates*) uns mit-
getheilte zweite sirmische Formel — hat nach „Germinius'^ noch dm
Zusaz: „und der Uebrigen^, woraus zu entnehmen, dass eine grössere
Zahl anwesend gewesen. Woher hat Athanasius diesen Zusae? und
wenn derselbe acht ist, warum fehlt er bei Hilarius? Die Schrift des
Hilarius: „Ueber die Synoden'' ist verfasst am Ende des Jahres 368;
die Schrift des Phöbadius: „gegen die Arianer^, welche der sirmischen
Formel ihr Entstehen zu verdanken hat, ist höchst wahrscheinlich etwas
früher, und gleichfalls im J. 358 verfasst, vielleicht noch am Ende des
J. 357, die Schrift des Athanasius dagegen: „üeber die Synoden*, ist
nach den Sjrnoden von Rimini und Seleucia verfasst, also am Ende des
J. 359 oder im J. 360. — Demnach scheint die Auslassung des Hilarius
mehr für sich zu haben. Dazu kommt , dass die zweite sirmische Formel
lateinisch verfasst war^), und uns Athanasius eine griechische Uebe^
sezung mittheilt. Die Uebersezung gieng wohl von den Arianem selbst
aus, denn von Sirmium wurde die Formel u. a. nach Antiochien ge-
sendet. Die Uebersezer «her machten den Zusaz: „und die Uebrigen',
um der Formel mehr Gewicht zu verschaffen. Aber gerade dieser Zo-
saz ist ein Beweis, dass ausser den genannten (und Potamius) andere
') So meint Valesius zu Socr. 2, 30. Ann. 3.
') Äthan, de synod. cap. 2S.
. ») SocraL 2, 30.
{. 4 Synode der Arianer sa Sirmitim, Mitte des J. 357 etc. 233
ischöfe nicht sngegen waren; denn sonst werden die Anwesenden na-
entlidi aufgeführt So hielten es die Arianer und Orthodoxen in Sar-
ka; so hielten es die Halbarianer zu Sirmium im J.351 und im J. 368 sq.
Wenn Hosins wirklich dem Conciliabulum der drei Arianer ange-
»hnt hätte 9 so hätten sie gewiss seineli Namen nicht ausgelassen, da
) ja das Protokoll führten, und es in Händen hatten. Ja selbst an
r Gegenwart des Potamius kann man zweifeln, weil er nicht erwähnt
ird. Jedoch dgnete er sich die Formel an, und wenn er sie auch
eht Ycrfasste, so unterschrieb er sie doch und colportirte sie.
Die Formel selbst aber lautet, mit Weglassung der einleitenden
^orte, also: Es ist anerkannt, dass es nur einen Gott und allmächtigen
iter gebe, wie es geglaubt wird auf der ganzen Welt, und einen ein-
g;en Sohn desselben, unsem Herrn Jesum Christum den Erlöser, der
■ ihm vor der Welt geboren ist (ante ituetda gmUum). Zwei Götter
ler könne und dürfe man nicht lehren; denn der Herr selbst sagt:
li gehe zu meinem Vater, und zu euerem Vater, zu meinem Gotte
id XU euerem Gotte (Joh. 20, 17). Durum ist der Gott aller einer,
id der Apostel lehrt: Ist denn Gott nur der Juden, nicht auch der
«den? Ja, auch der Heiden. Denn — es ist ein einziger Gt>tt,
elcher den Beschnittenen durch den Glauben, und den Unbesohnit-
nea durch den Glauben gerecht macht (Rom. 3, 29 — 30). — Aber auch
Mr das Uebrige hat man sich verständigt (d. h. das obige Kleeblatt),
id es konnte kein Meinungsunterschied Plaz greifen. Was aber einige
ler Viele [mehr oder weniger Andere] ^) in Bewegung sezte in
Blreff der Substanz'), welche griechisch „uaia^^ genannt wird, das ist
bmit es deutlicher verstanden werde) homounUmy oder was genannt
ffd homoeugion (gleichen und ähnlichen Wesens), davon dürfe durch-
■ keine Erwähnung gethan werden; noch solle Jemand es predigen,
Bi dmn Grunde und der Ursache, weil es weder in den heiligen Schriften
rthalten ist, und weil es über das Wissen des Menschen hinausgeht,
id weil Niemand die Geburt des Sohnes erzählen kann, von dem ge-
hrieben ist: Wer wird erzählen seine Geburt (Jes. &3, 8)? Es ist aber
lenbar, dass nur der Vater weiss, wie er seinen Sohn erzeuget hat,
id nur der Sohn, wie er vom Vater gezeugt worden. Es ist kein
sdenken (nulla onMguUasJf dass der Vater grösser sei. Es kann Nie-
and zweifelhaft seyn, dass der Vater — an Ehre, Würde, Herrlich-
eit, Majestät, und schon wegen des Namens: Vater — grösser sei als
BT Sohn, der es selbst bezeugt: Der mich gesandt hat, ist grösser, als
0 Bei Hilarins: quasdam aut multos. Die Cod, Lip9, et Par, lesen: qw>$dam haud
wuUoB, — Atfaanas. liest: jtoJUovs rivag — worunter man nieht Anwesende,
sondern Abwesende zu verstehen hat
*) Im Griechischen Covßorayria; bei Athanas., bei Socrates öwßttccftagy bei Ni-
eephor. Cowörccvriotig.
234 Bechates Buch. Siebentes Kapitel.
ich (Job. 14y 28). — Und dass diess katholisch sei, ist Niemand unbe-
kannt, dass es nemlich zwei Personen des Vaters und des Sohnes seien,
der Vater grösser, der Sohn (dem Vater) unterworfen — mit allem
dem, was der Vater ihm unterworfen hat. Dass der Vater keinen An-
fang habe, dass er unsichtbar, unsterblich, des Leidens nicht fAhig sei;
dass aber der Sohn aus dem Vater geboren sei, Gott aus Gott, Licht
aus dem Lichte. Aber die Geburt des Sohnes wisse, wie Torher ge-
sagt wurde. Niemand als sein Vater. Der Sohn Gottes selbst aber -^
unser Herr und Gott habe, wie gelesen wird, Fleisch oder einmi Körper,
das ist die Menschheit angenommen aus dem Leibe der Jungfrau Maria,
wie der Engel es verkündigt hat (Luc 1, 31). Wie aber alle Scbriftoi
lehren , und besonders der Völkerlehrer der Apostel , dass er die Mensck
heit angenommen — aus Maria der Jungfrau, durch welche er gelitten
hat [per quem (ic hominem) compassua est], Diess aber ist der SohfaiM
des gapzen Glaubens und dieses seine Begründung, dass die Dreieinig-
keit immer festzuhalten ist, wie wir in dem Evangelium lesen: Gehet
hin, und taufet alle Völker in dem Namen des Vaters, und des Sohnes
und des heiligen Geistes (Matth. 28 > 19). Ganz und vollkommen ist die
Zahl der Dreieinigkeit Der Paraclet aber der Geist ist durch den- Sohn,
dec kam, gesendet nach der Verheissung, dass er die Apostel, und alle
Glaubenden unterrichtete, lehrte, heiligte.
Fragen wir nun nach dem Verfasser dieser Formel. Das Ergebni»
unserer Untersuchung ist, dass weder Potamius noch Hosius zusamnien,
noch Jeder — von diesen allein der Verf&sser sei; ferner — dass da
Sinn der Formel die Ueberzeugung des Valens und Ursacius ausdrücke,
soweit sie eine solche hatten , dass aber die Formel selbst von Germinins
sei es dictirt, sei es niedergeschrieben wurde.
Uilarius sagt ohne weiteres, diese Formel, die er, und mit Becht,
stets Blasphemie nennt, sei ^von Hosius und Potamius'' geschrieben
worden ^). Sollte indess die Ueberschrift der von ihm mitgetheilten
Formel nicht ^us seiner Feder geflossen seyn , -7- so war er wenigstens
eine Zeitlang dieser Ansicht, dass die Formel zugleich das Machwerk
des Osius und Potamius gewesen , denn er spricht von Denjenigen, welche
damals bei Sirmium der Meinung des Potamius und Osius beitraten (qui
tune apud Sirmium in iententiitm Potamii atque Osii — eonfieuerani —
de 8yn, c(xp. 3). Aber — Hilarius steht mit dieser Aussage ganz isolirt da.
Phöbadius, der vor ihm gegen die sirmische Formel geschrieben, weiss
davon nichts; Athanasius und Epiphanius wissen nichts davon. Solpi-
cius Severus weiss nichts davon. Die Spätem sind hier zu übergehen.
Es war an sich möglich, dass beide Spanier zusammen sich in der An-
nahme der Formel geeinigt hätten; Hosius aus Zwang, Potamius ans
— gebrochener — Ueberzeugung. Aber dann konnte nur einer der-
n Exemplum hkuphemitu per Ontm et Potamiitm contcriptae.
f. 4. Synode der Arianer sa Sirmium, Mitte des J. 357 etc. 235
selben die Formel schreiben oder dictiren. Diess liegt in der Natur der
Sache j dasa jedes Document , das die Meinung einer Mehrheit ausdrückt,
nur Ton Einem concipirt oder redigirt wird. Nun kann es bezweifelt
werden, dass die mehrerwähnte Ueberschrift der Formel von Hilarius
itamme , es kann aber nicht bezweifelt werden , dass die eben angeführten
Worte — aus Kap. 3 — Worte des Hilarius seien. Hier stellt er den
Potamias dem Hosius voran, den Unbekannten dem Bekannten, den
einmal Oenannten und dann in Vergessenheit Begrabenen dem Ällbe^
kannten. Warum dieses? da doch der natürliche Zug dahin zieht, stets
die Bekannteren voranzustellen; wie man z. B. fast immer Valens und
Ursados sagt; wie z.B. Hilarius bei Nennung der Semiarianer stets den
BasiliiB als ihr Haupt voranstellt. Aber Potamius steht voran, weil
ffilarios weiss, dass er die sirmische Formel — mit seiner Unterschrift
fersendet hat Er mochte sich also denken, dass Potamius die Formel
gesehrieben, Hosius sie dictirt habe. — Zu dieser Meinung konnte er
aus mehreren Gründen kommen ; erstens aus den oben angeführten Ein-
gangsworten der Formel, in welchen nur drei Bischöfe angeführt sind,
Ton denen es heisst: „In Gegenwart unserer heiligsten Brüder und Mit-
Utdiöfe Valens^ Ursacius und Germinius^. — Der Wortlaut kann hier
die Meinung hervorrufen, dass der — oder die Schreibenden verschie^
dene Personen von den Genannten seien; denn es erscheint als wider-
sinnig, dass die obigen Drei, wenn die Formel ihr Machwerk gewesen,
oeh selbst heiligste Brüder und Mitbischöfe genannt haben sollten; es
erscheint als widersinnig, wenn bloss drei Bischöfe irgendwo versanmielt
■nd, dass sie selbst sagen, statt etwa — da wir versammelt waren, da
msere heiligsten Brüder und Mitbischöfe versammelt waren. Zweitens
— ist die Betheiligung des Potamius , wenn nicht an dem Conciliabulum,
80 doch an der Versendung der Formel erwiesen. Drittens hat Hosius
in irgendeiner Form gegen die erwähnten drei Arianer einen Akt der
Nachgiebigkeit vollzogen. Viertens waren die Semiarianer, die ich
w^en ihres Hauptes Basilianer nennen will, aufs Höchste erbittert
über die zweite sirmische Formel, deren Urheber sie aus der Gunst
ond Nähe ihres Abgottes, des Kaisers, hin weggeschoben hatten, und
in ihrem ohnmächtigen Zorne — mochten sie den ihnen zum Tode
verhassten Osius — den sie, hätte er ein halbarianisches Symbol unter-
zeichnet, über die Sterne erhoben hätten — vielleicht mit dem wahren
Sachverhalt nicht bekannt, umsomehr — verleumden und verlästern,
imd den Hilarius in seiner irrigen Meinung bestärken. — Hilarius selbst
aber befimd sich in den Jahren 358 bis 360 in dem Zustande einer
Au%er^heit, welche ihn zu einer ruhigen Prüfung weniger geeignet
machte. — Er war „innerhalb der zehn Provinzen von Asien*' gestellt,
in der Mitte von lauter Halbarianem. Denn „ausser dem Bischöfe Eleu-
sius (von Cyzikus) — und Wenigen mit ihm, kennen grösstentheils die
zehn Provinzen, innerhalb deren ich mich befinde, in der That Gott
236 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel«
nicht'' ^). Aber gerade dieser Eleusias, den er mit Basiliiis und Eofithatins
;,einen heiligsten Mann'' nennt, war ein anerkanntes Haupt der Halb-
arianer, und hat, so zu sagen, niemals ein katholisches Lfebenss^chen
von sich gegeben. Niemanden fällt es ein , ihn desswegen , weil Hüarius
ihn für einen, katholischen Bischof erklärt, auch für einen solchen zu
erklären. £r ist und bleibt ein Arianer ^).
Hilarius ist der einzige, der den Hosius für den Urhebdr oder den
Miturheber der zweiten sirmischen Formel hält. Also sind Diejenigeii,
welche auf sein Zeugniss gestüzt, ihn für den Urheber halten, nicht im
Rechte, oder sie sind durch die Consequenz gezwungen, den Eleusiui
für einen Katholiken zu halten, bloss weil es Hilarius sagt und ▼e^
bürgt T- Hilarius hat sich in gar vielen Fällen getäuscht Er schreibt
u. a. im J. 360 an den Eoiiser Constantius: „Ich habe keinen geringen
Zeugen meiner Klagen^ meinen Herrn, deinen frommen Cäsar Julianus'
(dominum meum rdigioium Caesarem iuum Jidumum). Nach einem Jahre
schon warf Julian die Maske ab, und zeigte die wahre Natur seiner
FriSmmigkeit — Aber vielleicht findet man dieses Beispiel nicht passend,
weil Julian noch am 6. Januar 361 zu Vienne an dem Gottesdienste der
Christen Antheil nahm ^). — Doch — in Beziehung auf die Täusdiung
habe ich dieses Beispiel angeführt. Hilarius liess sich durch die ange-
führten Gründe, und durch die ihn umgebenden Halbarianer — zu dem
Irrthume über Hosius hinreissen.
Selbst der Canoniker Gottfried Hermant, der Ver&sser der aus-
führlichsten Geschichte des Athanasius, die bis jezt erschienen, der
seinen ganzen Sprachschaz erschöpft, um den schrecklichen Fall des Ho-
sius zu erzählen, kann doch nicht umhin, auf die Aussage des Hilarias
einen geringen Werth zu legen % £r sagt u. a. (Buch 8, Kap. 3 —
der Fall des Hosius): ^Der heilige Hilarius, welcher in dergleichen Be-
gebenheiten einen grossen Eifer bezeigte, und sich mitten unter den
Arianem befand, wusste doch nicht genauer, was im Abendlande vor
sich gegangen, liess sich aber sehr heftig darüber aus." — Wenn femer
Hilarius aus dem von ihm vorausgesczten Falle des Hosius auf ein yor-
ftusgcgangenes schlechtes Leben desselben schliesst (qui idcirco M
■) HiL de syn. 63^
*) Hefele, 8. 656, 661, 689, 695, 70Ö, 708, 712. — Cf. Epiphan, haer, 73, nr. 23.
— SocraL 9, 38, 40. — Sozom. 4, 15, 20,
*) Aas Heachelei, wie selbst sein Lobredner Amm. Marcell. sagt, 21,2 — uiqu
omne» -* aif «vt fovorem üUceretf adhaerere cmütä Chrütiano fingthat, a gmo jim
pridem oceidie desciveraL — £t ut kaec inierim celartntwr, feriarum die, quem eeU'
brantet menee Januario Christiam Epiphania dictitant, progreeeue in ecrum eocietiamf
eoUemniier numine orato diecessit,
*) Hermant G,, Vie de saint Aihanaee, patriarche d*Alexandrie — P. 1671 und 1679
— 2 voL in 4^, — Deutsche Uebersezung: von Croneck, Regien sb. 1744 —
2 Tble. ia Folio.
$. 4. Synode der Arianer sa Sirmium, Mitte des J. 357 etc.
aiu$, ne judido kumano iffnararetur , qualis ante vixmet — de «yn.
ap. 63) y 80 habe ich bis jezt Niemand gefunden , der nicht — gegen
olches Urtheil protestirt hätte — auf Grund der übrigen Zeugen,
reiche den heihgen Wandel des Hosius verbürgen. — In der Aus-
ige aber von dem schlechten Leben des Hosius hat Hilarius zur
\oth noch einen Mitzeugen in der Person der bekannten Ludferianer.
ins ihren Worten aber: er giebt seine Hände der Ungerechtigkeit,
r verbündet sich mit den Gottlosen — (dai mamu impietatijy kann
lan dem Wortlaute nach nur auf ein Nachgeben, auf eine Unter^
tbrift der sirmischen Formel schliessen. — Welchen Werth. sodann —
18 Zeugniss des Gregor von Elvira gegen Hosius habe, werden wir
piter untersuchen. — Es bleibt also zunächst für die Urheberschaft
ea Hosius — an der sirmischen Formel — Hilarius der einzige Zeuge.
Venn man nun seiner Aussage von dem schlechten Lebenswandel des
UmuB nicht ^aubt, weil er in dieser Annahme allein steht, und selbst
on den Arianem verlassen dasteht, die ihm nur den Umgang mit einem
dllachten Bischöfe vorwarfen, während sie andern katholischen Bischöfen,
ihne Zweifel mit Unrecht, ganz andere Dinge nachsagten, — so hat
Dan auch kein Recht, auf dieses alleinstehende Zeugniss des Hilarius —
an entscheidendes Gewicht zu legen ').
Pböbadius vonAgen, Athanasius, und der Wortlaut unserer Formel
igen nichts von einer Betheiligung des Hosius an ihr. Die uns vor-
ipgende Formel ist so zu sagen aus Einem Gusse, und von einer und
iflrselben Hand. Sie ist, mit Ausnahme der Schlusssäze, klar, zusam-
nenhängend, zudem ist sie in klarem und durchsichtigem Latein ge-
idiiieben. Der alte Hosius — in seiner äussersten Bedrängniss, wäre,
Jtgeta seine Ueberzeugung handelnd, einer solchea i^ache nicht fähig
^esen. — Dass er aber auch die Formel nicht unterzeichnet habe,
i;eht daraus hervor, dass sein Name nicht vorkommt, weder am An-
ange noch am Ende. Auch madite er sich dieselbe nicht, wie später
?otamius, zu seinem Eigenthume, denn Phöbadius — weiss nichts von
mem Briefe desselben, sondern nur von einem Briefe des Potamius,
rorin er sich die Formel aneignete und sie vertheidigte.
Aber konnte nicht Potamius Verfasser der Formel seyn? Es giebt,
^ube ich, schlagende Gründe gegen diese Annahme. — Der erste ist
Be ganz unvereinbare Verschiedenheit der Sprache. Dii beiden Tractate
md der Brief des Potamius an Athanasius — und unser AktenstütA:
lefaliessen jede Möglichkeit — einer Vergleichung aus^ Der wirklidie
?otamius hat kaum einen Saz ohne ein utrirtes Bild geschrieben. Einer
ler erträglichsten und verständlichsten seiner Säze ist der erste — des
rraetats, d. i. der Anrede — über Lazarus: Orandi, fratres, Hupare
■) Wie et z. B. die ConeiUor. regia coli ed. CoUä -r- Vetut 1728 ohne weiteres
thot, indem sie ansere Formel — per 0mm et PcUamium Sirmii eoneerqfia nennt.
238 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
grandique miraeulo per ambiguas curtu hine inde in caneavo vertiginia änu
pronis flttcUbu» torqueor (Vom grossen Staunen, Brüder , und von grossem
Wunder werde ich — durch zwiefache Sorgen von hier und dort, in
dem hohlen Schlund des Wirbels — kopfüber in den Fluthen gequält).
Leute von so ausgeprägtem Style können nie natürlich und klar achreibeD.
— Schon beim ersten Anlaufe werfen sie — mit gleichen Beinen —
sich in den tiefen Schlund schwülstiger Auslassungen. — Unsere sir-
mische Formel dagegen ist — wie gesagt — nüchtern , klar und durch»
sichtig geschrieben, und — wie aus einem Gusse (mit Ausnahme das
Schlusses).
Einen zweiten Grund gegen die Autorschaft des Potamius finde ich
in der Schrift des Phöbadius — Über contra Ärianos. Diese Sohrift ist
unmittelbar hervorgerufen durch die zweite sirmische Formel^ ist nkJift
unwahrscheinlich im Auftrage gallischer Bischöfe ver£aast, und kann
auch als deren Antwort auf die sirmische Formel betrachtet werden,
welche sie dem heiligen Hilariua zusendeten, der hierauf sein Werk:
de eynodii arienUüüan verfasste *). Die Schrift besteht nur aus 23 aiemr
lieh kursen Kapiteln. Die Schrift kündigt sich als ^^Bede an die ge-
liebtesten Brüder^ an. — Dem Phöbadius lag der Wortlaut unsenr
^Formel vor, und aus seiner Widerlegung könnte man dieselbe fast recoDr
struiren. — Im dritten Kapitel finden sich die oben angeführten Worte:
,9 Aber man muss sehen auf Ursacius und Valens und Potamius, welche
oft mit denselben Worten den einzigen Gott im heimtückischen Betrage
bekannt haben.^ — Im fünften Kapitel sehen wir, dass gleichaam mr
Erklärung der von ihm nicht verfassten Formel — Potainius einen eigenen
Brief ausgehen liess , aus dessen Kauderwelsch uns eine Stelle mitge-
theilt wird. Der Brief des Potamius nemlich, der vom Morgen- und Abend-
lande (nach Gallien) übersendet wurde (epistola Potamii, quae ab Oriente
et Oeddente tranamiua eetj — sagte unter anderm: „das Fleisch und der
Geist Christi seien — durch das Blut Mariens verschmolzen , und zu einem
änzigen Dinge geworden, und so sei Gott leidensfahig geworden^ ^).
Angesichts dieses blühenden Unsinns, den Potamius von sich gab,
begreifen wir wohl, warum die Erzarianer die Redaktion ihrer Formel
nicht in seine Hände legten. Er hätte sie in einen unverdaulichen und
unverständlichen Brei zusammengeknetet, und so das ganze Concept Te^
dorben. Er dtfrfte ihre Formel nur colportiren — und sie mit. dem
Schilde seines — noch wenigen bekannten — Namens decken, da die
Erzarianer selbst ihre Namen an den Eingang der Formel zu sezen sich
begnügten. — Möglich, dass dieser Eingang in den nach dem Abend-
') De jyn. oop. 2,
*) i%oe6. eap. 5 — eame et spiritu Christi coagulatiM per eanguinem Mariae et in imifM
eorpm redaeti$, pauibiUm Deum factum, — Coagulo bedeutet im späterD Lateio
a. «. Kftte bereiten , und ^ctyaguhu'^ heitst der K&te — 8. Duoomg^. «^ A. v.
{. 4. Synode der Arianer za Sirminm, Mitte des J. 357 etc. 239
lande versendeten £xemplaren der Formel sogar weggelassen wurde.
Mit Recht erwidert Phöbadius auf die Worte des Potamius: „Ihr hftbet
also aus dem Geiste Gottes, und dem Fleische Christi — ein unsag-
bares Drittes (neseio quid tertium) gemacht, das — aus Zweien — Keines
Ton Beiden geworden ist (ex täroque neutrum) — wie diese „herrlichen
Lehrer** — egregii doctores — meinen.
Einen dritten Grund , dass Potamius die Formel nicht verfasst , sehe
ich darin, dass sein Name derselben nicht einverleibt ist — Warum
nicht, ist nicht unsere Sache zu untersuchen. — Aber es ist auch nicht
ab- und einzusehen, warum er, der in ihr nicht genannt wird, sie ver^
&B8t haben sollte*).
Es bleiben Valens, ürsacius und Germinius übrig. Die „Uebrigen^
£dlen weg, weil Niemand sonst genannt wird, als das — damals unzer-
trennliche, aber nach dem Tode des Constantius getrennte — Kleeblatt
— In Betreff dieser Drei sagen wir, dass die Formel die Meinung der
^beiden ungeheuer der Gottlosigkeit^ ausdrückt, dass aber Germinius
die Formel verfasst hat — Dass sich die Drei unter sich selbst „unsere
heiligsten Brüder und MitbischÖfe^ nennen , darf nicht auffallen ; es war
diess in jener Gegend und Zeit stylgerecht und üblich. Im Jahre 366
schrieben die vier Arianer „Valens, Ürsacius, Gajus und Paulus'' einen
Brief an „ihren frömmsten Herrn Bruder Germinius'^, der inzwischen
Ton ihnen — zu den Semiarianem wieder abgefallen war, zu denen er,
wie mir scheint, stets — im Herzen — gehörte, worin sie ihn anklagen,
dass er nun das „Homoiusion^ vertheidige, da er früher mit ihnen Anomäer
gewesen ^). Im Contexte des Briefes sagen die vier Arianer, die zu-
sammen schreiben, dass Germinius „von unsem Herren Brüdern und
Hitbischöfen Valens und Paulus (a dominis nostris fratribus et coepücöpU
nottris) crmahnt — auf die über ihn umlaufenden Gerüchte zu antworten
sich nicht herbeigelassen habe.^ Achnlich nannten nun 357 — sich die
drei Versammelten zu Sirmium — „unsere heiligsten Brüder und Mit-
bischöfe**, nemlich Jeder der Drei — seine beiden CoUegen.
Aebnlich lässt sich aus der — indirecten — Antwort des Germinius
-— sehen , dass die Redaktion der sirmischen Formel nur in eine einzige
Hand gelegt wurde. Im J. 359 wurde die sogenannte dritte (besser
Vierte) simusche Formel verfasst Ueber die Verfassung derselben nun
erzählt Germinius *) : „Ich wundere mich, dass Valens entweder vergessen
*) Dagegen sagen die Maariner- Editoren des heil. Athanasius: Vita Äth, ann. 357,
nr. 3 — Patamius iüiua (formulae Sirmiantu), ut vulgo exufimatwr, cartifex. Unter
diesem „artifex*' wfire die Formel von Niemand verstanden worden, und Hi-
larias hätte mehr Gmnd gehabt, von den „deUramenta*' Pbtamii — statt Om
— za reden.
•) Hilar. fragm. XIV.
*) Hilar. fragm. XV.
240 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
hat 9 oder es trügerischer Weise nicht zu wissen sich anstellt , was früher
verhandelt und entschieden wurde. Denn — unter dem Kaiser Con-
stantius guten Andenkens , als unter Einigen Streit in Betreff des Glan*
bens \7ar, als in Gegenwart desselben Kaisers, in Gegenwart des Bi-
schofs G^org von Alexandrien, Pancratius von Felusium, Basilius des
damaligen Bischofs von Ancyra, während auch Valens und UrsadiUi
und meine Wenigkeit zugegen waren, nachdem bis in die Nacht dne
Disputation über den Glauben gehalten, und bis zu einer bestimmten
Entscheidung gebracht worden war, hat der von uns allen dazu aas-
gewählte Bischof Marcus den Glauben dictirt (die Formel niederge-
schrieben) , in der die Worte stehen : dass der Sohn dem Vater in allem
ähnlich sei, wie die heiUgen Schriften sagen und lehren: mit welchfiB
ganzen Bekenntnisse wir alle einverstanden waren, und das wir mit
unserer Hand unterzeichnet haben. ^ Also Germinius.
So — ist auch die zweite sirmische Formel — von einer Hand ge-
schrieben, von einem Bischöfe dictirt worden. Von Valens (und ü^
sacius) besizen wir zwei Schreiben. Der erste Brief, wahrscheinlich ani
dem J. 347, ist zu Rom von Valens eigenhändig geschrieben , und von
Ursacius unterschrieben *). Sie erklären dem Papste Julius, dass sie —
alle ihre Lügen und Verleumdungen gegen Athanasius als solche ane^
kennen — und widerrufen, und dass sie mit grösster Begier die Ge-
meinschaft mit Athanasius umfangen. Zugleich legen sie Anathema auf
die Arianer. Darauf schrieben sie von Aquileja aus einen ganz kuneo
Brief an Athanasius, worin sie ihre Gemeinschaft mit ihm ausspreehen,
und um die Gegenleistung der Gemeinschaft ihn bitten^). Zwischen
der Schreibart dieser Briefe einerseits, und dem Style der zweiten wt-
mischen Formel finde ich viel weniger Berührungspunkte, als zwischen
dem Style der Briefe des Germinius — und der Schreibart der sirmi-
Bohen Formel. — Z. B. steht susceptio hominis ex virgine Maria — io
seinen Briefen — und hominem iuseepisse de Maria virgine steht in der
sirmischen Formel. — Der Grieche Germinius sagt in seinen Briefen:
pauiane$ statt pamo Chritti — eben so hcisst es in der Formel von
Christus: compoBmm für passum, über welchen Ausdruck (mitgelitten —
statt gelitten) Phöbadius ^) und Hilarius spotten. Femer heisst es in
den Briefen: Et in spiriium sancUim, id eH parcusUtumf qtd nobit a Df^
paire per Filitan datut ett; in der Formel heisst es: PtaraeUiui «iMn
1) AüumoB, apol etr, Arianotf eap. 58. Athanas. erhielt diesen lateinisch geschrie-
benen Brief durch Bischof Paulinas von Trier — Hi»tor, Ar, ad monacko9f cap. 26,
*) er operß kittor, frogm, IL — Äüum, L c, — Hosius selbst sagt in seinem Briefe
an Constantlns, dass sie diess vorher Cit^ort^ovJ gethan hätten. Vergl. damit
— Äthan, eap, 26 ad monach,
*) Phoeb, cap, 19 — quaii aUud tit compaü quetm paH. — Hikar, dt i^/modU eap, 79 — •'
i^MfiMi ^ttufesi SGitba$U: aed dicant, oro, con^HUium quando eojfnovenmtf
^rminius war Grieche; denn er war im J. 351 — 52 durch den
Constantius von (dem Bisthumc?) Cyzicus nach Sirmium yersezt
^fördert worden *) ; und hatte im J. 355 zu Mailand — eine her-
uide Rolle gespielt. Er, des Griechischen und Lateinischen
1^, konnte die zuerst lateinisch geschriebene Formel sogleich in
icchische übertragen. Ihm , dem veränderlichen Hof bischofe, kam
t darauf an, gegenüber „seinen zwei heiligsten Mitbischöfen^ — j
der griechischen Uebertragung Zusäze zu erlauben. Diese Zu-
ad : „und die übrigen^ — ; besonders aber der Schluss der Formel
rmium, das Bckenntniss der Dreieinigkeit, welches man durchaus
lolischen Sinne deuten kann, das aber zu dem Vorangehenden
aast Es sollte die Semiarianer des Orients — mit der zweiten
ben Formel versöhnen. Ich glaube, dass dieser Zusaz Ursprung-
r griechisch geschrieben war, und dass wir im Lateinischen eine
czung vor uns haben. Ich glaube es u. a. wegen der Worte:
usula est totius fidä, wo früher gelesen wurde: clavü, — Das
»che Wort xetpühciov — musste mit iumma oder capui fidei über-
trden , das ungewöhnliche Wort ciawtula hat nicht diese Bedeutung.
lern dem Phöbadius vorliegenden Exemplare der sirmischen Formel
1 die Worte: per quem compassus est — den Schluss der FormeL
sr sagt: congruo igitur omnia fine clauderUes: dicenta flUum Dei
m de Maria suscepiut, per quem eompasms est [sie schliessen alles
ein entsprechendes Ende , indem sie sagen , dass der Sohn Gottes
iria die Menschheit angenommen, in welcher er auch (mit-) ge-
lat]. — Phöbadius, der die Formel mit Heraushebung ihrer Worte
!gt, führt die folgenden Worte über die Trinität nicht mehr an,
jweifel, weil sie ihm nicht vorlagen.
an beachte ferner, dass Germinius als Halbarianer der unterlie-
242 Sechstes Bach. Siebeotes Kapitel.
Freunde und Förderw hatte, und — man wird begreifen , warum —
er durch Beifügung einer „dautula'^ sich den Rücken zu decken , und
eine Bückzugslinie zu sichern suchte.
So wären wir denn zu dem Ergebnisse gelangt , dass — Hosius an
der zweiten sirmischen Formel keinen Antheil hat, dass Potamius nach-
träglich sich dieselbe aneignete, und dass sie unter seinem Namen Ye^
sendet wurde, dass Valens und Ursacius — ihre Urheber waren, dass
die Fassung oder Bedaction der Formel auf Bechnung des Genninius
zu schreiben sei, und dass von diesem auch zwei Zusäze herrühren.
§. 5. Die Schuld — und die Unschuld des HosiuB *).
Die Behauptung, die heutzutage noch die herrschende ist, dass
Hosius die zweite sirmische Formel unterschrieben habe, stüzt sich auf
keine entscheidenden Gründe^). Glaubt man denn, hält man es dam
für möglich, dass, wenn solches geschehen, diese gottlosen Ärianer
seinen Namen hinweggelassen hätten? Die Formel hatte yielmehr Ton
Anfang an keine Unterschriften. Das arianischo Kleeblatt hatte seine
guten Gründe , die Unterschriften wegzulassen. Denn sie hätten ja doch
nur den Namen des Potamius noch beifügen können. Diese Vierzahl
hätte sich so kläglich ausgenonmien , dass sie der Formel ihren Einfluss
geraubt hätte. Warum aber sezten sie die Unterschrift des Hosius nicht
hinzu? Weil sie dieselbe nicht bekommen konnten, und nicht bekom-
men hatten.
Wenn — aber Hosius gar keinen Antheil an der Formel hatten
warum wurde denn sein „Fall^ als Sieg der Ärianer ausposaunt, und
von der ganzen katholischen Kirche — als furchtbarer Schlag empfunden?
Ich sage: Hosius hatte gar keinen faktischen Antlieil an der sirmischen
Formel, von deren Existenz er — wie ich glaube — nicht einmal wnsste;
er wurde aber so sehr in den Schein der Theilnahme an derselben hin-
eingezogen, dass alle Welt an seine Theilnahme, oder an seine Schuld
glaubte. Gleichzeitig mit dem Ausgehen der Formel gelang es nemlich
den drei Arianern zu Sirmium, von Hosius eine — sei es schriftliche, sei
es nur mündliche Erklärung, einen Act, zu erlangen, dass er in ihrer
Gemeinschaft stehe. — Diese Erklärung verlangte und erlangte Constantius
durch die (oben beschriebenen) Grausamkeiten und Martern, die der
herzlose Tyrann über den hundertjährigen Freund seines Vaters ver-
hängte, und die bis zu einem Grade gesteigert wurden, dass Hosii»
') Geschrieben am Todestage des Hosius , den 27. Augast (1863).
•) Selbst der Spanier Aguirre. meint (concil. Hisp, dissert, 16 [17] excurs, 6) — »Ho-
sius habe die Formel im katholischen Sinne unterschrieben, weil sie einen
solchen zuliess. Richtiger wäre es, zu sagen, Valens und Ursacius haben deo
Hosius getäuscht
$. 5. Die Schuld — und die Unschuld des Hosius. 243
denselbeii j^nf einen Augenblick wich''. — Er konnte dieses in einem
gewissen Sinne mit seinem Gewissen vereinigen, weil die drei Arianer
— sich ihm gegenüber als Erzkatholiken gerirten und heuchelten.
Was also hat Hosius gethan? Er hat in irgendeiner Form erklärt,
dass er mit den Drei — Glaubens- oder Kirchengemeinschaft haben
wolle. Den Ausschlag giebt hier das Zeugniss des Athanasius. Denn
AthanasioB hat nie wissentlich etwas Falsches berichtet. Athanasius er-
dLhlt stets nur, was er aus sicherer Quelle erfahren hatte. Athanasius
war Zeitgenosse; Athanasius war zwar dem Schauplaze der Begeben-
heiten ebenso ferne, wie Hilarius, Phöbadius und die Luciferianer Fau-
stin und Marcellin, aber — als dem Haupte aller Orthodoxen — flössen
ihm von allen Seiten die zuverlässigsten Berichte über das Geschehene zu.
Durch langjährigen Aufenthalt im Abendlande — war er der lateini-
idien Sprache vollkommen mächtig ^) , falls die Nachrichten aus dem
ibendlande ihm in dieser Sprache zugiengen. — Dazu konmit, dass
idn Bericht über den Hosius — mit allen andern Nachrichten sich am
besten in Einklang bringen lässt, und dass dieser Bericht Einzelnheiten
enthält, nach denen wir uns umsonst bei Hilarius und Phöbadius um-
idien , die sich nur in (ganz gut gemeinten) AUgemeinheiten gegen und
über Hosius ergehen.
Der Ejiiser CJonstantius verlangte von Liberius^), von Hosius, und
überhaupt den katholischen Bischöfen zwei Dinge, Gemeinschaft mit den
Arianem , und Aufheben der Gemeinschaft mit Athanasius. Der Kaiser
Terlangte 355 von Liberius — Unterschrift gegen Athanasius, und die
Gemeinschaft mit den Arianern. Ebenso verlangte Constantius von Hö-
rn, dass er gegen Athanasius schreibe, und mit den Arianem G^mein-
ichaft habe^). — Er schrieb ihm: „Folge, und schreibe gegen Athana-
moMz denn — wer gegen ihn schreibt, der steht ganz auf unserer, der
Arianer, Seite.'' — Man sieht wohl, dass dem Kaiser „das Schreiben
gegen Athanasius^, d. h. die Aufhebung der Gemeinschaft mit ihm noch
wichtiger war, als die Gemeinschaft mit den Arianern. Ebenso schreibt
Hosius an Constantius: Was die Dinge anbelangt, über welche du an
*) HiaL Ar. ad wum, cap. 26, — Ohne Zweifel hat Athanasius die ihm von Panlin
von Trier in lateinischer Sprache gesendeten Briefe des Valens und Ursa-
eias selbst in das Griechische übersczt. — Statt Trier lesen die Mauriner —
Editoren de« Athanas. — Paulin. von Tribur — Vitii Set. Äthan, nnn. 349, nr, 13.
') Athanas, ad monach. cap. 35, »Ersteres wünsche , lezteres befehle der Kaiser«
— sagt Hefele S. 637; — aber die Worte des Athanas. lauten: Der Ver-
schnittene (Eusebius) kam nach Rom, und forderte den Liberius zuerst auf
— Mccra jiSeefoßiov fihy vjroy^a^xti ^ roip de J^(^^iiavoig xoivuv^ßai, JUyeav' Tovro
ßaßüLtvg floviercu, nai fuJiivei öe xoi^cu' Die lateinische Uebersezung: iüud
imperator exoptat, hoc te facere jubet — ist nicht genau. nDas Wollen« ist kein
Wunsch, sondern ein Befehl.
^ ) cap. 43 — xaS' iquiüy füv ypa^ , ir^ Si rovg !/4geiccvovg extl ^V^ xotv<avüc¥.
244 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
mich geschrieben hast, — so höre meinen Entschluss: Mit den Arianern
vereinige ich mich nicht, sondern ich spreche Anathema über ihre Ke-
zerei; noch schreibe ich gegen Athanasius, den Wir, und die römische
Kirche, und die ganze Synode als unschuldig erklärt hat.^
Auch die Arianer (Valens und Ursacius) , indem sie fortfahren, den
Kiüser gegen Hosius zu reizen , sagen : „Er untersciireibt nicht nur nicht
^egen Athanasius , sondern er verurtheilt uns auch seinetwegen ^).^ Aus
der Stellung der Worte scheint hervorzugehen, dass sie die Unterschrift
gegen Athanasius — für das Wichtigere halten.
Der unzerstörbare Starrsinn des Constantius, der sich sogar in seiner
ganzen äussern Haltung auf die abgeschmackteste Weise kundgab^), bürgt
dafür, dass -während seines ganzen Aufenthaltes in Sirmium immer diese
zwei Forderungen an Hosius gestellt wurden: „Schreibe gegen Atha-
nasius, und — habe Gemeinschaft mit den Arianern.^ Constantius nahm
schwerlich an der zweiten sirmischen Formel ein besonderes Inter^se;
jedenfalls war er Semiarianer. — Als Hosius nicht nachgeben wollte,
80 schritt er zur Gewalt [wobei wir dem Kardinal Aguirre ohne Wd-
teres zugeben , dass — bei Anwendung der Foltern und bei den Schlägen
Constantitts persönlich nicht zdgegen war^)]. — Man thäte aber den
beiden Schurken Valens und Ursacius — mit der Annahme nicht Un-
recht, dass sie persönlich Hand an Hosius gelegt. Denn einige Jahre
früher — glaubten sie ihre bischöflichen — Hände nicht zu entweihen,
indem — sie den Diakon Hilarius — entblössten, und seinen Rüd^ea
geisselten. Das thaten Valens und Ursacius — zugleich mit den Vcr
Bchnittenen. Sie verhöhnten und spotteten den Hilarius, und brachen
in rohes Gelächter aus *). — Wenn sie selbst Aehnliches an Hosius nicht
thaten, so geschah es nicht aus einem Reste von Schamgefühl oder
Menschlichkeit, sondern aus kluger Berechnung, weil sie sonst seine
„Gemeinschaft^ nicht erlangt hätten.
„Solche Gewalt aber übte Constantius an dem Greise, und so lange
hielt er ihn in Haft, dass er — gebeugt von den Ucbeln — kaum mit
Valens und Ursacius Gemeinschaft hielt, jedoch nicht gegen Athanasius
unterschrieb. Aber auch so (aber auch diesen geringen Fehler) achtete
der Greis nicht geringe. Denn — als es zum Sterben kam, — bezeugte
er in Form eines Testamentes die (ihm angethane) Gewalt, er anathc-
') Atk, /. c. cc^. 45.
') Ammian, MarcelUn, 16, 10 nee dextra vullunif nee laeva ßeciebai, tamquam ßgv»*^
tum hommi*. — Er sass da, wie eine Bildsäule, ohne beim Anstoss des Radft
— eine Bewegung: zu machen, ohne sich des Speichels zu entledigen, ohne
die geringste Bewegung mit der Hand zu machen.
») Aguirre dxM, 16 (17) exe. 5.
*) Atk, ad mon, cap, 41.
•I
c j lu. U1C9C1 vjririaiirj £tU laiicii , wai xj.uoiuo. — hil uubcixa^ ucr
Jlen Gewalt für einen Augenblick; aber — indem er das nicht
ras seinen Fall vollendet hätte, indem er nicht Anathema gegen
«ins sprach, erhob er sich wieder, und machte — in der innem
(chcn Bedeutung des Wortes, dasjenige wieder gut, was er —
lern Uebermasse der körperlichen Leiden, einen Augenblick Un-
*ethan hatte,
^Denn wegen der vielen über alles Mass gegen ihn verhängten
5, und wegen der Verfolgungen seiner Anverwandten — wich
jn eine Stunde, er, ein Greis und schwachen Körpers*),* —
SVorte des Athanasius stehen in seiner Schrift: „Apologie wegen
Flucht**, die wahrscheinlich noch im Jahre 357 verfasst ist, und
in derselben des Todes des Hosius und seines Widerrufs vor sei-
ode keine Erwähnung geschieht, vielleicht zu einer Zeit, wo
sius die Nachricht von seinem Tode, und deA nähern Umständen
3selben noch nicht erfahren, vielleicht noch nicht erfahren hatte,
Tor seinem Tode seinen Fehler zurückgenommen hatte.
9t nach diesem, und zwar im J. 358, wurde die Schrift: Hütoria
titn ad monachos von ihm verfasst^), worin sich die genauen
;hten über den Tod des Hosius finden. Die dritte Stelle über
iler des Hosius findet sich in der Schrift: apologia contra Arianos
S9: „Obgleich er (Hosius) eine kurze Zeit, fürchtend die Drohun-
8 Constantius, ihnen (den Arianem) — nicht zu widersprechen
aber die viele Gewalt, und die tyrannischen Massnahmen des
itius, die unzähligen Misshandlungen und Schläge beweisen, dass
ty weil er uns für schuldig hielt, sondern — weil er wegen der
hhcit des Greisenalterä die Schläge nicht ertragen konnte, einen
Jjck (eine kurze Zeit) ihnen nachgab^ *). Diese Worte stehen
ilnss« des Wftrkos. dossßn Ahfassunfiwzeit cfiwöhnlich in das Jahr
246 Sechstes Bach. Siebentes Kapitel.
— Sie lauten weniger bestimmt; ja nach ihnen könnte es scheinen, —
als hätte Hosius den Athanasius — verleugnet. — Aber es ist eine
unbestrittene Regel, dass die dunkleren Stellen durch die klareren und
bestimmteren erklärt werden müssen; und so muss denn — der Bericht
des Athanasius in seiner Schrift an die Einsiedler — als massgebend
und entscheidend — angenonmien werden.
£8 muss demnach zugegeben werden , dass erstens Hosius kirchliche
oder Glaubensgemeinschaft mit den Arianern eingieng, und — zweitens
in der Weigerung ausharrte , sich von Athanasius nicht zu trennen. Aber
— ist dieses kein Widerspruch? Musste nicht der nothwendig auf Atha-
nasius verzichten, der mit Valens und Ursacius Gemeinschaft eingieng?
Es scheint; aber es ist nicht so. — Wenn und soweit Hosius fehlte,
war sein Fehler — ein ungleich geringerer, als der aller Bischöfe vor
und nach und neben Hosius (höchstens mit Ausnahme des Athanasius
selbst). — Denn — nach dem formellen Widerrufe des Valens und
Ursacius — in den J. 347 — 51 — gieng nicht nur der Papst Julius,
und die katholischen Bischöfe Gemeinschaft mit ihnen ein, — sondern
die Freude über ihre vermeintliche Busse — war eine allgemeine; und
ihre Rückkehr galt als grosser Sieg über die Arianer. Mit beredten
Worten feiert Athanasius diesen Sieg *). — Allein — wie kam denn
Hosius im J. 357 dazu, ihren katholischen Betheurungen zu glauben, da
inzwischen ihr Rückfall — aller Welt bekannt und fühlbar geworden war?
Wenn und soweit er gefehlt hat, werden ihn jene mehr als drei-
hundert katholischen Bischöfe entschuldigen , welche im J. 359 zu Rimini
versammelt waren. Arianische Bischöfe waren etwa achtzig anwesend,
darunter Valens, Ursacius, und Germinius. — Hier traten Valens und
Ursacius hervor, und verlangten^ die Synode solle die arianische dritte
(vierte) sirmische Formel vom 22. Mai 359 annehmen. Die katholischen
Bischöfe verlangten, ihre Gegner sollen das Anathem sprechen über
jede, auch die arianische, Häresie. — Da diese sich weigerten, erklärten
die Katholiken den Ursacius, Valens, Germinius und Cajus als Kczer
und. für abgesezt — am 21. Juli 359, und meldeten diess dem Kaiser** ^).
— Nach vielen Verhandlungen wurden die Orthodoxen übertölpelt , über-
listet, und — gebrochen, — Schon am 10. October — nahmen die zehn
(vierzehn) Deputirten der Orthodoxen zu Nico in Thrazien, unter ihnen
Restitutus von Carthago, Gregor von Elvira, und Hyginus, der Nach-
folger des Hosius in dem Bisthume Corduba , das Symbol der Arianer an.
Darauf beugten sich auch die Bischöfe von Rimini — mit Ausnalime
von zwanzig; und schliesslich gaben auch diese zwanzig — nicht etwa
Misshandlungen und Schlägen, wie sie Hosius ein Jahr lang erduldet
hatte, sondern den Bitten und den Tbräncn des kaiserlichen Beamten
') ad mon, ccq), 27,
') Hefele, S. 681 und die dort an^efülirlen Bclo^'stcllen.
f. 5. Die Sthold — nnd die Üoscltiild dw Hosins. 247
■ und den heiligsten Betheucrungen .ihrer gpliebtesten Herren
% a]ens und Ursacius nacb. — Unter äen Nachgebenden
1 der heilige PhüliHtlius von Agen, und der heilige Serratiua
— Dem Valens und Ursacius gelang es, die Ortho-
■ — zu überlisten.
Alf Bischof Claudias — die ßlaaphemieon des Valens vorlas, so
Mte Valens, dass dtess seine Ansicht sei, und rief aus: „Wer leugnet,
CIinstQs der Herr, der Sohn Gottes, — vor aller Zeit — aus dem
geboren sei — der sei j\nathem. Alle riefen zusammen: Ana-
mt. — Wenn Jemand leugnet, dass der Sohn ähnlich dem Vater
Jen Schriften sei, der sei Anatheni, — Alle antworteten: Ana-
ätl Valens: Wenn Jemand nicht lehrt, dasa der Sohn Gottes
Bit dem Vater sei, dem sei Anathem. — Alle riefen zusammen:
«n »ei er, — Wenn Jemand den Sohn Gottes eine Creatnr nennt,
e übrigen Geschöpfe, der sei Annthem. (In diesen Worten ver-
«'aI«Da vor den überlisteten Katholiken seine HUresic; Christus ist
y»e Creatnr, aber niclit wie die übrigen Geschöpfe.) Acbnlich
sie: O sei Anatliema. — Wenn Jemand sagt, dass der Sohn
n Nichts, und nicht aus Gott dem Vater sei, der sei Anathema,
le rirfen zusammen: Anathema sei er. — Wenn Jemand sagt:
ir eine Zeit, da der Sohn nicht yrar, der sei Anathema."
Kee Worte nahmen alle Biachi5fe und zugleich die ganze Gemeinde
feinem gewissen Beifallklatschen und Ju bei aus brü eben auf"). —
K alle den Valens bis zum Himmel erhoben, und ihren Verdacht
Itn — mit Reue verdammten, sprach derselbe Claudius, der vor-
fc te^en begonnen hatte: Es ist noch Einiges, was meinem Herrn
Bradcr Valens enlgangen ist, dieses wollen wir, wenn es euch
(, damit kein Zweifel Übrigbleibe, gemeinsam verdammen. ,Wenn
tA *agt, der Sohn Gottes sei zwar vor allen Zeiten, aber nicht
lept vor aller Zeit, so daas noch Etwas vor ihm wäre — der sei
ema, — Alle sprachen: Anathema sei er. Und vieles Andere,
Dcfa verdächtig zu seyn schien, verdammte Valens, sowie es Clau-
Un vortrug*). — Dieses war in den (uns verloren gegangenen)
»dliiQgen der Synode von fiimini buchstäblich enthalten. — £s
die AoflÖBung des Concilg; freudig und gleichsam als Sieger —
B alle BisdiSfe nach Hause." Jeder Theil Üelt sich für den Sieger:
i das Grlanbensbekenntniss selbst war für die Arianer, aber die
er angefügten Bekenntnisse ftir' die Unsrigen , ausser jenem , das
I angefügt, das damals nicht verstanden, zu spät allerdings bemerkt
alfk. SertT. iül. lae. 2,43 - 44.
I kor oero eatieti epiacopi tt tota nntiti tcctetia plarini qvodam tl Iripudü Foloifti
rtm fntptnait.
tifon. dütl. «A. fjuafaianoi — e. 18. 19, •
248 Sechstes Bach. Siebentes Kapitel.
wurde. So wurde das Concil entlassen, und nach gutem Anfange —
nahm es. einen schmählichen Ausgang ^).^
Valens — hatte vom Jahre 357 — 3ö9, und namentlich vom Mai
bis Spätherbst des Jahres 359 so viele neue Schurkereien und Bobeo-
streiche gegen die Katholiken begangen, dass die Nachgiebigkeit des
Hosius gegen ihn, das Eingehen der Gemeinschaft mit ihm — doch unver-
gleichlichst entschuldbarer erscheint, als das aller Katholiken in BiminL
— Hier kann man sagen, namentlich auf Rechnung des heiligen Phö-
badius von Agen: Wer von euch ohne Sünde, wer von euch ohne
grössere Sünde ist, als er, — der werfe den ersten Stein auf ihn, —
Wenn man aber von dem Falle des Hosius — redet, so muss man iha
mit dem Falle seiner Zeitgenossen — vergleichen, und zugeben^ da«
sein Fall ein Fehler, und kein Fall war.
Hosius gieng die Kirchengemeinschaft mit den Arianern ein. Was
heisst diess ? Entweder schrieb er ihnen einen Brief, oder unterseichnete
einen ihm vorgelegten Brief, oder erklärte er mündlich, in Kirchen-
gemeinschaft mit ihnen stehen zu wollen , — oder er feierte die heiligen
Geheimnisse mit ihnen, wie wir uns ausdrücken würden, er celebrirte
in der Hauptkirche, in der Kathedrale des Germinius zu Sirmium. —
Diess — w^re eine eklatante und unleugbare Thatsache gewesen, die
alsbald nach allen Weltgegenden hinausgetragen worden wäre. W^enn
— nun gleichzeitig damit die zweite sirmische Formel ausgegeben wo^
den wäre 9 so lag der Schein der Theilnahme des Hosius an derselben
offen vor 9 und es schien — sein Abfall von dem Glauben von Nitiia
unleugbar zu sejn.
Es fehlt uns aber an allen Nachrichten, auf welche Weise Hosiu»
mit den Arianern Gemeinschaft machte. Es liessc sich viel llir eine
schriftliche Erklärung desselben sagen. — Aber sehr auffallend wäre,
dass sein Brief sollte verloren gegangen seyn, den zu verbreiten und
zu erhalten die Arianer doch das grösste Interesse haben mussten, wenn
man nicht sagen will, dass er ihnen missliebige Ausdrücke enthalten
haben könnte. — Ich gestehe aufrichtig, dass ich zur Zeit mir noch
keine feste Ansicht darüber — erworben habe.
Heinrich Florcz , dessen Darstellung . der Geschichte des JSosius —
ein Muster von Wahrheitsliebe , Gründlichkeit und Klarheit ist , führt, um
den sogenannten Fall des Hosius auf sein gehöriges Mass zurückzuführen,
das Beispiel des heiligen Martinus von Tours an. Dieser liess sich nach
äusserstem Widerstreben — dahin bewegen, mit den Ithacianischen Bi-
schöfen zu Trier — im J. 385 bei der Einweihung des Bischofs Felix
von Trier — Kirchengemeinschaft zu halten, doch weigerte er sich der
ihm zugemutheten Unterschrift. — Aber — bald überfiel ihn Reue.
Und zurückkehrend „seufzte er trauernd, dass er auch nur eine Stunde
') Su^ie. 8ev. 2, 44 — botip initiot fotdo exitu consummatum.
$. 5. Die Sehttld — und die Unsehold des Hosius. 249
h in diese Yerderbliche Verbindung habe ziehen lassen^ ^). — „Eb
rband sich Martin mit den Schuldigen auf eine Stunde; den ncmlichen
»drack : ^auf eine Stunde^ — gebraucht Athanasius von Hosius. Es
reate Martinas seinen Fehler. EvS bereute Hositis seinen Fehler. Aber
wie MartinuB durch seine Nachgiebigkeit, die er selbst verdammte,
tht seinen guten Ruf verlor, so darfauch Uoslus ihn nicht verlieren '^).^
Man darf nicht die unberechenbaren äussern Folgen seines Fehlers
ihm als eine Schuld anrechnen. — Sonst käme man unausweichlich
liin , die Schwere oder die Lässlichkeit einer Sünde nach dem äussern
üdrucke und Schaden zu bemessen, man käme z. B. dahin, einen
►rd, der verborgen bleibt, für unerheblicher zu erklären, als einen
men Diebstahl, der durch besondere Umstände — zu einem allge-
inen Scandale wird. — Florez führt femer die Nachgiebigkeit des
lügen Basilius gegen Kaiser Valens an, der am Epiphaniafeste dem
ittcsdienste anwohnte, und aus dessen Händen der Heilige die dar-
reichten Gaben annahm^).
Florez wirft die Frage auf, warum die Arianer den Hosius nicht
angen , ebenso gegen Athanasius zu schreiben , als mit ihnen Gemein-
laft zu halten. Er meint, das Lczterc ;liättc ihnen genügt, um den
hein seines Einverständnisses — mit ihnen zu erlangen; sie hätten
ter v^eitem Qualen seinen Tod befürchten müssen, und dann wäre
len der Gewinn so zu sagen in den Händen erstorben. „Sie be-
iigten sich also mit dem, was sie erlangt, und da sie nichts weiteres
eichten, so rächten sie sich durch das von ihnen ausgesprengte Ge-
ht, oder dadui'ch — dass sie durch Täuschung seine Unterschrift er-
t hatten *).*'
Daraus erhellt, dass — streng genonmien — das pomphafte Wort
[1 oder Sturz (chtUe dCOsiu»^)) keineswegs auf die Schwäche oder
1 Fehler des Osius zutreffe. — Er fiel keinen Augenblick aus der
lade Gottes; denn — er war" keinen Augenblick ganz gefallen. Die
*} cum moestus ingemitcerety se vel ad horam noxiae communwni fuisse permixium —
Sulffic, Sev. dinlog. 3, 13,
*) Flortx, 10, 19 L
*) Es war am 6. Jan. 872. Die Mauriner- Ediloren (t. 1, cap.'JfJ, nr. V) sagen
d.irübrr: Videtwr nutem BcuiKus in iliis donts acetpiendis piws mnsnluisse errfesiae
päd, quam legum ecrlesiasticarum severitati. Aehnlicli Ä Ceillier(t. 4, p.357): »Es
scheint, dass Basilius, wenn er sich an die genaue Beubachlun^ der Kirchen-
zQcht gehaUen hätte, die Gabe eines erklärten Arianers und Verfolgers der
Kirche hätte zurückweisen müssen. Aber — der Heilige Ihat bei diesem An-
lasse, wa<i ihm das Nüzlichste für die Kirche zu seyn schien."
*) Florez, 10,192—93.
*) Hermant, vie de ttaint AthatKue — l. 8, eh. 3. — Tittemnnf, mimoiresj — f. 7,
p. 300— 321 — art. 8 (^T. nennt Hosius „le grand Osius**), — Viel billiger urthcilt
R. Ceillier.
250 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
Gnade verliess ihn bis zu einem gewissen Grade , aber sie verliess ihn
nicht ganz. Weil er noch widerstand, so stand er nocL Weil er den
Athanasius nicht fallen Hess, so Hess ihn Gott nicht fiillen. — Nidit
aus Furcht vor dem Tode, nicht aus Verlangen nach der Bückkehr —
hatte er eine Stunde nachgegeben, sondern — um von dem üebermasse
der körperlichen Qualen einen Äugenblick ausruhen zu können.
£& ist Zeit, dass man zwischen dem Falle des Hosius und des Libe-
rias einen Unterschied mache ; denn — dieser entsagte der Gemeinsdiaft
mit Athanasius, und fiel insofern vom Symbole von Nicäa ab. — Hosius
hat gefehlt, wi^ andere Heilige gefehlt haben, — aber er ist nicht
ge&llen.
Der Fall besteht — in dem ^uizlichen und rückhaltslosen Aa%ebea
seines eigenen bessern Willens. Von dem — wirklich Ge&Uenen kann
man alles erlangen, was man will, woil er keinen Willen und keine
Gnade mehr hat Von Hosius erlangten seine Feinde nicht alles, was
sie wollten. Sie musstcn sich mit dem Schein des Sieges begnügen;
denn — überwunden hatten sie ihn nicht, weil Gott — den im Fallen
Begriffenen — in seine allmächtigen und allbarmherzigen Arme nahm,
und — ihn wieder erhob.
§. C. Die Zeugen gegen Hosius.
Die Aussagen des Athanasius über Hosius haben wir gehört —
Aus dem Ende des J. 357 oder dem Anfange des J. 358 ist die mehr-
erwähnte Schrift — des Phöbadius von Agon — liber contra Ariano$f
an deren Schluss er sich — (cap, 23) — also gegen Hosius ausspricht'):
Aber es entgeht mir nicht, nachdem alF dieses erörtert, und in das
Licht der öffentlichen Kenntnissnahme gestellt worden, dass der Name
des ältesten — - und stets glaubenseifrigen Bischofs Hosius — wie ein
Widder gegen uns losgelassen werde, um dadurch die — Verwegenheit
unsers Widerspruches — abzuweisen. x\ber denen , welche diese Kriegs-
maschine — gegen uns aufrichten , antworte ich — mit wenigen Worten.
Seine Auctorität kann keine Instanz gegen uns seyn, weil er entweder
jezt irrt, oder immer geirrt hat. Denn — die Welt weiss, was er bis
auf diese Zeit festgehalten hat, mit welcher Stacndhaftigkeit er in Sa^
dika — und bei den Verhandlungen in Nicäa — beistimmte — und die
Arianer verdammte. Wie, wenn er jezt entgegengesezt denkt, wenn
er das vertheidigt, was früher von ihm verworfen; das verwirft, was
von ilmi vertheidigt wurde? Ich sage wieder: seine Auctorität ist keine
Instanz gegen mich. Denn — wenn er wohl neunzig Jahre übel ge-
glaubt hat, so glaube ich nicht, dass nach neunzig Jahren seine Ge-
sinnung eine richtige sei. Wenn er aber jetzt richtig denkt ^ was soll
I) C€^. 23 — de Hosio episcopo Cordubensi Judicium auctoris.
§. 6. Die ZeBgen gegtn Ilosiui. 251
vaa Denen halten, die — bezeiclmet mit dem Glauben, den er
hstte, aus der Welt geschieden i^ind? wae würde mao vod ihm
müssen, wetm er vor dieser Sjiiode ') eutäcblafen wäre? Ea wird
I, wie gesagt, die Auctoi'itat einer schon vorher gerichteten Mei-
nicbts gelten, weil sie gegen sich selbst steht. CrcwiBS lesen
Ke Gerechtigkeit des Gerechten wird ihn nicht retten , an dem
la er abirret lEzeeh. 33, 12). Änion.
ei Jahre später konnte man diese Worte auf Phcihadius selbst
is*rni Rechte anwenden. Man konnte es mit melir HeciU von
[en, nachdem ihn nicht unmenschliche Misshandlungen, jalire-
idcn, nicht Verbannung oder Todesgefahr, sondern die ThrSuen
des Beamten Tauruü zum Falle gebracht hatten, dem das
Tersprochen war, wenn er alle Bischüfe in Kiniini — »um
gebracht hätte ^). — Der Mann, der uns diess berichtet, ist ein
■her Landsmann und Zeilgenoaae des l'höbadiua, ,Als der
von allen galt unaer Fögadius (Phöbadiizs) , und Scrvatio,
ft von Tongern." Aber Tnurus bittet und weint — Phöbadius
t sich bereit zur Verbannung und zu jeder Todesstrafe (omne sup-
m). -So vergiengen mehrere Tage — in diesem Wettkampfc. Als
beu wenig zum Frieden gediehen, so wurde allmällg auch er naeh-
ftr [mfraetier (ar'f)] — und zulezt wurde er durch einen ihm ge-
U Vorsehlag überwunden *)," d. h. Valens und Ursacius — nahten
icicheltcn und heuchelten, fanden Eingang und Glauben, bo-
iea l'höbadius, — und brachten ihn — neben und mit Taurus
Nachgeben und zum Falle.
Worte des Phubadius gegen Ilosius also sind hinfällig, soweit
Geticht in sich schliessen. Phöbadius kannte den Hergang ku
licht. Er spricht von einer Synode, wo keine Synode war,
nicht etwa drei Bischöfe eine Synode ausmachen. Er sezt die
penheit des Osius auf derselben voraus, gegen welche der Wort-
A. h. das Wegbleiben seines Namens in dem Documeute der an-
ben Synode — spricht — Im Uebrigen sieht man, wie er sich
Mfaeih'guiig des Hosius an der ihm vorliegenden Formel dachte. —
Kheiolich stand in dem Briefe des Potamius, dass Hosius auch
I .Glaubens" sei, und das Gerücht „seiner Gemeinschaft" mit den
lochte schnell durch alle Länder getragen worden seyn.
B Synude fand nichl itaü.
r« D/fMioHÜ aitdoriitu — kniin ancli lipisatti : pr6jniiicirlicli('ii ~ i^f. Uitut,
ip. ß — pratfvdinata Meiile«lia — [ür ~~ praejadinmt; Jagegcn — Opiis
r. ftagm- I, 4 — optu — duniiuilaliaat miiUoram ac mctii jirttejmlicaluia.
: wirklich Conial im J. 3M — dem Todrsjulirc des Coaatantiat —
[Oia Tktodat. ed. GothofitAu tt BiUa-, I. 1 (1736, p. LXI—II).
I W eiiTtmiim propotila ooTKÜtiaiie tvmeitvr. Salp. Seu. h. aacra 2, if,
252 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
— Sonst aber müssen wir bekennen , dass die Ausdrücke des PhSbadios
über Hosius gemessen und würdig sind , und Zeugniss ablegen von dem
Schmerze, den der vermeintliche Abfall des Hosius in den Herzen der
Katholiken geweckt hatte. — In sofern stechen die Worte des heiligen
Phöbadiüs — in wohlthuender Weise — von den scharfen Worten des
heih'gen Hilarius gegen Hosius ab.
Hilarius — ist neben Phöbadiüs imd Athanasius — der dritte un-
mittelbare Zeitgenosse des Hosius — und der Vorgänge in Sirmium.
Der unmittelbare Anlass — der Verfassung seines Werkes: „I4ber desynodu
8€u de fide orimtalium ^) ," vcrfasst gegen Ende des J. 358^), war zun
Thcil — die zweite sirmische Formel. — Er erhielt im J. 358 Briefe
von den gallischen Bischöfen, nach einer Verbannung von drei Jahren,
nach denen ihnen ,,jüngst aus Sirmium ^^ein gottloses glaubensloses Glau-
bensbekenntnisse gesendet worden , das sie nicht nur nicht angenommen,
sondern — ausdrücklich verdammt hätten*' *). In Folge dessen — will
er seinen Mitbrüdern „die Zwiegespräche heilsamer und gläubiger Rede*
mittheilen. — Vielleicht haben sie ihm die Abhandlung des Phöbadiüs
zugesendet, die man als den Ausdruck des Glaubens der Kirche von
Gallien betrachten kann. — Diese Abhandlung, und die vor Ostern
358 gehaltene Synode der Halbarianer zu Ancyra, auf welcher die zweite
sirmische Formel auf das entschiedenste verworfen wurde*)", erklären
zur Genüge die Aeusserungen des Hilarius gegen Hosius. — Achtzehn
Anathematismen wurden dort — gegen die Katholiken und die strengen
Arianer erlassen. Hilarius hat zwölf davon in seine Schrift aufgenomr
men, und ihnen einen orthodoxen Sinn unterlegt*). — Die Stellen,
welche sich in dieser Schrift gegen Osius finden, sind schon oben an-
geführt worden ^). — „Einige** gallische Bischöfe hatten ihn — um Mit-
*) TTilan'm Pictaritmsis ^ geschildorl in sfiiiem Kampfe g;<*sen den Ariunismus, von
Ad. VirliUaiisei , Klai^onfurl 1860, S. 43 — 45.
^) de syn. '»jp, 2. — Dir Synoden von Rimini und Ancyra waren schon aofe'e-
kündigt — cnp 8 — cum compcrisscm, synodos in Ancyra alquc Arimtnu coo-
gregandas.
') tied nttntt'ntam etiam fdgmficatamqne damnnsse,
*) et auditis iis^ quae apud Üintuuni conscripta impiissime eianty irreUyiosorum audaci'i*
quihusditm sententiarutn suarum decretis contradixerunt.
*) de syn. cap. 12 ~ 28.
•) sie lauten der Reihenfolge naeh : i) cap. 3 — qui lunc apud Sirmitun in seilten-
tinm Potamii atque Osii — concesserant. — 2) cap. tt — Eremplum blasphemüu
apud «SVrmium per Osium et Potamium consniptae (^wenn dieses Worte de» HiUriU»
sind). — S) cap. 63 — 91110 apud Sirmium per immemorem gestorum suoram dieto-
rumque Osium novae et tarnen suppuratae (schon vorher aiisgebrul<t) Jam diu ««•
pietatis doctrina proruperat. Sed de eo nil loquor^ qui idcirco est resenyatus, *f
judicio humano ignoraretur , qunlis ante vfrisset. — 4) cap. 87 - Oro vos, ne qin^
quam alius ex hit praeter senem Osium j et ipsum illum nimium sepulchri sui amanteJ^
reperiatuTf qui tacendum esse existimet de utroque (de homousio et homoiusio).
.1
$. 6. Die Zeugen gegen Hosius. 253
eilung des Glaubens und der Symbole der Orientalen ersucht. Indem
ilariua in diesem Werke (eap, 60 — 71) zu Torsichtigem Gebrauche des
Portes hömousion — mahnt, welches Wort einen dreifachen falschen
nn zulasse, giebt er dem Hosius und dem Protogenes entschieden Recht,
eiche zu Sardika — den von der Synode nicht angenommenen Ver-
ch einer Erweiterung oder Erklärung des kurzen Symbols von Nicäa
ichten *). Er vertheidigt zugleich den Gebrauch des Wortes: homoc"
von, d. h. er sucht die Halbarianer zu den Katholiken herüberzuziehen.
' wünscht den Orientalen (dem Basiliqs von Ancyra und den Seinigen)
liiok, dass sie den Kaiser Constantius — zu ihrer Meinung hinüber -
id zurückgeführt hätten (cap. 7S). — Er geht selbst schonender mit
üens und Ursacius, als mit Hosius, um, indem er u. a. sagt: ^^Es
5gen mir die beiden Bischöfe Valens und Ursacius verzeihen, weil
\i nicht glauben kann , dass sie solches vermöge ihres Alters und ihrer
ebung nicht sollten gewusst haben ^ (cap. 79), Es macht einen weh-
üthigen Eindruck , dass üilarius die Semiarianer mit Beflissenheit „hei-
fste Männer ** nennt ^), während er gegen den „Vater der Bischöfe*'
harte Worte in Bereitschaft hat, während er für Athanasius kein
irendes Prädikat hat ^). — Einige Erklärung mag in den Schlussworten
iner Schrift liegen, dass er die Glaubensformel von Nicäa vor seinem
eile nicht gehört habe^). Hilarius hat wohl nicht beachtet, dass es
denkliche Consequenzen hätte, wenn jeder Einzelne — sich seine
gene Theologie zurechtsezte. — Er hat vielleicht nicht beachtet, dass
e Semiarianer, die an dem „ähnlichen Wescn^ festhielten, die Gott-
al des Sohnes und des heiligen Geistes leugneten, und dass sie die von
m versuchte orthodoxe Ausdeutung des „Homoiusios^ nicht adoptirten.
Die Katholiken nahmen darum auch Anstoss an seiner Schrift, und
rer Ueberraschung über deren Inhalt gab Lucifer von Cagliari, damals
fch nicht Schismatiker, in einer Zuschrift an Hilarius Ausdruck, auf
eiche wir die Antwort des Heiligen besizen *j. Er beruft sich auf
ine Worte: „similia substantiae piam intelliycntiam^^ ; aber — vielleicht
ar dieses „fromme Verständniss*' bei ihm allein; — er beruft sich dar-
•) S. 198.
*) DtT »heiligste " ßasilius von Ancyra — war von der Synode von Sardika ex-
conimunicirt worden. — S. 197.
*) Im J. 355 — 56 haUc er ihn einfach genannt: Athanasius — ad ConsUmt. l. l,
6 — 7. Im J. 360 nennt er ihn einfach: Athanasius — Hb, ctr. Canst. c. IL
*) Regtneratus pridem, et in episcopatu aliquantisper manenSf fidem Nicaenam nurnquam
nut exsulaturus audivi: sed mihi homousii et homoeusii inteUigentiam Evangelia et Apo-
stoU intimaverunL — R. Ceillierf t, 4, p. 54 — je n*ai out parier de la fn ck Nic^e
quau moment de mon exiL
*) Saneti Hiiarii cipologetica ad r^rehensores libri de synodis responsa. Auch Anguslin
hatte das Werk de sgnodis — gegen den Rogatisten Vinzenz von Carlenna za
vertheidjgcn — ep,93 — nr, 31 — 32.
254 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
auf, dass er an seinen halbarianischen Freunden nieht „den wahren
Glauben, sondern die Hoffnung auf Wiedererlangung des wahren Gkn-
bens^ — gerühmt habe. Lucifer hatte ihm wegen der Anrede: »o ihr
heiligsten Männer^ (die drei genannten Semiarianer, cap. SO) Schmeichelei
vorgeworfen. Er hält dem Lucifer entgegen , dass auch er — die Äehn-
lichkeit des Sohnes — mit dem Vater — lehre. Er lobe nicht, son-
'dem er schone (die Ärianer) ; und das sei keine Gottlosigkeit undNadh
giebigkeit.
Sein erstes und zweites Buch an Constantius sind noch sehr sanft
gehalten. Aber im Jahr 360 erfolgte bei ihm ein Umschlag. Er nennt
den Constantius einen Antichrist ^) , einen Vorläufer des Antichrist, einen
neuen Feind Christi, den Grausamsten unter allen Grausamen, den
grössten Verbrecher unter allen Menschen, einen neuen Verfolger der
christlichen Religion, einen Sohn des Nero und Decius, einen falschen
Propheten, einen Wolf im Schaafskleide, ein falsches Schaaf, einen reis-
senden W^olf , einen Judas ^ und was dergleichen kräftige Ausdrücke —
weiter sind. Aber er rechtfertigt indirect den Hosius, wenn er in Be-
treff der Synode Von Rimini sagt: „Du zwingst den Glauben der Abend*
länder — zu dem Unglauben , die in .einer einzigen Stadt (Rimini) Ijn-
geschlossenen schreckst du durch Drohungen, schwächst du durch Hunger,
bringst du durch den Winter herab, verderbest du durch Verstellung*
(eap, 7J*). — Er sagt von den Bischöfen von Seleucia, in deren ICttc
er am 27. Sept. 359 war, dass er unter ihnen so viel Gotteslästerer
(blasphemorum) gefunden habe, als dem Constantius gefällig war feap. 12)]
er fand , dass 105 Bischöfe dort das „Honweusion^^ — die Aehnlichkdt^
neunzehn das „Anomoeon^^ — die ünähnlicheit, und nur die Aegyptier
das „Ilomousion^^ — die gleiche Wesenheit des Sohnes mit dem Vater
bekannten. — Er dringt jezt — auf das „gleichen Wesens mit dem
Vater* (cap. 17, 18, 20, 21) und polemisirt gegen das „ähnlichen We-
sens*, das in der Schrift nicht begi'ündct sei. Mit dem gleichen Scharf-
sinne, mit welchem er früher das „ähnliche Wesen* vertheidigt hatte,
— bekämpft er es jezt. — Die Aehnlichkeit hat der Mensch mit Grott,
dem Sohne kommt die Gleichheit mit dem Vater zu. — Nur wer -die
') Lib. etr. Constantium, cap. 5. 6. 7. 8. 9. 10, 11. 12.
•) Nach Ceiüier, L c. p, S8 — wollte Hilarius durch seine harte Sprache verhin-
dern, dass Constantius nicht ferner die Völker in den Arianism ziehe. Ce re-
mede Aaii violentf tnais n^cessaire aux maux prAenta de VEgUat, — Seine Worte
seien nicht heftiger, als die Christi — und des heil. Stephan ns — gegen ibre
Feinde. — Mit Recht bemerkt Ceillicr, dass diese Schrift nicht an CodsUd-
tius, sondern an die Bischöfe von Gallien gerichtet ist. — Er schrieb sie in
J. 360 — Hieronymns aber sagt: — cataUg. 100 — „et 'alhu in Cowtoift««»
guen post mortmn ejus aar^mt,* Vielleicht — liess er das Bach erst nach dem
Tode des Constantius erscheinen.
J. 6. Die Zeugen gegen Hosias. 256
eichheit^ schon bekannt hat, darf „die Aehnlichkeit^ lehren. — Auch
sr nennt er die zweite sirmische Formel — „einen Aberwiz des Ho-
is und eine Ausgeburt des Valens und Ursacius^ ^).
In dem vielgenannten „opus historieum^^ das eben so viele Spuren
r Aechtheit, als der Unächtheit an sich trägt, und das — nach dem
richte des Rufinus noch zu Lebzeiten des Hilarius bis zur Unkennt-
likeit entstellt und verfälscht worden war ^) , — kommt durchaus nichts
Bsliebiges über Hosius vor; es werden ihm vielmehr in den dort mit-
iieilten Aktenstücken die grössten Lobsprüche ertheilt £s ist, im
sammenhalte mit den unten mitzuth^ilenden Worten des Augustinus
über die Achtung der gallischen Bischöfe gegen Hilarius , eben nicht
wahrscheinlich, dass sich der nach Gallien zurückgekehrte Hilarius —
Q dem Ungrunde seiner scharfen Auslassungen gegen Hosius über-
igte, und dieselben — wenigstens stillschweigend zurücknahm. —
hatte, wenn wir dem Rufinus glauben dürfen, es an sich selbst er-
iren, wie leicht man durch falsche Brüder, „durch Feinde und Uebel-
»ilende'^, selbst „durch Bestechung seines eigenen Schreibers^ (cor*
p€o fwiario) in den dringendsten Verdacht der Eezerei, und in die
ingendste Gefahr der Excommunication kommen kann.
Michael Maceda zählt fünf Zeugnisse des heiligen Hilarius gegen
wius auf ^). Aber schon die Ueberschrifk : S. Hilarii opera inUrpolata
c videntur in rebu» HosH (die Werke des heiligen Hilarius scheinen
der Angelegenheit des Hosius verfälscht zu seyn), — ruft Bedenken
uns hervor. — £r meint, weil Hilarius eines so sanften und milden
ieBens war, konnte er so harte Worte gegen Hosius nicht schreiben;
in könne an die Aechtheit solcher Ausdrücke nicht glauben, ohne dass
runter die Ehre des Hilarius Schaden litte. — Maceda kann nicht be-
äfen, wie Hilarius so sanfte Worte für die Arianer, so harte Worte
gen Hosius hatte, darum leugnet er ein&ch, dass er sie geschrieben
be. — Ich fürchte, dass auf diesem Wege weder Hosius noch EUla-
m gerechtfertigt werden. Wir sagen mit dem heiligen Hieronymus:
obald zugegeben wird, dass alles, was sich immer in den Büchern
hädlichcs findet, von andern verdorben worden sei, so wird nichts
ükT denen eigen bleiben, deren Namen es trägt; sondern — es wird
nen zugeschrieben werden, von denen angeblich die Fälschung aus-
ht. Es wird aber auch denen nicht angehören, deren Namen unge-
*J Susc^is adoersum deliramenia Osü et incrementa Ursacii ac VaUntis — etnendationum
tu€trum detmnationes. ct. Const. 23.
*) Rufimus de aduüerat, Ubrormm Ortgemis, cap, 38. — Wenn es nemlich identisch
ist mit dem bei Rufinus ond Hieronymus (cat. 100) angezeig^ten Werke. —
TiUem. — 6. Hilaire ort. 13 (m. 7^454). — Die Erzählung des Rufinus aber
stellt Hieronymus in Abrede; er nennt sie »eine immerhin noch ertrftgliche
Verleumdung dieses Glaubensbekenners* (c^l. adv. Ubraa Ruf, 2, 19),
^) M. Maceda, p. 96 - 160.
256 Sechstes Buch. Siebentes Kapitel.
wiss ist; und so wird es geschehen, dass — ^während allen alles gehört, 1
nichts mehr Jemand eigen ist ^j.*' j
Wir sagen, dass der heilige Hilarius über den Antbeil des Hosiiu
an der zweiten sirmischen Formel falsch unterrichtet war, und dass darum
seine Aussprüche gegen Ilosius nur einen bedingten geschichtlichen W^
haben, indem sie u. a. die Stimmung abspiegeln, die im Kreise der
Semiarianer gegen Hosius damals herrschte.
Der Zeit nach folgt das Zeugniss des Gregor von Elvira, dem vir
unten ein eigenes Kapitel widmen werden, gegen Hosius. — Gregor [
hatte während oder nach der Synode von Bimini — an Eusebius über ]
seine eigene Standhaftigkeit, und über den Fall der Bischöfe und des
Hosius geschrieben. — Ihm antwortet Eusebius, der sich damals in
Aegyptcn, dem dritten Orte seiner 'Verbannung, befand, wabrschcinlick '
im J. 360: „Dem Herrn, dem heiligsten Bruder, dem Bischöfe GregoriuL '
Eusebius Heil in dem Herrn. — Ich habe den Brief deiner Aufrichtig- '
keit empfangen, aus welchem ich ersehen habe, dass du, wie es sidi '^
für einen Bischof und Priester Gottes geziemt, dem Uebertreter Hosim "
Widerstand geleistet, und — wälirend zu Rimini so viele gefallen sind *
— durch die Gemeinschaft mit V^alens, Ursacius und den Uebrigen, '
welche sie vorher, nach Anerkennung des Verbrechens ihrer GK>ttes- ^
lästerung, verdammt hatten, deine Zustimmung verweigert hast, indem ^
du den Glauben bewahrtest , den die Väter von Nicäa geschrieben haben. ^
Darum wünschen wir dir Glück, wir wünschen auch uns Glück, — '
weil du — bei dieser Festigkeit und in der Fülle dieses Glaubens stehend,
— dich gewürdigt hast — unserer eingedenk zu seyn. — Wenn du *
aber in demselben Bekenntnisse verharrst , und mit den Heuchlern jeder
Verbindung entsagest, so sei unserer Gemeinschaft versichert. — Hit *
allen möglichen Abhandlungen , mit aller dir möglichen Anstrengung —
strafe die Uebertreter, züchtige die Ungläubigen, ohne Furcht vor der -■
weltlichen Gewalt, wie du es gethan^j: denn Derjenige ist mächtiger, <
der in uns ist, als der in der Welt ist. Wir aber — deine Mitpriester .
— die wir uns in der dritten Verbannung befinden ^) , sagen dieses, vis c
wir als offenbar erkannt haben: denn alle Hoffnung der Ariomaniten
(Arianer) ruhet nicht in ihrer (Kraft oder innern) Uebereinstimmang^
sondern auf dem Schuze der weltlichen Gewalt: sie kennen nicht die
Sohriil, welche sagt, dass die verdammt sind, welche ihre HoffiiuDg
') Hieron. apoL adv, lihros Rufini ^ 2, 17.
*) ut fidsü — allerdings war Gregor — am 10. OcU 359 zu Nice in Thraeien -
aus Furcht vor der weltlichen Gewalt unterlegen. Ohne es zu wissen oder zb
wollen, spricht Eusebius dem Schismatiker sein Urtbeil.
*) Er war zuerst in Scythopolis, übergeben dem grausamen Patrophilns (8.223):
dann in Cappadocien (Hieron. catal. 96); dann in Oberägypten (TheodortL ^
iccL 3, 2. — Soor. 3, 5. — Sozam, 5, 12),
leiuer oeiie oieueiiueii — unsürer r^r^eueiineu — yersicnem
ige Zweifel an der Äechtheit dieses^) (von den Ludferianam
m) Briefes werden leicht beseitigt Das Wort: Anomofütae —
ach in dem Briefe des Eusebius — an die Kirche von Ver-
Ebenso das Wort: transgressore$ — üebertreter, das ein dem
eigenthümliches ist. — Dazu kommt die grosse Sehnsucht nach
und die Freude über deren Empfang, die sich in dem obigen
eichfalls zu erkennen giebt. (Auch. Hilariüs verlangte nach
md Liberius fühlte sich vereinsamt) — Aber — das Zeugniss
>ius für den Fall des Hosius hat nur so viel Werth, als der
itatter Gregor Glauben verdient. '^- Man hat noch nie gehört,
r sich selbst lobt, und andere tadelt, desswegen Glauben ver-
Nach allen andern Nachrichten haben in Rimini — alle Bi-
ehgegeben. Wenn nun Ghregor seine Standbafltigkeit preist,
n Selbstlob — mehr als verdächtig. — Er musste dann wenig-
3annt worden seyn. Denn — der Prjtfekt Taurus hatte ja den
md die Vollmacht, die widerstrebenden Bischöfe zu verbannen,
icht mehr als fünfzehn — wären ^).
— - Gregor war überhaupt nie verbannt gewesen ^). — Michael
st meines Wissens der erste, welcher auf das entscheidende
des Faustin und Marcellin hinweist: „Gregorius*) ist aus der
Vertheidiger des Glaubens der einzige, der weder fliehen
Mcht muss es heisscn : Diacones — die Diakonen.
faceda leugnet die Aechlheil — p. 156 flg., und behauptet, er sei eine
258 SechBtes Bach. Siebentes Kapitel.
musste^ noch die Verbannung erduldete^). ~ Dem Vorwurfe des Ab-
falls, der hieraus für Ghregor hervorgieng, suchten sie durch das bo6- :
haft lächerliche Mährchen entgegenzutreten , das sie über das tragiscbe
Ende des Osius ausspannen. — Aber Maceda musste gerade aus der z
ihm bekannten Stelle des Hieronymus: ^Andere (Bischöfe) beganna i
(nach der Synode von Rimini) an diejenigen Bekenner, welche wegea £
Athanasius verbannt waren , Briefe zu schreiben''^). — scUiessen, da» ^
der Brief des Eusebius acht, und eine Antwort auf einen von Ghr^jor ^
erhaltenen Brief war.
Gerade — der Brief des Eusebius zeugt gegen Gregor. Er beweiil ^
seinen Fall in Rimini , den er vergessen machen wollte, indem er ein€B -.^
lobenden Brief eines Glaubensbekenners vorzeigte. — Aber Eusebius -> ^
wurde von ihm getäuscht. Das Zeugniss des Gregor gegen Hosios yv: 3
liert alles Gewicht , wenn man beachtet, dass Gregor selbst ge&llfla ,[:
wAr, was schon — neben den später anzuführenden Gründen, Iierv(V» j^
geht 1) aus dem einstimmigen Berichte, dass alle Bischöfe in Brnnoi ^
nachgaben, das heisst, fielen; 2) aus seinem Briefe an den Olaniieiii* ,
bekenner Eusebius; 3) daraus, dass er nie verbannt war, ihm übeEliai||!t
kein Haar gekrümmt wurde. [Mit Recht weist Tillemont die AngJ^
des Pelagianers Julian als unwahr zurück, dass in Rimini von 660 kaoi ^
sieben Bischöfe standhaft geblieben. ;,Diese sieben Bischöfe wären ohil t
Zweifel verbannt worden, und ihre Verbannung hätte Ao&ehen gltf
macht ^j.'^ — Die Ausrede beweist nichts, dass der widerspreolMwb ' .
Gregor gleichsam unbemerkt geblieben sei. — Ein stiller WiderspnMk
wird nicht angerechnet*)].
Die in dem nicht' erhaltenen Briefe des Gregorius angesponnesft !^
Lüge von seinem Widerstände gegen Hosius wird weiter ausgesponius ^_
— in der lächerlich -tragischen Erdichtung des Faustin und MareelÜB ^
— von dem Ende des Hosius. Da die beiden Luciferianer in Boa
lebten, wo sie um das J. 384^) — ihren „libeUus precum^^ an EaiB« _
1) Mich. Maceda, S. 161.
*) AJü ad eos confsssores, gm sub nomine Athanasii exulab€mtf co^enmt litteras miUere
— JERaron, adv. Lud/er, cap. 19. — Maceda, p, 167 — 08.
') AMffutL op, imperf, ctr. Julian. 1, 75. — Tiüemont, t. 6, 469. — Ceiliier, 4, 564-S5.
*) Ich begreife hier den U. Florez nicht (12, 120-24), der, seine Augen ytt-
schlieasend — 'vor den Worten des Hieronymus und des Faustin und Marcellio»
sieh zu sagen begnügt: »iVo no sabemos, n en e/ecto experimantö rigortt dep(f*
de Im Minigtros imperiales. — En S. Oregano es cierta (t) la resitUnda: mm^
«9 derto el dsetierro;'^ — ganz falsch: gewiss ist sein Fall, and gewiss ist, ^
er nicht verbannt wurde.
*) Entweder am Ende des J. 383 oder im Anfange des J. 384. Die Antwort dei
Theodosins ist vom J. 384. Tillem. Üstoire des emperewrs, t.5, 286 (ThsodMel,
ort 19).
S. 6. Die Zeigen geges Hoii«e. 2M
▼erfiuMten, so müasen wir den Spaaier Of^gor «- ale den
Urheber der Schauer -Mährchen betrachten, die sie aus und
an Yorbringen« . Hier aber sind nur ihre Worte ansoftthren:
tbt seine H&nde der Ungerechtigkeit , und — frevelt nach so
ren gegen den Glauben'^), Worte, deren Unbestimmtheit
e Erkllrongen rechtfertigen,
dt nach folgt Epiphanius von Salamis. — Er tiieilt ein Akten-
Semiarianer mit, erlassen von der Synode lu Anoyra vom
rin es u. a. heisst: ^wie sie denn die Kirche selbst dordi
EU verurtheilen meinten, welche sie dem- ehrwürdigen Bischöfe
Igten 9 worin die Ungleichheit des Wesens sich findet* 3). •-*
rianer, die unter ihrem Haupte Basilins versammelt wareUi
ie zweite sinnische Formel fttr einen Brief des Hosius m
sen selbst aber nennen sie ^ehrwürdig* ; und sind der Meinung,
rengen Azianer ihm swien Brief mit List abgewonnen haben').
aus milde und 'schonend ist das Urtheil des Sulpicius Sevems
ogenannten Fall des Hosius*). — j,Es war die Meinung (ver-
sss auch Hosius von Spanien derselben Gottlosigkeit 'bage-
was dessw^;en wunderbar und unglaublich scheint ^ weil er
ad der ganzen Zeit seines Lebens als der standhafteste (Yer-
iserer Parihei galt, und man glaubte, dass die Synode von
seinen Betrieb zu Stande gekommen : er mttsste denn nur etwa,
ron dem Greisenalter; denn er war älter als hundert Jahre —
oilige Hilarius in seinen Briefen schreibt, aberwizig gewor-
jeit des Sulpicius Severus herrschte über Hosius in Gallien
re und richtigere Auffassung, als die des Hilarius. Denn —
[ien Bisehöfe hatten den Htoius längst in Schuz genommien;
i Yorgange folgten auch die spanischen Bischöfe, mit Aus-
Ueicht allein des Gregor Baeticus.
preatm, cp, 9 — „dat manus impietatif et past tot oHnos praevaricatwr m
— Maceda nennt es „mfctmis Ubellus^f p, 167.
i* — 73fl4 (Semiarianorum) — taOxfQ oiy evoutöccv xnarcci/n^i^eöSai np
9ÜCV di cov iSrJQoßay jtcc^ tov aiÖcöiuov ixiOKOxov 'Oöiov y^fifmrtaVy iv
ytTCU ro dvo/ÄOiov ovCiay.
Andeiu tind Vorstehendes Worte des Epiphanias selbst ^ ef, Maeeda,
•
quague ab Hispemia in eamdem perfidiam eoneeuisM opmio fini: qmod so mirwn
mer$dibiU vid^tur, guia omni fere aetatts sua« Umpcrt con$Umtimmiu n^ttrantm
if et Nicaena synodut auctore iüo confecla habebeUur: nisi fatiscente a$oo; etenim
eeniencurio ßtiij ut aanctim Hiiarius in epistohM refert, deHraveriL — 8u^. Seo,,
40. — Das WoH: d^Uraoeni beziehe ich auf die Worte: ^dMrammta Osü*'
. BUar, cp, 23 Üb, cantr. ConelcmtiuM.
17»
260 Sechstes Bach. Siebentes Kapitel.
Denn — sagt Augustin von den Donatisten , denen Hosius ein Dorn
im Ange warM: ^^Was sie' (die Donatisten) über Hosius aassagen, das
haben sie zu beweisen. Wenn sie es aber nicht beweisen können, so
sagen sie umsonst, dass sie wissen, wie er gelebt habe^). — Denn
dieses verdient mehr Glauben (wenn überhaupt Hosius von den Spaniern
yerurtheilt, von den Galliern aber freigesprochen wurde), dasd die Spa-
nier, durch falsche Beschuldigungen (wohl auch des Gregor) über üin
getäuscht, und durch schlaue List irre geführt, gegen den Unschuldigen
ein Verdammungsurtheil aussprachen, später aber friedfertig in christ-
licher Demuth dem Urtheile ihrer Mitbischöfe beitraten, welchen die
Unschuld des Hosius bekannt war, damit sie nicht (die Spanier), indem
sie mit hartnäckiger und leidenschaftlicher Verkehrtheit ihre Vorurtheile
vertheidigten , in das Sacrilegium einer Kirchenspaltung, welches alk
Verbrechen hinter sich zurücklässt, durch blinde Gottlosigkeit Terfielen').'
Durch diese Worte ist dem Gregor von Elvira sein Urtheiil ge-
sprochen, und ist EUlarius widerlegt — Mit Unrecht hat er ana dem '
nicht bewiesenen Falle des Hosius geschlossen, dass er ihn durch sein -
früheres Leben verschuldet. Aber — dann musste ec dasselbe UrftfaeQ •
über die 400 Bischöfe von Rimini fällen , die nach viel geringerm Wida> '
Stande fielen, unter anderm gegen seinen Landsmann, den heiligen Phl- f
badius, gegen den heiligen Servatius von Tongern« Auch ihm warte }
die Luciferianer vor, was er dem Hosius vorwarf, dass — er ein Ab- ^
trünniger geworden, dass er seine eigenen frühem Schriften surttd;*
genonunen, weil „er den Abtrünnigen sich günstig erwiesen, um nicht <
zu sagen, dass er die Kezer begünstigt habe^ ^j.
Die Aussagen des Socrates und des Sozomenus können nur nadi ^
dem Werthe der ihnen vorliegenden Quellen beurtheilt werden. Ihre
Lrthümer sind zu zahlreich, — und waren oft zu leicht vermeidlicb, •
als dass man nicht jede ihrer Aussagen mit Vorsicht aufzunehmen hätte *>
— Socrates berichtet [grossentheils falsch] ^) , dass die Arianer den Pho-
tinus zu der Unterschrift der — von ihm mitgetheilten zweiten sinni-
schen Formel (von 357) haben zwingen wollen , dass Basilius von Ancyra
mit ihm disputirt, dass seiner Parthei die (zweite) sirmische Formel
wegen ihrer Widersprüche missfallen, dass sie deren Exemplare wieder
•) S. 138.
*) c/I Hiiar. de aynod, cp, 63 ^ welche Stelle vielleicht die Donatisten im Ange
hatten, da sie ihnen convenirte.
') Auguitm.f contra epistoL Portnentant^ i, 4.
*) tibell. precum cp,l — fctotm praevaricatoribug , ut non dicamtts, qma fant Aoe-
reiicit.
*) MacedcLf p. 187, — Adeo foede in hac Hoaii narratione äberrtmt , iiaque falsa veru
admiicmit, ut ez yfmt txtundere aliud vix queas quam didicisse nimorem de laptu.
•) S. 228 ng. - 1. 2, 31.
S« 6. Die Zeugen gegen Hoaius. 261
angesogen, dass ConstantiuB durch ein Edikt deren Aasliefening be-
bhlen, daas HoBius damals in Sirmimn gewesen (im J. 351), dass er
ichläge und Qualen erduldet, und dass er den damals erlassenen Glau-
»ensfoimeln sich beigesellt und sie unterzeichnet habe ^). — Bei solcher
]!onfiDBion kann Socrates kein Gewährsmann seyn.
Auch SoEomenus ist der Meinung von der Gleichzeitigkeit der drei
innischen Formeln, und sagt dasselbe von Hosius, wie und nach So-
xitea: „durch Sehläge gezwungen — stimmte er bei, und unterschrieb'^^).
- Später sagt er: ^^Hosius wurde zugleich mit einigen Bischöfe jener
regend, zur Aufhebung der Streitigkeiten zwischen Valens, Ursacius
nd Germinius (ist offenbar ein Missverständniss der Eingangsworte der
weiten sirmischen Formel) durch Gewalt in Sirmium gezwungen, und
atte eingewilligt, dass weder das Wort ^^gleichen'^ noch j^ähnlichen
V^eeens'^ gebraucht werde, — da diese Ausdrücke nicht in der heiligen
chrift vorkommen, und da es über den Geist des Menschen gehe, das
Vemea Gottes erforschen zu wollen ^).^ Dagegen ist neu und beachtens-
'erth der Zusaz:
yEudoxiuB (damals Eindringling in das Bisthum von Antiochien) —
shrieb also an Valens, Ursacius und Germinius einen Brief, worin er
lammt einigen Andern) ihnen Dank sagte, dass sie den Brief des Ho-
os hierüber erwirkt, und er schrieb es ihnen als Verdienst zu, dass
ie Abendländer nunmehr den rechten Glauben haben *).^ Dazu konmien
ie Worte in I. 4, 15 — ^^Als Eudoxius und Diejenigen, welche mit
im der Parthei des A^tius anhiengen , zu Antiochien den Brief des Ho-
m erhalten hatten, hatten sie das Gerücht verbreitet, dass auch Libe-
K.das Wort ^jgleichen Wesens^ verdammt, und nun bekenne, dass
T Vater dem Sohne unähnlich sei *).^ — (Auf das Siegesgeschrei der
aomöer in Antiochien — hielten die Semiarianer noch vor Ostern des
358 ihre von wenigen Bischöfen besuchte Synode zu Ancyra — , in
r sie u. a. die zweite sirmische Formel verdammten.) Wenn Sozo-
Bnus überhaupt ein zuverlässiger Berichterstatter wäre, so wären wir
der Annahme geneigt, dass Hosius wirklich an Valens imd Ursacius
len Brief geschrieben , und darin — sich seine Gemeinschaft mit ihnen
»llzogen habe. — Allein — wir können auf seine Aussage nur ge-
iges Gewicht legen, und meinen, dass, was er einen Brief des Hosius
jnnt, vielmehr ein Brief der drei Urheber der zweiten sirmischen Formel
*) e^ ayoepajg raig rore SoSeiöaig vxayogtvöeöi xai OweStro mcU wtiy^a^,
Socr. 2f 31,
*) Soz, 4f 6 — OtrfnjveOe rt xai vxeypoc^e.
') Ist offenbar Auszag aus d&r zweiten Formel, die Hosius unterzeichnet haben soll.
*) Sotom. 4, f2.
*) S^tzom. i, 15, — CeiUier, t, 4, 550 sq, — Petavius „Diss. de Sirmiensi et Ancjfrana
PUudoeynodo" appendix ed. t 2 — op, Epiphanü, — Maceda^ p, 188 — i89^
262 Beöhties Baeli. Siebentes Kapitel.
irar, mit weldiem sie die üeberse&dang dieser Foimel in den Orient
begleiteten y und worin sie die „Gemeinschaft^ des Hosias mit ihnen
meldeten.^). Dagegen hat Sozomenns die Nachricht von dem Danksagangs-
briefe des Eadoxius an die drei — nicht erdichtet ^ sondern dieselbe in
irgendeiner Qaelle gefanden , welche zur Zeit ftir nns nicht mehr vor-
handen ist — Da es sich hier um eine Nachricht über die strengen
Arianer handelt, so kann w sie not dem Anomöer — Philostorgins ge-
ftinden haben , dessen Eirchengeschichte uns nur in den Auszügen des
Photius erhalten ist^).
Philostorg^usy ebenso ein Gegner der flalbarianer, als der £adio-
liken, sagt (nach obigem Auszuge) über den „Fall'' des Hosius: jfi
selbst aber (der Kaiser) erschien in Sirmium, und verweilte dort Zi
welcher Zeit er auch den römischen Bischof Liberius y der von den B5-
mern gar sehr zurückverlangt wurde ; von seiner Verbannung befreite,
und ihn den — nach ihm Verlangenden zurückgab. Damals ab^r, sigt
dieser (Photius redet) , habe auch Liberius gegen das „Gleichen Wesens', '
und gegen Athanasius unterschrieben; ebenso auch der Bischof Hosius, tk '
eine Synode daselbst stattfand , und sie zur Uebereinstimmung führte *).* '
— Man sieht| dass dieser Bericht einen grossem Werth nicht heanspmeheo '
kann^ als der des Socrates und Sozomenus.
Theodoret erzählt nichts von dem Falle des Hosius. — In der — '
^istoria tfipariita'^ ^) kommen die Worte des Socrates vor, — Njce- ]
phorus Callisti folgt dem Socrates und Sozomenus ^). -* Vigilius vn *
Tapsus sagt: „Es kamen gegen die sacrilegische Einheit des gottlosen
Bekenntnisses, welche durch Hosius, Valens, Ursatius und Germini«}
und die Uebrigen von gleicher Schlechtigkeit in Sirmium geschrieben
worden war, alle morgenländischen Bischöfe zusammen (es waren viel-
mehr sehr wenige Bischöfe in Ancyra) , und gaben andere , das ist zwSlf
Erklärungen, welche in dem Concil von Nicäa nicht enthalten sind^].'
— Ich folge unbedingt der Meinung des Valesius und des Maceda^), dsss
dem Vigilius bei diesen Worten die Schrift des Hilarius: „Ueber die
Synoden*' vorgeschwebt oder vorgelegen habe. Denn dieser führt von
den achtzehn Anathematismcn der Synode von Ancyra nur zwölf ao*
Hilarius hat die fünf ersten und den lezten ausgelassen, und die übrigen
*) G, Hermant, 8, 3 — meint, der Brief des Hosias sei eben die Z'weite sirnil-
sehe Formel gewesen.
*) Philostorgius ist etwas aller als Socrates und Sozomenus. — Maceda^ p. tO'i ''*■
*y Philostorg. eccles. hisU l. 4, 3.
*) hisL trip, 5, 9,
*) NicepK Cal, Hb, 9, 31. 36.
•) Viffüius T, ach, Nestor. €t Eutych., 5, 3,
^ Maeeda, p, i95.
{. 6. Die Zeugen gegen Hosins. 268
ordiodox avugedeotet ^). — Vigüinsy der 140 Jahre nach dem Tode
des floeins lebte, hat kein Gewicht, und ist sehr oft falsch unterrichtet^
indem er u. a. die Pseudo- Synode zu Philippopolis, die sirmische Synode
▼on 351 j die Synode ron Ancyra von 358 — für katholische hält
Spätere Schriftsteller übergehen wir. — Von den Historikern der
neaem Zeit hat Baronius — mit dem Au%ebote aller Beredtsamkeit von
dem schauerlichen Falle des Hosius gesprochen , obgleich er nur zu-
giebty dass Hosius die zweite sirmische Formel unterschrieben (nicht
geschrieben) habe — und sagt, dass er (im J. 360) — in der Gemeinschaft
ier Kirche gestorben sei^). — Der Franzose Gottf. Hermant schreibt j^mit
Sehmerz und Thränen, und mit zitternder Hand'^ über den Fall des
Hosius ^) , obgleich nach ihm Hosius nur aus Zwang unterschrieben hat^
ond er die Sprache des Hilarius eine heftige nennt, da (}ie Eirchen-
geschichte den Hosius von allem (sonstigen) Verdachte gegen ihn frei-
ipreche, da selbst die Arianer zu Philippopolis ihm nichts vorzuwerfen
imssten. — unwahr ist es demnach, dass „der Fall des Hosius der
ie&te ist, der bisher in der Kirche vorgekommen^; denn selbst —
ivenn Osius die sirmische Formel verfasst hätte, so hob seine nachfol-
^de Reue alles wieder auf.
Tillemont, der mit Vorliebe von „dem grossen Hosius, dem Glau-
bensbekenner handelt^ *) , spricht von seinem Falle — in seiner schwan-
kenden Weise bald in schrecklichen, bald in mildernden Worten. —
^Seine Unterzeichnung (der sirmischen Formel), so erzwungen sie auch
var, hörte doch nicht auf ein Verbrechen zu seyn.*' — Alexander Na-
bfis spricht mit Mässigung von dem „Falle^ des Hosius. Er habe ge-
drungen unterschrieben, aber habe vor seinem Tode widerrufen. Die
juciferianer verdienen keinen Glauben*). — Noch nüchterner und bil-
iger urtheilt Remy Ceillier®). — Er verwirft durchaus die Angriffe
les Hilarius gegen Hosius, ;,der sich so zu sagen ausser Stand befand,
lie Wahrheit zu erkennen, und für das Werk des Hosius eine Schrift
lahm, die dessen Namen trug^ (vielmehr ihn nicht trug, wie noch heute
*) de synod. cap. i2 — 26.
«) Annales Baron, ann. 357 — nr. 14 (17) — 38.
*) Hermantf Vie de samt Athaneuef L 8, c. 3,
*) Mimoires, t. 7, 300 — 21 — Le grand Osius — Confesseur — ort. 1. Beßexions sur
sa chute. ort, 8. Chute d* Osius. Aach er sagt von Hilarius, »dass sein Eifer ihn
in seinen Kämpfen erregte und dass er, in der Mitte der Arianer befindlich,
die Dinge nicht so genau wissen konnte, und dass auch die Arianer dem Ho-
sius nichts vorzuwerfen wussten.** Tillemont hat in diesem Eap. die Worte
Hermants reproducirt.
*) NataUs Alex. saec. 4, dissertatio 32 — artic. 2 — Utrum Osius secundae Formulae
Sirmiensi subscripseritf ac in Haeresi sit defunctus.
*) R. Ceiüier, Eist d, auUurs sacrfy (nouvelU €diL)y t 3, p. 397 (396^-98),
264 Seclittee Buch. Siebentes Kapitel.
der Augenschein lehrt). „Wenigstenis kann man nicht leugnen, daae
HilariuB über das Leben des Hosius bis zur Zeit seines Falles übel unter-
richtet war^. Der einzige Umstand, dass Hosius nicht gegen Atbanasius
unterschrieben, müsse jeden Verdacht, den der heilige Hilarius und
einige andere der Alten über die Reinheit des Glaubens des Hosius ver-
breitet, aufheben. Denn hätte er die Formel der Arianer unterschrieben,
so würde er auch dem Athanasius Anathema haben sprechen müssen.
Der Italiener Casp. Saccareili lässt den Hosius unterschreiben. —
Er glaubt fast unbedingt den Aussagen der Luciferianer ^). — Die Dar
Stellung des Florez ^) — über das Ende und den Tod des Hosius ist —
über jedes Lob erhaben, und ohne Zweifel das Beste, was über ib
geschrieben worden ist, obgleich Florez vor hundert Jahren, und in
dem der fremden Literatur wenig erschlossenen Spanien, manche Quellen
nicht kannte, die uns heute zugänglich geworden.
Die ausführlichste Apologie des Hosius besizen wir von dem (ehe-
maligen) Jesuiten Maceda (nicht Macedo) u. d. T.: Hosius t>ere Howu
h, e« Hosius vere innocens vere sanctus, DissertaUones duae: 1) de com'
merMio M. HosU Cordubensis episcopi lapsu; 2) de sanctitate et euUu legi-
timo ^usdem; accedit 3) Poiamius innacensy innocentiae üf. Hosii vinda,
seu de mnoeentia Potamii Ülyisiponensis episcopi; deque emolumenJLo ta
M. HosU ismoeenltiam inde manantCy auctore Michaele Josepho Maeeda
pre^t>ffiero. Bononiae 1790^ ein starker Quartband von 492 Seiten. Diess
ist ein sehr verdienstliches imd gelehrte» Werk, aber seine Vorzüge
werden bedeutend in den Schatten gestellt durch das Bemühen, alle
Zeugnisse gegen Hosius als unterschoben zu erklären. Hosius ist über-
haupt nicht gefallen, und hat nicht gefehlt. — Die Zeugnisse des Atha-
nasius gegen ihn (oder vielmehr für ihn) sind unächt. — Athanasius
selbst hat von dem Falle des Hosius nie etwas gehört, sicher nicht
daran geglaubt^). — Maceda, der alles hinwegdisputiren will, über-
sieht, dass Athanasius den Fehler der Schwachheit keinen Fall nennt,
und dass er in ganz andern Ausdrücken von dem Falle des Liberiu:«
redet. — Maceda verwirft alle Stellen des Hilarius gegen Hosius als
verdächtig oder unächt. Es wäre die Nachweisung genügend gewesen,
dass Hilarius getäuscht worden. Der Brief des Eusebius von Vcrcelli
ist gleichfalls unächt. — Auch das Zeugniss des Phäbadius ist von ge-
ringer Bedeutung. Was die Spätem sagen, hat ohnedem keine Glaub-
») Hktor, tccUs. L 5 (Bomae 1111), p. HfjG - 51.
*) Erpanna sagradoy t. 10 (1716), p. KJfj—'JM j,El santo y gran Padre Osin."
*) Macetia — qt». 5. — Testimouia tria, qune ex S, Äthaiiasio afferri solent m //'W«w.
tpuria esMC prohantur — p. 51''^76, — cp. 6'. Ä. Athanasius nunquam vel auMviU 1*^'
credidU laptum H<mif p, 11^-80,
$. 6. Die Zeugen gegen Hosios. 265
irdigk^t — Also wird HoeiuB gereditfertigt^ indem alle Zeugnisse
er und gegen ihn — als unterschoben in Frage gestellt werden ^).
Trosdem findet sidi bei Maceda viel Neues und Treffliches — zu
insten des Hosius. Als im J. 358 Basilius von Ancyra nach Sirmium
m f und den Kaiser wieder von dem strengen zu dem halben Arianis-
18 hinübersogy als Valens und Ursadus von der zweiten zu der dritten
mischen Formel übergiengen, da — schüzten sie als Entschuldigung
re Unwissenheit vor» — Wäre Hosius irgendwie bei der zweiten sir-
sehen Formel betheiligt gewesen, so hätten sie sich nothwendig zu
inen Ungunsten hinausreden müssen. Aber sia, die vielgewandten,
^Iten den Schild ihrer Unwissenheit den Angriffen ihrer semiarianischen
sgner — und den Vorwürfen des betrogenen Kaisers entgegen. ^Warum
hmen sie sich,^ sagt er, „so sehr der Briefe des Hosius, lassen in-
dischen die zweite sirmische Formel ohne dessen Namen in die Welt
sgehen, obgleich darin die Namen des Valens, Ursacius und Germi-
iis ganz deutlich stehen? Warum produciren diese Füchse jenen Brief
cht?"*) — Es wäre in der That unbegreiflich, warum der Brief des
oaius sollte verloren gegangen seyn, — wenn er je vorhanden war?
Die spanischen Literaturhistoriker Nicolaus Antonio (in der neuen
usgabe von Perez Bayer) und de Castro — folgen dem H. Florez —
der Darstellung des Hosius nach^). /
Von den neuern deutschen Historikern^) sagt L. Stolberg von Ho-
ts: dass er endlich, mit Streichen misshandelt, ohne doch zur Unter-
brift des Verdammungsurtheils wider Athanasius vermocht zu werden,
th zur Kirchengemeinschaft mit Valens und Ursacius hinreissen, oder
slmehr in dumpfer Betäubung hohen Alters und ausgestandener, schmäh-
her Pein sich hinschleppen Hess. — Dass er auch das neue -^ Glau-
nsbekenntnis der Arianer unterschrieben habe, sagt Athanasius zwar
cht, und Sulp. Severus möchte es gern bezweifeln; aber so gern
*) p. 87 — 95 — cp, 7 — cp. 8 — 5. HUarii opera tnterpolata esse videntur in rebus
Hosiij 95 — 150, cp, 9 — de fragmentis äS. Uilariiy et epistola S. Eusehii VercellensiSf
151 — 172, — cp, 10 — de testimonio s, Phoebadii in Bosinvi, p. 172-176. — cp. IL
— de s. Epiphcmio, p, 176 — 81 — cp. 12 — de Sulpicio Severo, p. 181 — 186, —
cp, IS — dt Soerate, Sozameno, Cassiodoro et Nicephoroy p. 186 — 193. — cp. 14 -
de Philostorffio et Vigilio Tapsensi, p. 193-98. ^ cp. 15 — de MarceUino et Fau-
stino Luci/erianiSf ac de S. Isidoro Hispnlensi, p. 198 — 220.
^ Hilar. de apiod, cp, 79. - Sozom, 4, 13-14-15. — Ceillier, 4, 552, — Maceda,
p. 192.
*) Antonio, Nie, BibUothoca hispana vetus, cur. Fr. P. Ba^ero. MaL 1788, U 1 — cf,
dt Aguirre Collect. conciL HUp. t. i, excurs, V. — p. 264 sq, — Rodriguez de Castro,
Biblioteca espannola, tomo2, 1786 (Um, 1 , 1781) — 0«o, Obispo de Cordova,
p, 167 - 172.
*) Dm Ilfyricum sacrum^ t, 7 , p, 686 (1817) sagrt: Tandem Vaimtis dolo deceptus
(Osius), ac iormentis et illatis plagis compulsus secundae Sirmiettsi formulae subscripsit.
266 SeehBtes Bach. Siebentes KapiteL
wir es wollten, dürfen wir diesen Zweifel nicht hegen, da
die Aussagen seiner zwei heiligen Zeitgenossen, des Hilarins und des
Eusebias von Vercelli, so laut gegen ihn zeugen*). — Th. Kttt^rkamp
sagt: 9 An dieser Formel scheiterte die Tugend des ehrwürdigen Bisdioft
von Corduba; er hatte zu Sirmium sein Exil, wo er von Aher und Noth
tief gebeugt, vielleicht auch durch die eingewebten richtigen Grundsiie
getäuscht, sich verleiten liess, die Formel zu unterschreiben, worauf er
die Ik'laubniss erhielt, in sein Vaterland zurückzukehren^).^ Aehnlieh
sagt Ritter: „Alle menschliche Eraffe ist beschränkt; auch die Standhaf-
tigkeit des Hosius wurde hier gebrochen; er unterschrieb die Formel,
widerrief aber auf dem Todbette ^).^*^ — Alzog sagt: „Durch die —
angewandte List war selbst der greise Hosius in der Verbannnng ge-
täuscht, und zur Annahme der zweiten sirmischen Formel vermocht
worden ♦).*' Nach Hefele ist Hosius durch — Vexationen aller Art zur
Unterschrift dieser Formel endlich gezwungen worden, aber Hilarins
thue dem Hosius gewiss Unrecht, wenn er ihn — för deren Verfasser
erkläre *).
Viel ausftihrlicher, und mit Ausschmückungen, denen die firanzösisdie
Oeschichtschreibung sich nicht so leicht entziehen kann, berichtet Alb^
de Broglie den „Fall'^ .des Hosius^). Nach ihm hatte Constantius, auf die
Nachricht, „dass dessen Verstand schwach werde, den Hosius kommen
lassen, hoffend, dass seine gewandten Räthe Valens und Ursacius endlich
seinen Widerstand brechen würden. Er kam, begleitet von PotamioB
von Lissabon. Einen Monat lang wurde der — mehr als hundertjährige
Greis belagert mit Andringen, Drohungen, Zusezungen jeder Art Eine
harte Wohnung unter einem rauhen Himmel^), fem von der Sonne
seines Vaterlandes — war die geringste der Qualen, die man ihm auf-
legte. Tausend Beraubungen erhöhten für ihn die Schwächen des Alten,
und gleichzeitig verfolgte man ihn mit Argumentationen und Sophismem,
denen sich sein sehr einfacher Geist immer mit Mühe hingegeben hatte,
und denen sein geschwächter Verstand jezt nicht mehr nachkommen
konnte®). Endlich ebenso müde, wie betäubt, nicht mehr begreifend,
') Fr. L. Stolberg, Geschichte der Religion J. Chr., 11. Tbl., 1817, 8. 183.
*) Th. Katcrkarop, des ersten Zeitalters der Kirchengeschichte zweite Abtheilaog)
1825,8.218-19.
•) Jos. Ign. Ritter, Handbuch der Kirchengeschichte, 5. Aufl. 1854, 1, 195.
*) Job. Alzog, Univcrs. Geschichte der christl. Kirche, 7. Aufl. 1859, S. 261. ^
Ebenso Ä. GiUzel, Kirchengeschichte, Bd. 2 (1847), S. 226.
») Hefele, Concilien-Gescbichte, 1855, Bd. 1, S. 653—54.
•) A, de Broglie, t. 3; 18 sq, (s. den Titel — 8. 139), p. 383-85.
0 Doch hatte Kaiser Probus dort den Weinbau eingeführt.
*) auxquels stm esprit tr^^aimpU s'^tait toujours difficUemmt prSU, €t auxqueU sa tetc
affaiblie ne pouvait maintenant plus »uffire.
'rr
e auch Liberius schwach').^ — Also der französische Publizist und
riker.
Von den deutschen protestantischen Historikern schweigen Gieseler
K« Hase über Hosius. August Neander sagt: ;,Indem man die
rzeichnung dieses Bekenntnisses durch den in der Verbannung
iden — Oreis Hosius, der auch für den Urheber des Bekenntnisses
^eben wurde} erzwang, wollte man demselben desto mehr Gewicht
(haffen ^).^ Endlich sagt Guericke, dass Valens und Ursacius lügen-
die Abfassung des zweiten Sirmischen Symbols — dem Hosius zu-
iricben^).
Ich selbst bin noch im Jahre 1861 — unter dem Banne der allge-
en Meinung über und gegen Hosius — gestanden. — Ich habe mit
tt gesagt: ;,Es wird allgemein zugegeben, dass — Hosius die söge-
te zweite sirmische Formel unterzeichnet habe*).*' — Seitdem habe
lurch längere und eingehende Beschäftigung mit dem Streitpunkte —
▼on dem Unrechte der allgemeinen Meinung, und auch meiner da-
jen Meinung gegen Hosius überzeugt — Ich leiste nun froh-
en Herzens — einen lauten und aufrichtigen Widerruf.
US ist besser, als sein Ruf. Hosius ist nicht gefallen, sondern hat
08 Schwachheit gefehlt Zwischen der Gemeinschaft mit Valens,
cras und G^rminius, und der Unterschrift der zweiten sirmischen
ael — ist ein Unterschied wie zwischen Fehler — und Fall.
Hiezu als Beweis die Citate: MarceJl p. 34. — AihanoM. solit, 840—41. — So-
2om. 4, 12. — Effqthan. 73, 14. — Soor. 2, 31. — Aihanaa. dß «yn. 902. 904. —
HUar. 1156.
Allgemeine Getehichte der christlichen Religion und Kirche, von Aug. Neander,
IL .^ - 1829. 8. 86.^.
Achtes Kapitel.
Der Tod des Hosins — zn Sirminn — am 27. Äugest,
357 n. Chr.
§. 1. Der selige Tod des Hosius.
DenFehler, welchen Hosius in seiner Nachgiebigkeit begangen, sühnte
und tilgte er durch aufrichtige Reue und Busse. „Aber auch dieses
(diesen Fehler) vernachlässigte der Greis nicht ; denn — als er am Ster-
ben war, legte er, wie in Form eines Testamentes, Zeugniss ab von der
(crlitt^ien) Gewalt, er sprach das Anathema über die arianische Eeserei,
und er verlangte, dass Niemand sie annehme^ ^),
So weit Hosius gefehlt, so hat er seinen Fehler — vollkommen
ausgegh'chcn. Er hat bezeugt die Gewalt, d. h. er hat erklärt, dass er
nur der erlittenen unerträglichen Gewalt gewichen sei. Er hat diess in
Form eines Testaments, d. h. feierlich vor dem Angesichte Gottes, vor
dessen Gericht er treten sollte, erklärt, und — im Angesichte der Mai-
schen, die nicht richten sollen. — Er hat das Anathema gesprochen über
die arianische Häresie, damit Niemand glaube, dass seine vorübergehende
Gemeinschaft mit — Valens und Ursacius — ein Uebergehen zu ihrer
Häresie sei. — Es ist unwandelbare Lehre der katholischen Kirche, dws
die Sünde — durch auiGrichtige Reue und Busse gesühnt und au%ehoben
wird, — dass die verlorne Gnade wieder gewonnen wird. — Indem (Jotl
dem Hosius vor seinem Tode die Gnade des Widerrufs und erneuerter
') dXla Hai ovt(iK owt rffiilrjOtv 6 yigtofv. fuJUMV yap dßtoSvijöKetv , taöxig dtanSf-
fitvof efMttQTVQOTO Ttpf ßucv , Mai Tvpf 'Agtuxvfjv tapeCiy dvaSefiart^e , Mai xcc^i^tdf
fjofdiva Totvnpf axodixe<f^€u. Ath, hist Ar. cp, 4ö,
.->,—,
MM^m m^-^A a*^« ■» ^h«^i^^*^ * ^4k»
Schritte auffa&ufteM.''
§. 2. Hosius starb am 27. August 357.
losius starb in der Verbannung — nach dem Berichte des Atha-
;. Athanasius berichtet mehrfach über den Tod des Hosius. Die
%! in der er darüber am genauesten berichtet, wurde im Jahre 357 oder
^rfasst — Er schrieb an ^^seiner Geschichte der Arianer an die Mönche^,
och Bischof Leontius Castratus von Antiochien lebte ^j, an dessen
spätestens der Arianer Eudoxius im Anfange des J. 358 trat Er
Ltet in seinem Werke noch den Tod des Hosius, und den — Mitte
. 3Ö8 — erfolgten Abfall des Liberius von Athanasius. — Man sagt
dass Athanasius noch Ergänzungen zu seinem Buche gemacht, in-
ir dasselbe — u. a. von den Mönchen, an die er es gesendet, zurück-
igte^). — Allein — ich sehe nicht ein, warum Athanasius — nicht
ore Jahre an diesem Werke sollte gearbeitet haben. Warum muss
lenn sagen, er habe es am Ende des J. SÖ?^ oder Anfang des J. 358
st? Er kann ja ebenso gut in den J. 356, 357 und 358 daran
eitet haben. Als er das Buch anfieng, lebte Leontius noch (357 j;
es zur Hälfte vollendet, konnte er den Tod des Hosius und den
l des Liberius schon erfahren haben*),
iber — wenn Hosius nach Spanien zurückgekehrt, so hätte Atha-
— wohl nicht einmal seinen Tod, geschweige denn — die nähern
inde desselben erfahren können. — Ueber Spanien erfuhr man im
mlande nichts, gar nichts. — Eusebius von Cäsarea, und alle fol-
n Kirchenhistoriker — - erzählen nichts von Spanien, weil sie nichts
iesem Lande erfethren haben. — Nur Hioronymus hatte einige Nach-
n aas und über Spanien, die er theils von Palästina-Reisenden, wie
270 Sechstea Buch. Achtes Kapitel.
z. B. VigilantiuSy Orosius, theils brieflich, wie von dem Bätiker Luciaiiu
erhalten , dem er im J. 394 — einen Brief ^ Antwort auf einen oder
mehrere erhaltene Briefe schrieb, und der durch mehrere von Spanien
gesendete Copisten sämmtliche Werke des Hieronymus für sich abadirei-
ben liess^).
— Dass man in Spanien nichts ans dem Morge&lande, niohti im
Morgenlande von Spanien, wenn nicht in den grössten Zwiscbenrämneii,
und mit den grössten Entstellungen, erfuhr, beweist auf das Schlagendste
— Idatius, der jedenfalls nach dem J. 427 seine Chronik ^bu schreibeD
begann. Er wusste damals nicht, und konnte es nicht erfiEÜbüpen, w«
nach dem Tode des Theophilus (f 412) Patriarch von Alexandrien ge-
worden war^). — Zum J. 435 schreibt er, dass der Priester Germanus ans
Arabien nach Galizien gekommen, und dass man durch seine Aussagen,
und die Erzählung von Griechen erfahren habe, dass der Bischof Juvenal
von Jerusalem mit andern Bischöfen Palästina*8 und des Orients nach
§
Constantinopel (vielmehr nach Ephesus im J. 431) berufen worden sei,
wo — in Gegenwart des Kaisers Theodosius 11. — eine Synode stiti-
gefunden habe, um die Häresie der Ebioniten niederzuschlagen ^ welche
Nestorius wieder erweckt habe. Dem fügt er bei:
„Zu welcher Zeit aber die Heiligen Johannes (von Jemsalem),
Hieronymus und andere, die oben erwähnt wurden, gestorben seien,
oder — wer auf Johannes vor Juvenal gefolgt sei, indem nemlieh
bekannt ist, dass ein älterer Mann kurze Zeit — Bischof gewesen id,
das hat die Bede der Erz&hlenden uns nicht mitgetheilt^).'^ '^
Zum Jahre 436 sagt er : „dass zu einer und derselben Zeit xu Ale» i
zandrien Cyrillus, zu Constantinopel Nestorius der ebionitische Eenr
Bischof sei, das zeigt der Brief desselben Cyrill an Nestorius. — Diese
Briefe sind mit anderm zu uns gebracht worden.^
Also erst 24 Jahre nach dem Amtsantritte des Cyrill erfuhr man
in Spanien, dass derselbe Bischof von Alexandrien sei, aber — mm
hätte es nicht erfahren, wenn nicht die Irrlehre des Nestorius — aus-
gebrochen wäre.
Diess ist mehr als genug für den Beweis, dass Athanasius in seiner
Verborgenheit weder die Nachricht von dem Tode des Hosius, noch
weniger die nähern Umstände desselben erfahren hätte, wenn — der-
selbe in Spanien erfolgt wäre.
Wir — in Deutsdiland sind heute Spanien doch ohne VergjkllkDg
näher, und durch den Schienenweg — noch näher gerückt Aber —
*) Hieron, ^. 71 ad Luomium Baedeitm,
*) IdcUii chronicon ad ann, 416. — Älexandrinae eccUsiae pa$t Theopküum qms pnun-
derii, ignoram kaec seribenM.
*) Johannes war Bischof von 381 bis 417> PrayUis von 417 bis 418 oder 420, Ju-
venal von da bis 458.
$. 2. Hosins starb am 27. Aaguat 357. 271
aa können wir denn von dem kirchlichen Leben in Spanien erfahren?
- Wenn Verfolgungen ausbrecheni bekommen wir einzehie Nachrichten,
Zeiten der Buhe — keine. Todesfälle von Kardinälen , Erzbischöfen
id Bischöfen erfahren wir niemals. — Kirchliche Blätter aus allen
indem sind uns zugänglich. — Aber nach spanischen sehen wir
\B vergebens um.
Die Nachricht des Athanasius über den Tod des Hosius — ist ein
dierer Beweis^ dasa derselbe in der Verbannung gestorben sei; ferner,
k seine Schrifk — an die Mönche nicht später, als im J. 358 geschrieben
pk kann, sum Theil im J. 357 vor dem Tode des Leontius Castratus
»n Antiochien, der im J. 357 oder Anfisrngs 358 starb, — da die Nach-
3hten von Sirmium — bis zu Athanasius in seiner Verborgenheit --r-
enigstens 3 — 4 Monate unterwegs sejn mussten, so müssen wir den
od des Hosius noch in das J. 357 sezen.
Wir gehen über zum zweiten Beweise. Ihn bieten die griechischen
eniien '). Sie feiern das Andenken des Hosius am 27. August, als dem
Ige seines Todes, und sagen u. a. : „Er (Hosius) wiurde, da viele andere
isdiofe von Gonstantius von ihren Sizen vertrieben wurden, weil sie
die Absezung des grossen Athanasius nicht willigen, oder besser ge-
gt, weil sie in die Irrlehre des Arius nicht einwilligen wollten, in die
erbannung geschickt, und nachdem er viel Hartes erduldet hatte, fand
in derselben seinen Tod^).''
In den griechischen Menologien und Menäen wird, wie in den latei-
sehen Martyrologien , Brevieren, Legenden u. s. w. in der Begel das
odächtniss der Seligen und Heiligen an dem Tage ihres Todes angesezt
d gefeiert. Nun finden wir zum 27. August auch das Gedächtniss des
ipstes Liberius , welcher am 24. September (366) starb. — Aber das
edächtniss der beiden Männer wurde in der griechischen Kirche an
lem und demselben Tage gefeiert, wegen der Gleichheit ihrer Kämpfe
id Schicksale, und weil sie in den Augen der Orientalen die Vor-*
mpfer des Abendlandes für Athanasius waren. — Sie sind an dem-
Iben Tage zusanunengestellt, etwa wie die Päpste Soter und Cajus am
1» April, die Päpste Cletus und Marcellinus ^) am 26. April, zusammen
0 Ueber die Afenaeen und das Menoloywm der Griechen (die sich zu einander an-
Blli^tnd verhalten, wie die Heiligenleg^ende, oder auch das Brevier zu dem
Mtrfyrologium) s. Leo AUatnu dt Ubria €cekna$tici§ Graecorum — Par, 1645;
Fabricius, bibliotheca praeca, ed. HcurUsSf t 10, Hatnb. 1S07, p. 140 sq, — Acta
Sanctor. t. 1 Februarii, et ad d. 10 Martii. — Menaiea graecae eccles, — 12 tom.
in 4 voL fol, Venetiis, Pineüi 1623—29; 1643-48; 1684; Venetüa 1820, 4 Um. in
3 voL 40. — 1843, 12 part. in 3 voL 4©.
*) ovrof — *y e^o^ia xcc^exifipSr]^ xai xoJUa dvöxe^ Ma^re^ijC€cg — ev avrj rw ßicv
xarelüöe — ad 27. Aug. — Aehnlich das griechische Menologium zum 27. Aug.
— «d. ürbini 1727, wovon unten«
') Er starb wahrsch. den 24. Oct. 304.
272 Sechstes Buch. Achtes Kapitel.
gefeiert werden (und wie auch nach der Meinung vieler Petrus und
Paulus, die nicht an demselben Tage gelitten, dennoch an demselben
Tage gefeiert werden). Von Cyprian und Cornelius, die am 18. Sept
gefeiert werden, sagt schon Hieronymus, dass sie nicht in dranselben
Jahre, aber an demselben Tage (14. September) gelitten hatten^).
Da nun Liberius nicht am 27. August starb, so erfolgte der Tod des
Hosius an diesem Tage. — Aber — woher wussten die Yetüjsaer der
Menäen den Todestag? Dass Hosius in der Verbannung gestorben sei,
konnten sie aus den Zeugnissen des Athanasius ersehen; keineswegs
aber, dass er am 27. August gestorben. Wir müssen danmn anndmien,
dass er an diesem Tage schon von Anfang an, d. h. sogleich nach
seinem Tode in die Kirchenbücher, oder in die Diptychen der Kirchen des
Orients eingetragen worden sei. Florez hat, wohl zuerst, auf diesen
Beweis kurz hingewiesen^); ebenso kurz Maceda^).
Erfahren wir aus denselben den Todestag des Hosius, so doch nidit
das Jahr. — £s kommt aber zur Bestätigung des Jahres 357 uns ein
Gesez entgegen, welches Constantius am 28. August 357 nach Spanien,
und zwar nach Corduba sendete. — Vom J. 336 bis zum 28. August 357,
und wieder vom J. 341 bis zum J. 365 wurde kein Gresez nach Spanien
erlassen. Speziell in den 1 1 Jahren der Alleinherrschaft des Constantiue
von 350 bis 361 erliess derselbe nur ein einziges Gesez nach Spanien,
das vom 28. August des Jahres 357, an dem Tage nach dem Tode de«
Hosius^). £r erliess diess Gesez nicht nach Sevilla, den Siz des Vicarius
für Spanien, nicht nach Tarraco oder Emerita, sondern nach Corduba,
den gewöhnlichen Wohnort des Consulars oder Proconsuls fUr die Pro-
vinz Bätika. — Das müsste denn doch einer der wunderbarsten Zufälle
gewesen seyn, wenn dieses Zusammentreffen ein zufälliges gewesen wäre,
wenn unter den vielen tausend möglichen Tagen der Sendung — der
Zufall gerade auf den Tag nach dem Tode des Hosius gefallen wäre. —
Warum aber — an diesem Tage — Constantius ein geldeinbringendes
Gesez nach Spanien zu senden Anlass und Gelegenheit hatte, wollen
wir im nächsten Kapitel untersuchen.
Man beachte aber, dass die Menäen der Griechen den 27. Augost
als Tag des Todes des Hosius angeben, dass nach den Berichten des
Athanasius der Tod des Hosius nicht wohl später als im J. 357 eing^
treten seyn kann, man beachte ferner — das ausdrückliche Zeugniss der
Menäen, und das indirekte Zeugnis» des Athanasius , dass Hosius nicht
') HUron, cp. 67 de vir, iüust,
«) £sp. sagr. 10, 202.
') Aguirre — dissert 2, exe, 1 — sagt, Hosias habe wegen Schwäche nicht nach
Spanien zarfickkehren können (pia Osii mort apud Sinnium),
*) lex 3, de honit pro§aiptor%am — Ctulesäno consulari Baetioas, 5 CaL S^temb. DtiL -
(wann in Cordaba angekommen, wird nicht gesagt).
$. 2. Ho8iu8 starb am 27. Aa^it 357. 278
D semem Vaterlande, dass er als Verbannter gestorben , man beachte,
Ias8 AD dem Tage nach seinem Tode der Kaiser von Sirmiam, wo
r damals weilte , ein Gesez nach Spanien, und zwar nach Corduba, den
iiacbofssis des Hosias, richtete , nnd man wird vielleicht zageben , —
lass die Annahme und Angabe von dem am 27. August 867 erfolgten
Tode des Hosius zu Sirmium — nicht mehr den Namen einer leeren
I}rpothese verdiene , dass sie einen hohen Grad geschichtlicher Wahr^
eheinliehkeit gewonnen habe. Trozdem — ist es noch heute ziemlich
llg«meine Annahme, dass Hosius im J. 859 in seiner Heimath Spanien
gestorben sei ^) , wenn auch das Mährchen der Luciferianer über seinen
ngischen Tod keinen Glauben mehr findet — Ja nicht Wem*ge —
baben bis auf die neuere Zeit die Zeit seines Lebens bis zum J. 361 aus-
dehnt, wie Baronius, der seinen Tod zwar in das J. 860, aber doch
mch in das Todesjahr des Constantius, d. i. 361 , sezt ^), während Albert
Fabricius seinen Tod ohne Weiteres in das J. 861 versezt'). -> Aber,
wenn sich der Beweiss beibringen liesse, dass der Nachfolger des Hosius
schon der Synode von Rimini im J. 350 angewohnt habe, so könnte
man den Tod des Hosius nicht wohl später, als in das J. 358 ansezen.
Von Allen wird Hjginus als Nachfolger des Hosius bezeichnet und
ingenommen *). — Bis jezt war diese unmittelbare Nachfolge mehr oder
weniger zweifelhaft, weil Hygin in der Kirohengeschichte erst in den
J. 380 bis 387 hervortritt -^ Aber wir haben ein Verzeichniss der
14 Bischöfe, welche als Gesandte der Synode von Rimini, zu Ustodizo
oder Nice in Thraden — am 10. October 359 vom Glauben abfielen.
Diese Bischöfe sind: Restitutus, Gregorius, Honoratus, Athenius, Iginus,
(iL i. Hyginus), Justinus, Priscus, Primus, Taurinus, Lucius, Mustacius,
Urbanus, Honoratus, Solutor^).
Ucbcr die Träger dieser Namen habe ich eine Untersuchung ange-
stellt, deren Ergebnisse u. a. sind, dass die Bischöfe zu Rimini, un-
gefähr nach der Zahl der Bischöfe aus einzelnen Ländern, ihre Ge-
sandten an den Kaiser auch aus den Bischöfen der verschiedenen in Rimini
vertretenen Länder auswählten, dass sie also einem Geseze der Billigkeit
und Klugheit folgten, welches in ähnlichen Fällen überall angewendet
wird. — Da Afrika stärker , als jedes andere Land , zu Rimini vertreten
') Also a. a. Pressel ia dem protest. Kircbcnlexikon von Herzog A. Hosius, während
er nach Hauswirth (in dem Freiburger Kirchenlexikon) uro das J. 358 in Spanien
starb.
') Baron, tmnaL 357, nr. 36S9,
*) Fabric. btbUoth, ffraeca, L 9, />. 298 — ed, Harh» — > DiacMtU e vUa major centenario
a, C\ 361.
*) Etpamta Mogradoj tO, 214—218, Hygino, Detde cerca M35S, ka$ia cerea del 388.
*> er optrß kisior. Fragmmu. 8. — ^«sAi, M praevarieaii nmt Uffoii a fidt vera, mcqnimt
(An. 359, die 10. octob).
Garns, Span. Kirche. II. 18
274 Sechfites Bach. Achtes Kapitel.
war, flo sandte es auch mehr Deputirte. Restitutio Ton> Garthago war
Haupt der Oeaandtsehaft. Nebstdem sind zwei Bischöfe HoDoratos ge-
nannt ^ ein Torwiegend afrikanisdier Name. Der Name Athenius kommt
in Gallien und Afrika vor. — Solutor ist ein afrikanischer Name; ebenso
Primus. Prisous kommt in Afirika und Gallien Tor« — Muatadua ist ein
spanischer Name. Lucius kann jener Bischof dieses Namens seyn, welcher
im J, 380 der Synode von Zaragoza anwohnte *) , und daselbst das Pro-
tokoll verlas« Doch ist der Name Lucius über die ganze Kirche ver-
breitet — Wir nehmen von den 14 Gesandten etwa 6 für Afirika in
Anspruch 9 3 für Spanien, nämlich Mustacius, dann den Bischof Hygin»
von Corduba, und den Bischof Gregor von Elvira (wovon unten).
Die übrigen sechs — waren Gallier, u. a. Taurinus, Italiener, etwi
Justinus, Urbanus, und lUyrier.
Aber — ist denn Hygin ein spanischer Name? Wb kennen (neben
dem bekannten Grammatiker) nur den Papst dieses Namens, und den
Bisehof von Corduba. Es ist mir bis jezt nicht gelungen , einen andern
Bischof, oder überhaupt einen andern Träger dieses Namens zu entdecken.
D^ Name ist so zu sagen ausgestorben, oder vielmehr — nie in das
Leben getreten. Nun vereinigen sich aber eine Menge von UmstilndeD,
die dieser Vermuthung entgegenkommen, dass Iginus zu Nice im J. 369
derHyginus von Corduba sei, der in der traurigen Geschichte Priacillian'fl
eine so traurige Bolle spielt. Als ihn Ambrosius um das J. 387 bei
Trier sah^ war er unter der Wucht des Alters und der Leiden erlegen^).
Als Hieronymus im J. 302 sein Büchlein j,Von den berühmten Mftnnern'
schrieb, war Gregor von Elvira sehr betagt, aber er lebte nocL -*
Nun erzählt Sulpicius Severus von den Gesandten der Orthodoxen in
den Kidser: i,Von unsrer Seite werden ausgewählt junge Leute, ohne
Gelehrsamkeit und ohne Vorsicht^).'' Diess trifft auf Hyginus gensa
zu. Da er noch im J. 387 lebte, war er 359 noch ein junger Bischo£
Seinen Mangel an Vorsicht hat er später mehr als genug bekundet, und
von seiner Gelehrsamkeit erfahren wir nichts. — Er fiel zu Nice ans
Schwachheit Auch darin blieb er später sich treu, da er zuerst ein
Gegner, später ein Anhänger Priscillian's war. Da femer jüngere Bi-
schöfe leichter zu Concilien reisen , als ältere , so begreift sich auch hi0^
aus leichter seine Anwesenheit in Rimini. — Eine besondere Beachtoog
aber verdient der Name. — Da er der einzige Uyginus seiner Zeit wir,
') CanciUum CaeMoraugust, primum 12 qftscoporum, Redtentur — fenfenluM. I^aut ^
scoput Uffit, cf. ColUct, can. eccl. Hispan.
*) AmbroM, ^isL 24 VaUnL Eyginum episcopum senem in exiUum dud eomperif €ui mB
jam nin exirmmu tupereiset gpiritiu,
*) Sulpic^ Seo. k 9, 2, 41: »ßd tx parU noairorwm Uguniitr Aoaimcf adoU$cmita§f panß
düdi Mt ttamMt ifntti
lg über den sogleich erfolgten Tod des Uosiua. — Hoiiiis 'fiel,
luiiu, so tief, einmal, damit die Welt erkenne, wie er bta jest
labe (ittireo at raervatut ne judieio hmnano ignoraretur, quaii»
Met — «9. ßS). Nachdem aber dieses 6tra%ericht an ihm roll*
«r, folgte du weitere Gericht seines alsbaldigen Todes. — Den
I. h. den sogleich erfolgten Tod des Hosins, schiebt der heilige Hi-
eichsun als von ihm selbst eraehnt — ihm zu. Er hatte eine
rke Sehnsncht nach seinem Grabe, darum starb er auch sogleich.
angeführten GrUnden, welche fUr den zu Sirmium erfolgten
Hosins Straten, stellen wir nun die schwachen Gründe entgegen,
is jezt so ziemlich alle erlegen sind, die Über den Tod des
schrieben haben. Denn mit Ausnahme der Spanier Agnirre,
&jitonio-Perez Bayer und des Maceda — haben alle mir vorliegen-
riftsteller die Rückkehr des Hosius nach Spanien angenommen,
-gius also verdient keinen Glauben, wenn er, nach einer blossen
lung, und der Analogie mit Liberias, welcher nach Rom zurOck-
behauptet, dass auch Hosius seinen bischöflichen Siz wieder er-
be. — Das Zeugniss des Gr^or von Elvira aber fiült mit dem
iden Anhänger Faustin und MarceUin zusammen. — Jenes haben
1 mitgetheilt (8. 256j. Gregor rühmt sich , dass er dem lieber,
losiue widentanden habe {b-tauffreMaori te Otto didiei retliti$ae).
und Weise dieses erdichteten Widerstandes hat aber Gregor
leiden AnbHngem mitgetheilt, und sie erzählen dem Kaiser
iuB, was sie für wahr halten, was aber Gregor nach dem
ber 359 erdichtet, und w^ter ansgesponnen hatte,
ius also, erzählen sie, auf die Klage des Potamius zu Constantfns
erschreckt durch Drohungen, und aus Furcht, er — reich und ein
lochte Verbannung und Aechtung erleiden, gtebt seine Hände da
276 Sechstes Buch. Achtes Kapitel.
mit ihm^ der bereits abgefallen "war, nicht Gemeinschaft halten wollte,
er in die Verbannung geschickt werden sollte. Aber eu dem hdligen
Gbegoriusy dem standhaftesten Bischöfe der Stadt Elvira, brachte ein zu-
verlässiger Bote die Kunde von dem gottlosen Abfalle des Hosius. Damm
fügte er sich, eingedenk des heiligen Glaubens und des göttlichen Gte-
richtes , nicht in die verbrecherische Gemeinschaft mit ihm. Hosiua aber,
dem es eine um so grössere Qual war, wenn Jemand nach aeineiii
eigenen Falle aufrecht stand, mit unversehrter Festigkeit des Schrittes
den reinen Glauben wahrend, liess durch die Staatsgewalt den Gregor,
den Mann des starken Geistes, herbeibringen, indem er hofifte, dass er
demselben Schrecken nachgeben werde, vor welchem er — * Hosius —
gewichen war. Es war aber damals Clementinus Vicarius (d. h. oberster
Beamter in Spanien), welcher nach einem Einvernehmen mit Hosius,
und der allgemeinen Vorschrift des Königs, den heiligen Gregorios
durch das Gericht nach Corduba einbringen liess.
Inzwischen sezte das Gerücht alles in Unruhe, um die Sache ntther
kennen zu lernen, und das Volk fragte sich aligemein: Wer ist denn
dieser ' Gr^^orius, welcher einem Hosius zu widerstehen wagt? denn
die Meisten wussten noch nichts von dem Falle des Hosius, auch hatten
sie es noch nicht so recht erfahren, wer denn der heilige Gregorius s^
Er war auch bei denen, weldie ihn vielleicht kannten, noch ein gem^er
(rudU) Bischof, obgleich er bei Christus kein gemeiner Vertheidiger des
Glaubens war, nach dem Verdienste seiner Heiligkeit Aber nun siehe
— man gelangte zu dem (Reichs-) Vicar, und viele von den Verwal*
tungsbeamten waren anwesend, und Osius sizt da als Richter, ja sogsr
über dem Richter, sich stüzend auf den königlichen Befehl; und der
heilige Gregor , nach dem Beispiele seines Herrn , steht als Schuldiger
da, nicht in einem schlechten Gewissen, sondern nach der Stellung
des gegenwärtigen Gerichtes: übrigens durch seinen Glauben war er
freL . Gross war die Erwartung aller, nach welcher Seite sich der Si^
neigen werde. Und Osius stüzt sich auf das Ansehen seines Alten,
Gr^or aber stüzt sich auf die Auctorität der Wahrheit Jener hat Ve^
trauen auf den irdischen König, dieser dagegen Vertrauen auf den
ewigen König. Und Osius stüzt sich auf die Schrift des Kaisers, aber
Gregor hält hoch die Schriften des göttlichen Wortes. Und da Osius
in allem widerlegt wird, so dass er durch seine eigenen Aussprüche,
welche er früher ftir den Glauben und ftir die Wahrheit geschrieben
hatte, überwiesen wurde, sprach er aufgeregt zu dem Vicare Clemen-
tinus: Dir ist nicht die Untersuchung übertragen, sondern die Executian.*
du siehst, wie er den königlichen Befehlen widerstrebt: vollzieh* also^
was dir aufgetragen ist, schicke ihn in die Verbannung. Aber Clemen-
tinus, obwohl er nicht Christ war, bezeugte doch Achtung vor der
bbchöflichen Würde, besonders an einem solchen Mann, der dieselbe
in seinen Augen mit Anstand und Treue aufrecht hielt , und antwortete
ind Todten zu richten, gestatte heute nicht, duB ein menscUioher
xpnch gegen midi, deinen geringsten Knecht, auggetproehen
der ich, fOr deo Olauben deines Namens, als ein Schuldiger
ihend, zum Schauspiele geworden bin. Du selbst, ich bitte dich,
ikeute in deiner Sache; da selbst wirst dich würdigen, den ür-
-nch als Bücher zu fällen. Ich wttnsche nicht, dase du dieses
weil ich die Verbannung fürchte, da mirfflr deinen Namen jede
Qss ist Aber Viele werden von den Lrwegen der AbtrUnnigkeit
^fUhrt werden , wenn sie die gegenwärtige und plSzliche Strafe
ne 80 chriirtliche Bitte zu erhSren, konnte Christns der Herr nicht
yDenn da er noch viel neidisdier und heiliger Gott mit s^en
«n Worten interpellirta ') , siehe pltizlich, während Hosins die
E sa Bprecheu wi^, verserrt er den Hund, verdreht er znglcdch
cken, und wird er von seinem Size auf die Erde heruntergewor^,
acht hier aus, oder, wie einige wollen, verstammte er. Sofort
er wie todt hinweggetragen. Als sich nun alle wunderten, wurde
mer Heide Clementinus schreckenbleich. Und obgleich er Richter
ürchtete er sich doch, es möchte gegen ihn mit einer Khnlichen
träfe vorgegangen werden, und warf sich zu den Füssen des
1 tfannes nieder, und beschwor ihn, er möohto seiner schonen,
g^en ihn nur aus ünkenntniss des gOttlicboi Gesezee gefehlt,
^t so fast aus eigner Willktlr, als auf das (^eheiss seines Anf-
tem. — Dann war starres Staunen in allen , und die Bewunderung
e gSttliohe Kraft; denn in ihm ist ein ganz neues Schauspiel ge-
worden'). — Denn Jener, welcher ein menschliches Urtheil ver^
m wollte, erlitt alsbald ein göttliches schwereres Urtheil: und
liter, weldier zum G^erichte gekommen war, fürchtete blass und
278 Seckttet Bach. Aelites Kapitel.
knieenden Biobter gebeten ^ dass er als Richter seiner schone. Diess ist
der Grund, dass Gregorius aus der Zahl derer , welche den reiMB
Glauben vertheidigten , weder in die Flucht getrieben, noch io die Ve^
bannung gejagt wurde, da Jedermann sich fürchtete, an ihm sich wdlor
lu vergreifen ^).
Seht ihr also die wunderbaren Documente des von Gk>tt bestraften
Abfalls? Ganz Spanien weiss das besser, dass wir dieses
nicht erdichten (in diesen Worten bekennen die LOgenschmiede
unwillkührlich Farbe). Aber auch dem Potamius blieb der Abiall von
dem heiligen Glauben nicht ungestraft. Denn, da er su dem Ghrond-
sCQcke eilte , das er für die Unterschrift des gottlosen Glaubens von dem
Blaiser au erlangen verdient hatte, erlitt er neue Strafen wegen der
Zunge, mit welcher er gelästert hatte, er stirbt auf dem W^pe, ohne
aaeh nur die Augenlust des Genusses seines Grundstückes au haben. Fttr
den Geiaigen — war diese Qual nicht gering. Der starb, welcher "wegen
der Begierde — nach einem Grundstücke des Fiscus den Glauben ver-
leugnet hatte, und — da er zu dem Grundstücke eilt, wird er mit der
Todesstrafe heimgesucht, bevor er auch nur des Augentrostes theilhaftig
wurde. — Aber auch Florentius (von Merida) , weldier um den Fall des
Hosius und Potamius wusste , und an irgendeinem Orte Gemeinschaft mit
ihnen machte, ist gleichfiüls einer neuen Todesstrafe anheimgefallen
(dedit et ip$e nava iupplieia). Denn — während er — bei der Versamm-
lung des Volks, auf dem Throne sass, wird er plözlich herabg^worfen,
und wird geschüttelt, nachdem er aber an die firisdie Luft . gebracht
worden , kommt er wieder zu Athem. Wieder und zimi zweiten Hak
kehrt er zurück, und sezt sich, und es ergeht ihm, wie zuvor,, aber er
begreift noch nicht, dass ihm für seine schuldvolle Gemeinschaft diese
Strafe geworden. — Da er trozdem darauf beharrte, wieder hineinzo-
gehen, so wird er in der Weise zum dritten Male von seinem Throne
hinuntergeschmettert, dass es schien, als würde er von dem Throne
selbst — als ein Unwürdiger zurückgestossen , und auf die Erde hin-
geworfen, wurde er, indem er zappelte, so gequält, dass ihm mit einer
gewissen Grausamkeit und unter grossen Tormenten — das Leben sua-
gepresst wurde. Und nun wird er aufgehoben , nicht als einer , der vom
Tode sich erhebt, sondern — als einer, der begraben werden muas. Es
weiss das, was wir berichten, die grosse Stadt Emerita, in deren
Kirche — das Volk dieses mit seinen eigenen Augen sah. Man betrachte
auch, dass Florentius diess erduldete, welcher noch nicht die Gottlosig-
keit unterschrieben hatte, sondern nur, weil er mit den AbtrttnnigeB
vom Glauben Gemeinschaft machte, da ihm ihre Abtrünnigkeit nicht
verborgen war. Solches haben wir erzählt, damit jene, die, während
•) HbelL preeum, c^. 9^ii.
Ir einen Abtrünnigen ni halten. — Denn et 'war erstens in Bimini.
ol nrdtens zn Nice , oder doch in Rimini. Er wurde drittens nicht
timt, weil er ge&llen war. Er schrieb viertens an EasebinB, weil
B&llen war, um sich weiss au brennen. Er poaannte fünftens io
^elt ans, daas er — allein aufrecht gestanden sei. Er trennte sich
rtens von der katholischen Kirche, um glauben zn machen, dass er
gefallen sei. Er ersann siebentens ein ganisee Nez Ton LUgen, um
I seine Oegner einzufangen, — aber die Bosheit gräbt sich selbst
Grube, and fingt sich in ihren eigenen Nezen. — Er meinte es
, saperitlng zu machen; er meinte alle Vorncht angewandt zu haben,
dennoch war er, mit Sulp. Sevemg za reden, „wenig vorsichtig'.
1 — „wenig gelehrt* war er, troz seiner traetatta, die er in „niederer
i" schrieb'). Dass er femer im J. 359 ein „homo adoleiemt" war*),
let leicht daraus, dass er im J. 392 noch unter den Lebenden ncfa
id. — Dass er zu Nice in Thracien als zweiter, und gleich nach
Voraizenden Restitutus von Carthago unterzeichnet, kann man ans
m überall hervortretenden EHirgraze ableiten, wenn man nach einem
inlichen Grunde sucht.
Jedenfalls muss er eich durch seinen Eifer und seine Entschieden-
bemerklich gemacht haben, weil er an den Kaiser als Vertreter der
de gesendet wurde. Jedenfalls muss man von den Orthodoxen in
Dl voranssezen, dass sie diejenigen zu ihren Sachwaltern wählten,
«eichen sie am meisten Entschiedenheit erwarteten, diejenigen,
lie neh schon vorher — als Vertheidiger der orthodoxen L^re
»gethao hatten.
Die orthodoxen Deputirtas wurden in das Städtchen Nice gebracht,
D «ach die Häupter der Arianer kamen. Den Leztem gelang es,
ierzebn Orthodoxen zu fiberlisten imd einznschltchtem , so dass sie
280 Sechstes Buch. Aehtes Kapitel.
Die betreflFende Urkunde vom 10. October 359 lautet im Auamge:
Da die BischQfe in der Station Nice sich befiuideny nämlidi Restitutiii,
GbregoriuB etc., so sprach Restitutus: Ihr wisst, dass wir in Bimini gegen
UrsaciuSy Valens, Germinius und Oajus als gegen die Urheber d«
Uebels das Urtheil sprachen, das ist, dass sie von unsrer Gemeinschaft
getrennt werden sollen. Weil wir aber jezt persönlich zusammengetreten
sind und alles erwogen haben , und weil wir an ihnen solches gefunden
haben, was Niemand missfallen darf, nämlich den katholischen Glauben
nach ihrem Bekenntnisse, welches auch wir alle unterschrieben haben,
sowie dass sie niemals Kezer gewesen; desswegen weiter, weil ein ein-
trächtiger Friede ein Gott gar wohlge&Uiges Ding ist, — haben Wir
beschlossen, dass nach unserm gemeinsamen Uebereinkommen alles, wai
XU Ariminum verhandelt vnirde, als null und nichtig gelten solle. Weil
wir alle hier anwesend sind, so muss auch Jeder aussprechen, ob er
mit dem einverstanden sei , was ich ausgeführt habe , und er muss es
eigenhändig unterschreiben. Sämmtliche (14) Bischöfe antworteten: Es
gefällt uns '} -r- und sie unterschrieben.
Also auch Gregorius von Elvira sprach sein Placet, und er unter-
schrieb. — Der weitere Verlauf der Ereignisse gehört nicht hieher. Wir
wollten nur zeigen, wer der Mann sei, welcher sich zum Helden und
Rächer der Orthodoxie dem Hosius gegenüber aufwarf,., wer der Mann
sei, der sieh von seinen luciferianischen Anbetern zu einem Heiligen
stempeln lässt, welcher grosse bislang in der G^chichte unerhörte Wun*
der gewirkt haben will oder soll, Wunder, die weder Christus, nock
die Apostel, noch andere anerkannte Heilige vollbrachten, der Mann,
welcher sich als Werkzeug der göttlichen Strafgerechtigkeit an Hosius
— darstellte. Noch Tillemont hat, sich stüzend auf den Belobungsbriei^
den Ghregor in eigner Sache an Eusebius schrieb , dem Wahne gehuldigt
(von den Spaniern abgesehen , die hier einem patriotischen Zuge folgen),
unter den 400 Bischöfen der Synode zu Rimini sei dieser Gregorius
vielleicht der Einzige, welcher nicht abgefallen ^). Umgekehrt — er ist
tiefer ge&llen, als die andern alle. Denn, sei es vor oder nach seinem
Falle, sehr wahrscheinlich nach demselben, glaubte er sich durch seinoi
Brief an Eusebius wieder rein waschen und die Welt glauben machen
zu können, dass er allein au&echt gestanden sei. — Allein gerade dieser
Brief ist zum Verräther an ihm geworden. Wir vdissten nicht, irer
jener Ghregorius sei, der zu Nice in Thracien mit seben dreizehn
Collegen rief: Placet. Aus der Antwort des Eusebius aber an ihn, die
er selbst ohne Zweifel colportirt und sie dem Hilarius mitgetheilt hst,
wenn und soweit dieser Verfasser des (1590 entdeckten) cfjpu» hUUnrw»
ist, sehen wir, dass er (wie ihn Hieronymus nennt) der bätische Gre-
I) «X cptrt kistorico, fragm, 8, Ab universis epucopU dktum e§t: Piac$t «I gubaenpaenßi'
•) Tillenumi, m. 6, 461; 464; 522.
$. 2. Hothis mrb am 27. AvLgü$i 357. 281
gorios Ml und dass der Titel eineB TVam^rettor oder eiiies Praevaneator,
den er dem Honus Eirweisen will, mit grösserem Rechte ihm selbst
gebBhre. — Auf ihn selbst gehen die Worte, die seine Genossen an
Hodos Tenchwenden: ,,Erschreckt durch Drohnngen, und iFÜrcht^fid, er
mOdite Verbannung und Aechtung erdulden, giebt er seine H&nde der
Oottloaigkeit, fiült Tom Glauben ab, und — kehrt nach Spanien zurück^ ^).
Aber, «^ man giebt zu, dass Gregor in Rimini war, weil man es
iidit leugnen kann; daraus folge nicht, dass er auch am 10. Oct 360
in Niee war. — Jenes Zugeständniss genügt uns vollkommen. In
Bimini fielen alle Bischöfe, also auch Gregorius, und sein Selbstlob
rechtfertigt ihn nicht, sondern klagt ihn an. Qui s'exeuie, iaeeu$e, —
IndesSy wie es Tor Hygin von Corduba in der Kirchengeschichte des
Abendlandes nur einen dieses Namens, den Papst Hygin^), gab, so
findet sich vor Gregor von Elyira in der Kirchengeschichte des Abend-
landes auch nur ein einziger Bischof Gregor. Es ist der Bischof Gregor
nm Portus bei Rom, welcher zu Arles im J. 314 unterschrieb ^). Damals
war erst das Bisthimi entstanden. „Während aber,^ sagt DöIIinger, „die
Qallischen, Italienischen, Spanischen^) Bischöfe hier immer zu dem
Hamen ihres Sizes hinzusezen: de eivitaU, ist der Bischof von Portus der
einzige, welcher sich unterzeichnet: Gregaritit epUenpui de Joco, qui ett
^ Porta Romae^^), Vielleicht war dieser erste abendländische Bischof
fieses Namens ein gebomer Morgenländer. Im Morgenlande wurde im
fierten Jahrhundert der Name Gregor häufig, im Abendlande erst nach
lern vierten und jfünften Jahrhundert.
Demnach , da alle andern Indizien vortrefflich auf Gregorius Baeticus
mtreffen, so geschieht ihm kein Unrecht, wenn wir annehmen, dass er
m 10. Od 369 zu Nico vom Glauben abgefallen sei.
I) MmU pertemiuif et meiuens ne — exiiUum pro»cnpHonemve pateretur, dat mohum
mqnetati, et — praewtruxUw m fidem^ et regreditwr in Higpaniat — Ubeü. preettm, cap, 9.
*) Eio MöDch dieses Namens — in dem Orient — erscheint noch in den VUae
patrwm — zum 23. October, in dem Leben des hl. Macarias Romanas.
*) %. DölUnger, Hippolytus und Ssllistus, 1853, S. 80 flg.
0 Es war^ur ein spanischer Bischof za Arles, s. oben S. 179 — 81.
*) »Hier ist offenbar locu$ — der dvUae cntgegengcsczt, und demnach sicher, dass
Portos noch keine Stadt war. Beachten wir ferner die Reihenfolge der Unter-
schriften': Zaerst stehen die Bischöfe ans Italien, dann die Qallischen, Bri-
tannisebeo. Spanischen, hierauf die Afrikanischen, und ganz zulezt, also von
den Italienischen getrennt, stehen noch die Bischöfe von Portos ond Centom-
eellae und die beiden von Ostia gesandten Presbyter {CondUorum Oaiiiae eoOectio
Tom. I, p. 106, Pari» 1789), doch wohl darom, weil diese dicht bei Rom be-
ündlichen Kirchen die jüngsten, eben erst errichteten waren. Wir dürfen also,
mit grosser Wahrscheinlichkeit wenigstens, die Einsezong eines Bisthoms in
Portos in das Jahr 313 oder 314 sezen." — Man beachte, dass diess nicht
meine, sondern Döllin^ers Worte und Argomente sind. — DöUing. L c 8. 80 — 81.
382 SedMtea Bmcb. Aebies Kapitel.
Die Verlftiimdangen dieses Abtrünnigen und SohiimAÜkevB ram htbm
das UrtheU der kommenden Jahrhunderte im Abendlande über Bsmm
bestimmt. Hosius wurde verurtheilt, weil den Abendländern die iMMh
talischen Quellen versdilosaen waren. Hilarius^ Phöbadias, Fanstm and
Marcellin — haben den Stab über Hosius gebrochen. Angostin wude
nicht beachtet Vor allem aber gab den Ausschlag der ScfaaiieiroiBiai
den Gr^^r über Hosius in Umlauf seste. Der Mensch hat dnen aii-
gebomen Zug zum Schauderhaften, und Strafwunder imponiren ikn
mehr 9 als Wunder der Gnade und Vergebung. Je grilaslicher die
Farben in dem Berichte der Luciferianer über Hosius au%etragen waraiy
um so unbedingter fanden sie Glauben« Die spätem Spanier haben mehs
als andere dazu beigetragen , das Andenken ihres grossen Hosius mü
Schande und mit Schmach zu bedecken und zu verschütten. Es war
des christlichen Spaniens gefeiertster Schriftsteller, der Kirchenlehnr
Isidor Ton Sevilla, welcher in seiner SchrifiT: de viris iilu$iribu$ — esfp.^
— den Lügen der Gregorianer unbedingten Glauben schenkt '). Horns
ist (nach Isidor) — nach langem äusserstem Greisenalter und schon an
der Schwelle des Lebens selbst, durch den Pfeil der Schlange zuaammsD-
gestürzt Denn herb<eigerufen von dem Fürsten Constantioa, dordi
Drohungen erschreckt, und fürchtend, er ein Greis und reich, möchte
Verlust seines Vermögens und Verbannung zu erdulden haben, stimmte
er sogleich der arianischen Gottlosigkeit bei, und verdammte das Wort
homoutian, das er zugleich mit den übrigen heiligen Vätern der Kirdhe
zur treuen Bewahrung übergeben hatte, ergriffen von der Wutfa der
Gh)ttlo8igkeit: sein Leben endigte, wie er es verdiente, alsbald ein grau-
samer Tod^).
Unser Schmerz bei Mittheilung dieser Worte wäre unvergleichlich
gröäser, wenn wir nicht sähen, dass sie fast wörtlich den Luciferianeni
nachgeschrieben sind, und wenn wir nicht wüssten, dass sie Erdichtungen
sind. Aber kein Wunder, dass von nun an im Abendlande — alles mit
Abscheu auf den Hosius sah. Die Worte : calumniarc audacUr; umper
aliquid haeret — waren auf schreckliche Weise in Erfüllung gegangen.
Hosius war in dem Bann der öffentlichen Meinung. Honorius von An-
tun ^) , Tritbemius , Possevin , und andere — schrieben nach , was sie
0 Die Schrift ihm abznspreehen , a. a. desshalb, weil Ildephons ihrer nicht er-
wähnt, hilft nichts, da — sie doch unter Isidors Namen verbreitet war nod iit
*) Itid, L c. Hie autem pott longvm Senium veiutUUis, id est, post centesimum frimm
annum in ^mo jftm iimite vitas a fidei iimiHbius subruens, ssrpsntis jaado osnddil
N<xm aeeersiitts a Consttmtio principe, tninisque perterriius, mstuens im jener st dau
damna rerum vel sxsilmm pcUsreiur, iüico (!!) Arianae impistati consensit^ et voesbubm
„komousion" , quod simul cum Patribus sanetis caelsris Eoclssüs ssfusndum tnui^deni,
arrspius impietatis fitrare, dawmavit: cuius quidem vitam, ut msruü, oon/sstm exit»
*) Ehnmr, de servier, sooL 3, i. JVitksM, d, uir» HL -- /Wsdm.» «n^r. eoe«
$• 2. Hotivi ftUrb am 27. Atigait 357. 28S
Torfimdett. Buonhis lenkte eu milderm Urtheile ein. Seitdem schwanken
die ürtbeüe. Fast alle Spfttern lassen den Hosius in Spanien sterben. Nmf
Aguirrey Flores, Antcmio-Perez Bayer, Maceda, lassen ihn eines from-
fflSB Toda in Sirrainm sterben. — Tillemont weiss nicht, ob er den Yer*
Immdnngep glauboi soll, oder nicht. — Auch Ceillier, im Gänsen milder
utheileiMi, iMsit 3m in Spanien sterben. Ebenso Hermant, der nicht nm-
Un kann, die Erstthlang der Lnciferianer als eine amusante mitzutheilen ^).
— Manai — - iKsst ihn erst im J. 359 — au Sirmimn fallen nnd die zweite
■rmische Formel nnterzeidinen^). Nach Möhler hat er auch unterzeichnet,
iit aber bald darauf gestorben , ob in Spanien oder Sirmium , darüber
mgt er nidits*). — Hefele ist geneigt, dem Florez zu folgen*). End-
fieh, Alb. de Broglie sagt in seiner rhetorischen Weise: ^Kaum war
dv Ab&ll des Hosius bekannt , und während der Held so vieler Kämpfe
cndiöpft auf dem W^;e nach Spanien sein erniedrigtes Greisenalter
Unsciiieppte : so wurde Liberius schwach^).''
Damit schliessen wir dieses Ejipitel. Wir sind zu dem klaren und
eotschiedenen Ergebnisse gelangt, dass Hosius im Schoosse und in der
Gemeinschaft der Kirche Gk)tte8, — eines seligen Todes gestorben sei
— am 27. August des Jahres 357 zu Sirmium in Pannonien (in der Ver-
bannung) — und dass die Berichte über seine Rückkehr nach Spanien
imd seinen tragischen Tod daselbst, theils auf Vermuthungen , theils auf
bewussten Lügen von Schismatikern, von Gefallenen und Abtrünnigen
bsruhen.
Dennoch aber glaube ich im Ganzen bei dem urtheile stehen bleiben
a dürfen, das ich im J. 1860—61 über den sogenannten „Fall^ des
fiosius aussprach, nur mit der Beschränkung, dass ich dieses Urtheil
nunmehr auf den „Fehler'^ des Hosius, und auf die Verdunkelung seines
Andenkens bei der Nachwelt beziehe. — Es drängt sich immer wieder
der Gedanke auf, warum musste Hosius so lange leben, warum wurde
er aufgespart für diese lezte Prüfung , warum war es ihm nicht vergönnt,
mit ungetrübtem Glänze eines durch alle Jahrhunderte strahlenden
Ruhmes aus dieser Welt zu scheiden? Wir werden uns trösten über
sein Unglück, sein ^Fehltritt'' wird uns in einem andern Lichte er-
scheinen, wenn wir sagen, der Herr habe ihn so lange leben lassen,
damit er vor dem Austritte aus dem Leben jenes Unrecht sühne und
') Hermant hat ein eigenes Kapitel über den Tod des Hosius, B. 8, 4
*) Mamti — Suppiementum condliorumf L 1, dts$ertatio de tpochia Scurdic. et Sirmiene,
eoneä. p. 207,
*) Möhler, Athanasins der Grosse, und seine Zeit 1827, Bd. 2, S. 204.
*) Hefele, 1, 654. — Ebenso L H. Reinkens in .Hilarius von Poiliers«, Scbaffh. 1864,
8. 161.
*) BrogUe^ 3, 385 — A peine la difection d'Oeiue itait — eile cotmue, ei pemdant que
k hSros de UnU de btUee trAtTudi langmssament 9vr U chemin ^Etpa^ne $a tfkUkue
hmäUe: Libire fadbHsaaii,
264 Sedutes Buch. Achtet Kapitel.
tilge y das er durch übertriebene Hl&rte zu Elvira (und Sardika) begangen
Gott tiberliess ihn seiner eigenen Schwachheit bis zu dnem gewissen
Orade. Aber — er verliess ihn nicht; dorch seine Strafe, und sein
verdunkeltes Ansehen bei der Nachwelt sühnte er seinen Fehler. — Wie
Moses, der Liebling Gottes, das gelobte Land nicht betreten durfte,
weil er einmal in seinem Leben im Vertrauen auf Grott gewankt hatte,
so konnte Hosius dem Gerichte Gottes und der Menschen auf Erden
uicht entgehen, weil er zweimal in seinem Leben die göttliche Barm-
herzigkeit yerläugnet und sie ausgeschlossen hatte. Aber Qott liess ihn
nicht sinken aus seinen barmherzigen Armen , er ist wieder auferstanden,
und die Zukunft wird seinem Andenk^i das Recht und die £hre wieder-
fahren lassen, die ihm die Vergangenheit vorenthalten und entfeogen
hat Er starb in der Einheit. d^ Kirche, und protestirte gegen die ihm
angethane Gewalt. Er protestirt für alle aus Schwachheit G^aUenen,
und er verlangt, dass ihnen der Weg der Busse und der Wiederannahme
geöffnet werde. In den Gang seines Lebens aber und in sein Andenken
bei der Nachwelt hat Gott die Worte eingeschrieben: Beati miteriearda^
qutmiam ipH miseneordiam eonsequenUir (MaUh. 5, 7»)^).
>) (Tfibinger) Theologische Qaartalschrift, J. 1861, S. 372— 73.
Neuntes Kapitel.
Ne Rflckkehr des Hosios nach Gordoba? — Jakobos der
Aeltere, der Apostel Spaaieas, nad Hosios vom £«rdnba.
Wenn man dem Gregor von Eivira, dem Anführer der Laciferianer,
it der Frage entgegentrat: warum er denn — fUr den Glauben — aUein
:e Verbannung nicht gelitten, — so wies er auf die Zeichen und Wunder
n, die Gott durch ihn gewirkt, so dass kein Heide oder Jude, ge-
hweige denn ein Christ, es ferner wagte, ihn heiästigen au wollen,
18 Furcht vor plöslichem und grausamem Tod. — Wenn man ihm ent-
anhalten wollte, dass Hosius, dem er widerstanden, und den er su
ode gebetet zu haben — sich rühmte, nicht einmal nach Spanien zu-
ickgekehrt sei, so konnte er mit einer Mentalreservation antworten:
ewiss, er ist zurückgekehrt, zurückgekehrt mit königlicher Pracht, auf
Osten und im Auftrag des Kaisers, und mit dessen strengsten Befehlen,
uss — alles sich (wie Hosius) des Kaisers Willen fugen solle«,
Wirklich — Hosius kehrte, wir können es mit höchster Wahrschein-
shkeit nachweisen, nach Spanien zurück, nicht der lebende, sondern
sr gestorbene Hosius. Das heisst, seine Leiche wurde am 28. August 357
if Kosten des Kaisers von Sirmium nach Corduba zurückgeführt, um
iselbst feierlich und kaiserlich dem Grabe übergeben zu werden, nach
elchem Grabe Hosius so sehr sich gesehnt hatte.
Nach den Beweisen fragt erstaunt der Leser. — Unter den Grau-
mkeiten, welche die Arianer gegen die yerbannten katholischen Bischöfe
^engen , führt Athanasius wiederholt auch diese an , dass sie den Ver-
andten die Herausgabe der Leichen der verstorbenen Bischöfe verwei-
3rten, um die Lebendigen und Todten noch mehr zu quälen*).
') HiMtoria Arianorum ad monacko$f cap, 72. nae iüi (Ariani) negtte corpora deßmetorwn
ad humandum tradidere, sed, ut sua laterent homicidia, ocaätarunt apoL de fuga
aua, cap. 7. —
ra 6k 6tifiara rth rertievriptortav Mi rolg Idtous xccrä ripr d^xv^ dxodo^ijvai
xexoapuKtfiv (also gaben sie die Leichname später doch heraasV Ferner cap. 7
ad mo«, — dxoSavavrccc owt iXttAöiy dJUei rouf oYSptiuroof fuffoOöi tovc dsnl^onag
(e viia) xcu raie oixitotc ccdrtify ixißaolmiovSiy, — ef, fragmmUa vor, ed, MarUf. p, 1020.
I
286 Sechstes Buch. Neuntes Kapitel.
Daraus geht heryor, dass die Verwandten der verstorbenen Eaiholikcaii
denselben entweder in die Verbannung nachgefolgt waren, oder wenig-
stens auf die Kunde von deren Tode deren Leichen — abholen, und
mit sich nehmen wollten. — Sie wollten wenigstens ihnen die lezte Ehre
erweisen, und ihnen ein katholisches Begräbniss geben.
Aber — derselbe Athanasius sagt, dass Hosius den Arianem (dem
Constantius) wegen der vielen erlittenen Schläge, und den Nachstelliuigm
gegen seine Verwandten auf einen Augenblick nachgegeben habe *)• —
Die nächste Erklärung ist, dass diese Verwandten den Hosius in Beine
Verbannung begleitet hatten , und dass sie auch bei seinem Tode augegn
waren. — Man braucht die menschliche Natur, und man braucht &
Natur eines Spaniers auch nur von ferne zu kennen, um enuniadMDi
dass der sterbende Hosius keinen dringenderen Wunsdi haben konnti^
als wenigstens im Tode aus der Hand und Nähe dieser Gottlosen erreltel
und in dem Lande seiner Väter begraben zu werden, dass — seine Ve^
wandten keinen innigem Wunsch hatten, als wenigstens seine irdisdifli %
Ueberreste — mit sich in die Heimath nehmen zu können.
So wurde es in Spanien zu aller Zeit mit denen gehalten, die aHK
wärts starben; wenn es irgendmöglich war, wurden ihre Leichen lurtt^i-
gebracht, wenn sie auch nicht ausdrücklich vor dem Tode diesen WuiMh
ausgesprochen hatten. Von hervorragenden Todten, die im vierten Jah^ ^
hundert ausserhalb Spaniens starben , können hier Papst Damasos udl ::-
Theodosius der Grosse gar nicht in Frage kommen. — Aber der mtkß ^
erwähnte Präfekt des Orients , Cjuegius , ein eifriger Ejttkolik ufli ^
Spanier, der die Gözenbilder in Aegjpten zerstört hatte ^), ein Verf
wandter des Theodosius^), und wahrscheinlich, wie dieser, aus dtf
Stadt Cauca ^) , in Galizien , starb im J. 38S zu Constantinopel ^). «b
starb , berichtet der Spanier Idatius , Cynegius , der Präfekt des Orient^ b -
während seines Consulates^) zu Constantinopel. Er brachte alle PnM>r
vinzen , welche seit langer Zeit erschöpft waren , in den alten Btad -
zurück, und drang bis nach Aegypten vor, und zertrümmerte die GtöüB^
bilden Desswegen wurde unter grossem Weinen der ganzen Hauptstick
sein Körper zu den Aposteln geleitet — am 19. März, und nach einem
Jahre brachte ihn seine Frau Achantia nach Spanien auf dem Landwege').'
>) Äthan, de fitga 9ua eap, 5, ef, S. 227.
•) ». S. 125.
*) Theodosius nennt ihn „parens carissime et amantistime" — in dem Reseript titf
den vielgenannten „Ubellus precum'^,
*) Tkäodomui, natüme Hitpanu$f de provinda OaUaedaej cwUate Camea — ckrm. /^
od ofin. 379.
^) Idatü chranieon ad 388, FasH Idatiani ad o. 388,
*) Das Jahr 388 ist Theodoeio A. II et Cynegio V Com. — (Chromohgia O^
TUodomani, t 1 ap. Gothofred. Bat», p. CXXVIIL)
^ Et poMt (mnum tranatuHt «um matrifna ejus AekanHa ad ERtpama» peduire {i e-^
qua perfitwr per pedet), — Faüi Id, ad. omi. 388. — v. Bd. 1, 55.
Die Rflokiehr dea Hosius nach Cordubal 287
- Es renUht sich von selbst, dass der Leichnam des CjnegiuSy bevor er
roTtforiseh in der Kirche zu den Aposteln in Constantinopel beigeseet
urdoi einbalsamirt worden ist — Achantia, die Wittwe des Cynegius,
ar ohne allen Zweifel selbst eine Spanierin; sie verlangte, nach dem
ode ihres Gemahls sich einsam fühlend in einer ihr fremden Welt,
sn Rest ihrer Tage in ihrer Heimath zuzubringen. — Sie hätte es aber
mdaIs über sich gebracht , ohne den Leib ihres Gemahles heimzukehren.
ie selbst führte ihn mit sich, den viel weitern Weg von Constantinopel
Mh Spanien, und — ihr Weg führte sie wohl — über Sirmium *). —
«oan denselben Gefühlen , demselben Drange folgten 32 Jahre früher
is Verwandten des Hosius, indem sie ihn mit sich nach Spanien zurUok-
ihrten. Höchstens vier Jahre vor dieser Uebertragung wurden die
knpter der Priscillianisten , und dieser selbst — in Trier — durch das
ehwert hingerichtet, wegen der Verbrechen der Magia und des Male-
anm; ich zweifle nicht, dass sie unmittelbar nachher — ohne Weiteres,
Hneharrt wurden, — Dennoch erzählt Sulpicius Severus: ^Die Leiber
er Hingerichteten wurden nach Spanien zurückgeführt, und es wurde
um eine glänzende Leichenfeier gehalten^ ^).
Es wäre uns nicht schwer, den Nachweis durch die Reihe der Jahr^
nderte zu führen, dass, was in der innersten Natur des spanischen
harakters liegt, auch in allen Jahrhunderten sich wiederholte. — Der
panier kann den G^anken nicht ertragen, in fremder £rde zu ruhen,
1er seine Angehörigen nicht in der Heimath begraben zu wissen. —
b verweisen hier auf das zurück, was oben ausführlich zu Canon 34
■d 35 der Synode von Elvira auseinandergesezt wurde. — Ich zweifle,
b es ein Volk gebe^ das mit den Todten so vertraut , als wie mit Leben-
j|en, umgehet, als die Spanier; ein Volk, das den Todten so viele
lore erweist, als wären es Lebendige; ein Volk, das vor den Leich-
men so wenig natürlichen Abscheu hat, als die Spanier. Dort wird
SS Angesicht der Todten nicht verhüllt, wenn sie zu Grabe getragen
rerden. Die unglückliche Johanna, Wittwe des Königs Philipp, des
^aters Karls des Fünften, führte die Leiche ihres Gemahles stets mit
') Die bekannten Nachrichten über Cynegius nach den vorhandenen Quellen hat
zaaammengestelU Goihofred. Ritter in der IVosopogrtqthia des Codex I%€odot,;
todann Joh. Matth. Garzon m IcUuü epitcopi chronicon, ed, de Rom m „Compte
rmdu de la eammisnon royak d^kUt* vol. X, — BruxeU. 1845 [auch in einem
Separatabdrncke erschienen — (Nota XI), auch abgedruckt bei Mtyne Fat tat,
L 74, p, 7S5J. — Garzon argnmentirt über des Cynegius Heimath , wie ich,
aber mit einem Anfluge von spanischem Patriotismus sagt er : Noetratem (d. L einen
Spanier) mquam; nam quo pertmety ut conjux Ackantia ab urbe ConetantUu^Hiana
mmeneo ftre ttinere m Sispaniam dedaiceret, nin ut eum tn majorum euorum monu-
wmtum mfarretf
*) Su^, Sev, A. «. 2f 51. — Biremptorum corpora ad BUpamoM relata, magnitqwe
^keequÜM oekbraia eorum fimtra.
288 Sechstes Buch. Neuntes Kapitel.
sich henun, und wartete lange vergebens — auf dessen WiederbelebaDg. —
Ihr Trübsinn war nicht zu heilen; aber die Art und Weise, wie sie
ihn an den Tag legte , ist doch auch ein Zeichen, wie man die Todten
in Spanien überhaupt betrachtet und behandelt *). Wenn von dem
heiligen Franz von ßorgia erzählt wird, dass der Anblick der todten Königin
Isabella y der Gemahlin des Königs Karl V., ilm so sehr weg^ ihrer
Entstaltung erschüttert hatte , — so liegt auch darin — eine indiidcte
Bestätigung des Gesagten.
In firischer Erinnerung noch ist der tragische Tod des Spankrs
Jos^ Borges. Es war am 8. Dezember 1861 , am Feste der unbefleckten
Empfängniss Maria's, zugleich am lezten Tage der grossen — vom
8. Dezember 1854 bis 8. Dezember 1861 verlaufenen Festoktave von
sieben Jahreswochen , da ihn an der Grenze des Kirchenstaates der Tod
ereilte. Er umarmte seine spanischen Landsleute, deren es ellf waren,
und rief: Unsere lezte Stunde ist gekommen, sterben wir als brave
Spanier. — Sie wurden an der Stelle verscharrt Aber die Freunde d«
Verstorbenen, der Vicomte Charles von St Priest und der Fürst von Scilla,
überwanden sich , den General Lamarmora in Neapel um die Erlaubniss
der Ausgrabung der schon verwesenden Leiche -^ anzugehen. Der
Todte wurde ausgegraben, und in Rom beigesezt, da es aus mehrfiichen
Gründen nicht angieng, ihn nach Spanien zu bringen^). —
Was von den Spaniern gilt, das gilt und galt besonders in früherer
Zeit von allen Völkern. Die Sitte der Einbalsamirung und Heimführong
dei' Leichen war im vierten Jahrhundert — allgemein. Vier Jahre nacb
Hosius starb Constantius, am 3. October (nach a. 3. November) 361 zu
Mopsucrene in Cilicien ^). „Der Leichnam des Gestorbenen wurde sodann
einbalsamirt, und in Särgen eingeschlossen; Jovianus aber, damals pr<h
teetar domesticu8^), erhielt den Befehl, den Leichnam mit königlichem
Pomp bis nach Constantinopel zu geleiten, wo er neben seinen Ange>
hörigen beigesezt wurde^^).
*) Hefele, Ximenes, 2. Aufl. 1851, S. 227; 229; 465. —
*) Allgemeine Zeitung von 1862, Nr 1; 4.
*) Polliwitum tgUnKT corpus dtfunctiy conditumque in localis , Jovianus etiam tum proteclor
domeaticuM, cum rtgia protequi pompa ConstantinopoUm usque jussus tat, prope necessi-
twUnn ejus kumandum. Ammkm. Marc. L 21 y 16. —
*) Anderswo heisst er: damesHcorum ordinis primus — 25, 5 der Ertte des Corps
der Haostrappen. s. Amm. Marc, ubersezt von Wagner, 1794 — Bd. 3. s. t.
domegtioiu und proteetor,
*) s. oben S. 165 Aber die Leiche der bl. Helena. — Die Sitte der Einbalsamirong
herrschte auch bei den Persern, Amm. M, 19, 1 — kctuU 10 «temimter, fy-
■nw/o vtkentM hmmnum mortuorum, ita curate poUinctaf ut imapines euent eorporihu
mmileM jam wtpuUii, cf, Salmtu. ad Scr^/Hor, Hi»tor. Aug, t II, p, 422, — cf. Amm.
M» 25, 5 — von der Leiche des Julian Apostata: corpore eurato pro copia remm
§t tempona, ut ubi ipte oUm $UUuerat, eomUreiur (also auch Julian hat sich den
Ort seines Grabes vorher aaserwähll — in Tarsus).
Die Rfickkohr des Hosins nach Cordaba? 289
Doch die Einbalsamirung, und die Verbringung in die Heimath,
ler an den yorherbestimmten Ort des Begräbnisses fand nicht bloss —
ti fürstlichen Personen statt (\rie wir in Betreff Spaniens schon oben
(hört). Unter den von dem Rhetor Ausonlus aus Bordeaux gefeierten
rofessoren ist Aemilius Magnus Arborius, Rhetor in Toulouse, Oheim
fl Ausonius. Er starb, als Redner geehrt und bewundert, in Constan-
)opel; er starb, reich und hochgeehrt von dem Kaiser Theodosius,
ich zu Lebzeiten seiner Eltern. Aber der E^iser selbst liess seine
^iche in die Heimath (entweder nach Tolosa oder Burdigalis) bringen,
3 er in dem gemeinschaftlichen Grabmale seiner Familie beigesezt wurde.
In pcttriam sed te seckmf ac monumenta tuorum
Principis AugvMi restituit pietas ').
Der Freund und Schüler des Ausonius, Paulin von Nola, brachte
9 Leiche seines Sohnes Celsus, violleicht von Barcelona aus, wo
wohnte, nach Complutumj und sezte sie neben den Märtyrern, den
Qaben Justus und Pastor , bei ^). — Der heil. Augustinus betrachtet es
i besondere Erhebung und Befreiung des Geistes, dass seine in Ostia
i Rom sterbende Mutter Monica sagte: Leget diesen Leib wo immer
eder; die Sorge für ihn kümmere euch nicht. — Um das eine nur
tte ich euch, dass ihr meiner bei dem Altare gedenken wollet, wo ihr
imer seid. Ich aber dachte an deine Gaben, mein unsichtbarer Gott,
3 du senkest in die Herzen deiner Gläubigen, und wunderbare
iichte wachsen aus ihnen, ich freute mich und dankte dir, indem ich
ich an das erinnerte, was ich wusste, von wie grosser Sorge sie stets
unruhiget gewesen wegen des Grabes, das sie sich vorherbestimmt und
bereitet hatte neben dem Leichnam ihres Mannes ^). — Er führt ferner
•e Worte an, da sie gefragt wurde, ob sie sich nicht fürchte, ihren
dchnam so ferne von ihrer Heimath zu lassen: Nichts ist fern von
>tt, und man darf nicht fürchten, dass er mich nicht finde am lezten
Ige, um mich vom Grabe zu erwecken.
König Lothar IL, mit dem das ephemere Reich Lothringen aufhörte,
irb eines schnellen Todes zu Piaccnza am 8. August 869 ^ und wurde
rt im Kloster Set. Antonin beigesezt. Aber die Leichen fast aller
iner Begleiter, die derselben Seuche erlegen waren, wurden grössten-
*) Auson» Commemoratio Profestorum BurdigaUnsium — XVII. cf, Parentalia, III, —
cf, Garzofif L c, not. X/,
*) 8. Band 1, S. 332. Dies war allgemeine Siltc, wie Maximus v. Turin hom. 8i
sagt : Nam ideo hoc a majoribus provUum est, ut Sanctonim ossibua nostra corpora sociemus
— v. J. H. Kessel, SL Ursula and ihre Gesollschaft, Köln 1863, S. 31-32 und
die Belegstellen daselbst. — Stimmen aus Rom. Von den Benediktinern in
Set Paul, 1860, S. 272.
') Auff. Con/etM. 9,11 — quando (quanta) cwra semper aeatuaaset de $epukhrO, quod
tibi providerat et praeparaverat juxta eerput vui suL
Qams, ipaiL Kirche. IL 10
290 Sechstes Buch. Neuntes Kapitel.
theils — nach Köln geschafi); *). — Sechs Jahre später starb Kaiser
Ludwig n. zu Brescia — 12. Aug. 875. — Seine Leiche wurde in feier-
lichem Zuge von Brescia nach Mailand nicht geführt , sondern getragen.
Also erzählt Andreas von Bergamo , der selbst vom Oglio bis zur Adds
die Bahre tragen half ^).
Der grosse Spanier, der Kardinal Aegidius Albomoz, Erzbischof
Yon Toledo, vielfach ähnlich dem grossen Hosius, starb zu Viterbo
24. Aug. 1367. Er hatte verlangt, in Spanien (Toledo) , seiner Heimath,
begraben zu werden. Und es heisst in seinem Epitaphium : Inmcti dnera
tarn saeri merüo capitis eervicibus virorum^ Regumque et Ma^iHratuum
Äjuitio delaU ToUttsm; also — sein Leichnam wurde von Italien bis To-
ledo getragen, und dort ihm von König Heinrich von Castilien fast
königliche Ehre erwiesen^).
Die menschliche Natur bricht sich in allen Zeiten und unter allen
Himmelsräumen wieder Bahn. Giebt es ein metaphysischeres, wenn man
will speculativeres, d. h. weniger von GefUhlen oder sogenannten Vo^
urtheilen und Traditionen geleitetes Volk , als die Nordamerikaner sind?
— Aber siehe da. Tausende von jungen Nordamerikanem, die Monate
lang vor Bichmond standen , bestellten zu Lebzeiten ihre eigene Einbai-
samirung für den Fall ihres Todes , um als Leichen ihren Hinterlassenen
zujgesendet zu werden. Mehrere Einbalsamirer machten in diesem Zweige
merkantiler Thätigkeit die glänzendsten Geschäfte. Ein Berichterstatter
erzählt u. a.: „Von dem Doctor (d. h. einem der Einbalsamirer) erfahr
ich, dass schon gegen 2000 Leichname von Offizieren und Soldaten im
Laufe dieses Krieges einbalsamirt worden seien. Für einen Gemeinen
nimmt der Doctor, der natürlich diese 2000 — nicht alle einbalsamirte,
sondern eine Menge Concurrenten hat, 25 Dollars (59 Gulden) und für
einen Officier — 50 Dollars. Das Hauptmaterial ist Wasserglas mit
Gyps *).«
Während wir uns erinnern, dass „die Asche** Napoleon's Bonaparte's,
der am 5. Mai 1821 auf dem Felsen Set. Helena — unter dem Toben
aller Elemente starb, im J. 1840 nach Paris gebracht, und — mit allem
') AnndUa Xantenies J. 870 bei Pertz tcript //., 234: — quorum corpora pariter
Coloniam exportata cttque humata sunL — v. Dömmler, Geschichte des ostfräDkischen
Reiches, Berlia 1862, 2 Bde., S. 683.
*) Andreas presbyter Berg, chronic, cap, 17 — 18. — ap, Pertz scripU 3, 238, — Dumm-
1er, S. 823.
*) ef, Pigrpwra docta seu Vita^ CardinaUum, Monach, 1714 — L 2, p, 380. Albornoz
war provisorisch in Assisi beigesezt worden, s. H. Leo, Geschichte yon ItalieO)
Bd. 4, 535. MuraUni scrtpL rer. iL XT., p, 692.
0 AllgenL Ztg. — Nr. 197 — 16. Juü 1862.
Die RQckkehr des Hosius nach Corduba? 291
denklichen Leichengepränge im Dom der Invaliden beigesezt wurde *),
len wir eben: Am 13. Oetober (1863) fand auf dem W&bringer Fried-
fe (nicht weit von Wien) die Ausgrabung der Gebeine Beethovens
d Schuberts statt, um dieselben in metallene Särge zu übertragen,
»ethoven war am 27. März 1827 gestorben; Schubert im J. 1828. —
ie Ueberreste (d. i. Skelette) der beiden TonkUnstler wurden in Metall-
tge gelegt y diese sodann verschlossen und versiegelt , und sie sollen in
sonderen Grüften beigesezt werden^).
Während unsre Zeit mit souveräner Verachtung auf den Reliquien-
tlt der Kirche als auf Gözendienst niederblickt , widmet sie ihren
jröseen^ einen gleichen oder grösseren Cult, und rechtfertigt so durch
re Thaten die Verehrung der Reliquien der Heih'gen«
Wer möchte nunmehr zweifeln, dass Hosius der Sterbende, und seine
erwandten die Ueberbringung seiner Leiche nach Spanien wünschten?
DT — der Kaiser Constantius konnte diess verhindern. Aber er
itte das lebhafteste, ein wahrhaft brennendes Interesse, die Leiche auf
ine Kosten, und mit kaiserlicher Pracht nach Spanien bringen zu
iten. — Wenn er dieses that, konnte er dadurch erstens seine Grau-
mkeiten gegen Hosius etwas zu bedecken hoffen. — Zweitens Hosius
itte feierlich widerrufen. Wenn der Kaiser ihn mit allem Pompe und
if seine Kosten zurückbringen liess, so leistete er dadurch der Meinung
orschub, dass Hosius als Arianer gestorben sei. — Drittens, es war
Igemeine Sitte des Kaisers, dass er auf seine Kosten — die Bischöfe
I den Synoden hin- und zurückreisen liess. So erzählt Ammian. Mar-
ilL, dass er — durch die Menge der von ihm berufenen Synoden, zu
eichen die Bischöfe auf öffentliche Kosten . und auf den Staatsposten
II- imd zurückreisten , das Staatsfuhrvvesen zu Grunde gerichtet habe ^) ;
imit stimmen selbst die Arianer in Sardika fast wörtlich überein, sie,
ie doch gewiss — von der Liberalität def. Kaisers den ausgedehntesten
rebrauch machten*), während z. B. die nach Rimini zur Synode im
') 1840 — 15. Dec. Napoleon^s Ueberreste werden mit grossem Pompe im Dom
der Invaliden beigesezt, Ghillany, Chronol. Handb. f.d. neoere pol. Geschichte,
Nürnb. 1856, S. 97.
*) Kölnische Ölätter Nr. 293 — 17. Okt 1863. S. ebendaselbst den ausführlichen
Bericht über die Ueberführung der Leiche des am 13. Okt. t Ministers Billault
nach Paris — 18. Oct. — N. 294. — Die neue Beerdigung fand am 23. Okt statt.
Umsonst protestirten die Verwandten Beethovens »gegen die Entweihung seiner
Asche«, während P. Schubert, wabraeheinlich ein Sohn Seh., die Einweihung
der Grüfte vollzog. Allg. Ztg. 26. Okt 1863.
*) Amm, Marc 21, 16 — ut caiervis antistiium jumentit publicia uUro eitroque discurrtn"
fAw, pet ijfnodoMf quoM appeliant, dum ritum omnem ad wum trakere conatur carbi-
iritm, rei vekiculariae succiderei nervo$,
^ tt op. kUtar, fragm, III , 25 — curtusque ip$e pubUcus ad nihiium dedueüur. —
▼ergL Ang. Neander, A. Geschichte der christl. Religion und Kirche, 2, 2
(1829), S. 865-66.
19*
292 Sechstes Buch. Neantes Kapitel.
J. 359 reisenden') Bischöfe aus Aquitanien, Gallien und Britannien
ihnen gebotene Wohnung und Pflege auf Staatskosten ablehnten,
Ausnahme von drei armen Bischöfen aus Britannien.
Wie splendid freigebig — sich Constantius gegen den Papst Libe
benahm, ist allbekannt. In seinem Namen brachte der Verschnitt
Eusebius dem Papste die prächtigsten Geschenke. Der Papst wies
zurück. Darauf legte Eusebius seine Geschenke in der Peterskii
nieder. Liberius sandte sie zurück ^). — Als er von Mailand nach Tl
cien verbannt wiurde, sandte ihm der Kaiser 500 Goldstücke Schmer:
geld. Der Papst antwortete dem Uebcrbringer: Gehe, und gieb es <
Kaiser. Er braucht es für den Sold seiner Soldaten. Die Kais
sandte gleichfalls 500 Goldstücke. Liberius sagte: Bringe auch d
dem Kaiser, denn er braucht sie auch für die Adjustirung seiner i
daten. Darauf brachte der Eunuch Eusebius andere (500). Libe
antwortete ihm: Du hast die Kirchen des Erdkreises geplündert,
bringst mir, wie einem Verurtheilten, Almosen. Geh\ und werde za
Christ »).
Derselbe Constantius erliess im J. 357 — zwei Geseze zur Er
terung der Privilegien der römischen Kirche. Das zweite ist vom
zember 867 aus Mailand an den Afterpapst Felix gerichtet ^) , und de
die dem Clerus ertheilten grossen Vorrechte und Exemtionen auch
deren Angehörige aus.
Warum — Constantius so verschwenderisch gegen Bischöfe i
Cleriker war, sagt Hilarius — mit bezeichnenden Worten: „Wir stre
jezt gegen einen trügerischen Verfolger, gegen einen schmeicheln
Feind , gegen den Antichrist Constantius : der nicht den Rücken schl
sondern den Bauch streichelt; nicht ächtet zum Leben, sondern n
macht zum Tode; nicht in Bande legt zur Befreiung, sondern in seil
Palast honorirt zur KnechMbaft ; nicht die Seite verwundet, sond
das Herz besezt; nicht das Haupt mit dem Schwerte abschneidet, sond
die Seele mit Gold tödtet; nicht öffentlich mit dem Feuer droht, sond
im Geheimen die Hölle anzündet. Er streitet nicht, um nicht besi
zu werden: sondern er schmeichelt, um zu herrschen. Christum beke
er 9 um ihn zu leugnen; die Einheit fördert er, damit nicht Friede t
') Su^. Sev. h, »ac. 2, 4t — ita missü per lilyricumf Italianif A/ricam, Hispai
Galliasque Magiatri oJfidalibuSf acctfj-mU macti (os hics wohl : coacti) 400 et
quanto amplius Oceidtntales episcopi Ariminum convenere: quibus omnibus annoncu
eeUaria dare imperator praeceperat Sed id nostris (i. e. Aquitanis) GaUU ac l
tannis indeeeng vümm: rtpudiatii fiscalibuSf propriis sttmtibus vivere maluerunt 7
iantum ex Britannia inopia proprü publica tut sunt.
*) Alhanas, €ul monaeh, eap, 36, 37,
*) ThMl. hiMi, ecd, 2, 13,
«) CodBx ThMdoM. lib, 16, tu, 2 de epigcopü, Ux 13 et 14.
Die Rückkehr des Hosius nach Corduba? 293
ie Irrlehren unterdrückt er, damit keine Christen seien; die Hohen-
ciester ehrt er, damit es keine Bischöfe gebe; die Dächer der Kirche
mt er, mn den Glauben niederzureissen \).^
Ohne Zweifel weigerte sich Hosius , so lange er konnte , auf Kosten
9 Kaisers erhalten zu werden. Es ist wahrscheinlich, dass seine Feinde
:h dadurch an ihm rächten, dass sie ihn ,,reich^ ^) nannten. Aber —
ch seinem Tode konnte er es nicht verhindern, dass Constantius mit
iserlichem Pompe ihn nach Spanien zurückbringen Hess« — Insofern
nnte es fast buchstäblich wahr seyn, was seine Feinde sagen: ^Er
hrt nach Spanien zurück mit grösserem Ansehen, mit sich führend
8 Königs drohenden Befehl , dass wenn ein Bischof mit ihm nicht Ge-
einschaft haben wollte, er verbannt werden sollte').^ — Ohne Zweifel
288 der Kaiser in ganz Spanien durch seine Agenten verkünden , dass
•iuB seines Glaubens geworden, und — dass alle andern Bischöfe in-
itfem niit Hosius Gemeinschaft machen müssten (indem sie ihn etwa in
kre Kirchenbücher eintragen, und seiner bei dem heiligen Opfer ein*
;edenk sejn müssten) ; werdessen sich weigerte, sollte verbannt werden«
Hfir wissen nicht, ob ein Bischof damals verbannt wurde; Gregor sagt
lis G^gentheil von sich selbst. — Es ist femer kaum ein Zweifel, dass
n Corduba — eine grossartige Leichenfeier für Hosius veranstaltet
wurde, zu welcher die spanischen Bischöfe eingeladen wurden. — Wenn
ill dicss auf Kosten des Fiscus geschah, so hatte Constantius daran seinen
Vortbeil, der gute Name des Hosius aber seinen Nachtheil.
All diess kostete Geld, viel Geld. Der Kaiser woUte splendid thun.
Aber seine gemachten Auslagen sollte ihm Spanien selbst mit Zinsen
keimbezahlen. — Wenn das Ansehen des Hosius noch mehr darunter
Btt, so konnte es dem Kaiser nur lieb seyn. — Desswegen schrieb er
lenn am 28. August 357 , den Tag nach dem Tode des Hosius , zu Sir-
miam (wo er im strengsten Incognito wei)te, weil seine hier erlassenen
Greseze zwar das Datum, aber nicht den Ort des Erlasses tragen):
An Cälestinus den Consularis von Bätica. Wenn Jemand , nach der
Beschaffenheit des Verbrechens, dem Todesurtheile verfallen ist, und
dem Fiscus seine Stelle eingeräumt hat, so soll sogleich die Behörde
des Procurator Patrimonii schriftlich von dir aufgefordert werden, sein
Vermögen in Beschlag zu nehmen , so dass diese Objecte dem Fiscus zu
Gute kommen: und alsobald soll über die Besizergreifung derselben mit
den betreffenden Schreiben vorgeschritten werden*).
') Bilarius contra Const. Imp., cap. 5.
^ So nennen ihn die Lucifcriancr, und nach ihnen Isidor Hisp.
') LihtUua precum — cap. 9.
*) Codex Theodos, Hb. IX. Tit. 42 — de bonis proscriptorum seu damnatorum, lex 3, —
CaeUttino Cona. Baeticae. ühi alitfuis, pro gualitate rriminis, vivendi sentaUiam passtu
fiico fectrit locunif super occupaudis rebus ejus statim officium Rrocuratoris Patrimonii
284
SeetasU* Buch. Achtet Kapitel.
tilge, das er durch übertriebene Härte eu Elvira (und Sardika) begangen.
Qott ilberliess ihn seiner eigenen Scbwochheit bis zu einem gewisBco
Grade. Aber — er verlieea ihn nicht; durch seine Strafe, und sau
verdunkeltes Ansehen bei der Nachwelt sühnte er seinen Febler. — Wie
Moses, der Liebling Gottes, das gelobte Land nicht betreten durfte,
weil er einmal in seinem Leben im Vertrauen auf Gott gewankt hatte,
so konnte Husius dem Gerichte Gottes und der Menschen atif Erden
nicht entgehen, weil er zweimal in seinem Leben die göttliche Barm-
herzigkeit verläugnet und sie ausgeschlossen hatte. Aber Gott lieaa ihn
nicht sinken aus seinen barmherzigen Armen , er ist wieder auferotanden,
und die Zukunft wird seinem Andenken das Recbt und die Ehre wied»-
fiihren lassen, die ihm die Veigangenheit vorenthalten und entsogcn
hat. Kr starb in der Einheit der Kirche, and proteetirte gegen die ihm
angethane Gewalt, lir protestirt für alle aus Schwachheit Gefallenen,
und er verlangt, dass ihnen der Weg der Busse und der WiedenonlJuiw
geöffnet werde. Li den Gang seines Lebens aber und in sein A"^wVfT'
bei der Machwelt hat Gott die Worte eingeschrieben: BtaÜ nüairiatrd^
quoniam ipti miMricortÜam eonxquentw (UaOh. S, f')*)-
<) (Tabingcr) Tlieologiticha Quarlslichrin, J. 1861, S. 372—73.
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{»anischcn
«\ — Der
zu ruhen,
wissen, —
u Canon 34
- Ich zweifle,
vie mit Leben-
ixlten so viele
vor den Leich-
_ _ . .nier. Dort wird
o'ten «Ir? Kfc.-.* - 1 Grabe getragen
»t feieni'.i: l.:«: i^.-- -.«inigs Philipp, des
?m Gral'*: El^ml » -. ^ Gemahles stets mit
ach dezi &nr<tU9^: '• -
iteo, welche oh aiii*- ... , ^ /^ n u .
*.., - . ' * . .^ n vorhandenen Quellen hat
gen. lunit AUdiiik'.L - i- j / i 'n i
° , **■ i ''jraphia des toaex Imouüs.;
an die HcnOHU^ l» .. ;,i..'c;n, ««/. de Jiam in „Compte
I um die ^^'miJtr ^ Bruxell. lS4ö [auch in einem
. •:..!i abgedruckt bei Migne Pat, lau
•ies Cyne^^ius Heiniath, wie ich,
lismussagter: Nostratem (d.i. einen
Achantia ah urbe Constantinopolitana
'it cum in majorum suorum monu-
nl Hispanicu reiata, magnitqu*
* ♦^i.r. :...-.:
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286 Sechstes Buch. Neuntes Kapitel.
Daraus geht henror, dass die Verwandten der yerstorbenen Eattioliken
denselben entweder in die Verbannung nachgefolgt waren, oder wenig-
stens auf die Kunde von deren Tode deren Leichen — abholen , und
mit sich nehmen wollten. — Sie wollten wenigstens ihnen die leste Ehre
erweisen y und ihnen ein katholisches Begräbniss geben.
Aber — derselbe Athanasius sagt, dass Hosius den Arianem (dem
Constantius) wegen der vielen erlittenen Schläge, und den Nachstellungen
gegen seine Verwandten auf einen Augenblick nachgegeben habe *). —
Die nächste Erklärung ist, dass diese Verwandten den Hosius in sdne
Verbannung begleitet hatten, und dass sie auch bei seinem Tode zug^en
waren. — Man braucht die menschliche Natur, und man braucht die
Natur eines Spaniers auch nur von ferne zu kennen, um einznsdien,
dass der sterbende Hosius keinen dringenderen Wunsdi haben konnte,
als wenigstens im Tode aus der Hand und Nähe dieser Gottlosen errettet
und in dem Lande seiner Väter begraben zu werden, dass — seine Ver-
wandten keinen innigem Wunsch hatten, als wenigstens seine irdischen
Ud>erreste — mit sich in die Heimath nehmen zu können.
So wurde es in Spanien zu aller Zeit mit denen gehalten, die aus-
wärts starben; wenn es irgendmöglich war, wurden ihre Leichen zurück-
gebracht, wenn sie auch nicht ausdrücklich vor dem Tode diesen Wunsch
ausgesprochen hatten. Von hervorragenden Todten, die im vierten Jah^
hundert ausserhalb Spaniens starben, können hier Papst Damasus und
Theodosius der Grosse gar nicht in Frage kommen. — Aber der mehr-
erwähnte Präfekt des Orients, Cjuegius, ein eifriger Kadiolik und
Spanier, der die Gözenbilder in Aegjpten zerstört hatte ^), ein Ver-
wandter des Theodosius^), und wahrscheinlich, wie dieser, aus der
Stadt Cauca^), in Galizien, starb im J. 38S zu Constantinopel ^). j,Es
starb, berichtet der Spanier Idatius, Cynegius, der Präfekt des Orients,
während seines Consulates^) zu ConstantinopeL Er brachte alle Pro-
vinzen, welche seit langer Zeit erschöpft waren, in den alten Stand
zurück, und drang bis nach Aegypten vor, und zertrümmerte die Gözen-
bilder. Desswegen wurde unter grossem Weinen der ganzen Hauptstadt
sein Körper zu den Aposteln geleitet — am 19. März. Und nach einem
Jahre brachte ihn seine Frau Achantia nach Spanien auf dem Landwege ^).^
>) Äthan, de fi^ga «ua eap, 5, cf. S. 227.
«) ». 8. 125.
*) Theodosius nennt ihn „parens cariMsime et anumtienme" — in dem Rescript auf
den vielgenannten gUbellus precum'^.
*) ThMKiatimM, natume Hiepemuiy de pnwmeia GaUaedae, ewitaU Cauca — ehron, Idol
ad ami. 379.
^) Idatii cknmieon ad 388, Fatti Idatiani ad o. 388,
0 Das Jahr 388 ist Theoiomo A. U et Cyntgio V Com. - (Chnmoiogia Codki»
HUodomam, t 1 ap. GotkofrmL Ritter, p. CXXVIII.)
^ Mi po§i mumm irmuiM mm mainma ejtu ÄekmUia ad Hupmria» pedeetre iu e, via,
pimpmßiim^pm^ pmk»). — fheti M od: omu JSä. -~ v. Bd. 1, 55.
Die Rflokkehr des Hosius naeh Corduba? 287
— Es fgratrfit eich von selbst, dass der Leichnam des Cynegius, bevor er
proTtforisch in der Eorche za den Aposteln in Constantinopel beigesest
«nirde, einbalsamirt worden ist — Achantia, die Wittwe des Cynegius,
irar ohne allen Zweifel selbst eine Spanierin; sie verlangte , nach dem
lode ihres Gemahls sich einsam fühlend in einer ihr fremden Welt,
den Rest ihrer Tage in ihrer Heimath zuzubringen. — Sie hätte es aber
niemals über sich gebracht , ohne den Leib ihres Gemahles heimzukehren.
Sie selbst führte ihn mit sich, den viel weitern Weg von Constantinopel
nach Spanien, und — ihr Weg führte sie wohl — über Sirmium*). —
[}enAa denselben Gefühlen , demselben Drange folgten 32 Jahre früher
Sie Verwandten des Hosius , indem sie ihn mit sich nach Spanien zurück-
führten. Höchstens vier Jahre vor dieser Uebertragung wurden die
Hlnpter der Priscillianisten , und dieser selbst — in Trier — durch das
Schwert hingerichtet, wegen der Verbrechen der Magia und des Male-
Sdnrn; ich zweifle nicht, dass sie unmittelbar nachher — ohne Weiteros,
rerscharrt wurden* — Dennoch erzählt Sulpicius Severus: „Die Leib^
der Hingerichteten wurden nach Spanien zurückgeführt, und es wurde
ihnen eine glänzende Leichenfeier gehalten^ ^).
Es wäre uns nicht schwer, den Nachweis durch die Reihe der Jahr^
Imnderte zu führen, dass, was in der innersten Natur des spanischen
Charakters liegt, auch in allen Jahrhunderten sich wiederholte. — Der
Spanier kann den Gedanken nicht ertragen, in fremder Erde zu ruhen,
)der seine Angehörigen nicht in der Heimath begraben zu wissen. —
Wir verweisen hier auf das zurück, was oben ausführlich zu Canon 34
ond 35 der Synode von Elvira auseinandergesezt wurde. — Ich zweifle,
)b es ein Volk gebe^ das mit den Todten so vertraut, als wie mit Leben-
iigen, umgehet, als die Spanier; ein Volk, das den Todten so viele
Bhre erweist, als wären es Lebendige; ein Volk, das vor den Leich-
[lamen so wenig natürlichen Abscheu hat, als die Spanier. Dort wird
das Angesicht der Todten nicht verhüllt, wenn sie zu Grabe getragen
werden. Die unglückliche Johanna, Wittwe des Königs Philipp, des
Vaters Karls des Fünften, führte die Leiche ihres Gemahles stets mit
') Die bekannten Nachrichten über Cynegius nach den vorhandenen Quellen hat
zaaammengestelU Goihofred. Ritter in der ProMopographia des Codtz Th€odo$,;
sodann Joh. Matth. Garzon m Idatä «pUcopi chroniconf ed. dt Rom m „Campte
rendu de la c<mmisnan royak d^kUt* vol. X, — BruxelL 1845 [auch in einem
Separatabdrucke erschienen — (Nota XI) , auch abgedruckt bei Mtgne Fat tat,
U 74, p, 755], — Garzon argnmentirt über des Cynegius Heimath, wie ich,
aber mit einem Anfluge von spanischem Patriotismus sagt er : Noetratem (d. L einen
Spanier) inguam; nam quo pertmetf tU eonjux Achantia cA urbe CotutantmopoUtana
mmauo ftrt itinere m Sispaniam dodäeertt, niai ut eum in taajorum suorum monif-
montwm infarrttf
*) Su^, Sev, A. «. 2f 5L — Buremptorum corpora ad Supaniai rüataf magnioquit
M cütbnUa eortm fimtra.
i
296 Sechste« Bach. Neantes Kapitel.
Apoetolate in SpaDien wurde ans dem römiBchen Brevior entfernt, aber
auf das Andringen der Spanier im J. 1625 wieder in dasselbe aufge-
nommen. Dort heisst es: „Mox (Jacobos) in Hispaniam profeehu^ Uri
aHiquöi ad Christum eonvertit: ex quarum numero sepUm pattea Epücopi
a bento Petro ardinati, in Hispaniam primi direcii tuni,^ Also auch hier
ist Jacobus an die Stelle des Apostels Paulus gesezt — Bei dem Spanier
Hariana, der fast mit Geringscbäzung über diese Sache hinweggeht,
werden die 7 Apostelschüler, nebstdem Petrus von Ebora (vielmehr von
Braga), Athanasius und Theodor als Jünger des Jacobus bezeichnet*).
Petrus hat den Beinamen Rates , und soll erster Bischof in Bracara
gewesen sejn. — Athanasius gilt als erster Bischof von Zaragoza. Pe-
trus soll in Rates , einem Ort südwestlich von Braga am Meere gelegen,
gelitten haben. Aber ein solcher Ort ist unauffindbar. Er hat sicher
nie existirt. Aber — auffallend ist mir die Aehnlichkeit des Namens
mit dem Kloster Raitu, dessen Bewohner im Lateinischen gewöhnlich
Rhatenses heissen. Das Kloster Rayeh (Raithu) wurde unter Justinian L
in Arabia Petraea gegründet, nahe beim Sinai. — Johannes, Freund
des Climacus, war wohl sein erster Abt. Er veranlasste dessen Werk:
Seala oder xklfioc^j und schrieb Scholien dazu. Im J. 601 — werden
43 (34) Mönche von den Blemmyem ermordet. Um 650 blühte Theodor
von Raithu, Freund des heiligen Maximus, von dem wir noch eine
Schrift haben.
Nun beachte man: Petrus von Rates, und Theodor sind Schüler des
Jacobus. Theodor und Athanasius sind neben Jacobus begraben. Der
Name Athanasius, im Morgenlande allverbreitet, passt auf einen Mönch
von Raithu um so mehr , als die Kirche daselbst den Namen des heiligen
Athanasius trug '). — Diese drei Männer also können Mönche des Klosters
Raithu gewesen seyn, und den Leib des heiligen Jacobus nach Europa
geflüchtet haben, um die Mitte des siebenten Jahrhunderts. — Dass sie
hiebei, so weit möglich, den Landweg einschlagen mussten, kann nicht
bezweifelt werden.
Jacobus kam nach Spanien, — und allmälig bildete sich die An-
schauung (mit Hinzunahme der Traditionen über Pauli Aufenthalt) , dass
er lebend — in das Land gekommen. Hosius kehrte nach Spanien
zurück, und — es war leicht, die Meinung, die in der Redeweise des
') Mariana de rebus Hisp, 4, 2 — nobia receptas opiniones movere non erat animus. —
No9t quoniam rerum antiguitcu certam scriptioni derogat fidem^ neque quid certi de
Jacobi apoMtoU ditcipulis afferi potest^ liberum lectori Judicium de tota hoc re reUnquo-
mue, — Auch Mariana sagt von Hosius (4, 17): His fidei formulis susdpiendis
Osiut Cordubensia venerandam canitiem sugiUasse fertur valde care aestimans pauculot
vitae annoSf quot iUa aetas recipiebat. — Selbst die Lügen Gregors führt er wie
baare Münze an.
*) Ed. Robinson, Palästina, Bd. 1 (1841), S. 488.
Die Rückkehr des Hosius nach Cordubal 299
Landes eine StOce hatte, zu verbreiten, und im Abendlande bis zum
heutigen Tage zur herrschenden zu machen , — dass er nicht als Leich-
nam, sondern lebend zurückgekehrt sei.
Grenau in dieser drastischen Weise — sprachen im Jahre 962,
wohl anderthalb Jahrhunderte — nach der Entdeckung des Leibes des
Apostels Jacobus, die Bischöfe des nordöstlichen Spaniens : istum ApostO'
laium non erat — Ap, S. Jaeobi; gida üle apoitolus interfectus hie venU,
nuUo modo auUm vivu» (dieser Apostel kam getödtet hieher, in keiner
Weise lebendig). [Fiorez, t 19, p. 372.]
Zehntes Kapitel.
Hosius der Grosse.
Auch christliche Bischöfe tragen den Ehrennamen — der Grossen.
Wir haben einen Papst Leo den Grossen und Gregor den Grossen.
Papst Nikolaus I. Wird von Manchen der Grosse genannt. Athanasins
"wird ziemb'ch allgemein der Grosse genannt. Ebenso der heilige Basi-
lius von Cäsarea. Man hat vielfach den heiligen Hilarius den Athanasins
des Abendlandes genannt. Man ^ird es mir zu Gute halten, wenn ich
den Hosius — den Athanasius des Abendlandes nenne. Man wird es
erklärlich finden, wenn ich Hosius den Grossen nenne, weil mir in
dieser Bezeichnung Athanasius vorangegangen ist *).
Diesen Ehrennamen giebt er ihm wiederholt, und er giebt ihn —
ihm allein. Hosius besass aber auch alle Gaben des Geistes und Herzens,
die ihn zu einem wahrhaften Fürsten der Kirche machten. — Er war
ein von Gott gesendeter, ein providentieller Mann. — Er war aufge-
wachsen in einem Lande, das bis jezt der Entwicklung des kirchlichen
Lebens. gänzlich ferne geblieben, das — auswärts kaum genannt wurde.
— Er zog nun nicht nur dieses Land in die allgemeine Strömung des
kirchlichen Lebens hinein , — sondern — er concentrirte in seiner Person
das kirchliche Leben überhaupt, indem er die Geschichte der christlichen
Kirche wenigstens ein Menschenalter zum grossen Theile leitete und
bestimmte.
Er besass das /c^pia^c« xvßegvrjcieojg — die Gabe der Regierung im
höchsten , in einem unvergleichlichen Grade. Er war ein geborner Leiter
und Regierer der Geister. — Längst bevor er der Vater der Bischöfe
*) Äthan, ad episc. Aeg, cap. 8 — xapd rov ,utyd/ov xai ofXoXoyrjrov 'Ooiov, de Juga
cap. 5. xeQi — rov /ueycUov — 'OOiov ■— xepiTTcr iörtv efxk xai Jieyety; cap, 9 —
rov fuytklov mcu 6fAoloYfjT0v *Ooiov,
Hosius der Grosse. 301
geworden, hörten die Bischöfe auf seinen Wink. — An dem unendlich
folgenreichen Ereignisse der Hinwendung des ei^sten Kaisers zu der
christlichen Kirche — hat er den grössten Antheil, und wahrscheinlich
einen grossem ^ als jenes Zeichen , das dem Kaiser erschienen scjn soll
— mit der Inschrift: In hoc Hgno vinces. In der Person des Hosius
ernte Constantin die christliehe Kirche achten und lieben. Vor dem
^ssen Hosius beugte sich Constantin der Grosse.
Bei der unendlich wichtigen Frage, die durch alle Jahrhunderte
berab die Geister bewegt ^ und um welche sich in einem gewissen Sinne
ille andern Fragen bewegen, über das Verhältniss der Kirche zum
Staate, oder — was im Grunde dasselbe ist, über die Freiheit der
Kirche, war es dem Hosius gegeben, die richtige Mitte zu finden, und
In seiner eigenen Person die Cancordia inter sacerdoüum et Imperium her-
Eustellen. Die Kirche musste sich dem Kaiser nahen; aber — sie hätte
dem Schuze ihre Freiheit zum Opfer gebracht , wenn nicht vor allen —
er eine starke Mauer in dem Ha^se Gottes — der neuen Sklaverei wider*
standen wäre. — Er musste am Hofe weilen; — aber einen Hofbischof
bat er nie gespielt; er erzwang sich Achtung auch von den Widerstreben-
ien und Widerwilligen. — Die mit Blindheit geschlagenen Heiden und
Arianer — wussten sich seinen Einfiuss nur durch Zauberei zu erklären.
Elin Zauberer war er nicht. Aber Gott hatte seiner Erscheinung, seiner
Person selbst jenen holden Zauber, und zugleich jene imponirende Macht
verliehen, dass ihm Niemand widerstehen konnte oder wollte.
Von dem heiligen und lieblichen Kirchenlehrer Bonaventura heisst
es: Diese Gnade hatte Gott ihm geschenkt, dass alle, die ihn sahen,
sogleich von herzlicher Liebe zu ihm ergriffen wurden. Von dem hei-
ligen Bomualdus heisst es, dass sein Anblick alle erheiterte. — So auch
wurde Jeder, der in das ehrwürdige Angesicht des grossen Hosius blickte,
erfreut und getröstet Wer immer zu ihm kam, gieng getröstet und
erfreut von ihnl hinweg.
Das Christenthum , das alle natürlichen Tugenden geweihet und er-
hoben hat, hat auch die Freundschaft erhoben und geadelt. — Grosse
Seelen und grosse Herzen — finden sich zu einander gezogen. — Die '
zärtlichste und die edelste Freundschaft und Liebe verband Hosius den
Grossen und Athanasius den Grossen. Denn Beide lebten, stritten und
litten für dieselbe heilige Sache, für die Sache des Gottmenschen, für
den Glauben an ihn, den Gottessohn, der die Welt erlöst und die
Kirche gegründet hat. — Diese Freundschaft, die zuerst den Jüngling
Athanasius im J. 324 — 25 mit dem Greise Hosius zu Alexandrien ver-
band, dauerte in ungeschwächter Kraft ein Menschenalter fort; und so
mächtig war sie in dem grossen Hosius, dass ihn, den die aufgelegten
Martern zu einem vorübergehenden Nachgeben gegen die Arianer ver-
mocht hatten, dieselben nicht vermögen konnten ^ von Athanasius sich
zu trennen.
302 Sechstes Bach. Zehntes Kapitel.
Der Geist und die Liebe des grossen Hosius war ongeiheilt der
ganzen und untheilbaren Earche zugewendet Wo ist, fragt Athanasius,
eine Kirche ^ die nicht sprechende Denkmale seiner Theilnahme aufzu-
weisen hätte? — £r war, wie den leiblichen , so den geistigen Anliegen
der christlichen Völker voll Theilnahme zugewendet — Auch die Sklaven
sind ihm zu unvergänglichem Danke verpflichtet Aber in dem Mittel-
punkte der einen Kirche y in der römischen Ejrche, concentrirte sich be-
sonders seine ehrfurchtsvolle Liebe. Er forderte die um ihn versammelten
Bischöfe auf, das Andenken des Apostels Petrus zu ehren , und seinen
Nachfolgern nicht bloss den Primat der Ehre, sondern auch das oberste
Richteramt in der Kirche zu übertragen. Die Jahrhunderte haben ge-
stritten über zufällige und über wesentliche Rechte des Primates. Wir
haben keinen Beruf, in diesen Streit einzutreten. Aber wir sind der
Meipung, dass Hosius in der Hand Gottes ein Werkzeug war, dem
Nachfolger des Fürsten der Apostel zu seinen wesentlichen Rechten zu
verhelfen, und dass ihm die Kirche überhaupt, und die römische Kirche
— im Besondern — dafür verpflichtet sei.
Die allgemeinen Synoden wären wohl auch ohne Hosius in das
Leben getreten. Aber -r- dennoch war er in der Hand des unsichtbaren
Hauptes der Kirche -^ das begnadigte und bevorzugte Werkzeug, in
der Kirche ein Institut, eine Einrichtung in das Leben zu rufen, durch
welches der heilige Geist in den entscheidenden Wendepunkten ihrer
Geschichte sie erleuchtete, regierte und einigte,
Ehre darum und unsterblicher Ruhm sei dem grossen, dem «user-
wählten, dem in seiner Art einzigen Manne, dem Vater der Bischöfe,
dem abrahamitischen Greise, dem Stolze und der Zierde des christlichen
Spaniens , dem Vater Hosius. Menschliche Bosheit und menschliche
Kurzsichtigkeit hat — durch die Jahrhunderte herab — sein hehres Bild
verdunkelt und angeschwärzt — Sie haben einen Mann, an dem sein
Jahrhundert sich erbaut und aufgerichtet hat, mit so unglüchlichem Er-
folge verleumdet und verlästert, dass er seit fünfzehn Jahrhunderten in
der abendländischen Kirche ein Gegenstand des Aergemisses und ein
Stein des Anstosses geworden ist. — Sollte es mir iü etwas gelungen
seyn , diese ehrwürdige und hehre Gestalt von den Flecken zu reinigen,
mit denen Lüge und Verleumdung ihn besudelt und entstellt hat, in
etwas ihn darzustellen in seiner Grösse und Würde, — wahrlich,
— ich könnte Gott niemals genug für eine solche mir gewordene
Gnade danken.
Eilftes Kapitel.
Hosius der Heilige.
Heilig — nennt Athanasius selbst den Hosius; heilig dem Namen
und der Wahrheit nach. Die morgenländische Kirche hat den Hosius
unter die Zahl ihrer Heiligen aufgenommen, und noch heute gilt er
als solcher. — Wenn die Kirche des Abendlandes diesem Beispiele nicht
gefolgt ist, so liegt der Hauptgrund keineswegs in dem, was mit Hosius
zu Sirmium geschah, oder geschehen seyn soll. Er liegt vielmehr in
der Geschichte, die die Luciferianer über ihn erdichteten, und die zu
einer Zeit, wo man keine Kritik übte, gerade wegen ihrer Ungeheuer-
lichkeit Glauben fand. — Denn die menschliche Natur hat zu Straf-
wundem — eine sonderbare Hinneigung.
Da dieses Mährchen im Morgenlande, wo man den Fehler des Ho-
sius so gut kannte, wie im Abendlande, nicht bekannt war, so kam der
Name des Hosius in das Verzeichniss der Heiligen. Am 27. August
findet sich Hosius sowohl in dem Menologium, als in den Menäen der
Griechen 9 und zwar in folgender Weise:
Menäen — zum 27. August.
An demselben Tage (das Gedächtniss) unsers heiligen Vaters, des
Bischofs Hosius von Corduba:
Schon wenn ich deinen Namen ausspreche, o Heiliger,
Bringe ich dir, dem Todten, das gebührende Lob.
Dieser Glückselige, welcher sich fiiiher in der Tugendübung ausge-
zeichnet hatte, welcher mit allen Tugenden geziert war^ wurde auf den
Siz des Bisthums Corduba in Spanien erhoben. £r hatte aber einen
304 Sechstes Buch. Eilftes Kapitel.
Eifer für unsern orthodoxen Glauben , und er war zugegen bei der
grossen und ersten Synode , wo er den Kampf mit den Arianem durch-
führte , und sie zurückschlug ^}. Die in Sardika veranstaltete Synode
brachte er selbst zu Stande , und er nahm unter den dort Versammelten
die erste Stelle ein. Dieser wurde, nachdem viele andere Bischöfe von
Constantius von ihren Sizen vertrieben worden, weil sie nicht für die
Absezung des grossen Athanasius stimmen wollten, oder besser gesagt^
weil sie nicht an dem schlechten Glauben der Arianer Theil nehmen
wollten^ in die Verbannung geschickt, und nachdem er vieles Harte in
derselben erduldet hatte, fand er in derselben das Ende seines Lebens.
Menologium Basilianum zum 27. August.
Nachdem es den Abt Poemen und den Papst Liberius gefeiert , hat
es über Hosius das Folgende:
Und das Andenken unsers heiligen Vaters Hosius, Bischo& von
Corduba ^) :
Hosius, Bischof von Corduba, verliess die Welt, und vnirde Mönch,
und nachdem er sich vorher im ascetischen Leben ausgezeichnet, und durch
alle Tugenden geleuchtet hatte, und mit vielen Wundem geschmückt war,
80 wurde er Von dem Erzbischofe von Rom — zum Bischöfe der Stadt
Corduba erwählt. Da er aber für den orthodoxen Glauben Eifer hatte,
so erschien er in der grossen Synode ; wo er den Wahnsinn des Ariud
widerlegte, und die seelen verderbliche Kezerei — zurückschlug. Aber
auch die in Sardika veranstaltete Synode brachte er selbst zu Stande,
und er nahm unter den dort Versammelten die erste Stelle ein. Später
aber wurde er unter dem Kaiser Constantius, der Arianer war, in die
Verbannung gesendet, mit vielen andern Bischöfen, weil er sich des
orthodoxen Glaubens annahm. Und nachdem er in der Verbannung
viele Leiden erduldet, zahllose Prüfungen ertragen, eilte er freudig zu
dem Gotte, für den er kämpfte^).
Im Morgenlande also — steht der Name des Hosius in dem Ver-
zeichnisse der Heiligen. — Dort hatten die Verleumdungen Gregors und
seiner Nachbeter keinen Boden gefunden. Daraus folgt allerdings nicht,
dass Hosius, wie Bivar^) und manche Spanier meinten, seine eignen
Kirchen und Feste in der Kirche des Morgenlandes habe. Vielmehr
steht in dem gewöhnlichen Kalender der Griechen — am 27. August —
') xcd fiv^jfnf Tov h ayiois xarQog ijfjuäv 'Ooiov,
') lieber die Menäen und Menologien haben neulich Job. N. Neale- in England,
und Daniel in Halle (1853) geschrieben.
*) J. 360 des Pseudo - Dexter.
Hotius der Heilige. 305
Dur der Name des heiligen Poemen *) y wie auch bei jxob im EjJender
gewöhnlich nur ein Name steht; nur der Kalender der Aethiopier hat
zum 27. August auch den Namen des Papstes Liberius ^). — Den Griechen
gilt also HosiuB heute noch als Heiliger, wie z. B. den Lateinern Gregor
▼on Elvira — cum 24. April — als Heiliger gilt, weil Baronius, troz
der stärksten Zweifel an dessen Heiligkeit, es nicht über sich bringen
konnte, denselben aus dem römischen Martjrologium wegzulassen^).
Die BoUandisten haben zum 23. September den Papst Liberius —
unter die Heiligen aufgenommen, obgleich er in der abendländischen
Kirche als solcher nicht verehrt wird. — Florez hat es mit Recht be-
merkt *) , dass sie am 27. August mit wenigen &st geringschäzigen Wor-
ten an Hosius yorübergegangen. — Wir wollen nicht sagen, dass der
Papst bei ihnen mehr Gewicht gehabt, als ein längst von der öfTentlichen
Meinung aufgegebener Bischof; — aber vielleicht standen auch sie unter
dem Eindrucke der Verleumdungen der Luciferianer.
Unter den Neuem hat zuerst Baronius mildere Bahnen in dem Ur-
theile über Hosius eingeschlagen. Nicol. Antonio, und mehr noch
ä. Aguirre versuchten mit Glück seine Ehrenrettung^). Die Frage seiner
Beiligsprechung hat Henr. Florez zuerst mit wenigen Worten behandelt,
j^dem er sagt: ^^Da seine Tugenden heroische waren, so könnte die
\BiUge Kirche von Corduba um seine Verehrung als Heiliger nachsuchen,
jidem sie sich auf den Vorgang der Kirche des Morgenlandes als Bei-
spiel beriefe. Er nennt ihn mit Recht den „heiligen und grossen Vater
Boaius'' ^). — Der Spanier Michael Maceda hat eine grosse Abhandlung
lUeber die Heiligkeit und die rechtmässige Verehrung des grossen Ho-
rius** geschrieben^). — Er hat sein Werk dem damaligen Bischöfe von
Corduba, Antonio Caballero y Gongora gewidmet. Er hofile, dass noch
\mter dem Papste Pius VI. die Heiligsprechung des Hosius erfolgen
*) Aäsemani, Kalendaria ecclesiae universae, t. C, — z. 27. Aug. — Indest verehrt
die rotsische Kirche im Allgemeinen die als Heilige, welche die griechische
Kirche in ihre Menologicn aufgenommen hat — Strahl, russische Kirchen-
gischichtc — p. 702 — bei Daniel: Codex Uturgicus, t 4, (185S), p. 249,
*) DaniMl, L c. p, 266 — Liberius patriarcha Rotnae.
*) cf. Die neueste römische Ausgabe von 1845 — Ratisbonae 1846 — - lUiberi in
Bitpania saneti Grtgorii episcopi et eon/euoriM (ist wörtlich aus Usuardus : Item
cwitate Heliberri, »ancü Gregorii epiacopi et conf,),
*) /We», 10, 200.
») Antonio-Fr. Perez Bayer, Bibliotheea vetus Bispana, t. /, p. 133—138. Madrid 1788.
— Aguirre f conciL Biepaniae, t. 2. dissert. 2; 13—15. excure.
•) y hamendo tido heroycas aas acciones, pudiera la Santa Igleaia de Cordoba
eolieitar eu culto, airviendola de egemplar la practica de la Iglesia del Oriente,
L 10, 165 — 214 — „El Santo y gran Padre Oeio."
') Maceda: Boeiue vere eanctue; de eanctUaU et cuUu legitimo M. Boeii diuertatio eeamda.
Bommiae 1790, p. 241^380.
OiBS, tpaa. Kirehe. IL 20
306 Sechstes Bnch. Eilftes Kapitel.
werde. — Die energische Sprache, deren er sich Spanien und Rom
'gegenüber bedient, nachzuahmen — wäre für uns nicht rathsam. Ob
Ton Spanien aus Schritte in dieser Sache geschehen, wissen wir nicht ^).
Aber^es scheint uns, dass — unter dem Vorgange der zunächst
betheiligten Elirche von Corduba, und der Eirchenproyinz von Sevilla,
die Elirche von Spanien — Anlass und vielleicht die Pflicht hätte, das
gegen den grossen und heiligen Bischof von Corduba begangene Unrecht
zu sühn^i. Wenn das katholische Spanien nur einen kleinen Theil der
Mühen und des Eifers aufwendete, den es aufgewendet hat in der An-
gelegenheit seines Apostels Jakobus, so dürfte es das Ziel erreichen.—
Es ist wahr und es ist gut, dass man in Rom nichts übereilt. Aber es
handelt sich um die Sühnung eines Unrechts, das seit fün&ehn Jahr-
hunderten an einem der grössten Männer der Kirche begangen wird.
^ handelt sich um einen Bischof, der sich um die Kirche überhaupt,
und um den römischen Stuhl unvergängliche Verdienste erworben hat
Den Versuchen aber, sich der griechischen Elirche zu nähern, an der
Niederreissung jener grossen Scheidewand zu arbeiten ^ die seit acht
Jahrhunderten die Kirche des Morgenlandes von der des Abendlandes
trennt, würde es gewiss nicht hinderlich sejn, wenn die heilige römische
Kirche, indem sie den grossen Hosius unter die Zahl ihrer Heiligen auf-
nähme, damit erklärte: Diesen edlen und grossen Mann — nehmenirir
aus euem Händen an und auf. Wir haben ihn verkannt Aber — weil
er in eurer Elirche als Heiliger gefeiert wird, weil wir uns überzeugt
haben , dass ihr hierin bisher im Rechte , wir aber im Unrechte waren,
so danken wir euch für diese Gabe, und vnr wollen von nun an in
gemeinsamer Liebe und Hochachtung das Andenken eines der grössten
und edelsten Männer begehen und bewahren, den Gott als eine une^
schütterliche Säule in seiner heiligen Kirche aufgerichtet hat.
Wir aber bitten zu den Heiligen, die mit Christus im Himmel
herrschen, besonders denen, „welche Spanien so sehr verherrlicht haben
durch Tugend, HeiUgkeit und Wunder'^, dass durch ihre Fürbitte j,der
heilige und grosse Vater Hosius'' — ebenso von der streitenden Kirche
auf Erden unter der Zahl der Heiligen verehrt werden möge, wie er —
nach unsrer Ueberzeugung, unter den Heiligen im Himmel wandelt
*) BibUotheeae acriptonim sodetatit Jesu Supplement I (ed. Caballero) f Rom. 1814 —
p, 180 — 81 — Hiepania eccUsiaque universa optimia omtnibua proseguebantur Äueion»
defeneioniM Hosianae, qua praestantisiimum inter patres ecclesiae virum erudite et nsr-
vo$€ purpat «6 Arianismi crimine. -^ Backer ^ bibliothique des €crivams de la
pagnie de Jisus, 4. (1858), p. 363.
Zwölftes Kapitel
RecapltDlatlon.
Da ich an dem Schiasse dieses Buches über Hosius^ an welchem
ieh — in den Jahren 1860 bis 1863 zu yerschiedenen Zeiten g^earbeitet
ikabe, angelangt bin, — habe ich den ursprünglichen Wunsch und Plan
rollendet, der mich zu diesem Werke zog. — Denn ich wollte die
Eirchengeschichte Spaniens nur bis zu dem Tode des Hosius yon Cor-
hiba schreiben. — Da ich aber von verschiedenen Seiten zur Fortsezung
les Werkes ermuntert worden bin, besonders desswegen, weil überhaupt
ine Kirchengeschichte von Spanien diessseits der Pyrenäen noch nicht
"orhanden ist, so stelle ich der Fortführung dieses Werkes gern meine
Seit und meine geistigen Kräfte zur Verfügung. — Die Verhältnisse
iber verlangen von nun an eine gedrängtere Behandlung, um so mehr,
e weniger historische Controversfragen , welche auf ihre Lösung harren,
dch ihr in den Weg stellen werden. — Bei den unentschiedenen Streit-
lonkten allein, z. B. hü der Frage nach dem Ursprünge der mozara-
[liflchen Liturgie, oder bei der Frage nach der Ankunft des Apostels
Jakobos in Spanien , werde ich länger verweilen. Diesen unentschiedenen
Streitfragen müsste auch die von der spanischen Inquisition beigezählt
werden, wenn sie nicht in den lezten Jahren, besonders durch deutsche
Schriftateller, ihrer Erledigung entgegengeführt worden wäre. Das vor-
liegende Werk ist eigentlich eine Reihe von Forschungen über die
dunkeln und im Streite liegenden Fragen der Kirchengeschichte Spa-
aiena, und theilweise auch der allgemeinen Kirchengeschichte, welcher
die Frage über die lezten Jahre des Apostels Paulus, und die Frage
Sber die lezten Schicksale des Bischofs Hosius unbestreitbar angehören.
Lddem ich auf die vorstehenden Erörterungen über Hosius von Cor-
duba zurückblicke , bin ich in keinem wesentlichen Punkte schwankender
oder anderer Ansicht geworden. Er war, nach meiner Ueberzeugung,
20*
308 Sechstes Bach. Zi^ölftes Kapitel.
Haupt und Seele der Synode von Elvira im J. 306 , er vor allen führte
den Kaiser Constantin dem Christenthume zu, er hat das grösete Ver-
dienst um die Synode Yon Nicäa, er präsidirte derselben im Auftrage
und Namen des Papstes Sylvester, er ist der Gründer der Metropolitan-
verfassung der spanischen Kirche, er — hat keinen Antheil an der
zweiten sirmischen Formel, er ist nicht zu dem Arianismus, und nicht
von Athanasius abgefallen, er starb in der Verbannung am 27. August 357
zu Sirmium, und sein Leichnam wurde nach Spanien zurückgebracht
Es würde aber — meinen Erörterungen nicht entgegengetreten, wenn
Jemand den Beweis antreten wollte, dass Hosius allerdings einen An-
theil an der (S. 233 — 34 mitgetheilten) zweiten sirmischen Formel htbe^
dass er ihr nemlich den orthodoxen Zusaz beigefügt, und sie dadorcb
aufgehoben habe : „Diess aber ist der Kern und Schlussgedanke und die
Besiegelung des ganzen Glaubensbekenntnisses, dass die Dreieim'gkdt
aufrecht zu erhalten ist, wie wir in dem Evangelium lesen: Gehet und
taufet alle Völker im Namen des Vat^ , und des Sohnes und des
heiUgen Geistes 1 unversehrt, vollkommen ist die Zahl der Trinität*).*
— Indem Hosius der ihm vorgelegten Formel diesen orthodoxen Zusas bei-
fügte ^ könnte man sagen, hielt er sich auf katholischem Boden, und
konnte mit d,en Arianem^ die sich denselben gefallen Hessen, dadurch
vorübergehende |Circhengemeinschaft eingehen, während sie das Haupt-
gewicht auf die vo]:hergehenden Explikationen, er dagegen auf den
Schlttss legte. — Die oben mitgetheilten Berichte des Fpiphanius .ufid
des Sozomenus^), nach welchen die Arianer einen Brief des Hosius sich er
schlichen haben, würden bei solcher Erklärung eine sachgemässere Be-
stätigung finden. — Was gegen diese Erklärung spricht, ist oben schon
angeführt (S. 234 — 242), womach Germinius von Sirmium die ganie
Formel redigirt und diesen dem Ganzen widersprechenden Zusaz auf
eigene Faust eingeschaltet hätte. Für dieselbe spräche u. a. der Umstand,
daiss das seltene Wort: elamula (für caput, flnis, x€(paixciov) sich b^
spanischen Schriftstellern, u. a. schon bei Aur. Vrudentius Clemens findet:
— merüi quia clatmila pax est (psychom. 778) : der Friede ist der Schluss,
das Ergebniss des Verdienstes. -^ Nicht minder findet sich das Wort
häufig bei spanischen Profanschriftstellem , z. B. bei Columella aus Cadix
(daimdam imponere disputatUmi — de re not, 3, 19] clausula peraäi
operU mei — 2, 57); bei Seneca (beatae vitae clausulam imponäiy
epiH, 60); bei Quinctilian (inst. or. 2, 2 — ad omnem daitsulam; 8^ 5^
et passim). — Es. leuchtet ein , dass eine solche Gemeinschaft dea Hosius
mit den Arianem keine Gemeinschaft gewesen wäre. Er hätte ihnen
widersprochen; sie aber, weil sie wem'gstens eim'ge Zeilen als Anhang
zu ihrer Formel von ihm in Händen hatten, dieselben als Uebereinstim-
*) Nach der Ueberteznng von Reiokeas, S. 158 — 59.
«) 8. 259—261.
Recapitnlation. 809
mimg mit ihrer Formel ausposaunt ^ und — für ihre Lügen bei der
Mit- und Nachwelt Glauben gefunden.
Das vorliegende Buch über Hosius war fast zu Ende gedruckt, als
mir die schöne Monographie ;,Hilarius von Poitiers. Eine Mon. von
Dr. Joseph Hubert Reinkens, Prof. — zu Breslau*)/*' zukam, die ich
demnach leider für mein Buch über Hosius nicht mehr benüzen konnte.
— In Betreff der Verurtheilung des Hosius durch den heiligen Hilarius
ist der Verfasser gleicher Ansicht; er sagt: ^^ich stimme Hefele (I, 653
—54) vollkommen in der Annahme bei, dass Hilarius in Bezug auf
Hosius hintergangen worden^ (S. 161). „Hosius unterschrieb, nicht die
Absezung des Athanasius, aber die zweite sirmische Formel^ (S. 160).
Potamius verfasste nach ihm die sirmische Formel. Es fällt ihm, wie
mir auf, dass dieselbe nur 3 Namen trägt; da^m schlägt er vor zu lesen:
^foendenUbui, statt pr<ieientibu8 (S. 158). — Er sagt femer, dass Hilarius
fin der grössten Aufregung^ seine Schrift: „Über contra CantUmHum^
)egofinen , die aber erst nach demi * Tode des Kaisers ^^chienen sei
Retnkens, 6. 209; -s. oben, ß. 254 — 56)* — Von dem- sogenannten
fOpt48 hisioricum^ sagt .er, dass es eine verstümmelt auf uns gekommene
Jchrift des Hilarius sei, welche dieser noch ih der Verbannung ver-
Mste (R, S. 210 — 20 „die historischen Fragmente^). In einem Anhange
die lateinischen üebersezungen der Bibel um die Mitte des 4< Jahr-
londerts) tritt der Verfasser der von mir (Band 1 , 8. 86 — 102) ver-
achten Ausführung über den römischen Ursprung der „vetus luüa^ bei
R.y S. 335 — 51), wofür ich ihm um so mehr dankbar bin, als er meines
KTiMens bierin der erste ist, welcher sich bestimmt ausspricht'-^ Hilarius
lelbst hätte für meine Beweisführung reiche Ausbeute geliefert, was ich
EU spät bemerkt habe. — Sollte ich in der Vertheidigung des Hosius
vielleicht Ausdrücke gebraucht haben, die nicht frei von einer gewiss^i
Gfereiztfaeit gegen den heiligen Hilarius als Gegner des Hosius sind, so
kann ich diese Ausdrücke zwar jezt nicht mehr ^zurücknehmen, aber
lodi — missbilligen.
I) Schaff baasen, 1864, 359 8.
Siebentes Buch.
Die Kirche in Spanien von dem Tode des Hosiiu
— bis zn dem Eintritte der Westgothen — in
die Kirche (J. 357 bis 589 n. Chr.).
Erstes Kapitel.
Die Laelferianer in Spanien. Gregrorins. Potamlus. Florentiu
Schon zu Lebzeiten Lucifers vod Cagliari, gestorben 370 oder 371*))
dessen lezte Lebensjahre in Dunkel gehüllt sind, hat Gregor von EUvira
'sich in den Vordergrund gestellt, und eine Art Oberleitung dieser schis-
matischen Sekte übernommen. Faustin und Marcellin berichten, daas
Gregor den Lucifer gesehen , und in ihm einen heiligen Mann gefunden
habe. Diese Zusammenkunft kann nicht vor der Rückkehr Lucifers im
J. 362 stattgefunden haben , wo er über Neapel und Rom nach Cagliari
heimkehrte^). Sie berichten weiter, dass für ihre Anhänger in Rom
j,der seligste Ephesius^ zum Bischöfe geweiht wurde, von einem andern
ihrer Bischöfe, nemlich „von dem standhaftesten Taorgius, gleichfaUfl
von einem Manne voll unanfechtbaren Glaubens, aber „unter der Ge-
hässigkeit eines falschen ihm zugelegten Beinamens^ ^). Der Name
') Hieron, chron, ad a. 374 (371): Luci/er Calaritanus ejoitcopus moritUTf qm cum Gre-
porio epiteopo Hupantarum , et Philone Lihyae , numquam se Arianae mtMcmt pramtaü.
*) UbelL prßcum -- c, 16 — beatut Luci/er de quarto exilio Romam pergenSf mgretnt
est NeapoUm,
*) c, 23 -^ emb invidia faUi impoeiti cognomentL
t
Die Lnciferianer in Spanien. Gregorins. Potamins. Florentius. 311
B;iii8 ist unerhört, und manche Spuren weisen darauf hin, dass
r dem Taorgius der uns wohlbekannte Gregorius steht. Er war nach
gekommen, den Luciferianem einen Bischof zu ordiniren. Aber
; Damasus war zu fürchten. Darum nannte Gregorius sich Taor-or«for,
einerseits, dass er nicht erkannt, anderseits, dass er erkannt würde, ^^^
ihm der Ruhm bliebe, in der Hauptstadt der Christenheit den ersten ^"^
of fLLr die allein wahren Katholiken ordinirt, und so der Christen-
gleichsam ein neues achtes Haupt gegeben zu haben. Sein ver-
wes Vorgehen nennen seine Anhänger die ^^Gehässigkeit eiues falschen
sugelegten Beinamens'', wobd sie natürlich die Gehässigkeit auf
Damasus fallen lassen, der die wahren Katholiken durch seine
Igung zwang, sich zu verstecken und zu verstdlen. Den Hosius
Gregor zu Tode gebetet. Vielleicht wäre ihm diess auch mit
usus gelungen, wenn er nicht seine Wunderkraft durch einen er-
sten Namen gelähmt hätte.
7regor hatte sich durch die Thatsache die&er Weihe wenigstens
LfUcifer als Coadjutor — mit dem Rechte der Nachfolge beigeordnet
irfte, vielleicht auf der Rückreise, wahrscheinlicher auf dem Wege
^tika nach Rom — den Lucifer in Cagliari besucht haben. Wir
darum seine Reise nach Rom in die Jahre 366 bis 371. j^Es kam
ucifer) der heilige Gregorius , und bewunderte an ihm die so grosse
irsamkeit in den heiligen Schriften, und sein Leben selbst, das
isam ganz in den Hinmiel versezt war. Ein wie grosser Mann
Lucifer gewesen seyn, da ihn sogar selbst Gregorius bewundert,
ei allen wunderbar ist^), nicht bloss in Folge jenes Zusammen-
8 (ex collirione illa) mit Hosius, sondern auch wegen der göttlichen
aden, die er in sich hat, und wodurch er die Gnade des heiligen
w vollbringt ?**
)iese Sektirer schwingen mächtig das Weihrauchfass der Lobpreisung
i ihre Häupter. Aber so klar es ist, dass Gregor eine grössere
d an dem Schisma trägt, als Lucifer, von dem es zum Verdrusse
iekte seinen Namen trägt ^), so klar ist es, dass sie an Gregor
^e Lobsprüche verschwenden, als an Lucifer. Denn der Lebende
echt, und als „der lihellus preetem^' verfasst wurde, lebte und wirkte
>r als ihr Haupt. Li Spanien gewann die Sekte durch ihn Aus-
ing, und scheint dort längere Zeit nach seinem Tode fortgewirkt
ben. Da die katholischen Bischöfe in Bätika sich der Sekte wider-
L, so klagten die Sektirer über Verfolgung. — Sie nennen einen
er Vincentius, der mit dem seligen Gregorius Gemeinschaft hielt
op. 25 — atm iUum ctdmiratur et Gregorius, qui apud cunctOM cuimirabilis ett,
«p. 24 sagen sie gleichfalls: fM cognomenti dUcuäamus invidiamf qua not Jaetant
996 LuefferianoM,
d
312 Siebentes Bach. Erstes Kapitel.
Gegen diesen wandten sie sich zuerst an den Conmilam der Proyins
Bätika; dann versanunelte sich — eine Volksmenge aus andern Orten;
am Sonntage drangen sie in die Kirche, wo sie den vorher gewarnten
Vincentius nicht fanden ; wie auch seine Gemeinde nicht Aber die Er-
bitterten schlugen gewisse Christo geweihte Ministranten so, dass sie
in Bälde starben'). Diess geschah in der Kirche selbst. Es erbitterte
den Anhang des Vincentius; und nun traten die Bischöfe selbst auf , und
schritten ein. j,Sie verlangen die Auslieferung der Decurionea jener
Stadt, dass sie in Bande gelegt würden. Einer der Vorsteher starb ao
Hunger und Kälte, unter dem Wehklagen jener Provinz, die sein ehr-
bares Leben kannte; die herrlichen und katholischen Bischöfe Luciosos
und Hyginus waren die Urheber dieser Grausamkeit, und wohl drangen
sie in die Basilika ein, aber in den Glauben des Volkes konnten sie nicht
eindringen.^ Die Sektirer bauten sich sofort auf einem (abgelegenen)
Felde eine Basilika, wo sie mit Vincentius sich versammelten. Aber
aus verschiedenen Orten strömte wieder das Volk und die Decurionen
zusammen. Auch Priester kamen zu dem Orte. Sie erbrachen die
Thüren jener Kirche, und nahmen weg, was zum heiligen Dienst gehört
Zulezt nahmen sie selbst den Altar aus der Kirche, und stellten ihn in
einen Tempel zu den Füssen des Gözen. Das thaten jene, die durch
Pönitenten — von ihrer gottlosen Unterschrift — wegen des Gutes der
Einheit und des Friedens — in die katholische Gemeinschaft aufgenom-
men wurden^).
Der historische Gehalt dieses Berichtes ist noch nicht ermittelt. Ich
gebe einige Vermuthungen. Die gottlose Unterschrift bezieht sich auf
Rimini und das J. 359. Dort hatte Hyginus (zu Nice) unterschrieben;
vielleicht war auch Bischof Luciosus dort gewesen. — ^Die Pönitenten*
— waren zunächst Liberius der Papst und seine Anhänger, von denen
sich die Luciferianer ferne hielten. — Die Abgefallenen also — nahmen
die Abgefallenen wieder in die Gemeinschaft der Kirche auf. — Der
Priester Vincentius befand sich wahrscheinlich in dem Bisthume des
Luciosus. Hjginus wirkte mit ihm gegen Vincentius, entweder, weil er
Metropolit, oder weil er, wie es später von ihm hcisst, „in der Nachbar-
schaft sich befand^. In der Mitte zwischen dem Bisthum Elvira, von
wo aus Gregor wirkte, und Corduba liegt das Bisthum Cabra, und in
ihm j,die Stadt^ Epagro. Es ist zu beachten, dass hier — im J. 839
') certa Chruto Dto devota mimsteria , guae illtc inventa mnif ita ßtstibut eHaenmtf ut
non multo pott expirarent (entweder Kirchendiener oder GoU geweihte Jongfraoen)
— cap, 20. Dagegen bei Gregor Tur. H, Franc, lib. 3, 10 sind ^mmUtma Eedmarvm
pretioBtu,* kirchliche Gerälbe.
*) Diest ist eine indirecte Bestätigung, dass Hyginus, vielleicht auch Lueiosus,
in Rimini 359 waren.
Me Lndferianer in Spanien. Gregorios. Potamius. Florentius. 313
bnliche Sekte entdeckt ^ und yon den Bischöfen von Corduba-
^ und Acd einer Synode mr Anzeige gebracht wurde '). Aus
Berichte geht ferner die geringe Verbreitung der Sekte hervor,
ty ausserhalb des Bisthums Elvira, nur einen Priester und eine
ide. Noch bestinunter tritt das energische Entgegenwirken der
. Bevölkerung hervor. — Diese Stimmung zeugt eben nicht von
besondem Geruch der Heiligkeit, in dem Gregorius in seiner
th stand. Die Sekte erscheint als Winkelkirche.
unbestimmten Ausdrücken spricht auch Hieronymus von einer
itung der Luciferianer in Spanien, ja von dem Hauptsize derselben
em Lande, in dem ihr Haupt wohnte. — „Wenn Christus,^ sagt
thodoxe bei Hieronymus, „keine Kirche, oder wenn er seine Kirche
Sardinien hat, so ist er allzu arm geworden. Und wenn Satan
lien, Gallien, den Orient, Indiens Völker, die barbarischen Na-
, und die ganze Welt besizt: wie sind denn des Ejreuzes Fahnen
Winkel der ganzen Erde (d. i. Spanien) getragen worden ? Na-
hat der mächtige Widersacher Christo — das garstige Iberien
sen: schmuzige Leute und ein armes Land Wollte er nicht be-
.^ Das ist rhetorisch übertrieben. Nicht ganz Sardinien, noch
r ganz Spanien war schismatisch. Aber dort und hier sassen die
jr der Sekte, Lucifer, und nach dessen Tode — Gregorius. —
lassen sich zu Gunsten I^ucifers einige Gründe beibringen, dass
Schisma nicht bis zum Ende beharrt ^). Für Gregorius stehen
Tründe. Denn der Umstand , dass er im römischen Martyrologium
ist, wie gesagt, für sein Ende in der Gemeinschaft der Ejrche
eweis. Er steht nicht in jenem uralten Elirchenkalender, den wir
"omanum parvum^* nennen, und den uns Ado mitgetheilt. — Ihn
)rst Usuard am Ende des neunten Jahrhunderts in das Verzeich-
Iner Heiligen aufgenommen. Diess war eine Arbeit ohne kirch-
anction. Unter den Quellen des Usuard , der fast immer von Ado
ig ist, war vielleicht auch der ^ylibellus precum", oder die Schrift
idor „über die berühmten Männer*', wo (cap. 14) Gregor „ein
r, [ein heiligster, ein wunderbarer] Mann*' g^iannt wird. Der
ebene Buchstabe entschied. — Er kam in das, und er blieb in
surtyrologium. — Die Spanier Nie. Antonio und S. Aguirre im 17.,
r de Castro und Perez Bayer im 18. Jahrhundert, haben ihn nach
tm, t. 10, p. 525 -- 532. Florex, t /5 — Concil. Cordubenae 839. — Daraus Helf-
iek, pa^. 108 -^ 114.
tRahffUi ado. LudferianoSf eap. 15. Iberern excetram (rrüher hiess et : et Celti-
of — J, eap. 16.
K 20 ^ verbis ewn (Lud/.) a nobis dissentire, non rebu*: si quidem rec^nat, qui
Ariami baptuma eotueeuti $unt.
314 Siebentes Buch. Erstes Kapitel.
Kräften Tertheidigt ^^als -würdigsten Prälaten^ '). — Aber nur Florez hat
Eingehendes über ihn. — Er ringt mit schweren Zweifehl an seiner
Heiligkeit. Er kann nicht beweisen, dass er jemals angehört, Schis-
matiker zu sejn. Es fällt ihm auf; dass er 2u Granada kein eigenes
Fest- Officium habe, sondern dass er schlechtweg als Heiliger (ie eommtmt
eonfessorum Pontifieum begangen werde ^). Er meint, man könnte ihn
auch als Heiligen fallen lassen ; aber — die Ehre so vieler Martyrologien
stehe auf dem Spiele ^).
Die Wahrheit steht aber über der Ehre der Martyrologien. Un-
fehlbar ist nur Gott und nur die Kirche. Die Martyrologien haben
diesen Anspruch oder dieses Vorrecht nicht. Wenn Gregorius von EI-
vira kein Heih'ger ist, und wenn alle Martyrologien bis zu dem Ende
der Zeiten ihn unter den Heiligen nennen, so wird er dadurch nicht
beatificirt und nicht canonisirt.
Von den verschiedenen „mittelmässigen Tractaten^ ^], die Gregorius
geschrieben haben soll, ist auf die Nachwelt nichts gekommen; auch
jener Brief nicht, den Eusebius von Vercelli beantwortet hat — Da-
gegen „das elegante Buch vom Glauben — an die Kaiserin Flaccilla''
ist uns erhalten, das Hieronymus für ein Werk des Gregorius hielt
Es ist jezt anerkannt, dass diess die Schrift des Priesters FanstinuB an
die Flaccilla: „de irinU(xte «tue de flde corUra Arianoi^' sei^). Wie kam
Hieronymus zu seinem Itrthume? Vielleicht, dass Gregorius diese
Schrift auch als die seinige verwerthete. Auf seinem Standpunkte war
er nicht so ganz im Unrechte. Denn das Ideal der Urkirche, die er
wieder herstellen wollte, muss auch die Gemeinschaft der Güter als ihre
Eigenschaft aufweisen. Diess muss auch auf geistige Güter, wie z. B.
Schriften — seine Anwendung finden. Gregorius als Haupt dieser Kirche
konnte sonach auch die Schrift eines seiner Unterthanen — die seinige
nennen.
Mit Gregorius stehen in mehrfacher Verbindung die Bischöfe Pota-
') Aach die BoIIandisten haben ihn zum 24. April als Heiligen. — Fhrez, t 12,
p. il6 — iil. — Aguirre t. 2 C. dissert. 16. excurs. 4 (er und Florez lassen den
Gregorius nach Sirmiuro verbannt scyn). — de Castro, Joseph Rodrigunx de,
Biblioteca Espannola, Madrid. 178 t ~ 86, 2 vol. — t 2, p. 172 — 74. — N, An-
tonio — ed. Fr. Perez Bayer, Bibliotheca Hispana vetus, t. t, Mat, 1788, p. 138^
146. — /i6. 2. cap. 2 und cap. 3.
*) p. 134 — 85 — »was mir,« sagt er, »nicht wenig Befremden erregt, da man &chte
und löbliche Nachrichten von seinem Leben hat."
') Er glaubt, wenn Gregor irrthümlich unter den Heiligen st&nde, so hatte Gott
dafür gesorgt, dass der Irrthum offenbar würde — p. 134.
*) Gregorius BaeticuM Elibtri episcopus usgue ad eitrrnnam senectutem dwenoM wudioeri
sermone tractatus composuii, et de Pide elegantem lihrum, qui hodieque mpereste diäter
— Hier, et 105.
•) Florez, 12, 136 — 141 - Escritos de S. Gregorio.
Die Lnciferianer !■ Spanien. Gregorius. Potamius. Florentius. 315
miiis und Blorantiaa. — Der leztere erscheint wohl schon anf der Synode p,^,^
SU Ades im J. 314, als Metropolit zu Sardika im J. 343, mid — wieder ^<»
in dem j^UbeUna preetan^ des Faustin und Marcellin» — Die leztem lassen k«*.
ihn eines tragikomischen Todes sterben, weil er mit den beiden ,|Pii&-
yarioatoren^, nut Hosius und mit Potamius irgendwo zusammengekommen.
Dieas kann, wie schon gesagt, bei der Leichenfeier des Hosius zu Cor-
duba, Ende des J. 357 oder Anfang des J. 358, geschehen seyn. Floren-
tios war damals schon ein bejahrter Mann. Er kann einige Zeit nach-
her, auf seinem Bischoftstuhle zu Emerita sizend, einem Schlaganfalle
unterlegen seyn. — Denn die frömmsten Priester sind schon am Ahare
oder in den Kirchen gestorben, und kein Vernünftiger sah darin ein
Stni%ericht Gt)ttes. — In ihrer Weise aber berichten die Verfasser des
jjtäfdhu preeum^: ^Da er in der Versammlung der Gemeinde auf seinem
Throne sizt, so wird er plözlich hin weggeworfen, und er zappelt an
allen Gliedern , aber aufgehoben und hinausgetragen kommt er wieder
zo Athem. Da er wieder und zum zweitenmale hineinkommt und sich
sezt, geht es ihm ebenso, indem er noch nicht die Strafen seiner be-
mackelten Gemeinschaft erkennt Da er dennoch zum drittenmal hinein-
zogeken hartnäckig genug ist, wird er so zum drittenmale vom Throne
hinweggeschtittelt, dass er gleichsam als Unwürdiger von dem Throne
selbst — zurückgestossen zu werden schien, und hingeschleudert auf die
Erde, wurde er zappelnd so gequält, dass mit einer gewissen Heftigkeit '
and unter grossen Qualen ihm der Geist herausgepresst wurde. Und
nun wird er au%ehoben, nicht als einer, der, wie früher, zu sich kommt,
sondern — der begraben werden muss').^
Lassen wir das schmückende Beiwerk weg , so kann sich die Sache
auf einen Schlaganfall in der Kirche — mit tödtlichem Ausgange —
reduciren. — Wenn beigefügt wird: „Es weiss dies, was wir erzählen,
die grosse Stadt Emerita, in deren Kirche das Volk dieses mit eignen
Augen sah^ — so haben wir an diesem Zusaze nichts auszusezen. — ^
Aber nur unsre Sektirer sehen in diesem natürlichen Falle ein Straf-
wunder, dem ihre Gegner nie entfliehen können.
Ebenso kann das, was sie von Potamius erzählen, auf einer That- p^^
Sache beruhen. Es ist von andrer Seite her erwiesen , dass dieser Mann "■*"*
— wohl aus Feigheit — Arianer wurde. Wir haben ihn bei Hosius in li
Sirmium gefunden. — Sein Brief an Athanasius überweist ihn des Ab-
falles. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er auch in Rimini — 359 — war. —
Es find^i sich in dem s. j,opus Historie.^ des Hilarius zu dem Briefe,
den Liberius aus seiner Verbannung an die (arianischen) Bischöfe des
Orients schrieb, als Zusaz die Worte: „Was ist in diesem Briefe denn,
was nicht der Heiligkeit, was nicht der Gottesfurcht entspränge? Aber
Potamius und Epictetus, indem sie sich freuen, den Bischof der Stadt
Liu
bOB
') Ei mde jam toüitury non ex more (martef) resumenduif ted tepelienäut, Ub.jprec e. It,
an
Atba.
naiina.
316 Siebentes Buch. Erstes Kapitel.
Rom zu verdammen^ wie es in der (den Akten der) Synode von Ari-
minum enthalten ist, wollten diess nicht hörend). Aber auch der Bischof
Fortunatian (von Aquileja) , der wieder denselben Brief verschiedenen
Bischöfen übersandte, richtete nichts aus.'' — Der Sinn der Worte ist
nicht zu ermitteln; aber es geht daraus doch eine feindliche G^miung
des Potamius gegen Papst Liberius hervor, sei es, dass jener — zuerst
in Rimini die Rolle eines Orthodoxen spielte, und gegen Liberius als
einen Abgefallenen eiferte, sei es — dass er als Arianer den Papst an-
feindete,- der sich von jener Synode ferne hielt Das leztere ist nicht
unwahrscheinlich, denn der neben ihm genannte Epictet war wohl der
bekannte Bischof von Civita-Vechia, eines der Häupter der Arianer
zu Rimini. — Aber — als anerkannter Arianer nach dem orthodoxen
Spanien zurückzukehren , fand Potamius wie Gregorius , nicht- geratheo.
scia Er schrieb also einen orthodox lautenden Brief an Athanasius, wohl £ut
gleichzeitig mit Gregorius , worin er ihn in einem wahren Kauderwelsch
zu den Sternen erheb}. Es schreibt: „An den Herrn, den Bruder , den
glorreichsten und seligsten Bischof Athanasius^ — Potamius; — der
Brief, welchen Athanasius gewiss so wenig , als wir , verstanden y und
den er sicher nicht, beantwortet hat, wimmelt von hässlichen Bildern').
Doch schinmiert einiges Talent des Verfassers hindurch.
Die Briefe beider Spanier liefen — in einer Richtung nach Aegypten.
Wer weiss, ob Gregor und ob Potamius, <iie sich vor der Rückkehr
nach Spanien beide von ihrem Abfalle weiss brennen wollten, ihre Briefe
nicht durch denselben Boten nach Aegypten sandten? — Denn j, Andere
fiengcn an, an die Bekenner, welche wegen Athanasius verbannt waren,
Briefe zu senden** ^).
stine Von Potamius besizen wir noch zwei „Tractate** über Lazarus, den
tau*' vom Herrn Erweckten , und über den Martyrtod des Propheten Isaias *).
Er beschreibt einen verwesenden Leichnam sehr anschaulich. Maria und
Martha haben sich nach der Länge ihres Leibes vor dem Herrn nieder-
geworfen und haben hebräische Worte gräcisirend (graectssando) aus-
') Sed Potamim et EpicUtuSf dum damnare urbts Romae epUccpwn gaudent, Mtcut m
Ariminensi aynodo contxnetWy audire ka€c noluerunt (cd. audire h<uc potuerunt) cap.
histor, Fragm, IV (Alias 1 partis).
*) Er sagt u. a. : ffSuhslcmtiae fihula concatenata TrinitatU umtäte — indem das Band
der Substanz mit der Einheit der Trinilät zusammengekettet war, ähnlich wie
die S. 238 angeführte unsinnige Phrase. — In dem Briefe kommen aoch die
Worte: anathema maranatha vor, wornach zu ergänzen ist, was über das Vor-
kommen dieser Worte — in Bd. 52 (1863, 2) — 8. 278 der Historisch-politischen
Blätter steht. Herr Dr. Nolte, dem ich zum Dank verbunden bin, hat a. a. die
Güte gehabt, mir Varianten aus Pariser Handschriften zu diesem Briefe zo
übersenden. Ich werde vielleicht anderwärts sie benüzen können.
') Hier, d, adv, Lucif, cap, 19,
0 •- 8. 237-3a
Die Luciferianer in Spanien. Gregorius. Potamios. Florentius. 317
gestOBsen. j^Soldaten, Juden, Heiden, Proselyten, die erlauchtesten
Senatoren , edle Richter , Sklaven und fast die ganze Stadt war zugegen,
um SU sehen, ob Lazarus wirklich auferstehe, dessen Verwesungsgeruch
allem Volke — schon von Weitem entgegenschlug ^j.** Er spricht zu
dch selbst: ,, Wohlan, wohlan, Potamius, du Knecht des lebendigen
Gottes: wenn du etwas vermagst, so erzähle doch nur ein Weniges von
dem Lobe des Herrn. ** Christus weinte, weil die Schwestern weinten^).
Die Legende von der Durchsägung des Jesajas — ist dem malerischen
Hange des Potamius sehr zusagend. Er beschreibt das Durchsägen des
Leibes nicht bloss so, dass man es sehen, sondern es auch hören muss^).
Die ganze Rede ist die Beschreibung einer den Menschen von oben bis
onten durchschneidenden Säge.
Dieser Potamius starb denn — nach dem Berichte des ,^Ubellus
preeum^ — auf dem Wege zu dem Grundstücke (fundus) , das er zum
Lohne für seine Unterschrift von dem Kaiser erhalten hatte, ohne noch
den Lohn für seinen' Verrath gesehen zu haben. — Wenn diese Quelle
nicht sonst so viel Unv^ahres und Unmögliches berichtete , so hätten wir
keinen Grund, die Wahrheit des Berichtes zu bezweifeln. Denn derlei
kann geschehen, und ist oft geschehen. Die Worte im Evangelium:
0 du Thor , noch diese Nacht wird deine Seele von dir genommen wer-
den (Lac. 12,20), sind wohl schon oft in Erfüllung gegangen, und
konnten auch an Potamius , dem ersten bekannten Bischof von Lissabon,
sich erfüllen^).
') CKtta foetar jom longius <f€ sepvdcro populos feriebat,
*) fletuM fletänu recontrabat (reddebat)^ er erwiderte Thr&Den mit Thräneo. Das
Innere des Grabes nennt er: secretarium horrorü.
') ut serra Stridore redproco gulcos denHum duceret. — cf, TertulL cap, 14 de patientia;
Mcatur Jesajas f lapidatur Stephanvs. — Ä. Prudentius Clem. peristqth, 5 (Vincentius)
F. 524 — secioque Esaiae proxmum,
*) Bei Nk. Antonio kommt Potamius nicht vor; auch nicht bei de Castro. Seinen
Brief edirte d'Achery — zuerst 1657 — SpicUeg. IL, p. 366 (lll, 299 der neuen
Ausgabe — 1723). Ganz mit Unrecht sagt Bahr, er sei 355 vor dem Abfalle
des Potamius zu den Arianern — geschrieben. Die 2 „tractatus^ haben die
Br. Ballerini mit Recht aus den Werken des Zeno von Verona ausgeschieden
— Veron. 1729 — p. 307 — 312. — Die drei Schriften s. bei GaUandi BibL patr,
l5, prolegom. XVII et p, 96 (Venet 1765 — 81), and daraus bei Migne Patrol.
laL 8, p, 1410—18.
Mir scheint die üeberschrift des Briefes: Epistola Potamii ad Äthanasiwn
ab Arianit impetitwn, postguam in conciUo Ariminensi subscripserunt — die richtigere
zu seyn, gegenüber von (xallandi und B&hr — : Die christlich-römische Literatur,
Carlsh. 1837, 2. Abthlg. S. 131 — 3Z — Florez, t 14, p. 178—183 macht
misslungene Versuche, den Potamius zu rechtfertigen. Die Abhandlung Ma-
ceda^s über ihn ist schon angeführt (S. 225).
Zweites Kapitel.
Der Bischof Paciuias von Barcelona. Panllnns von Nola
in Barcelona. Vigilantins.
PacianuB steht als Heiliger am 9. Märe in dem römischen Hartyro-
logium: „Zu Barcino in Spanien des heiligen Bischofs Pacian, der durch
sein Leben wie seine Beredtsamkeit leuchtete, welcher zur Zeit des
Ejusers Theodosius schon im äussersten Alter sein Leben endete ').' —
Quelle für alle Berichte ist Hieronymus, welcher schreibt: „Padsn,
Bischof von Barcelona — an den Pyrenäen, von gefeilter Beredtsamkeit,
und ebenso durch sein Leben wie seine Beredtsamkeit leuchtend , schrieb
verschiedene Werkchen, unter welchen „der Hirsch'' und „gegen die
Novatianer''. Unter dem Fürsten Theodosius ist er, schon im äussersten
Alter, gestorben^).*' — Die Worte des Honorius von Autun sowohl,
als des Ado, der ihn zum 9. März den Heiligen beizählt, sind nur ein
Auszug aus den Worten des Hieronymus ').
') Er steht auch in den Momanum parvum: Barcinonaef Paciani epiäcopi — was für
eine sehr frühe Verehrung in Rom spricht
*) catal/og, c. 106, Die Lesart: castiyatae eloquentiae ist entschieden der andern:
castitaie et ehquentia vorzuziehen, u. a. desswegen, weil die leztcre näher liegt,
und weil die Sprache des Pacian wirklich eine gefeilte, eine reinliche ist —
(ef, p. 196 ap. Antonio). Honor. August, hat c. 107 diese Worte ausgelassen. —
Avekiat der Ruhm der ^caatiuu*' bei einem Bischöfe , der verheirathet gewesen,
weiliger gebräuchlich.
*) Apud Bareinonam s, Padani ep., tarn vita qutxm sermone clarif qui optima wetuetiUt
mortuuM €$t, Tkeod. princ, tempore in p€u:e — Ado — nutrt^r. 9 Mart — ebenso üsoard.
In einigen Martyrol. steht er unter dem 11. März. Die Bollandisten haben nur
wenige Zeilen über ihn (Ada Set, L 2, p, 4 — Martü),
Der Bischof PadaDns vob Barcelona etc. 319
Derselbe nennt den Dexter einen Sohn des Pacian ^) , woraus ohne
iTidersprach fblg^, dass dieser vor dem Antritte des Priesterthoms in
sr Ehe gelebt. — Nach Prätextatus im J. 343 ist Pacian der sweite
IS bekannte und yerbürgte Bischof von Barcelona. Wir haben oben
{genommen y dass Prätextatus schon zu den altem Bischöfen gehörte,
e in Sardika unterschrieben ^). — Dennoch wollen wir bei der Frage,
I Pacian ihm unmittelbar nachgefolgt, neutral, d. i. unentschieden,
eiben. Sezen wir (mit den BoUandisten und andern) das Todesjahr
is Pacian etwa in das Jahr 390, nehmen wir an, dass er im äussersten
iter gestorben, etwa mit 85 Jahren, so konnte er ganz wohl dem
ütextatus um das Jahr 350 nachfolgen, in einem Alter von c 50 — 55
khren. (Florez lässt ihn etwa von 360 — 390 Bischof seyn, sezt aber
B Synode von Sardika in das Jahr 347.) — Mehr wissen auch die
anischen Schriftsteller über Pacian nicht mitzutheilen ^).
Von sich selbst erzählt Pacian, dass er von Kindheit an seinen
irgil gelernt, also die literarische Bildung seiner Zeit genossen habe^).
ician schrieb an den Novatianer Sympronian drei uns erhaltene Briefe, ,.
B zusanmien den Titel: contra NovaUanos — haben. — Sie ^^^
iissen nach dem Jahre 377 geschrieben seyn, weil die hier erwähnten «im
pollinaristen in diesem Jahre verdammt wurden^). Der erste Brief g^JHT
t die Aufschrift: „de catholico nomine^; der zweite: „ad Sympranianum j^^^^
tjus lüeria^. Er nennt den Novatianer „seinen Bruder*, obwohl er *'•■•'•
ine Sekte zu den Häresieen zählt ^). Tillemont und Ceillier meinen,
sterer habe bei oder in Barcelona gewohnt Denn Sympronian war
cht „gegenwärtig*; als Pacian mit katholischen Angelegenheiten be-
bäftigt war, wurde ihm nach etwa dreissig Tagen der Brief des Sym-
onian eingehändigt, auf den nach andern vierzig Tagen ein zweiter
ief folgte. Dies erklärt man, meint Florez, ungezwungen nur von
mi Datum des Schreibens, welches einen weiten Zwischenraum zwischen
*) Hieron. d. vir, ilL e, 132 — Dexter Paciani, de quo mpra dixif ßUus,
«) 8. 182.
*) ef. Nie. Antonio cum notis Perez, - Bayer I ^ p. 194 — 197 — de Castro j p, 200 — 3.
— Aguirre, t2 — conc. Hisp . p. 79 — 1 12 der ersten; Ti; p. «^i^ — 54 der Aus-
gabe von CaUlani, 1753. — Fiorez^ t. 29 (nach des Verfassers — 1775 — Tod
erschienen), p. 82 — 92, — Obras de Paciano — por Vic. Naguera Ramon, Val,
1780. — cf, — Dupin, nouv. biblioth. — t. 2, p. 175 - 183. — Tillemont, mim. 8,
p. 537^541, — Ä Pacim. — R. CeilUer, t 6. cap. 19, p. 713- 739. — Nouveü,
idition, Par. 1860, t, 5 , cap, iL — p. 156 -- 171. — Gallandi, biblioth. t. 7, pr(>^
kgom. cap. 3. — A. Fabricü biblioL med. et inf. latin., t 5, p, 189-^90, — Tr, G,
SckOnemann biblioth. histor. liter. Patr. ItUin. I, p. 357 — 361. — Bäkr, a. a. O.,
p. 138 — 39. — Joe. Feasler Institution, patrolog, (1850), L 2, p, 228^382.
*) §t tarnen ego a parvulo didieeram — ^^ 2, cap, 5 ad Sympronianum,
*) epiet. 1, eap, 6.
') and dommitm (darieiimum). ep, 1, i.
320 Siebentes Boch. Zweites Kapitel.
diesem und dem Empfänger annehmen lässt^. Sympronian hatte
allenthalben um Lösung seiner Fragen und Zweifel angefrugt^ und war
nirgends befiriedigt worden. In feiner Weise schreibt diess Pacian dem
geistigen Stolze des Novatianers zu. — „Es ist also deine Schuld , mein
Bruder, nicht die der Andern, wenn dich Niemand — überzeugt hat
Denn heute noch steht es bei dir, dass du auch meine Schrift verachtest,
wenn du es vorziehst, sie zu verwerfen, anstatt zu billigen. Denn auch
dem Herrn und seinen Aposteln widerstanden sehr viele, und Niemand
konnte von der Wahrheit überzeugt werden, der nicht mit dem eignen
Willen ihr beistimmte.^ „Ueber den katholischen Namen^ gi^ng die
Controverse, den eben die Novatianer der Kirche bestritten, da er nicht
apostolischen Ursprungs sei. „Nicht von einem Menschen ist dieser
Name entlehnt, der durch so- viele Jahrhunderte nicht verschwand.'
Christ ist mein Name, Katholik mein Beiname^). Pacian weiss, dass
das Wort aus dem Griechischen stanmit; aber diese Sprache ist ihm so
ferne, dass er es mit ,Justi obedient^ — „gehorsam dem Rechte^ oder
mit „Einheit'' , d. h. die eine Kirche — übersezt '^),
Dann handelt er (cap 9. — 15 J von der Busse in der katholischen
Kirche. „Ich würde mehr schreiben,^ schliesst er, „wenn ich nicht
durch die Eile des zurückkehrenden Dieners gedrängt würde. Wenn
du, Bruder, deutlicher deine Meinung kundgiebst, so wirst da voll-
kommener belehrt werden.^ — Der Gegner antwortete mit einem Tractate,
and einem Begleitschreiben — in malitiöser Weise. Er fand aber an
Pacian seinen Meister. Pacian handelt in seinem zweiten Briefe von dem
Wesen der Novatianer und der Katholiken. Der Gegner wollte nicht
Novatianer heissen, und Pacian hatte ihn zuerst für einen Montanisten
gehalten. „Um meinen Namen beneidest du mich, und du scheuest
dich, den deinigen zu nennen^ (cap. 4), — Der Brief handelt zum grossen
Theile — von der Persönlichkeit des Novatian. — Der dritte und längste
Brief des Pacian ist eine — vielfach den Wortlaut des Gegners mit-
theilende — Widerlegung der von Sympronian gesendeten Abhandlung.
Es ist selbst eine schöne und umfassende Abhandlung über die Busse
innerhalb der katholischen Ejrche, und eine Widerlegung der Härte der
Novatianer, welche fach dem Falle keine Busse und keine Wideraof-
nahme zulassen. Die Häupter der Novatianer ^ der verbrecherische No-
') Florez, 29, p, 85 — die Worte — ep. 2, cap. 11 ^fVacare tibi »eribis: et ideo tt
conUnnaaa deUctant Mihi vero, catholicis negotiis oecupato, pott 30 /erme dies Hh
finpa Im0 tmditae §unt, pott alios 40 repetttoM" — erkläre kh so, dass Pacian den
enlpa vnd zweiten Brief dreissig und vierzig Tage nach seinem Datum, d. b.
dedt Anlaiigen desselben, empfangen, und glaube, dass der Briefschreiber in
der Nfthe der Stadt gewohnt. ~ ef, ep, 1, 14, ep. 3, öl.
^ C. 7. Motto der ZeiUchrift »Der Katholik», welche mit dem J. 1821 begann.
*) ep, 2, 3 wird cathoUeue erklärt : fiUue regia, id est populu* christianuM.
Der Bischof Pacianas yon Barcelona etc. 321
tuSy der ehrgeizige Novatian, welcher Papst werden wollte, die he-
ckten Evaristos und Nicostratus — hätten selbst vor AUen der Busse
dürft. Pacian widerlegt den Gegner meistens aus der heiligen Schrift,
»n Vätern kennt und nennt er nur den Cyprian, und einmal den
rtnllian^).
Pacian schrieb ein Werk y das Hieronymus „CervuB*', er selbst jpCer- D«r
Ua* nennt Cervulum faeere (den Hirsch , das EUrschchen spielen) — "*^i^^'
r eine aus dem Heidenthum vererbte Unsitte , am ersten Januar in p*«>^
llen Von Thieren, besonders von Hirschen, Kühen , Ziegen , Possen
d bösen Unfug zu treiben^). — Die Schrift wurde aber von denen,
i sie zunächst angieng, übel aufgenommen. ^^Diess hat,^ sagt er im
ngang seiner nächsten Schrift, ,,das Hirschchen jüngst bewirkt, dass
r Unftig nur um so sorgfältiger geübt wird, je nachdrücklicher er ge-
lehnet wurde, und dieser mein Tadel — eines offenbaren und oft
ederholten Scandals dieses Treiben nicht unterdrückt hat, sondern erst
rin unterrichtet zu haben scheint. Ich Unglücklicher! Welches Ver-
sehen habe ich begangen? Idti meine fast, sie hätten es nicht ver-
inden, das Hirschchen zu spielen, wenn ich es ihnen durch meine
ige nicht gezeigt hätte.'' Diese Schrift gilt zur Zeit als verloren,
ahrscheinlich ist sie zur Warnung kurz vor Neujahr ausgegeben wor-
n, und eine Rotte boshafter Buben hat um so mehr getobt und getollt.
Kurz darnach^, vielleicht für die folgende Fastenzeit ^) , erliess Pacian Di»
• eine sehr schöne und rührende Schrift über die Reue und Busse der ^t^/l*^
von
atholiken, zunächst für die ihm anvertraute Gemeinde bestinmit. Sie ^^•'
ist uns interessante, im Ganzen nicht erfreuliche Blicke in die sittlichen
istände jener Zeit werfen. Die öffentliche Busse bestand damals, und
idan will eine Anweisung geben, wie man zum Heil der Seele sie
vernehmen und vollbringen möge. Aber — der öffentlichen Busse gicng
e Exomologtm, das freiwillige Bekenntniss seiner Sünden, voran. —
amach war die Busse niemals eine erzwungene, sondern sie wurde
siwillig von denen übernommen , die sich als Schuldige bekannt hatten,
idem sie beichteten, erklärten sie sich zur Busse bereit Viele aber,
e notorische Sünder waren, traten mit befleckter Seele und mit be-
d^tem Leibe zu dem Tische des Herrn; und ee '||(Mcbah, dass sie frech
*) €p, 3f 48. Der erste Brief ist in 15, der zweite in 17, der dritte in 56 Kapitel
getheUt Die beste Analyse derselben findet man bei R. Ccillier.
*) 8. Ausführliches darfiber bei Florez, p. 86— 89. — liidor. de off, todn, 1, 40
— SummtM speeU» monttruostu in ferarum habitu transfirmcmtur, s. unten — 4
dmeO. ToUt, ean. 11. — c/. Sermo 129 und ISO — m appendke ffasiMiM 8. Au-
fmUäd ~ ed, Maurin, -— t. 5, 2» — Es liessen sich einige QrtM&i anführen,
dass gerade die Rede 129 die verlorene Schrift Pacians sei. — cf. Dueange glost,
«. V. Cenmbu, Strena, Vetuia.
*) wohl aueh, um dem flblen Eindrucke, den der ^Cenrnhu* gemacht, entgegen-
xntreten.
Omu, Span. Kirehe. II. 21
322 Siebentes Bach. Zweites Kapitel.
leugneten , wenn zuweilen der Bischof sie zur Beicht ermahnen wollte.
Indem Pacian besonders nach dieser Seite sich an die ^Brtider^ wendet
bestätigt er eine uns sonst, u.a. durch Hieronymus, bekannte Thatsache
aus jener Zeit, dass die ^Zahl der — in den Bussgraden stehenden ^
Männer eine verschwindend kleine gegenüber den Frauen war. — Diese
waren also gottesfürchtiger, und insofern frömmer und geneigter, ihre
Sünden zu bekennen.
Traf der Vorwurf, gar nicht zu beichten, vor allem wohl die Mäimer
der höhern Stände, jene Reichen, die das angenehme Barcelona sich
zum Wohnsiz auserwählt , die auf den Landgütern und am Meere sich
die Zeit vertrieben, so gab es eine andere Klasse von Büssem, die nicht
lässig im Bekenntnisse waren, abelr nach übernommener. Busse leicht-
sinm'ger und gewissenloser dahinlebten , denn zuvor. Sie meinten, wenn
sie nur gebeichtet, sei alles gut. — „Wenn euch,'' schliesst er diese
Schrift, ^die Pein der Beicht erschreckt, so denket an die Hölle, die
euer Bekenntniss löscht. Ihre Kraft erwäget aus dem, was ihr sehet
Es brennen in un versiegendem Feuermeer der Aetna auf Sidlien, der
Vesuv in Campanien. — Gedenket, Brüder, dass in der Hölle keine
Beichte ist, und dass dort keine Busse auferlegt werden kann, da die
Zeit der Busse schon verzehret ist. — Bei dem Glauben der Earche bitte
ich euch, Brüder, bei meiner Hirtensorge, bei euer aller Seelenheile
beschwöre und flehe ich euch an, dass ihr euch nicht schämet dieses
Werkes, dass ihr nicht lässig seid, ehestens zu den geeigneten Heil-
mitteln zu fliehen, den Schmerz der Reue in euch zu erwecken, euern
Leib zu hüllen in das Bussgewand, euch mit Asche zu bestreuen, durch
Fasten euch zu kasteien, durch Kunmier euch zu verzehren, durch die
Bitten Vieler euch helfen zu lassen. Soweit ihr euch in der Busse nicht
verschonet, so weit wird Gott eurer schonen.*^ —
DU Die kleine Schrift ^^tractcUus de baptismo^ ist an die Kinder (parvuU)
gerichtet, die zu der Taufe sich bereiten. Ihr Bischof legt ihnen das
Wesen der Erbsünde, und den Fall aller in dem einen Sünder Adam,
das Wesen der Erlösung in der Gerechtigkeit des einen Christus aus
und an das Herz , in einer Sprache , die allerdings einen vorhergehenden
genauen Unterricht lipaussezt. Er schliesset: „Wir werden also, Ge-
liebteste, nur einmal von unsern Sünden rein gewaschen, einmal nur
erlöst, einmal haben wir das Reich der Unsterblichkeit empfangen; ein-
mal sind glücklich die, deren Missethaten nachgelassen, deren Sünden
zugedeckt sind. Haltet standhaft fest, was ihr empfangen, bewahrt es
glücklidi; wollet ferner nie mehr sündigen: bewahrt euch selbst von
nun an nein und makellos bis auf den Tag des Herrn. Grosser und
unausspvechlicher Lohn ist den Gläubigen hinterlegt: was kein Auge
gesehen, noch ein Ohr vernommen, noch was in eines Menschen Hen
gedrungen. Damit ihr diess erlangen möget, ringet mit den Arbeiten
der Gerechtigkeit und mit Gelübden des Geistes. Amen.'
Schrift
▼OB
der
Taoft.
Der Bischof Pacianus Yon Barcelona etc. 823
18 Pacian durch gewandte Gabe der Rede hervorrage , ist unbe-
Aber seine Sprache ist auch rührend und herzgewinnend. Es
ihr uns das Bild eines väterliehen, ehrwürdigen, vom Geiste
gesalbten und geweiheten Kirchenhirten entgegen, der auch baldehraag
inem Tode unter den Heiligen verehrt wurde. — - Man hatte diepi||![2a.
der Ruhestätte seiner Gebeine verloren, doch erhielt sich die
ass sie in der Kirche des hl. Justus sei. Der Bisehof Don Juan
Loris suchte nach ihnen, liess am 13. Juni 1593 vor vielen Zeugen,
r Aerzte, nachsuchen, — und es fanden sich, ohne Bezeichnung
amens, Gebeine von einem menschlichen Leibe. Sie wurden in
^assung in dem Armarium der Sakristei niedergelegt Dieser
verordnete im J. 1595, dass das Fest des Heiligen jährlich als
dupUx^^ erster Klasse begangen werde, und wies reiche Mittel
b'ger Feier an ^). — Er liess sich auch zu den Füssen des dem
i geweihten Altares in der Kathedrale begraben. -^ Auf Bitten
rus und Volks von Barcelona — erhob der nächste Bischof Don
Coloma auf der Synode von 1600 das Fest des Heiligen zu einem
3n Feiertage. Da die Wunder an dem Grabe sich mehrten, er^
[er Bischof, dass die gefundenen Gebeine der Leib des heiligen
seien. Sie- waren der ö£Fentlichen Verehrung in der Kapelle und
ar des Heiligen in der PfEurkirche S. Jtuto y Poitar ausgesezt^).
erste Ausgabe der Schriften des Pacian ist von J. Tillet —
)38. Eine zweite erschien zu Rom durch Paul Manutius 1564
den Schriften des Salvian und Sulp. Severus — fol. — Sie stehen
Sibliothcca patmm max. LugcL 1077, .4, 305 ag, — bei Agtärrt, An«.
{. 2, p. 79 sq., und -~ bei Gallandi, t. 7, p, 255 — 257 — 276 fil"
bei Migne, P. lat. 13, 1051 — 1094). — Diese Ausgabe nennen ^'^'*'*
. Bahr — S. 139, und FtssUr, 2, 232 — die beste von allen. —
3r neue Herausgeber des R, Ceillkr kennt nichts Weiteres. —
erschieaen in Spanien zwei andere Ausgaben; die eine ist von
ez im Anliange zu t 29 — der Espanna Sagrada — S. JgJesia
elona: Bardnonensium praesulum opera quae extant — nuM pri^
unum collecta, p. 390 — 43S, wo die 5 Sohriften des Pacian in
uns eingehaltenen Ordnung aus Handschriften in Barcelona selbst
;ilt sind. — Als Franz Perez Bayer 1755 in Rom weilte, nahm
hrift von dortigen Handschriften des Pacian, und nach diesen
im lateinischen Texte und in spanischer Uebersezung: Paciani
Ute extcuU, Ohras de Padano, obispo de Barcelona, tradußidas e
um.
wrich, McUh^ nomina et acta epi$coporum Barcinon,, B. 1760,
idMM, Coronica universal del pr, de Cathahmyaj 1609 ^ l 5, cap. fj. Acta
f L c p. 4, — Franc. Diago, historia comitum Barcinonensium , 1603 — i. i,
12, Anton. Vinc. DomeneCf histor. generali» Sanctorum CataL — Bare. 1602.
21»
linas
▼OB
NoU.
324 Siebentes Buch. Zweites Kapitel.
ihatradat par VicerUe Naguera Ramon, Valencia — Mantfori 1786 in 4^,
welcher Ausgabe ein Leben Pacians yoransteht ^).
Der Nachfolger des Pacian war der ebenso würdige Bischof Lampius,
der auf der Synode zu Toledo — J. 400 — erschien , und besonders
pm. wegen seines yäterlichen Verhältnisses zu Paulinus von Noia bekannt ist
•^ Im J. 389 wurde Paulin zu Bordeaux von Bischof Delphinus getauft.
Sofort begab er sich nach Spanien ^ wo eir vier Jahre verweiltte «— bis 394.
Dort besass er Güter. Er wohnte theils in Vasconien^ theils auf seinen
Landgütern, die er bei Saragossa, Barcelona und Tarragona besass^).
& lebte als guter Katholik, aber wollte Laie bleiben. Hier verfinsste
er die Paraphrasen von drei Psalmen. Seinen Aufenthalt in Complutom
391 oder 392 haben wir früher erzählt ^j.
Allmälig veräusserte Paulin seine Güter; Er verlor seinen Bruder,
der ermordet wurde. Er änderte Kleid und Namen, und trat in den
Mönchstand (392 od. 393), etwa 40 Jahre alt. Therasia wurde seine
Schwester^). — Sie hatte ihn zum hohem Leben geleitet. — Paulio
weilte in Barcelona, als am Weihnachtsfest 393 das Volk auf ihn sich
stürzte, und verlangte, dass er sich weihen lasse. Er sträubte sich; das
Volk bedrohte sein Leben ^). Er war nach Nola zu gehen entschlossen.
Sie wollten ihn zu Barcelona festhalten. Doch — stand man von diesem
Verlangen ab. ^— Bischof Lampius weihte ihn. — Gegen Pfingsten 394
verliesstti Paulin und Therasia Spanien für inmier. Sie reisten über
Narbonne; von da zur See nach Italien®).
Den Vigilantius wollen wir mit wenigen Worten beseitigen. Er
war kein Spanier. Er stammte aus Calagorris im Norden der Pyrenäen ^j.
Es ist mit nichts zu erweisen, dass der Schauplaz seiner Thätigkeit
Spanien gewesen. Alles weist auf Aquitanien hin. — Die Priester')
») Brunet Manuel du Ubraire, ed,5, L 4 -^ 1863, p. 306, — F. Perez Bayer ap, An-
tonio, p. 196— 97 , Bayer nennt den Commentar d. Noguera Ramon vortrefflich -
fgpraemissa dissertatione de Paciani vita et gettis.''
*) Aueon, episL 24. V, 87 — 89, Nunc tibi trans Alpes, et marmoream I^frenen Caesarea^
Auguetae domus est Tyrrhenica propter Tarraco , et oatrifero superaddita Barcino pof^-
») Kirch. G. 1, 332.
0 IdaL ad424,
•) VI subita, invitus, quod fateor, adstrictus, ep,2, 2, v. ep, 1 , 10 in Barcinonenn --
Ecclesia.
•) 8. Ad. Buee, Paulin, Bischof von Nola, und seine Zeit (350—450), Bd. 1,
1856, 8.137-207.
*) Itm»" Anton, p, 467, an der Strasse zwischen Lugdunum und Tolosa, jezt C*-
zeres oder Martres , wo sich viele Ruinen fanden ; s. Ukert, Qteogr. der Grieehen
und Römer, S. 406. — Forbiger, Bd. 3, S. 160. — Mariana nennt ihn einen
Pampelonesen — l, 4 — cap, 20 — Vigilancio naturcU de Pamplona, jr preebitero dt
Barcelona — ed, Madrid — 18p4 (Bd. 30 und 31 der BibKoteea de AMtores Espe»-
uolee).
•) epkt Eier, 109, 138.
Der Bischof Paoianus yon Barcelona etc. 325
Riparina und DesideriuS; die über ihn an Hieronymus schrieben ^ hiüt
man gewöhnlich für Priester in Spanien. Aber — Desiderios war
wohl der sonst bekannte Freund des Sulpicius Semems y ein Aquitanier,
oder doch ein Gallier. — Es übrigt nur das Zeugniss des Gennadius:
Vigilantiusy Presbyter, von Nation ein Gallier, hatte eine Kirche in dem
spanischen Bisihum Barcelona ^). Aber , Gennadius lebte (aat einf Jahr-
hundert später. Wir sehen nicht, woher er diese Nachricht hat, können
aber im Allg^neinen dem neuesten Biographen des Vigilantius beistimmen,
dass derselbe vielleicht aus seiner Heimath habe fliehen mtissen^). —
Die Bewegung, die er verursachte, fällt in die Zeit von 396 — 407.
Vielleioht floh er vor den Barbaren, die so lange nördlich an den
Pyrenäen sassen, nach Spanien. — Wie er aber bis zum J. 396 im
besten Rufe stand, so dass in einem Briefe an Paulin ihn Hieronymus
den heiligen Vigilantius nennt ^), so kann er später wieder von seinen
IrräiiUnem zurückgekehrt seyn, oder doch aufgehört haben, sie zu
verkündeb.
0 yiffilantius preshyter, natione OcMua, EKspaniae Bcareilonetuit paroekuu tedmam
tenmL — OemuuHus cap. 35 de vir, iü.
*) Wilh. Sehmidi, Vigilantius, sein Verh<niss zum heiligen Hieronymus und lar
Kirchenlehre damaliger Zeit — Münster, 1860 — S. 63.
*) Hier, epitt 68. ad PauUn, — e. // Semetum Vt^iUmtittm prethjftemm gito amdUtOit tu*-
ctperim, meUui est ut ^ftius verbiSf quam meiß disca» Utierig — J. c S96, — «. I9ic ilsi-
umia, p.2S0-^34 (l 2, 11). — TUlmont m. 1 12, und hes. die erwähnte Schrift
▼. W. Schmidt
Drittes Kapitel.
Der ehristliehe Dichter JovencHS. Papst DtmtSBS.
§• 1.
Nach dem «firikanischen Bischöfe Commodianus ist der spanische
Priester Cajos Yettius Aquilinus Juvencus — der erste bedeutende
NAdh diristliche Dichter' lateinischer Sprache. — Er stammte aus sehr edlem
1^«r G^schleehte^ und blühte unter Constantin dem Grossen. Hieronymas
'"1*^ sezt ihn in seinem Chronicon zu dem Jahr 329 M. — Er scheint dessen
cos* '
Hauptwerk selbst in Händen gehabt zu haben. Denn in seiner Erklärung
dies Matthäus führt er zu Kap. 2, 11 — den Dichter an: Pulcherrime
munerum sacramenta Juvencus presbyter uno versiculo comprefiendit:
2%UMj aurunif myrrhamy regique, hominique, Deoque Dona feruntj
eine Erklärung der Geschenke der drei Weisen, die bis zur Stunde —
sich erhalten hat. — Juvencus selbst weist auf den Frieden hin, den zu
seiner Zeit Constantin der Kirche gegeben:
ffaec mihi pax Christi tribuitf pax haec mihi secU,
Quam fovti indulgens terrae regnator apertae,
Constantintu f adest cui gratia digna merenti.
Demnach wäre die Blüthezeit des Juvencus näher in die Jahre
325 — 337 zu sezen. Er war ein Zeitgenosse des Hosius von Corduba.
— Dass er aus so hohem Stamme , dem Priesterthum sich widmete , und
dass er gleichsam für die spätem christlichen Dichter die Bahn brach,
') Hier, cat, 84, — JuvencttSf nobilissimi generis, Hispanua presbyter, quatuor evangeUa
hexameiris versibus pene ad verbum transferens, guatuor libros compotuity et nonnuUa
eodem metro ad Sacramentorum ordinem pertinentia. Floruit $ub Corutantino principe-
•^ ef, ep, 70 ad Magnum; Juvencus presbyter sub Constantino historiam Domini Sal-
f. 1. Der christliche Dichter JaveBcas. 327
; direnToU flir ihn and für sein Vaterland, ist ein Zeichen, wie tief
\s Chriatenthnm in Geist und Herz der Spanier gedrungen war').
Die „Historia Evangeliea^^ in 4 Büdiem — hält sich meist an Mat- 8«im
äus^). Dieses Werk ist keineswegs eine versifizirte Erzählung. Es Emm.
t erhabene und liebliche poetische Parthieen , wo der Stoff es zuliess ^*^'^'
!er gestattete. — Das Studium der alten römischen Dichter, vor allem
8 Virgil, tritt überall zu Tage. — Der Prolog ist dem Ende der
etamorphosen Ovids nachgebildet:
Nee metuSf ut nnindi rt^fnant ine^ndia Mciim
Höc opui: hoc etentm fortan me 8ubtr<thet ipU,
I\mc, gutim flammivoma detcendet nube eonuecms
Judex, aUithroni ffenitoris ffhria, Christua*).
Diese Worte drücken wie die religiöse Weihe und Olaubenskraft
is Verfassers, so das Gefühl seines Berufes als Dichter aus. Seine
rophezeiung hat ihn nicht getäuscht. — Auch den Lucretius Carus hat
benüzt. — Den Virgil aber hat er an vielen Stellen sichtbar nachge-
jDt^). — Sein ausgezeichnetes dichterisches Talent hat er durch das
udium der besten römischen Dichter gebildet. — Die Heiden konnten
id sollten so durch die klassische Form für den christlichen Inhalt ge-
mnen werden^). — Dieses Werk ist nüzlich für die Schrifterklärung;
spiegelt die zu jener Zeit herrschende Exegese ab ^). — Ihm ist un-
tstritten die Vetus liala als Text vorgelegen; sicher hat er auch den
iechischen Text beigezogen ^). — Da, wo die drei Synoptiker überein-
immen, folgt er fast immer dem Matthäus.
wMtoris vernbue etpUeavitf nee pertimuit EoangeUi majeaUUem «tt6 metri Ugu mittere, —
chronic. Hier, o. 332 (329): Juvencus preshtfUrj natione Hispanus, EvangeUa heroieU
ttrtibus expUcaL — c/. Honor, Äug. 1 , 85. — Trithemiu» de tcriptor. eccL — c, 62,
— Petr. Crinitus, de poii. latin. IV. 88. — EU. Dupin, 2, p.25.'- R. CeiUier, ed,
2, 3, p. 116- 118. — Fahriciusy bibliot. lat. ed. Mann, 1754, t III, p. 212. —
Nie. Antonio, l. 2, eap. 4. — de Castro t. 2, p. 174 — 78. — Von den Alten
handeln noch von ihm : Gelanus decretum — Juvenci iaboriosum opus non spemimue,
Med miramur, — Venant FortunaL L 1 de vit MarU — ITieodulf, AttreL, L 4, e, 1,
— Alcuin, L 2 etr. Feücem.
') cf. Gebser A. R., BibUotheca latina poitarum veterum christianorum — voL L Con-
tinene Juvenci hisL Evangel. LI. — Jenae 1827 — „ Vita Caji VetHi AqwL Juvend*
-/». 5-7.
*) Das Aasführlichste darüber bei Gebser, p. 12—45. — e/. Casp. Barthiua Ad-
versar. XI, 23, — LVI, 13. — Job. Nie Funcciua, de vegtta laänae Unguae tene-
cttUe. Marburg 1744, p. 175, III, 19. - NieoL Antonio, L 2, 4 -^ p, 164 "168.
•) De CoMtro, p, 178 — bezieht die Worte mit Unrecht auf das Fegfeuer.
*) Gebeer, p. 26 — 28.
») M. Sckröekh, christliche Kirchengescbichle, B. V., S. 263 (278). — DaaM, bei
Erscb ond Graber ^Juoencue^.
*) Gebeer, p. 30-^33.
') Geb§$r, p. 43, spongus p, spongia; cf, DanieL
328 Siebentes Bach. Drittes Kapitel.
p«r«Q Die erste Ausgabe ist: Davmtriae (Deventer) 1490. — Ei folgt:
^^ Paris. 1499 foU ed Joe. Faber — mit Sedulius. — Dennodi aflinte
Aldus y ilass er — Venet. 1502 (1501) der erste Hersu^gdber sei
im J. 1605 erschien daas. Werk 2U Leipzig düig. BaeealariL — Im
J. 1509 erschien zu Bouen: Juvmcua preshyter immemam evangdUe Ugu
maiettatem heraieia versibus eondudms ab Jodoco Badio Aseenno paueu
elueidatus — in 4^). Diesen Titel hat audi die edü, princepe. — EdiL
LipHens. II, ann. 1517, — Coloniae Agrip, 1537 — aum SeduUo. —
Juvenci hispani presbyteri hiitor, ev.f versu her. deser. Veneunt Oypsvid 1534
(Ipswich)« — ed. Basileenne 1537 — cum Aratare et enehtridio Prudentü,
— Ibid. 1541 cum SeduUo et noU» Badii. — Park, apud Petr. OaÜerum
1545. — Basel 1545 — mit Sedul. und Arator. — Basil stud. Podmami
1551. — Basil. 1554 per Oparinum (in der Sammlung kteinischer Dichter
von Georg Fabricius). — Lugduni 1566 ap. Jo. Tomaesium. — ibid. 1588.
— MaUand 1569 - 4^. - Cagliari 1573, in 8°. — Lugd. 1616 — in 4°.
— (Auch in den bibUo^. patrum von Paris, Cöln und Lyon.) — Im
18. Jahrh. ragen drei Ausgaben hervor von Erhard Reusehius — Fron-
eof. et lApsiae 1710 — mit den Noten aller frühem Editoren. — Die Aus-
gabe von Gallandi, Venet. 1765 — t. 4. — (bis dahin die 29. Ausgabe
des Juvencipi^b|^. Alle andern überragt : Aq. Juvenci Historitie EvangtU-
eae l. TV; e^^ffßfrearmina dubia aut supposita ad Mss. Codices Vaüeanot
aliosque et oM väkres editiones recensuit Faustin, Arevalus. Bomae 1792 —
in 4^ — Noch im J. 1827 nennt Gebser, noch im J. 1853 nennt Daniel
dieselbe die ,,neueste Ausgabe^ ^). — Alle seine Mühen, sie von ^ien
und Rom zu bekommen, waren vergebens (Oebser, p. 9 — n. 11). —
Heute steht sie in t. 19 der Patrol. lat. ed. Migne, p. 10 — 388^ und
ist Gemeingut geworden. — Gebser hat (Jenae 1827) von der Histor.
evangeliea nur das erste Buch mitgetheilt, mit Noten. — Bahr nennt die
diss. Gebsers die Hauptschrift über Juvencus (die christlichen Dichter,
p. 23—27).
Von dem Werke des Juvencus : Über in Oenesim — , das in ebenso
viele Kapitel, als die Genesis selbst, eingetheilt war, kannte man früher
nur die vier ersten Kapitel, bald unter dem Namen des Tertullian, bald
des Cyprian, bald des Salvian. Mass. Der Mauriner Martene fand eine
dichterische Umschreibung der Genesis aus einem Manuscripte des 11. Jahr-
hunderts in Altcorvei , mit dem Namen des Juvencus. Sie verräth in
allem die Spuren desselben Verfassers mit der „EvangeUca historia^. —
Das Gedicht besteht aus 1441 Hexametern^). — Arevalo in seiner Aus-
gabe hat dieses Gedicht in den Anhang verwiesen, u. d. T.: Juveneo
') Arevalo zählt 14 Codices und 29 Ausgraben des Juvencus auf.
*) Durand, collect vet. Ser^>t., L 9, p, 14 ^ Par, 1733. — Daraus bei Gallandi,
t, 4, p, 587 sq.
-1
f. 1. Der christliche Dichter Juvencns. 329
m&ra «ÜrAtito. Er bezweifelt dessen Aechtheit M. — Er fügt zwei s«ta«
dflinare Gkdidite hinzu : (2e laudüms domini und TriumpAti« CArwft A^ot- i«
10: — Heute aber müssen alle Zweifel an der Aechtheit jenes Gedichtes ^^'
n ffenmim yerstommen. — In dem von Martaie gefundenen Gedichte
ind sieh eine Lücke zwischen dem 8. und 10. Kapitel, welche nun Dom
^tra durch 54 von ihm zu Genesis Eap. 9 aufgefundene Verse aus- dareb
;efüUt hat Demselben Pitra, welchem der afrikanische (und zugleich ^1^
ler erste lateinische) Dichter, Commodianus, seine Wiederherstellung ^^
'erdankt, verdankt unsre Zeit auch die Wiederbelebung des Juvencus. «te»^
it kann sich rühmen, den schon vorhandenen „beinahe sechstausend
iTerse beigefügt und ein so grosses Werk der Vergessenheit von 14 Jahr-
innderten entrissen zu haben^ ^). — Ihm lagen 2 Codices von Laon,
1 von Canterbury vorj lezterer in sehr ruinösem Zustande. Die beiden
jodices von Laon stammen , der eine aus dem neunten , der andere wohl
voB dem Anfange des zehnten Jahrhunderts. Alle drei Codices waren an
len gleichen Stellen mangelhaft, wiesen also auf den gleichen «Ursprung
lin. — Pitra hat mit Glück den Dichter wieder hergestellt. Wir zweifeln
licht, dass wir den ächten Juvencus vor uns haben. Die Gedanken,
las Festhalten am Wortlaute und die Sprache mahnen an den Verfasser
ler jfHüioria evangeUea'^. — Wir theilen aber Pitra's Me|||Mg nicht,, dass
Javencus die ganze heilige Schrift dichterisch behandeS^Pft«. — Sinnig
ist seine Vermuthung, der Dichter habe seine .,Metra in tteptcUeuchum^
iDter Kaiser Julian aus bekanntem Anlasse verfasst. — Entscheidend
ist für uns, dass es in einem im 11. Jahrh. verfassten Cataloge eines
Codex S* Ncaarii Lorshensis heisst: „Cypriani (i, e, Juvenci) metrum super
Hqptateuchum , libros Begum, Esther j Judith et Machabaeorum, Pitra theilt
nur mit: Metrum in Exodum^ d. i. eine ähnliche dichterische Umschrei-
bung des zweiten Buches Mosis, wie das liber in Genesim. — Sie geht
mit bedeutenden Lücken vom 1. bis 40. Kapitel, und enthält, wie sie
vorliegt, 1392 Verse, — Es folgt: metrum super librum Jesu Nave^ 586
Verse. Femer: In Leviticitm, Numeros et Deuteronomium selecta fragmenta^
im Ganzen 1204 Verse. Das Uebrige war nicht zu enträthseln. — In
den bis jezt erschienenen drei weitem Bänden des Spicilegium (t. IV, —
V. 1858) finden wir nichts über Juvencus, von dem wir annehmen^ dass
er alle oder die meisten historischen Bücher der heiligen Schrift dichte-
risch behandelt habe. — Die Gedichte über die heiligen Sakramente, die
ihm Hieronymus zuschreibt, sind vielleicht eine Verwechslung mit den
Sfetren zu dem alten Testament.
') ef, nr. 16 sq. seiner prolegomena, welche aus 6 Kapiteln bestehen, bei Mi^e P,
latiMi, i9j p, 11 — 54, — 8. auch den Art. Javencus von Daniel in Ersch und
Grober — Allg. Encyclop&die , J. 1853.
^ ^pieätgium SoUsmmst, ed. Pitra, i. 1 (1852) ^ p. 171 — 261, — proUgam. t / Sp.
p, XXXV — XLV — Artic. 9. — „Cajua VetHus Äquilitu Juvencus,**
330 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
Javencas ist ein christlicher Dichter, dessen Ruhm keine Zeit Ta^
dunkeln wird, und da er jezt, wie es scheint, zum grossem Theil dis
Licht wieder erblickt hat, so hat ihn seine frohe iüinung wohl nicht
getäuscht, dass seine Schriften bis zum Weltgerichte dauern werden').
§. 2.
Daasp Papst Damasus wird hier nicht so fast als Dichter, denn als Spanier
ein eingereiht. — Aus einer von Baronius mitgetheilten Inschrift des Damasus
n\!^, ersieht man , dass der Vater des Damasus — in der Kirche des (Spaniers)
heib'gen Laurentius zuerst Exceptor (Notar), dann Lector, Diakon und
Priester gewesen. Seine Tochter Irene starb, 20 Jahre alt, nach-
dem sie das Gelübde der Keuschheit abgelegt^). Da seinen Aemtem
zufolge Antonius frühe nach Rom aus Spanien gekonmien seyn
muss, so wird seit Tillemont^j angenommen, dass Damasus in Born
geboren sei. — Seit dem Jahre 1741 suchte sich in Rom diese Ansicht
wissenschaftlich zu begründen. — Anton Maria Merenda — in seiner
Ausgabe des Damasus vom J. 1754 — verfocht diese Meinung, dass
sowohl Damasus, als sein Vater Antonius von früher Jugend in Rom
gewohnt. Denn — das Amt eines Lector sei nur jungen Leuten anver-
traut worden, — Damasus sei etwa 80 Jahre alt zu Rom 384 gestorben.
Das Jahr seiner Geburt werde also um 304 anzunehmen seyn, und an-
genommen, dass er in Spanien geboren, müsste er 4 oder 6 Jahre alt
mit seinen Eltern nach Rom gekommen seyn. Das sei schwer zu glau-
ben*). Doch stehe in dem ältesten Leben des Damasus, dass er selbst
ein Spanier von Geburt gewesen. Von Laurentius und Damasus sagt
diese Vita: y^quos una genuit patria, una promovit Ecclesia" ^),
Gegen solche Versuche erhob sich der damals zu Rom weilende
Franz Perez Bayer, Priester von Valencia, in seiner gelehrten Schrift:
Damasus et Laurentius Hispanis adserti et vindicati, Romae 1756, Er
weist die Einwürfe der Gegner als leere Vermuthungen zurück. — Die
') Der neue Herausgeber von R. Ceillier sagt u. a. von den Metren des Jav^cus:
dans son ensembUf cette paraphrase du Pentateuque parait une entreprise mcdheureusty
au point de vue littiraire (R. CeillteTf 5, 117),
*) Bar. annales 384 — nr. 16 in appendice t. 12 — Carmen 31 et 35 Damast, Hat
pater Exceptor y Lector f Levita, Sacerdoa creverat
*) TiUemonty 8, p, 386 et 773. —
*) Ebenso Greg. Jac. Terribilinus in appendice opusc. sancti Damas,, p. 1.
*) Mart. Milenus SarazaniuSf opusc. heati Damasi, Romas 1638, — p.40; 47; 60; 62.
Acta S, Damasi ex Cod. ms. archivii canonicor, S. Petri, — Ein sehr starker Be-
weis dafür, dass Laurentius ein Spanier gewesen, ist das Verh<niss des An-
tonius und Damasus zu der Kirche desselben, welche von Damasus ihren
neuen Namen eihielt.
$. 2. Papst DamasQs. 331
daren Zeugnisse der Alten müssen hier entscheiden. In den Akten des
)ama8ii8 wird er zu drei Malen in verschiedenen Wendungen ein Spanier
genannt. — Femer in dem sogenannten Papstcataloge des Felix IV um
60 h&Bst es: ^Damasus, von Nation ein Spanier, dessen Vater An-
onius, regierte 17 Jahre, 2 Monate, 11 Tage.** — Ebenso die ver-
chiedenen andern Papstcataloge, bis auf Anastasius Bibl. — F. Perez
^ayer untersucht ausführlich die Auctorität dieser Zeugnisse und ihr
Uterthum. — Er widerlegt mit leichter Mühe die Einwürfe der Gegner.
Unter diesen ist auch der Einwurf, dass die SpaDier selbst über
üe Gegend oder den Ort der Heimath des Damasus nicht einig seien,
üs ob der Apostel Paulus desswegen nicht nach Spanien gekommen
rire, weil man den Schauplaz seiner dortigen Thätigkeit nicht kennt.
In Spanien selbst ist die Frage seines Geburtsortes ein Gegenstand
les Streites gewesen; es sind beßonders drei Ansichten geltend gemacht
forden, für Madrid, für Catalonien, für Guimaraens, einem Städtchen
m Erzbisthume Bracara, dessen früherer Name nicht . beki^int ist. Aber
ler Name von Madrid kommt im 10. Jahrhundert zuerst vor. — Die
Srttnde für Catalonien sind sehr neuen. Ursprungs. Nie. Antonio,
h, Perez Bayer und de Castro — entscheiden sich für Guimaraens^).
[ch trete dieser Anseht bei, u. a. desswegen, weil in Bracara von un-
wrdenklichen Zeiten sich Damasus einer besonderen Verehrung erfreute,
md — weil die rivalisirenden Orte ai>erkannt erst sehr spät mit ihren
Ansprüchen au%etreten sind.
Von der Regierung, den Thaten und den Schriften des Damasus
soll hier nicht die Rede seyn. Am ausführlichsten über ihn haben die
erwähnten Sarrazani, Merenda^j und Fr. Perez Bayer "*), nach diesen
Nie Antonio, de Castro u. a. gehandelt
*) & Castro, hihUoUca etpannola t. 2 (1785) y — p. 181^200. — Nie. Antonio,
p. 181^194, l 2, cap. 6. - M. Schröckh, Kirchengescbichte, Bd. 8, S. 106-122.
*) Danuui Papae Opuscula et gesta diatribis illustrata ab Ant, Merenda, Romas 1754 fol.
') Fast alle Neaeo kennen die Schrift des Perez Bayer nicht; Migne hat sie ab-
gedruckt in Patrol. latina, t. 74 , p. 530—670. — cf. Memoriaa resuscitadas da
antiga Guimarads pelo padre Torquato Peinodo cfÄzevedo Em. 1692 — Porto 1845
S.505, V. Damasus in Ersch and Gruber Enc. (»Damasas, walirscheinlich nicht
in Spanien, sondern in Rom geboren.**)
Viertes Kapitel.
TInedesiHS der Grosse. Dexter, Sehn des Paeiu.
Diese ausserhalb Spaniens lebenden Spanier des vierten Jahrhunde
wollen wir sogleich an den Spanier und heiligen Papst Damasus anreih<
— Denn — einmal gereichen diese Männer Spanien selbst snir £1
und zur beständigen Zierde. Sodann , da das Kapitel über die Lucifc
aner in Spanien, und da die folgenden E^apitel uns den Zustand c
spanischen Kirche in dieser Zeit keineswegs in günstigem Lddite
scheinen lassen, so suchen wir für uns selbst und für unsre Leser i
Recht nach den Lichtseiten der Geschichte Spaniens in dieser Zeit.
Schwer wäre es uns, an Theodosius dem Grossen schweigend v
überzugehen, der, wie irgendeiner, dieses Beinamens würdig; dem ni<
bloss das römische Reich, das er aufs Neue erhoben und geeinigt, d
auch die römische, die katholische Kirche zu bleibendem Danke v
pflichtet ist, der mit starker Hand das Heidenthum und den mit il
verbundenen Ärianismus im Reiche niedergehalten und zurückgedräc
der, selbst sittenrein und fleckenlos, mit Ausnahme seines unglücklicl
Jähzornes , für reine Sittlichkeit und ernste Lebensstrenge durch Beisj
und Geseze gewirkt hat.
Dass Spanien das Vaterland des Theodosius sei, hat bis heute ^
mand bestritten. Aber das lag im Streite, ob er aus der Stadt Itali
der Heimath des Trajan und des Hadrian , oder ob er — ein Galizier
Der Comes Marcellinus in seiner Chronik ist der erste, der i
^ einen Italicenser nennt *). Er lebte wohl in Ulyricum unter Justinian
150 Jahre nach Theodosius. Die Entfernung des Ortes xmd der 2
macht seine Angabe weniger glaubwürdig. Der Chronist Idatius ist
■) CkrünicoH McurceUmi — a. 379 (Anfang dess.): T%0odonui Hi^pamu ItaUcat
Theodosius der Grosse. Dexter, Sohn des Pacian. 333
Landsmann und fast ein Zeitgenosse des Theodosius. — - Er sagt sni dem-
selben Jahre : Theodosius, ein Spanier von Geburt, aus der Stadt Qauca in
ier IVoTinz Gali^ien, wurde von Gratian zum Augustus ernannt'). ->
Diess ist entscheidend. £s giebt aber noch einige andere Gründe^).
Der mefarerwähnte Cynegius stanmite offenbar auch aus dem nordöst-
lichen Spanien ; er war aber ein Verwandter des Theodosius ^). — Dass
die Gaiizier selbst den Kaiser als ihren Landsmann betrachteten, werden
irir im Kapitel 7 sehen. — Die in einem erdichteten, zuerst von Wala-
6ried Strabo mitgetheilt^ Briefe angegebene Thatsache , dass Theodosius
der Grrosse zur Zeit seines Aufenthalts in Spanien sich an dem „heiligen
Bischof Gregorius von Corduba^, und seinem Eifer für die Heiligen
erbaut habe, wird von Baronius in der Einleitung zu seinem römisdien
Martyrologium schlagend widerlegt ^). — Für einen Bischof Gregorius
aber für Corduba bleibt kaum eine Zeit übrig.
Der Heide Zosimus, dessen Geschichte bis zu der Einnahme Roms
durch die Gothen reicht, stimmt genau mit dem Spanier Idatius überein;
Theodosius war aus der Provinz Galizien in Spanien, aus der Stadt
Cauca ^).
Der Vater des Theodosius hiess Theodosius, und war einer der her-
Torragendsten Feldherm^ner Zeit. Die Mutter hiess Thermantia. Er
selbst wurde im J. 346 geboren. Nachdem sein Vater am Rhein und
la der Donau — sowie in Britannien sich ausgezeichnet, erstickte er in
Afrika den Aufstand des Firmus. Tapferkeit, Talent und Glück zeich-
neten ihn aus ®). Aber sein Glück erweckte ihm Neider. Er wurde bei
Valentinian I. verleumdet als Kronprätendent, ungehört zum Tode verur-
theilt, und nachdem er die heilige Taufe erhalten hatte, bot er ent-
idilossen sein Haupt dem Nachrichter dar^). — Sein Sohn Honorius hinter-
liess zwei Töchter, Thermantia und Serene, die spätere Gemahlin Stilicho^s.
Theodosius wurde im J. 376 in die Verfolgung gegen seinen Vater
Terwickelt Er wurde nach Spanien verbannt. Er beschäftigte sich dort
mit Landbau und bürgerlichen Angelegenheiten. Aelia Flaccilla war
seine Gemahlin gleich&Us eine Spanierin. Hier in Spanien wurde ihm
*) nUotUmuß naHone MUpanus, de provinda QaUaedae, cwiUUe Cauca, IdaL chran, 379,
^ Fhrez 4, 386 — 87 ist für Cauca. Ebenso Wietersheim , Völkerwanderong.
Band 4 (1864), S. 115. — Pallmann, Geschichte der Völkerwandening, 1863,
8. 139.
*) So heisst er: parena in dem von uns nicht erw&hnten ReMcHpiitm des Theodosius
auf den oft erw&hnten UbeUm prtcum, jp
*) de martyr, Romano , cap. 7. de ßde ^is$ohnim, quae Chropuitii, HeUodori, ^ '
Hieronjfmi nomine mMcr^tae tunt.
*) ix fähf r^ tv *Ißtf^ifc HaJUcuxiccff , xcAutg de Koboko; cpfjuifuvov), — Zoiim. hi$L
I, 4, eap, 24, Ebenso Socraie$, L 5, c, 2, — ef, PacaL panegyr, oap. 4.
*) Ammkm, 129, 5. -^ Ckuidum. eonntL Honor. 4. — BaeaL 5,
0 Bknm, ckronieon, ann, 379 (376); Onmm, L 7, 34, — Wietersheim, 4, S. 93.
334 Siebentes Buch. Viertes Kapitel.
sein ältester Sohn Arcadius geboren — 377. Aus dieser Ehe hatte er
überhaupt 2 Söhne und eine Tochter. — Flaccilla starb im J. 385*).
Die Stadt Oauea war nach Florez nicht Coca in Altcastilien , welches
zur Provinz Carthaginensis gehörte. Die Spanier behaupten darum , der
Ort sei zwischen Braga und dem Minho gelegen. Aber es fällt auf,
dass es eine „civitas^^ genannt wird, deren Lage doch kaum unbekannt
sejn dürfte, und — es bleibt die Möglichkeit, dass Galizien im 4. Jahr-
hundert sich so weit gegen Süden erstreckte, dass Cauca, Avila und
Segovia noch zu Galizien gehörten, imd dass darum das Gränzgebirge
zwischen Alt- und Neucastilien, die Sierra de Guadarrama, auch die Gränz-
scheide der beiden Provinzen war; — später aber Galizien nur so weit
reichte, als das Reich der Sueven. — Im J. 1847 fand man in der Nähe
von Emerita einen schöngearbeiteten silbernen Schild, welcher zur Feier
der 1 0jährigen Regierung des Theodosius gemacht wurde*). — Den
grossen Kaiser auf den Wegen seiner Thaten und Schicksale zu begleiten,
liegt nicht in dem Plane dieses Werkes.
Dem Theodosius folgten allerdings Landsleute und selbst Verwandte
auf der Bahn seiner Ehren und seines Glückes. Aber so weit wir diese
Männer kennen, brauchte sich ihrer Spanien und der edle Kaiser nicht
zu schämen. — Der oft evwähnte Ojnegius ist ein Beweis dafür. —
Der Papst Damasus steht in keiner Verbindung mit dem Kaiser. Aber
es ist doch ein erhebender Gedanke, dass der „mächtige Monarch und
der heilige Papst'' , auf die als das Ideal ihrer Wünsche die katholischen
Völker stets hoffen, zu gleicher Zeit regierten, stanunend nicht bloss
aus demselben Lande, sondern auch aus derselben Provinz, wenigstens
aus dem nordwestlichen Spanien. Für Theodosius ist es besonders ehren-
voll, dass er sich mit den tüchtigsten Spaniern umgab, mit unbestech-
lichen Männern, wozu wir neben Cynegius und Dexter auch Prudentius
zählen; um so ehrenvoller, wenn wir uns des berüchtigten Spaniers, des
Hofhotars Paulus am Hofe des Constantius erinnern ^).
Dexter, der edle Sohn des ehrwürdigen Bischofs Pacian von Barce-
lona, war einer der Spanier, welche im Auslande nicht nur ihr Glück
suchten und machten , sondern die durch ihre Tüchtigkeit zu Ruhm und
Ansehen, und einem unvergänglichen Namen gelangten. Hieronymus
sagt von ihm: Dexter, der Sohn des Pacian (von welchem oben), ein
in der Welt angesehener Mann, und ergeben dem Glauben Christi, soll
') TilUmontf histotre des empereursy t. 5, I, empereur Thtodose I, ort, /— ^ VL dt la
familh de Theodose, p, 189^192.
*) Hübner, Emü Karl, die antiken Bildwerke in Madrid, Berlin 1862. — Silber-
schild des Theodosius, S. 213—216.
>) s. Reinkens, L e. S. 94^96; 118 — und die Belegstellen das. — Ammm^
MarcelL 14, 5. -> Tiüemont, kisL d. empermrs, t 4, 385 — 86, 405, 441, 508; er
warde unter Julian lebendig verbrannt
Theodosiat der Grosse. Dexter, Soha des Pacian. 3S5
ne allgeineine Geschichte mit der Widmung an mich yerfasst haben,
ie ich aber noch nicht gelesen *). — Dexter hat das grosse Verdienst,
dem er sich auf den Vorgang des Sueton berieft), den Hieronymus
it 80 glücklichem Erfolge zu der Abfassung seines bahnbrechenden
iTerkes: de viris ühuiribtt» ermahnt zu haben.
Die „omnimada Mstoria^^ des Dexter, welche Hieronymus nicht ge-
aen, hat vielleicht Niemand gelesen. Denn sie wird von 'keinem der
Iten citirt, da doch die Chronisten Idatius und Prosper von Äquitanien
e kaum hätten umgehen können. Mir scheint, dass sie unvollendet
lieb, mid nie erschien, dass sie also auch nicht verloren gieng^). —
her za der Zeit, als eine überschwengliche Phantasie den Geist des
Mmiflchen Volkes zu übermannen drohte, als Cervantes dieser gefähr-
chen Richtung, in seinem unsterblichen Don Quixotc entgegentrat —
504, wendete der Jesuit Hier. Roman de la Higuera (geb. zu Toledo
338, t 1611), seine grossen Talente und Kenntnisse, beherrscht von
inem spanischen Hyper- Patriotismus, dazu an, die Geschichte Spaniens
1 fälschen. Er und „die um ihn^ behaupteten, man habe in dem
Zoster Fulda, in dem Lande der Hyperboräer für einen Spanier, die
1ux>nik des Dexter entdeckt, welcher Flavxus Lucius Dexter geheis^en p»ea.
abe. Derselbe habe sich nach Spanien zurückgezogen, sei Stadtpräfekt Dezttr.
on Toledo geworden, und 431 gestorben. Nach den neuesten For-
^hungen ist kaimi ein Zweifel, dass Higuera selbst Verfasser des Pseudo-
Texter sei. Nur die Herausgabe überliess er seinen Nachfolgern Tomas
'amayo de Vargas, Juan Tamayo de Salazar, Lorenzo Ramii*cz de
"rado, Fray Francisco de Vivar, und leider auch Rodrigo Caro. Durch
ie siegreiche „Censura de hiitarias fabulasas^^ von Nikolaus Antonio
5eb. 1617 zu Sevilla, f 1684 zu Madrid), welche aber erst 1742
rschien, fast 100 Jahre, nachdem sie geschrieben war, ist zwar
'seudo - Dexter (und seine Fortsezungen Maximus, Heleca, Luit-
rand) für inmier beseitigt; aber in und ausser Spanien wirkt heute
och Pseudo- Dexter nach, und findet Glauben. Ein Grund davon ist,
ass de la Higuera nie ganz in der Luft schwebende Dinge erfand,
)ondem er trug alle neuen Funde in seine Chroniken ein, die er wohl
)en desshalb zu publiciren unterliess, und brachte dann daraus über-
ischende Bestätigungen und Erläuterungen vor, welche noch jezt täuschen
üssten^ wenn man nichts wüsste von seiner immer weiter fälschenden
') cL Rmfinunif l. 2 — ante annosfere decem, cum Dexter amicus meutf gut Praefecturam
tubninietrcnfit Praetoriiy me rogcuaet etc.
*j Suetons Lebensbeschreibungen berühmter Römer in vier Büchern. Wiederher-
gestellter lateinischer Text mit deutscher Uebersezung und Erläuterungen von
Hermann Borgens. Leipz. 1863.
*) Ebenso meinen FerrercUf 1, 265; und Bahr, die christlichen Dichter und Ge-
schichtsschreiber Roms, S. 113.
'Hü
336 Siebentes Buch. Viertes Kapitel.
Thätigkeit. So sind auch die meisten seiner Inschriften nur interpolirt,
nur in verschiedenen seiner Werke in verschiedener Weise , einige jedoch
hat er ganz erfunden *).^
Pseudo - Dexter erschien erst nach dem Tode seines Verfassen
U» d. T.: Fragmentum ehronici, tiv€ amnimodae hi8U>ri(te, cum ehrmeo
Marci Maximi, et additionibui 8. Bratdioms et Heleeae, edidü Jo. Cal-
deron; Caesar - Augustde 1619 — 4^*, wieder abgedruckt mit Noten des
Rodrigo Caro, Hispäli 1627. — Torialba hatte das Manuscript an Job.
Calderon (ein Franziskaner) gesendet — £s erschien: Flavim Luäm
Dexter y Chromeon omnimodae Justoriae, opera et studio Fr. Bivarii eom-
merUariü illustratum Lugduni 1627 ; Matriti 1640, Fol. (Dazu Pseudo-
Maximus, Mat. 1651). — Zur Vertheidigung der Aechtheit des Pseudo-
Dexter erschien : Fl. L. Dextro o novedades aniiguas de Espanna defendidm
por Th. Tamayo de Vargas, Madrid 1624 in 4^
Im 17. Jahrhundert bekämpften neben Antonio^) — der Marquis
von Mondejar^), der Kardinal Aguirre^) und Ferreras^) den Pseudo-
Dexter. — Im 18. Jahrhundert nahm sich kein namhafter Gelehrter
seiner an. — Dagegen scheint es, dass im 19. Jahrhundert Pseudo-
Dexter diesseits der Pyrenäen wieder Glauben finde ^).
') Emil Hühner im Monatsberichte der . Atiademie der Wissenschaften xu Berlio
J. 1861 - T, Berlin 1862, S. 529-530.
') Seine „Centura*' ist aach abgedruckt in dem 1. Bd. der BibUotheca HitpimavttUj
von Perez Bayer, 1788.
') Gcupar Ihannez de Segovia^ Peralta y Mendo, dieeertacionea eccleaiaetic<u.
*) CoUectio — concil. omnium Uiepaniae.
») Ferreras, /, 264—272, — JRoreZy 29, 92-97.
*) Denn im J. 1846 erschien in der Patroloffia latina des Abbe Migne, dessen bohr
Verdienstlichkeit ich stets anerkenne und vertheidigc, die Ausgabe des Bivar,
ohne Andeutung, dass das Werk nicht acht sei; Buse citirt in seinem schöoeo
Buche: »Paulinus von Nola und seine Zeit«, 2 B&nde, 1856, den Dexter steU
als wirkliche Oeschichte, in den verschiedenen Encyclopädien z. B. von Wetzer-
Weltc, Herzog, Ersch und Gruber, Didot- Höfer ist zwar die Unächtheit be
hanptet, und dennoch aus dem Plagiate Unwahres als Oeschichte erziblK
z. B. dass Dexter Statthalter von Toledo gewesen, dass er Flavius Lucios ge
heissen , u. m. a. Selbst der überaus genaue Aug. Poithast sagt : Dexter Paeimi,
ßareeloneu in Htspctnia epiecopuMf statt Padcmif Paremone in ERsp. episeopi ßL
Fünftes Kapitel.
Anrelias Pradentlas Clemens.
Der grosse christliche Dichter, der von keinem seiner Nachfolger
Terdankelty vielleicht von keinem übertrofFen worden ist, wurde unter
den Consuln Phüippus und Sala, im J. 348^ in der Provinz Tarraconensis
geboren'). — Wenige nennen Rom, andere Tarraco seine Geburtsstadt
— Die Meisten schwanken zwischen Calagurris am Ebro, und zwischen
Gäsaraugusta. Da es an allen äussern und sonstigen Zeugnissen fehlt,
80 bieten bloss die Worte des Dichters selbst — den Anhaltspunkt für
die eine und andere Ansicht
Neben Rom — nennt der Dichter drei Städte „unsere*' Stadt Sie
liegen sämmtlich in der Provinz Tarraconensis. £s ist die Hauptstadt
selbst, es ist Tarraco, die er also anredet: Pradm-
0 triplex honor, o iri/orme cubnen, J^^
quo nostrae eaput excitatwr urbiSf Tarr*-
cunctis urbibus eminens Hiberisl
ExuUare tribus Übet patronü,
quorum praesidio fovemur omnes
terrarum populi I^renearum ').
„ünsre Stadt*' bedeutet hier einmal die gemeinschaftliche Provinz,
deren Haupt, zugleich erhabener als alle andern Städte Spaniens, Tarraco
i^ — Es ist zweitens aus und in dem Sinne der Elirche von Tarraco
gesprochen, für welche er diesen Hymnus verfasste, der auch bald —
Wohl zunädist in Tarraco — in die Feier des Festes aufgenonmien wmrde.
CO.
*) pr€uf<Uio V, 24 — 25 — in eathem, — ObUtum veteris m« SaUae eonsulis argueriM :
er quo prima dies mUU,
•) perisiepk, — hymn. 6 (auf Fructaosas von Tarraco) V, 142-^147.
GaoM, Span. Kirche. IL 22
338 Siebentes Buch. Fünftes Kapitel.
— Der Hymnus ist nicht bloss vollständig in dem Sanctorale (Brevier),
sondern die Schlussverse , anfangend mit: o triplex hanor — sind zwei-
mal, zuerst in die Vesper, dann wieder mit dem ganzen Hymnus in
die Landes eingereiht. — Damit es aber nicht scheine, dass durch die
Worte: „ünsre Stadt" der Dichter seine Geburtsstadt bezeichne, so
fordert er Tarraco , die Mutter der Frommen , auf, sich der drei Patrone
zu erfreuen, „deren Schuz Wir alle Völker der Pyrenäenländer -- ge-
messen". — Ja er trennt sich wieder von „unsrer Stadt", indem er
sagt: „Du versammelter Chor aus beiden Geschlechtem, besinget ge-
ziemend euren Fructuosus *)."
Pro- Ganz andre Gründe streiten für Calagurris als Heimath des Dichters,
^„■j"und noch ist der Streit zwischen Saragossa und Calagurris nicht ent-
^■•■* schieden. — In dem Hymnus auf die Märtyrer Emeterius und Cheli-
donius^) preist der Dichter zuerst Spanien glücklich wegen des Besizes
derselben^), die er zugleich „die Patrone der Welt" nennt*). — Dann
bringt er sie wieder in Beziehung zu dem Lande der Vasconen*). Er
endet mit den Worten®):
Hoc bonum Salvator ipsty quo fruamWf praestitttf
martyrum cum membra nostro conaecravit opptdOf
Sospitant quae nunc cohnos, quos Iberu8 adluit.
State nunc, hymnite matres pro receptis parvulia,
conjugum salute laeta vox maritarum strepat,
sit dies haec feeta nobU, sit sacratum gaudium.
Hier sagen wir wieder, dass der Dichter in dem Sinne und für dea
Gebrauch der Kirche von Calagurris sprach. — Da wir aber aus eiflcni
andern Hymnus wissen, dass der Bischof Valerius von Saragossa, dem
Prudentius zunächst seine Hymnen widmet, in jährlicher Feier das Ge-
dächtniss der Märtyrer des benachbarten Calagurris begeht^), so können
wir ohne Bedenken sagen, dass dieser Hymnus auch für den Gebraucli
der Kirche von Saragossa verfasst worden, und darum „unsre Stadt"^
auch bedeute, die uns benachbarte, zu unsrer Provinz gehörige Stadt
Calagurris.
Aber — noch viel auffallender nennt Prudentius Calagurris ^unsre
Stadt" in dem (in der Uebersezung von Silbert mitgetheilten) Hymnus
') VeBtnan pscUUU rite Dructuosum,
*) perist, h. 1, — s. K.-G. von Spanien, 1, S. 293 — 94.
*) hym, V, 4, PoUet hoc felix per orbem terra Hibera stemmate (kann auch bedeuten
das Land des Ebro, also die Provinz Tarrac).
*) paironos mundi — V. 12.
•) V. 94-99.
•) V. 115-20.
') perist, ep. li — Äywm. in S, Hyppofytum — v, 237 — 38:
Inter soUempnes Cypriani vel Chelidoni
Eulahaeque dies currat et isis tibi.
AnreÜQS Prudentins ClemeDt. 3S9
if die achtsehn Märtyrer Ton Saragossa. Hier nennt er die Märtyrer
on Tarraco, und fährt dann fort:
Seinen Felix bringet das kleine, aber
An Oebeinen Heiliger reiche Giron;
Unter Calagnrris erhebt die Beiden,
die wir verehren. •
Barcelona hebt sich im Schaz des hohen
Cucnsatas *)*» —
Hier werden vier Städte der Provinz Tarraconensis genannt , aber
lur das eine Calagurrls heisst das unsrige. — Es scheint schwer zu
ejTLy sich nicht für Calagurris als die Heimaih des Dichters zu ent-
diciden. Doch ehe — wir dieses thun, geziemt es dich, die für die
nächtige Rivalin Saragossa kämpfenden Gründe zu erwägen. Sie stehen
Q demselben Hymnus zusanunengedrängt: p^
Achtzehn hoher Märtyrer Asche hütet dmtiiu
Unser Volk, verehrend in einem Grabe.
Saragossa heisset die Stadt, der solch ein
Reichthnm bescheert ward.
Er nennt femer Saragossa ;,unsre Zierde'^ ^). Aehnlich V. 76 —
Deine Palme grünete hier, o Vinzenz.
V. 85 sagt er:
• Ohne Preis der Unsrigen wich auch keiner
Je der Stdrme —
und wieder V. 89 flg. :
Gabst, o Vinzenz, Märtyrer, welcher ferne
Sterben sollte, nnserm Lande (his tenia) nicht früher
Du des Blntes rosigen Thaa, die nahe
Marter verkündend?')
Dieses Pfand verehret die Stadt (hoc cohmt eivea), als rnhten
Eingeschränkt in ihrem Bezirk die Glieder;
Das Gebein des Märtyrers schant als Mntter
Dort sie begraben.
Unser ist er, litt er auch fern in einer
Unbekannten Stadt nnd gewährt ihr siegreich
Seines Grabes Glanz, wo Saguht sich nahe der
Küste erhebt ^
Unser ist er! Unsere Eampfesschnle (Notier et noHra puer in palaestra)
Lehrt in hoher Togenden Ennst den Knaben
Mit des Glaubens Gelen gesalbt, den Satan
Mächtig besiegen.
Unsers Tempels rühmliche achtzehn Palmen (tenq^lo in itio)
Waren knnd dem Jüngling; des Vaterlandes
HeiUge Lorbeem (bmreii patrit) lehrten ihn bald nach gleicher
Glorie ringen.
»>Vm.4. — V. 29-34.
•)V. (Ä
*) s. S.-G. 1, 982 (K.-G. bedeutet die vorliegende Klrchengeschfehte von Spanien).
22*
340 Siebentes Buch. Fünftes Kapitel.
Von der Martyrin Encratis sagt derselbe — V. 141 — 44:
Diese neue Zierde verlieh zum Ruhm
Christus selber unserm Saragossa
Dass sie einer Martyrin Heimath werde,
Welche noch lebet
Dass der Dichter in Saragossa lebte, darf beute als unbestritten an-
genommen werden (früher hielt man theils Rom, theils Calagorris Tür
seinen Wohnsiz). Diess zeigen u. a. die Schlussworte unsers Hymnus:
V. 197—200.
Wirf, erlauchte Stadt! zu det Heiligen Gr&ber
Jezt mit mir dich nieder; zur Auferstehung
Folgst du dann den Seelen, die mit dem Körper
Bald sich erbeben.
Der Bischof Valerius, als dessen Pfarrkind sich Prudentius beeeichnet,
kann nur der Bischof von Saragossa seyn *) , dessen Familie nach da-
maliger spanischer (Un-) Sitte, deren Schuld natürlich dem Einzeben
nicht zur Last fallen kann, „das infulgeschmückte Haus der Valerier'
war. — Er redet in dem Hymnus 11 den Valerius also an:
Zahllos sind der Heiligen Gebeine, die, Valerianus*),
Christi Geweihter! in Rom unsre Augen gesehen,
und er schliesst den langen H3rmnus also: ^
Täuseht das G^dächtniss mich nicht, so feiert die herrliche Roma
In den Iden Augustes, — den Tag, den — heiliger Meister (»cmete Magislerl)^
wie wünscht^ ichs!
Zählen solltest du selbst unter die Feste des Jahrs.
unter den festlichen Tagen des Cyprian oder Chelidon
Oder Eulaliens sei dieser dir feierlich auch
So für das gläubige Volk, dess Leben vertraut dir ist, betend.
Höret dein Flehen geneigt Christus, der £wige, an.
Ausgeschlossen wird so dir der Wolf vom gefülleten Schafstall,
Kein gefangenes Schaf mindert die Heerde dir dann.
Also führst du dein krankes Schaf, auf der Aue verweilend.
Führest mich, emsiger Hirt, endlich zur Heerde zurück.
Also, wenn mit milchigen Schafen die Heerde du fülltest,
Wirst ein Gefahrte entzückt, du des Hyppolylus soyn.
Was entscheidet nun bei der Frage, ob Calagurris oder ob -
Saragossa^)?
>) K-G., 2, a
•) So heisst er wohl wegen des Versmasses — cf. E.-G. 1, 382.
') Für lezteres stimmen Aldus Mannt 1501; Aelius Antonius Nebrlssensis ; J^
Spiegelius; Georg Rcmius — ad Weilz; X^stus Senensit bibL L 4; Jaatm. Vata^
chran. hisp. J. 351; Possemn, in apparatu v, Attrelius Pntd. — Älfons Garda Ma^
morua, de Academ. Hisp. — Ludovicus Nonius — not, in Hitpaniam cap. 82. "
Joannes Henichius Hist.p, 2, saec. 4, cap, 3. — Luceis Osiander, mitom* Ustor, eecUf'
eentur, 4, L 1, cap. 26. — QuensiediuSf de patnis iUustr, viror, mtb CoMaanmg, "
Anrelius Pradentiiia Clemeni« SU
Bei der Unzahl von Schriftstellern ist es sehr aufiGdlendi dass sie
or entweder für die eine oder andere Stadt sich entschieden ^ dass
or der eine oder andere Calagurris für seine Gebnrtsstadt , Saragossa
ag^en für seine Wohnung, für seine zweite und eigentliche Heimath
al^ wie es z. B. bei den Spaniern Laurentius und Damasus der FaU war.
Ich würde mich unbedingt dafür entscheiden, dass ^der Dichter zu
Uagnrris geboren wurde, zu Saragossa den Best seiner Tage verlebt,
od dort wohl audi seine Bildung genossen habe, wenn — die Gründe
ir Galagorris als Heimath des Dichters entscheidend wären ^).' — Aber
- wenn er es «unsre Stadt* nennt, nennt er es noch nicht seine G(e-
ortsstadt Es ist doch ein grosser Unterschied zwischen dem g^notlbvm
^pidum^ des Pmdentius, und zwischen den Worten des Spaniers Mela
mde na mamu^ — woher wir sind, nemlicfa: von Tingintera an der
[eerenge. — Es ist eine sinnreiche Vermuthung, zu sagen, dass Fnt-
entius Calagurris unsre Stadt nenne, weil dasselbe — nach Plinius zu
em Gerichtsbezirke von Saragossa gehört habe.
Allein j,unsre Stadt'' nennt er es mit Nachdruck; — erstens, weil
ie Stadt Leon auf den Besiz der Märtyrer von Calagurris sehr g^pründete
Lnsprüche erhob; zweitens, weil, nach dem Hymnus ptriaL 1 damals
lalagurris die besuchteste Wallfahrtsstätte Spaniens war, wo «die Patrone
ler Weif angerufen wurden , und wohin wahrscheinlich Fntdentnis auch
Centuriat^fM Magd, t 1, -^ emU, 4 — eap. 10. — Stephan Ckamiiltard m Ml Bnt>
dentü, — Martmus Carrüb — Bist S, Valerii (aasffihrlich). — Ludov« JDieM d$
Äux in der spanischen Version der Hymnen des Pradentias. — Lnpercius und
Bartholomäus Leonardo y Argensola, Epist über diese Streitfrage. — Emmanuel
Bisco, Etptmna sagrada, t. 81, p, 25 — 109, besonders 92—109. — Carol. Ao^-
stinas AntaiduB praes, der itaL Version der Sehrift evntra SynmuichiM, — Andr.
Miüer ad Aymn. 8 KaL Jan. — Stephan. Borgia, Kardinal m opert: „Vaiieana
confetsio beaä Pairi — Bemy Ceiaier, naw. id., t 8, p. 100. Bomae 1776. —
Ebendahin neigt sich F. Arevalo, und von den Neaern Mtddeldarp/^ p. 3 — 6.
Bahr, S. 41, — Rohrbacher-Rnmp, Kirchengeschichte, Bd. 8, S. 96— 97. —
ObbariQS — 1845 verzweifelt daran, etwas Bestimmtes zu wissen; ähnlich sagt
Alb. Dressel: Patria igitwr poitae urhs quaenam /uerit, adhtte quaeritur. —
Für Calagurris als die Heimath des Dichters sind von den Spaniern u. a.:
Gardas LoaUa — CoUect. coneil. Bup, po$t conciL Lucens«; J. Markma, L 4, eap. 7. —
Thomas Tamaj/o de Vargas. — Joann. Marieta, hutoria €<desiatL L 21, p.2X —
Am. Oihenart Notitia utriusque Vasconiae, cap. 7 , p. 139. — Nicol. Antonio , Hb. 2
— cap. T — der — nach Arevalo „ingens pondua huic causae adjecit". — Franz
Perez Bayer entscheidet sich in Folge eines 0>dex ÄemüUm. aus dem 10. Jahrh.
für Calagurris. — Ebenso B. Fhrez, 1 15, p. 328. t 29, 292. — de Castro, t II,
p. 213 sq. — Von Nicht - Spaniern sind u. a. zu nennen: Goldast, praef. MannaL
BibHc — 00. Fabriäus, ap. Weitz, p. 308. — Bhetus, erüie. saer. l 3, eap. 26.
— de Calagwrri Nassica V., Prudentii patria diatriba auct. 0. Z. — Albert Fabri-
cms, BibUoth, tat vetus t. 2, eap, 2, Üb. IV. — Jos. Moret, atmaL l, 4, eap, 4. —
TUUmont, mim. 1 10, p. 561. — Christop. Ceüarius in prarfat. ad ediL IhtdentH,
Matth. Sekröckh, K-G., 8, S. 101 u. a. m.
0 s. TOtaoNy 10, 561.
342 Siebentes Bach. FOnfies Kapitel.
gewaII£Edirtet "war; drittens, weil Calagarris so nahe bei and gewisser-
massen so identisch mit Saragossa war, dass lezteres für die Matterstadt
des erstem gelten konnte. Viertens, gerade in dieser Zeit machte ein
anderes Calagorris, das gallische jenseits der Pyrenäen, so sehr von sich
reden, dass darin für den Dichter eine Aafforderung lag, za unter-
scheiden zwischen anserm, dem nahen Calagurris, der begnadeten Stadt
der glorreichen Blutzeugen Christi, und dem andern Calagorris, der
Stadt des Vigilantius, den Hieronymus den Doimitantias , imd den
stummen* Quintilian nennt Erst in neuester Zeit ist es gelungen, die
Lage des gaUischen Calagorris genau zu ermitteln. Vielfach wurde die
Heimath des Vigilantius in Spanien gesucht; und gleichwie Gennadius
am Ende des fünften Jahrhunderts sich bemüht, den unliebsamen Haon
nach Spanien hinüberzuschieben, so bemüht sich Prudentius am Anüeunge
des fünften Jahrhunderts, sein Calagurris der Märtyrer von dem Cala-
gorris des Kezers zu unterscheiden und zu säubern.
Wir stehen also für Saragossa als die Heimath des Dichters ^). Wir
sagen: Prudentius stanmite jedenfalls aus der Provinz Tarraconensis, und
sehr wahrscheinlich aus der Stadt Saragossa. Der Dichter beschreibt in
seiner Vorrede seine Lebensbahn: £r ist, ^wenn er sich m'cht täuscht,*^
im J. 348 geboren. Den Ort seiner Geburt hätte er angeben können,
ohne zu sagen „wenn ich mich nicht täusche^. Aber — vielleicht bat
er ihn gerade darum nicht angegeben, weil es sich von selbst verstand,
dass er aus Saragossa stammte, woselbst es ein Geschlecht „Clemens'
gab. Vielleicht kann man auch den psychologischen Grund geltend
machen, dass derjenige, welcher an dem Orte schreibt, woher er stammt,
leichter den Ort auslassen werde bei Angabe der Zeit seiner Geburt, als
wenn sein Geburtsort ihm als ein entferntes Objekt gegenüber steht ^).
Es ist von andern schon bemerkt worden, dass Prudentius wahr-
scheinlich anter dem gefeierten Rhetor Petrus zu Saragossa seine Aus-
bildung erhielt, in der sich klassische und christliche Bildung vereinigten.
— Zu einer näher nicht zu bestimmenden Zeit machte er eine Reise
nach Rom, auf jener grossen Heerstrasse, die von Leon, oder auch von
Gades nach Rom führte. Dort betete er in Imola (Forum JuUi) am
Grabe des heiligen Märtyrers Cassian ; er dachte mit Sorgen zurück an
sein Haus in Spanien , aber er erreichte in Rom , was er verlangt (Dass
') Dafür spricht noch das in S. aus Münzen nachweisbare Geschlecht der Clemens
(Florez, MedaüoM t, 1, Tab, 9, num. 9); ferner das Verhältnisse in welchem sich
Prudentius in hpn, perüt, 11 — zu Valerius als seinem Seelenhirten stellt, der
für seine glückliche Rückkehr gebetet; ferner die Worte des Epilogus : ne paterno
m €Uri (der Dichter befindet sich in seinem väterlichen Hause). V. 25.
*) Darüber habe ich eben jezt in München einige Erfahrungen gemacht Die hier
Gehörnen betrachten diess gleichsam als selbstverständlicli. Ich dachte dabei
freilich nicht daran, diese Erfahrungen für die Vaterstadt des Prudentius ver-
werthen %n wollen.
Aureliat ProdentiiiB ClaiMiit. S4S
jandweg nadi Rom eingeschlagen, ist auch ein — - sobwaeher —
für seine Heimath im nördlichen Spanien.) Sein Bekenntnisai
in der Hize der Jugend sich einem ausgelassenen Leben hin*
j -wird bis heute noch als baare Wahrheit angenommen^). Man
i dabei ganz und gar, dass alle Frommen und alle Heiligen^
s wenn sie früher in weltliche Geschäfte yerwickelt waren, lüm-
Lenntnisse ablegen. Bei Augustinus liegen bestimmte Thatsachen
Aber — wenn Cyprian oder wenn Paulinus von Nola sich an*
so sehen wir darin den Ausdruck ihrer Demuth und Zerknir-
— Ist es ohnedem eine fast unerklärliche Ersdieimmg, wie der
dentius mit 57 Jahren — eine solche Vollendung als christlicher
bewährt Seine unsterblichen Werke zeugen gegen sein Be-
i; sie bezeugen, dass er von Jugend an in dem und aus dem
it, was er am Abende seines Lebens so unvergleichlich beschreibi
Dgt
lentius war also nach vollbrachten Studien Anwalt , und als
gezwungen, es manchmal mit der Wahrheit nicht allzu genau
len. Zweimal war er kaiserlicher Statthalter ,,edler Süidte^^),
3r zu der Würde eines kaiserlichen Palastbeamten erhoben
Dass er in spanischen Städten gewaltet habe, wird mit nichts
et Es ist wahrscheinlicher, dass es in Italien geschehen ,. oder
Auslande, da der Kaiser Theodosius tüchtigen Spaniern —
ßhtige Aemter anvertraute. Der Ausdruck mHUiae gradu eveetum
viele zu der Annahme verleitet, dass Prudentius auch ein
gewesen sei. — Denn — der Nachdruck liegt darauf, dass der
Q in seine unmittelbare Nähe gezogen, ihm also die Würde
nes Palastbeamten aufgetragen habe. — Prudentius gehörte zu
nannten militia Palatina^ zu den Hofchargen, die, wie die
und Protectorea, das Vorrecht hatten, Waffen zu tragen, was
«rerboten war*).
nont, p. 561. — Dressel sagt proleg, p. III, Similes igitur sid habuü Tertuüuh
C^fpricmum et al.
'atio V. 16: Bü legum moderamine
Frenos nobiUum reximus vrbium
Jus civiU bonis reddidinus, terruimtu reo»,
), '^ Tandem miliHae gradu
Euectum pietas PrindpU extuUt,
Assumtum propius atare jubena ordme proximo,
dex Theodos, ed. Gothefr.-Ritter, üb. VII. — paratitlon — und Üb. VI, L 9 et, 24.
. hi, qui amissam militiam nostro judido receperunt, — In einem mUltiUriscben
e, wie der römische stets war, galt es als höchste Anszeichnang, militari-
1 Titel und Rang zu haben. — s. Nicol. Antonio , pag. 221. — Mtddsldorpf,
\iidentio et theoiogia Prudentiana Commentat, Wratisl, 1823. 4 — p, 8. — In
m. 2, 47 — gebraucht Prudentius die Worte: nee arte fortes bellica -^ wob}
von sieb. — Gennadius cap. 73 — nennt ihn einlach; mih* Palaiimtf%
344' Siebentes Bach. Fünftes Kapitel.
Er hatte schon das sieben und fün£Eig8te Jahr erreicht; et war er-
graut (wie der Dichter Martial) bei seiner Heimkehr nach Spanien und
beschloss y den Best seines Lebens in seiner Heimath nur Gott zu leben.
Er beschloss nun, das dichterische Talent, mit dem er ausgestattet war^
zum Lobe Gottes zu verwerthen. Kein Tag, keine Nacht sollte ver-
gehen, ohne daas er Gott Hymnen sänge, kämpfte g^en die Lrlehren,
den katholischen Glauben erklärte, die Greuel des Heidenthumes zer-
träte, den Idolen Roms Schmach bereitete, den Märtyrern sein Lied
widmete, die Apostel lobte*).
Dieses Programm, die von ihm übernommene Au%abe hat er wirk-
lich und fast buchstäblich gelöst. Man sezt sein Lebensende um das
8«iM J. 413, was nicht mehr, als eine Yermuthung ist. Li seinen Schriften
ten finden sich keine Andeutungen über den im J. 409 erfolgten ISnfall der
Barbaren in Spanien, so dass die Vollendung derselben vor diese Zeit
üüen könnte. — Einige seiner Schriften scheinen in der Zeit vor 405
verfasst oder angefiEmgen zu seyn.
Auf die yyPräfaUo^, der vorstehende Angaben über das Leben des
Prudentii^ entnommen sind, folgt:
cathe. L Cathemerinon (xaO^fiegiväv) Über, 12 Lieder für den täg-
Tob/ liehen Gebrauch: 1) Hymnus ad gälli canlum. Dieser Hymnus „Äla
did nunHm^^ ist noch heute theilweise in kirchlichem Gebrauche. —
2) Hynmus mattdintiSy ebenso: Nox et terubrae et nubila ^). — 3) Hymnus
ante cibiun. Er empfiehlt hier, sich des Genusses von Fleisch vierfüssiger
• Thiere zu enthalten; dagegen nennt er die Traube „paeis alumna^. Hier
findet sich die Lehre von dem Sündenfall und der Erlösung entwickelt
Es ist das Weib, welches das Haupt der Schlange zertritt, nemlich die
seligste Jungfrau (Vers 127 — 28; 149 — 155. — 4) Hymnus poit cibum.
Der heilige Geist ist zugleich von Christus und dem Vater gesandt
(h. 6, V. 8.) — 5) H^ymnus zum Anzünden der jylu4iema^. Der
Kiesel ist es, dem das zum Dienst der Menschen nöthige Licht ent-
springt. Er mahnt an Christi Leib. Vor Ostern werden Nachtwachen
gehalten (V. 137 — 140) , wobei die Kirchen mit glänzendem Kerzenlichte
erleuchtet sind (V. 141 — 44). Mächtige Lampen hingen von dem Ge-
wölbe der Eirche herab *). — 6) Hymnus ante somnum. Wer zu Bette
geht, soll Stime und Brust mit dem Kreuze bezeichnen. 7) Hymnus
jejunantitun. Man findet eine lange Beschreibung des Jonas von Niniveh.
Alles fastete, auch Säuglinge und Thiere. 8) Hymnus past j^unium.
') Middeldorpf, p. 9. — Nie. Antonio, p. 222.
*) Hymn. 1 und 2 sind übersezt in Schlosser, »die Kirche in ihren Liedern durch
alle Jahrhunderte«. Freib. 1863, Bd. 1, S. 87—90.
*) Rudolph Hasse, Eirchengreschichte , 1. Bd., 1864, S. 216 — 17. «Am AbeoJ
des grossen Sabbats erleuchtete man die Städte — und feierte — bi« zom
Tagesanbruch die Ostervigilien.«
Aareliot Prudentiut CleneM. 345 -
Das Fasten wird zur neunten Tagesstunde gelöst — 9) Hymnus amnU
Iwrae. Christus heisst fans et clausula omnium. Es ist ein sehr schöner
Hymnus, der mit den Worten schliesst:
Der Ströme Laaf and Wellen, die Krümmungen der Ufer,
Regen, Hize, Schnee nnd Reif, Wald and Lüfte, Tag and Nacht
Sollen im Wettgesang dich preisen alle Zeit.
10) Hymnus ad exequUu defuneU — enthält eine erhebende trostreiche
Anschauung vom Tode des Christen, und von der Auferstehung der
Todten. Hier stehen die bekannten Worte:
Jam maesta quie$ee querela,
11) fiynmus auf den 25. Dezember (Weihnachten). In dieser Nacht
erblühte die ganze Erde in einem neuen Blumenschmuck , und selbst die
Sandwüsten dufleten wie von Narden und Nectar. Aus den starrsten
Feben fieng es zu sprossen an. Von Honig träufelten die Kuppen,
Yon Balsam die Tamarisken.
12) Hymnus auf Epiphanie:
Qßiieunque Chriatum quaentiä, i
oculo* in altum toUiU ') — eic.
ist in kirohlichem Grebrauche — an ^esem Festtage. Wie JuToncuSi
erklärt er die Geschenke der drei Weisen. Ein Theil des Hymnus ist
beim Feste der unschuldigen Eünder in unser Brevier aufgenommen.
Hier stehen die herrlichen Worte:
ScUveU Jhrea martyrum
quos htcis ipso in limine
Christi insecutor sustulit
ceu turho ncucentea rosas*).
Das eine Werk Cathemerinan^) hätte dem Dichter einen unvergäng-
Uchen Namen erworben, und von diesem, wie den übrigen Werken des
Prudentius gelten gewiss die Worte des Horaz:
Ubi plura nitent in ccnrminef
Non ego paucis offtndar maculis*).
n. Das Werk : Apotheosis (a^to&äcjaig) enthält nicht, was das Wort Apo.
im herkömmlichen Sinne nahe legt Es ist eine Vertheidigung der Gott- •^•**^*'
heit Christi gegen verschiedene Häresieen. Das Gedicht hat sieben Ab-
theilungen; — über und gegen die Patripassianer (V. 1 — 177), die er
0 Uebersezt bei Fr. Schlosser, p. 93 — 99. ^
*) Heil Blüthen, Erstlings -Zengenchor,
Die Christi Feind im Jugendflor
Hinwärgt, wie des Orkanes Kraft
Die jangen Rosenknospen rafft (nach Schlauer, 1, S. 93).
*) %. Sdirikkk, Kirchengeschiehte, 7, 8. 112— 18.
<) HoraL de arte poitica, V. 351 — 52.
AureUu Fiudenüu Clemcu. SA7 '
B bann nar einen Gott geben, welcher Einbeit die Dmheit
itrag thnt; was Marcion (V. Ö6) leugnet, der den bösen Grott
beherrschen läset (V. 111 — 502 sq.) , deren Schöpfer (opifex)
i der den Gott des neuen Bundes von ihm trennt, .was dev
eines verdorreten Gehirnes ist" (V, 125)> Nach dem Dichter
tehen hier die Worte; ^
apraba mort quid nm mortaÜa pectora eogit (V. 149 aad 207)').
iber ist nicht der Urheber des Bösen, sondern der gefallene
158 flg.), der Lucifer. Er, „von schönstem Angesicht, seiner
ich überhebend, mit allzugrosaen Kräften erhaben — wird
1 und zeigt prahlerischer, als recht war, süne Flammen
[oiunlalqut tuoi lieilo jaetaatüu igitt*] (V. 171),
det sich, daag er sich selbst erachu£fen. Von ihm stammt allea
• Welt (V. 216 %•), auch in der vernunflloeen Natur, z. B, selbst
e, welche die Wälder niederwerfen (V. 246), das Uebor-
n des Landes durch die Walser, von ihm auch der iiber-
iiimuck der Frauen (V, 2G6 flg.). Vielleicht sind die geriug-
Worte über das weibliche Geschlecht:
X KXiu male /ortin ugil, aä ptctote m arto
, fragilU f^dli «itioTum JUtct^at aeaiu (V. 277 — TO n. 738—739)
tigung dessen , was früher In diesem Werke — zur Erklärung
^elhaften Stillschweigens (K.-G. Bd. 1, S. 308 — 310) über
n Jungfrauen Spaniens gesagt wurde, die ihr Leben fUr den
aben. Er eifert auch gegen die obscöneil Schauspiele (V. 388)
laplele (Y. 361 flg.), wo sich die Angenlust sättigte^}, und die
len Arten der Ueppigkeit '). Das Böse kommt nicht von der
r dem Körper, sondern von dem bösen Willen (V. 523 flg.).
jt selbst verantwortlich für das Böse, welches er thut (V. 5Ö3)-
Schärfe und Klarheit hebt er die Freiheit des Willens hervor.
Aeneid. 3, 56-57:
Quid non nortalia ptclora cogä
168-74. — WahrschciolieS^ckämpfl er die sp^Uchen Slicrkampre in
Inde ftrat volucri tema-aria corpora taltu
trami&ml morlinjue i'nler düenmina ludunt.
Sangidnii Awnaai ^tctacula pubUcut edtt
cunjenmi legtaqae jubent vtnale parari
«upp/iciun, i/uo membra kominuia ducerpta cruenlii
MoTiibia obUctenl hilaran de /untre pUbem,
I ZengDi» ist oben S. 52—53 nicht citirt, and ist auch Andern entgKOKen.)
hcUil et: personal eloquiim — t. d. K.-G., Bd. 1, S. 99. — Dm Jcltmm
a flode ich nirgend« (als in der veliu Ilala). Hier fladet lieb ftho-
■ Wort periooa, und Doeb im lezlen Vene dei Oiehteri;
jwiabil ort ptnonaut ChritUan.
348 Siebentes Buch. Fflnflefl KApitol.
Ab Beispfiel mtA n. a. Lots Flacht aus Sodoma angeftthrt Er wird
gerettet^ weil er will, sein Weib nicht, weil sie nicht will| wobd der
Dichter wieder Anlass nimmt, seiner ungünstigen Anschaumig Ton dem
weiblichen Gheschlechte Ausdruck zu geben (Y. 723 — 776). Die Begie^
lichkeit nach dem Bösen wird an Beispielen und Gleichnissen erläutert
— Himmel und Hölle werden beschrieben. Es schliesst mit einem Gfe-
bete an Gott den Vater und Gott den Sohn. Er verdiene nicht den
Himmel; aber es möge das Feuer der Hölle ihn verschonen:
Xtix immensa aUos et tempara vincta eoronis
glor\fictnt: me poena Um» thmmter adwraL
Man hat Zweifel an der Aechiheit dieser Schlussverse erhoben;
denn sie haben eine su ausgeprägte katholische Farbe ^).
Psycho. IV. Es folgt das Gedicht „P$yehomaehia^ (V^XOfHiKl^) in 915
'* Versen , darstellend den Kampf der christlichen Tugenden mit den
Lastern* Es beginnt und es schliesst mit innigem Gebete m Christus.
Die Vorrede ist in Jamben, das Gedicht selbst in Hexametern geschrieben.
Es wird dargestellt der Kampf des Glaubens mit dem Gösendienst, der
Keuschheit mit der Unkeuschheit, der Geduld mit dem Zorne, des
Stolzes mit der königlichen Demuth, der üeppigkeit mit der Nüchtern-
heit, des Geizes, dessen. Wirken sehr ausführlich und anschaulich ge-
sdiildert wird, des G^es, dem auch die Hüter des Heiligthums ans-
gesest sind, des Geizes, der sich in das Gewand der pffichtmässigen
Sparsamkeit und christlicher Genügsamkeit kleidet, mit — der Vernunft
und der Thätigkeit (OperaHo)j welche, nach der Vorschrift des Heirn^
nur für heute arbeitet, und für die Zukunft auf Gott hofft; der Kampf
der Eintracht mit der Zwietracht, der Häresie und des wahren Friedens
mit dem falschen und trägen Frieden. Nachdem alle Laster ge£dlen
sind, erheben sich die Eintracht und der Glaube, und ermahnen die
Christenheit zu allem Guten. Dann wird dem Herrn ein herrlicher
Tempel gebaut, dessen Grundlinien in der geheimen Offenbarung vor-
gezeichnet sind.
Dieses G^cht trägt einen ausgeprägten spanischen Charakter. Ich
möchte es das erste dramatische Fei||pdicht und Festspiel nennen; und
was man, neben einzelnen für unsem' Geschmack allzu natürlichen und
derben Schilderungen, zum Lobe der Festspiele eines Calderon gesagt
hat^), das findet seine volle Anwendung auf das vorliegende Lehrgedicht,
das den Zweck hat, die Laster in ihrer verabscheuungswürdigen B^
«) Schröckh, K.-G. 7, 126.
*) y. Franz Lorinser, Don Pedro Calderons de la Barea OeiaÜiche Festspiele in
deotscher Uebersezong mit erklärendem Commentar und einer Einleitnng ber*
ausgegeben, 2 Bde., Regensb. 1856. A. Fr. Schock, Geschichte der dramatitcben
Literatur und Kunst in Spanien, 2. Aufl., 1. Bd. — 1854. — 3. Bd., 8. 169
-251 flg.
Anreliiu Pradentiiu Clement. 349
hkeit| die Tugenden in ihrer ansiehenden Liebenswürdigkeit darzu-
tllen«
V. Die Libri duo contra Symmaehum bestehen aus zwei Vor-
len, Yon 89 und 66 ^ und 2 Büchern von 657 und 1132 (heroischen) >w*i
srsen. — Der Senator Sjmmachus hatte im J. 384 an Valentinian, g«gM;
leodosiuB und Arcadius die Bitte gerichtet, den Altar der Victoria im ^^*^
nate zu Rom wiederherstellen zu lassen , den Gratian entfernt hatte ^).
ie AmbrosiuB, so erhob sich Prudentius gegen solches Unterfangen.
)er das vorliegenge Gredicht ist nicht vor dem J. 395 und 403 ver&sst
er doch vollendet Das erste Buch beschreibt den schändlichen Ur-
ning und die Geschichte des alten GözendiensteS| und geht sodann über
der Bekehrung Borns yon demselben. Rom möge b^grüssen dife
rrlichen Heerführer (Petras und Paulus), die Gesandten des unbesiegten
Sniggy unter dem es neubelobt sein Greisenalter yon sich gelegt , und
r Winter seines Hauptes einem neuen Frühlinge habe .weieken müssen,
erst trank Nero, nachdem er seine Mutter ennordet| das Blut der
»ostel. Dann wüthete Decius gegen die Christen , und erweckte den
itdurst Vieler nach ihm.
Aber im vierten Jahrhundert beugten sich die Geschledhter des heid-
chen Roms vor Christus. ^^ Hunderte adeliger Häuser von altem G^
ilechte haben sich zu den Fahnen Christi gewendet;'' sie bilden das
lenüiche Ronu Dabei hat der Dichter übergangen , dass die. Frauen
rin die Wege bahnten. Zuerst kamen sie, dann die von ihnen er-
i;enen Söhne, während die Töchter sehr oft den Müttern voraneilten,
d sehr langsam hinkten die Männer nach, wenn sie überhaupt nicht
rückblieben.
Das zweite Buch — widerlegt ausführlich die Gründe, welche
mmachus für die Wiederherstellung des Gözendienstes vorgebracht
T Dichter wiU (wie Augustinus, Orosius u. A.) zeigen, dass die
urige Lage des Reiches nicht ihren Grund in der Verachtung der
en Gatter habe. In diesem Werke , das mit vielem Fleisse und vieler
ile yerfasst ist, wetteifern Kenntniss und allseitige Bildung mit reinem
d warmem Eifer für das Chriilpithum.
Im J. 403 schlug der Feldherr Stilicho den ersten Einfall des West-
äien Alarich zurück. Darauf beziehen sich die Worte B. 2, V. 696 flg.
,Vor Kurzem (nuper) versuchte der Getische Tyrann Jtalien zu zer-
inn, voll Zorn konmiend von dem väterlichen Ister, diese Burgen zu
ileifen, die vergoldeten Dächer (des Capitols) zu verbrennen, mit
üerfellen^) die mit der Toga geschmückten Adeligen zu kleiden.
0 R. Hatte, Kirchengeschichte 1864, S. 103.
*) matintdt — V, 699 ^ Itidor, orig. i9, 23 — mattntca ut wetiU gtrwumka t peiU-
350 Siebentes Btich. Fünftes Kapitel.
Honorius aber und sein Feldherr Stilicho hätten in der Kraft des Ei
gesiegt. — Das Volk aus Pannonien sei vernichtet worden. Lei
häufen haben die Felder bei Pollentia bedeckt Es folg^ eine pom]
Anrede an den Forüsrnntu princeps, — ^Jede Furcht sei ferne; wir 1
gesiegt 9 es ist uns vergönnt zu frohlocken').*^ Der Kaiser wirc
ermahnt y sich um heidnische Begehren nicht zu bektimmem. —
— Honorius war kein Theodosius; und seit dem J. 409 erzitterte
römische Reich in seinen Grundfesten unter den Fusstritten der Vi
und Spanien vor allem wurde zertreten und ausgesogen.
Perute. VI. Das Buch peristephanon (negi arcfpavcov) ist uns in dem <
»**""""• Bande dieses Werkes eine reiche Quelle und Fundgrube gewesen,
historischem Werthe für die Kirchcngeschichte , sowie an äusserm
fange ist es die bedeutendste Schrift des Prudentius. Es sind vie
GFedichte auf vierzehn Märtyrer, in verschiedenen lyrischen, selbs
gischen Versmaassen. Der erste ist der Hymnus auf die heiligen
tyrer Emeterius und Chelidonius von Calagurris — V. 120. — Es f
2) die Passio des — aus Spanien stammenden Märtyrers Laur<
— V. 685. — Das schöne Gedicht weist bedeutende poe'tische Lic<
nach; es lässt z. B. den Papst Xystus gekreuzigt werden. Wir v
nicht, ob diese Eigenheit des Dichters Absicht, schwaches Gedäcb
Verwechslung oder Mangel an Quellen ist^). — Unter den Bitte
naht sich dem Heiligen auch Prudentius, mit den Worten:
üos inter, o Christi decus^ sed per patronos marfyres
audi poitam rusticum potett medelam consequi.
cordis fatenUm crimina Audi benignus suppKcem
et facta prodentem sua Christi rettm Pr udentium
indignus agnosco et sciOf et servientem corpori
quem Christus ipse exctudiat, absohe vincUs secuU^).
>) Tillemont meint, das Werk gegen Symmachus sei am Ende des J. 403 ve
Das „nuper** aber passt auch noch Tür 405; er irrt sodann, wenn er vom
bis 407 — 57 Jahre zählt. — Tiil. 10, 560 (562) -566, (Prutlence,
chr^tien.)
*) DölUnger, Hippolytus und Kalllstus, S. 55.
') O Zierde Christi! höre auch
Den Dichter, der so einfach singt,
Der seines Herzens Laster treu
Was er verübte, laut bekennt
Wohl weiss ich, dass ich's werth nicht bin —
Dass Christus selber mich erhört
Doch flehen Märtyrer für mich,
Dann wendet er sein Heil mir za.
O höre mild den Bittenden,
Den seholdigen Pmdentias!
Und ihn, der noch dem Körper dient —
Errette von der Erde Joch.
Aurelins Pradentias Clemens. 351
Es ist wohl zu beachten, dass Spanien damals schon den Lanren-
3 als seinen Heiligen verehrte ; Antonius j Damasus und Prudentius ')
d Zeugen dafür.
Der Hymnus 3 — (mit 215 V.) — ist in honorem Eulaliae martyrU
von Emerita, welchen wir theil weise mitgetheilt haben. Die beiden
lesten deutschen Editoren der Werke des Prudentius, Obbarius im
1845, A. Dressel im J. 1860 — tragen kein Bedenken, eine von
«er heiligen Eulalia verschiedene heilige Eulalia von Barcelona anzu-
imen. Sie sagen: „Diejenigen thun Uebel daran, welche sie mit der
lalia von Barcelona verwechseln^).'^ — Dressel fügt bei, dass unter
1 Gedichten des Prudentius dieses durch frommen Ernst und Schön-
it der Fassung weit hervorrage. — Die prächtige Kirche, welche schon
vierten Jahrhundert sich über dem Grabe der Heiligen erhob, und
lehe wohl die einzige aus dieser Zeit besonders genannte Kirche ist,
: keine geringe Aehnlichkeit mit dem Ideale jenes Tempels, den -^
I Gemeinde Gt>ttes auf Erden — dem Herrn nach erlangtem Siege
er alle Feinde bauen solL
Den Hymnus 4 — auf die achtzehn Uartjrrer von Saragossa —
>en wir, nach der Uebersezung Silberts, ganz mitgetheilt; denn Akten
1 diesen Märtyrern giebt es nicht; und der in Saragossa selbst woh-
ide Dichter konnte sich näher über das unteifichten, was mit diesen
Iden und Heldinnen geschehen war. — Wir erfiüiren nicht, wie viele
bre die heilige Encratis nach ihrem Martyrium noch gelebt habe«
»er aus den Worten:
Einen TheÜ der Leber, dir aosgerissen,
Sah'n wir» vor den folternden Zangen liegen,
Ganz besizt der lebende Tod dich; Theile
Hat der erstorbene —
ante man folgern, dass Prudentius in seiner frühesten Jugend noch
\ heilige Encratis in Saragossa gesehen habe, was wegen des beider-
tigen Alters wohl möglich war. ^Durch das Recht des Grabes^ haben
\ Achtzehn die Herrschaft über das eine Saragossa. Ebenso herrschen
ch „dem Rechte^ des Grabes Ghelidonius und Emeterius, „die wir ver-
len, über unser Galagurris;^^ »ibm gewähren sie siegreich ihres Grabes
*) Eine Andentnng finde ich in den Worten:
Der Vasco and der Ibems
Und Berge -Ketten trennen uns:
Die Alpen und die Pyrenäen
Mit ewigem Schnee bedeckt, von dir.
V. 538 — 40. — V. Perez Bayer — diu, de Ltwrentio, cap. 4 — Prudmüiu vulgari
tenientiae adttipulatwr, cap, 5 — 6,
^ Sie ciUren: Tkomae, cord. eacr, p. 306, — Mabiütm, amuiUe VII, 417. — Ar«
Bt^fer, de S, Laurentio, — Lee viee des Samte, VIII, p, 264, 457.
352 Siebentes Buch. FüDftes Kapitel.
Glanz ^, und ^die ferne unbekannte Stadt'' (Leon in Galizien) hat kein
Anrecht an sie^).
Der 5. Hymnus enthält die Passion des heiligen Vincentius (575 V.).
Er ist verfasst auf den Tag seines Triumphes:
Blick seiend, hoher Märtyrer!
Auf deinen Sie^estag herab,
Der einst den Preis des Blutes dir,
Den Kranz, o Sieger, dargereicht.
Dich führte jauchzend dieser Tag,
Als du den Quäler und die Qual
Besiegt, aus tiefer Finsterniss
Zu Christus in den Himmel ein. (vergl. V. 561 — 62).
Bei diesem Hymnus hält sich der Dichter genau an die von uns
mitgetheilten Martyrerakten, die selbst schon eine poetische Färbung im
edlem Sinne des Wortes an sich tragen ^ die ihnen also der Dichter
nicht zu geben brauchte.
Der 6. Hymnus ist der von uns angeführte ^) : „in honorem beaHsri-
morum martyrum Fructium episc. Tarraconenm» et Augurii et Eulog»
dicieonorum^^ — V. 162. — Der Hymnus 7 ist zu Ehren des seligsten
Märtyrers Quirinus, des Bischofs von Siscia (Sisseck) in Pannonien (V. 90),
der mittelst eines Steines in den Fluss Save versenkt wurde — J. 310^).
— Wenige Verse folgen auf den Ort, wo die Märtyrer von Calagurris
litten y jezt ein Baptisterium. — Die (9.) peueio des Cassian von Forum-
julium — Imola — ist schon erwähnt — V. 106. — Ausführlich wird
das Leiden des Märtyrers Romanus von Antiochien beschrieben — 1140.
War der Anlass zum 9. Hymnus das fromme Weilen des Prudentius am
Grabe des Heiligen , und sein frommer Glaube, dass auf dessen Fürbitte
seine Reise nach Rom von Erfolg gewesen, — so erklärt sich vielleicht
der 10. Hymnus daraus, dass Romanus — seit den ältesten Zeiten sein
Fest in der Kirche von Spanien hatte — 18. November. Der 11. Hymnus
— Leiden des seligsten Märtyrers Hippolytus — 246 — ist aus be-
kanntem Anlasse in den jüngsten Jahren untersucht worden *). Von
einem Schisma des Hippolyt wusste man nichts. Prudentius verwechselt
das von ihm veranlasste Schisma mit dem des Novatian , welches wenig-
stens 35 Jahre jünger ist; und sein Hymnus ist im Grunde nur eine
po^'tische Umschreibung des an der Mauer über dem Grabe des HeiligeD
angebrachten Frescobildes. Novatianer gab es aber auch zur Zeit des
Prudentius oder doch Pacianus noch in Spanien, so dass dem Pruden-
>) K..G., 1, 320-29.
») K-G., 1, 269.
0 Ilfyricum sacrum, ed. TarlaH, U 5, p. 317 --€02 (p. 325-26; 347).
«) Döüinger, Hippolytos und Kallistus, 1853, S. 55—66.
Anrelius Prndendas Clement* S5S
das eine solche Verweohslimg um so näher lag ')• Der Hippolytos des
PnidentiiiBi dessen Gedächtniss am 13. August begangen wird, war
Presbyter in Rom, Gründer eines Schisma ^ oder doch Vorsteher einer
ibgesonderten lürchengemeinschaft, kehrte aber vor seinem Tode aur
Kirche zurück. — £s folgt — 12 — die Passio der Apostel Petrus und
Paulus — V. 66. — Nach Prudentius starben sie an einem Tage, jedoch
in dem Zwischenräume eines Jahres. Zuerst wurde Petrus gekreuzigt
Paolos nach ihm enthauptet Die Grebeine des Petrus befanden sich auf
der rechten Seite der Tiber; auf der linken Seite Paulus auf dem Wege
^ Ostia, wo Constantin eine Kirche baute, Theodosius und Valentinian IL
ane herriiche Basilika errichten liess. Das betreflbnde Edikt an den PrXr
Tekten Sallustiitt ist noch yorhanden % Die im J. 1823 verbrannte Ba-
iüika hatte die Inschrift: Theodatiu» eqpü, pcrfecU Onoriui auUtm Dociarii
'nundi iaertikan corpore Pauli, Pladdiaepia mem operii deemhonmepaUmi
HUidet PoiUifieii iiudio iplendere Leonii ^). — Das — 13 — Leiden des
leiligen Cyprian — Y. 106 — verwechselt diesen mit dem Märtyrer
)]rprian von Carthago. — Der — 14. — Hymnus ist die Passio der
leiligen Jungfrau Agnes — Y. 183. Yon den Heiligen dieser 14 Hymnen
«finden sich 11 in der alten spanischen Liturgie, und daraus mag sich
om grossen TheOe erklifareni warum ihnen der Dichter seine Lieder
lewidmet hat, welche auch selbst in die gottesdienstlichen Bücher der
panischen Kirche ttbergiengen. Zu den Siegesliedem auf Hippolytos
nd Cassian wurde er wohl durch seinen Aufenthalt in Italien veranlasst,
nd zunächst durch die Gemälde, welche die Passio Beider nach seiner
[einung vorstellten^). — Zu Quirinus aber — zog ihn wohl eine be-
)ndere Yerehrung; von Bomanus hoffte er es zu erlangen, dass er auf
sine Fürbitte am jüngsten Gerichte von der linken auf die rechte Seite
estellt werde*). ..|uu
Die Hymnen des- firudentius waren für den Dienst der Kirche zu-
ichst in Spanien bestimmt, und was Damasus in Rom für die römische
irche gethan, in der er den Gebrauch der Hynmen einführte, das
ihnte Prudentius für die spanische Kirche an. Aber ein Theil seiner
Glichen und herrlichen Lieder — wurde von der ganzen Kirche an-
id aufgenommen, und unvergänglich leben sie nun fort in dem Munde
ad Herzen der Gläubigen. Die sie beten oder singen, betrachten sie
Is Kirchenlieder, und denken nicht an Prudentius. — Aber — eine
cQssere Ehre und Auszeichnung konnte diesem grossen christlichen
') DöUiDger, S. 66.
^ 8. Drtstel, l c. p. 456. — Barm, 386. nr. 29.
*) NiaM, DeUa BaiOica di 8. Päoio ^ B^ma 1816.
't periiUpk 9, V. 10. " k. 11, V. 185.
•) A. 10, V. 1139 - 40.
OuM, tpwi. Klrehe. II. 23
S54 Siebentes Buch. Fftnftee Kapitel.
Dichter mcht zu Theil werden, als dass seine Gksänge mehri als die
eines andern Dichters vor oder nach ihm, ein gemeinsames Gut der
ganzen Christenheit geworden sind. — Dass der Dichter seine Hymnen
ftlr die Kirche verfiEUwte, deutet wohl Gtennadios mit den W<Nrten an^):
er verfasste auch zum Lobe der Märtyrer, j, unter den Namen Einiger'
(im Namen Anderer) — ein (zum Lobe derselben) einladendes BudL —
Was Gknnadius als erstes Werk des Dichters nennt (djp^dkon}, das ist
das lezte und kleinste Werk , genannt DUtoehaean ^). — Es bebandelt in
.je vier Versen 1) Adam und Eva; 2) Abel und E[ain; 3) die Arche
Notti; 4) die Eiche von' llambre; 5) das Ghrabmal der Sara; 6) der
Traum des Pharao; 7) Joseph von seinen Brüdern erkannt; 8) das Feoor
in dem Dombusche; 9) der W^ durch dafi Meer; 10) Moses empftngt
das Gesez; 11) das Manna und die Wachteln; 12) die eherne Sdilaoge
in der Wttste; 18) das Bitterwasser in der Wüste; 14) der Hain EUm
in der Wüste; 16) die zwölf Steine im Jordan ; 16) das Haus der H. Raab;
17—18) Samson; 19— 20) Dayid^ Davids Beich; 21) der Tempelban;
22) die PtophetensShne ; 23) Israäh Ge&ngenschaft ; 24) das Hans des
Ezechias.
Das Neue Testament: 26) Maria und der Engel Gabriel; 26) die
Stadt Bethlehem; 27) die Gbben der Weisen; 28) die Hirten von den
Engeln gemahnt; 29) die Kinder in Bethldiem werden ermordet;
30) Christus wird getauft; 31) die Zinne des Tempels; 32) Wawer
aus ^Wein; 33) der Fischteich Siloa; 34) der Tod des Johannes;
36) Christus wandelt auf dem Meere; 36) der DXmon in die Schweine
gdassen (daemon mi$8u8 in pcreos); 37) die fünf Brode und die zwei
Fische; 38) Lazarus von den Todten auferweckt; 39) der Blnt-
acker; 40) das Haus des Caiphas; 41) die Säule ^ an welcher der Hei-
land gegeisselt wurde; 42) das Leiden des Heilamles; 43) Christi Ghitb;
44) der Oelberg.; 46) der Martyrtod des Stephanu£( 46) die schöne Pforte;
47) das Gesicht des Petrus; 48) das Gefäss der Auserwählung ; 49) die
gdieime Offenbarung des Johannes.
') Omtnad, c. 13 de vir, iüusir, Prudentiua vir saecukui UtUratura erudiitu ccmpomdL SU»-
chai9(m de toto veieri et novo teetamento persoms excerptie, commentaiuM est m morm
grcucoruM hexaimeron de muruU fabrica ueque ad con<Utionem primi honUnit ei fret-
varictMiionem ejus, eompoeuit et Ubeüoe, quoa graeea appeUatione prattituhmt tqtoAeotu,
ptjfchomacia, amarügema id est de divinitaie, de eompuncttone <mimi, de oriffine peceo'
torum, fecü et in kuidem mar^prum sub aliquontm nominibue irnntatorimn Ubnan wm
et hymnorum aUerum, epeeiaU tarnen intentione aduersus Symmackum idolalairiam ^
fendentem: ex quorum leciione agnoecitur pcUatinus miles/uisse, — Tillemont — p* 5^
Übersezt obi^e Worte: er habe in einigen Märtyrern — alle verherrlicht. -
Mir&us liesst: ȟb aliorum nominibue,
*) TUUmont, m^n. L 10, Note 2 eur BrwUnee, p. 819 — 20. Einige schreiben et dem
Dichter Amoenns zu; andere meinten, dass Prudentina diesen Beiaamefl ^'
tragen habe.
Aurelios Prndentias Clemens. 385
imadiiie giobt einen so unklaren und fehlerhaften Bericht über die
des Prudentius, die er nicht näher gekannt zn haben scheint,
r seiner Aussage nicht su glauben brauchen , Prudentius habe
1 Hexa^Smeron yerfieisst Die Thatsache ist wahr, indem er wie-
tind ausführlich von der Schöpfung des Menschen, von dem
fall und Ton der Fortpflanzung der Sünde in der Mensdiheit
; aber ein Werk unter dem obigen Titel hat er wohl nicht yer-
- Ich bin überhaupt der Ansicht, dass wir alle Werke des Pjru- p^
, wie sie ursprünglich verfasst waren , besizen. Das yon ihm in ^'^f^
Einleitung verfiusste Programm hat er in den auf uns gekommenen Dtehtcr
I vollkommen gelöst, er hat das Lob Gottes gesungen in seinem
erinon,^^ hat gegen die H&resieen gekämpft, den katholischen
1 entwiekdt und yertheidigt in seiner Apotheosis , seiner Hamar-
und seiner Psjchomachia, drei Werkra, die sich enge an
r anschliesien , und die man in einem gewissen Sinne, auch
itholische Glaubens- und Sittenlehre nennen kann, er be-
) das Heidenthum und überantwortete es der verdienten Schmadi
n zwei Büchern gegen Symmachus, er /«reihte ein Li^ den Mar-
und lobte die Apostel in seinem Werke Peristephanon.
3 Schriften des Prudentius machen auf den Leser den unabwds- „a
üindruck , dass der Dichter alles selbst in innerster Seele gefühlt, ^^^*^
so seelenvoll und so innig beschreibt, dass er all' das im Leben
bt und vollbracht habe, was er .so gläubig, so demüthig, so
und gewaltig schildert Es weht aus diesen Liedern dn höherer,
reihter, ein in Christus und aus ihm lebender G^ist uns an; wir
uns einer Gesinnung, einer Hoffiiung und Liebe mit dem Dichter.
3bt uns, er erquickt uns, er erfreut uns, er beschämt uns. Seine
) Demuth, seine zarteste Frömmigkeit, der hohe Schwung seines
, das reine und starke Feuer, das ihn ganz durdbglühet, imd
stets zu beherrschen weiss, wir erkennen es an, wir preisen ihn
:h, und wir danken seinetwegen Gott Er war in der That ein
igter Christ, „dessen Feuer durch den heiligen G^st in seinem
entzündet war, und der durch seine Wärme gleichzeitig die
Anderer überredet und erwärmt ^).^ Er erhebt die Poesie, in-
* sie in den Dienst der Religion führt. Er war vielleicht der ge-
te der christlichen £Kchter, aus dem man viel über die Gesclnchte
e Alterthümer der Kirche er&hren kann. Mit Recht vergleicht
lonius mit Horaz ^) ; und wir glauben nicht zu übertreiben , wenn
38sen Worte auch für Prudentius den Dichter in Anspruch
i:
ammt, m. 10, S64.
io«. Ap, ep. 2f 9,
23
366 Siebentes Buch. Fünftes Kapitel.
/fi^Mi»i0ii €m »äf an mens dimnior, atque as
Moffna sanaturum, des nominü huiut honorem *).
Wer an Beispielen sehen will, -wie das Christen thum die Einaeben
und die Völker adelt, weiht und ihnen erst ein wahrhaft menschliches
Leben verleiht , der vergleiche die lezten Lebensjahre des spanischeD
Pr«. Dichters Martialis, des Heiden, mit dem spanischen Dichter Pmdentius,
^n!* dem Christen« Beide, suchen ihr Glück auswärts; beide weilen in Rom.
^^^ Beide kehren am Abende ihres Lebens in ihre Heimath zmück , beide
57 Jahre alt; beide weisen auf den Schnee hin, der ihr Haupt bedeckt
Aber von nun an, welcher Unterschiedi Martialb ist mürrisch, ver-
drossen, launisch; oder von einer unnatürlichen Gleichgiltigkeit In
Bilbüis beachtet I^iemand den Dichter; er verachtet das bloerische Volk.
Aber, da er sich selbst überlassen ist, so versinkt er selbst. Er ver-
geudet seine lezten Lebensjahre, hüllt sich in schmuzige Kleider, l&sst
sich gehen, und schläft oder gähnt bis in den hohen Tag hinein'). —
Er hat offenbar das 2iiel seines Lebens verfehlt Als er nach vier
Jahren gestorben (104 — 5 n. Chr.), hat Plinius die kühlen Worte für
ihn: j,Ich höre, dass Martialis gestorben ist, und er thut mir leid, denn
ich hatte ihm bei seiner Heimreise ein Zehrgeld gegeben, da er Verse
auf mich gemacht ').'
Ptudentius kehrt am Abende seines Lebens heim , um erst wahrhaft
Gk>tt und sich selbst zu leben. — Er lebt in der Kirche und in Christus
auf, und er lebt j,in den Liedern der Kirche^ unsterblich fort Was er
geschaffen und gesungen, es tönt erweckend und belebend in die Herzen,
es wird segenschaffend und lebenweckend fortwirken bis zu dem Ablaufe
der Zeiten. Sehet doch den Unterschied zwischen dem heidnischen und
dem christlichen Spanien!
Ausgaben (mit Auslassung der Ausgaben einzelner Schriften): Da-
w^^^ verUiriae — 1492, Prud. po^lae opera — Venct ap, Aldum, 1501 et 1502.
— Aur. Pr. dem» viri carmdaris libdli cum Comtnmto ArUonU NeMt-
$ensU — Xueromt 1512, — Zweite Auflage davon 1512 oder bald darauf.
— Atir. Prud. Cl. viri eonsuL op. — schoUa per Joann. Sichardum, BatiL
1527. — 1536, — opera mtdto quam anUa ecutigctUora — Antverpiae
1536 und 1540. — op. cum Siehardi et Eramm Boter. commentarüa. BatiL
1540. — poimtsta omma^ Baal. 1542. — Opera Prudentü; Lugdun. per
Joann. Tomoeiium. 12. — 1553. — Aur. Pr. CL V. C, eaera, quac
«J EwaL Sat, 1, 4, 43— U.
*) MartiaL Epigramm, L 12, 18 ad JwmaUm:
InpenH finor m^^robofue »omno
Quam fMc terHa satpe rumpil hora,
Sie me vwßre, de juoai ptrirt,
*) K.-G. 1, S. 66; besondert 8. 133 and die Belegstellen das.
Aureliot Pradenüiis ClemeBt. 367
ty poSmaia omnia. Bcuüeae 1562. — Aur. Pr. CL v, e. i^Mra, a
re OiieUno eorreeta^ t£ annotoHanibut ilhuircUa. BaM. 1862.
?oiUirum veterum eeeleikutieamm opera ehrUiiiana et aperum reH-
aiqut fragmenta etc. diUg. et tiwUo OeorgH FabrieU (ßienrnüeenä».
(PracL Bteht an erster Stelle.) — Eodem anno, A. P. CUmem^
l PuhnamU Gr., ei V. Oüelim opera. Antv. 1564 (ex flde IQ ead^
— PrudenHi apera a Viet&re OiseUno earreeta et emnoiatUmUna
tOa. PariSy 1566. — ap. ex ree. V. OisdM -^ Ltsffd. BaUw. 1591
W. — A. Pfud. dem. apera a V. OUeUno iorretta: ad Hippolifkan
em CardincUem. CoUmiae 1594. — Die Ausgabe — Lugdimi BaUw.
en wied^iitlt 1696, 1003, 1610.
m J. 1613* erschien die vortreffliche' Ausgabe: AureUi PrudenHi
ntii V. C. opera novUer ad tnss. fidem reeeneUa^ inierpolata, inmumerie
idii purgaUij notkqtte et indiee aeeurato ÜUutreita a M. Jo. Weitsdo^
AeeesBenmt onmium doetorum virammy quotquot in Prudentium
irunt, notaef sehoUa atque obeervatUmes ewn OloeeU veteräna. Hon-
; (Hanau), 1613. — SP. — (Die von Weitaus hier geslunmelten
rer des Prudentius sind : buüeulut interpretum : AeUi AntonU SArU^
L C. Annot€dione9 in Hymnos et Psyehomaehiam. Joannii Siehardi
Seholia. Eraemi Boierodami eommentariöUt» in duos hymnoe. JaeM
m I. C. interpretatio in hymnum omniiian fiorarum. QeorgU ^a6ridi
}ieeneu in quoedam hymnoe expaeitio. Adami Siberi eehoUdia. Victor^
d Sanfordiani eommentariu». QeorgH Bend I. C. Notae. AdanH
Tri Siberi Commentariolfit in tre$ hynmoe. Andreae WUkU expoeitio
mdam ex Apotheoei vereue.)
Mr. Pr. Cl. V, C. opera: Ex poetrema doet. tHronmi reeemione Am"
mi 1625. 1631. 1648. PrudentH earmina — Antverpiae 1663. SP. —
I PrudentU OUmentis quae exstant Nie. Heinnue Dan. FU. Ex vetu^
xpl. ree, et Ammadv. a^fecit Ametelod. ap. Elzevir. 1667. — 2 wA.
— Aur. PrudentH Clementie opera inierpretatione et notis iUustrapit
tnus ChamUlard e Soe. Jeeu. Jussu Chrietiamenm regie ad utüm eere^
i Delphini. Parisiis 1687. 4P. — Landini 1824, 3 vol. — Aur. Pru^
Clementis V. C. Opera cum notii Nicolai HeineU Dan. ßU, et vorto-
ioctorum virarum maxime neeeesarOs. Subjeetus est in fine index
et verbonan loeupletimmue. Colon. 1701. — Aur. PrudentH CU^
quae exetanty reeenndt et adnotationibut üUatravit Chrietophorus
UiS, qui et indices eopionores rerum^ et verbarum addidit. Hälae 1703.
Ho eeeunda 1739 — Parmae, ab 1. TeoliOj 2 vol. ^. — OällandH
ih. t., 8 (Venet. 1788), p. 433 — 542.
Is folgt die glänzende Ausgabe : M. AureUi Clemeniie PrudentH V. C.
%a ad opUmm quaeque ediäones et mse, eodd. Bomanas aUoeque reco^
et correeta gloieie Isonis Magiatri et aliie veterum nunc primum e
Jepromptiij prolegomenis , commentariii et lecHonibui variantibus iUur
a Fauetino Arevala. Ad beatiseimum pettrem et D. N. Pium Sextum
i
866 Siftbealei Buch. Fftnftet Kapitel.
P. JL Bamae 1788 — 2 VM. 4. — Gtobser konnte 1827 diese Am
gäbe weder in Wien noch Rom bekommen , wess wegen er Tielleicl
über den Dichter Jarenoos nicht hinauskam* Th. Obbariua erachtete e
im J. 1846 für ein besonderes Glück, dass er durch einen Herrn ^Hei
sius^ ein Exemplar dieser Ausgabe erhielt , die er allen andern yorzieh
wiOirend Alb. Dreasel im J. 1860 (proUg. p. 41—43) den Tadel den
Lobe Torwalten Usst — Diesse Ausgabe ist abgedruckt und dadurd
sum G^emeingttte geworden in PaUrologia kUma aetwramU J. P. Mign/t
U 59 HßO. PaHi. 1847 (P^ythomaehia H PerisUphanm in t. 60, di(
übrigen in U 59).
AurtUi PrtidentU CUmeniü earmina. BeceniuU et expltmnrit Theodom
ObbeuiM — Tubingae ei LondM (1845). Er benüzte 5 Codices, davot
2 ans WolfonbütteL Diese Ausgabe ist alles Lobes wertb. Wohl
thuend ist die Bescheidenheit und Liebe des Verfassers für sein Objekt
ÄMtdli PrudenÜi quae exeUuU camUna. Ad VcOiee. aliontmque Codieum e
optimarum edUUmum fidem reeenmiiy Ueüonum varietaU ühuhraoU, noA
eaBpUemU Albertue Dreeeel Upeiae (Pariiüi. Bomae. LondM) 1860. -
Dressel benüste römische Codices (Akx. 321. VaL 3859. 3860. 582i
Cod. Akx. 348. Cod. Pal 242 müeeü. Cod. Alex. 14W membr.) — in
Oanien S2. — Die Vorrede ist aus Rom vom Mära 1860 geschrieber
— Die Ausstattung ist au^geeeichnet. Die Varianten sind vollständig
Die erklilrenden Anmerkungen zwar nicht erschöpfend, aber doch dankeiu
werdL Der Buhx verborum ei phrarium wXre vielleicht noch nicht voll
sttndigy wenn er doppelt so ausführlich wäre, als er ist
Den im Verlaufe schon angeführten Schriften über Frudentius trage
wir noch nach die prolegomena des Arevaloj Migne l. e,, p. 571 — 766 i
29 Kapiteln. — Middeldarpf (der Titel oben) Pars J, 1823, P. 11, 1826.4
— wieder abgedruckt in: Illgen: Zeitschrift für historische Theologie
2 Bd., Leipzig 1832- IL St., p. 127—190. — Aur. Frudentius Feiei
gesänge, heilige Kämpfe, und Siegeskronen; metrisch übersezt voi
J. F. Silbert Wien 1820. — DeUwigne, de Lyrica c^ud Prudei^w
poM. Toid 1849. — J. FeesUr insHM. Pearologiae^ t2, Oen^^ofUeWH
p. 479—484. — Brye, E^udee eur la vie ei lea Berits de Prudenct
Pat. 1854. — FSix CUment: Po&e» chrMensj Pari» Gaumey 1857. -
B. CeOUer noweUe idiOon, i. 8, p. 100—107, Pari» 1861. — NowM
Biogre^Ue gäUrdU ^ p. Didoi- Höfer j i. 41^ Pari» 1862.
Sechstes Kapitel.
Die PrisdUlanlsten in Spanien — bis zum Jahre 385.
§. 1. Literatur über dieselben.
Nach und neben der Synode Ton Elvira hat die Oeschichte der
llianisten vielleicht die zahlreichsten Schriftsteller gefunden; und wir^
e wir bei gewissen Zeiträumen und Objekten, dieser Geschichte,
B. der apostolischen Siebenmänner, Niemand vorfanden , der uns darin
6 Wege gebahnt hätte , finden uns bei der Geschichte dieser Sekte in
zahlreicher Gesellschaft von Mitarbeitern , dass sie uns vielleicht kaum
le ärmliche Nachlese übrig gelassen haben. Darum dürfte es hier
ssend seyn, einen Ueberblick der bisherigen Literatur vorauszuschicken.
Philastrius redet zum J. 379 von Manichäem in Spanien; Ambrosius
rieht in 2 Briefen von der Sekte. Der Panegyricus des Drepanius
icatus erwähnt ihrer. Sulpicius Severus ist erste Quelle für ihre Ge-
hichte, aber zuverlässig nur für das, was er selbst beobachtet hat
ipst Lmozenz L, Hieronjnmus, Orosius, Augustinus, Bachiarius, wohl
LS Galizien, Prosper von Aquitanien, Turibius und Leo Magnus, Mon-
Dus, Isidor von Sevilla — sind fernere und spätere Berichterstatter.
Von Neuem handelt Tillemont ^) sehr ausführlich über sie. Es folgt
ir Verfasser des Werkes B(ieefU(mu8 iUtutraUUf Hve de PnseüUana haeren
uertaüoj in (AngeU Ckdogerae opusc. t. tU.): Baceotta €tOpu$€oU BcienH"
ä e fUologici — Um. 27. Vmexia 1742, p. 61 — 157. — Im J. 1761
rschienen von Petr. Thom. Ctsedari: „ExereiUxtionei Ir» universa ioneti
») Ifoi. t. 8, p. 491-627} 791 --797.
360 Siebentef Buch. Sechstes Kapitel.
Letmis M. apera^ ^ daronter — de PriseülUmistartan haereä et hUloria,
Bomae 1751 — ap. Migne P. lat t 55, p. Ml — 1065, eine Abhandlacg,
die den spätem Bearbeitern entgangen zu seyn scheint — Simon von
Vriea, diasertttUo eritica de PriicUUanistis eorumque faiia, doebrim» et tnori-
bu8, UUrßjecti 1745, handelt besonders von den Lehren der Sekte , und
ihrem Zusammenhange mit den Manichäem. — Francisci Oirvesi (Girvesj
de historia PriscillianUtarum dissertatio in duas partes dietribtUa — Bomae
1750. — Nathanael Lardner^ Credünlüy of the Gospel History — deutsch
von Bruhn und Heilmann , 1750 flg. — 1. 11 - Vol. 9 — p. 266 flg. -
Christian Walch handelt von der Sekte in: „Entwurf einer vollständigen
Historie der Ketzereien , Spaltungen und Lehrstreitigkeiten bis auf die
Zeiten der Reformation. Thl. IH. Leipzig 1766 — S. 378— 481. Die
Ergebnisse seiner Darstellung stehen in keinem Verhältnisse mit der
Ausführlichkeit Kürzer handeln Schröckh^), Stolberg ^), Neander^j,
Mosheim, Hencke, Schmidt^), Stauedlin, Danz, Gicseler^), Ruttenstock,
Guericke®), Ebise, Neudecker, Ritter, Alzog^) u. a. von der Sekte. —
Florez hat in verschiedenen Bänden gute Beiträge zu ihrer Geschichte ge-
liefert — Das Buch : De haeren PriscUUanietatum ex forUibtu denuo collatii
diesenät Jo. Henr, Bern. Luebkert, Haitmae (Kopenhagen) 1840 (184!)^
p, 129 — dürfte troz vieler aufTaUender, selbst lächerlicher Irrthümer doch
an erster Stelle zu nennen seju. Der Verfasser meinte schon damals, dass
ihm nur eine kleine Nachlese geblieben. — Die Schrift: Geschichte des
Priscillianismus. Ein Versuch von loh. Matth. Mandemach , Priester der
Diöcese Trier, Trier 1851 — S. 104 — ist eine fleissig geschriebene
Abhandlung. — N. Hocker hat dem Buche : Des Mossellandes Geschichten,
Sagen und Legenden, Trier 1852 — einen Excurs angehängt, S. 424-
440, worin er den Priscillian und die Seinigen zu Märtyrern stempelt
Hefele uud Marx in seiner Geschichte des Bisthums Trier — 1858 —
handeln nur kurz über die Sekte®). — Jacob Bemays: „Ueber die
Chronik des Sulpicius Severus. Ein Beitrag zur Geschichte der klassi-
■) Joh, Matth, Schröckh, Christliche Eirchengcschichte. Theil XL Leipzig. 1766.
S. 315-363. Theil XVIII, Leipzig 1793, S. 66-71.
*) Stoiber^, Leop., Geschichte der Religion Jesu Christi, 8, 12a 12, 334-37.
13, 44-46; 76-78. 15, 214.
*) Neandetf Ä., Allgemeine Geschichte der christlichen Religion und Kirche.
2. Bd., 3. Abthlg. — Hamburg 1831, S. 1477—1493.
*) Hftodbuch der christl. Eirchengeschichte , 1801 flg.
•) QißMeUr, Lehrbuch der Eirchengeschichte, 1. Bd., 1824, S. 290 — 91.
•) Guericke, Handbuch der Eirchengeschichte, 7. Aufl., 1849, Bd. 1, 8.534-536.
^ Älzog, Universalgeschichte der christlichen Eirche, 7. Aufl., Mainz 1859,
8. 352-53.
*) Ebenso kurz Karl Werner In MGeschichte der apolog. und poleoL Literstor',
Bd. 1, J. 1861, 8. 647-653.
f. 2. Der ünprang dieeer Sekte — im Zeitalter des Hosive. S61
iiea und biblisehen Stadien' — Berlin 1861, 4®, hat 8. 6—19 mit
^eoAiiigkeit von der Gksohiohte der Sekte, soweit sie innerhalb Galliens
srlief , gehandelt Wenn ich die Geschichte der Sekte in etwas anf-
Iren sollte, so dürfte dieses auf dem Boden ihrer Entwicklung und
erbreitong in Spanien seyn.
§. 2. Der Ursprung dieser Sekte — im Zeitalter des Hosius.
Es ist stehende Behauptung, dass die Sekte in Spanien in den
ihren nach 370 aufgetreten^ seL Es wurde, sagt Sulpicius Severus,
ene infame Irrlehre der Gnostiker in Spanien entdeckt, ein fluchwth>
ger Aberglaube, in geheimen Schlupfwinkeln sich yerbergend. Der
rsprong dieses Uebels war der Orient und Aegjpten. Aber unter
eichen Anfängen sie herangewachsen, das ist nicht leicht su berichten
ireO Niemand G-enaueres wusste). — Zuerst brachte sie nach Spanien
Arcus, der yon Aegypten gekommen, aus Memphis stammte. Seine
nhörer waren Agape, eine Frau nicht aus niedrigem G^chlecht (nicht
langesehen) , und der Rhetor Elpidius ^).^
Wenn es gelänge, die Persönlichkeit dieses Marcus näher zu fixiren,
» wäre die Zeit des Ursprungs der Sekte näher su bestimmen« Hiero-
fmoB denkt an den Ghiostiker Marcus, welchen Irenäus widerlegt
Moser apostolische Mann — erklärt den Ursprung rieler Sekten, und
sonders der Gnostiker, die durch den A^yptier Marcus zuerst in
dlien an der Rhone, dann in Spanien edle Frauen yerftthrten^).' Aus-
hrlicher sagt er in seinem Briefe an die Wittwe des Ludnius aus Bätika,
B Theodora, dass — nach Irenaeus — Marcus aus der Schule des
isüides j von Grallien über die Pyrenäen nach Spanien gekommen , und
:h bemüht habe, die Häuser der Reichen, und darin besonders die
-auen an sich zu ziehen. ^Diess schrieb er (Irenäus) vor etwa drei-
mdert Jahren ^).^ — Aber es waren nicht viel über zweihundert Jahre,
id Irenäus schrieb nichts über die Reise des Marcus nach Spanien.
jffieronjmus hatte, wie wir, das Bedürfiiiss, den Marcus von Mem-
lis in einer sonst bekannten Persönlichkeit zu finden. Vries glaubt*).
*) Brimus eam intra Btspanicu Marau iniuUi, Aegypto profeebu^ Mtmphi orfUt. Amt
ttuditores ßtere Agapt guaedam uon ignolnUi midier €i rkUor E^pidüu, Sulp, 8$9. A.
sacr. 2, 46.
*) Hitnm. in Juajam cap. 64 ^ v,4 — 5, ■ qui per Mareum AegjfpHiimi^ OalHantm
drea Rhodanum, demde Hispainiarum nobilee feminaa deceperynL
') Bienm, ep. 75 ad Theodor<xm viduam «/*. epieL 133 ad CtneiphnUem ^ nr, 3, Ebenso
eap, 121 de vir. eoelee. — Mandernach ist geneigt, der Ansieht des Hieronymos
beizatreten, S. 19, welche derselbe an nicht weniger als vier Stellen ans-
•pricht.
*) Vriee, dieeert criL p, 2.
362 8ieb6Bt60 Bach. Seoliatet Kif it»L
MarooB sei ein AnhXnger der Sekte der Hieraoiteii gotwoBen und dnrck
die VerfolguDg des KtieerB Valens gegen dieselben nach Spanien ge-
trieben worden. — Der Spanier Ginrea^) denkt an einen MareaB, der
bei dem Dichter Auaonina vorkommt ^)« Aber ea ist da und dort eben
nur der gleiche Name. Die Uebrigen bescheiden sich, mdila ttber ihn
zu wissen. — Baronius weist, unter dem Widerspruche von Ant Pagi')
und Walch — auf ein Ereignie» aus der Jugend des Epiphanias Ton
Salamis hin. Als er in seiner Jugend in Aegypten weAte, auchten
Häretiker, Ton denen er unter der üeberschrift: Qno$tiker haer. 26 —
berichtet, ihn in ihre Neae zu Tcrlocken. ^pAber sie erreichten nicht
das Ziel der gegen seine Seele unternommenen Nachstellung. Zu diesem
Zwecke waren Weiber im Auftrage der Häretiker geschSfiig, ihn in die
sogenannten G^eimlehren einzuweihen, ja sie suchten ihn sogar naeh
dem Vorgänge jener frechen Frau des Putiphar zu Tcrftthren, da er
damflJs i^och in der Blttthe der Jahre stand. Er entwand sidi ihreo
Q&nden, während sie ihn schmähten und höhnten. Er las auch die
Bücher dieser Sekte, zeigte sie den Bischöfen der Glegend an, und die
noch Tcrborgenen Sdktirer wurden in den Kirchen öffentlich als solche be-
zeichnet, sie wurden aus jener Stadt vertrieben, im Ganzen etwa achtzig').'
Baronius aber sagt ohne Beweis, dass diese achtzig Häretiker —
nach dem Berichte des Sulpicius Seyerus nach Spanien sich b^g;eben
mmcm, hätten ^). Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass Marcus einer oder
a2||^ das Haupt dieser Gesellschaft war. Denn dieselb^i Erscheinungen bietet
^'* die Sekte hier wie in Spanien dar. Da wie dort stehen Weiber im
Vordergründe. Da wie dort suchen sie junge Leute in ihre Neze zu
locken. Da wie dort verbergen sich Ausschweifungen und geheime
Künste unter dem Scheine der Aszese. Wir haben oben schon, dünkt
mir, dieses Marcus Erwähnung gethan^). Die Arianer zu Sardika
(Philippopolis) verdanmien im J. 3^^/44 den Hosius u. a. „wegen HarcoB
glückseligsten Andenkens, welchem er immer schwere Unbilden zu-
fügte^ ^). — War Marcus glückseligsten Andenkens im Munde der
Arianer, so folgt daraus unwidersprechlich, dass er ein Häretiker oder
') Ovrves, disM, hitt p. 4.
*) Aauon, epiffr. 70:
DiCf quid mt Mareut jam fata novMma fiineiui,
*) Criiiea Bcaronü ad ann, SSL nr. 102 sq.
«) E^k. Amt«». 26, oop. 17^18.
0 Baramui ann, 381. nr. 99.
•)E..Q. 2,196.
• ^ ef.ex opere hülor. ßagwL lII(AUaM II parÜM — Ine. decnttm Sj^nodi OiiMfiifai ^
SmKeam^ eap. 27 — 3«d Oumm (damnami) — U propier heaHrnrnm mmtriat
Mar cum, eni granu temper injuriae mrogamL — Niemand sa^ etwas über dieieo
Mareoti TUlemont taeft nur, dast man nichts von Uun wisse.
f. 2. Der lJf9fftuMg der Sekte *- te ZeltaHer des Hosint.
«Mb nttr. Er brancfate kein Arianer ra flejn, denn die Geirfiidite
Zeit lehrt uns, dass die Arianer mit aUen Feinden der Eirehei
den Donatiaten, befreundet waren. Dasa alle Feinde der Kirche
cen Beklimpfting einig aind, ist eine alte Erfidirang. Der Mani*
Marcus aber fand es wohl in seinem Interesse, sich den Arianem
»rüdem, und sich ab einen Ton Hosius Verlblgten danustellen.
»bigeii Worten erhellt femer, dass Marcus im J. 348 nkht mehr
, und daas er Jahre ]ang sich im GFesichtskreise des Hosius befimd.
befimd sieh Epiphanius in Aegypten, ab Athanasins sdion i^sohof
\. Diess war seit dem J. 328 der Fall'). Wenn nun die Vertreibung
[areus aus Aegypten in den J. 328 — 29 erfolgte, und dieser in
T. 340 — 42 in oder ausser Spanien starb, so konnte er noch ein
ehent sein Unwesen in diesem Lande getrieben haben, und die
er konnten sagen, dass Hosius, der ihn wahrscheinlich in seinem
Ihlichen Treiben unsanft störte, ihm stets die sdiwersten Unbilden
flgthabe.
Hin zweites Anzeichen eines frühem Auftretens dieser Sekte ist eine
ft des spanischen Bischofs Oljmpius, welcher Ton Optatua, yon otr
stinus und von Grennadius rtthmoid erwähnt wnrd. Nach der zu ^JSn
im J. 313 aus Anlass der Donatisttti gehaltenen Synode wurden q!^
Bischöfe dieser Synode, Eunomins und Olympius, nach Afrika ge- p'«**
t „Sie kamen und yerweilten in CSarthago vierzig Tage, um eop-
i zu können, wo die katholische Kirche seL Diess Hess die wfth-
heParthei der Donatisten nicht geschehen: Im. Streite des Parthei-
e wurden täglich Unruhen aufgeregt Der £ndent8cheid aber der
öfe Eunomins und Olympius wurde also schriftlich abgegeben: sie
rten, jene sei die katholische Elirche, die auf dem ganzen Erdkreise
eitet sei, und der Ausspruch, der ycm neunzehn Bischöfen schon
t gegeben sei (eben von der Synode im October 313) , könne nicht
hoben werden.' So conmiunicirten sie mit dem Clerus des (Bisdiofii)
ian, und kehrten zurück').
>ie8e Sendung nach Afrika bestätigt, dass Olympius zu den an-
lensten Bischöfen seiner Zeit gehört habe. Diess bestätigt Augustin
hm, wenn er sagt: ^Olympius » ein spanischer Bischof, ein Mann
prossem Ruhme in der Kirche und in Christus, sagt in irgend .einer
liehen Abhandlung: ^^Wenn der Glaube je unversehrt auf Erden
eben wäre, und seine festen Spuren eingedrückt hätte, welche — er,
fiia Ejjf^fkami er ort JocuuU» di§c, e, 26 — im Eiogeng der Ausgabe des Petavint.
Lanam, die Fettbriefe des heiligen Athanasins, 1852, 8. 26—27; 47. Hefele
7. G. i, 429.
Optant, dt tekitmate DomL L i -^ eap, 26 -- er ffigt bei: Ds tif rs6ii0 habmut
flrtprii, qmod si yms voiumif m nammmk pmrtämM UgmU
364 Siebentes Boch. Sechstes Kapitel.
nachdem sie eingezeichnet waren ^ verliess, so h'ätte nie die todtbringende
Uebertretung des ersten Menschen sich in dem Geschleohte fortgepflanzt^
80 dass nun die Sünde mit dem Menschen geboren worde.^^ Diese
Worte führt er gegen Julian als Zeugniss an, dass Olympiuft die Erb-
sünde lehre M.
Grennadius aber führt ihn unter den Seiuriftstellem mit den Worten
an: ^Olympius, von Nation ein Spanier , schrieb ein Buch dea Glaubens
gegen diejenigen, welche die Natur und nicht den freien Willen an-
klagen, indem er zeigt, dass das Böse nicht durch die Schöpfung, son-
dern durch den Ungehorsam in die Natur (des Menschen) gekommen
sei^).^ Es leuchtet ein, dass der Name und die Schrift des Verfiussen
bei Augustin und Oennadius dieselbe sei. Femer ist es mehr als wah^
scheinlich, dass dieser Olympius, „dessen Ruhm gross war in der Eorcbe
und in Christus^, der nach Carthago gesendete Olympius war. Dem-
nach fiele seine Zeit zusammen mit dem Zeitalter des Hosius; er mag
nach der Synode von Elvira Bischof geworden, und vor der Synode
von Sardika gestorben seyn.
Sein Bischofesiz ist noch nicht ermittelt Was Florez für Barcelona
beigebracht, ist nur Vermuthung ^). Ich meine, er sei Bischof einer im
Auslande nicht bekannten Stadt gewesen, also namentlich nicht von
Barcelona, deren Name dem Gennadius wohl bekannt war*); welche
Stadt Eüeronymus und wohl auch Augustinus kannten. Wir können
auch sagen , dass er G-esinnungsgenosse lind Mitarbeiter des Hosius war,
der ihn vielleicht im J. 313 nach Rom berief, und seine Sendung nach
Afrika empfahl.
Aber es wird von allen Seiten zugegeben, dass seine Schrift gegen
die Manichäer gerichtet war. Weil man jedoch annimmt, dass diese
erst kurz vor 379 in Spanien eingedrungen , hat man die Zeit des Olym-
pius bis zum J. 380 — 400 herabgesezt ^). — Da ich annehme, dass
Marcus sein Unwesen in Spanien in den Jahren 830 — 340 getrieben,
so glaube ich, dass Olympius in derselben Zeit gegen diese Sekte der
Manichäer geschrieben, und dass er so im Bunde mit Hosius dieselbe
bekämpft habe.
Drittens — Sulpicius Severus berichtet, dass der Bischof Hyginiu
von Corduba als Nachbarbischof den Bischof Idadus von Emerita anf
') Auguatin. contra JuUanum l, 6\ — LI, cap. 8, Olympiut Higpanus episcopus, tv
magnoie in EccUgia et m Ckriato gloriaef in quodam sermone eccUsitutico etc.
*) Gennadiut de sc, eccUs, cap, 23 — Olympius, natione Hiapemus, epiacopus, terip^
librum ßdei (wohl der Titel des Baches) adversus eoM, gui naturam ei non arintiuM
in cu^fHxm vocant, ostendau non creationef »ed inobedienHa insertttm naturoB mabm*
») fhregy 29, p, 77 — 81,
^) Oeiuiad. cap. 35 — Hitptawu JBareilonenM parockiae,
*) Com sogar bis 430, was onrndglich ist nach den Worten Aagnstins.
^
f. 2. Der ünpning der Sekte. — im Zeitalter des Hosios. 365
reiben der Sektirer aafmerksam gemacht habe ^). Warum ist denn
i Hyginos in die Geheimnisse der Sekte eingeweiht, warum sind
re G^nge imd Schliche bekannt? Diess erklärt sich am ein£Achsten
S8 er von den Zeiten des Hosius^ dessen unmittelbarer Nachfolger
r, schon die Kennzeichen der im Verborgenen schleichenden Sekte
t| yielleicht auch von einigen aus seinem Clerus und Volke darauf
riesen wurde, die sich an die« Zeiten des Hosius erinnerten,
iertens, auf der Synode zu Saragossa im J. 380 — wurde der
' Elpidius u. a. verurtheilt, nicht aber Marcus. Daraus wird
ein geschlossen, dass Marcus damals nicht mehr gelebt habe^).
lUB dem umstände, dass die Schülerin des Marcus und die Lehrerin
pidius, die Frau Agape, nicht verurtheilt wurde, darf man den
m Schluss ziehen. Daraus ergebe sich gleichsam ein dreifaches
er der Sekte in Spanien, das Zeitalter des Marcus, der Agape,
Ipidius, und wir müssten die Anfänge der Sekte früher ansezen,
bis jezt geschehen.
inftens, es ist gewöhnliche Annahme, dass die Sekte in Spanien
B J. 379 entdeckt worden , imd dass dieselbe von An&ng an den
i des Piiscillian getragen habe. Das erstere ist unwahrscheinlich,
stere unwahr. Beide Namen, die Manichäer imd die Priscillianisten,
neben einander her, der Name der Manichäer aber ist der frühere
h in Spanien. Philastrius von Brescia gab sein Buch von den
sen im J. 379 heraus. Er berichtet, es gebe in Gullien, Spanien
Lquitanien — gleichsam Enthaltsame, welche der verderblichen
der Gnostiker und Manichäer zugleich folgen , und dieselbe weiter ^^^
itend durch ihre Beredüngen die Ehen trennen, Enthaltung vom PriMii-
le empfehlen, weil diese Stoffe ein Werk des Teufels seien „und •tca
diese Lüge haben sie die Seelen Vieler gefangen^. Diess gerade mmi-
ie Hauptkennzeichen der Priscillianisten, welche die Ehe und den ^^^'
igenuss verboten. Zwar erfolgte der Tod des Philastrius erst im
. — Sollte sein Werk aber auch erst nach dem J. 380 verfasst
so beweist es doch schon damals die weite Verbreitung der Sekte,
mter dem Namen Priscillians , sondern der Manichäer, beweist
lass die Sekte längere Zeit unter lezterm Namen bestanden, und
Jieinüch früher entstanden sei^).
ie vorgelegten Gründe in ihrer Beziehung auf einander scheinen
li^. 8ev, 2, 46 — guoad Bygimu, epueopu» Cordubennt, ex vicmo aoitUy com-
%rta ad Idacntm EmtriiOB sacerdoUm referreL
SbUrt, p. 56,
\ilaMtriuB haer. 84 — Abstinentes — cf. h, 62 Patridani, die lehrten, der Leib
*9 Menschen sei ein Werk des Satans; ebenso A. 61 — Maniehaei: qm et m
i^^ania, ei qmnque BrovmcUe kUere dtamhur, muUoeque hoc quetidU faUada
plirare.
366 Siebentes Bach. Beclutes Kapitel.
die Ansicht su r echtfeitigen , dase man die Ursprünge der Sekte um
etwa 50 Jahre früher ansezen müsse.
Baronius ist der Meinung, dass der ans Aegypten yertriebene Mar-
cus mit seinen etwa achtzig Genossen nach Spanien gekommen seL Es
scheint mir wahrscheinlich , dass Marcus wenigstens nicht allein gekom-
men ^ dass er Gehilfen schon mit sich gebracht habe. — Ich weise zurück
auf dasy was oben über das Herculesgrab in Tarragona gesagt wurde ^).
— Derselben Ansicht ist der Reisende Carter. Er bekam eine Camee,
einen Basalt ^ von schwarzem ägyptischem Marmor ^ von denen , nack
Montfifitucon, die meisten Abraxas gemacht wurden. Carter hält ihn zu-
yerlässig für einen von den Steinen, welche Marcus, der Schüler des
Basilides, den Weibern in Spanien als einen Talisman und Mittel wider
alle Krankheiten auszutheilen pflegte. ^Dieser Kezer verbreitete,^ dem
heiligen Hieronymus zufolge, ^seine Lehrsäze in diesem ganzen Lande.
Die Charaktere enthalten ein unbekanntes Geheimniss ^).^
I
§. 3. Die Häupter der Sekte. Die Verbreitung derselben
besonders in Lusitanien.
Marcus, der Stammvater der Sekte in Spanien, war bewandert auch
in der Magie ^). Von seiner Schülerin Agape ist Näheres nicht bekaimi.
Der Rhetor Elpidius ist nicht dieselbe Person mit dem Bischöfe Delphinus
von Bordeaux 9 was einige vermutheten, nicht beachtend, dass Delphinus
den Elpidius 380 zu Saragossa excommunicirte. Er war aber damals
eines der Häupter der Sekte, der wahrscheinlich die beiden Bischöfe
Instantius und Salvianus ihr gewonnen hatte. Zum Haupte der Sekte
aber schwang sich — durch seine hervorragende Persönlichkeit —
Pru«u- Priscillian empor, ein Mann, ganz dazu geschaffen, für Spanien und
**' die Welt ein zweiter Hosius zu werden , wenn nicht Ehrgeiz und Hoch-
muth, der dem Falle vorangeht, ihn in das Verderben gezogen hätten.
Was an Epiphanius in der Blüthe seiner Jugend den manichäischen
Weibern nicht gelungen war, das gelang dieser geheimen Gresellschafi
nur allzu gut an Priscillian.
Priscillian wurde von Elpidius (imd Agape?) gewonnen; „er im
von edlem Geschlechte, überaus reich, scharfsinnig, unruhig, beredt,
durch viele Leetüre ausgebildet, zum Reden und Disputiren alkeit
schlagfertig: in der That beneidenswerth , wenn er nicht durch übles
Streben die besten Anlagen verdorben hätte. Viele Gaben des Geistes
und Körpers waren in ihm vereinigt. Er wachte viel, vermochte Hunger
0 K-G. 2, 8. 42-43.
*} Carittf Beise von Gibraltar nach Malaga 1772, 8; 169.
*} l§idor de vir, ilbutr. eap, 15.
f. 3. Die H&opier der Sekte. Die Verbreitang derselben etc. 367
md Dimt ra ertragen: er war in keiner Weise lüstern nach Besiz, und
nachte Ton dem, was er besass, den massigsten Gebrauch. Aber da-
teben war er eitel über alles, and mehr als billig aufgeblasen über
Bine WiBsenscaft in profiuien Dingen: ja man glaubte auch, dass er
on Jugend an magische Künste getrieben habe. Als er in den ver-
erblichen Gkheimbund gerathen war, so lockte er viele vom Adel und
och mehrere vom Volke durch seine Gabe zu überreden und seine
[mut S5U schmeicheln — zu der Gesellschaft. Zudem strömten in
ehmaren die Weiber^ lüstern nach neuen Dingen, von flüchtigem
Ikuben*), und einem nach Allem neugierigen Sinne — zu ihm zu-
immen: denn in Miene und Haltung trug er die Demuth
ar Schau, und hatte Alle mit ehrfürchtiger Hodiachtung vor sich
füllt und mächtig hatte die Pest dieser Gottlosigkeit fast alle Gegen-
m Spaniens ergriffen: sogar einige Bischöfe waren verdorben worden,
nter diesen hatten Instantius und Salvianus den Prisdllian nicht bloss
irch Beistimmung, sondern unter einer gewissen Verschwörung (d. h.
iter den Formen einer Geheimbündelei) au%enonmien, bis Hyginus,
ischof von Corduba, in der Nachbarschaft befindlich, das — was er
Erfahrung gebracht, dem Idatius, Bischof von Emerita, mittheilte,
ieaer aber erbitterte den Instantius und seine Genossen ohne Mass und
ehr als es nöthig war, und legte so die Fackel an den glimmenden
rtaid: so dass er die Bösen vielmehr reizte, als bändigte ^).^
Schon vor hundert Jahren hat Florez daraufhingewiesen, dass man die
■oyins Bätika ohne Grund als ersten Siz des XJebels betrachte ^). Aber
snn wir auch nichts als den Bericht des Severus hätten , so müsste uns
nelbe nothwendig auf Lusitanien als Siz der Sekte hinweisen. Denn —
imm theilt Hyginus gerade dem Idatius den Stand der Dinge mit?
^eil Idatius Metropolit von Lusitanien war, und als solcher die Pflicht
0 Einachreitens hatte. Warum konnte dieser gegen den Bischof In-
intius einschreiten , als weil sich derselbe in seiner Kirchenprovinz be-
nd? — Von Salvianus lässt sich diess eher vermuthen, von Instantius
t ee anbestrdtbar. Nach den Bischo&sizen dieser beiden Männer hat
iemand gefragt. Nicht unwahrscheinlich befanden sie sich im Nord-
esten und Norden von Lusitanien, wenn nicht Salvian einer andern
irchenprovinz angehörte. Nach äussern Indicien aber dürfte man
äiliessen, dass die Sekte in der Provinz Bätika am wem'gsten Eingang
jefunden^).
') Flmxa fidt — Bemays giebt die Nachweise der Phrasen des Sallast und Tacitas,
welche Sulp. Severas nachahmte — S. 6.
") Siäp. 8w. A. 9, 2, 46,
^ Fforex, 10, p. 215^16 (2 etUcion). Dage|ren tagt noch Benu^t, 8. 7: »in
BUika, wo sie zuerst aufgekommen war«.
*) Bienm. in Itaj, cap, 64 — Fl 4 — 5 Büpanianan et maxime Luntanku decepiai
nmt wmHerculaef onenUae peeötUu €<e.
I
368 Siebentes Boch. Sechstet KapUeL
Noch bestimmter weist Hieronymus auf Lusitanien als Bii des
Uebels hin. Er sagt, ^die Weiblein von Spanien und besonders Ton
Lusitanien sind betrogen worden , belastet mit Sünden, welche tod
mancherlei Begierden getrieben werden, immer lernend und nie sar&
kenntniss der Wahrheit gelangend (2 TinL 3) y dass sie die Namen des
Basilides, Balsame und Thesaurus, auch Barbelo und Leusibora, und
die Ungeheuerlichkeiten der übrigen Namen aufnahmen.'' — Demnach
hätten wir die Manich'äerin Agape wohl auch in Lusitanien zu suchen.
Das Hervortreten des zügellosen Eiferers, des Ithacius von Ossonobi, ;'
in diesen Kämpfen spricht auch für Lusitanien als Siz des Uebels.
Dass Bischöfe sich bis zu diesem Grade vergassen, dass sie in eine
anerkannt antichristliche Sekte traten, lässt sich theils aus der beherr-
schenden Persönlichkeit des Priscillian , der sich mit dem Heiligenscheine ^
eines vollkommenen Asceten umgab, theils aus jenem absoluten Mangel
an Vorbildung Einzelner zu ihrem Amte erklären, deren Spuren wir i
im Verlaufe dieser Geschichte begegnen. Dagegen prangten eben die ?
Priscillianisten mit jeder Art von geheimer und profaner Wissenschaft '
— Priscillian selbst, dem Hieronymus einen Plaz unter den kirchlichen
Schriftstellern anweist, ^gab viele Werke heraus, von denen einige zo
Kenntniss des Hieronymus gelangten').^ Aber auch seine Anhänger, -
die Spanier Latronianus und Tiberianus, — denen Hieronymus gleich-
talh eine Stelle in seinem Verzeichnisse anweist, imponirten durch ihre ^
Gelehrsamkeit. Latronian war sehr gelehrt, und als Dichter den Alten f
an die Seite zu stellen '). Die von ihm erschienenen Werke waren in ^
verschiedenem Versmaasse verfasst. Tiberian aus Bätika war weniger
enge mit der Sekte verbunden. „Er schrieb wegen des Verdachtes, ihr
anzugehören, eine Vertheidigungsschrift in pomphafter und gekünstelter
Rede *).«
Solchen geistigen Kräften gegenüber hatten die Bischöfe von Spanien
von Anfang an einen schweren Stand. Die Wahrheit, ob sie auch noch
so sonnenklar imd unwiderleglich ist, wird verdunkelt und unterdrückt^
wenn sie keine tüchtigen Vertheidiger hat, der Irrthum aber macht
Propaganda, wenn er ungehindert sich verbreiten kann.
Ueber die Persönlichkeiten der beiden Bischöfe Idacius und Ithacius ein
ungetrübtes Urtheil zu fällen , ist mehr als schwer. Ln heiligen und un-
heiligen Zorne hat man von jeher kurzweg den Stab über sie gebrochen.
Ueber Idacius namentlich giebt uns Isidor von Sevilla einen günstigeren
') HUron, de vir, iüUBir, cap, 121,
*) Lalronitmus, pnmndM ERapaniae valde erudiiiu, et m meirieo opert veitr^ ca^'
parandu», — ExUmi ejus ingenii opera dioersi» meiris edita, — eataL 122,
*) eap, 123, 2V6«ridfitt« Baetieua 9crip9U pro euapidme, qua cum BriacäUcmo acaaab«^
haer§$eoMf apologeticwn iwnenü compotitoque eermone.
f. 4. Die Synode zu Saragossa — 380. 369
leridit ^Idatiusy dem Namen und der Beredtsamkeit nach Claras (ein
EeiDame, den -wir bei seinen Zeitgenossen nicht finden) , — schrieb
^;en die abscheulichen Lehren des Priscillian^ u. s. w. *).
§. 4. Die Synode zu Saragossa — 380.
Als das Uebel sichtbar zunahm , die Uneinigkeit unter den Episcopat
sdrungen, die Sekte ebenso in Aquitanien, wie in Spanien sich ver-
reitet hatte ^) y Vereinigten sich spanische und aquitanische Bischöfe su
sr Synode von Saragossa, die wir, der Mehrzahl der Vorgänger folgend,
1 das Jahr 380 verlegen^). Diese Stadt empfahl sich u. a., weil sie
iher an den Pyrenäen lag. — Dem Idatius von Emerita kam die Be-
ifung und wohl auch die Leitung der Synode zu, und es steht der
nnahme nichts en^gen , dass der Anstoss dazu von ihm ausgegangen
i. „Aber die Häretiker wagten sich dem Gerichte nicht zu stellen;
irum wurde gegen die Abwesenden der Richterspruch gefällt, veru^
eilt wurden die Bischöfe Instantius und Salvianus, die Laien Elpidius
kd Priscillian *).^ Die uns erhaltenen Akten dieser Synode, von der
ir annehmen, dass sie die zweite in Spanien veranstaltete Synode war,
Uten:
Als am 4. October zu Cäsaraugusta in dem Secretariate (Sacristei)
rsammelt waren die Bischöfe Fitadius^), Delphinus^), Eutychius,
mpelius, Auxentius^), Lucius"), Itacius^), Splendonius, Valerius ^^),
') Ißidor H. dt viris illustr, cap. 15. Itatius Httpaniarum episcopuM, cognomento et elo-
quio Clanu, scripait quemdam librum 8ub Apologetid apecief in quo detestanda Prisdlr
Uani dogmota, et maleßciorum ejus arteSf libidinumque ejtu probra demonatrat: osten-
den» Marcum quemdnm Memphiticum , Mngicae artU teientUnmum , disctpulum fuisae
ManU, et PnsdUiani magiatrwn. Hie autem cum üraatio epi»copo etc. Der leztere
ist Itbacias von Ossonoba.
») Pfukutr. haer. 61 und 84,
») Aera 418, i. e. 380 — Mansi, t. 3 , p. 635 sq. verlegt sie in das J. 379.
*) Su^. Sev, 2f 47 — Igitur post muUa inter eos et digna memoratu certaminaf apud
Caeaarauguatam aynodua congregaiur: cui tum etiam Aquitani epiacopi (heisst nicht
die — sondern »einige** Bischöfe aus Aquitanien) interfuere. Verum haeretici com-
mütere ae judicio non auai: in abaente» tum lata aententia, damnatique Inat. et Salv.
epiacopi f Elp. et Priac. laici.
*) Phöbadius von Agen, der hier wohl als Gast und als der älteste Bischof zuerst
genannt wird.
') von Burdigalis.
0 vielleicht Audentins von Toledo, der vor Asturias Bischof war.
•)K..G., 2, 274.
*) von Ossonoba.
'*) von Saragossai der wievielle dieses Namens der Gena Valeriomm, ist nicht zu
ermitteln.
ßtms, Span. Kirclie. 11. 24
370 Siebentes Buch. Sechstes Kapitel.
Symposius*), Cartherius*) und Idacios, — wurde von allen geeprocben:
Es werden die Beschlüsse vorgelesen. Der Bischof Lucius las:
[1) Dass gläubige Frauen von den Versammlungen fremder Hänoer
ferne gehalten werden.] ,
Es sollen alle Frauen der katholischen Kirche und Gläubige von ^
den Vorlesungen und Zusammenkünften fremder Männer getrennt wer-
den, noch auch sollen zu ihnen selbst als Vorleserinnen andere (Frauen i, ^
in der Sucht , sei es zu lehren oder zu lernen, zusammenkommen. Denn
dieses befiehlt der Apostel (dass sie nicht lehren). Alle Bischöfe sagten, .
Anathema von nun an über die, welche diesen Ausspruch nicht be-
obachten.
[2) Dass an den Sonntagen Niemand faste, noch in den Tagen der
Fasten sich von der Kirche ferne halta]
Ferner las er: Niemand soll am Sonntage fasten wegen der Zeit j
oder aus Ueberredung oder Aberglauben, und an dem Tage der Quadn- t:
gesima sollen die, welche in diesem Verdachte fortwiUirend stehen, niclt
von den Kirchen wegbleiben, noch in den Schlupfwinkeln der Schlaf- .^
kämmerchen oder Berge wohnen, sondern sie sollen sich an das Vor- ^
Inld und den Befehl der Bischöfe halten, und sollen nicht in fremden -
Ortschaften zusammenkommen, um Convente zu halten. Alle Bischöfe
sagten: Anathema sei, wer solches von nun an begeht ;;.
[3) Dass, wer die Eucharistie in der Kirche empfängt, und sie |
nicht geniesst, im Banne sei.] •-
Ferner las er: Wenn es erwiesen ist, dass Jemand die in der Kirche
genommene Gnade der Eucharistie^) nicht genossen hat, der sei Ana-
thema für immer. Alle Bischöfe sprachen: Es soll also seyn.
\ [4) Dass in den drei Wochen vor Epiphanie Niemand von der Kirche
sich entferne.]
Femer las er: In den einundzwanzig Tagen vom 17. December
bis zum Feste der Epiphanie, welches am 6. Januar gefeiert y^j
soll es Keinem erlaubt seyn, sich von der Kirche ferne zu halten,
') Ist sicher Symphosius, Bischof von Astorga, der nur einen Tag der Synode
anwohnte. — Ebenso Lübkert, p. 61.
') Ist wohl jener Bischof von unbekanntem Size, aber dessen zweite Ehe Hiero-
nymus um das J. 397 an Oceanus schrieb; er nennt ihn „homo et aetate vthu
et eacerdotio*' , denn er war schon 380 Bischof; ^ist. 69 ad Oee€mum. Er hatte
nach seiner Taufe wieder geheirathet
•) welche den Communicanten in die Hand gelegt wurde — cf. Toht, 1, 14. -
K.-6., 2, 28 — 29. — Cyprian. de Ictpsisj cap, 26. — Am(>ros. de ^kutufr.s.^'
tyrif 1, 43, — Basiliua — episU 93 alias 289 ad Caesartam IkUridam, — Gregcf-
Nazianz, in iaudein sor. s, Qorgoniaef cap. 18. — Gregor. M., dialofforuMf 3, 36.
— Syn. Truüana, c. 101, — Ueber die Communion der Fraaen, s. Jn^iuft"
eerm, 152 — de tempore; Concil. v. Auxerre, J. b&b, can. 36 ei 42.
%. 4. Die Synode zu Saragossa — 380. 371
3ch in den ^äl]06rn sich zu verstecken y noch auf daa Land zu gehen,
Dch in die Berge zu ziehen , noch baarfuss einherzagehen, sondern
an soll in der Kirche sich versammeln: wer diess von den Au%enom-
enen (in^die Kirche) nicht hält, der sei Anathema für immer. Alle
ischöfe sprachen: Anathema sei er^).
[5) Dass die 9 welche von ihr^i Bischöfen ausgeschlossen sind, von
Ldem nicht aufgenommen werden.]
Sodann wurde gelesen : Dass die , welche in Folge der Earchenzucht
ler durch den Ausspruch des Bischofs von der Kirche geti^ennt sind,
m andern Bischöfen nicht aufgenommen werden dürfen; wenn die
ischöfe diess mit Wissen thun, so sollen sie die Gemeinschaft nicht
iben. Alle Bischöfe sagten: Wer diess begeht , der solle die Q^mein-
haft mit den Bischöfen nicht haben ^).
[6) Dass der Cleriker, welcher wegen Ungebundenheit Mönch seyn
ill, ausgeschlossen werde.]
Gleichfedls las er: Wenn Einer von den Clerikem wegen Luxus
id anmasslicher Eitelkeit sein Amt freiwillig verl'ässt, und er als Mönch
Q eifrigerer Beobachter des Gesezes scheinen will, denn als Cleriker,
ur werde also von der Kirche entfernt, dass wenn er nicht sehr lange
»t bittet und fleht und so genugthut, er nicht aufgenommen werde.
Ue Bischöfe sagten: So geschehe es.
£7) Dass derjenige sich nicht den Namen eines Doctors beilege,
im es nicht bewilligt ist]
Gleichfalls wurde gelesen: Es solle Niemand den Namen Doctor
mehmen, ausser den Personen, welchen es bewilligt ist, nach dem
as geschrieben ist Alle Bischöfe sagten: So sei es^).
[8) Dass gottgeweihte Jungfrauen vor vierzig Jahren nicht den
chleier erhalten.]
Gleichfedls wurde gelesen: Es seien die Jungfrauen, die sich Gott
eweiht, nicht zu verschleiern, vor dem erprobten Alter von vierzig
ahren, worüber der Bischof entscheidet^).
*) Leanit I, ep. 15 ad Turribium.
') K.-G., 2, 111 — 12; 207. Can. 53 v. Elvira; 18 v. Sardika. - Die 4 ersten
Canones sind direkt gegen die Priscillianislen, etwa auch noch Canon 7; die
4 leztern sind allgemeinen Inhalts.
*) Die Dodoru waren , wie die Conf^uorta, ein besonderer Stand , nicht bloss in der
Kirehe von Afrika, — cf. acta Perpet, €t Felieit. cap, 4, 3 Aspanum presbyterum
doeiorem, — TsriniL de praacripL cap. S, — Cyprian, cpiat '24 prabj^teri doctore$,
ef. nämaB9m. de benef. 2, i, 92, Im Griechischen hiessen sie tr^egßvreQoi
*- •. den Excars p. 338 — 43 bei DölUnger — Hippolytus und Kallistus.
Wakrseheinlich nannte sich Priscillian „Doctor''»
*) S^uhL TruU. V. 682 c 14. — Auemam J, S. — BibHath, jur, arimtaUt, t, 5,
p, 109 §q. — cf. coitciL Carthag, 3, 4.
24*
372 Siebentes Buch. Sechstes Kapitel.
Die Gründe, welche die Synode vor oder nach 380 an
und welche behaupten , diese Synode sei nicht die gegen die Prii
nisten gehaltene , und von Sulp. Severus bezeugte Synode , 8chein<
einer Widerlegung nicht zu bedürfen. Troz vieler Vorarbeiten •)
es indess noch an einer eingehenden Erklärung dieser Synode , \
zu versuchen — mir der Raum gebricht.
§. 5. Die Priscillianisten in den Jahren 381 — 385.
Der Bischof Itacius von Ossonoba erhielt den Auftrag, den Bes
der Bischöfe zur Kenntniss Aller zu bringen, besonders aber sol
den Bischof Hyginus exconmiuniciren (extra eommunionem faceret);
nachdem dieser vor allen die Häretiker öffentlich zu verfolgen angefs
habe er sie schmählich in seine Gemeinschaft aufgenommen. —
Wahl des Itacius ist auffallend, und der Erfolg rechtfertigte sie
noch auffallender ist, wenn sich Sulpicius nicht unrichtig ausge<
hat, dass ein auswärtiger einfacher Bischof den Metropoliten eine
firemden Kirchenprovinz excommuniciren soll. Diess giebt kaum
Sinn, oder es hat den Sinn, dass Itacius bekannt machen solle,
die in Saragossa versammelten Bischöfe erklären, sie halten sich
von der Kirchengemeinschaft des Hygin, der wahrscheinlich aus
bomer Charakterschwäche oder aus Furcht sich zu den Sektirem gev
hatte. Jezt weihten Instantius und Salvianus den Priscillian , a
einen Laien, zum Bischöfe von Avila [in Abilensi oppido^)].
Die Stadt Avila, heute in Altcastilien , früher und später zu
tanien gehörend, scheint damals mit Cauca, Segovia, Palencia, d.
ganz Altcastilien , zu Galizien gehört zu haben. Denn zum J. 379 sc
PriMii. Prosper in seinem Chronicon: „Um diese Zeit hat Prbcillian, E
lom ^on Galizien (Pritc, eg, de Gallecia) aus den Lehren der Manichäe
•ehofe Gnostiker eine Häresie unter seinem Namen gebildet/*^ — Salviar
s«- Instantius konnten auch solches in der Kirchenprovinz von Galiziei
wagen, weil von Seite des Symphosius von Astorga, der die S
von Saragossa verlassen hatte, ein Widerstand gegen ihr Unterf
') Aguirre, Concü, St^ßoniae, Ausgabe von 1753) t. 3, CondL Cauaraugm
p, 1 — 12. — Harduin C, L /, p, 805, Mansi, t. III, p, 633 — und ai
VeneiO'Labbsema auppUm, i, /, p, 246, — der vorstehenden Sammlang
p. 1195-^1200. — Florez'Riaco, L 30, p. 228 — 239. — Ferrerm-Baum
I, 535-^37. — Herbst, Die Synode zu Saragossa im J. 380, Tüb. Qaartii
1826, S. 404—414. — Tejaday Ramiro, t. 2, 123 -- 127. - Lübkert, p. 6C
Mandemaeh, p. 20 ^ und im Anbange; Uefele, I, 719 — 20.
*) K..G. 1, 151, wo diese besUltigende Stelle des Sulp. Sev. 2, 47 — fei
S* 5. Die Pritcilli&nitten in den Jahren 381 — 385. 373
weniger za besorgen war. — In die Zeit seines kurzen Episcopkits mag >«iir«ibt
üe Schrift des Priscillian gehören, welche Angelo Mai vor zwanzig dir
Fahren ssnerst mitgetheilt hat. Was uns Torliegt, besteht aus drei ge- p^|||{*
rennten Stücken , und hat den Titel : De Prisdlliani canonibuB ad 8. Pauli
pitiolas ^). Mai fand in einem Codex von Cava diese Schrift. In seiner
Vorrede y in der es an Irrthtimem nicht fehlt, z. B. dass Leo L im
F. 447 die erste Synode von Toledo angesagt habe, weist er auf ein
Fragment des Priscillian in t. 8, 608 der Mauriner Ausgabe Augustins
lin, doch ganz verschieden von vorliegender Schrift Aber schon Faber
Stapulensis habe diese Canones gehabt; Montfaucon habe sie gekannt
Voraus geht ein proemium des heiligen Bischöfe Peregrinus zu den
Briefen (in epistolis) Pauli. Es gab Bischöfe dieses Namens, sagt
A. Mai, zu Curubis, Messina, Lipari, Lorch, der nach Hansiz im
J. 871 sein Bisthum angetreten habe ^). Doch scheine der Codex älter
za seyn. Aber man kann auch an einen Peregrinus in der Weise des
Vincentius von Lerins denken, der sich diesen Namen selbst gab. Wie
spiter die Bischöfe sich Sünder nannten, so fiüher Fremdlinge oder
Wanderer.
Peregrin hat das Falsche aus diesen Canones entfernt Nach einem
Vorwort von 8 Zeilen folgt der Prologui PNfct7/iam, der anfängt:
9 Von vielen Geschäften in Anspruch genonamen, Theuerster, antworte
ich spät auf deinen Brief. £>u verlangtest von mir eine kurze Schuz-
wehr gegen die abgefeimte Schlauheit der Häretiker aus der heiligst
Schrift.'' Darum gebe er einen zusammenfassenden Auszug des Haupt-
inhalts der 14 Briefe Pauli, wo möglich wortgetreu, mit Hinweisung
auf die Stellen in den Briefen, woraus die „Canones^ genommen
smd, er will also, nach heutigem Sprachgebrauch, einen gedrängten
Paolinischen Lehrbegriff geben. Es sind 90 Canones, deren erster
liQtet: Gott ist wahrhaftig, auch ist Gott Geist und der Gott der
Ewigkeit, besizend die Unsterblichkeit, und unsichtbar, wohnend in
onem unnahbaren Lichte, auch König und Herr; dessen Bild und Erst-
geborner Christus ist, in dem nicht Ja und Nein, sondern nur Ja er-
funden wird. Der lezte Canon lautet: Denn die Gerechten werden mit
Gott dem Vater und Christus ewig herrschen, wo der Leib nicht mehr
der Verwesung unterworfen ist *).
•) SpidUgnm romanumy t. 9 — (1843) ^ p. I—X in einem Anhang.
*\ Gtrmtm^ tacra, T. /, p. 203.
*) Sonst ^Ihalten die grossen Sammelwerke des Kard. Ang. Mai fast nichts auf
Spanien Bezügliches, nur in dem Band 6 der Nova S. PiUrum Btbiiotheca wird
praef. p, XII ans einer Rede des berüchtigten Severus von Antiochien anf Atha-
nasius gesagt, dass «dessen Gegner" Hosius „sedem mutcnferit" , wovon das
Gkgentheil wahr ist
374 Siebentes Buch. Sechstefl Kapitel.
Jeet wandten sich Idatiiis und Itacius an die weltliolieii Biditer,
dass die Häretiker aus den Städten yertrieben werden sollten. Nach
langen Kämpfen gelang es dem Idatius, von Kaiser Gratian ein Edikt
zu erlangen y nach dem die Sektirer überhaupt des Landes yerwieBen
werden sollten. ^Die Gnostiker^ wagten zuerst keinen Widerstand; die,
welche Bischöfe waren, traten zurück; die Anhänger verliefen sich. ~
Seine Instantius, Salvian und Priscillian verliessen nun Spanien, und hoffien,
MdT sich bei dem Spanier Papst Damasus von den Vorwürfen g^;en sie zu
'^"*"' reinigen« Sie reisten durch das innere Aquitanien j wurden von den
UnerSedirenen prächtig aufgenommen , und streuten ihre Irrlehren aus.
Besonders verdarben sie durch böse Predigten die sonst guten und from-
men Bewohner der Stadt Elusa [Euse oder Eause*)], in deren Nähe
Sulp. Severus lebte. Aus Bordeaux wurden sie durch Bischof Delphinns
vertrieben ; doch weilten sie kurze Zeit auf dem Gute der Euchrotia,
der Wittwe des Rhetors Delphidius, und steckten dort Einige an. In
schmählichem Zuge sezten sie die Reise fort, mit Frauen und auch mit
fremden Weibern ^)y unter denen Euchrotia und ihre Tochter Procoli,
von der das Volk sagte, dass sie ihre Leibesfrucht von Priscillian mh
Kräutern abgetrieben habe^). — In Rom angekommen, wurden sie von
Damasus gar nicht vorgelassen. Hier starb Salvianus. Nach Mai-
land mirückgekehrt, fanden sie den Ambrosius ebenso als ihren Gegner*).
— Es gelang ihnen aber, den Macedonius, damals MtM^iriet ofßdorum
[HoflnarschaU] ^) , zu bestechen; ein Rescript hob die frühem Erlasse
auf) und sie wurden wieder in ihre Stellen eingesezt. Instantius und
Er Priscillian kehrten ohne Kampf zu ihren Sizen zurück. Auch den
kehrt
au Proconsul Volventius brachten die Häretiker durch Geld auf ihre
lorilek. Oeiie.
Volventius kommt im Cod. Theodos. nicht vor. Auch sonst findet
er sich nicht Die Neueren, wie Lübkert, Bemays u. a. gehen mit
Stills^weigen über ihn hinweg^). Demnach scheint es uns, dass er
entweder Proconsul in Galizien war, und in Astorga residirte, da Avila
damals zu Galizien gehörte, und der Metropolit Symphosius nicht zu
*) io deren Nähe das alte Elusa, n. d. N. Ciutat. — Marca, Bistor, Beneh. /, ^
Scaliger not. in Ausontumf VII ^ 7 ; Farbiger, 3, 162. — de Prato ad Suipic. Sever.
I, p. LVIl
*) »Dass Priscillian mit Gelahrten und Gefährtinnen bei der Euchrotia eingekehrt,
erscheint löblich; und dass diese mit ihrer Tochter sich jenen angereiht, ronss
man tadellos finden.« In diesen und ähnlichen Phrasen ergeht sich N. Hocker,
1. c 8. 438—39. ^
*) Suipic Sev. 2 , 48.
') Idat. 886.
•) Bemays, 8. 9 — nach Niebahr.
•) Lübkert, 8. 65. Bernays, S. 9. Florez, 14, 16 — 17.
$. 5. Die Priscillianisten in den Jahren 381 — 385. 375
iirchten war; nicht femer liegt es, dass er als Legat von Lusitanien in
jnerita residirte, da einerseits Instantios, anderseits Itacius sich in dieser
'rovinz befanden. Denn lezterer wurde von seinen Gegnern als kirch-
eher Störefried verklagt, und entfloh nach Gallien. Hier führte er
läge bei Gregorius, dem Präfekten von Gallien^ unter welchem auch
panien (und . Britannien) stand. Dieser Hess die Urheber der Verwir-
ing zu sich schleppen und berichtete direkt an den Kaiser. Wieder
kauften die Häretiker die Hilfe des Macedonius, so dass die Unter-
ichung dem Präfekten entzogen, und dem Vicarius von Spanien,
[arinianus ') , übertragen wurde. Der Magister militum sandte seine
olizeibeamten (officiales) nach Trier, um mit Gewalt den Itacius her-
eizubringen. — Dieser aber Hess sich nicht üuigen, und wurde durch
en Bischof Brito von Trier in Schuz genommen.
Magn. Clem. Maximus war eben in Britannien zum ELaiser ausgerufen oer
rorden — 382. Er sezte nach GalUen über, und der grösste Theil^*Sjy^
es Heeres des Gratian fiel ihm zu. Gratian wurde auf der Flucht am ^^
i, August 383 zu Lyon getödtet^). Maximus herrschte nun über Bri-
dmien, GalUen und Spanien, und nahm seine Residenz in Trier,
darauf hatte Itacius gewartet ; er verklagte den Priscillian bei dem Usur-
itor. Dieser erUess Befehle an den Präfekten von GaUien und den
icarius von Spanien, des Inhalts, dass alle in die Sekte Verwickelten
ch vor einer Synode zu Bordeaux stellen sollten. Dahin wurden In
antius und PrisdlHan gebracht.
Die Verhandlungen der Synode von Bordeaux sind in Dunkel ge- syMdt
illt Wer ihnen anwohnte, kann nur errathen werden. — Idatius be- JJ"
chtet indirekt über sie zum J. 386; Prosper zum J. 385; gewöhnHch *••"•
ird angenommen , dass die Synode im J. 384 stattgefimden. Die Ver-
eidigung des Instantius, dessen Sache zuerst verhandelt wurde, ge
igte nicht, und er wurde seiner Würde entsezt. — Priscillian aber, pr(MU.
n nicht von den Bischöfen verhört zu werden, appellirte an den ."JJ.
iinten, imd grub sich so selbst die Grube ^). — Mit ihm wurden alle 'Jj'^
ine Anhänger nach Trier gebracht. — Sulpic. Severus tadelt die Bischöfe,
m sie diess zugaben. Aber ob sie es verhindern konnten? Ob bei
') Er ist ans dem Cod, Theod. bekannt, wo ein Gesez Valentinians II. vom J. 383
an ihn steht — L 14 de accutation, und Gothofr. das. über ihn. — Caj, Cenm,
1, 92, —- Sulp. Sev. weiss nichts von der Verwaltung Spaniens, wenn er sa^
(2f 49), nam jam proconstäem habere desierant Hispankte, was Lübkert ohne Weiteres
nachschreibt — S. 66; es gab Proconsuln, Consnlaren, Comites u. a. für die
5 Profvinzen, der Vicarius aber war für ganz Spanien. — Ueber die OfficidUn
cf, L 8, l, 7 Cod, Theodos. „de diverns officm^.
') £e»e/, 1. c. S. 54 — 57.
) Ebenso Lübkert , p. 68 — Sic praestricta mentis ade ipse trUtissimam nbi $ortem
paraviL — Bemaus, S. 10—11.
376 Siebenies Bttcli. Sechstes KapiteL
der Beschaffenheit der Verbrechen des Prisdllian eine Synode Ton Bi-
schöfen die entsprechenden Strafen volkiehen konnte? Etwas anderes
ist es, dass Idatios und Itacius als AnklSger nachfolgten , von denen
ersterer durch seine unwürdige Haltung auch guten Katholiken cum
Aergemiss war. — Umsonst versuchte der damals in Trier weilende
Martinusy denselben von seiner Anklage zurückzuhalten ^). & bat den
Maximus y kein Todesurtheil zu vollziehen; es genüge , dass die Häre-
tiker durch den Urtheilspruch der Bischöfe von der Kirche ausgeetossen
werden; dass ein weltÜdier Richter über kirchliche AngelegenheiteD
richte, sei ein neues und unerhörtes Verbrechen. So lange er in Trier
weilte, geschah nichts Weiteres, und weggehend gewann er das Ve^
sprechen von Hazimus, dass kein Blut vergossen werden sollte. Kaum
aber hatte er sich entfernt, als Maximus dem Einflüsse der BischSfe
Magnus und Bufus nachgab , und die Untersuchung dem Ptäfekten Eyo-
dius übertrug, einem strengen und ernsten Manne , der den Priscilliin
zweimal verhörte, ihn des Verbrechens des Maleficium überführte, dt
er auch nicht leugnete, dass er sich obscönen Lehren hingegeben, nScht-
liehe Zusammenkünfte mit schädlichen Weibern gehalten, und ntdt
zu beten gepflegt habe. Evodius sprach ihn dess wegen schuldig, naiim
■•d ihn in Haft, und berichtete an den Fürsten. Dieser sprach das Todes-
MB urtheil über Frisoillian und seine Oeftiirten.
WM- ^^ ungeheure Aergemiss, welches durch diese Ereignisse hervor-
thtiit. gerufen wurde, die traurigen Folgen für die Kirche im Allgemdnen,
und die Kirche Spaniens besonders hatten ihren Qrund vorzüglich in
dem Umstand, dass Bischöfe als Kläger agirten und agitirten. Denn
wer halbwegs billig ist, wer die zahlreichen Geseze des 4. Jahrhunderts
über Magia und Maleficium nur oberflächlich kennt, wird einsehen, dass
bei dem Prozesse und Urtheile selbst nur die Forderungen und B^b
der damaligen Justiz zur Anwendung kamen. Man wird den PrisciUian
bedauern, wie jeden hochbegabten und tiefgefallenen Menschen, aber
gestehen, dass die Nemesis ihn ereilte, dass er selbst sein Schicksal
herausforderte. Er war überführt und geständig der Verbrechen, auf
die damals, im Mittelalter, und eigentlich zu jeder Zeit die Todesstrafe
gesezt ist Denn jede Sekte, heisse sie wie immer, gehöre sie zu den
Neumanichäem oder den Altmanichäern , welche die Ehe als Grundlage
der Gesellschaft antastet, welche eben darum auch zu unnatürlichen
Ausschweifungen führt, oder gehöre sie zu den Wiedertäufern im Zeit-
alter der Beformation, versezt die bürgerliche Gesellschaft in den Zu-
stand der Nothwehr, und — hat Todesstrafen oder auch gewaltsame
Ausbrüche der Volksjustiz in ihrem Gefolge. — Es ist das Verdienst
von Bemays , die juristische Gerechtigkeit des Verfahrens g^gen Briscil-
0 SMip. JSm>. 2, 50. ^ VUa Martmi, et^. 20.
$. 5. Die PriBcillianisten in dSk Jahren 381 — 385. 377
in am den Quellen , besonders aus der Gesezgebung jener Zeit, mit
QgTundlegung des reichen von Gothofredns gesammelten Materials nach-
»wiesen zu haben. £r hat gezeigt , dass nicht der Kezer, sondern
T Verbrecher Prisdllian zum Tode verurtheilt wurde. Bemays
er ist kein Katholik , sondern ein Jude ^). — Wir möchten in den
»Ibstbekenntnissen des Priscillian vielmehr noch einen Best, ein Her-
»rbrechen jener ursprünglich edlen und herrlichen Natur in ihm cr-
imen, welche er durch Hochmuth und Sinnlichkeit, sowie durch
euchelei zerrüttet hatte. Zahlreich sind die Fälle, dass Verbrecher,
)n ihrem Gewissen ruhelos getrieben, ihre eigne Schuld bekannten,
id darnach verlangten , durch die Todesstrafe ihre todeswürdige Schuld
1 sühnen. Wenn Priscillian sich unter ihnen befand, so verdient er
denfalls mehr Mitleid.
Wer waren die Bischöfe Bufus und Magnus? Nur ihre Namen
ennen wir. Sulpic. Severus erzählt von einem spanischen Bischöfe
Idus, der einen jungen Mann, welcher (wohl mittelst Zauberei?) grosse
«ichen wirkte, sich Elias, und sogar Christus nannte, angebetet habe,
od darum abgesezt worden sei^) (v. den BufGnus in dem Schreiben
onozenz^ L nach Spanien). — Zum Lobe des Präfekten Evodius sagt
nderswo Sulp. Severus, dass es keinen Gerechtem, als ihn, gab. —
lübkert lässt ihn ohne Weiteres Foltern anwenden^).
Nach den Gesezen fand ein weiteres Verhör statt ^). Als Itacius
rwog, welche Gehässigkeit er sich bei den Bischöfen zuzöge, wenn
r auch noch bei den lezten Verhandlungen vor der Entscheidung als
ilSger anwesend wäre, entzog er sich der Untersuchung (d. i. wollte
icht mehr als Kläger oder Zeuge vernommen werden): „vergebens,
am das schlaue Verbrechen war schon begangen. ** Dann wurde von
[aximus ein gewisser Patricius als Kläger aufgestellt, der Fiscaladvokat
Uerdings ein vermöge seiner Stellung gefährlicher Patron). Auf sein An-
Ingen wurde Priscillian zum Tode verurtheilt, mit ihm Felicissimus und
rmenius, die vor Kurzem, sie waren Cleriker, zu Priscillian abgefallen
Iren. Auch Latronian und Euchrotia wurden enthauptet Instantius,
') Benu^Sf p, IS — 17, L, 9, t. 16 — Cod, Theod. de mal^ficÜM et mathemaüei» et
ceteriä simiUbtu, — cf. Cod, Justin, 9, 18. — Cod. Theod, 9, 16 , 7 — Gesez von
Valentinian L hat zum Inhalt: ne quie deinceps noctumis temporibua aut nefctritu
preees tmt magicos apparatue aut M€ur\fic%a funeeta celebrare conetWf cf. Zonmut , 4, S,
— Gotho/red, zu C. Th. 9, /, 1^. — „Obecoenae doctrinae^ sind artes magica/e
Ammian. Marc. 14, 1, 2. — Die „noctumi conventus* hatten die Todesstrafe zur
Folge. — Schon Walch 3, 479 gesteht zu, dass Priscillian nicht als Eezer hin-
gerichtet wurde.
*) Vita Martini, cap. 24.
•) p. 69.
0 *. «. 2, 51.
976 Siebentes Bn^. Sechstes Kapitel.
der yorber tfchon von den BiBchöfbn abgesezt worden, wurde «uf i
Insel Sylina jenseits Britanniens verbannt ').
Später noch worden Asarinus und der Diakon AoreUus sor £i
hauptong yeruriheilt Der Bätiker Tiberian wurde neben Einziehoi
seiner Güter, nach Sylina verbannt Tertullus, Potamius und Johanne
welche vor der Untersuchung ^ch und ihre Genossen angegeben, wu
den nur zeitweilig innerhalb Galliens verbannt
') wohl die Seilly-Inselo vor der Kfiste von Cornwallis. — FoHnger, S, Si3.
Siebentes Kapitel.
Geschichte der PriscilllaRisten vom Tode des PiIscUHm,
bis (einschliesslich) zi der Synode von Toledo —
Jahr 385-400.
. 1. Martinns, Ambrosius und Papet Sirichis in ihrer
Stellung zu den PriscilUanisten.
)er Bericht des Sulp. Severus schliesst mit dem Ende der Häupter
Jekte. Die folgenden Ereignisde müssen ans einaelnen zarstrenten
-ichten zusammengesucht werden. Zunächst berichtet derselbe
ftsteller in seinen Leben des Martinus und in seinen Dialogen
s Weitere. — Itacius befand sich unter dem Schuze des Maximus
ler. Damals musste Martinus in dringenden Anliegen wiederholt
Trier gehen. Dort waren Bischöfe yersammelt, u. a. wegen der
und Weihe eines Bischo& von Trier, welche tägliche Gemeinsohait
tacius machten. Die Bischöfe erschracken^ als sie die Gegenwart
artin erfuhren '). — Nach ihrem Rathe hatte der Kaiser beschlossen,
Ihete Tribunen mit Vollmacht nach Sj^anien abzusenden, um die
iker zu ergreifen, und sie an Leib und Gütern zu strafen. — Ge-
beamte wurden dem Martin entgegengesandt, die ihm verboten,
izukonmien , wenn er nicht mit den Bischöfen Frieden halten wollte.
;lich täuschte er sie;'' er versprach mit dem Frieden Christi zu
Tod den üebertreibangen des Sulp. Severas ist immer ein grosser Theü abzn-
iehen; Bernays hat nachgewiesen, za welehen Extravaganzen ihn seine Ab-
eignng gegen die Bischöfe fährte^ Nur Martinns Und in seinen Angen Oiiad?.
- Bernays, p. 18 — 28.
380 Siebentes Buch. Siebentes Kapitel.
kommen*). — Er drang besonders in Maximus , dass nicht die Tribunen
mit Recht über Leben und Tod nach Spanien entsendet würden. Am
ersten und zweiten Tag gab Maximus eine ausweichende Antwort Die
Bischöfe führten inzwischen Klage bei ihm über Bischof Theognist (von
unbekanntem Size), der sie allein in aller Form verdanmit hatte, und
dessen Starrsinn an dem Ansehen des Martinus eine Stüze finde. —
Man nimmt gewöhnlich die Anwesenheit des Theognistus in Trier an^j,
aber aus diesen Worten kann sie nicht erschlossen werden. — Wir
halten es für ein schmückendes Beiwerk, wenn Sulp. Severus die klagen-
den Bischöfe vor Maximus zu Boden sinken, und weinend und wehe-
klagend um Gewaltanwendung gegen Martinus flehen lässt Wir halten
es für mehr als Debertreibung, wenn beigefügt wird: „Und es fehlte
nicht viel, dass der Imperator gezwungen wurde, den Martinus das
Schicksal der Häretiker theilen , d. h. ihn zu verbannen oder tödten zu
lassen« Doch Maximus habe ihm sanftmüthig vorgestellt ^ die Häretiker
seien vielmehr mit Recht nach dem Gange der öffentlichen G^chte,
als durch die Verfolgungen der Bischöfe verurtheilt worden [fuieretkBi
jure damnato9 more jticUdorttfn pttblieorum potius quam inseditUaiubut
9aeerdotum^)]. Theognistus habe mehr aus Hass als aus einem ge-
rechten Grunde eine Spaltung gemacht, und er stehe ganz allein. Eine
vor wenigen Tagen gehaltene Synode habe erklärt, dass Itacius ausser
Schuld sei. Da diess auf Martinus keinen Eindruck machte , so liess ihn
der erzürnte Kaiser stehen , und befahl , dass die Tribunen nach Spanien
abgehen sollten. — £s war schon Nacht, als diess Martinus hörte, und
alsbald eilte er in den Palast; er versprach Gemeinschaft mit den Ita-
cianern halten zu wollen , wenn die Tribunen zurückgerufen würden.
Ohne Zögerung bewilligte Maximus alles ; was ebenso ihm als dem Mar-
tinus zur Ehre gereicht. Tags darauf sollte die Ordination des (an die
Stelle des verstorbenen Britonius geweihten) Bischofs Felix von Trier
') »9^0' >^<^ caliide /rustratus;^ was hier zum Lob des Martin gesagt ist, das wird
anderswo mit denselben Worlen zum Tadel des Itacius gesagt ~ h. s. 2, 49
— quas iüe calUde fnutrcUur,
») Lübkert, p. 75.
*) So war es auch, und Sulpic. Sev., der in seiner Hize sich überall selbst wider-
spricht, gesteht es ein, wenn er n. a. sagt: hoc ftrt modo kominoi luee w-
dignünmi — necati ctut exiUit muictati: h, s, 2, 51. — »Da „judiciMm pubHam'^ be-
kanntlich Criminalprozess bedeutet, so enthalten diese Worte des Maximas eineo
abermaligen Beweis dafür, dass die Priscillianislen als malt^fici angeklagt ond
verurtheilt worden. Lübkert legt eine seltsame Probe von seiner Kenntniss der
juristischen Ausdrücke ab, wenn er sich p. 116 gerade auf diesen Saz beroA,
um gegen Waleh zu erweisen, y,caM»am BriscilUanutarum ßiüae et remantMe 9«r*
•ecktiagHoam*,^ — Bemsys 8. 17. — Dit^gchrift des Bemays nennt auch Bein-
kens (8. &) »aofgezetalmet".
1. 1. Martinot, Ambrosiiu u. Paptt Siricios in ihrer Stellung z. d. Priscill. 381
itattfindeoi j^gewiss eines sehr heiligen Mannes ^^ sagt Sulp. Sev., „der
lorchaus würdig war, in bessern Zeiten Bischof zu werden. An diesem
inen Tage hielt Martinus Gemeinschaft mit den sogenannten Itacianem,
idem er es für besser hielt, auf eine Stande nachzugeben, als nicht
är jene Sorge zu tragen, über deren Häuptern das Schwert gezückt
rar; aber alle Anstrengung der Bischöfe, eine schriftliche Erklärung
Biner Gemeinschaft zu, erlangen, waren ohne Erfolg. Tags darauf eilte
üurtinuB hinweg ^).^
Die Versammlung, welche man die Synode von Trier nennt, be-
kand wohl aus Bischöfen, die Üxeils aus Anlass der Wahl und Weihe
les Felix, theils in verschiedenen Angelegenheiten zu Trier am Hofe
les Kaisers zusammengekommen waren. Da man weiss, dass Martin
oehimal, Ambrosius zweimal aus ehrenwerthen Gründen, und ganz im
ünne der Canones 7 — 9 der Synode von Sardika^), sich an den Hof
les Maximus begaben, so verlangt die Gerechtigkeit, so lang ein Gegen-
«weis nicht erbracht ist, das Gleiche von der Anwesenheit der übrigen
fischöfe in Trier anzunehmen. Wenn Sulp. Severus weiter berichtet,
lass Martinus in den noch übrigen sechszehn Jahren seines Lebens keiner
iynode von Bischöfen beigewohnt, und wenn dieses wahr seyn sollte,
ras wir nicht glauben^), so wäre eine solche Isolirung kaum ein Zü-
richs der Heiligkeit des Martinus.
Das Aergemiss, welches die Vorgänge in Trier hervorriefen, ver-
ülasste den Papst Siricius zu einem Klagebriefe an den Usurpator p*p**
ff . 1 . 1 A 1 I 1 »« . SIHcIo»
iaximus, den wir nur aus der Antwort des leztem kennen. Maxmius aud
«ruft sich auf seinen besondern Eifer für die katholische Earche und ■««.'
nf den Schuz Gottes (den er bald darauf verscherzte) ; er habe unmittel-
)ur nach Empfang der Taufe den Thron bestiegen , und alle seine Unter-
lehmungen habe Gott gesegnet. — Ueber den Fall des Priesters Agri-
ins werde eine Synode von Bischöfen aus Gallien und den j,Fünf Pro-
inzen'' ^) berathen. Sein Bestreben sei, den katholischen Glauben und
ie Eintracht Aller zu fördern; er habe indess bei seiner Ankunft in
rallien traurige Dinge vorgeftmden , und wenn er nicht schnell geholfen,
'äre unsägliches Schisma und Verderben entstanden. Die kürzlich den
[anichäem vorgeworfenen Verbrechen beruhen nicht auf zweifelhaften
erdachtsgründen , sondern auf den Geständnissen der Schuldigen, Ver-
rechen, welche Siricius nicht aus seinem Munde, sondern aus den bei-
legten Akten ersehen möge; denn j,solche Dinge auch nur auszu-
0 Sulpie. Sever. ditdog, 3, 13 - das Weitere, s. K..0. 2, S. 248—49.
«) K..Q. 2, 204—5.
*) Ebenso Lübkert, p. 78. — Bemays, p. 17.
*) d. i. das heatige »adliehe Frankieich. Böekxng^ NoÜL dignü, OcekImL, e, 21,
p, 471. "
382 Siebentes Buch. Siebentes KApitel.
sprechen verbiete ihm das Schamgefühl.^ — Aus der Antwort seil
allerdings nicht bestinmit hervor, dass die Ereignisse in Trier
des päpstlichen Briefes waren; doch ist diess das Wahrscheinlich<
Ambro- Ambrosius kam zweimal an den Hof des Maximus zu Trier. S
\m nach der Nachricht von der Ermordung seines Bruders Grati
^ 28. Aug. 383 — sandte der junge Kaiser Valentinian IL. den Am
Trier, jj^^jj^ Trier, um den Leichnam seines Bruders zu verlangen. G
Zeit hatte Maximus den Comes Victor gesendet, um mit Valentii
Frieden zu unterhandeln. — Maximus empfieng ihn nicht allein, s
nur im Consistorium (wir würden sagen: vor seinen Ministem);
klärte, er wollte die Antwort des Victor abwarten, währenddei
brosius zurückgehalten wurde. Andere Gesandte an Maximus traf
Ambrosius bei Valence (Valentin OMorum), Maximus sträubt
den Leichnam des Gratian herauszugeben. — Doch sandte Maxii
Theodosius , und erlangte von ihm Frieden und Anerkennung im '
theile des Gratian (in Gallien, Britannien und Spanien), währ«
Bundesgenossenschaft gegen alle äussern Feinde, und Valentinian
ruhigen Besize von Italien und Illyrien zu lassen versprach ').
sobald sich Maximus bei Kräften fühlte, rüstete er zum Kriege
Valentinian IL, und forderte sein Verhängniss heraus. Er nahm u.
Vorwand die unter dem Namen Valentinians U. durch seine Mutt
wilde Arianerin Justina, gegen die Katholiken erhobene Verfolg
— Von Aquileja, wohin er geflüchtet, sandte Valentinian II. zuei
Sjrer Donminus an Maximus, der sich von diesem überlisten
Maximus versprach Frieden , zog aber nach Italien •') , und zwar
Valentinian zu schleuniger Flucht. In diese Zeit fällt die zwei
sandtschaft des Ambrosius an Maximus, über die er selbst beric
Der Eunuche Gallicanus, Oberkammerherr, empfieng ihn sehr vo:
und er erhielt wieder nur Audienz vor dem Consistorium *). Es 1
sehr heftigen Scenen; Maximus Hess sich nicht mehr zurückhalte]
aber die ausweichende Antwort, er werde unterhandeln. — Als c
sah, dass Ambrosius sich von den Bischöfen ferne halte, welcl
Maximus Gemeinschaft hielten, oder welche einige ob auch vom G
Abgefallene zum Tode verlangten, befahl Maximus erzürnt. Am
solle sich sogleich entfernen. Gern trat dieser die Rückreise an ,
>) Zosimus 4, 37. — Wietersheim, Völkerw. 4, 130.
*) Wietersheim, 133. Im Herzen des Usarpators g&hrte fortwährend — die £
sucht — Ist es doch der Flach der Sünde, dass sie, im Herzen
empfang^en, fortwuchernd stets aufs Nene gebiert.
*) Zosimus, 4, 42—44. — Wietersheim, 133—134.
*) Osteru 387 — nach Tjüamont t. 8, art 12 — Priscill.
•) Ambroe, ep, 24 Valenti$Umo ünp, — Kessel, 1. c. S. 56—57.
. 2. Gans Oalisien, mit s. BischOfeD dies. Provii», ftllt z. d. Pmcill. ab. 383
arüber betrübt, als er erfuhr, dass der greise Bischof Hjginus in die
'erbannang geführt wurde, dem nichts mehrmals der lezte Athem übrig
ar. Als er in seine Begleiter drang, sie möchten ihn nicht ohne
leider, ohne weiche Decken forttreiben lassen, wturde er selbst zurück-
^stossen^ *).
Es ist diess die einzige Nachricht über ein an sich wichtiges Ereig-
SS, ond auffallend das Schweigen des Sulp. Seyerus und Idatius um so
ehr, als Hjginus katholischer Erzbischof war, während die bischöfliche
Türde des Instantius und Prisciliian Zweifeln unterliegt. — Aber die
hatsache ist nicht zu bezweifeln. Es ist gewöhnliche Annahme, dass
ygin bald darauf gestorben sei, wo — ist nicht zu beantworten, wie
ich nicht die Frage, ob er vielleicht seit dem J. 385 entschiedener als
tther die Partei der Priscillianisten ergriffen, etwa wie Symphosius
)n Astorga.
Die obengenannte Urbica, die Tochter der Euchrotia, entgieng dem
chicksale der Häupter der Sekte nicht. ,,Zu Bordeaux wurde eine ge-
isse Schülerin des Prisciliian, mit Namen Urbica, wegen ihrer hart-
ickigen Gottlosigkeit bei einem Aufetande des Volkes gesteinigt^).*
^ess ist ein Zeugniss, in welchem Lachte die Sekte bei dem Volke
md.
. 2. Ganz Galizien, mit sämmtlichen Bischöfen dieser Pro-
vinz, fällt zu den Priscillianisten ab. Ende des Maximus,
des Idatius und Itacius. Hieronymus im Verkehre
mit Spanien.
Der nächste Rückschlag der Katastrophe in Trier auf Spanien —
ar schrecklich. — Der Zorn gegen die Ankläger war grenzenlos,
riscillian und die Seinigen wurden alsbald als Märtyrer verehrt. Ihre
eichen wurden in Trier ausgegraben, nach Spanien zurückgeführt, und
nen eine glänzende Leichenfeier veranstaltet. — Man fieng an, bei
riscillian zu schwören, indem man sein Andenken auf jede Weise
iren wollte*).
Kein Wunder denn , dass sich sein Name in einzelnen Martjrologien
idet Ist diess bei Prisciliian selbst nicht so deutlich, so ist es doch
ileugbar in Betreff des Latronian, da es u. a. heisst: Endlich wurde
') Bjfifmum episcopum senem in ezsilium duct comperij cui nihil j am nisi extremu» wperu»et
tpiritus; cum de eo convenirem comitet ejus, ne nne vette, sine plumario paUrentw
extnuH senem, exirusus ^se sum, — ef. FloreZf 10, 217 — 218,
*) Chronic. Pro^peri — 386,
*) Äuffustin, ctr. mendae, c, 6, 9,
384 Siebentes Buch. Siebentes Kapitel.
er unter einem gewissen Tyrannen Maximian (i. e. Maximus) , der unter
der Regierung des Theodosius Gallien in ,Besiz genommen ^ durch die
Partei Einiger für die Wahrheit und die Vertheidigung des katholischen
Glaubens in Trier hingerichtet mit Priscillian , dem Bischöfe von Bapilla
(d. i. Avila), und die Leiber Beider wurden in der Kirche der Stadt
Trier beigesezt *). — Diess ist die Sprache des sogen. Mart. Hieronymi.
Aber nicht ganz Spanien ^ sondern nur der Nordwesten wurde von
dieser Bewegung fortgerissen. Mit wenigen Worten sagt Idatius zum
J. 387: „Seitdem drang die Häresie der Priscillianisten in Galizien ein';
aber einen Grund führt er nicht an. — Niemand hat, wie es scheint,
bis jezt überhaupt nach dem Grunde gefragt , warum im J. 400 sämmt-
liche Bischöfe Galiziens zur Sekte des Priscillian gehörten. — Diess ist
eine in der Elirchengeschichte doch ganz unerhörte Erscheinung , dass
der Episcopat einer ganzen Kirchenprovinz zu der schmuzigsten und ab-
scheulichsten aller Häresien abgefallen. Galizien stand im Rufe reiner
kemhafter Sitten. Der Bischof Dictinius wird zu Astorga als Heiliger
▼erehrt. Aus diesem Lande giengesn Männer hervor, wie Orosius und
die beiden Avitus von Braga, Bachiarius, Idatius von Lamego, Turibius
von Astorga.
Das Räthsel wird dadurch nicht allein gelöst, wenn man sagt, Pris-
cillian stammte aus dieser Provinz^ oder der Bischof Symphosius von
Astorga, der schon im J. 380 eine Hinneigung zu der Sekte an den
Tag gelegt, habe nur priscill^anisch gesinnte Bischöfe ordinirt. Diess
konnte er nur dann, wenn Volk und Clerus gleicher Gesinnung waren.
— Der Grund scheint mir ein patriotischer , oder ein politischer zu sejm.
Durfte ganz Spanien mit Recht darauf stolz seyn , dem römischen Reiche
einen Kaiser Theodosius geschenkt zu haben, so vor allem die Provinz
Galizien , aus der er stammte (zu welcher das heutige Altcastiiien damals
gehörte). Gegen diesen Spanier Theodosius erhob sich , vom Neide über
sein Glück getrieben, ein anderer Spanier, der Tyrann Maximus ^j , der
sich zwar einen Verwandten des Theodosius nannte, aber sonst von un-
bekanntem Geschlechte, und wahrscheinlich aus einer andern Provinz
war, dessen edle Gemahlin wohl auch eine Spanierin war. — Maximum»
verfolgte die Anhänger und nächsten Landsleute des Theodosius. Aber
bei ihm, dem Usurpator, giengen die Itacianer betteln; bei ihm ver-
folgten sie die Landsleute des Theodosius zum Tode. Es war , so argu-
mentirten die Galizier, Parteigeist, nicht Glaubenseifer^ was sie trieb.
Priscillian und die Seinigen, aus Altcastiiien, waren dem Maximus und
seinen spanischen Anhängern als Landsleute imd Anhänger des Tlieo-
>) Peiri de NataUbuM caUilogtia Monctonm, Lugd. 1519. Lib. IL c. 42, Fol 222, U. XII
c. 89. Fol. 219 — i^md/sübkm-t, p. 72 et 128.
^"JßijQ t6 ytyoCy Zoiim. 4, 35.
I SpanieD, mit s. Bischöfen dieser ProriDs, f&lit s. d. Priteill. ab. 385
riiaast In dem Galizier Priscillian hasete und tödtato Mazimiis
sier Theodoaias. Der gegen jenen geführte tödtliohe Streich
i für Theodosins berechnet
TheodosiuB selbst die Sadie im Wesentlichen nicht anders auf-
afür fehlt es nicht an Anzeichen. Wir rechnen weniger dasu
mg des Ambrosiusy den Brief des Siricius, die Schicksale der
nach dem Tode ihres Schüzers Maximus. Aber man beadbte
sart des Maximus selbst Dieser, von seinem Verhiingniss g^
fiel im J. 387 in Italien ein, und verlegte dem mit Heeresmacht
JLcnden Theodosius die Wege. Im Juni 388 rildkte dieeer auf
«trasse von Sirmium heran. Bei Siscia stiess er auf den Feind,
trer Kampf war bei Pettau. Ein Theil des Heeres des Maximus ladi
Theodosius über. Aemona (Laibach) öffiiete ihm seine Thore; i^^.
bis Aquileja vor, wohin Maximus geflohen war. Hier wurde ""'*
der gefangen y oder von den Seinigen ausgeliefert^),
r Zeichen seiner Würde beraubt , mit blossen Füssen , und auf ^
ken gebundenen Händen wurde er vor Theodosius geführt , der
en Ehrgeiz und seine Empörung vorwar£ Dann übergab er
Scharfrichter zur Enthauptung. Wie er also an edlen Spaniern
Landsleuten des Theodosius gethan, so äiat dieser an ihm^).
hm den Streich zurück^ mit dem er gegen ihn aui^;eholt halte.
. war das — nicht unverdiente — Ende des Maximus, das er
*ding8 nicht durch den verdienten Tod des Prisdllian, sondern
ine AngrifiFe gegen Gratian, Valentinian IL und Theodosius zu-
hatte.
r auch die Itadaner (das sogen. Sehitma liaekmum) fühlten den schick-
ing der Ereignisse. Bis jezt Angreifer, wurden sie in den öm
sr Vertheidigung zurückgedrängt „Dieses schlimme Piücedens '^J,"*
läge vor Maximus) ward anfänglich mit Berufung auf den her- 1'^««*
len Gerichtsgebrauch und das allgemeuie Wohl veriheidigt;
kam Ithadus desshalb Händel, und als er schliesslich seiues Un-
äberf ührt worden , schob er die Schuld auf diejenigen zurück,
Aufbag und Rath er gehandelt hatte ').^ Von Idatius erzählt
Hut c 37 "39, Zotim. 4, 4S. — ef. über Max. — Soxom,, 7, 13, — ^, ,
I. — Socrai. 5, 11 aq, — Rußn. h. weL 2, 14 — 17, — Ortgw 2W. H, /V. i,
- TilkmotU, h, du emper. L 5, — Art. ,if(mM6« in der noov. Biographie
m Didot-Hoefer. — WitUrthrnm, V.-W., Bd. 4, 8. 125-138.
irlieh aus dem Herzen sämmüicher (Hlizier, deren Hat« gegen Mazimns
aas den Worten des Idatias hervorgeht: Oecuüiur hostü pubUeuB Maxmut
mm ^ Thtodotio in mUUario 3 dt AqmUja ~ 27, JuU 388 ■— fatü eoHtuL tt
. ad 388.
e. Smf, k. t, -- 2, 51 — quod mitio jurt judiemnm tt tgrtgit pubtioo (Taeä. m
l 3, 70) dt/tntuM, pifttea Itkadut in jurgiU totkim (Bemays sehligt vor jrn^ I
Span. KIrehe. IL 25 1
386 Siebentes Buch. Siebentes Kapitel.
derselbe: ^Idacius, obgleich weniger schuldig, legte freiwillig sein Bis-
thum nieder, ein weiser und bescheidener Schritt, wenn er nur nicht
später seine verlorene Stelle wieder zu erhalten getrachtet hätte.''
Der hievon verschiedene Bericht des Isidor von Sevilla ist gerade
nicht widersprechend. ^Idatius wurde mit dem Bischöfe ürsacius (Ita-
cius) wegen der Hinrichtung desselben Priscillian, dessen Ankläger sie
gewesen, der Earchengemeinschaft beraubt, zur Verbannung verurtheilt,
und starb in derselben unter der R^ierung des Theodosius und Valen-
tinian IL^ -^ Diess kann nicht vor dem Siege über Maximus , d. L nicht
vor der zweiten Hälfte des J. 388 geschehen seyn. Da aber Valentinianll.
am 16. Mai 392 ermordet wurde, so fällt der Tod des Idatius früher,
und in die kurze Zeit zwischen seine Verbannung und seinen Tod noch
ein vergeblicher Versuch, als Bischof nach Emerita zurückzukehren,
offenbar unter Verdrängung seines Nachfolgers, wohl des Patruinus. —
Dass Itacius aus seiner Verbannung wieder nach Ossonoba zurückgekehrt,
sofaeint mir nicht wahrscheinlich.
Wer war aber Kläger und Richter gegen Idatius und Ithacius? Man
hat diesen wohl nicht in Spanien und Gallien zu suchen, sondern in
Italien. Man kann an Siricius und Ambrosius denken; aber wahrschein-
lich fällt der Hauptantheil dem Theodosius zu. Die Verbannung ist
eine weltliche Strafe, welche Bischöfe nicht verhängen konnten. Ab
Anhänger des Maximus und Gegner des Theadosius wurden die Beiden
verbannt, wie durch ihre Anklage wenigstens zwei Bischöfe, Instantios
undHyginus, verbannt worden waren. Das Recht der Wiedervergeltong
wurde an ihnen geübt. Der Bätiker Tiberian aber, und wahrscheinlidi
auch andere verbannte Priscillianisten , durften jezt wieder nach Hause
zurückkehren ^).
So war die ursprünglich religiöse Sekte mehr und mehr eine poli-
tische Parteifrage geworden. Kein Wunder denn, wenn die Galizier^
die nächsten Landsleute des Theodosius , sich in Masse in das Lager des
Priscillian begaben, den sie, von ihrem patriotischen Eifer und Zorne
geblendet, für einen guten Katholiken und christlichen Märtyrer er-
achteten. Ohnedem war es mit dem tiefen sittlichen Fall des Priscillian
sehr schnell gegangen ; seine bessere Vergangenheit, seine grossen Gaben^
seine Kunst der Verstellung nahmen seine Landsleute für ihn ein. Sie
fielen nicht vom Glauben ab, indem sie dem Priscillian zufielen. Denn
Theodosianer seyn und Priscillianist seyn, — war ihnen dasselbe. -
Doch fiel wenigstens ihren Bischöfen ihre Vereinsamung mehr und mehr
gÜM aoUuntatuM) ad poMtremum convtctua in eos retorquebatj qwnvm id mandaio eteon-
nUii effecercU; aolus tarnen omnium epiacopatu detnuus. Die Uebersezung^ nach Bt't-
nays - S. 18.
<) Hwrim. d. vir. Uhutr, 133.
{. 2. Gau SpaDieD, mit s. Bischöfen dieser ProviDi, f&llt s. d. Priscill. ab. 387
aa£ — Die Oemüther wurden ruhiger. Das erste Zornesfeuer war ver-
gingeiL Vielen dämmerte eine Ahnung darüber auf, dass es doch mit
Priscillian schlimmer stand, als man geglaubt. Denn in den ersten
Jahren hatte das Mitleid mit seinem Schicksale den wahren Sachverhalt
rerdunkelt
An den einzelnen Aeusserungen des Hieronymus über die Sekte hi««.
aeht man, wie allmälig sich bei den Katholiken das Urtheil über und ^JÜ^T
jeg^i Priscillian umbildete. Im J. 392 — schwankt er noch — cot. 121 ^|^
— scheint sich aber eher zu Priscillian hinzuneigen, „Dieser wird bis
lieute von Einigen der gnostischen Häresie angeklagt, während Andere
behaupten, er habe nicht die Gesinnung gehabt, deren er beschuldigt
wird.* — Aber die Sekte enthüllte mehr und mehr ihre wahre Natur.
Im J. 397 oder 398 hatte ihm der fromme Laie Lucinius aus Bätika
geschrieben, und im J. 398 (nicht 394) antwortete ihm Hieronymus. -^
b diesem Briefe findet sich eine Hinweisung auf die Reise des Paulus
Dich Spanien, die von meinen Vorgängern, und auch von mir früher
Bbersehen wurde ^). „Paulus bleibt zu Rom zwei Jahre in einer Mieth-
wohnung. — >^Der Menschenfischer wirft das apostolische Nez aus, und
hat auch dich wie den schönsten Goldfisch (quasi ptUeherrimum auratam)
unter den zahllosen Arten von Fischen an das Ufer gezogen.' Dieses
wenn auch unbestimmt lautende Zeugniss hätte einigen Werth, wenn
nieht Hieronymus an andern Stellen das G^gendieil lehrte, — Lucinius
lebte mit seiner Gemahlin jezt als mit einer Schwester. Aber Hieronymus
ermahnt ihn, sich im heiligen Lande niederzulassen. Lucinius hatte viele
Wohlthaten ausgetheilt Er hatte Schreiber nach Betlehem gesandt,
welche die Werke des Hieronymus daselbst in papieme Codices abschrie-
ben (in ehartaeeis codieibua). Hieronymus aber musste sie oft ermahnen,
diss sie genauer verglichen und (das Fehlerhafte) verbesserten. Er selbst
konnte wegen der zahlreichen Besuche so viele Bände nicht mehr durdi-
lesen, war auch lange krank, und erholte sich erst in der Fasten, als
ae abreisten. Schreib- oder sinnstörende Fehler fallen also nicht auf
leine Rechnung , sondern derer , welche schreiben , „nicht was sie finden,
sondern was sie verstehen (non quod inverdunt, sed quod intelUgunt) und
irihrend sie fremde Lrthümer bessern wollen, zeigen sie die ihrigen.^
)ie Schriften des Josephus, der heiligen Papias und Polycarp habe er
licht übersezt „Den Canon der hebräischen Wahrheit, mit Ausnahme
>es Octeleuch, das ich jezt in Händen habe, habe ich deinen Knechten
ind Notaren zum Abschreiben gegeben,^ d. i. die von Hieronymus ge-
ertigte neue Uebersezung der heiligen Schrift. Er zweifle nicht, dass
uucinius die vor vielen Jahren von Hieronymus emendirte Ausgabe der
^toaginta habe. Dann handelt er vom Fasten am Samstage — und
') K..O. 1, 43; 49.
25
388 Siebentes Buch. Siebentes Kapitel.
der tiiglichen Communion '). — Jede Provinz möge ihre UeberlieferoDgen
für Vorschriften der Apostel halten. Er übersendet ihm vier Cilicien,
und einen Codex , die Erklärung von 12 dunkeln Visionen des Isajas.
Möge endlich Lucinius die lange verzögerte Seefahrt wagen , oder doch
wieder schreiben ^).
Hitro. Aber Lucinius starb bald, und Hieronymus erhielt die traurige Nach-
"l«d* rieht von seiner Wittwe Theodora, welcher er um 399 einen Trostbrief
^^ schrieb , woraus wir u. a. erfahren , dass Lucinius sechs Notare an Hiero-
nymus schickte, und alles abschreiben liess, was er von seiner Jugend
an dictirt, d. i. geschrieben hatte, dass Lucinius all* sein Vermögen an
die Armen ausgetheilt, dass er, nicht zufrieden mit den Gaben in seiner
Heimath 9 nach Jerusalem und an die Kirche von Alexandrien so viel
Geld gesandt, dass viele davon leben konnten^). — In diesem Brkk
nun redet er anders von den Häretikern, als im J. 392. „Es wüthet die
schmuzigste Häresie des Basilides durch Spanien, wie eine ansteckende
Pest hat sie alle Provinzen zwischen den Pjrrenäen und dem Ocean ver-
wtlstet, und besonders die Weiber sind ihr anheimgefallen^ (das Weitere
Kap. 6, 2).
Dem Priester Abigaus, der, wie es scheint, dem Brief der Theodon
ein Begleitschreiben beigegeben , antwortet Hieronymus mit einem Briefe
allgemeinen Inhalts, und tröstet ihn über seine körperliche Blindheit^).
Mit der gleichen Schärfe spricht sich Hieronymus in seinem — 410
— varfassten Commentar zu Jesajas über die Sekte aus; noch schärfer
im J. 416 in dem Briefe an Ctesiphon. „In Spanien schliesst sich Pris-
cillian,. ein Ableger des Manes, Leute, welche keck die Vollendung und
die Wissenschaft für sich in Anspruch nehmen , allein mit Weibern ein.'
Und wieder: „Was soll ich sagen von Priscillian, der durch das Schwert
des weltlichen Richters, und die öffentliche Meinung der ganzen Welt
verurtheilt wurde?" Und wieder: „In Spanien hat Agape den Elpidius,
das Weib den Mann, die Blinde den Blinden, der den Priscillian so
seinem Nachfolger hatte, in die Grube geführt; den eifrigsten Schüler
des Magus Zoroaster, Bischof aus dem Zauberer, mit dem Galla, dem
Namen, nicht dem Volke nach verbunden war (eine sonst nicht genannte
Person, vielleicht die Procula), welche ihre da und dorthin eilende Schwester
als Erbin einer andern und verwandten Häresie hinterlassen hat^).*
Man braucht in diesen verschiedenen Aeusserungen des Hieronymitf
keine Widersprüche zu sehen; denn im Laufe der Zeiten trat 4ii wabre
Wesen der Sekte greller und unleugbarer hervor.
0 K-G. 2, 79—80.
*) €pist 71 ad Lucinium Baeiicumf K.-G* 2, 270*
6ptf<. 75 ad Thtodonai viduam,
€p. 76 ad Äbigaum,
*) ep, 133 ad CiuipK — de turpitudine cmus te tUscipuU diUgutU /»Irnntnnm.
?
%. 3. Die Synode vod Toledo. 389
§. 3. Die Synode von Toledo.
Die Lage war in Spanien unerträglich ; auch die galizischen Bischöfe
latten schon Versuche gemacht, aus ihr herauszukommen. Sie hatten
ich an Ambrosius von Mailand gewendet, der den Frieden zu yermitteln
achte. Nach dem Tode des Theodosius im J. 395 h&tten sie auch nach
ieser Seite hin ihren Halt verloren. Aber der Versuch einer frühem
ynode in Toledo (um 397 nach Florez) scheiterte gerade an ihrem
Lüsbleiben. — Im J. 400 aber fanden sich in Toledo, als der Central-
mAi von Spanien, sowohl die galizischen, als eine grosse Zahl anderer
[Mmischer Bischöfe ein, aus den Ejrchenprovinzen Tarracon., Carthagen.
nd Lusitanien, wahrscheinlich auch aus Bätika.
Es waren, wie in Elvira, 19 Bischöfe, die an den Verhandlungen
teilnahmen; davon sind uns nur die Size von vier bestimmt bekannt;
^atruinus, der Vorsizende, war Bischof von Emerita, Asturius von To-
sdo, Lampius von Barcelona, Exuperantius steht mit dem Titel seines
lizes Celene in den Akten*). Marcellus war vermuthlich Bischof von
lispalis, Hilarius von Carthagena (oder Castulo). Aphrodisius, Licinian,
Qcundus, Severus (er ist nicht der von Minorca), Leonas, Olympius,
)rticius, Serenus, Florus, Leporius, Eustochius, Aurelianus, Lampadius
ind Bischöfe von nicht bekannten Sizen. — Das J. 400 als das der
lynode ist verbürgt durch die Ueberschrift (aera 438) ^ das Zeugniss
es Idatius, und den Umstand, dass Simplician von Mailand, der 401
tarb, zur Zeit der Synode noch lebte. — Ebenso ist der Monat Septem-
er verbürgt Die Akten der Synode bestehen aus 4 Theilen. Zuerst
Atn 20 Canones über Eirchenzucht. Patruinus, das Haupt und der
orsizende des Concils , erklärte , dass es wegen der verschiedenen Ein-
chtuBgen und Uebungen bis zum Schisma gekommen; darum müsse
lan sich verständigen über gleiches Verfahren bei der Weihe der Cleriker,
ozu die Canones von Nicäa maassgebend seien. Die Bischöfe antwor-
ten, wer von diesen abgehe, sei ausgeschlossen, wenn er sich von
inen Brüdern nicht zui*echtweisen lasse.
1) Die Diakonen sollen dem Umgange mit ihren Frauen entsagen; cano-
ilbst wenn sie vor dem durch die lusitanischen Bischöfe erlassenen g^^^^V.
onst nicht erwähnten) Verbot, unenthaltsam mit ihren Frauen gelebt,
) solkill sie nicht Priester werden ; wenn ein Priester vor dem Verbote
•ohne gehabt^ so solle er nicht Bischof werden. |
2) Pönitenten dürfen nur, wenn es die Noth oder der Dienst fordert,
)stiarier oder Lectoren werden , nichf aber die Evangelien oder den
Apostel (die Briefe der Apostel) vorlesen : sind sie vorher schon zu Sub-
') Idatias scheint in seinem Berichte zu J. 400 den Ortigias mit ihm verwechselt
zu haben.
890 SiebMitet Bach. Siebentes Kapitel.
diakonen geweiht ^ so soll es dabei bleiben, sie aber die Hände nid
auflegen und das Heilige nicht anrühren. Darunter verstehen sie offen
liehe Büsser wegen schwerer Verbrechen und Laster , welche das Bus
gewand getragen.
3) Ein Lector, welcher eine Wittwe heirathet, soll Lector bleibei
oder höchstens Subdükon werden.
' 4) Der Subdiakon, welcher wieder heirathet, soll zum Ostiarius ode
Lector degradirt werden, aber nicht die Evangelien oder den Apo8t<
vorlesen (damit nicht ein Diener der Ejrchc in weltliche Dienste eii
trete); sollte er zum dritten Male heirathen, so werde er zwei Jahi
ausgeschlossen, dann als Laie unter die Büsser gestellt
5) Der Priester, und jeder Cleriker^ der in der Nähe der Eircb
wohnt, und j,kommt nicht zu dem täglichen Opfer (ad Merifldttm quc
Udianum)^, soll entfernt werden, wenn er nicht vor dem Bischof Geniij
ihunng leistet
6) Eine gottgeweihte Jungfrau (pueUa Dei) soll keinen Verkehr m
einem Coi^fessor ^) oder irgend einem ihr nicht blutsverwandten Laie
haben, oder mit ihnen essen; es sei denn, dass sie bei einer Mabize
neben altem ehrenwerthen Männern und Frauen mit Confessoren zi
sammentreffe; in die Wohnung eines Lector soll sie nicht gehen, wen
sie nicht seine Schwester ist
7) Hat das Weib eines Clerikers gesündigt, so hat er, mit Aui
nähme der Tödtung, das Recht sie zu bewachen, zu binden, sie faste
zu lassen, so dass arme Cleriker, wenn sie keine Dienstleute (Bervüic
haben, sich selbst aushelfen; mit solchen Weibern aber dürfen sie en
nach vollbrachter Busse wieder essen.
8) Wer nach der Taufe Kriegsdienste geleistet, und auch nicht
Schweres verbrochen, soll, wenn er zum Clerus zugelassen wird, nicl
Diakon werden.
9) Keine Professschwester fpro/lcMaj oder Wittwe soll, ohne denB:
schof oder Priester, mit einem Confessor oder ihrem Diener Antiphone
halten ; das Lucemarium (d. i. die Vesper) soll nur in der Kirche ge
halten werden, auf einer Villa aber nur in Gegenwart eines Bischofs
Priesters oder Diakons.
10) Cleriker, welche an einen fremden Dienst gebunden sind, sollei
nur, wenn sie erprobt, und mit Genehmigung ihrer Patrone, geweih
werden.
11) Wenn ein Mächtiger einen Cleriker, Armen oder Religiöser
beraubt, und wenn er der Vorladung an den Bischof nicht Gehör giebt
so werde er durch Umlau&chreibeii an sämmtliche Bischöfe excommunicirt
0 Bedeutet hier nicht Cantor, londern Bekenner oder Ascet
$. 3. Die Synode von Toledo. 391
12) Ein Cleriker darf seinen Bischof nicht verlassen , es sei denn,
er werde als ein von der Häresie Zurückkehrender auswärts au%6nommen.
Geht umgekehrt ein Katholik zu denen über, die schon excommunicirt
oder censurirt sind, so treffe ihn gleiches Loos.
13) Wer in die Kirche komiht und nie communicirt, sei ausge-
schlossen.
14) Als Sacrilegus gelte, wer die empfwgene Eucharistie nicht
geniesst
15) Wer mit einem Ausgeschlossenen redet oder isst, sei ausge-
schlossen.
16) Eine gefallene Nonne (devota) treffe , wie ihren Verführer , eine
Bosse von 10 Jahren, während welcher keine Frau sie zu Gaste laden
darf Heirathet sie, so werde sie erst dann zur Busse zugelassen, wenn
sie sich trennt, oder er gestorben ist'). *
17) Hat Einer eine Frau und eine Goncubine^ so sei er ausge-
schlossen , wer keine Frau , aber nur eine Concubine hat ^) , werde nicht
ausgeschlossen.
18) Wenn die Wittwe eines Bischofs , Priesters oder Diakons wieder
heirathet, so kann sie erst vor dem Tode die heiligen Sakramente
empfEuigen.
19) Ebenso, wenn die Gott geweihte Tochter eines Bischoft, Prie-
sters oder Diakons fällt oder heirathet, dürfen sie ihr Vater oder ihre
Mntter nicht mehr aufnehmen; der Vater habe sich in dem Concil zu
▼erantworten; das Weib werde nicht zur Communion zugelassen, wenn
sie nicht nach dem Tode ihres Mannes Busse thut; verlässt sie ihn aber
ond begehrt die Busse, so soll si# am Ende die heilige Wegzehrung
erhalten.
20) Da es heisst, dass in einigen Orten oder Provinzen Priester
das Chrisma weihen , so soll von nun an nur der Bischof es bereiten,
and durch die Pfarreien (per dioeeeaes) versenden; vor Ostern sollen
Diakonen oder Subdiakonen von jeder Kirche den Chrisam abholen.
Die Diakonen dürfen ihn nicht gebrauchen. Der Archidiakon möge
immer an diese Verordnung, sei es in Abwesenheit oder Anwesenheit
der Bischöfe, erinnern, dass die Bischöfe sie beobachten, oder die
Priester sie nicht übertreten. Es. folgen die 19 Unterschriften in obiger
Ordnung.
Von diesen Canones beziehen sich nur, sei es mittelbar oder direkt,
cl2, 13, 14, 15 auf die Priscillianisten.
Die hieran sich schliessenden 18 Anathematismen mit dem Glaubens-
')Da8 Nähere, s. oben, K..G. 2, 64—65.
^ (L i. eine anstandesgem&sse Ehe eing^eht, die seil Papst Caliytas kirchlich gilti^
wtr. t. K..G., 3, 68 — 70,
392 Siebentes 'Bach. Siebentes Kspitel.
Die lymbol gegen die Priscilliiiusten werden unten in Kap. 15 beeprochen.
Xi^ — Ebes dabin sind som Theil Beetandtheil 3 und 4 dieser Synode
•cMfe. '^ verweisen. — Der Thatbestand y den ich ans den j^Exemplaria pr(h
fesiionum in CaneiUo ToUUmo, eonira seetam PriieUUani'' nnd dem
„Exen^lar difiniHvae $entmUae tramlata de getUi^ als gesidiert emire,
ist dieser. Schon war das Concii am 1. September (400) gehalten,
dann fimden Vemelimiingen nnd UntersuchoDgen statt; am 6. September
wurden die Erklärungen des Bischofis Sjmphosius von Astorga, seines
Sohnes Dictmius, und Nachfolgers als Bischof von Astorga, sowie des
Priesters -GomasiuSy worin sie mit aller Entschiedenheit , und augleieh
mit den Ausdrücken der rührendsten Demuth, ihre Verwerfiing der Irr
lehre des Prisdllian ausspradien, rorgdesen. Am 11. September gab
Gomasius neue ErklXrungen ab. Ebenso Sjmphosius und Dietinios,
welcher sprach: ]Pch folge dem Ausspruche meines Herrn und Vaten,
memes Eneugers ^) und Lehrers Symphosius. Was er gesagt hat, sage
ieh. Denn es steht geschrieben: Wenn euch Jemand ein anderes Etsd-
gelium verkündigt y als welches geschrieben steht, der sei Anathema;
und desswegen verdamme ich Alles , was Prisdllian entweder üebles
gelehrt oder geschrieben , augleich mit dem Urheber.'
An demselben 11. September wurde der Endentscheid der BischSfe
. . verlesen, woraus u. a. hervorgeht: Symphosius hatte nur einen Tag der
Synode von Saragossa angewohnt y und der Fxllung des ürtheils gegoi
die Prisdllianisten daselbst sich entzogen (ohne Zweifel, weil damals ihr
Hauptsizy Alteastilien, zu seiner Ejrchenprovinz gehörte , und er nicht
Willens war, die Beschlüsse g^gen sie auszuführen; so ericlftrt es sieh
auch in etwas, warum Itacius damit betraut wurde;. Später hatte Am-
brosius von Mailand vermittelnde Briefe an die spanischen Bischöfe ge-
schrieben, worin er rietb, wenn die Priscillianistisohen Bischöfe wide^
riefen und die von ihm bezeichneten Bedingungen erfüllten, solle man
sie zum Frieden aufnehmen. Symphosius und Dictinius waren selbst
bei Ambrosius (in Mailand) gewesen , und hatten sich mit ihm über diese
Bedingungen verständigt, wie ich vermuthe, in der Zeit zwischen 388
und 39S. — Auf das Drängen des Volkes von Astorga hatte Symphosius
femer, schon auf Jahren, seinen eignen Sohn, nach ofterwähnter da-
maliger spanischer Unsitte, zu seinem Coadjutor und Nachfolger geweiht,
Ambrosius hatte aber verlangt, er solle sich zu Lebzeiten seines Vaters
mit der Würde eines Presbyters begnügen. Beide gestanden auch, dass
sie für verschiedene Kirchen Bischöfe geweiht, wo keine waren. Dazu
hatte wenigstens Symphosius das formelle Recht, weil Astorga damals
Metropole der Provinz Galizien war; sonst wäre auch nicht leidit iii
erklären y wie er so viele Bischöfe ordinirte. Sie brachten die Entscfaol-
') Trosdem halt man den Symphosius gewöhnlich nnr für den Lehrer des DietiDioi*
$. 3. Die Synode Ton Toledo. 893
^;iing roTy dass das Volk von fast ganz Galizien mit ihnep überein-
immte, vielmehr sie fortzog. So weihten sie den Bischof Patemus von
racaray der zuerst gestand, dass er die Sekte des Priscillian gekannt
€ icise), lEkher schwur, dass er als Bischof nach Lesung der Bücher des
mbrosius von ihr befreit worden sei.
Die Size der folgenden galizischen Bischöfe werden nicht genannt
Bonins sagte, er sei vor Kurzem getauft und von Symphosius zum
ischofe geweiht worden, und verwerfe alles, was dieser verworfen habe,
egetinits war schon vor dem Concil von 380 zum Bischöfe (von
ymphoaius) geweiht, und hatte den Priscillian verworfen.
Herenas war seinen Clerikern gefolgt, die laut schrieen, Priscil-
in sei ein Heiliger und als Märtyrer gestorben. Er, mit allen Gleich-
lennnten, sowohl seinen Clerikern, als verschiedene^Bischöfen, d. i. mit
huntoBy Acorius, Emilius, soll seiner Würden entsezt werden. Zudem
rar Herenas von drei Bischöfen , vielen Priestern und Diakonen über-
riesen worden, dass er eine Lüge eidlich bekräftigt habe.
Vegetinus wurde ohne Weiteres in seiner Würde bestätigt. Pater-
os solle vorerst Bischof von Bracara bleiben, und solle die Gemeinschaft
üt den übrigen Bischöfen erhalten , sobald der apostolbche Stuhl ant-
worte.
Die üebrigen, welche aus der Provinz Galizien zu der Synode ge-
)inmen, und stets in der Gemeinschaft des Symphosius verharrt, sollen
ne von dem Concil ihnen zugesendete Formel unterschreiben, und so
m Frieden erwarten, bis der dermalige Papst (hier ist nicht Siricius,
398, sondern Anastasius — 398 — 402 gemeint), Symplician von Mai-
nd und die übrigen Bischöfe antworten. Unterschreiben sie nicht, so
Uen sie weder im Besize ihrer Kirchen bleiben, noch mit den zu der
irche Zurückgekehrten Gemeinschaft haben.
Vorerst soll nur Vegetinus mit Paternus Gemeinschaft haben. Der
omme Greis Symphosius solle sich innerhalb seiner Kirche halten , und
»rsichtiger seyn. Er, Dictinius und Anterius solle von dorther die
Dmmnnio erwarten , wo er früher die Hoffnung des künftigen Friedens
langt, d. i. von Italien.
„Wir verordnen auch , bevor ihnen durch den Papst oder (vel — et)
irch den heiUgen Symplician di# Communio der Kirche ertheilt wird,
Uen sie weder Bischöfe, noch Priester und Diakonen weihen;*' also
ar Symphosius doch Metropolit.
Alle Bischöfe sollen darüber wachen,^ dass kein Ausgeschlossener
den Häusern der Weiber Versammlimgen halte , und dort apokryphe
acher gelesen werden. — Dem ^ischof Ortigius seien die Kirchen zu-
ickzustellen , aus denen er vertrieben worden. Dieser war nach Idatius
ör Caelene ordinirt, der aber auf Betreiben der Priscillianisten ver-
neben, in der Verbannung lebte. Es gab in Galizien Aquae Flaviae,
^eute Chaves am Tamega, Aquae Originum^ heute wahrscheinlich Orense,
394 Siebentes Buch. Siebentes Kapitel.
Aquae Laevae, ein unbekannter Ort, Aquae Quintinae, wohl Qaint
den Quellen des Navia, endlich Aquae Celenae, jezt Caldas del ]
Da nun Esuperantius in den Akten selbst Bischof von Colone gen
wird, so dürfte bei Idatius ein Irrthum vorliegen, und Ortiglus ^
scheinlich Bischof von Aquae Originum gewesen seyn, weil diess sp
und bis heute Bisthum gewesen.
Der Brief des Ambrosius an die Bischöfe Spaniens hat sich r
erhalten. Er spricht sich indess auch sonst gegen die Itacianer aus.
der Synode zu Turin vom 22. September 401 wird noch des sogenani
itacianischen Schbma Erwähnung gethan, deren Canon 6 lautet:
gallischen Bischöfe, welche sich von Felix (von Trier) trennten, so
in die Gemeinschaft der Synode aufgenommen werden, nach den Sc!
ben des Ambrosiu%und des Papstes (Siricius). — Bischof Felix,
Sulpic. Severus sehr lobt, soll seiner Stelle entsagt, sich in ein Klo
zurückgezogen haben , und bald darauf gestorben seyn ^).
*) Am ausfährlichsten über die Synode von Toledo handelt Florez 6, p. 50—:
dann Aguirre^ 5, p, 20—58. — Tejada y RamirOy L 2, p. 174 ~ 201. — 1
duin, U /, 9iH), — Mann, 3, 997 sq — CoUti- Veneta, 2, p. 1469-90.
Achtes Kapitel.
lie Kirche in Spanien von der Synode von Toledo bis znm
Wegzn^ der Vandalen nach Afrika — Jahr 400—429.
Wenn auch die zu Toledo versammelten Bischöfe an Papst Anastasius
ein Schreiben richteten , so scheinen sie doch keine Antwort erhalten zu
haben, welche schwerlich verloren gegangen wäre. — Die Verwirrung
in Spanien wuchs. Bätische und wohl auch carthaginensische Bischöfe,
beherrscht von jenem separatistischen Geiste, welchen Gregor von Elvira
mehr als 30 Jahre lang genährt und gepflegt hatte , bildeten nun ein
neues Schisma, indem sie sich von der Gemeinschaft aller Bischöfe
trennten , welche den Galiziern Wiederaufnahme in die Kirche gewährten.
Dazu kamen noch andere Ausschreitungen von Seite unwürdiger Bischöfe.
Darum begab sich Hilarius, der Metropolit der Provinz Carthaginensis,
dessen Aufgabe es zunächst war, und der wahrscheinlich auch von den
Bischöfen der Synode von Toledo Vollmacht und Auftrag erhalten hatte,
zu persönlicher Berichterstattung nach Rom. Hier war Innozenz I. seit iho.
dem Jahre 402 Papst. — Er erliess, ohne nähere Angabe des Jahres, *'^*^'
eine Encyclica an die zu Toledo versammelt gewesenen Bischöfe, welche ^jJJ;
sehr schäzenswerthe Beiträge zur spanischen Kirchengeschichte jener
Zeit giebt. JslS6 sezt den Erlass des Briefes in das J. 404 ^). Nachdem
^ durch den Bischof Hilarius und den Priester Elpidius Kunde von dem
Schisma in Spanien erhalten, so entscheidet er „in einer Sizung des
I^resbyterfcims^ : 1) die Bätischen und Carthaginensischen Bischöfe (d. i.
billige derselben) haben sich mit Unrecht von der Gemeinschaft der
Uebrigen getrennt, weil Symphosius und Dictinius, nachdem sie der
B^brosie Priscillians entsagt, wieder au%enonmien worden; 2) die von
') Jaffi rt^uta Pöntif. — p, 23.
*) N&heret Qber diesen Brief in Kap. 11, 12, 13.
^ Idaüus chrm. 409'-429, — Zosimus, 5, 4^5. — Oromu, 7, 40. — F. W. Lui^
Geschichte von Spanien, 1. Bd., 1831, S. 14 — 25. — FeL Dahn, Die Kdfli^
der Germanen. 1. Abth. Die Vandaien, 1861, 8. 141 — 152. — WieitM^
Völkerwanderan^, Bd. 4, 1864» 8. 247-282.
i
396 Siebentes Buch. Achtes KapiteL
Rnffinus und MiniciaB in fremden Kirchen ordinirten BiechSfe seien ab-
znsezen; 3) Bischof Johannes müsse entfernt werden , wenn er nicht
aufhöre, den Sjmphosius mid Dictinius mit Unbilden zn überiilnfen;
4) bei einigen fehlerhaften Weihen müsse man um des Friedens w^;en
Nachsicht haben; 5) die Klage des Gregor von Emerita sei ansohören;
6) über die nothwendigen Eigenschaften der zu Weihenden^). — Die
merkwürdige Thatsache, warum diese Decretale in der alten apanischen
Sammlung des Kirchenrechts fehle, werden wir im nüchsten Bache sa
erklären und daraus Schlüsse auf den Ort der Entstehung dieser Samm-
lung zu ziehen suchen. Ob und welche Wirkungen dieses Schreiben
gehabt, wissen wir nicht
Es fehlt uns vom J. 404 bis 447 an allen eigentlich kirchlidien
Nachrichten über Spanien. Was wir wissen , bezieht sich auf den Ein-
fall der germanischen Völker, oder auf einzelne Persönlichkeiten.
iiaMi Im Monate September oder Oktober des Jahres 409 (nach den
y«Id« Einen am 29. September, nach den Andern am 13. Oktober), an einem
smra Dienstage, betraten die Vandaien, Sueren und Alanen zuerst den Boden ^
Alura 'Sp^e^y u^d „bezeichneten ihre Ankunft mit den unerhörtesten Ve^ ^
heerungen. Nicht zufrieden , die Städte zu plündern und den Flammen ;^
zu übergeben, verwüsteten sie auch im wilden Uebermuthe die Früchte -
des Feldes; Pest und Hungersnoth erschien in ihrem Gefolge; wilde ^
Thiere verliessen ihre Höhlen, durch den Geruch der unbegrabenen ^
Leichen angelockt; das Elend der Einwohner erreichte den hödisten ^^
Grad« «).
Nach zwei Jahren der Verheerung theilten sie sich in die Halbinsel
Die asdingischen Vandaien unter Gunderich und die Sueven unter Her-
merich erhielten Gallzien, die silingischen Vandaien Bätika, die Alanen
unter Atax Lusitanien und Carthi^ginensis, während den Römern die
Provinz Tarraconensis blieb. — Nach der Niederlage der Silinger und
Alanen durch die Gothen — 419 — unterwarfen sich dieselben dem
Vandaien Gunderich in Galizien , der nun , bei dem Abzüge der Gothen
nach Gallien, nach Andalusien zog — 420, dem sein Volk den Namen
gab. Im J. 422 schlug er die Römer und Gothen. In den folgenden
Jahren plünderten die Vandaien die Baloarischen Inseln und zerstörten
Garthagena, und theil weise Sevilla ~ 425. — Gunderich „eroberte His-
palis und da er in gottloser Ueberhebung seine Hände gegen die Kirche
dieser Stadt ausgestreckt, so gieng er bald darauf durch Gottes Grericbt
ie Rirelie in Spanien v. d. Synode v. Toledo b. z. Wegzage d. Vandulen. 397
on einem Dämon getroffen zu Grunde^ *). — Ihm folgte Oenserich in
er Begiening, der nach dem Berichte Einiger aus einem Katholiken
n Apostat und Arianer wiirde. Im Mai 429 brach dieser mit seinem
olke nach Afrika auf. — Die Eirc|ie von Spanien aber war in dieser
eit gleichsam begraben unter den Trümmern der einstürzenden alten
taatsordnung.
In diese Zeit fällt der Abschluss der westgothischen Liturgie, indem Ab-
sr im J. 397 oder 40ü gestorbene heilige Martin von Tours der lezte *'de°**
[eüige ist, welcher ein eigenes Festofficium in dieser Liturgie hat. Ob- "Jjj;,
leich i. B. das Gedächtniss des heiligen Augustin in derselben als •<h*"
Fethan sex eapparum^^ gefeiert wird, so hat derselbe dennoch in der gi«.
[essfeier nicht einmal eine eigene Oration, sondern „ornnia dieanUtr
mui Confessaris ponäfleia^^. — In dieser Zeit blühte wohl auch der Bi-
chof Petrus von Uerda, „welcher für verschiedene Festlichkeiten ent- Petn»
prechende Orationen herausgab, sowie Messen von eben so schönem lurd«.
ühalt, als klarer Sprache''^). Canal, der Fortsezer der „Espanna sa-
rada'^ , begnügt sich zu sagen , dass man die Zeit dieses Petrus spätestens
a den Anfang des sechsten Jahrhunderts sezen dürfe ^). Da er indess
>ei Isidor einerseits zwischen den Afrikanern Cerealis — um 487 — und
lern spätem Ferrandus , anderseits zwischen Marcellin dem Luciferianer^
datius Clarus, Papst Siricius, Paulinus von Nola und Chrjsostomus
teht, so glaube ich annehmen zu dürfen, dass er im fünften, oder noch
im Ende des vierten Jahrhunderts geblüht, und nicht unwahrscheinlich
st, dass er beim Absdüusse der spanischen Liturgie betheiligt war.
>) Jdat, 428. — Mannert, Geschichte der Vandalen, 1785, 8. 48. — Marcus, hUtoire
des VandaUs, 1836, 8. 128. - F. Bahn, Die Vandalen, 1861, meint 8. 149, er
•ei 427 im Krieg gegen die Saeven amgekommen — nach Procop. Vand, 1, 3.
Nach Andern hätte ihn sein Bruder Genserich ermordet — Procop. L c. — Dahn,
S. 150, ist gegen, Wietersheim Volkerwanderang, 4 Bd., 1864, 8. 280 — für
diese Annahme.
^ Itidor. de vir. iUmtr. cap. 13 — et mieeae eUgcanH tetteu et ap^rtn sermone,
*) L 46 -- Igksia de Lirida — 1836, p. 92^93 »Pedro'.
Neuntes Kapitel.
OrosiDS von Braeara. Die beiden Avltus von Braeara. Severn
von Minoren. BacUarins. Augustinus gegen die Pris-
elllianisten. Der Spanier Consentius.
§.1.
OrMin» Orositts trügt seinen Vornamen Paulus aus demselben Grande erst
seit dem seehszehnten Jahrhundert, aus welchem Dexter die Vornamen
Flayius Lucius trfigt Sämmtlicbe Spanier, denen wir bis jezt begegneti
tragen nur einen Namen (etwa mit Ausnahme des Idatius Clarus), und
Orosius hat weder einen Vor- noch Beinamen ').
') Literatur über Or.: /; Moiler, D. G , disserfatio de Paulo Orano. Altarß t689. 4*.
— 2) Dabnasses y Roz, P. J.y dissertacum hittorica por la patria de Pamh Orwo
qu€ fue Tarragona en Catalunna, y %\o Bruga en Portugal ^ en que tatUfacen lot
razones , que en contro escrivio el Marques de Mondejar - ßarceloma 1702 foL —
3) Heumann y Ch. A.f programma, quo Paulo Orosio nomen iertium Hormiäda* retft-
tuitur, Gottingae 1732. 4*. — 4) Fabriciusy bibl. mediae et ir^mae latimiat. ed. Mann,
t. K, p. 174- i77. — 5) Rem. CeilUery ed. 2, t. W (1862), p. 1-6. - 6) f ^^f^«,
üjp. sagr., t. 15, p. 314-351 „Paulo Orosio'^ (cf. Nachtr&ge «. 16, p. 90-^91;
t.30y p. 397—98.) - 7) f Antonio - Perez Bayer, eaec. V, 1. p. 235 sq. — 8)t^
Castro, p. 237-247. -- 9) Beck, G. Fr. H., diss. de Orosii kistorid fontämt ti
auctoritate, Gotliae 1834, — 10) Grubiu Em., emendationes Orosianae — Lipi-
1836. 4^. — 11) Th, V. Moemer, de Orosü vita ejusque kistoriarum Hbris VII a^-
paganos, BeroL 1844 — ist vorläufig das Beste, was über Orosius geschrieben
wurde; nur handelt der Verfasser ganz beiläufig vom Leben und den Schrifleo
des Orosius, ganz erschöpfend dagegen von den Quellen seiner Geschichte.
(Die mit t bezeichneten Schriften sind hier und im Folgenden in dem treiT-
lichen Werke vuu Pötihast: „Bibliotheca historica medii asoi*" — BeroL 1862 - oi(bt
aufgeführt)
f. 1. OroBiuB von Bracara. Die beiden AvitiiB von Bracara etc 399
Oroshis wird ausseiiialb Spaniens bis heute ein Priester von Tarra- aiehc
»na genannt, zu welcher Annahme nur das Missverständniss der Stelle Ta?ni
>ro$, 7, 22) Änlass gab'): ;,Auch wir zeigen in Spanien unser Tar- **"•»
CO zum Tröste über das neueste Missgeschick. ^ Jeder Spanier, der
swärts lebt, wird jede beliebige Stadt in Spanien ^unsre Stadt^' nennen;
wird sagen: ^^unser Toledo, unser Barcelona^ etc.
Dagegen sind die Gründe für Galizien und zwar für Bracara alsioadern
^imath des Orosius nicht bloss stark, sondern schliessen jeden Zweifel Sn.
s. — Erstens Augustin sagt (ep. 166 ad Hieran.): Orosius kam zu ^'^
Ä bis von dem Ufer des Weltmeers her — (und tp. 169): Er kam
uns von dem äussersten Spanien, das ist von dem Ufer des Ocean
d not u$qu$ ab Oceani littore properavit — und: qtä ad nos ab tdtima
iipania id est ab Oceani littore — adverUt), Das äusserste Spanien am
fer des Weltmeers ist für Afrika und den ganzen Orient Galizien, und
racara ist die Stadt , welche „sich mit ihrem Meerbusen brüstet^ ^). —
«seitens — der Priester Avitus von Bracara, um das J. 415 in Jeru-
lem weilend, schickt durch Orosius einen Brief und Reliquien des
."ihgen Stephanus an den Bischof Balconius von Braga, worin er u. a.
gt: „Mein geliebtester Sohn und Mitpriester Orosius wurde von afrika-
schen Bischöfen bis hieher (nach Jerusalem) gesendet, dessen Liebe
id Trost mir die Gegenwart von euch allen wieder geschenkt hat
ima mihi chariUu et eonsolatio veitram omniwn praesenUam reddidit),
. L in diesem einen Landsmanne habe ich euch alle wieder gesehen
tid gefunden. — Drittens, sagt Orosius: Zwei meiner Mitbürger, Avitus
ad ein anderer Avitus , haben die Heimath verlassen, und sind, der
ne nach Rom, der andere nach Jerusalem gegangen [twic duo civei
iä, Avitus et alius Avitus^ peregrina petierunt*)], — Viertens hat
hrosius seine Heimath desswegen verlassen, und den Augustin zum
Kampfe gegen die Irrlehre ermuntert, weil diese gerade in seiner Hei-
lath herrschte. — Fünftens, der Entschluss des Orosius, die Reliquien
es heihgen Stephanus nach Bracara zu bringen, lässt auf diese Stadt
b seine Heimath schliessen. — Sechstens, mit Uebergehung mehrerer
chwäche^fcr Gründe , die sich bei Florez finden , ist ein weiterer Grund
Qtscheidend^ der seit hundert Jahren in Spanien, aber noch nicht ausser-
alb Spaniens bekannt ist Unter den im vorigen Jahrhundert aufge-
ondenen' Briefen des Bischofs Braulio von Saragossa steht ein langer
tief an den heiligen Fructuosus von Bracara, an dessen Schluss es
leisst: Erinnert euch, dass aus der Gegend, welche ihr bewohnet, die
^eistreicfasten und gelehrtesten Männer entsprossen sind, u. a., um nur
') Sie steht in E. - G. 1 , p. 277 vollständig.
*)K.-G. 1, 391.
) Orof. commoniionum d« errore IMscill. et Orig, c 3,
400 Siebentes Bach. Neuntes Kupitel.
einige m nennen , der Prieater Oroaius, der Bischof TuribioSy Idati
und Garterios [ex ea orto$ fmne deganUmmoi <l doeHaimoi tfkroi (ut a
quo$ didamjf Onmum presbyierum ete,^)].
Es 18t SU hoffen y dass bei ruhiger Erwigong vorstehender Orün
von Tarraco als Heimath des Orosias werde Absehen genommen werd<
orotius Orosius verliess als Jüngling , aber dooh schon als Priester , sei
A^o- Heimath, getrieben von einem unbestimmten I>range, nicht wissei
•tiao«. <^ohjQ^ ^2tt dir,'^ spricht er zu Augnstin, ^bin ich von Grott gesan«
Ich erkenne an, warum ich hieher gekonmien bin: ohne Willen, oh
Nothwendigkeit, ohne Genehmigung (nne eantenm), habe ich tm
Vaterland verlassen, von einer verborgenen Gewalt getrieben ^).^ '.
floh vor den Barbaren , wohl den Vandalen , als unheimlichen Mensche
sie verfolgten ihn bis zum Meere , warfen mit Steinen und Speeren na
ihm, hatten ihn schon beinahe mit den Händen ergriffen, aber umfioas
von einer plöslichen Wolke entfloh er ihnen ^). Auf dem Seewege h
er nach Hippo, „er wurde an das Ufer jenes Welttheils getragen, ui
sah ein, dass er su Augustinus berufen war^. — Hier verfiuste er, m
überreichte ihm „die ConntUaUo oder das Cammonitorkim de errore Pi
ueiüianUtarum ei Origemetarum'^. Da die Bischöfe Eutropius und Paul
eine ähnliche Denkschrift dem Augustin überreicht , aber nicht alle Hii
sieen nannten , fügte Orosius die seinige bei , damit Augustin auf all
antworten könnte. Er verlangt au seiner geliebten Herrin (d. i. in sdi
Heimath) zurückaukehren. „Dort sind wir mehr zerrissen von sdilinrnM
LdiriBtn, als von den grausamsten Feinden.^ Dann führt er die Ii
thümer Priscülians über den Ursprung der Seelen an, mit Anführui
von Stellen aus dessen Schriften , der sich selbst auf eine Schrift „M
mona apostolorum'^ berufen. Von Augustinus erwartet er Heilung dies«
Wunden, auch des etwaigen Schadens, welchen der Irrthum der Oi
genisten in seiner Heimath gestiftet, er selbst sei der von Gott gesende
Ueberbringer seiner Aufträge nach Spanien.
§2. ^
Ay- Darauf erschien — im Anfange des J. 415 — die Schrift Augustim
gcgea „Ad OroHum contra PrUciUianietas et Origenietas Über V^ (11 Kap.). -
Prilcti. Vorher hatte Augustin von dieser Sekte nichts gehört, doch sie indirel
^^ (u. a. ab Manichäer) widerlegt. Ob man sage, die Seele sei aus nicht
oder durch Gottes Wille erschaffen, so sei sie in keinem Fall ein The
Gottes. Wie man gegen die Origenisten disputiren solle, könne er ai
>) ^ktofiOM BrauUomt - op. Fbrez-Biaeo, 30, 395.
*) eomBumitar, eap. 1,
*) BkUtriar. 3, 20.
%. 2. Consentius und An^uBtin. 401
Bten in deren Heimath lernen; jedenfalls werden die gefisillenen Engd
!ht ZQ Gt>tt znrttckkehren ^).
Das Bnch Augustins „Contra mendaeium ad ContenUum {. /^ — ist Cm.
1 420 yeriasst [21 (41) Kap.]. Veranlassung war die schlimme Sitte der *?od"*
iscillianisten y die Ltige fUr erlaubt zu halten, indem sie behaupteten, ^2£|'
seien gute Katholiken. Consentius war wohl Laie, und hatte dem
tgustin ^Vieles zu lesen geschickt''. Ein Jahr war Augustin verhindert
antworten, und jezt war er gezwungen zu schreiben, damit er nicht,
a bereits die zur Schiffiahrt günstige Zeit da war, den nach Rückkehr
h sehnenden Boten länger aufhielte''. Dieser war Leonas , der Diener
»ttes. Augustinus ertheilt den Talenten und dem Eifer des Gonsen-
8 grosses Lob , will denselben aber massigen ; denn uns sei zu lügen
^t erlaubt, um die Lügen der Häretiker zu entdecken. Die PriscO-
oisten allein erheben gleichsam die Lüge zum Dogma, und seien hierin
ilimmer, als andere Häretiker (cap. 2)^). Consentius hatte dem Au-
stin das Buch des Dictinius „Libra^^ übersendet, von dem man glaube,
» er katholisch gewesen sei, und von seinem Irrthume sich bekehrt
!>e. Dagegen nennt Augustin den Priscillian „einen gottlosen und
rabscheuungswürdigen Menschen, der wegen seiner schändlichen Ver-
gehen und Missethaten verurtheilt wurde ^). — Consentius möge seine
lente anwenden, um gegen die Sekte zu schreiben (cap. il H 25 J;
ie er ihre Irrthümer aufgedeckt, so solle er sie auch widerlegen (wozu
n Augustin Anweisung über und aus der heiligen Schrift giebt), be-
iders die „Lihra^ des Dictinius [ca-p, 36 und 4i epUogm^)]. Niemals
»r sei es erlaubt, zu lügen, damit Gutes daraus entstehe.
Damach scheint es , dass Consentius in Spanien lebte , — wenigstens
tcr, oder in der Nähe der Priscillianisten. — Wir besizen einen Brief
n einem, wohl von diesem Consentius, der ausserordentlich elegant
schrieben ist Consentius hatte schon ein Werk über die Trinität
schrieben, woraus er sehr schöne Stellen anführt. Er hatte den Ati-
stinus besuchen wollen , dieser war aber auf das Land in die Einsam-
it gegangen. Consentius wünschte von ihm nicht bloss eine mündliche,
udem eine schriftliche Antwort. „Denn auf den Inseln , auf welchen
ir wohnen**, waren viele in frrthümer gerathen (in Betreff der Trinität:
uUt in iüis, in qtdbtu habitamus irmUis) und nur ein Augustin könne
e zurückführen ^). Schon in der Vorrede zu seinem Werke habe er
*) Aug, aper, t 8.
^ rf. tnekirid. ad LaurenHumf c. 18.
*) c 5. über, euius nomen est Libra^ et quod pertraetatia 12 quaestionilnu veiut muH»
txpUeatwr.
) eftut 119 — Aug. — Consentius Augustino proponit quaestiones de TVinitate. Tu
entw non editorum a me jam librnrum lector, sed probandorum (reprobandorumf)
fuendaior, nißUlor, eiectus es.
<^>«i, ipML Kirche. II. 26
402 Siebentes Buch. Neuntes Kapitel.
ja gesagt: ^^Wir verlangen den schwankenden Nachen unsers Glaubens :
zu befestigen durch den Ausspruch des heiligen Augustinus.'' — Augu- ?~
stinus antwortet dem ;,geliebtesten und im Herzen Christi hochschäzbaren ;i^
Bruder Consentius ^).^ — Augustin hatte ihn gebeten, zu ihm zu kom- £
men , weil er an seinen Schriften grosses Wohlgefallen fand (in lUms iuu ai
valde 9um tuo deUctatus ingenio), £r habe ferner gewollt, dass er einige k
Schriften Augustins bei diesem selbst lese, damit er ihn sogleich über -t
Zweifel aufklären könne, und er durch diesen Verkehr selbst sehe, wa« s:
an seinen Büchern zu verbessern sei. Er habe ja die Gabe einer ge- ^1
wandten Rede, und Aufrichtigkeit genug. — Nur möge er bei den £.
Stellen seiner (des Augustin) Bücher, die ihm wichtig scheinein, Zeichen t^
machen, und dann nach Lesung der Bücher wieder zu ihm kommen, gz
und ihn fragen. Das sei um so nothwendiger , da Consentius ganz fidsdi ^
geschriebene Codices des Augustin in Händen habe. In Betreff der
Trinität habe er sich lediglich an die Lehre der Kirche zu halten. Dann
spricht er vom Verhältniss des Glaubens zum Wissen. — lieber die
Trinität möge er lesen , was Augustin schon geschrieben , und was ir ||
noch unter den Händen habe (3, 13). Darnach möge Consentius seine ^
falschen Ausdrücke berichtigen (uberius ttia seoua dicta rcdarguasj. Dieee ^^
Briefe wurden um 409 — 410 geschrieben'). ^
Consentius kam troz der Einladung nicht wieder nach Hippo. Di-
gegen schrieb er etwa 10 Jahre später, und fragte bei Augustinus an -
über die jezige Beschaffenheit des Leibes Cliristi, und über die Beschafo- ^
heit unsrer Leiber nach der Auferstehung. Darauf antwortet AugastiBf
um das J. 419 — 420^). Er bedauert, den Consentius noch nicht gesehen ^^^
zu haben. „Diess aber wird uns Gott vielleicht gewähren, wie wir e«
hoffen , in ruhigem und sichereren Zeiten , so dass dieses ein Besuch dar
Freundschaft, nicht eine Flucht aus der Heimath ist." Er will auf die =-^
Fragen antworten, die er, neben seinem Briefe, an ihn gerichtet
(gtuu praeter epütolam in alia chartula a me quaerenda müisti). In B^ -
treff einer seiner Fragen verweist er ihn auf seine Schrift: „de fidt ä —
operibua^^ , welche er abschreiben lassen möge. Er schliesst: „Als ich
diess dictirte , drang der Ueberbringer (deiner Schriften) , auf günstigen
Wind wartend, heftig in mich, dass ich ihn das Schiff besteigen l&sst
Und mit einer andern (d. i. Augustins) Hand: „du mögest Gott leben,
gelieb tester Sohn."
Es dürfte an der Zeit seyn, den Consentius als spanischen SchriA-
steller zu reklamiren, was meines Wissens bis jezt von den Spaniern
«) ep. 120.
'j Das Referat über diese Briefe in dem so genauen H. CeilUer ist unrichtig /• ^'
p. 111^ ItS.
') ep. 205 — dUectiasimo fratri Cotisentio,
{. 2. Augnstin and Cereti«$* ' llQS
bt gatcheben ist j^Der Brief i^ auf den erst in Jahresfirist Augustinus
wartete 9 enthielt u. a. /wohl die Anfrage, ob gegen die Priscillianisten
liOge erlaubt sei. — Consentius war sicher ein Spanier, dcir auf
ein, das ist wohl auf den balearischen Inseln , wohnte, welche ein
■bindungsglied zwischen Afrika und Spanien bildeten.
Zu einer näher nicht bekannten Zeit^ wohl aber nach der Ankunft
Qroflins in Hippo, erhielt Augustinus Briefe von einem Bischöfe AogiN
«tiusy dem er antwortete: «An den seligsten und wahrhaft ehrwür- aaS
sn Brud^ und Mitbischof Ceretius''» — Nachdem er sein Schreiben ^,„7.'
, seheine ihm, dass (der sonst nicht genannte) Argirius entweder
risaend in die Hlinde der Priscillianisten gefallen, oder schon mit
Bsen in den Nesen derselben sei. Die ihm übersandten Codices seien
ler Schriften dieser Sekte. 0er beigelegte Hyqmus auf Christus
rde in den Apokryphen gefunden, deren sich auch andere Bttretiker
lienen. INe Priscillianisten nehmen sowohl die kanonischen als apo-
phen Schriften an; was aber gegen sie zeuge, deuten sie, zuweilen
Uiu, zuweilen unklug — hinweg. Ihre Lügen seyen System, ihr
bot sei, &lsoh zu s^wdren. Ihre frühem Anhänger führen ihre
>rte an:
Jura, pmrjuraf t^cr^ttm prodere noH (schwöre, schwöre falsch, nur verrathe das
Geheimniss nicht).
Dann führt er eine Stelle derselben über obigen Hymnus an, und
ige Worte aus dem Hymnus, z. B.: Solvere voloy et 9olm volo. 8al^
'€ voloj et iälvari volo. Oenerari volo. Cantare volo ete. — Ceretius
ge seine Schafe vor den Wölfen in Schuz nehmen.
£s kommt ein , und nur ein Bischof Ceretius aus der Elirchenprovinz
i Arles vor, der im J. 441 die Canones der Synode von Orange
«rschrieb; er war demnach ein südgallischer Bischof, und da Augu-
i den Brief an ihn vielleicht in den lezten Jahren seines Lebens
rieb, so konnte Ceretius im J. 441 ganz wohl poch am Leben seyn.
Es scheint aber, dass seine Unterschrift erst nachträglich den Akten
I Orange beigefügt wurde.
§. 3.
Mehrere andere Stellen, in denen Augustinus nur vorübergehend
1 den Priscillianisten handelt, überfi;ehen wfr. — Als Orosius nach
Bistina zu geben entschlossen war, gab er ihm zwei Abhandlungen
Hieronymus mit, welche unter seinen Briefen stehen, die eine: „das Augu.
ich über den Ursprung der menschlichen Seele^, worin er in dieser \»
iige um Belehrung bittet Darin sagt er über Orosius: „Siehe^ es kam ajmai
i mir der fromme Jüngling, der Bruder durch den katholischen Glau-Oroniu
Kü, der Jugend nach ein Sohn, der Ehre nach unser Mitpriester Oro-ii«tiD«,
LTis, lebhaft am Geiste, gewandt in der Bede, brennend von £ifer, VisT
26 •
404 Siebentes Bnch. Neuntes Kapitel.
rerlangend ein nttzliches Gefäss im Hause des Herrn eu ueyn, su Wide^ '"
l^^g der &l8chen und rerderblichen Lehren, welche die Seelen der '^
Spanier viel unglücklicher hingemordet haben, als das Schwert der '°
urbaren ihre Leiber.'' £r habe ihn ermahnt, zu Hieron jmas zu gehen, ''^
und ihn gebeten, bei seiner Heimkehr wieder nach Hippo zu kommen ^
(rogavi eum, tä (Ufi U veniens^ per no$ ad propria rtmearet). Der zweite ^^
Brief lautet: „Buch über die Stelle Jacobi2, lO""'). — Aehnlicli sprioiit ^^
er sich über Qrosius in der epi$t, 109 an Evodius aus, dass er an ilm ^
ein kleines Buch über die Priscillianisten und Origeuisten gerichtet, and '^
dass er ihn, j,den heiligsten und studieneifirigsten Jüngling Priesta' ^'
Qrosius, welcher zu uns von dem äussersten Spanien, d. L dem Uftr ^
des Ooean, bloss entzündet von Liebe zu der heiligen Wissenschsfty 'f^
gekonmien, zu Hieronymus zu gehen vermocht habe.'^
Hieronymus nahm den Orosins auf, wie er es, und wie die Empftin r*
long Augustins es' verdiente ^). Orosius traf ihn eben im Kampfe g^gen ^
die Pelagianer. Dort war er, ein Armer und Unbekannter, and a» ^
zu den Füssen des Heiligen. Da wurde er von Bischöfen eingeladei, '^
einer Versammlung in Betreff der Pelagianer zu Jerusalem anzuwohnci, ^
welche am 28. Juli 415 stattfand. Die Bischöfe verlangten, er soBe ^
alles berichten, was über diese Häresie in Afrika verhandelt worden. '
(Das Weitere übergehen wir.) — Die Entscheidung sollte an Papst hr ^
nozenz gebracht werden. Nach 47 Tagen, am 13. September 415, da |=
Feste der Eirchweihe , als Orosius den Bischof Johannes zum Altar Im- p
gleiten wollte, begann dieser einen Wortwechsel, bei welchem ihiB !*
Orosius nichts schuldig blieb. ~
Aus Anlass dieser Vorgänge schrieb Orosius seinen: „Über apolagt' ^
tieiu contra Pelagium, de arbürii Ubertoie^ , worin er diese Vorgänge
ausführlich erzählt, und die Häresie des Pelagius darlegt und widerlegt
Er richtet diese — aus 48 Kapiteln bestehende Schrift an die .AeaJtMm
9aeerdote$^, worunter ich die Bischöfe in Palästina, mit Ausnahme des
Johannes, verstehe. Im Verlaufe wendet er sich in sehr energischer
Sprache persönlich an und gegen Pelagius.
§.4.
AvttM. Orosius verliess Palästina gegen/Frühjahr 416. Der Priester Avitos
war aus Bracara schon zum zweiten Male nach Jerusalem gegangen,
vielleicht aus Anlass des Einfalls der Vandalen im J. 409. — EBer ret-
kehrte er mit Hieronymus und dem Priester Lucian, welchem Gott
1) epist. 166 (28 cap,) et 167 — de tententia Jacobi über — 2, 10 -- ^qm ofmdtfit
in unOf faetuM e$t omnium reut" (21 cap.).
*) ip. 172 Ävi^mL
$. 4 Avitas. 405
t d€r Rdiquien des heiligen Stephaniis offenbarte. — Deoember 415. —
itus bftt den Ludan, das Ereigniss niedensnscbreiben , was dieser in
em an alle Söhne der Kirche gerichteten Briefe that, welchen Avitas
das Lftteinische übersezte. Es gelang dem Avitus , einen Theil dieser
liqiiien sn erbalten , welche er seinem heipikehrenden Landsmanne
mnB sogleich mit einem Briefe an den Bischof BaSconins von Bracara,
i muthmasslichen Nadifolger des Patemus, übergab. Der Brief trägt
i Titel: »Dem seligsten und geliebtesten Bischof (Papa) Baloonius,
Q Jansen Clerus und Volke der Kirche von Bracara -^ der Priester
itos.' Er T^rgiesse wegen der Zerrissenheit seines Vaterlandes an den
lig^ Orten unaufhörliche Thrl&nen. An der Rückkehr sei er stets
liundert gewesen , weil ganz Spanien von den Feinden überschwemmt
. £r sende ihnen nun durch Orosius Reliquien des heiligen Jätephanus.
habe sie nur » heimlich^ von Lucianus erbalten. Zugleich sendet er
) erwähnte Uebersesung ^).
Scheinbar von zwei andern Avitus berichtet Orosius in seinem
^■annnonUarium''. Damals, sagte er, ,,giengen meine beiden Mitbürger,
ritas und ein anderer Avitus, in die Fremde. Der eine reiste nach
cosalem, der andere nach Rom. Sie kehrten zurück , der eine bradite
n Origenes, der andere den Victorinus. Aber der Anhänger des Victo-
1118 widi vor dem des Origenes' ^). D. h. die Schriften des Leztem
Dden mehr Anklang in Braga, als die des Ehrstem, und nach der Dar-
illung des Orosius scheint es, als hätte Avitus Vorträge über das
fstem des Origenes in Braga gehalten, und Manche auch für die Irr-
ümer desselben gewonnen. Doch haben „beide Avitus' den Prisdllian
srworfen, aber Einiges nicht richtig von Origenes mitgetheilt.
Hiemach ninmit Florez drei Avitus an ^). Ich dagegen glaube« dass
Bijenige, welcher schon früher im Oriente war, bei dem Ein&Ue der
andalen wieder dahin zurückkehrte, und da er schon ein bejahrter
[ann und im J. 416 noch in Jerusalem war, vielleicht dort starb. —
on Hieronymus haben wir einen Brief vom J. 406 — 10 an einen Avitus
1 Sachen des Origenes; aber dieser konnte damals , sei es zum ersten-
lale, sei es zum zweitenmale, in Jerusalem weilen^).
§. 5.
Orosius übergab bei seiner Rückkehr dem Oeeanus, der in Rom
wohnte, eine Schrift des Hieronymus, über die Auferstehung des Fleisches,
') Florez f 15, 374 — 76 ^Ahiti BracarensU pretb, epistoia, — IdaL fcuti cotuuL — 415,
*) CoMNon. cap, 3.
*) flortz 15 f 306 — 313 f p. 3t f ^uno (Avito) todo bueno: otro» mnio»*',
0 Hitron, ep. 124 ad Avitum.
ca.
40d' Siebentes Baeü. Nenntet Kapitel.
orosfos welche Atig^üätin nachher driieigend von Oceanos b^ebSrte*). Oroehi
'''lo" brachte femer Briefe der Bischöfe Heros (Toh Arles) und LaslMB (voi
Afrika. ^1^ ^^ GklKen), welche beide als Ghegner des Pelagios bekannt sind, «
die eben eu Cartibago versammelten Bischöfe der Provinz Afiniai — ^ gege
Pehtgiiis^). — Von Afrika gieng Orosius Ende 417 oder An£uigB.4l
auf die Lisel Minon^, in der Absicht nadi Spanien ztnrttckaukehrei
SaverusEr landoto in der Hafenstadt Mago, heute Port Mahon, -wo Seven
M^B^r- eben Bisdbof geworden war^), und weilte nicht lange daselbst Den
da er nach Spanien nicht gelangen konnte, beschloss er nadi Afrik
«urUckaukehren. £r hatte die Reliquien des heiligen Stephanus in eine
Eirdhö vor der Stadt niedergelegt Alsbald entstand eine religiöse B(
iitr^egtfngy welche , durch verschiedene Phasen hindurchgeführt, die nicli
gakUB freiwillige Bekehrung von mehr als 500 Juden zum Ergebniss hatti
welche «war in Magona, aber nicht in der andern Inselstadt Jammon
(Janmo) wohnen durften. Ueber die Juden, und die — sMi Ibrmem -
CSiristen herrschte' ein Theodorus. Sevems, dessen Sia %Fai|no gewesei
att Sdjm scheint ^ kam nach Hahon, wo sich die Juden bei ihm eiofiui
den*), üilter den Getauften war ein Greis Ton 102 Jahren« Nur diei
Frauen widerstanden noch einige Zeit Diess geschah während 8 Tag«
vor dem' Ai&ng der Fasten im Februar 418; 540 Juden wurden getauft
-^ Eine neue BasiKca wurde gebaut , zu der auch die Neubekehrten die
Steine herbeitarugen.
In einem sAön und begeistert geschriebenen ümkuftschreiben la
die'ganae Christenhi&it hat SeveruSy der neben Consentius dem Laiea
a£n die Schule des Bischofs Pacian von Barcelona, wo er wahrsdieinlH^
die Bischo&weihe erhalten, erinnert, die Geschichte dieser Bekehmog
mitgetheilt — Aus demselben sieht man u. a.^ dass es auf der Insel
gottgeweihte Jungfrauen und Mönche gab, dass die Juden nicht in
Jammona wohnen durften, dass der G^ang von Hymnen, d. L too
heiligen Liedern , besonders von Psalmen , in und ausserhalb der Kirchea
allgemein im Gebrauche war^), dass an einem Sonntage die HesBe
(Missa) tun 1 Uhr Nachmittag gehalten wurde ^) etc. — Ob Orosius an
der Verfassung der Encyclica einen direkten Antheil hatte, steht io
Frage; einen indirekten hatte er sicher an der ganzen religiösen Be-
•) ijMfl 190 — Jrairi OeeoM.
*) qn$tola 175.
') mihi cmnium mortaUum ultimo nuper sacerdotaUs officii pondun impontum est - fp^*^-
Severi. cap. 2, cap. 3 heisst es: diebus pene iatis etc.
^ ad domuiHf in quam hospitio accesseram, conßuxerunt. cap. V.
^'Yl^^^* autem ad ecclesiam cum h^mnis ex tnore perreximuM; pscMentM mtmaekot intiuMv,
;c. 12,
^} hora drdiitr $«ptima Missam dominicwn aolemniter caepimus celehfaref top, 15,
werft
des
Oro-
j|. 6. Das Gescblcbtswerk des Orosiut. 4D7
regang, und an dem Schreiben, indem er, welcher die Reliquien des
eiligen Stephanns zuerst in das Abendland brachte, dem ScTeras sicher
88 ümlaafiwchreiben des Lucian an die ganze Christenheit nnd den Brief
es Avitos mitdieilte. Das Schreiben des Severus wurde u. a. in der
JTche zu Uzales in Afrika verlesen ') , war aber im Mittelalter verloren,
iaronins fand es in Rom , und theilte es zum J. 418 mit ^). Unter andern
ihm es Dameto als kostbarsten Bestandtheil seiner Oeschiehte der Ba-
iren auf) , und Anton Roigius verfasste einen vortrefflichen Commentar
1 demselben, der uns bedauern lässt, dass derselbe nicht mehr ge-
dirieben hat*).
§. 6.
Das Hauptwerk des Orosius sind: HiHoriarum libri Septem ^ welches d««
rin den Jahren 416 und 417, wahrscheinlich in Carthago, w^^ der ""''
lUreichen lenzten Schriften (vielleicht auch theilweise in Hippo) , ver-
aste. Jedenfalls befand er sich in Afirika, denn er sagt (h, 5, 2): **"^
!ch, der ich bei der ersten Verwirrung einer Aufregung (aus Spanien)
ih, war sicher über den Ort meiner Zuflucht, denn überall ist mein
iterland, überall mein Gresez und meine Religion : jezt hat mich Afrika
gerne aufgenommen, als Ich vertrauensvoll seinen Boden betrat —
*nn zu den Christen und Römern komme ich als Christ und Römer.'
Das Werk ist dem Augustin gewidmet, auf dessen Aufforderung
■oaiiis es unternahm. Es sollte dem Werke „die Stadt GFotteaf^ an
säen eilftem Buche Augustin eben arbeitete, als Seitenstück und als
ilorischer Beweis dienen, dass unter der Herrschaft des Heidenthums
) Menschheit mit nicht geringem Leiden heimgesucht wurde, als zur
at des Christenthums. — Im Aufkrage des Augustin drang femer Ju-
li von Carthago , „der Ejiecht Gottes' , welchen Orosius „den heiligen
ihn Augustins' nennt, in denselben, dass er seine Arbeit vollbringe;
eüeicht, dass er ihm auch die Bücher lieferte. Orosius beginnt bei
dam, giebt eine geographische Uebersicht der £rde (1,2), die nicht
bne Werth ist, geht zur Sündfluth über, und kommt im ersten Buche
^21) bis zu den Kriegen gegen die Medsenier, imd der Peloponnesier
*) De mtracuUs S. Stephani protom. lib. /, 2 — im Anhange zu Aagustins gCwiUu
Dti ~- Epiatnla ad not quogu€ delata epttcopi^ Severi ntnnine, Minoneentit vuuiaef
de pulpUo in cmree eecleaiae — recitcUa est, — ef. Roigius y p, 24 — 25.
») ÄMal. 418 - nr. 44—72. Pägi, critica ad 418, nr, 78.
*) K.-G. 2, 187 - 188. — Dameto 1, p, 150 169.
*) Antimii tUngii MagonensiSf de eacria apud minorem BaUarem antiMtitHmSf Severe
pottMsimmm, deque istitu epistola exercitatio, et in eamdem epistolam ammadvereionet,
ft&iw 1787, 4». — die dissertotio, p. 1 -99; der Brief, p. 101-136; die Be-
merkungen, p. 137—247.
408 8ieb6Dtei Buch. Neuntes Kapitel.
und Böotier gegen Athjan. Das zweite Buch handelt u. ^ Ton den An-
ftngen Borns, von den Perserkönigen; deren Kriegen mit Grziechenknd, :
von Sidlien, von Bürgerkriegen in Griechenland, und wirft einen Blick ?
auf das Betragen der Westgothen bei der Einnahme Borns im J. 410. — ;
In der Vorrede zmn dritten Buche klagt er über, die Kürze, welche er :
einziihalten gezwungen sei , woraus Unvollständigkeit und Undeutlichkeit •
folge. Das Buch handelt über polnische, griechische und römische Ge- -
schicktan; über Philipp und Alexander den Grossen von MaeedonicD. «
Er ertflhlt (e. 20), dass Alexander an Gift gestorben, und daas zu :
Babylon Gesandte aus Spanien, Gallien und überhaupt dem Abend- .
lande ihn erwartet haben. Als Augustus später zu Tarraco in Spi- =
nien weilte, warteten ihm auch Gesandte der Inder und der Scyten r
auf^). — Hier und später wieder (3, 2U. 7, 43) findet sich dv .
Wort: „Eomania^ für Imperium romanum** ^ das von jezt an in 6^ ^
brauch kam, und besonders häufig bei dem Verfasser der »Fasti de»
Idatius^ und in dem Chronicon des Johannes von BiclfHist^). Das
dritte Buch schliesst mit den Kriegen der sogenannten Diadoäen. Damit
iikrT beginnt auch das vierte Buch. Es erzählt die römischen . ELriege Von v
^^' Pyxrhus bis zu der Zerstörung Carthagos. — Das fünfte Buch gelangt
bis zu dem Sklavenkriege unter Spartacus.
Das sechste Buch handelt einleitend von dem einen Gotte, nack
dem ürtheile der Heiden wie der Christen; es geht bis zu dem Ende
des Augustus. Das siebente Buch behandelt im Verhältnisse allzukon .
die Apt von Christi Geburt bis 417 n, Chr. Es enthält theologische ,-
Excurse. TiberiiÜB habe beantragt, Christus als Gott zu erklären (7, 4).
— Die Thaten Trajans, den er schlechthin ^einen Spanier'' nennt, er-
zählt er mit patriotischem Genügen (7, 12). Von den folgenden Kaisern
kann er nur einzelne Thatsachen berichten. Der Anfang der Völker-
wanderung unter .Gallienus erscheint als Strafgericht wegen der Ver-
folgungen gegen die Christen (7 , 22). Er zählt zehn Verfolgungen tod
Nero bis Maximian; auf die ersten neim folgten ohne Verzug die gött-
lichen Strafen. Die zehnte Verfolgung hat das Heidenthum getödtet
(7, 26). — Dass sich Orosius des Spaniers Theodosius freut und rühmt,
(7, 34) ist billig und natürlich. — Wenn er aber die schwächlichen
Nachkommen des Theodosius (seine beiden Söhne und seinen Enkel
Theodosius 11.) rühmt , wie es auch Prudentius thut , so hat er eben
Besseres erwartet, als eingetroffen ist. Mit dem Tyrannen Maximas
geht er schonend um (7, 34), im Gegensaz zu Idatius. Vielleicht
hängt diess indirekt mit seiner Stellung zu den Prisdllianisten zu-
') Oraaiut, 6, 21, —. Auch Hieronymas lässt den AlexaDder an Gift sterben -
^piHoia ad Laetam mtb finem.
*) ef, PMtidiu» e, 30 vita Auyutt — Oros. 7 , 4*3 — essetque, ut mtifforiier loqvafy
Ootkia, quad Bmiumia /uisteL
$. 6. Das Geschichtowerk des Oronus. 400
amen*). — Es wird noch die Einnahme Roms durch dieOothen, der
liall der Völker in Spanien und einiges Andere berichtet. Mit Recht
rächtet er die Einfälle der Völker als gnädigen Rathschluss Gottes
ihrer Bekehrung (7, 41). Er berichtet über den .hohen Geist des
then Athaulf, der bei Barcelona ermordet wurde, 41 5 , über Segerich
1 Wallis , der mit den B.ömern Frieden schloss^). „Täglich hören
*, durch häufige und sichere Berichte, dass in Spanien die Völker
lege mit einander führen und sich gegenseitig aufreiben, während
dlia vor allem auf den Frieden dringe.^ Er schliesst mit den Wor-
(7, 43): „Ich habe nun, seligster Vater Augustinus, mit der Hilfe
risti nach deinem Befehl, vom Anfeinge der Welt bis zum gegen-
rtigen Tag (Ende 417j, das ist durch 5617 Jahre, die Leidenschaften
d Strafen der sündigen Menschen, die Kämpfe der Welt und die Ge-
hte Gottes, so J^urz und einfach berichtet, als ich konnte, indem ich
gte, dass die christlichen Zeiten, wegen der mehr gegenwärtigen
lade Chripii, von jener Verwirrung des Unglaubens befreit sind.
erfreue ich mich des sichern und einzigen Lohnes des Gehorsames,
a ich erwarten durfte. Ueber die Beschaffenheit dieser Bücher urtheile
, der sie zu schreiben mir auferlegt, dir werden sie zugeschrieben,
inn du sie herausgiebst: du hast sie gerichtet, wenn du sie vernichtest
bi a4^tidicanday si edas: per te judiccUa^ H deUas)*^
Das Werk des Orosius fand alsbald allgemeinen Anklang , wie man
i den rühmlichen Zeugnissen des Prosper ^) , Gennadius ^J , und be-
iders des Papstes Gelasius L sieht ^). — Das Werk, von König.;||l^red
das Angelsächsische übersezt, war im ganzen Mittelalter eine Haupt-
elle der alten Geschichte. Es hiess y^Ormesta^^ oder „Hormesta mtmdi^*,
s man gewöhnlich nicht unrichtig mit „Miseria mundi^' über^pzt. Ge-
uer noch heisst es: „Tr<igoedia mxmdi^\ wie auch wir die Weitgeschichte
le Tragödie, ein Trauerspiel nennen können. Beweisend scheint mir
te Stelle eines Briefes des Stephan von Tournai an den Erzbischof
ilhelm von Rheims zu sejm (Kardinal s. 1179, t 1202): „Ormtsta «rt,
n parabola, quam profono'^ — es ist eine wahre traurige Geschichte,
') Er sagt von Tbeodosius: clatuit, cepit, occidit (Maximmn)^ wohl nachahmend
Cäsars Worte: venif vidiy vici 7, 35.
^ cf. Roderici Ximenii de rebus Hutpaniaef l 2, 6' — in: „Patrum Tolet. opera, L 3,
p. 28-^29.
') Oronus f Hispanus presbyUrj vir eloquenSf et historiarum cognitor, ehret — Jahr 3%
(zQ frühe).
*) Germad, 39 — wörtlich so: Orosius pre^ter j Hispanus genere, vir ehquens et hisio-
riantm cognitor. — Hie est Orosius y qui reUquias h. Stephani — primus intuiit orisnti.
*) Geku. decreL Orosium virum eruditissimum collaudamuSf quia valdt nobis necessariam
adoersus paganorum caUannieu ordinavit historiam, mirague brevitate contexuiL
4iCi Siebentes Bnch. Nc^untes Kapitel.
keine Parabel, die icb vorbringe*). — Falsch ist die Vermuthung, dass
,,OrcheHra^ für „Ormeata^ zu lesen*), noch ferner liegt der Wahrheit
der Versuch, dem Orosius, zu seinem fingirten Vornamen Paulus den
dritten Namen „Hormisdat^ imd den vierten „Mundus^ anzudichten').
Potthast führt eilf Handschriften des Orosius an (in fioulogne,
Brüssel — 3, — Chartres, Dresden, Montpellier, St. Omer, Paris, Ut-
recht, Valenciennes) , wovon nur zwei aus dem zehnten Jahrhundert^);
mündlich wurdet mir versichert, dass auch in Donaueschingen eine schöne
Handschrift, aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert, sich finde.
Ausgaben: 147 f fol. Augustae Vind.^ beschrieben bei Brunet $, v.
Oro8, — Historiarum L VII per Atneam Yvlpivm auHgeOi (VieentUUf
per Herrn, Levüqpidem (Lichtenstein) de Col^mia — c. 1475, — VenetUt,
Leon Achates, e. 1475. fol. — Venetiü, 1483, fol — VeneUU, per E. Bat-
doli AuguHens, 1484, fol, — Venetiis, Christ, de Pensis de MandMo 1499.
fol — Venetiis, expensis Bern, Veneti de Vitalibus 1500. foL — Pari»
1510. 4®. — 1517. ^, cum praef. Lud. Thiboust, — 1524. /ML ed. Sdxut.
Mengino; wieder das. 1534. — ed. Ger. Bolsvinge, Coloniae, 1526. fol. —
1536 ex ree. Jo. Caesarii. 89. — 1542. 89 — ap. Oasp. Oenepaeum, —
Col 1561. 89, per Franc, Fabricium; wiederholt ,1574 — 8® - und 1582.
— ap. L. de la Barre, hiHor. veterum patrum christiana. Par. 1583. fol
— Cum annot€ft. Fabricii, ex recens. A. SehotU. lUogunÜäe 1615. S^.
1663. 89, — Joh, Ph. Vorburg, histo^iae IIl, Francof, 1650.
£[ü beste Ausgabe ist: Adversus paganos historiarum libri VII, ut et
apcl^meus contra Pelagiumj de arbitrii libertate, ad fldem mstor., adjeetii
integris notis Fr. Fabrieii et L. LattHi, rec, suisgue animcuiv. illustravü
Sigeb. Havercampus, Lugd. Batav. 1738; 1707 ; abgedruckt in Migne Pat.
l(U. t. 3(^(1846) i zugleich gelungener Abdruck der Münzen; (c^. Ocü-
Umdiy t. 9) und: Thorun. 1857. 89 — ad fldem recensionis Havercampi.
— The Anglo-Saxon Version from the histor. Orosius , by Aelfred the
Oreat — erschien vielfach, zulezt — ed. Jos. Bosworth. London. 18S9.
gr. 89.^
Die Quellen, aus denen Orosius geschöpft, hat Mömer (s. $. 1]
vollständig dargelegt; wir können ihm meistens beistimmen, nur u. a.
darin nicht, wenn er sagt, der Bericht des Orosius über den Tod des
altem Theodosius (H. 7 , 33) sei aus dem Chronicon des Hieronymus —
') Afiscellanen Baluzii l. t ^ p. 420 — aputl Ducange glotsarium ed. Mawr. s. v. Hormestn
et Ormesta.
*) Bivar ad Pieudo - Dexter A. Chr. 4(7 und die Citate das.
*) s. oben J. 1. — Benmann. — v. M. Schröckh, K.-G., 8, p. 319. — Vostius,
de higtor. latin. l 2. r. 14. — Dufresne , Havercamp und Schröckh leiten es von
„miseria mundi" ab.
*) Potthast f BibHotheca, s. v. Orotius.
f. 7. Baehfariut der Mtoch. 411
r9 erwriteii. Sidier haite Orosins das Nähere hierüber in Carthägo
Jbsi erfkfaren.
Die grosse Eile, mit der Orosius sein: Werk yielleioht kaam in
ihresfrkt sa Ende brachte, hatte wohl zum Theil auch seinen Grund
der Sehnsacht, mit den Reliquien des heiligen Stephanus nach Spanien
oilckeukehreD. Denn schon im December 415 ;,brannte er von un-
lanblicher Sehnsucht nach der Heimkehr^'), und jezt hatte er aswei
eitere Jahre warten müssen. Als er im Februar 418 Mahon wieder
nrUess, wo er, wie wir mit Röigius vermuthen, die Reliquien des
eiligen Stephanus zurücküess ^) , war seine uns bekannte Laufbahn ab-
sschloss^ü. Wie ein Meteor war der eifrige^ fronmie, thatkiüftige, imd
eistreiche ^ Jüngling^ yorübergegangen , der als Mann unter günstigen
fmständen vielleicht den Ruhm eines Hieronymus und Augustinus er-
uDgt hätte. Schmerzlich suchen wir nach weitem Spuren von ihm, und
otdecken sie nicht. Aber auch so mögen wir ihn glücklich preisen.
Ifleichsam iäk Fluge eilte er vorüber, und denno<^ bleibt sein Andenken
n Segen für alle Zeit
§.7.
Bachiarius, mit dem Beinamen „der Mönch^, war nach Gennadius sachi».
- cap. 24 — »ein christlicher Philosoph, der frei und unbelastet Go^
Dein sich zu weihen entschlossen, sich zu einer Wanderschaft für Er-
altung der Unversehrtheit seines Lebend (d. i. seines Glaubens) ent-
rhloss.^ Seine Heimath bat Niemand von den Alten angegeben; sie
ar ihnen unbekannt. Auch die alten Spanier kannten ihn nicht, wohl
. a. darum, weil er ausserhalb Spaniens schrieb. In seinem von Gen-
idius erwähnten Buche : de flde (libellm adversits querulos et infarnataresj
gt er: „Verdächtig macht uns, wie ich sehe, nicht die Sprache, sondern
e Gegend ; und wir , die wir wegen unsers Glaubens nicht zu erröthen
auchen, werden beschämt wegen unsrer Heimath *^ (fides cap. 1). Mura-
ri sprach sich im J. 1698 gegen Britannien als Heimath des Bachiarius
IS, aber überliess es andern, diese zu entdecken^).
Der Canonikus von Aquileja, Franz Flori, edirte später: yyDe Fide
de reparatione lapri, opuseula ßacchiarii monachi ad Codices Ambrosianae
^Uothecae ccuÜgavU, dissertationibus et notis auxit^ Fr. Floriiu, Romaej
Rubeia, 1748, 4®, eine Schrift, welche mit der auf S. 359 unten
drten : „Bac?Uariu8 illuHrtOuay oder Abhandlung über die Priscill. Häre-
)^ verbunden werden muss. Flori wollte zeigen , dass Bachiarius ein
') in diebuB ipsis, quibus jam ipse reditum incredibili dtsiderio parabat ~ epist. Aviti.
») Roiffius, p. 173, — N, Antonio, 3, 2 — nr. 43. — Fhrez, 15, 344 — 45,
^) Mnratori, Aneedota, L 2, p. 9 tq. MedioL 1698,
^10' Siebentes Buch. Neuntes Kapitel.
keine Parabel, die icb vorbringe*). — Falsch ist die Vermuthung, dass
yOreheHra^ fttr „Ormeata^ zu lesen'), noch femer liegt der Wahrheit
der Versuch, dem Orosius, zu seinem fingirten Vornamen Paulus den
dritten Namen „Hormisdas^ und den vierten „Mundus^ anzudichten').
Potthast führt eilf Handschriften des Orosius an (in fioulogne,
Brüssel — 3, — Chartres, Dresden, Montpellier, 8t Omar, Paris, Ut-
recht, Valenciennes) , wovon nur zwei aus dem zehnten Jahrhundert^);
mündlich wurde mir versichert, dass auch in Donaueschingen eine schöne
Handschrift, aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert, sich finde.
Ausgaben: 147 f foL Augustae Vind.^ beschrieben bei Brunet $. v.
Oro8, — Historiarum L VII per Aeneam Vulpium casUgaU (Vieentku,
per Herrn. Levüqpidem (Lichtenstein) de Col^mia — c. 1475, — Vendüi,
Leon Aehates, e. 1475. fol — VenetiiSy t483. fol. — VeneHis, per E. Rat-
doli Augustens. 1484. fol — Venetiis, Christ, de Pensis de Mandellö 1499.
fol — VeneHis, expensis Bern. Veneti de Vitalibus 1500. foL — Pan»
1510. 4®. — 1517, ^, cum praef. Lud. Thibotut. — 1524. fäL ed. Sdxxst.
Mengino; wieder das, 1534. — ed. Ger. Bolsvinge, CoUmiaey 1526. fol —
15M ex reo. Jo. Caesariu 89. — 1542. 89 — ap. Qtup. Oenepaeum. —
Col 1561. 89, per Franc. Fabricium; wiederholt. 1574 — 8^ - und 1582.
— ap. L. de la Barre, hittor. veterum patrum christiana. Par. 1583. fol
— Cum annotat. Fabricii, ex recens. A. Schotti. Mogunücte 1615. ^.
1663. 89. — Joh. Ph. Vorburg, hiHo^iae III, Franeof. 1650.
I^ beste Ausgabe ist: Adversua paganos historiarum libri VII, ut et
(xpolö0tieus contra Pelagium , de arbitrii libertate, ad fidem mstor. , adjeetu
integris notis Fr. Fabricii et L. Latdii, rec. suisque animadv. illmtravii
Sigeb. Havercampus, Lugd, Batav. 1738; 1707; abgedruckt in Migne PcA.
Int. t. 31^(1840), zugleich gelungener Abdruck der Münzen; (ap. Oät-
landi^ t, 9) und: Thorun. 1857, 89 — ad fidem recensionis Havercampi.
— The AnglO'Saxon Version from the histor. Orosius, by Aelfred tht
Oreat — erschien vielfach, zulezt — ed. Jos. Bosworth. London. 1850.
gr. 89.^
Die Quellen, aus denen Orosius geschöpft, hat Mörner (s. $. 1)
vollständig dargelegt; wir können ihm meistens beistimmen, nur u. a.
darin nicht, wenn er sagt, der Bericht des Orosius über den Tod de^
altem Theodosius (H. 7 , 33) sei aus dem Chronicon des Hieronjmus —
') Miscellanen Baluzii L t , p. 42Cf — apwl Ducange glossarium ed. Maur. a. v. Bormestn
et Ormesta.
*) Bivar ad Pieudo - Dexter A. Chr. 417 and die Citate das.
*) s. Oben 5. 1. — Beumann. — v. M. Schröckh, K.-G., 8, p. 319. — Vosstra,
de hiator. latin. L 2. c. 14. — Dufresne , Havercamp und Schröckh leiten es von
„mtMeria mundi" ah.
<) Potthast f BibHotheca, s. v. Orosius.
f. 7. BMhfariu» der M5iie1i. 411
r9 erwehart Sicher hatte Ororius das lilähere hierüber in Carthägo
übst erfkfaren.
Die grosse Eile, mit der Orosius sein Werk vielleicht kaum m
ihresfirisl sa Ende brachte, hatte wohl zum Theil auch seinen Grund
der Sehnsucht) mit den Reliquien des heiligen Stephanus nach Spanien
iiückeukehrett. Denn schon im December 415 ,, brannte er von un-
lanblicher Sehnsucht nach der Heimkehr^ ^) , und jezt hatte er zwei
eitere Jahre warten müssen. Als er im Februar 418 Mahon wieder
srUess, wo er, wie wir mit Röigius Tcnnuthen, die Reliquien des
siligen Stephanus zurückliess ^) , war seine uns. bekannte Laufbahn ab-
esdilossen. Wie ein Meteor war deft eifrige^ fromme, thatkriftige, und
eistreiche „ Jüngling^ vorübergegangen, der als lAann unter günstigen
fmstl&nden vielleicht den Ruhm eines Hieronymus und Augustinus er-
mgt hätte. Schmerzlich suchen wir nach weitem Spuren von ihm, und
otdecken sie nicht. Aber auch so mögen wir ihn glücklich preisen.
Gleichsam ük Fluge eilte er vorüber , und dennoch bleibt sein Andenken
n Segen für alle Zeit
• ^ . §. 7.
Bachiarius , mit dem Beinamen i,der Mönch^ , war nach Gennadius Backt».
- cap. 24 — 9 ein christlicher Philosoph, der frei und unbelastet Goit
Dein sich ^ weihen entschlossen, sich zu einer Wanderschaft für Er-
altung der Unversehrtheit seines Lebens (d. i. seines Glaubens) ent-
Moss.'^ Seine Heimath hat Niemand von den Alten angegeben; sie
^ar ihnen unbekannt. Auch die alten Spanier kannten ihn nicht, wohl
. a. darum, weil er ausserhalb Spaniens schrieb. In seinem von Gen-
idius erwähnten Buche : de flde (libdlm adversui querulos et infamatoresj
Igt er: ^ Verdächtig macht uns, wie ich sehe, nicht die Sprache, sondern
ie Gegend ; und wir , die wir wegen unsers Glaubens nicht zu erröthen
"auchen, werden beschämt wegen unsrer Heimatb^ (fide$ cap. l), Mura-
ri sprach sich im J. 1698 gegen Britannien als Heimath des Bachiarius
IS, aber überliess es andern, diese zu entdecken^).
Der Canonikus von Aquileja, Franz Flori, edirte später: „De Fide
de reparaUone lapsi^ optueula Bacchiarii manaehi ad Codices AnArosianae
bUoi?iecae casUgavit, diiseriationibus et notis auxit*' Fr. Floriiu, Romaej
: Rubeia^ 1748, ^, eine Schrift, welche mit der auf S. 359 unten
drten: „Bachiaritts illttstratusj oder Abhandlung über die Prisdll. Häre-
ß^ verbunden werden muss. Flori wollte zeigen ^ dass Bachiarius ein
*) m dUbus ipsiSf quilms jam ipse reditum incredihili desiderio parabat — epitL Atnti,
') Roiffius, p. t7S, - N. Antonio, 3, 2 — nr. i3. — FUn-ez, 15, 344 — 45.
^) Muraiori, Aneedota, L 2, p. 9 «9. MedioL 1698.
Zehntes Kapitel.
Die KireheDprevinz von B&tika (Hispalis), Jahr 357—589.
Hf. Hosius und sein Nachfolger Hyginus *) (358 bis c. 387) waren von
flU!^ Rechts wegen Metropoliten der Provinz. In dieser Eigenschaft schritt
pout Hyginus mit dem Bischöfe Luciosus, einem seiner Suffragane , ein gegen
die wohl im Bisthume des Leztern beündlichen Luciferianer. In dieser
Eigenschaft machte er den Idatius auf das Treiben der Priscillianisten
aufmerksam, ein Metropolit den andern. — Denn, wohl war Hispalis
Siz des Vicarius von Spanien , aber Corduba blieb der Siz des Consularis
oder Comes der Provinz Bätika ^) , und nach der Analogie von Tarraco,
£merita und Asturica — war der Bischof von Corduba mit Recht Metro-
polit. — Aber nach dem kläglichen Ende des Hyginus , nach dem üblen
Rufe, der dem Hosius mit Unrecht, dem Hyginus vielleicht nicht mit
Unrecht nachfolgte, mag der Leuchter wohl von der Kirche von Cor-
duba hin weggenommen und nach Hispalis übertragen worden seyn. Wir
nehmen an, dass Marcellus, der zu Toledo J. 4Ü0 an zweiter Stelle,
nach Patruinus — unterschrieb, Metropolit von Hispalis war^).
Seit dem J. 409 kam unsägliches Unglück über Hispalis, es vrurde
fast zerstört, 425^), doch nicht ganz, denn schon 428 gieng Gundericb,
der seine Hand gegen die Kirche dieser Stadt ausstreckte, durch ät
Gewalt eines Dämons zu Gründe^).
*) Das Geschlecht «Hyginus» in Corduba ist durch Inschriften verbürgt Wahr-
scheinlich stammte auch der Grammatiker Hyginus aus demselben — cf. Emü
Hübner in den Monatsberichten der Berliner Akademie, J. 1861, S. ^.
*) Hübner, S. 51 — »Die Inschriften zeigen deutlich, dass Corduba, wahrschein-
lich stets, die Residenz des Proconsuls war.**
') Fhrez, t. 9, cap. 6 — de los prelado» antiffuot HUpcUenMa^ p. 139 — 42,
*} Idat. ehr, 425 HitpaU eversa.
•) Idai. ad ann. 428,
Die KiKhenpMTiM von B^&tib« (.Hiin»U<X i^* 357— &89. 44fi •
I folgte am rUs J. 440 Sabinus vielen uns nicht bek^i^aiitan BiscbSfen.
it einem Ckidez EmiliuieiisijB findet sieb ein Yeneiülpiu der Bi-
von Hispalis, wo M&rcellus als erster, Babinus I. «Is x|ir.ait^
r genamit wird. Mach diesem nennt der Cataiog 3) Kvidius, von
— 326 nach Florez; 4) Deodat, 326 — 349; 5) Sempronian, 3tö—
) Geminos, 372 — 395; 7) Glaucins, 396 — 418; 8j Mancian, 418
Namen, welche für die damalige Zeit sehr fremdartig klmg^,
an zweifelhafter Aecbtheit sind, Florez miiw, uqt mif der Ze^t
1 sarecht au kommen, jedem dieeer Namen durchschnittlich 23 ^«hce
BD, was die gewöhnliche mittlere Zahl um 6 — 7 Jahre Ub^rsoh^fst^^
' kämen wir mit diesem Verzeicänisse nicht über das Jflir.360
hinauf, wükrcud wir angenonomen, dass Hispalia um d^ J. 2&4
dem benachbartetü Emerita men Bischof gegeben, und wohl achgii
sm ersten christlichen Jahrbundert Bischöfe hatte '). ' , .
isdiof Sabinus wurde im J. 441 durch Partbeieii i^erlv^eb^p, ausabiH
Stelle Epiphanius „durch Betrug, nicht mit Beoht" bst'). Er m^
I nach 2Ü Jahren aus Gallien „zu seiner eigneii Kirche anritcl;'^, "' **°
in da« J. 4t>l. — Nach ihm kehrten beeeere Zeiten für die Siincbe
Bspatis zurück. Nach Orontius c 462 — 472 regierte der Bischof
wie Florez meint, von 472 — 486. Ihn bestellte fapst Simpliciw zwa
; — 483) zu meinem Vicarius, indem er ihn^ sfihrieb: „An den j^^
Zeno Simplicius. Wir haben aus zahlreichen BerichteA erbhifqn,"* *"*
, geliebter Bruder, durch den Eifer des heiligen Geistes ein
Lenker der Kirche seiest, dass sie, mit der Gnade Gottes, den
I eines Schiübruches nicht erfahre. Uns rühmend solcher N&oh-
. haben viv es pasHend gefunden , dich zu der Würde eioea Stell-
■■ ansers Stuhles zu erheben ^) , in Kraft dessen da in keiner
HesCatten sollst, dass die Erlasse des apostolischen Stuhles *) , o^er
ftimmungcn der heiligen Väter übertreten werden. Denn derjenige
Ütt zum Lohoc eine höhere Würde, von dem es bekannt ist, dose
1 ihnj in jenen G<.'ge[iden die Verehrung Gottes zugenommen hat.
riialte dich uuverlezt, geliebter Bruder ^j." Das Jahr dieses Briefee
nt bekannt.
^t Felix XU. (483 — 492j schrieb an denselben: Dem geliebtesten
t Zetxo Felix Bischof: Uein Sohn"), der erlauchte Tereotiaqu^
Uäwa; Axttgvtdada de Seviila, 2, H. ~- Gü Gvnzakr Üavila, Uabo dt S*mlla.
JLk, p. i4S.
^O. 1, S. 248-49 und die BdegMelUn da«.
tlria U *tdä itottrat aactoriUUe faläri.
i ttutitutionii dtcrtia,
380 optndKt 3. — Jafft, Regnifi PonAf. — p. iL
- bei Jaffe, p. b3; blich: FetU »uto — bei Ftorez, 9, 1&2: 381-
416 Siebentes Bach. Zehntes Kspitel.
der vor längerer Zeit nach Italien kam, ist ein besonderer Lobredner
deiner Li^bden *) , und verkündete , dass Du so in der Gnade Gk>tteB
überfliessesty dass Du in den Stürmen der Welt ein an;>gezeichneter Leiter
der Kirche seiest Da er nun , geliebtester Bruder , in die Provinz zu-
rückkehrt, und eifrig begehrt, dass Wir einen Brief an Deine Liebden
richten mögen, haben Wir ihm diess gerne zugesagt, da wir selbst
wünschten, mit einem GFottes würdigen Bischof in Verkehr zu treteo,
und da Wir wünschen, dass diess durch die Vermittlung desjenigen g^
schehe, der durch sein Lob ihn (d. i. Dich) Uns empfohlen hatte. Ob-
wohl nun der erwähnte Herr versichert, dass Deine Brüderlichkeit in
allen Wegen mit heiligen Werken begnadigt sei, und da er schon so
grosses Vertrauen auf Dein Wohlwollen gegen ihn sezte, so ist es dod
billig, dass er das erlange, womach er so sehr verlangte: damit er, der
schon seit langem Deinem Herzen nahe ist, dir durch Unsere Empfehlong
[mit Rücksicht auf Uns ^)] noch angenehmer werde, dass er zugleich deo
Trost sdner Mutter und seines Bischofs erfahre^), und dass er durch
JKschOfliche Liebe einen Schuz auf seiner Wanderschaft finde, so dsss
durch das Wohlwollen Deiner Würdigkeit es bei Dir sich o£Fenbare,
dasrauch Unsere, des Dich Begrüssenden , Ansprache nicht wenig ver-
mocht h$b&. Grott erhalte Dich unverlezt, geliebtester Bruder*).
Als Zeno's Nachfolger werden Asfalius (c. 486 — 496) und Maximiin
(496 — c. 510) bezeichnet, ohne weitere Beweise, als zwei Bi8chofsve^
sau«. zeichnisse , die nicht zusammenstimmen. — Bischof Sallustius wurde wie-
^* cler von Papst Hormisdas (614 — 523) ausgezeichnet Er schrieb ihm:
iu?t7. ^^^ geliebtesten Bruder Sallustius Hormisda. Wir haben das herzliche
Beglückwünschungsschreiben Deiner Brüderlichkeit erhalten, welches
Uns die Kunde Deines Wohlbefindens in zweifacher Hinsicht brachte
(da es Uns meldete, dass Du für Deine geistlichen Geschäfte körper-
licher Rüstigkeit Dich erfreuest) und Wir haben es für passend gefunden,
Unsrer Freude, die Wir darüber im Herzen fühlen, sogleich einen
Ausdruck zu geben. Denn Du hast Merkzeichen eines guten Bischoft
kund gegeben, indem Du vollbringst, was rühmenswerth ist, und zu
solchem zu ermuntern nicht zögerst^).
Denn Wir haben erfiihren, dass Du das fireiwillig umfassest, was Wir
den Andern befehlen. Wir bitten die göttliche Güte, dass diess alle
') dütctumit luae »mgulariM extütU praMotUor,
*) eofnUmplatioM nottra, es könnte aach heissen: eommwdation« noiira,
') tmulque maiima et Maotrdoiati consokUume favtaiur,
*) Bei Florez, 9, 881. — In der CoUmstio Cantmum HiqHMna gteht der zweite an
wiehtige, nieht aber der erste wichtige Brief, wovon später.
*) Die Worte: praerogaiham de nastri ntmpnmua eUcHone jutHeii — heissen vielleicht:
Die von Uns Dir zugedachte Würde eines Vicarias hast Da zum voraus ge-
rechtfertigt
Die Kirehenprovinz von BäUka (HispalU) Jahr 357—589. 417
nerkennen mOgen, und in Folge dieser Bemühungen übersenden Wir
>ir die Zeichen der kirchlichen Gemeinschaft. Du hast Unsere Wünsche
Isbald mit treuem Verständnisse aufgefasst, und sie mit ergebenem Eifer
[es Dienstes erfüllt, indem Du allen Brüdern das mittheiltest , was Du
dt der gGttlidien Gnade als nüzlich erkannt hattest Da also so viele
T'erdienste und Mühen frommer SorgfiEÜt für Dich sprechen , so fireut es
oieh, Dir das aufiraerlegen , was offenbar Unsers eignen Amtes ist, dass
)u in den von Uns so weit entfernten Provinzen Unsre Stelle ^rtreten,
md für die Beobachtung der Regeln der Väter Sorge tragen mögest
EVir übertragen Dir also durch Gegenwärtiges Unsre Stelle in den Pro-
rinzen Biüka und Lusitania, mit Vorbehaltung jedoch der Vorrechte,
Ue von Alters her den Metropolitan -Bischöfen zustehen, indem Wir
larch diese Mittheilung die Würde Deines Aintes erhöhen, dagegen
inreh dieses Mittel die Sorgen des Uns au%elegten Amtes erleichtem.
Qeber das Einzelne Dich zu belehren ist um so weniger nothwendig,
ils Wir schon erkannt haben, dass Du d&s Ghmze genau beobachtest;
eB pflegt jedoch erwünschter zu seyn^ wenn der rechte Weg gezeigt,
md die oben formulirte Auflegung von Geschäften näher bezeichnet
werde. Wir befehlen also, dass die Regeln der Väter und die von den
kdligen üoncilien erlassenen Dekrete von allen beobachtet werden.
Darauf dehnen wir Deine Wachsamkeit, darauf Deine Sorgfalt der brüder-
Bchen Ermahnung aus. Sobald Solches mit der geziemenden Ehrfurcht
beobachtet wird, so bleibt für die Schuld kein Raum, kein Hindemiss
beiliger Uebung. Dort ist Recht und Unrecht festgestellt; dort verboten,
womach Keiner verlangen soll: dort ist gestattet, nach was der G^st
trachten soll, um Gott woh]zuge£allen. Sobald es die allgemeine An-
gelegenheit der Religion verlangt, sollen auf Deine Berufung
limmtliche Brüder zu der Synode sich einfinden: und wenn
den Einen und Andern eine Streitigkeit über einen besondern Gegen-
lUnd in Aihem hält, so beschwichtige die unter ihnen entstandenen
IGsshelligkeiten, indem Du nach den heiligen Sazungen die Streitigkeiten
erörterst und beilegest Was Du ihnen aber in Ansehung des Glaubens
und der alten Constitutionen entweder durch vorsorgliche Anordnung
Torschreiben , oder Kraft der von Uns Dir übertragenen Auctorität be-
stimmen wirst, das alles möge zu Unsrer Eenntniss durch das Zeugniss
emes genauen Berichtes gelangen, dass Unser G^müth sich der Befrie-
digung des Dir gegebenen Amtes, das Deinige des frohen Bewustseins
des erhaltenen Amtes getröste. Gott erhalte Dich unversehrt , geliebtester
Bruder *).
*) Mamai Cane, 8, 433. - Fhrez, 9, 382 — 83, - Jaffi, 67. CaiUei. amanum ßcckä.
Bup. — mi. Ant, Gonzakt — ßpiitoL dtcretalu, iir. 94, — Die Anmerkon^ 4 auf
S. 416 itl la berichügen.
Qaai, ^an. Kirehe. IL 27
4l8 Siebentes Buch. Zehntes Kapitel.
Von Synoden, welche aus obigem Anlasse gebalten worden ^ ist
nichts zu unsrer Renntniss gelangt JaS6 vermuthet, dass obiges
Schreiben in dem J. 517 erlassen sei, in welchem ähnliche Schreiben
an den Metropoliten Joannes von Tarraco, und die spanischen Bischöfe
überhaupt ergiengen. Gleichzeitig mit vorstehendem Schreiben wurde
indess ein ähnlich lautendes an alle bätischen Bischöfe erlassen, wobei
wir es uiffallend finden , dass es nicht auch an die lusitanischen gerichtet
ist. Er freut sich über die Eintracht unter ihnen. Denn auch sie hatten
ihm geschrieben, wahrscheinlich wie und mit Sallustius, zu seinem Amts-
antritte. Er schreibt ihnen über die Wiederherstellung des Friedens mit
den Orientalen, die damals erst im Werke war. Sie hatten in ihrem
Briefe alter Privilegien und Statuten erwähnt, aber sich nicht deutlich
genug ausgedrückt'). Wenn sie, woran nicht zu zweifeln, die durd
Papst Hilarius an Bischof Zeno geschehene Uebertragung des Vicariats
meinten ^) , so kam Hormisdas jedenfalls ihren Wünschen unverzüglicl
entgegen, aber er konnte dem Sallustius nicht mehr das Vicariat über
ganz Spanien übertragen, weil Johannes von Tarraco schon damit be-
traut war. Die Bischöfe von Hispalis von Sallustius bis Leander sind
näher nicht als aus wenig verlässigen Catalogen bekannt. Sic heissen
Crispinus, Pigasius, Stephanus I, Theodulus, Hyacinth, Reparatus,
Stephanus II , Vorgänger Leanders. — Der heilige Laureanus war wohl
nicht Bischof von Hispalis, sondern von Hispel in Umbrien (Spoleto),
oder irgendeiner unbekannten Stadt ^).
Von dem Bisthume Asido kennen wir vor dem siebenten Jahrhundert
keinen Bischof. Ein Bischof Gaudentius von Astigi wird etwa aus der
Mitte des sechsten Jahrhunderts erwähnt, welcher dem Bischöfe Pegasius
— um das J. 590 vorausgieng ^). — Von dem Tode des Hyginus — um
387 — 589 ist nur ein Name eines Bischofs von Corduba bekannt. Die
Namen eines Bischofs Gregorius und Isidor sind unverbürgt, ja unter-
schoben. Dagegen unterzeichnete Bischof Stephan von Corduba unter
218 Bischöfen als der sechste auf der im J. 504 zu Rom gehaltenen
Synode*): j^Stephamts episcopus Cordubensis subscripsi" . — Wir kennen
keinen Bischof von Egabra nach Synagius im J. 306 bis zum J. 587,
denn Luciosus — um das J. 380 war sicher ein bätischer Bischof, ob
aber von Egabra , ist sehr unsicher *). — Bischöfe von Elepla kennt man
gleichfalls nicht vor 589^). Nach dem vielgenannten Gregorius, der
') Kap. 12. — Juhunnes von Tarraco, S. 436. — Alex. Natalis — saec, 5 — cap. f>-
ort, t — handelt kurz de primate Hispalensi in Hispanm.
*) FloreZj 9, p. iGO — /7.V „Disertacion »obre San Laureano**,
») Concil. HispaUnse I aera 628 (690) - c /. Florez, L W , p. S5.
*) Ftorez, W, 224,
•) K.-G., 2, 312.
•) Ftorez, 12, Gö.
Die Kirchenprovinz von Bfttika (Hispalis) Jahr 357 — 589. 419
ch im J. 392 lebte, erscheint gleichfalls kein Bischof ron Elvira bis
9. — Die Bischöfe Serenus und Orontius sind — jener von unbe-
nntem Size — um 400, dieser wohl von lierda — um 517. — Der
ste bekannte Bischof von Italica war Eulalius — um 580 — 589.
Das Bistbum Malaga hatte einen Bischof, und zwar einen Schrift-
sller, dessen Zeit zum Theil noch vor 589 Tällt, Severus — c. 578 —
!• ;ySeverus, Bischof von Malaga, Zeitgenosse des Licinian von Car^sevtra«
igo, schrieb ein Buch gegen Vincentius, Bischof von Saragossa, der^]!!!!^,
den Arianern abgefallen war. — Er schrieb ein anderes Buch über
e Jungfi^ulichkeit, mit dem Titel ^yOnnultu^, das aber Isidor nicht
eiter kannte*). Er starb noch unter Kaiser Mauritius [vor 602]^).
ach von Tucci kennen wir keinen Bischof nach Camerinus 306 — bis
elatus^ 589 ^).
') Inder, de vir. ilhtst. cap, 43.
») Flortz, 12 i 398.
27
Eilftes Kapitel.
Die ILirekenproviiiz von Lnsltanien (Emerlte).
Von Anfang findet sich der Bischof von Emerita in dem unbi
tenen Rechte eines Metropoliten der Bisthümer Lusitaniens. Als so
fanden wir Bischof Liberius in Arles — 31 4 , Bischof Florentius in
dika — 343 9 Bischof Idatius Clarus*) in seinem Vorfieihren gege
Prisdllianisten seiner Provinz , Bischof Patruinus als Vorsisendei
ore. Synode zu Toledo — 400. Auf Patruinus folgte Gregorius — um
*"^ "* Sr scheint Anfechtungen im Besize seines Amtes erlitten zu haben, a
^seits war seine Vergangenheit — nichts weniger als eine Vorbei
auf einen so hohen Stand; denn auf ihn zunächst beziehen sie
tadelnden Worte des Papstes Innozenz I. , dass man in Spanien M
zu Bisthümem befördere, die nicht einmal Cleriker zu werden verdi<
Für das Vergangene aber wollte der Papst Nachsicht eintreten lasi
Wohl unter ihm fiel Merida den Alanen in die Hände — c 41
[Die folgenden Ereignisse hängen mit dem Andenken der heiligen E
von Emerita zusammen, und sind früher mitgetheilt ^).] Um das i
Aatoni. — 448 wird Antoninus als Bischof von Emerita genannt^). An ihr
™ 4s. deten die galizischen Bischöfe Turibius und Idatius die Akten ihrer l
suchungen über die dortigen Manichäer — 445 ^) ; er liess einen ge^
voo
BneriU
■) Nk, Salgado (s. nnten) b< den Bisehof von Ossonoba für den It Clarus,
•) Ifmoe. L qn$L 3 - nr,^^6. — 8. K-G., 2, 8. 53.
») K..G., 1, 869-70.
*) Flortx, L 13, 165 --170.
*) ef, Idat. chron. ad ann, 445,
Die Kirehenproyini Ton LosiUnieii (Emerita). 421
llanidifter Pasceotius von Rom, der aus Galisien yon den dortigen Bi-
lehöfen aiiBgetrid>en worden , ergreifen , verhören, und aus der Provins
LiQflitanien fortschaffen *). In demselben Jahre starb der heidnische
KSmg der Sneven Rechila, «i Merida, wo er mehrere Jahre gewohnt
latte. In den J. 456 — 67 wurde der Gothenkönig Theodorich durdi
lie Drohungen der heiligen EulaUa von Emerita versoheucht
Eni hundert Jahre später wird wieder ein Bischof von Emerita ge-
oannt, Fknlus — c. 530 — 560. ^ Viele berichten,^ sagt Paulus von p«niw
Emerita, j,dass der heilige Mann Paulus, von Nation ein Grieche, seiner ^^^'
Kunst nach ein Arzt, von den Gegenden des Orients in die Stadt
Emerita gekommen sei, und da er dort lange lebte, durch Heiligkeit
und viele Tugenden leuchtete, an Demuih und Wohlwollen alle ttber-
trtf, wurde es ihm von Gtott ttbertragen, dass er das Bisthum dieser
Stidt erlangte. Als er vom Herrn selbst gewählt und zum Bischöfe
geweiht wurde, so nahm Gbtt alsbald alle Stürme der Unruhen, welche
diese Kirche zur Zeit seines Vorgiingers verwirrt hatten, hinweg, und
schenkte auf seine Bitten dieser Kirche den tiefsten Frieden ^). — Es
ofarankte aber die Matrone eines der Vornehmsten in der Stadt, eines
Senators, und, nachdem alle andern Aerzte nichts vermocht, bat ihn
deren Gemahl, zu ihr zu kommen. Einen Tag und eine Nacht brachte
er bittend zu in j,der Basilika der heiligsten Jungfrau Eulalia^. Die
Ebflung gelang. Die Beglückten , deren Ehe> kinderlos war , boten ihm
die Hälfte ihres grossen Vermögens an, was er für die Armen verwendete.
hk sie aber bald darauf starben, sezten sie ihn zu ihrem Erben ein.
Er, welcher als Fremdling und ohne Habe angekoipmen war, wurde
Nui mächtiger, als alle Mächtigen, so sehr, dass alles (bisherige?) Ver-
nSgen der Kirche im Vergleiche mit seinen Gütern für nichts er-
lebte wurde.'
Da kamen griechische Kaufleute aus dem Orient zur See nach
Spsnien, und auch nach Emerita, wo sie nach der Sitte sich dem Bischöfe
foreteUten, der sie freundlich aufioahm'). Aus ihrer Herberge sandten
B6 Tages darauf ihm ein Geschenk zu, das ein Ejiabe, mit Namen Fidelis,
überbrachte. Der Bischof forschte nach seiner Heimath^ und seinen
Eltern. Als seine Muttar nannte er die Schwester des Bischofs. Alsbald
liess Paulus die Kaufleute wieder kommen, und er sprach: j^Lasset mir
diesen Ejiaben, und verlanget von mir, was ihr wollt^ Sie weigerten
neh; er aber drohte,* wenn sie nicht nachgäben, würden sie nimmer
*) IdtU. eknm, ad ann, 448,
*) Pcmti Diaeoni Emeriieruit de vita Patntm Emeritennttm , cap. 4.
*) PtmL L c, cap, 5 — ex more Epiicopo praebueruni oecurmam. Mao beachte, dass
die Gneeben gerade damals, seit 564, einen grossen Tbeil von Spanien, be-
sondert die Seestädte and den Sfiden, inne hatten.
422 Siebentes Bneh. EfLfKm Kapitel.
ihre Heimatii sehen; ^aber nehmet ron mir reichlkdiee Qdd an, imd
gehet sicher im Frieden. Jest erst fragten cde und erfahren den Gnmd
sones Verlangens nach dem Knaben; ^Gebet im Namen Gettes,^ spracli
der Bisohof, ^ohne eine Zögerung, und meldet meiner Schwester: Ich
habe ihren Sohn zum Tröste meiner Gefangenschaft bei mir behaUeo.'
Und er schickte durch sie seiner Schwester mancherlei Gescshenke, den
Kauf fiJirern sdibst aber gab er reichliche Hilfe , und so bereiohert yon
seinen G^eschenken kehrten sie in ihre fieimath mit grosser Fieade
«urQck.
Alsbald liess Paulus den Jttngling tonsuriren ') (und gab ihm viel-
leicht bei diesem Anlasse den keineswegs griechischen Namen FideliB))
opferte ihn dem Dienste des allmSchtigen Gottes , und imterriefatete ihn
wie einen zweiten Samuel in dem Hause des Herrn strenge , so dass 9
ihn in wenigen Jahren den ganzen kirchlichen Dienst und die ganae
Bibliothek der heiligen Schriften aufs vollkommenste lehrte^). Dum
weihte er ihn durch die einzelnen Stufen zu (seinem) Diakon, und -
bald übertraf Fidelis an Heiligkeit , Liebe , Geduld und Demuth im
ganzen Clerus. Ja — er schien allem Volke wie ein Engel zu scp^
Er erfreute das Greisenalter seines Oheims, und als die Jahre sehver
BiMhof auf Paulus lasteten, erwählte er den Fidelis sich zum Nachfolger. BiU
weihte er ihn noch zu Lebzeiten als seinen Stell verfareter, und seMe ib
Mm Erben aller seiner Güter ein: indem er testamentarisch verfQgte^
dass wenn der Glerus von Emerita ihn zti seinem Bischöfe haben wollte^
tt dann allen Beslz, den er ihm (dem Fidelis) abgetreten, naeh teinea
Tode der Kirche zu hinterlassen hätte; wenn aber nicht, so mögeFidelii
frei über alle Güter verfügen. Obgleich Fidelis schon die Bischofrweiiien
hatte, so sezte er doch nichts weniger den Dienst eines Diakons bei
Paulus fort, so dass er beim Ablegen das Messgewand (Camllam) des-
selben in Eihpfang ilahm — nach Art eines Dieners. Paulus aber be-
fahl, dass er fürder die Würde seines bischöflichen Amtes strenge wahren
solle. „Dieser heiligste Greis aber verliess bald darauf den Bisohofrhof,
und entsagte allen Vorrechten seiner Würde, und begab sich in eine
armselige Zelle bei der Basilika der heiUgen Eulalia; und als er eine
Zeit lang daselbst, erlöst von den Stürmen der Welt, und in grosser
Ruhe, im Cilicium und auf Asche liegend für die (Tilgung der) Sünden
der ganzen Welt zu Gott flehte, wanderte er aus diesem Leibe.^
Nach seinem Tode fand, wie es scheint, keine eigentliche Wsbi
statt, sondern Fidelis fiihr fort, als Bischof zu regieren. „Aber einige
verpestete Menschen^ murrten gegen ihn, und wollten ihn von seiner
') tiaim prae/aium adokseentem,
*) ONme oflßentm Eedesiattiatm, omnemque ßihUotkecam Seriptitnvwm divmarum pfr/ectis
sime docuerü.
Die KirohßDprorliiB von Luritanien (Emerita). 423
Stelle Yerdriqgen. Diess erfahr Fidelis., ujid wollte sich mit seinem
ägeneo VemSgen sorückziehen. Das hätte er ;,nach deoi Rechte der.
Kirche' (?) thun dürfen , den Andern aber wäre nichts übrig geblieben.
Damm aahen die Gegiißr widerwillig sich gezwungen, ihn kniefällig
in bitten f sie nicht zu verlassen. Ohne allzugrosses Sträuben gab er
hnen Beifall, dass er einerseits die Sorge der Regierung trüge und für
ipäter sein ganzes Patrimonium der Kirche hihterliesse. Und abo ge-
schah es; und seit jener Zeit wurde diese Kirche so reich, dasa in den
Grrenzen Spaniens sich keine mit ihr messen konnte.
So war denn alles gut, wenn auch nicht nach dem strengen „Kirchen-
redite'i abgelaufen. Alle wurden nun ein Herz und eine Seele mit
lern Biscbo£ Nur einen kleinen Theil seiner grossen und guten Werke
woUte sein Biograph Paulus mittheilen. An einem Sonntage, als er in
dem Bischofshof mit vielen Söhnen der Kirche sass , wie es Sitte ist,
kam der Archidiakon mit dem ganzen Clerus in Alben von der Elirche,
ond sie standen vor ihm. Er erhob sich^ während die Diakone, nach
der Sitte. Weihrauchfässer tragend, ihm vorangiengen, und begab sich
Dkit allen* Anwesenden in die. Kirche, zm: Feier der heiligen Messe.
Kaom zehn Schritte waren sie entfernt ^ als plözlich das grossartige Ge-
teode des Bischo£shofes bis zum Grunde zusammenstürzte, aber Niemand
beschädigte. Wie gross, fragt j^aulus, muss die .Macht der Fürbitte
dieses Mannes bei Gott gewesen seyn, dass er dem alten Feinde nicht
früher die Gewalt gab , den Ruin eines solchen Gebäudes zu vollbringen,
bis der Bischof alle unversehrt mit sich hinweggeführt hatte? j,Aber
dass bei solcher Gefahr Niemand umkam , das dürfte ohne Widerspruch
in Folge der grossen Verdienste der heiligsten Jungfrau Eülalia gewährt
worden seyn *).^ Freudig brachte nun Fidelis Gott das Opfer dar, und
▼erlebte jenen Tag yi Freuden mit den Seinigen. Er stellte eine prächtige
neue Bischofswohnung her, mit dem Schmucke kostbarer Säulen, mar-
iQomer Wände und Fussbödeii, und einem grossartigen Giebeldache.
Aber auch die Basilika der heiligsten Jungfrau Eulalia erweiterte und
erneuerte er und krönte das Gebäude mit einem hochragenden Thurme
wie mit einer Burg.
Zu seinem Ruhme wurde gesagt, dass man ihn ofl im Chor der
Kirche mitten unter den Schaaren der Heiligen Psalmen singend wan-
deln sah. Unter den Kirchen jener Zeit werden, neben der Basilika KirebM
der heiligen Eulalia, erwähnt: die Kirche des heiligen Faustus, etwa g^",«
äne Meile von der Stadt , die Kirche der heiligen Lucretia in der Stadt, ^*
dieSärche der heiligen Maria, genannt heiliges Jerusalem ; diess war die
bxUiia major oder die Kathedrale, an welche sich das Atrium der Kirche
oder des Bischo& anschloss, welches auch Episcopium, Bischofshaus
') Päuha Em. cap. 6.
424 Siebentes Bueb. Eilftes Kapitel.
heisst '}. In der Hauptkirche wurde die Matatin um ICttemaeht gesungen.
Femer bestand eine Basilika unter dem Namen Johannes des TEufers, nur
durch eine Mauer von der Kathedrale getrennt ^ also das Baptisteriam').
Die Hauptkirche der heiligen Eulalia wurde bald nach ihreni Ha^
tyrium erbaut — im vierten Jahrhundert , und im sechsten von Bischof
FideUs erweitert, wo Tag und Nacht das Lob Gottes erscholl'). Es gib
femer eine Kirche des heiligen Cyprian und des heiligen Laurentius^) und
wohl noch eine Kirche zu den Märtyrern überhaupt Die Kirche der
heiligen Lucretia war bei dem Brückenthore [welche Flores f ttr eine Mar-
tyrin von Emerita hält ^)]. Fünf Meilen von der Stadt war dne sehr be-
suchte Kirche mit dem Titel Sancta Maria , vom Volke Santa Quintiliaaa
genannt Noch wird ein Kloster Cauliana, acht Miglien von der Stadt, ein
Kloster des Abtes Nunctus und andere Klöster genannt*). Es scheint, das«
Merida zur Gothenzeit die glanzvollste Bischofs- und Ejrchenstadt war.
Als Fidelis sein Ende nahen fühlte, liess er sich zu der Kirche da
heiligen Eulalia tragen, und beweinte dort mit den bittersten Thiünen
seine Sünden. Dann theilte er an yiele Gefangene und Arme reiehlicbe
Gaben aus; zulezt tilgte er die Schulden Aller (an ihn?), und gab ihnen
ihre Schuldscheine zurück. ;,Bald darauf zog der heilige Mann, ihn
voran die Schaaren der Heiligen, und erwartet von den englischen
Chören, frohlockend in die seligen Wohnungen ein.*' Sein Leichnam
wurde in dem gleichen Sarkophage mit dem seines Vorg^gers bei-
gesezt^).
Jezt folgte der gefeiertste aller Bischöfe von Emerita, der Gt)the
ma. Mas o na, 571 — 606, der eine Säule der Kirche Spaniens war, in den
Tagen des Sturmes unter König Leovigild, in den Tagen des Friedens
unter Reccared. Alle geistigen und leiblichen Vorzüge waren in ilun
vereinigt, „dessen Name, leuchtend durch viele Wunder, dahin durch
alle Länder getragen wurde. Allen Mangel nahm Gott hinweg zu seiner
Zeit, und alle Armuth war entflohen. Selbst die Gremüther der Juden
und Heiden (1) gewann er für Christus. — Vor seiner Erhebung diente
er viele Jahre in der Basilika der heiligen Eulalia. Im Beginne seines
Episcopats gründete und dotirte er reichlich viele Klöster und erbaute
soaa.
*) Indor tbfmolog. 15, 3 — Atrium magna aedes est, not amplior et epaiiosa Domus.
Et dictum eet atrium, eo quod addantur ei tres porticu» extrintteuM. — Paulus £"■
cc^. 20.
«) K.-G., Bd. 1, 8. 141. Florez, t 3. App. 2. §. 5. - PtiuL etq». 8 - m ^
baptiaterium est.
») Das Weitere — s. K.-G. 1, 8. 370.
*) Fhrezy 13 y 239. — PauL Em. cap, 8,
*) Paul. cap. 7. — parta pontis.
•) Florez, 13, p. 229-^245 ,/^/«uM^
») PäuL cap, Ä,
U% KirühenproTim toii LasiUnies (KmeriU). 425
tehrere prtditige Kirchen. Er stiftete ein Xenodoehium mit reichen
Utom, und «ageetellten Dienern und Aersten für die Fremden und
JruikML Die Aenle mnasten stets durch die Stadt wandern , und jeden
jnakeny Juden irie Christen, in das Krankenhaus tragen. Diese An-
mk eoUle die HUfte von allen Geschenken an den Bischof erhalten. —
[am ein BBiger oder Bauer in den Bischofshof, und bat in einem kleinen
feftas um WeiUi Oel oder Honig, so liess ihm der Bischof alsbald ein
rBescrea sehenken. Was er an den Armen that , konnte Niemand er-
MMen. So gross war damals der Reichthum der Kirche, dass, als er
m Osterfest cur Kirche gieng, sehr viele Knaben gans in seidenen Ge-
rinden vor ihm wie einem Könige wandelten.
Er selbst war demttthig im Glücke,, als aber die Zeiten des Un-
Utakea ttber ihn kamen, von unbeugsamer Standhaftigkeit Stets war
eine Miene gleich, allen begegnete er mit derselben Heiterkeit*).
Die N«nen der SuffiraganbischSfe Emeritas aus der Zeit von 367 —
BB sind fast ohne Ausnahme nicht erhalten worden. — Lucencius war
fM Bischof von Coimbra um 561 — 672 ^j. Him &nd femer die Grab-
Arift eines Bischofii Julian ron Evora, der im J. 566 starb').
ApringiuB, Bischof von Pace (Beja) um 681 j,beredt und gebildet
1 der Wissenschaft, erklXrte die geheime Offenbarung des Johannes j»^
nt feinem Verstiindnisse und mit beredter Sprache, besser fest, als die
Efhem Erklärer. Er schrieb auch einiges Andere, was fedoeh nicht
nr Kenntniss Isidors gelangte ^).'' Von seinen Schriften ist uns nichts
ihalten, ausser etwa in Citaten späterer Schriftsteller ').<^ Von Oasfi»
ioba sind uns eben nur die Bischöfe Vincentius — 306, Itadus — 386
ind Petrus — 569 bekannt^). — Ein Bischof Remisol von Viseum
mnmt in den Jahren 561 und 572 vor^).
') FfoTMx, u 13, iSO —206 gMeuana^ and im Anhange — Pauä Diac, £m, vitat
P. R. Emmi,, eap. 9-^20, p. 357 •- 384.
«) Fhm, t /4, 71 - 73.
•) Fhm, p. 114.
*) Indm' de vir, iUuHr. eap. 90. — nMH »ensu aique iUuHri termome. _ Clandt fm»-
parünu TkemÜB prmdpiM Ootthanam.
*) Schon im 7. Jsfarfannderle war das Werk des Aprinsins wenigstens im Norden
▼on Spanien nicht mehr zu finden. Braalio von Saragossa suchte vergebens
nach ihm nnd wandte sich an den Priester Aemilian, dem es aher nicht ge-
lang, das Bach irgendwo aofzufinden. — BrauUowU lyntt 25 et 28. — Ftortx-
Biteo, u 90, 357-359.
*) ManonoM eoeUnattioiu do Semo do Äigwrve ~ por VieenU Salgado IMommae —
Luboa 1786, p. 316, eapit 12. — BitpoM da anüga OMenoba, — VkuUt, p. 169
^176} Itkaeh, p. 176—199; P^dro (c 589), p. 199—213.
^FU>m, 14, 311—312.
Zwölftes Kapitel.
Die Kirclenprovinz Turaeomiisis von 357—589.
Der erste Bischof von Tarrsco, der oach dem heiligen Froctuom
Hiaic. erscheint, ist Himerius, welcher im J. 386 zu den ältesten BiechSfsD
^ Spaniens gehörte« Es ist noch nicht erklärt , warum im ganzen Zeitalter
T^^^des Hosius kein Bischof yon Tarraco genannt wird; möglich wäre e^
dass der Bischof von Tarraco im J« 343 wegen Alters den Hosius niebi
nach Sardika begleitete , oder dass die Präponderanz des Hosius alba
drftokend auf der Kirche von Tarraco lastete. Wir glauben zu, bemerken,
d|S8 man in Rom au dem Size von Tarraco eine gewisse HinT^pig^ng
halte, und dass man demselben gern eine hervorragende Stelhmg über
sämmtUche Kirchen Spaniens eingeräumt hätte.
An den Papst Dämasus, den Spanier, hatte sich Bischof Himerius,
der während der Priscillianistischen Streitigkeiten nirgends genannt wird,
in einem uns nicht erhaltenen Schreiben gewendet. Der Brief traf Da-
masus nicht mehr am Leben. Sein Nachfolger Siricius erliess an ,,£u-
merius^ die berühmte erste uns erhaltene päpstliche Decretale, welche
aus 15 Abschnitten besteht, und ihres Umfanges wegen hier nur im
Auszuge mitgetheilt wird. Der Eingang lautet: Siricius an den Bischof
Eumerius von Tarraco Grussl Den an Unsem Vorgänger heiligen An-
denkens Damasus erstatteten Bericht deiner Brüderlichkeit habe ich, da
ich schon auf seinen Stuhl eingesezt war, weil es Gott so anordnete,
vorgeftmden; da Wir denselben in der Versammlung der Brüder sorg-
fältiger lasen, so fanden Wir so viel, was Tadel und Zurechtweisung
verdient, als Wir wünschten, Lobenswerthes darin zu finden. Und da
es nothwendig war, dass Wir in seine Arbeiten und Sorgen eintreten.
dem Wir durch Gottes Gnade in der Würde nachgefolgt sind , so wollen
Wir (nachdem Ich, wie es nöthig war, zuerst die Anzeige m^er Er-
hebung gemacht habe) , auf das Einzelne , was immer der Herr Uns ein-
geben wird , deiner Anfragen die entsprechende Antwort zu geben nicht
Die KirdMDprovins Tarraconentis tob 357 — 589. 427
rerweigem; denn im Hinblicke auf Unser Amt haben Wir nicht Frei-
leity zu verhehlen oder eu schweigen, da Uns ein grösserer Eifer für
£e christliche Religion ^ als allen Ändern, zukommt Wir tragen die
Lasten aller , welche beschwert werden; ja vielmehr tiügt diese in Uns
ier selige Apostel Petrus, welcher Uns, wie Wir vertrauen , als Erben
seiner Verwaltung beschulen wird und schüzt
Daa erste Kapitel, von welchem die ganze Decretale in der Samm-
lung der spanischen Canones die Uebersdirift trägt , verbietet, dass die
Äiianer von den Katholiken wieder getauft werden. *— Daraus ersehen
wir, dass es in Spanien um diese Zeit sehr viele Arianer gab. Da sie
Torher von Arianem getauft wurden, so muss man annehmen, dass es
in Spanien, wenn nicht Bischöfe, wie Potamius, so doch viele arianische
Priester gab, worüber ans sonstige Nachrichten fehlen. Einige spanische
fiischöfe wollten, dass diese Zurückkehrenden wieder getauft werden.
yWas nicht erlaubt ist, da diess sowohl der Apostel verbietet, und die
Ganones es untersagen, und die allgemeinen Decrete, welche von meixxem
VoK;g^ger ehrwürdigen Andenkens Liberias nach , erfolgter Cassirung
der Synode von Ariminum erlassen wurden, es verhindern. Denn die
Katholiken nehmen die Häretiker nur mittelst Auflegung der Hände de«
Bischöfe in ihre Gemeinschaft auf, was mit Uns der ganze Orient und
Oecident annimmt, von welchem Pfade auch Ihr hinfort nicht im Ge-
DDgsten abweichen dürft, wenn Ihr nicht durch Synodalentschoidung
fon Unsrer Gemeinschaft ausgeschlossen werden wollt.
Kap. 2 verbietet die Spendung der Taufe zu andern Zeiten , als tt
Oitem und Pfingsten. Unsre Mitbischöfe in Spanien, heisst es, stüzen
rieh bei ihrer gegentheiligen Praxis nicht auf irgend eine Auctarität|
sondern es ist blosse Verwegenheit, dass, sei es an Weihnachten, sei
es am Feile der EiBcheinung Christi, oder auch an den Festen der
Apostel oder Märtyrer „unzählige Volkshaufen, wie Du versicherst, das
Bikrament der Taufe empfangen^, da in Rom und in allen Kirchen
üess nur zweimal im Jahre geschehe. Vierzig oder mehr Tage vorher
Blässe die Anmeldung geschehen; Exorcismen, tägliche Gebete und
Pasten müssen der Taufe vorhergeben. Kindern aber, die noch nicht
^edhen können , und denen , die sich in einer Noth befinden , solle die
nn&che Taufe (mcH nitda bapUsmatis) schleunigst erlheilt werden. Wer
Üese allgemeine Regel nicht beobachte, wolle von dem festen aposto-
Ischen Felsen getrennt werden, auf welchen CbristuI die ganze Kirche
[ebaUt — Aus dem Introitus der spanischen Messfeier an Epiphanie hat
Dan mit Recht geschlossen , dass damals in Spanien überhaupt (wenigstens
n Tanae(mensis) an diesem Feste die Taufe gespendet wurde *).
*) NeaU, Tttralogia Utmrgica, London 1S49, />. 224, Die Messe beginnt an Epi-
phania nlt den Worten: Vot qui in Ckriaio kaptuaduiit: Ckrittun indm§tit aikk^'ci.
428 Siebentes Buch. Zwölftes Kapitel.
Aus Kap. 3 erfahren wir, dass in Spanien einige Christen zur
Apostasie übergiengen , und sich durch den Dienst der GkSzen und heid-
nische Opfer befleckt haben. Sie sollen vom Leibe und Blute Christi
ganz getrennt werden ; und , wollten sie je sich bekehren , sollen sie ihr
Leben lang Busse thun, und erst am £nde die Gnade der Wiederye^
einigung erhalten. Bei diesen Apostasieen liegt es nahe, an Julian den
Apostaten zu denken; femer — an das erwähnte Grab des Hercules in
Tarragona aus dem vierten Jahrhundert — mit ägyptischem Stile, an
Marcus von Memphis und seine Sekte der Manichäer, welcher zuzuMen
— nichts anderes als eine Apostasie an das Heidenthum war.
Kap. 4 sagt: Du hast angefragt über die Verschleiening der
Ehe , ob nemlich das einem Andern verlobte Mädchen ein Anderer zur
Ehe erhalten könne : Wir verbieten auf alle Weise , dass solches ge-
schehe, denn jenen Segen, den der Priester einer Braut ertheilt, iq^end-
wie zu verlezen, gilt bei allen Gläubigen wie ein Sacrilegium. Danni
erhellt, dass die Verlobten als solche den priesterlichen Segen erhidteo,
und dass die Mädchen von dieser Zeit an wenigstens den Schleier trugen.
Es gab also in Spanien eine Verschleierung der gottgeweihten Jung-
frauen und der Bleute.
Kap. 5 bestimmt, was mit den rückfalligen Büssem geschehen solle,
über welche auch Pacianus klagt Sie sollen allein des Gebetes der
Gläubigen in der Kirche theilhaftig werden , und den heiligen Myaterien,
obwohl unwürdig, anwohnen; jedoch vom Tische des Herrn ausgeschlossen
^Iperden, auch andern zum warnenden Beispiel. Sie sollen aber an ihrem
Lebensende als lezte Wegzehrung die heilige Communion empfangen.
Diess gelte auch für die Weiber, welche nach der Busse gefallen
seien.
Kap. 6 handelt von den unenthaltsamen Mönchen und Nonnen
(moncuihiie). Einige davon haben früher insgeheim gesündigt; dann aber,
an ihrem Heile verzweifelnd, eine Ehe eingegangen, welche Staats- und
Kirchengeseze verbieten. Solche Personen seien von den Kirchen und
EUöstem zu entfernen, und sollen — eingeschlossen in ihre Zimmer —
(ergtuitda) lebenslange Busse thun , und erst am Ende die heilige Weg-
zehrung erhalten. — Ein Beispiel wohl aus der Zeit von 388 — 392 et-
zählt Hieronymus von Tiberian aus Bätika , der seine Tochter , eine gott-
geweihte Jungfrau, verheirathet habe. — (Vergl. can. 8 von Saragossa.)
Kap. 7. Siricius und Himerius klagen sehr über die Disdplin der
Priester. Sehr viele Priester und Leviten haben — nach langer Amts-
führung Ehen eingegangen, oder seien sonst gefallen, und haben sich
auf das alte Testament berufen. Alle Priester und Leviten seien durch
ein unauflösliches Oesez verbunden , von dem Tage ihrer Ordination an
enthaltsam zu leben. Wer hierin Reue bezeuge , solle seinen Grad bei-
behalten, aber nicht übersteigen. Die Hartnäckigen werden durch den
Papst ihrer Würde entsezt, und dürfen die heiligen Geheimnisse nicht
Die KireheaproTioi Tarraconensis von 357 — 589. 429
nehr TorwAlten« Wenn ^in Bischof, Priester oder Diakon in Zukunft
lierin fehlt , der soll keine Nachsicht finden.
K«p. 8—9. Männer aus jedem Stande, auch wenn sie öfter verehelicht
nraren , strebten nach geistlichen Würden. Die Metropoliten y die Solches
Eogeben, sündigen. Desswegen giebt Siricius hierüber für die ganze
iimke eine Norm (Kap. 10). — Wer sich dem heiligen Dienste weiht,
1er moss in seiner Kindheit die Taufe erhalten und nachher Lector ge-
wesen seyn« Als Acolyth und Subdiakon — darf er in die Ehe treten,
iwskk nur mit einer Jungfrau; will er Diakon werden, so muss er £nt-
haltsanotkeit geloben. Nach weitern 5 Jahren (mit 35 J.) mag er das
Presbyterat erhalten. Und wieder nach 10 Jahren kana er die Würde
des Ksdiofe erlangen. Kap. 11. Der Cleriker, der eine Wittwe oder
sweite Gremahlin ehlicht, verliert alle Aemter, und wird Laie. Elap. 12
sddürft ein, was die Synode von Nici&a über den Umgang der Cleriker
mit Frauen befiehlt Kap. 13 wünscht, dass auch Mönche in den Clerus
eiatrelen. Sie sollen stufenweise die verschiedenen geistlichen Würden
«langen. Kap. 14. Cleriker sollen nicht öffentliche Busse thun^ Nie-
msnd, der. in den Reihen der Büsser war, soll unter den Clerus au%e-
Dommen werden. Kap. 15 ist allgemeinen Inhalts.
Der Priester Bassianus hatte das Schreiben des Himerius überbracht
DMser möge die Antwort des Papstes „zur Kenntniss aller unsrer Mit-
kischöfe bringen^; nicht bloss derer, die in seiner Diöcese (d. i. Kirchen-
provinz) sich befinden, sondern auch an alle Carthaginensische, Bätische,
Lnsitanische und Gall(izi)sche Bischöfe, oder an die, welche auf der
einen und andern Seite an seinen Sprengel stossen , mit Begleitschreiben
vm ihm (von Himerius). Für ihn werde es auch nach dem Alter seiner
Bischofiswürde (pro anHquikUe iocerdoHi tut) sehr ruhmreich seyn, wenn
er das iha» Mitgetheiite zur Kenntniss aller Mitbrüder bringe. Das
Schreiben ist erlassen am 10. Februar 385 ^).
Fast dieselben Klagen und Beschwerden finden sich in dem Briefe,
wdchen zwanzig Jahre später Papst Innozenz L an die Bischöfe der
Synode von Toledo richtete. Dort heisst es u. a. : „Sodann ist auch die
Angelegenheit der Tarraconensischen Bischöfe zu verhandeln , welche in
Ihnlicher Weise sich beschwert haben, dass Minicius in der Earche von
(Jerunda einen Bischof ordinirt habe, und nach den Canones von Nicäa
ist über eine solche Anmassung das Urtheil zu sprechen. Die also .g^
weihten Bischöfe sind nicht anzuerkennen.^ Die „Tarraconensischen
0 Die Decretale u. a. bei Voelli und Justelli BibHotheea jvrt$ cotwn, veUris, 2 L Pcurii,
1661 f I, 190. — Couatant, epinohe roman. pont, Parti, 1721, p. 623, — Leonis M,
€pera etL Bailerwi, t 3, 2^6-^255, — Mann, t 3, 655. — Agmrrt, ed. 1753,
t 3, p. 13-^20. — FerrtraB-BatmgarUn, L 1, 547—548 — Antzag. — Jqff,
p, 20 ~- Auszug.
4SIA SiebeBtes Bveh. ZwniftM RftpfM.
BischSfe^ sind hie^ wohl der HetropoUt und seine 8iiffi*agane;'der Name
jenes, aber wird nicht mitgedieilt.
In oder vor dem J. 465 richteten „die Tarraconensisdien Bischöfe^
in ttfanliehen Anliegen swei Briefe an Papst HilariuB (461 — 468). £b
schriebeil „dem Herrn, dem seligsten, und mit apostolischer Ehrfbrciit
A«M. von uns in Christas hochachtbaren Papste HilarinSi d^ Bischof Ascanim
4^"* und sttmmtliche Bischöfe der Tarraoonensischen Prorins*. Das Prindpit
des heiligen Petras erstrecke sich über die ganse Welt, sei von alles
£a JPürchten und zu lieben. In ihrer Mitte sei ein fidseher Bruder, der
Bruder Silvanus von Calagurris , „im entferntesten Thefle unsrer Ph>Tini
att^estellf , der sich ungehörige Weihen anmasse, und sie Ewinge, sich
ui den Papst zu wenden. Schon vor sieben, acht oder mdbr Jahres
ordiüirte er G-eraeinden, die nichts Solches b^;ehrten, einen BischoC
Später habe er dnen Piresbyter eines andern Bischofs der Provins, der
sehon sum Bischöfe bestimmt war, aus blosser Anmassong geweiht;
d. i. sich das Amt des M^ropoliten angemasst Darttb^ führte der Bi-
sdiof'von Saragossa (in dessen Bisthum jener Priester wahrscheinlioii
sidh befand) Klage, der sich bis jest immer dem sohisitiatischen Treibcs
des Sylvanus widerseet hatte. Der Papst möge nun entscheiden, wu
asü gMshehen' habe. Sie würden sidi versanduneln, und nach seinem iiDd
de^ Väter AusiBprttchen sehen , was mit dem Ordinirten und Ordiniren-
den SU geschehen habe.
Als die 'Antwort sich verzögerte, schrieben dieselben ^Tarracono-
übchen Bischöfen wied^ an Hilarius. Bie sagen: „Welche Sorge er on
die Bischöfe seiner Provinzen trage, haben sie aus dem mündlichen Be>
rieht des erlauchten Herrn Vincentius, des Dux ihrer Provinz, erfahren:
auf dessen Ermuthigung sie nun zum zweitenmale schreiben. In dem
Briefstile von Provinzialen bringen sie dem Papste die geMHwnde Hul-
digung. £r möge sie, wie die Uebrigen, in seinen GtebetaÜ in seinem
Herzen bewahren , und genehmigen , was sie gethan. Der Bischof von
Barcelona, der „heilige Nundinarius^, war gestorben. Er hintertiess
dem Bischöfe Irenäas, den er schon voriier in seiner Diöcese mit ihrer
G^ehmigung (zu seinem Coadjutor) eingesest hatte, sein ärmliches ErbC)
wünschte aber, „dass er durch die Entscheidung „des höchsten Wüleos',
d. L den Papst, an seine- Stelle gesezt werde. Clems und Volk der
Südt Barcino, und die besten und meisten Provinzialen wünschen den
Irenäus als Bisehof. Das Municipium , worin Irenäus bis jest (ab Bischof;
gewirkt, befinde sich im Bisthume Barcelona. Sie hätten also den Ire-
näus bestätigt, und bitten um Gutheissung des Papstes.
Schon lange haben sie über die Anmassung des Bischofs Sylvanus
geklagt, und bitten nun um eine Antwort. Besorgend, ihr erster Brief
möchte durch die Saumseligkeit des (Brief-) Trägers , oder die Schwierig-
keit des weiten Weges nicht an den Papst gelangt seyn, wiederholten
sie den ersten BriefL
Die Kirehenprovinz TarraconensiB tod 357 — 589. 431
Die Antwort des Papstes trägt das Datum des 30. Dezember 465.
Er berichtet, dass er, nach dem Einlaufen der obigen zwei Briefe auch
3iii Schreiben von Honoratioren und Gutsbesizcm aus Turiasso, Cas-
^antumi Calagurris, Varia, Tritium, Li via und Virovcsca, Orten im
Bisthum Calahorra, oder dessen Nachbarschaft, mit vielen CJnterschriften
erhalten habe, worin sie den Sylvanus entschuldigten. Doch gieng aus
hrem Schreiben hervor, dass einigen Städten ohne Vorwissen des Metro-
[K>liten Ascanius Bischöfe (Sacerdotes) ordinirt worden. Was indess ge-
schehen sei , das will der Papst im Hinblick auf die Noth der Zeiten —
oachsehen. In Zukunft aber soll kein Bischof ohne Zustimmung des
Ascanius geweiht werden, wie es die 318 Väter von Nicäa verordneten.
Kein Bischof darf seine Kirche verlassen , und zu einer andern über-
gehen. Also müsse auch Bischof Irenäus von der Kirche von Barcelona
entfernt, und auf seinen fiühem Plaz zurückgeschickt werden, und die
Gemüther des Volks und Clerus müssen beruhigt werden, welche aus
Unkenntniss der kirchlichen Geseze veruneinigt worden; alsbald müsse
U18 dem eignen Clerus für Barcelona ein solcher Bischof gewählt wer^
den, der würdig sei, „auch den Beifall und die Weihe durch Ascanius
txk erlangen^. Die sonst gegen die Canones geweihten Bischöfe werden
bestätigt (obgleich sie verdient hätten , mit ihren Beförderern — d. i. mit
Sylvanus, abgesezt zu werden), wenn keiner von ihnen eine Wittwe,
eme Geschiedene oder mehrmal geheirathet. Die Spanier mögen sich
an die Disciplin der ganzen Kirche halten. In einer Kirche sollten nie
zwei Bischöfe seyn. Mangel an Bildung, oder des Besizes aller Glieder,
oder vorausgegangene Busse schliesse vom heiligen Dienste aus. Die
Petitionen des Volks dürfen nie dem Willen Gottes vorangehen. Er
sendet diess Schreiben durch seinen Subdiakon Trajan. Wenn Irenäus
za seinem Bisthume nicht zurückkehre, werde er seine bischöfliche
Würde verlieren.
Einen zweiten Brief des Papstes in derselben Sache hat Florez mit-
getheilt , der sich in der Concil - Sammlung des Aguirre nicht findet. Er
war spedell an Ascanius gerichtet. Er tadelt ihn wegen seines Nach-
gebens in der fVage des Bisthums Barcelona, und besteht fest auf dem
föcktritte des Irenäus. Der Subdiakon Trajanus hatte noch das besondere
Mandat, die Durchführung obiger Beschlüsse zu betreiben.
In Rom waren aus Anlass einer festlichen Beglückwünschung das
Papstes am 19. November 46Ö — an 48 Bischöfe versammelt, mit welchen
der Papst in der Basilika der heiligen Maria eine Synode hielt, worin
u. a. die Briefe aus Spanien verlesen, und die Antwort beschlossen
wurde. Hier sagt der Papst zuerst, dass „einige das Bisthum nicht für
ein göttbches Geschenk, sondern für ein Erbgut halten, das man durch
Testament und in Form Rechtes übertragen könne^; sodann, dass „die
meisten Priester (plerique SacerdoUsJ in der Nähe des Todes andre als
Uire Nachfolger postuliren, so dass die Gunst des Verstorbenen an die
432 Siebentes Bach. Zwölftes Kapitel.
Stelle der ZustiinmuDg des Volkes trete. Der Notar Paulus las die
Briefe aus Spanien vor. — Erst einen Monat und zwölf Tage später
wurden die cwei Schreiben des Papstes ausgefertigt^).
Was nunmehr in Barcelona geschah, wird uns nicht berichtet Aber
noch hundert Jahre später geschah an dem Metropolitansize von Emeriti,
was wir oben über die Wahl des Bischöfe Fidelis erzählt haben. Man
hatte sich in Spanien in diese Sitte der Vererbung so eingelebt, dass nun
wohl mit einiger Mühe begreifen mochte, warum Sylvanus von CSalagonis,
der viel verschuldet, nichts zu biissen hatte, dass Irenäus, der nichtB
verschuldet, für fremde Sünden büssen sollte. Indess war Irenäus nick ^
aus einem andern Bisthume, sondern aus einer Pfarrei des Bisthumi ^
Barcelona in diese Stadt selbst gekonmien , und es war wohl kaum seine
oder seines Vorgängers Meinung, dass nunmehr diese Pfarrei als m
selbstständiges von Barcelona getrenntes Bisthum fortbestehen sollte^
Es folgt nun der Zeit nach der Verkehr des Bischofs Johannes tob J
7u^ Tarraco mit dem Papste Hormisdas (514 — 523). — Im J. 616 versammelte \
*^'' Johann die Bischöfe seiner Kirchenprovinz zu einer Synode in Tarn-
gona um sich. Sie wurde Aera 554, im sechsten Jahre des KöDijp
Theodorich, der seit dem J. 511 die Vormundschaft über seinen Nefoi
Amalrich führte, unter dem Consulate des Petrus, am 6. November, ge-
halten. — Die Versammelten berufen sich auf die alten ^Statute' der
Väter. Sie wollen die alten Einrichtungen bewahren, die neuen be-
festigen. Sie sind zusanmiengekonmien in Tarraco, welches Metropole
ist, und haben sich über 13 Titel — Canones — vereinigt:
1) Die Cleriker, welche für Verwandte sorgen dürfen, sollen ihnen
das Nöthige reichen, aber ihre Besuche bei ihnen schnell beendigen,
und dort nicht Herberge nehmen. Zu diesem Besuche sollen sie einen
bewährten Zeugen von reifern Jahren mit sich nehmen. Ein Cleriker,
der dagegen handelt, soll sein Amt verlieren, ein Religiöse oder Mönch
in seinem Kloster abgesondert wohnen, und zur Abbüssung von seinem
Abte nur Brod und Wasser erhalten.
2} Wie die Canones bestimmen, soll ein Cleriker nicht Handel
treiben; wer es dennoch thut, werde vom Clerus entfernt
3) Wenn ein Cleriker Geld im Nothfalle ausleiht, so soll er den
Werth wieder in Wein oder Frucht zurückerhalten , was sonst zu seiner
') Vorstehende Aktenstücke, nemlich die vier Briefe und die Akten des Comeüim
Ramamm von 465 — bei Florez, Tarragona, i, 29, apmuL 3^7, p. 192—203.-
AgmrM, «. 3, p, 113-120, - ÄirdiitVi, L 2, p. 787. — Ifoiut, t 7, p. 925 i*.
-^ p. 938 tq, — Sirmond., CancO. GalUae, t /, p. 132 »q. — Ftrrtm, t %
p. 100, — Ji^^f, p. 49. — BtfiU, 2, 57/ — 72 — diese drei im Aassn«« -
tipamm.
*) GroAm e. 3. Cmua XIV. q. 4.
Die KirchenpTovJDz Tarraconensis von 357 — 589. 433
lüt in dea Handel gekommen wäre: wenn aber (der Schuldner) die
lothwendige Gattung nicht hat, soll er sein Darlehen ohne Zinsen zu-
iickerhalten.
4) Kein Bischof, Priester oder Cleriker soll an einem Sonntage über
ine ihm vorgelegte Streitsache richten, da sie nur Gott diesen Tag
fidmen sollen; wohl aber an den andern Tagen ^ nur nicht in Criminal-
HUen.
5) Wenn ein Bischof in der Metropole nicht geweiht worden, hat
iber durch Schreiben des Metropoliten das Bisthum erhalten, so muss
r sich innerhalb zweier Monate bei ihm einfinden, und seine Belehrungen
smp&ngen; versäumt er diess, so werde er in der S3mode zurecht-
^wiesen; ist er kränklich, so hat er sich schriftlich zii entschuldigen.
6) Der Bischof, welcher ohne Grund von der Synode sich ferne
bält, solle bis zu der nächsten Synode von der Communio charitatii mit
illen Bischöfen ausgeschlossen seyn.
7) In den Kirchen der Diöcese (Pfarrkirchen) sollen die dort ange-
itellten Priester und Diakone mit dem Clerus die Wochen einhalten,
Demiich die erste Woche der Priester, die zweite der Diakon. Am
Samstag aber soll der ganze Clerus zur Vesper erscheinen, damit um
80 sicherer am Sonntag der Gottesdienst in Gegenwart aller gehalten
werde. Doch soll an jedem Tage Vesper und Matutin gehalten werden,
denn wir haben erfahren, dass bei dem Wegbleiben des Clerus, was
das schlimmste ist, in den Kirchen nicht einmal die Lichter besorgt
werden. Die Säumigen sollen der Strafe nach den Canpnes verfallen.
8) Da einzelne Diöcesankirchen ganz verlassen sind, so sollen nach
«Iter Vorschrift die Bisthtimer jährlich von den Bischöfen visitirt werden,
damit sie. wo sie verlassene Kirchen finden, ihnen durch Ordinationen
sa Hilfe konunen. Denn nach altem Herkommen bezieht der Bischo/
den dritten Theil aller Einkünfte.
9) Wenn ein Lector einer Ehebrecherin sich beigesellen oder sie
heirathen will, — so verlasse er sie, oder werde vom Clerus ausge-
schlossen; dasselbe gelte von dem Stande der Ostiarier.
lOj Kein Bischof oder Cleriker solle, wie weltliche Richter, — für
geschehene Vertretung Geschenke nehmen, wenn es nicht Opfer in der
Kirche sind, die aus Andacht gegeben werden; die anders Handelnden
sind als Zinswucherer nach den Statuten der Väter abzusezen.
11) Mönche sollen nicht ihre Klöster verlassen, und einen kirchlichen
Dienst sich aneignen , ausser auf Befehl des Äbtes ; keiner soll ein welt-
liches Geschäft übernehmen , ausser im Dienste des Klosters und im Auf-
trage des Abtes, wobei vor allem die Canones der Gallier maassgebend sind.
12) Stirbt ein Bischof ohne Testament, so sollen nach seiner Bei-
sezung Priester und Diakonen ein Inventar vom kleinsten bis zum grössten
au&ebmen; wer überwiesen wird, etwas mit sich genommen zu haben,
soll wie ein Dieb behandelt werden, und alles restituiren.
Gami, ipan. Kirche. II. 28
434 Siebentes Buch. Zwölftes Kapitel.
18) Die Bischöfe sind durch den Metropoliten anzuweisen, dass sie
zu der Synode nicht bloss Priester von den Kathedral-, sondern auch
von den Diöcesankirchen, und auch einige gottesfiirchtige Laien mit
sich bringen.
Die Unterschriften lauten:
Johannes im Namen Christi Bischof der Stadt Tarraco habe diese
von Uns niedergeschriebenen Constitutionen unterzeichnet — Paulus
iü Christi Namen der Stadt Emporias unterschreibe. — Hectorin
Christi Namen Mettopolitan- Bischof von Carthagena unterschreibe. — Es
folgen Frontinian von Gerunda, Agricius von Barcino, Orou-
tius von Elvira (vielmehr von Lerida), Vincentius von Saragossa,
Ursus von Dertosa, Cynidius von Auusona (Vieh). Nibridius
schreibt: Ich in Christi Namen der niedrigste der Bischöfe , Diener an
der Kirche von Egara, unterschreibe die Constitution der heiligen Ca-
nones. Es waren acht Sufiraganbischöfe anwesend, sämmtliche Nach-
barbischöfe von Tarraco, etwa mit Ausnahme von Saragossa. Es fehlten
die Bischöfe von Cälagurris und Turiasso ; ob auch die Bischöfe von Urgel,
Pampelona und Osca , lässt sich nicht sagen , weil diese Bisthümer bisher
nicht in der Geschichte erscheinen. Im Ganzen sieht man , dass die Ab-
wesenden wohl durch die weite Entfernung sich entschuldigten^). —
(Von Bischof Hector m Kap. 13, S. 444 — 445.)
Schön im nächsten Jahre — fand wieder eine Synode statt, am
8. Juni 517, unter dem Consulate des Agapet, zu Gerunda, gleichsam
zur Bequemlichkeit der nördlichen Bischöfe der Provinz. Denn nach
der Reihe der Unterschriften war Paulus von Emporias der älteste Bi-
schof. Die Bischöfe unterschreiben diessmal nur ihre Namen: 1) Joannes
Bischof (von Tarraco); 2) Frontinian (von Gerunda, hier vielleicht
als der zweite, weil die Andere seine Gäste waren); 3) Paul (von
Emporias); 4) Agripius, vielmehr Agricius (von Barcino); 5) Cyni-
dius (von Vieh); 6) Nibridius (von Egara); 7) Orontius (von
Ilerda). Vom vorigen Jahre fehlten Vincenz von Saragossa und Ursus
von Dertosa, beide relativ entfernter von Gerunda, als die sieben An-
wesenden. Von den etwa noch übrigen Bischöfen hatte sich keiner
durch die Androhung der Excommunication im Canon 6 vom J. 516 —
herbeiziehen lassen.
Canon 1 enthält die sehr wichtige Vorschrift: In Betreff der Ein-
richtung der Messe , — dass , wie es in der Metropolitankirche geschieht,
so soll im Namen Gottes in der ganzen Tarraconensischen Provinz so-
wohl die Ordnung der Messe selbst, als die Weise des Gesanges und
Dienstes gehalten werden.
')Die Aktenstücke bei Aguirre, 3, 123^-129. — Florez, t. 25, p. 58-^71;
ap. p, 204 — 211. — Hardumy t, 2, p. 1039 »q, - Mann, 8, 539 »g. — Tejada
y Ramiro, 2, 110—116, — ü. HefeU, 2, 655 — 58,
Die Kirchenprovinz Tarraconensis von 357 — 589. 435
2) In der auf Pfingsten folgenden Woche sollen vom Donnerstag
18 Samstag die Litaneien (Rogationen) mit Fasten gehalten werden *).
3) Die zweiten Litaneien fangen am t. November an, fällt auf die
rei Tage ein Sonntag, so sollen sie in der nächsten Woche am Don-
srstag wieder mit Fasten beginnen, und am Samstag nach der Vesper-
esse zu Ende gehen. An d^sen wird Fleisch und Wein nicht ge-
)8sen*).
4) W-eil, je grösser die Feierlichkeit an Ostern oder Weihnachten
\, um so weniger Catechumenen zur Taufe sich einfinden, so dürfen
LT Schwächliche an den übrigen Festen getauft werden, denen die
rafe überhaupt zu keiner Zeit zu yerweigem ist. (Corpus jur. canon,
15 — de eonseerat. DiH. IV.)
5) Neugeborne, die nach der Milch nicht verlangen, sollen, wenn
I gewünscht wird, am Tage der Geburt getauft werden.
6) Sind Verheirathete ordinirt worden, so gilt für sie das Geses
)m Bischof bis zum Subdiakon , dass sie ohne Begleitung eines, andern
raders Dienste nicht in Anspruch nehmen: bei ihrer Schwester, was
m ihre Gemahlin geworden, sollen sie nicht wohnen; wenn sie es
>er doch wollen, so sollen sie einen andern Bruder als Gehilfen und
eugen um sich haben.
7) Die, welche unverheirathet geweiht werden^ und ein Hauswesen
iben, sollen einen Bruder als Zeugen des Wandels haben, und ihr
aoswesen nicht durch eine Frauensperson führen lassen , sondern durch
nen Bedienten oder Freund. Hat er aber eine Mutter oder Schwester
. seinem Hause, so darf er nach frühem Canones durch diese seinen
anshalt besorgen.
8) Ein Laie, der wieder heirathet, werde vom Clerus ausge-
gossen ^).
9) Hat ein Kranker — nach der Benedictio poenitentiae die Weg-
ihrung erhalten, und — wiedergenesen — nicht in der Kirche Busse
lan müssen, so kann er, wenn gegen ihn nichts vorliegt, — in den
leros eintreten.
10) Wer in Lebensgefahr die Busse empfängt, und keine offenbaren
erbrechen, sondern nur, dass er ein Sünder sei, bekennt, der kann
ich der Genesung und bei Wohlverhalten in die kirchlichen Grade
ntreten; die aber bei der Busse einer Todsünde sich öffentlich anklagen,
dien in Folge ihres Bekenntnisses kirchliche Ehrenstufen nicht er-
iogen.
') €/: / ÄureHm, v. 511 — c. 27 — 28. — HeftU, 2, p, 646,
*) HBfik, 2, 614; 637 über die Vespermessen nnd die CiUte das.
>) c. S. Bist. XXXIV.
28
436 Siebentes Bach. Zwölftes Kapitel.
11) Täglich soll nach der Matutin und Vesper das Gebet des Herrn
vom Priester verrichtet werden*).
In die Zeit zwischen obigen beiden Synoden Täilt wohl das (ver-
lorene) Schreiben des Johannes von Tarraco an Papst Hormisdas. Dieser
antwortet am 2. April 517 (im Consulate des Ägapitj „dem geliebtesten
Bruder Johannes^; er habe dem Papste seine Ankunft in Italien ange-
kündigt, und die besten Gesinnungen kundgegeben. Der Papst bedauert,
dass er nicht habe kommen können. Johannes wünschte, dass der Papst
an die Kirchen Spaniens allgemeine Decretc richte, um bestehenden
Missständen dadurch abzuhelfen, worauf der Papst gern eingieng. Er
richtete durch Casianus , den Diakon des Johannes , diese Schreiben an
die Bischöfe. Weil aber durch die Einladung des Johannes sich ihm
dieser Weg der Mittheilung dargeboten habe , so belohnt der Papst seine
Sorgfalt, indem er ihn, mit Wahrung der Vorrechte der Metropoliten,
zu. seinem Vicarius in Spanien bestellt , dass er über die Einhaltung der
Canones und päpstlichen Decrete wache, und in wichtigen Anliegen an
den Papst berichte^).
Es ist einleuchtend , dass man diese Erhöhung — in Sevilla als Ein-
griff in verjährte Rechte, in das durch Papst Simplicius dem Bischof
Zeno übertragene Vicariat betrachtete, und dass desswegen sich SaDu-
stius und seine Suffi^agane nach Rom wendeten (davon in Buch 8 — bei
Leander von Hispalis und S. 418).
Die erste Encydica des Papstes „an sämmtliche Brüder die Bischöfe
in beiden Spanien (einerseits Bätika und Lusitanien, anderseits die drei
nördlichen Provinzen), erwähnt zuerst des allgemeinen Friedens der
römischen Reptiblik, d. i. der Herrschaft des Ostgothen Theodorich, der
bis zu seinem Tode auch über Spanien regierte, so dass er nun leichter
an sie schreiben könne. Weil der Bischof Johannes ihm mitgetheilt
habe , dass bei ihnen Einiges gegen die Kirch engeseze geschehe , so lege
er ihnen nun allgemeine Vorschriften vor. 1) Bei der Wahl der Bischöfe
werde das eingehalten , was so oft schon vorgeschrieben wurde. Es soUe
eine lange Prüfting vorausgehen , und nur stufenweise die hohem Aemter
ertheilt werden ; Laien seien nicht ohne Weiteres zu weihen , am wenig-
sten Pönitenten. — An die Stelle der Geburt aus dem Stamme Levis
bei den Juden sei heute die Erziehung und Heranbildung getreten ^j.
') c. 14 — de corueerat, DiaL V, — Äguirre, 3, 129 — 134. — Fhrex - Merino,
L 43, p. 220 — 229, — Harduin, 2, p. 1043 sq. — Mansi, 8, 549 »q. - T^äAi
y Ramiro, 2, 117 — 122. - Ä Ceiüier, t. 10, 749-750 (Ausgabe von 1861).
— Be/eU, 2, 658 - 659.
*) Weil hier die CoUectio canonum Hispana den Johannes Bischof yon Ilici (Elcbe)
nennt, so glaubt aach C^jetan Cenni also lesen zu müssen (Cenni, l, p. 209 ><}•)•
Ganz mit Unrecht. Die Lesart ist gefälscht, wie wir unten xeigen werden.
') qvod iUis fiut nasci , nobis imbui.
Die Kirchenprovinz Tarracononsis von 357 — 589. 437
2) Die Bi0chof8würde dürfe nicht durch Simonie erworben werden.
Es finde freie Wahl statt, und die Stimme des Volks sei Gottes Stimme.
Dort ist Gott, wo einfacher Consensus stattfindet Auch theile der Con-
secrator die Schuld, wenn er wisse, dass die Wahl unstatthaft; gewesen.
Die Metropoliten sollen ihre Privilegien von Alters her behalten. Sie
sollen anch in den Pfarreien auf die rechte Wahlordnung gewissenhaft
halten, sowie es vorgeschrieben sei.
3) Nach alter Vorschrift sollten jedes Jahr 2 Synoden stattfinden;
and diess solle, wo möglich, geschehen; wenigstens unweigerlich einmal
im Jahre. Diese schön und geistreich geschriebene Encyclica trägt gleich-
falls das Datum des 2. April 517 (fälschlich heisst es Aera D L VI
statt V).
Eine zweite Encyclica, veranlasst durch Anfrage des Bischöfe Jo-
hannes, belehrt „alle Bischöfe in Spanien, wie es wegen des annoch
bestehenden (ersten oder kleinern) Schisma mit den Griechen zu halten
sei''. Nach reichlichen , dem Johannes ertheilten Lobsprüchen übersendet
er ihnen die Akten der Verhandlungen , zum Zeugnisse seines und seiner
Vor^lnger Ver&hrens, und — wie viel er schon gethan, den Frieden
herzustellen — bis jezt ohne Frucht Er übersende eine Formel (libeütu),
nach welcher die sich anmeldenden Griechen aufzunehmen seien, und
nach welcher schon viele Griechen aus Thracien, Scythien, Ulyricum,
dem alten Epinis, selbst aus Syrien sich in die römische Gemeinschaft
haben aufnehmen lassen. Damach möge man nun sich in Spanien strenge
halten. Dieses erste Schisma wurde schon 519 wieder ausgeglichen.
Der Notar Bonifadus sandte eine — uns erhaltene Abschrift dieser Formel
nach Spanien, in welcher Acacius nebst frühem Häretikern ausgeschlossen
wird. Der Unterschreibende verspricht, dass er die Namen der Ausge*
sdilossenen nicht bei der heiligen Feier recitiren wolle.
Wir werden uns in der Annahme nicht irren, dass die am 8. Juni
517 zu Lerida gehaltene Synode durch die Encyclica des Papstes vom
2. April hervorgerufen wurde. Da aber die Betheiligung eine geringere
war, als im J. 516, vielleicht auch, weil inzwischen der Tod des Bi-
schöfe Johannes, den vrir den ausgezeichnetsten Bischöfen der Kirche
beizählen dürfen, erfolgte, so scheinen vorerst weitere Synoden unter-
blieben zu seyn. Später wurden zwei Synoden unter dem Vorsize des
$ergius, vielleicht Nachfolgers des Johannes von Tarraco, zu Barcino
md zu Ilerda gehalten. — Die erstere Synode fand um das J. 540 statt
Jie steht aber nicht in der altspanischen ColleeHo eanonum. — Der Ein-
pmg lautet: Da im Namen Gottes zu Barcino die heiligen Bischöfe zu-
aomientraten ^ nemlich Sergius der Metropolit, Nebridius von Barcino,
üasotius von Emporias, Andreas von Ilerda, Stafilius von Gerunda,
Johannes von Saragossa, Asellus von Dertosa etc. (im Ganzen 7). Die Be-
schlüsse sind: 1) Der 50. Psalm solle vor dem Canticum gesagt werden.
2) In der Matutin solle, wie in der Vesper, der Segen den Gläubigen
438 Siebentes Buch. Zwölfte« KapiteL
gegeben werden. 3) Kein Cleriker 30II das Haar pflcfgen, oder den
Bart raairen. 4) Der Diakon 90II sich nicht auf dem BiB des Priesten
niederlassen (oder in seiner G^enwart nicht aizen). 5) In Gegenwart
des Bischöfe sollen die Priester die Orationen der Ordnung nach ver-
richten ^). 6) Die männlichen Büsser sollen geschoren , und in religiösem
Habit, mit Fasten und Flehen ibr Leben hinbringen^). 7) Die Büsser
sollen Gastmalen nicht beiwohnen , sich nicht mit Geschäften abgeben,
sondern nur in ihren Häusern ein frugales Leben führen. 8) Wenn die,
welche in einer Krankheit die Busse begehren, und sie von Bisdiiöfen
eriialten , später genesen , so sollen sie als Büsser leben, mit Ausnahme
der Handauflegnngjt, .von der Communion getrennt, bis der Bischof ihr
Leben löblich findet 9) Die Kranken sollen den beglückenden Segen
(Viaüeum) empfiuagen. 10) Für die Mönche gelte, was die Sjnode
von Chalcedon verordnet^).
Am 8. August des J. 646 (n. a. 524, s. Kap. 13)i &nd eine Synode in
Uerda statt,, welche 16 Canones feststellte. Unter dem V orsiase des Sergios
waren zugegen 1) Justus (von Urgel); 2) Cason(tjius (von Emporisaj;
3) Johannes (von Saragossa); 4) Paternus von Barcelona; ö) Maureliiu
von Dertosa; 6) Taurus von Egara (Tarrasa); 7) Februariua von Le-
rida; 8) der Priester Gratus, für Stafilius von Gerunda. Also wieder
Niemand von Calagurris und Umgegend. — Ihre Decrete sind: 1) Im
Falle der Belagerung einer Stadt*) dürfen die Priestei^kein Blut, aach
nicht der. Feinde vergiessen. Sonst sind sie £wei Jahre lang von Amt
und Communion auagesohlossen. Bei aufrichtiger Busse können sie wie-
der eingesezt werden , aber nicht vorrücken. Sind sie lässige so kann
der Bischof ihre Busse verlängern ^). 2) Wer die im Ehebruche erzeug-
ten Kinder zu^tödten sucht, soll, ohne Unterschied des Geschlechtes,
sieben Jahre Busse thun , doch lebenslang dem Weinen und der Demutb
obliegen; nie mehr soll er am Altare dienen , jedoch im Chore Psalmen
singen, nach der Zeit der Busse. Giftmischer sollen, wenn sie ihr Leben
lang Busse thun, am Ende die Conmiunion erhalten. 3) Den Mönchen
sollen die Statuten der Synode von Agde (c 27) oder Orleans I (c lü
— 23) gelten; doch kann der Bischof zum Nuzen der Kirche mit Ein-
stimmung des Abtes Mönche zu Priestern weihen. Was den Klöstern
geschenkt ist, kommt dem Bischöfe nicht zu. Wenn ein Laie wünscht,
') üeber CoUecta — v. du Canj^e: CoUtcta.
*) C. AgaA, v. 506, c. 15. — c. 6^. DisL ^.
») Ägmrrt, 3, 165^168. — Fhrtx, 29, 122- 124} 280^ JSI. Uarduin, 2, 1434.
— Sirmond, 1 , 247 sg, — Mann, 9, p. HO »q, — Be/ele, 2, 756-757,
«) FbrtZ'Ctmal, L 46, p, 99, — Ferreras, 2, 228, cf. Hardum, 2, 1064 tq. -
Mann, t8, 612 $q,-- Aguirre, 3, 168-173, - Tejaday iUMmiro, 2, 138-^146.
^ mfüi, 2, 684-^688,
Die KirchenproviDB Tarraconensis voo 357 — 589. 439
daas eine von ihm gebaute Kirche conaecrirt werde, so soll er sie nicht
unter dem Vorwandc einer Klosterkirche, wo noch keine Gemeinschaft
oder eine R^el vom Bischöfe aufgestellt ist, von der Diöcesan- Gerichts-
barkeit trennen*). 4) Wer das Verbrechen des Incestes begeht, soll,
80 lange er darin verharrt , nur zur Messe der Catechumenen zugelassen
werden; mit ihnen soll kein Gläubiger Speise nehmen [1 Cor. 5, 9
and 11]^). 5) Wenn die, welche am Altare dienen, plözlich in eine
Fleiachessünde gefallen, aber mit Gottes Hilfe würdige Busse gethan,
80 sei es in der Gewalt des Bischofs, nach dem Maasse der Keue die
Zeit der Busse zu verkürzen, oder zu verlängern; nach derselben sollen
sie ihren firObem Plaz, nie aber einen höhern erlangen; fallen sie zum
zweiten Male, so verlieren sie ihre Würde, und erhalten die Communion
erst vor ihrem Ende^j. 6) Wer einer Wittwe, die Enthaltsamkeit ge-
lobt, oder einer gottgeweihten Jungfrau Gewalt anthut, und von ihr
sich nicht trennen will, werde zugleich von der Communion und allem
Verkehr mit den Christen getrennt; kehrt aber jene zum strengen Leihen
zurück, so gelte das Urtheil nur jenem, bis er ö£Pentlich Busse gethan.
7) Wer einen Schwur gethan, dass er mit seinem Gegner sich nie ver-
söhnen werde, soll ein Jahr ausgeschlossen sein (ö, 11, C. XXIL q. 4J,
8) Kein Cleriker wage es, seinen Knecht oder Schüler, der in die Kirche
geflohen ist, von da herauszuziehen oder zu geissein; sonst werde er
bis zur Genugthuung ausgeschlossen (c, 19. Cama XVII. q. 4). 9) Auf
die, welche die sündhafte Wiedertaufe erhalten, ohne dass sie einem
Zwang oder einer Tortur zum Opfer gefallen, soll die Bestimmung
der Synode von Nicäa (c. 11) angewendet werden, dass sie sieben Jahre
anter den Catechumenen , zwei unter den Katholiken bitten , dann durch
Nachsicht des Bischofs zur vollen Gemeinschaft gelangen, lü) Wer auf
Geheiss des Bischofs die Kirche zu verlassen sich weigert, der soll wegen
seines Starrsinns erst nach längerer Zeit die Communion erhalten (c. 39.
C. XI. q. 3). 11) Haben Cleriker sich gegenseitig angefallen, so sollen
sie wegen der Herabwürdigung ihres Amtes strenger vom Bischöfe ge-
straft werden. 12) Bischöfen, die bis jezt Unwürdige ordinirt haben,
möge Gott und die lürche verzeihen; geschieht es wieder, so trifft sie
das Decret der Canones, wornach sie das Becht, zu weihen, verlieren,
and die von ihnen etwa in Zukunft Geweihten abgesezt, die bisher Ge-
weihten aber nie befördert werden sollen. — 13) Das Opfer des Katho-
liken, der seine Kinder in der Häresie taufen liess, soll in der Kirche
durchaus nicht angenommen werden. 14) Mit Wiedergetauften sollen
die Gläubigen nicht einmal zusammen essen. 15) Der Verkehr mit
fremde^ Frauen ist den Clerikem zwar schon längst verboten ; doch soll
') c. 34. Causa XVI. q. 1 — Causa X. q. 1.
») c. 9. Causa XXXV. q. 2 and 3.
») c. 52. LHsU L. u. c. 2, Causa XV. q. 8,
440 Siebentes Btteli. KwOlfte« Kapitel.
wer naoh swai Yorwai^nangea sich hierin nicht bessert , seines Amts en(-
sest| im Falle der Besserung aber wieder eingesezt werden. 16) Bdm
Tode eines Bischofs geschieht es leider, dass Jeder in das Hans einfällt,
and nach Ghitdttnken an sich reisst, was sich vorfindet Nun soll aber
der Bischof (ioeerdm)^ welcher die Exeqoien hält, alles , was der £^
haltnng werth ist, fest verwahren. Für die Zukunft soll kein deriker,
wenn ein Bischof gestorben ist, oder noch in den Zügen liegt, etwis
von Mobilien oder Immobilien aus dem Hause nehmen (denn es ist m
tctUtkuÜea) oder verbergen , sondern der Verwalter des Hauses soll unter
dem Beirathe des Clerus ein oder zwei ganz treue Mknner beinehen,
und alles bis zur Zeit der Wahl des neuen Bischob in Stand erhalten,
und den im Ekuse befindlichen Clerikem die gewöhnliche Nahrung
reichen. Der neue Bischof soll, sei es nach dem lezten Willen des Ver
storbenen, oder wie Gott es ihm eingiebt, was er vorfindet, mit den-
jenigen gebrauchen, die seinem Verdinger in Gehorsam und Liebe trea
gewesen. Die üebertreter sollen in Zukunft schuldig seyn des Kirdiea-
raubs, dem grossen Bann verfallen, und ihnen kaimi die eommunioptf^
pfHna^) verwilligt werden.
Justus, Bischof des hier zuerst genannten Bisthums Urgel, unte^
Uiik sdirieb die Akten der zweiten Synode von Toledo — 527, «einige Zeit*
. später, und unterschrieb die im J. 646 gehaltene Synode von Gkrunds,
sogleich nach dem Metropoliten Sergius, d. i. als der älteste der an-
wesenden Bischöfe. Seine Amtsverwaltung ist also in die J. 527 — 546 flg.
zu sezen. ^Er gab dn Büchlein Erklärung des hohen Liedes heraas,
das Ganze sehr kurz und verständlich (aperte) gehalten, indem er die
allegorische Erklärung durchführt. Die Schrift ist dem Metropoliten
(papa) Sergius gewidmet. Der voranstehende Brief an ihn rühmt seine
Wohlthätigkeit gegen die Armen; und darum richtet Justus an ihn ^in
körperlicher Gestalt ein geistliches Geschenk^^ (exmium). Die ^ExpUeatio
mjfiHea^ ist kurz, zerfällt in 200 kurze Numeri; und ist ohne eigent-
lichen Schluss, und vollständig erhalten. Da Isuior Hup. nichts anderes
') s. Aber die Commvnio pere^rina animae Marc. Anton. Dominicy («1* 1650 za Parif)
ad eanoium 2 9t 5 coneüü AgcUhensiSf tt ulämum lierdensis, Par. 1645, — Er und
B. CwUHer (10, 736 - erste Aasg. 15, 656) erklären, sie sollen nach dem %t-
•ammten Clerus und vor den Laien communiciren. — Ebenso Richard aiu^ftii
eoneil, t. 1, 603. ~ Dagegen Bingham s. Origines, 8, p. 27, »q. 2, 206, — wel-
chem Hefele beitritt (C. G., 2, 633; 688) erklärt es als Aus8chliessang von der
Commnnw aharüf neben fortdauernder leiblicher ünlerstuzung, als communio
bmtkfmiaHM, die man zareisenden Fremden erwies. — Ebenso — Böhmer — xQ
Corpus jwr. oanon, Note e. 2L DUt 50. — Ich dachte einen Aogenblick an das
Vtatieum; diese Erklärung aber convcnirlc Andern nicht, denen ich sie mittbeilte.
Da es eine Communio animae ist, muss man wohl an die Kirche denken, und es
liegt nicht fern, darunter jenes geweihte Brod za verstehen, wovon schon oben
gehandelt wurde (K.-G., 2, 36). — c/. Haeßen, ditguisiL matuutieae tractl,
ditq, 4 — «9tMM ei qualts Emloffia§f^
Die KircheopTOTinz Tarraconeosis von 357 — 589. 441
on Jnstus anführt , so ist auch sicher keine Schrift desselben verloren
«gangen ^). — Ausgaben : ed. Menrad, MaUheru», Hagonoae 1529^ in
UempretibyHeo y Ba$ü, 1550; in Orthodoxographi — ed. an. 1555 et 1509;
I BibUatheeae Patrum Paria; Colon; in Lugdunemi maxima U 9^ p. 731 sq.;
- besonders cur. Oeargio BosHo, Halae Saz. ann. 1617, mit dem Briefe
II Sergins; dieser Brief auch in Daehery ipidleg. t. 3, p. 312; t 3,
, 119 der neuen Ausgabe; und daraus bei Agiärre, t. 3, 159 — 160;
lit noku — in hone eputolam, p. 160 — 161 , über den Gebrauch des
fTortee ^^papa*; Ferreras (2, 221) behauptet, das Werk des Justus sei
Q J. 58Ö verfasst "worden. Justus steht z. 28. Mai in dem römischen
[artyrolog. — ef. Bolland. t. 6. Maji, p. 773. — N. Antonio , p. 273,
f.7. — de Cattroj 264—268.
Es waren noch drei leibliche Brüder des Justus — Bischöfe: Justi-
ian von Valencia, Nebridius von Egara und Elpidius von unbekanntem N«bri.
ise. — Es ist erwiesen, dass das alte Egara — das heutige Terrasa, vm
ordwestlich von Barcelona, und in diesem Bisthum gelegen, ist*). — ^*"*
lores und Bisco nehmen mit höchster Wahrscheinlichkeit an, dass der
am J. 465 — mehrerwähnte Iren'äus erster Bischof von Egara gewesen ^).
' unser Nebridius ist der zweite bekannte Bischof von Egara *). Er
nterschrieb sich auf dem Concil zu Tarraco — 516 als der lezte, d. i.
er jüngste der Bischöfe — „als der geringste unter den Priestern , und
Is Diener der Kirche von Egara**. — - Im J. 517 unterschreibt die Akten
68 ConcUs von Gerunda — „Nibridius in Christi Namen Bischof —
n vorlezter Stelle. — Im J. 527 oder später unterschreibt Nibridius die
teschlüsse der zweiten Synode von Toledo, vor seinem Bruder Justus.
h er ferner im J. 546 schon einen Nachfolger hatte, so glaubt man,
US er unter vier Brüdern der älteste war *). Die Frage , ob der Bischof
lebridius von Barcelona im J. 540 derselbe sei mit unserm Nibridius,
emeint Florez (29^ 122), bejahen Mc. Antonio (Bibl. i, 1) und Bisco
t2f 188 — 189), welch' leztem ich beitrete. Auch hatte Barcelona
bon im J. 546 einen Bischof Paternus, und im J. 540 unterschreibt
ebridins an erster Stelle, d. i. als der älteste Bischof. - „Die Brüder
)s Justus, Nebridius und Elpidius '^ sollen Einiges geschrieben haben,
orüber Isidor nichts Näheres erfahren hatte ^).
<) Tsidor. eap. S4. d. vir. iüusir. (Honor. 3, 25. IViihemus c. 210).
^ dt Marca, Marea Hitpamea — ap. nr. 169. 346. — Florez ^ JQ, />. 115. — Ftorez-
Ri»oo, L 42, 177^182: „Sitio de Egara'*. - M. WUlkomni, die Halbinsel der
Pyren&en, S. 387.
») Fhrezj 29, 115 — 117. - Bisco, 42, 182 - 184, Ireneo, d. el a. 450. en adelanU.
*) Ritco, 184— 189. Nebridio, desde el anno de 516 en cidelante.
*) Ftorex, 8, 162 — gegen Caj. Cenni; Bisco, 42, 188.
*) Isidor, d. vir. üL cap, 34.
Dreizehntes Kapitel
Die Kirehoiproviiiz von Toledo (Carthaginensis) 357—589
konnte in dieser ganzen Zeit nicht in^8 Leben treten, und die Anerken-
nung sich erringen. Die Gründe des Schwankens und der unfertig»
Zustände liegen nicht an den Personen, sondern an äussern Dingen,
und vielmehr als man zuzugeben geneigt seyn wird, an der geographi-
schen (eig. orographischen) Verschiedenheit der Provinz Carthag&ieim
Die ohnedem im J. 425 von den Vandalen zerstörte Stadt Neu-Carthngo
war für die mittleren Gegenden Spaniens, für die Länder Altcastilien
und Neucafitilien keine politische, noch weniger eine kirchliche Haupt-
stadt Toledo und Carthagena giengen, um mit dem Toletanischen Bis-
thumsverweser Vallejo zu sprechen , j,nicht in einen Sack'' '). Aus folgen-
den getrennten Bestandtheilen war die Provinz Carthaginensis fast un-
natürlich zusammengekettet : I. Aus Hochandalusien, mit den Bisthümern:
1) Acci; 2 ürci; 3) Basti: 4) Mentesa; 5) Castulo. U. Aus dem König-
reich Murcia — mit den Bisthümern: 6) Neu-Carthago; 7) Eliocroc»
(wenn es noch fortbestand); 8j Elotana; 9j Bigastrum. IQ. Aus dem
Köm'greich Valencia, mit den Bisthümern: 10) Valencia; 11) Ilici:
12) Dianium (Denia); 13) Saetabis; 14) Segobria. IV. Aus dem König-
reiche Neu - Castilien , mit den Bisthümern: 15) Toledo; 16) Ergavica;
17) Valeria; 18) Oretum; 19) Complutum; 20) Segontia. Dazu kam
später noch Alt -Castilien, ganz oder theil weise, mit den Bisthümern:
21) Osma; 22) Palencia; 23) Segobia.
Die Bischöfe dieser getrennten Landstriche zu einer Synode, za
einer Kirchenprovinz in unserm Zeitraum zusanunenzubringen^ erwies
sich als unmöglich. Die Obern hielten ihre eigene Synode in Toledo.
und wollten nicht hinabsteigen; die Untern hielten ihre eigene Synode
') Er kam am 23. Jan. 1842 zu dem Regenten Espartero, and sprach: «Ich aod
(der Minister) Alonso gehen nicht in einen Sack** (Garns, K.-G. des 19. Jt^^*
hunderts — Bd. 3, 8. 166).
Die KirchenproYioz voa ToUdo (Cartliagineosit) 357—589. 448
(IQ Valenoia), und wollten nicht hinaufistelgen. Später aber, als Toledo
Htaptstadt geworden, fanden sie sich nach einigem Sträuben daselbst
eben so leicht zur Synode ein, wie die andern spanischen Bischöfe.
— Dazu kam, dass Cartagena keine kirchliche Vergangenheit hatte, und
alles eher, als ein kirchlicher Mittelpunkt war. Darin blieb es sich bis
«ir Stunde gleich; der Bischof von Carthagena residirt stets in Murcia.
Hosius traf darum den für jene Zeit besten Ausweg , dass er den Bischof
Anianus von Castulo als provisorischen Metropoliten dieser Provins mit
sich nach Sardika nahm.
In der Zeit von 343 bis 400 mag Cartagena endlich einen eigenen
Bischof erhalten haben. £s ist eine Streitfrage, wer jener Bischof Hi-
Urios war, der nach der Synode von Toledo — J. 400 — nach Rom
peog, und dem Papste Innozenz I. Bericht erstattete. Florez giebt sich
viele Mühe, ihm den Siz von Tarraco zu viQdiziren. Aber Anton. Ago-
rtiDO bat ihn nicht in dem Verzeichnisse der Bischöfe von Tarraco (Florez,
I6f 233). Entscheidend sind wohl dagegen die Worte in dem römischen
Schreiben — cap. 2: j,Sodann ist die Sache der Tarraconensischen Bi-
ichöfe m verhandeln.'' Unter: „Tarraeonenses epUeopi^ wird, wie wir
in Kap. 12 gesehen, stets der Metropolit und die Bischöfe seiner Provinz
wstanden.
Ich glaube, dass Hilarius der — nach Anerkennung ringende Me- hii»-
tiopolit der Provinz Carthaginensis war, wahrscheinlich der Bischof von Me*ra.
Girtagena (vielleicht auch der von Castulo). Es verschlägt nichts, dass ^^^^
er zu Toledo im J. 400 als der achte unterzeichnete. Denn noch im cyi>*-
J. 380 unterschrieben zu Saragossa nicht die Metropoliten zuerst; und •(••
bei den Unterschriften zu Toledo ist es noch nicht entschieden. — Hi-
lirius aber, wenn er Bischof von Cartagena war, hatte das Becht, ja
er hatte die Pflicht, für die Durchführung der Beschlüsse einer in seiner
Provinz gehaltenen Synode zu sorgen, und sich im Nothfalle an den
Papst zu wenden. — Der Papst erkennt auch sein Recht als Metropolit
Uu Bischof Buifinus, von unbekanntem Size, aber jedenfiEklls in der
IVovinz des Hilarius, und nicht Bischof von Toledo, er — dessen Ver-
gangenheit ihn hätte vom Bisthume ausschliessen sollen, hatte schwer
kündigt „Darum nun soll die Klage unsers Bruders und Mitbischofes
]ilariu8 zuerst gehört werden, der behauptet, dass Ruffinus gegen den
Ueden der Kirche in jeder Weise gekämpft, vordem auf der Synode
on Toledo um Verzeihung für seinen Fehler gebeten, und jezt, da dem
letropolitanbischofe^das Vorrecht ("Pontt/Sctum^ , Bischöfe zu weihen^ ge-
•ühre, gegen den V^illen des Volkes und die Kirchenzucht, einen Bischof
ür abgelegene Orte geweiht, imd Scandale in den Kirchen hervorge-
ufen habe.^ — Der Name eines Bischofs Ruffinus konunt in den Akten
1er Synode von Toledo nicht vor. — Er wird also gleichsam privatim
lort gewesen seyn, und Siz und Stinmie entweder nicht verlang oder
licht erlangt haben.
444 Siebentes Buch. DreiBohntes Kapitel.
Es ist weiter zu beachten, dass nach einem natürlidien Gesese des
G^idtee *) die Päpste bei der Aufzählung die Provinsen Spaniuis stets
nach ihrer Lage und natürlichen Angrensung nennen. —^ Demnach nennt
Papst Siricius im J. 386 auerst die Bischöfe von Carthaginensisy weil
sie an die Tarraconensischon grinsten, dann die bätischen, die lusita-
nisohen^ zulezt die galisischen, indem er den Umkreis gleichsam vollendet
— Ebenso nennt Leo I. im Briefe an Turibius vom J. 447 — imerst ik
Tarraoonensischen , dann die Carthaginensischen , Lusitanischen^ Ghdiii-
sehen Bischöfe, wobei die Bätischen entweder absichtlich oder durdi ein
Versehen ausgelassen sind. Ebenso beginnt hier Innozens mit den
bätischen Bischöfen , von denen einige sich wegen der Aufnahme der
gdisischen von den übrigen Earchen trennten , dann geht er au Hilariw
und seinen. Klagen, hierauf zu den Beschwerden der TarraconensischeB
Bischöfe ttbcr. Li dieser Reihenfolge sehe ich einen Fingerzeig, dasi
wir den Bitohof Hilarius in der Provinz Carthaginensis zu suchen haben').
Daas die Bischöfe von Toledo schon damals an die Metropolitiih
würde gedacht, oder nach ihr getrachtet haben, das ist mehr als un-
wahrscheinlich ^). Dazu war überall kein Grund vorhanden. Wer hat
denn je gehört, dass die Bischöfe von Elvira, Valencia, G^rundai Btf-
celona, IIei*da, Saragossa — doss wegen auf die Metropolitanwürde An-
sprüche erhoben hätten, weil zufällig Synoden in ihren Städten gehalten
worden? Also konnte auch die im J. 400 zu Toledo gehaltene Synode
naoh dieser Richtung hin gar keine Bedeutung haben. — Ln ganioi
6. Jahriiundert erfahren wir aus und über die Eürchenprovinz Cartbir
ginensis nichts, oder so gut wie nichts. Aber im J. 516 unterschreibt
Htct«r Hector auf der Synode tu Tan*aco : „Ich Hector in Christi Namen Bi-
c^«.schof der Metropole Carthago.'' — Ich weiss nicht, ob man mit der
*'2**' Ausrede etwas gewinnt, dass hier die politische Metropole gemeint sei.
— Wie konnte denn im J. 516 Carthagena, wenn es sich überhaupt
aus seinen Trümmern vom J. 425 erhoben hatte, Metropole seyn, da
das weströmische Reich längst eingegangen war? Vielmehr — war
') K-G., 1, p. 212—213.
*) Ebenso — tagt Lacretius von Bracara im J. 563 — »die Bischöfe von Tarraco.
Carthag., LositaDien und Bftlika und darnach wörtlich die Ueberschrifl der so-
genannten pRegulae fidtii'* der Synode von Toledo I. (s. Kap. 14 and 15).
•) Apmim, 3, p. 48^58 meint In sehr bescheidener Weise, dass erst mit Mon-
tanns die MctropoUtanwürdc von Toledo beginnt, dass mit der Zerstömng Car-
thagenas — 425 — dieselbe „pauUntim*^ auf Toledo übergegangen sei. Caj. Ctv»
lehrt seltsam gena^% dass Toledo von Anfang an Metropole gewesen, 1, p* 131
—138; 228 — 229; seine Gründe sind nichtig. Mil grosser Gründlichkeit handeli
Florez (5, 117—157) über diese Frage, und leitet die MetropoliUnwörde To
ledos über die ganze Provinz nus der Mfitp des 5. Jahrhunderts. — Für uot
steht die Streitfrage nicht mehr in der vordersten Linie.
/
Die KirchenproTiDi tod Toledo (CarthagioeDsis) 357 — 589. 445
[lector meht nus Zufall ^ sondern aehr mit Absicht su Tarraco anwesend.
)ort und nach der natürlichen Analogie mit Tarraco als Metropolit an-
erkannt, konnte er hoffen, dass der Siz von Cartagena endlich auch in
ler Provinz von Cartagena zur Anerkennung konunen werde*).
Die obem Bischöfe aber wollten ein für alle mal nicht herabsteigen, du
Vielmehr that man in Toledo im J. 527 einen entscheidenden Schritt, ^(^
oan hielt eine Synode, ^gleichviel ob mit wenigen oder mit vielen'i toMo.
md siehe l es waren wenige. — Die Bischöfe,, die auf den ersten uns
lekannten Toletaner Bischof Melantius vom J. 306 genannt, aber nicht
erbürgt werden^), sind: 1) Pelagius, 2) Patrunus, 3j Turibius, 4) Quin-
US, 5) Vincentius, 6) Paulatus, 7) Natalis; es folgen 8 — 9) Audentius
ind Asturius, Die beiden Leztern sind geschichtliche Personen, jene
lieben andern scheinen entlehnte und fremde Namen zu seyn. «- Durch«
ms rühmend ist es aber anzuerkennen, dass die Toletaner, nach ihrem
snten Bischöfe Eugenius , dem angeblichen Schüler des längst und auch
ron Seiten der Franzosen aufgegebenen Dionysius Areopagita von Paris,
logleich den historischen Melantius folgen lassen (troz der Himgespinnste
lea Pseudo-Dexter).
Bischof Audentius nennt Gennadlus M. unmittelbar nach Prudentius, bi.
deasen Zei%enosse er auch war. ^Audentius , ein spanischer Bischof, üulL
lehrieb gegen die Manichäer, SabelKaner und Arianer, am meisten aber '*"*'
und mit besonderer Intention gegen die Photinianer, die jezt Bonosianer
keiasen, ein Buch, mit dem Titel: »Vom Glauben^, gegen die Häretiker,
worin er zeigt, dass der Sohn Gottes ewig wie der Vater sei, und dass
er den Anfang seiner Gottheit nicht damals von Gott dem Vater erhalten
kabe, da aus Maria der Jungfrau durch Gottes Schöpferkraft der Mensch
(Qiristus) empfangen und geboren wurde '^j.'' — Alles stimmt hier für
ansem Audentius, die Zeit und der Umstand, dass Gennadius, wie bei
Olympius, das damals im Auslande noch nicht bekannte Toledo nicht
nennt
Den Nachfolger des Audentius beschreibt Udefons von Toledo also :
ibturius war des Audentius in der Stadt Toledo, dem (zu Udefons Atta.
Zeiten) Metropolitansiz der Provinz Carthago, — Nachfolger, ein vor- '*"**
^efflicher Mann, der mehr durch seinen Lebenswandel, als seine Schriften
glänzte. Dieser, glücklich in seinem Priesterthume, und würdig eines
(Vundera verdiente in dem irdischen Grabe die Glieder derjenigen au
mden, mit denen er im Hinunel vereinigt werden sollte (der Märtyrer
Tuatus und Pastor). Er war der neunte Bischof in Toledo, in Complutum
') Er wollte, indem er in einer benachbarten Provinz als Metropolit anerkannt
wurde, für seine Anerkennung^ in der eigenen Provinz arbeiten.
») K-G., 2, S. 177 — 178.
*) Genmad. dt vir, iUatU cap, 14,
tanui.
446 Siebentes Bach. DreiEehntes Kapitel.
der erste ^). — Aber Beine Nachfolger bis anf Montanas sind nicht be-
kannt, und gleichsam nur als LückenbUsser, und wie mit fremdem Dia-
lekte erscheinen die Namen — Isicius (c. 412 — 427 nach Flores); Martin
(427 - 440j ; Costino (440 — 454) ; Campeyo (454 - 467) ; S a n t i c i o (467
—482); Praumato (482 — 494); PetrusL (494—508); Celsus (508-522);
Montanus, von 522 — 531 nur — neun Jahre (beide leztere historisdie
Personen).
Mon. Montanus also hielt eine Synode zu Toledo — 9ub die 15 KaUnda
Junia»^ d. i. am achtzehnten Mai, im 5. Jahre der Regierung unsen
Herrn des Königs Amalrich, das wäre im J. 531, aber Aera 565 be-
deutet das J. 527. Die Spanier halten an lezterm Jahre, und sagen,
dass Amalrich schon 523 selbständig von der Vormundschaft seineB
Grossvaters Theodorich regiert habe. Das hier geführte Protokoll mag
syaode wohl auf Rcchnung des Montanus zu sezen seyn. ^^Die Gegenwart der
Toledo Bischöfe hat sich in dem Willen des Herrn in der Stadt Toledo einge>
''^' fanden,^ sie haben über die alten Kirchengeseze berathen, was in den-
telben fehlte wollen sie nachtragen, das Vergessene wieder in das 6e-
dächtniss rufen. 1) Die Kinder, welche die Eltern von Anfang an in
den Dienst der Kirche übergeben, sollen tonsurirt und in den Dienst
der Lectoren übergeben unter bischöflicher Aufsicht in kirchlichen Ge-
bäuden von ihr^Qi Präpositus erzogen werden. Haben sie das achtzehnte
Jahr zurückgelegt, so soll vor dem ganzen Volk und Clerus ihr Wille
über die Eingehung einer Ehe vernommen werden. Entscheiden sie sidi
für die Enthaltsamkeit, so soUen sie nach abgelegter Bewährung dai
Subdiakonat vom 20. Jahre erhalten; haben sie tadeUos das 25. Jahr
zurückgelegt, das Diakonat; kehren sie aber troz ihres Versprechens ZQ
einer irdischen Ehe, oder gar zu sündhaftem Umgange zurück, so sollen
sie wie Kirchenräuber betrachtet, und von der Kirche ferne gehalten
werden : denen , welche bei der Anfrage sich freiwillig für die Ehe ent-
scheiden, könne nian sie nicht verweigern, wenn sie aber bei reifern
Jahren dem ehelichen Umgange zu entsagen geloben , so können sie die
hohem Stufen ersteigen.
2) Wer von seiner Kirche erzogen werde, dürfe nicht bei jeden
Ahlasse dieselbe verlassen , und zu einer andern übergehen. Der Bischof,
der ihn ohne Vorwissen des andern aufnimmt, hat sich g^^n alle Bi-
sdiöfe versündigt; denn allzu hart ist es, dass ein anderer den aufzu-
nehmen und an sich zu ziehen wagt, den der frühere Bischof aus dem
bäumsohen Wesen und dem Schmuz der Kindheit herausgezogen hat '|.
3) Kein Kleriker soll, wie es oft genug in den Concilien verordnet
ist y von der Stufe des Subdiakonats und aufwärts an — in einem Hause
>} Das Weitere t. K-G., 1, 8. 330 — 332.
*) qutm cdiut rurali semu, ae sguaiore infantiae exuit.
Dia KirchenproTiiiz voti Toledo (Carthagineosls) 357 — 589. 447
asammenleben — mit einer Fran, sei es nun eine Freie oder Freige*
issene, oder Magd^ hat er aber solche EKenate nothwendig, so soll er
e der Matter oder Schwester oder der andern Verwandtschaft ttber-
igen^ tmd was sie mit ihren Händen erwerben, das komme dem eignen
[emi zu gat^ fehlt es aber an einer Verwandtschaft, so suche man ein
ideres Ebins für die Bedienung, und es werde jede Gelegenheit ferne
shalten — zu Versuchungen oder zu üblen Nachreden. Die Wider-
mistigen sollen nicht nur aus dem Clerus ausgeschlossen , und von der
irehe ferne gehalten, sondern auch von dem Umgange mit allen Ka-
loliken ausgeschlossen werden, damit eine so böse Gewohnheit für die
okunft ausgerottet werde.
4) Wenn ein Cleriker aus den GHltem der Kirche Felder oder Wein-
irten für seinen Lebensbedarf angebaut hat, so bleiben sie ihm bis au
niem Ableben^ nachher fallen sie an die Kirche zurück, und er kann
idi£ testamentarisch darüber verfügen, es sei denn mit Erlaubniss des
üschofs — für seine der Kirche geleisteten Dienste.
5) Ehen zwischen Blutsverwandten sind verboten, und sollen nach
em Grade der Verfehlung bestraft werden. Wenn Einer von den An-
resenden, oder denen, „die sich nun dieser Synode entzogen haben*"),
ftg^n handelt, so werden sich die übrigen Bischöfe eine Zeit lang
tm dem Verkehre mit ihm ferne halten. — Es folgen dann die Schluss-
vtnrte:
„Nach den Dekreten der frühem Canones^) sprechen wir es aus,
Ins (hinfort) das Condl bei unserm Bruder, dem Bisdiofe Montanus,
renn Gtott will , seyn werde , so dass unser Bruder und Milbischof Mon-
ums, welcher in der Metropolis ist, an unsre Mitprovinzialen,
Se Bischöfe, Briefe über die Versammlung einer Synode zur bestimmten
!eit riditen wird. Da nun aber im Namen des Herrn das beschlossen
ij was zur Verhandhing kam, so sagen wir Dank dem allm&chtig^
lott, dann flehen wir über den ruhmreichen Herrn, den König Amal-
cfa, die göttliche Güte herab, der in endlosen Jahren seiner Regierung
)B die Freiheit gestatten wolle, das zu vollbringen, was zur Ausübung
s Glaubens gehört. Amen.^
Die Unterschriften sind: Ich Montanus, in Christi Namen Bischof,
Q diesen Bestimmungen beigetreten , habe sie wieder gelesen und unter-
hrieben an dem Tage und Jahre, wie oben. — Pancarius Bischof (daa
ebrige ohne Veränderung). — Canonius Bischof. — Paulus Bischof. —
omitianus Bischof. — Es waren neben Montanus nur vier Bischöfe j,aus
ir Provinz^ zugegen. Da neun Bisthümer in „dieser (obem) Provinz''
*) 91a ftimc tanetae mfnod^ tat haß prwmcia difmrvmi,
^ d. i. nicht der von Toledo , sondern der Ganones Aber die refelmissig« Haltung
*^voQ ConciUen.
448 Siebentes Buch. Dreizehntes Kapitel.
waren, da yielleioht auch die hochandaluBischen 6ifldi5fe geladen waren,
gaben darüber die fünf Versammelten ihrer Befremdung in den Worl
Ausdruck : ,,8ie haben sich der Synode dieser Provinfi entzogen* '). '.
aber die Fün&ahl allzu drückend auf ihnen lastete, so gaben sie d
selben einen nur scheinbaren Zuwachs durch die Beitreibung weitei
drei Unterschriften von Bischöfen , die von Rechts wegen keinenfalls s
Sache und zur Synode gehörten:
Marcianus (MarrucinuS| Marracinus) , Bischof in Christi Kamen, i
des katholischen Glaubens in die Stadt Toledo verbannt, habe den V
handlungen meiner heiligen Brüder angewohnt, sie gelesen und unt
schrieben.
Nibridius, in Christi Namen Bischof der katholischen Kirche ^
Egara, habe diese Constitution meiner Mitbischöfe in der Stadt Tele
da ich nach geraumer Zeit dahin gekommen, mit Wahrung der Auetori
der frühem Canones , gelesen , gebilligt und unterschrieben. — Wörtl
so sein Bruder, der Bischof Justus von Urgel.
Wie viel Zeit unter dem ,,aliquantum temporis^ zu verstehen s
können wir nicht ahnen. Es könnte auch ein Jahrzehent seyn; de
Justus war noch 546 Bischof von Urgel, während sein wohl ältei
Bruder Nebridius in diesem Jahre schon einen Nachfolger hatte ^).
Auffallend ist das Lob , das die Synode dem Könige Amalrich spende
der seine katholische Gemahlin zu Tode misshandelte, und der wa!
scheinlich den Bischof Marcian verbannt hatte. — Aus dem dem Koni
Amalrich gespendeten Lob schliesst man umsonst, ,,dass er sich so]
durch Duldungssinn auszeichnete^ ^). Das auffallende, jedenfalls
Munde einer Synode neue Lob war einfach eine „crtptatio benevolentia
gegen etwaige Versuche der untern Bischöfe, dem Vorgehen der ob(
entgegenzutreten, obgleich in den Akten nicht steht, dass man
Amalrich angefragt habe, ob man die Synode halten dürfe ^).
Wir wollen das Vorgehen der Bischöfe in und um Toledo ni
tadeln. Sie wollten von zwei Uebeln das kleinere; sie zogen es v
für sich eine Synode und einen Metropoliten zu haben, da sich Niem«
von ihnen dazu verstehen wollte, den Metropoliten von Cartagena ;
zuerkennen; wir glauben aber, dass es bei dieser ersten Synode {
blieben sei. Denn da die Synoden selbst ohne allen Zweifel in Tol(
gesammelt und geordnet wurden , so hätten die Sammler etwaige späti
>) Ferrercu meint, Könige Amalrich habe die Bischofsstühle nicht besezen lasse
allein dann hätte obiger Tadel des Wegbleibens keinen Sinn. — Nur das G
thum Palencia war unbesezt (Ferrer., 2, 212).
») Florez'RiscOy t 42, 189 (Egara), — K.-G., 2, 440 — 441.
*) Also Aschbacb, G. d. Westgotben, p. 183.
*) Also Ferrercu, 2, 209.
I>i« KifehenproTiDs vun Toledo (Carthaginensis) , 357 — 589. 449
STDoden nicht ausgelassen. — Zum Lobe dieser Synode gereicht die
aof&Uend piaktische Richtung ihrer Beschlüsse. Hier haben wir etwas
Positives, Greifbares vor uns; die Synode gewährt uns einen tiefem
Einblick — in das eigentlich kirchliche Leben jener Zeit, als die vorher
erwähnten, und die Kenntniss dieser Synode gewährt eine wirkliche
Bereicherung der Kirchengeschichte von Spanien, in Beziehung nicht
bloss auf die Kirchenzucht, sondern auch auf Erziehung, die Bildungs-
grade, das Leben und Weben des Clerus, — sodann in Beziehung auf
die Ejrchengüter^).
Von Montanus besizen wir zwei Briefe. Den einen an die Brüder nie
und Söhne des Gebietes von Palencia. Er sagt, dass eine alte Ge- *£»'/*
wohnheit der Kirche von Toledo das ,yPrimlegium metropolitanum^* J^^
yerliehen, d. h. dass die Bischöfe von Castilien von dort ihre Weihe
»halten haben. Da in Palencia kein Bischof war, massten Priester dort
ach an, das Ciirisma zu weihen. — Montanus führt dagegen eine sehr
scharfe Sprache , und belegt sie mit Beispielen aus dem Alten Testament.
~ Die Pfarrer sollen entweder selbst, oder durch die Custoden der
Kirche das Chrisma vom Bischöfe erbitten. Die Hartnäckigen sollen
«dem unlösbaren Band des Anathema^ verfallen. Wenn Ostern wieder-
kehre, und sie persönlich (wegen der Entfernung?) sich nicht einfinden
können, so wolle er ihnen das Chrisma übersenden ^). — Er tadelt auch,
dtss sie zur Einweihung von Basiliken fremde Bischöfe (cdienae sortis)
eingeladen. Das sei „gegen die Privilegien der Provinz'^ , und sei schon
n den Ohren des Herrschers ( ? domini remm) gelangt Sie sollen vor-
kommenden Falls an ihn berichten; dann werde er selbst kommen, oder
einen andern Bischof dazu berufen. — Sie hatten ferner den Prisdllian
▼ertheidigt, den er „einen schamlosen Ehebrecher^ nennt , der zu seinen
Zwecken zu bösen Zaubermitteln gri£P. — Montanus aber widersezt sich all*
diesem, „damit ihm nicht aus dem Schweigen die Verwerfung^ erwachse.
In gleicher Absicht schreibt Montan an den „erlauchten Herrn und
eifrigen Christen, den Herrn und Sohn Thuribius**, der schon, als er
in der Welt eine wichtige Stelle begleitete, dem Kaiser gab, was des
Kaisers, und Gott, was Gottes war. Er sei der Urheber des göttlichen
Dienstes in dieser Provinz, der die Reste des Heidenthums, und die
Sekte des Priscillian niedergehalten, und jezt dort die reguläre Zucht
eingeführt (d. i. das Kloster San Toribio gegründet) habe. Er solle
dem Unfug in Palencia Einhalt thun. Dann klagt er über die Weihen
der Kirchen durch Bischöfe ^) „alienae sortW , und seine bisherige Höf-
•) Ferrercu, 2, 209 — 216. — FUn-ez, 5, 229 - 233, 6, 132-139, — Affuirre, 3,
152- 159, - Tejada y Ramiro, 2, 202-212,
*) >. indcftt E..6., 2, 391 und 461.
*) Wahrtch. der Bischof von Astorga im Sne venreiche ist gemeint, zu dem Palencia
vordem gehörte, und wohin es viel näher, als nach Toledo war.
Qami, Span. Kirche. IL 29
450 Siebentes ßaeh. Dreizehntes Kapitel
lichkeit schlägt in drohende Heftigkeit uul Aber seine unklaren Säze
sind von höchster Wichtigkeit. „Euer Bischof hat dieses Privilegiun]
(eines Metropoliten) unserm Vorgänger, sowie unsem Brüdern, den
Herrn Bischöfen von Carpetanien (Neu - Castilien) und Celtiberien (Alt
Castilien) gegeben, wovon wir eine Abschrift an Euch richten, damit
Ihr wisset, welchen Erfolg das gottlose Verlangen verdient hätte. Und
gewiss haben wir die Städte Segovia, Buitrago und Coca demselben
nicht kluger V^eise, sondern nach der Würde seines bischöflichen Namens
abgetreten: damit nicht ein einmal übertragener Segen, wenn die Person
verschollen ist, zu nichte werde. Wisset aber, dass ihm diess nur füi
Lebenszeit gewährt wurde *).*' Nun droht er strenge Klage bei dem
Könige, und dem Statthalter Erganes, und hofft die Palentiner dadurch
einzuschüchtern.
Aguirre und Ferreras — sind stillschweigend an diesen dunkeln
Säzen vorübergegangen. Florez und Lo)renzana haben versucht, sie zu
erklären.
Florez meint, die Palentiner hätten ein Gresuch an Montanus g^
richtet , dem er nicht entsprechen konnte. Es habe sich um eine Stiftung,
oder das Testament eines Bischofs von Palencia gehandelt, worin er die
Bischöfe von Celtiberien und Carpetanien zu Richtern eingesezt. Es sei
ein Bischof gegen die Canones geweiht worden [zu Palencia ^)]. Diese
Erklärung lässt alles dunkel, und wird mit Recht von Lorenzana ver-
worfen *). Dieser versteht unter „Privilegium'^ — den einem Andern zu-
gefügten Schaden. Er beruft sich auf Ducange , wornach das Wort aucb
für jfpraviUgium^' vorkomme. Das Bisthum Palencia sei erledigt gewesen
und ein Unbefugter sei gewählt worden, d. h. er hatte dem Celsus vor
Toledo und den andern Bischöfen dadurch „magnum Privilegium fecerat^
Ihn sezte Montanus ab , doch wies er ihm aus dem Bisthum Palencia di(
drei Städte Segovia, Brittabio und Cauca zu seinem Unterhalt und das*
er nicht umsonst ordinirt sei, an. Aber die Palentiner verlangten voi
Montanus , er solle ihn wieder zum Bischöfe von Palencia einsezen , unc
das sei die „improba petitio^ des Briefes gewesen. Diess lehnte Montanu:
') Quod tarnen Privilegium decessori nostrOy necnoti dominis et/ratribus nostris Carpetauin
vel ff. e. et) Celtiberiae episcopis vester coipiscopus (quoque episcopus) fecit, in exemplan
bus charitati vestrae direximus, ut scire possitis improba petitio qttalem potuisset (i. ^
dßbuisset vel mendiset) habere profectum. Et certe munieipiaf id est Segoviam
Brittabio et Caucam eidem non quidem rationabiliter , sed pro nominis dignitat
concessimuM: ne collata benedictiOf persona vag ante y vilesceret, Quod ipsi tantummod*^
dum advivitf praestitum fuisse cognoscite.
*) Florez f 5, 398 — 402 (Notas sobre esta secunda carta), - v. L 1 , p, 182, 4j 76.
t. 8, p. 6-^8, 18—20 (Palencia); p. 72—76 (Segovia).
') Patrum Toletanorum quotquot extant opera, t. 1 (Mad, 1782), p. 4 sq, (opuscul
Montani),
II v<.n Toledo (rnrihaffinen»«), 357—589. 449
— Zum Lobe dieser Synode gereicht die
shtung ihrer Bcsclilüsae. tüer haben wir etwu
uns ; die Synode gevrährt uns einen tiefem
_ mÜich kirchliche Leben jener Zeit, aU die vorher
I Kenntniss dieser Synnde gewährt eine wirkliche
Circh engeschichte von S|)KnieD , in Beziehimg nicht
^ritSDBUcht, sondern auch auf Erziehung, die Bildnngs-
^ iwd Weben des Clenis , — sodann in Beziehung aaf
^K beeizen wir zwei Briefe. Den «inen an die BrUder i
rflibietos von Patencia. Kr sagt, dass eine alte Ge> ^',
i^Kirclie von Toledo diis .,PriviUgivm mttropolüanum" *
_j(l*BB die Biscliöfe von Ca^tilicn von dort ihre Weihe
J*« in Palencia kein Bisc)iof war , tnassten Priester dort
fffiaa, SU weihen. — Montanus fillirt dagegen eine sehr
«nd belegt sie mit Beispielen aun dem Alten Testament
Den entweder selbst, oder durch die Cnatoden der
vom Bischöfe erbitten. Die Hartnäckigen sollm
*'~'^i Band des Anatliema" vei-fallen. Wenn Ostom wieder-
peritinlich [wegen der Entfernung?) sich nicht einfinden
He er ihnen das Cbrisma übersenden =). — Er tadelt aach,
^wclhung von Basiliken fremde BiachSfe (älitnae tortii)
as sei „gegen die Privilegien der Provinz", und sei schon
des Herrschers (? domini rerum) gelangt. Sie aollen vor-
alla an ihn berichten; dann werde er selbst kommen, oder
Bischof dazu berufen. — Sic hatten ferner den Priscillian
Um er „einen schamlosen Khebrechcr" nennt, der zu seinen
>Ö8en Zaubermittcin griff, - Montanus aber widersezt sich all'
jit ihm nicht aus dem Schweigen die Verwerfung" erwachse.
her Absicht schreibt Montan au den „erlauchten Herrn und
jsten, den Herrn und Sohn Thuribiu.'^'', der schon, als er
^ eine wichtige Stcllo begleitete, dem Kaiser gab, was dea
id Gott, was Gottes war. Er sei der Urheber des göttlichen
I dieser Provinz, der die Roste des Ileidenthums , und die
Priscillian niedergehalten, und jezt dort die reguläre Zucht
1 fd, i. das Kloster San Toribio gegründet) habe. Er solle
g in Palencia Einhalt thun. Dann klagt er über die Weihen
en durch Bischöfe*) „alimae tortit" , und seine bisherige Höf-
M, 2, 209^216. — FloTtz, 5, 229- 233, 6, 132—139. — Aguürt, 3,
1S9. - Ttjaday Ramiro, 2, 202-212.
tu K.-G., 2, 391 nnd 461.
eh. der Biichot vqd Ailorga im Sueveareiehe ist gemciol, iQ dem Paleoeia
1 gehfirte , und wobin ei viel näher, aU nach Toledo war.
u. Kirchs. II. 29
453 Siebentes Bach. Dreizehntes Kapitel.
dem sngleich und himmlischein Rechte'^*), d. i. als Metropolit sidi durch-
zusezen suchte. Er habe glorreich neun Jahre — nach Celsus — unter
König Amalrich regiert, und zur Widerlegung einer falschen Anklage
glühende Kohlen in seinem Gewände während der Feier der heiligen
Messe getragen (dorne earam sedis niae sacro aUari toUuB Mitioe eeMm-
UtUm per aemeiipmm expleretjj welche nachher bei unversehrtem Ge-
wände noch glühend erfunden worden.
Im J. 546 hielten auch die Bischöfe des untern (östlichen) Theiles
von Carthaginensis ihre Synode. Die Ueberschrift lautet: ConeUium
VtMeUmum — von 6 Bischöfen^ gehalten Aera 687 (nach der bessern
Lesart 684, d. i. 646) ^ im 15. Jahre des Königs Theodorich (andere
Lesart: Theuderich) , am 4. Dezember. — Da die Angabe der Aera bei
den spanischen Condlien immer die sicherere ist j die Angabe der Jahre
d«r Regenten aber unsicherer, und sich seltener findet , so muss die An-
gabe der Aera entscheiden. — Das Jahr 546 war das sechszehnte Jahr
des Königs Theudes, der, nach einer nicht zu verachtenden Vermuthong
des Ferreras ^) , seinem Namen die Schlusssilbe : (Thcude)rich beigef Qgt,
wenn man nicht annehmen will , dass später absichtlich oder aus Lrthnm
der bekanntere Name des Theodorich dem des Theudes substituirt wurde.
Sfao4» ^^ Grund für das Jahr 546 — statt 524 — liegt femer in dem
V« Umstand, dass in den beiden Synoden von Lerida und Valencia die
eu bischöflichen Brüder Justus von Urgel und Justinian von Valencia —
" ^*' sogleich nach dem Metropoliten, d. i. als die ältesten Bischöfe unter
zeichnen. Von Justinian sagt zudem noch Isidor, was auch von seinen
drei Brüdern gilt, dass er unter dem Könige Theudes geblüht, also
etwa von 531 — 546; gesezt auch, er wäre 524 schon Bischof gewesen,
so wäre er jedenfalls nicht der älteste gewesen ^j.
* Die Bischöfe kamen in Valencia, das in den Akten Valles keisst,
zusanmien; denn Neu-Carthago eignete sich nicht zur Versammlung;
Valencia war wohl die bedeutendste Stadt, wie sie es heute noch in den
Königreichen Valencia und Murcia ist, und das Alter und Ansehen des
Justinian verdiente wohl auch Rücksichten.
Die erste Unterschrift lautet: Ich Celsinus, in Christi Namen Bischof,
habe unterschrieben. Die einen halten den Celsinus für den Celsus,
den Vorg^ger des Montanus. Aber zwischen den Namen Celsus und
Celsinus ist ein Unterschied, wie zwischen den Namen Justus, Justinus
und Justinian. Andere halten ihn für den Celsinus von Valencia, der
589 zu Toledo unterschrieb ; mit Unrecht Er war der sonst nicht ge-
nannte Bischof von Carthagena, und der rechtliche Metropolit der Pro-
I) regimen htmoriä retmUavü ac dUpoiuüy condigno caelestique Jure timul U ordme.
*) Ferrenu-Bimmsiarten, 2, 231.
* j Isidor. d. vir. iU. ixtp. 33- 34.
Die Kirchenprovinz von Toledo (Carthaginensis) 357^ — 589. 45S
nns Cartluiginenfns, der kaum von der Hälfte seiner ProTixus aneri^annt
wurde. Nach ihm unterschrieb Justinian. EBerauf die Bischöfe BeparatoSi
SetabioSy Benagius, Ampelius, der Erzdiakon Sallustius im Namen seines
Bischöfe Marcellus. Fünf Bischofissize sind uns nicht bekannt; die Vei^
muthung füllt auf die Bisthümer Elotana, Dici^ Denia^ Sätabis, Sego- ^
bria, als die zunächst um Valencia liegenden. Da im J. 589 BisdiSfe
von Sätabis und Segobria erschienen, so muss man zunächst an- diese
beiden denken; da die Bisthümer Uici^ Denia und Elotana erst später
vorkommen^ so kann man auch annehmen, dass Bischöfe aus -Hock*
andalusien, aus den geschichtlich beglaubigten Bisthümern Urci| Basti,
Äoci, Mentesa und Castulo -v zugegen waren , schwerlich aber ein Bi-
schof aus Neu- oder Ait-Castilien.
Den zu Valencia verlesenen alten Ganones wurden sechs Zusäse
beigefügt: 1) Das Evangelium werde vor dem Offertofium (ante munenan
oUationem) oder der Missa [d. i. der Dimissio ')] der Eatechumenen ge-
lesen, und zwar nach dem Apostel, i. e. nach der Epistel , dass nicht
bloss die Gläubigen, sondern auch die Eatechumenen und Büsser, und
alle aussen Stehenden (onrnes, qui e diverso sunt) das VV^ort Gt>ttes und
die Predigt des Bischöfe hören, durch welche Einige bekehrt wurden.
2) Stirbt ein Bischof, so sollen die Cleriker nichts von seinem Erbe
— wie Räuber plündern ; ansonst sollen sie durch den Metropolitoi und
die Mitbischöfe zur Rückgabe gezwungen werden. Stirbt ein Bischof,
80 soll (nach Canon 6 der Synode von Rhiez von 439) der Nachbar-
bisehof nach dem Herkommen die Exequien halten , und das Erbe des
Bischofs überwachen^ der innerhalb der Octave des Verstorbenen (d. L
des Siebenten) ein genaues Inventar zu Händen des Metropoliten an-
fertigen lassen soll , welcher einen Verwalter einzusezen hat, damit dieser'
den Clerikem ihr Einkommen reiche, und wenn die neue W^ahl sich
▼erzögert, seinem Mandatar Rechnung ablege.
3) Das Gleiche gelte von den Verwandten des Bischofs, wenn er
ohne Testament stirbt; sie sollen ohne Wissen des Metropoliten sich
nichts aneignen. Dieser Canon hat rückwirkende Kraft.
4) Es soll sich die Beisezung eines verstorbenen Bischofs — durch
die Verspätung des Epwcapus Commendator [ammae ^)] nicht verzögern.
Der eingeladene Bischof soll den Kranken besuchen, um sich zu freuen
über seine Oenesung, oder ihn zu mahnen, dass er sein Haus bestelle,
und soll seinen lezten Willen vollziehen. Stirbt er, so bringe er erst
dss Opfer für ihn , dann begrabe er ihn , und seze das vorher Befohlene
in's Werk. Stirbt aber, wie es gewöhnlich ist, der Bischof plözlich,
and können die Nachbarbischöfe nicht rechtzeitig kommen, so bleibe
*) 8. DucangBj 3, mtBaa.
*) 8. Duoange: Cammendaäo anmcie.
r
448 SIebenle« Buch. DHiiehntPs Kspllel.
warea, <J& vielleicht auch die hocbandalusiecheD Bischöfe gel&den
gaben darüber die fünf VerBsrnmeltcn ihier Befremdung in d-
Ausdruck: „sie haben .'^ich der Sjnode dieser Provinz entzogt
aber die FUnfzahl allzu druckend auf ihaea lastete, so gabei
selben einen nur scbeinbaren Zuwachs durch die Beitreibun)
drei Unterschriften von Bischöfen , die von Rechts wegen kein'
Sache und zur Sj-node gehörten:
Marcianus (Marrucinus, Marracinus], Bischof in Christi N
des katholischen Glaubens in die 8tadt Toledo verbannt, hab<
handJungen meiner heiligen Bruder angewohnt, sie gelesen
schrieben.
Nibridius, in Christi Namen Bischof der katholischen I
Egara, habe diese Constitution meiner MitbischUfe in der Sta
da ich nach geraumer Zeit dahin gekommen, mit Wahrung der
der frühem Canones , geteaen , gebilligt und unterschrieben. —
so sein Bruder, der Bischof Juatus von Urgel.
Wie viel Zeit unter dem „aUquanlum Umporia" zu ver
können wir nicht ahnen. Es könnte auch ein Jahrzehent s
Justus war nuch 546 Bischof von Urgel, während sein w
Bruder Nebridius in diesem Jahre schon einen Nachfolger 1
Auffallend int das Lob, das die Synode dem Könige Amalricl:
der seine katholische Gemahlin zu Tode misshandelte, und
soheinlieli den Bischof Maician verbunnt hatte. — Aus dem di
Amalrioh gespendeten Lob schliesst man umsonat, „dass er
durch DulduDgssinn auszeichnete'' '). Das auffallende, jed
Munde einer Synode neue Lob war einfach eine „cnptatiu ben
gegen etwaige Versuche der untern Bischöfe, dem Vorgehen
entgegenzutreten, obgleich in den Akten nicht steht, da.-i
Amalrich angefragt habe, ob man die Synode halten dürfe')
Wir wollen das Vorgehen der Bischöfe in und um Tt
tadeln. Sie wollten von zwei Uebeln das kleinere; sie zogi
für sicli eine Synode und einen Metrüpülitea zu haben, da sie
von ihnen dazu verstehen wollte, den Metropoliten von Car
zuerkennen; wir glauben aber, dass es bei dieser ersten S
blieben sei. Denn da die Synoden seibat ohne allen Zweifel
geaunmolt und geordnet wurden , so hätten die Sammler etwa
') Ferrtrat meint, Köalg Amatrich huhR die Biscliofsslühle nichl lies
allein dann halte obiger Tadel des Wegbleibens keinen Sinn. - :
Ibum Paleocia wai unbescil (Fe^er., 2, •J12).
') Flottt-BiKi,, t. 42, 189 (Lgara). — K.-G., 2, «0 — 441.
■) Alao Aichbwh, Q. d. Wciigolbeo, p. 183.
•) AUo Fentra,, 2, 309.
Die Kirchenprovinz von Toledo (Carthag^iDenaia) 357 — 589. 455
„Jnstinian von Spanien , Bischof der Valentinischen Earche, von yier Ja.
ßischöfen, Söhnen derselben Mutter Einer, schrieb ein Buch Antworten v<m
an einen gewissen Rusticus über gestellte Fragen : die erste Antwort ist i,^^
über den heiligen Geist; die zweite ist gegen die Bonosianer, welobe ,
Christum einen Adoptivsohn, und nicht den eigenen Sohn, nennen: dii^^^^ *
dritte Antwort ist über die Taufe Christi, dass man sie nicht wiederilialaqbji^vr
dürfe (also zunächst gegen die Arianer in Spanien): die vierte Antwort '** ' '*A
ist von dem Unterschiede der Taufe des Johannes und Christus: die
fünfte Antwort ist, dass der Sohn, wie der Vater, unsichtbar ist. Er
blühte in Spanien zu den Zeiten des Gothenfüi*sten Theudes^).^ Seine
Schriften gelten zur Zeit für verloren , aber Helfferich neigt zu der An»
nahme^ dass sie in der unter Ildefons Namen bekannten Schrift: ^Ub^
dt ardine baptUmi^ — erhalten > seien, wofür er sehr starke Gründe bei-
bringt*).
0 Jsidcr de pir. ilL eap, 33.
^ J. Helffenck, der westgotb. Arianismas, 1860, S. 3, 41 — 49 — haDdelt am
aotführliebsten von Jaslinian und beweist evident, dass die Sebrift: »cfo orduic
baptismi" viel frübern Ursprangt sei.
f
<■
Vierzehntes Kapitel.
Die Rirchenprovinz Gallzien (357—589).
A*(a- Da88 Asturica bis zu seiner Zerstörung im J. 457 Metropole von
Mtiro- Galizien war, wird zwar nicht zugegeben, ist aber dennoch augenfällig.
^ — Denn, warum gieng Domitian im J. 343 mit Hosius nach Sardika?
Weil er Metropolit von Galizien war. Warum weihte der Bischof Sym-
phosius von Asturica seinen Sohn und Nachfolger Dictinius zum Bischöfe^
warum weihte er sämmtliche Bischöfe Galizicns, darunter auch den Bi-
schof Patemus TonBracara? Weil er Metropolit war. Warum wendete
sich Bischof Tjuribius von Astorga — an Papst Leo I. in Sachen der
Priscillianisten, warum bestellte ihn dieser Papst zu seinem Bevollmäcb-
^ tigten? Weil er Metropolit und — ein sehr energischer Mann war. fc
ist wie eine Verstellung, wenn ihn die 1. (2.) Synode von Bracara vom
J. 561 den Notar des Papstes nennt. Das heisst den Lesern Sand in
die Augen streuen. Wäre er Leo's Notar gewesen, etwa wie Prosper
von Aquitanien, so wäre er nicht in Astorga, sondern in Rom gewesen.
— In Bracara aber wollte man hundert Jahre nach der Zerstörung von
Astorga 457 — von dem Vorrechte dieses Bisthums nichts mehr wissen,
das ihm vielleicht doch entzogen worden wäre , nachdem Bracara Haupt-
stadt des Reiches der Sueven geworden.
Ueber die Sueven regierte nach Hermerich, f 441 in Merida, Rechila,
t 448 in Emerita, sein katholischer Sohn Rechiarius '), der 456 im
Kampfe mit Theodorich dem Westgothen gefallen war, Maldra der
Sohn des Massila, während andre den Franta ihren König nannten^'.
Maldra fiel im J. 462. — Nach Franta regierten Frumarius und
') Lembke, 8. 28.
*) s. ÄMckbach, S. 136. 194.
Die KirehenproviDs Galisieft (8fi7~86^. 457
rand neben- und gegeneinander — in Galisien*). Im J. 464
rächte nach dem Tode des Frumarius Remismund alle Sneyen in dm
Bine Handy scbloss Frieden mit den Eingebomen, und nahm eine dtr
*ochter des Westgothen Eurioh zur Ehe. Er fiel , vielleicbt wegen seiner ^''^**'
remahlin , in den Arianismus zurück. Von Galizien drang er in Lusi-
inien ein. Zu seiner Zeit war ein Galatier Ajax, ein Arianer, ein ^
eftiger Feind der £[athoIiken. — Die Sueven eroberten Lusitanien bia IdU
''oimbra^ selbst Lissabon fiel vorübergehend in ihre Hände. ' ^
Hier endet des Idatius ehrtmieon, das Isidor in seiner Geschicfate
er Sueven recapitulirt Fast ein Jahrhundert lang schweigt er, und
[Zweigt die Geschichte über sie, ofienbar weil er nichts wusste^). Er
ftgt nur: „Als sodann viele Könige der Sueven in der Arianischen
Cezerei verharrten , übernahm endlich Theudemir die Gewalt der Regie-
ung.'^ Vor ihm regierte Carraridi, 550 — 559. Carrarich gelobte Ka-
bolik zu werden, wenn auf die Fürbitte des heib'gen Martin von Tours
ein todtkranker Sohn genesen würde. Der Sohn genas. Das Land
ward von der Seuche befreit. Zum Danke trat Carrarich mit seinem
ganzen Volke in die Kirche ein^). Dieser Sohn war Ariamir oder
rheodemir, der im J. 559 den Thron bestieg, und 10 Jahre regierte
— bis 570, in welchem Jahre König Mir ihm folgte.
Im J. 56t wurde die erste Synode von Bracara gehalten (da die Sjw&%
ÜLten einer angeblich im J. 411 daselbst gehaltenen Synode als unScht bth«
inerkannt sind). Es war eine Synode von 8 Bischöfen, gehalten am "^^^
. Mai, im Jahre 3 des Königs Ariamir, Aera 599 (561). — Anwesend
iraren Lucretius, Metropolit, Andreas (von Iria), Martinus (von Dumium),
üottus, Ildericus, Lucretius (von Coimbra), Timoth^us, Maliosus (d. i.
Mahiloc von Britonium), welche auf den Befehl des ruhmreichstea<4r
Königs Arimir in der Metropolitankirche zu Bracara zusammengekonmien
iraren. Es sassen die Bischöfe, zugegen waren die Priester, es standen
lie (Kirchen-) Diener und der gosammte Clerus. Dann hielt Lucre-
aus eine Rede, ausser zunächst hervorgeht, dass „lange'' keine Synode
itattfiuid. Wie lange? vielleicht nie vorher. Diese Rede und die Ver-
l&andlungen — sind aber so fein ausgearbeitet, so kunstvoll, so niedlich,
so harmonisch gegliedert, so aus einem 6uss gegossen, dass ich längst
EU der Ansicht gekommen, dass das Ganze aus der Feder des Martin
?on Dumium geflossen , der das Protokoll — mit Meisterhand , aber audi
mit grosser — fast poetischer Freiheit regierte. Namentlich sind die
'j cf. Idatius, Jomandet, cap. 44.
*) Isuktr. Suwarum Mstoria, — Aachbach, Geschichte der Westgothen, S. 194—1%.
Lembke, S. 44. 64.
*) Qrtgw, Turon, de wwracuL a. Martini , 1, 11 (Isidor weiss nichts davon). — Lö'
bdl, Gregor von Tours und seine Zelt, Leipz. 1839, 8. 362—868.
458 Stebentfis Buch. VierMhntM Kapitel.
Antworten Bämmtlicher Bisehöfe derart stylisirt und konatvoU aiuigcfülirt,
dass Jedem die absolute Unmöglichkeit einleuchtet , dass sieben Bisehöfe
einstimmig so gesprochen haben sollten. Lucretius sagt, dass ^der seligste
Papst der Stadt Born, Leo, der etwa der viersigste Nachfolger des
Apostels Petrus war^ durch Turibius, den Schreiber seines. Sises (I), Briefe
an die Synode von Oalizien gegen die gottlose Sekte des PriscillisQ
richtete^. Dann heisst es weiter gegen alle und jede geschichtliche Be-
Jkmw^' glaubigung: j,Auf seinen Befehl haben die Tarraconensischen und Car-
s^mS« thaginensischen, auch Lusitanischen und Bätischen Bischöfe — unter sich
^llj^ ein Concil gehalten , und haben eine Glaubensregel gegen die Irrlehre
der Priscillianisten mit einigen Kapiteln zusammengeschrieben und sie an
BalconiuSy den damaligen Bischof dieser Kirche von Bracara, gerichtet^
Diess sind Erdichtungen. Balconius war Bischof um 41 5 , und
schwerlich mehr im J. 447. Die gemeinte Synode kann nur die von
Toledo I seyn , eine andere ist nicht gehalten worden. Bei dem absoluten
Stillschweigen des Idatius — ist eine solche Synode bloss auf das Zeug-
niss einer über 100 Jahre spätem Synode um so weniger anzunehm^
als hier überhaupt andere Irrthümer sich finden. Es schimmert die Ab-
sicht hindurch, Bracara im ganzen fünften Jahrhundert als Metropole
erscheinen zu lassen, was es nicht war. j^Dann wurde ein Exemplar
der Glaubensformel mit ihren Capiteln verlesen , welches diesen Verhand-
lungen keineswegs einverleibt wurde ^ damit es nicht Weitschweifigkeit
verursache.' Dann kommt wieder eine lange und zierliche Bede sämmt-
Ucher Bischöfe , die vielleicht Martinus allein gehalten hat, wenn sie
nicht in Nachahmung der Alten fingirt ist.
Syaode Es folgou uuu 17 Kapitel gegen die Priscillianisten. 1) Wer die
vott^f^Ti^^t im Sinne des Sabellius und Priscillian lehrt , der sei Anathem.
-'St. ^^ ^^^ ausserhalb der heiligen Trinität noch ,,eine Trimtat TrmUatü''
lehrt y wie die Gnostiker und PriscilUan, sei Anathem. 3) Ebenso, wer
sagt, dass der Sohn Gottes nicht existirt habe vor seiner Geburt aus
Maria, wie Paul von Samosata, Photin und Priscillian. 4) Wer Weih-
nachten nicht feiert, sondern an diesem l'age und am Sonntage fastet,
weil er nicht glaubt, dass Christus in der wahren menschlichen Natur
geboren sei, wie Cerdon, Marcion, Manichäus (d. L Manes) und Pris-
cillian; 6) wer, wie beide leztere, lehrt, dass die Seelen und die Engel
aus der Substanz Gottes geschaffen seien; 6) wer lehrt, dass die Seelen
zur Strafe ihrer Sünde in der himmlischen Wohnung in Leiber auf
Erden verbannt worden, wie Priscillian; 7) wer, wie beide leztere,
leugnet, dass der Teufel im Anfang ein guter roü Gott geschaffener
Engel, vielmehr lehrt, dass er kein Geschöpf Gottes, sondern aus dem
Chaos und der Finstemiss emporgestiegen, der selbst sein Princip und
die Substanz des üebels sei; 8) wer, wie Priscillian lehrt, dass der
Teufel einige Dinge in der Welt gemacht, dass er Donner, Bliz, Un-
wetter, Trockenheit luis ei^er Kraft bewirke; 9) wer glaubt ^ dass die
Die KiffcheBiMroiriiiB OalisieD (357—588). 459
menschlieheii Seelen und Leiber an die Gestirne gebunden aind, wie die
Heiden und Prisoillian; 10) wer glaubt, die 12 Zeichen des Thierkreises,
welche ^6 Mathematiker beobachten/ seien vertheüt an die einzelnen
Glieder des Leibes und der Seele, und an die Namen der (12) Patriarchen
verschrieben, wie Prisoillian lehrt; 11) wer die Ehe verdammt, und die
Eindererzeugung in der Ehe verabscheut, wie Manichäus und Priscillian
ehren ; 12) wer sagt, die Bildung des menschlichen Leibes sei ein Werk
^tans, und die Empfängniss im Mutterleibe geschehe durch die Wirkung
ler Dämonen, und darum die Auferstehung leugnet, wie M. und Prise.;
!3) wer sagt, die Erschaffung alles Fleisches sei nicht ein Werk Gottes,
andern böser Engel; 14) wer die Fleischspeisen für unrein hält, die
Tott som Gebrauch der Menschen gab, und wer sich ihrer nidit etwa
or Bezähmung des Fleisches , sondern , weil sie unrein seien , enthält^
0 dass er nicht einmal mit Fleisch gekochte Gemüsse isst, wie M. und
Visc; 15) wenn ein Cleriker oder Mönch neben seiner Mutter oder
chwester oder Tante (thia) oder nächster Blutsverwandten gewisse
ndere Frauenspersonen gleichsam adoptirt, und mit ihnen zusammen-
^ohnt, wie die Sekte Prise, lehrt; 16) wer am Gründonnerstage, zur
esezten Stunde, nach der Non, nüchtern in der Kirche nicht die Messe
alt ^) , sondern mit obiger Sekte die Feier dieses Tages von neun Uhr
d — durch Todtenmessen — und nicht nüchtern begeht; 17) wer die
eiligen Schriften, die Priscillian fälschte, oder die Tractate, die Dictinius
or seiner Bekehrung schrieb, oder — andere Schriften der Häretiker,
ie sie unter dem Namen von Patriarchen , Propheten oder Aposteln ge-
shmiedet, liest, sie befolgt oder vertheidigt, der sei im Banne.
Nun wurden aus dem Codex die Statuten der allgemeinen und Ört-
chen Concilien verlesen (wahrscheinlich die Canonen- Sammlung des
Urtin von Dumium). Es folgten lange und gewimdene Zwiegespräche
wischen Lucretius — und den einstimmig redenden Bischöfen. Dann
mrde der Brief des Papstes Vigilius an den Bischof Profuturus von
(raga vom J. 538 verlesen, erlassen auf des leztem Anfragen, worin
w a. gesagt wird, dass das Christentbum aus Rom in jene Lande ge-
ommen ^). — Kap. 1 handelt von den Priscillianisten , insofern sie nicht
leisch assen. Kap. 2 von der dreifachen Immersid bei der Taufe. Kap. 3
on den Wiedergetauften der Arianer, die man nur nach geschehener
tusse wieder au&ehmen könne. Kap. 4. Neugebaute Kirchen sind ein-
uweihen, indem Sanctuarien in sie gesezt, die Messe celcbrirt, und sie
dit Weihwasser bei|»rengt werden. Bei wiederhergestellten Kirchen
lenügt die CdebrinHig der heiligen Messe. Kap. 5. Das nächste Ostern
ille auf den 24. April. Die Messfeier (d. i. der Canon der Messe) sei
') wuMtoi non teneL
*) ad mmdtm /onieMf de quo illuc sabUaris mmnav4rat fj^mphüf recurritU^
460 8i€beDtet Buch. Vleraehntet Kapitel.
in Rom stets dieselbe; ein Exemplar des Canons sendet er ihm,
Beifügung der Messe anf Ostern. Er übersendet Reliquien der Apo
and Martjrrer. Kap. 6. Es muss im Namen der drei göttüdben I
sonen getauft werden *).
Es folgte die Verlesung von 22 Canones, welche die einheiüi
kirchliche Ordnung in der Provinz herstellen sollten. 1) Es sei I
Ordnung des Psalmirens her der Matutin und Vesper, und Gkbräu
der El5ster werden nicht mit der kirchlichen Regel vermischt 2)
den Vigilien und den Festen selbst werden dieselben Lectionen gele
3) Bischöfe wie Priester sollen das Volk grUssen mit : Dominus (statt F
vobiieum, wie im ganzen Orient, und nicht nach der Neuerung der I
cillianisten ^). 4) Die heilige Messe soll nach dem Ritus gefeiert werc
den der Metropolit Profuturus von Rom erhielt. 5) Ebenso mit <
Ritus der Taufe. 6) Die Bischöfe sollen — unter dem Vorsiz des Me
politen — nach der Zeit ihrer Weibe sizen. 7) Das Kirchengut sol
drei gleichen Theilen dem Bischof, dem Clerus , der Reparatur und
Lichtem der Kirche zufallen. Von lezterm Theil soll der verwalte
Archipresbyter oder Diakon dem Bischöfe Rechnung stellen. 8) 0
sdiriftliches Zeugniss soll kein Bischof einen auswärtigen Cleriker weil
9) Zum Unterschiede von den Subdiakonen sollen die Diakonen —
Orarium (die Stola) nicht unter der Tunica — Dalmatik — tra^
sondern über der Schulter. 10) Nicht alle Lectoren, sondern nur
von den Bischöfen zu Subdiakonen geweihten dürfen die heiligen <
fasse des Altars tragen. 11) Die Lectoren sollen in der Kirche nicht
weltlichen Kleidern psalliren , noch lange Haare nach Weise der Hei
tragen^). 12) Ausser den Psalmen und überhaupt dem A. und N. Te
ment soU nach den Canones nichts Poetisches in den Kirchen gesunj
werden. 13) Die Laien dürfen zur heiligen Communion (ad commi
candum) nicht in das Sanetuarium ^) des Altars eintreten, seien es Man
oder Frauen y sondern nur die Cleriker'^). 14) Wer vom Clerus ni
') Die episiola VigUü ad I¥oßiturum episcopum — steht auch in ColUcdo Hispam
mit Auslastung der Zeitbestimmung — 1. März &38 — Mansi, .9, 29. -
lectio C. LabbeO'Veneta, 5, 1290—1294. — Aguirre, 3, 161—165, Fic
.15, 107 — 109.
») 8. Luefl, Lilurgik, 2, S. 76 - 77. - HefeU, 3, 15 ~ 16.
•) neque grano» demtttant — Isidor — etymoL 19 y 23 — nannuUae gentes nnn sf.
m vtMiibuiy sed et in corpore aliqua sibt propria quasi intignia vindicantf ut vhU
eirrot Oermanorum, grtmos et cinnabar Gotkorum, — Nach L. Zerda in Adverst
— bedeutet »grani" — gescheiteltes und herabhängendes Haar— cf. ToUl 4,
— wodurch die Sache erklärt wird: es sind »lange Haare* — proiixae co
— c/. Ducange — grani — ein erschöpfender Artikel; grenones — (greuno
grinonee) bedeutet den Schnurrbart
*) Gregor. M. ip. 3 (4), 30.
•) 4 ToUl 18. — C. LomUc. c. 19.
Die Kircbenprovins Galisien (357—589). 461
Fleisch genieosty soll, um dem Verdacht des PriscillianiBmaB zu entgehen,
wenigstens in Fleisch gekochte Gemüsse zu kosten verhalten werden,
unter Strafe des Bannes und der Absezung. 15) Mit Ausgeschlossenen
darf Niemand verkehren. — 16) Selbstmörder und Hingerichtete erhalten
kein christliches Begräbniss^); 17) wie auch Katechumenen nicht, die
vor der Taufe sterben. 18) Leichname sollen nicht in den Kirchen,
9ondem höchstens an den Kirchen begraben werden. 19) Ein Priester,
ier hinfort wagt, das Chrisma oder Kirchen und Altäre zu weihen, sei
ibgesezt 20) Kein Laie werde Priester, ohne ein Jahr des Lectorats
)der Snbdiakonats. 21) Was an Festen oder Oedächtnisstagen der
Fodten die Gläubigen opfern, soll ein Cleriker sammeln, und ein- oder
eweimal im Jahre an alle Cleriker vertheilen; nicht aber darf Einer das,
vras in seiner Woche eingeht, behalten. 22) Die hier vorgelesenen altem
i^snones müssen von Allen bei Strafe der Abseaiung beobachtet werden').
Lucretius forderte zur genauen Einhaltung der Beschlüsse auf; wer
nit Ausgeschlossenen wegen Verbrechen oder Häresie verkehre, yerfidle
lerselben Strafe. Alle Bischöfe antworteten (was sie sidier nicht in
lieser Weise sagten) : So geschehe es , und „jeder müsse diese Verhand-
ongen selbst unterschreiben^. — Es geschah also : Ich Bischof Lucretius
abe unterschrieben. Ebenso die Bischöfe Andreas von Lria, Martin von
)umium, Cortus, Ildericus, Lucretius von Coimbra, Timotheus, Maliosos
Ueliosns, Maliciosus, vielmehr Mahiloc von Britonium).
Aschbach sagt, dass auf dieser Synode besonders gegen den Aria-
ismus geeifert wurde; Lembke, dass auf derselben — „das katholische
Haabensbekenntniss von der sämmtlichen Geistlichkeit der Sueven ab-
;elegt wurde'' '). Ich sehe nicht, worauf sich diese Angaben stüzen.
Im J. 571 (oder 570) folgte auf Theodemir der König Miro oder Miras,
in entschiedener Katholik ^). — Die sogenannte Synode von Lugos vom k«!»«
. 569 ist eine plumpe Erdichtung. Die dort Versammelten if^&ren Pro- voa *
beten gewesen, denn sie wussten, dass 50 Jahre später unter König Swin- ^*'*'*
la — Caliabria ein Bisthum wurde ^). König Theodemir hätte die Synode
uf den 1. Januar berufen, was unerhört wäre. Der König selbst hätte
»rieflich vorgestellt, dass sein Reich zu wenig Bisthümer und nur eine
fetropole habe. Die Synode hätte nun Lugos zur Metropole erhoben,
tnd andere ungenannte Bisthümer errichtet. Damach hätten zu Bracara
0 t. K-G. 2, 34.
«) AgmrT€ ed CataJUmi U 3, 177— 182; Notae Variarum, 182-187. ^ HardMm, C,
t S, 347 tq. — Mcrnuy L 9, 773 sq. — JSIk. CoUH, L 6, p. 515^-527. — Tefada
y Bamiro, U 2, 606^619, — Florw, 15, 227^233. — Ä/efa, 3, 12-^17.
*) AMkbiMeh, 8. 195. — Lembke, 8. 65.
*) Pbrez, 14, 44 — 45.
') Aeehbaeh, 8. 211. - Lembke, 8. 66.
i
462 Siebente« Buch. Yierzehntea Kapitel.
gehört die Bisthümer: 1) Portucale; 2) Lamego; 3) Coimbra; 4) Viseo;
5) Dumium; 6) Egitania; zu Lugos aber — 7) Orense; 8) Astorga;
9) Iria; 10) Tude; 11) Britonia, im Ganzen 13 Bisthümer, welche i^ohl
alle schon im J. 569 bestanden. — Mit Recht haben Florez und Risco
diese Synode verworfen^). Richtig dagegen ist die Thatsache der Er-
hebung von Lugos zu einer Metropole vor dem J. 572.
synod« Es folgt die zweite (sog. 3.) Synode von Braga vom J. 572, im
^"„ zweiten Jahre des Königs Mir, am 1. Juni. Sie beginnt mit den Worten:
Braemii ^jj^^ jj^ Blsohöfe der Galizischen Provinz sowohl aus der Synode von
Bracara als von Lucus mit ihren Metropoliten auf Befehl des Königs
Mir in der Metropolitankirche von Bracara sich versammelt hatten , nem-
lich Martin von Braga, Nitigis von Lugos, Remisol von Viseum, An-
dreas von Lria, Lucretinus von Coimbra, Adoric vonEgidania, Witimer |
von Orense, Sardinarius von Lamego, Viator von Porto, ^ Anila von
Tude, Polemius von Astorga , Mahiloc von Britonium , als diese Bischöfe
Sassen, und der guize Clerus anwesend war, sprach Martin Bischof tos
Braga^ Durch göttliche Eingebung, heiligste Brüder, ist es wohl ge-
schehen, dass durch die Anordnung des glorreichsten Herrn unsen
Sohnes des Königs Wir aus beiden Concilien zu einem zusammeD-
kamen etc. Daraus geht allerdings hervor , dass seit dem J. 56t Lugo«
Metropole wurde, zu der die Bischöfe des eigentlichen Galiziens ge-
schlagen wurden , während bei Braga die Bisthümer des nördlichen Por-
tugals blieben; und ich glaube, dass Bischof Martinus hiebei den Aus-
schlag gegeben habe; dass sodann obige Synode von Lugos nachträglich |^
«^dichtet wurde, um der überraschend in die Welt eintretenden, und ^-
überraschend aus der Welt austretenden Metropole von Lugos einen ge- -
schichtlichen Anhaltspunkt zu geben. -— Martin versteht aber unter Synode f-
oder Concil hier zunächst nur die Bischöfe eines Metropolitansprengeis.
— Nitigis Bischof von Lucus antwortete dem Martinus. Dann wurden ^
die Beschlüsse der Synode von 561 verlesen. — Wieder hielt Martiii 3
eine Bede, und trug der Synode das vor, was er vorher zurechtgelegt
hafte. — Das Protokoll ist genau, wie bei der ersten Synode, so dass
kein Zweifel ist , dass Martinus selbst es verfasst. Er lässt wieder sämnit-
liche eilf Bischöfe in gefeilter Rede sprechen, als hätten sie nur einen
Mund. Sie bitten den Martinus, dass er alle diese Dinge, in einzelnen •
Kapiteln kurz gefeisst, wie sie gebessert werden sollen, diesen Alten
I) Aptdrre, L 3^ 187^302 (mit reichlichen Noten). — Mann, L 9, 8i5 tq. -
Hardum, t 3, 373 sq. — CoUti, t. 6, 555^576 (mH reichlichen Noten). "
Tejada y Ranuro lässt es g^ans aas, weil es in der ColUetio Hispama nicht itebt,
was auch gegen die Aechtheit zeugt — cf. Florez, 4, 130 — 176 — ^M Cw
dUo de Lugo'. — cf, Risco, t. 40, 229 — 289 „Diseriaaon »obre los Ccmeüios ^
Lugo*. - HefeU, 3, 25.
Die KiTebenprorins OalisieD (367—589). 463
Möge, was er olmedem zu tbnn Willens war. Merkwürdig ist der
terwürfiige Ton, in welchem die Bischöfe zu Martinus sprechen.
1) Die Bischöfe sollen die Diöcesen untersuchen, und die Weise
r Taufe, der Messfeier und der Officien untersuchen. 20 Tage vor
r Taufe sollen die Katechumenen exorcisirt werden, und dann das
mbolum lernen. An einem andern Tage sollen die Bischöfe das Volk
sammenrufen , und es lehren , den heidnischen Irrthümern und andern
erbrechen zu entsagen , d. i. Mord , Ehebruch , Meineid , ÜEilsches Zeug-
» u. a., sollen sie auf die Auferstehung und das Gericht hinweisen.
2) Dabei dürfen die Bischöfe von jeder Kirche nur zwei Solidi, und
n den Priestern keine Knechtsdienste verlangen. Der dritte Theil der
nnahmen bleibe für die Reparatur und die Lichter der Kirche. 3) Die
-dinationen sollen unentgeltlich geschehen , damit nicht Unwürdige um
Jd sich eindrängen. — 4) Für den Balsam (ChrUma) zur Taufe haben
izelne einen Dreier verlangt; es soll umsonst gegeben werden. —
Beehrt ein Gläubiger die Einweihung einer (von ihm gebauten)
rche , so darf der Bischof nur etwa ein freiwilliges Geschenk anneh-
m, aber nichts begehren. Er verlange aber eine Urkunde der ge-
rigen Dotirung der Kirche, wovon der Clerus und die Lichter unter-
Iten werden können. — 6) Es geschieht, dass Jemand auf seinen
item eine Earche baut, um die Einkünfte mit dem Clerus zu theilen.
ne solche darf kein Bischof weihen. — 7) Von den Taufen darf der
erus nichts verlangen, aber ein freiwilliges Geschenk nehmen. Manche
me lassen ihre Kinder ungetauft , weil sie ohne Mittel sind. — 8) Wer
len Cleriker wegen Fomication anklagt, muss zwei oder drei Zeugen
Jlen (1 Tim. 5, 19); sonst ist er selbst excommunicirt — 9) Der
stropolit soll jedes Jahr die Zeit der nächsten Ostern mittheilen , der
erus diess dem Volk an Weihnachten nach der Lesung des Evangeliums
rkünden. Am Anfiemg der Fasten sollen die Nachbargemeinden zu-
mmenkommen, und sollen drei Tage Litaneien singen. Am dritten
Ige soll nach der Messfeier um 9 oder 10 Uhr das Volk zum Fasten
id ssur Darbringung der Katechumenen 20 Tage vor Ostern erttiahnt
srden. — 10) Einige Priester feiern die Todtenmessen , nachdem sie
hon etwas genossen, was wohl ein Rest des Priscillianismus ist Die
so Handelnden sollen sogleich von ihrem Bischöfe abgesezt werden *).
Wer diesen Canones zuvnder handelt, soll von dem ganzen Concil
irechtgevnesen werden. Es folgen die Unterschriften: Ich Martin, Bi-
>) ffardum, 3, 383. - Mann, 9, 835. - Coli Labbeo-Veneta, 6, 575^584, —
A^mrre, 3, 203-219. - Tejaday Ramiro, 2, 620—651. — Dieser und Aguirre
theüen im Anschlösse die sogen. 84 Ccqntula Martini mit, d. i. seine Ueber-
sezang der griechischen Canones, welche den Akten dieser Synode einverleibt
wurde. — Ftore«, 15, 235-- 239. — Ä/efa, 3, 25 — 27.
464 BiebeniM Btieh. VierrchnlM KapM*1.
schof clor Metropolitankirche von Bracara, habe diese Verhandluofl
unterschrieben. Es folgt: 1] liemisol Besensis (<1. i, VcseDsis) efl
2) Lucetiufi von Coimbra; 3j Adoricus Egestanae ecci. (Egidanna); 4)1
gittariua Lamicensis eccl. (Lamego) ; 5) Viator Maguetensis — d. i.
Oporto. Dann heisat es:
Aus der Synode von Lucus : Nitigis, Bischof der Aletropolitankinj
1) Andreas von Iria; 2) Witimer Anrienais lOrense); 3) Polimii» J
Astorga; 4) Anila von Tude; 5) Mahiloc, der Britouen Biscliof, well
immer suleet titeht. I
•'.."'.-»T. .Inf .f.4.,.
la !<->»"» !•»*..:-
.1
Mi^^A: '
i
\
Fünfzehntes Kapitel.
latios lod seio ChroDicon. Die BisekSfe Paster, Syagriis ni
larterins. Martinos von Brag«. TariMu vra Asterga, nd
die angeUlckei Syiodei voi 447— -448.
§. 1.
Idaüasy stammend auB Galizien, wird gcynannt Lemovicenma oder
^micensis episcopus. — Er erzählt von sich sum J« 407 •-!- dass er als
lind und Waise (infaniulta et pupütui) den Bischof Johannes , den
lologius von Cäsarea, den Theophilos und Hieronymus gesehen*). Es
rare möglidi , dass er in Begleitung des Avitus von Bracara gereist —
m J. 427 y im dritten Jahre des Valentinian üL, ^vrurde er Bischof '(Vor-
ede), wie wir annehmen, in einem Alter von etwa 30 Jahren. Sein
)hronicon reicht vom J. 379 , den Anfängen des Theodosius, bis sum ^^
. 469; wahrscheinlich seinem Todesjahre. Für die Zdt von 379 — 427
raren Bücher oder Berichte Anderer seine Hauptq^uellen; von da an
latte er grossentheils selbst erlebt oder gesehen , was er erzählt Er
sollte da anfangen, wo Hieronymus in seinem Chronicon geendet , und
)^;ann mit der Thronbesteigung des Spaniers Theodosius. — Wir haben
die für die Earchengeschichte imd unsre Zwecke irgend bedeutsamen
!)achrichten diesem Werke einverleibt — Auffallend ist u. a., dass er^
kr z. B. die Entdeckung der Reliquien des Stephanus berichtet (J. 415);
cten Namen des Orosius nicht erwähnt — Von Theodosius U. erzählt
er zum J. 424, dass er, 21 Ja|^e alt, ^die Monarchie des BeioheB
') Auch in der Vorrede sagt er : quem quodam tempore prcpriae peregrvMHome m m-
pradietie regümibus adhvc infcmhüue vidiese wte ee/iue eum»
Otat, ipan. Kirche. II. 30
466 Siebentes Buch. Ffinfzehntes Kapitel.
(manarehiam imperü) besass^. — Zum J. 431 erzählt er: jpDer Bischoi
IdatiuB Übernahm (wegen der Bedrängung der Oalizier durch die Sueven)
eine Gtesandtschaft an den Dux A6tiuB in Oallien^ , — zum J. 432 aber:
„Als den beai^^ten Franken durch Aö'tius der gewünBchte Friede g^ben
worden y so wurde von ihm der Comes Gensorius als Gesandter zu den
Sueven gesendet , mit welchem Idatius zurückkehrte.^ Also suchten die
Galizier Hilfe bei den selbst hilflosen Römern , und fanden sie nicht
j^Denn als Censorius zum Hofe (ad palaUum) zurückgekehrt , erneuerte
der Sueyenkönig Hermerich mit den Galiziern, die er stets ausplünderte,
unter bischöflicher Vermittlung durch Stellung von Geissein den Frie-
den.' — Der Bischof Symphosius (nicht der von Astorga) wurde von
Hermerich als Legat an den Hof (eomUaium) gesendet, aber seine Sen- '
düng hatte keinen Bkfplg *)«
§. 2.
„In dem Convente von Lugoa wurden, gegei^ den Willen des Bi-
Die schofs Agrestius von Lucus — Pastor und Syagrius zu Bischöfen ordinirt**
tteiVe?" — 433. Gennadius berichtet zu Ejip. 76 : „Der Bischof Pastor schrieb
'^ll^ ein kleines Buch in der Form eines Symbolum, in welchem er beinahe
Sy» den ganzen christlichen Glauben in gedrängten Säzen zusammen&sste.
Unter vecBchiedenen Irrthümem, welche er mit Nennung der Namen
verwirft, Verdammt er ausdrOddich die Priscillianisten mit dem Namen
ihres Urhebers.^ Obgleich alle sonstigen Zeugnisse fehlen , so ist es
doch wahrscheinlich , dass der Pastor des Idatius und des Gennadius die-
selbe Person sei. Denn nicht nur ist der Name Pastor ein vorzugsweise
in Spanien einheimischer, nicht nur war der Pastor des Idatius und
Gennadius Bischof , sondern die Schrift des Pastor war direkt gegen die
Priscillianisten gerichtet, wozu nur Anlass und Aufforderung in Galizien
' war. Dazu kommt, dass auch die Zeit, zu welcher ungefähr Gennadius
seinen Pastor einreiht, harmonirt — An dem Schweigen des Idatius an
dieser Schrift darf man sich nicht stossen, denn er erwähnt auch die
Btiofe des Avitüs, des Severus von Minorca, und die Werke des Oro-
sius nicht
Aber auch ein Syagrius wird von Gennadius als Schriftsteller ^-
geflihrt Dieser Name wdst auf Gallien, kommt bei Gregor von Tours
und in den Unterschriften der Concilien vielfach vor, aber nicht vor
dem Ende des 5. Jahrhunderts. Unser Syagrius lebte früher; denn er
Wird nach Vincentius von Lerins — um 434 — erwähnt j^Syagrius -
also (E[ap. 65) schrieb über den Glauben gegen die anmassenden Wort-
formen der Häretiker, welche zur Zerstörung oder Veiünderung der
') rtinu meocnm finutraiiMr mrrtptk.
$. 2. Die Schrifteteller Pastor and Syagrias. 467
famen der heiligen Trinifät aufgebracht worden , welche behaupten , der
^ater dürfe nicht Vater genannt werden ; damit nicht aus dem Namen
es Vaters der Sohn herausklinge, sondern er sei ungeboren, uüerschaffen,
nd einzig zu nennen, so dass, was ausser ihm Person, auch eine
V^esenheit ausser ihm sei. Er zeigt, dass auch der Vater, welcher der-
elben Natur (mit dem Sohne) ist, ungeboren genannt werden könne,
rie die Schrift bezeuge, er habe aus sich seinen persönlichen Sohn ge-
eugt, nicht erschaffen, aus sich habe er den heiligen Gteist als Person
lervorgebracht, nicht gezeugt oder erschafiFen (ex te proUdisie, fum
tnuine neque fedsse). Ich finde, dass sieben Bücher über den Olauben
ien Namen dieses Syagrius tragen, weil sie aber in dem Stile verschie-
len sind, halte ich nicht alle für sein Werk.*
Da Syagrius jedenfalls ein Abendländer war, so ist es eben nur die
ääresie des Priscillian, welche hier und uns bis jezt mit dieser Irrlehre
3ehaftet erschien, dass sie die drei Personen in Gott zu blossen Wort-
ibnnen herabwürdigt. Diess gilt wenigstens für die Zeit unsers Syagrius;
lenn damals hatten sich die alten Monarchianer (Sabellianer) längst aus-
gelebt Darum liegt die Vermuthung ebenso nahe, dass Syagrius, wie
Turibius, Idatius, Ceponius, wohl auch Pastor, mit dieser Schrift über
den Glauben die Prisdllianisten in Galizien bekämpft habe.
Die spanischen Literaturhistoriker, wie Nie. Antonio, Ferferas, de
Clastro u. a. haben manche Schriftsteller zu Spanien gezogen, ohne ge-
iGgenden Grund, z. B. Aquilius Severus, Aurelius philo6., Bülgaranus
Zornes, Cerealis, Claudius von Turin, Dracontius, Elpidius von Bor-
leaux, Fulgentius von Buspe, Julianus Pomerius, Luitprand von Pavia,
Mierobaudes, Prudentius von Troyes, Biparius, den Dichter Sedulius,
ien Dichter Severus, den Theodul von Orleans, den Veriecundüs Afer,
Ien Vigilantius u. a. Mit mehr Becht werden sie den Consentius ^), den
Pastor und den Syagrius unter die Ihrigen zählen^).
Das alte Galizien hatte drei Conventus, von Asturica, Lucus und
Bracara; das christliche Galizien hatte nur einen Metropoliten, damals
Dodi in Astorga, welcher wahrscheinlich die beiden genannten Männer
KU Bischöfen innerhalb des Conventus von Lucus weihte. Wir sehen
nicht ein, welches Becht der Einsprache oder der Genehmigung der
Bisdiof von Lucus hatte.
§. 3.
Irrthümlich berichtet Idatius z. J. 442, dass nach der Vertreibung
des Nestorius — Flavian Bischof von Constantinopel geworden, da
•)K..G., 2, 401-403.
') Einen Anfang mtlcbt der Spanier Garzon — zu Idalias J. 433.
30*
468 Siebentes Buch. Ffinfsebotes Kapitel.
zwischen Beiden Maximinus und Produs regierten, jener 3 (431 — 434),
dieser 13 Jahre , und Flavian ihm erst 447^ folgte. — Zum Jahre 443
berichtet er über den Dichter Merobaudes. — Zum J. 449 wird eines
Bischofes Leo der (kleinen) Stadt Turiasso Erwähnung gethan, welcher
in dem damaligen Kriege mit den Bacauden umkam. — Im J. 457 wurde
Asturica von den Gothen zerstört — Im J. 460 wurde Idatius von einer
Schaar Sueven ^in der Kirche von Aquae-Flaviae (Chaves) ge&ngen
genommen — 25. Juli, und nach drei Monaten kehrte er nach Flaviae
zurück. — Idatius meldet noch den Tod des Papstes Hilarius 468 *), und
dass Simplidus auf ihn gefolgt — z. J. 469.
Hd. Idatius nennt seine Heimath die Lemica dvitas. Am nächsten liegt
'und es, an Lamego zu denken, schon darum, weil diess ein Biathum auch
zu
t^ob- später blieb. Aber von Alters her und an sich gehörte es nicht
i^ Galizien • Idatius aber erscheint überall als Galizier. Doch wird er noch
idatiu«. gewöhnlich Bbchof von Lamego genannt, obgleich sich die Bischöfe
von Lamego: Ecdesiae Lamecensis (und nicht lümicae oder Limicensis)
unterschreiben^).
Eine andere Ansicht ist, dass Idatius aus dem Bisthume Lugos, und
zwar aus dem noch heute genannten Orte Montfort de Lemos stammte
[was auch das sogen. Forum Limicorum seyn könnte^)]. — Die dritte
Ansicht giebt ihm als Heimath die Stadt Limia an dem gleichnamigen
Flusse, nordwestlich von Braga auf der Strasse nach Tuy und Vigo
gelegen, heute Ponte de Lima^). — Die Worte: Idatius provindae Od-
laeeiae nqha in Lemica eivitaU scheinen zunächst auf die Stadt Limia
hinzuweisen, welche heute nicht nur ein bedeutender Ort, mit einer
langen Brücke von 24 Bogen, wovon 16 von gothischer Bauart, Über
den Lima ist, sondern welcher auch dem Gebiete zwischen den beiden
Flüssen Lima und Cavado den Namen Territorium de Ponte Lima giebt.
Ptolemaeus führt ein Forum Limicorum an, dessen Lage nicht ermittelt
ist; es könnte aber derselbe Ort mit Limia seyn.
In welcher Stadt war Idatius Bischof? In Aquae Flaviae. Chaves
ist heute noch ein bedeutender Ort — mit 5000 Einwohnern, am rechten
Ufer des Tamega, mit einer Römerbrücke von 18 Bogen, an welcher
— nach einer bekannten Inschrift — 10 Städte oder Bezirke, u. a. die
Aquiflavienses, welche zuerst genannt werden, und auch die Limici
haben bauen helfen^). Aquae Flaviae war für ein Bisthum bedeutend
') der aber nicht 6, sondern 8 Jahre regierte.
«) de Catiro, p. 258.
*) Aguirref 3, 59.
*) Florez, 4, 298^308.
») Gruter nueripU p. 1€2. 4. 245. 2. Resendi, /, 2i antig. Lutit — Flore:, i^,
75—78 (v. 4, 312-^315; 4ii). MaUebrun, Pr^cU de i^ giogr. univenellt, ^>
J. 4. Ausgaben des Chronikon. 469
^ug; and dass es bald wieder aufgehört, beweist nichts gegen seine
Elxistenz ; auch das Bisthum Aquae Celenae hörte bald zu exifitiren auf
oder wurde nach Iria transferirt?')].
Es ist auffallend 9 dass Idatius bei Gennadius von Marseille nicht
rorkommt, der doch noch Papst Gelasius (f 496) als Schriftsteller an-
Ohrt Isidor ist der erste, der ihn erwähnt (als Auctor, — eap, 9 d.
ir. ilL), aber er wusste nicht mehr von ihm, als wir: „Idatius, Bischof
n der Provinz Gallaccien , sezte die Chronik des Bischofs £usebius von
caesarea fort, sowie des Priesters Hieronymus (welche bis zu Kaiser Valens
eicht) , nemlich vom ersten Jahre des Augustus Theodosius , indem er bis
:ma achten (dreizehnten?) Jahre der Regierung des Leo die Geschichte
brtftihrt, worin er mehr die grausamen Elriege der barbarischen Völker,
nrdche Spanien bedrängten, erzählt. Er starb unter Kaiser LeO| schon
m äussersten Alter, wie er es auch aiQ An&nge seiner Vorrede kund-
thut*»
§.4. . .
Die Chronik des Idatius fand sich früher nur in einem Auszuge, a««.
der zu Zeiten KarFs des Grossen gemacht war'): Excerpta ese chran, Idaiii dtT
ctim eant. ad. a. 500 — ed. Cmirius Hdnir. leeU antiqu. 1601 — 1604^^^'
L 2, p. 193. — 2 ed. Aniverp. 1725^ t. 2, p. 165. — 8ehüU Andt.
Hispania illusirata 1603 — 8 ^ t. 4, p. 160. — ScaUger 'med. Chnmid.
EuBOn. Leyden 1606 — et edU. Bomana Frid. lAndenbroffU 161(k —
SandovtU: HiHoruu de Idacio obUpo, de Indoro ob. de Badajox eU. Poni-
pdonae 1615 — 1634. f. — Scaliger, thes. temp., p. 17 1
Die Chronik selbst edirte zuerst LaurenUo (San LlorenU) Rom —
K15 — 4^. — !Nach ihm Sirmond: Id. chronic, et foiti coMutorei ab
a. Chr. 381 — 490. Ex ed. et cum notis ßirm. Paris 1619; auch in
Sirmondi opera (1696) y t. 2, p. 230 (ed. Venet. 1728, t. 2, p, 291. —
Duehesne Andr., Historiae Francor. coaet., t. /, 183 --^ 196. — BibUoth.
IHtir. m. Lugdtffi. t. 7, p, 1231. — Aguirre, ConcH. Hitpan. 1693,
2, p. 168. — edü. 2 von 1753, t. J, 58—72, — Bouquet Hart.
Eeeueil, 1738, t. 1, 612—624. — Florez, Eep. sagrada, t. 4, 345
-385. — Oallandi bibh P. P. t. 10, p. 323. — Daraus bei Migne,
P.l, t.51 (1846), 869 — 890 — 914. — BoncalU, vetusHora laUn. scripL
Konica, 1787 y t. 2, p. 1 — 54. — Boetler, chronica medii aevi, Tub.
^798, t. 1, p. 135 sq. — De Ram^ Compte rendu de la eommiss. royäle
p, 55, — Uckert, Geogr* ^er Griechen and Römer, I, 346 (Weim. 1848). Min-
nanOf diecUmar. geograf. de Espanna g PortugtU, 3, p. 85. — Willkomm, p. 484.
') Fhrez, 19, 48.
*) Ckrcnograpkia ex Idatio colleciore qvodam CaroU M, aequaU — zerfällt in 2 Tiieiie,
▼on Ninas bis Valens; von Theodos. bis Justinian.
470 Siebentes Buch. Fünfzehntes Kapitel.
d'hiH. BruxelL 1845 — t. 9, p. 6; — daraus ein Separatdruck — Br, 1845
— und ein Abdruck ap. Migne^ U 74y yoS-r^TSiK
Einen andern Auszug des Chronicon giebt Florez u. d. T.: jfChromeon
peffuenno deldaeio hasta hoy no publicado^ — 4, 414 — 419; 420 — 4^27,
das mit 400 — 9 beginnt , Einiges nicht aus Idatius mittheilt , in einem
Anhitnge bb 568 reicht, und schon die Zeitrechnung der Aera hat, also
firUheatens aus dem 6. Jahrhundert ist
§. 5.
Dit IMe Fasti Jdatiani oder die FaHi Consularea sive descriptio coniulunif
fSü ▼on 246 (J. c. bis 468, werden gewöhnlich, und wurden auch von uns
'^ als eme Schrift des Idatius angeführt. Sie enthalten einige spärliche
Nachrichten staatlichen und kirchlichen Inhalts, besonders aus dem vierten
Jahrhundert, aus dem fünften wieder weniger. — Es ist die Streitfrage,
ob dieselben eine 'ächte Schrift des Idatius seien. — Florez yemeinte
die Frage, schrieb sie einem Spanier aus dem sechsten Jahrhundert zu,
und hält sie nicht ganz von einer Hand (4, 45ö — 460). Unleugbar ist
die Verschiedenheit des Stiles; bei dem Verfasser der Fasti kommt
z. B. Somania für Römerreich, Uvaha est In dem Sinne: er kam zur
Regierung, reeeniL i. d. B. : er st^, u. a. vor, was sich in dem Chro-
nicon nicht findet Der Verfasser hatte nähere Nachrichten aus dem
Orient, besonders aus Constantinopel , die Idatius nicht hatte.
Die neueete Ausgabe des Chronicon hat den Titel: JdatU episc. chro-
ntccm, correeHonUna , scholiis et dissertationibua illustratum a Joanne Mai'
thaeo Oarzony HUpano^ Societ. Jesu theoL, Gandknm Academiae olim
Cemcellar. Ex codice aiUogr. bibl. reg, Brux. edidit P. F. X de Ram, und
ist eigentlich das Werk des Spaniers Garzon (c. 1765), welcher in seiner
Dißsert, praevia ausführlich beweisen will, dass die Fasti ein Werk des
Idatius sind; aber seine Gründe leuchten mir nicht ein.
Die Fasti erschienen: ap, Labbej bibl. msc. 1, p. 3 — tS. — ap.
Agtdrre, 3, 69 im Auszug. — etp. Dtteange, p. 439, — ap, Oraeviua ihes. II,
p. 34Q. — cum Chron, ap, Sirmond 1619 — nicht vollständig. — Sir-
mondi apr. 3, 245. — Oallandi, 10, 331. — Boncalli, 2, 55. — Florr^
4, 466—487 (von 45 v. Chr. bis 468 n. Chr.). — In der Ausgabe von
de Ram stehen sie nicht.
§. 6.
SthrHi- üeber Idatius haben u. a. geschrieben : Fabricius, bibL med. ä inf
tt!^ loL ed. Manti, 6, 29. — Gallandi in seinem proUg, t 10. — Soe$ler,
ehrcniea medU aevi, p. 84 — 91; 100—103. — Momo^ J. C. JFV., ehroni'
cor. Prap. Aq. , Idatii et aUorum — part. IL Brest. 1825. 4^. — Bad^)
Carterius, Oceaous. 471
applembd., 1. Abth., 1836, p. 102—105. — Watunbach, DeatsoUandB
reschiditBqnellen y p. 53. — PoUhaH, p. 386.
Kurs handeln über Idatiua die Spanier AgtUrref L 3y p. 58 — 59;
errefha»^ 2, £72; ausführlicher liie. AnUmiOf p. 25t nr. 75 $4. de
asiro, p. 254-^258; am ausführlichsten F/orcs, f. 4^ 287^528 „Idado
\utradöj eon Notas j correedoneB etc., sonrie Qamon nebst de Rom in der
suesten Ausgabe des Chronicon, enthaltend ein Monitum Edüoriij einie
>tM. praev, de vüa atque icripUs Idatü in XI Kap. ; — fortlaufende Noten
Qter dem Text des Chronicon, — sodann als Anhang Notae CV^ und
3ch 2 disterUMtianeSj über das juMaeum VII ab asoentione Dt^mini —
nd de Aerae Hüpanae iniUOj welche vom Ende des fünften Jahrhunderts
itirt wird, und bekanntlich 38 Jahre vor der christlidien Zeitrechnung
^innt
§. 7.
Die öfters angeführten Worte des Braulio in seinem Briefe an
ractuosus über die berühmten Männer Galiaiens führen an: 1) den
riester Orosius; 2) den Bischof Turibius; 3) Idatius und 4) Carterius,
m Pontifex des gelobten Alters, und der heiligen Gelehrsamkeit*). —
eitem — hält Florez für den Carterius von 380—397. Ich bm* an-
arar Ansicht. Denn lezterer Carterius gab ja bis über Spanien hinaus c«r.
ergemiss durch seine zweite Ehe^). Sodann beachte man» dass Braulio **'^^
i Aufzählung obiger Männer die ZeitfDlge ihres Lebens einhält; Orosius
lühte vor Turibius , Idatius nach und neben Turibius; der zulezt ge-
umte Carterius muss demnach später gelebt , und ein uns nicht be-
umter galizischer Bischof am £nde des fünfton oder un sechsten Jahr-
ondert gewesen sojn.
§. 8.
Wenn aber die Spanier den Ooeanüs den Ihrigen beizählen wollen, oe«».
) stimmen wir bei. Denn seine Kenntniss und sein lebhaftes Interesse l^
Q Carterilto erklärt sich so am besten; dazu kommt, dass Orosius ihn ^^^
of der Rückreise von Palästina, wie es scheint, in Rom besucht hat').
§. 9.
Martin ,,der heiligste Bischofs war aus den Gegenden des Orients,
rie man glaubt, aus Pannonien, nach Galizien gekommen. Er hatte
I) Fhrtz-Bisco, 30, 395.
*) K..G., 2, 370. — Fiorez, 16, 90—91. - /Ww-Äwco, 30, 396-^400,
•)K.-G., 2, 370; 405-406.
472 Siebentes Buch. Ftiofzehotes Kapitel.
Mar lange Reisen und Stadien im Orient gemacht, und besonders im Kirchen-
VON* recht und MönchBleben sich umgesehen*). Was ihn nach Ghdisien ge-
^'^'' sogen y sehen vdr nicht Jedenfalls war er von Gott berufen zur Er-
weckung und Bekehrung dieses Volks. — Als die auf Bitten des Königs
der Sueyen, Carrarich, von Tours gesendeten Beliquien des heiligen
Ifartinus in dem Hafen von GUisien, wahrscheinlich Bracara, landeten,
kam auch Martin daselbst^) an, — um 550. Bald erlangte er hohe
Achtung; erlangte von dem Könige (Carrarich oder TheodemirJ den Ort
Abt Dumium bei Braga, wo er ein Kloster gründete, segensreich wirkte und
BiMbofWohl auch andere Klöster stiftete. Seine Abtei wurde zum Bisthome
Q** erhoben , und hatte vielleicht den Hof der Suevischen Könige su ihrem
"'""' Sprengel Nachdem Martinus diesen bekehrt, wendete er sich der Be-
kehrung des Volkes der Sueven zu. — Auf der Synode zu Braga von
563 (561) unterschrieb Martin und nach ihm noch fünf Bischöfe, vor
ihm nur einer ^ er konnte also nicht erst um 560 nach Galizien gekommen
'seyn.
Von den firühem Bischöfen von Bracara sind nur bekannt Patemos
— 400, Balconius — 415, Profutorus — 538, Lucretius — 563, ao8
Ghrttnden, die schon angeführt sind, theils aus Unterschriften von Gon-
cilifn , theils aus Zuschriften an sie. Nach dem Tode des Lucrethis wurde
M^ Martinus Metropolit von Braga — nach 561. Die Hochherzigkeit seimr
voo Gesinnung scheint mir besonders in der zweifelsohne von ihm ausge-
gangenen Ghrfindung der neuen Metropole von Lugos sich zu ofienbaren;
er verkleinerte seinen Sprengel, um dem Ganzen mehr zu nttzen. Dies
geschah vor 570, oder dem Begierungsantritte des Königs Mir. — Im
J. 572 versammelte er die zweite Synode von Braga.
Da er eine Sammlung der kirchlichen Canones veranstaltete, so gilt
er bei Vielen als Vater des alten spanischen Kirchenrechts, was er
nicht ist
jiMartinus,^ sagt Isidor, „der heiligste Bischof des Klosters Dumium^
kam aus den Gegenden des Orients zu Schiff nach Gallaecien , bekehrte
dort das Suevenvolk zum katholischen Glauben von der Arianiscbeo
Gt>ttlo8igkeit, und sezte eine Regel des Glaubens und der heilige R^
ligion fest : befestigte die Kirchen , gründete lüöster , und gab zahfareiche
Vorschriften des fronmien Lebens ^).^
') Gregor, TVir. H, Fr, 5, 38: Pcamoniae ortus fuü, et exinde ad visitanda ioca sanrl<i
m OrUmtem properanif in tanhtm se HUeru imlnntf ut nuUi eecundus kaberetur,
*) Mirae, S. Martin, if li — et eie eimml cum qma pignoribus GaUidae portem innres-
tue »iL
*) leidor de vir. iilusL eap. 35. Aehnlich derselbe in: Ouronicon: sub finem: Per idf»
tenqme Martmut^ Bracareneie epiecopus, apud Gallaedam pnidentia et doctrtM eaAfi-
Uomeßdd darut habetur (op, edidit Areoaio, 7, W4), — Snevonm kieloria - »"
Jbm: Qm (Th^rnkmirue) eanfutim — Suevos catholicae ßdei reddidit, inniienle Mar-
|. 9. Martinas von Braga. '473
1 Hauptwerk ist: de differetM$ quatuor vkiuJtumj oder dequaUmr m«
vrdiMUbu» — eigditlich ForrmUa vUae lummkie — mit einer Vor- te«.
den König Mir, eine kleine Schrift von 8 Kapiteln, die frtther
in dem Seneca sugeachrieben wurde, weil aie deaaen Stil und
en enthält^). Ebenao iat Martin wahracheinlich der Verfasser
m. Briefwediaela swischen Paulos und Seneca ')• Derselben Art
froher thdlweiae dem Seneca zugeschriebenen Schriften i ' libet
)iUBj pro repelienda jadanUa, ^ de iuperbia, txhoHaUo humilüalMty
1 einen König gerichtet, de ira — in 3 Kapiteln, de poaete,
rH venuMj lauter kleine Auftäse, nicht von unbestrittener Aecht-
»ligstens die Schrift: de paecha.
> InierrogaiUmee et retponeianes plurimae eet. Aegppiiafum pattum
au Dumium auf Anregen des Martinus durch den Diakon Paschar
dem Griechischen übcrsezt, und bilden jest das 7. Buch der •
)aknm*^ des Her. Boeweyd — ÄnL 1615; 1QI8 — 2 1.-- Die
M ex OrientäUum eynoeHtj glmh&Xii aus dem Griechischen »
, stehen in den Conciliensammlnngen bei der iweiten Synode
ga — 672.
. „Volumen epitiolarum^ — nach laidor — ist nicht mehr vor-
die y,Regtda fidä ei eanetae reUgkmk'^j eine Anweisung für die
m Sueven, ist für die Kenntniss des Volkslebens von hoher
ng.
igaben : Lipe. 1500 und 1515. — Davenir. 1512. — PiclavU 1544
I Vinetue. — Baeü. 1562 inter apera OOberH CognaU. — Duad
Quaeiüon. BoeMi Eponie, — De morUnu erschien: Parii. '1556y
Tdeg. a Quercu; die 5 folgenden Aufsftze theilte auerst Joh. Ta-
iasuxr mit — t. j2, p. 317 — 326 in s. Mttriyroi. Hiep.^ wesshalb
I Aechtheit bezweifeln dürfen. Den Brief an Miro edirte Dachery
, p. 312 — edU. 2. — De vtrUdilnii und de moribus erschien in
P. Lugd. tom. Xy p. 382 eeq. — Bei Gaüandi erschienen L XII
r NoUHa de Sando Martino ep, Brac. — optueula Vllj daraus bei
, montuterii Dtmimuit episeapOf ßth et acimUia eiarOf cumt Mmdh et pax eeeleeiae
SMfa eetf ei mtUia im EccUekttHci» dUdpUmie Chliaedae re^ion&uB insdiuta.
Annaei Senecae cpera quae gupersuni — reeogn^ Frid, Htuue, vol. 3 Liptiae 1863,
fat. p. XXI -- JOCH, der Text p. 468-475.
we — Epittolae Seneoae — ad Pauhtm qjHfetolum ei P, ap, ad Seiteoam, —
. 14, p, 476 — 481, — «Der Philosoph Luc. Annans 8«neea. Ein Beitrag
Kenntniss seines Werthes and seiner Philosophie in ihrem Verbiltnitt zum
eismos und zum Christenthum. Von Prof. Holzherr, Rastatt 1858, erster
il — 8. 3. Die 14 Briefe erwähnen zoerst Hleronyrons (de eaipt: eeeUe, 12)
Aoirastin (de cMt Dei, 6, 10. — ep. 153 ad Maced. 14). -*- v. Ftewry,
leiS^Ugue, 2 Bde., 1853. — Die Briefe griengen verloren, und man gianht,
Bftrtin Ton Braga sie wieder nachgeahmt Imbe« Bcldmr^ %.'4A.
,L
474 Siebentes Buch. Fünfsohntet Kapitel.
Mifftie P. l. i. 72 y p. 22 — 52. — Eine neue Ausgabe yeruuitialtete Flora
in t 15 y p. 383 — 449: „S, Martini Dumieruis et Braearenm qi^icapi
operOy veierum upe eockeum Regiae MatriienM Bihliotheeae et ToUUxnat.
earreeUiy et nunc primum in tmum corpus redaeta.^
Die Schrift: de habitu irae ist dem Bischof Vitimir (von Orense) ge-
widmet ^ welcher auf der Synode ron 572 unterschrieb ^). Es folgt ein
Über de moributy p. 418 — 422 y voll von geistreichen Wendungen , Ton
gedrängten schlagenden Gedanken. — Der Kardinal Aguirre gab aus
den Mss. der Kirche von Toledo heraus: S, Martini Br€Uiarenm ep, <id
Bamfaeium episcapum de trina mersione. Martin beruft sich auf des
Brief des Papstes Vigilius vom J. 538 ^). Bischof Bonifaeias befiund aidi
ferne von Gälizien.
Am. Dagegen gebührt Florez das Verdienst , den Traetaha S. M. ep.y qm
\^ de correctione rusticorum in veteri BraearenH Breviar. intcrib. — •' soenl
Ptorts. i^Qg einem Codex der Kirche von Toledo mitgetheilt zu haben, d«
* ausserhalb Spaniens noch nicht bekannt zu seyn scheint Die Abhaod-
lung hat 9 Kapitel — p. 425—433*). — Es folgt bei Floroz Aegtfpt.
patrum sententiac — Martino D, ep, interpretCy p. 433 — 448 — und einige
Verse — 448—449. Voran aber steht VenanHi Fortunati epistola an ^
Martin von Braga, sowie dess« ad Martk^um GalUeienaem Carmen; Qod
Gregorys von Tours Berichte über ihn.
Martinus ist einer der seltensten Männer in der WeltgeediidilB^
') Domino ac Imatiasimo mihi desideratissimo in Christo patri Vitimiro epixopo Martama
tpi9copu9 — p. 406 — 413, — Bei Florez hat das Bächlein nach der Pr&fatio
3 Kapitel: de KcUniu irae, de effectibus iras, quomodo Uniatur ira, — WitSmtr batle
m&ndUch den Marlin am diese Schrift gebeten. — Auch hier scheint Senett
hindurch. — Die Schrift Seneca^s: de ira — hat 3 Bücher.
*) MetropoitUmus kuius provinciae ante hos aliquos annos ab ipsa beatissimi Peiri cathedra
— certissimae auctoritatis formulam postulavit. Aus dem Briefe erfährt man u. a. die
Anwesenheit snevischer Gesandten in Constantinopel. — Ein Priester Ausentius
wird erwähnt, sowie die Sage von dem Aussaze Constantin^s Gr.
*) Satan wohnt in der Luft — cap. 1. — No§ und seine Söhne wurden erhalten
pro reparando (id est propagando) humano genere — cap, 2, — 2212 Jahre vcrlieleo
bis zur Sündfluth. — Die Gözen waren wirkliche Dämonen. — Viel hcidniscber
Aberglauben herrschte damals noch — cap. 9. — Pontius Pilatus stammte aas
Pontut — cap. 7, und war Präses von Syrien. Christus ass nach seiner Aof-
erstehung: ante disdpulos suos, — Taufnamen waren damals u. a. Petras, Jo-
hannes — cap. 8. — Auch Erwachsene erhielten bei der Taufe einen neuen
Namen. — cf. Bahr — 2. Abt, S. 433 — sagt, diess Werk sei nicht mehr
vorhanden. — Der neue Herausgeber des R. CeiiUet — 1 11 (1862) p. 352 weist
auf t 3 der CZoMtci auetores des Ang. Mai — p, 379 — 384: — de orifiM ido-
hiairiae, was sicher mit obiger Schrift identisch ist Es ist ein und dasselbe
Werk, was bei Ang. Mai den Titel vom .Ursprung des Gözendienstes* bat.
Ang. Mai hat aber einen bessern Text und zilerst den Brief des Martinus >n
eittOi Bischof Polemioi mitgetheilt, auf dessen Bitten er diese Schrift Verluste«
$• 10. TttribinB von Astorga. 475
«en Penöalichkeit die Geieter beherrschte. Sein Greist herrschte über
üinen. Er starb — Ö80 — wahrscheinlich am 30. März, an welchem
Ige sein Andenken gefeiert wird. — Am ausführlichsten handeln über
1 von den Spaniern NicoL Antonio — p. 284 sqq. and Flores 15|
1—138.
Ihm ist auch die Redaktion der Synoden 1 und 2 von Bracara su-
sciirdben ^)y ihm wohl auch die Fassung der Worte, dass die Bischöfe
Q Taxraeonensis, Carthaginensis , Lusitanien und B&tUut eiae Glaubens-
^ gegen alle Häresieen, besonders die Priscillianisten, ver&ssten,
id auf Befehl (cum pro/eeepto) des Papstes ^der Stadt^ — an Baldonius
sdiof von Galaecien übersandt haben, welche als Ueberschrift dem
reiten Aktenstücke der Synode von 400 — später, d. i. nach 661 vor-
gestellt wurde. Aus den Worten der Synode I von Bn^cara sieht
in aber nicht, ob damit die Synode von 400, oder eine spätere ge-
eiai ist, obgleich die Erwähnung des Papstes Leo L auf Leiteres hin-
§. 10.
In Astorga war nach Dictinius, dem dort eine Kirche geweiht war*)^
dleicht audi nach Comasius — Turibius Biscdiof geworden. — 'Ein in Tnri.
iner Aechtheit bestrittener Brief desselben an die Bischöfe Idatiiis und
Bponius berichtet eine lange Abwesenheit desselben von der l&imath *)•
ie Lectionen in dem Breviere von Astorga erzählen erweiternd, dass
lange in Jerusalem geweilt, dass er Aufseher der dortigen Reliquien
iwordttd, dass ein Engel ihm die baldige Wegnahme Jerusalems an
B Feinde gemeldet, dass er in Folge davon den ihm anvertrauten kost-
iren Schas in Sicherheit nach Astorga gebracht habe, d. i. man suchte
sh in späterer Zeit den Beichthum und rechtmässigen Besiz vieler kost-
iier BeUquien in Astorga auf diese Weise zu erklären ^).
') ü. a. könmt der Aosdnick: synodus localis in den Akten des ersten ConcJls von
Bracara, und bei Mariinas vor (Fhrez, 15, 4!^4), — (Es ist eine Vermutbung,
dass Martin aus der alten Heimatb der Sueven kam.)
*) ef. über Mariinns noch Acta Seit t 3, Martii, p.M^OO, — Mabüton, acta
SoHOMim ord, «. Bmed, U 1, p, 257—2$!, — Fabricms bibUoth, graeea, L 12,
215, 280, 243, 695.
*) Dielüiiiis wnrd« onter den höchsten Heiligen in Astorga gefeiert, gewies mit
Gmnd — ,Ä Dktmio*' — Fhrez, 16, 75^89. — Er storb nach Florez c. 420,
und Tnribins wurde Bischof c. 444.
*) 8, ISarribü Asiunc, qtiatola — hinter — epüL 15 S, Leonit, Der Brief des Turi-
bius ist geistreich und mit grosser Sachkeantaiss geschrieben, und trftgt alle
Zeielien der Aechtheit an sich.
*)F1ons, 16, 362-^365
voa
Aator-
i
i
t
476 Siebentes Buch. Fünferhotes Kapitel.
Als Bischof erfahr Turibius , dass die Sekte der PrisciUianisten noch
allgemein verbreitet sei, dass sie ihre apokryphen Schriften mehr als die
Evangelien verehren , dass sie aber vor entschiedenen Katholiken sich
verleugnen, und äusserlich als Katholiken sich zeigen. — Er schrieb
darum an die Bischöfe Idatius und Ceponius, an beide wohl als an
vrürdige und geistestüchtige Prälaten y ermahnte sie zum Zusammenwirken
gegen die Sekte, und übersendete ihnen eine Schrift, in welcher m be-
sondem Kapiteln die Irrthüraer der betreffenden Bücher ousgeEOgeii,
und dieselben sodann widerlegt sind.
Er sendete auch durch seinen Diakon Pervincus einen Brief an im
■ai Papst Leo L In seiner Antwort unterscheidet der Papst drei Stfidce;
Uo I. Epiitolae aermoj et commorUtorii serki^ et libelli tut textus. Ersterer, dff
Brief, ist verloren. Das Commonitarium ist sehr wahrscheinlich der
erhaltene Brief an Ceponius und Idatius (der nicht in Spanien , sond«!
in Rom erhalten zu seyn scheint), und der „UbeUus^ ist oben erw&hnto
an die beiden Bischöfe gesendete Schrift^).
In seiner Antwort billigt der Papst u. a. indirekt die Hinrichtung f
des Priscillian, weil die weltliche Obrigkeit gesehen, dass durch diese I
Häresie Jede Sittlichkeit zerrüttet, jedes Band der Ehe aufgehoben^ alles
göttliche und menschliche Recht vernichtet werde, wenn man solche
Leute mit solchem Bekenntnisse am Leben lasse.^ — In s^ner Antwort
und Widerlegung schliesst sich der Papst genau an die 16 Kapitel in
dem „Ubeütu^ des Turibius. Das erste Kapitel handelte und handelt ^
von den Irrthümem der Sektirer in Betreff der Trinität, die ihnen bloM ^
in Namen, nicht in Personen bestand. Das zweite Ejipitel handelt von
den ILräften, die sie aus Gott emaniren lassen. Kap. 3. Warum der
Sohn Gottes bei ihnen der Eingebome heisse. Kap. 4. Sie fasten an
Weihnachten und den Sonntagen. Kap. 5. Die Seele des Menschen
sei göttlicher Natur. Kap. 6. Ihre Irrthümer über den Teufel. Kap. 7.
Sie verdammen die Ehe. Kap. 8. Die Leiber seien ein Werk des
Teufels und werden nicht auferstehen. Kap. 9. Die Söhne der Ver-
heissung aber sind Kinder des heiligen Geistes. Kap. 10. Die Seelen,
die im Himmel sündigten, sind zur Strafe in Körper verbannt. Kap. 11.
Bip legen den Menschen die Noth wendigkeit des Fatums auf. Kap. 12. Sie
unterwerfen die Seelen gewissen Mächten und wieder andern die Glieder
des Leibes. Kap. 13. Welche Kcnntniss der heiligen Schrift sie lehren?
Kap. 14. Sie unterwerfen den Menschen der Macht der Gestirne und
Zeichen. ELap. 15. Sie fälschen die wahren, und führen falsche
Schriften ein. Ihre Apokryphen müssen verbrannt werden. Der Bischof,
■) Die Schrift hatte 16 Kapitel , was ans dem Schiasse der Einleitung der Ant-
wort Leo^s hervorgeht In dem Briefe des Tarihius stand n. a., das« aacb
Bisehöfe von der Sekte angesteckt seien.
S- 10. Taribint vob Astorga. 477
doher gestattet, dass die von PriscilliaD gefälschten Schriften in den
rcfaea gelesen werden, oder der g^en ilire Verbreitung überhaupt
:kt einschreitet, wisse, dass er als Kezer werde gerichtet werden.
ip. 16 hat den . Titel : Ueber die Schriften des Dictinius. Er selbst,
sht bloss die Kirche , habe diese verdammt Die Strafgeseze der Kaiser
gen diese Irrlehrer sollen bestehen. Sie heucheln, Katholiken za
mj um aich diesen Oesezen zu entziehen. Die Manichäer und Pris-
Kanisten seien nur dem Namen nach verschieden. Er habe in Rom
es genau, — und vor vielen Zeugen untersuchen lassen, und die
HUcbSer haben alle ihre Schändlichkeiten gestanden. Die Akten davon
enende er an Turibius.
Die Ueberschriften der 16 Kapitel hat Leo wohl yrSrtlich aus dem
diuf des Tnrribius in seine Antwort herübergenommen, so dass wir
nugstens einen Theil der Schrift des Turibius besizen ^). — Leo er-
bt sich g^en die lässigen Bischöfe, welche obige Blasphemieen durch
re Unterschrift zu verdammen sich weigern. — Also fiind Turibius
eh in Galizien in seinem Bemühen Widerstand. Ein ELap. 17 geht
f den vertraulichen Brief („famüiarii epistola'') des Turibius ein, der
ihrscheinlich Persönliches über galizische Bischöfe enthielt, und dess-
Ib unsrer Kenntniss entzogen wurde, und handelt darüber, ob Christi
»b wahrhaft im Grabe geruht habe.
ffEs werde also bei euch ein Concil der Bischöfe gehalten, und es
mmen in dem allen gelegenen Ort die Bischöfe der benachbarten Pro-
uzen zusanmien , damit nach dem , was Wir auf deine Anfragen ge-
brieben, scharf untersucht werde, ob einige Bischöfe von dieser Irr-
lure angesteckt seien , die nur im Falle eines vollkommenen Widerrufes
efat au excommuniciren seien. — Wir haben desshalb an unsre Brüder
\A Mitbischöfe in Tarraconensis , Carthaginensis, Lusitanien und Gallien
}äUieo$) — [es hiess sonder Zweifel entweder: Baeücat oder QaUaeca»^)}
• geschrieben, und haben ihnen eine Generalsjnode angekündigt Dir
»liegt die Sorge, Unsern Befehl an die Bischöfe der besagten Provinzen
dangen zu lassen. Stände aber, was ferne sei, einem Generalconcil
Q Hindemisa entgegen , so mögen wenigstens die Bischöfe von Galizien
dl versammeln, wofür die Bischöfe Idatius und Ceponius im Bunde
it dir sorgen sollen , dass wenigstens durch ein Provinzialconcil solchen
fanden Heilung gebracht werde ^).^ — Der Brief ist vom 21. Juli 447.
0 Ex ^mifu» $enpiieris (PriMcüL) dioerta tdsämonia — sub titulia suis ascripta digtuif
— eap, 6 epist, TwrribU,
') GaUaecas — hpisst es in der CoüeeL Hispana; es fehlen demnach die Bischöfe
von Bätica.
') Leoms M. opera ed, Baüermi, 1, 693-^ 715. — Mansi V, 1288 (1302). — Äywrre, 3,
p, 95 — 111, Der Brief findet sich voUständJg in der CoUeciio canonum Eedes,
HispaiuMt, wo Thuribius für Turribius oder Turibius steht.
478 SiebeBtef Bncli. Pttnfeehntes Kapitel.
Was ist nach soldien Vorbereitangen geschehen? Nichts, oder so-
viel wie nichts. Das Wenige , was geschehen, findet man bei Idatios.
Dass er genau unterrichtet war, erhellt u. a. daraus, dass er den Namra
des Pervincus, Diakons des Turibius, uns mittheilt Er er^hlt aber:
J. 446.' — „In Astorga, der Stadt Galiziens, warden einige seh
mehren Jahren verborgene Manichäer durch Verhandlungen der Bischöfe
(geitii epi»eopaUtna) entdeckt, welche (j^gesia'^) von den Bischöfen Idatins
und Turibius, die sie verhört hatten, an den Bischof Antonin von Meridi
gerichtet werden.
J. 447. — „^sohof Leo ist 43 Vorsteher der römischen Eirdift
Seine Schriften gegen die Priscillianisten werden an die Bischöfe Spantan
durch Pervincus, den Diakon des Bischois Turibius, gebracht Darunter
befindet sich eine ausführliche Abhandlung (digpuiaHo pUnaJ über die
Beobachtung des katholischen Glaubens, und die Lästerungen derHiilr^
sieen, welche von eim'gen Guliziem mit trügerischen Worten gebilligt
wird, d. i. sie lobten sie mit der Zunge, und tadelten sie im Herzen.
J. 448. — „Einen gewissen Manichäer Pascentius aus der Stadt Rom^
welcher von Astorga entflohen war, Hess Antonin, Bischof von Meridi,
greifen, verhören und aus der Provinz Lusitanien vertreibeii *).^
Diess ist alles; und mehr geschah nicht, denn über eine Synode
hätte Idatius nicht geschwiegen, und ihre Akten wären wohl «rhalten.
Möglich ist, dass Turibius in Kurzem gestorben, oder dass er die Bi-
schöfe ganis und gar unwillig für eine Synode gefunden.
I^ageg^n spricht sehr viel dafür, dass Turibius der Urheber oder
Verfasser der oben im Auszuge mitgetheilten Auszüge der Akten der
ersten Synode von Toledo ist (K.-G., 2, 392 — 394). — Denn erstens
hatte er vor allem ein Interesse daran ; zweitens kennt auch Idatius diese
Akten, d. i. diesen Auszug^). Drittens: in dem Auszuge werden Sjm-
phosius, Dictinius und Comasius — jfSetnctae memariae^ — Männer heiUgeo
Andenkens genannt. Sie waren also gestorben , und wurden nach ihrem
Tode hoch verehrt Diess trifft auf Astorga , und nur auf Astorga zn*
Denn überall sonst kannte man den Dictinius mehr als Häretiker, denn
als Heiligen.
Den galizischen Bischöfen wurde im J. 400 angekündigt, es werde
ihnen von dem Concil eine Formel zur Unterschrift zugesendet werden
(K-G., 2, 393). — Besizen wir diese Formel nicht mdir? Ich glaube,
das zweite vielbesprochene Aktenstück der Synode I von Toledo, <ü^
yfRegtdae fldei ccUhoUcae contra omnes haereaesj et quam maxime contra
r^ sei gerade diese Formel. Sie wurde an alle galizischen
«) K..G., 2, 420-421.
*) Idai, J, 400 — in quo, qttod pestii continetur, SpHphosiui ei Dietmiut — kaeren»
bla^hemiMtimam — pro/eBtianis sttae suhBcHptuyne condemnanL
$. 10. Turibius von Astorga. 479
ischSfe zur Unterschrift gesandt, also auch an den Bischof von Braga
ei es, dass dieser noch Patemus, oder schon Balconins war, der zum
41Ö nachweisbar ist — S. 405). Die Formel oder Glaubensregel ent-
ilt ein Symbol mit Zurückweisung der Irrthümer Priscillians , woran
dl 18 Anathematismen schliessen, die wir hier desswegen auslassen,
fiil sie den zur Synode I von Bracara und den eben mitgetheilten
I Kapiteln des Turibius und Leo^s I völlig conform sind. — Nur nr. 15
id 18 sind hervorzuheben: Wer der Astrologie oder Mathesis Glauben
henkt, sei Anathem, ebenso, wer in diesen Irrthümern der Sekte
riscillians folgt, und sie bekennt, so dass -er bei der heiligen Taufe
was thut gegen den Stuhl des heiligen Petrus, sei Anathem. Wir
iben auch nicht mehr nöthig, die Irrlehre des Priscillian im Zusammen-
inge darzusteUen.
Turibius wird nicht nur in Astorga als Heiliger verehrt, mit einer
tctave und als Patron. Er steht als solcher auch in dem römischen
[artyrolog — zum 16. April — als Heiliger von Palentia (was eine
estätigung des oben S. 449 über das Verhältniss von Astorga und Pa-
mÜA Gesagten ist), bei den Bollandisten zum 16. April, und in dem
Irevier der Benediktiner. Die ausführliche Vüa desselben stüzt sich durch-
as auf die Aussagen der — 114 Jahre — spätem Synode I von Braga,
nd auf den Brief Leo's I. an ihn. Neu ist hier die Angabe, dass die
Itadt Palentia wegen Verachtung der Predigt des Turibius durch eine
Feberschwemmung gestraft worden, und dass in Folge der Briefe Leo's I.
!hon im J. 447 die zweite Synode von Toledo gehalten worden. — Für
ns unterliegt es keinem Zweifel, dass eine solche nicht stattfand, und
SS Aeusserste, was wir zugeben könnten, wäre, dass die 4 Metropoliten
es eigentlichen Spaniens im Namen der übrigen Bischöfe — den Bischöfen
ializiens, darunter auch dem Balconius von Braga, wie vor 48 Jahren
ire Vorgänger, die mehrerwähnte Glaubensformel noch einmal zur
Interschrifl zugesendet [iü aliquid fcciase viderentur ^)J.
*) Ägiärrß, 3, 90 — 94 — Concilium Hispanicum generale ann. 447. — p. 95 — 113 der
Brief des Leo I. und des Turibius. — Fl^irez, 6, 121—131 (nimmt nur eine
Synode in GaÜzien an). — Ferrertu, 2, 144 - 146,
Sechszehntes Kapitel.
Die Westgotlien In Spanien. Leovigiid nnd HennenegUd.
B«keii- I^<*6 Westgofben wurden durch Ulfilas — zum Arianismus bekehrt'
7«? Dass Ulfilas von katholischen Eltern stamme , die als Gefangene bei de
Gothen Qothen gelebt, ist wenig glaubwürdig^). — Die in der Krim wohnende
Gothen waren schon um 258 katholische Christen. Von dort kam d(
Bischof, der sich im J. 325 zu Nicäa als Theophilus Bosporitanus unte
zeichnet^). Diese Gothen sind noch nach dem Einfalle der Hunnen i
der Krim geblieben. — Ihnen sendet Chrysostomus den Bischof Udü;
nach dessen Tode der Diakon Moduarius nach Constantinopel komm
uifiut. um einen neuen Bischof zu erbitten ^). — Ulfilas selbst wurde gebore
im J. 311- Er wurde von Eusebius von Nicomedien (f 341) zum Bischoi
geweiht, welche WUrde er 40 Jahre bekleidete, kann also nicht nac
381 gestorben seyn*). Er schrieb und predigte in drei Sprachen, gotbiscl
griechisch, lateinisch. Seine Bibelübersezung kennt Salvian am Ende d(
fünften Jahrhunderts®). — Unter diesen Gothen brach im J. 348 die erst
') Die Geschichte der Völkerwanderung von der Gothcnbekchrung bis zum W
Alarlchs, von Reinhold Pallmann, Gotha 1863, 8. 331. — S. 66 — 70. V.aitj
Leben und Lehren de» Ulfila, 1840. — KrafTl, Kirchengeschichte der gerroan
8chen Völker, 1854. L — ßessel, Leben des Ulflla, 1860.
«) Nach Philoslorgius, II, 5. — Dafür ist Kraffl, S. 218; dagegen Pallmann
S. 64-65.
*) Pallmann, S. 65.
*) Bessel, S. 115. — Pallmann, 8. 66. (Aschbach, 218.) c/. Prorop. 3, 7«/
aedificüs. — Finlcy, Geschichte Griechenlands unter den Römern, I, 132.
K. Neumann, die Hellenen im 8kythenlande, 1856, I, 392 sq.
») Bessel, 8. 44 — 8. 102 flg. — Nach Wailz im J. 318 und 388. — s. PallmanD.
S. 67. _- Pallmann verwechselt, 8. 69 — 70 — den Consekralor mit Eusebius
von C&sarea.
•) Phiioit. 2, 5.
Die^Westgothen in Spanien. Leovigild and Hermenegild. 481
billige Christenverfblgong aus; viele Neubekehrte starben für den Glau-
ben, worauf Constantius den christlichen (arianischen) Gothen Aufoahme
in das römische Gebiet schenkte ^ in Untcrmösien^ bei Nicopolis am
9imus^)» — Sie hiessen später Mösogothen, und blieben hier wohnen«
getrennt von den übrigen Gothen. — In der (zweiten und dritten)
Siristenyerfolgttng durch Athanarich J. 370 — 372 wurde Saba Mar-
yrer'). Die Märtyrer Nicetas und Saba waren Katholiken.
Die Bekehrung der Westgothen gieng wohl erst nach dem Abzüge
kß Ulfila im Stillen vor sich ^) y und ein grosser Theil derselben gehörte
Vax Sekte der Audianer, welche vorzugsweise die Verfolgung von 370
-372 durdi Athanarich traf ^). — Nach den Friedensschlüssen mit Theo-
loaiuf erscheinen wieder die Gothen vorwiegend als Arianer, wohl in
Folge ihres Wohnens im römischen Reidie^ und ihrer Verbindung mit
len Mösogothen dear Ulfila. ^Die Audianer sind vernichtet, Orthodoxe
sidit melur nachzuweisen ; dagegen tritt der Gegensa« zu den heidnischen
Sothen Athanarich^s später wieder auf das schärfste hervor ^).^
Im Januar des J. 381 starb Ulfilas zu Constantinopel, umgeben •
nm vielen arianischen Bischöfen. Die Gothen befestigten sich m^hr und
idir in dem Arianismus, indem sie denselben als volksthümliches Elie-
MDt gegenüber den katholischen Römern betrachteten®). — Nach dem
Tede des Theodosius — 395 begann Alarich , der König der Westgothen, Aiarieh
«ine Strei&üge im römischen Reiche ^). — In den J. 401 — 403 führte Rom.
r den ersten Krieg in Italien. Bei PoUentia wurden am 29. März 402
lie Gtijthen von Siilicho nicht entscheidend geschlagen"). — Wieder wurde
Uacifdi im J. 403 bei Verona geschlagen , und musste Italien verlassen,
üom Verderben des Reichs wurde der edle Stilicho am 23. August 408
n Ravenna hingerichtet ^). — Jezt zog Alarich zum zweitenmale nach
Italien, und erschien Anfangs 409 vor Rom. Serena, die edle Adoptiv-
tochter (Nichte) des Theodosius, die Wittwe Stilicho's, wurde in der
Stadt erdrosselt, angeblich' aus Furcht, sie möchte aus Rache die Stadt
») Pallmaon , 71 — 72.
') Ada SaneL — 12. April; Pallmann, S. 72 — 76: ••die gothiscben Märtyrer in
den »Acten der Heiligen«". — Eraji, S. 381 dg.
•) Pallroami, S. 79. - v. Wietersheim, V.-W., Bd. 4 (1864), S. 15, 106 — 113,
513-516.
0 Kraffl, S. 365; 370 flg. — Pallniann, S. 80—85.
*) Pallmann, S. 85.
•) BesMl, 8. 61. — Hefele, 2, 35. — Pallmann, S. 19L
») PallmaaD, a 214 — 235. - Wielersheim, 4, 179 — 201.
*) Pallmann, S. 238 — 239 stellt die widersprechenden Nachrichten zusammen. —
▼. Claudios Claudianus und das römische Reich von 394 — 408 von J. G. Zeiss,
Laadtk. 1863, S. 10 (nur zur Hälfte bis jezt erschieneo).
*) Pallmann, 7. Abschnitt, das Ende SUlicho's, 8. 265 — (288) - 294. — Wie-
tershelm, S. 201 — 227.
Kirche. II. 31
482 Siebentps Buch. Sechzehntes Kapitel.
an Alarich verrathen. — Aber wie ihr Vater Theodosius es vergass, dass
sein Vater im J. 376 zu Carthago schmählich hingerichtet worden, so
hatte Serena die Hinrichtung ihres Gemahls vergessen , und war unfähig
des Verraths '). Aber der römische Senat — und die kaiserliche Schwester
Placidia liessen sie , die Unschuldige , tödten ^). — Bei der zweiten Be-
lagerung eroberte Alarich die Stadt — am 24. August 410. Das Leben
der Menschen — und die Kirchen wurden verschont^). — Bald darauf
starb Alarich bei Cosenza, im 34. Jahre seines Lebens^). — Unter
^^s Athaulf zogen nun die Westgothen nach Gallien — 412, und Ende des
WMfe- J. 414 nach Spanien. Athaulf üess sich in Barcelona nieder, wo sein
■acb Söhnchen Theodosius starb , und er selbst bald darauf getödtet wurde —
^i^'. im August 415 ^). — Siegerich wurde nach 7 Tagen ermordet — Wallii
Atbanif. drang bis an die Meerenge von Gades vor, rottete die Silingischen
waiii«. Yi^QJij^i^ i^^3^ schlug die Alanen — 418, verliess' aber 419 Spanien,
Thtodo-und gründete das Tolosanische Heich. Nach seinem Tode wurde Theo-
' dorich zum Könige gewählt, der eigentliche Begründer des Westgothen-
reiches, der in der Schlacht von 451 gegen Attila fiel^). — Sein ältester
Tborift-Sohn Thorlsmund wurde 453 von seinem Bruder Theodorich IL e^
mordet^), und dieser fiel gleich&lls durch Bruderhand, 466. — Im Di&ute
Tb«odo-der Römer besiegte er die Bagauden in Tarraconensis. Im J. 456 sog
' er mit grossem Heere nach Spanien , zunächst gegen die Sueven , welche
am 6. Okt. 456 die Schlacht bei Paramo (Astorga) verloren^). Der
Sieger drang bis Braga, und liess seinen ge&ngenen Schwager, den
König Rechiarius, hinrichten. „Das Reich der Sueven wurde serstSit
und hörte auf.^ — Dann zog Theodorich südlich, ^^und als er Emeriti
0 Selbst Zosimus der Heide, ihr Gegner, nimmt sie in Schuz, h. 5, 38; er meint,
als Feindin des Heidenthums iiabe diese Nemesis sie getroffen, weil sie der
Rhea ein Halsband genommen, und es selbst getragen, darum habe sie darch
den Strick geendet. — Aus ähnlichen Gründen mnsste nach der Meinaog
dieses fanatischen Heiden Stilicho so elend umkommen. *>
«) Aichbach, G. d. Westgothen, S. 82. — Paümanriy S. 297 flg. — Wietersheim, 238.
•) Paümann, S. 313. — cf. Orosiua, 7, 39. • — Augustin de civit, Dei sub initium -
und cap, 7. — Hieronym. ep. ad Principiam. — Sozom, 9, 10. — Gregorovius,
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, 1, 144 flg. ~ Damals hatte Ron
kaum über 300,000 Einwohner.
*) Aschbach, S. 92. — Palimann, p. 315 — 317.
*) Aschbach, S. 104 — 105. — F, W. Lembke, Geschichte von Spanien, Bd. 1 —
Hamb. 1831, S. 16—23. — Ofympiodor. ap, PhoU p. 59, — Jomandes, cap. 31.
— Probier, chron, 415, — Idatius 416, — Orosius, 7 , 43 (leztes Capitel).
•) Aschbach, S. 113 — 126.
*) Idathis ad 453,
•) IdaU 456, — Jomandes, cap. 44.— WUtersheim, 443. — Lembke, 35. — Herrn
DeriehsweiUr, Geschichte der Burgunder bis zu ihrer Einverleibung in*f frio*
kische Reich, Münst. 1863, S. 39.
Die Westgothen in Spanien. Leovigild und Hermenegild. 488
lündem wollte, so wurde er durch die Drohungen der seligen Mar-
Tin Eulalia erschreckl^ ^) , verweilte aber daselbst bis zum Mins 457.
- Auf dem Rückwege wütheten die Gothen mit Feuer und Schwert
!gen Astorga; j^die Kirchen wurden geplündert; zwei Bischöfe ^ die
ch dort fuiden, mit dem ganzen Clerus in die Gefangenschaft geführt,
e menschenleere Stadt eingeäschert Ebenso wurde Palencia zerstört^).
- In Gallien eroberte Theuderich die Stadt Narbonne und das Land
s zur Rhone — 462. Narbonne galt als Schlüssel für Grallien und
[wnien. — Dagegen fiel sein Bruder Friedrich in einer Schlacht bei
rleans — im J. 463 — gegen den Römer A^dius.
In dem J. 464 trat zum erstenmale der Arianismus der Gt>then di«
indselig gegen die Katholiken herror. — Von dem kirchlichen Zustande \u*"
sr Gothen zur Zeit Alarich's wissen wir nidits; sie zerstörten aber die ^^
sidnischen Gözenbilder in Griechenland, und feierten das Osterfest bei
ollentia, als sie von den Römern angegrilBFen wurden. Bei ihrem Ein-
ige in Spanien wird Sigesarius als ihr Bischof genannt, welcher zu-
leich der Erzieher der königlichen Kinder war^). — Im J. 464 — 466
mt Ajax, fiüher Katholik, ein wilder Arianer, in Spanien zunächst
ater den Sueven als heftiger Feind der Katholiken auf ^). — Im nächsten
ihre wurde Theodorich, erst 40 Jahre alt, durch die Hand seines
hiders Eurich ermordet, welcher bis zum Jahre 484 regierte^). Er sarich
ring erobernd und verheerend in Spanien ein; eroberte in Gallien die ^^^^
tidte Marseille und Arles. Auch Arvemum (Clermont) fiel an ihn —
75. — Das Reich der Gothen reichte nun im Norden bis an die Loire,
n Osten an die Rhone, im Westen an das Meer; Spanien fiel so zu
Igen als herrenloses Land den Gothen bei dem Eingehen des römischen
Vestreiches im J. 476 zu^). Im J. 477 zog Eurich mit Widimer, dem
LÖaige eines Theils der Ostgothen, gegen Spanien aus^j. Er nahm
^unpelona und Saragossa ein und schlug den Adel der Provinz Tarra-
onensis ^). Die Gt>then blieben Herrn von Spanien ; die Sueven blieben
of den Nordwesten von Spanien beschränkt — 478. Unter Eurich hatte
las Reich seine grösste Ausdehnung erreicht, da es Spanien und den
;r6e8ten Theil von Gallien umfasste. Neben Toulouse waren Arles und
^rdeanx Residenzstädte. Hierher sah Sidonius Apollinaris Gesandte
') K..G., 1, 369. — Wietersheim, 444
*) IdaL, J. 457. — Lembke, S. 36. — Wieth-theim, 444.
*) Aschbach, S. 107; 219. — Lembke, S. 21.
*) Idtu. 465. — Aschbach , S. 143.
*) IdaL 467, ^ Jorncmdes, cap. 44; 45. 47. — Isidor HispaL kistoria Gotkorum,
oiM. 466.
*) Ueber Eurich — s. Aschbach, S. 146—160. — Lembke, S. 40—46.
*) JonuuuL eap, 56.
*) hUbn^ ad 466.
31 •
Katho
lik
') Jomand. cap. 47. — Sidon. ApoUinarU ep. 9 lib. 8,
*) Isidor ad 466. — Sirmond. not. 42 in Stdon. ApolL — Ueber Leo 8. bei. den
leztern, u. a. /. 4, ep. 22.
*) Sidon. ApolL L,3, ep, 1 — und Sirmond Not. a. L, 8, ep. 3. — Avitue F. episL 4j
*) Sidon. Apoll. Lib. VII f ep. 6. multoque jam major numerus civitatum , smmmit focff
dotibtU ip90tum morie truncatis, nee uUis deinceps epitcopis in de/unctorum offa»^!'
fectitf latum spuritualis ruinae limitem traxit.
») Gregor, ffistor, Franc. 2, 25.
484 Biebente« Bach, iecheehntet Kapitel.
von allen Seit«i kommen^); Ton den Sachsen , Heroiem, Frank^ ^
Burgundern, Ostgothen, den Römern , selbst Penem (woeu maii Snereo, ■
Alanen und Ostgothen zählen kann). Eurich gab doi^ seinen eAtea
Minister y den ICatholiken Leo, den Oothen die ersten geeehriebeoeo c
ver- Gheseze^). — In seine Zeit Tällt eine Verfolgung der Katholiken. Eorioh z
^dif liess den berühmten Bischof Sidonius ÄpoUinaris von seinem Btsthum t.
^^^ Auvergne wegführen, und ihn eine Zeit lang einkerkern. Die Yer- e
Wendung des Ministers Leo gab ihm die Freiheit und seine Stelle m- «
rück^). — Eurich aber hatte, nach diesem Schriftsteller, einen ticfin i
Hass gegen die ICatholiken. Nach ihm waren die Bischofsstädte vo& =
Burdegala (Bordeaux), Petrocorium (Perigueux), Rotenum (Rhodes),
Limovices (Limoges) , Gabalitani (Anterieux) , Elusa (Eusa) , Vatato
(Bazas) , Convenae (Cominges) , Auscenses (Aux) und eine vid grissM
Zahl von Städten nach dem Tode ihrer Bischöfe verwaist geblieben^).
In den verwaisten Bisthümem und Pfarreien fand keine Seelsorge statt.
Die Kirchen zerfielen; ihre Zugänge waren vom Unkraut überwadueD.
Das Vieh wandelte in ihnen. Nicht bloss auf dem Lande, auch in dea
Städten gieng der Gottesdienst fast ein. Crocus, Bischof von Nismei»
und ein Bischof Simplicius waren verbannt Damach hatte Enrieh kons
Bischöfe mehr weihen lassen. Es scheint, dass er die Verfolgong dir
Vandalen gegen die Kirche nachahmte. Noch schwerer stellt Qtteg»
von Tours, dar über 100 Jahre später blühte , die Verfolgung dar. Eurick
liess die mit seiner Eüiresie nicht Uebereinstimmenden enthaupten (trm*
cabai)'j die Cleriker legte er in Bande. Von den Bischöfen verbannte
er die Einen , die Andern tödtete er mit dem Schwerte. Er hatte be-
fohlen, dass die Zugänge zu den Tempeln mit Domen verschlosBeo
werden ^). Er bemft sich aber speciell auf obigen Brief des Sidonius,
wobei es darauf ankommt, ob die Worte: summis aaeerdotibus eorum
morU trt4nc<xtis, einen natürlichen oder gewaltsamen Tod bedeuten. —
Jedenfalls war es eine planmässige Verfolgung. ^Selbst Arianer, Ter-
folgte (Eurich) die Priester seiner katholischen Unterthanen auf dtf
heftigste; Bischöfe wurden vertrieben, ja hingerichtet; ihre erledigten
Stühle unbesezt gelassen, und der Ausübung dos katholischen Gottei-
dienstes jede Schwierigkeit in den Weg gelegt. Gerade durch dieie
Di« WettgoHhett In 8patticu. Leo^HgAd vifd HmneDegild. 4&S
mMgttgn lagUi Etnich dM Keim ra der AnfUtoimg de» TetosatdiMlIffinr
lioh»*)'.« --^ König EoiMi stirb im Jahr 484 so Arle^
Mä Sohn Akrieh (484—607) gestattete yßnedet die Wahlen do'Ahrkk,
■cMfe^ «Ml fi«s die KatboHken gewähren^). Doch wnrde Bischof VoT
>lMiii^ t^n TouM wegen politischen Verdaehtii nach TonlonM rer-
iint, wo er kald starb^). — Qnintianus, Bischof ron Bhodea,
Mste liehen; er weilte bei dem Bischöfe EnfrasinB m Anyergne. Aneh
kmiv» toa Arlee war eme Zeit lang verbannt Da indess von dem
eanken CSilodwig Oefahr drcdite, suchte Alarich auf jede Weise die
sthoHkeBS aa liiiqg;tttigen ; er liesa fttr die j^Römer^ eine eigtae Samm-
ng Ton OeaeiM machen^ mid sie von den Bisehöfen und Abgeordneten
V IVondnten prOien. Diess ist da» Bteviarium Alarkhtmum *). — Der
icbannte Enbischof Eugenius von Carthago fand gastliche Aufnahme
1 Gebiete Alarich's j und starb zu Alby im J. 503. — Im September 606
urde anit Erlaubniss Alarich's die zahlreiche Synode von Agde (Aga-
lenaa) gehalten. Sie wird hier übergangen, weil sie keine Beziehung
1 Spanien hat, und allgemein den gaUischen Synoden beigeaShlt wird,
leb in der ^[Mmischen Sammlung der Canones. Die Synode hat 34
ntemehriftm ^). Auch Bischof Quintianus , wohl der von Bhodes , ist
itsnckrieben. Damals blühten die Bischöfe Ruricius von Limoges und
adatus von Nismes*); vor allem aber der heilige CXsarius von Arlea.
Die Beschuldigungen, bis zur Stunde wiederholt, dass die Kath<H
ken im Gothenreich mit dem Franken Chlodwig conspirirt, entbehren
idsr Begründung. •-* Wenn aber — nach Qregor von Tours — „schon
aauda Viele in Gallien die Franken als ihre Herrn zu haben gar
«ftig verlangten' ^) , so ist dieser Ausdruck im Munde eines patriotiscben
') So der Protestant Lenibke, 8. 46; ganz anders Aschbach, der sa^t: »So ward
das Tolosanische Reich gestflrzt, mehr dorch die römischen Unterthanen, als
dnrch die Franken," — 8. 220 — v. S. 159-160. »Die Katholiken machten
Empömngen auf Empörungen.** — Aber Aschbach hat vergessen, auch nur
eine einzige Empörung zu berichten.
^Aächbach, S. 161—172. - Lembke, 47-51.
*) Gr^or. T., 2, 26 (36), heisst es m Hispanias; L 10, cap, 31 — heisst es : Apud
wrh^m Tolo9am exäio eoiuimimaiut, in eo ßbiii, s. Aschbach , S. 168. (Sftd-Frank-
reich gehörte zu Spanien.)
*) Aschbach : Ueber das Breviarium oder das von Alarich IL den Römern gegebene
RechUbuch, 8. 335 — 342. — Ruht, über die Geseze der Westgothen, Oreifs-
walde 1801. — Savigny, Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter Tbl. I,
8. 257 flg. Thl. II, 8. 36 flg. Adolf ffelffench, Entstehung und Geschichte
des Westgothenrechts, Berlin 1858, 8. 8
*) Hardum Canc L 2, p. 997 sq, — Sirmond., ConciUa Oattia*, L 1, j». 160, -—
Manti, U 8, p, 323,
*) I. über Beide meinen Artikel: Sedatus im Freiburger Kirchenlezicon , Bd. 9,
8. 918— d20.
*) Qrt0. 2W. 2, S6.
4B6 SiebMites Bnch. Sechzehntes Kapitel.
GhJlieir8| der den Gk>tIieD aas nationalen | nicht aus reUgiösen Ghri
nicht geneigt wax^ ohne aUe Bedeutung. 6hlodwig wollte eben
Gallien erobern, und darum sprach er zu seinen Leuten: j,Es th^
leid, dass diese Arianer einen .Theil von Gallien inne haben. <
wir hini schlagen wir sie in Gottes Nameui und bringen ihr L
unsem Besia^).'' Er schlug die Gothen bei Vougl^, drei Stande
Poitiers — 607; Alarich fiel im Kampfe. — Am tapfersten hatt
Seite der Westgoihen die katholischen Krieger aus Auvergne
ApoUinariSi dem Sohne des Bischöfe, gekämpft; sie waren &8t al
fidlen, lur schlagenden 'Widerl^;ung der Verleumdungen geg(
Katholiken'). j^Sie gaben dadurch,^ sagt sogar Aschbach,
sprechenden (1) Beweis ihrer Anhänglichkeit an die westgothische
rang, und augleich ihrer Abneigung gegen Klodwig, obgleich s
tholiken waren ^).^
Die Gothen wählten sogleich au Narbonne den G^salich, einen
liehen Sohn des Alarich, zu ihrem Könige. Der erst fünQährige
rieh wurde nach Spanien gebracht ^). — Im J. 508 eroberte Chi
die Hauptstadt Toulouse^ musste aber von Carcassonne abziehen,
lieh fluchtete schmählich nach Barcelona. — Theodorich, der Ost
aber trat in's Mittel; sein Feldherr Ibbas brachte den Franken
weit von Arles eine gründliche Niederlage bei ^) , entsezte Carcaa
nahm das ganse Land von der Rhone bis an die Pyrenäen; mit
nähme von Toulouse. ^Auch fügten sich die katholischen Bey\
iec gothischen Herrschaft mehr als man hätte hoffen können ^).^
war selbst Katholik. — Er rückte über die Pyrenäen, und schlu
G^salich bei Barcelona — 509 j welcher nach Afrika floh , zurückl
bei Barcelona wiederholt geschlagen , und auf der Flucht in Gallie
den Gothen getödtet wurde, 511 ^). — Die Franken behielten Aqui
und Toulouse. Der junge Amalrich lebte in Narbonne unter s
Vormunde, dem Ostgothen Theudes, der zugleich Statthalter oder
könig in Spanien war "). — Theodorichs Regierung über Spanien d
") Gr. T,, 2, 37. — Frtdegar. epit cap. 25. — Procop, de beüo pothieo, /,
Indor. chronic. Gothor. — Anno 483 — Chlodwigus' — Francorwm princeptf
regnttm affeetan» — Aimoin, hist. i, 20.
«) Gregor. 2, 37.
•) A»ekbaeh, S. 172. — Lembke, S. 51.
*) JUdor ad 607. — Procop. 1, 12. — Chranol, reg. Goth. wr. 11 (ap. Bougue
— //, 704). — HUl de Languedoc, T. /, NoL 63.
*) JornarnUi, cap, 58.
*) Asehbach, 6. 177.
*) Indar, H, 37, 38. — Appendix Chronic Victor. Tunun. — CoMtiodor, F
ip. 43-^44.
*) Jomtmäup eap, 58.
Die WMtgotIkeii ia Spftiileii. LeoTigild und Hennenegild. 487
ure (511 — 526). Jezt regierte Amalrich, etws 24 Jahre alt [nadi
paiiiem^war er schon seit 522 Mitrcgent ^)] , über Spanien und lo?«
lanien (aach Narbonensis, ein schmaler, ab^ bis znr Rhone reichen- ^'^'
indstrich am Meere). — Aus Farcht vor den Franken — hielt er
3 Hand der Clotilde, der Schwester des Franken GhSdebert, an,
) mit reicher Aussteuer nach Narbonne gesendet wurde ^). j^Sie
aber viele Nachstellungen von ihrem Manne wegen des katholisdien
ens. Denn gewöhnlich, wenn sie in die Earche gieng, liess er sie
ist und allerlei Unrath bewerfen. Zuleot aber soll er sie mit
T Ghrausamkeit geschlagen haben , dass sie ein mit ihrem eigenen
getiibiktes Schweisstuch ihrem Bruder übersandte').^ — Cbilde-
Ickte mit Heeresmacht h^an, schlug den Amalrich bei Narboime
. Nach Proeopius, Gregor von Tours und Aimoin (2, 8) kam er
EU das Leben; nach Isidor (Fredegar epit 31 — 42) und Appendix
tor. Tun. wurde er zu Barcelona ermordet, wohin er zur See ent-
sn war^). — Seine Gemahlin starb bald in Folge der Misshandr
u Ghildebert raubte aus den Eorchen von Narbonne (nicht von
>, wie u. a. noch Lorenzana sagt) die kostbarsten Heiligthümer ^)*
n die Stelle erblicher Könige traten nun die Wahlkönige der
1 ^). Der Ostgothe Theudes, vermählt mit einer reichen Spanierin, xaaig
e 17 Jahre, 5 Monate. ^Obgleich er Häretiker war, liess er doch dJIT
rche den Frieden, so sehr — dass er den katholischen Bischöfen 'J^]^
laubniss gab, in der Stadt Toledo sich zu versammeln, und frei
ibeschränkt zu verfügen, was für die Disciplin der Kirdie notfa-
; war^^). Diese Worte Isidors sind merkwürdig ungenau; doch
^n sie, dass Theudes die Katholiken gewähren liess. — Er residirte
celona, über Septimanien wurde ein Statthalter gesezt — In seine
idor, 39, 40 — HUpaniae (regnum) Muperstes Amaktrico ntpoH tuo reliquit Inde
jUam reptten»f aliguamdiu — regnavit.
regor. T. 3j 1 — et eam ipsi in regionem Hispaniae cum magnorum omammitamm
)le transmiuunt (also rechnet er Narbonne zu Spanien, wie oben Bordeaux)
cf. cap. 10.
regor, T, 3 j 10, — Proeop. i, 13,
iber $. Todesjahr cf. Histoire de Languedoe L I, not, 67. nr. 3 »q. — Risco
lorez), t. 32, 322.
•egor. 3, 10 — 60 caUees, 15 patemat (ptitenaa), 20 Evangelionm eapäa» detuHi,
nia ex auro puro ae gemmis preüona omata; doch habe er sie an Kirchen ver-
eilen lassen.
tchbach, Westgothisches Wahlreich in Spanien unter den arianitcheD Königen
leudes, Theudisclus, Agila, Athanagild und Leovigild (v. 531 — 586), S. 186
221. — Lembke, Westgothischet Wahlreich unter arianischen Königen (531—
6), S. 59 — 77.
idor — ad 531. — Aschbaeh text bei: alle Jahre. In seine Regierung
len die Synoden von Barcelona, J. 540; Ilerda, 546, und Valencia, 546.
iSä SfebMte» Bteh. Seehx^holes RapiUel.
Regienmg fäUt die (dreitägige) Belagerung Ton Saragossa dwch ik
Franken 9 und deren (freiwilliger?) Rüdezug ^). Nach Gregor von Tours
war diess ein Sieg, nach Isidor Hisp. eine Niederlage der Frwken^j.
Theudes machte auf Ceuta (Septa), das jezt wieder mit ganz Afrika im
Besize der Griechen war, einen unglücklichen Angriff, und wurde bald
Ksnig darauf ermordet Der Feldherr Theudegisel regierte nicht yiel über
^guei*^l Jahr und wurde wegen seiner Ausschweifungen in EUspaiia wSluaefid
*i?r ®^^ Gelages ermordet').
Ksnig Agila — s. 549 — fand bald in Athanagild einen Gegner % Dieser
^1^ rief die Griechen zu seiner Hilfe herbei, welche Italien, A&ik* und
664. die Inseln wieder erobert hatten. Der Patricier Liberius kam mit ebem
kthnm- starken Heere des Justinian ^). Athani^ld schlug nun seinen Gegner
55"^ bei Hispalis, die Griechen aber nahmen die eroberten Städte für mdk%
6«7* I>ie Gliben aber ermordeten den Agila zu Emerita — 554 ^ und sais-
melten sich um Athanagild , welcher 14 Jahre regierte. Er führte bjiit^
Exiege gegen die Griechen, welche fer herbeigerufen, und entriss ibiiap
wieder einige Städte '). Er gab seine Tochter Brunehild dem Si^gbert,
iKönig von Metz (Austrasien) , welche bald katholisch wurde ; ebenso ih&e
ältere Schwester Gakwinde dem König Chilperich von Soissoos.sur Ehe.
Athanarich starb zu Toledo eines ruhigen Todes.
Ltav« Erst nach 5 Monaten wurde LiuTa in Narbonne zum Könige e^
^y^ wählt, der seinem Bruder Leovigild ganz Spanien überliess, wislchar
T.CO. Goswinde, die Wittwe Athanagild's, heirathete. Er führte saKlrßiehe
;iV- glückliche Kriege »). Er entriss den Griechen die Städte Basti, Malam
686- — 570, Asidonia -— 671 , Corduba. Nach dem Tode Liuva's herrsehte
er unbeschränkt über das ganze Reich. Er unterwarf die Cantabr^ -—.SIL
— Den König der Sueven, Miro, zwang er, sich als Vasallen «u be-
kennen, 576. — Dann unterwarf er sich das Orospeda - Gebirge , 577^).
Er war jezt auf dem Höhepunkte seiner Macht angelangt. Nach dem
Namen seines Sohnes Reccared gründete er in Celtlberien die Stadt Rc-
copolis , am obern Tajo , mit Mauern und Vorstädten umgeben , die aber
nur kurzen Bestand hatte.
■) K..G., 1, 8. 382. — Dort heisst es im J. 537, Aschbach, S. 189, Lembkf,
S. 60 nehmen das J. 543 an.
«) Gr9p<>r. Tur, 3, 29, — Isidor, eap. 42, ad a. 531.
*) Greg. T. 5, 30, — Isidor Ä, oap, 44. — Jordan, eap. 58.
*) 8. K.-G. , 1, S. 358 — über seine Schicksale vor Corduba.
') Jsmand, oap. 58.
•) Isidor. 46, Gregor T. 4, 8.
*) Frtdtg. eap. 49 — qui ab Spama exercitum imperü Bxpuiii; richtiger UÜor: quot
postea submovere ßnibus Regni moUtus non potuit,
*) Jocmnss Biclanensis am. 3 Justim. — Hftuptquelle für die EtgieruDg L^ovigildV
*> Jf ach Masdta VIII, c 79 die feiten Piftze Alcaraz und Cazorla.
Dto Westgotben in Spanien. Leovigild und Hermenegild. 489
Schon im J. 573 hatte Leovigild seine beiden Söhne Hermenegild
id Reoeared aus einer frühem Ehe zur TheOnahme an der Regierung
««ngesogen.^). — Für den altem Sohn Hermenegild begehrte und er-
elt er zur Gemahlin die Ingunde, Tochter des Franken Siegebert und
rnnehildens. Als Ingunde in Toledo angelangt, versuchte die fanatische
rianerin Goswinthe nach Schmeicheleien und Bitten Gtewalt, um sie
tm Arianismus zu bringen^). Um den Frieden zu erhalten, wies Leo-
gild seinem Sohne eine andere Stadt, es scheint Sevilla, zur Wohnung
i*) Hier nahm Hermenegild, theils auf Andringen seiner Gemahlin,
eils dem Beispiele und den Ermahnungen des Bischöfe Leander, von
ispalis folgend , den katholischen Glauben an ^). (Die Spanier Johannes
in Bidaro und tsidor erzählen aber nichts davon; war vielleicht Her-
BD^ld von seiner Mutter her schon Katholik?)
Nun aber erhob Hermenegild die Fahne des Aufstands gegen seinen Hcm*.
iter, und rief die Griechen zu seiner Hilfe herbei. Isidor scheint ihn ****'*'
r einen Bebellen zu halten ^). Der eifirig katholische Johannes BicL
imt sein Vorgehen Empörung. ^^Hermenegild warf sich in Folge des
irtheitreibens der Königin Goswintha zum Gewaltherrscher auf, begann
8 Rebellion, und wurde in der Stadt Hispalis eingeschlossen, und zog
ich andre Städte und Burgen in die Empörung gegen seinen Vater
nein, was den Gt>then und Griechen zum grossen Unglücke gereichte ^).^
Jezt entbrannte der Zorn des Königs und er begann einen form-
ten Vertilgungskampf gegen die katholische Kirche. Wir aber sagen,
as es nicht nachweisbar, und nicht wahrscheinlich ist, dass irgend ein
achof einen Antheil an der Empörung des Hermenegild hatte ''). Leo-
^d wollte aber, wie hundert Jahre fiüher Eurich, die Bischöfe aus-
srben machen. Einige wurden. verbannt, andere eingesperrt, ja ge-
dtet; die Güter der Kirchen eingezogen. — Den Bischof Fronimius
>n Agde, der die nach Spanien ziehende Ingunde im Glauben bestärkt,
arsuchte er durch einen Meuchelmörder zu beseitigen; dieser aber ent-
') Joann, Biclar, 573.
*) Gregor, Tur, 4, 52. 5, 39. — Joann. B. 579.
*) Gregor. 5, 39.
*) PauU. Diac. de gesL Longob. 3, 21: praedicatione Leandri — atque adhortatione suae
conjugit cd> ariana haeresi — ad cathoUaxm fidem conversut fuerat — cf. Gregor. M.
Dud. Ulf 31, und praef. in Job, der nur des Leander gedenkt
^) Indor Suevorum historia von Leovigild am Schluss — €uiv. rebeUem ßUum.
*) ffermsnegildui /actione Gotwinthae reginae tgrcmnidem assumeni, tn Biepali eivitate
rebeUione facta reciudiiur, et aUas civitates atque casteüa eecum contra patrem rebellare
fadt — Viel milder Gregor. Tur. 5, 39 ^ dum chrisnuxretur (Hermenegildue),
Joanne» est vodtatus. Quod ewn Leuoigildus audissetf coepit causas t/uaerere, quaHter
«OH perderet — hier erscheint der Aufstand als Nothwehr.
0 Gregor. V, 39.
Qene, tpan. Kirche. II. 32
40Q. Sieibentes Bach. Sechsehiites KapiteL
kam'). — Leander von EUspalis wurde verbannt, — oder musste fliehen
Elr begab sich nach Constantinopel , und sprach den Kaiser Mauritia
um Hilfe an. Dort wurde er befreundet mit Gregorius, damals päpst
lichem Apocrisiarios, 584 — 586^). Den ehrwürdigen Bischof Mausoiu
suchte man zum Abfalle zu bewegen. Der arianische Bischof Suniui
wurde nach Merida gesandt; Masona nach Toledo berufen. Leovigild
verlangte von ihm — die Auslieferung der Tunica der heiligen Eulalia.
Als er sich weigerte , befahl er, dass er auf einem wilden Pferde in die
Verbannung gehen solle , weldies zur Beschämung der Ananer sogleich
zahm wurde. Er musste in ein — nicht genanntes Kloster gehen, --
wo er drei Jahre weilte^). Johann von Biclaro wurde nach Barcelona
verbannt, wo er zehn Jahre von den Arianern viel erduldete^). Sehr
viele andre Bischöfe verbannte der König, deren Namen uns unbekannt
siud^J. Vielleicht, dass in diese Zeit ^ auch der Martyrtod des Abtes
Vincentius von Leon, des Prior EUmirus und zwölf anderer Mönche
fHttt^). uSehr viele Bischöfe verbannte er (deren Namen wir nicht kennen),
er. nahm die Einkünfte und Privilegien der Kirchen weg, trieb viele
durch Schrecken zu der Pest des Arianismus, brachte viele durch Geld
und Güter zum AbfalL^ Während aber Isidor berichtet, dass sich u.a.
Bischof Vincenz von Saragossa der Apostat bis zur Annahme der Wieder-
taufe erniedrigt^ indem er wie vom Himmel in die Hölle stürzte, erzählt
Johann von BicL^ dass Leovigild auf einer Synode der Arianischen
Bischöfe zu Toledo (580—581) es durchgesezt habe, dass die „von der
Römischen Religion zu unserm katholischen Glauben Kommenden nicht
wiedergetauft werden dürfen^, sondern nur die Ilandauf legung und
Communion der Arianer empfangen sollen, was viele Katholiken zum
Abfalle bewogen habe ^). — Ein Priester litt um diese Zeit grosse
Qualen für den Glauben ^).
Nachdem Leovigild seinen Sohn Hermenegild in seine Gewalt ge-
bracht, führte er ihn in Fesseln nach Toledo, und verbannte ihn nach
Valencia — 584. Von hier entfloh er nach Tarraco, oder wurde dahin
in Sicherheit gebracht % Hieher (nach andern in Sevilla) sandte sein Vater
«) Greg. T, 9, 24. — Ferreras, 2, 277.
») Gregor. M. l c. — Cenniy dt aniiquit. eccl Risp. t. IL, p. 216 aqq.
•| PauL Emer, eap, 10 — 15, Er kehrte noch zq Lebzeilen Leovigild^ zarück.
*) Itidor H, de vir. iü. cap. 44.
*) Isid. d. reg. Goth. cap. 60. — Gregor. T, 5, 39.
*) Nach Yepet und den Bollandistcn im J. 554 — 555, nach Mariana — J.
nach Mabillon, Morales, Ferreras, Haronius, Aguirrc — 580—584; Bueoy r
361 — 378 entscheidet sich für keine bestimmte Zeit, sondern niniiut an, •
•ie zwischen 448 und 560 unter einem suevi sehen Könige gelitten haben.
^1 Indor de reg. Goth. cap. 50. — Joh. B. ann. 580. — Aschbach, S. 206.
•) Gregor. T. de gloria martyr. 1, 82.
•) Joh. Bielar. 585. — Greg. T. 5, 39. 6, 18, 45. 8, 28.
\ Die WestgotKeii tb St>Ai(r^.' LeoVf^M dltfa* H^menegild. IM'
-^. eineii arianisohen Bisdiof , aus dessen Händen er das Abendmahl nehmen
^ sollte. jyAber er zog dem irdischen Reiche und Leben das hinmiUiBche
^. YWf' und wurde in seinem Gefängnisse in der heiligen Nacht des Ostw-
^ festos von Sisbeirt ermordet — IS. April 586 ')•
- Nachdem Leovigild* noch das Reich der SbeveA sich unierworfen,
^ und deh grösstel^ l%eil der pyrenSischen Halbinsel mit senaem Bibiche
' yereini^y auch glttdcliche &iege gegen die Fi^ankeh geführt, jstarb
^ er am Anfitnge des J. 586 zu Toledo, und hinterliess seinem Sohne
'■i Reocared ein mächtiges Reich.
Im zehnten Monat seiner Regierung sammelte Reccared die ariani-
*^. sehen Biaohöfe um sich, und überredete sie zum Eintritte in die katho-
^ linhe Kirche. Er selbst legte das katholische Glaubensbekenntniss ab,
^ indem er das Sakrament der Firmung (wie früher Hermenegild) , em-
^i pfieng^). — Die Sueven waren vorher schon bekehrt. Auch die Gothen
**! im Narbonnensischen Gallien — wurden ohne Widerstand Eathoh'ken,
^^ Dich dem plözlichen Tode des Pseudo-Bischofes Athalocus^). — Sisbert,
r* der MSrder Hermenegild's , erlitt den schändlichsten Tod *). — Der oben
^ genannte Sunna zettelte mit Seggo, Witterich u. a. eine Verschwörung
^- an, um den Reccared zu entthronen. Allein Bischof Mausona und der
^ Dax Claudius vereitelten den Plan; die Schuldigen wurden verbannt
^ Sonna kam kläglich in Mauritanien um, wo er Viele zum Abfalle ver-
- leitet; Seggo wurde mit abgehauenen Händen nach Galizien verwiesen*).
- — Auch Goswintha, Wittwe Leovigild's, spann Verrath im Bunde mit
^ dem arianischen Bischof Uldila, nachdem sie zum Scheine katholisch
3 geworden •). Uldila wurde verbannt, Goswintha traf schneller Tod^).
^ Ein grosser Sieg, den Claudius, Dux von Lusitannien, über die
?i* Franken erfocht [er soll mit 300 Mann 60,000 Feinde geschlagen haben *^)],
galt als grosses Gottesgericht zu Gunsten Reccared's %
') Gregor, M. dialog, 3, 31. — Johannet BicL ann. 585,
'J Joann, Biclar, 586; Gregor, T, 9^ 15. Isidor. de reb, Gothor, cap. 52.
*) Gregor L c, — Paul, Emerit cap. 19.
) nwrta turpissima perimüur — Joann. Bicl. L e.
) PauL Emerit. e, 17 — 18 erzählt das Ganze als Vertchw6rang gegen Maaona;
Joh. BicL Jahr 587 als Verschwörung gegen den König.
*) Jok, B. 588,
^ Aeehback, S. 226 nimmt Selbstmord an.
^ %/o*. B. 588. — Isidor. ff. 54. — Chronol. reg. Gotk. cap, 20. — Gregor T. 9, 31
€rziblt die Sache anders, als die Spanier. — Fredegar cap. 10 — ad ann. 589.
^ Ueber das Oanze v. FerreroB- Baumgarten — Jahr 580 — 589, 2, S. 282—813.
— Flore*, t 2f 161 — 168, wo er das J. 585 als Todesjahr Hermenegild^s fest-
stell L — L 6, 361 — 441 — ap. 9 — »Del ehronieon del Biclar ense ilustrcuio^, —
Ätckbaeh, Geschichte der Weslgolhcn, S. 197-228. ~ F, W. Lembke, Ge-
schichte von Spanien, 1831, Bd. 1, S. 65 — 83. — fferm. Geiger, Leander and
Hemiigild oder die Wiedergeburt Spaniens. Eine Era&hlnng a^s der Geschichte
BMMßim BmOL SeekialmtM Ki^ittL
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jür VeitgötlMii. — 2 Tble., Stiittg. 18B0; betondert Im 1. Thefle die Ktp.
—18, Unlerwerftuig und Urtbeil, — der Triomph des Irrthmat» 8. S
96a Im TlMfk 2 die Kapitel 2 — der Apostat (Vinoenz von Swagostt),
d}!difli ktaigUdMü Dekrete, — 5) das Marterthnm, 71-98. — 6) Beligi*
Zestlode — M— 106, — 7) ein raheloser Lebensabend, 8. 106—124. Du
Weik will tnnlehat ein historlseher Roman seyn, enthält aber sehr viel uh
Vaies biälorisehes Material, and tenft von einfehendem Qoellenslndinm.
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Die
Lrchengeschichte
Yon
Spanien.
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>rten bis Ende des eilften Jahrhunderts — Jahr 305 bis 1085.
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Vom Jahr 689 bis 108 6.
— r
we^''^-
Inhaltsverzeichniss.
Achtes Bnch.
Sto Blfi41iM«lt üu Slrob« la «pMil«ii (J. «8»— TU). S. 1—088.
Erstes Kapitel.
)er8ioht Hermenegild wird ein Jahrtanaend nach seinem Tode heilig gespro-
chen, S. 1—6.
Zweites Kapitel.
» dritte Synode von Toledo, 589, S. 6—16. Synode von Narbonne, 589, S. 16—19,
Synode von Sevilla, 590, S. 19—23. II. €k>ncil von Saragossa, 592, S. 22—25.
Synode zn Toledo, 597, S. 25—26. Synode von Huesca, 598, S. 26. Synode
von Barcelona, 599, S. 26—28.
Drittes Kapitel,
^r der Grosse im Verkehre mit Spanien; seine Legaten daselbst, S. 29—36.
Leander von Sevilla, sein Bruder Falgentius, seine Schwester Florentina;
der König Beccared, S. 37—43—46—48.
Viertes Kapitel.
Uiiaa von Cartagena, S. 49—55. Donatos nnd Entropius vom Monast. Servita-
nnm, S. 55—59. Johannes von Biclaro, 8. 59—62. Condl von Egara, 614,
8. 62. Nonnltua von Gemnda, 63. Mazimos and Johannes von Saragossa,
& 68-65.
VI InhaltsverzeichniBS.
Fünftes Kapitel.
Die Könige von 601—636. — Die Erzbischöfe von Toledo von 589—636. I
Gundemari, Jahr 610, S. 66—68-71—77—82—84.
Sechstes Kapitel.
Die zweite Synode von Sevilla, Jahr 610, S. 85 -90. Das vierte Concil voi
Jahr 633, S. 90-101.
Siebentes Kapitel.
Isidor von Sevilla, S. 102—113. PanI von Emerita, 113—118.
Achtes Kapitel.
Fflufte bis eilfte Synode von Toledo, S. 119—132. Die Könige Ghintila,
winth und Receswinth; Eugen IL (und III.) und Ildofons von Tolcdi
bis 138. Synode von Emerita, 666, S. 138—114.
Neuntes Kapitel.
Braulio und Tiyo von Saragossa, S. 145—151. Fructuosus von Braga, S. 1
Abt Valerius, 157-158.
Zehntes Kapitel.
Die Könige Wamba, Ervig, Egica, Wittiza. Die Synoden von 675—701.
von Toledo, S. 150-166—167—172—175—185.
Eilftes Kapitel.
Die spanische Liturgie, S. 186—209.
Zwölftes Kapitel.
Die Kirche von Toledo und die Kirche von Spanien, S. 210—222. Die Kii
Spanien und die Kirche von Rom, S. 222—238.
Neuntes Buch.
Die Bwel ersten Jahrhunderte der Knechtschalt. Von Ocvi
donga nach Oompostella (J. 711—900). 8. 230--360.
Erstes Kapitel.
Die Katastrophe. — Die Zeit von 711-755, S. 239-215.
?v •■
■»r.
iDhaltaveneiohniBS. VII
Zweites Kapitel.
Jahr 756—783. Die Bischöfe Cizila, OdoarioB und Egila , S. 246—261. Die Mige-
tianer, S. 25i-260.
Drittes Kapitel.
Die Adoptianer, 783—800 (und Elipandus Ton Toledo), S. 261—298.
Viertes Kapitel.
Die Bekennet und die Märtyrer von Corduba (Jahr 839—862, S. Eulogius und Al-
varuB), S. 299— 33&
'^ . Fünftes Kapitel.
Daa Reich Asturien (Leon) und die spanische Mark im neunten Jahrhundert,
S. 339—860.
Zehntes Buch.
'aoobns der Apostel und Patron von Bpanien. Von Oompost^Ua
naoh Toledo (J. 900-1086), 8. 361-^488.
Erstes Kapitel.
JMobuB der Aeltere (und Compostella), S. 361—396.
Zweites Kapitel.
W« Heiche Aeturien, Leon und Caßtilien (Jahr 900—1086), S. 397—410.
Drittes Kapitel.
« fieiche Navarra, Aragon und Catalonien (Jahr 900-1085), S. 411-440.
Viertes Kapitel.
'^■^aten unter den Mauren (Jahr 900—1085); Gregor VIT. und Spanien,
S- 441-462.
1
^
f
I
\
Achtes Buch,
JAe Blüihezeit der Kirche in Spanien.
(J. 589—711.)
Erstes Kapitel.
dekt HermeHe^Id wird ein Jahrtausend nach seinem
Tode heiliggesprochen.
innere kirchliche Leben tritt in bestimmten äussern Erschei-
hervor, aus welchen sich auf seinen Aufschwung und seinen
lg, auf seine Blüthe oder seinen Verfall schliessen lässt. Wenn
Zeitalter zahlreiche und regelmässige Synoden gehalten wer-
wenn in demselben viele und bedeutende Schriftsteller auftreten,
der göttliche Dienst mit geziemender Würde geordnet und ge-
wird, wenn der Episcopat Zierden an Wissenschaft und Heiligkeit
»bens aufzuweisen hat, wenn der Einfluss des Episcopats und der
auf das öfiFentliche Leben eines Volkes ebenso heilsam als unver-
ist, wenn die Kirche einerseits der ihr noth wendigen freien
lg sich erfreut, anderseits in das Leben des eigenen Volkes ein-
ohne in ihm aufzugehen, wenn die Bischöfe einerseits Kirchen-
und Hirten der ihnen anvertrauten Heerden, anderseits die ersten
men des Reiches sind, wenn das Vermögen der Kirche dem
Volke zu Gute konmit, wenn das Mönchsthum, das im Grunde
ist, als die Kirche, sich wie durch reguläre Observanz, so durch
wohlthätigen Einfluss auf das geistige Leben des Volkes empfiehlt
^n^heidigt, wenn zugleich in einem Zeitalter eine lebenskräftige
und Treue gegen den Mittelpunkt der kirchlichen Einheit, gegen
^he Earche, sich offenbart, wenn dieses und ähnliches von
Zeitalter gerühmt werden kann, so hat man einigen Grund, ein
^MH, Span. Kirche. II, 2. 1
[■
2 Achtes Bach. Erstes Kapitel.
solches Zeitalter die Blüthezeit der Kirche zu nennen. Die erwähnten
und viele andere erfreuliche Erscheinungen treten in der Zeit von 589
bis 71 i in der Geschichte der Kirche Spaniens uns entgegen, wesswegen
wir sie das Blüthenalter der Kirche Spaniens nennen. Es war die Zeit,
in welcher das germanische Volk der Westgothen mit dem spanischen
Volke sich in dem einen Glauben und der einen Kirche vereinigt hatte.
Die Gothen waren Spanier, und die Spanier waren Gothen geworden,
und Kirche und Staat athmeten auf und erstarkten in dieser Vereinigung.
Den Ehrennamen des BlUthenalters der Kirche Spaniens dürfen ^ir
diesem Zeitabschnitte von 122 Jähren vielleicht auch desswegen geben,
weil der Bückblick auf die vergangenen, und der Ausblick auf die
konmienden Jahrhunderte das kirchliche Leben der Zeit von 589 bis 711
in einem relativ günstigen Lichte erscheinen lässt. Niemand wird geneigt
sein, der Zeit, welche wir bis jetzt durchwandert haben, den Vorzug,
oder den Ehrennamen einer Blüthezeit zu geben, Niemand, wenigstens
kein Spanier, wird die Zeit der Herrschaft der Muhamedaner in Spa-
nien vom Jahre 711 bis 1492 — eine glänzende oder glückliche für die
Kirche nennen. Das achtzehnte Jahrhundert war auch in Spanien das
Jahrhundert der Aufklärung; das neunzehnte Jahrhundert bietet uns
wem'gstens keinen erfreulichen Anblick dar. Im siebzehnten Jahrhun-
dert war auch die Kirche Spaniens von dem traurigen Zustande des
bürgerlichen und staatlichen Lebens niedergedrückt. Verhältnissmässig
mehr Lichtseiten bietet das sechszehnte Jahrhundert dar, aber gerade
Philipp n, in dem dasselbe gleichsam gipfelte, hat durch jene Staats-
omnipotenz, die alles Leben in einer einzigen Hand concentriren wollte,
wenigstens zum Theil den Grund gelegt zu den Missgeschicken und
Niederlagen seiner Nachfolger, und überhaupt zu dem Sinken der Macht
und des Einflusses von Spanien *). — Wollte man aber den Aufschwung
allein in das Auge fassen, welchen das kirchliche Leben in Spanien im
sechszehnten Jahrhundert nahm, die herrliche Schaar der Heiligen
Gottes, die damals die Kirche Spaniens der Erde und dem Himmel
schenkte, die altem Orden, die zu neuer Blüthe sich erhoben, die neuen
Orden, die von Spaniern gegründet wurden, die glorreichen, die uu-
') Dabei bleibt Philipps Persönlichkeit in allen Ehren, von dem der Nuntius
Rossani im Jahr 1571 'sagt: »Dico, che il Re e grandissitno CristianOy e che ih
questo n tratta deW osservanza della Religione Cattolica non accade pensare nan ch'
ponere punto di dubbio nella molta integriia e zelo suo," — Lämmer ^ zor Kirchen-
gcschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, Freib. H. 1863, S. 121 , 135 — dage
gen S. 165 — sagt Sixtus V. am 7. Aug. 1587 zu Philipp IL : *Wir haben we
gen dieses grossen Vergehens Ew. Majestät (Niedertretung der Freiheit der
Kirche) viele Thrftnen vergossen, und hoffen, dass Sie sich bessern und dass
Gott Ihnen verzeihen wird." cf. p. 177. ^ DöUinger^ Beiträge zur — Ge-
schichte der seehs lezten Jahrhunderte; 1. Bd., Regensb. 1862, S. VIII u. X. eic
1 r
Uebenicht Hermenegild wird lange nach seinem Tode heiliggesprochen. 3
sterblichen Verdienste, welche die Glaubensboten dieses Volkes in den
neuentdeckten Ländern des Westens ; vne in den bisher unbekannten
Ländern des Ostens sich erwarben, so müsste auch das siebente Jahr-
)andert entschieden hinter dem sechszehnten und einem Theile des sieb-
sehnten zurücktreten.
Dass^ aber den Lichtseiten des siebenten Jahrhunderts auch grelle
Schattenseiten gegenüberstanden, das wird die folgende Darstellung der-
selben ergeben.
Heute ist in Spanien nicht weniger als ausserhalb Spaniens die An- Herne,
sdiauung von dem Tode des Hermenegild herrschend , welcher Gregor L "^Sird
in den Worten über Reccared Ausdruck gegeben hat: „Es ist kein Wun-*jJJ,*'"
der, das8 derjenige Verkündiger des wahren Glaubens wurde, welcher ^^'■"
der Bruder eines Blutzeugen ist, dessen Verdienste ihn — den Reccared
— untersttteen , dass er so Viele in den Schooss (der Kirche) des all-
mächtigen Gottes zurückführt; — aus dem Volke der Westgothen ist
einer gestorben, damit Viele das Leben hätten ^)^. Es ist heute und seit
Jahrhunderten herrschende Ansicht, dass der Martyrtod des Hermene-
gild den mächtigsten Anstoss zu der Bekehrung der Westgothen gege-
ben. — Sollen aber die vorliegenden Zeugnisse allein entscheiden, so
^aren die Zeitgenossen des Hermenegild anderer Ansicht Denn wieder-
holt nennt ihn Johannes Bicl. einen Tyrannen und Rebellen. — Zum
Jahre 585 sagt er einfach: „Hermenegild wird in der Stadt Tarraco von
Sisbert ermordet*''). — Aehnlich Isidor; er nennt ihn einen Rebellen
und Tyrannen ^). — Li eine ausführliche Untersuchung darüber tritt
Florez und der Herausgeber Isidors, Arevalo*), ein. Darüber hatte
schon Jos. Perez — früher sein höchstes Erstaunen ausgedrückt^). —
Der Kardinal Aguirre erklärt die Chronik des Johannes Bicl. — von
eioem Arianer zur Schmach des Hermenegild für gefälscht®). Florez^)
und Arevalo sind anderer Ansicht. Jener legt das Gewicht darauf, dass
die alten Spanier in Hermenegild den Urheber eines Bürgerkriegs ver-
abscheut haben. — Erst nach seiner Besiegung sei derselbe Märtyrer
') Chregor, M. dialog, 3, 31,
^) K. -G. 2, 491. J. 579; J. 582: Leovigildus rex exercitum ad expugnandum ^r<mnum
filium colligit; J. 583 — rebeUem ßliutn.
') 2, 489. — imperäs suis tyrannizantem, — Hist. Goth, cp, 49,
*) Isidorianüf P. //, cp,79, Verba Isidori de S. Hermtnegildi adversus patretn beüo
exposita. Mirum Isidori et aliorum patrum ecclesiae gothicae silentium de glorioso
S, Hermenegildi martyrio, Obsequitan episcoporwn Ecclesiae Gothicae in quibtudam
arduis regum factis.
') Jos, Perez, dissertationes eccleiiasHcae, in quibus pleraque ad histor. eccles. et poUticam
HiMpaniae discutiuntur , Sahn. 1688 40, p. 272.
*) Aguirre 3, 3W—ti — chrotkieon procul dubio vitialum ab Arianis m dedecus' S. Her-
menegildi (edit 1, t. 2, p. 422).
'j Florez, 6, 376-80.
1*
4 Achtes Buch. Erstes Kapitel.
und dadurch ein Heiliger geworden. — Diess sind richtige Andeutun-
gen^ aberv iie sind nicht ausgeführt. Arevalo meint ^ aber beweisst ts
nicht, dass Leander den Krieg des Sohnes gegen den Vater nicht miss-
billigt. Zugegeben, dass' Hermenegild gefehlt, habe er durch seinen
Tod alles gut gemacht. Schliessh'ch meint er, Johannes BicI. habe dem
König Beccared nicht missfallen wollen durch die Aussage, dass sein
Bruder durch den ungerechten Befehl des Vaters zum Märtyrer gewor-
den. — Isidor geht schweigend über das Ende Hermenegild's hinweg.
Diess leitet Arevalo von politischen Rücksichten gegen Beccared her, da
Hermenegild^s Sohn, Athanagild, damals noch gelebt, und dem Throne
Reccared's hätte gefährlich sein können*).
Am auffallendsten ist die Perhorrescirung des Hermenegild bei
Paulus von Merida, der um 630 — 50 blühte, und welcher die Worte
Gregorys I. über das Martyrium des Hermenegild in folgender Weise
verunstaltete :
Gregor. M, dialog, 3,H. Paul. Emerit, cp. 16. —
Po$t etiiua (Leovigildi) mortem Post etdus erudelissimam mortem
Beecaredus rex IIOI pAtreiD perfldoilly venerabüis vir Beccaredus Prineeps
Sed frAtren ni Artyren SCfOeilS 9 ab filius ejus jure administrationem rcgni
Arianae haeresis pravitate conversus adeptus est: etc. vir denique orthod,,
est. — qni noD patren perfldui, sei
ChristOIII dominui sequens — ab
Arianae haereseos pravitate conver$us
est etc.
Erst der Abt Valerius, t.695, nennt den Hermenegild einen Mär-
tyrer'). — Aber die spanischen Chronisten des Mittelalters, Roderich
von Toledo, t 1247, (de reg. Goth. 2, 14), Lucas Tudensis, f 1256-
betrachten den Hermenegild nicht als Märtyrer. Selbst Gregor von Toutj»
(v. K. G. 2, 489) sagt: „Der Unselige (miser) wussto nicht, dass das gött-
liche Gericht dem bevorstehe, der gegen seinen Vater, obgleich eiuem
Kezer, solches im Schilde führt ^).^
Einerseits also steht Gregor I , der ihn als Märtyrer und Heiligen
darstellt, anderseits die Spanier, die ihn als Rebellen darstellen, leb
glaube, die Ausgleichung liege in der Uebung und Lehre der Kirche,
womach das Martyrium als Bluttaufe alle vergangenen Fehler tilgt.
Während nun die Anschauung Gregors in die Martyrologien des Ado,
') üeber ihn v. fl. Geiger, 1. c. Bd. 2, -der Knabe im Kerker,« S. 1—22; -eine
gebrochene Blüthe,- S. 223 — 245; er lässt denselben zu Rom an der Pes'
sterben, noch vor der Erwählung Gregors I. zum Papste.
«j Florez, 16, 373 — Val. de vana saecuU sapientia ^ cp. 8, ^ De regaU fattig^^
meminimus Caesarem nomine Criäpum; Regem Gothorum Ermenegildum,
*) Gregor. T. 6, i3 — nescien» mwer , Judicium tibi imminere divinum , 9111 contra y^''
torem quamUbet haereiiatm talia cogitareL
nieht HermeDegild wird lange Dach seinem Tode heiliggetprocben. 5
dy Wandelbert u. s. w. übergieng, verhielten sich die Spanier bis
6ten Jahrhundert hierin kühl und kalt
[ermenegild aber war den alten Spaniern verhasst, so dass sie in
len Feind des eigenen Volkes und Reiches verabscheuten , und
den Märtyrer verehrten, weil er im Bunde mit den verhassten
len sein eigenes Land und Volk bekriegte , weil der Sieg seiner
ung die Herrschaft der Griechen über Spanien in sich zu schliessen
y weil auch troz seines £rliegens die Griechen mit neuer Macht
egen Spanien erhoben*). Für einen patriotischen Spanier war es
äglich, dasSy während einerseits Leovigild die Grenzen des Baches
weiterte, dessen eigener Sohn dasselbe zerstückeln und theilen
Der Zorn der Spanier hierüber liess sie in Hennenegild keinen
rer, vielmehr einen Besiegten erkennen , der für seine Empöruifg
ft worden. Erst als die Griechen ihre lezten Plätze in Spanien
en hatten, konnte der Galizier Valerius den Hermenegild den
rem beizählen. ^ Dass aber unter solchen Umständen für Her-
jld kein Plaz war in der altspanischen Liturgie, das springt in
iigen.
m 16ten Jahrhundert waren die Griechen nicht mehr gefiihrlich; jezt
3r königliche Märtyrer in seine lange vorenthaltenen Rechte ein —
khrtausend nach seinem Tode. — Auf Andringen Philipps IL von
m erliess Papst Sixtus V. am 12. Februar 1585 ein apostolisches
nach welchem das Fest Hermenegilds in ganz Spanien begangen
a sollte. — So konnte gerade ein Jahrtausend — nach dem
»ril 585 — dieses Fest zum erstenmal in Spanien gefeiert werden.
Vni. dehnte dasselbe auf die gansse katholische Ejrohe aus, in
sr es ritu semidupliei gefeiert wird.
hne Zweifel glaubte das katholische Spanien nach einem Jahrtaa-
liese Ehrenpflicht gegen den „königlichen Märtyrer, der dem irdi-
Reiche das himmlische vorzog,'' erfüllen zu müssen. Nach fünf*
Fahrhunderten wird es vielleicht auch seine Ehrenpflicht ,yg^gen
•ossen und heiligen Vater Hosius^ erfüllen').
Hinnes Biclar, J. 579 — eodem anno filius ejus Hermmegüdiu — tyrannidem €unmeiu
HispaU cwit, rebellione facta recluditur, et alias cimtaie$ ^ue casteüa secum contra
(rem rebeUart faeit. Quae causa in provincia Htspaniae tarn Gothig, quam Roma-
r majoris exitii, quam aehersariorum in/estatiOf fiiit, — Chronicon Isidori: J, 580:
7thi per HermenegUdum, Leovigildi regis ßtium, hifaris diviti, mutua eaeds ',-r%
ttantwr. Ebenso Lembke, 8.73—74.
Ua SaneL U 2 ApriL, p. 134^38. F. Pk, 7% Jorry^ Swr «. Hermähegilde, patron
Fordre müitaire institui par Ferdinand VII, Bari 1817. ~ J. JSv. Stadler,
Mligenlexikon , 2. Band, Augsb. 1861 — hat neben Hermenegüd anch Hoiius
10 Cordaba als Heiligen, lässt ihn aber nach Spanien zurückkehren, and
1 J. 358 renmüthig sterben — Bd. 2, S. 771-72.
»'vi
Zweites Kapitel.
Die dritte Synode von Toledo — 589. Die Synoden von Nar-
bonne589, von Sevilla 590, Saragossa 11. 592, Toledo von 597,
Hnesca von 598, Barcelona 11. von 599.
§• 1-
Die Na. RecoaTod berief die Bischöfe seines Reiches zu einer (der ersten)
%yuoAt Nationalsynode in der Königsstadt Toledo zusammen , im vierten Jahre
58*9! seiner Regierung. Sie sollten sich freuen und Gott danken sowohl über
seine Bekehrung als über die Erneuerung des ganzen Volkes der Gothen.
Am 4. Mai 589 — hielt er eine kurze Ansprache, worin er erklärte,
dass er sie zur Wiederherstellung der Kirchenzucht berufen habe. We-
gen der herrschenden Häresie seien früher Synoden unmöglich gewesen:
jezt, da er die Häresie beseitigt, seien sie versammelt; er mahne sie,
zuvor durch Fasten, Wachen und Gebet sich vorzubereiten, damit ^die
kanonische Ordnung" wiederhergestellt werde. Ein dreitägiges Fasten
wurde nun verkündigt (5 — 7. Mai). Am 8. Mai erschien der König
wieder in der Synode, und sprach u. a. : Lange habe Spanien unter der
Irrlehre des Arius gelitten, da er aber bald nach dem Tode seines Va-
ters sich bekehrt, sicher zur allgemeinen und bleibenden Freude, so
habe er diese Synode versammelt, damit sie wegen derer, die sich zu
Christus bekannt, ihm ewigen Dank bringen; was er ihnen vorzutragen
habe, sei in ein (in dieses) Buch verzeichnet; „es werde gelesen, durch das
Urtheil der Synode geprüft, und durch die ganze folgende Zeit möge
..v-nnser Ruhm im Schmucke dieses Glaubens leuchten."
- t
^, Der Tomus des heiligen Glaubens(bekenntnisses) wurde nun von
allen Bischöfen aufgenommen, und von einem Notar laut verlesen, des
Inhalts: Gott hat dem Reccared zum Wohle seiner Völker das König-
thum gegeben, er hat ihm nicht wenige Völker anvertraut, doch sei er
sterblich und könne die Seligkeit nach dem Tode nur durch die Annahme
und das Bekenntniss des wahren Glaubens erlangen. Je höher er stehe,
Der Tomos des Reccared. 7
am so mehr müsse er seinetwegen und wegen seines Volkes ^ hiefiir Der to-
sorgen. Daran fügt er ein orthodoxes Glaubensbekenntniss. Der heil. "^Ji^ea*
Geist geht von dem Vater und dem Sohne auS; und ist gleichen Wesens '^
mit dem Vater und dem Sohne , die dritte Person in der Trinität. Ihn
habe Gott erweckt, das Volk der Gothen zum wahren Glauben zu füh-
ren, von dem es bisher durch schlechte Lehrer entfernt gewesen. Nicht
bloss die Bekehrung der Gothen sei sein Verdienst, auch die der Sue-
ven, die er, durch fremde Schuld in die Häresie geführt, durch sein
Bemühen der Wahrheit wiedergewonnen habe. Diese edelsten Völker,
durch ihn der Heerde Christi erworben, bringe er wie ein heiliges und
Tcrsühnendes Opfer durch die Hände der Bischöfe dem ewigen Gotte
dar. In wiederholten Wendungen schreibt er sich dies Verdienst zu,
während die Bischöfe das von ihm Begonnene vollenden sollen, — er
rorvirft den Arius mit seiner Lehre, bekennt sich zu den Synoden von
N]<dUi, Constantinopel L , Ephesus, Ghalcedon, und allen mit diesen
stimmenden Concilien. Das Volk der Gothen haben die Bischöfe durch
das Chrisma und die Handauflegung in die Elirche aufgenommen. Es
folgt ein hartes Anathem gegen die Widerstrebenden. Daran schliesst
sich das Symbol von Nicäa, von Constantinopel 381 (mit der Formel:
ex patre ßioque procedmlem) , der Tractatus der Synode von Chalcedon.
„Ich Reccared der König halte diesen heiligen Glauben und dieses
wahre Bekenntniss, welches die ganze katholische Kirche als das ihrige
allenthalben festhält, fest in meinem Herzen, bekenne ihn mit dem
Mande, und habe ihn, mit Hilfe Gottes, eigenhändig unterschrieben.^
'„Ich Badda, die ruhmreiche Königin, habe diesen Glauben, den
ich festhalte und annehme, mit meiner Hand aus ganzem Herzen unter-
schrieben.*'
Dann fanden die Zurufe von Seite des ganzen Klerus statt, zum
Lobe Gottes und zur Ehre des Königs. „Ehre sei Gott dem Vater, und
dem Sohne und dem heil. Geiste, welcher für den Frieden und die
Einigkeit seiner helligen Kirche Sorge trägt. Ehre sei Gott unserm
Herrn Jesus Christus, welcher um den Preis seines kostbaren Blutes die
katholische Eorche aus allen Völkern gesanmielt hat. Ehre sei unserm
Herrn Jesus Christus, der ein so ruhnureiches Volk zur Einheit des
wahren Glaubens führte, der eine Heerde und einen Hirten einsezte.
Wem aber gebührt ewiger Lohn von Gott, als dem wahren ortho-
doxen König Reccared? Wem eine ewige Krone, als ihm? Er ist der
Sammler neuer Völker in der katholischen Kirche. Er verdient wahr-
haft den Lohn der Apostel , der das Amt der Apostel erfüllte. Er sei
Gott und den Menschen liebenswürdig, der Gott auf Erden so wunder-
bar verherrlicht hat. Das gebe unser Herr Jesus Christus, welcher mit
Gott dem Vater lebet und regiert in der Einigkeit des heiligen Geistes,
▼on Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.^
Die gehäuften Lobsprüche, die Reccared in seiner Rede sich selbst
8 Achtes Buch. Zweites Kapitel.
ertheilt, die irielen Schriftcitate, die theologische Schärfe in derselben,
die klare Darlegung des katholischen Dogmas im Gegensaze gegen den
Arianismus legen die Vermuthung nahe, dass ein Theolog vom Fache
diese Bede ausgearbeitet habe. — Am nächsten liegt es , hiebei an —
Leander y den Rathgeber des königlichen Hauses, zu denken, oder
an den Abt Eutropius. — Denn, berichtet Johannes Bicl. von unsrer
Synode:
„Im 8. Jahre des Kaisers Mauritius, welches das vierte Reccared's
ist, versanmielte sich die heilige Synode der Bischöfe von ganz Spanien,
von Gallien und Galizien , in der Stadt Toledo , auf Befehl des Fürsten
Beccared, 62 an der Zahl. Dieser Synode wohnte der erwähnte alier-
christlichste Beccared an, indem er die Weise seiner Bekehrung und
aller Bischöfe ^ sowie das Bekenntniss des gothischen Volkes in einem
Buche geschrieben eigenhändig den Bischöfen überreichte, und alles,
was zu dem Bekenntnisse des orthodoxen Glaubens .gehört, darlegte;
die heilige Synode beschloss, diesen Tomus den canonischen Denkmälern
(canonicia monumentis) beizufügen. Die Hauptsache jedoch der Verhand-
lungen dieser Synode war bei Leander, dem Bischöfe von Sevilla, und
dem seligen Abte Eutropius des Klosters Servitanum ^),^ — In den
Akten wird Eutropius gar nicht erwähnt; er kann wohl Notar der Sy-
node gewesen, und auch die vorliegenden Akten derselben redigirt ha-
ben, die eine sehr gewandte Feder bekunden.
Dann folgte das Glaubensbekenntniss der Bischöfe, Priester und
Vornehmen (primorum) aus dem Volke der Gothen. Auf Geheiss des
Concils hielt einer der katholischen Bischöfe — an die Bischöfe, Reli-
giösen und Aeltesten, die sich aus der Häresie bekehrt hatten, eine
Ansprache in wenigen sehr passenden Worten, worin er sie mit freund-
licher Würde ermahnte, auszusprechen, was sie verwerfen, und was sie
hinfort festhalten wollen. Am nächsten liegt hiebei, an den greisen
Masona von Emerita zu denken. Die Gefragten antworteten: Obgleich
sie schon zur Zeit ihrer Bekehrung (im ersten Jahre Reccared's) solches
kundgegeben, so wollen sie doch wegen der Liebe und Pietät, die sie
Gott und der katholischen Kirche schuldig seien, dicss wiederholen, und
alles sonst vollbringen, was ihnen vorgelegt werde ; denn die Liebe zuni
rechten Glauben habe sie so stark gemacht, dass sie alles festhalten und
aufrichtig bekennen wollen, was ihnen die brüderliche Liebe mittheile.
— Nun sagten sie sich in 23 Anathematismen von der Lrrlehre los;
Anathema sei:
') Joannes abb, Biclar, chronicon — J. 589. — Summa tarnen tynodalU negotii pents
sanctum Leandrum, Hispal. eccL episcopum, et beatissimum Eutropium monasterü Sa-
pUani abbatem fuü.
E^Srong der B.ischOfe und Grossen der Westgotben. 9
) Wer noch die Lehre and Gemeinschaft mit den Azianem fest- srku-
2) wer die Ewigkeit des Sohnes und sein gleiches Wesen mit dem d«7Bi.
leugnet; 8) wer leugnet^ dass der heil. Geist vom Vater und vom *^^l*
i ausgeht y dass er ewig und gleichen Wesens mit dem Vater und^r^^
Sohne ist; 4) wer in der Trinität die drei Peraonen und die eine wmi-
anz nicht annimmt; 5) wer den Sohn und heil. Geist fttr geringer'**
als den Vater, und für ein Geschöpf; 6) wer leugnet, dass die
Personen Einer Substanz, Allmacht und Ewigkeit sind; 7) wer
der Sohn wisse nicht, was der Vater weiss; 8) wer dem Sohne
s und dem heiL Geist einen Anfang zuschreibt; 9) wer den Sohn
Gt)ttheit nach sichtbar und leidensfiüiig nennt; 10) wer nicht
tj dass der heil. Geist, wie der Vater und der Sohn, wahrer Gott
Umächtig ist; 11) wer einen andern Glauben und eine katholische
tinschaft annimmt, als in der allgemeinen Kirche, welche die De-
der vier öcumenischen Concilien festhält; 12) wer die drei Per-
in Gott in der Ehre, Glorie und Gt>ttheit trennt und unterschei-
13) so dass der Sohn uod heil. Geist nicht mit dem Vater zu ehren
SU verherrlichen seien; 14) wer nicht sagt, Glorie und Ehre sei
Vater, dem Sohne und dem heil. Geiste; 16) wer die sacrilegische
ertaufe für gut hlilt und sie vollbringt; 16) wer unsre verwerfliche
tt, die wir im zwölften Jahre des Königs Leovigild (581) heraus-
i, worin die Verfuhrung der Römer zu der Häresie des Arius, wo
sem Sinne die Ehre dem Vater durch den Sohn in dem heiL Geist ""'
ins gelehrt wird, wer diese Schrift für wahr hält^ der sei Anathem
rigkeit ; 17) wer die Sjnoiode von Rimini nicht aus ganzem Herzen
tnmt, sei Anathem. —
8) Wir bekennen, dass wir uns aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele,
oit ganzem Gemüthe von der arianischen Häresie zu der katholischen
e bekehrt haben: es ist kein Zweifel, dass wir und unsre Vorgänger
arianischen Häresie geirrt, und dass wir den evangelischen und apo-
hen Glauben jezt in der katholischen Kirche gelernt haben. Sie ver-
len, den Glauben, welchen Reccared eben bekannt, von nun an ihrem
i zu predigen und zu lehren. Diess ist der wahre Glaube, den die katho-
Kirche auf der ganzen Welt festhält: wem dieser Glaube nicht gefiült,
ei Anathema Maranatha bei der Ankunft unsers Herrn Jesu Christi *•) ;
er den Glauben von Nicäa verachtet; 20) wer den Glauben der
äter der Sjnode von Constantinopel leugnet; 21) wer den Glauben
.-sten Synode von Ephesus und der von Chalcedon nicht annimmt;
er die mit diesen vier harmonirenden Synoden aller orthodoxen
jfe nicht annimmt, sei Anathem«
* I
)ie8er Aasdruck findet sich hier der Zeit nach zum zweiteomalc, «. K.-G.2,316
- Histor. pol. Blätter, Bd. 52, 8. 278.
10 AcbtM Baeb. Zweites Kapitel.
23) Die Verwerftang des Arianismiis und aller ihn lehrenden Condlien
mit deren Anathem haben wir eigenhändig unterschrieben, ebenso die An-
nahme der vier allgemeinen Concilien. Alle sich hievon Trennenden seien
Gk>tt und der ganzen Welt durch das Verbrechen der Treulosigkeit schuld-
bar. Es blühe die katholische Kirche in der ganzen Welt im höchsten
Frieden, und leuchte in der Lehre, der Heih'gkeit und Macht : die in ihr nnd,
ihr glauben und ihre Gemeinschaft haben, mögen, gestellt cur Rechten
Gbttes, hören : Kommet, ihr Gesegnete meines Vaters, nehmet das Reich
in Beaiz, das euch sdt Grundl^;ung der Welt bereitet ist; die sie ^er
lassen, ihren Glauben antasten, oder ihre Gemeinschaft verschmähen,
mSgen «us dem Munde Gottes un Tage des Gerichtes htiren: Weg m
mir, ihr Verflnehten, ich kenne euch nicht, gehet in das ewige Feaer^
das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist Verdammt sei also im
Himmel und auf Erden, was durch dies^ katholischen Glauben yerdammt
wird, anerkannt sei im Himmel und auf Erden ^ was von diesem Glaa-
ben umschlossen wird, da unser Herr Jesus Christus herrsdit, welchem
mit dem Vater und dem heiL Geiste die Glorier ist in Ewigkeit Amoi.
Noch einmal folgten die Symbole der Synoden von Nidia, Constan-
tinopel 381 und Chalcedon; dann die Unterschriften von acht Yordem
arianischen Bischöfen: Ich Ugnas, Bischof im Namen Christi, spreche
Anathema über die oben rerdammten Lehren der Arianischen Keserei,
und habe diesen heiligen kalholisehen Glauben, an den ich bei meinem
Eintritte In die katholische Kirche glaubte, mit meiner Hand und ans
gmnsem Herzen untnschrieben. Ebenso sagt Ubib'gisdus, Murila, Sunnila,
in Christi Namen Bischof der Stadt Viseum, Gardingus, Bischof tod
Tuy, Bechila von Lugos, Arritus von Portucale, Froiscius von Dertosa.
— Von diesen acht Namen haben sechs einen entschieden gothischen
(oder suevischen) Klang, bei den zwei leztem spricht wenigstens die
Vermuthung fttr gothische Abstammung. — Auffallend ist, dass von
den acht fünf innerhalb des vordem suevischen Reiches ihre Size hatten.
Man kann annehmen, dass Andeca, der den Eborich, den Sohn des
Mir verdrängte, sich auf die Parthei der unzufriedenen Arianer stüzte,
und diese Bischöfe einsezte, welche hinfort, ähnlich, wie es mit ehe-
mals donatistischen Bischöfen in Afrika der Fall war, neben den katho-
lischen ihre Würde beibehielten.
Ebenso unterschrieben die übrigen vordem arianischen Presbyter
und Diaconen. Dann heisst es: Das Zeichen des Häuptlings Gassin,
der demnach nicht schreiben konnte*). -> Dann: Ich Fonsa vir iUtuUr
') Sigimm Oussini viri ittustriM proceri. — Solche Unwissenheit bei den Hoflealen
war aneh später nichts Unerhörtes. — J. M. Dawrignac: Geschichte der G«-
sellsehaft Jesu, übrrs. von L, Chm^, 1. Bd., Regensb. M. 1863, S. 4 - »dfr
Junge Krieger (I^atnu) war unwissend, wie damals alle grossen Herren bei
Hofe.«
Die Canonet der Synode. 11
ibe mit Anftiheiiia unterschrieben ; ebenso Afrilai Ailai Ella. Aehnlioh
iterschrieben alle Aeltesten (ieniort») der Gothen.
Nach dem Bekenntnisse und der Unterschrift aller Bischöfe und
ältesten der Oothen, hielt Reccared eine andere Ansprache an die
ischöfe, worin er u. a. verlangti dass alle Priester und Glftubigen beim
SL Opfer vor der Communion nach der Weise der morgenlilndischen
irdie mit lauter Stimme das Symbolum aussprechen , und dann erst
n Leib und das Blut des Herrn empfimgen. — Dann sollen die Bi-
h6fe strengere Regeln der kirchlichen Zucht festsezen. — Dieses ge-
hab in 23 Kapiteln.
1) Es sollen die Beschlüsse der Condlien und die der römischen m« c«-
orsteher beobachtet ^erden, kein Unwürdiger soll gegen diese Statu- "aIT
ai nach kirchlichen^Würden trachten. ^J^'****
*
2) Nach deip {Utho des Königs soll in allen Kirchen von Spanien^
rallien und Oalizien nach der Sitte der Elirchen des Orients das Glau-
enssymbol der 150 Väter von Constantinopel vor dem Gebete des
leim gesprochen werden^).
3) Kein Bischof soll Kirchengut verilussem. Was sie an Möndie
I ihrem Sprengel veigeben, soll in Ejraft bleiben (da es doch bei der
jrche bleibt). Für Fremde, Kleriker und Arme sollen sie nach Kri&f-
sn sorgen.
4) Der Bischof darf mit Zustimmung seines Conciliums eine Pfiur-
irche in ein Kloster mit regulären Mönchen umwandeln , und ihm aus
un Kirchengut den nöthigen Unterhalt anweisen. (Das CardinalscoUe-
iom in Rom entstand aus den Pfarrern der Stadt; der Rath des Bischofs
ad hier wohl die Pfarrer, deren es in jedem Bisthume nur wenige
aren, und neben welche bei der Vergrösserung der Bisthümer später
e Domkapitel traten, die z. B. heute noch in £ngland aus Pfarrern
»tehen.)
5) Die übergetretenen Bischöfe, Priester und Diaconen sollen sich
» Umgangs mit ihren Frauen enthalten; am besten ist es, wenn sie
getrennten Häusern wohnen. Wer dagegen handelt, soll wie ein
ector gehalten werden. Jene, welche stets Priester der Kirche waren,
id gegen alle Canones verdächtige Personen bei sich haben, sollen
LDonisch gestraft, diese Weiber aber von den Bischöfen verkauft, und
sr Erlös den Armen gegeben werden.
6) Jene, welche nach alter Uebung 4^r Kirche freigelassen worden,
)llen frei seyn, sie jedoch und ihre Nachkonmien im Schuzverband
er Kirche stehen; die von Andern Freigelassenen und der Kirche An-
mpfohlenen sollen sich des Schuzes der Bischöfe erfreuen, und von
') s. K.-G. 1, 111-12.
12 Achtes Bach. Zweites Kapitel.
dem Fürsten soll der Bischof es yerlangen, dass sie an Niemand ver-
schenkt werden.
7) Um müssiges Gerede (otioioe fabul<u) ferpe zu halten, werde an
den Tischen der Bischöfe vorgelesen.
8) Die Kleriker, deren Familien zum Fiscus gehören, soll Niemand
als vorgebliches Geschenk des Königs beanspruchen, es soll für sie die
Kopfsteuer bezahlt, und sie sollen dem Dienste ihrer Kirche erhalten
werden. Diesem stimmt der König bei.
9j Die bisher arianischen, jezt katholischen Eorchen bleiben mit
ihrem Vermögen dem Bischöfe der betreffenden Diöcese.
10) Mit Genehmigung des Königs verordnet die Synode, dass keine
Wittwe, die keusch leben will, zur Ehe gezwungen werden dürfe, dass
die, welche heirathen wollen, in der Wahl ihres Mannes frei seien.
Jungfrauen könne man nicht gegen den Willen ihrer Eltern und den
ihrigen zwingen, Männer zu nehmen. Wer das Gelübde der Keusch-
heit einer Wittwe oder Jungfrau hindere, sei von der Kirche ausge-
schlossen.
11) In einigen Eorchen herrscht die Unsitte, dass Sünder, so oft
sie sündigen, so oft von dem Priester die Beoonciliation verlangen.
Nach der alten Strenge soll der Pönitent zuerst ausgeschlossen werden,
und sich unter den übrigen Büssern oft die Hände aufl^;en lassen; ist
seine Busszeit vorüber, so soll er nach Befinden des Priesters wieder
aufgenommen werden; wer innerhalb der Busszeit oder nachher in die
alten Sünden verfällt, soll nach der Strenge der alten Canones vemr-
theilt werden (d. i. erst am Ende die Communion empfangen).
12) Wenn ein Gesunder oder Kranker die Busse verlangt, so soll
der Bischof oder Priester ihm vorher die Haare abschneiden , und so
ihm die Busse geben, ist es ein Weib, so soll sie ihre Kleidung ändern
(um sie so äusserlich von der Rückkehr zu den alten Sünden fern zu
halten).
13) Ein Kleriker, der einen Mitkleriker vor weltliche Gerichte zieht,
soll seinen Process und die Communion der Kirche verlieren.
14) Auf Antrag der Synode verordnete der König, dass Juden nicht
christliche Frauen oder Concubinen *) , auch nicht christliche Sclaven
für ihren Dienst haben sollen: Kinder aus solcher Ehe sollen getauft
werden; sie sollen keine Aemter haben, in denen sie Strafen gegen
Christen verhängen können. Haben sie Elinder der Christen zu Juden
gemacht oder sogar beschnitten, so sollen diese, ohne Entschädigung,
frei und wieder Christen werden.
15) Wenn Knechte des Fiscus Kirchen bauen oder dotiren, so soll
der Bischof den König um die Bestätigung bitten.
«) H-G. 2, 69—70; 391. Näheres bei Helfferich, W.. Recht, 8. 41— 4a
Die CaDonet der Synode. 13
16) Da in gans Spanien nnd Gallien der QOzendienst eingewurzelt
st (inoUDU)j 80 hat der König genehmigt, dass jeder Bischof zugleich
nit dem Richter des Bezirks genaue Nachforschung halte und das Heid-
usche austilge. Sie sollen die Fehlenden bestrafen. Sind sie säumig,
K> sollen Priester und Richter der Eiccommunication verfallen. Grund-
ierren werden ausgeschlossen, die solches Uebel nicht von ihren Gütern
toatilgen, oder ihre Familie daran verhindem^^).
17) Neben den vielen Klagen, die an die Synode kamen, ist die
ichrecklichstei dass in einigen Gegenden Spaniens Eltern ihre EJnder
iödten, um sie nicht ernähren zu müssen. Der König gab den Richtern
ener Gegenden Befehl, diess schreckliche Verbrechen sorgfiiltig mit
lem Bischöfe zu untersuchen und zu veriiindem; die Sjnode befiehlt
len Bischöfen, dass sie, mit Ausnahme der Todesstrafe (absque capüaH
^aUmUaJy alle Strenge anwenden.
18) Früher waren zwei Synoden jährlich vorgeschrieben. Aber we-
^ea der weiten Entfernung und der Armuth der Kirchen in Spanien
sollen sich die Bischöfe nur einmal an dem von dem Metropoliten be-
edchneten Orte einfinden. Nach dem Befehle des Königs sollen sich
auch die Bezirksrichter und die Fiscalbeamten dabei, zur Herbstzeit am
1. November y einfinden^), und sie sollen lernen, nicht durch Lasten
^angarii$) oder überflüssige Leistungen- entweder die Privatleute zu be-
Bchweren, oder die Angehörigen des Fiscus zu beladen. Die Bischöfe
seien nach des Königs Willen Aufseher, wie die Richter das Volk be-
handeln, die sie ermahnen, deren Ausschreitungen (imaUnltüa) sie vor
den König bringen, die sie im Nothfiedle ausschliessen können. Der 0
Bischof soll mit den Aeltesten berathen, was eine Provinz ohne ihren
Schaden leisten kann^). — Auf jedem Concil soll Ort und Zeit des
Dächsten festgestellt werden, damit der Metropolit darüber nicht mehr
Briefe zu erlassen brauche.
19) Viele, welche Kirchen bauen, wollen nicht, dass deren Doti-
rong in den Händen des Bischofs sei, was abzustellen ist
20) Viele Klagen zeigen , dass Bischöfe in ihren Sprengein nicht , \
priesterlich, sondern tyrannisch verfahren, und den Ihrigen schwere
Erpressungen und Lasten auflegen. Nur was die alte Sitte hier zulässt,
soll gestattet sein ; sie sollen die Priester und Diacone weder mit Leistun-
gen noch mit Auflagen (indicUonUna) heimsuchen,, dass wir nicht ver-
dienen, in der Kirche Gottes vielmehr Erpresser als Hohepriester ge-
nannt zu werden. Die also Beschwerten sollen sich an den Metropo-
liten wenden, und dieser ihnen Recht schaffen.
21) Weil viele Richter und öffentliche Beamten die Sklaven der
') K..G., 2, 1(^ — C. 41 von Elviia.
«) Amders 4 ToUl c. 3.
') Quod provincia tme suo tktnmenio praetimrt (Ubeai judknm; vielleicht jwHeämaf
') Diese ErkUrang ist sicher ▼emnglftekt
*) BaUemaiiM steht nicht in dem Texte, aber in den beiden Inhaltsveneichniss^o
der Canones; es bedentef im Allgemeinen saltationes, spanische Tftnie, ef. -
ofMro Valmi — cp» 34 — Ftorez 16, 397 — nefarta cantilena morüferat baUimanat
dura earmma coMtu — «. Schock, Bd. 3, — 1854 S. 1 *- des Anhangs; die oo-
sittlichen Lieder waren mit den T&nzen verbunden; derselbe Bd. 1, S77-%
»Abriss der Geschichte der spanischen NaUonaltftnze.*
14 Achtet Bach. Zweites Kapitel.
Bischöfe und des EleroB mannigfach belasten, so bat das Concil Ellage
bei dem Könige geführt Die Zuwiderhandelnden sollen ezcommunicirt
werden,
22) Die Leichen aller Religionen (Geistlichen) sollen nur mit Psal-
mengesang beigesezt werden. Den Todtengesang, oder dass die Ange-
hörigen und die Familien sich auf die Brust schlagen, verbieten wir.
Der Herr weinte auch am Orabe des Laaarus, nicht weil er gestorben, .
sondern weil er wiedeF m den Leiden dieses Lebens auferweckt werden
sollte *). Wenn der Bischof kann , soll er diese Dnntte durchaus ab-
schafEen, wenigstens bei den Beligiosen. ^
28) Die gottlose Sitte des Volkes, an den Festtagen Tlinse und |
Bchmusige GesKoge au&uf Uhren , soll durch das Einvernehmen der Bi-
schöfe und Richter abgfBchaA ii^erden^).
Durch ein besonderes Dekret bestätigte der König diese Beschlüsse;
sie sollen von Cler]|»m und Laien beobachtet werden. — Der Inhalt
der 29 Ganooes wird entsprediend , aber nicht gleichlautend den Ueber-
schrifteui die denselben yoransteheni^ 7 angeführt — Wer- diese Bestim- j
mungen verlest^ und ist er Bischof ^ Priester, Diacon oder Klerikeri der j
werde vom ganaen Coneil ezcommunicirt; ist er Laie, aber von höhero '
Stande, der verliere an dpa Fiscus die Hälfte seines Vermögens; ist er |
von niedijgerm Stande i so treffe ihn Vermögenseinaiehiug und Ver- j
bannung. '
i^t^ Allen Unterschriften steht voran die des Königs. Ich König Fiayius
^^ B^Msaredus bestätige und uatorschreibe diese Berathung, die wir mglekb
'tqpod«. mit der heil» Synode beschlossen haben. — Nach ihm unterschreibt der
älteste Metropolit, der wohl auch den fihrenvorsiz hatte: Masona in
Christi Namen der katholischen Kirche von Emerita, Metropolitan-
Bischof der Provinz Lusitanien, habe diese Beschlussfassungen, denen
ich in der Stadt Toledo anwohnte, gebilligt und unterschrieben (IL-6.
2, 424—26). Nach ihm unterschreibt wörtlich so Euphemius von Toledo,
als Metropolit der Provinz Carpetanien, d. h. von Neucastilien , wo es
^ höchstens f Unf Bisthümer gab , da Ergavica von unentschiedener Lage
*' ist, und nach einer folgenden Unterschrift zu Celtiberien gehörte. —
Leander unterschrieb als Metropolit von Baetica, Migetius (Mic^us,
Nigetius) als Metropolit von Narbonne der Provinz Gallien, endlich
Pantardus von Braga als Metropolit von Gkdizien, welcher frühestens
UnterschrifteD der Synode. 15
im J* 580, nach dem Tode des hl. Martin, Bischof wm'de, vielleicht
einem andern Bischöfe nach Martinus gefolgt war. Es fehlt der Bischof
von Carthagena, wovon später und der Bischof von Tarraco. Für den
noch lebenden ;,Bruder'^ Nitigisius von Lugos hat Pantardus unterschrie-
ben (K-G. 2, 462—64).
Es folgten die beiden vordem arianischen Bischöfe Ugnas von Bar-
celona und Murila von Palencia, denen man vielleicht wegen ihrer
demiithigen Unterwerfung und wohl auch aus Rücksicht auf ihre bis-
her^ Stellung einen Ehrenplaz einräumte. Bischof Andonius von Oretum,
das finiher nicht erwähnt wird, war wohl der älteste der anwesenden
Bischöfe; es folgte Sedatus von Beziers, der jüngere Bischof d. N.;
10) Palmatius von Pace (Beja), Johannes von Mentesa, Mutto von
Saetabis, Petrus von Ossonoba, Stephants von Turiasso, Gabinus von
Osca, Neufila von Tuj, Paulus von Lissabon, Sophronius von Egara,
Johannes von Cabra, 20) Benenatus von Elna, Polybius von Lerida,
Johannes von Dumium, Proculus von Segobria, Ermaricus Laniobrensis,
Simplicius von Saragossa, Gonstantius von Portucale, Simplicius von
Urgel, Ästerius von Auca, Agapius von Corduba, 30) Stephanus von
Elvira, Petrus von Ercavica in Celtiberien, der schon erwähnte frühere
Arianer Ubiligisclus von Valentia, Johannes von Valeria, der schon
erwähnte Sunnila von Yiseo, Philippus von Lamego, Aquilinus von
Ansona (Vieh), Dominicus von Iria, Sergios von Carcassone, Basilius
von Elepla; 40) Leuterius von Salamanca, Eulalius von Italica, Julianus
von Dertosa, Froiscius, vordem Arianer, (gleichfalls von Dertosa, Theo-
dorus von Baza, Petrus von Adra, der schon genannte Becila von Lugos,
Petrus von Segovia, Gardingus von Töy, l^gridius von Agde; 50) Ar-
giovitus von Portucale; 51) Lilliolus von Acci, Celsinus von Valentia;
Theudericus von Castulo; Velatus von Tucci; Protogenes von Segontia;
Muminius von Calahorra (er heisst schon Calahorritanae eccL); Alicius
von Girona, Possidonius von Aeminium; Thalassius von Astorga;
60) Agrippinus von Lodäve ; Liliolus von Pampelona ; 62) Jaquintus von
Coria.
Daran schlössen sich fünf Stellvertreter. Galanus Archipresbjter
von Emporias, für den Bischof Fructuosus, Diacon Servandus für den
Bischof Pegasius von Astigi, Hildemir, Erzpriester von Orense für den
Bischof Lupatus, Genesius, Archidiakon von Magalone für den Bischof
Boetius, Valerius, Archidiakon von Nismes für den Bischof Pelagius. —
Phil. Labbe fand in einer Handschrift des Senators Cl. Hardj nach
Jaquintus von Coria die Worte: Stephanus in Christi Namen Presbyter,
Stellvertreter des Artemius, Metropoliten von Tarraco. Ln Ganzen wa-
ren 68 Bisthümer vertreten.
*) B. Geiger f 2, 266 — 68 »Verzeichniss der Namen der westgothischen Bisthümer
und ihrer Inhaber i. J. 589.
16 AchtM Bach. Zweites Kapitel.
Es fehlen o. a. die Bischöfe Severns von Malaga und Licinian von Gar-
ihagena, wohl desswegen, weil ihre Bisthümer noch in der Gewalt der
Orieohen waren. — Aus der Provinz Lusitanien sind anwesend die
BisohCfe von Face, Ossonoba, Lissabon , Salamanca, Coria, w&hrend
die Bisthttmer Lanigobriga bei Feira, und Aeminium, j. Agueda ein-
gqpangen oder verl^ worden. Das Bisthnm Avila — war damals wohl
noch unterbrochen. Man kennt von Prisdllian keinen Bischof bis auf
Justinian — 610.
Von den oben genannten Bisthümem von Braga (2, 464) fehlt das Bis-
tfanin Coimbra und Egidanna; von Lugos — das Bisthnm der Britonen oder
Britannier, das auf der Synode 4 von Toledo 633 vertreten ist — Ans der
ProvSns Garthaginensis mit 23 Bisthümem — sind 16 Bisthümer vertreten;
von damals sicher schon bestehenden fehlten Osma, Urci; und Complntanu
obgleich Johannes Bicl. zum J. 579 sagt : »Novell us, Bischof von Complutum,
blüht' Das Bisthnm war wohl gerade unbesezt^). — Aus der Provinz
TaMu!onensis fehlte Niemand; ebenso aus der Provinz Gallia.
üeber die Bischöfe von Toledo finden sich ungenügende Erörte-
rungen bei Agoirre, (der ihr 78 Unterschriften , statt 68, zuschreibt),
und bei Flores*). Lezterer hat unsre Synode nicht erklärt; Aguirre
hat zu den CSanones 11 und 12 mehrere Abhandlungen geschrieben, du
Uebrige kAum berührt'). — Zu Untersuchungen über die socialen Yer-
hSltnisse Spaniens, besonders der noch zu lösenden Aufgabe von den
Verdiensten der Kirche um die Milderung und Aufhebung der Sclaverei
bietet diese Synode den reidisten Stoff dar. — Ihre Akten sind sehr
gut angelegt und geordnet, hatten aber ein ihnen vorliegendes Muster
in den beiden durch Martin von^ Braga geleiteten Synoden. — Die i
Homilie Leanders von Sevilla^) über die Bekehrung des Gothenvolks
bildet den Schluss der vorliegenden Akten.
§. 2. Synode von Narbonne, J. 589.
Die Kirohenprovinz Gallien oder Narbonnensis des westgothischen
Reiches hielt noch in demselben Jahre 589, in genauer Erfüllung der
0 fhrex, 7, 179.
*) Fhrex, e, 189—156. — Aoeh bei BdfferUA, W.-Becht, S. 32—36.
*) A^wrref 3, 321-^372-* ConeiUim Ihleianum IIL — Tkjada jr Ramiro, QmaUo III
dt Tokth, 2 ,213-^260, giebt Auszüge aus Aguirre, — Ferrerat, 2, 314- 18, -
Hardum, 3, 467^4909g. - Mann, 9, 977-^1010. — Co, Lahbw-Vmeia, $, 694-^2,
— HefeU, 3, 44—49. — H. Geigtr, 2, 186—204 .Das ConcUinm- (mit Ans-
sehmfickangeii). — Modesto Lafuentef Hialoria general de Eaptumaf U 2, Madrid
1860, p. 9e0-e7, - ffelffenck, das Westgothen- Recht, B. 27— 46.
*) Frei übertezt von Oßiger, S. 202—4.
Synode von Narbonne 589. 17
anons 18 der Synode 3 von Toledo, ein Proyinzialconcil. „In dem
amen misers Herrn J. Chr., in dem vierten Jahre der glücklichen
egierung nnsers glorreichsten Herrn , des Königs Reccared y sind vnr,
jgetins etc., Bischöfe der Provinz Gallien , verlangend, die Beschlüsse
sr Concilien der heil. Väter der alten Zeit in der Furcht Gottes zu
3obachten, so wie es die heil. Synode, die auf Anordnung unsers glor-
ichsten Königs in Toledo stattfand, verordnete, am 1. November mit
ittlicher Hilfe in der Stadt Narbonne zusammengekommen. '^ Sie haben
iniges, was zu Toledo von Seite des Königs (der Kirche) zugesagt,
»er bis jezt nicht gewährt wurde, in Erinnerung gebracht, und einige
eiter nothwendige canonische Verordnungen festgestellt:
1) Kein Kleriker soll Purpurkleider tragen; diess passt für Mächtige
ur Erde, nicht für Religiösen^) (Kleriker und Mönche).
2) Bei jedem Psahne werde „Gloria patri« gesungen, die längern
salmen durch mehrere „gloria'^ — und Pausen unterbrochen (cf,
ToUk 15).
3) Unter canonischer Strafe soll kein Elleriker an den Strassen
ohnen, auf den Strassen stehen bleiben und plaudern.
4) Der Sonntag soll gehalten werden als Ruhetag, von Freien und
daven, Gothen, Römern, Syrern, Griechen und Juden; wer arbeitet,
»11, ist er ein Freier, dem Stadtgrafen sechs Solidi geben, der Sdave
»11 100 Streiche (flagella) erhalten.
5) Verschwörungen von Klerikern unter dem Schuze der Laien sind
ich Can. 18 des Conc. von Chalcedon verboten, auch Insulten niederer
3gen höhere ELleriker; Renitenten sollen in einem Kloster ein Jahr lang
osse thun.
6) Wenn ein Kleriker oder Honoratior der Stadt in ein Kloster
3rwiesen wird, so muss der Abt ihn aufnehmen und zu bessern suchen ;
eigert er sich, so werde er eine Zeit lang suspendirt, denn dazu ist
* aufgestellt, dass ^ bessere, nicht dass er reiche Mahlzeiten zu sich
shme. — (Abgesehen von dem Unpassenden solcher Auslassung würde
eher jeder Abt vorziehen, in perpetuum suspendirt zu werden, ab
Qchtmeister von Klerikern und Stadt- Honoratioren zu seyn.)
7) Jeder Kleriker, der gegen das Interesse der Kirche handelt,
erde abgesezt
8) Der Kleriker, welcher ohne Wissen des Bischofs etwas von dem
Ute oder den Häusern der Kirche wegnimmt oder betrügt, solle alles
^tten, und nicht mehr an derselben Kirche dienen; zwei Jahre soll
' in der Busse stehen, und dann erst seine Stelle zurückerhalten.
9) Die Juden dürfen nach alter Sitte bei ihren Leichenbeg^gnissen
cht singen; sonst müssen sie dem Stadtgrafen 6 Unzen Gold zahlen.
0 H. Geiger y Leander und Hermig^Ud, 1860, Z Tbl., S. 228.
Gamf, ■fftn« Kirche. II, 2.
18 Achtes Bach. Zweites Kapitel.
10) Jeder Kleriker muss in seinem Bisthum bleiben; sonst verliert
er sein Einkommen , und auf ein Jahr die Communio.
11) Kein Bischof darf einen Unwissenden (Htteras ignoranUm) weihen;
hat er schon die Weihe, so verliere er so lange sein Stipendium, bis
er lesen und seinen Dienst verrichten lernt. Bleibt er träge, so werde
er in ein Kloster gesperrt, ^^denn er kann das Volk nicht erbauen, wenn
er nicht liesf
12) Unter der Messe darf kein Priester oder Diener vom Altare
weggehen, kein Diakon, Subdiakön oder Lector darf die Alba ausziehen,
unter entsprechenden Strafen.
13) Der Subdiakon, Ostiarius und die übrigen Dieier sollen u. a.
den Aeltern den Vorhang bei den Thüren wegheben; die Diakonen,
welche sich weigern, verlieren ihr Stipendium, die übrigen sind za
geissein (ftctgrü co&rcendos).
14) Finden sich wahrsagende Männer oder Frauen in einem Hause,
welche man „Caragii^ [Cargaier')] oder „Sorticularü^ nennt, sei es eines
Gothen , Römers, Syrers, Griechen oder Juden , oder wenn Jemand sie
befragt, und es (sie) nicht öffentlich zur Anzeige bringt, so soll er nicht
blosa von der Kirche ausgeschlossen werden (suspendaturjj sondern auch
dem Stadtgrafen sechs Unzen Gold bezahlen. Solche Betrüger aber,
seien es Freie, Sclaven oder Mägde, sollen auf dem Pranger scharf
gegeisselt, verkauft, und der Erlös den Armen gegeben werden.
15) Wir hören, dass manche in heidnischer Weise den Donnerstag
feiern ; wer an diesem Tage, abgesehen von Festtagen, feiert, der werde
ausgeschlossen und thue ein Jahr Busse, wenn er ein Freigeborner ist:
sind es Sclaven, so erhalten sie hundert Geisseistreiche, mit der An-
zeige an ihre Herrn, sie zu überwachen.
Obige Canones geben einen Einblick in das sociale Leben der Zeit,
sie sind in schwerfälligem Latein verfasst, und erwecken theilweise ge-
gründete Zweifel an ihrer Zweckmässigkeit. Unterzeichnet sind: Ich
Migetius, in Christi Namen Bischof der Kirche von Narbonne, Labe
diese Constitutionen, über welche ich mit meinen Brüdern, wie es uo^
Gott eingegeben hat, übereingekommen bin, wieder gelesen und unter-
schrieben^); Sedatius (Sedatus) von Biterrae^); Boetius, der erste
bekaimte Bischof von Magalone, später Montpellier^); Pelagius von
*) CaraguSf Carajus-sortileyus, qui characleribus magicis utitur; ConeiL v, Auxerre c. l
— Vita Eligii a s. Äudo^o, l 2, 15 — cf. Ducange: Caragi, und die Stellen '
das., der e« aus dem AngeltftchaUchen (V5gelflu|^) herleitet.
*) Gaüia chrtstiana, provincia Narbonn., L 6 (P, 1739) , p. 11,
») p. 297.
*) Gall. chrut. p. 730^32,
Synode von Sevilla, 590. 19
Jismes'), Tigridios von Agde^), Sergis oder Sergiiu von CarcasBone *),
Lgripinus von Loteve*). — Sämmtliche Bischöfe zeigen ihre Anwesen-
eit za Narbonne durdh das Wort „mierfiä^ aa. Sie alle sind auf der
orhergehenden Synode von Toledo genannt, aber zwei derselben,
ioddos von Hagalone und Pelagius von Nismes, hatten wohl wegen
er grossen Entfernung Stellvertreter. Dagegen fehlte in Narbonne der
tischof Benenatus von EIna [St. Helena oder Perpignan^)].
§. 3. Synode von Sevilla, 590.
Die Akten dieser Synode, welche gleichfSftUs in Befolgung des 8yao4«
^anon 18 der Synode 3 von Toledo gehalten wurde, sind uns in Forms«vmü
ines Briefes an den auch in Toledo abwesenden Bischof Pegasius von " ''®*
Utigi erhalten, den wohl Krankheit oder Alter ferne hielt j^Dem
leiligen und mit Ehrfurcht von uns zu nennenden geliebtesten Bruder,
lern Bischöfe Pegasius, Leander, Joannes etc. — Wir, die wir uns in der
Jtadt Hispalis versammelt haben, begrüssen deine Helligkeit mit dem
jjfer der Liebe und wir bitten Gott, der uns durch dein Wohlbefinden
ind deine Anschauung (de aalute itia vel vitione) erfreuen mSge.
1) Ueber die vom Bischöfe freigelassenen Sdaven der Kirche. — ihrtOh
üs wir in der Kirche von Hispalis, genannt das heilige Jerusalem,
assen, haben uns deine Diakonen einen Brief (brevem sc. epittolam)
Iber die Sclaven der Kirche vorgelegt, welche dein Vorg^ger heiligen
Andenkens, Bischof Gaudentius, freigelassen hatte, wir haben dort nicht
>loss diejenigen gelesen, welche er freigelassen, sondern auch diejeni-
^, welche er seinen Anverwandten aus den Familien der Kirche ge-
chenkt hatte, fanden wir hier verzeichnet Darüber zogen wir die Be-
timmungen der Canones zu Rathe, ob eine solche Freiheit oder Ueber-
ragung Kraft haben solle. — Wir finden in dem Canon (c. 6 und 33
ron Agde 507), dass, wenn ein Bischof sein Eigenthum, mit Ausnahme
ler Söhne und Enkel, andern, und nicht der Kirche hinterlSsst, alles,
rras er von dem Gute der Eürche, entweder verschenkt oder verkauft
oder irgendwie der Kirche entzogen hat, ungiltig scyn solle. — Wenn
darum deine Kirche die Güter deines Vorgängers Gaudentius nicht be-
BOBes.
') NewtauMutf p. 429.
*) aach Nigriditu, Bygridiua genannt, p. 668.
») p. 864.
*) de chUaU LoUba, p, 528.
») Harduin, 3, 491-94. — Mmm, 9, 1013^19. — Agwrrt, (2, 385), 3, 272—75,
NotMf 275—77, der hier erzählt, daas er bei seinem Wege nach Rom im Mal 1687
hoeh in Narbonne gefeiert worden sei. — Oomc Lobbei-Nic. CoUti, t 6,
p, 726-^30; Tejada y Bamiro, 2, 693^98, — H^fky 8^ 60—51.
2*
vom Solde der Kirche lebt, und sein Eigenthum keineswi
schenkt, die Gaben Anderer der Kirche entziehe.
3) Da einige Bischöfe die Canones der 3. Synode to
nicht durchführen, in Betreff der Priester, Diakoaen
welche dem Zusammeo'wohnen mit fremden Frauen ode
licbkcit mit Mägden auf die Ermahnung des Bischofes i
so sollen die leztem (die Mägde) die Richter mit Gei
Bischöfe ergreifen, und als Eigenthum besizcn; jedoch u
eines Eides, sie auf keine Weise an die Kleriker surückz
sie es dennoch, so werden sie excommunicirt Jene Fram
nach den frlihern Canones'J zum Dienste in die Klöster
der Erlös an die Armen vertheilt Das Protokoll ist vom 4.
— Da nach Canon 18 der Sjnode 3 von Toledo die
1. November zusammentreten sollten, so scheint unsre t
gedauert zu haben'}. —
A<ht Unterschrieben ist 1) Leander, Bischof der heiligen I
■chrit ^'^i ^) Johannes von Egabra, der zu Toledo als der neu
tH. schrieben, 3) Agapius von Corduba, der neunnndzwanzif
4) Stephanus von Elvira, zu Toledo der dreissigste, 5) BasiJ
der neununddreissigste zu Toledo, 6) Velatus von Tucci, v
undfQnfzigste , 7) Sintirius von Italica, dessen Vorg^ngej
einundvierzigste in Toledo, in der Zwischenzeit wohl n
gangen war.
Als Iczter uid achter unterschreibt Petrus, Bischof c
Aeci, dessen Vorgänger Lilliolus im J. 589 — (als 51.)
Synode von SeTilla, 590. 21
latte. Wie kommt dieser , falls die Unterschrift Seht ist, in eine ihm
remde Provinz? Da er ohne Zweifel fireiwillig kam, so konnten ihn
[ie Bischöfe von Bätica nicht wohl ausschliessen. Ein Hauptgrund sei-
ler Gregenwart war aber vielleicht der Umstand, dass aus der Eirchenpro-
ins von Carthaginensis eine Synode nicht zusanmienzubringen war. JSine
.Ite und geheiligte Verbindung bestand ohnedem zwischen den bätischen
Circhen und der Kirche von Acci. — Diese Verbindung ist wol be-verh&it.
onders innig zwischen den beiden Kirchen von Acci und Elvira. — ButbA.'
)er Bischof Lilliolus von Acci weihte nach einer erhaltenen Inschrift "J^J|
ilnde des Januar, im achten Jahre Reccareds imd Aera 632 (594) die ^*^^^
Cirche des heil. Vincentius, des Märtyrers von Valencia. Aera 616 (677)
v-urde, vielleicht von demselben Bischöfe, die Kirche des hl. Johannes
iaptista geweiht Endlich wurde ^ln dem Namen unsers Herrn Jesus
!3hristn8 consecrirt die Kirche des heil. Stephanus, des ersten Märtyrers,
in dem Orte Nativola (in lacum NaUvola), von dem heil. Paulus, Bi-
ichof von Acci, im (?) Jahre unsers Herrn des Königs Witterich. Diese
Irei Heiligthümer (tabemaeula) wurden zur Ehre der Dreieinigkeit un-
er Mitwirkung der Heiligen erbaut von dem erlauchten Gudila, mit
(einen eigenen Arbeitern und auf eigene Kosten^ ^).
Diese Inschrift befindet sich in der äussern Mauer der Ejrche
3. Maria del Alhambra in Granada, und ich glaube, dass diese Kirche
3ine der drei obigen Kirchen, wahrscheinlich die des heil. Stephanus
ist ^^Die Inschrift, offenbar gesezt kurz ehe Paulus die Stephanskirche
einweihte (unter Witterich 603 — 610), erwähnt bei dieser Gelegenheit
swei ältere Einweihungen, die der Johanneskirche vom J. 677, und die
1er Vincenzkirche vom J. 5W ^). — In dem Orte Nativola waren in
3inem Zeiträume von etwa dreissig Jahren drei Kirchen gebaut worden ;
1er Erbauer Ghidila war wohl ein reicher Grundbesizer. —
Wer war der Ort Nativola? Florez sagt, dass Bischof Lilliolus mit Der on
Einwilligung des Bischofs Leander zur Weihe der Kirche berufen wor- ^oiÜ.
len^). Hühner meint, dass der locus Nativola zur DiOcese von Acci,
lem Bergdistrikt der Sierra Nevada, gehörte, dass das Bisthum Elvira
sieh wohl auf die Vega des Flusses Jenil beschii&nkt habe. Ich glaube.
■) Ha€c saneta tria tabemaeuh — in gloriam TriniiaH» — eokoperagitSb, Sei», aßdißcä
sunt ab tnL Oudüa cum optrarioB vemoht ßt twi^tu proprio,
^ Theod. Momwuon za den Berichten Bmä HfÜmn't — in den Monatoberichten der
Berliner Akademie, J. 1861 -- Berl. 1862, S.25. -* Die Inschrift steht bei
P^axa — Eutoria oeksiäniea — d$ OroM/da, 1638; bei Ftormt^ 7, 33—85 (Bis-
tham Acci), (nicht bei Masdeu^ t,9 — Coieeeion tU Idpideu y medaüas del Hempo
de Joe Oodoe y Arabes)^ und nenestent In der Sammlung des Emä SUbner,
p. 24-26.
') weil damals der Siz von Elvira durch den Tod des Stephanns erledig gewe-
sen, 12, 154, was ich nicht zugebe.
22 AchteB Bach. Zweites Kapitel.
dass der Ort Nativola eine Art Vorstadt von Elvira gewesen , dasa es
verkürzt Nata geheissen, und dass Kamatlia (= Granada) oder das Schloes
von Nativola eben seinen Namen von Nativola habe. Femer , dass der
Ort Nativola zum Bisthum von Elvira gehört, dass aber die Bischöfe
Lilliolus, und der nur hier genannte Paulus wegen der geschichtlichen
Verbindung zwischen der Kirche von Acci und von Elvira zur "Weihe
eingeladen worden. — Denn bei Montanus und seinen Ansprüchen
handelte es sich um das erledigte Bisthum Palentia'). — Bei der grossen
Anzahl der damals gebauten Kirchen wäre es für einen Metropoliten
unmöglich gewesen, alle Kirchen seiner Sufi&aganbisthümer zu weihen.
Als regelmässiger Consekrator ist der jeweilige Diöcesanbischof anza-
nehmen.
Allein wenn Bischof ^Liliolus im J. 594 noch eine Kirche einweihte,
wie konnte er schon 590 einen Nachfolger in der Person des Petrus
haben? Die Lesart ^etmja eccUsiae Aceitanae ist nicht zu bestreiten.
Ebenso erscheint auf der Synode von 589 zu Toledo der Bischof Ste-
phanus und der Bischof Petrus mit der Unterschrift : EccUHae lUberitanoL
Aus diesem Anlasse glaubt Florez, indem er die Lesarten Elvira und
Acci auf die Rechnung der Abschreiber sezt^ ein zeitweiliges Bisthum
Abdera (Adra) annehmen zu sollen^ dessen einsiger uns bekannter Bischof
Petrus gewesen wäre. — Die Frage bleibe künftiger Forschung anheim-
gestellt >).
§. 4. Zweites Concil von Sarogossa, 592.
Conen Am ersten November des Jahres 592 (Aera 630), im siebenten Jahre
^osJlides Königs Reccared und mit seiner Erlaubniss hielten die Bischöfe der
*'*• Provinz, Tarraconensis ihre Synode in Saragossa. Sie verfassten nur
drei Canones:
1) Die vom Arianismus bekehrten Priester und Diakonen können,
wenn sie den Glauben und die Keuschheit bewahren, wieder geweiht
werden.
2) Reliquien y die sich in den Kirchen der Arianer finden, solleo
den Bischöfen überbracht und verbrannt werden, wer sie verbirgt, soll
ausgeschlossen werden.
3) Wenn frühere arianische Bischöfe vor ihrer eigenen Reordination
Kirchen einweihten, so bedürfen letztere einer neuen Weihe. —
Da diese Beschlüsse das Datum des ersten November tragen, so m^
die Synode nur einen Tag gedauert haben ; und man kann annehmen, da^s
die Bischöfe zugleich ein anderes kirchliches Fest begiengen, vielleicht
'J K.-G., 2, 449--451.
^) Flortz, do la Igluia dt Abdera, L 10, 1—14.
Zweites Cooeil von Saragossa , 592. 23
eine Ejrchen- oder Bischofiiweihe. ünierzeichDet ist Artemius^ Metro-
polit der Pjroyinz*). Es folgen eilf Bischöfe ohne Angabe ihrer Size,
und 2wei Stellvertreter von Bischöfen. Die Size sind aber grossentheils
ans der Synode 3 von Toledo und der Synode 2 von Barcelona zu ent-
nehmen. 1) Sophronius war Bischof von Egara; 2) Stephan Von Tarra- i% vm-
sona; 3) Julian von Dertosa; 4) Simplicius von Urgel; 5) Asterius von Mhrif.
Oca; 6) Mnmias oder Munimius von Cala&orra; 1) Liliolns von Pam- ^°*
pelona; 8) Magnus, vielleicht Maximus, von Saragossa; 9) Johannes (von
Bidaro, aus der Synode 2 von Barcelona 699 bekannt); 10) Galanus
von Emporias; 11) Julian von Lerida, welch leztere Beide vielleicht bei
diesem Anlass geweiht wurden. — Der Diakon Antedius unterschrieb
für den Bischof 12) Gavinus von Osca, der Diakon Stephan f&r den
Bischof 13) Aquilinus von Ausona. Fast sämmtliche uns bekannte Bi-
schöfe der Eirchenprovinz — waren auf der Synode vertreten. — Doch
scheinen die Bischöfe nicht genau nach der Zeit ihrer Ordination unter-
zeidinet zu haben.
Der mehrgenannte Bischof Ugnas von Barcelona, und Froisclus von
Dertosa, beide fiühere Arianer, sind nicht unterschrieben, sei es, dass
sie nicht anwesend waren, sei es, dass ihnen die Beschlüsse gegen die
Arianer zu hart schienen^).
§. 5.
Nach dem obigen Concil sezte Loaysa, der erste Herausgeber deroe steo
spanischen Concillen, ein Actenstttck m. d. T. „de flseo Barcinonensi,' ^^ll,
welches die Unterschrift des Metropoliten Artemius, und dreier Bischöfe, •*•
des Sophronius (von Egara), des Galanus (von Emporias), und des Jo-
hannes (von Gerunda) trägt, als Datum aber den vierten November 592.
Man kann annehmen, dass die übrigen Bischöfe schon abgereist, oder
bei der Sache m'cht betheiligt, während die drei Unterzeichneten Nach-
barbischöfe von Barcelona waren. Der Brief ist „an die erhabenen und
grossmächtigen Söhne oder an die Brüder Fiscalbeamten^ (fratres numt-
rarii) gerichtet. Die Addressirten hatten durch Scipio, den Comes Patri-
monii, ihre Bestallung erhalten, und von den Bischöfen der Sitte gemäss
ihre Genehmigung in Betreff der von ihnen (den Bischöfen) verwalteten
Territorien nachgesucht. Diese wurde ihnen ertheilt, unter dem Beding,
dass sie, ihre Agenten oder Gehilfen für jedes ordentliche Maass Ge-
treide (modio cananico) vom Volke 8 Siliquen (kleine Münzen), für ihre
•) Fhrez 25, 78-81.
«) Affuirre, 2, 414 (3, 302-3). - Harduin, 3, 534. - Mann, 10, 471—72. -
NicoL CoUä, 6, 1331. — Bntiut, 2, 64-65. - Tejada y Ramiro, 2, 128-31.
- Ftmras, 2, 321. — FUnrez- Bisco ^ 30, 239—43. — He/ele, 3, 53.
24 Achtes Buch. Zweites Kapitel.
Mühewaltung 1 Silique^ für den unvenneidlichen Entgang oder (und)
für den Handelsgewinn aus den Naturalien — 4 Siliquen beziehen dürfen,
was zusammen 14 (vielmehr 13) Siliquen ausmacht Von der Gerste
sollet weder ihr noch eure Agenten neben dem erlaubten Maasse Wei-
teres verlangen oder wegnehmen. Wer dagegen handelt, wer an Natu-
ralien nicht einliefert y was sich gebührt , an dem [soll sich der Fiscus
schadlos halten. Wenn abeif eure Agenten zu viel verlangen, so müsst
ihr es zurückerstatten.
Die Synode 3 von Toledo hatte besonders in Can. 18 den Bischöfen
über die Richter eine Art von Aufsicht und Strafgewalt eingeräumt
Nach unserm (vereinzelt dastehenden) Aktenstücke hatten die Bischöfe
auch eine Art Aufsicht über die Finanzbeamten, offenbar zum Schuze
des Volkes gegen Erpressungen. — Das Patrimonium ist im Allgemei-
nen der Staatsschaz oder der Fiscus. Der Comes Patrimonii ist der
Finanzminister*). Das Amt eines Procurators Patrimonii erscheint schon
im J. 357 in Spanien, (K.-G. 2, 293 — 94). Er sezt seine Unterbeamteo,
seine Numerarii^) oder Einnehmer in den einzelnen Städten ein. Sie
dürfen von jedem Maass^) Frucht 13 Sih'quen^) einziehen; acht für den
König aus dem Bruttowerth der Frucht und vier aus dem Zwischen-
handel mit derselben, eine far sich selbst, worin wahrscheinlich ihre
Besoldung bestand. Von der Gerste dürfen sie mehr nicht nehmen, als
von jeder andern Gattung. Gegen die Säumigen in Entrichtung ihrer
Abgaben darf der Fiscus einschreiten.
Der Solidus war regelmässige Kaisermünze, oder römische Gold-
münze. Von Kaiser Julian an trat die Siliqua als Scheidemünze, der
24. Theil eines Solidus, ein ; (der Solidus ist ^^j des Pfundes, die Siliqua
ist yVtb" ^^ Pfundes). Die Siliqua war, neben dem Solidus, die stehende
Rechnungsmünze im 5. und 6. Jahrhundert*). Der Text imsres Akten-
stückes ist mehrfach verstümmelt, und undeutlich. — Es ist möglich,
0 üeber ihn v. Concil. 12 und 16 von Toledo. — Lex Vistgothontm, Hb, 2. tu. 26.
Üb, 12. Ht 1. §. 2. —
*) Numerarii vocati sunt, qui publicum nummum aerarüs inferuntf Isidor. etym. 9, 4. —
*) Isidor. 16, 26 — Modius est — mensura librarum 44, i. e. sextariarum 22,
^) 16, 25 SiUqua viffesima quarta pars solidi est, ab arborts semine vocabukan tauns.
•) Ueber die SiUgua s. Th. Mommsen, Geschichte des römischen Münzwesens,
Berlin 1860, S. 787, 791, 796. — Griechische und römische Metrologie von
Friedr. ffuUseh, Berlin 1862, S. 249 — 50 flg.: Die Siliqua nebst ihrer HÜfle,
beide allerdings in stetig sinkendem Gewicht ausgeprägt, bleiben das haupt-
sächliche Silbergeld des Reichs, dienen aber, wie ihr verhältnissmässig seltenes
Vorkommen zeigt, nur als Scheidemünze, um kleinere Beträge in Zahlungen
darzQstellen." Momnuen und HuUkK handeln auch ausführlich über den (Gold-,
Silber- und Kupfer-) Follis (K.-G. 2, 137). — Lex Visigoth. XII, tit. 2, L 1. -
Affuirre, 3, 304. — Fhrez, 29, 281S2. Florez-Risco, 30, 240-43.
f. 6. Die Synode sa Toledo yom J. 597. 25
188 nur obige vier Bischöfe anterzdcbnet ünif weil der Bezirk der
umerarii von Barcelona nicht weiter als über daa Gebiet der fünf Bis-
lümer von Tarraco, Barcelona, Sgara^ Girona und Emporias reichte.
•
§. 6. Die Synode zu Toledo vom J. 597
eht nicht in der alten spanischen Conciliensammlung. Es war wohl 8yao4«
ine berufene Synode , sondern eine Versammlung einer Anzahl vonxoM«,
ischöfen, welche aus einem andern Anlasse in der königlichen Stadt '*'*
iBammengekonmien waren, und diese Versammlung zur Festsezung von
irei Ganones benüzten. jjm Namen des Herrn , die Constitution einer ^
jnode Yon 16 Bischöfen, welche in der Stadt Toledo, in der Kirche
Br Apostel Petrus und Paulus, am 17. Ifai, im 12. Jahre Beocared^s,
ch versammelten.
1) Die Bischöfe sollen nicht nur selbst keusch leben, sondern auch
61 den Priestern und Diakonen dafür sorgen. Fehlende sollen in ein
ioirektionshaus kommen (elawtro eotuepius),
2) Die Bischöfe sollen Kirchengut nicht an sich ziehen; was ein
Vohlthäter gestiftet hat, das soll ein Priester, Diakon, oder wenn die
linkünfte nicht reichen, ein Ostiarius gemessen, der in jeder Nacht die
achter vor den Reliquien anzünde, und die Reinlichkeit erhalte.
Es unterschrieben 1) Massona von Merida; 2) Migetius von Nar- uattr
oxme; 8) Adelphius, wohl der Nachfolger des Euphemius, von Toledo, *{^
rei Metropoliten; 4) Motto (Mutto) von Saetabis, bd^annt vom Jahre 589;
) ebenso Petrus von Ercavica; 6) Asterius von Oca, gleichfalls; 7) Eleu-
lerius von Corduba, wohl Nachfolsjar des Agapius I. vom J. 590^);
) Johannes von Auxuma; 9) Johanw von Gerunda; 10) Baddo von
ürira, von dem Florez annimmt, dass er im J. 594 Bischof geworden;
1) Licerius von Idanna, dessen Vorgänger Commundus vom J. 589 nur
i einem Pariser Codex steht; 12) Laurus von Pace, Nachfolger des
^ahnatius; 13) Genesius von Magalone, der im J. 589 als Vertreter sei-
es Bischofs Boötius unterschrieb; 14) Stephanus von Oretum, dessen
orgttnger Andonius im J. 589 der drittälteste Bischof gewesen; 15) Jo-
mus von Elbora, von welcher Stadt im J. 589 kein Bischof nach Toledo
ekommen war. — Zu der Zahl von 16 fehlt indess noch ein Name. —
Die Kirche der Apostel Petrus und Paulus war wenigstens damals
tcht Kathedrale von Toledo; am 13. April 587, an einem Sonntage,
urde vielmehr, nach einer im J. 1591 aufgefundenen Inschrift an der
adiedraley die Kirche der heiligen Maria zu Toledo eingeweiht, im
sten Jahre der Regierung des Königs Reccared^). Die grosse yierte
') Flortz, 10, 227.
») Fhrez, 2, 25^26. — 5, 196; 215 (mit einer AbbildaDg der S&oie, auf der die
Inschrift steht). - K..G. 1, d39--343.
26 Achtes Boch. Zweites Kapitel.
Synode von Toledo wurde in der Earche der heiligen ^Blartyrin" Leo-
c&dia gehalten, und ebendort die folgenden Synoden*). — Florez möchte
gegen Ferreras unsrer Synode den Namen eines Nationalconcils vindidren.
— Ich halte sie, wie gesagt, für eine gelegentliche kurze Versammlung
einer zufälligen Anzahl von Bischöfen, die aus einem anderweitigen An-
lass sich in Toledo eingefunden, und finde eine Bestätigung darin, dass
diese Synode in der Sammlung water die Concilien von Toledo nicht
eingereiht ist
§. 7. Die Synode zu Haesca (Osca) vom J. 598
8yBo4t triigt keine Unterschriften, und steht nur in dem Codex Aemilianensis'i.
o^cm, Alle nicht genannten Bischöfe traten zusammen in dem Concil von Osca,
*•*' und beschlossen
1) Jeder Bischof soll jährlich alle Aebte der Klöster, alle Priester
und Diakonen seiner Diöcese am geeigneten Orte versanuneln, ihneB
Vorschriften des Lebenswandels und der Kirchenzucht geben, — 2) und
floU genaue AuiGsicht über den Lebenswandel, besonders die KeuschLcit
und den guten Leumund derselben, führen^).
§. 8. Die Synode 2 von Barcelona*) vom J. 599
8yso4« fand statt an dem vorgechriebenen ersten November, im 14. Jahre des
alte«. Beccared. Die Bischöfe der Provinz Tarraconensis versammelten sich in
'^*^; Barcelona, in der Kirche des heiligen £j*euzes [und der heiligen Eola-
lia^)]. Sie beschlossen:
1) Die Ordinationen sollen unentgeltlich seyn.
2) Ebenso die Vertheilung des Chrisma an die Presbyter, für die
Firmung (s. dagegen Synode 2, c. 7 von Sevilla).
3) Die Bischöfe dürfen nur nach vorgängigem allmäligen Empfange
der verschiedenen Weihen ordinirt, also sollen Laien nicht Bischöfe
werden. Klerus und Volk soll dem Metropoliten und den Mitbischr»feii
zwei oder drei Candidaten vorstellen, und, nach vorhergegangenen Fasten
der Bischöfe, soll dos Loos entscheiden. Sonst verlieren Weihende und
Geweihte ihre Stelle.
/ /
s<>
») c/. Aguirre, t. 2, 416 (t. 3, p, 304—5). ITardum, 3, 535—36. — Mansi 10, 4
— Ferrertu, 2, 327 - 28. - Florez, 6, 156—60. — Brun$, /, 219— 2ii.
He/eU, 3, 55.
*) Die Aechtbeit wird aber verbürgt durch die Synode von Egara im J. 614
>) Affuirre, 2, 417 (3, 306). — Uarduiriy 3, 535. — Mansi, 10, 479-82. - Coli"-
Labbeo-Veneta, 6, 1338.— Ferreras, 2, 328-29. - Tejada y Riimiro, 2, 699 J'"'-
- Bruns, 2, 65-66. — ffe/ele, 3, 55.
*) ». K.-G. 2, 437-38.
*) K..G , 1, 317-18.
J. 8. Synode voa BakwUoiMi^ St9. 2T
4) Wenn eine Jungfrau frei-willig den Schleier iiimmM), und be-
ständige Keuschheit gelobt , oder «wean Jemand von dem Bischof die
Handeauflegung der Busse übernimmt , der soll, im Falle seiner Ver-
beuratiimig, derart excommunicirt werden , dass er auch den Trost der
Ansprache nicht mehr erlange.
Es unterschrieben: 1) AsiaticuSy Bisdiof der MetropolhSanstadt Tar- üatg»
raeo^, weldier nur hier erwähnt wird| und der ohne Zweifel Nachfbi- i
ger des Artemius war ; 2) ügnus (sonst ügnas) , Bisehof von Barcelona,
dessen aufrichtige Bekehrung vom Arianismus ihm alle Ehre macht, und '
welcher, da er schon im J. 689 unter 66 Bischöfian als der älteste unter-
seichnet, (wenn ihm nicht ein Ehrenrang eingerilumt wurde), auch hier
om so mehr als der älteste suerst unterseichnel*); 8) Simplicius, Bischfif
Ton Uigel, dem wir schon cwdmal begegneten; 4) Aquilinus r^
Ausona, ebenso^); S) Julian von D^rtosa, ebenso*); 6) 7) Ebense
Mnmins nm Gahhorra;'und 8) Galanus von Emporias; 9) der befcanntb
Doppelbischof Freiseins von Dertosa; 10) Johannes, von Bidaro, der
sich als Sünder von G^runda beseichnet^j; 11) Maaumus, Diener der
Kirche von Saragossa, dem wir bis jext einmal (doch nicht unbestreif^
bar) b^^egneten'); 12) Amelius yon Lerida» wohl Nachfolger , des Julii^
nus Ton 692'); 13) endücfa Uergius von Egara, wdcber im J. 610 nodi
Bischof war^). Von den jenseits Saragossa gelegenen Bisthfimem war
nur Calahorra vertreten; es fehlen die Unterschriften Ton Ptenpeloi%
Osca, Tarrasona und Oca. Es ist nicht unwahrscheinlich , duss Äe vier
abwesenden Bischöfe im J« 696 ku Huesea anwesend waren , tmd (oder)
sich durch ihre weite Entfernung entschuldigt glaubten.
Die gewandte, selbst merliche Sprache dBeser Synode, sowie einige
an die Chronik des Johannes von Biclaro mahnende Ausdrücke legen
die Vermuthung nahe, dass derselbe das Protokoll der Synode von 599
geführt habe'^^).
') si gtta — abjecta laicali vßsU, deoolantm more induta.
«) Ibres, 25, 81-82,
*) Floreg, 29, 124-28, Sein Alter erkl&rt vielleicht sein Wegbleiben von der Sy-
node ZQ Saragossa 092, nnd den Zusammentritt der Synode von 599 gerade - in
der Stadt Barcelona.
*) Florez, 28, 55-56 (B, Vieh),
») Fhrez- Bisco, 42, 83—84. — Julian hatte im J. 589 nach, im J. 592 vor Sim-
plicins nnterzeichnet
•) Ftarez'BüeOy 43, 49-58,
») Florez-Bisco, 30, 138-40,
^ Fhrez-Canal, 46, 103—4,
•) Florez-Bisco, 42, 191-^5.
»•) Ägwrt, 2, 418 (3, 306-9 - Exearse gegen B, Higuera). — Harduin, 3, 537—38,
— Ferreras, 2, 329-30. - CoOsct. C. Lahtm-Veneta, 6, 1339-40. — Mansi,
10, 480—84. — Püjadss, Coromea wUoßnal de — Cathaha^a, 1609, Hb, 6, cdp. 79,
AehtM Buch. ZweitM Kapitel.
§. 9.
WwMi Wir werden uns in der Annahme nicht irren, dass die angeführten
87110. (Toncilien von Ö89 bis 699 eine Folge der Verordnung des 18. Canon
«M* der 3. Synode von Toledo waren'). — Die schnellen Franzosen in der
'^^^ Provinz Narbonne hielten ihre Synode zuerst, und früher, als der Wort-
^ laut der Verordong rerlangte. Zur rechten und zur gemessenen Zeit
^•▼iB> hielt Leander von Sevilla seine Synode. Die Tarraconenser kamen spä-
ter, aber, wie auch früher in Abhaltung von Synoden, sie übertrafen
und überflügelten die übrigen Eirchenprovinzen. Aber wie erklärt sich
die auffidlende Ehrscheinong, .cUss in den drei übrigen Provinzen keine
Synoden stattfanden, da die Versammlung von 597 zu Toledo in jedem
Falle keine Provinaialsynode war? Dass es an Eifer und an gutem
"Willeii nicht gefehlt, dafttr bürgt allein der Name des ehrwürdigen
Massona.
Aber sachliche ffindemisse standen im Wege. Der Ifetropolit von
Toledo konnte seine Bischöfe nicht zusanmienrufen, weil er bis jezt nur
Metropolit von Carpetanien gewesen war und seine Anerkennung von
der ganzen Provinz noch nicht zu erreichen war. — Die Metropoliten
von Lusitanien und Ghdizien aber lagen im Streite über die Zugehörig-
keit der Bisthümer Coimbra, Egidania, Lamego, Viseo, vielleicht auch
Abila und Salamanca, ein Streit, der erst sehr sp&t unter und durch
König Receswinth zu Gunsten von Emerita, wie wir glauben, mit Becht
entschieden wurde. Denn die Auflösung des Suevenreiches liess diese
Bisthümer wieder in ihren alten Verband mit der Provinz Lusitanien
zurückkehren. So aber, und vor Ausgleich des Streites fand weder in
Galizien noch in Lusitanien eine Synode statt; Massona aber musste
sich begnügen, seinen guten Willen durch die Versammlung des Jahres
597 in Toledo zu bekunden.
— Flarez, 29, 282- 84. — Tejada y Ramiro, 2, 690—^2, — JBniiM, 2, 66—67.
— a/eU, 8, 55—56.
') Anders JBorofiiau lom J. 599, nr. 23, and nach ihm Äguirrt,
Drittes Kapitel,
Gregor der Grosso im Verkehre mit SpaiieE Seile LegtteB
laselbst htuitt von Sevilla; seiB Bnder FilgeBtiiu ud seile
Sdiwester Ftorentina. FlaviiB Reeetredis Piis.
Am 3. September des Jahres 690 wurde Gr^gorius L als Papst oon-
)ecrirt; mehr als ein Jahr nach der dritten Synode Ton Toledo. — &
antwortete dem Leander von Sevilla auf einen uns nidit erhaltenen Brief
im Mai 691: ^Gregor dem Leander Bischof von Hispalis.*' Ueberbür-
long mit Arbeiten tmd Sorgen haben die Antwort yerzSgert Er redet ^
Eiachlässig den an, welchen er innig liebt Er freut sich über die Be- »
kehrung des ruhmreichen Königs Beccared, über dessen Qiarakter und
Wandel Leander ihm geschrieben hatte. Leander möge ihn femer zxxta
Guten leiten. Er geht über zu der Frage über die dreimalige Unter-
tauchung bei der Taufe, welche Uebung er auf die drei Tage des Be-
gräbnisses Christi zurückführt Wolle man sie von den drei göttlichen
Personen ableiten , so genüge desswegen auch eine üntertauchung we-
gen der einen göttlichen Substanz. Bei dem einen Glauben schaden .
verschiedene Gebräuche nicht. Wenn Eezer dreimal xmtertauchen , und )
die Gottheit trennen, so empfehle sich in Spanien die einmalige ünter-
tauchung*). Er übersendet ihm, d^n er mehr als die übrigen liebt, seine
Homilien zu dem Buche Job, genannt Moralia, welches Werk er ihm
gewidmet hat Das Werk aber war noch nicht Yollendet, und der Trä-
ger /der Briefe . und Codices hatte Eile. Er sehe den Leander immer
gegenwärtig vor sich, denn sein Bild sei eingedrückt seinem Herzen').
— Isidor von Sevilla erwähnt, den Brief des Leaiiders an Gregor,
ohne Näheres darüber mitzutheilen (de viris illustr. cp. 41 — ad Papam
Gregorium de baptismo unam).
«) c/. Cancü, 4 ToleL c. 6,
') Orej^om epUiol, 1, 43, ed. BeMdkL 1705. ^
I. Mo-
nilia.
30 Achtes Buch. Drittes Kapitel.
j,Gregor hat (sagt derselbe Isidor cp. 40), auf dringendes Bitten des
Bischofs Leander, das Buch des seh'gen Job in mystischem und morali-
schen Sinne erläutert, und die ganze prophetische Geschichte in 35
Büchern im reichen Strome der Beredtsamkeit erklärt. Wie viele Ge-
heimnisse der Sakramente darin erschlossen, wie viele Vorschriften über
die Liebe zum ewigen Leben gegeben werden und alles dieses in dem
grössten Reichthume der Sprache, das wird kein Weiser darstellen
können, auch wenn alle seine Glieder in Zungen sich verwandelten.
Er schrieb auch einige Briefe an den erwähnten Leander, von denen
einer zu den Büchern über Job die Vorrede bildet, ein anderer handelt
von der Untertauchung bei der Taufe, worin er u. a. sagt: In keiner
Weise kann es tadelnswerth seyn, das Kind bei der Taufe zu unter-
tauchen, sei es einmal oder dreimal, da bei der dreifachen die Dreiheit
der Personen, bei der einfachen die Einheit der Trinität bezeichnet
seyn kann.*
vomte Der Brief oder die Vorrede zu den Moralia trägt die üebersehrift:
^iT'dJüDei^ ehrwttrdigatan and heiligsten Bruder, dem Mitbischofe Leander,
Gregorius, Elnecht der Elnechte Gottes. Schon seit langem habe er als
Apocrifliarius des apostolischen Stuhles in Constantinopel ihn kennen ge-
lernt, und bei ihm über sich selbst geklagt, über seine sich versö-
giemde Bekehrung (aus dem Welt- in den Ordensstand). Er habe es
nicdit über sich gebracht, sein leibliches Gewand zu ändern. Endlich
^ aei er in den sichern Hafeo des Klosters geflohen, um der Welt und
4. allem Weltlichen, wie er damals geglaubt, zu entfliehen, sei aber, un-
ter dem Vorwand der kirchlichen Ordnung, wieder in das weite Meer
zurückgekehrt Das Priesterthum und zudem die Hirtensorge sei ihm
auferlegt worden. Seine Mitbrüder, und Leander vor allen, hätten in
ihn gedrungen, das Buch des Job zu erklären, in historischem, allego-
rischem und moralischem Sinne. So sei das Werk in 35 Büchern (volu-
nUnaJy und sechs Codices (Theilen) vollendet worden. Gicht, Magen-
schwäche und Fieber haben ihn stets bedrängt und verhindert. Selbst
zerschlagen habe er den zerschlagenen Job erklärt. Uebrigens habe er
die Aussprüche des göttlichen Wortes auch nicht durch die Regeln des
Donatus binden wollen. Er bediene sich, nach der Uebung des aposto-
lischen Stuhles, sowohl der alten als der neuen Bibelübersezung (L e.
der vetuB Itala und der Versio des Hieronymus) ^).
Brief ■■ Im Juli des J. 696 übersandte Gregor dem Leander seine Bücher
^vö» "über Job und seine Pastoralregel ^). Li seinem Herzen könne er lesen,
J. fifffi. ^^ ^^ i^ Gregor liebe. Weil er aber den weit Entfernten nicht
') Ortgor, praefat. in Job, sive ^isL ad Leandrum — ccqnL 5 ap, Agmrrt^
3, 287-91.
«) Qrtg. «p. 5, 49. — Aguirre, 3, 287.
Gregor der Grosse im Verkehre mit Spanien. 31
lehen könne , so sendet er ihm das Buch von der Hürtenregel; das er
m Anfange seines Pontificates verfasste , und die schon längst geschrie-
)enen Bücher über Job, durch den Priester Probinus. Jedoch fehle der
Iritte und vierte Theil, weil er dieselben an Klöster hinausgegeben^
Im J. 649 oder später machte Bischof Tajo von Saragossa eine Reise
lach Rom, um die fehlenden Theile der „Moralia zu Job'' za suchen.)
Im August 599 richtete Gregor drei Briefe nach Spanien. Er ant- Britf
üTortet auf einen Brief Leanders, der den Papst und alle Anwesenden jTm,
gerührt hatte. Der Papst lehnt das ihm gespendete Lob ab. Die welt-^^^
ichon Anliegen und Arbeiten hätten sein geistiges Leben sehr gesclü^ ^^
ügt Die Gicht, über die Leander klagte , seze auch ihm zu. j^Zudem ^**-
tiaben wir aus dem Segen des seligen Petrus, des Fürsten der Apostel,
Euch das Pallium übersendet, das nur bei der Feier der hl. Messe zu
gebrauchen ist^^).
Einen langem Brief sandte j,Gregorius dem Beccared, dem Könige Bri«faa
der Westgothen.^ Durch ihn sei das ganze Volk der Gothen von derrti.'m.
Arianischen Häresie zu der Festigkeit des wahren Glaubens gefUhrt
worden. Stets rede er vor den Seinigen von diesem grossen Werke;
er klage sich selbst der Trägheit an, da er nichts Aehnliches vollbracht.
Seine Geschenke habe der selige Petrus mit Freuden angenommen.
Wer zuvor so viele Seelen gewonnen, von dem nehme er auch an das
Grold. Die früher gesendeten Aebte — seien, nach seinem BerichtCi
durch das ungestüme Meer zur Bückkehr ||^ch Spanien gezwungen wor-
len. Aber sie seien zum zweiten Mal gesandt, an ihr Ziel gelangt. Der
erwähnte) Priester Probinus habe ihm erzähjti dass Beocared ein Gesez
n Betreff der Juden erlassen, deren Gold ihn nicht vermocht habe, es
surtickzunehmen. Gott müsse man nun für Alles preisen, aber den
Nachstellungen des alten Feindes durch Demuth, Reinigkeit und Sanft-
nuth entgegentreten. Er sendet ihm Reliquien, ein Stück von der Hals-
kette des Petrus vor seinem MartyriauL Ein Elreuz gebe er dem Ueber-
>ringer, worin eine Partikel vom Kreuze Christi sich befinde, Haare
T^on Johannes dem Täufer, .damit er durch seine Fürsprache stets der
Elilfe Christi sich getröste. „Unserm ehrwürdigen Bruder und Mitbischofe
Leander aber übersenden wir das Pallium vom Size (Grabe) des seligen
Apostels Petrus, was wir dem alten Gebrauche (wohl Hinweisung auf
las Vicariat von Sevilla), eurer Person, und seiner Güte und Würde
scnuldig sind'^^j. — In einem Anhange wird von dem Vertrage zwi-
*) JEpisL 9, 121, Die drei vorstehenden Briefe (mit Ansnahme der Vorrede za
Job) stehen aueh in der CoUeeih canonum Hispana,
*) antiquae consu€tudmi — erklärt C, Cenm (2, 220 sq.): unserer alten Freandschaft
mit ihm ; Fhrex versteht darunter (0, 189—91) den alten Gebrauch der römi-
' sehen Kirche*
32 Achtes Bnch. Drittes Kapitel.
sehen Spanien nnd dem Kaiser Justinian gehandelt, von dem Receared
vergebens eine Abschrift durch Verwendung Gregorys wünschte , welcher
ihm noch eine andere Reliquie vom Leibe des Apostels Petrus sendet
Dieser wahrhaft königliche Brief ist auch in formeller Beziehung ausge-
zeichnet geschrieben'),
an dea An den berühmten Herzog Claudius^ den glücklichen Feldherrs
cuo- Receared^ schreibt Gregor^), dass sein Ruhm vom Abendlande bis nach
f,^ Rom gedrungen. Er rühmt seine Treue gegen den König , und mahnt
ihn zu allem Guten. Er empfiehlt ihm seinen geliebten Sohn CjriacuS}
den Vater (Abt) unsers Klosters ^ dass er, nach vollzogenen Aufträgen,
ungehindert zurückkehren möge').
Nach dem Tode des verdienten Bischofs Severus von Malaga c 601
(K.-G.^ 2, 419) wurde Januarius zum Bischöfe gewählt. Er wurde aber
durch andere Bischöfe ungerecht verdrängt, und auf Betreiben einee
Mächtigen 9 Namens Comitiolus, ihm ein Gegenbischof gesezt — Dar-
Dcr De. über hatte Januarius bei dem Papst Klage geftihrt Dieser sandte zur
johM. Untersuchung seinen Defensor Johannes an Ort und Stelle mit einem
■aVh Conmionitorium über sein Vorfahren (^Gregor an den Defensor Johannes,
^ der im Namen Gottes nach Spanien gcht^). Er solle den Januarius ver-
nehmen, wie die Gegner. Die Bischöfe, die ihn geweiht, seien im Falle
ihrer Schuld sechs Monate einzuschliessen, und zur Pönitenz in ein
Kloster zu verweisen. Sterben sie inzwischen, so sei ihnen der Segen
der Wegzehrung nicht zu entziehen. Bringen sie Gründe ihrer Ent-
schuldigung, etwa Drohung oder Gewalt, vor, so sei die Busse zu mil-
dem. — Der Eindringling sei dem Januarius zu übergeben, der ihn
entweder in Haft behalten, oder an den Papst senden möge. „Der glo-
riose (gloriosus) Comitiolus'^ aber müsse dem Januarius allen erlittenen
Schaden ersezen.
Femer soll er die Klagen eines nicht genannten Priesters unter-
suchen, und wenn er im Rechte sei, ihn ungesäumt wieder einsezen.
Dieser scheint mit und wegen Januarius verbannt worden zu seyn.
Der dritte Auftrag betrifit einen Bischof Stephanus. Er hatte sich
beschwert, dass er ungerecht verurtheilt worden. Den Prozess gegen
ihn müsse Johannes prüfen, u. a. ob Ankläger und Zeugen nicht die-
selben gewesen, dann ob die Schuld Absezung oder Verbannung ver-
dient, ob er freie Vertheidigung gehabt, ob die Zeugen glaubwürdig seien
*) «p, 9f 122, — Hincmar sandte diesen Brief an Karl den Kahlen als ein eines
solchen Königs würdiges Denkmal, mit einem Commentar. — Mansif 10, 2f)0.
— BcUuz, 3ii$eeü., 2, 12, — Coü. can. Hi^ana, qp. C.
*) K. 2, 491.
•) ^, 9, 120, — Die vorstehenden Briefe s. auch bei Agwrrt, 3, 292'-'97. — Der
leztere Brief, sowie die noch folgenden, stehen nicht in der ColUcüo can, Eü-
pcna; denn sie haben keine Beziehung zu der spanischen Kirche.
Gregor der Groste im Verkehre mit Spanien. 83
. 8. w. Wenn an dem Gerichtsverfaliren etwas fehle, so sei Stephanus
rieder dnzusezen, seine Ankläger aber sollen ausgeschlossen, und zur
lusse sechs Monate in ein Kloster eingeschlossen werden (das Viaticum
rie oben). Der Eindringling solle behandelt werden, wie vorher in
betreff des Eindringlings zu Malaga gesagt wurde; ebenso die weihen-
en Bischöfe. Ist der Eindringling indess gestorben, und ihm ein Nach-
>lg6r gewählt, so werde er zwar, wie vorher bei Malaga bestimmt
rorden , nicht Bischof dieser , wohl aber einer andern Stadt , wenn er
nders canonisch gewählt wird. — Finden sich einige Klagen gegen
itephanus begründet, andere ohne Grund, so müsse Johannes fragen,
b jenes die leichtem oder schwerem seien. Ebenso müsse der „gloriose
!)omitiolu8^ dem Beschädigten Genüge leisten. Sei Stephanus mit Recht
bgesezt, so bleibe das Urtheil bestehen, und was inmier dadurch die
Cirche Schaden gelitten, das müsse ihr ersezt werden. Wenn aber,
vie man sage, Gomitiolus gestorben, so müssen seine Erben für ihn
unstchen ').
Eine zweite Denkschrift an Johannes heisst CqpituUtre II legum im^
nritüium, für die Immunität der Cleriker. Mit Anführung der Geseze
1er römischen Kaiser wird näher gezeigt, wie Johannes in obigen Klag-
aachen verfahren solle. Das Unrecht gegen Januarius sei um so grösser,
weil er mit Gewalt aus seiner Kirche weggezogen worden, was nach
den Gcsezen den Tod verwirke. — Bischof Stephanus aber habe weder
gegen seinen Willen vor Gericht gezogen, noch vor Bischöfen einer
andern Synode (aUmi eoncilii) gerichtet werden dürfen. Sage man, dass
derselbe weder einen Metropoliten noch Patriarchen habe, so wäre, nach
dem Verlangen des Stephanus, die Sache an den apostolischen Stuhl
zu bringen gewesen. Das Urtheil der unberechtigten Bischöfe sei for-
mell ungiltig. — Seine Sklaven , die ihn verklagt, seien nach dem G^
>ez hiezu unfähig. Sei er eines Majestätsverbrechens beschuldigt, so
müsse sein Leben und sein früherer Ruf hiebei berücksichtigt werden.
IcdenfiEÜls haben gemeine Zeugen, die in seiner Abwesenheit gegen ihn
sprachen, kein Gewicht Da der Verklagte nicht habe antworten kön-
len, so sei die Entscheidung nicht giltig; ungiltig auch dadurch, dass
lie Entscheidung nicht schriftlich abgegeben worden.
Der dritte Brief, welcher dem Defensor Johannes mitgegeben wurde,
betrifft die schon erwähnten Mönche in Oaprera (Capricanae insulae),
iiner kleinen Insel südlich von Majorka, welche noch heute Isla Cabrera
^eisst. Er sollte sie zurechtweisen und zurechtführen [K.-G., 2, 188^)].
Dass die Spanier u. a. aus dieser Thatsache die kirdhliche Zugehörig-
I) Greg, epitt L 13, q), 45 ßeu Capitulare primum ad Jocamtm defenaorem. — Aj/uirre,
3, 297—99. — Mann, 10, 372; 376, —
») ep. 13, 46, — Äguirre, 3, 301—2. Mami, 10, 375,
QtODäf ipan. Kirche. II, 2. 3
34 Achtes Bach. Drittes Kapitel.
keit der Balearen zu Spanien schliessen wollen, begreifen wir eher, als
dass P. Martini, der Ver&sser der Kirchengeschicbte von Sardinien,
derselben Ansicht ist*). — Vielmehr gehörten die Balearen seit dem
Sturze des Vandalenreiches zu dem römischen Reiche, und zu der Eir-
chenprovinz von Caghm. - Wenn die Griechen damals noch im Be-
size von Städten in Spanien, wie Malaga und Carthagena, waren, so
waren sie um so mehr im Besize der Balearen, wenn auch die Spanier
vielleicht um diese Zeit im Besize einer Flotte waren. Es ist allbekannt,
dass päpstliche Legaten, welche in fernere Länder reisten, stets auch
Aufträge für die Gegenden erhielten, welche sie durchreisten, z. 6.
Grregor*s I. Gesandte nach England Aufträge für Gallien. Was in der
Natur der Sache liegt, wird sich immer wiederholen.
§. 2. Die Bischöfe Januarius von Malaga und Stephanus im
Gebiete der Griechen.
Damit schliessen die Briefe und der Verkehr Gregorys mit Spanien.
Aber ein Aktenstück ist uns erhalten, die Entscheidung der Angelegen-
heit des Bischofis Januarius durch den Defensor Johannes. „Im Namen
des Herrn; unter diesem Kaiser, an diesem Tage, und in dieser Indic-
tion.^ In welcher? wird nicht gesagt Der Kaiser allein aber ist erwähnt
- 2u dessen Gebiete Malacca damals noch gehörte. Die gegnerischen Bi-
schöfe werden nur „jene und jene^ genannt, deren Kleriker mit den
Leuten des „gloriosen Comitiolus'' den Januarius mit Gewalt aus seiner
Kirche gezogen hätten. Nach vielen gegenseitigen Beschuldigungen ver-
Jaanii- langten beide Partheien die Entscheidung des Johannes. Er fand , dass
"von Januarius nichts begangen , was Verbannung und Absezung verdient,
*•■*■*"• sondern dass er mit Gewalt seiner Kirche entrissen worden. Er sehe
ab von den strengen Gesezen gegen solches Verfahren, erkläre da?
Geschehene für null und nichtig, verurtheile „jene und jene Bischöfe,
die, mit Hintansezung der Priesterwürde, ungerecht und gegen die
Furcht Gottes ihren Mitbruder geschädigt und verurtheilt, zur zeitweiligen
Bussübung in einem Kloster^). Der Eindringling in das Bisthum soll
seine Würde und jede kirchliche Stelle verlieren, auch nicht zu dem
Amte, das er vorher unwürdig geführt, zurückkehren. Januarius aber
solle in allen Ehren und B.echten Bischof von Malacca seyn. — In die
•j Maitini P,, Storia eccUsiastica di Sardegna, 3 L 1839— 40 y 1, 82, 95.
*) Sententia Joannis de/ensoria, epiat. Greg, 13, i5 — nr, 3, — Aguirrt, 3, 3(ß'J.
FhrtM, 12, 321 — 327. (Del obispo Januario, €H que §e habla de muu Cartas ^
Smi Gregorio,)
Die Bischöfe Januarius von Malaga and Stephanus im Gebiete der Griechen. 35
sem ürtheile steht nichts von dem oben erwähnten Priester von Malacca.
Eis ist aber anzunehmen, dass er mit seinem Bischöfe restitnirt worden ^).
lieber die Angelegenheit des Januarius imd Stephanus sagt der sonst
so beredte Aguirre kein Wort. Auch seine Nachfolger haben geschwie-
gen. Florez sagt, er besize eine Abhandlung, die beweisen wolle, dass
obige Aktenstücke unächt seien, und auch er neige sich zu dieser An-
sicht, ohne dass er die zu Grunde liegenden Thatsachen leugnen wolle.
Denn zu Carthagena fand man eine Inschrift, welche den mehrgenann-
ten „gloriosen Comitiolus^ bis zu den Sternen erhebt:
Quisquü ardua iurrium mirarü eulmina
Vesttbulumqtte urbi» duplid porta firmaium
Dextra Uvaque binos poritos areos
QttU), tuperum ponüur eamera curia ecnvexaque
GoiriflollS sie Juue fien jusrit PaMdut
Missus a Mawrido Augusto contra hatte barbaro (sicl sc. die Spanier)
Magnu» virtute magister miL Spaniae
Sic nemper Spania tali rectare laetetur
Dum poli rotantur dumg. aol eireuit orbem
Ann. VllI Aug. Ind. VIII [d. i. J. 589 vor dem 13. Aug.«)].
Kaiser Mauritius (582 bis 602) also sandte den Patridus Comitiolus
als seinen „Magister miliüae^ nach Spanien, der gewöhnlich in Cartha-
gena residirte, gegen die Barbaren, d. i. damals noch arianischen Gothen.
Florez giebt auch zu, dass Januarius seinen Recurs nur an den Papst
nehmen konnte, da ohnedem Licinian von Carthagena wohl schon in Con-
stantinopel gestorben war. — Was aber Florez g^^ die Aechtheit der
Sentenz des Defensor Johannes vorbringt, ist filr mich nicht überzeu-
gend. Er streitet mit 'sogenannten Annem Gründen der VnächtheU.
Wer war Bischof Stephanus? Gregor scheint seinen Siz nicht zuBi»cbof
nennen, aus schonender Rücksicht gegen ihn, weil seine Sache bedenk- ^!!]^.^
lieber war; er war beschuldigt, das Eirchengut an sich gezogen, und
die Majestät verlezt zu haben. Unter lezterm dürfte eine Hinneigung
zu dem Reiche der Gothen zu verstehen sejn. Wie der Papst aus Scho-
nung die Bischöfe nicht nennt, die ihn und den Januarius abgesezt, so
nennt er wohl aus Schonung seinen Siz nicht Da über ihn kein Akten-
stück vorhanden, so ist anzunehmen, dass er nicht unschuldig erfunden
wurde. Die Briefe und Aufträge Gregors an Johannes, die Florez
') Der berüchtigte Valentin Ortigosa, Eindringling in das Bisthnm Malaga im
. J. 1836 flg., scheint seinen Vorgänger vom J. 606 flg. copirt za haben — s.
QamM^ E.-G. des neunzehnten Jahrhunderia , Bd. 8, (1856), 8.156, 158,
164, 166.
*) FhreZf 5, €1.
3*
36 Achtes Bach. Drittes Kapitel.
unwürdig der Würde, des Stiles und der Weisheit des grossen Mannes
zu seyn scheinen , scheinen mir seiner ganz würdigt).
Im J. 589 werden zwar zwei (resp. drei) spanische Bischöfe dieses
Namens genannt: Stephan von Turiasso (589 und 592) , Stephan von
TarracOy wenn die Unterschrift acht ist, und Stephan von Elvira im
J. 589 und 590. Leztem nennt Ferreras ohne Weiteres als den in Frage
stehenden Bischof Stephanus^). Allein Stephanus war schon im J. 590
nach der Rangordnung der zu Sevilla unterzeichneten Bischöfe alt, und
hat schwerlich bis zum J. 603 gelebt (Florez sezt seinen Tod in den
Januar 594). Vor allem aber, Elvira war nicht in der Hand der Grie-
chen. Die in ihrer Gewalt stehenden Bisthümer lassen sich aus den
fehlenden Unterschriften der Concilien von 589 und 590 entnehmen; es
fehlten die Bischöfe: 1) von Carthagena und 2) Malaga, wie oben gt-
sagt^j; 3) von Asidonia; 4) von Urci; vielleicht auch von Uici, Dia-
nium, Saetabis. — Meine Vermuthung neigt sich zu Asidonia, mehr
noch zu Urci. Bischof Stephanus war ohne Metropoliten. Nicht zu-
stehende Bischöfe hatten ihn ungehört verurtheilt Diess sind wohl die-
selben Bischöfci die den Januarius verdrängt haben. Zu solchem Werke
gaben sich gewiss spanische Bischöfe nicht her ; die Anklage gegen Ste-
phanus scheint eben Hinneigung zu den Spaniern gewesen zu seyn.
Licinian von Carthagena war entfernt oder schon todt So Uegt es
nicht ferne, an Bischöfe auf den Inseln des Mittelmeeres zu denken,
u. a. an einen Vincentius von Iviza, oder auch an Bischöfe des gegen-
ttberliegenden Mauritania Caesariensis ; man weiss ja aus der Geschichte
des Donatisten, wie die afrikanischen Bischöfe dem Gelde und der G^
walt oder Drohung wichen; und besser stand -es nicht im J. 600, als
im J. 305.
Der Pa- Als Anstifter solcher Gewaltakte erscheint der herrsch - und hab-
^^^ sfichtige Patricius Comitiolus ; ihn hatte Mauritius dem Hermencgild zum
tioini. 3chuze in dieses Land gesendet. Er war es wohl, der um dreissig- j
tausend Solidi, die ihm Leovigild bot, den Hermenegild verrieth*). — I
Er war es wohl, der den Licinian von Carthagena beseitigte, der nach
dem Tode des Severus den rechtmässigen Bischof Januarius verdrängte,
wohl weil er seiner Geldgier nicht fröhnte, der den Bischof Stephanus,
welcher nicht ohne Schuld seyn mochte, aus ähnlichen Gründen durdi
gefügige Bischöfe absezen liess. — Er scheint zwischen 601 und 6(6
gestorben zu seyn.
i
1
>) Florez, 12, 327, — - Die Sententia des Johannes ist durch die glaub würdigsten
Handschriften verbürgt.
») Ferreras, 2, 322^^38; 332S3.
») K-G. 2, (2), 16.
*) Gregor Tur, 5 , 39 — IIU datU — praefecto imperatorit triginta miÜbu» eoHdomm etc.
— Lembh$, 71, — Johannes BicL und Indor sagen nichts davon.
Leander von Seyilla. 37
§. 3. Leander von Sevilla
•■I '
Die Zeugen über ihn sind Gregor I, sein Bruder Isidor, Johann
Ton Qeronda, Lieinian von Carthagena und die beiden Concilien von
389 und 690. Die Naehricbten über ihn sind so spSrlich und unzusammen-
hängend ^ dass man keine Lebensgeschichte Leanders schreiben kann.
Er war der Sohn des Severian aus der Provinz Carthaginensis. Es
ist gewöhnliche Annahme, dass CSarthagena selbst seine Vaterstadt war.
Von hier aber wanderte die Familie aus, aus unbekannten Gründen.
In Folge der Auswanderung oder Vwbannung liess sich Leander in Sevilla
nieder, und lebte lange als Mönch. Als solcher wurde wErzbischof von Se-
villa und vielleicht Nachfolger des Stephanus II (K.-G. 2, 418), wohl
vor dem J. 579. — Ln J. 679 schlug Hermenegild seinen Siz in Sevilla
auf, den Leander zur Kirche führte oder zurückführte. ; . *
Bald darauf finden wir den Leander in Gonstantinopel ; nach Isidor
war es eine Verbannung^), nach Qregor (praef. in Job) ^eine für die
Angelegenheiten des Glaubens der Gothen übemonrniene Gesandtschaft^
Beide Ansichten lassen sich ohne Mühe vereinigen; Leander kann es
für das Beste gefunden haben, freiwillig Spanien zu verlassen, er kann
mit Aufträgen aus Spanien gegangoB^ und dennoch konnte es eine Ver-
bannung seyn, weil ex obae QeUbgt in dieser Zeit nicht zurückkehren
konnte. Er mochte wohl die Smpömng H^menegilds nicht billigen,
konnte und wollte aber auch nicht auf die Seite des< Verfolgers treten.
[)och möchte ich die Ansicht des Florez nicht theUen, dass er mit Hilfe
ter Gtriechen in Spanien ein katholisches Reich herstellen wollte. Hier
vorde er befreundet mit Gregor dem Grossen. Dort verfasste er einige
idiriflen. Die Zeit seiner Bückkehr ist nicht bekannt^). — Dass Leo«
igild sterbend seinen Sohn Reccared ihm empfohlen habe, dass er an
[iin wie an Hermenegild thue, scheint mir nicht beglaubigt genug. Zu
["oledo war Leander im J. 589 Haupt und Seele der Synode (K.-G. 2, 8).
Ke weiteren Thatsachen aus seinem Leben sind früher ang^eben.
Die dem Leander durch üebersendung des Palliums zu Theil ge- d««
wordene Ehre war so einzig, dass der oder die Sanmiler der alten spa- ^ond"*
ischen Canones die betreffende Stelle sowohl aus dem Briefe Gregors ^'/j"*
n Leander als auch an Reccared wegliessen^). Denn in Toledo, wo die^**8f<>'
Sammlung entstand, fürchtete man daraus Nachtheil für die eigne Macht- der.
tellung. Damals wurde das Pallium nicht den Metropoliten überhaupt,
ondern nur denen zugesandt, die durch besondere Verdienste hervor-
■) Isuhr qt, 41 de vir, UUuir. — m exäü md pereffrmatione,
*) «p. Grtff. /, 45. — 5, 45, — praef, m Maral cp. 1,
*) Florez^ 9, 188 — 96 del paUo ~ Etita earta estuvo inserta en la Coleceüm antiffua
dt luiMlrM Cw¥mUf »aeando d$ eHa h mmioria de h que tooa al PaHo,
38 Achtes Bach. Drittes Kapitel.
ragten.— Vor Leander und mehrere Jahrhunderte nach ihm erhielt kein
spanischer Bischof das Pallium. Im sechsten Jahrhundert hatte diesseits
der Alpen nur der Bischof von Arles dasselbe erhalten. Ob in die
Uebersendung des Palliums eine Erhöhung für die Kirche von Sevilla
eingeschlossen war, kann man an sich eben so bejahen als verneinen.
Gregor I. hat sich nicht deutlich genug ausgesprochen. Wäre diess auch
seine Absicht gewesen , so hätte dennoch Sevilla im siebqiten Jahrhun-
dert vor dem Stuhle von Toledo zurücktreten müssen. — Im siebenten
Jahrhundert war kein starker Verkehr Spaniens mit Rom; derselbe tritt
nur in zwei Fällen entschieden hervor'); in der Sendung des Tajo von
Saragossa nach Rom, und in der uebersendung der Akten der sechsten
Synode durch Leo 11, 683. — Aus diesem Umstände leiten Cenni^)
und Florez es her, dass kein Papst des siebenten Jahrhunderts dss
Pallium nach Spanien sendete. — In Spanien selbst habe man das-
selbe nicht als Zeichen der Macht, sondern als einfaches Geschenk der
Ehre angesehen, denn in dem Codex veterum canonumy oder der syste-
matischen Zusammenstellung des alten Kirchenrechts sei desselben in
Hb. 10, t, 7 — de mta%erä>ta missts, statt in L i, ep, 51 — de eommima
viee apoMfieae sedia — Erwähnung gethan^). — Ob das Pallium selbst
ein Zeichen der Ehre oder der Macht, (d. i. des Vicariats über Spanien)
war, ist streitig*). Florez trennt das Pallium von dem Vicariat, in Hin-
sicht auf den Brief de^ Vigilius an Bischof Auxanius von Arles
(v. 18. Oct 543) : „Digna eredkntts raUone eompleri, tU agenH vieee noeUio
PalUi nan deeit omatuB^^^), Daraus erhelle, dass man das Vicariat des
Papstes ohne das Pallium haben könne. Dasselbe treffe bei den Bischö-
fen Zeno und Sallustius von Sevilla zu. — Der Bischof von Mesaioa
habe das Pallium von Gregor I. erhalten, während der Bischof Maximi^
von Syracus über alle Kirchen Siciliens gestellt gewesen. Aber die
Worte Gregor's I. in dem Briefe an Augustin von Canterbury (ep. II,
64 ed. Maur.J: „In GcUliarum episcopos nuUam tibi auctoritatem tribuimus,
qiäa ab antiquii praedeeessorum meorum temporibue FAillUi ArelaUm
') Man unterscheide zwischen lebhaftem Verkehr mit Rom, und der lebhafleo
Anhänglichkeit an Rom — s. oben, S. 1.
^) Cennif l. c. dUs. 5, cp, 1 — de sacri pallii antiqua et nova dücipUna; de pclk
misso ad S, Leandrum Hispalensem a S. Gregorio M., 2, 211 — 230 — 231 - 2^\
--271.
») Florez, 9, 193.
*) Dagegen — Noris — Lib. i, 20 Rist. Pelag; — auf die Macht beziehen es Afarw,
de Concardia — 15, 25, 29. Üb. 6, cp.7. — Van Espen, jus eccL P. /, tit. / '
c. 5, nr, 1. — Thomassin., P. 1 , L. 2, c. 54 — de pallio Laiinorum per 8 priori
saecula. — nr. 8 — una cum paüio archiepiscopis Arelatensi, HitpateMt, Cantuarfftsi
et Moguntino Vicariatum vel Legationem apostolicatn — pont\ßces eontulere.
*) Vigilü ^isU (oUm 6) ad Auxanium.
{
I
Leander yon Sevilla. 39
Episeoput aeeepUj quem no$ piioare auetorUaie pereepta mMme debermu^j
zeigen doch, dass in dem Sinne Gregorys Pallium nnd Vicariat zusam-
menfidlen. Umsonst sagt Florez, mamhabe sich je nach den besondem
OmstSnden zu richten, ob der EbnpftLnger des Pidlinm schon früher das
Vicariat gehabt oder nicht — Auch der Bischof Ton Corinth habe das-
selbe gewöhnlich erhalten , ohne Vicar des Papstes zu seyn*). Solcher
Hit sei das Pailinm des Leander gewesen, denn der Papst erwähne
[lichts von der Uebertragahg des Vicariats an ihn.
Ich argomentire anders. Das erste Pailinm, das geschichtlich vor-
kommt , übersendet Papst Symmachns r— an Bischof Theodor von Lau-
reacum [Lorch^)]. Derselbe Papst übersendet das Pallium an den Vica-
jus Gäsarius von Arles, was wir aber keineswegs aus einem Briefe des
Sjmmachus, sondern aus einexn weitem Briefe des Papstes Vigilius an
iuxanius, den Nachfolger des Gäsarius Ton Arles, und aus derLebens-
^chichte des Leztem erfahren'). — Es war bei dem Bischöfe von
^les — der Schmuck und das Zeichen der übertragenen Gewalt, so
»ehr, dass in der Sprache Gregorys Pallium so viel bedeutet als Vicariat.
Aber wenigstens zwei Vorgänger des Leander hatten das römische dm
Vicariat, Zeno und Sallustius. Diess Vicariat war eine „anHqua eonme- nad'dül
udo^. Nach der Meinung des Gr^porius wurde den Vorgäng^m ^^^iichevi.
Leander mit dem Vicariat zugleich das Pallium ertheilt. Wenn Florez ««riat
las Wort „eomtietitdo'^ von der alten Sitte der römischen Kirche ver-scvuia.
tteht, das Pallium zu vergeben, so ist diess entweder ungereimt, oder
^enn es sich auf die Gewohnheit gegenüber der Kirche von Sevilla
»ezieht, so ist es unsre Erklärung. Die Erklärung aber, j,alte Freund-
ichaft mit Leander^ wird einmal durch die Erwägung ausgeschlossen,
lass Gregor sonst das Wort „amiciUa^ gebraucht*); sodann kommt das
^ort „eonntOudo^ sehr oft bei Gregor, besonders in seinen Briefen,
iber ausschliesslich in der Bedeutung von „Gewohnheit'' , vor. Es muss
ilso auch hier j,alte Gewohnheit", heissen, d. i. das dem Leander über-
uandte Pallium fällt mit der alten Gewohnheit zusammen, ist deren
Bestätigung und Besiegelung, dass die Bischöfe von Sevilla seit den
leiten des Zeno und Sallustius das Vicariat, wenigstens über Bätica und
jusitanien, hatten. — Als Analogie darf man sich nicht auf den Orient
ind Italien berufen; maassgebend ist die Bedeutung der Uebersendung
les Pallium nach Arles, England und Deutschland, für die Bedeutung
les Palliums, das dem Leander übersendet wurde. — In Arles, in
*) L 5t 57 — quo — (paOio) ita vom uH neceue est, sieut praed«ee$iores vutri usi,
concedentibus nostris praedecessorifnts , approbantur,
') S^machi ep. 11, 12 ad Tkeod, Laureaceruem, v. S. 40 — Anm. 2.
^) Vit. Caesar, 1 , 4 (30) — concesso gpedalUer pallii decoravit prvriUgio,
^) dUdog, 3f 31 — Leandro , dudum müd m amieitüs famiUanter JunctQ,
40 Achtes Buch. Drittes Kapitel.
England nnd Mainz bedeutet das Pallium das römische Vicariaty oder
die Stellvertretung des Papstes.
Das erste päpstliche Vicariat ist das von Thessalonich. Für Italien
bedurfte es^ wegen der Nähe von Rom, keiner Yicariate. Zuerst hat
Papst Simplicius ( J. 468 — 483) im Abendlande das römische Vicariat dem
Bischof Zeno von Sevilla übertragen — 482. — Der Brief an Zeno ist
aber ganz allgemein gehalten , und ertheilt ihm keinerlei spezielle An-
weisungen. Maassgebend hiebei war auch die Erwägung , dass Sevilla
Hauptstadt von Spanien, und Siz des Vicarius gewesen. Dem weltlichen
sollte das geistliche Vicariat zur Seite treten. — Im J. 516 übertrug
Hormisdas dem eifrigen Bischöfe Johannes von Tarraco, das sich für
den Verkehr mit Rom viel besser eignete , das Vicariat über ganz Spa-
nien; als aber die Bischöfe von Bätica sich klagend und bittend nach
Rom wandten, übertrug Hormisdas dem Sallustius von Sevilla das Vica-
riat wenigstens für Bätika und Lusitanien*). Dass keine Uebersendung
des Palliums damit verbunden war, lässt sich nicht unbedingt behaupten.
Wenn Johannes und Sallustius dringend um dasselbe anhielten, so
erhielten sie es. — Brunehilde supplicirte^) um dasselbe für Bischof
Syagrius von Autun und erlangte es nach mehrfachem Andringen^). —
Der Frankenkönig Theodorich supplicirte um es für Florianus von
Arles, und erlangte es von Papst Bonifacius IV, 613.
Die Uebersendung des Pallium an Syagrius und an Leander fällt
in das Jahr 599, und £Eist gleichzeitig. Bei Syagrius geschah es nur auf
inständige Bitten der Brunehilde und des Syagrius , dessen Kirche da-
durch dem Range nach zunächst der von Lyon folgte (wesshalb sie
protothronus genannt wurde). Also müssen wir annehmen, dass auch
König Reccared und Leander in ähnlicher Weise um das Pallium sup-
plicirt haben, obgleich deren Briefe nicht erhalten sind. Die Worte
aber Gregors: — Ltandro pallium trofismisimus, guod et antiqtiae con-
sitetudini et vestris moribus, et ejus bonitati atque dignUctti debeamus —
bedeuten nun : Auf des Königs und Leanders Ansuchen wird das Pallium
übersendet, denn die Verdienste des Königs und des Leander verlangen
solches, und es ist eine alte Gewohnheit, dass denen, welche das päpt^t-
liche Vicariat haben, auf Bitten auch als Zeichen ihrer Würde das Pallium
«) K.-G. 2 (1), S. 416— 17.
') Bekanntlich müssen die Erzbischöfc am dasselbe auch heute noch : instanter,
instantius, und instantissime innerhalb dreier Monate nach erhaltener Consecralion
suppliciren. — Walter, Kirchenrecht, 11. Aufl. §. 154. — Richter , Kirrhou-
recht, $. 118. — SchuUe, das katholische Kirchenrecht, Tbl. 2, $. 28. — NacL
RiehUr und Walter ist der oben citirte Brief des Symmachus ao den Bischof
von Laureacum unächt, dagegen ein Factum ist die Uebergabe des Pailiani m
Cäsarius von Arles.
») epist. Gregor, 9, ep. 11; ep. 107, 108, 109,
Das Tode^ahr des Leander. 41
von Rom ttbersendet wd^). — Da allein nach später eine ähnliche
Bitte von den Nachfolgern des Leander und den spanischen Königen nicht
mehr gestellt wurde, so unterblieb auch die Uebersendung des Pallium,
und die Kirche von Toledo gewann aus natürlichen Gründen den Vor-
rang der Macht vor der Kirche von Sevilla.
Das Todesjahr des Leander ist nicht bekannt. Da Redemptus und Tode»
fahr i»u
Udephons dem Isidor ungefähr 40 Jahre seines Pontificats zuweisen und Le«n.
es allgemeine Annahme ist , dass er im J. 636 gestorben ^) , so glaubte ^*''
man das Todesjahr Leander*s in das J. 596 sezen zu müssen. Eine Be-
stätigung dieser Annahme sah man in dem Umstände, dass Leander auf
der sogenannten Synode zu Toledo im J. 597 nicht anwesend war. Allein
wenn dieses Argument Gewicht haben sollte, so müssten sich dort alle
sechs Metropoliten unterzeichnet haben, während es nur von dreien ge-
schah, und müsste Isidor von Sevilla unterschrieben haben.
Anderseits verweist man auf eine alte Grabschrift des Leander,
It^idor, und ihrer Schwester Florentina, womach sein Tod im J. 603
erfolgt wäre. Dagegen steht das bestimmte Zeugniss des Isidor, dass
er noch zu Zeiten des Rcccared gestorben sei"^). — Im August des
Jahres 599 übersandte ihm Gregor das Pallium, und der Tod des
Leander kann nicht nach dem J. 601 erfolgt seyn. Wir nehmen eine
mittlere Zeit, das Jahr 600 an, und den 27. Februar als Tag seines
Todes, so dass er eben noch das Pallium in Empfang nehmen und ge-
brauchen konnte. Von da an bis zum Tode Isidor^s verflossen an
37 Jahre , so dass auch Ildephons in seinem Rechte bleibt , wenn er die
Jahre seines Bisthums annähernd auf vierzig angiebt.
Von den Schriften Leanders k^ erhalten die schöne „Homilia in SeiM
'widem ecelesiae^^ aus Anlass der filftdirung der Gothen , die mit den ira*.
Worten schliesst: j^Es erübrigt uns, dass wir, die wir alle ein Reich
geworden, sowohl für die Festigkeit des irdischen Königreichs, als .für
las Glück des himmlischen Reiches uns bittend an Gott wenden; damit
') Der Abb^ Bourret — in seiner Schrift: V€cole chr€tienne de Siviüe aous la mo-
narchie des Visigotha, Paris 1855, p. 37—56 — erwähnt die ücbersendang des
Pallium nicht. — Thomassm, P, 1, 1 — cp. 30 argumentirt, wie ich, über das
Vicariat und das Pallium, nur viel entschiedener. Er hält den Leander für den
Primas von ganz Spanien und meint dasselbe von Isidor, weil dieser 633,
jener 589 zu Toledo präsidlrt. Aber Massona präsidirte 589, und Isidor 633
als der älteste Metropolit. Er sagt: „Desüt Primatiu HispaUnns in eoncilio ToU»
tano XII* (681). So weit kann ich nicht gehen. — s. Lemhke, S. 142, und
oben, 2, 1, S. 415— 418.
'j Ildeph. de vir, ilL cp, 9 — annis fere 40 tenens PorUificatua honorem, Redemptu» de
transitu IsiJori ad Braulionem: per annos ferme 40 Ponäßccdem — cwram admini"
stravit. FioreZf 9, 405.
') Isid. c. 41 d, vir. iU. — floruii sub ReecaredOf — cuius etiam temporihue mirabili
obitu vitae terminum clattsii,
f
42 Achtes Buch. Drittes Kapitel.
das spanisch -gothische Reich and Volk^ welches Christum auf Erden
verherrlioht hat^ nicht bloss auf Erden ^ sondern auch im Himmel von
ihm verherrlicht werde. Amen.^
Seine grössere Schrift ist die Regel oder Anweisung zum jung-
fräulichen Leben an seine Schwester Florentina. Nach diesen Schriften
war Leander ein formell besserer Schriftsteller als Isidor. Seine Sprache
ist edler und reiner; es stehen ihm schöne Bilder und geistreiche Wen-
dungen SU Grebote. Feuer und Schwung des Geistes sprechen aus sei-
nen Schriften. Wir bedauern, dass er so wenig geschrieben , und dass
von denii was er geschrieben, sich so wenig erhalten hat Es ist nament-
lich aufGidlend , dass von seinen Briefen an Papst Gregor I sich keiner
erhalten hat. Wir begreifen aber, wenn dieser sagt, dass »alle, welche
seinen Brief vorlesen hörten, tief ergriffen wurden; alle erglühten und
staunten, und die Begeisterung der Hörer zeigte, welches Feuer war in
dem Redenden« Wir sehen, von welcher Liebe dein Herz entzündet
isty das andere so sehr erglühen macht ^
i«i4or .Leander war (nach Isidor 1. c.) ein Mann von lieblicher Rede, von
ika. ausgezeichnetem Talente, leuchtend durch sein Leben und seine Wissen-
schaft, so dass durch seine Glaubenskraft und seinen Eifer das Volk
der Gothen von dem arianischen Wahnsinn zum katholischen Glauben
zurückkehrte'). — Er verfasste in der Einsamkeit seiner Verbannong
zwei Bücher gegen die Meinungen der IrrleKrer, voll von heiliger
Wissensdiaft, worin er in scharfer Sprache (vehemcnU stylo) die Ver-
worfenheit der Arianischen Gottlosigkeit aufdeckt und zermalmt: indem
er zeigt, was die katholische Kirche gegen sie hat, und wie weit sie
im Glauben und in den Sacrament^ von ihnen entfernt ist. — Von
ihm ist auch ein anderes preiswürdiges Buch gegen die Gebräuche der
Arianer, worin er ihre Behauptungen voranstellt und seine Antworten
anschliesst Nebstdem hat er ein kleines Buch an seine Schwester Flo-
rentina über das geistliche Leben der Jungfrauen und die Verachtung
der Welt herausgegeben, 'mit voranstehenden Inhaltsangaben. — Aber mit
nicht geringem Eifer arbeitete er an den kirchlichen Ofticien: in dem
ganzen Psalterium (Brevier) schrieb er die Orationen in doppelter Aus-
gabe^): auch in dem Missale (in aacriftcioj den Laudes und den Psalmen,
componirte er vieles mit schöner Betonung (muHa dulei sono eompomül
Er schrieb auch viele Briefe: an den Papst Gregorius einen über
die Taufe, einen andern an seinen Bruder (Isidor?), worin er ermahnt,
dass Niemand den Tod zu fürchten habe. Auch an die übrigen Bischöfe
') Ebenso im Chronicon qp, 118 — Mattrituu regnat ann. 21. — ffoc tempore Leandtr
episcopuM in Hispaniiä cid genda Gothorum conuersionem doctrina ßdei et ecientiarum
clctruU, Kürzer Joh, BicL ann, 3 Mauritii; Leander ITispalensis eccUsiae episcopw
clarae habetur; ^ ad et, 8 — helsst er ihn : sanrtum Leandrum,
') dvplici editionef i. c. nach der alten und ncueo Bibelübersezang.
Die heilige Floreniina. 43
hrieb er sehr viele vertraoliche Briefe ^ wenn auch nicht in Behr glün-
»ndem Stile, doeh reich an Gedanken (aculUta tarnen tenUniüBj. Er
ühte unter Reccared, dem frommen Manne und ruhmrdeheD Fürsten,
L dessen Zeit er auch durdb einen wunderbaren Tod sein Leben
ischloss^ ^).
Der „nrirabilii obitm'' dürfte w;ohl derselbe gewesen seyn^ der . an
im sterbenden Reccared und Isidor gerühmt wird, das öffentlidie Be-
snntniss seiner Sünden, oder die Uebemahme der kirchlichen Pönitentia.
§. 4. Die heilige Florentina
ar die Schwester dreier beiliger Bischöfe. Sie war jünger als IieandV|
sr sie seine Schwester und seine Tochter nennt, und älter als Isidor ;
snn dieser war der jüngste unter vier Geschwistern. So jung, wanderte
3 mit ihren Eltern aus ihrer Heimath Carthaginensis aus, dass sie sich
srselben nicht erinnern konnte. Sie wuchs wohl in Sevilla auf, und
n dem sehr frühen Tode ihrer Eltern vertrat Leander aii ihr die Vatär-
elle. Frühe entschloss sie sich zu einem gottgeweihten Leben. Ich
Ige der allgemeinen Annahme, dass sie im Bisthum Astigi in einem
onnenkloster gelebt, an dem Orte, der „Nuestra Sennora del Valle'
»sst, am Ufer des Xenil ausserhalb^ der Stadt, wo ein Eloater der
ieronymiten stand. Jedes Jahr geht eine feierliche Proxession aus dem
■alten Hospital ^Santa Florentina^ dahin. Es gab auch ein Erlöster
m Dominikanerinnen mit dem Titel: Santa Florentina. Nach einem
revier von Sevilla war Florentina nicht bloss selbst Vorsteherin ihres
loflters, sondern viele andere Erlöster stellten sich unter ihre Leitung,
aander hatte sich gefragt, welche Gaben er ihr hinterlassen werde. Er
nd nichts, was ihrer würdig wäre unter den Gütern der Welt Da sie
mgfräulichkeit gelobt, schien es ihm das beste, sie auf die Mittel hin-
iweisen, womit sie das Verdienst ihres Gelübdes erhöhen könnte. Diese
ihrift heisst die Regel des hL Leander für seine Schwester. Floree
«) üb. Leander: 1) Acta Soor. 13 Mart. II, p. 275—280. — 2) Leandri elogtum
histoncum, in MabiWm A. S, 0. s. B, Moee. I, p, 378^-385. - 3) Bei Brower
Christ, Sidera ühutrium ei scmeL virorum gm Oermaniam omarunt, Mapunt, 1616,
steht auch Leander und seine Oeschwister m app, — 4) ap, Affuirv, «SjrnopMf rerum
S. Leandri prauMM» BüpaUnn$, t 3, p. SStSOS (theilweise ans den BoUandisien).
— 5) Florez, Espaxma tagr,, t 9^ p, 180—216 — San Leandro, (deide onft» dU
579 hasta el 599, ISO-ISS, Del PaUo, 188—196. Chnmohgia, 196-208. SuceiOB
faUos, b inciertos, 208—216.) — 6) Caj. Ceimi, 2, 215—225. — 7) Nie. Ankmio-
Perez Bojfer, 1, 290-298 (Üb. 4, ep. i, nr. 74-103.) - 8) de Castro, sc. VI. p. 280 - 87.
— 9) Retny Ceillier, noiw. id. — t 11 (1862), 422—425. — 40) Bourrei, FicoU
chr^tienne de Spille, Far. 1855, p.33 — 58 — ehep, I. Commeneements de Nicole de
S^oilU. — Saint L€andre. — Montakmbert, die Mönche des Abendlandes, 1860,
Bd.2, S 197-208.
44 Achtes Buch. Drittes Kapitel.
meint, sie sei verfassti als dieselbe ihr Gelübde ablegte, denn damals
habe sich Florentina anter der Leitung ihrer Herrin Tortora befunden.
— Oft, erzählt Leander, habe er ihre gemeinschaftliche Mutter gefragt,
ob sie nicht wieder in ihre Heimath zurückkehren wolle, sie aber habe
bei Gott betheuert, dass sie es nie wolle und werde. In der Fremde
erst habe sie Gott kennen gelernt, in der Fremde wolle sie sterben und
dort begraben seyn, wo sie die Erkenntniss Gottes erlangt Es schmerze
ihn, dass er dahin (nach Carthaginensis) den Bruder Fulgentius gesendet,
für den er Ge&hren fürchte. Sie möge eifrig für ihn beten. Er
wisse, dass jene ihre Vaterstadt (Carthagena) so sehr herabgekommen
sei, dass es dort keinen Freien mehr gebe, ja die Erde selbst ihre
Fruchtbarkeit verloren habe, und nicht ohne göttliches Gericht. Denn
dijs Erde, welcher die Bürger entrissen und dem Fremden übergeben
s«ien, habe ihre Würde, und damit auch ihre Fruchtbarkeit verloren^).
LfABdcr „Wolle nicht entfliehen aus dem Neste, das* die Turteltaube fand,
KBUaa. nm darin ihre Jungen zu bergen. Du bist eine Tochter der Einfalt,
die da geboren ist yon der Mutter Turtur(a). Dieser einen Person bist
Du in mehrfacher Weise verpflichtet. Die Turtura betrachte als deine
Mutter, und sie, die in ihrem Verlangen täglich dich Christo schenken
möchte, halte für eine theurere Mutter, als deine leibliche, vor jedem
Sturm, vor jedem welüichen Wirbelwind birg dich in ihrem Schoose
(die schönen Worte über Isidor s. unten Kap. 7). Wenn du den Bund
be^rahrst, den du mit Christus geschlossen, so wird dir, wenn du das
Gute thust, die Krone gebühren: dem dich ermahnenden Leander wird
die Verzeihung zu Theil werden: und wenn du ausharrest bis zum
Ende, wirst du selig werden. Amen.*^
Die Schrift des Leander ist so ausgezeichnet an Form und Inhalt,
dass sie dem Besten kühn an die Seite treten kann, was überhaupt die
kirchliche Literatur der Abendländer aufzuweisen hat. Es war Sitte der
Spanier jener Zeit, Sitte der gefeiertsten Kirchenlehrer, besonders des
Isidor und Udephons, dass sie Schriften früherer Zeit überarbeiteten,
hmi» oft ohne die Verfasser zu nennen. Desswegen ist die Vermuthung auch
"•nder!" nicht Unbedingt abzuweisen, dass wir in der Schrift des Leander noch
theilweise die Schrift des Hosius von Corduba, an seine Schwester über
das Lob der Jungfräulichkeit, welche schön und beredt verfasst ist
[epistolam puUihro ac diserto eomptam eloquio^)], besizen. Die bestimmte
Art, auf welche Isidor von dieser, und von der andern Schrift des Ho-
sius über die Bedeutung der priesterlichen Gewänder im A. Testamente
handelt, zeigt deutlich, dass dem Isidor diese beiden Schriften wirklich
■) eriranw — d. i. dem Kaiser aod seinem Statthalter.
*) Isid, de vir, übutr, cp, 5. — was natürlich in einer besondem Abhandlang näher
ansznltlhren wftre.
Die heilige Florentiiia. 45
vorlagen I und demnach auch dem Leander, wie denn auch Isidor seine
^.bhajidlung: j|Von dem Gewände des Hohenpriesters'^*) u. a. aus der
Schrift des Hosius entlehnt haben kann. Nach einer schönen und langen
Einleitung in Form eines Briefes kommen die 21 Kapitel, deren Titel
Leander selbst ver&sst hat. 1) Es sollen Frauen vom Laienstande ge- inbait
nieden werden; 2) es sollen heilige Männer gemieden werden; 3) die**^*,^/^
Jungfrau soll junge Männer nicht ansehen; 4) sie soll enthaltsam iii^''^*^^
Grenusse der Speisen seyn; 6) sie soll ohne Zeugen nicht mit einem
Pfanne sprechen ; 6) sie soll inmier lesen und beten. Bei der Handarbeit
3der bei dem Essen soll eine andere ihr vorlesen. — 7) Sie soll das
&Jte Testament in geistigem Sinne verstehen; 8) bei dem Fasten soll
iuf die Schwächlichen Bücksicht genommen werden; 9) den Wein ge-
brauche die Kränkliche wie eine Arznei^ die gesunde Jungfrau gar nicnt.
10) Eines Bades bediene sie sich nur im Falle der Kränklichkeit; 11) sie
kann nicht ohne Sünde unanständig lachen; 12) Mägde und Profess-
Schwestern sollen nicht ungleich behandelt werden; 13) Schwestern, die
in der Welt nichts , und solche , die alles verlassen haben , müssen ver-
schieden behandelt werden. Das muss die.Seniorin zu beurtheilen wissen^).
Diess gehe zunächst nicht die Florentina an; 14) sie sei gleichmüthig
bei Ueberfluss oder Armuth. Florentina möge . sich nicht eine PiUlatin
aennen oder so behandeln lassen'). In dietmii Kapitel wird eine be-
stinmite „Regula^ angedeutet, die Florentina habe, und die verschieden
Ist von der hier gegebenen Anweisung ; der Nährvater Joseph aber wird
yfaber ferrariua^ genannt; 15) sie soll sich möglichst des Genusses von
B^leisch enthalten; 16) sie soll im Kloster (in mantuterio) bleiben ^^ 17) sie
soll die „vita privata^ fliehen , und nicht die Jungfrauen nachahmen,
welche in den Städten in Zellen (per eeUtdas) wohnen, und allzu viqi^
Sorgen haben ^). 18) Die Jungfrau soll ün Kloster nichts Eigenes haben.
„Was immer deine Hand berührt, das zeige der Seniorin; und' stelle
es dem Ganzen wieder zurück.^ 19) Die Jungfrau soll nicht schwören;
20) sie soll unter den Schwestern mit keiner vertraulicher umgehen, als 4p V
mit den andern; 21) sie soll nie mehr in die Welt zurückkehren, und
ioU ihre irdische Heimath vergessen. Dieses Werk hat edirt u. a. Bro^
}jD€r l, e,, Lucas HoUtenius in Collect. Begtdaf%an, Paris 1663, Pars VII,
9.89 — 109. — Codex Regul. ed. BrockU, August. Vindel 1759y 1. 1,
j. 405—418. — [Biblioth. p. max. Lugd. t. 12, p. 999. — Migne Patrol.
lat., U 72, p. 870—894^).]
') Itid. quaesL m exodum, cp.59 — d^ vule potUffidM.
^) Laudanda taman eat mfor, n diicrtte cum sütguÜs se geueni, et unümque, pnmt
opus est, dmuriL
') ne veUa ab alüs dici, vel eeae fnelatt«r. — Habet Beg^UoMp quam aeqmaris.
*) K-G. 2 (1), 64-65.
*) Eine Uebersezang in das Spanische ist von Sandoval Pkdae ed. 1604 (qf. Nie,
Antonio, ed. 1, 1, p. 224).
46 Aclitea Buch. Drittes Kapitel.
Es ist aaffidlendi dass das goldene Büchlein von Leander so selten
herausgegeben y nnd im Grunde noch nicht commentirt worden ist Es
wSre einer deutschen Uebersezung eben so würdig als f ähig, nur müsstc
sie eben so gefeilt und abgewogen seyn, als die einzelnen Worte des
Originals gefeilt und abgewogen sind. Wir hoffen , dass die verloren
gegangenen Schriften Leander's noch theilweise werden wiedergefunden
werden. — £s ist kein Zweifel, dass Florentina, obgleich sie schwäch-
lich und kiilnklich war, ihren Bruder überlebt habe. — Diess geht u. a.
daraus hervor , dass Isidor seine zwei Bücher gegen die Jud^n, auf
Bitten der Florentina ver&sste '). MoraUi sagt (Üb. 12^ cp. 5, foL W3)j
sie sei in ihrem Erlöster zu Astigi beigesezt worden, später aber, ^rie
es allgemeine Meinung ist, sei sie von hier in das Grab ihrer beiden
Brüder transferirt worden, eine Meinung, welche Florez nicht theilt^
troz der-Grabsohrift in Sevilla; vielmehr sei ihr Leib später mit dem
ihres Bruders Fulgentius in die Berge von Guadeloupe gebracht worden,
wo man sie im vierzehnten Jahrhundert wieder fand. — Ihr 6e-
dttchtniss wird am 20. Juni gefeiert^).
g. 5. König Reccared, 586— 60L
Als Hauptgründe der Bekehrung Reccared's zum wahren Glauben
werden gewöhnlich der Vorgang seines Bruders Hermenegild und der
Einfluss des Leander angeführt. Vielleicht aber hat die Köiugin Baddo
oder Badda hierin einen entscheidenden Einfluss gehabt — Als äussere
Verhältnisse die beabsichtigte Ehe zwischen Reccared und der fränti-
schen Prinzessin Chlodos winde, der Schwester Childebert's, auflioben^,
Die so scheint Reccared die Badda zur Gemahlin genommen zu haben. Da
^'JJJSl'libcr ihre Persönlichkeit und ihre Herkunft sonst nichts bekannt ist, ;«)
war den Vermuthungen weites Feld gelassen^); gewöhnlich wurde m
für eine Tochter Astur's (Arthur?), Königs von Britannien gehalten.
Ihre Unterschrift zu Toledo 589 beweisst keineswegs, dass sie vorher
Arianerin gewesen. Ich halte sie, sei es, dass sie gothischer oder spani-
scher Abkunft war, für eine energische Katholikin, die aus religiösem
Eifer auf der Kirchenversanmilung die Beschlüsse mit ihrer Unterschrift
bekräftigte.
*) Indor prooem. dt ßde cath, contra Judaeos: Haec ergo, »aneta toror, u petente, oh
atdifkatumem wludü tnd tun dieoany ul qua contorte perjruor actnffuims, cokaerede»
/adam et met labori»,
*) Edja, iU9 Santo9f su anttgutdad «des. i eeglar, per el P, Martin de Roa, Sevilla
1629, p. 100^106. — Acta SancL U 4. Junü, p. 18-21. — Fiorez, 10 (bei dem
Bisthiim Asti^f i«) , p. 119^124.
•) Gregor. 2W. 9, 16, 20.
0 Ä Omgmr, 1, 8. 8-15.
König Reccared, 586—601. 47
Reocared führte gegen die Griechen in Spanien «ben nicht blutige
Ejnege, ^oft erhob er die Arme gegen sie^, und gegen die Vasconen*).
— Ein vornehmer Eammerherr^ der Herzog Argimund^ suchte ihn vom'
Throne zu stürzen. Seine Mitverschwomen wurden hingerichtet; er
selbst gepeitscht, geschoren; ihm die redite Hand abgehauen , und er
stuf einem Esel durch die Strassen von Toledo geführt^).
Beccared stellte das, was seine Vorgänger eingezogen^ den firühemoMLob
Besizem freiwillig zurück. Er gründete und bereicherte Kirchen und Hr«!.
Röster, sowie denn die Menge der damals neugegründeten Elirchen und
Röster ausserordentlich gross war. Er war sehr friedliebend^ und wenn
3r einzelne Sjriege führte , so geschah es fast nur, damit sein Volk der
Waffen nicht entwöhnt würde. „Die Provinzen, die sein Vater im Kriege
s^ewonnen, behauptete er im Frieden, und regierte sie mit Weisheit und
oiit BilUgkeit. Er war sanft, milde, von ausgezeichneter Güte; in sei-
nem Angesicht lag solche Lieblichkeit, in seinem Herzen so inniges
Wohlwollen, dass er alle an sich zog, und selbst die Bösen zu seiner
Liebe anzog. So freigebig war er, dass er die Güter der Privaten, und
üe Besizungen (praedia) der Eorchen, die sein Vater für den Staats-
^chaz eingezogen, ihren rechtlichen Besizern zurückstellte. So mild war
3r, dass er an den Abgaben des Volkes oft freiwillig nachUess. Viele
bereicherte er mit Gütern, sehr viele erhob er durch Ehrenstellen'*).
Wir haben oben des Briefs erwähnt, den Reccared an Papst Gregor rmm-
Mindte. In Spanien und in Rom wusste iquan« nichts von ümu Nament- "^^^
ich steht er m'cht in der Sammlung von Aguirrey der doch vieles Un-s«''^>
ichte aufgenommen hat. Baluzius hat ihn zuerst mitgetheilt mit der
Ueberschrift : Jncipü epistola Becharedi — ad beatum Oregorium Bammsem
:pi8copttm directa^). Die andern Briefe bei Gregor haben einfach den
Titel. Der Ausdruck „Romensis^ ist allerdings weatgothisch; aber man
utgte auch in Spanien: praeniles romani, papa Bomensis, und nicht Bo^ V
nensis qnscopus. — Aber es wäre doch aufiallend, wenn zwar dieser
Brief Reccared's erhalten, die Briefe Leanders aber an Gregor verloren
prären. Der Stil desselben ist ganz barbarisch, selbst unlateinisch ^).,
Sollte auch Reccared, was wir nicht glatj^en können, so wenig der latei-
lischen Sprache mächtig gewesen sejn, dass er nicht einmal einen &ief
schreiben konnte, so hatte er doch den Leander, der gleichzeitig mit
') Isidor, Hisp. de reb. Chth, cp, 54, — Luc, I\uL p, 50 (apud Schott, HtMpan,
iJhutr, 4, p. 1-117.
*) Johann. Bidar, in ßne,
S) Isidor. de reb. Ooth. ep. 52—56,
0 Baluzius, MketUanea lib. V, (Par. 1678-1715, 7 vol.)
*) z. B. — qui prae caetero* poUee tmtiitites; propc Massäia. — Nam, quantum te
veraciter diligo, tu ipse, pectoris fecunditatem, in^nrante Dommo, latere noti crtdo, —
Peio tuae CTiristianitcUis prudentiae, etc.
48 Acbtes Bach. Drittes Kapitel.
ihm einen herrlichen Brief an den Papst ^), und um dessentrwillen er
selbst schrieb y er hatte jene Aebte^ die er mit seinem Briefe and mit
Geschenken nach Rom sandte , an seiner Seite. Ein so stümperhafter
Brief wäre fast eine Beleidigung des Papstes gewesen. — Dazu kommt,
dass unser Brief auf die Sendung eines Priesters (des Defensor Johannes)
nach Malaga hinweist Diese Sendung aber fand wohl 4 Jahre später.
im J. 603 y statt, während der Brief Reccared's spätestens im J. 599 ge-
schrieben seyn kann. — Ich glaube demnach, dass wir hier einen Ver-
such aus spätester Zeit und von sehr ungeübter Hand vor uns haben,
welche den verlorenen Brief Reccared's nach der erhaltenen Antwort
des Papstes an ihn reconstruiren wollte, und in diesem Versuche zum
Glück unglücklich war^).
Reccared unterwarf Gotben und Römer einem Gesezc^j, nahm den
in Spanien so beliebten Namen Flavius von den römischen Kaisem an;
in den Münzen erscheint er zuerst als gekrönter König*). „Nach guten
Anfängen gelangte er zu gutem Ende. Den Ruhm des rechten Glau-
bens, den er im Anfange seiner Regierung annahm, krönte er zulezt
durch ein öffentlicbes Bekenntniss seiner Sünden (vielleicht nach dem
Beispiele Leanders). Zu Toledo starb er eines friedlichen Todes, er
hatte fünfzehn Jahre regiert^).
') •Einen trefflicheren RaAgeOlr als Bischof Leander konnte er sich wohl nichi
llrfipschen", ffelffeneh, Westgoten -Recht, 8.27. — S. 33. »Seine katholischeo
Bathgeber haben zn ihrem unverwelklichen Rahme gewirkt.**
') Der Brief in Gregor, ep, 9, 61,
>) Lvcas TW. p. 50. — Bod. Xmenes, 2, 15,
^) Bei Moädeu, t, 9, p, 11 ^ 14 stehen die erhaltenen Münzen. — Mariana, 1.5.
cp. 11^15; Üb, 6, <y. 1. — Ferrer asy 2, 306-330.
») Aickbach, 221—33; Lemhke, 77—86. Lafuente, 2, 359— 369. — Ad. Thlffcrick
Entstehung und Geschichte des Westgothen - Rechts , Bnrlin 1858, S. 27— 46,
»Reccared und das dritte Concil von Toledo."
Viertes Kapitel.
UiiiUi voi CtrUgmt» Draatos iid litropiis von Monast.
Serviliiiuii. Manes vra Bidart. NMinitos von Goronda.
■aitaiis Dii Johannes von Saragossa. — Conell von Egara,
J. 614.
§. 1.
Licinian erscheint (nach Hilarius?), nadi^^ctor im J. 617, und Cel- mci-
Sinus im J. 546 als dritter uns bekannter Bischof von Carthagena/ Er "*""
war gelehrt in den Schriften; Isidor las viele Briefe von ihm, einen
über das Sacrament der Taufe, sehr viele an den Abt £atrophis, den^
spitem Bischof von Valencia. „Aber die übrigen Werke seines Fleilses
und seiner Thätigkeit gelangten nicht, sagt Isid., zn unserer Eenntniss.
Er blühte zu den Zeiten des Kaisers Mauritius (684 — 602): er starb zu
Constantinopel, durch Gift, wie es heisst, von seinen Nebenbuhlern be-
seitigt; aber, wie geschrieben steht, von welchem Tode auch der Ge-
rechte hingerafft wird, seine Seele wird im Frieden seyn*).^
Er schrieb an^ Papst Gregor einen uns erhaltenen Brief: „Das vott * •■
deiner Heiligkeit herausgegebene, und mit Hilfe Gottes an uns gelangte ^ofl^
Buch von der Hirtenregel haben wir um so lieber gelesen, als wir geist- *^' *'
reiche Lehren darin gefunden haben.^ Es muss als historischer Grund-
saz gelten, bei Conjecturen stets an bekannte Thatsachen anzukniipfen.
Da wir nun wissen, dass Gregor an Leander im J. 696 seine Pastoral-
regel sendete, dass Leander aus Oarthaginensis ausgewandert war, dass ""
sich zur Zeit des Licinian dessen Bruder Fulgentius daselbst befand,
dass Leander den Licinian besuchte^ — so dürfen wir annehmen, dass
Licinian eine Abschrift der Pastoralregel von Leander erhielt, und dass
*) Itid. q>. 42 de vir, illuitr,
Oani«, Span. Kirche. II, 2.
h
50 Achtes Buch. Viertes Kapitel.
er nach deren Durchlesung sich gedrungen fühlte, seinen Dank dem
Verfasser auszusprechen *). — Er nennt (cp. 2) als alte Lehrer und
Vertheidiger der Kirche HUarius, Ambrosius, Augustinus, Gregor von
Nazianz. Er führt aus Hflarius eine Stelle an , wornach dieser bei Er-
klärung der Worte Pauli sag^, dass es für einen Bischof nicht genüge,
rechtschaffen zu seyn, da der Schuldlose nur sich nüze, er müsse auch
gelehrt seyn, um andern zu nüzen.
^I*'^ Dom Pitra hat im ersten Bande seines Spicilegium unter dem
Namen des Hilarius ^) Erklärungen zu den Briefen Pauli an die
Galater, Ephesier, einen ausführlichen Commentar zu Philemon, und
Auszüge von Commentaren zu den zwischenstehenden Briefen ge-
geben. Er führt 12 sogenannte innere Gründe an, welche Reinkens
ohne Mühe widerlegt^). A. Mai und Pitra aber yerweisen nebstdem
auf das zweite Concil von Sevilla, wo eine Stelle aus dem Commen-
tar des Hilarius tfber die Briefe an Timotheus angeführt wird^}. —
Bdden EardinKlen üt indess der Brief des licinian an Gregor ent-
gangen j in welchem ohne Zweifel auf den Commentar ra den fitieftn
an Timotheus hingewiesen wird^ in denen sich die Anweisungen für
Bischöfe und Bischofswahlen befinden. — Aber schon im J. 1854 hat
Jacob! zu Halle, der Herausgeber der Dogmengeschichte Aug. Neander's
gezeigt, dass der Commentar des Hilarius nur eine Uebersezung aus
dem Commentare des Theodor von Mopsvueste sei^). Bald darauf hat
Dr.Noiken^) denselben Beweis geführt, indem er u. a. den griechischen
Text des Theodor'schen Commentars an die Galater 1,4 — aus den
erhaltenen griechischen Fragmenten Theodor*s^) mit dem von Pitra mit-
getheilten Commentar zu Galater 1,4 — zusammenstellt. Lezterer erweist
sich ohne Widerspruch als eine schwerfällige Uebersezung Theodor's.
Aus Anlass der Geschichte der Adoptianer hat Hefele über denselben
Gegenstand referirt^). — Man besass im 6. und 7. Jahrhundert in Spa-
nien demnach einen Commentar zu den Briefen des Apostels Paulos
zunächst an Timotheus, wahrscheinlich auch zu den übrigen Briefen^
mit Ausnahme etwa der drei ersten Briefe Pauli und des Briefes an die
') Ebenso Ferreras, 2, 325.
«) SpiciUfftum SoUtm. 1 1, p. XXVI— XXXV.
«) Bmnkens, Hilarius von Poitiers, 1864, S. 278-74.
*) Anff, Mai, SpicUeg, romanttm, t 6, praef. p, 35, — Pitra, p, XXVI.
*) JaeM in: Deotacbe ZeiUehrilt von Schneider, Nr. 32. — Dogmen^eschiehtf
V. Neander, 2, 26.
*) Notken in: Wiener Zeitschrift für katholische Theologie, von Sckeiner, Bd. 8
(1856) S. 97—98. »Patristische Miscelle«.
^ Tkeodori M, in Ncv. tettamenium commentarianim , quae reperhi potuerunt. ColUg,,
dispoM., ementhv. Otto FridoL Fritzeche, Turici, 1847 f p. 12 i. — Miyne, Patroi
fpraeca, t 66, op, Tkeodori, p. 900. ~ Pitra, Sp. S., p. 52—53.
•) Concil. - Gesch. 3. Bd. (1858), S. 613-14.
Lieiniaii tob GArUgena. 51
BebitteTy für dessen Ver&sser man den Hilarius von Poitiers hielt^ wäh-
rend man nur eine sehr nnlateinische Uebersezung der Commentare des
Theodor von Mopsvaeste zu den Panlinischen Briefen besass. Zu unter-
suchen, wie man diesem Irrthume yerfallen, liegt nicht in meinem Plane.
Wir besizen indess sowohl bei Pitra, als in den von Fritzsche und Mai
mitgetheilten Commentaren vorerst nur Auszüge aus den Erklärungen
Theodor^s zu den Briefen an Timotheus und Titus, während bei Pitra
sin vollständiger Commentar zu dem Briefe an Philemon vorliegt
Femer citirt Licinian das Werk des Ambrosius „de offieiü^ nur
illgemein ; aus Augustinus theilt er aber eine Stelle über den Beruf und
üe Eigenschaften eines Bischofs mit, die sich im Buch 19, cp. 19 —
7on der Stadt Gottes fast wörtlich wiederfindet.
Zulezt führt er den Ghregor von Ibizianz an, j^dessen Stil du folgest,
lAoh dessen Beispiel du verborgen seyn wolltest, um der Last des
BBrtenamtes zu entgehen').'' — Er bittet, ihn zu belehren über ängsti-
gende Fragen, die bei Lesung seiner Hirtenregel in ihm aufgestiegen.
Er sei gezwungen, das zu thun, was Ghregor verbiete^). Da sich zu dem
bischöflichen Amte kein Kundiger (periiu») finde, was anders sei zu
hun, als dass Unwissende, wie Licinian selbst, geweiht werden? Gregor
möge entscheiden, ob es vielleicht genüge, Jesum den Gekreuzigten zu
kennen; wenn diess nicht genüge, so gebe es an dieser Stätte keinen
Kundigen, also auch keinen Bischof. Der Weihe eines Bigamus wider-
$ese er sich stets entschieden. Aber Zweifel habe er doch. Er möge
hn durch eine Anweisung trösten. Er sei in der Lage:, entweder es
itrenge zu nehmen mit den Eigenschaften der zu Weihenden, dann wer-
den Predigt, Taufe und Messopfer aufhören, oder Unwürdige zu weihen.
Dass Licinian Metropolit war, gebt aus diesen Worten klar hervor,
lenn „8acerda$ und ScuserdoUum^ bedeutet in jener Zeit stets das bischöf-
liche Amt.. Er fährt fort:
„Vor wenigen Jahren besuchte mich der Bischof Leander von Se-
rilla auf der Rückkehr von der königliohen Stadt im Vorbeigehen, und
sagte, er habe Homilien über das Buch Job, welche von Deiner Heilig-
keit herausgegeben worden. Weil er aber Eile hatte, konnte er uns
lieselben troz unser£ Bittens nicht vorzeigen; später habe Gregor an
Leander über die dreimalige Untertauchung geschrieben, und gesagt,
dass ihm jenes Werk nicht gefalle, er es aber doch herausgegeben.
Dazwischen handelt er von der, theilweise erhaltenen, Version der Er-
klärung des Origenes zum Buche Job durch Hilarius, findet es aber
auffallend, dass dieser gelehrte und heilige Mann die Absurditäten des
*) V. u, a, S. P, — Oregorü — Naxktnz, oratio apohgUiioa dt fitga «tuiy ed, Akog
Frib, 1856, 66 p. of, earmka M m yjno (liet. de miß mia).
^) Grtgcr, rtgula poBi, 1,1 — im mmt« impmii ad wmigitimHm audeani.
4»
52 Achtes Buch. Viertes Kapitel.
Origenes über die Sterne als lebende Wesen habe übersezen mögen [ut
de 8tdii naenku Origenii transferret^)]. Der Papst möge ihm sein Buch
über Job 9 und die übrigen von ihm verfassten Bücher j^Moralium' sen-
den, deren er in seiner Hirtenregel erwähne. Ihm sei es ein süsser
Wunsch y wie dein Gregor (von Nazianz) sagt, bis zum höchsten Alter
zu lernen'). Aus den leztem Worten scheint mir heirorzugehen, dass
Licinian um diese Zeit schon bejahrt war.
Eine Antwort auf diesen Brief besizen wir nicht Niemand von den
Alten, auch Isidor nicht, erwihnt ihn. Erst Dachery fand ihn. — Aber
der Brief trägt alle innem Zeichen der Aechtheit, und ist für die
Eirchengeschichte sehr wichtig. Wir ersehen u. a. daraus, dass Leander
mit Licinian verkehrte, dass . dieser die Hirtenregel und den ersten
Brief des Papstes wohl von ihm empiieng, dass der Anfiemg der Werke
„Moralia in Job^ sehr firühe nach Spanien kam, während das vollstän-
dige Werk erst 60 Jahre später dahin gelangte, dass Schriften von
Gr^^or von Nazianz und Theodor von Mopsvueste in Versionen in Spa-
nien bekannt waren, u. a.
•n VI». Vincentius, Bischof von Ebusa (Iviza) hatte an Licinian geschrieben,
'^"'^°*da88 er einen Brief von einem Ungenannten erhalten, mit der Nachricht,
Rbasa. es sd in Rom auf dem Altare über der Memoria Set Petri ein Brief
Christi vom Hinmiel gefallen, u. a. mit der Einschärftmg einer bessern
Sonntagsfeier; diesen Bericht habe er von der Kanzel aus dem Volke
verkünden lassen. Darüber schrieb Vincentius an Licinian [als seinen
Metropoliten*)]. Dieser antwortet scharf: so bald & den Anfang des
Briefes gelesen, habe er ihn in Gegenwart des Ueberbringers zerrissen
und auf den Boden geworfen; er könne solche Albernheiten (naenias)
nicht ertragen, worin sich weder eine schöne Diction noch die gesunde
Lehre finde. Die strenge Sonntagsfeier der Christen düHe keine jüdische
sejn; wenn die Christen am Sonntag den Gottesdienst nicht besuchen,
so wäre es besser für sie^ zu arbeiten, als zu tanzen, und fade oder
schmuzige Lieder zu singen^). Christus schicke keine Briefe mehr vom
') Davon ist noch vorhanden Fragm, homitiae de libro «. Job — cf. Efieron. ep. 6t
ad VigHantium. — /t6. / contra Rufinum^ cp. 14. Obiges Fragment ist aus Augu
8tia. L 2, 27, ctra Julianum (Ed. M. W, 358), der es für eine Schrift drs
Hilarius selbst hält. — cf. Hieron. ep. ad Vtgilant 61 (al. 75); — ad
Pammaeh, 57 (101) ep, 6 de optimo genere mterpretandi. — apolog. ad». Ubr. Rufini,
1,2 — Hilarium , — gut 40 ferme miUia versuum Origenis m Job et PkvJmoi
transtuliL
*) Greger N,, poimata de »e ipso, Crregor. jiujurand. — Poem, moral. 33 — Tetra-
etiekae eent. v. 225 — 35,
») K.-G. 2, (1) 188.
*) tu dieitur, baüare, mkar9f et membra — ealtando male torquere, et ad exeüandiun
ländmem ntigaioriii etmeiomhie prochmare, — AugueL de temp. (»ermo§L suppoeiL) S. ^<>>
LiciDUn ron GArtageBa. &3
Hiiiimel, ja habe es nie gethan. Er aolle also in Gegenwart des Volks
jenen Brief , wenn er ihn noch habe, aerreissen^ und bereuen, was er
gethan. Der Brief schliesst : ^^Bitte f Or uns, heiliger Herr, und in Christo
geliebtester Bmdar.''
Ausführlicher ist der dritte Brief des Lioinian ') , dessen , wie der
beiden frühem, Isidor nicht er^^nt, welchen er und Sererus (von
Malaga) an den Diacon Epiphanius schreiben. — Der Bischof dieses m d««
Epiphanius, welchen die Brieftehreiber w^;en seiner hohen Würde aus k^^Ü.
Schonung nicht nranen wollen, behauplele^ dass ausser Gk)tt alle andern ^^
Wesen körperlich seien. l!4ciBian hält es wohl für angemessen, die
Antwort nicht allein su geben ^ sondern zog den gelehrtesten Bischof
seiner Provinz zur Theilnahme an der Widerl^ung des Irrenden zu.
Es wird aus der Schrift bewiesen, dass die Engel, die guten, wie die
bösen, Geister seien; ebenso die Seele des Menschen. Dann kommen
üe Vernunftbeweise. Es gebe vier Elemente alles Körperlichen; ob für «
lie Geister ein fünftes bestehe? Der Geist sei an keinen Ort gebunden
'amma loeaUs non est). Er könne nicht getödtet werden, wie der Leib.
&Js Bild Gottes — sei er Geist, wie Gott.' Der Geist belebe den Leib,
3r durch wohne und durchherrsche ihn, untheilbar in ihm. j,Die ganze
Seele siebt, hört, betet an, berührt, kostet: und während sie den Ldb
lurch die Räume bewegt, bewegt sie selbst sich nicht im Raume.^ Es
igsthe drei Bewegungen der Wesen, Gottes, die nicht in der Zeit und
licht im Räume sich vollziehe, die der Seele, die in der Zeit geschehe,
^fahrend sie, selbst nicht räumlich, alle Räume umfasse (amnia loea
nloeaUter conüneij. Sie hat keine Quantiült, aber eine Qualität, Gott
labe weder die eine noch die andere'). Es wird vom Punkte und der
Linie in der Geometrie gehandelt Es folgt der Beweis aus der
Tradition , der sich auf Citate aus Werken Augustinus ^) (deren Zusen-
lung sickcEpiphanius vergebens erbeten hatte) und aus Claudiamt» Jfom. :
,de incotporaUtaU tmimae — l. 3''^) beschränkt Wenn man dessen geist- -
'eiche Schrift aufinerksam durchliest, wird man vielleicht finden, dass -
msre vorliegende kleine Schrift zum grossen Theile die Gedanken und
Ausführung des Claudianus M. wiedergiebt Es genüge , schliessen sie.
266 — diaboUco more bahre et ialtare, — Ferrand Diac, c. 188 Brwiar, eanon, —
Friedrich Diez (Elyrool. Wörlerbuch)— leiteldas Wort von : ftoOtys-Ka^el, Ball her.
*) Er hat 22 capilala; ^inleilnng 1 — 2; Schrlflbeweis, 3—9; Vernunftbeweia,
10—17; VälerbeweisplS— 21; Schluss cp. 22.
') ep. 14 f rite creditur cmima qttantitatem - nulUnn , qucUiiatem habere uüam: Deum nee
qucmtüatem, nee qualitatem habere. Quia igitw <i9qualig Deo non est, quaUtaUm
habere; quia corpus non est, quantitatem non habere.
*) Darunter Ist der Brief (137 ed. Maur.) ad Vobtsianum, „de tnctMmaiione Verbi Dei*'
(cp, 11), welchen unsre Verfasser „Über de Virginitate Set, Mariae'^ nennen.
*) Vielmehr: de etatu animae; l 3, cp, 14 <Reeapiialation des Cl. Mam.)*
54 Achtes Baeh. Viertet Kapitel.
dase sie flun in KUnsey soweit es die beschrilxikte Zeit erkabe, Auesüge
ans diesen beiden Schriftsteilem mittheilen. Er möge sie dem Unge-
nannten (i. e. seinem Bischöfe) mittheilen; wenn er sich nicht füge and
zurechtfinde, so werden anch andere Zeugnisse bei ihm nichts vermögen.
Der Inhalt des sweiten und dritten Briefes des Licinian ist eine
unwiderleglidie Bestätigung seiner Klagen in dem ersten Briefe, dass
nur Unerfahrene in seinem Sprengel sich für das Amt eines Bischofs
Lki- finden. Der Inhalt aller drei Briefe führt zu der Ansieht^ dass Licinian
Mtu^ Metropolit war; als solcher musste er Bischöfe weihen, den irrenden
■^"^ Sttffragan Yincentius, vi^<l ^^^ irrenden ungenannten Bischof des Epi-
phanius zurechtweisen und zurechtführen. Umsonst sagt Florez, der
Brief an Vincentius beweise dieses nicht*); aber im Zusammenhalte mit
der Natur und Lage der Dinge, mit der G^chichte und den Übrigen
zwei Briefen beweist er es. — Aber wie im siebenten, so konnte man
es im 17« und 18. Jahrhundert innerhalb des Sprengeis von Toledo noch
nicht zd einer geschichtlichen Anerkennung einer Metropole von Ga^
thagena bringen. — Licinian war Metropolit der Bisdiöfe inne^
halb des noch den Griechen angehörenden Gebietes in Spanien. Wenn
unter ihm auch der Bischof der Pithyusen stand, so beachte man, dass
diese Inseln ungleich näher bei Spanien liegen, als die Balearen.
Sein Lidnian kam in Constantinopel um das Leben, wie man sagte, durch
^co»!' ^ift- ^^^ Erklärung seiner Reise dahin und seines tragischen Tody
^*^l^ ist damit nicht gegeben, wenn man sagt, die Kezer haben ihn vergiftet
— Entschieden trete ich der (nur nicht motivirten) Ansicht des Ferren»
bei^), er sei nach Constantinopel gereist, um im Namen der Unterdrück-
ten bei dem S^aiser Klage zu führen gegen das Raubsystem der Statt-
halter, dass aber Comitiolus, davon in Kenntniss gesezt, ihn zu Con-
stantinopel habe vergiften lassen. Man bedenke, dass Comitiolus die
fireien Bürger sänmitlich zu Sklaven gemacht, dass das Land verödet
lag^), man denke an die Gewaltthätigkeiten gegen die Biscböfe, und
man wird begreifen, dass Licinian kaum umhin konnte, für seine be-
drängten Pflegempfoblenen in seinem hohen Alter diese Reise anzutreten)
die ihm den Tod eintrug; aber er starb den Tod des Gerechten.
Den ersten Brief des Licinian fand und theilte mit dAchery in Spi-
V) Fiorez, 4, 85 (98), 5, 124^28, gegen Juan BapL Ferrer: Diäsertatio de antiquo
primcUu Toletano, aucL — Ferrer f VaUntmOf Valentiae 1728, p, 90, der, als ein
Kinwohncr des Königreichs Valencia, nicht auf dein Mndpunkt von Toledo stohl
') Ferrerae, 2, 325—26; er widerlegt zugleich die Behauptung des Miuiana (Üb, 5, 13
und Aguirre 3, 315), dass Leovigild ihn habe vergiften lassen.
') qf, uUimum regulae S. Lecmdri: terra, eui dvee er^H sunt, et concesei extraneo, moi
ut dignitaUm perdidit, caruit et foecunditate, — Mit Unrecht versteht Montalem-
bert diese Worte von ganz Spanien (Mont. die Mönche des Abendlandes, deutsch
von Brandes, Regsb. 1860» Bd. 2, S. 200 (»Die Mönche in Spanien, 8. 193—238 ).
LieiniAn tod Cartagena. 55
dleg. t. 2, p. 368 (Affuirre, U Sj 315^17), den zweiten und dritten Aoasa-
theilte mit aus Ms. der Kirche von Toledo der Kardinal Aguirre^'n«**^*'
(t 3) 317 — 321 )} derselbe giebt zu dem ersten Briefe die Varianten eines ^''^'^'*
Ms. von Toledo. Eine neue correktere Ausgabe der drei Briefe gab
Florez (den ersten nach der zweiten Ausgabe des Spicileg, van Dttehery,
t. J, 1723) j Esp. $ag. t. 5, p. 402^-405— 407^-410 apendice JF, „de las
Carta» de Lidniano^, Aus Aguirre sind die drei Briefe abgedruckt ap.
Migne, patroL laU L 72j p. 690^700.
Ueber Licinian ist, ausser flüchtigen Bemerkungen, noch nichts
geschrieben worden '). Er wäre, in Verbindung nut der Darstellung der
Lage des in der Gewalt der Griechen befindlichen Theiles von Spanien,
einer Monographie wohl wertL Seine Bildung wie sein Eifer ist rüh-
menswerth; seine Sprache ist nicht frei von Provinzialismen, im Ganzen
aber correkt und anziehend. — Da wenige Jahre nach seinem Tode
Carthagena von den Spaniern zerstört wurde , so war er vielleicht der
lezte Metropolit, oder doch der lezte Bischof von Carthagena, der in
Carthago Spartaria residirte. An die Stelle von Carthagena trat Biga-
stro, und später Murcia.
§. 2. Donatus
war Gründer und erster Abt des Klosters Servitaniun. Seiner erwähnt d«...
zuerst Johannes von Biclaro beim dritten Jahre des Leovigild (J. 571): ^'J*'
Donatus, Abt des EUosters Servitanum, der Vollbringer von wunder- mo«.
baren Werken, wird gefeiert^). Zwölf Jahre später nennt er den Do- aam.
natus einen Heiligen^). — Ausführlicheres über ihn theilt erst 100 Jahre
später Udefons mit: „Donatus, Mönch dem Bekenntnisse und der That
nach, soll der Schüler eines Einsiedlers in Afrika gewesen seyn. Da
dieser die Einbrüche barbarischer Völker, die Zerstreuung und die daraus
entstehenden Gefahren für seine Heerde vor Augen sah, so begab er
sich zu SchifiF mit etwa 70 Mönchen, und zahlreichen Codices nach Spar
nien. Ihm gab die vornehme fromme Frau Minicea Hilfe und
Unterstüzung, so dass er das Kloster Servitanum bauen konnte. Er
zuerst soll nach Spanien die klösterliche Observanz und Regel gebracht
haben: im Leben leuchtete er durch Wunder, im Tode durch seinen
Nachruhm. Lebend, und in der Crypta seines Grabens ruhend, soll er
durch Heilwunder wirken, wesswegen die Bewohner jener Gegend sein
Grab in Ehren halten ♦).*<
') Fabricmtf biblioth. med. eL in/, laU ed, Mansif 4, 274 — 75, — Antonio Perez-Bayer,
277^82, — de Castro, 275 78. — Rem, Ceillier, 11, 428^29.
^) Donatus f — mirabiiium Operator, clarus habetur.
*) Eutropiu» AbbaSf Moncuterii Sem'tani, discipulus Sancti Donati, clctrut habetur,
*) Ilde/ons de vir. iü. cp. 4.
66 Achtet Baeh. Viertes Kapitel.
«•hl Von der B^gel des Donatus soll sjritter die Rede seyn. Aber wer
Afrika, waren die Barbaren , vor denen er floh ? Es i^earen die Berbern ; die
Bacoatae nnd Macanitae in Mauritanien^), führten beide den Beinamen
Barbari 9 in dem man die hentigen Berbern^) leicht wieder ^kennt').
Schon im 2. Jahrhundert überschwenmiten und beherrschten sie längere
Zeit den Süden von Spanien; nach Tertullian brachen sie hervor ans
ihren Sisen. Sie erwiesen sich als die gefiihrlichsten Feinde des Reiches
der Vandalen; und die Handvoll Truppen, welche jezt, nach dem Stuise
der Vandalen, die R5mer (Griechen) in den weiten Gtebieten von Spa-
nien stehen hatten, konnte ihren Raubzügen nicht Einhalt thun^). Aga-
thias klagt um diese Zeit^), dass das kleine Heer von kaum lÖOyOOOMaim
in Spanien, Afinka, Italien, Aegjten, Persien, Armenien etc. zerstreut
sei. Mit einem Heere von nur 16,000 Mann zerstörte Belisar das Reich
der Vandalen« Auch der Abt Nunctus, welcher zur 2ieit des Leovigiid
nach Emerita kam, scheint Afiika aus dem gleichen Grunde verlassen zu
haben ^).
Kloster Zur Zeit des Kri^;es zwischen Hermenegild und Leovigiid waren
Martini, beim Herannahen des Feindes aus dem Kloster des heil. Martinus sämmt-
liehe Mönche auf eine benachbarte Insel geflohen. Nur der alte ehr-
würdige Abt war geblieben. Als die Gothen kamen und den Ort plün-
derten, so fanden sie den Abt allein, zwar gebeugt vom Alter, aber
doch aufrecht durch seine Tugend. Einer der Gothen zog das Schwert,
als er aber zum Streiche gegen ihn ausholte, fiel er rücklings zur Erde
und starb. Vor Entsezen flohen die Uebiigen; Leovigiid, von dem
Ereignisse in Kenntniss gesezt, befahl, dem Kloster alles Geraubte
zurückzustellen ^).
Das Kloster Servitanum lag jedenfalls zwischen Sagunt und Cartha-
gena, es hatte in Donatus einen bejahrten Abt, welcher Wunder voll-
brachte, es konnte auch dem heil. Martinus geweiht seyn. — Auch
werde sonst ein Martinskloster in diesen Gegenden nicht erwähnt'). — -
Dagegen wird geltend gemacht die Verschiedenheit der Namen, femer,
1) PloUm, 4, i.
') Johannes BicL 575 — donis Barbariae (« Berberei).
») Farbiger, Handb. d. all. Geographie, Bd. 2, (1844), S. 870 »J/auritoma."
*) Joh, Bielar. J, 569 — TkeodoruSf prae/ectw A/ricae, a ^fauri* inter/ecttu est. ■-
Juhr 570; Theoctietiu magister militum provinciae Africanae a Maurie beUo superatui
interiü, — J, 571 : Amabiiis magUUr militiae Africanae a MauriM ocdditur.
*) Agatkias, 5, 13,
*) Pauhu Emmit, cp. 3, ah ÄfricaniM regionibus in provinciam Lueitaniam Nunditm nostntm
t adveniue ahhaUm,
^) Gregor^ TW. de gloria confee», c 12, — MantaUmbertf S, 201,
•) Fr, Diago, Annales del Rmno de Valencia, 1613, Hb. 5, cp, 9. Matnlltm, oMtaiu
0, S. B,, L 3, w, 35,
Entropint, Bischof nm ValiBeüu 57
da88 im J. 664 schon Eatropius als Abt bertOunt war, %a8 docb einige ,
Jahre seiner Amtsthätigkeit vorausseze; vor allem der umstand , dass
das Promontorimn Dianimn jezt Cabo S. Martin heisst^), von wo aus die
oächate üeberfahrt nach der Insel Ivisa war. Für mich ist der lestere
Qrond von Gewicht Denn auch das Promontorium Magnum in Algarve
— - heisst Cabo de Bio Vicente, von dem darauf gestandenen Sc. Vin-
seiUBkloetery wfthrend heute noch der südliche Auslinfer desselben Ponta
le Sagres heisst , wie er früher Pronu Sacrum genannt wurde ^). — Wie
in den alten Zeiten auf Vorgebirgen Tempel standen, so wurden in der
neuen Zeit Kirchen und Klöster auf ihnen errichtet In 4em Bisthum
3. Denia wäre demnach das Set Martinsklosler gelegen^) , während das
Kloster Servitanum im Bisthum Saetabis lag. Den Namen Servitanum
leiten einige von Saetabis, andre von Servi(Dei) ab. Die Mehrzahl der
Schriftsteller glaubten, dass das Kloster nächst ^er Stadt Saetabis lag,
«während ich mit andern eine etwas südlichere Lage, etwa bei la-Ollma,
innehme *).
§. 3. Eutropius^ Bischof von Valencia
war der nächste Nachfolger des Donatus, und schon zum J. 584 sagt sairo^
Johannes Bicl.: Eatropius, Abt des Klosters Servitanum, Schüler des ^^
beiL Donatus, wird gefeiert. Viel Ruhmvolleres noch berichtet er über
ihn aus Anlass der dritten Synode von Toledo, 589. — Ibn feiert Isi-
clor mit den Worten^): Eutropips, Bischof der Kirche von Valencia,
bat, als er noch im Kloster SesJÜlanum w^te, und Vater der Mönche
war, an den Bischof Lucinian i^cß^Poipam Lueinianum), dessen wir oben
Erwähnung gethan, einen seh^' lehrreichen Brief geschrieben, worin er
denselben fragt, warum den getauften Eandern das Chrisma, und dar-
naoh die Salbung mitgetheilt werde. Er schrieb auch an Petrus^ den
Bischof von Ercavica über die Leitung (diHneUane) der Mönche einen
') WiWcamm, rlie Halbinsel der Pyreotea, Leipz. 1855, S. 77, 154, 156. — Ä. J, Ca-
vanilUs, Observ, — del Reino dt Vakuda^ Madr. 1795, Bd, 2, S. 220. Es sind
vielmehr 6 Vorgebirge Cabo de S.Antonio, S. Martino, de la Nao, Moraira,
Hifac und Arabi. Im Alterthum hiess es: Dianiam, von einem Tempel der
Diana, Tenebriom (heute Negre), auch Ferraria (Mela, 2, 2, 6, — Forbiger,
3, H).
^) WiUkomm, 3, 88, 140—41: »Der änsserste Vorsprung des Kaps trägt ein Kapu-
zinerkloster, welches auf drei Felscnkeg'eln steht, zwischen den« die Wogen
des Meeres hindurchschlagen. Bei stürmischem Wetter sprizt ofr^r Schaum
der Brandung noch hoch über das Dach des Klosters hinweg, v. S. 4%.
») Fiacher, Gemälde von Valencia, 1. Bd., L. 1808, S. 197— «9, die 8t. Martinshöhle.
*) Fhrexy dt la Iglesia Seialntana, axpU, uft. De loa Sanlot dt ttta Dioetn, y del
MonasUrio Smvitano , 8, 57— 62, «-
*) hid, de vir» ÜL cp, 45.
58 Aehtes Bach. Viertes Kapitel,
an Bi. in erbaulioher Sprache verfassten und den Mönchen sehr nothwendigen
Petra« Brief.*'
MTif«? Dbbs Eutropius Bischof von Valencia wurde, erfahren wir nur von
Isidor*). Im J. 610 war Marinus schon Bischof von Valencia, im J. Ö89
Celsinus. Da wir mit Grund annehmen, dass Eutropius einer, vielleicht der
erste der Aebte war, die Reccared nach Rom sandte, so würden für die
Dauer seines Episoopates wenige Jahre übrigen. Er scheint nicht als Heili-
ger verehrt worden zu sejn, wenigstens steht er nicht als solcher in den
Martyrologien^j. — Erhalten ist uns „Epittol<i ad Peirum Pap€ttn de
de oeto vitiis; er bezeichnet als solche: 1) gastrimargiaf 2) formeatio,
a fntii*.^j philarffyria, 4) tro, 5) tridiUa, 0) aeedia, 7) cenodoxia, 8) «^erWa j,
Die leztem beiden fallen ofiFenbar zusammen. Die griechischen Namen L
weisen auf den griechischen Ursprung dieser Sittenlehre^). Es finden 1^
sieh trefiPende Aussprüche über Wesen, Wirken und Zusammenhang die-
ser Laster. Der Christ soll nicht essen „vor der canonischen Stunde''.
Jede Todsünde zerfällt wieder in zwei oder drei Verzweigungen. Sie
stehen unter sich in einer Verkettung (concatenatio) , und haben ihre
einzelnen Aeusserungen ^). Er zeigt, wie man gegen diese Fehler
kämpfen solle. Es gebe mehr Laster, als Tugenden, doch wer jene acht
Lastor besiegt, habe alle mit der Wurzel ausgerissen. Es folgt die zweite
dedi- Abhandlung an den Papa Petrus „de cUstrietione monachorum et rtdm
M Mip fnonoiteriorum , directa Bomae. — Man müsse erhalten die Zucht und
^""^'^ die Ordnung der heil. Regel, damit, was die Väter eingesezt, auch die
Söhne unversehrt bewahren und beobachten. In der Welt müsse der
Fürst, in der Kirche der Hirte und Hohepriester, in den Klöstern der
Vater den Bösen Widerstand leisten und sie züchtigen. Er verweist auf
das achte Buch der „Stadt Gottes.^ Den Apostel Petrus nennt er dis
Haupt und den Fürsten aller Apostel. Er beschwert sich, dass ihm der 1
Vorwurf zu grosser Strenge im KUoster gemacht wurde, wesswegcn j
schon einige Mönche ausgetreten. Aber besser sei es, mit wenigen heilig«
als mit vieleu lau und weichlich leben. Wer so sage, der kenne keine
EUosterregel (monasterialem regulam). Was Gott in diesem Kloster fin
-
* ) cp. 42 et 45.
*j Fr, DiapOf Annalts de Valencia ^ L 5, p. 206. ~ Florez Ä, 166—69 „San i.V
iropiü**^ (de la lyhsia de Vaiencin). - Antonio - Perez Bayer ^ p. 2Hfiy nr, 44.
') 8, Kimmelf Monumenta fidei cccles. orten talis, Jenae 1850 ^ Con/esaio orthodaxOf P. ///<
gua$ith 23, wo ^ vxs^tffxiveta, ij xXtove^ia^ ij xo^eiay 6 f^^c^voc, ij yaOr^ifu^yu^
^ fjmfaotaxia (Rachsucht) xoi 17 eoajdia als Todtsünden stehen. — v. übrig-
des Cassian Schrift: de coenob. inetitui. 1.5 — 12.
*) Er nennt sie ßliae^ z. B. de /amicatione — (nascuntur) turpiloguiay scurriUtata^
ludicra ac ituUiloquia (cf, üher diese sosron. A Tri kan Ismen, K.-G. 1, 88—89 -
cf. Hilarius Pict 2, 6 ad Constani. cp. 25 contra Conet. — Eutropiue sagt a. 2.
in alio euperequiiat fiwor. \
#
w €nlUi mta) bis jezt erhalten, das wolle er jeat nicht w^;en wmiger
ner, heromsch weifender Pseudomönche (^tw^o» jM^iidbmoiiac^kMJ^ welche
glich Ton einem Hause zum andern laufen , und die mit Epicur guter
inge spredien: Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir
dt, verilndem oder aufheben. Denn^ wie der heil« Apostel sagt: Es
eht ein fester Grund (2 Tim. 2, 19), und wenn auch Einer in Folge
mes bösen Willens daran sich stosse und falle, so möge doch in nichts
nstoss nehmen und wanken, was (wen) der allmächtige Gott mit sei-
sr Rechte schUzt und stärkt Amen.
Der mit Geist und Feuer, aber nicht ohne woU berechtigte G^reiz^
)it, vielleicht sagen wir besser mit heiligem Zorne geschriebene Brief,
w jedenfalls den höchsten Beifall Isidor's gefunden, lässt schliessen, '
188 Bischof Petrus vorher einen klagenden Brief an Eutropius jiber
»sen zu grosse Strenge gerichtet Nach dem Inhalt sollte man. schUes-
n, dass derselbe im Kloster (Servitanum) geschrieben wurde. Jst aber
e Ueberschrifi acht und sprachlich correkt: direeta Romae — zu Rom «(an zntre.
strus) gerichtet, so wäre diess die Bestätigung einer YermuthuQg, die steh ''jum?
dem von selbst nahe legt Denn Reccared hatte (wenigstens zwei) Aebte
I Papst Gregor gesandt, mit Geschenken und der Bitte um das Pallium für
eander. Eutropius war nicht nur der hervorragendste Abt in Spanien^
it und wohl noch vor Johannes von Bidaro, er hatte auf der Synode
1 Toledo alle Bischöfe überragt Auf ihn mussten zuerst die Augen
» Königs fallen'). Eutropius, zweiter Begründer seines Klosters, hatte
m natürlichen Wunsch, die von Gregor L in Rom gegründeten Klöster,
o sich damals auch die 589 von Montecassmo vertriebenen Mönche am
adkan ein Kloster gebaut hatten, näher kennen zu lernen, und mit
regor I, dem zweiten Begründer des Ordens des heil. Benedictus, nähere
ücksprache über die Angelegenheiten desselben zu nehmen.
.
§. 4. Johannes von Biclaro
itammte aus der Stadt Sealabis (Santarem), und war von Gesciilecht
n Gothe. Als Jüngling gieng er naidi Constantinopel, eignete sich die
teimsche und griechische Bildung an, und kehrte nach siebenzehn Jah-
)n in seine Heimath zurück, zur Zeit des Ausbruchs der Verfolgung
eovigild's. Der König suchte ihn vergebens zum Arianismus zu ver-
ihren, dann verbannte er ihn imA Baroelona, wo er zehn Jahre viele
achstellungen und Verfolgungen voA den Arianem zu erdulden hatte,
päter gründete er das Kloster Biclaro (Bisthums Tarraco) , wo er eine
*) Auch H, Oeiger lässt den Eatropios, aber schqn &88 mit Probinus von Tarraco
nach Rom reisen, aber in der Hafenstadt tieonina an (|er Pest sterben, 2)
204—223 •Die Herrschaft des Todes«,
60 Achtet Bneb. Viertes Kapitel.
Gemeinde von Mönchen sammelte, und eine Regel schrieb, welche dem
Kloster selbst heilsam seyn sollte, aber auch allen Gottesfürchtigen sicher
Tonnöthen ist Dem Buche der Chroniken (des £usebiu8 und Hierony-
mus) fügte er hinzu vom ersten Jahre der Regierung des jungem Jnsti-
nus bis zu dem achten Jahre des Römischen Regenten Mauritius (566—
690) in historischer und gedrängter Darstellung eine sehr lehrreiche Ge-
schichte: man sagt, dass er noch vieles Andere schreibe, was zu unsrer
Kenntniss nicht gelangte''^).
Nach der Berechnung des Florez wurde er geboren um 540, reiste
um 558 nach Constantinopel, kehrte um 575 zurück, baute im J. 586
sein Kloster, in einem Alter von 46 Jahren, wurde um 591 Bischof von
Jobaa- Gerona, und starb um 621^). — Aus seinem Chronicon sieht maO;
OricBt dass er im J. 571 in Constantinopel sich befand. — Da in den „Fwü
IdaÜarW* [K.-G. 2, (1), 470] sich specielle Nachrichten aus Constanti-
nopel und aus dem Orient finden , so könnte man an Johannes als den
Ver&sser derselben denken. Aber gerade die den „FofH^ eigenthüm-
Kchen Ausdrtlcke, z. B. Romania, levatits est, recuHt^ — finden sich
nicht in der Chronik des Johannes, welche auch gewandter und leichter
geschrieben ist. — Im J. 576 begann die Verfolgung des Leovigild
noch nicht; ich glaube, man dürfe von den 10 Jahren seiner Verban-
nung in Barcelona einige abziehen, und sie auf die Zeit von 579 b»
vww 586 beschränken. Johannes als ein Gothe, musste den Unwillen des
MMb Königs mehr als die sogenannten Römer auf sich ziehen , und so ver
^^ wies er ihn denn zu den „Gothen^ nach Barcelona.
Wenn wir diese Nachricht des Isidor mit dem, was wir früher über
den Bischof (Jgnas von Barcelona gehört haben, zusammenstellen, so
dürfen wir ohne Uebertreibung sagen , dass Barcelona von 579 bis 586
das Heerlager und der Centralpunkt der arianischen Gothen war. Schon
Florez hat mit aller Energie nachgewiesen, dass Barcelona eben unter
der Botmässigkeit der Gothen stand, und dass dcsswegeu kein Schatten
eines Tadels auf die Einwohner desselben fallen kann, die einfach unter
dem Joche der Feinde standen^). — Ugnas erscheint als erster Bischof
der Arianer, und vieles spricht dafür, dass er Erzbischof war. Die Stadt
Barcelona war bedeutend genug für den Siz eines Erzbisthumes ; sie
war von den Zeiten des Hosius an bis etwa zum J. 425, d. i. bis zu der
Wegnahme der Balearen durch die Vandalen, wohl auch Siz eines Metro-
politen gewesen^). An diese Erinnerungen, an dieses Anrecht aus alter
Zeit konnten die Gothen nun wieder anknüpfen, und vielleicht dadurch
auch einige Sympathieen ftir sich zu gewinnen hoffen, wenn sie Barce-
') Indor, de vir. iüustr, 4i.
*) Florez, del Biclarense ikuira^o, 6, 361-^70.
») Florez, 29, 12Ö— 26.
*) K..G. 2 (1), 189-90.
JohaDoe« von Bidaro. 61
•
lona wieder zur Metropole erhoben« Ugnas zwar erscheint durchaus
ds edler Mann. Andere Arianer um ihn waren es gewiss weniger. Was
luf den ersten Blick als etwas Leichtes erscheint, die Verbannung nach
Barcelona 9 war damals ein schweres Leiden. Der Gothe Johannes, der
sum Arianismus nicht abfallen wollte , wurde den Arianern als seinen
Quälgeistern überantwortet, und hatte von ihnen beständige Nächstellun**
;en zu erfahren.
Johannes konnte frühestens im J. 586 das ELloster Biclaro (Yalclara) la .
gründen, und da wir ihn schon im J. 592 als Bischof finden, so konnte. ^*^*'^
3r demselben nicht Unge vorstehen; vielleicht, dass gerade diess ihn>
veranlasste, seinem Kloster eine geschriebene Regel zu hinterlasaen.
3bgleich Johannes als Bischof von Gerunda auch diesen Namen tragen
könnte, so ist er doch zu unterscheiden von dem spätem Johannes
7on Gerunda.
Johannes will „nach Eusebius von Cäsarea, nach dem auf der stiM
ganzen Erde bekannten Presbyter Hieronymus, nach Prosper, dem reli- ^^
pösen Manne, nach Victor von Tunutium (Tunis) in Afrika^ welche die
Greschichte fast aller Völker in grösster Gedrängtheit und Emsigkeit ver-
Fassty und bis zu unsrer Zeit sie der Reihenfolge der Jahre nach geführt ha-
[>en^, das, was er zum TheU selbst gesehen, theils von treuen Zeugen ver-
lommen hat „der Nachwelt in kurzer Fassung mittheilw'. Zum J. 569
berichtet er, dass die Garamanten und die Mauriten (Mauritanier) den
[glauben angenommen. Ob Spanier oder Griechen biebei betheiiigt wa-
*en, wird nicht gesagt. — Zum J. 572 wird berichtet: „Domnus, Bischof
1er Kirche von Elna, wird gefeiert Er lebte im J. 589 nicht mehr.
Zum J. 573 berichtet er: Mausona, Bischof von Emerita, wird in unserm
Bekenntnisse gefeiert. — Zum J. 578 : Johannes, Presbyter der Kirche
ron Emerita, wird gefeiert. Zum J. 586 bemerkt er: ;,Als der jüngere
Pelagius gestorben, folgt ihm Grqgorius im Episcopate der römischen
Kirche« Er regierte 15 Jahre. ^ Jenes sezt er um 4 Jahre zu frühe an,
lie Dauer ist richtig, aber das Chronikon ist erst im J. 604 oder später
i^chlossen worden, oder dieser ^usaz hinzugekommen. Florez meint,
las — 23 Jahre umfassende Chronicon sei 590 geschrieben *) , der Ver- ^
asser aber 591 Bischof geworden.
Die erste Ausgabe ist von H« Canisius; Ingolstad 1600, 4^ mit Vic- Aa».
or Tunun. Es folgen ap. Schott, Hitpan. iUustr. 1608^ 4, 152—160;,^''^''
jp. Scaliger, thesaur. temp. Lugd. Bat. 1606. AmsUlod. 1658. ■— H. Ca-^
lisiusj lect. antiq. ed. BamagCj ArrntoL 1725, 1, p. 319. — Aguirre 1694,
l, 421 — ed. 2., 3, 309-- 310. 311—315. — Florez, 6, 361—370,
lieben des Johannes, 371 — 82, Ausgaben und Zeugnisse über ihn;
>) Ab kic (hme) hUionam duai VmerakäiB JPater nosUr Jomm%9 AbbaSf M»iuuteni
BiclaretuiM Fundator.
62 Achtes Buch. Viertes Kapitel.
382—395, Text des Ghronikon; 396—399; 399— 427, Noten zum Chro-
nikon; (spencL 10, Conünuae. del Chrom, hasta hoy no ptMieada, Ton
601—721, 428—430—441. — Gällandi, t 12, p. 363. — daraus ap.
Migney 72 ^ 860—864—70. — lieber ihn und Biciaro haben ge-
schrieben: Biariana, 5, 13; Mabülon, Annales Benedict. L IIlj §. 35. —
MeoL Antonio, Üb* IV, ep. 5 (t. I, p. 227), Ausgabe von Pem
Bayer, p. 298—305 — FerreroB-Baumgarten, 2, 77, 284, 318. — Fiore%-
Merino'Canal, U 43, 4»— 58 (GeronaJ. Agtdrre, ed. 2, 3, 309—11. <U
Castro, p. 288-290. Bahr, Greschichtsschreiber^ S. 110. — Fobnam,
M6I. laL med. ed. ManH, 4, p. 57—58. — Wattenbach, Deutsch!. 6e-
sdiichtsquellen , 63. — PoUhatt, B. 392.
§. 5.
Svaod« Im J. 614 £uid zu Egara ein Condl der Bischöfe von Tarraconensis
R)>ftr«, statt, dem auch Johannes beiwohnte. Es steht nicht in der spanischen
^'*' Sammlung, und wird nur von dem Codex Aemilianensis verbürgt, mit
dem Datum: im Jahre 3 des Königs Sisebut, am 13. Januar. „Als die
Bischöfe von Tarraconensis sich an dem Orte Egara versammelt hatten,
▼erordnete die heilige Synode, dass die Bestimmung, welche vordem im
13. Jahre des Königs Beccared heiligen (divae) Andenkens in dem
Condl zu Osca zwar entworfen, aber nicht unterschrieben wurde fconäi'
UUio — eonttUttta quidem, $ed conecHpta fninime fuU eonfirmata), für
alle Zeit gelten solle, in Betreff der Keuschheit der Priester, der untern
Kleriker, sowie der Bischöfe , genau eingehalten werde, damit aller Ta-
del und aller böse Verdacht ferne bleiben^.
i%On- Das kurze Aktenstück ist ganz verstümmelt erhalten, und lässt nur
«rhrif: im Allgemeinen den Sinn errathen. Es schliessen sich 14 Unterschriften
**"• an: 1) Eusebius (von Tarraco), habe unterschrieben; 2) Mumius (von
Calahorra); 3) Johannes (von Gerunda); 4) Maximus (von Saragossa);
5) Emila (von Barcelona)*); 6) Ruffinus; 7) Visus, 8) Vincentius, 9) Ste-
phanus, 10) Pompedius, 11) Sintharius, 12) Justus, 13) Maximus Pres-
byter fUr seinen Bischof Stephanus, 14) Fructuosus der Diakon für sei-
nen Bischof Gomarellus. — Loaysa und nach ihm Aguirre haben einige
ausserhalb der Provinz liegende BisthUmer als Size obiger unbekannter
Bisthümer angeführt^). Ferreras, Florez- Bisco und Tejada j Ramiro
haben diess eingesehen, und darauf verzichtet, die Size derselben zu
») FloreM, 29, 128-30.
*) Ambr, Morales 12, 14. — Mariana, 6, 15, — Locqfta p. 303. — Aguirre, ?,
341-—42, and als Anhans »diatriba- Bahmi — de eptMcopaiu Eparmui ad Phü,
LabbeuM, 343^44 f über dessen biz wir schon ^ehandeit haben (2,441), aocli
bei Mami, 10, ÖSS— 84.
Nonnitns^von 6«ninda. 68
ermitteln^). Ich befinde mich in derselben Lage^ und beschri&nke mioh^
EU sagen, dass man an die Bisthttmer Egara, Lerida^ Amona, Empurias,
[Jrgely Dertosa, Osca, Tarrasona, Äuca und Pampelona su denken
liabe. Nicht Tertreten wäre nur ein Bistfium gewesen. Man kann an-
lehmen, dass die Bischöfe Tielleicht aus Anlaas der Weihe einer Kirche
n Egara zusammengekommen').
§. 6. Nonnitus von Grerunda
vnrd von Ildephons ToL also unter den Elirchenschriftstellem eingeführt: No«ai.
,Nonnitus war nach Johannes Bischof von Oerunda, seiner Professo^nuT
lach ein Mönch, von hervorragender Lauterkeit, heiligen Wandels, ^'
vv^elcher nicht durch lange Berathung der Menschen, sondern durch die
^urze Entscheidung Gottes durch die Menschen zum Bisthume erhoben
vnirde: und dem Dienste am Grabe des heil. Felix sich völlig widmete
[K.-G. 1; 301). j,Er regierte die Eörche Gottes mehr durch sein ver-
lienstliches Beispiel, als durch strenge Befehle. Im Leben sowohl, als
in seinem Grabe ruhend, soll er (fertur) Heilwunder wirken. Er lebte
in den Zeiten der Könige Bwinthila und Bisenand*^. — - Da Swinthila
m J. 621 zur Regierung kam, Sisenand aber 636 starb, so nimmt man
m , dass Nonitus vom J. 621 , als dem^präsumirten Todesjahre des Jo-
liannes, bis zum J. 685« regiert habe. Nonnitus unterzeichnete auf dem -
1. Concil zu Toledo in der Reihe der Bischöfe als der vierte (NurmUua
iccL Oertmdensis eg. mbscripsijy wesswegen es vielleidit gerathener wire,
inzunehmen, dass Johannes schon 614, in welchem Jahre er noch lebte,
)der bald darauf gestorben, und dass Nonnitus noch einige Jahre unter
Sisebut Bischof gewesen^). Nachher wird er nicht mehr genannt, und *
man sezt gewöhnlich seinen Tod in das J. 635. Statt Nonnitus wird
Mich Nunnitus und Veritus geschrieben. — Nonnitus steht nicht in dem
Verzeichnisse der Heili|gen.
§. 7. Maximiis
ron Saragossa j,soll, nach Isidor, vieles in Versen und in Prosa ver- mmi
lassen. Er schrieb auch in kurzem Stile eine gedrängte Geschichte
'hiitoriolam) über das, was zu den Zeiten der Gothen in Spanien ge-
«na
vo«
Sani-
>) FerreraSf 2, 341^42, — Fhrt^-Eueo, Obitpos (U Egara, i. 42, 193-95 (nObiapo
qtut pruidia en Hmpo del CkmeOh Egarmm», — e/ Florm, 2, 200, L 29, 129^30.
*) Harduin 3, 550. — CoL Labb.-VeMta 6, 1383—86, mit der OitsertaUoD von
BalQZP. — Apmrre, 2, 457, S, 341^44. — JlbiMi, 10, 531-^34, ^ Ttjada
y Bamiro, 2, 701^-2. - Baftk, 3, 63,
^) FTorex-Merino y Camü, t 43 (1819)^ Qßtma^ p, 58*^1.
64 Aehtes Buch. Viertes Kapitel.
Sein« sohah^ '). — Da diese kleine Schrift verloren gieng, so sah sich Roman
lorn« de la Higaera bemüssigt, dieselbe wieder zu entdecken, und er will sie
■ehichit^ Fortsesung seines Pseudo-Dexter angesehen haben. Er b^;innt
^r darum mit dem J. 430, mischt Wahres mit Falschem, doch nicht so
grossartig wie bei seinem Pseudo-Dexter. Z. B. zum J. 471 : Ittsst er den
Paulus OrosiuSy älter als 90 Jahre, immer noch zu Tarraco fortleben.
Zum J. 512 erkennt er den Hector als Metropoliten von Carthago (statt
Neu-Carthago) an; im J. 626 lässt er zu Valencia eine Synode durch
Celsius Ton Toledo halten , und im J. 527 Montanus auf Celsius folgen,
der erst 530 seine Sjmode gehalten habe ; im J. 538 lässt er den Lean-
der zu Murda geboren werden ; im J. 551 lässt er den Crispinus als
Bischof von Hispalis blühen; schon im J. 553 lässt er Carthagena zer-
stört, J. 554 aber den Fulgentius zu Sevilla, J. 555 den Isidor zu Se-
villa geboren werden, offenbar viel zu früh, denn Isidor, der 636 starb,
erreichte kaum 70 Jahre. Zum J. 577 macht er dem Bischof Euphemius
von Toledo, ohne es zu ahnen, das CompUment, dass er die Existens
des Oeistes, mit Ausnalime des göttlichen, geleugnet habe; im J.58I
lässt er denselben nach Barcelona verbannt werden, er lässt den Maxi-
mus als Erzdiakon dem Tode Leovigild's 587 anwohnen, und diesen als
Katholiken sterben. — Sonderbar von einem Toletaner ist es, dass er
einen Metropoliten Dominicus aus Cartagena der Synode 3 von Toledo
anwohnen lässt — J. 590* Aber es fragt sich, ob der wcm'g geistreiche
Gompilator nicht besser gethan, wenn er behauptet hätte, dass wir die
„Mf<orMa^ des Maximus noch besizen, sei es in der „chronica regum Fi-
8igoihorum^% sei es in der „Chronologia , et Series gothicorum regttm ex
codke RegiovaHeano 607". Erstere Chronica dürfte schwerlich das Werk
des Maximus seyn, da sie kaum mehr als Namen und Zahlenangaben
enthält, auf sie also kaum die stehende Phrase Isidor's sich anwenden
lässt: „hi^arieo eompoeitogtie sermone consaripta". Eher liesse sich die
„Chronologia" als eine Arbeit des Maximus erhärten. Sie ist jedenfalls
eine „hietoriola'^. Zwar schliesst sie nicht mit dem J. 610^); aber ein
anderer kann die kurze Geschichte des Maximus in derselben Kürze
bis zum J. 711 fortgesezt haben, soweit die uns vorliegende ChronÜL
reicht, welche indess am Schluss noch Karl den Grossen erwähnt^).
Maximus, dem Higuera den Beinamen Marcus*) angedichtet hat,
unterschrieb als Magnus im J. 592 unter zwölf Bischöfen als der neunte
auf der Synode 2 von Saragossa. Wegen der Differenz des Namens
bleibt einiger Zweifel über die Identität der Person, um so mehr, als
■) leidor. ep. 46 lleziet Capit) — hittorico et eompotUo serwume , sed «I muUa aHa
§erS>€r€ dieUiir, quae mdwn Ugu
*) sie ist indess aug^ensclieinlich ein Aaszag^ aas Isidor: de reg. JEhtkonm.
*) appendix 4 et 5 ad S, leidori Httpal cptra — ed, Arevalo, L 7, p. 185—190.
^) lieber diesen Marcus ist besonders aasfährlidi Nie. Antonio.
Johannes von Saragossa. 65
\Iaximxi8 im J. 599 za Barcelona mit seinem vollen Namen als der zehnte
inter zwölf Bischöfen steht Der Name Magnus ist ohnedem nicht sel-
ten j und bei der Geschichte des Priscillian erscheint ein Bischof Mag-
ins [neben Rnfiis*)]. Maximus unterschrieb im J. 610 oder später das De-
kret des Gundemar als der vierte unter 22 Bischöfen« Endlich zu Egara
J. 614) steht er unter 12 Bischöfen als der dritte. — Sein Tod erfolgte um
S19. Denn Braulio starb 651^ nachdem er 20 Jahre regiert, dessen Bru-
der Johannes aber regierte vor ihm 12 Jahre , was uns auf das J. 619
eurückführt«).
§. 8. Johannes von Saragossa,
der Nachfolger des Maximus, wird wieder von Udefons gefeiert'): Joh«a
■•• VOB
„Johannes folgte dex^ Maximus im Ponttfikate^ und bestieg den. Thron sar«.
ier Kirche von Saragossa. Zuerst Vater der Vönchei ^Aturde er sodann '^****
Vorsteher in der Leitung des Volkes: ein Mann, unterrichtet in der
heiligen Wissenschaft, doch bemüht, mehr mit Worten, als naHt Schrif*
ten SU belduren: er war so freigebig ubA heiter imijQebiii, .als heiM^
seine Miene war. Denn die Salbung dof} he^ Oeistea, die sein Inneres
erfüllte, gab er sowohl durch den Beichthum seiser Gkben, als die
Haltung seines Angesichtes so sehr kund, dass ^ die Gabe durch seine
Anmuth erhöhte, imd, was (wenn) er nicht gab, durch seine Anmuth
entschuldigte. In den kirchlichen OfiBden hat er sowohl ,^ der Musik
eJs dem Texte (den Gebeten) Einiges mit Geschmack oomponirt. & hat^
am die Zeit des Osterfestes zu bestimmen, ein so scharfiämigee und
gienügendes Argument angegeben, dass es dem Leser sowohl durch die
gediriLigte Kürze, als die augenscheinliche Richtigkeit sich empfiehlt}.
Zwölf Jahre lang bekleidete er seine Würde. — Er blühte au den Zei-
ten der Könige Sisebut und SwinthUa"" (d. l 610--631>.
Da wir im J. 640 und 646 einen Bischof Johannes von Saragossa
(EL-G. 2 (1), 487—38) gefunden haben, so trägt unser Johannes den
Beinamen des Zweiten t).
«) K.-G. 2 (1), 376—77.
^ Flortz^Risco, 30, 138-40, — AnUmuhPere» Bi^er, Ltb. 5, t^i — p, 315-321^
nr, S7 — 59 (meist g^eg^en Hignera.) — de Castro, 293.
») Ildef. de vir. HL cp. 6,
*) Morcdee, 12, 12. — MarL CarrUh, Caiahgue antistUum Cäeearauguetanantm —
usque ad atm. 1611. CaXari, 16il. — ftorex-Rieco, 30, 141—42. — Di Cattro,
p. 349. — Antonio 'Bayer, p. 371.
QtaD»f ipaii. Kirche. II i 2.
Fünftes Kapitel.
Die lAnige LiavalL 601—3, Witterich, 603—10, Gudeiiar,
610-12, Sisebat, 612—21, Reeeared U, 621, SwintiiUa, 621-^1
Siseiaid, 631— 36. — Die Erzbiseli«re Bnpliemiiis , AdelpUis,
Avasiis, Helladiis nd Jistns voi Toledo, 589—636. Decre-
tuB Gndemari, 610.
§. 1. Linva IL
Linra Idiiya iTU* ein Sohn des Beccared, aber ^von einer Matter aas
^1^ niedrigem Stande*, wahrscheinlich im J. 683 geboren. Ferreras ytst-
mnthety er sei ein Sohn der Badda gewesen, deren Ehe mit Reccared
erst später geschlossen worden. Ich bin derselben Ansicht Es werden
noch zwei Söhne des Reccared, Swinthila und Geila genannt, seien es
Söhne der Badda oder der fränkischen Prinzessin Clodosinda. Liuva
kam wohl als der älteste der Brüder zur Regierung. Er war, nach Isi-
dor, von tugendhafter Anlage. Glegen ihn warf sich Witterich zum
Tyrannen auf, stürzte ihn, liess ihm die rechte Hand abhauen, und
tödtete ihn, im zweiten Jahre seiner Regierung, im zwanzigsten seines
Alters. — Nach der „Chronica r. V.^ regierte er ein Jahr (andere
Les. zwei J.), 6 Monate').
§. 2. Witterich
hatte schon gegen Reccared mit Seggo und Sunna sich yerschworen
(E.-G. 2 (1), 491), war aber verschont worden. Jezt vollbrachte er
') Itidw, d* regilnu Ootkorum, cp. 67 — Chronica, ftr. 22, — Fhrez, 2, 178, —- Chro-
noloffia nr. 20. ~ Mariana, L 6, 2, — Fmreraa, 2, 331—32. — Lajuente, 2,
402^-3. — MaMdeu, 9, 14^15 (Mitnzm). 1. 10, 168. — AnL Cavanäles, Eistoria
de Eipanna, L 1, Madnd 1860, p. 219^20. — AMchbach, S. 233. — Lembke, S. 86.
— ffeffmck, Westg.- Recht, 47—48.
Die Kftaige Witterich oiid|6Qodemar. 67
an dem Sohne, was ^ihm an dem Vater miaelongen war* — Man sagt wicta»
gewöhnlich 9 seine Regierung sei die Reaktion der welilioben Ghrossen ms^
gegen die katholischen Bischöfe gewesen* Man hört aber nichts Ton- ^^^
Verfolgungen gegen die Katholiken. Emt^ der spttte Lucas Tudensis
sagt, er habe die arianische Lehre wieder einführen wollen.
Witterich führte awar Kriege gege» die Griechen, doch ohne Olttck.
Nur nahmen seine Führer eine kleine Besasung in der Stadt Sagontia.
Darunter ist kaum Siguemsa in Celtiberien su yerstehen, wahrscheinlicher
Gisgonaa an der Meerenge von Gibraltar^).
Theodorich y König von Burgundi verlangte Ermenbeigai die Toch-
ter des Witterichy aur Ehe. Er sandte den Aridius, Bisohof von Ljon,
die Oberstallmeister Rocco und Ebroin^), um die Braut ebsuholen. Sie
führten dieselbe dem Theodorich in Ghalone (smr Saöne) au, der sich'
sehr freute. Aber durch den Einflnss seiner Ghrossmutter Brunehil^e
und seiner Schwester Theodelinda wurde die Ehe nicht Tollzogen. Viel-
mehr behielt zwar Theodorich den BrantschatE, sandte aber nach Jahres-
frist die Braut ihrem Vater zurück'). DarülHir entrüstet sandte Witte-
rich an Ghlothar von Neustrien Botschaft. Der Gesandte Ghlothar^s begab
sich mit dem von Witterich zu Theodebert von Austrasien. Alle drei
wandten sich an den LombardenkönigiAgilull Der spanische Gesandte
aber kehrte zur See in seine Heimath 4Ririiek, und dqm Theodorich
gelang es, den Sturm zu beschwören.
Witterich machte sich durch Grausamkeiten verhasst, und wurde
wShrend einer Mahlzeit ermordet Das Loos, das er seinem unschuldi-
gen Vorgänger bereitet , traf den schuldigen Witteridi. Sein Lekhnam
erhielt auch nicht die königlichen Ehren« Er regierte sechs Jahre, zehn.
Monate*).
§. 3. Gnndemar
regierte 2 Jahre (ein Jahr, 10 Monate, l4 Tage *)• — Er machte einen Gmids.
Feldzug gegen die Vasconen, deren Gebiet er yerwüstete, einen andern eiol
„gegen die römischen Soldaten.* Er schloss, wie es scheint, einen Ver- ®^^
trag mit Theodebert von Austrasien, gegen Theodorich, worin er ihm
>) Farrenu'Bmmffartmif 1, 600—1 (Chorographie der alten Eintheilang von Spa-
nien). — Lembke, 80. — ÄBchbaeh, 234.
*) ComUu MtabuJL
>) Ffdtgar. tckokut eknmieomf ep. SOSt AÜMm, 3, 94.
^) Itidor. <U reg. Ootk. 58, — Chronica r. V, nr. 2i. — ChronoL nr. 22 (Aaszag
aus Isidor). — Mariana, 6, 3. — Fmrmw, 332^-37. — Mtudm^, 9, 15—16.-^
10, ißS^nO. — (knamOM, 320. — AmMadk^ 283^-35. — Lembke, 86^-87.
— Hßiffmek, 48-49.
•) Chmdea, nr. 22.
5
0
68 Achtes Buch. Fünftes Kapitel.
Geld gegen Truppen versprach; diess Geld wurde nicht bezahlt, und
Theodebert behielt die Gesandten des Gundemar, Totila und Gundrimir^
ComM als Geiseln zurück. Damals war der Comes Bulgaram gothischer Statt-
^^^l^halter in Septimanien. Von ihm besizen wu* in dieser Angelegenheit
drei Briefe ; welche zuerst in der berühmten Ausgabe des Mariana za
Valencia 1783 — 96 mitgetheilt wurden*). Der erste und zweite Brief
hat keinen Titel und keinen Anfang, beim zweiten fehlt auch der Schloss.
Alle drei sind an einen fränkischen Bischof gerichtet, der von hohem
Geschlechte war. Die zwei ersten Briefe sind in sehr sorgenvollem und
devotem Tone geschrieben, ungrammatisch und unverständlich, der dritte
in gereiztem Tone: er verlangt Loslassung der Gesandten. — Der Aus-
gang der Sache ist nicht bekannt, aber zum Kriege scheint es nicht
gekommen zu seyn. Ein Bischof Verus wird erwähnt, dabei wird man
an Verus von Rhodez erinnert, der im J. 625 der Synode von Rheims
anwohnte, und von welchem zwei Briefe an Desiderius von Gabors vor-
handen sind^).
Ghmdemar starb zu Toledo eines natürlichen Todes').
§. 4. Die Bischöfe Euphemius, Adelphius, Aurasius. Die sog.
Synode vom J. 610.
Enphe- Nach dem vielgenannten Bischöfe Montanus (J. 522 — 31) nennen
™oii die Verzeichnisse der Bischöfe von Toledo den Julian I. (c. 531 — 546
do,^ n«5l^ Florez), den Bacauda (546—660), Petrus II. (560-574), Namen,
die mir wenig beglaubigt scheinen. Um so beglaubigter freilich ist
EuphemiuS; der in seiner Bescheidenheit und seiner Wahrheitsliebe sich
zu Toledo 589 als das unterzeichnet hat; was er faktisch war, als Me-
tropolit von Carpetanien, und dadurch seine Nachfolger in die grösstc
Verlegenheit sezte. Er nannte Toledo eine katholische Kirche, und
erwarb sich sicher in den Jahren der Verfolgung von 581 — 86 grosse
Verdienste. Da er zwischen Masona und Leander unterzeichnete, so
dürfen wir wohl bis. zum J. 574; als dem Antritte seines Amtes, zurück-
') Bulfforami Comitis epüL tre», MoraleSf 12, 11. — Vinc. Noguera et Ramofif ap.
Manama, voL 2 (1785) p, 548, daraus ap, Migne R L, 80, 107—112. — Auszug'«'
bei Lembke 87-88. — Nie. Antonio, p. 368^70, — ffelffench, p. 49-^50 hal in
dem Codex Ovetens. F. 68 der Mad. Nationalbibliotbek noch 3 weitere Briefe
des Balg, eingesehen, 2 an einen Bischof Agapius, wornach Bul. gefan^'eii
war, einen Trostbrief an Gandemar wegen des Todes seiner Gemahlin Hilduaru,
nebst 2 Briefen von Ungenannten an Agapins.
*) GalL chrtMi. t 1, p. 122, 201. — Ifabillon, AnnaL t 4, p. 752.
») Indor, cp. 59. — Ckr(mohg%a, 23. — Mariäna, l c. — Ferreras, 2, 337-39.
Masdeu, 9, 16^18. 10, 170—172. - La/uente, 2, 404—5. — CavaniUet, &.
~ ÄKhbadi, 235-36.
Die Bischöfe Euphemiui, Adelphius, Aurasiat. 69
g;chen. Den Beisaz ^katholische Kirche^ versteht Florez in dem Sinne,
dass es in den lezten Jahren auch einen arianischen Bischof daselbst
gegeben, wie solche auch in Merida und anderwärts intrudirt wurden.
Unrichtig aber ist, dass in Folge seiner Unterschrift „Metropolit von
Carpetanien^ jezt erst einige Bischöfe der Provinz nach einem neuen
Metropoliten sich umsahen, den sie vielmehr schon seit Jahrhunderten
liatten. Euphemius gab allein der Wahrheit, d. i. dem wirklichen That-
bestande, Zeugniss; unsinnig wäre die Annahme, er sei vorher zwar
Metropolit von ganz Carthaginensis gewesen, aber weil ihm diess zu
viel oder ungerecht geschienen, habe er sich mit Carpetanien begnügt ^).
Solches wäre in Spanien und der übrigen Welt überhaupt noch nicht
^orgekonmien. Unwahrscheinlich ist ferner, dass Euphemius vor 586
ircrbannt gewesen. Sehr wahrscheinlich ist, dass Euphemius die Eathe-
Irale der hl. Maria im J. 587 eingeweiht Florez glaubt femer, er sei
»chon 589 oder 590 gestorben^). Lobenswerth ist, dass Loaysa, der
iTste Herausgeber der spanischen Concilien und Erzbischof von Toledo
iron 1596 — 99, den Euphemius j, einen heiligen, und durch seine Frönmiig-
icit gefeierten Mann^ nennt ^).
Die Verzeichnisse der Bischöfe von Toledo nennen nach ihm den
Bxuperius und Conantius. Da nun aber Adelphius mit seiner Unter-
schrift schon im J. 597 erscheint, so könnte jeder derselben nur etwa
Irei Jahre regiert haben. Diess ist wenig wahrscheinlich« Dazu kommt,
iass sich nirgends ein Bischof Exuperius findet (ausser in den Akten-
stücken der wahrscheinlich in Spanien erdichteten Synoden von Sinuessa
]03 und Rom 324) , dass aber Conantius der vielgenannte Bischof von
Palentia zu sejn scheint, den man nach Toledo zog.
Ich glaube, dass Adelphius unmittelbar auf Euphemius folgte, und
}twa 10 Jahre, von c. 593 bis 603, regierte. Zweimal findet sich der
!^ame des Adelphius, als Unterschrift der sogenannten Synode zu To-
edo von 597, wo er als der lezte der drei Metropoliten unterschreibt,
lach Masona und Migetius, die anerkannt älter sind, nach welcher Un-
erschrift er also ebenso seit dem J. 589 wie erst seit 597 hätte Bischof
eyn können. Aber hier kann die schwierige Frage wegen der Metro-
>ole von Carthaginensis schon zu Erörterungen Anlass gegeben, und
ich herausgestellt haben, dass die Unterschrift des Euphemius in dieser
Angelegenheit die grössten Schwierigkeiten mache. Zum zweitennude
indet sich Adelphius erwähnt von Udephons, der seinen Nachfolger also
eiert [mit Uebergehung des Euphemius und Adelphius*)]:
•) Florez, 5, 150 fg. - 235.
») Ilorez, 5, 233—36 «Eufemlo«.
3) Loaysa, Concä. Hispan, 1593, p, 253, 274,
♦) Florez, 5, 237-38 (Adelfio),
70 Achtes Buch. Fünftes Kapitel.
BUchof Aurssius, Oberpriester der Metropolitanstadt der Kirche Ton Toledo,
Sias, 0. wurde nach Adelphiiis zur Würde des Bischofs berufen (in loeo (tdid-
^^ Bdtwr SaeerdotUJy ein guter Mann, durch das Ansehen seiner Regierung
ausgezeichnet, in heimischen Angelegenheiten ein guter Verwalter, bei
hartnäckigen Widerwärtigkeiten stets angerichteten Geistes; je gemässig-
ter er war im Glücke, um so tapferer war er stets im Unglüdce. Seine
Absicht ging mehr auf die Vertheidigung der Wahrheit, als auf die
Gewandtheit im Schreiben: desswegen wird er den Tollkommensten
Männern an die Seite gesezt, denn was die Predigt ihres Wortes aus-
säete, das hat seine Sorge und sein Schuz vorher gegründet^), d. L wohl,
seine Nachfolger als Metropoliten hätten nicht soviel wirken können,
wenn er nicht durch die Erhebung der Metropole von Toledo dazu den
Grrund gelegt Er lebte in dem Priesterthume (in iocerdaUo) in den
Zeiten des Witterich, des Gundemar, und in den Anfängen des Sisebot,
etwa 12 Jahre, also annähernd von 603 bis 615^).
Das reiche hier dem Aurasius gespendete Lob lässt, wenigstens in
dem Sinne des Hdefons, einige Schlagschatten auf seine beiden Vo^
ganger fallen. — Florez spricht ohne Grund von einem Schismi,
welches zur Zdt des Aurasius einige Bischöfe machten, er redet von
einem Carthaginensischen Schisma'). Als ob Jemand beweisen könnte,
dass vor dieser Zeit sämmiUche Bischöfe dieser Provinz Toledo ab M^
tropole anerkannt hätten. Das ist ferne. Ein Schisma ist nur da, wo
eine Einheit und eine Zusammengehörigkeit vorausgieng. Man trenat
sich aber nicht von einander, wenn man noch nie beisammen war. Dt
ist keine Entzweiung, wo keine Vereinigung vorausgegangen.
Unter Witterich war für Aurasius keine (günstige) Zeit, die Anerken-
nung von Toledo als Metropole der ganzen Provinz durchzusezen. Sobald
aber Gundemar zur Regierung gelangte, so nahm er seine Angelegenheit in
die Hände, mit einer Energie und mit einer Geschicklichkeit, welcher
wir unsre Anerkennung nicht versagen können. Das, was geschehen
ist, das musste früher oder später geschehen. Es gieng nicht an, und
g^eng nicht so fort, dass eine Provinz zwei oder mehrere Metropoliten,
und faktisch keinen hatte. Auch wenn Cartagena nicht in der Hand
der Griechen gewesen, auch wenn es nicht zerstört worden wäre, früher
oder später wäre Toledo Metropole geworden. Cartagena lag zu weit
entfernt. Man denke an das Verhältniss von Sens und Paris. Lezteres
musste durch seine wachsende Bedeutung Erzbisthum werden, und den
Erzbischof von Sens troz seines prunkenden Titels eines Primas von
Frankreich und Germanien in den Schatten stellen. — Man denke auch
*) quin qtute de tferbo iüorum praedioaiio $eminavii, th/mmonit huim$ cugiodia praemmuviL
*) Ildef, e, 5 de vir, illuttr,
») Florez, 5, 238-40 ^Ata'<uio\
Die Synode von 610 sa Toledo. 71
an Toledo und Madrid. Das Goncordat rwischen Spanien und Rom vom
5. Sept 1851 hat die Errichtung von drei neuen Bisthtimemy Ciudad
Eleal/ Madrid und Vittoria stipulirt^). Wir sehen uns in dem römischen
yyCracas'^ fUr 1867 um^ und finden noch nicht einmal die Namen dieser
drei Bisthümer^). — Wir sehen uns nach dem neuesten i, Jahrbuch der
Elirche'^ um. Wir finden hier: „Ciudad Real — Glunien in Spanien,
errichtet von Seiner Heiligkeit''; aber keinen Bischof finden wir dieses
Siases'). Ebenso lesen wir: Madrid, Matriten, in Spanien, errichtet von
Seiner Heiligkeit, aber einen Bischof von Madrid finden wir nicht Dar
gegen hat Vittoria einen Bischof seit 23. Dec 1861 in der Person des
D. M. Alguacil, der von BadajoE transferirt wurde« Man hat mir ge-
sagt^), der Grund; dass Madrid keinen Bischof habe, liege darin, dass
ohnedem der Erzbischof von Toledo in Madrid einen grossen Theil des
Jahres residiren müsse.
Man trage diess auf Toledo und Garthagena im siebenten Jahrhun-
dert über, und man wird die Nothwendigkeit einsehen, dass der Metro-
polit in Toledo und Bischof von Toledo seyn musste. Man hat indess
in allen Jahrhunderten der alten kirchlichen Stellung von Gartagena
Rechnung getragen, und noch das neueste Goncordat bestimmt ausdrück-
lich die Erhaltung des Namens Garthaginiensis , mit dem Size des Bis-
thums in Murcia, so dass jenes der kirchliche Namen für das Bisthum
Murcia bleiben soU^).
Aurasius hat nun sicher das Verdienst, dasjenige, was sich als eine
Nothwendigkeit darstellte, zum Austrage und zur Entscheidung gebracht
zu haben. Hätte oder hat er weiter nichts gethan, als was wir hier
berichten, so hätte er wohl kaum einen Tadel, dagegen das Lob yer-
dient, das Bdefons ihm sg reichlich spendet
Wir besizen zwei Dokumente, die keinen Plaz in der alten Samm-
lung der Synoden gefunden haben, die Loaysa in seiner Sammlung zu-
erst mittheilte. Das eine hat den Titel Synode von Tol^o, unter Die sy-
Gundemar, aera 648 (Jahr Chr. 610) : ^ylm Namen unsers Herrn J. Ghr. v?n eio
Constitutio der Bischöfe Ton Garthaginensis in der Stadt Toledo bei dem 'iJ^^'
heiligsten Vorsteher dieser Kirche^). Als wir msammenkamen, für die
') Pii IX, Pimtificis maximi Acta, P. 1, Rom, 1854, p. 314: Novae erigmiw Eecistiae
Caihedraies ClunioB (Ciudad Real), Matriü et Victoriae,
*) Notizie per fanno 1857 (dedicirt d. Kard. Branelli, der gerade das spanische
Goncordat abgeschlossen), Roma 1857,
») ÄnntMno Pontifido, 1864, Roma 1864.
*) Der Abbe Alban^s aus Marseille, der Bearbeiter des Gennadins (redhimu) von
Massilia.
*) iL c. p, 313,
*) Comtitutio Carthagmeruium Saeerdotum ^ in ToieUma urbe apud eancHemMum Ecdetiae
ejusdem AntistUem,
72 Achtes Buch. Fffnftes Kapitel.
Religion nnd den Glauben , welchen wir Christus schuldig sind, haben
Wir beschlossen, damit hinfort nichts Ungereimtes oder Unerlaubtes
anter uns aufkomme , in gegenseitiger Verständigung ein Decret der
gerechtesten Entscheidung eu erlassen: auf dass die Ordnung und die
Zucht der kirchlichen Würde einerseits augenfällig hervorleuchte; ande^
seits der einträchtige brüderliche Friede anerkannt werde. ^ Durch ge-
meinsame Wahl (cammuni eleeHane) also haben sie beschlossen, dass der
Stuhl der hochheih'gen (sacraaanetae) EJrche von Toledo Namen und
Würde der Metropole haben soll, und dass er ihren (der Suffiragane)
Elirchen an Ehre und an Verdiensten vorangehe. Dieser Vorrang beruhe
nicht bloss auf ihrer Wahl und Zustimmung, sondern der Sjnodalent-
sohluss der Vliter der Synode von Toledo unter Montanus liege maaasgebend
vor ^). Kein Bischof der Provinas solle hinfort in eitlem und verkehrtem Ha-
der dem Primat von Toledo sich widersezen, bei keiner Bischofswahl soUe,
wie es bisher geschehen, diese Earche übergangen werden. Sie und
ihre Nachfolger versprechen der Kirche von Toledo die Ehre und die
Rechte der Metropole einzuräumen. Wer von ihnen oder ihren Nach-
folgern dieses Statut übertrete, „der sei Anathema unserm Herrn Jesus
Christus; und herabgeworfen von der Höhe des Sacerdotium werde er
zum voraus durch die Sentenz der beständigen Exconmiunioation gerich-
tet^).^— Diess geschah am 28. October des Jahres 610, dem ersten des
Königs Gundemar.
Unter- Es folgen 15 Unterschriften von Bischöfen aus der Provinz, yo^
tr-«»teht: Protogenee, Bischof der heiligen Kirche von Segonti., ich hitbe
zur Bekräftigung diesen Ausspruch unseres Dekretes unterschrieben. Die
folgenden vierzehn Bischöfe nennen zwar insgesammt ihre Kirchen hei-
Ug, aber begnügen sich zu sagen: Ich habe unterschrieben. Es sind
2) Theodor von ^der Stadt' Castulo; 3) Minitianus von Segovia, 4) Ste-
phan von Oretum, 5) Jacob von Mentesa, 6) Magnentius von Valeria,
7) Theodosius von Ercavica, 8) Marinus von Valencia, 9) Conantius von
Palentia, 10) Porcarius von Segobria, 11) Vincentius von BigastnuD;
12) Aetherius von Basti, 13) Gregor von Osma, 14) Piüsidius von Com-
plutum, 15) Sanabilis von Elotana.
Von den oben (Buch 7, 13) aufgezählten 23 Bisthümern von Car-
thag^nensis würden demnach acht fehlen. Aber Cartbagena und Urci
waren schon zerstört, oder noch in der Hand der Griechen, Toletum
wird hier nicht mitgezählt, Eliocroca war wahrscheinlich auf Elotana
übergegangen, das Bisthum Denia war entweder noch nicht errichtet,
') D. i. eben nnr für Carpetanien nnd Celtiberien, welch lezteres sich später
wieder entzog, eigentlich nie sich anziehen liess.
') Sane, quicwnqim ex nobü, vel mccessorilnts nostris haec statuta transcenderit, {mathema
ni Dotümo nottro Jtau Ckriiio; atque cubnine Sacerdotaii dejeetut, perpetuae excom-
munieaiumU tententia praedamneiur.
Petnu T9n Ereavica. 73
oder in der Hand der Griechen , ein Bischof von Ilici wird wenigslena
erat im J. 633 genannt Faktisch fehlten bloss die Unterschriften von
Btttabis nnd Acd. Sätabis konnte vorübergehend in der Hand der
Ghriechen oder ohne Bischof seyn, oder der Bischof konnte sich der
Unterschrift weigern. — Dass Acd, wo wir ob^ den Bischof Pi^ulos^
aus der Zeit Witterich's gefunden haben (8.21),' seine Unterschrift au
geben sidi geweigert hat, wie wir nicht sweifeln, dürfen wir ihm nidit
verdenken. Denn es durfte und konnte nicht mit eigenen Händen den
testen Rest der Auszeichnung und des Ehrenvorrangs sexreisseni der ihm
vor sttmmtlichen Kirchen Spaniens gebührte, und heute noch. gebührt,
wenn nicht heilige Erinnerungen und Anrechte so oft der Maeht fSsdcti*
icher Zustände unterliegen müssten. '
Es ist sdiwer zu glauben, dass vorstehendes Aktenstück wegen aei-
Qcr gehäuften Lobsprüche auf Toledo von einem Toletaner, odeäit von
Aurasius selbst ver&sst worden. Es liegt nahe, an Protogene« vom 8e-
gontia, oder an den Schriftsteller Gonantius von Palehtia als Verfasair
zu denken. Protogenes, der als der älteste unterzeichnet, war im Jahre 6o8
— in der Reihe der Bischöfe einer der jüngsten (65). Theodor(ich)
7on Castulo hatte damals als der einundfthifiBigste unterschrieben, und
steht hier hinter Protogenes. Er starb sehr bald nach dieser Synode.
Slinician von Segovia kommt nur hier vor, muss aber vor 597 geweiht
v7orden seyn, weil auf ihn Stephan von Oretum folgt, der schon 597
ds Bischof erscheint*). Morales hat eine Inschrift mitgetheilt, nach wel-
cher Bischof Amator (von Qretum) am 13. Februar Aera 652 (J. 614),
13 Jahre alt, gestorben, im iweitea Jahre des Sisebut, nachdem er nur
1 Jahr, 10 Monate — Bischof gei^esen. dtephan muss also 611 oder
)12 gestorben seyn^). Jacob ^n Mentesa wird nur hier erwähnt^).
Schon im J. 615 erscheint der Bischof Cädlius. Magnentius von Valeria
vird nur hier genannt*). Ebenso Theodosius von Ercavica. AU diesen
Bischöfen ertheilt Florez das Lob, dass sie an dem sogenannten Schisma
[einen Theil gehabt, da ihre Bisthümer in der Nähe von Toledo lagen.
Aber es ist doch auffallend, dass der mehrgenannte Petrus von Er- Petrus
avica, der Vorgänger des Theodosius, sich als Bischof von Ercavica ^^^^
a Celtiberien im J. 589 unterschrieben hat Er allein hat einen solchen ^''^**
^usaz; Ercavica lag, wie Recopolis, an der Grenze von Celtiberien und
)arpetanien, und die Vermuthung legt sich nahe, dal^s er die Lage sei-
ics BIsthums in Celtiberien hervorgehoben habe, weil er nicht unter dem
>) Florez, 8, 77—78 ^Mmidano, dmU cerea dei 596 Aofto dsipuet da 6i0.*
*) Morales AnHg, 12, 14 — Saeerdoi, oeeur, rii, Amator «talw «tie i3. dk Id, Febru,
Era 652, feUciier II, SitebuH regU, tpueopatUM ann. /. ei MUn. 10, T. m paee. Amen,
— Florez, 7, 260. — Maedeu, 9, 249—50.
») Florez, 7, 247.
*) Florex, 8, 203. ♦ •
74 Achtes Bvch. Ffinftet Kapitel.
jyMelropoliten Ton Garpetanien' stehen wollte^). Theodorius kann nicht
▼or 5S6 Bischof geworden seyn. Da Marinus von Valencia als der
achte unterzeiehnete, so dürften wir den Tod seines Vorgängers Eutro-
pins wohl schon um das J. 600 annehmen. Auch ihn spricht Florez
fiei yon dem Verdachte des Schisma ^). Conantius von Palenda ist ein
bekannter und gefeierter Marne'). — Porcarius von Segobriga, dessen
Lage 9 wie mir scheint, Florez mit Recht mit dem heutigen S^;orbe
identifieirt, wird nur hier erwähnt*). Den Vincenz von Bigastro hält
Florez f&r einen Nachfolger des Licinian von Cartagena, aber er nagt
sieh stark dahin, dass er einer von Jenen war, die das Schisma betrie-
ben; denn sein Siz lag am Hittelmeer, und ihm lag nahe, die Würde
des Licinian erben zu wollen^) (welche Würde gerade Florez nicht
anerkennt). £r wird sonst nicht erwähnt Ebenso Aetherius von Basti ^),
.Gregor von Osma^), Präsidius von Complutum, der ohne alle sdusma-
titehe Anwandlung gewesen sei'). — Sanabilis ist der einzige, und nur
hier genannte Bischof von Elotana^); das Bisthum wurde wohl nach
nici verlegt, dessen erster Bischof im J. 633 erwähnt wird. Denn auf
der 7. Synode von Toledo unterschreibt sich Uvinibal (oder Winibalj
durch Gottes Erbarmung als Bischof der heiligen Kirche von Uici und
Eiotana (qtd et J^^otanas, «. e. epiicopuM ut).
% 5. Dekret des Gnndemar.
Deere- Nach der Erklärung der Provinzial- Bischöfe erliess König Gunde-
Oande- mar gleichÜEdls ein strenges Dekret (era 648^ i. e. J. 610) : Flavius Gan-
""*^' demar Rex, an unsre ehrwürdigen Väter, die Carthaginensischen Bischöfe
(CarihagineMibus Scicerdotibus). — Wegen der Usurpation des vorher-
gehenden Fürsten haben einige Bischöfe der Provinz durch gewisse Ve^
bindungen (fratricu) und Conspirationen Leute von unbewährtem Wan-
del zur bischöflichen Würde zu erheben, und sich um die Metropole,
welche die Residenzstadt des Herrschers ist, nichts zu kümmern gewagt,
■) Florez 7, 71 — nennt Eufemio »su (des Petrus) Metropolitano.«
*) Ansenommen seine Reise nach Rom um das J. 598, würden nur zwei Jahn*
ffir das Episcopat übrig bleiben.
») FhrtM, 8, 169—70. /««/. <U vir, iU. iL — FTorez, 8, 25-29.
^) Florez^ 8, 97 — 103, de ia ntuadon — de ia Ciudad (Segobrigd),
») Florez, 7, 125—126 (Bisastro).
•) FloreM, 7, 85-86 (Basü).
*) Floru, 7, 282 (Oxoma). üoriohtis ist, dass aus den Briefen des Montan das
eintr&ehtige Zusammengehen der Bischöfe von Celtibericn und Carpetanien her-
vorgehe; das Gegentheil ist wahr.
•) Florez, 7, 180-81.
•) Florez, 7, 218-20 (Eiotana); 230-31 0114).
t
f
Dm Dekret des Gvndemar. 75
obgleich die alte Bestimmung der Gaaones (toii Toledo II) dagegen
stehe. Toledo aber solle hinfort in der gansen PlK>vinB ak Metropolis
anerkannt werden, mit dem Vorrang der Macht und der Ehre. j^Auch
gestatten wir nicht , dass diese Provinz unter zwei Metropoliten gegen
die Beschlüsse der Väter getheilt werde'', woraus Spaltungen entständen«
Vielmehr habe Toledo den Anspruch des Alters und der Residenz
des Königs.
Wenn aber vordem auf der allgemeinen Synode von Toledo ^yder
ehrwürdige Bischof Euphemius^ sich als Metropolit von Carpetuien
bezeichnet habe, ,,so verbessern 'Wir hiemit den Ausspruch seiner Un-
wiss^tiheit^)'', denn der Landstrich Carpetanien sei keine Provinz, viel-
mehr ein Theil der Provinz Carthaginensis. Wie die Provinzen B&tiei^
Lusitanien und Tarraconensis , und die übrigen zu seinem Reiche gehO-
rigen — nach den alten Canones nur jede einen MetropoUten haben, so
soll auch Carthaginensis einen und denselben Primaten, den der alte
Sjnodalentscheid bezeichnet, verehren, soll unter allen Comprovinzialen
ihren höchsten Bischof ehren, und nichts soll femer geschehen , was
bisher die stolze Anmassung arroganter Bischöfe sich herausgenommen^).
Er verzeihe das Vergangene, troz der schweren Schuld, „aber einer
grossem, einer unentrinnbaren Schuld werden die ver&Uen, welohe die*
ses unser Dekret, das der Auctoritttt der alten Väter entstammt, in fredion
Erkühnen anzutasten wagen sollten. Keine Verzeihung wird mehr anf
das Verbrechen (ddieH) des Widerstandes folgen; der Ungehorsame hat
kirchliche Degradation und Excommunication zu befahren, und unsere
Strenge.'^
„Ich Flavius Gundemarus Rex habe die Constitution dieses Erlasses
für die Bestätigung der Ehre der heiligen Kirche von Toledo mit eigener
Hand unterschrieben.^ Die Geschichte hat uns die Size und Namen der
Bischöfe nicht genannt, welche zu diesem Erlasse den Anstoss gaben.
Sie hat gleichsam den wohlthätigen Schleier der Vergessenheit über sie
ausgebreitet, und künftigen Forschem hierüber nicht vorgreifen wollen,
von denen die einen an Carthagena, andere vielleicht an Acci, andere
sogar an Astorga, oder Castulo u. s. w. denken werden. — Wir haben
uns ja schon öfter überzeugt, dass es damab Sitte war, wirkliche oder
vermeintliche Missethäter von so hoher Würde nicht aus dem Dunkel
ihrer Anonymität hervorzuziehen.
Was menschliche Klugheit sonst noch gebot, das unterliess man
nicht zu vollbringen. Hatte man ja doch von Montanus gelernt Wie
dieser mit 5 Bischöfen dennoch eine Synode von 8 Bischöfen gehalten'),
>) not ejuadem ignaraniiae $enteniiam eorrigimua.
*) quaUa hacttmu arrogantiMm Sacenhhtm tuperha tmUmit pra$mmpti9.
») K-G. 2 (1), 446-49.
76 Achtel Bach. Fünftes Kapitel.
und SO brachte Aurasios jezt noch 26 Unterschriften von Bischöfen unter das
2^^ Un- Dderet des Gondemar herbei^ von welchen nur einer innerhalb der Pro-
8 >Jiirif- ^^ seinen Siz hatte. — Die entfernteren Bischöfe aber kamen nach Toledo,
tcn. um jort den Königen , zunächst dem Gundemar und Siscbut, die her-
kömmliche Aufwartung zu machen. Diesen Anlass benüzte Aurasius
(yielleioht auch Helladius und Justus), um sich ihre Unterschriften aus-
zubitten. Wir lesen also:
„Ich Isidor, der Kirche von Sevilla Bischof, Metropolit der Provinz
Btttica, habe, als ich in die Stadt Toledo, den König zu begrüssen
(pro oeeunu regiojf kam, diese Constitutionen eingesehen, gebilligt, und
unterschrieben.'' Wörtlich so Innozenz von Merida; denn Masona war
im J. 606 gestorben*). Kürzer unterschreibt „Eusebius, Bischof der
Ejrche von Tarfaco^; ebenso Sergius von Narbonne, der wohl auf Mi-
getim gefolgt^). Es fehlt der Bischof von Braga, dessen Name sonst
nidit genannt wird, denn zwischen Pantardus von 589 und Julian von
638 war sicher ein Bischof in der Mitte. Er kam entweder nicht zur
Begriissung des Königs, oder unterschrieb nicht. Nach diesen kommen
die 22 (21) Bischöfe: Johannes von Girona, Uergius von Egara^), Lice-
rios Ton Idanna*), Maximus von Saragossa, Mumius von Calahorra^i,
Floridius Ton Tnriasso, Elias von Goria, Goma von Lissabon, Fulgentius
von Astigi, Emila von Barcelona, Theodor von Orense, Johannes von
Ptenpelona, Benjamin von Dumium, Agapius von Tucci, Gundemar von
Viseo, Argebert von Oporto^), Teverist von Salamanca, Vitulatii»
Laverricensis, Leontius von Lodftve^), Pisinus von Eivira, Justinian von
Abila, Vencrius von Castulo.
Lezterer ist einziger Bischof innerhalb der Provinz , und da vorher
Theodor von Castulo steht, so muss lezterer schnell gestorben, und
Venerius, sein Nachfolger, sogleich zu seiner Unterschrift angehalten wor-
den seyn; hatte man ja dann eine Zahl und einen Namen mehr. ^Sie
machten ihn das Dekret unterschreiben^, sagt mit Recht Florez "). Sonst
nicht erwähnt werden die Bischöfe Floridius, Elias, Goma, Theodor,
Johannes, Benjamin, Gundemar, Teverist, Leontius, Justinian und
Venerius.
Aus der Provinz Narbonne sind zwei Bischöfe, aus Bätica vier,
aus Lusitanien acht (resp. 6j, aus Galizien zwei (resp. 4), aus Tarraco-
<) F1ar9x, 13, 180-206 (Masona).
^ QtJUa ckrigtkma, t 6, iL
*) Erscheint 599 und 610.
*) Er hatte 597 anterschrieben.
•) Erscheint 589, 592, 599, 610.
*) Erscheint 589 and 610.
*) GaUia ehritt. 6, 528.
•) HoTM, 6, 340.
KOftJg Sisebut 77
nensis acht fiisoh^ife unterzeichnet; dazu eiüer aus Carthaginenslsi und
Vitulatius Laverricensis, was Ferreras mit Laberri übersesti Aguirre
und Flores nicht erklären.
Es finden sich bei den angeführten Dokumenten noch drei Briefe,
jeder betitelt: Suggestio, d. i Unterbreitung oder Bittgesuch » alle drei
aus Mentesa. Das erste ist von Sesuldi 'wahrscheinlich dem weltUjchi^
Beamten, das zweite von Sunila, ,, eurem Knechte^} das dritte von Jo-
hannes^ Vivendus, Ermegild, ^euren Knechten''. Sie bitten um Beatil'
tigung und Weihe des von ihnen gewählt^i Bischofs Smiliaa*)» ^ifx
solcher Bischof von Mentesa wird später nicht genannt; im J» 610 yt^
es Jacobus; im J. 616 Cäcilius. Es genügt m6hi^ au sagen» diese Briefe
werden zu einem sp'ätem Concil gehören. Ich glaube umgekehrt, 4a
Johann 589, Jacob 610, Cäcilius 616 ^ ein Jacobus wieder. ^3 Bischof
waren, dass Emila vor Johannes Bischof war, und dass man in'Tpledo
diese Gesuche den Akten einverleibte, in ähnlicher Absicht, in der mm
sich auf die Synode von Montanus berief, um nemlieh dadurch ,eilie
firüher schon bestandene und anerkannte Metropolitangewalt zu beweken.
§. 6. ET^nig SiBebirt i
kam Aera 650, d.i. 612^ im zw^ten Jahre des Heradius, 4^ Regi^ sisp-
rung, die er acht Jahre, sechs Moiiate fiihrte. Gegen.die apfrUhreri^^^^jf^
sehen Asturier sandte er ein Heer, und upterwarf sie. Pie ü|«raU YOfx
hohen Bergen eingeschlossenen Bucconen .besiegteii s^f Fqjdherrn, £r
selbst führte ein Heer gegen die Griechen im. Süden, die er zweimüJ
besiegte, denen er einige noch gebliebene Städte entriss; die noch übri-
gen innerhalb der Meerenge schwächte er derart, dass die Gothen »e
später leicht in ihre Gewalt brachten. Damals, scheint es, wuräi$,.Qaap-
thagena erobert und zerstört, damals kehrten wohl auch Urci, Malaga
und Asidonia wieder in die Gew^ der Spanier zurück; denn schon ,"6119
erscheint Thendulf, Bischof von Malaga» und Bufinus von Asido auf d^
zweiten Synode von Sevilla, 633 Marcellus von Urci auf der vierten Sy-
node von Toledo, während vielleicht noch einige Städte in AlgiMHE^e
vorübergdxend in der Hand der Griechen blieben«
Als Sieger zeigte Sisebut die gröss^ Mässigung und Scihonung; e^
machte dem Blutvergiessen Einhalt, und kaufte auf seine. Kosten .idel^
Kriegsge£Emgene los^).
Der Patricius Cäsarius musste endlich, es scheint 615, um Frieden
bitten. Sisebut sandte selbst eine Gesandtschaft an Kaiser Heradius.
Dieser nahm den angebotenen Frieden gerne an , nach welcheih den
Griechen nur ein kleiner Landstrich im Südwesten blieb.
>) Uorez, 7, 247-^49, pEmila, ptnitdado'fora ei 06upadb.«
>) Isidor. cp, 61 de reg, Goth. — Fred^gar eknm. c. 33, — Aämi^ 4, i9i -s
78 Achtes 9tA. Vtaftaa K^tal.
Im ^Vnfiunge seiner Re^enmg -wollte Sisebut die Judeai zum Christ
tliame zwingen. Wer nicht in Jahresfrist die Taufe annähme, n
GeisBclung, Verbannung und Verlust des Vermögens') leiden. Vi(
welchen es nicht gelang, zu entfliehen, fügten sich sum Scbeiot
Sisebut war ein gewandter Redner, und in der Scirift ebenso gewrt
Kiurk-f^r war ein gorechter Richter, sanft und milde; ein König, der Spul
KiWxe "'ö durch die Künste des Friedens , so durch Kriegesruhm erhob.
^^ starb, man weiss nicht, ob eines natürlichen Todes, oder an dem Üd
doii. maasae genommener Arznei, oder an Gift. Die Trauer um
allgemein. — Er erbaute die Kirche der heil. Leocadia zu Toledo,
erwies sich aU eifriger Förderer der Kircbenzucht. Isidor giebt
den Beinamen „christianiseiraus."
Seine Wir besizen von (und an) Sisebut acht Briefe, welche zuerst Fll
'aus MS. der königl. Bibliothek in Madrid aus dem „Ovetensis C«
initthoiltc; dazu kam ein MS. aus Toledo*). Trozdem bleibt der 1
vielfach unverständlich, Brief 1 hat den Titel: „(Schreiben | des KI
Sisebut an den Bischof Cäcilius, als er sich in ein Kloster einge«ch)<
hatte." Er habe, nach persönlicher Heiligung verlangend, eine hiü
Heerde in die Hände der blutdürstigen Wölfe überantwortet, und s
seien die traurigsten Wirkungen seiner Flucht eingetreten. Er he
sein Unrecht aus den Worten und Werken dos Herrn, von de«
lomen Schaf, dem vergrabenen Talente. Er werde Rechenschaft g
müssen für die Seelen, die durch seine Schuld verloren gegangeo.
glaube, ein solcher hat tausendfachen Tod verdient." Cäcilius I
dem König über seinen Entschlusg geschrieben, und erwartete M
Ausspruch, Sisebut liess alsbald den Notar (Schreiber) kommen,
verlangt, wenn diese Antwort ilim zu Gesicht komme, so solle tr
Verstellung ablegen, sich dem Könige und seinen Mitbriidem (im I
copate, deren stets einige in Toledo weilten) stellen, und die verd
Strafrede in Empfang nehmen (ut vivida voce increpatia, ei ityio
bonan correptui, tandem resipisceru redeaa ad inerementa virtuttimj.
Der Patricius Cäsarius schreibt über denselben Cäcilius an SiM
Oft habe er ihn, im Hinblick auf das vergossene Blut, vergebeni
Frieden gebeten. Die Erde habe das Blut der Katholiken getrM
die von ihren Brüdern getödtet worden, und sei dessen übertf
Gefangene von beiden Seiten seien in ferne Länder verbannt Li
also Frieden schenken, im Hinblicke auf den grossen Friedeustifier 1
') Leg. Vitis. L. 12. T. JIl. l. 3. — L. 13. T. 2. L 13. lt.
•) Itidor — GoA. cp. 60. — Oa-onic. 120. — Appendix ad Moni A». O»
— Itidor. Pac. iir. 6. — Bamagt, Hiitoire i/o Jui/» deptiU J. Ciritl, S, Ml
Alf. de Castro, Rigaadten, Gräti, a. a. O. S. unlen.
*) flortx, t. 7, aptnd. I, dt iat CarUu del Rr^ Sitetnito (hatia ioy no puütd
• ^. wDie BiieflB*d6» Msebat« 79
Hhttmtl «ad Eit^ — Dan ^^ieligsten Vatav Okäim^j der toa
Lwlm suttckgehahon worden, habe er tefakmi^st surttokge-
i, -daaÜ er wm aemer Eirehe vriederkehre «nd dem Könige aich
Die» habe er Ton freien Studien, und olme Aoffoiderong
Br wBgB dodi Antwort geben, and wenn er gttnatigen Bescheid
>y M warde aieh Ckaaiiiia in allem erkenntlich aeigen').
SMnit antwortet sehr freundlich ^»dem theuersten Freund'^; Er •
4m Tiiie Hhit^ergiessen awiscfaen Ghrkten. Er mOge dem
{itM: Mnem Oesandten) ftat vertnuien, ob audi dessen Rede
t* •% dte» er Üw n&hem V orachlSge übergeben habe. Er dankt
BogCA (mmm), den ihm Ansemnnd als Geschenk von CHsariiis
Drsdlna sandte Cäsarius seine Antwort Damach waren von
Seiten Gesandte nach Oonstantinopel gereist Der Briefschreiber
^▼on geistigen Eriken und KXmpfen, von einem Pseudopresbyter,
Fortsesong des Briefwechsela. — Der leste Brief ist durch
und Theodorich dem Sisebut fibersendet Det Kaiser habe ge-
Er sende den edlen Theodorich und den Priester Amelivs^
Sisebut mfindlioh das Nähere mitiheilen sollten, damit ein Tölli*
gesdi^ossen werde, lieber die Bedingungen des Vertrags
fiese Briefe keine Mittheilung.
Bdbon durch Mariana bekannt, und früher von uns zur Hälfte mit- i>er
;^) ist der Brief des Sisebut an den Bischof Eusebius von Tarraco.des s-
hatte an Sisebut schriftlich seine Weigerung oder sein Wider- i^^^^o.
mitgetkeilt, den Bischof Seyerus für Barcelona zu weihen, indem '^^'^''-
auf das Widerstreben des Volkes berief. — Bischof Ernüa, der
des Ugnaa, wird in den J. 610 und 614 genannt*). Bald
moas er gestorben seyn ; denn der Bischof Severus yon Barcelona
anf die Synode 4 von Toledo einen Vicar Johannes, welcher
sieben Vicarien als der yierte unterzeichnet, und man kann (mit
i) annehmen, dass Severus durch Altersschwäche verhindert war,
lidi zu erscheinen^). Sisebut befiehlt, dass Eusebius den Bischof
lona bis zum nächsten Osterfeste weihe. Der Ton des Briefes
td; wenn Eusebius eine solche Ansprache verdiente, so war er
^ wie es teheiot, a. a. durch eine Empfehlang bei dem Papste, wie ich die
Worte: apwf Sertm§mmum ürin$ Dcmmum PairmH tfutrum verstehe.
K.-G. 2 (1), SS-M.
FUrm, 29, 128-aO.
FUrm, 29, 130— SS. — Ferrmu, 2, 850 spricht hier von einem Bditaspiele,
welehes der Bischof von Barcelona habe geben lasten. — V. ÄKihmdk, p. 241
and Lmbkt, 8« 90; aach BkUMeh, p, 54 l&sst den EosebiaS) den «geblichen
Bischof von Barcelona, abgesezt werden.
80 Achtes Hoch. Fünftes Kapitel.
•
doppelt za bedauern. Er wird suerst im J. 610 genannt , leitete die
Sjnode von Egaia 614, erhielt awischen 615 und 621 diesen scharfen
Verweis 9 und starb um 632^). — Aus dem Briefe an Eusebius, und
aus dem Briefwechsel , welchen Braulio und Isidor. Hisp. mit einander
sum Theil aus Anlass des Todes des Eusebius führten, ersehen wir, dass
^chon damals die Könige die Bischofswahlen in ihre Hand genommen
hatten. ^'^^
Der siebente Brief des Sisebut ist an einen Theudila gerichtet, der
seine weltliche Stellung mit dem EJoster vertauscht hatte, dem er
passende Anweisungen giebt, und den er demttthig um seine Fürbitte
und um Nachrichten angeht Er nimmt mit gelungenen Versen Abschied
von ihm:
Es möge der Löwe des Stammes Juda stets dich geleiten
Es sei Christas immer dir gnädig, das Licht deines Lebens. Amen.
Der achte Brief ist an Advaldeld (Adelwald), den jungen König
der Longobarden, und seine Mutter Theodolinde, gegen die Häresie det
Arianer; sie mögen, wie sie selbst davon sich befreit, auch ihr Volk
mr wabr^ Eirohe führen. Adelwald möge in den Fussstapfen seiner
frommen Mutter wandeln. Der Brief ist eben so rührend als beredt
geschrieben. Er erhebt die Tugenden der Theodolinde, und leitet ihren
Namen von Gott Er giebt ausführliche Anweisungen für das Werk
der Bekebrug der Longobarden. Man muss einen König achten und
lieben^ der mit solcher Kraft und Salbung redet
Von demselben ist: VUa vel Pcusio 8. DetiderUy des Bischo& von
Vienne, der am 23. Mai 606 gesteinigt wurde, auf Betreiben der Brune-
hilde«).
Dem Sisebut widmete Isidor sein Werk — de rerum naitura. —
Dieser König ist ohnstreitig den besten Fürsten Spaniens an die Seite
8U sezen. — Um ihn trauerte das ganze Volk der Gothen. Sein Sohn
und Nachfolger Reccared U. regierte nach Isidor nur wenige Tage. Ein
früher Tod rafile den Knaben dahin.
•) FUn-tZt 25, 82—86.
«) Fhrez, 7, 328 — 338 — cf. Ada SancL t 5. Maxi, p. 251 — 52 —55. — Obige
Schriften des Sisebat sind aus Florez 7, 307 — 38 abgedruckt ap, Migne P. tat.
t 80y p. 364 — 384. — cf. Maruma, Üb. 6, cp. 3. — Ferrerat, 2, 339^350. -
Antonio Ikret- Bayer, 57Ö— 7i. — (v. Isidor. de reg. Qotk. ep. 60 — 61, — Chronol
r. O. cp. 24. — Chronicon 120. — Isidor. Pacens. , aera 650. — Roderic, Tolet^
de reg. Goth. L 2, cp. 17.) — de Castro, 345 — 47. — Masdeu, f. 9, 18. i 10,
i1%-16. — Zq/iMMlf, p. 405—9. Caoamües, 220-22. — Aschbadk, 236— 24L
Lemhke, 88—90. — ffelfferidi, W. R. 53-11; ihm ist Sisebat »ein frommer,
gelehrter, fsaatlseh-nndiildaiBier Herr. Das, was man im Leben einen ngnlen**
Mensehen nennt, war Sisebat«
Die Könige SwintilA nnd Siteund 621—636. 81
§. 7. Die Könige Swintila und Sisenand 621—636.
SwintUa war unter Sisebut Heerführer gewesen, hatte dieRucconeo »
und Römer besiegt. Selbst zum König erwählt, entriss er den Römern ^'^^^^^
die noch gebliebenen Städte. „Er war der erste , der die ganze Halb-
insel der Pyrenäen beherrschte, was keinem Fürsten vor ihm beschieden
war. Zwei römische Patricier bekam er in seine Gewalt, den einen
durch freiwilUge Unterwerfung, den andern im siegreichen Kampfe''
(623) *). — Die unruhigen Vasconen erschracken bei der Nachricht sei-
nes Heranrückens so, dass sie um Frieden flehten, Oeisseln stellten,
den Gothen die Stadt Ologitis gründeten^). — Schon Don Rodrigo
(Roder. Ximenes) kannte im 13. Jahrhundert deren Lage nicht mehr;
die Einen hielten sie für Oloro, die andern für Olite^). Ferreras und
Florez sprechen sich für keinen bestimmten Ort aus. — Ist ja auch ^
die Lage von Recopolis nicht bekannt Noch rühmt Isidor an dem
Könige seine Treue, seine Klugheit und Thätigkeit, seine Liebe zur
Gerechtigkeit, seine treffliche Verwaltung, sein Mitleid gegen Arme,*
seine Wohlthätigkeit gegen Alle. — Seinen Sohn Racimir nahm er
zum Mitregenten. Mit seinem und Swiniila's überströmendem Lobe
schliesst Isidor die Geschichte der Gothenkönige (626), von deren näch-
sten Nachfolgern wir nur wenige Nachrichten haben. Aber entweder
der Lebende hatte Recht bei Isidor, wi6 auch In andern Fällen, oder
Swintila schlug nach guten Anfängen eine schlimme Richtung ein. Wohl
[nöglich, dass die Grosseh und Bischöfe in der Ernennung eines Nach- -
folgers einen Eingriff in ihre Rechte sahen. — Was im Einzelnen ihm
sur Last fiel, finden wir im lezten Canon der Synode 4 von Toledo
mgeführt. Sisenand stellte sieh an die Spiee der unzufriedenen ; er rief
den Frankenkönig Dagobert zu seiner Hilfe herbei, und versprach ihm
sum Lohne die sogenannte Tafel Salomos, eine grosse, 50 Pfund schwere,
mit Edelsteinen besezte goldene Schüssel, welche der Gothe Thorilmund |
von dem Römer Aetius als Lohn für seinen Antheil an der Schlacht
gegen Attila erhalten haben soU^).
Das fränkische Heer zog unter Abundantius und Yenerandus bis ^^^'
Zaragoza. Die Gothen fielen von Swintila ab ; Sisenand wurde auf 63i —
den Stuhl der gothischen Könige gesezt, und ^e Franken kehrten um.
■) Is. c. 62 - de reg, Ooth, ^ CkronoL cp. 25.
»j Florez, 32, 333—35.
') Lezterer Ansicht ist (Hkenart — NotUia uiriutqtte VaacanitUf 1656, Vaaamu denkt
an ValUdolid.
«) 8. Lembke, S. 33, 93, 267 and Beilage III, S. 421--424; ff. Ge^er nennt (2,199)
den von Lembke auf die Untersuehiing über die sog. Tafel Salomos verwendeten
Fleiss »stannenswerlh.«
Garns, Span. Kirche. II, 2. Q
82 Achtes Bach. Fünftes Kapitel.
Die Gesandten Dagobert's eilten mit der goldenen Schüssel zurück, aber
anterw^ überfielen sie die Gothen, und nahmen sie ihnen weg. Zur
Entschädigung erhielt Dagobert 200,000 Solidi ' ). Die Chronologia Gothic.
regum weiss nichts Ungünstiges von Swintila. Nach ihr regierte Swin-
tila 10 Jahre. -— Er wurde wegen seines Verdienstes Vater der Armen
genannt, und starb eines natürlichen Todes zu Toledo unter Kaiser
Heradins. — Diese Regierung dauerte nach der ;, Chronica'' — 10 Jahre,
die des Sisenand 4 Jahre, 11 Monate, 14 Tage. Die „Chronologia''
achreibt ihm 4 Jahre der Regierung, zu, und sagt nur von ihm: ^Er
hielt Synoden (d. i. nur eine) der Bischöfe ; er war geduldig, und recht-
giftnbig nach der Ordnung der katholischen Kirche. Er endete sein
Leben zu Toledo unter der Regierung des Heradius'' ^).
^^ §. 8. Die Bischöfe HeUadius und Justus von Toledo.
^ HeUA- HelladiuB folgte auf Aurasius. Er hatte in seiner glänzenden Stel-
TOT long am Hofe und als hoher Beamter schon wie ein Mönch gelebt Er
'^f^j^ kam au dem Kloster Agali wiederiiolt , noch als Laie, gesellte sich den
^ Mönchen bei, und trug mit ihnen sogar Reiserbüschel zu dem Ofen.
Dann verliess er in schneller Flucht alles, um in Agali zu weilen, wurde
Vater (Abt) der Mönche, leitete geziemend durch Wort und Beispiel
ihr Leben, und brachte das Ehester zu zeitlichem Wohlstand. Schon
ein Gkeis, wurde er, wohl durch König Sisebut, durch Gewalt auf den
Bischofssiz von Toledo erhoben, und legte eine grosse Gewandtheit in
der Regierung der Kirche an den Tag. Unerschöpflich war seine WoU-
thätigkeit gegen die Armen. „Er wollte nicht schreiben, weil das, was
zu schreiben war, das Blatt seiner täglichen Thätigkeit (quotidianae ofe-
ratUmü pagina) kundgab. Er starb in hohem Alter, nachdem er 18 Jahre
(615—633) Bischof gewesen, unter den Königen Sisebut, Swintila, und
in der ersten Zeit des Sisenand'). Sein Diakon, mit Namen Justus,
erhob sich gegen ihn im Uebermuth, und „er lebte zwar nach dem
Tode seines Bischofes selbst als Bischof und er war erschöpft (et ip$e
tdbif actus); aber sich verkehrend in verderbtem Sinnen, wurde er von
den Dienern seines Altars — wegen zügelloser Sitten im Schlafe er*
') Fred^ar chronic, cp, 73; daraus Gesia Dagoherti I — (petuantem oiirt pondus quin-
gento»; Boh, liest auri soUdot)^ die Spanier reden nar von 50 Pfund Gewicht.
*) .Mariana (üb. Swintila und Sisenand) L6^ cp, 4 et 5, — Ferrenu- Baumgarttn,
2, 35i^357S70. — Masiku, t 9, 19^20 (Münzen); /. iö, 176—79^181, -
LafumU, 2, 409-416. — CavanilleM, 223-28. — Aschbach, 241—44^247, -
Lmbke, 91 "95. — BB^ymieh, 71-~75'^79. — Helf. nennt die Re^ierun^ des
8it€D«nd »thatenlotn
*) ndtf. d$ vir. iOuür. tp, 7.
Die Bischöfe Helladios und Jattat von Toledo. 83
drosselt'''). — Ferreras erwähnt dieses Justus nicht; Florez begnügt
sich mit dem einfachen Berichte. Ich folge seinem Beispiele. — Man
ninmit an, dass Helladius eine Art Synode hielt; denn Isidor schrieb
an ihn ^an meine Herrn, die Knechte Gottes und an die übrigen mit
ihm vereinigten Bischöfe'', dass der Bischof von Corduba, dessen Namen
er nicht nennt, in eine Fleischessünde gefallen sei, dass Helladius und
seine Bischöfe ihn verhören, absezen, und zu beständiger Busse ihn
verurtheilen sollen^). — So sehr der Brief an Isidor mahnt, so auf-
fallend ist, dass der Schuldige von nicht Eustl&ndigen Bischöfen gerich-
tet werden soll.
Unter Helladius wurde sowohl die Kirehe des heil. Euphrasiut su xir^
Illiturgi (E.-6. 1, 189), als die Kirehe der heil. Leocadia zu Toledo i>^!^|t^
erbaut (1, 341)^). Helladiua selbst wurde in dieser Kirche begraben. '°J^'-
Die erhaltene Grabschrift , nach welcher er mehr als achtzig Jahre alt Zeit
wurde, soll von Ildefons verfiisst sejn*). — Zu seiner Zeit feind der
Mönch, später Bischof Agapius IL von Corduha den Leib des Märtyrers
Zoylus [K.-G. 1 , 361] *). — Damals' wurde — un J. 630 eine Kirche
zu Asido im Jahre 2 des Bischofes Pimenius dedicirt^), mit Reliquien
des heil. Stephanus , Julian, Felix, Justus, Pastor, Fructuosus, Auguriiu, •
Eulogius, Ac^sclus, Romanus, Martinus, Quiriscus und Zoylus. — Im
November 644 wurde unter demselben Bischof eine Kirche mit den Re-
liquien der Märtyrer Lambert, Felix und Julian dedicirt, am Meere,
vier Leguas von Asido ^).
Helladius wurde nicht als Heiliger zu Toledo verehrt. — Aber er
fand am 18. Februar Aufnahme in dem Martyrologium des Baronius;
im Jahre 1613 wurde zu Toledo sein Fest schon ritu semidupL gefeiert,
und er fand seine Stelle in den Bollandisten ") , und in den Acta Set
Ord. S. B. von Mabillon«).
>) jf Justus — posi mortem quidtm sui Pontificis vixit episcopuSf et ipse tabe/actus, sed in
reprobum versus sensum, ob intemperantiam morum a ministns cdtaris sui dormmu,
strangulatus Uiqueo expirctvit". — Ild. prae/at. Viror, illust,
') epistola 5 — Isidori Heüadio aUisgue episcopis,
') Eulog, Üb. apoL mart, cp. 16 — Toleto quoque beatcte Leocadiae aula miro opere,
jubenie praedicto principe (Sisebuto), eulmine alto extenditur.
^) Sie steht in der Ausgabe des Lorenzana anter den opp. supposita. Der Heraus-
geber hält sie zwar für alt, aber die Verse : octoginta senior etc. für eingeschoben.
») Vita B. Zoyli mart, ap. Florez, 10, 505—7.
•) Die Inschrift zuerst bei MoraUs — /. 10, 9; dann bei Fhrez, 7, 183. 10, 57. —
Masdeu, 9, 151-52. K.-G. 1, 332.
») MoraUs, 12, 24. — Coro, Ant. de SwiUa, fol. 125. — ' Florez, 10, 58 — 59. —
Masdeu, 9, 153-154.
•) 18 Febr. — t3 Februar, p. 79^%
•) Mahühn , L 2, p. 136—39. — Floru, 5, Hf^-^-U.
6*
84 Achte« Bach. Ffinflei Kapitel.
jasiTn Jüstua, Schüler des Helladius, folgte ihm als Bischof — 633, ein
Tüi"do Mann von reichen geistigen und leibliehen Gaben, gei.itreicli und sch&rf-
%iü' 8'inig, sattsam von Helladius in den Tugenden des MSncbthuma erzo-
gen, war er nach diesem der dritte Vorsteher iu dem Kloster tob Agali.
Es fehlte Ihm auch nicht an Berodtsatukeit ; aber er starb vor der Zeit,
schon drei Jahre nach seiner Erhebung. An KichiU, den Abt von
Agali, schrieb er einen gewandten Brief, worin er zeigte, dase man
sich der Sorge für die anvertraute Heerde nicht entziehen dürfe. König
Sisenand starb nach ihm am neunzehnten Tage'). — Der Priester Ge-
rontius, gestüzt auf die kiinigliche Gunst, begegnete dem Joatos mit
Verachtung und Troz. Plöziich verlor er den Verstand; alle Kunst der
Aerzte vermehrte nur sein Uebei; er blieb bis zu seinem Ende in die-
sem Zustande; sein Anblick und seine Rede war allen zum E^keL —
Justus steht nicht in dem Verseicbnisse der Heiligen, doch zählt ihn
' Mabillon zu den Heiligen des Ordens S. Benedicti ^).
') TUef. rp. 8 Je vir. IU. — et pratf. ~ cp
•) Flore:, 6, 244 - 48. - Maiilkn. Atta i
Sechstes Kapitel.
Die zweite Synode voh SeyilU — • J. 611. — Ois vierte €•■-
eil ¥•■ TtMe, 638.
§. 1.
Am 13. November, im neunten') Jahre der Regierung des Sisebuti
Aera 667 , d. i. im Jahre 619 traten die Bischöfe von Bätica, Indor
und seine Suffiragane in dem Secretariat (Capitelsaal) des „heiligen
Jerusalem^ zu Hispalis zu einer Synode zusammen , in Oegenivirt
des Statthalters (rectore rerum publieananj Sisicius und des SUuui-
meisters Suanila (actare rerum flsealium), während der Klerus stehend')
anwohnte. Die erste Verhandlung — actio — betraf das Ansuchen dee y»-
Bischofs Theudulf von Malaga , vielleicht des unmittelbaren Nachfolgera i^mhi
des Januarius, dessen Bisthum erst seit Kurzem den Griechen entrissen ^^9>^
worden war^). Das Gebirge von Antequera und Ronda hatte lange
Griechen und Gothen getrennt, aber von Alters her. reichte das Bisthum
Malaga bis zum Flusse Xenil, und grenzte an die Bisthümer Elvira,
Egabra und Astigi*). Diesse drei Bisthümer zogen nun die nördlich
vom Gebirge liegenden Pfarreien an sich, und wollten sie nicht an
Malaga zurückgeben. Es wurde entschieden, dass der Status quo vor
dem Einfalle der Griechen wieder einzutreten habe. So ist es bis heute
geblieben.
Zweitens — die Bischöfe von Astigi und Oorduba stritten um eine
Kirche, die jener zu der Pfarrei Celti, dieser zu Regiana, beide Orte
an der Strasse von Astigi nach Emerita gelegen, ziehen wollte. Hier-
') Fhrez, 9, 289 — sagt, man müsse lesen: im siebenten.
') In Elvira sassen die Priester, standen die Diakonen.
') Heifferich denkt hier, ohne Grund, an Arianer. W. & S. 5&— 56. Die »mäi-
iarit hotülUa»* sind die Qrieehen.
0 K..G. 2 (1), S. U.
86 Achtes Buch. Sechstes Kapitel.
über solle eine Commission entscheiden, so jedoch dass ein dreissigjäh-
rigor ruhiger Besiz als Präscription gelten solle. So haben in ähnlichen
Fällen die weltlichen Geseze und die Päpste entschieden.
Drittens brachte Bischof Cambra von Italica die Klage vor, dass
sein Kleriker Spassandus sich nach Corduba begeben habe. — Man
beschloss: er solle zurückkehren zu der Kirche, die ihn erzogen und
genährt Diess soll auf alle ähnliche Fälle angewendet werden. Wer
einen Solchen zurückhalte, verfalle der Excommunication. Der deser-
tirende Kleriker verliere seine Würde, werde einige Zeit in ein Kloster
verwiesen, und dann erst wiedereingesezt'). Ohne grosse Strenge könne
. dieses , Vagabundiren nicht abgestellt werden.
Zw5if Viertens — wurde berichtet, dass zu Astigi kürzlich einige uner-
noflundlaubte Weihen von Männern von Wittwen als Leviten vorgekommen:
^ran^^ die Geweihten seien abzusezen.
^^' Fünftens (quinto judido) meldete der Diakon Anianus von Egabra,
dass der Bischof, welcher an den Augen litt, einen Priester und zwei
Diakonen geweiht, wobei er selbst die Hände über sie ausstreckte, ein
Presbyter aber die Worte der Weihe sprach. Lezterer war inzwischen
gestorben^}; aber die Ordinirten wurden abgesezt.
Sechstens — sei Fragitanus, Priester von Corduba, ehedem mit
Unrecht von seinem Bischöfe abgesezt und verbannt worden. Er wird
wieder eingesezt, und nach den alten Regeln dürfe kein Priester und
Diacon ohne ein Concil abgesezt werden. Nicht das Gerede des Volkes,
sondern die erwiesene Schuld, und das Synodalgericht entscheide.*
Siebentens wurde angezeigt, dass der ehrwürdige Agapius (U), ehe-
dem Bischof von Corduba, oft Presbyter aufgestellt habe, die in Ab-
wesenheit des Bischofs Altäre errichteten, und Kirchen einweihten. Aga-
pius sei, unwissend in der Kirchenzucht, von dem Soldatenstande
unmittelbar auf den Bischofsstuhl erhoben worden ^). Aber — kein Prie-
■) H. Kellner, «das Buss- und Strafverfahren gegen Kleriker in den 6 ersten
christlichen Jahrhunderten**, Trier 1863» S. 128, handelt sehr kurz von der
Busse in den Klöstern, S. 98 — 100, welche zuerst von Hieronymns erwähnt,
von Leo I. vorgeschrieben wurde. — Kellner giebl (S. 73 — 77) einen neuen
Versuch zur Erklärung der pCommunio pere^na**, wornach die betreffenden
Kleriker die Communion innerhalb des Altarraumes vor den Laien erhielten,
während sie von ihrer Pfründe suspendirt waren. (K.-G., 2, [1], 440.)
*) Florez bezieht den Todesfall auf den Bischof, Tejada y Ramiro mit Recht auf
den Priester {Florez, 12, 27—28. - Tejada, 2, 669).
*) Dieser Canon 7 — findet sich fast wörtlich in einem dem Papste Leo L unter-
schobenen Briefe m. d. T. — Leo — unitferns Oermaniarum et Gaüiantm regio-
num epiMcopU — od. de prwiUgio chorepieoop, ei preebyt, — Er steht u. a. bei
Affuirre §d. 2, 3, 959—^. and eine besondere Dieaertatio dar. von P. Quetnel —
in 4$. Leoni» M, «pera dise, 11 (de äuppositione epiatolae ad Oerm, ei OalL epiacoposy
de ffrivil. chorep, nve preeb.f Leonie Papae I nomine cof\fictae, quae eti in priorUms
Die zweite Synode tod SeTilla, J. 619. 87
ster dürfe Altäre errichten oder weihen. Nach den Geseaen des alten Unter-
und neuen Bundes sei den Priestern die Weihe von Priestern , Diakonen der bi-
und (gottgeweihten) Jungfrauen nicht gestattet , nicht die Errichtongi ^^^^
Weihe oder Salbung eines Altares, nicht die Weihnng der Kirchen, die ^^
Spendung der Firmung an Getaufte oder von dner Häresie BekehrtOi stem.
nicht die Weihe des Chrisma, oder die Bese^chnung der Stime der
Getauften mit dem Chrisma; sie dürfen femer keinen Süsser ö£fentlich
in der Messe wieder aufnehmen, imd an Niemand (ipiUolaM) famuOai
senden. Die Priester dürfen nicht vor dem Bischöfe in das Baptisteriom
eintreten, nicht in seiner Gegenwart ein ELind taufen oder besiegebi
(Ungere aut signare)^ noch ohne dessen Befehl Büsser aufnehmen , noch
in seiner Gegenwart die heil« Geheimnisse feiern (muramerUiwn corpoH»
ei sanguinis Christi confieerej noch vor ihm das Volk lehreUi oder segnen
oder begrüssen oder irgendwie ermahnen.
Achtens kam aur Klage, dass ein gewisser Eliseus aus den Hörigen
ffamUia) der Kirche von Cabra, nach seiner Freierklärung durch den
Bischof sogleich trozig wurde, mit giftigen G^eimmitteln dem Bischöfe
nachstellte (venefids aHibtts)^ ja selbst uneingedenk seiner Freiheit seine
Patronin, die Elirche, verdammte. Der Schuldige soll wieder Sklave
werden *).
Neuntens kam zur Verhandlung, dass einige Bischöfe weltliche
Oeconomen hatten. Diess sei gegen Canon (26) der Synode von CluU-
cedon. Der Bischof, der keinen Oeconomen, oder einen Laien als Ooeo»
nomen habe, der solle als Verächter der Canones und KirchenriUiber
der Synode Rechenschaft stehen.
Zehntens — auf Verlangen der Aebte (patribusj der Klöster sollen
die jüngst begründeten und schon länger bestehenden Klöster in Bätica
ungekiünkt bestehen. Wenn ein Bischof jest oder später ein Erlöster
plündern, schädigen, oder aufheben wolle, so sei er Anathema und
ausgeschlossen von dem Reiche Gt)ttes. Es sollen sich alle Bischöfe der
Provinz versaomieln, ihn als Gottesräuber und Zerstörer von der
Gemeinschaft ausschliessen , und das zerrüttete Kloster in seinen alten
Stand sezen, damit, was einer gegen Gott zerstörte, alle mit Gott
wiederherstellen ^),
editionibuM 88 — Leonis. op. ed, BaUermL t 2, p. 1265 — 1278.), — Ueber den
Unterschied der Bischöfe und Priester handelt Isidor aoeh in: d§ accfaiiort.
officiis, 2f cp. 5 — 7; et in epislola ad Leudefrtdum epitc. (ef. des Artvalo j,Iaidonama*
— Pars 2, cp. 73.)
I) nom solum ejusdem epücopi venefids artibus tabUem Uud^rt voktii, nd elUMi patromam
Eccltsiam Ubertaäs immemor damnaoii (aL praedamnaoit) g vielleicht alt Zeuge vor
Gericht?
«) c/. MontaUmbert, 214 — 17. — E. de Boasihe, Formulu ifUgotid^us» in£diU9 -^
Nr. 9, 1864.
88 Achtes Bach. Sechstes Kapitel.
Der eilfte Beschloss scheint ohne Anstoss von aussen erfolgt bu seyn.
Die in der Provinz gegründeten Franenklöster sollen unter der Verwal-
tung und dem Schnee von Mönchen stehen. Die „geistlichen Väter^
sollen auch die Nonnen unterrichten, doch haben sie keinen Zutritt zu
ihnen y auch nicht in den Vorhöfen. Der Abt oder wer sonst Vorstand
ist, darf nur mit der Oberin (eam quae probest) sprechen, und auch mit
dieser selten ^ kurz, in Gtegenwart zweier und dreier Schwestern, und
ttber Dinge des Berufs. Der gewählte Mönch soll die städtischen und
ländlichen Güter yerwalten, Häuser bauen, damit die Nonnen durch
weltliche Gteschäfte nicht zerstreut werden. Der vom Abte gewählte
Au&eher muss vom Bischöfe bestätigt werden. Die Nonnenklöster sollen
zur Entschädigung für die betreffenden Männerklöster die Kleider be-
reiten *).
Zwölftens ein syrischer Bischof von der Sekte der Acephaler (Mo-
nophysiten) trat ein, leugnete die zwei Naturen in Christus, und nannte
die Gottheit leidensfähig« Die Bischöfe widerlegten ihn, und ermahnten
ihn zum wahren Glauben. Nach langem Widerstand entsagte er seinen
Irrthümeni.
Daran schliesst sich — dreizehntens — eine Auseinanderseznng des
Dogma von den zwei Naturen und der einen Person in Christus und
seinem Leiden in seiner Menschheit Zum Beweise werden Stellen des
A. und N. Testaments angeflihrt, femer das apostolische Symbolum,
dann die Väter, und zuerst Hilarius als Erklärer des Briefes an Timo-
theus, welchen Theodor von Mopsveste erklärte (s. oben, 8.50 — 51).
— Hierauf Ambrosius als Erklärer des Lucasevangelium ; Athanasius in
der Abhandlung von der Geburt Christi, in seiner Erklärung vom Glau-
ben, Gregor (von Nazianz) in seinem Briefe an Celedonius^), in einer Rede
vom Sohne ^ im vierten Buche gegen Eunomius^), Basilius im vierten
Buche gegen Eunomius*), Cyrillus (von Alexandrien) im ersten und
zweiten Briefe an Succensus ^), in dem Commentar zum Leviticus, Augu-
stinus in den Excerpta, sodann gegen Maximus ^j, in seiner Erklärung des
') Mabillon, (tnnales ord, S. Bened. ad cmn. 619 — t, If p. 314. — Kari Zeli: «Lioba,
und die frommen anseisächsischen Frauen«*, (Freiburg II., 1860, S. 202 — 3) findet
in Canon 11 das Bestehen sogen. Doppelklöster in Spanien.
•) qfist, 1 (edit. Maurin, ep, 101) — ad CUdonium presbyt. ctr. ÄpolUnarivan.
') Hier ist Gregor v. Nyssa gemeint (ohne dass es angedeutet wird) — /. 4, cp. 4
-^ cfe impassibiUtate generathnia ChriatL
*) Anhang z. Buche 4 — In illud: Dominut creavit me.
*) an Bischof Succensus von Dioeäsarea, ip. 45 et 46 (cUku 38 39) ,,d€ ßde* ~
optr, CjfriUi ed. Aubert i. 10, p, 137 — ^. 2 ad Succ. cp. 3, p. 144.
^ Wir haben von Aagustin nur einen Brief an den Grammatiker Maximus von
Madaura, einen (mit Alypius) an den Arzt und bekehrten Arianer Maximus.
Aber Prlmashis (de apoeaL l. 2) giebt ein Fragment einer Schrift ad Maximum,
worin obige Stellen enthalten seyn konnten (u 3 ed. Mawnn. in fou, t 8 ed.
Die zweite Synode von Sevilla, J. 619. 89
Johannes; Leo, „cler Vorsteher des apostolischen Stuhles' , in seinem
Briefe an Flavian, Fulgentius von Raspe in dem Buche über die Mensch-
werdung. Das Protokoll schliesst: Nachdem wir dieses einträchtig in
drei Sizungen (tribus secretariis) entschieden , haben wir zur Bestätigung
unsre Unterschriften beigefügt: Isidor in Christi Namen, Bischof derUnter-
Kirche von Sevilla, unterschreiba £s folgen Bisinus von Elvira, Rufi- ten.
nus von Asido, Fulgentius von Astigi, Cambra von Italica, Johannes
von Egabra, Fidentius von Tucci, Theudnlph von Malaga, Honorius
von Corduba. — In derselben Ordnung stehen diese Namen am An-
fange der Synode, aber Johannes von Egabra fehlt, der vielleicht spä-
ter anlangte. Von diesen Bischöfen wird Fulgentius oft genannt Bufi-
nus ist der erste uns bekannte Bischof von Asido, Bischof nicht vor dem
J. 590; er kommt nur hier vor und mag den Pimenius zum Nachfolger
gehabt haben*). Honorius von Corduba war erst kürzlich auf Agapius II.
gefolgt , welchen der Canon 7 und wohl auch 6 unsrer Synode tadelt
üebler noch wäre es um Honorius bestellt gewesen, wenn er der Bischof
war, über welchen Isidor an Helladius von Toledo schrieb. — Florez
sagt, dass kein Bischof von Egabra unterzeichnete^); aber bei Ant Qon-
%alez findet sich der Name des Johannes ganz deutlieh; aber er fehlt
bei Aguirre, und demnach bei den Folgenden^ erscheint erst bei A. Gon-
zalez, und demnach auch bei Tejada y Ramiro. — Ich glaube, dass
dem Verzeichnisse der Bischöfe von Cabra ein Johannes 11. beizufügen
sei, da der Johannes von 589 ^-090 schon damals der älteste Suffragan
war. — Dagegen fehlt ein Bischof oder Stellvertreter von Elepla. Ich
vermuthe, dass diese Stadt damals noch in der Gewalt der Griechen
war. Im J. 590 erscheint Bischof Basilius , im J. 633 Bischof Johann
von Elepla^). Bisinus von Elvira war der älteste der anwesenden Suffira-
gane, er war wohl auf Baddo vom J. 597 gefolgt*), und wird nachher
nicht mehr genannt Cambra von Italica wird nur im J. 619 erwähnt ■*);
ebenso Theudulph von Malaga^), der an zweitlezter Stelle unterzeichnet,
während Fidentius von Martos, der Nachfolger des Agapius, im J. 633
noch am Leben war^).
Gatmie, p. 1607 — 20, t. 2, p. 751 — ed, Migne. — v. Primnsius, comment. in apo-
Cdlyps.j L 2, in medio in cp. 5 — „ad Afaximum scribens*^ — etc. Auch die schon
erwähnten Briefe Ausustin's an Consentius — ep. 205 (K. -G., 2 (1), 402) ent-
halten Anklänge ähnlichen Inhalts; sie stehen auch bei Eugypiua: Thescutnu
ex oper, S. Auguitini^ cp. 343 — 44.
«) Florez, 10, 56-57.
«) F/orez, 12, 27, 28.
0 Florez, 12, 65.
*) Florez, 12, 157—59.
*) Florez, 12, 273-74.
•) Florez, 12, 327-329.
') Florez, 12, iOa
90 Aektes Boch. Sechstes Kapitel.
ünnre Synode darf unbedingt als Werk des Isidor betrachtet wer-
den. Auf&llend sind die gehäuften Belege aus dem alten Testamente,
und dem bürgerlichen (römischen) Rechte. — Diejenigen, welche noch
bis auf die neueste Zeit ohne Grund den Isidor für den Verfasser des
westgothischen Gesesbuches halten , könnten sich gerade auf unsre Sy-
Ihre node berufen^). Ausserordentlich wohlthuend ist die Gemessenheit, Ruhe,
säge. Sicherheit und Würde, die aus dieser Synode spricht, deren Protokoll
viel gefeilter und abgerundeter ist, als die sonstigen Schriften Isidor's.
Die zweite Synode von Sevilla war eine Mustersynode. Man sieht, so
mu88 die Kirche regiert werden, wenn sie rocht regiert wird. Ernst,
Strenge ) Liebe, Unpardieilichkeit sprechen aus dieser Synode uns an.
Die einzelnen FiÜle und Vorfälle geben Anlass zu allgemeinen Gesezen,
oder zu der Einschärfung der schon bestehenden Geseze. Erscheinen
die Priester da und dort allzusehr in den Schatten gestellt durch die
Bischöfe, so treten sie wieder in ihr volles Recht und Licht durch das
Qesez, dass sie nur von der Synode der Bischöfe gerichtet werden
können. Ich trete dem Urtheile des Ad. Helfferich bei, der sagt: jpim
üebrigen zielen alle Verordnungen auf eine strenge Kirchen * und Klo-
sterzucht ab, tragen ausserdem auch in der Form ein so würdevolles
und ernstes Gepräge, dass diese Arbeit Isidor^s nicht bloss die Redaction
aller andern spanischen Ganones, sondern das ganze damalige Zeitalter
weit überragt').^ Wenn Isidor sich Zeit liees, konnte er an den feinen
3til. seines Altern Bruders hinanreiohen. — Was Aguirre, Ferrens,
Florez und die Üebrigen aus Anlass unsrer Synode sagen, ist kein
Oonamentar. Die Erklärung derselben ist noch nicht in Angriff ge-
nonmien^).
§. 2. Die vierte Synode von Toledo — 633.
Ein Menschenaltw und darüber war verflossen seit der ersten allge-
meinen Synode der Kirche von Spanien. Von Wünschen abgesehen^
waren gewiss manche Versuche zu einer neuen Synode gemacht worden.
Kaum war Sisenand zur Gewalt gelangt, als er für eine Synode sich
f günstig zeigte. Vielleicht sah er in derselben eine Befestigung seiner
Macht gegen den noch lebenden Swintlla. — Isidor, ohnstreitig der
■) Montalembert, die Mönche den Abendlandes, 2, 229 -30. — Histor.-polit. Blätter,
48, S. 105 (MEritische Ueberschaa der Bearbeitung der deutschen Staats- und
Rechtsgeschichte").
*) ffelßsneh, Wcstgothen- Recht, S. 56.
') Harduin, t3, 557-568, — Mansi, L 10, 556^572. — A^rre, t. 2, 462; t .'i,
346—55 - Notae vartorum, 355-63.—' Labbe- Colet, 6, 1403—18.-^ Firreras,
2, 347-50. — Florez, 9, 289-93, — Bruns, 2, 68^^. - Tejada y Bamiro,
2, 666-^685. — HtfiU, 3, 66—67.
Die vierte Synode von Toledo, 633. 91
angesehenste Bischof Spaniens, befand sich (im J. 632?) schon auf dem
Wege nach Toledo. Ein Bote des Königs kam ihm entgegen und for-
derte ihn zur Rückkehr auf. — Weil er aber näher bei Toledo, als bei
Sevilla war, zog er vor, nach Toledo zu gehen, wurde zum Könige
gerufen, und betrieb ohne Zweifel die Berufung des Concils*). — Bald
darauf starb Helladius von Toledo, wohl im (am 18.?) Februar 633,
und unmittelbar folgte der jüngere und kräftigere Justus auf ihn^). In
demselben Jahre, am 5. December, wurde die 4. Synode von Toledo
eröffnet König Sisenand ;,von Spanien und GhtUien^ hatte die Bischöfe Sise-
berufen, damit sie ;,auf seinen Befehl und Geheiss über gewisse kirch- ?rdff-
liche Disciplinen verhandelten.'' In der Basilica der seligsten und heili-°gy?^^
gen Martyrin Christi Leocadia waren schon die Bischöfe versammelt, da '*^^^'
trat der König mit den vornehmsten und angesehensten Grossen seines
Hofes ein, warf sich vor den Bischöfen zur Erde, und bat dieselben
unter Thränen und Seufzern um ihre Fürbitte bei Gott; dann ermahnte
er sie, die Rechte der Kirche zu wahren nach den Sazungen der Vätery
und eingeschlichene Missbräuche auszurotten. Sie wollten also die Ver^
schiedenheit im Gottesdienste innerhalb Spaniens ausgleichen, sitdiche
Uebelstände abstellen; „und weil sie ein allgemeines Concil halten (ge^
nerale concilium agimui), so müssen sie mit dem Bekenntnisse des Glau-
bens anfangen.^
1) Sie sprechen also den katholischen Glauben von der Tpinität mit
dem füioque, von der Menschwerdung und dem Leiden Christi, aus, der
zur Unterwelt stieg, „damit er die Heiligen^ ^), die dort festgehalten
wurden, befreie.
2) Wir alle Bischöfe (iocerdoUsJ^ die in der Einheit der katholi-
schen Kirche stehen, wollen in den kirchlichen Uebungen ans nicht
von einander unterscheiden, damit wir nicht den Schein des Schisma
erregen, und die Verschiedenheit der Kirchen Vielen zum Aergemiss
gereiche. Es werde also eine Ordnung des Betens and Psalmengesangs
von uns in ganz Spanien und Gallien*) beobachtet, ein Ritus bei der
Feier der Messe, bei dem Officium des Morgens und Abends ; von nun an
sei unter uns keine verschiedene Uebung, die wir in einem Glauben
und Königreiche vereinigt sind; denn auch die alten Canones haben
verordnet, dass jede Provinz die gleiche üebung des kirchlichen Ge-
sanges und Gottesdienstes habe.
') epist, 13 Isidori ap. Arwalo, — ^Aom penmoiui fimram caiua concilii. Sed guamvU
juuio principis in itinere positwn remeare me eubtummMset, ego tamenf quia propinquior
eram praesentiae ipsitu quam reffressiomi, malui poHug curtum itment non iniercludere.
Veni ad praesentiam principis^ etc,
») Florez. 5, 247.
') Aehnlich von den Abgestorbenen der Canon 34 von Elvira: inquitumdi enim
Spiritus sanetorum non sunt (E.-G42, (1), 88).
*) GcUliciam in marg, ap, Mansi,
92 Achtes Bach. Sechstes Kapitel.
Der Diese ist der- berühmte Canon , auf den sich die Ansicht stüzt, dass
^2!^° in Folge desselben die sogen, mozarabische Litui^e entstanden sei, die
den Namen des Isidor trage , ^eil er den Hauptantheil an ihr gehabt
» Von dieser Ansicht bin ich ^nzlich zurückgekommen. Der Canon ver-
ordnet nicht die Einführung einer neuen oder zu erneuernden Ldturgie,
sondern will, dass die in dem grössten Theile des Westgothenreiches
bestehende Liturgie auch in den übrigen Theilen durchgeführt werde,
namentlich in Gallien und vor allem in Galizien, wo seit den Zeitoi
des Profutums und Martin von Braga die neuere römische Liturgie ein-
geführt worden war. — Die Verordnung des Can. 2 ist möglichst milde
gehaltetf ; von einer Drohung mit Strafen ist keine Rede. Es mag aber
mit Recht besweifelt werden, ob die Bischöfe von Galizien, wenn bei
ihnen die römische Liturgie eingeführt war, dieselbe wirklich beseitigten.
Hier hatte die erste Synode von Bracara verordnet, dass eine und die-
selbe Ordnung des Psallirens sei. — Auch wurde der Brief des Papstes
Vigilius an den Bischof Profuturus in derselben Synode verlesen, d. i
wieder eingeschärft (E.-G. 2,'460— 62). Es wird verordnet: «Es solle
die Messe von allen auf dieselbe Weise gefeiert werden, welche Profb-
toms, ehedem Bischof dieses Sizes (von Bracara) von dem heiligen Stuhle
sdbet zugeschrieben erhalten hat^).^ — Wir haben zu Zweifeln keinen
Ghrund, dass diese Verordnung nicht im Umfange des Königreichs GUi-
zien durchgeführt würde. Als Galizien zum Reiche der Westgothen
kam, blieb es hierin beim Alten, und im J. 633 hatte wohl ganz Gali-
zien die neuere römische Liturgie angenommen, und sich in dieselbe
eingewöhnt. Wünschenswerth war die Anbequemung der Galizier an
die Uebung der andern Provinzen, aber nothwendig war sie nicht, und
sie konnte nicht erzwungen werden. Das Wahrscheinlichere ist, dass
G«lizien es gleichfalls beim Alten Hess. — Die im J. 675 zu Bracara
' gehaltene Synode lässt uns darüber im Ungewissen. Es ist dort von
stattfindenden Missbiiluchen bei der Messfeier die Rede. — Auch in
den Kirchen Galliens fanden sich verschiedene Abweichungen, von denen
wir nicht wissen, ob sie nach dem Jahre 633 sogleich oder überhaupt
aufgehört haben. Als später im 11. Jahrhundert die römische Liturgie
in Spanien eingeführt wurde, ist wohl von Kämpfen und Schwierigkeiten
in Castilien, nicht aber in Galizien die Rede. In den J. 1068 — ^71 wurde
die mozarabische Liturgie in Aragonicn abgeschaffit, später in den König-
reichen Leon, Alt- und Neucastilien. — Da hier von Galizien nicht
die Bede ist, so darf man mit einiger Sicherheit schliessen, dass in diesem
Königreiche überhaupt die altspanische Liturgie niemals eingeführt wurde ^).
') Condl. Bracar, 1 — can. 4 — Item pktcuit, tU eodem ordine missat ceM>rtnhtr ab
ommbutf quem Profutunu quondam kuius rnttrapoUieutuu eeeUsiae tpUcoptu ab ipsa
apostoUeae sediä auctoritaie suKepü teriptum,
') TWoMotfui, 1, 2, ep. 76,
Die vierte Synode von Toledo, 633. 93
3) Es sei die Vernachlässigung des Institutes der Synoden eine
Hauptschuld an dem Verfalle der Kirchenzucht. Es solle wenigstens
jährlich eine Sjnode gehalten werden, in Sachen des Glaubens oder
in einer allgemeinen kirchlichen Angelegenheit eine Generalsynode von
ganz Spanien und Gallien; sonst eine Provinzialsynode nach der Wahl
des Metropoliten. — Wer gegen Bischöfe, Bichteri Mächtige oder Wen
immer zu klagen habe, dessen Sache werde behandelt , und ein nregiui
exteutor^ wird den Spruch vollziehen. Man erbitte sich auch von dem
Könige einen solchen Executor, um die Richter und Weltleute zu ver-
mögen, sich bei der Synode einzufinden. Am 18. Mai soll das Provin-
zialconcil stattfinden, »wegen des Frühlings, wenn die Erde grün ist,
und das Gras hochsteht**).
4) In der ersten Stunde des Tages vor Sonnenau%ang müssen alle, ^^^^''
die etwa zugegen sind, aus den Kirchen entfernt, und die Thüren ver- über
schlössen werden, mit Ausnahme der Thüre, durch welche die Bbchöfe lul-
eintreten, bei welcher die Ostiarier stehen sollen. Die Bischöfe sezena^^.
sich nach der Zeit ihrer Ordination; dann werden die Presbyter einge- ^^'^
lassen, dann die Diakonen. Die Priester sizen hinter den Bischöfen,
die Diakonen stehen vor denselben, alle in Form eines Kreises. Dann
erscheinen die Laien, welchen das Concil den Zutritt gewährt; auch die
Notare treten ein, die zum Vorlesen und Niederschreiben nöthig sind
(quoB ad recUandum vel exeipiendum ordo requirU), Es werden die Thü-
ren geschlossen. Es trete eine tiefe Stille ein. Dann rufe der Archi-
diakon ^) : Oratc. Alle werfen sich nieder, und beten längere Zeit stille,
dann erhebt sich einer der altern Bischöfe, und spricht laut ein G^bet
Sie antworten mit Amen. Der Diakon ruft: Ejrhebet eucL Dann sezen
sich die Bischöfe und Priester. Ein Diakon in der Alba trägt einen
Codex der Canoues in die Mitte, und liest die Capitel über Abhaltung
der Synoden vor. Dann spricht der Metropolit, und fordert auf, Be-
schwerden zu stellen. Geschieht dicss, so muss der erste Punkt (actio)
sogleich erledigt werden. Wenn Kleriker oder Laien, die nicht anwe-
send sind, an das Concil appelliren wollen, so sollen sie es durch den
Archidiakon der Metropolitankirche anzeigen, und dann Zutritt erhalten.
Kein Bischof soll sich vor dem Ende der Sizungen entfernen, keiner
das Concil auflösen wollen, bevor alles entschieden ist, und alle Bischöfe
unterschrieben haben*).
Die Synode II. von Sevilla war sicher maassgebend für diese Vor-
schriften; wie es dort vor 14 Jahren nach der Anordnung Isidor^s gehal-
ten worden, so sollte es von nun an bei den Provinzialsynoden gehal-
ten werden.
«) Helfferich, W.-R., 76.
'J üeber ihn c/. Itidori ^ntU ad Lwdefiedum «pc. (von Corduba).
*) He/eU, 1, 59—60.
94 Achtes Buch. Sechstes Kapitel.
6) Da sohon durch fiilsche Ostertafeln Ostern versohieden angekün-
digt wurde, so sollen die Metropoliten (metropoUtani iaeerdoUt) drei
Monate vor Epiphanie sich brieflich ttber die 2ieit des n&chsten Oster-
festes benehmen, und davon ihre Suffragane in Kenntniss sesen.
6) Die mnmalige und dreimalige*) Untertauchung bei der Taufe
bewirkt Zweifel und Spaltungen. Hierüber habe Papst Gregor in sei-
nem Briefe an j^deä heiligsten Bischof Leander'^ entschieden. Damach
solle es bei der einmaligen Untertauchung verbleibeny was näher erklärt
und erhärtet wird,
über 7) In einigen G^egenden wird am Charfreitag die Kirche geschlossen,
Gottes- ^^^ ^^ Gk)ttesdienst gehalten. Aber es solle das GUbeimnks des Erea-
aisBst xes verkiUidigt werden, und alles Volk laut um Verseihung seiner Sünden
flehen ^)y dass es fireudig Ostern feiern, und sündenfrei das Sacrament
des Leibes und Blutes Christi empfangen möge.
8) Von diesem Empfange sei ausgeschlossen, wer am Charfreitag
nach der neunten Stunde Mahlzeit hält'). Nur Kinder, Oreise und
Sehwache sind dispensirt.
9) Es soll, wie in Spanien, so in Gallien in der Ostervigil der
Leuchter (das neue Feuer) und die Kerze benedicirt werden, unter
kirchlidien Strafen*).
10) Einige Priester in Spanien beten das Vaterunser nur am Sonn-
tage, und es beisst doch „das tägliche Gebet'' (schon bei Cyprian). Es
werden noch Hilarins und Augustin angeführt Wer es bei dem öffent-
lidien und Privat -Officium unterlässt, werde abgesezt
11) Das AUelujah unterbleibe während der ganzen Fasten^). Es
dürfen nur Fische und Oel (Oliven) genossen werden. Ebenso am ersten
Januar, der von vielen als Fasttag gehalten wird.
') l^iulL (ufv. Praxeamf 26, — Hieroti, adv. Lud/er, q>,8, — Ambro*, de *acram»2, 7. —
Ckry$ost hoM, 25, alias 24 in Joann. ~ bezeugen u. a. die einmalige Unterlauchang.
— Bei diesem Anlasse theilt Agairre den Brief des Martin von Damiam an den
Bitebof Bonifacins über die dreimalige Untertaucbnng mit — In dem Briefe
des Vigiliiit an Profatoras wird die dreimalige Untertauchung verlangt, and es
ist fragUeh, ob die Qalliier von ihrer Sitte abliessen (Aguurre, ed, 2, t 3^ 402 —S.
— K.-G. 2 (1), 474. — 2 (2), 29. - ^orez, 15, 108-9, 422-25.) — Auch
bei dem Briefe des Profuturns haben die Sammler der spanischen Canones den
ihnen anbequemen Schlnss, nemlich den 50. (49.) apostolischen Canon weg-
gelassen, weleber die dreimalige Mersio bei der Taufe den Bischöfen bei Strafe
der Absekaog gebietet.
S) rf. Mwrmu» de poeniUni. 5, 31, nr, 21,
*) Ei durfte erst um 6 Uhr das Fasten gebrochen werden.
^) Akum, de divm. off. — de tabb, Sancio VigiL Puehae (unächt). — Amalar. Fort.
L i, ep. 18 de ecclee. offic. — Walafiwd Strabo, ep. 30 de reb. melee. — BAabm.
Mtmr. L 2, 38 de deriear, üuHtniiom.
•) üidar. Elgm. 6, 19. — L 1, 13 de eeck o/jficüe.
Die vierte Synode von Toledo, 633. 95
12) In der Messe soll dem „Apostel^ das ^^Evangelium^ und erat dann
^die Laudes'' [die Versikel mit Allelujah*)] folgen.
13) Es ist unrecht, die Hymnen zu verwerfen , weil sie von Men-
schen, z. B. von Hilarius oder Ambrosius') verfEtsst wurden. Auch das
Gloria, ja alle Messen, Gebete, Weihungen sind so entstanden. Sonst
müsste aller Gottesdienst aufhören.
14) In jedem Officium^) soll der Hymnus der drei Knaben im Feuer-
ofen (in ptdpito) gesungen werden, bei Strafe der Ausschliessung.
16) Ebenso werde bestraft, wer am Ende der Psalmen „Gloria
patri^^ und nicht „gloria et honor patri^ sagt (Psalm 28, 2. Apoc. 5, 13).
16) Die freudigen Besponsorien schliessen mit „Gloria'^, bei den
traurigen wird der Anfang wiederholt
17) Die Apocalypse ist ein kanonisches Buch, und soll von Ostern
bis Pfingsten in der Kirche vorgelesen werden; wer sich weigert, sei
ausgeschlossen.
18) Einige Priester communiciren sogleich nach dem Vaterunser,
und geben dann erst dem Volke den Segen. Aber nach dem Vater-
unser und der „Conjunctio panis et calicis^ folge die Segnung des Volkes^
nadi diesem die Communion der Priester und Leviten vor dem Altare,
des Klerus im Chore, des Volkes vor dem Chore.
So weit reichen die Bestimmungen über die Liturgie, Canon 19 bis
48 beschäftigen sich fast ausschliesslich mit den Bestimmungen über den
Wandel und die Geschäfte der Bischöfe und des Klerus.
19) Es werden die alten Kirchengeseze dargelegt über die, welche Oano-
vom Sacerdotium ausgeschlossen sind, u. a. jene, welche von ihren Vor- über
gängern erwählt wurden. Aber nicht bloss diese alte spanische (Un-)^ehM!r
Sitte wird verworfen, sondern der eben neu auftauchende Gebrauch, J"^
dass die Könige wählten. Der soll nicht Bischof werden, welchen Volk Klerus,
und Klerus der eigenen Stadt nicht wählt, den nicht die Auctoritit des
Metropoliten und die Zustimmung der Suffiragane ausersehen hat Der
Gewählte werde von allen oder wenigstens drei Bischöfen seiner Pro-
vinz, mit brieflicher Beistimmung (eanniventibui) der übrigen, an einem
Sonntage geweiht, „und um so mehr auf die Auctorität oder in Gegen-
wart des Metropoliten.^ Dieser bestimme den Ort der Weihe, er selbst
aber kann nur in der Metropole, in Gegenwart der Suffragane geweiht
werden. Wer dagegen handelt, gefährdet seine Würde. — Bald nach
■) i. e. das kurze Landa. E.-G. 1, 105. — Bima weift auf die ähnliche Weise
des Ritus Ambrosianus hin — rer. Ubttg. Lih, 2, cp, 6, §, 4.
') Prudentius wird nicht genannt
') Missa steht hier im weitere Sinne, womaeh die Metten Mlua€ mahokuu, die
Vespern Musae vesperttnae hiessen — HefeU, 2, 614, 637. — CbntäL A§aik,
can. 30,
96 Achtes Bach. Sechstes Kapitel.
dieser Verordnung zogen die Könige und die Bischöfe von Toledo die
Bischofswahlen an sich.
20) 25 Jahre muss der Levit , der Priester 30 Jahre alt seyn.
21) Die Bischöfe (sacerdotes) seien keusch.
22) Sie haben in ihrer Wohnung (conclavi) Zeugen ihres Wandels.
23) Ebenso die Priester und Leviten , die wegen Alter oder Krank-
heit nicht beim Bischöfe, sondern in ihren Zellen wohnen.
24) Die Jüngern Kleriker müssen in einem Lokal *) unter einem
erprobten Senior und Lehrer wohnen. Widerspenstige werden in Klöster
verwiesen.
2ö) Die Bischöfe, welche das Volk lehren müssen, seien in der
heil. Schrift und den Canones unterrichtet.
26) Die für Pfarreien ordinirten Presbyter erhalten vom Bischöfe
(a saeerdote mo) einen liber officialis (Buch der OfGcien). Wenn sie zu
den Litaneien oder dem Concil kommen, so geben sie dem Bischöfe
Rechenschaft, wie sie ihr Amt verwalten und taufen.
27) Sie und die aufgestellten Diakone müssen dem Bischöfe geloben,
keusch zu leben«
28) Wird ein ungerecht abgesezter Bischof, Priester oder Diakon
in einer spfttem Synode ohne Schuld erfunden, so werden sie kanonisch
restituirt, der Bisdiof erhalte vor dem Altare aus der Hand der Bischöfe
Stola, Ring und Stab, der Priester die Stola und Plancta, der Diakon
die Stola und Alba, der Subdiakon die Patena und den Kelch, und
llhnliob die Uebrigen*).
29) Der Bischof oder Kleriker, welcher Zauberer, Wahrsager
u. dergl.^) befragt, werde abgesezt, und zu beständiger Busse in ein
Kloster verwiesen.
30) Bischöfe an der feindlichen Grenze dürfen ohne Auftrag des
Königs keinen geheimen Auftrag ausser Landes übernehmen^).
31) Li Ciiminalprozessen dürfen Bischöfe ein Richteramt von dem
Könige nur auf dessen Schwur annehmen, es solle kein Blut vergossen
werden. Zuwiderhandelnde werden abgesezt*).
32) Ungerechte Richter sollen die Bischöfe vorher ermahnen , dann
dem Könige anzeigen.
') in conclavi atriit d. i. wohl in einem Gclass des Bischofshofes.
^) sie et reliqui gradus ea in reparationem sui recipiantf quae cum ordinarentur , per-
ceperunt. — J. üergenröther : Die Reordinationen der alten Kirche in: Oesterreicli.
Vierleljahrschrift für kathol. Theologie, Jahr 1862, S. 207— 252, handelt von
untrem Canon S. 219. Es war keine Reordination, sondern eine Reslitatio.—
Herg, erklärt auch die ^Communio peregrina^ im Ganzen wie Kellner f S. 218.
') MOffOS mU ünupices aut arioloe aut certe auguret vel sortilegos.
*) Stfffmieh, S. 77 — an verrätherische Verbindungen braucht man eben nicht zu
•) aUMA, S. 77.
Die vierte Synode von Toledo, 633. 97
33) Die fiischöfe sollen sich^ ausser des ihnen gebührenden dritten
Thcils, von den Einkünften und dem Vermögen der Kirchen nichts
aneignen. Auf Klage der Stifter oder ihrer Verwandten soll das Concil
(der Bischöfe) das ungerecht Hinweggenommene wieder erstatten.
Dagegen sollen nicht die Stifter, sondern die Bischöfe das Vermögen
der Kirchen verwalten.
34) Besizt ein Bischof unangefochten 30 Jahre lang eine Pfarrei,
so kann deren Besiz nur dann angestritten werden, wenn sie in einer
andern Provinz liegt'), damit die Grenzen der Provinzen nicht in Ver-
wirrung kommen.
35) Neuerbaute Kirchen gehören dem Bischöfe, in dessen Bezirk
sie liegen*).
36) Die Bischöfe sollen jährlich ihre Sprengel visitiren, um den
baulichen Stand der Kirchen zu untersuchen, oder sie sollen an ihrer
Stelle Priester oder Diakonen^) senden.
37) Was ein Bischof Jemand für geleistete kirchliche Dienste
versprochen hat, das soll aus dem Einkommen der Kirchen gegeben
werden.
38) Den in Noth gerathenen Stiftern (Patronen) und deren Nach-
kommen soll aus dem Kirchenvermögen der Unterhalt gewährt werden.
39) Einige Diakonen ^) sezen sich aus Hochmuth vor die Priester
in den ersten Chor; die einen und andern sollen in beiden Chören
stehen *).
40) Zwei Orarien (Stolen) darf nicht der Bischof und Priester,
noch weniger der Diakon tragen. Seine Stole trage dieser auf der
linken Schulter, während die rechte für den Dienst am Altare frei
bleibt; diese Stola sei nicht mit Farben oder Gold geziert.
41) Alle Kleriker, auch die Lectoren, sollen wie die Leviten und
Priester die Tonsur tragen, und hinten nur eine Cirkelkrone stehen
lassen. (Die) Lectoren in Galizien tragen das Haar wie die Laien,
nur mit einer kleinen Tonsur auf dem Oberhaupte, was bisher Sitte
der Häretiker in Spanien war.
42) Bei den Klerikern darf nur die Mutter, Schwester, Tochter
oder Tante wohnen.
*) Denn die Kirchenprovinzen richten sich genan nach den politischen (LI, 1,
p. 187),
"*) Co7iventu8 juridicus. Siehe die Eintheilung Spaniens nach „Conventus'*
bei Plinius, histor. natural, 3, 1 sq, — Ferner Chronicon Jdatii (Florez, Esp,
8, IV, 359) ad ann, 433. Auf das kirchliche Gebiet übergetragen bei Isidor.
Hisp, „Etymol,'' VI, 16.
*) Diacones,
^) tarn hi quam Uli in utroque clwro cansistarU.
Oams, Span. Kirche. II. 2. 7
98 Achtes Buch. Sechstes Kapitel.
43) Weiber, welche mit Klerikern verbotenen Umgang hatten,
sollen von den Bischöfen verkauft, ilu*c Mitschuldigen zur Busse ange-
halten werden,
44) (Niedere) Kleriker, die ohne Wissen des Bischofs heiratbe»
oder mit Wittwen, Geschiedenen oder Buhlerinnen sich verbinden,
sollen von ihrem Bischöfe getrennt *) werden.
45) Kleriker, die bei einem Aufstande die WaflTen ergreifen, wer-
den mit Verlust ihres Grades in ein Kloster verwiesen.
46) Ein Kleiiker, der Gräber zerstört, — ein Verbrechen, aut
das sonst Todesstrafe gesezt ist, — soll drei Jahre Busse thun und
aus dem Klerus entfernt werden.
47) Auf Befehl des Königs Sisenand beschloss das Concil^ dass
alle freigebornen Kleriker von öffentlichen Auflagen und Arbeiten frei
sein sollen.
48) Die „Oekonomen" der Kirchengüter sollen von den BischufeD
— nach dem Willen der Synode von Chalcedon ^) — aus dem eigenen
Klerus genommen werden.
49) Der Mönch wird entweder durch die Frömmigkeit der Eltern
oder das eigene Gelöbniss'). Er (J^rf nicht in die Welt zurückkehreD.
50) Den Klerikern darf der Eintritt in die Klöster von den Bi-
schöfen nicht verwehrt werden.
51) Die Synode erfuhr, dass Mönche auf Befehl von Bischöfen
wie Sclaven zur Arbeit gezwungen und die Klöster wie ihr Eigenthimi
behandelt werden. Sic dürfen nur die Mönche zum heiligen Leben
vermahnen, die Achte und andere Aemter l)e(oin-)sezon und Miss-
bräuchc verbessern. Es wird (den Bischöfen) mit Excommunication
gedroht.
52) Einige Mönche kehren in die Welt zurück, ja heirathen sojjjar.
Sie müssen in ihr Kloster zurückgebracht und dort zur Busse ver-
halten werden.
53) Religiösen, die weder Mönche noch Kleriker sind, oder dir
unstät umherziehen, sollen von ihrem Bischof in den Klerus oder in
ein Kloster *) gewiesen werden. Alte und Kranke kann er di«pensirou.
54) Wer in Todesgefahr die Busse übernimmt tmd nur im All-
gemeinen sich als Sünder I)ekennt, kann im Falle der (Jenesung Kle-
*) separari, entweder gotionnt von jenen Personen, oder niisg^oschlossen von
dem Bischöfe, „t^xcluidos** nach Florez, VI, 165,
*) Canon. 20, v. Chaloodon. — <•/. Va)i Espen , Tradaf, hislnr, in jua
cano7U III, 3, §, 6. — Thomassin, de nova et vct. dinc. ///, /. //. vp. I. — BinUrim,
Denkwürdigkeiten, /, //, p. 9^47.
*) •/. JV. iSeidi, die CJottverlobung von Kindein. 1871. p. 27—31.
*) Zu diesen gehörten auch die sog. Rcclnscn.
Die vierte Synode von Toledo 633. 99
riker werden, nicht aber der, welcher öffentlich eine schwere Sünde
bekannt hat.
55) Die Büsser, die freiwillig unter die Büsser sich eingereiht^),
nnd in die Welt zurückkehren, sollen von dem Bischöfe zurückgeführt
werden. Wenn sie sich widersezen, so werden sie ausgeschlossen.
Ebenso geschehe es bei gottgeweihten Wittwen, Jungfrauen und Büs-
serinnen.
6G) Es gibt weltliche und gottgeweihte Wittwen. Leztere
dürfen nicht mehr heirathen.
57) Die Juden dürfen zum Christenthum nicht gezwungen werden.
Jene aber, welche vor langer Zeit zum Christenthum^) gezwungen
wurden, wie es zur Zeit des Königs Sisebut geschah, müssen, weil
sie die heiligen Sacramente der Taufe, der Firmung und des Abend-
mahls empfangen haben, Christen bleiben, „damit nicht der Name des
Herrn gelästert, und der Glaube, den sie angenommen, verachtet werde.''
58) Viele Priester (aacerdotes) und Laien haben bis jetzt aus Geiz
den falschen Glauben der Juden beschüzt. Bischöfe, Kleriker und
Laien, die solches in Zukunft thun, sollen aus der Kirche ausgestossen
werden.
59) Sehr viele Juden, welche Christen waren und wieder abfielen,
sollen — mit Einwilligung des Königs Sisenand — durch die Bischöfe
zum Christenthum zurückgeführt werden. Die Kinder, welche sie be-
schnitten haben, werden von ihnen getrennt, die Sclaven aber frei-
gelassen.
60) Die(se) Kinder der Juden sollen unter christliche Aufsicht
gestellt werden.
61) Die Kinder der abgefallenen Juden sollen das (etwa einge-
zogene) Vermögen ihrer Eltern wieder erhalten.
62) Getaufte Juden dürfen mit ungetauften nicht verkehren^).
63) Juden, welche christliche Frauen haben, sind von den Bi-
schöfen zu ermjdinen, dass sie Christen werden. Weigeni sie sich, so
sind sie zu trennen; die Kinder folgen dem Glauben der Mutter; ebenso
die Kinder christlicher Väter und jüdischer Mütter.
64) Getaufte Juden, welche abgefallen sind, können nicht als
Zeugen zugelassen werden, auch wenn sie behaupten, dass sie Chri-
sten seien.
*) se totonderunt
') ad chriatianitatem venire coacti sunt.
') quicunque igitur amodo ex his, qui baptizati sunt, infidelium eonsor-
tia non vitaverint, et hi Ckristianis donerUur, et Uli publicis cacdibus depu-
tentur, d. h. die getauften sollen Christen geschenkt werden — aber was „publi-
cis caedibus'' bedeute, finde ich nirgends erklärt. Tejada übersetzt : «tno es bau-
tizado, azntdndole publicamente, d. i. sie sollen mit Ruthen gestrichen werden.
7*
100 * Achtes Buch. Sechstes Kapitel.
65) Juden und Nachkommen der Juden dürfen — auf Befehl des
Königs Sisenand — keine öffentlichen Aemter bekleiden.
66) Gemäss Beschlusses desselben Königs dürfen Juden keine
christlichen Sclaven besitzen. In Zukunft sollen diese Sclaven frei sein.
67) Die Bischöfe dürfen ohne Entschädigung aus ihrem Vermögen
die Knechte, welche Eigenthum der Kirche sind, nicht entlassen. So
Freigelassene kann der Nachfolger eines Bischofs ohne Widerrede für
die Kirche zurückverlangen.
68) Ein Bischof, der einen Sclaven der Kirche, ohne Vorbehalt
des Schuzrechtes der Kirche (patrocinium) entlassen will, der muss
statt dessen vor dem Kirchenrath zwei ^) andere gleich werthvolle
Sclaven schenken. Ein so Freigelassener hat aber kein Recht, gegen
die Kirche, der er gehörte, zu klagen oder Zeuge zu sein; sonst soll
er wieder Eigenthum dieser Kirche werden.
69) Bischöfe (iacerdotes)^ welche ihr Eigenthum der Kirche hinter-
lassen, oder den Besiz der Kirche vermehren, dürfen nach Verhält-
niss einige Kirchensclaven freilassen.
70) Die Freigelassenen der Kirche bleiben , wie ihre Nachkommen,
in dem Patrocinium der Kirche, darum sollen sie der Kirche Gehor-
sam geloben.
71) Wenn sie dem Patrocinium (der Schuzherr schall) der Kirche
sich entziehen , und einem Andern anhangen, so soll ihre Freilassung
ungiltig sein.
72) Die Kirche muss die, welche unter ihrem Schuzrechte stehen,
sowohl in ihrer Freiheit, als in ihrem Eigenthum gegen Jedermann
schüzen.
73) Die Freien, welche von ihren Herren ohne Vorbehalt eines
obsequium entlassen wurden, können in den Klerus eintreten. Wurde
aber das obsequium vorbehalten, so werden sie ausgeschlossen, da ihr
Herr sie wieder zu Sclaven machen kann.
74) Ehemalige Kirchensklaven können Presbyter und Diakonen in
den Pfarreien werden. Ihr Eigenthum aber fällt nach ihrem Tode der
Kirche zu; auch haben sie kein Recht der Klage oder Zeugenschaft
gegen ihre Kirche. Thun sie es, so sollen sie ihre Freiheit, wie ihr
Amt verlieren, „das sie nicht durch ihre natürliche Würde '^), sondern
wegen zeitweiligen Nothstandes der Kirche erlangt haben."
76) Das lezte Decret^) empfiehlt Treue und Gehorsam den Kö-
^J dtto steht beiiln^. Gonzalez, dum bei Mansi, lezteres ist die probablere
Lesart, ersteres die Lesart der Handschriften.
*) quem (gmdum) non dignitate Jiaturae, sed temporis iiecessitate pro-
meruerunt (drei Codices lesen: tempore necesnitatis, was dasselbe ist, znr Zeit
des Mangels an Klerikern ans dem Stande der Freigebornen.)
*) sententia pro robore nostrorum regum et stabilitate gentis Oothorum.
Die vierte Synode von Toledo. 101
nigen, zum Zweck des festen Bestandes ^des Volkes der Gothen'^.
Es wird hingewiesen auf die meineidigen Völker und die traurigen
Folgen des Treubruchs gegen die Könige. Dieser Kanon hat die Form
einer Ansprache an Adel und Volk. — Ist ein König gestorben, so
sollen die Primaten (Adeligen) mit den Bischöfen einträchtig den Nach-
folger im Reiche wählen. Wer gegen Leib und Leben des Königs
frevelt, Aufstand erregt und fordert, „der sei Anathema vor Gott und
seinen Engeln, von der katholischen Kirche und allem Verkehre mit
Christen sei er ausgeschlossen mit seinen Anhängern,^ was zu drei
Malen wiederholt wird. Der Klerus und das Volk antwortete: „Wer
gegen diese euere Entscheidung frevelt, der sei Anathema Maranatha,
das ist Verderben bei der Wiederkunft des Herrn, und mit Judas von
Ischkarioth habe er seinen Antheil, er und seine Genossen. Amen.^
Der anwesende König und seine Nachfolger werden ermahnt, die
Tugenden eines christlichen Regenten zu üben. König Swintila hat
wegen seiner Vergehen die Herrschaft verloren, und soll sie nicht
zurückerhalten, sowie dessen Bruder Geila.
Ehre Gott dem Allmächtigen, Ruhm und lange Regierung dem
König Sisenand, „dessen Frömmigkeit uns zu diesem heilsamen Be-
schlüsse berief
Es unterschrieben sämmtliche sechs Erzbischöfe des Gothenreiches,
Isidor von Sevilla, nicht bloss der älteste Metropolit, sondern auch der
älteste unter allen anwesenden Bischöfen; sodann Selva oder Sclua von
Narbonne, dessen Vorgänger wir im Jahre 610 begegneten, Stephanus von
Emerita, etwa seil 632 Bischof, Justus von Toledo, seit 633, Julian
von Bracara und Audax von Tarraco, ebenfalls seit Kurzem eingesetzt.
Dass Isidor den Vorsitz geführt, ist an sich wahrscheinlich,
sowie dass er die Synode geleitet, wird aber ausdrücklich nicht bezeugt,
wie in Betreff der Leitung der Synode von 589 durch seinen Bruder
Leander. Es unterschrieben 56 Bischöfe und 7 Stellvertreter abwesen-
der Bischöfe; im Ganzen sind es 69 Unterschriften. Auf keiner spa-
nischen Synode vor und nach dem Jahre 633 waren mehr Bischöfe
versammelt, nie mehr ist diese Zahl erreicht worden.
Der Bischof Stephan von Ausona kommt erst im Jahre 615 vor,
der ihm nächste Petrus von Beziers nicht vor 633, der ihm folgende
Acutulus von Elna erscheint 633 und 658, Nonitus von Gerona seit
621^ Conantins von Palentia war Bischof seit c. 607, Clarentius von
Acci erscheint schon 610, die übrigen wurden später eingesezt^).
*) Sie stehen in Garns: 8erie$ episcoporum eccl. cathoL; cf.Aguirre-Catalcmi,
Concilia Hispaniae, t III, p. 363-^OS, ed. I, II, 477. — Tejada y Ramiro,
ed. II, t II, p. 261-317. Madr. 1859; — Espanna sagrada, VI, p. 162''169.
— Harduin, III, p. 676 sq. — Mansi, X, p. 611—650.
1
1
Siebentes Kapitel.
Isidor von Sevilla. Paul von Emerita.
§. 1.
Isidor, vielleicht aus Carthagena stammend, war der jüngere
Bruder des Leander, der jüngste unter vier Geschwistern, worunter
drei Bischöfe waren. Da er sehr frühe seine Eltern verlor, wurde er
erzogen und gebildet zu Sevilla unter Leitung seines Bruders^), der,
nach sehr späten Berichten, an ihm die Kuthe nicht sparte^. Er folgte
dem Leander im Jahre 599 als Erzbischof, welche Würde er gegen
40 Jahre, bis zu seinem Tode am 4. April 636, bekleidete. Im
Jahre 619 hielt er die zweite Synode von Sevilla. Im Jahre 631 — 3-
befand er sich in Toledo „zur Begrüssung" des Königs Sisenand. Im
December 633 war er wieder daselbst. Von seinem langen und reichen
Leben ist uns nichts Weiteres bekannt.
Seinen Hingang aus dem Leben berichtete der Kleriker Redemp-
tus an Braulio, den Freund und Verehrer Isidor's. Als Isidor sein
Ende nahe fühlte, theilte er an sechs Monate jeden Tag viel über das
gewöhnliche Almosen an die Armen aus, so dass er vom Morgen bis
zum Abende viele Zeit damit zubrachte. Dann ergriff ihn die Krank-
heit, und während das Fieber heftiger wurde, und der geschwächte
Magen die Speisen verschmähte, so erstarkte (sein Geist) zur Ucber-
nahme der Busse, und er berief unverzüglich seine Mitbischöfe, Jo-
hannes (von Elepla) und Eparchius (auch Huparius und Aparcius von
Italica), welche zunächst bei Sevilla wolmten. Während er nun (um
') qtiem cum ego ut fere filium Jiabeam,
*) non parcebat virgis — Lucas Ttidensis. Zwei andere Erzählungen von
l8idor*8 langsamem Lernen nnd seiner an einem einzigen Tage vollbrachten Hin-
und Rückreise aus Born stammen gleichfalls aus späterer Zeit.
lfiidor*fi Leben. 103
nach der Sitte jener Zeit die öffentliche Kirchenbusse zu übernehmen)
in die Kirche des heiligen Märtyrers Vincentius geführt wurde, nahmen
ihn alle Schaaren der Aimen, der Kleriker, aller Religiösen, und des
ganzen Volkes dieser Stadt mit Zurufen und lautem Weheklagen auf,
so dass auch ein steinhartes Herz ganz in Thränen und Klagen hätte
vergehen mögen. Während er dort mitten in den Chor gestellt wurde,
befahl er, dass die Weiber weiter zurücktreten, und nur die Männer
in seiner Nähe zurückbleiben könnten. Von den beiden Bischöfen laidoT»^
musste ihm der eine den Bussgürtel reichen, der andere mit Asche ihn^^JJ^""
bestreuen. Dann sprach er, die Hände gen Hinmiel ausbreitend:
O Gott, der du die Herzen der Menschen kennest, der du dem in der
Feme stehenden und an seine Brust klopfenden Zöllner seine Sünden
vergeben, der du den vier Tage im Grabe ruhenden Lazarus aufer-
wecket hast, nimm auf mein Bekenntniss in dieser Stunde, wende hin-
weg dein Auge von den Sünden, die ich ohne Zahl begangen: denke
nicht an meine Uebcl, erinnere dich nicht an die Vergehen meiner
Jugend. Du hast, o Herr, die Busse nicht für die Gerechten einge-
setzt, welche nicht vor dir gefehlt haben, sondern für mich Sünder,
dessen Sünden zahlloser sind, als der Sand am Meeresufer. Nicht
finde an mir der alte Feind, was er züchtigen könnte. Du weisst,
dass, als ich Unglücklicher, mehr zur Bürde, als zur Ehre, unwürdig
zu der Regierung dieser heiligen Kirche gelangt bin, ich zu sündigen
nicht aufhörte, ja selbst mir Mühe gab, das Unrecht zu thun. Weil
du aber sagst: zu welcher Stunde der Sünder sich bekehrt von seinen
bösen Wegen, so wollest du aller seiner Ungerechtigkeit vergessen;
so komme ich denn, eingedenk deiner Verheissung, zu dir; mit Hoff-
nung und mit Zuversicht rufe ich zu dir, zu dessen Himmel aufzu-
blicken ich nicht würdig bin wegen der Menge meiner Sünden. So
komme, Herr, nimm auf mein Flehen, und gib mir Sünder die er-
sehnte Vergebung. Wenn selbst die Himmel nicht rein sind vor dei-
nem Angesichte, um wie viel weniger ich Sünder, der ich wie Wasser
die Ungerechtigkeit getrunken, und Sünde begangen ohne Zahl?
Mit tiefem Seufzen des Herzens nahm er nun aus den Händen
der Bischöfe den Leib und das Blut des Herrn, sich dieser Gnade
unwürdig erachtend. Dann bat er alle Anwesenden, Priester und Volk,
um Verzeihung und um ihre Fürbitte bei dem Herrn. Alle riefen mit
lauter Stimme für ihn zum Herrn, Allen Hess er nach, was sie ihm
schuldeten, und den Rest seines Besitzes Hess er unter die Armen
vertheilen, gab den Anwesenden den Friedenskuss, Hess sich in seine
Zelle zurückfuhren, und am vierten Tage starb er im Frieden*).
*) sub die pridie Kalendarum Aprilis, postquam per annos ferme 40 (ea
waren an 37) Pontificalem curam irreprensibüiter administraviL Era 674,
104 Achtes Bach. Siebentes Kapitel.
2. §. Schriften Isidor^s ').
1) Differentiarvm lihri II, verfasst nach der ähnlichen Schrift des
altern Cato. Darüber hat, sagt Isidor, unter den Lateinern zuerst
Cato geschrieben, nach dessen Vorgange ich „einige wenige DiflFeren-
'^^'^* tien" theils zuerst herausgegeben, theils aus den Büchern der Schritt-
steller vor mir genommen habe. Das erste Buch handelt von den
Unterschieden der Worte, z. B. unter dem Buchstaben A ist zwischen
dem Geizigen und Begehrlichen (inter avarum et cupidum) der Unter-
schied, dass jener das Seinige nicht gebraucht, dieser nach Fremdem
begehrt. So stehen unter den folgenden Buchstaben mannichfaltigo
Differenzen einzelner Worte von ähnlichem Inhalt, eine Art Synonymik,
in 253 Artikeln. Das zweite Buch handelt von den Unterschieden der
Dinge, auch de differentiis spiritvalibus, in 3ö Artikeln. Hier wird von
der heiligen Dreieinigkeit, von der Person und den Naturen Christi,
vom Paradiese, den Engeln, der Sünde, dem Menschen und seinen
Eigenschaften, von Gnade, Gesez und Evangelium , den verschiedenen
Wissenschaften, Tugenden und Lastern u. a. in Kürze gehandelt
'^^g^ 2) Es folgen „Allegoriae quaedam S. Scripturae^^ gewidmet dem
Herrn und ehrwürdigsten Bruder Orosius. Ein Bischof dieses Namens
sass auf keinem Concil von 589 bis 636. Bei diesem Namen denken
wir zunächst an Galizien und Bracara. Hier sass Pantardus im
Jahre 589, und erst wieder 633 erscheint Julian. In der Zwischen-
zeit kann Orosius Metropolit gewesen sein. Dagegen war Orontius
Metropolit von Emerita seit und vor dem Jahre 638, jedenfalls nicht
vor 634, und die Verwechslung der beiden Namen lag näher oder der
Namen Orosius und Orontius wird abwechselnd gebraucht. Nicolans
Antonio und F. Arevalo denken auch an einen Orosius in MonU
Christi^ in Betreff dessen Gregor I. zweimal schrieb. Dass dieser
Italiener später Bischof in Spanien geworden, wäre möglich, ist aber
ohne einen ähnlichen Vorgang in jener Zeit^). — Die historischen
Namen des Alten und Neuen Testaments werden in dieser Schrift in
ihrer sinnbildlichen Bedeutung vorgeführt, von Adam und Eva an.
Vielmehr muss es heissen: Stib die pridie nonas Aprilis, Ijuna XIX. Aera 674.
Arevalo sagt: Am 4. April und am vierten Tage nach derTanfe der Katechumeneo.
Im Jahre 636 fiel Ostern auf den 31. März, und Isidor starb am Donnerstag nach
Ostern. Vor Arevalo sezt Florez den 4. April als Todestag des Heiligen (Arevalo.
Isidoriana, Pars /, cp. 26, — Florez, t IX, p. 224-226, 402^-406, — Am
31. März war luna 18, nicht 19),
') Nach der Ansgabe des Arevalo,
') Ist der Orosius des Isidor identisch mit dem Orontius von Emerita, so
hätten wir hier eine der letzten Schriften Isidofs.
§, 2. Schriften Isidor's. J05
Aus dem Alten Testamente werden von Adam an bis za den sieben
machabäischen Brüdern 129 historische Personen, aus dem Neuen
Testamente 121 Personen mit ihrer sinnbildlichen Bedeutung kurz
eingeführt.
3) Die Schrift: „de ortu et ohitu patrum, qui in acripturis laudi-
bus efferuntur^ hat 64 Kapitel aus dem Alten, 21 aus dem Neuen Testa-
mente. Von dem Apostel Paulus hcisst es, dass er bis nach Illyricnm,
Italien und Spanien vorgedrungen sei. Von dieser Schrift, deren Aecht-
heit von der Mehrzahl der ausserspanischen Autoren bestritten wird,
handeln wir unten (10. Buch).
4) Es folgen die Prooemia in lihroa V. et N. T., äusserst kurz Proo*"
gefasste Einleitungen in das Alte und Neue Testament.
Es folgt 5) liber Numerorum, qui in sct, acripturis oceurrunt Nummru
(Buch der Zahlen, welche in den heiligen Schriften vorkommen), eine
Art mystische Zablenlehre der heiligen Schrift, behandelnd die Zahl
eins bis sechzig.
6) Es folgen (41) quaestionea de vetein et novo testamento, z, B.
Frage 6: Sagt mir, in welcher Sprache Evangelium gesprochen
wird? In der griechischen und auch in der lateinischen, das ist: gute
Botschaft. Ausführlicher sind die quaeationea in V. T,, z. B. zu der
Genesis — in 31 Kapiteln (das letzte handelt von dem Segen Jacob's)
— es ist eine Art Paraphrase der Genesis. In 59 Kapiteln wird das
Buch Exodus erklärt, in 17 Leviticus, in 42 Numeri, das Deuterono-
mium in 22. — Die Erklärung ist im Ganzen allegorisch - moralisch.
Kürzer werden Josue, das Buch der Richter, die Bücher SamueFs und
der Könige, sowie Esdra erklärt.
7) Die Schrift „Vom katholischen Glauben" gegen die Juden ist dtßd*
an seine Schwester Florentina gerichtet. Sie handelt über die Hin- j^^
Weisungen des Alten Testamentes auf den Messias, oder die messia-
nischen Prophezeiungen. Auf Bitten „seiner heiligen Schwester" hat er
zur Förderung ihres Studiums diess Werk verfasst, damit er sie, die
durch die Bande des Blutes mit ihm verbunden ist, auch als Theil-
nehmerin an seinen Arbeiten habe. Das erste Buch handelt in 62 Ka-
piteln von der Person Christi, von seiner Geburt bis zu seiner Himmel-
fahrt und seiner Wiederkunft zum Gerichte. Das zweite Buch handelt
von den zwei Völkern, den ungläubigen Juden und den Gläubigen
aus dem Heidenthum, z. B. von der Berufung der Völker, d. i. der
Heiden, von dem Unglauben der Juden, ihrem schliesslichen Glauben
am Ende der Welt, von der Bevorzugung der Heiden wegen des Un-
glaubens der. Juden, von den über die Juden verhängten Strafgerich-
ten, von dem Aufhören des Sabbat, der Beschneidung, von den heiligen
Sacramenten der Christen. Zum Schluss steht eine Recapitulation
der Schrift.
106 Achtes Buch. Siebentes Kapitel.
imien- 8) '^^^ ^^^^ Bdchei* dcf „Sentenzen" sind eine Art christlicbe Glau-
liarum bens- uüd Sittenlehre. Das erste handelt von Gott und seinen Eigen-
* schallen, von dem Schöpfer und der Schöpfung, von den Zeiten, der
Welt, dem Ursprung des Bösen, den Engeln, dem Menschen, der
Seele und den übrigen Sinnen, von Christus, vom heiligen Geiste, der
Kirche und den Iläresieen, den Heiden, dem Gesetze, von den sieben
Regeln (der Auslegung) der heiligen Schrift, von der Verschiedenheit
der Testamente, von dem Symbolum und dem Gebete, von der Taufe
und der C'ommunion, vom Martyrium, den Wundern der Heiligen,
dem Antichrist und seinen Zeichen, von der Auferstehung, vom Ge-
richte, der Hölle und den Höllenstrafen, der Glorie der Heiligen.
Das zweite Buch — eine Art Moral — verbreitet sich über die
Weisheit, den Glauben, die Liebe, die Hoffnung, die Vorherbestimm-
ung, über die Bekehrung und die Bekehrten, den Rückfall, die Bei-
spiele der Heiligen, die Zerknirschung des Heraens, Reue und Sünden-
bekenntniss, die Verzweiflung der Sünder, die Verlassenheit von Gott,
handelt von der Sünde, den lässlichen Sünden, den schweren Sünden,
den Gewohnheitssünden, den Gcdankeu(sünden), von den Sünden in
Worten, von der Lüge, dem Schwören, von den Lastern und Tugen-
den, von dem Kampf der Tugenden gegen die Laster, vom Stolze,
der Unkeuschheit , der Begierlichkeit, Frass und Völlerei, der Ent-
haltsamkeit.
Das dritte Buch handelt theilweise von dem kirchlichen Leben
und den kirchlichen Ständen, von den Strafgerichten Gottes, der dop-
pelten Heimsuchung Gottes, der Schwachheit des Fleisches, der Ge-
duld bei den Heimsuchungen Gottes, den Versuchungen des Teufels,
den Versuchungen durch Träume, dem Gebete, der Lesung und dem
beharrlichen Lesen, dem Wissen ohne die Gnade, den stolzen Lesern,
den fleiscldichen und häretischen Jjcsern, von den Büchern der Heiden,
von der Collation, von der Betrachtung und dem Handeln, von den
Verächtern der Welt, von den Heiligen, die sich von dem Umgange mit
der Welt trennen, von den höheren Pilichten der Mönche, der Lauig-
keit der Mönche, den Mönchen, die sich mit weltlichen Sorgen abge-
ben, von der Eitelkeit, von der Heuchelei, dem Neide, der Verstellung,
dem Hasse, der Ijiebe, der falschen Freundschaft, von der Zurecht-
weisung der Brüder, den kirchlichen Vorgesezten, den unwürdigen
Vorgeseztcn, von der Lehre und den Beispielen der Vorgesetzten,
von denen, die gut lehren und schlecht leben, von den fleischlichen
Vorgesetzten, den zornigen Lehrern (Doctoren), den stolzen Lehrern,
der Demuth der Vorgesezten, der Discretion im Lehren, dem Still-
schweigen der lichrer, von der Menschenfurcht der Bischöfe, von der
Strenge der Bischöfe gegen Fehlende, von den Untergebenen, von den
Obern, von der Gerechtigkeit der Fürsten, von der Nachsicht der
$. 2. Schriften Isidor's. 107
Fürsten, dass die Fürsten an die Gesetze gebunden sind, von den
Richtern, von dem Ansehen der Personen, von den Geschenken, von
den Zeugen, den Advocatcn, den Unterdrückern der Armen, von den
Liebhabern der Welt, von den Liebhabern der Barmherzigkeit, von
der Kürze des Lebens, von dem Ausgange aus dem Leben.
9) Die Schrift „über die kirchlichen Officien" ist dem älteren ^^eec«!*-
Bruder Isidor^s, dem Bischöfe Fulgentius von Astigi, „seinem Herrn, ***^'ff»
dem Knechte Gottes", gewidmet. Fulgentius hatte von ihm die Dar- j, u.
Stellung des Ursprunges und der Urheber der kirchlichen Officien,
d. i. hier der altspanischen Liturgie, verlangt. „Wie du gewünscht,
habe ich dir dieses Buch zusammengesezt aus den Schriften der älte-
sten Auetoren (die nach Isidor's Gewohnheit wohl benützt aber nicht
genannt werden), worin ich zwar das Meiste selbstständig bearbeitet
(meo stylo elicui), Einiges aber, so wie ich es (bei Andern) vorfand,
beigefügt habe. Finden sich in Letzterem Irrthümer, so werden sie
nicht auf meine Schuld fallen." Isidor spricht von der Kirche und
dem Namen der Christen, von den Tempeln, dem Chor, den Gesängen,
den Psalmen, den Hymnen, den Antiphonen, den Gebeten, den Re-
sponsorien, den Lectionen, den Büchern der (zwei) Testamente, den ■
Verfassern (und Uebersezern) der heiligen Schriften. In Betreff der
Uebersezungen aus dem Griechischen in das Lateinische wird Augu-
stin citirt*), dann gesagt: „Aus dem Hebräischen in das Lateinische
hat nur der Priester Hieronymus die heiligen Schriften übersezt.
Seiner Ausgabe bedienen sich insgemein alle Kirchen überall, denn sie
ist getreuer in Wiedergabe des Sinnes und verständlicher." Er han-
delt von den Laudes, von den Offertorien, der Messe und den Oratio-
nen, von dem Symbolnm von Nicäa, den Benedi ctionen, dem Opfer,
ven den Officien, der Terz, Sext und Non, der Vesper, der Complet,
von dem Alter der Vigilien, von der Matutin, dem Sonntag, dem
Sabbat, von Weihnachten, Christi Erscheinung, vom Palmsonntag,
vom Gründonnerstag, Charfreitag, Charsamstag, dem Osterfeste, von
Christi Himmelfahrt, Pfingsten, den Festen der Märtyrer, der Kirch-
weihe, von dem Qnadragesi mal fasten, den Pfiugstfasten , dem Fasten
im siebenten Monat, dem Fasten am 1. November, am 1. Januar, von
verschiedenen andern Fasten, von dem verschiedenen Gebrauch (der
Fasten) bei den Kirchen, von dem Genüsse des Fleisches und der Fische.
Man sieht, Isidor handelt nicht so fast von dem Ursprünge, dem
Anfange und der allmählichen Ausbildung der kirchlichen Offizien
(in Spanien), er vergleicht nicht die Officien der Kirche in Spanien
mit denen anderer Kirchen, offenbar, weil es ihm an den Quellen hiezu
*) de doctrina christiana, II, //.
108 Achtes Buch. Siebentes Kapitel.
fehlte, wie wir heute dieselben besitzen, sondern er handelt von der
in Spanien bestehenden Ordnung und Weise der Gottesdienste.
Das zweite Buch handelt von dem Ursprung (eigentlich dem
Amte) der Diener in der Kirche, und wird durch die kurze Vorrede
eingeleitet: „weil wir den Ursprung und die Ursachen der Officien,
welche im Allgemeinen von der Kirche gehalten werden, einigermassen
erklärt haben, so wollen wir nun den Ursprung (exordia) derjenigen,
welche kirchliche Aemter verwalten, der Ordnung nach darlegen."
Er handelt von den Klerikern, den Kegeln der Kleriker, von deren
Ordnungen, der Tonsur, dem Priesterthum (i. e. der Bischofswürde)
im alten und neuen Bunde, von den Chorbischöfen, welche hier Vica-
rien der Bischöfe, nach unserm Sprachgebrauche Weihbischöfc, heissen,
den Presbytern, den Diakonen^), den Leviten, den Subdiakonen, den
Lectoren, den Psalmisten, den Exorcisten, den Akolythen, den Ostia-
riem, den Mönchen, den Büssern, den Jungfrauen, den Wittwen, den
Yerheiratheten, den Katechumenen, dem Exorcismus und dem Salze,
den Gompetenten (zu der Taufe), dem Symbolum, der Glaubcnsregel,
der Taufe, dem Chrisma, der Ilandauf legung und Firmung (die auch
damals, wie die Weihen, nur den Bischöfen zukam).
Syntmy* 10 — 11) Ucbcr die Schrift; „Synoiiyma, Weheklagen der sündigenden
***■ Seele", genüge, was unten aus Braulio von Saragossa angefi'ihrt ist.
Ebenso in Betreff der Schrift: regula monachorum (die Mönchsregel).
icsiieh«- Dass Isidor selbst Mönch und zwar Benedictiner , da es im Abend-
lande damals andere Mönche nicht gegeben, gewesen sei, ist mit Be-
weisen nicht zu erhärten. Sonst ist diese Regel gut geschrieben.
Briefe 12) Vou den 13 kurzen Briefen von und an Isidor erwähnen wir hier
nur einige. Dem Bischof Leudefred von Corduba, der zwischen 619—
633 Bischof wurde, antwortet er auf seine Fragen über die kirchlichen
Officien, indem er sehr kurz von den Dienern der Kirche handelt, von
dem Ostiarier an bis zu dem Bischof, dann von dem Archidiakon,
dem Primicerius, dem Thesaurarius, dem Oekonomen, dem Vater
(Abte) des Klosters. Er antwortet „dem heiligen und durch seine
Verdienste seligen Herrn Bischof Massona" über die Wiedereinsezung
in kirchliche Würden nach vollbrachter Busse, wobei er sich beson-
ders auf Stellen aus dem Alten Testamente beruft, und auf die Synode
von Ancyra. Er schreibt dem Helladius von Toledo und den „andern
Bischöfen'' (wohl der carthaginensischcn Provinz) über den Fall des
Bischofs (Honorius?)^) von Corduba, und verweist denselben, vielleicht
weil er aus dem Klerus der Kirche von Sevilla war, an das Gericht
des Helladius und seiner Bischöfe, welche die Sentenz der Absezung
'j de diaconibus; dagegen: de snhdiaconis.
') Florez, X, 232^236 (ef, VI, 253; IX, 66).
bidor: de natura renun. 109
über ihn aussprechen sollten, damit er zu bestandiger Busse vemrtheilt
werde. Dem berühmten Herzog (dux) Claudius wünscht er Glück zu
seinen Siegen, und antwortet ihm auf verschiedene vorgelegte Fragen.
„Seinem geliebten Sohne, dem Archidiakon Redemptus/^ kann er „durch
viele nicht bloss kirchliche, sondern auch durch Geschäfte dieses ver-
gänglichen Reiches verhindert," auf seine Anfragen nur kurz antworten.
Die Fragen betrafen das gesäuerte und ungesäuerte Brod beim heiligen
Abendmahle, den Opferkelch und einiges Andere. Vielleicht war
dieser Brief von Toledo aus im Jahre 632 oder 633 geschrieben.
13) Das Buch: de ordine creaturarum handelt von dem Glauben an
die Trinität, von den geistigen Geschöpfen, von den Wassern über
dem Firmamente^ von dem Firmamente des Himmels, von der Sonne
und dem Monde , von dem obern Räume und dem Paradiese des Him-
mels, von dem untern Räume und den verschiedenen Hemisphären,
von dem Teufel und der Natur der Dämonen, von der Natur der
Wasser und dem Laufe des Ocean, von dem Paradiese, von der Lage
der Erde, auf der das Menschengeschlecht wohnt, von der Natur des
Menschen nach der Sünde, von der Verschiedenheit der Sündigenden
und dem Orte der Strafe, von dem Fegfeuer, von dem zukünftigen Leben.
14) Die Schrift: „Ueber die Natur der Dinge" an den König Sisebut de
gehört zu den berühmtesten Schriften Isidor's. Sisebut hat den Heili- ~!
gen gebeten, über die Natur der Dinge zu schreiben. Was die Alten, •
und besonders, was katholische Männer hierüber geschrieben, habe
Isidor fleissig zu Rathe gezogen. Diese verspricht er theils dem Sinne
nach, theils wörtlich anzuführen, damit ihre Auctorität ihn unterstütze.
In 48 Kapiteln handelt er von den Tagen, von der Nacht, von der
Woche, von den Monaten (mit erläuternder Figur), von den Jahren,
von den Zeiten des Jahres (mit Figur), von der Sonnenwende und
Tag- und Nacht- Gleichheit, von der Welt, von den 5 Zonen oder Krei-
sen, von den Welttheilen (mit Figuren)^), von dem Himmel, von den
7 Planeten des Himmels und ihrem Laufe, von dem Wasser über dem
Himmel, von der Natur der Sonne, von der Grösse der Sonne und
des Mondes, von dem Laufe der Sonne, von dem Lichte des Mondes,
von seinem Laufe, von der Sonnen- und Mondsfinstemiss, von dem
Laufe der Sterne, von ihrem Lichte, von dem (falschen) Sternfalle,
von den Namen der Gestirne, ob die Gestirne beseelt seien (und
wenn sie Seelen haben, so muss man fragen, was diese bei der Auf-
erstehung sein werden?), von der Nacht, dem Donner, dem Blize,
von dem Regenbogen, von den Wolken, dem Regen, dem Schnee,
dem Ilagel, den Whiden und ihren Namen (mit Figur), von den An-
zeichen des Sturmes oder des heitern Wetters, von der Pest, vom
*) Wie sie Isidor selbst neoDt
110 Achtes Bach. Siebentes Kapitel.
OceaD, warum das Meer nicht wächst und salzig ist, vom Nil, von
den Namen des Meeres und der Flüsse, von der Lage der Erde, vom
Erdbeben, vom Berge Aetna, von den (3) Welttheilcn.
15) Es folgt Isidor's Ohronicon. Zuerst haben Julius Africanus (un-
dem Kaiser Marc Aurel?), dann Eusebius von Casarea, hierauf Hiero-
nymus Chroniken herausgegeben. Ihnen seien neben vielen Andeni
gefolgt Victor Tunensis (d. i. von Tunununi), der bis zu dem Consulat
des jungem Justinus seine Chronik gefuhrt. Er selbst habe seine Welt-
chronik bis zu Kaiser Heraclius und König Sisebut gefuhrt (610). Bei
ihm gehen nach angenommener Gewohnheit die fiinf Weltalter bis anf
Augustus, das sechste Weltalter fuhrt er bis zur aera 654 (616 n. Chr.),
dem fünften Jahre des Heraclius, dem vierten des Sisebut.
16) „Die Geschichte von den Königen der Gothen, Vandalen und
Sueven*' enthält einen herrlichen Prolog an sein Vaterland Spanien.
Isidor hat oder kennt die Ableitung des Ursprungs der Gothen l)ei
Jornandes nicht. Sie erscheinen zuerst zur Zeit des Pompejus in
Thessalien, unter Valerian in Macedouien und Griechenland. Er fuhrt
die Geschichte der Gothen herab bis zum Jahre 621, bis zum Könige
Stcintila. Obgleich ein Römer von Geburt, ist Isidor voll des Lobes
der Gothen. In der That, die Spanier des siebenten Jahrhunderts
sezten ihre Ehre darein, in den Gothen aufzugehen, und der Nation
der Gothen zugezählt zu werden. Für die Geschichte der Westgothen
ist und bleibt Isidor die Hauptquelle.
ijutwia Aus seiner Geschichte der Vandalen erfahren wir dagegen wenig
vanda- jj^j^^^g^ j^ (Jej. geiu« kurzcu Geschichte der Suevcn gibt Isidor einen
forum tt /-^ • 1 1 • • •
Saevo- Auszug aus dcr Chronik des Idatius, die bis zum Jahre 469 reicht
rum, Yqjj ^^ j^jj jj^j^ ^]]g Kenntniss Isidor's auf (von 469 — 559). Es ge-
nügt ihm, zu sagen: „Nachher beharrten viele Könige der Sucven in
dem Arianischen Unglauben, und es erlangte endlich Theodemir die
Herrschaft des Reiches, welcher den katholischen Glauben annahm
(559)*). Das Ilcich der Sueven aber wurde nach einer Dauer von
177 Jahren (c. 410 — 587) dem Gotlienreichc einverleibt."
dt viris 1') ^^^ Isidor haben Viele unter Griechen und Lateinern über die
iUuHri' christlichen Schriftsteller gehandelt. Er will zu diesen Schriften eiue
^' Fortsezung geben , indem er von jenen Schriftstellern handelt, welche
er gelesen zu haben sich erinnert. Es sind 46 (47). Darunter Nicht-
Spanier Xystus Papst, der Diakon Macrobius, Philastrius von Brescia,
Theodor von Mopsveste, llufinus, Vcrecundns der Africaner, Bischof
Victorinus, Eusebius von Dorilaeum, Cerealis von Castellana (Afrika),
Perrandus, Diakon von Carthago, der Presbyter Marcellinus (Luci-
») K..G. 2, 1, S. 457 ffg.
Jsidor über kirchliche Schriftsteller. 111
ferianer^), Papst Siricius, Paulinus von Noia, Proba, Gemahlin des
Adelphius, Joannes Chrysostomus, der Presbyter Sedulius, Possidins
und Primasius, Bischöfe in Afrika, Proterius, Bisehof von Alexandrieu,
Paschasinus, Bischof in Sicilicn, Julianus Pomerins^ Eugippius, Abt
von Lucullanum, Fulgentius von Ruspe, Eucherius von Lyon, llilarius
von Arles, Kaiser Justinian, Facundus von Hermiane, Avitus von
Vienne, Dracontius, Victor Tunnensis^ Joannes Eleeuiosynarius, Papst
Gregorius, im Ganzen 32.
Die übrigen sind Spanier, Hosius von Corduba, Idatius aus Ga^
lizien, Petrus von Lcrida, Idatius Clarus (von Emerita), Apringius von
Pace, Justinian, Bischof von Valentia, sein Bruder Justus von Urgel,
Martinus von Dumium, Leander von Sevilla, Licinianus von Car-
tagena, Severus von Malaca, Joannes von Gcrunda, Eutropius von
Valentia, Maximus von Zaragoza, über welche wir früher nach Anleit-
ung Isidor's gehandelt haben. Ein letztes Kapitel fügt Bischof Braulic^j;;;;;]!^
über die Schriften Isidor's hinzu. Zu Braulio's Kenntniss kamen fol- ^^^
gende Schriften: zwei Bücher Differentien, ein Buch der Vorreden,
de ortu et ohitu patrum ein Buch, zwei Bücher Officien, zwei Bücher
Synonyma, worin er zum Tröste der Seele, und zur Hoffnung, Ver-
zeihung zu erlangen, mittelst Vemunftgründen (die Leser) ermuntert,
über die Natur der Dinge, ein Buch über die Zahlen, ein Buch über
die Namen des Gesetzes und der Evangelien, ein Buch über die Häre-
siecn (nicht erhalten), drei Bücher Sentenzen, welche er mit einer Blü-
thenlese aus den „Moredia^^ des Papstes Gregor schmückte, ein Buch
Chronica vom Anfange der Welt bis zu seiner Zeit, das er allzu kurz
fasste, zwei Bücher gegen die Juden, ein Buch über die berühmten
Männer, welchem wir Vorstehendes angereiht haben, ein Buch der
Regel für Mönche, die er mit Rücksicht auf heimische Verhältnisse - f-
und die Gemüther der Schwachen sehr passend mässigte, ein Buch
von dem Ursprünge und dem Reiche der Gothen, der Sueven und
auch der Vandalen , zwei Bücher Fragen (zum Alten und Neuen Testa-
mente), den Codex der Etymologien von seltenem Umfange^), von ihm
in Titel, nicht in Bücher eingethcilt, den ich, weil er ihn auf mein
Bitten verfasste, obgleich er ihn selbst unvollendet hintcrlicss, in
zwanzig Bücher eingetheilt habe; wer dieses Werk häufig und auf-
merksam benützt, der wird in der Kenntniss der göttlichen und mensch-
lichen Dinge kein Fremdling sein.
Nebstdem gibt es andere kleine Schriften desselben (wozu wohl
die erwähnten vier Briefe gehören mögen), welche in der Kirche Gottes
mit vielem Glänze verfasst sind. Ihn hat Gott nach so vielen Nieder-
') Bei friiliern Herausgebern (n, s^Aguirre-Catalani, L IV, 1764, p:86-^
88) sind die eilf ersten Numem dieser Schrift „ex inccrto auctorc*'.
^) nißnia magnittidine.
112 Achtes Bach. Siebentes Kapitel.
lagen Spaniens in der lezten Zeit auferweckt (ich glaube zur Erneu-
erung der Denkmale des Alterthums, damit wir nicht völlig in Unwis-
senheit untergehen^), überragend alle durch die gesunde Lehre, und
reicher noch an Werken der Liebe.
Nach der Meinung des Braulio und des Ildefons waren die Etymo-
logieen sein letztes Werk. Beide sagen , er habe es unvollendet hinter-
£/yiiio7o. lassen, er selbst aber schreibt an Braulio (632): „den Codex der Ety-
*^T* mologieen mit andern Codices habe ich dir auf dem Wege hieher
Eneydo- übersaudt, und obgleich er wegen meiner Krankheit uncorrigirt ist, so
^^* wollte ich doch denselben dir jezt zur Ausbesserung darbieten, wenn
vriiscnt ich zu dem für das Concil bestimmten Orte gekommen wärc.'^ Nach
meiner Ansicht ist das Werk verfasst zwischen 611 und 632, näher
swischen 622 und 632, weil die Jugend Braulio's vor dem Jahre 622—
620 eine spätere Freundschaft der beiden Männer wahrscheinUch macht
— Das erste Buch dieses Werkes handelt von der Grammatik^ das
zweite von der Rhetorik und Dialektik , das dritte von den vier mathe-
matischen Disciplinen, das vierte von der Medicin^ das fünfte von den
Gesezen und Zeiten, das sechste von den kirchlichen Büchern und
Offizien, das siebente von Gott, den Engeln und den Ordnungen der
Gläubigen, das achte von der Kirche und den verschiedenen Secten,
von den Heiden und ihren Göttern, das neunte von den Sprachen,
Völkern, Reichen, dem Kriegsdienst, den Bürgern, den Verwandt-
schaftsgraden, das zehnte Buch ist ein alphabetisches Verseichniss ge-
wisser Worte und ihrer Bedeutungen. Das eilfte Buch handelt von
dem Menschen (et de portentis), das zwölfte von den Thieren, das
dreizehnte von der Welt und ihren Thalien, das vierzehnte von der
Erde und ihren Theilen, Buch 15 von den Gebäuden, darunter
von den berühmten Städten (hier wird Saragossa über alle andern
Städte Spaniens erhoben) und den Feldern, Buch 16 von den Steinen
und Metallen, Buch 17 vom Landbau und der Landwirthschaft, Buch IS
vom Kriege und den Spielen, Buch 19 von den Schiffen, Häusern und
Kleidern, Buch 20 von Speise und Trank, den häuslichen und land-
wirthschafUichen Geräthen.
Isidor nennt dieses Werk selbst die Frucht alter Lesung, d. i.
den Auszug aus zahlreichen Büchern, die er benützt hat. Wenn die
Quellen überall citirt wären, so wären wir sicher, die Bruchstücke aus
manchem jetzt ganz verlornen Werke zu haben. F. Arevalo hat wcnig-
stcns zum Theil die von Isidor augeführten Schriftsteller zusammen-
gestellt«).
*) ne nimia nuticitate veter asceremus.
*) Isidoriana, /, 481-^436, — Index scriptonim ab Isidoro in Etymoi
et in libris Differenti^rum laudatorum (nach Fabricius, Biblioth. latina. Ve-
neL 1728, II, p. 437).
§. 4. Leben der Väter von Emerita. 113
Von Ftdgentius^ dem Bruder des Isidor, ist mehr nicht bekannt,
als was oben da und dort über ihn vorkommt.
§. 3. Ansgaben von Isidor's Werken.
Paris 1580, stud. Marg. de la Bigne, fcl* — Cum notia J. B. auj^
Perez et J. Gricd, Matriti 1699, fol (et 1778), 2 vol. — Ed. emendat.
per Jacohum du Brevl, Par. 1601, fol. — Coloniae 1617, fol. — Set.
hidori, Hispal. ep. opera omnia, 7 vol. in 4^. Romas 1797 — 1803.
(Diese wahrhaft classische Ausgabe verdankt man dem Cardinal Fr.
Loremana und dem Faustin. Arevalo, S. J.) Die beiden ersten Bände,
welche den Titel führen: „Isidoriana^^ sind die erschöpfende Sammlung
alles dessen, was sich auf das Leben, die Schriften und die Ausgaben
der Schriften Isidor's bezieht. Band 3 — 4 enthalten die Etymologieen,
Bd. 5 — 7 die übrigen Werke. Abdruck dieser Ausgabe in Migne, Pa-
trcl. latina 81 — 83, woran sich 84 — 86 der Codex canonum ecdes. Hi-
spanae, das Missale und das Psalterium gothicum oder mozarabicum
schliessen (de natura rerum liher, recens. G. Becker. Berlin 1857).
lieber Isidor schrieben neben Fabricius bihl. latina, Faustin. Are-
valo: Nicolaus Antonio, Bibliotheca Hispana vetus, ed. Bayer, Matr. 1788,
t. I, B. V, cap. 3 — 4, p. 321 — 368. — H. Florez, Esp. sagrada, t. IX,
p. 216 — 236', p. 394 — 419. — Bourret, VEcole chretienne de Sevillß.
Paris 1855, p. 59 — 193. — Montalemberty die Mönche des Abendlan-
des, II, 1860, p. 211 — 218. — Bahr, Geschichte der römischen Li-
teratur, Supplcmentb. IL Abth. (1837), p. 456—464. — W. S. Teuf-
fei, Geschichte der römischen Literatur, Leipz. 1870, §. 459, S. 1028 —
1031, und viele Andere.
§. 4. Leben der Väter von Emerita.
Die Schrift: „Vitae Patrum Emetntensium^, welche heute unter inh«u
dem Namen des Paidtis Diaconus bekannt ist , zerfällt in vier schrift.
Theile. Der Knabe Augustus, Diener an der Kirche der heiligen Eu-
lalia zu Emerita, hat vor seinem Tode eine Vision über das künftige
Ixiben, wacht zum Leben wieder auf, erzählt sie mehreren Personen,
und stirbt unverzüglich. Das zweite Kapitel erzählt von einem Mönche
im Kloster Cauliana bei Emerita, der durch seine Gefrässigkeit der
Kinder Spott geworden, darüber sich bekehrt und nach vierzehn Tagen
selig gestorben, ja dessen Leichnam nach langer Zeit unverwesen ge-
funden worden sei. Der dritte Theil und das dritte Kapitel erzählt
von dem aus Afrika nach Emerita gekommenen Abte Nunctus, den
wegen seines Rufes der Frömmigkeit fromme Damen vergebens zu er-
Ganis, ajMUi. Kirche. II. 2. 3
114 A(*htc8 Buch. Siebentes Knpite).
blicken wünschten, der sich ihnen allen unsichtbar zu machen gesucht,
und der, als ihn durch List und Bestechung zulezt ein weibliches Auge
getroffen hatte, darüber wie leblos zusammengestürzt sei. Vom vierten
Kapitel au bis zum einundzwanzigsten, zum Schlüsse, folgt die Erzäh-
lung über das Leben der gefeierten Erzbischöfe Paulus (c. 530 — 560),
seines Coadjutors und Nachfolgers Fidelis (c. 560 — 571), und des gros-
sen Erzbischofs Masona (571 — 606)^). Bischof Masona regierte fast
so lange als Isidor von Sevilla, dessen väterlicher Freund er war, an
35 Jahre, und als er hochbejahrt sein Ende nahen fühlte, bestellte er
den Archidiakon Eleutherius als seinen Stellvertreter, während er in
stiller Zurückgezogenheit in Reue und Bussübungen auf sein Ende sich
vorbereiten wollte. Eleutherius aber, aufgebläht in seinem eitlen Sinne,
„umgab sich mit einem grossen Gefolge von dienenden Knaben, und
er trabte hoch zu Rosse bald da, bald dorthin^ ^). Er drohte Knaben,
die Masona freigelassen, und denen er kleine Besizungen zum Unter-
BiMhof halte geschenkt hatte. Alles wieder zu entreissen. Als Masona diess
*****■*• erfahren, liess er sich todtkrank in die Kirche der heiligen Eulalia
tragen, betete dort lange und kehrte, sicher der Erhörung seiner Bitte,
in sein Haus zurück. In der darauffolgenden Vesper sprach Masoni
zu Eleutherius: „Du wirst mir vorangehen'^ (praecedes me). Niemand
verstand das Wort. Aber noch beim Anfange des Gottesdienstes er-
krankte der Erzdiakon tödtlich. Dessen Mutter eilte zu Masona, damit
er für das Leben ihres Sohnes bete. Masona crwiederte: Um was icl
gebetet habe, um diess habe ich gebetet^). Am dritten Tage starb
der ErzdiakoD. Geraume Zeit nachher starb Masona „unter den Wor-
ten des Gebetes im Frieden"*). Ihm folgte im Bisthume Innocentiii.«
Die Bi- (606 — c. 616), /icr durch sein gottgefälliges Gebet vielfach Regen tür du
w dürren Fluren erflehte. Der edle Gothe Renovatus (616—632) folgte ihni,
centius geschmückt von Gott mit herrlichen Gaben des Geistes wie des LeibfS.
n.Reno- jjj. ^g^. ^^yon hohcm Wuchsc, lieblichem Augcsichtc, und wunderbar zum
Anblicke; aber sein Inneres war noch herrlicher erleuchtet durch dai
Licht des heiligen Geistes". Schon im Jahre 633 war StephaDUS
Metropolit.
Der Name eines Paulus von Emerita kommt im Altcrthum und
im Mittelalter nicht vor, er erscheint erst im siebeuzehnten Jalirhuu-
«
') Woniua wir reichliche Auszüf^e mit^othcilt. K.-(J. 2, 1. S. 421 - l'i'i.
') ut cum magno comituiu puerorum auperhus cquo vehenfe huc afquc
illuc properaret Man erinnerr. sich an den heiligen Ulrich von Angsbnrg, der
seinen Neffen Adalbero, an den heiligen Franciscus von Assisi, der den pompiiseo
Elias von Cortona zum Nachfolger sich bestellte.
■) quod oravt, oravi, cp. 20.
*) cp. 21. — Florez, t 13, p. 180--206.
Leben der Väter von Emerita. 116
dort. Wir haben viele spanische Schriftsteller vor dem achten Jahr-
hundert, deren Werke verloren, deren Namen, sammt den Titeln ihrer
Werke uns erhalten sind. Wir haben nur zwei Schriftsteller, deren
Schriften uns zwar erhalten, deren Gedächtniss uns aber nicht über-
liefert ist, es ist Paulus von Emerita und der Abt Valerius aus Gali- p»«!««
cien. Das Schweigen über Valerius erklärt sich; er lebte am Ende slariu
dieses Jahrhunderts zu einer Zeit, wo kein spanischer Schriftsteller
mehr über die Schriftsteller der früheren Zeit geschrieben hat. Paul
von Emerita lebte aber um 632 — 640, und das Schweigen über ihn ist
räthselhaft.
Mit dem Zweifel, ob ein Schriftsteller dieses Namens überhaupt
gelebt habe, kam ich nach Spanien, und ich sah mich auf die Hand-
schriften „der Väter von Emerita" angewiesen (1865). Die fünf oder
sechs Handschriften, welche dafür ausgegeben werden, stammen aber ans
dem fünfzehnten bis sechzehnten Jahrhundert« Eine der altem scheint
mir die des Bischofs Joann. B. Perez von Segorve (1592 — 1597) zu
sein, welcher eine Sammlung historischer Schriften aus der Zeit der
Gothen hinterliess, welche damals im Drucke noch nicht erschienen
waren ^). Es sind vierundzwanzig Schriften darin enthalten, darunter
„Das Buch (Paulus, des Diakons von Emerita) über das Leben und
die Wunder der Väter von Emerita." Perez nahm diese Schrift aus
einein alten Buche des Klosters Carrazedo bei Oviedo, zugleich mit
den „vitae^ anderer Heiligen. Dort stand sie hinter den Schriften des
Valerius „ohne den Namen irgend eines Verfassers"*). Sie befindet sich
ferner in der Kirche von Oviedo, und in dem Kloster von Valparaiso.
Sie befand sich ferner in der Kirche zu Siguenza und Toledo, jezt
aber (d. i. 1596) fehlt sie."
Dagegen befindet sich seit der Aufhebung der Klöster in Spanien
(1835) ein liturgischer Codex, ein sogenanntes Sanctorale aus dem
vierzehnten Jahrhundert in der königlichen Akademie der Geschichte,
worin sich u. a. das Leben der Bischöfe Paulus und Fidelis, und ge-
trennt von ihnen das Leben des Bischofs Masona findet. In einem
andern Codex von San Milan de la Cogolla (den ich nicht gesehen),
findet sich ein Kapitel: „Die Heiligen von Emerita"^). Unter den
^) Hoc volumine continentur hi auctores antiqui nondvm impressi, qui
ad gothicam Hispaniae historiam pertinent, Transcripti et emendaii ex codi-
cibus manuscriptis. Die Handschrift ist ungewöhnlich schön und lesbar geschrie-
ben. — lieber den Inhalt des Codex handelt sehr ausführlich J, E. Villanueva,
Viage literario, t III, Madrid 1804 (Bisthum Segorve), p. 196'"206.
') sine ullo nomine auctoris.
') Memoria descriptiva de los Codices riotahles cofiservados cn los archi-
vos ecclesidsticos de Espanna, escritapor Jos^ Maria deEguren {obra premiada),
Madrid 1859, p. 54-62 (Codices litürgicos).
116 Achtes Buch. Siebentes Kapitel.
Neuern spricht n. A. Lenibke Zweifel über die Aechtheit der Schrift
des Paul von Emerita aus, indem er sich u. A. an Ausdrücken, wie
caballum levare stosst^). Meine Ansicht ist, dass die Schrift selbst,
nach ihrem Hauptinhalte, alle Spuren der Aechtheit an sich tnigt, dass
aber der Name des Verfassers unbekannt, und dass Paulus, der Diakon,
ein fingirter Name sei. Der Verfasser dieser „Vitae^ hatte u. A. die
berühuitc Sclnrift Gregor's I.: „Dialoge, gehalten über das Leben und
die Wunder der Väter Italiens", und seine Schrift ist eine theilwcisc
Nachahmung der Dialogc^^, Gregor I. hielt seine „Dialoge^* mit dem
Diakon Petrus von Koni, und „Paul, der Diakon", schrieb sein Leben.
Den Herausgebern unserer ,fVitae^^ mag es passend erschienen sein,
den unbekannten Verfasser der „vitae'^ Paulus zu nennen. Das Werk
selbst hat Perez in Kapitel mit Inhaltsangaben abgetheilt, der Ueber-
sichtlichkeit wegen.
In der jezigen Form gab das Werk zuerst Bartiabas Marens de
Vargas aus Emerita heraus, der zur Verherrlichung seiner Vaterstadt
nicht Weniges erdichtete^); dann Th. Taviajo de Vargas (cum notis,
Antverp. 1638)*)^ hiaraui' Bivar, die „Vitae^ zerlegend in viele Theile'*).
Das Leben des Nunctus, Fidelis und llenovatus steht auch bei den
Bollandisten an geti*ennten Orten. Den Text des Tamajo licss der
Cardinal AguiiTe in seiner Ausgabe der Concilien von Spanien ai»-
drucken*). Dann erschien die Ausgabe des II. Florez.
»■«g« An der Aechtheit der Vorrede und der drei ersten Kapitel z«
Accht- zweifohl dürfte erlaubt sein. Die Vorrede und das erste Kapitel hängni
hcit der enge zusanunen. Auffallend ist, dass eine Schrift, die ein Leben d«!
'„Väter" von Emeriti ankündigt, mit dem Knaben Augustus beginnt "i.
Auftallcnd ist sodann der Name „Augustus" auch dem II. Florez, \\tii
derselbe in Spfinien nicht vorkomme*'). Sodann ist der Inhalt der Vis^ion
') F. W. I^emhke, Geschichte von Spanien. Ilamb. 1831. Bd. 1. S. iVJ.
') K.-G. 2. 2. S. 4. — Fhrez, t LH, p. 327 et 335. — cf. die Prae/atu
der Vitae P. Emerit,
■'') Paulus Dia>conuSj de m'fa et miraculis Patruin Emerit. Madrid /6V).'.
4^ mit lateinischen Noten v.n jedem Kapitel.
^) Antwerp. 1G38, nach vier alten nnd vier neuen M. S., worunter das v(ni
Perez, pp. 158.
") Jiirurii, Franc, notae ad Chroniam {Pseudo-) Maxiini, Mafrifi I^i.^i
J'oL, //. 515-521, 5.H2-534, 5Sr,~59(), C/J, n5:>\ Od 1-661, 66s , 7/1 , 7U
•') Affuirre , I, 11^ y;. 63U. --- Tamajo de SahiTMr nahm in sein .spaniscirt?
MartynJogiuin die Kapitel üher Bischof Mjisona auf (///, 30).
') Er heisst sogar: Puendus quidam^ mm grandi adhuc acfat^, et u'
planius dicam ephaehus, nomine AuguMus.
") Florez, 13, p, 323—326, Augusto, voz parficular, por vi poco u$o qto
sc halla de este nombre en Espanna, y acaso (/) en MMda tuvo a/guna froju-
encia por e^pecial propcnsion al fundador.
§. 4. Leben der Väter von Emerita. 117
derart, dass es auch ein gewöhnliches Tranmgesicht sein konnte. — Der i>i« <ir«i
Inhalt des zweiten Kapitels erscheint uns durchaus unglaubwürdig, ^^i
Ein Mönch von Cauliana, der überaus gefrässig ist, wird lange mit der
Schlägen von seinem Abte gezüchtigt, und bessert sich nicht. Da hat ^^^^
der Abt Mitleid mit ihm, und befiehlt, ihm alle Speisekammern zu
öffiien und ihn „bis zum Erbrechen" essen, trinken und wegnehmen
zu lassen, um zu sehen, was dieser Mönch nun anfangen werde. Ins-
geheim aber lässt ihn der Abt auf allen Wegen beobachten. Der
Mönch aber ass und trank, dass er von Sinnen kam, und kaum mehr
weiter gehen konnte. Er stahl auch Gefässe mit Wein, die man „Bou-
teillen oder Flaschen" heisst ^), und verbarg sie in einem nahen Garten.
So trieb er es lange, sehr lange, bis Knaben ihm zuriefen: Erwäge das
schreckliche Gericht Gottes u. s. w.
Den Ursprung dieses Kapitels suche ich in dem Localpatriotis- i>er
mus des Moreno de Vargas aus Emerita. Nicht lange, bevor er unsre ^^^
Schrift herausgab, entdeckte der Chronist Ambrosius Morales den Brief
eines Mönches von Cauliana, gerichtet an König Reccared, weil er
auf dessen Gchciss wegen Uusittlichkeit aus dem Kloster vertrieben
wurde. Tarra versichert mit aller Energie seine vollkommene Unschuld.
— Sein Brief aber ist sehr dunkel geschrieben, so dass man Verschiede-
nes aus ihm herauslesen kann. DerHerausgeber der Schrift über die Väter
von Emerita ersann nun (vermuthe ich) einen wenig gehingenen Roman,
indem er einen Mönch von Cauliana nicht der Uusittlichkeit, sondern
dem Frass und der Völlerei fröhnen , durch Knaben aber sich bekehren,
reumüthig und wie einen Heiligen sterben lässt. Als später der Anas-
Fluss Cauliana zum Theil zerstörte, trat der Leichnam dieses Mönches du
zu Tage. „Aus dem Grabe stieg ein Geruch wie von Nektar empor; ^***'*'
der Leib selbst aber fand sich unversehrt, so frisch, wie wenn er an na.
demselben Tage wäre beerdigt worden, so dass weder seine Kleider
noch seine Ilaare im Mindesten verlezt waren." Durch dieses Kapitel
war also der Mönch Tarra von Cauliana gerechtfertigt^).
Auch das Kapitel über den Abt Nunctus (auch Nanctus) hat j^^
einen sehr befremdlichen Inhalt. Nachdem Nunctus, wie wir oben NonctnH
hörten, getroifen vom Blicke einer Frau, zu Boden gestürzt war, ver-
barg er sich ganz in einer Einöde. Der Ruf seiner Heiligkeit kam zu
dem Ariancr Lcovigild, der dem Nunctus ein Gut des Fiscus schenkte,
das er nur widerstrebend annahm. Die Leute, die auf dem Gute
woluiten, und des Nunctus ärmliches Gewand und niedrige Haltung
sahen, meinten, es sei besser für sie, zu sterben, als einem solchen
Herrn zu dienen — und da Nunctus bald darauf in den Wald ging,
') qude usitaio nomine Guillones mit Fla^cones appellant,
») Der Brief des Tarra op. Florez, XIIL p. 414—415.
118 Achtes Bach. Siebentes Kapitel. — §.4. Leben d.VSter v.Emerita.
nm dort einige Schafe zu hüten, überfielen sie ihn und todteten ihn
gransam. Die Uebelthater wurden vor Leovigild geführt, der sagte:
Lasst sie frei gehen, haben sie einen Knecht Gottes getudtet, so möge
Gott sie strafen. So geschah; von den Banden frei — wurden sie
sogleich von den Dämonen ergriffen^ welche sie mehrere Tage grausam,
und zulezt zu Tode quälten.
In der Annahme, dass diese drei ersten Kapitel nicht acht seien,
unterstüzt uns Bivar, der bekannte Herausgeber und Erklärer der fal-
schen Chroniken. Er entdeckte, wie Florez zugibt, eine der besten
Handschriften des sogenannten Paulus von Emerita, aber in ihr fehlen
unsere drei Kapitel, und in seiner Ausgabe fehlen sie auch. Fälschlich
wirft ihm Florez vor, dass er aus dem Eingange zum Leben des Bi-
schofs Paulus hätte sehen können, dass Etwas fehle, weil Paulus von
Merida sage, „wie wir oben versprochen haben"*).
Darnach gelange ich zu folgendem liesultate. Der Name des
Verfassers der Väter von Emerita ist nicht bekannt. Die Schrift aber
ist, vielleicht mit Ausnahme der Einleitung und der drei ersten Kapitel,
durchaus acht und ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung der spanischen
Kirchengeschichte. Diese Schrift wurde verfasst um die Mitte des sie-
benten Jahrhunderts, und fand Aufnahme in den liturgischen Schriften,
unter den „Vitae 8anct(yn^m^. Sie kam von Emerita zur Zeit der
Mauren in die nördlichen Provinzen, und von da wieder bei der fort-
schreitenden Wiedereroberung Spaniens nach Süden (Burgos, Siguenza,
Toledo). Im Mittelalter war sie nicht unbekannt. Denn König Al-
fons ni. (866 — 910) von Leon schrieb in Betreff dieses Werkes an
den Klerus und das Volk von Tours (im Jahre 906): „Wir besizen
das Leben, die Tugenden und die Wunder vieler hervorragenden Män-
ner, wie z. B. der von Emerita, in guter und klarer Weise geschrieben,
welche in eueren Archiven sich nicht befinden, und welche wir, so es
euch dienen wird, gerne an euch senden werden"^).
') Einleitung zum vierten Kapitel: nunc ea, quae omnibus modis nota sunt.
simpliciter veraciterque narremus — dann heisst es nach einem längern Zwischen-
sätze: ideo sicut superius polliciti sumus, simpliciter sanctorum patrum mira-
cula intimemus. Demnach bezieht sich „superius^* auf das vorliegende (jetzt vierte)
Kapitel, nicht aber auf die Einleitung zum jezigen ersten Kapitel, wo von ^ einer
einfachen Erzählung'' keine Rede ist, sondern nur von Gregor L und dem Knabeo
Auguatus.
') Nos quoque mtdtoj'uni virorum ülvstrium vif am, virtutem, et mirabilia,
utpote Emeritensium, evidenter ac sapienter amscripta habcmus, quae ut re-
(meymoror in Archivis vestris non liahentur, Quod si v>obis utilitas fuerit, di-
rigere ea« procurabimus {ex epist. ad clerum et papulum Turonensem, in Bi-
hliotheea Cluniacensi, cum notis Andr. Quercetani, coL ÖO. — Florez, XiJ»
p. 346^349),
Achtes Kapitel.
Fünfte Ms eilfte Synode von Toledo. — Synode von Eme-
rita. — Die Könige Cliinflia, Cliindaswintii nnd ReceswinUi.
Eugen II. (III.) nnd Udefons von Toledo.
§• 1.
Nach Siscnand (gestorben 636) regierte ChinHlsL. Sogleich ver- si««-
anlasste er, dass die (fünfte) Synode von Toledo gehalten wurde "*"*'
(636). Es sollte ein Nationalconcil sein. Von den sechs Metropoliten
war nur Eugen von Toledo zugegen, der demnach auch den Vorsiz
führte. Er wie Chintila standen im ersten Jahre ihrer Regierung. Die
Versammlung wurde, wie die späteren, in der Kirche der heiligen Leo- Synod«
cadia gehalten. Die Bischöfe danken Gott, nach dessen Willen sie^^"^,^
berufen sind, sie danken ihm wegen des Regierungsantrittes des rühm- BUoh«-
reichen Fürsten Chintila, der mit den Grossen und Aeltesten seines
Hofes in die Sizung kam, sich demüthig den Gebeten Aller empfahl,
und seiner Umgebung ein Gleiches zu thun befahl. Auf seinen Antrag
oder nach seinem Wunsche befehlen die Bischöfe:
1) Jährlich sollen im Gothenreiche vom 13. — 15. December Li- canoaM
taneien (Bittandachten) um Vergebung der Sünden stattfinden. Fällt ***•"" **••
der Sonntag dazwischen, so sollen sie in der folgenden Woche gehal- reich,
ten werden. Weil neue (vorher nicht gekannte) Uebelthaten begangen
werden, sollen neue Sühnungsmittel ihnen entgegentreten.
2) Was in der „allgemeinen und grossen Synode" (von 633) über
den König beschlossen worden , werde mit Bezug auf den König Chin-
tila beobachtet. Die Güter seiner Familie sollen ihr bleiben und ihr
nichts entzogen werden (auch nach dem Tode des Königs durch seinen
Nachfolger nicht).
3) Weil der Eine und Andere unberufen nach dem Königthum
trachtet, den nicht Geburt oder Verdienst adelt, so treffe die Schul-
digen das Anathem«
i
irntor-
120 Achtes Buch. Achtes Kapitel.
4) Nicht weniger Jene, die auf abergläubische Weise den Tod
des Fürsten zu erfahren suchen, um dann selbst an seine Stelle zu
treten, oder die zu Lebzeiten des Königs Plane für die Nachfolge in
der Regierung schmieden«
5) Ebenso, wer Verwünschungen ausstosst gegen den Fürsti?n.
6) Die Treuen des Fürsten, die ihn überleben, sollen in ihren
Besizungen nicht verkürzt werden.
7) Auf jedem Concile Spaniens soll der Kanon 75 des „allgemei-
nen Concils" (vom Jahre 633) laut verlesen und eingeschärft werden.
8) Das Recht, zu vergeben denen, die sich in obigen Dingen
verfehlt, wird dem Könige vorbehalten.
9) Gott sei Ehre, dem König Dank, Sieg und lange Herrschafl
Es unterschreibt: „Eugen j durch Gottes Erbarmen Metropolitan-
tcn. bischof der Toletanischen Kirche^^; nach ihm Conantius von Palentia,
Bischof über 30 Jahre, dessen Tod nach gewöhnlicher Annahme 639
erfolgte, sodann die Bischöfe Braulio von Zaragoza und Oja von Bar-
cino, welche mit Elpidius von Turiasso die einzigen aus der Provinz
Tarraconensis Anwesenden waren, während Wiaricxis von Ijissabon
allein aus der Provinz Lusitanien, aus den Provinzen Baetica, Galizicn
und aus der Narbonnenschen Provinz^) Niemand zugegen war. Sech-
zehn Bischöfe (mit Conantius 17) waren aus der Carthaginensischen
Provinz. Zwei Vicare abwesender Bischöfe waren aus derselben Pro-
vinz (von Cazlona und Segobriga).
Der Synode ist ein Decret des Königs vom 30. Juni beigegeben,
wodurch deren Beschlüsse bestätigt werden. Welcher Abstand au
Bedeutung und Würde zwischen dem vierten und fünften C-oncil voi
Toledo ist, das braucht nicht erst bewiesen zu werden. Oflenbar gin;:
hier der Episkopat zu suhr in die Anschauungen und Intci-essen des
jeweiligen vorübergehenden Kegenten ein und darum auch in densel-
ben auf^).
') Floi*ez sagt: ein Bischof sei aus Narbonne, einer aus Galicien dagcwestn,
welche ich nicht finden kann. Cf, Esp. sagradu, F/, 169 — 174. Auch ihm i?t
dieses ein Nationalcoiicil , wa» man mit einigem Grunde bestreiten kann , da die vier
Bischöfe aus andern Provinzen auch zutaHig anwesend sein konnten. — Cf. JJarduin,
111,698— 600.-^ fjabbS-Coietht V 1,483 -488. — Maiisi. X,C>54-^66S.- Agnirre.
prima edü., II, 507—711; cd, Aguirre-CataUmi, III, 403—407. — Braius, /, l'^.V
— Tejada y Ramiro, cdÜ. prhna et secunda, II, 818—324. — Ile/ele, ('oncihen.
III, 1868, pag. 81-82. — A. Uelfferich, Westgothenrecht, 1858. S. 79—82.
*) Was A. Helfferich und Fei, Dahn (die Könige der Germanen, die West
gothen) auch sehr scharf hervorheben.
§. 2. Die Bochste Synode von Toledo. 121
§. 2. Die sechste Synode von Toledo.
Schon im Januar des Jahres 638 wurde nach dem Wunsche des- synod«
selben Königs die sechste Synode von Toledo gehalten, welcher 52^*^^
Bischöfe anwohnten. Von 6 Metropoliten wohnten 5 derselben an, nur tohoren.
der von Emerita fehlt. Sie nennen sich selbst schon im Eingange.
Wir Selva (von Narbonne), Julianus (von Bracara), Eugenius, Hono-
ratus (Spalensis ecd. episcopus = Hispcdensis), Protasius (von Tarraco),
die Metropolitanbischöfe, und die andern Mitbischöfe derselben, sowie
deren Stellvertreter, die Priester. Schon seit Langem habe der Bischof
Marc(t)ianus von Astigis, der in dem Concile von Sevilla falscher Bitehof
Verbrechen beschuldigt und abgesezt worden, an das jezige allgemeine
nas nm.
Concil appellirt. Er sei schon in dem vorhergehenden allgemeinen A«tigta.
Concil (636 oder 633?) gehört, wieder als Bischof eingesezt, aber doch
seinem Bisthume nicht zurückgegeben worden, weil die Zeit zur ge-
nauen Untersuchung gefehlt habe. Man habe es vorgezogen, von dem
Mitbischofe HabenthiSj den Martianus zum Nachfolger erhalten habe,
und von den Bischöfen, welche das Urtheil über Martianus gesprochen,
sich den Thatbestand darlegen zu lassen. Von seinen Richtern waren
638 die Meisten schon gestorben. Seine Unschuld wurde jezt aner-
kannt. Da des Martianus Nachfolger sich schon auf der Synode von
()33 einfand, so fällt die Entfernung des Martianus vor diese Zeit.
Isidor von Sevilla scheint an ihr nicht unbetheiligt gewesen zu sein,
lind Habentius erscheint als sehr schuldig. Weil Habcntius noch an-
derer Dinge schuldig befunden wurde, besonders einer grossen Härte
gegen seine Mitbrüder und die Familien seiner Kirche, so traf ihn jezt
die Strafe der Absezung, und Martianus sollte wieder eingesezt werden.
Habentius wird einem Bischof zur Aufsicht übergeben, bei dem er
Busse thue, doch soll er Bischof (L p. infid.) bleiben. Die noch
lebenden Richter des Martianus haben sich durch die falschen Zeugen
gegen ihn irre führen lassen, dcsswcgcn hat weder Habentius noch
Martianus gegen sie ein Recht zu klagen. Wer mit obiger Sentenz
nicht zufrieden ist, werde ausgesclilossen und seiner Würde beraubt
So wurde entschieden am 9. Januar 638. Unterschrieben sind die
finif Metropoliten, 35 Bischöfe, ein Presbyter und ein Archidiakon.
Auch als Anfangstag der Synode selbst ist der 9. Januar
bezeichnet.
1) Das erste Decret ist ein Bekenntniss des orthodoxen Glau-
bens. „Der Sohn Gottes hat den Menschen angenommen"^).
') kominem für naturam hominis, und: cum eodem homine unus constatper-
sona, cum patre et spirüu sancto natura, und wieder: cum tota cooperata sit
122 Achtes Buch. Achtes Kapitel.
2) In dem zweiten Kanon wird die im Jahre 636 angeordnete
dreitägige Bittandacht wieder eingeschärft.
3) Der König hat aus Glaubenseifer alle Juden aus seinem lleichc
eher d. verbannt, in dem nur Katholiken leben sollen. Im Einklang mit den
Vornehmen des Reiches verordnen die Bischöfe, dass jeder nachfol-
gende König in dem Eide bei Antritt seines Amtes schwören solle, er
wolle den katholischen Glauben aufrecht erhalten; doch sollen die im
Jahre 633 über die Juden gefassten Beschlüsse aufrecht erhalten werden.
4) Kleriker, welche durch Geld kirchliche Grade erlangt, seien
ausgeschlossen (wie die fehlenden Bischöfe), ja ihrer Güter beraubt.
6) Wenn ein Kleriker oder sonst Jemand durch einen Bischof
ein Elirchengut (stipeiidium) zur Beniizimg erhält, so schreibe er unter
der Form einer Prccarie') einen Empfangs-Schein, damit nicht durch
seine lange Nuznicssung der Kirche ein Schaden erwachse, und was
er zur Nnzniessuug erhalten, soll er fleissig bearbeiten.
6) Männer und Frauen, welche das Gewand der Bekehrten frei-
willig angenommen, der Mann, der in den Chor der Kirche, die Frau,
die in das lüoster eingetreten, dürfen nicht mehr austreten; thun sie
es, so werde der Mann geschoren, das Weib in das Kloster zurück-
geführt. Die sich Weigernden seien ausgeschlossen.
Ptowii- 7) Wenn die (freiwilligen) Pönitenten wieder in die Welt zurück-
Mton. tehren, so sollen sie von ihrem Bischöfe in Klöstern den Gesezen der
Busse unterworfen, oder sie sollen ausgeschlossen werden, wie auch die
gegen das Verbot mit ihnen Verkehrenden.
8) (Dagegen) darf (wie P. Leo I. verordnet) ein jüngerer Mann,
der im Falle einer Krankheit unter die Büssenden sich eingereiht hat,
wenn er genesen ist, zu seiner früheren Frau zurückkehren; ebenso
eine Frau. Alles aber hänge von der Entscheidung des Bischofs ab.
fnige- 9) Die Freigelassenen der Kirche müssen jedem neuen Bischöfe
•"■«»«•ihre Freilassungsscheine vorzeigen, ebenso deren Kinder, und das Ver-
sprechen ihres Obsequium erneuern. Thun sie das nicht in Jahresfrist,
so erlöschen ihre Freiheitsbriefe.
10) Die Kinder dieser Freigelassenen sollen an der Kirche, die
sie ernährt, und nicht auswärts, den Unterricht erhalten.
11) Personen, die kein Klagrecht haben, sollen zur Anklage nicht
zugelassen werden, ausser es handle sich um ein Verbrechen gegen
den König.
12) Wenn Jemand zum Feinde übergeht, so soll er längere Busse
Tnnitcuf formatianem suscepti hominis — solus tarnen accepit hominem in sin-
gularitate personae.
'; sub precarian n^miine debeat professionem acriöere, Ducange s. v, Prt-
curia. — Walter, Kirchenreclit, §. 2iO.
§. 2. Die sechste Synode von Toledo. 123
erhalten; ist er reuig und flieht er zu der Kirche, so möge die Für-
bitte derselben ihm zu Gute kommen.
13) Achtung gebührt den höhern Palastbeamten. Die p*-
14) Die Getreuen des Königs sollen von seinem Nachfolger nicht faattn.
geschädigt werden (Kanon 6. der vorigen Synode).
15) Was Könige oder Andere der Kirche geschenkt haben, das
darf ihr nicht entzogen werden.
16) Die Kinder eines verstorbenen Königs dürfen nicht in ihrem Der
Besize oder ihren Würden beeinträchtigt werden. Diese Rücksicht und
diesen Dank schulden wir dem König Chintila.
17) Es wird aufs Neue verboten, zu Lebzeiten des Königs Plane
für die Nachfolge in der Regierung zu schmieden.
18) Der Kanon 75. der Synode von 633 wird neu eingeschärft.
19) Gott sei Dank und Ehre, dem Könige sei Heil und lange
Regierung.
Es unterschreiben die 5 Metropoliten, dann der älteste Bischof uoter-
Conantius von Palentia, hierauf Leudefred von Corduba, im Ganzen •***^'*
43 Bischöfe, dann der Priester Gutisclus, Vertreter des Erzbischofs
Orontius von Emerita, 4 andere Priester und Diakonen als Vertreter
von Bischöfen, im Ganzen sind es 53 Unterschriften. — In der obigen
Sentenz zu Gunsten des Martianus unterschreibt Bischof Sesiddus von
Emporias gleich nach Conantius, hier aber nicht. Vielleicht erkrankte
oder starb er auf der Synode. Jene Sentenz trägt nur 41 Unterschrif-
ten, was sich vielleicht daraus erklärt, dass sich am 9. Januar noch
nicht alle Bischöfe eingefunden hatten (vielleicht auch einige nicht
unterschrieben, weil sie an dem Gerichte gegen Martianus theil-
genommen).
Die Sentenz über Martianus findet sich nicht in den eigentlichen Die Ae-
Acten der Synode. In keinem der 9 Codices, nach denen Fr. Ant. g°^jjj|[
Gonzalez die spanischen Synoden (1821) herausgab, findet sie sich,
darum auch in keiner Concilienausgabe, mit Ausnahme der neuesten
von Tejada (1859). Als Florez den zehnten Band des „heiligen Spa-
niens" und das Bisthum Astigi herausgab (1753), kannte er dieses
Decret noch nicht. Man fand es einige Jahre später in Leon, und es
ist (mit andern Actenstücken) dem fünfzehnten Bande dieses Werkes
vorangeschickt, welcher 1759 erschien. Bischof Martianus war vorher
nicht bekannt; weder er noch Habentius ist unter den Bischöfen unsrer
Synode unterzeichnet^).
•) Agilirre, Coric. Hisp. II, ol2-'521. — ed, Catalani, 175ii, ITI, 407 -^
419. — Harduin, lll, 602^610. — Mansi, X\ 639-^674, — Ed, Labbe-Colet,
VI, 1490—1502. — Florez, VI, 174^184. — Bruns, /, 249. - Tejada y Ramiro,
II, 325-^349. — A. Helfferich, Westgothenrecht, 82—84.
124 Achtes Bucb. Achtes Kapitel.
§. 3. Die siebente Synode von Toledo.
König Chintila starb im Jahre 640 und sein Sohn Tulga, ein
Jüngling, folgte ihm in der liegierung ^). lim beseitigte Chindastciiüh;
Tulga erhielt die Tonsur und das Mönchsgewand und konnte darum
nach der Anschauung jener Zeit nicht mehr König sein und werden'-*)
(l>42). Mit strenger Hand schlug Chindaswinth jeden Widerstand nieder;
an 200 adelige Gothen und 500 aus dem Mittelstande sollen mit dem Tode
gestraft worden sein. Andere wurden verbannt, die Güter der Ge-
straften eingezogen, und diese, ja selbst deren Frauen und Töchter,
den Getreuen des Königs geschenkt. Viele wanderten aus, welche mit
fremder Hilfe zurückzukehren drohten. Zum Theil, um die von dieser
Seite drohende Gefahr abzuwenden, und den Frieden im Innern zu
befestigen, berief Chindaswinth die siebente Synode von Toledo,
18. October 64G. Nur G Canones oder Decrete weist die Synode auf.
Voransteht als erstes Kapitel eine lange Auseinandersezung über die
Lage des Reiches.
>\o Bi- 1) „Tyrannen und Flüchtlinge" haben sich in grosser Zahl ins
Lud dM Ausland begeben, zur Schm'alerung des gothischen Namens, zur bestän-
*•>«*»• digen Arbeit für das Heer der Gothen (das an den Grenzen wacht).
Darunter sind auch viele Geistliche. Wenn ein Kleriker vom höchsteu
bis zum niedrigsten Grade von jezt an in das Ausland zieht, zum
Schaden und in Feindschaft gegen den König und das Volk der Go-
then, wer ein Mitschuldiger der Flüchtlinge ist, der geht seines kirch-
lichen llanges verlustig, und ein Anderer tritt sogleich an seine Stelle.
Der Schuldige soll bis zum Lebensende Busse thun, und dann erst
soll er die Gemeinschaft der Kirche wieder erhalten. Selbst der Köuiü;
kann Niemand veranlassen, die Ausschliessung aufzuheben. Auch kann
er den Schuldigen nur den zwanzigsten Theil ihres Vermögens
zurückgeben.
Nimmt aber ein Kleriker (und dieses geht wohl die Anhiinger dts
Chindaswinth an) zu Lebzeiten des Königs Pailei lur einen Thron-
bewerber, und dieser siegt, so wird auch dieser, Bischof oder Kleriker,
bis zu seinem Tode ausgeschlossen. Tritt der König hindernd dazwi-
schen , so tritt die Excouimunication sogleich nach dessen Tode wiedtr
ein. — Laien, die im Auslande gegen Spanien agitiren, trefic Güter-
cinziehung und Excouimunication, wenn nicht die Bischöfe beim Kr»nij^e
lur sie Fürbitte einlegen. Wenn Jemand gegen den König schmäht
') Cavanüks, I,p. 229. — Lmnhke, I, 96, — Ilclfferich, Wcst^othenrcclit,
S. 79-86.
') Nach Cavanülc^ starb er am 10. Mai 012,
§. 4. Die siebente Synode von Toledo, 646. 125
oder conspirirt, den überlassen wir der Milde des Fürsten, nicht aber
die Kleriker und Laien, die im Aaslande sich gegen das Vaterland
verschworen.
2) Wenn ein Priester bei der Messe vor der Consecration er-
krankt, so kann ein Bischof oder Priester, wenn er nüchtern ist, die
Messe fortsezen.
3) Wenn bei dem Tode eines Bischofs — nach der Verordnung zarKir-
der Synode von Valencia ^) — der zur Beerdigimg geladene Bischof »ueht
nicht kommt, so soll dieser auf Klagen bei der Synode oder dem Me-
tropoliten auf ein Jahr snspeudirt werden. Die hiebei säumigen Priester
aber sollen ein Jahr lang in einem Kloster Busse thun.
4) Auf Klagen der Pfarrpriester in Galicien wird den dortigen
Bischöfen verboten, die Pfarrkirchen^) mit unnöthigen Lasten zu be-
schweren. Die Bischöfe dürfen nur zwei Solidi von jeder Kirche jähr-
lich erheben, gemäss der Synode von Bracara^; die Klosterkirchen
bleiben ganz frei. Der Bischof, welcher die Kirchen visitirt, darf die-
selben mit seinem Gefolge nicht überbürden^), auch nicht länger als
einen Tag an einem Orte bleiben.
5) Kecluse kann nur der sein, der tadellos vorher in dem Kloster *^'""
gelebt hat. Eigenmächtige Rcclusen sollen von den Bischöfen in
Klöster gebracht werden, sowohl die Reclusen als die umherschwei-
fenden Mönche. Die umherschweifenden Mönche sind ganz aufzuheben,
Reclusen aber dürfen nur aus den Klöstern hervorgehen.
6) Aus Elu'furcht vor dem Fürsten, um den Siz des Königs zu Die w-
ehren, und zum Tröste des Metropoliten der Hauptstadt sollen die in '^?^
0 K.-G. 2. 1, S. 453.
^) parochitanas ecdesias.
') K..G. 2, 1, S. 463.
^) Alle Codices des Ant Gonzalez lesen: nee unquam quinquagenarium
nv/merum evectionis excedat, attt amplius quam una die per unamqtujvmque ba-
silicam remorandi lieentiam habeat Leztcrcs ist troz der feblcrhaften Constni-
ction ganz dentlich. An Ersterm aber sind, da es eine schwierige Stelle ist, sammt-
liche Erklärer vorübergegangen. Ant. Gromalez schlägt vor, zu lesen: quinatium
numenim, und scheint die Stelle von dem Gefolge des Bischofs zn verstehen, das
5 Personen nicht überschreiten solle. Es kommt aber auf die Bedentang des Wor-
tes: evectio an, welches in dem Register zu Isidor's Werken nicht steht Bedentet
es equis oder equitaturis nach Ducange, so wäre der Sinn, dass der Bischof nur in
einer Begleitung von 50 Pferden oder Gefährten kommen dürfe, was überraschend viel
wäre. In dem Leben des Bartholomäus a Martyribus, Erzbischof von Braga, kom-
men manche An- und Nachklänge an diese galicischcn Zn- und Missstände vor. Florez
übersezt: „quc no sean onerosos en la Comitiva'^ , und lässt die Zahl (50) ganz aus;
Tejada folgt dem Ani. Gonzalez und übersezt: „no debiendo esceder su comitiva
de 50 (5) personas*'.
126 Achtes Bach. Achtes Kapitel.
der Nahe von Toledo wohnenden Bischöfe, wenn eme Einladung des
Metropoliten an sie ergangen ist, jährlich einen Monat in Toledo woh-
nen, jedoch nicht zur Zeit der Ernte oder der Weinlese*).
(41) Es unterschrieben die 4 Metropoliten: Orontius von Emerita,
jnter- Autouius von ScviUa, Eugenius (der jüngere) von Toledo, Protasius
von Tarraco. Es fallt auf, dass dieser, der doch schon 638 Metropo-
lit war, an lezter Stelle steht. Allein Florez stellt neben die Ausgabe
des Loaysa, welcher die spanischen Concilien (1593) zuerst herausgab,
und wenigstens erwählter Erzbischof von Toledo war, die Lesarten,
d. i. den Wortlaut verschiedener Handschriften, deren Reihenfolge ist:
Orontius, Protasius, Antonius, Eugenius. Es folgen die Unterschriften
von 26 Bischöfen. Eilf Priester, Aebte und Diakonen waren Stellver-
treter abwesender Bischöfe. Im Ganzen stehen bei Florez 41 Unter-
Bcrifteu, eben so viele bei Anton Gonzalez (und Tejada), nur dass
Lezterer den Protasius von Tarraco an vierter Stelle sezt^).
§. 4. Die achte Synode von Toledo.
Konig Chindaswinth nahm auf die Aufforderung des Bischofs
Braulio von Saragossa, der sich an ihn wandte, seinen Sohn Reces-
füinth zum Mitregenten an^). Dieser Einladung entsprach Chindas-
winth sehr gerne; er widmete den Rest seines Lebens Bussübungen
') Wir fiuden diese Verordnung frappant, fast ausschliesslich „spanisch''.
Auf der Synode zu Trient haben die Spanier am meisten für die „göttliche
Pflicht der Residenz der Bischöfe" geeifert, was ihnen zur Ehre gereicht. Wozu
die menschliche Natur, und darum auch die der Bischöfe, hinneigt, das wird
hier befohlen. Erstaunlich viele Bischöfe starben in Lissabon, in Madrid, in Paris,
in Wien, in Ofen -Pest, in Venedig, in Neapel, in Avignon (1316—1368), in Rom.
Aus Paris und andern Hauptstädten wurden die Bischöfe wiederholt sich zu ent-
fernen eingeladen. Wir glauben, dass nicht bloss die benachbarten, sondern auch
die fernem Bischöfe sich gern in Toledo aufgehalten haben.
') Gare. Loaisa, Colectio Condliorum Hispaniae, Miür, 1593, p. 402—415.
- S, Aguirre, II, 522-^528. — Äguirre-Catalani, III, 419-^427. — Harduin,
III, 619-626. — CoUect. ConciL Labhi- Veneta, VI, 1691—1602. — Mansi, X,
763—774. — Bruns, I, 259. — Ferreras-Baumgartm, II, 381—384. — Florez,
VI, 185'-189. — Tefada y Ramiro, II, 360—360.
*) Der Brief des Braulio hat die Ueberschrift: Braulio et Eutropius, die
.Bischöfe mit den Priestern, den Diakonen, und dem ihnen anvertrauten gläubigen
Volke, sowie (dem Statthalter?) Celsus: Ad tuam pietateni recurrere decre7nv^us
et in viia t\ui, et te benevalente servum tuuin dominum Recesvintum, daminum
nobis et regem deposcimus, vt cuius aetatis est, et belligerare, et bellorum sndo-
rem sufferre, — et noster possit esse Dominus et defensor, et serenitatis vestrae
refectio etc. — Nam etsi incurrimus petitionis femeritatem, non vero insoUmtia
praesumtumis, sed, quam praemi^imus, cogitationis necessitate. Florez -Bisco
t 30, p. 373-374.
§. 4. Die achte Synode von Toledo, 653. 127
und den Werken der Barmherzigkeit, und er starb, an neunzig Jahre
alt im Jahre 652^).
Bald berief Receswinth die Bischöfe sowohl als die Grossen des synod«
aaa VOQ TD*
Reichs zu der achten Synode von 'Toledo, die am 16. December 653,3^066«.
eröffnet wurde, im fünften Jahre des Königs Receswinth, welcher im
Jahre 649 Mitregent wurde.
Die Bischöfe sind : y^serenisaimo jussu^ regis, die der Synode von
646 waren „ob (regis) votum*^ versammelt. Aber mit Sehnsucht haben
sie diesen Tag herbeigewünscht. Der König kam in die Versammlung^
empfahl sich den Gebeten der Bischöfe, dankte ihnen, dass'sie auf
seinen Befehl sich versammelt hätten, und hielt eine längere Ansprache«
Er überreichte ihnen einen Tomus, in dem er zuerst seine Rechtgläu-
bigkeit versichert. Dann schlägt er vor, die frühem strengen Erlasse
gegen die Verschwörer und deren Mitschuldige gegen König und Reich
zu mildern, denn die Zeiten waren jezt weniger gefährlich, und dass
sie den Zeitverhältnissen entsprechende Beschlüsse fassen, in Ueber*
einstimmung mit den Grossen des Reichs. Da Gott alle Häresieen
aus dem Lande entfernt, seien nur die Juden übrig geblieben, von
denen viele, obgleich getauft, dennoch abgefallen. Ueber die Behand-
lung der Juden überhaupt mögen ihm die Bischöfe ihre Vorschläge
machen. Unter 12 Absäze brachte die Synode ihre Verhandlungen, is De-
Sie sprach zuerst den orthodoxen Glauben aus, womach der heilige ^'*^^
Geist vom Vater und vom Sohne zugleich ausgeht. In der zweiten
Disputation handelte man von den Verbrechern gegen den König und
das Land. Es traten grosse Differenzen der Ansichten hervor. Man
suchte eine Ausgleichung zwischen den geschwomen Eiden (sie strenge
zu behandeln) und der Nachsicht^ man führte die Stellen vieler Kirchen-
lehrer an, die zur Milde riethen, und mit besonderm Lobe den heiligen
Isidor^); die Bischöfe ziehen es vor, ein „Anathema Christo zu sein^
für ihre Brüder, als bei grausamen Strafen zu verharren.
3) Die Simonisten werden mit dem Anathem, mit Ausschliessung
und mit beständiger Busse bedroht.
4) Den Bischöfen wird im Falle unerlaubten Verkehrs mit Frauens-
personen mit Absezung und Verlust ihrer Würde gedroht.
5) Ebenso sollen fehlende Priester, die sich nicht bessern, zeit-
lebens in Kiöster verwiesen werden.
*) Chronologia regum Oothorum^ 29, — Isidor Pacensia cap, 15. •— Fre-
degar c. 82, — Nach Cavanüles starb er den 30. November 653, S. 230-231. —
Lembke, p, Qß-^yg, und Edfferich, p. 86.
^) nostri quoque saectUi doctor egregius, Ecclesiae catJiolicae novissimum
decus, praecedentibus aetate postremus, doctrinae comparatione non infimus,
et qood muiuB est in saeealomm fine doettoslniiiSy atque cum reverentia nomi-
nandus Isidorus (Hinweisung auf die Sententiae und Synonyma),
128 Aohtes Bach. Achtes Kapitel.
6) Subdiakonen dürfen nach Empfang ihrer Weihen nicht mehr
heirathen. Auch sie sollen im Falle des Widerstandes bestandige
Busse thun.
7) Ebensowenig Jene, welche in Gefahr oder aus Furcht die
Weihen nahmen.
8) Die Unwissenheit der Geistlichen wird beklagt.
9) Ebenso die Verlezung des Fastens verboten. Alte und Kranke
müssen sich dispensiren lassen.
10) Stirbt der König, so wird sein Nachfolger (in Toledo oder
am Orte des Ablebens) mit Zustimmung der Bischöfe und der Grossen
des Palastes gewählt; er muss das Reich gegen Irrlehrer und gegen die
Juden schüzen.
11) Die allgemeinen Decrete der Synoden dürfen nicht vcrlezt
werden bei Strafe der Ausschliessung.
12) In Betreff der Juden sollen die Beschlüsse der Synode von
633 aufrecht erhalten werden.
Statt der gewöhnlichen Unterschritten heisst es: Dieser Synode
wohnten an: Orontius von Emerita, Antouius von Sevilla, Eugenius
von Toledo, Potamius von Bracara, Gabinius von Calahorra, im Ganzen
52 Erzbischöfe und Bischöfe, 13 Achte, 1 1 Stellvertreter von Bischöfen,
3 Herzoge, 14 Grafen. Der Synode sind zwei Decrete angehängt,
welche den Nachlass des Königs betreffen, das eine ist „Decreium ju-
dicii universalis^ j im Namen des Königs erlassen. In einem andern
Decrete will der König sich selbst und seinen Nachfolgern gegen un-
gcrcclite Erpressungen und Confiscationen einen Damm sezen. Es wird
ein Unterschied statuirt zwischen den königlichen Gütern und dem
Privatvermögen jedes Königs '). Als weiterer Anhang findet sich eine
Erklärung der Juden vom Jahre G54, worin sie dem clu-istlichen Glau-
ben treu bleiben zu wollen versprechen.
§. 5. Die neunte Synode von Toledo
am 2. November 655 war ein Provinzialconcil von 16 Bischöfen der
Carthaginensischen Provinz. Die Bischöfe sind durch „Ediert der
kanonischen Bestimuinng", d. h. wohl auf den Ituf des Metropoliten id
der Kirche „der heiligen allzeit jungfniulichen Maria" versaniniolt.
Die Synode dauerte bis zum 24. (oder auch 28.) November. Es
' ') IjoavfUj 416—417, ■— AguirrCt II,r)38—ool. — Aguirre-Catalani^ Uly
435-475. — Ilarduin, 111,952-072. — FaHL Conc, iMÖheo-Ventta, VII.
409-4/0. — Mansi, X, 1206-1230. — Dmns, J, 265. - Ferreras, p. 393-
398. - Florez, VI, 189—195. — Tejnda y Ramiro, II, 361-395. — IIc/cIa.', III,
91-92. ^-IlelJI'crich, Wcfttgotbcnrechf, S. 81.
§. 4. Die neante Synode von Toledo. 129
i^urde beschlossen, die VerordDangen der neuem Synoden den alten
Kanonensammlungen beizufügen. Damit aber die Beschlüsse der Bi-
schöfe um so leichter Eingang fänden, so wollten die hier Versammel-
ten sich selbst durch eine Anzahl von Decreten binden,
1) Die Bischöfe und Kirchendiener sollen sich aus dem Kirchen- Synode
gute Nichts aneignen. Die Erben der Stifter können die Fehlenden "' ^^
beim Bischöfe anzeigen, und ist dieser säumig, bei dem Metropoliten.
2) Die Erbauer von Kirchen sollen för deren Erhaltung sorgen
und den Bischöfen geeignete Rectoren derselben (zur Weihe) vor-
schlagen, oder der Bischof sezt sie mit ihrer Einwilligung ein, die er
unter Strafe der Ungiltigkeit seiner Wahl nicht umgehen darf.
3) Giebt ein Bischof , oder Diener (minister) Jemand zur Belohn-
ung Etwas von dem Kirchengute, so muss in einer Urkunde der
Grund angegeben werden, sonst ist die Urkunde ungiltig.
4) Wenn Bischöfe oder Verwalter von Kirchen wenig eigenes
Vermögen besizen, so sollen sie das, was sie zur Zeit ihrer Verwalt-
ung erwerben, ihrer Kirche verschreiben. Haben sie ein Inventar ihres
Vermögens, so soll nach Verhältniss ihres Vermögens zu ihren kirch-
lichen Einkünften zwischen der Kirche und ihren Erben getheilt werden.
Ueber Geschenke kann nach Belieben verfögt werden. Liegt keine
Verfügung vor, so erbt die Kirche.
5) Will ein Bischof ein Kloster stiften, so darf er darauf nur
den fünfzigsten Theil des Kirchenvermögens verwenden, tur eine Kirche
nur den hundertsten Theil; doch darf er nur entweder eine Kirche oder
ein Kloster stiften.
6) Das Drittel des Kirchenvermögens, das dem Bischöfe zukommt
(für Kirchenreparaturen), kann er entweder för die Kirche, von der er
es bezieht, oder für eine andere verwenden.
7) Die Erben eines Bischofs dürfen sein Vermögen nicht ohne
Willen des Metropoliten einziehen, die Erben eines Metropoliten nicht
ohne Willen des Nachfolgers oder des Concils^ die Erben anderer
Geistlichen nicht ohne Willen des Bischofs.
8) Hat ein Geistlicher über einen Theil des Kirchenvermögens
unrechtmässig veifugt, so beginnt die dreissigjährige Verjährungsfrist
erst mit der Zeit seines Todes.
9) Der Bischof, der dem verstorbenen Bischof die Exequien hält^
und sein Vermögen aufnimmt, darf für seine Mühe nur ein Pfund
Gold erbalten, wenn die Kirche reich, ist sie arm, ein halbes Pfund.
Der Metropolit erhält Nichts.
10) Kinder, die aus der Verbindung eines Klerikers, vom Bischof
bis zum Subdiakon — mit einer Magd oder einer Freigcbonien ent-
sprossen sind, sollen ihre Eltern nicht beerben, vielmehr Eigentham
Oami, BpAn. Kirche. IL 2. Q
130 Achtes Budi. Achtes Kapitel.
(Sclavcn) der betreffenden Kirche bleiben; die Eltern werden kanoniscii
bestraft.
11) Kirchensclaven sollen, bevor sie Kleriker werden, vom Bi-
schöfe freigelassen nnd nach Verdienst zu höheren Würden beßirdert
werden. Wer aber in Gesinnung und Wandel ein Sclave bleibt, soll
in die Sclaverei zurückkehren.
12) Will ein Bischof Kirchensclaven freilassen, so tritt die Frei-
lassung nicht mit Ausstellung der Urkunde, sondern mit seinem Tode ein.
13) Wegen der Excesse der Freigelassenen der Kirche, deren
Uebermuth so schmerzlich ist, wird verordnet, dass sieh dieselben nicht
mit freigebornen Hörnern oder Gothen verheirathcn. Ihre Kinder wird
die Kirche nicht als Freie anerkennen.
14) Geschieht es dennoch, so dürfen die Kinder dem Schuzrecht
(obsequium) der Kirche sich nicht entziehen^ sonst verlieren sie die
Güter, die sie von der Kirche erworben.
15) Die Freigelassenen der Kirche und ihre Nachkommen sollen
ihrer Kirche gern zu Diensten sein.
16) Sie und ihre Nachkommen sollen von dem, was sie von der
Kirclie haben, Nichts an Fremde verkaufen. Wollen sie verkaufen, so
mögen sie es dem Bischöfe zum Kaufe anbieten. Wollen sie aber
ihren Kindern oder Verwandten, die entweder Sclaven oder Freigelas-
sene der Kirche sind, von dem Ihi-igen verkaufen oder verschenken,
so steht es ihnen frei«
17) Die getauHen Juden sollen an den Hauptfesten der Christen
und der Juden an dem Gottesdienste der Bischöfe theilnchmen. Wer
es unterlässt, soll nach seinem Alter mit Schlägen oder mit Fasten
büssen.
Bis zum nächsten 1. November sollen sich die Bischöfe wieder
zum Concil einfinden. Zugegen waren bei diesem Concile: Eugen von
Toledo, Tajo von Saragossa, der nicht zu dieser Provinz gchr»iie,
darum ehrenhalber zuerst angeführt ist, Maurellus von Urgel, die
übrigen 13 waren Suffragane Eugen's, 8 Achte, darunter Ildefons von
Toledo, der Vicar eines Bischofs, vier Palastbeamte.')
•) Loaysa, 477— 4S7. — Affuirre, If, 673-579. — Aguirrc-Catalani, IW
145-'162,-^IIardiiin, HI, 972^97S. - FaUL lAiJbheo-Vtneta, Vlh 466-172.
— Man^i, XI, 23-32. — Bruns, /, 291. — hWreras, ;>. 400-402. - Fforez,
VI, 195-199. - Tejada y liamiro, 11, 396-406. — A. Ileffferich, 87.
§. 5. Die zehnte Synode von Toledo. 131
§. 5. Die zehnte Synode von Toledo
trat am 1. Deccmber 656 zusammen, und gilt als Nationalconcil, war
aber als solches schwach besucht. Die Bischöfe sind nach dem from-
men Wunsche des Königs und nach alter Gewohnheit zusammenge-
kommen und sind über folgende Sazungen übereingekommen.
1) In Spanien findet wohl Gleichheit in der Feier der Feste des Marü
Herrn, aber nicht des Festes der Verkündigung Maria statt. Wegen ^'*'«"^*»'
der Fasten und wegen Ostern muss diess Fest oft verschoben werden.
Seine Feier wird für ganz Spanien auf den 18. December verlegt,
Weihnachten werde, wie bisher, 8 Tage später gefeiert
2) Wenn ein Kleriker oder Keligiose seinen Eid gegen K5nig
und Vaterland verlezt, so soll er Amt und Würde verlieren, niu* der
König kann ihm vergeben.
3) Kein Bischof darf seine Verwandten oder Günstlinge über
Klöster oder Pfarrkirchen sezen.
4) Eine Wittwe, welche das Kleid der Religiosin genommen, muss
schriftliche Profess machen, dass sie in Keuschheit leben wolle (zu
einer zweiten Ehe nicht schreite). Zum Zeichen ihres Gelöbnisses
trage sie ein purpurnes oder schwarzes Tuch auf dem Haupte.
5) Alle Frauenspersonen, die das Gelübde der Keuschheit abge-
legt, müssen darin verharren. Sie müssen ihre Gelübde schriftlich ab-
legen, und ihr Haupt mit dem Pallium bedecken.
6) Haben die Eltern einem Kinde die Tonsur oder das religiöse
Kleid geben lassen, oder die Kinder aus sich es angenommen, und
haben die Eltern nicht widersprochen, so bleibt die Verpflichtung*).
Kinder über 10 Jahren sind an die Einwilligung ihrer Eltern nicht
gebunden.
7) Es geschieht, dass Geistliche, Leviten und Katholiken über-
haupt, Christensclaven an Juden oder Heiden verkaufen. Diess wird
strenge verboten unter ausführlicher Motivirung der Gründe*).
Während dieser Synode übersandte der Metropolit Potamius von
Braga (auf den sich vielleicht der Kanon 4 der Synode von 653 be-
zieht) das schriftliche Bekenntniss seines Falles. In geheimer Sizung
vorgeladen, gestand er, dass er sich fleischlich versündigt und darum
seit neun Monaten sein Amt niedergelegt habe. Wegen seiner Reue
traf ihn nicht die volle Strenge der Canones (besonders Kanon 4 der
Synode von Valence von 374); er verlor seine Würde nicht (wohl aber
') Seidl, Gottverlobung von Rindern, 1871, l. c. p. 30-31.
') Damit verp^leiche man, was Agobard von Lyon über den Handel der Ju-
den mit Christensclaven berichtet.
9*
132 Achtes Bach. Achtes Kapitel.
sein Amt), und sollte bestandige Busse thun. Der heilige Fructuomts,
Bischof von Dumium, wurde sein Nachfolger, und über diesen Wechsel
konnte sich die Kirche von Bracara nicht betriiben.
Der Synode wurden femer die beiden Testamente des Bischofs
Martin von Braga und des jüngst verstorbenen Bischofs Kecimir von
Dumium vorgelegt Kecimir hatte zum Schaden des Kirchengutes den
Armen zu viel vermacht und zu viele Sclaven als frei erklärt. Darum
beschränkte die Synode sein Testament«
Der Synode wohnten an: Eugen von Toledo, Fugitivus von Se-
villa und Fructuosus von Braga, nebstdem 17 Bischöfe aus verschie-
denen Provinzen und 5 Stellvertreter von Bischöfen^).
§. 6.
Bateni. Justus vou Tolcdo Starb im Anfange des Jahres 636, und schon
Yon im Februar war ihm Eugenius gefolgt. Auch er hatte in dem Kloster
'ö^«*»- Agli gelebt. Er war ein Schüler des Helladius^ und Helladins nahm
ihn, als er Erzbischof wurde, als Begleiter mit sich. Eugen war von
ernstem Wesen, von würdevoller äusserer Haltung, und von vielen
Geistesgaben. Den Lauf, den Stand, das Zu- und Abnehmen des
Mondes kannte er so genau, dass seine Erklärungen hierüber die nörer
in Erstaunen sezten und zugleich ihr Wissen forderten. Er lebte in
seinem Pontificate an eilf Jahre (636 — 647) unter den Königen Chin-
tila, Tulga und Chindaswinth^).
Mit Ausnahme eines Briefes an Isidor von Sevilla, den wir nur
aus der Antwort des Lezteru kennen, wissen wir Nichts, was Eugen
geschrieben hätte.
Bogen Eugen II. (III.) stammte aus Toledo, und war von frühester Ju-
n. gend zum Dienste dieser Kirche bestimmt. Nach vollkommnerem Leben
strebend, floh er heimlich nach Saragossa, widmete sich dem Mönchs-
leben, ganz dem Dienste der heiligen Märtyrer und dem Studium der
himmlischen Weisheit. Bischof Braulio wählte ihn zu seinem Archi-
diakon und hatte ihn stets um sich ^). Ja krank und leidend übertniir
er ihm fast alle seine Geschäfte, so dass Eugen mehrere Jahre das
Bisthum leitete. Als Eugen I. von Toledo gestorben war, berief
') Loaysa, 489—506. — Aguirre, II, 579-588.— AguirreCatalani, 1\\
153-^163. - Harduin, III, 978-^986. - Mansi, XI, 579-^622.
•) Hdefons, de viria illuatr. cp, 13.
^ Epistolae Braiulionis.
Engen 11. 133
König Chindaswinth ihn als dessen Nachfolger. Vergebens bemühte
sich Braulio beim Könige, dass er ihm erbalten bleibe. Aber durch
des Königs Gewalt wurde er nach Toledo zurückgeführt und zum
Bischöfe cingesezt. Er war von schwächlichem Körperbau, aber stark
im Geiste, dem Studium eifrig ergeben; „die durch die schlimmsten
Missbräuche verdorbenen Gesänge der Kirche stellte er nach der kirch-
lichen Melodie wieder her, die Feier der kirchlichen Officien ordnete
er in neuer Weise"*).
Er schrieb über die heiligste Trinität ein Buch, klar und durch» ßc^ru-
sichtig dem Inhalte nach, lieblich in der Darstellung, ;, welches nach^°,^'J'
Libyen und in den Orient geschickt worden wäre, wenn nicht das
stürmische Meer es verhindert hätte. ^ Es ist uns nicht erhalten. Er
>
schrieb femer zwei Bücher, das eine in verschiedenen Metren der ge*
bundenen, das andere in mannigfaltiger ungebundener Rede, die sein
Andenken bei Vielen verewigen konnten. Auch diess Werk ist nicht
ganz auf uns gekommen^). — Die Schrift des christlichen Dichters
Dracontius, dessen Heimath wir nicht kennen, über die Weltschöpfung,
wird zuerst von Isidor von Sevilla erwähnt^). Er kannte das Werk,
und auch dem Könige Receswinth war es bekannt. Weil dasselbe
durch die Abschreiber sehr verstümmelt und vielfach unverständlich
war, so arbeitete es Eugen auf den Wunsch des Königs Chindaswinth
um, hinwegnehmend, ändernd, so dass es aus seiner künstlerischen
Hand schöner hervorging, als es aus der Hand seines Verfassers her-
vorgegangen war. Weil aber Dracontius den siebenten Tag der Schöpf-
ung übergangen hatte, so fügte Eugen in wenigen Versen eine Zusam-
menfassung der sechs Tage, und über den siebenten Tag eine gelun-
genene Ausführung hinzu. In dieser Form ist uns die Schrift des
Dracontius erhalten. Im Jahre 1619 gab Sirmond zuerst diese Schrift
heraus. Bis zum Jahre 1782 zählte F. Arevalo 13 Ausgaben des Dra-
contius. In diesem Jahre Hess sie Fr. Lorenzana, Erzbischof von To-
ledo, unter den von ihm gesammelten Werken*) der „Väter von
Toledo^ erscheinen. Dem Gedichte geht voran ein Brief an Chindas-
*) Cantus pes»imis tisibtis vitiatos mdodiae cognitione carrexit, offi"
ciorum omissos ordines curamqiie discrevit
') scripsit et duos libellos, unum diver^i caitninis metro, alium diversi
operis prosa concreios, qui ad mülforum inditstria/m, ejus ex hoc tenaciter san-
ctam valuerunt commendare memoriam. Aus diesen Worten kann man den Inhalt
des Werkes nicht ersehen, das vielleicht eine Darstellung: seiner körperlichen und
geistigen Leiden und Kämpfe war. Auch LorcnzHna, der Herausgeber seiner Werke,
berührt die Frage nach dem Inhalte nicht.
*) Isidor. de viris illustr., cp, 37.
*) 8. S. Patrum Toletantyrum quotquot extant opera, nunc primum simul
edita, ad Codices M, S. S. recoffnita, nonmdlis notis illustrata atque in duos
tomos (fol.) distrilmta, opera, auctoritate et expensis Francisci de Tjorenzana^
134 Achtes Bach. Adites Kapitel.
winth, x^deD höchsten und grössten der Könige^, auf ,^des8en Befehl
er die Bücher eines gewissen Dracontius verbessert hat'^ Er hat den
hehren Befehl des Königs zwar nicht, wie er wollte, aber doch, wie
er es vermochte, vollzogen. Das Werk, wie es vorliegt, besteht aus
zwei Büchern, das erste enthält das Werk der sechs Tage, das zweite
ist gerichtet an einen Fürsten, worin er u. a. um Verzeihnng bittet,
dass er in dieser Schrifl über die Triumphe desselben geschwiegen habe.
Hierauf gibt Lorenzana aus dem einzigen ihm vorliegenden Codex *)
verschiedene andere Gedichte, die er keineswegs alle als acht betrach-
tet, wenn sie auch in seinem Codex sämmtlich unter dem Namen
Eugen^s stehen. E^s sind kleinere Gedichte des verschiedensten In-
halts, bald gelungen, bald misslungen, u. a. eine Gnibschrift fiir König
Chindaswinth. Daran schliesst sich das Fragment eines Hymnus auf
Dionysius den Areopagiten , dessen Schüler Eugen I. von Toledo ge-
wesen sein soll. Alexander Natalis, der zwar die Predigt des Jaco-
bus in Spanien leugnete, der aber als i)Htriotisclier Franzose an Dio-
nysius als Apostelschüler, und an dessen Schüler Eugen von Toledo
festhielt, theilt unter dem Namen unsers Eugen's einen Hymnus auf
Eugen I. mit, den er dem Menardus entnahm'*). Was hätte einem
Toletaner erwünschter sein können, als die Aechtheit dieses Hymnus,
d. h. das Zeugniss für die Existenz eines ersten Eugenius durch einen
Eugenius aus dem siebenten Jahrhundert?^) — Aber Ijorenzana gibt
der Wahrheit die Ehre; in dem Toletaner Codex findet sich von jenem
Hymnus keine Spur*).
Unter den Briefen Braulio's hat sich auch ciuer von Kunri>iiin>
an Braulio gefunden, worin er Lezieren um Kath i'ragt, l'orner üim*
Antwort auf einen Brief des Bischofs Protaj>ius von Tarraco, der in
den Jahren 637 und 646 erwälint wird, aber wahrscheinlich mK-li
Matriti, t, /, 178ii. — Opuscula Kagmii, p. 19- 03. — Voran stehen Gedichte
verechiedeDen Inhalts, wahrscheinlich das erste Buch der Schrift, deren Inhalt Ildefoiis
näher nicht bezeichnet (u. a. über verschiedene Kirchen in Saragossa, ein In'dicht
über seine Kränklichkeit, über das Herannahen daa (Trcisenalters, über «lic Kür/.o
dieses Lebens, verschiedene Grabschriften für sich si-Ibst, auf den Tod der Goiuuli-
lin des Königs Chindaswinth u. s. w.). Florez ist im Irrthuuie, wenn er moinr,
das Werk sei dem Könige llcccswiutli gewidmet, da der Codex Victorinus, dessen
sich Sirmond bediente, den Namen Chindaswinth deutlich trägt.
') Codex de Azagra.
') Naial. Alexaiider, historia eccles., Saeculum I, disHcrtat. 16.
•) Menardus: disseriat. de unico Diovysio adversus iMumnum (Laumnj],
Paris 1643, Dagegen: Franc. Pafft, annales — dissertat de ^S. Diouffs. Paris,
episcopo» Auch in der Ausgabe unsers Eugen durch Sirmond fehlt dieser llyninui(.
^) in Codice de Azagra, ex quo rrndta plura, quam tSirmondu^, edimii'i
epigrammaia, nee volain nee vestigiam illiu^ (hymni) repcriri. Der Ihninns
scheint aus einem französischen Brevier des spätem Mittelalters zu stammen.
Eugen IL 135
ISuigere Zeit lebte, da sein (wohl nicht unmittelbarer) Nachfolger erst
680 erscheint; endlich ein Brief Tajo's an Engen IIL (II.) ^),
Dass der Dichter Dracontius mehr als das Hexaemeron ge- Der
schrieben, war unbekannt. Kurze Zeit aber nach der Ausgabe der J^****«**^
Werke Eugen's durch Lorenzana fand F. Arevalo, in Rom mit der uiu.
neuen Ausgabe der christlichen Dichter beschäftigt, unter den Werken
Augustinus in der Vaticana einen Codex, aus dem er sah, dass man,
von Isidor von Sevilla an, in dem sogenannten Hexaemeron nur einen
kleinem Theil des grossem, aus drei Theilen bestehenden ,yCarmen de
Deo"^ des Dracontius gekannt hatte. Das bisherige Hexaemeron ent-
hält nur Vers 116 — 755 des „Carmen de Deo^; lezteres enthält dazu
Vers 1 — 116 des ersten und das ganze zweite (mit 808) und dritte
Buch (mit 628 Versen). Aus einer andern Handschrift ersah er ferner,
dass das bisherige zweite Buch, Brief oder „Elegia'^ an Kaiser Theo-
tlosius IL vielmehr ein Schreiben an den Vandalenkönig Gunthar war,
und dass Dracontius im Gefängnisse (wie Boetius) sowohl sein Ge-
dicht, als seine y,iSatisf actio, Kechtfertignng'' an den Vandalenkönig
Gunthar verfasste. Gunthar war (nach Arevalo) dieselbe Person mit
Gunthcrich, und Halbbruder des Königs Genserich, der um 427 — 428
das Leben verlor*^). Der Brief an Gunthar steht mit dem Gedichte
selbst in keinem Zusammenhange^).
§. 8.
Ildefons ward zu Toledo um das Jahr 607 geboren und tratiidofow
l'riihe als Mönch in das berühmte Kloster Agli (monaster. Agaliense)^
aus dem fast alle gefeierten Männer Toledo's im siebenten Jahrhundert
hervorgingen. Er entfloh seinem Vater, der zornentbrannt zum Kloster
ihn verfolgte, aber schon hatten die schiizenden Mauern des Klosters
den Heiligen aufgenommen. Der Vater drang ein, aber das Versteck
seines Sohnes entdeckte er nicht. Sofort umgab er sich mit einer be-
') Engeii's opiMCuf^i stehen (aus Lorenzana) ap, Migne^ Patr. lat, t. 87. —
cf, d:ui letzte (11.) Kapitel des Ildefons — da viris illustr. über Eugen. — Nicol,
Antonio, hihlioth. vctus llispanaf cf, V, 5, §. 252. — cd. Per. Bayer, p. S79—
382. — Flor<^, t. V, 254-257, cf. p. 462. Nach Flm^ez war Eugen Bischof vom
Ilerhste 64ß bis 13. November (>r>7, während man sonst annimmt, dass er erst 617
zur Regierung kam. — cf. I/orenzana, jrrologus in cjiin opvscida. — Christ. Fei.
Baehr, Christ, römisclie Literatur, die christlichen Dichter, 1,S3(>.
'; Dagegen Fei. Dahn, die Könige der Vandalen, 18*>1, S. 119. — Wie-
tcrsheim, die Völkerwanderung, Bd. IV, 1H(U, S. 280.
') Dracontii po'i'tae — carmina, recenstät Faust. Arevalo, qui prolego-
niena, varias lerfione.% perpetnnsque notas udjccit, Hwnae 1791. 4^ (in der
.Samnilung der christlielien Dichter), AureL Prudcniius 1788, Juvencus 1791,
Stdidius 1794. Roinae 1788—1794, von demselben F. Arevalo,
136 Achtes Bnch. Achtes Kapitel.
-waffiieten Schaar, und mit gezücktem Schwerte drang er in das Kloster;
als er aber seinen Sohn nicht fand, kehrte er in sein Haus zurück,
und beweinte ihn wie einen Verlorenen. Viele Jahre weilte Ildefons
in Agli; er gründete auch ein Kloster für Jungfrauen in der Nähe der
Stadt, und stattete es aus eigenem Vermögen aus. Abt (rector) seines
Klosters geworden, hielt er die Mönche in strenger Zucht, und hob
auch das Vermögen seines Stiftes«
Nach dem Tode Eugen's II. wurde er durch den König mit Ge-
walt zum Erzbischofe cingesezt, in dem neunten Jahre des Königs
Receswinth, und er regierte seine Kirche 9 Jahre und 2 Monate.
Florez rechnet seine Regierung vom Anfang des Decembers 657 bis
23. Januar 667.
g^,,(. Nach dem Zeugnisse seines Nachfolgers Julianus verfasste er sehr
«o det viele Schriften, die wichtigsten davon in blühender Darstellung, und er
' selbst theilte sie in folgender Weise ein. Der erste Theil enthält die
y^Proaopopeja^i oder die Schrift über seine eigene Schwachheit, das
kleine Werk über die Jungfräulichkeit der Bcligsten Jungfrau gegen
drei Ungläubige. Diese Schrift ist zunächst gegen die Irrlehren des
Jovinian, Helvidius (und die Juden) gerichtet. — Dieselbe erfreute
sich stets eines hohen Ansehens in der Kirche, und zeigt uns den hei-
. ligen Ildefons als innigen Verehrer der seligsten Jungfrau, für deren
Ehre und Würde er erglühte. Ferner schrieb er (nach Julianus) ein
Werkchen über die Eigenthümlichkeiten der Personen des Vaters, des
Sohnes und des heiligen Geistes; eine Schrift: „Bemerkungen über die
täglichen Verrichtungen*'; ein Buch über die Erkenntnis« der Taufe;
ein anderes „Bemerkungen über heilige Dinge**; über den Fortschritt
der geistigen Einsamkeit.
Im zweiten Theile fand sich ein Buch der Briefe, die, an Ver-
schiedene gerichtet, manchmal räthselhaft über gewisse Personen tsich
aussprechen, unter diesen Briefen sind auch die Antworten anderer. —
Der dritte Theil enthielt Messen , Hymnen und Predigten. — Ein vier-
ter Theil bestand aus Prosa und Versen, darunter Epitaphien, und
einige Sinngedichte. Noch vieles Andere schrieb er, was er, durch
Geschätle verhindert, zum Theil erst angefangen, zum Theil halb voll-
endet liegen lassen musste.
Wir besizen nur zwei grössere Schriften des Ildefons. l^er
Schrift über die seligste Jungfrau schickt er ein „Gebet und ein Be-
kenntnisse' voran. Er verbreitet sich über das Geheimniss der Mensch-
werdung und die Gottheit Christi. Eine andere Abhandlung über den-
selben Gegenstand wird mehrfach dem Abte Ilatbert von Corvei beigelegt ')
') Liber contra eos, qui disputant de perpetua virginitate 8, Mariae et
de gu8 parturitione.
Schriften des DdefoDS. 137
id ist wohl nur wegen Verwandtschaft des Inhalts nnter des Ildefons'
;hriften gekommen.
Was Julian ein Buch über die Erkenntniss der Taufe nennt, das i;eb«r
id die uns erhaltenen zwei Bücher: Anmerkungen über die Erkennt- ^^^^
88 der Taufe und über den Weg durch die Wüste, auf dem man
ich der Taufe wandelt^), welche Schrift eine Art Einleitung zur
enntniss der christlichen Glaubens- und Sittenlehre ist. Der auf die
Eiufe sich vorbereitende und der schon getaufte Christ sollte hier alles
1 seiner Unterweisung Nothige finden. Dass wir in dieser Schrift die
mdert Jahre frühere Schrift des Justinian von Valencia (über die
iufe Christi) besizen, das hat Helfferich mit starken Gründen wahr-
heinlich zu machen gewusst, und ich neige mich zu dieser Ansicht
n'). Stephan Baluzius fand das Werk unter dem Namen des Ilde-
ns, und gab es zuerst heraus. Lorenzana hatte keine neue Hand-
hrift, sondern gab die Schrift nach Baluz heraus.^ Am Ende der
orrede zum ersten Buch sagt Ildefons, dass er nicht sein Eigenen,
»ndem die Lehren, die Aussprüche früherer Schriftsteller mittheile ^).
^eil diese Aussprüche meist wörtlich sind, so erklärt sich daraus
ich die Ungleichheit des Styles, welche uns in dem Werke begegnet.
3 wie es vorliegt, ist das erste Buch in 142, das zweite in 91 Ka*
tel abgetheilt, und nach meiner Ansicht eine der interessantesten
3hriften jener Zeit. Leider, dass die spanischen Schriftsteller es so
^rne unterliessen , die Quellen zu citiren, aus denen sie schöpften.
Die Schrift des Ildefons' ,^de viris iUustribu^^ steht gewöhnhch
9 Anhang hinter der gleichnamigen Isidor's. Sie besteht aus 14 Ka-
teln, und behandelt die Bischöfe von Toledo, auch wenn sie nicht
:;hriftsteller sind. Es sind genannt Papst Gregor I., Asturius und
!ontanu8, die Bischöfe von Toledo, Donatus der Mönch, (5) Anra-
as von Toledo, Joannes von Saragossa, Helladius von Toledo, Justus
)n Toledo, Isidor von Sevilla, (10) Nonnitus von Gerunda, 11) Co-
') libri dtw adnotationum de cognitione Baptismi et de itinere deserti quo
rgitur post baptismum.
^ Helfferich, der westgoth. Arianismns, 1860. S. 41—19.
*) Steph. Baluzii Misceüanea, Lib. VI, Paris. 1738.
^) non nostris novitcUibus incognita praponentes, sed antiqtioruni monita
l intelligentiae reserantes, vel memoriae adnotarUes, Ob quam rem tittdum
)eris huius annotationum de cognitione baptismi decreinmtis inscribendum;
an werde sich also, meint Lorenzana, nicht wandern dürfen, wenn die einzelnen
beile der Schrift oft einen andern als den Styl des Ildefons verrathen. Als Quellen
mnt Lorenzana den Augostinas, Gregor, Isidor. Er habe, so viel es ihm möglich
swesen, diese Quellen aufgesucht und nachgewiesen. Da aber von den Schriften
!B Justinian Nichts erhalten war und ist, so konnte er aus denselben auch keine
uszflge des Ildefons nachweisen. Die vielen Auszüge aus Augustinus können
ich in der Schrift des Justinian enthalten gewesen sein.
138 Achtes Blieb. Achtes Kapitel.
nautius von Palentia, 12) Braulio von Saragossa, Eugen I. und Engen II.
(13 ei 14) von Toledo.
CoDan. Conantius hat nach Manrila, welcher 589 erscheint, den Siz dt.s
tln« Ton ...
v^aientu Bisthunis von Paleutia innegehabt, ein hervorragender Manu, von sel-
tener Bcredtsamkeit, sehr eitrig und gewandt in Handhabung der
kirchlichen OfBcien. Er selbst hat viele neue Melodieen des Gesani;»»
herausgegeben. Er hat auch ein Buch der Orationen Tiber die Eigtrn-
heit aller Psalmen geschrieben'). Er starb unter dem Konige Chintila
(638 oder 639)«).
§. 9. Synode von Emerita.
In die lezte Zeit des Königs Iteceswinth fallt die einzige uns er-
haltene Synode von Emerita, die eiuzige uns erhaltene Synode; dtr
Lnsitanischen Provinz. Am 6. November 666 versammelte der Metro-
polit Proßdus von Emerita seine sämmtlichen 11 Suflragune um
sich. Sie Sassen in der Kirche des heiligen Jerusalem, in der Mtrlro-
pole der Provinz. Die Versammelten danken Gott, dessen Gnade und
Geschenk sie es verdanken, dass sie vereinigt sind, dami sagen !>it
Dank dem gnädigsten Könige Receswinth, sie wünschen ihm Sieg und
langes Leben. Und weil er itir das Weltliche äusserst besorgt i>t
und auch die kirchlichen Angelegenheiten recht zu leiten verlangt, sv
wünschen sie ihm hiezu die Hilfe der göttlichen Gnade, die dencD
nahe ist, welche sie suchen.
1) Zuerst sprechen die Väter den orthodoxen Glauben aus. Dann
wenden sie sich ausschliesslich den Gegenständen des Gottesdiensio,
der Kirchenzucht und der Kirclienregicrung zu, wie mau es von eim:
kirchlichen Synode voraussezt.
2) Auch in dieser Provinz soll, wie in andern Kirchen, an Fest-
tagen Abends, wenn das Licht angezündet ist, die Vesi)er vor dtui
„sonum*^ gesungen werden (der sonns ist der Psalm: venife /f#/ort/«Kv
der von dem Tone, in dem er gesungen wurde, sonutf [hier sunuin
hiess^. Wer in Zukunft dagegen fehlt, wenn es zur Anzeige bei dtUi
Metroi)oliten kommt, den wird die Excommuuication treuen.
') MehdioH soni multas rnwiter edidiL Orationum quoque libcllnw d'.
omniuvi dccenter amacripsit propriate. psalmorum.
') C,y. Mayaivs, Vida de aan lidefonso. V(Uencia 1727. — Nicolaiut An
tonio, V, cp, 6, p. 388—410. — Fahricitui, bibUolh. lat., t. Hl, 2^^. — xUf.i
tSanciorumy 2.'i. Januar. — Hein. Caiilicr, les aatenrs sacres (twri.sif. vdith',
t. XL Paris 1862, p. 773-776. - Fhrcz, Bsp. s., F, p. 2Ü7—273 '(rrorr,
cdicion. Madrid 185U). — Patres Toh'tani, /, 90-4-11, wo uuch die cutsctiiodr".
uniichteu Werke Btchcn, z. 15. de partu virginis, sermones dubii, Corona H. M
Virginia, contimiatio chronicorum II. Isidori.
§. 9. Synode von Emerita. 139
3) Wenn der König gegen seine Feinde auszieht, so soll jeden
Tag das heilige Opfer fiir den König und seine Getreuen Gott dar-
gebracht werden, um Erhaltung und um Sieg, bis der König zu seiner
liesidenz zuriickkelui. Wer hierin säumig ist, der wisse, dass ihn die
Excommunication seines Metropoliten treffen wird.
4) Wenn der Metropolit als Bischof ordinirt wird, so soll er
seinen Sufitaganen geloben, dass er keusch, nüchtern und rechtschaffen
leben werde. Ebenso sollen die Bischöfe bei ihrer Weihe es ihrem
Metropoliten geloben*).
5) Ist ein Concil nach dem Willen des Metropoliten und auf
Befehl des Königs'^) ausgeschrieben, so sollen alle Bischöfe erscheinen.
Ist Jemand verhindert, zu erscheinen, sei es, dass er krank ist oder'
vom König einen Auftrag erhalten hat, der soll eigenhändig bei dem
Metropoliten sich entschuldigen, damit die Wahrheit seiner Aussage
nachher geprüft werden kann. Als seinen Stellvertreter^) darf er nur
seinen Erzpriester oder, wenn auch dieser vorhindert ist, einen geeig-
neten Presbyter*) senden. Wir finden es unpassend, wenn ein Bischof
seinen Diakon sendet; denn dieser, der jünger ist als die Priester^ darf
mit den Bischöfen in keiner Weise im Concile sizen. Der stellver-
tretende Priester muss eine schriftliche und besiegelte Instruction haben,
damit der Bischof, der ihn gesendet, im Falle einer Anklage (warum
er nicht gekommen) einen Vertheidiger habe.
6) Dem Metropoliten gebührt nach der Ordnung der Synoden der
Primat der Ehrfurcht von Seite seiner Suffragane. Hat also ein Bischof
von demselben die Ermahnung erhalten, die Feste der Geburt Christi
und Ostern mit ilim zu feiern, so soll er unweigerlich sich einstellen.
Hält ihn Krankheit oder schlechtes Wetter zurück, so muss er eine
mit eigener Hand geschriebene Epistel senden, in der er sich entschul-
digt. Ist er aber gesund und verschmäht es, zu kommen, so wird er
der Excommunication wohl nicht entgehen^),
7) Nach alter Regel sei jährlich ein Concil, zu dem alle Suffra-
gane erscheinen sollen (was auch nicht ohne Willen des Königs ge-
schieht)*). Wer nicht erscheint auf den lluf des Metropoliten und den
*) Es hcisst: placitum in nomine suormn pruvincialium episcoporumfuciat,
und wieder : placitum faciant in nomine epuscopi sni metropolitani. Es ist diese
ein Provinziniismus. Die obige Ucberscznng ist nicht wörtlich, aber sie allein
scheint den Sinn wiederzugeben. Das Wort: placitum hat mannigfaltige Bedeutun-
gen, hier wohl die von Gelöbniss.
') Concilium per metropolitani voluntatem et rcgiam jiissionem electum
fuerit agere.
■) ad »uam tarnen personam — ist auch ein harter Provinzialismus.
*) presbyterum utileni,
^) absque excommunicatione dimittendus non erit.
*) quae res non extra regiam agitur voluntatem.
140 Achtes Bncfa. Achtes Kapitel.
Befehl des Königs, den erklären die alten Canones als ausgeschlossen
bis zu der Zeit des nächsten Concils. Der also gestrafte Bisehof soll
die Zeit seiner Ausschliessung dort zubringen, wohin ihn der Metro-
polit und das Concil verweist« Sein Haus und Eigenthum wird in der
Zwischenzeit vom Metropoliten beaufsichtigt, damit, wenn er heimkehrt,
er das Seinige in gutem Stande finde.
8) Wohl Allen ist bekannt, wie die Gnade Gottes, welcher das
Herz unsers erhabensten Herrn und Fürsten, des Königs RecesicintJi,
in seiner Hand hält, und es leitet, wohin er will, auf Anregen des
heiligsten Mannes, des Bischofs Orontius seligen Andenkens, den Geist
des Königs zur Milde (pietatem) neigt«, so dass er die Grenzen dieser
Provinz Lusitanien mit ihren Bischöfen und ihren Bezirken nach den
Aussprüchen der alten Canones dieser Provinz und diesem Metropoli-
tansize wieder gegeben hat. (Die Bisthümer Lamego^ Viseo, Idanha
und Coimbra sind gemeint.) Da wir nun durch die Gnade des Herrn
auf Befehl des Königs zu diesem Concil zusammengetreten sind, hat
einer von uns, mit Namen Sclua, Bischof der heiligen Kirche von
Egiditana, an die heilige Synode desswegen appellirt, weil Justus,
Bischof von Salmantica, die ihm gebührende Diöcese (theilweise)
zurückbehalte. Der Metropolit soll Inspectoron absenden, die den Streit
entscheiden. In Zukunft sollen alle Bischöfe genau darüber wachen,
dass ihnen nicht andere Bischöfe einen Theil ihrer Diöcesen entziehen;
denn nach dreissig Jahren ist die Verjährung des Besizes eingetreten.
9) Wer im Auftrage des Bischofs das Chrisma austheilt, darf
daftir Nichts fordern von den Presbytern. Auch dürfen die Priester tnr
die Taufe von den Eltern Nichts verlangen, unter Strafe dreimonatlicher
Ausschliessung. Freiwillige Geschenke aber dürfen angenommen werden.
10) Jeder Bischof habe an seiner Kirche einen Erzpriester, einen
Erzdiakon und einen Primicerius. Diese „grosse" Synode warnt die
BetreflFenden vor Ungehorsam und Uebcrhebung.
11) Die Priester, Aebte und Diakonen müssen dem Bischöfe die
schuldige Ehre erweisen, und wenn er sein Bisthum visitirt, ihn würdig
empfangen, und ihm leisten, was er bedarf. Ohne seine Erlaubniss
darf keiner weltliche Geschäfte und Aemter übernehmen.
12) Der Bischof kann nach Bedarf die Priester und Diakonen
der Pfarreien an seine Kathedrale berufen. Sie erhalten von ihm, was
er ihnen gibt, und behalten nach Abzug der Kosten für ihre Stellver-
treter die Einkünfte ihrer Pfründen.
13) Ein Bischof kann tüchtige Kleriker besonders aus den Ein-
künften der Kirche belohnen, und sie ihnen wieder entziehen.
14) Was in der Kathedrale an Festen nach der Gewohnheit und
lür die Communion (pro mercede communicationis tempore) gegeben
wird, soll dem Bischöfe übergeben werden, der einen Theil behalten
§. 9. Synode von £merita 666. 141
möge; den zweiten erhalten die an der Kirche dienenden Presbyter und
Diakonen, den dritten die Subdiakonen und Kleriker, und der Primi-
cerius habe die Vertheilung. So geschehe es auch an den Pfarrkirchen.
15) Wenn die Milde des Königs zum Wohle des Volkes ihre
Geseze erlassen hat^), so muss nach diesem Vorbilde auch die Kirche
sich richten. Die Bischöfe sollen darum ihren Zorn zügeln, sollen
nicht die Sclaven der Kirche wegen eines Vergehens verstümmeln
lassen. Die Richter in der Stadt sollen vielmehr die Sache unter-
suchen, und die Bischöfe sollen im Strafen Milde walten lassen. Ein-
zelne Priester haben im Falle der Krankheit Sclaven beschuldigt, dass
sie ihnen diess angethan haben (maleßdum sibi fecisse), und sie ge-
quält. In solchem Falle wende sich der Priester an seinen Bischof,
welcher entscheiden soll. Wer dagegen handelt, werde aus dem Klerus
ausgestossen.
16) Kein Bischof darf von einer Pfarrkirche den dritten Theil
ihrer Einkünfte wegnehmen. Was ihn trifft, das verwende er ganz £ur
die Reparaturen der Kirchen. Alle Priester, welche das Kirchenver-
mögen') in Händen haben, sollen dem Bischöfe versprechen^, dass
sie ihre Kirchen repariren lassen. Die Earchen, die kein Vermögen
haben ^), sollen auf Kosten des Bischofs reparirt werden.
17) Den verstorbenen Bischof sollen seine (frühem) Untergebenen
nicht schmähen.
18) Die Pfarrpriester sollen nach dem Stande des Kirchenver-
mögens geeignete Männer aus den Knechten der Kirche zu IQerikem
und zu ihren Gehilfen aufstellen, die von ihnen Nahrung und Kleidung
beziehen.
19) Haben mehrere arme Kirchen nur einen Pfarrer, so soll dieser
an Sonntagen in jeder Kirche celebriren. Die Namen der Stifter und
der Donatoren sollen unter der Messe am Altare verlesen werden.
20) Sind Kirchensclaven unter den vorgeschriebenen Bedingungen
freigelassen worden, so bleiben sie frei; im Gegentheile werden sie und
ihre Nachkommen wieder Sclaven. Die rechtmässig Freigelassenen
bleiben aber doch in dem Patrocinium der Kirche.
21) Hat ein Bischof seiner Kirche viel zugebracht und hinter-
lassen, so darf er seinen Angehörigen oder den von ihm Freigelassenen
aus dem Kirchengute den dritten Theil des von ihm Erworbenen
schenken; ebenso kann er Jemand für Dienste, die der Kirche geleistet
') Demnach war die GesezesBammlang des Receswinth (das forum judicum
oder fuero juzgo) im Jahre 66G schon erlassen.
•) virtutem — cf, Ducange s, h. v.
0 placitum faciant.
*) quae mtmdiales res mdlas haberU.
142 Achtes Buch. Achtes Kapitel.
worden, vom bew€glichou Vermögen ein Zehntel^), aus dem nnbe-
-weglichen nach seinem Ermessen geben. Kein späterer Bischof darf
diess zurücknehmen.
22) Obige Verordnungen müssen, so weit nicht schon eine beson-
dere Strafe gegen die Uebertreter gesezt ist, bei Strafe der Ausschliess-
ung gehalten werden.
23) Dank und Ehre sei Gott, Dank dem König Receswinth, der
nach der ihm verliehenen "Weisheit Weltliches wie Geistliches leitet
Unter- „Proficius, durch Gottes Erbarmen Mctropolitanbischof der Pro-
Khriftoii^j^2 Lusitanien (und) der heiligen Kirche von Emerita hat diese Syn-
odalverhandlungen, die er mit den ihm benachbarten Bischöfen gehal-
ten, mit seiner Iland unterschrieben.^ — Sclua, Bischof der Stadt Egi-
daua, welcher zu der Metropole von Emerita gehört, hat mit seinem
Erzbischofe Proficius die gefassten Beschlüsse unterzeichnet^). Adeo-
datusj in Christi Namen Bischof der heiligen Pacensischen^) Kirche,
gleichÜEdls. Ebenso unterschreibt Asphalius von Avila, Theoderich von
Lissabon. Es folgt Theodisclus, durch Gottes Erbarmen Bischof von
Lamego, Justus, durch Gottes Erbarmen Bischof von Salamancn, Gan-
taber, durch Gottes Gnade Bischof von Coimbra, Donatus, im Namen
Christi Bischof von Coria, Examus, durch Gottes Erbarmen Bischof
von Ossonova*), Petrus, durch Gottes Erbarmen Bischof von Elbom,
endlich Aloarius, Bischof der heiligen Kirche von Caliabria^).
Die Synode von Emerita fand keine Aufnahme in die Sammlung
des altspanischen Kirchenrechts, aus Gründen, die wir bei der Frage
nach dem Ursprünge dieser Sammlung besprechen. Von den neun
Codices, nach denen Anton Gonzalez die Sammlung der altspanischen
Canones herausgab, enthalten die beiden ältesten Codices, der C. AI-
veldcims und Aemüianensis, und einer der Codices im Escurial, dieses
Concil nicht; Gonzalez entnahm es aus dem Codex der köuiglicheo
Bibliothek; das Concil ist aber überall da, wo es steht, das lezte in
der ganzen Sammlung, also später als alle andern eingereiht, aber
lange vor der Zeit Innocenz' III. bekannt, in der aus Anlass des
Streites zwischen den Erzbisthümern Braga und Compostella, auf welch*
') de inohili re dedmum suum (asf)sequantur,
*) cum archiepiscopo meo Proficio — hier kommt das Wort: Erzhisohof
zuerst in Spanien vor.
') Es ist heute noch streitig, ob Paco in Portugal, oder Badajoz in Spanien
die eccles. Pa4iensi8 war; ich habe nie gezweifelt, dass es Face sei, denn Hadajuz
ist eine relativ junge Stadt, die erst nach dem Niedergange von Emerita sieh erhob.
*) Oxonovensis.
*) Aguirre, II, 625^639, — Aguine-CaMatih IV, I9S-2t8, — Hanluin.
III, 9U8-^t008. — lAihbt-Coleti, v'lf, ."SlI-iySG, — Mansi, XI, To^UXK -
Florez, XIII, 269^-266. - Dnins, II, 84. - Tejada y Ramiro, II, 703-720.
- IlefeU, III, 99-102,
§. 10. Synode von Emerita. 143
lezteres die Metropole von Emerita übertragen wurde, sich der Erz-
biscbof von Compostella darauf berief, während der von Braga ohne
Grund dessen Aechtheit bestritt.
Sehen wir auf den Gehalt und Werth dieses Concils, so sind wir
versucht, dasselbe den Concilicn vorzuziehen, welche zu Toledo seit.
636 gehalten wurden. Es ist praktischer und kirchlicher gehalten.
Was wir oben zum Lobe der zweiten Synode von Toledo sagtep, das
trifil in erhöhetem Maasse bei diesem Concile zu — es ist die auffal-
lend praktische Richtung seiner Beschlüsse , aus denen wir einen tiefem
Eipblick in das eigentlich kirchliche Leben jener Zeit und Kirchen-
provinz gewinnen. Der Metropolit Proficius tritt uns entgegen als ein
wahrer Kirchenfürst. Was wir oben zum Lobe der zweiten Synode
von Sevilla sagten*), das vnederholen wir bei dieser Synode; es war
eine wahrhafte Kirchenversammlung, anstandig, würdig, feierlich ge-
halten. An den Provinzialismen, die sich da und dort finden, stossen
wir uns nicht. Denn es ist nicht allzuschwer, überall den wahren
Sinn der Worte zu erforschen, was bei den erwähnten Synoden von
Toledo leider nicht der Fall ist. Leugnen aber wollen wir nichts dass
in der Person des Proficius ein stark, ein sehr stark ausgeprägtes
Metropolitanbcwusstsein uns entgegentritt, und dass uns scheint, Pro-
ficius habe zeigen wollen, dass man auch ausserhalb Toledo's und
ohne, vielleicht selbst gegen Toledo eine Synode in Spanien halten könne.
§. 10.
Denn es ist eine an sich sehr auffallende Erscheinung, dass vom
Jahre 633 — 056, und wieder von 675 — 701 so viele Concilien in Toledo
stattfanden, dass aber von 656 bis zum Tode des lleccswinth keine
Concilien — 17 Jahre lang — statthatten. Diejenigen, die nach
dem Grunde fragten, fanden ihn in der veränderten Stimmung und
Gesinnung des Königs Receswinth. Andere dagegen nehmen ihn nach
Kräften in Schuz, meinend, die Zeit der Unterbrechung der Concilien
sei nicht so gar lang, und die Zeit von 657 — 672 sei eben sehr un-
ruhig gewesen.
Dass er direct Synoden zu halten verboten habe, erscheint mirnieipi
nicht wahrscheinlich. Dagegen spricht die Synode vom Jahre 666, ^^^^ ^'
und die starke Selbstanklage der Bischöfe der Synode von 675, welche «-eswinth
das Unterbleiben der Concilien sich als Schuld anrechnen. Aber man
glaubte wohl, oder auch man wusste, dass der König die Abhaltung
der Concilien nicht mehr gern sehe; darum, um des „lieben Friedens**
«) K.-G. 2, 1, S. 4495 2, 2, S. 90.
144 Achtes Bnch. Achtes tCapitel. — §. 10. König Reoeswinth.
willen, und um die süsse Eintracht zwischen Staat und Kirche nicht
zu stören, unterliess man sie, und wartete man auf bessere Zeiten.
Die Verdienste aber, die sich sonst Receswinth um Spanien er-
warb (besonders gehört hieher die Sammlung der spanischen Geseze),
erschienen so gross, dass im Allgemeinen auch heute noch sein Name
mit einem Glorienschein umgeben ist, und man es vorzieht, seine
etwaigen Schwächen mit dem Mantel der Liebe zu bedecken.
Nach einer Regierung von 23 7^ Jahren starb Receswinth im
(äussern) Frieden, im Jahre 672. Dabei ist die Mitregentschafl vom
Jahre 649 eingerechnet^).
0 CcBoanUUs rechnet 23 Jahre (S. 231—236); Florez sagt, sein erstes Jahr
habe am 22. Januar 649 angefangen, und da er nach dem 22. Januar 672 gestorben
(am 1. September 672), so habe er 23 Jahre, 7 Monate und einige Tage regiert
(t. II, p. 186; t. VI, 269).
Neuntes Kapitel.
Die Bisehftfe BrauHo und TiOo von Saragossa. 8. Aeml-
lian TOD Cogolla und Froetnosos von Braga. — Der Abt
Yalerins.
§. 1.
Braulio folgte im Jahre 631 seinem Brnder Johannes, dessen Braniio
Archidiakon er gewesen, in der Regierung des Bisthams Saragossa^®™**"
nach. Er wohnte den Synoden von 633, 636 und 638 an; auf der
Synode von 646 zu erscheinen hinderte ihn wohl Alter und Krankheit.
Nach dem Tode Isidor's, dessen Freund wie Bewunderer er war, war*-^-*'
er einer der angesehensten Bischöfe Spaniens, ein geistiger Mittelpunkt,
um den sich andere sammelten. Sein Einfiuss war bei den Königen
wie bei den Bischöfen gleich gross. Wenn aber Spanier sagen, dass
der Brief, den er im Namen der Synode von 638 an Papst Honorius
schrieb, in Rom allgemeines Aufsehen gemacht habe, so fehlt es an
Beweisen hiefüi*, oder es war zwar eine Verwunderung, aber keine
Bewunderung. In den lezten Jahren seines Lebens klagt Braulio sehr
über den Verlust seiner Sehkraft, und ist geistig sehr herabgestimmt.
Er starb im Jahre 651, und wurde in der damaligen Kathedrale der
heiligen Maria (jezt N. S. Merced dd Pilar genannt) begraben, wo
man später auch sein Grab wieder fand.
Er schrieb das Leben des heiligen Bekenners Aemilian (mit dem LeiMn
Beinamen üuctdlatus, gewöhnlich heisst er S. MiUan de la Cogolla) j^^^^^-
des Stifters des nach ihm genannten Klosters (bei Turiasso), wel- lun.
eher im Jahre 564, mehr als hundertjährig, gestorben war, dessen
Name und Ruhm durch alle Zeiten lebt« Er widmet die Schrift seinem
Bruder {jgerraanu8\ dem Priester Fronimian, den er, nach spanischer
Sitte aller Zeiten, seinen Herrn nennt. Schon zu Lebzeiten des altem
Garns, apan. Kirche. U, 2. 10
146 Achtes Buch. Zehntes ELapitel.
Bruders Joannes habe er auf den Wunsch Beider nach den Notizen,
welche Abt Citonatus, Nachfolger des Aemilian, hinterlassen, femer
die Priester Sophronius und Gerontius, und die Nonne Potemia,
das ,,Leben des heiligen Aemilian^ geschrieben, aber sein Manuscript
sei verloren gegangen^). Da es aber unerwartet wieder gefundeD
worden, habe er die Schrift mehr ausgearbeitet, er habe ein kurzes
Buch über das Leben des Heiligen geschrieben, damit es bei der Fest-
feier desselben gelesen werden könnte. Auch einen Hymnus zu EhreD
des Heiligen in Jamben^) übersendet er. Eugen, damals sein Archi-
diacon, erhielt den Auftrag, dass an dem Gedächtnisse des Heiligen
„die gewohnliche Messe ^) (für Bekenner)" gefeiert werde. Aemilian
brachte nach seiner Bekehrung 40 Jahre in der Einöde zu. Bischof
Didymus von Turiasso übergab ihm die Kirche Vergegium, aus der
er wieder in die Einsamkeit zurückkehrte. Viele Wunder wurden durch
ihn vollbracht; er vertrieb Dämonen, blickte in die Zukunft. Nach
seinem Tode geschahen Wunder auf seine Fürbitte, selbst ein todtes
Mädchen wurde zum Leben auferweckt. (Das „Leben'' Aemilians ist
in 30 Kapitel getheilt, wovon sich die Mehrzahl mit dessen Wundem
beschäftigt. Demselben ist der Hymnus über den Heiligen beigefugt).
Es ist gewöhnliche Annahme, dass die Akten der Märtyrer von
Saragossa ein Werk des Braulio seien ^).
BHefe ^^^ ^^^ Briefen des Braulio waren früher nur einige, besonders
^^ jdfe an und von Isidor, bekannt. Es wurde aber eine (im Alterthum
/ nicht erwähnte) Sammlung der (44) Briefe Braulio's im vorigen Jahr-
/ fhundert in Leon aufgefunden, welche zuerst in Band 30 der von RUco
jÄrtgesezten „Espana sagrada^* des H. Florez erschienen. Obgleidi
/ hundert Jahre seitdem vergangen, sind diese Briefe doch bis jezt wenig
bekannt und verwerthet. Sie bilden einen schäzbaren Beitrag zur £r-
kenntniss Spaniens im Zeitalter der Westgothen. Isidor schreibt dein
Archidiacon Braulio, dass er ihn früher mündlich ersucht, ihm die
sechste Decade (ist wahrscheinlich die Erklärung der Psalmen 51 — 60)
der Werke des heiligen Augustinus zu senden. An dieses Verspre-
chen erinnert er ihn jezt schriftlich. Er sende ihm das Buch „5^-
Briefe owywia", wcil Cr es verlangt. — In einem zweiten Briefe wünscht
•DUidor QY ihn noch einmal zu sehen, „damit du mich, den du durch dein
von Se- 7 // /
Tiiu. Weggehen betrübt hast, durch dein Wiederkommen einmal wieder
erfreuest." Er übersendet ihm einen Quatemio von „Regeln" (eine
Sammlung von Monchsregeln?). In dem (3.) Briefe bittet Braulio um
^) plena pagina — negligentia administrantium mihi intercepia est.
') jambico senario metro,
') missa communis.
0 K..G. 1, 320—329.
§. K BranKo von Saragossa. 147
das Buch der „Etymologien^^, das, wie er hört, Isidor schon vollen-
det, und anf das er, als Veranlasser, den ersten Anspruch hat. Er
redet von einer Synode, in der über einen „Sintharius'' verhandelt
wurde. Es scheint, dass, als Isidor obigen Brief erhielt, er in Toledo
war; durch die Ungeschicklichkeit eines Bedienten ging ihm ein (der?)
Brief des Braulio verloren. — In einem langem Brief klagt Braulio,
dass er schon seit mehr als sechs Jahren um die Bücher der jfirigi-
n«*' (oder Etymologieen) gebeten, und sie unter verschiedenen Vor-
wänden nicht erhalten habe. Weil Eusebius, der Metropolit von Tar-
raco gestorben (f c. 632), so möge Isidor (für eine gute Wahl bei
dem Könige) intercediren.
Dieser Brief ist wohl im Jahre 632 geschrieben. Isidor antwor-
tet „dem Bischof^' Braulio, sein Brief habe ihn ui der Stadt Toledo
gefunden. Die Etymologieen hat er ihm auf der Reise gesandt. In
Betreff der Wahl des Bischofs von Tarraco hat er kein geneigtes Gehör
beim König gefunden, der indess noch keinen Entschluss gefasst (aber
bald darauf den uns sonst nicht bekannten Audax wählte). < — Der
siebente Brief scheint das Begleitschreiben zu sein, womit Isidor dem
Braulio auf dem Wege nach Toledo sein grosses Werk sandte. Er
lautet: „Meinem Herrn, dem Knechte Gottes Braulio Isidor.^' Siehe,
wie ich versprochen habe, sende ich dir das Werk über den Ursprung
(origine) gewisser Dinge, welches aus der Elrinnerung fiiiherer Leetüre
gesammelt und an gewissen Stellen mit Anmerkungen versehen ist, wie v
es denn gleichsam aus der Hand der Alten hervorgegangen ^). In Brief ' /
8 bedauert Isidor, dass er umsonst gehofft, den Braulio zu sehen,
welcher indess der vierten Synode von Toledo anwohnte. Damit
schliesst der Briefwechsel beider Männer, der in der Sammlung der .;
Briefe des Braulio vollständiger ist, als in der Isidor's.
Den Priester JactatuB verweist Braulio auf die Leetüre des Au- 'Bri«re
gustinus, des Hieronymus, des Hilarius. Demselben schreibt er wieder »« ver-
(tO) über die Noth der Zeiten, und er hofift, nach Ostern ihn bei sich den«,
zu sehen. Dem Priester Tajo, seinem Nachfolger, schreibt er (11)
einen schai*fen Brief, antwortend einem angeblich noch scharfem des
Tajo, und wirft ihm Hochmuth vor. In dem Briefe citirt er den
Horaz, Virgil, Ovid, Appius, Terenz, am Schlüsse aber bittet er ihn^
um Verzeihung, wenn er ihn (ohne sein Wissen) beleidigt *)• — Dem
::— »•
') misi opu8 de Origine guarumdam reruim, ex veteris lectionis recorda- ,
turne coUedum, atqae ita in qutbusdam lods adnotatum, sicut exstai eonacri-
ptum stylo majoTwn,
') Ecce, 8% ante tibi fuit motua, modo ait modus: et cui poiius placent
vina, quam verba, caveat vina, ne eum offendant verba. En dum urceum fingere
volo, ut ait Terentius, amphoram finxit mantts. Die MlBsverständnisse werden
sich gehoben haben.
10*
148 Achtes Bach. Neuntes KapiteL
Archidiacon Floridius antwortet (12) Braullo, dass ihm weder Zeit
noch Gelehrsamkeit zu Gebote stehe, seine Fragen zu beantworten.
Sonst musste er ein Buch schreiben. Es werde besser sein, wenn
Floridius selbst zu ihm komme. — Den Priester und Abt Fronimian
ermahnt Braulio, wegen vorgekommener Aergemisse sein Amt ja nicht
niederzulegen. Es erhellt nicht, ob dieser Fronimian der vorher er-
wähnte Bruder Braulio's war, an den auch der folgende (14) Brief^
eine Antwort auf liturgisehe Anfragen, gerichtet ist. Im 15. Briefe
tröstet er seine Schwester (Geschwisterkind?) Basilla über den Tod
eines (nicht genannten) Mannes, den beide Geschwister hochachteten.
Es folgt ein Trostschreiben an die Wittwe Apicella. Bei Bischof
Wiligildus (welcher in den Concilien jener Zeit nicht erscheint), ent-
schuldigt er sich, dass er einen Mönch seines Bisthums zum Diakon
geweiht habe, und bittet ihn (von welchem er raumlich weit entfernt
ist), dass er die von ihm vollzogenen Weihen anerkenne. Dasselbe
schrieb er dem Abte Aynlfus. Seiner Verwandten, der Aebtissin Pom-
ponia schreibt er einen Trostbrief über den Tod ihrer Schwester Ba-
silla« Ebenso ist der (19.) Brief an Hojo (Hoju?) und Eutrocia ein
Trostschreiben über den Tod des „Hugnan^% ihres Sohnes und Gatten').
Dieselben tröstet der folgende Brief.
Es folgt (21) der schon erwähnte Brief des Braulio an Papst
Honorius, wohl der wichtigste dieser Sanmilung (vrg. Elap. 12). Der
dem Braulio gewordene Auftrag, ihn zu schreiben, lässt vermuthen,
dass die Bischöfe ihn für den besten Schriftsteller in Spanien hielten.
p-— Da Isidor gestorben, Eugen IL und Ildefons noch nicht blühten, so
' scheint Braulio allerdings die hervorragendste Capacitat gewesen za
sein. Dem Bischof Eutropius (22) dankt er für seine Güte und Sorge
um ihn, und antwortet über die Feier des Osterfestes. Dem Bischoft
Unianimus dankt er für das ihm erwiesene Wohlwollen. Im Jahre 64u
erscheint ein Bischof Anianus von Valencia. Mit (24) Bischof Valen-
tinus theilt er dieselben Sorgen und Aengste. Die zwei Briefe (25 — 2b)
an und von Abt Aemilian, der sich in einer bedeutenden Stadt befand,
vielleicht in Toledo, zeigen, dass man damals in Spanien, wenigstens
im Norden, die Schrift des Apringius von Pace über die Offenbarum;
des Apostels Johannes nicht hatte*) In Brief (27) bittet er den Aemi-
lian um seinen Schuz, der vielleicht bei König Chindaswinth in An-
sehen stand. Den Laien Ataulf tröstet er über einen Trauerfall in
dessen Familie. Aehnlichen Inhalts ist der Brief an Gundesvinda und
Agivarius; i-boiiso tröstet er (30) den Wistremir über den Verlust eines
') Aber die Ueborschrift lautet jedesmal: domnis et filiis meis Uojoni ei
EtUrodae.
») K.-G. II, 1. S. 425.
§. ]. Braulio von Saragossa. 149
Sohnes. Den König Chindaswinth bittet er, ihm seinen Archidiacon Briefe
Eugenius nicht zu entreissen. Aber von Chindaswinth erhält er die feine ^J^**
Antwort, dass sein Brief von seiner Geisteskraft Zeugniss gebe, nnd
dass er auch ohne Eugenius leben könne. Noch einmal bittet Braulio,
dass der König den Eugenius zurücksende. Den Nebridius tröstet er
(34) über den Hingang seiner Gemahlin. Eugen 11. von Toledo be-
fragt ihn über drei schwierige Fälle der Kirchenzucht, und Braulio
antwortet ihm nicht ohne Besorgniss, das Richtige nicht getroffen zu
haben. — Die Bischöfe Braulio und Eutropius bitten (37) den König
Chindaswinth, seinen Sohn als Mitregenten anzunehmen. Braulio
schreibt dem König Receswinth über ein dichterisches Werk, das ihm
dieser zur Emendirung zugesandt. Der Brief des Receswinth ist
höflich und geistreich; er hofft, dass Braulio den durch Abschreiber
arg corrumpirten Codex wieder herstellen werde. Ein weiterer Brief
des Braulio begleitet den an Receswinth zurückgeschickten Codex, der
ausgebessert wurde , so gut es ging. "Wiederholt klagt Braulio in den
lezten Jahren seines Lebens über das schwindende Augenlicht. Es
folgt (39) ein höflicher, dankender Empfangsschein des Receswinth.
Wieder werden zwei Briefe über denselben Codex, wie es scheint, ge-
wechselt (40 — 41). Es folgt das Bruchstück eines Briefes, den der
Priester und Abt Tajo an Braulio schrieb (es fehlt der Anfang). Er
verlangt von Braulio eine Schrift über die Frage, ob nach der Aufer-
stehung des Herrn dessen Blut noch da und dort- vorhanden sei. Im
42. Briefe antwortet* Braulio auf diese offenbar allzu schwierige Frage
— mit grosser Höflichkeit gegen Tajo, den er nicht seineu Sohn,
sondern seinen Bruder nennt. Er gesteht, dass er nicht leisten könne,
was Tajo von ihm erwarte. Er behandelt die Frage, was bei Auf-
erstehung des Leibes auferstehen, was im Grabe bleiben werde.
Es folgt ein Brief des Fructuosus an Braulio und des lezteru ,
Antwort, wovon wir nachher handeln. In seiner Antwort zeigt Brau- i
lio seine ganze geistige Kraft*). ^
§. 2.
Dem Braulio folgte im Episcopate von Saragossa der mehrge-
nannte Tajo. Er erscheint als Bischof im Jahre 65^, 655 und 656.
Wie lange er die Kirche von Saragossa geleitet habe, das liegt im
Dunkeln. Sein Nachfolger erscheint erst im Jahre 683. — Sein Haupt-
werk, Sententiarmn L V,, war zwar im Jahre 823 in Gallien bekannt.
*) Espana sagrada, ed. Bisco, t 30—31, — Nicolam Antonio, I, 374—
37S. Felix de Latassa, Bibliotheca antigua de los e.scritores Aragoneses (ad 1500),
t, 1. Zaragoza 1796, p. 67—77.
150 Achtes Bach. Neuntes Kapitel.
1^ •■ in Spanien selbst aber wurde es erst im vorigen Jahrhundert im Kloster
8. Millan de la Cogclla neu entdeckt. Es ist gewidmet dem ehrwürdigen
Herrn und heiligsten Manne, dem Bischöfe Quiricus (von Barcelona)
von Tajo mit dem Zunamen Samuel, dem unwürdigen Bischöfe der
Stadt Saragossa, auf dessen Bitten er diese Schrift verfasst hat. Ein
gewisser Froja habe die Fahne der Emponing 9.gegen den orthodoxen
und grossen Diener Gottes Reccswinth^^ erhoben. Das wilde Volk der
Vasconen (Basken), wohnend in den Vorbergen der Pyrenäen, welches
plündernd und verheerend zuweilen Spanien durchwandere^ sei „die
Ursache dieses Verbrechens" gewesen. Sie haben überallhin Verheer-
ung und Mord getragen, und die Stadt Saragossa enge eingeschlossen.
In den Nächten ^) dieser so bedrängten Zeit hat Tajo seine „Sentenzen'*,
eine Blumenlese aus den Werken Gregorys, zu schreiben angefangen,
die er nun dem Quiricus widmet.
Aus derselben Quelle erfahren wir, dass das Heer des Froja von
Konig Receswinth am Ebro angegriffen und geschlagen wurde, und
dass Froja selbst umkam. Da nach dem Tode des Chindaswinth (ge-
storben 1. October 652, nach andern 30. September 653) Receswinth
ohne weitere Wahl die Regierung übernahm, se scheint Froja zu den
Basken entwichen zu sein, und dieser Einfall der Basken in das Jahr 652
oder 653 zu fallen. Dieses Gebirgsvolk war den Gothen niemals ganz
unterworfen.
smim- Die SenterUiarum l, V., sind theils aus Augustin, zumeist aas
*^^^ Gregor's Schriften entnommen. Im ersten Buche handelt er von Gott
Ton der von der Schöpfung, den Geschöpfen*), von der Vorsehung und Regier-
Tnniiät. ^jjg ^gj. ^^ji^. jm zweiten Buche von der Menschwerdung Gottes, von
der Kirche und der Regierung der Kirche, niimlich von den Aposteln
und deren Predigt. Während die Juden gegen die Kin^h^i wütheten,
zerstreuten sich die Apostel in allen Richtungen. Hier ist von Petrus
und Paulus, aber nur im Allgemeinen die Rede. Dass Paulus oder
dass Jacobus nach Spanien gekommen seien, wird nicht erwähnt; Tajo
hält sich an die Ausdrücke Gregor's I. Er handelt von den (4) Evan-
gelisten, von der Schrift des Alten und Neuen Testaments, von den
Anfangen der sich bildenden Kirche, von der Gnade der Taufe, von
der Communion (des Leibes und Blutes Christi), von der Berufung
9 cf. Isidor Pacensis chron. cp. 15, den Risco, L 32, p. 337 aus Roderic
Tolttan, II, 22 (histor. Oothor.) berichtigt. Das Jahr will auch Lembke nicht
bestimmen. S. 101.
*) noctium otia laborum spiritalium incrementis congessimus, ac de sacns
voluminibus, scüicet sancti papae Gregorii Romensis, sententiarum capitula in i
guinque libeUis discreia, uno Codicis textu conclusa, aitxiliante Domino colh-
gendo decerpsimtis, aJtqae in amaris diebus dulcium ciborum l4xcrymando dapft
coUegirnua,
§. 2. Tajo von Saragoesa. 151
der Völker, d. i. der Heiden, in die Kirche, von den Predigern,. ihrer 8e»t«B-
Predigt und ihrem Leben, von den göttlichen Geheimnissen oder ^^^^
Wundem, von den heiligen Märtyrern, von den Verfolgern der Mär-
tyrer, von den Änserwählten, die Alles verlassen, mid die mit Christas
(zum Gerichte) kommen, von den Erklärern der heiligen Schrift, von
dem stetigen Wachsthum der heiligen Kirche, von dem Glücke und
den Unfällen in dieser Welt, von den Kezern, von dem Glauben^ der
Hoffnung und der Liebe, von der Wahl der Seelenhirten u. s. V7. Es
folgen längere Auszüge aus Gregors Pastoralregel. Er handelt von
den (den Seelenhirten) Anvertrauten, von dem Verhalten der Cleriker,
von dem Wandel der Mönche.
Das di*itte Buch verbreitet sich, meistens nach Gregor, u. A. über
die fünf Weltalter, über die verschiedenen Lebensalter, die Verhei-
ratheten, die Jungfrauen und die Enthaltsamen, die jüngst Be^
kehrten oder Neophyten, spricht vom Fasten, der freiwilligen Ar-
muth, von dem stillen und thätigen Leben der Gott geheiligten
Männer, von den Auserwählten, von den göttlichen Gnadengaben,
von den vier Cardinal tugenden, dem thätigen und beschaulichen
Leben, vom Gebet, den sieben Gaben des heiligen Geistes, von ver-
schiedenen Tugenden, zulezt von der Gesundheit, der Krankheit, und
dem Tode des Leibes. — Das vierte Buch handelt u. a. von verschie-
denen Sünden, Versuchungen, Kämpfen gegen dieselben. — Das fünfte
Buch u. n. von den christlichen Fürsten, von verschiedenen Ständen,
von verschiedenen Eigenschaften und Fehlem, von den lezten Dingen,
dem Antichrist. Nur da, wo Gregor der Grosse nichts Entsprechen-
des enthielt, wurde Augustin (und wohl auch Isidor von Sevilla) zu
Hilfe genommen. Tajo will denjenigen, welche die grossem Werke
nicht zu Händen haben, eine gedrängte Uebersicht der christlichen
Glaubens- und Sittenlehre geben*).
Noch ist der Brief Tajo's an Engen H, vorhanden, worin er von
seinem römischen Aufenthalt handelt , die Verdienste Gregor's I. rühmt,
▼on der Zusammensezung seines Werkes aus den Schriften Gregor's
handelt; er übersendet ihm sein Werk, und bittet ihn, es wohlwollend
aufzunehmen. Die Vollendung dieser Schrift dürfte in die Jahre 654 —
655 fallen.
') Sententiarum L V, ed, Riseo, Eßpana sagrada, Madrid 1776, 4. 31,
p. 171—544. — Abgedrnckt ap. Migne, Pairol lat. t, 80, p, 724—990. — NicoL
Antonio, l. 6, cp. 7, ed. Perez Bayer, I, p. 422—428. — Latassa, biblioth. de los
escritores antiguos Aragoneses, Madr. 1796, t. /, p. 77-^4,
152 Achtes Buch. Nenntes Kapitel.
§. 3.
Qairicu Von dem Bischöfe QuiHcus von Barcelona besizen wir die Ant-
▼onBar- ^q^ auf die ihm übersendeten Sentenzen des Tajo. Diess Werk habe
schon viele vom lasciven Leben zaruckgeftihrt, viele vom Zorne ge-
heilty andere vom Eigendünkel befreit, einige habe es vom Fehler der
Gefrassigkeit geheilt, andere vom Geize znrückgefuhrt, alle aber habe
es belehrt, dass man das Flüchtige und Vergängliche verachten, das
Gewisse aber mid das Ewige mit aller Kraft suchen müsse. Zugleich
ersieht man aus dem Briefe, dass Tajo dem Qniricus sein Werk nur
geliehen hatte. — Ob das kurze Gedicht, das vor den Sentenzen steht,
das Werk Tajo's sei, bezweifeln wir. Vielleicht ist es eine Arbeit des
Bischofs Quiricus, der aus seinem schonen Hymnus zu Ehren der hei-
ligen Eulalia von Barcelona als Dichter bekannt ist — Auch an Ilde-
fons von Toledo, den er zu Toledo besucht hatte, besizen wir zwei
Briefe von Quiricus; im ersten dankt er für das Werk ^de virginitfUt
B* M. Fl", im zweiten bittet er ihn, dass er ihm seine weitem Werke
sende. Er erschien auf der Synode von Toledo im Jahre 656, war
aber lange vorher schon Bischof^). Sein gleichfalls gefeierter Nach-
folger Idalius scheint ihm um das Jahr 666 im Episcopate gefolgt
zu sein.
Prac. Der heilige Fructuosus war vielleicht der gefeiertste Ordt-iisstitUr
tootos Spaniens im siebenten Jahrhundert. „Gott bat (sagt sein Biograph) iu
dens- dieser Zeit zwei Sonnen gescbaflen, um diese Länder des Westens mit
Stifter, den Strahlen jener leuchtenden Wahrheit zu erheilen, die dem heiligen
apostolischen Stuhle entspringt: die eine Sonne, Isidor von Sevilla,
giesst durch seine Beredtsamkeit, seine Schriften, seine hohe Weisheit,
die Fülle des Lichtes der Glaubenswahrheiten aus, die von dem ober-
sten Lehrstuhle in Rom ausgeht; die andere ist Fructuosus, welcher in
der unversehrten Reinheit seines Lebens, durch das innere Feuer seiner
Betrachtungen, in unsere Herzen die Tugenden der ersten Väter der
Wüste eingicsst". Fructuosus war der Sohn eines gothischen Feld-
herm. Nach dem Tode seiner Eltern, nachdem er zu Palcncia seine
Studien beendigt, zog er sich in die einsame Gegend Galiciens zurück.
die er, fast noch ein Kind, sich auserwählt, erbaute und dotirte dort
ein Kloster {Compluto bei Astorga^)), zu dem sich bald eine grosse
•; K..G. 1, 311. - Fhrez, 29, 134-139, 439-^43.
*) Complutica, später Kloster der heiligen Justas und Pastor.
§. 4. Fructuosus als Ordonsstifter. 153
Menge von Mönchen sammelte. Er selbst floh in die verborgensten
Felsschluchten, um ganz vergessen zu werden. Um so mehr aber zog
er die Blicke aller auf sich, die Herzen aller an sich. Erstaunlich
gross waren die Schaaren derer, die um ihn sich sammelten, die unter
seiner Anleitung und Führung sich heiligen wollten^). Hier tritt uns
die wohlthuende Erscheinung entgegen, dass der Beruf zum Kloster-
leben um die Mitte des siebenten Jahrhunderts wieder mächtig hervor-
trat, während er zu der Zeit des Abtes Eutropius etwas nachgelassen
zu haben schien^). In kurzer Zeit musste Fructuosus eine Menge von
Klöstern stiften. Der Herzog (Statthalter) einer Provinz schrieb dem i>«Ein-
Könige, dass, wenn er diesem Andränge zu den Erlöstem nicht Schran- prootoo.
ken sezen würde, sich für den Waffendienst bald Niemand mehr finden '^^
werde. — Auch fromme Frauen verlangten, unter der Leitung des
Fructuosus, sich Gott zn heiligen. Ein Frauenkloster mit achtzig
Jungfrauen erblühte unter der Aebtissin Benedicta. Von der Provinz
Cantabrien im Norden, bis zu der Provinz Andalusien im Süden er-
streckte sich die gesegnete Wirksamkeit des Heiligen, besonders aber
waren die beiden Provinzen Galicien und Lusitanien der Schauplaz
seiner Thätigkeit. Es war in dem Manne Gottes eine mächtig, eine
unwiderstehlich anziehende Kraft, zugleich eine bezaubernde Liebe und
Lieblichkeit, die selbst die Thiere an ihn fesselte. — Es war (nach
meiner Ansicht) der vollendetste, der grösste Heilige, welchen Spa-
nien in diesem Jahrhunderte besass. Können wir ihn auch einen Be-
nedictiner im engern Sinne nicht nennen, so fällt doch die ausseror-
dentliche Aehnlichkeit seiner geistigen Entwicklung mit der des heili-
gen Bencdictus auf. Auch von ihm werden viele Wunder berichtet,
die sich theilweise auf eine wunderbare Herrschaft des Heiligen über
die Natur zurückführen lassen.
Von den Klöstern, deren Gründung auf ihn zurückgeführt wird, «tiftet
nennt der Bencdictiner Anton de Yepes: San Justo de Compludo, das^**^**'*
Stammkloster, San Pedro de Moiües (auch genannt Monasterio Rup(f)
ianensejy das Kloster M, Visuniense bei Villafranca, das Kloster üf.
Peonense in Galicien (vielleicht S. Juan dd Poyo) in der Nähe
des Meeres.
Die WaUfahrtsreise des Heiligen durch Südspanien, und sein geiao
Weilen in Merida, Sevilla und Cadix haben wir früher erwähnt^). Er ^*'^"
, . . fahrten.
reiste mit mehreren Begleitern, darunter mit dem Priester Benenatus,
an Idanha vorüber nach Merida, dann in strengem Winter und bei
') vi catervatim uvdique cancurrentium agmine conversorum immenstis
fieret choms, vita s, Fr.^ 16.
*) B. oben, S. 58—59.
*) K.-G. I, S. 281, 370, 874. -i
164 Achtes Bach. Nenntes Kapitel
endlosem Regen nach Baetica. Ein Knabe ^ der auf einem Pferde
zugleich die Bücher des Heiligen mit sich führte^ wurde bei dem
Uebergange aber einen hochangeschwollenen FInss von den Flnthen
fortgerissen — und war lange verschwunden. Fructuosus gelangte, wie
er stets zu thun pflegte, zu Fuss über das Wasser. Man sagte ihm,
seine Bücher seien alle in das Wasser gefallen. Aber siehe, sie wurden
aus den Säcken herausgeschüttelt, und das Wasser hatte sie nicht be-
rührt. In Cadix gründete er, „eine von der entgegengesezten Seite
über Spanien aufgehende und es erleuchtende Sonne", ') ein Kloster. —
Später wollte der Heilige noch eine Reise in den Orient antreten, nach
der frommen Sitte jener Jahrhunderte. Die Kunde davon aber gelangte
zu den Ohren des Königs (Receswinth?). Dieser und alle seine treuen
Diener fürchteten, es mochte ein solches Licht Spanien verlassen, und
er befahl, dass er ohne Aufsehen ergriffen und zu ihm geführt werde,
^etno- Da sie (die Beauftragten) ihren Auftrag vollzogen, so bewachten sie
u ein ihn mit übergrosser Furcht und schlössen ihn wie einen gefährlichen
gener. Staatsgefangenen oder Missethäter ein. Die Wächter schliefen em,
und als sie erwachten, fanden sie alle Thüren geöffnet und alle Bande
gelöst*). Er aber ging von Kirche zu Kirche (in Toledo?) und rief
das Erbarmen des Herrn an.
Hierauf (656) wurde er troz harten Widerstandes zum Me-
tropoliten von Bracara geweiht« Er lebte in derselben Strenge, wie
zuvor, fuhr fort, Almosen zu vertheilen und Klöster zu gründen.
Zwischen Braga und Dumium gründete er auf dem Gipfel eines Hü-
gels ein stattliches Kloster, wo er beerdigt zu werden wünschte^.
Seine Der Abt Cassian wird sein „erster Schüler" genannt. Er und die
khttier. Priestcr Benenatus und Julianus erzählten dem Valerius die einzelnen
Züge aus dem Leben des Heiligen. — Lange Zeit vorher erkannte er
Sein das nahende Ende seiner Laufbahn. Da er den Bau vieler Klöster
Ende, unternommen hatte, so Hess er Tag und Nacht beim Schein der Fa-
ckeln die Arbeit fordern. So wurden alle Bauten zum guten Ende
geführt und eingeweiht. — Dann ergriff ihn ein Fieber, nach einigen
') ex alia parte quasi Sol oriens inluminaUirus Spaniam^ aedificavii
Sanctum, ope Domini, Afonasterium, soUtisque, coenobiali ritu, regularis illud
instruxit exercitii rudimentis, d. h. wohl, Fructuosus, diese geistige Sonne, war
vom Westen und von Norden aufgegangen. — Yepcs sagt, er habe zu Cidii
ein Schiff besteigen und nach Palästina wallfahrten wollen. Diess findet sich io
der „ Vita** des Valerius nicht. Vielmehr scheint Fructuosus vom Norden, von Ga-
licien ans diese Reise haben antreten wollen.
') Nocte hahitaculi ostium in quo manebat, mi^sis extnnsecus ccU^niSy ei
aeris, diversisque duris obserantes daustris ipsi ibi insuper custodea per-
manebant,
*} Diess Kloster, genannt „San Fructuoso^, bestand noch im achtzehoten
Jahrhundert und gehörte den Franziskanern der strengsten Observanz.
§. 4. Der heilige FrnctiiOBQS von Bracara. 155
Tagen verkündete er, dass das Ende seiner Laufbahn gekommen sei.
Alle weinten, er aber frohlockte; denn er wnsste ohne Zweifel, dass
er znr himmlischen nnd ewigen Glorie eile. Denen, die ihn fragten,
ob er den Tod fürchte, erwiderte er: „In der That, ich fürchte ihn
nicht, denn ich weiss, dass ich, obgleich ein Sünder, zu der Gegen-
wart meines Herrn wandle^^ Dann liess er sich in die Kirche tragen,
übernahm die öffentliche Busse, nachdem er noch einen treuen Haus-
genossen, Decentius, der ihm von Jugend an gedient hatte, durch
Handauflegung zum Abt von Turonium (?) geweiht hatte, und ausge-
streckt vor dem heiligen Altäre lag er dort den Rest des Tages und
die ganze Nacht. Und als der Morgen dämmerte, breitete er die
Hände zum Gebete aus, und übergab seinen fleckenlosen und heiligen
Geist in die Hände seines Schopfers. — An seinem Grabe wurden
Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben, und die Trauernden gingen
nicht ungetrostet von dannen.
Zu einer Chronologie des Lebens unsers Heiligen fehlen die An-
haltspunkte. Wir wissen nur, dass er vor dem Jahre 651 — 652 an
Braulio schrieb. Wir wissen nicht, wie viele Jahre er Bischof war;
vielleicht dass er das Jahr 660 mit seinem Leben nicht, oder nicht
viel überschritt^). Die Biographie des Valerius macht den Eindruck,
dass dieser ihn personlich nicht gesehen, nicht gekannt hat. Er be-
roft sich auf die oben genannten Schüler des Heiligen, die er kannte.
Von den Schülern des Heiligen wurden manche auf bischofliche Stühle
erhoben. — Der Leib des Heiligen wurde später nach Compostella
übertragen*).
Fructuosus war für Spanien eine wahrhaft providentielle Person.
Denn er vor allen weckte und sammelte das geistige Leben, welches
in der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts in Asturien, Galicien
und Lusitanien erblühte. Diese Blüthe war im achten Jahrhunderte
noch nicht erloschen. Im achten Jahrhundert war aber gerade diese
Gegend der Sammel- und der Ausgangspunkt des sich neu beleben-
den Christenthums. Die geistige Energie, die sich hier nach dem
Jahre 711 entfaltete^ ist zu einem grossen Theile auf Fructuosus zurück-
zufahren — sein Wirken trug herrliche und unvergängliche Frucht.
') Bei Manchen wird das Jahr 665 als das seines Todes angegeben, was eine
Vermathnng zn sein scheint; andere nehmen 667, andere 670 an.
^ 8. I^Vticttiosi, Bracarensis episcopi vita^ a Valerio abhate conscripta,
ap. MabiUon, Acta Sanctorum 0. 8. B,, 8aec. II, p, 681—590. — Ada 8an'
dorum, April 16., II, p. 431—436. — Espana sagrada (nova Codicum recen-
ncne correda), XV, 451—466. — Tepes, Coronica de la orden de8an Benito,
8alamanca, 1609, t II, p. 172 — 184. — Nicol. Antonio, /, 382 — 388
(Tepes sagt nichts über das Jahr des Todes^; Espana sagrada, XV. p. i41—
158. — MonJtalemherty Mönche des Abendlandes, II, S. 232—238.
166 Achtes Bacb. Neantes KjipiieK
g^in^ Fractnosus schrieb (mehrere) Begeki för seine Klöster. Die erste
BtnL hat 25 Kapitel, und scheint für das Kloster Complndo irer&sst za
sein^). Die zweite Regel, in 20 ELapiteln, heisst ,,allgemeine Kloster-
regeP^"). Als Erzbischof schrieb er an den Konig viele Briefe« Ob
der eine, der seinen Namen trägt, acht sei, ist noch nicht bewiesen.
E2r empfiehlt darin dem Konig Receswinth Mitleid mit den armen Ge-
fimgenen, die seit Konig Sisenand noch in Ketten nnd Banden schmach-
teten (?)• — Dem Fractnosus werden einige Gedichte von zweifelhaf-
tem Ursprung zugeschrieben^
Entschieden acht ist der Brief, den er, wohl auf eigene Anregung,
Mtfanan Braulio von Saragossa schrieb, und welcher mit der Antwort des
^"^*^' leztem die Briefsammlung des Braulio schliesst Vielleicht war diess
auch der lezte von Braulio geschriebene Brief, es ist aber auch nach
meinem G*efahl der beste Brief des Braulio. Die beiden Briefe sind
im Allgemeinen der Ausdruck der gegenseitigen Hochachtung. Fruc-
toosus bittet um irgend eine geistige Nahrung, und stellt einige Fragen
Aber Methusalem, Agar und Salomo, Fragen, welche Hieronymus nicht
Kffelost habe. Er bittet femer um die Schriften des Cassian, um die
Lebensgeschichte der heiligen Germanus, Honoratus, und Aemilianus.
yon Cassian besass er nur 7 Collationen, 17 nicht Er nennt den
■kMito Braulio „den seligen Papst^^ (paipa becUe). Sichtbar hocherfreut über
"'^ diesen Brief lehnt Braulio das ihm gespendete Lob ab. Dann preist
er das Leben und die Lebensweise des Fractnosus treffend und wahr,
er nennt ihn „die heilige Zierde Spaniens^^ Hütet euch aber, fahrt er
fort, von jener giftigen Lehre des Priseillian in eurer Heimath, welche
den Dictinius und viele andere, eine Zeit lang auch den heiligen Oro-
sius, inficirt hat^). Noch finden sich einzelne von diesen Sektirem
gefälschte Exemplare der heiligen Schrift". Dann beantwortet er die
vorgelegten Fragen. Die gewünschten Bücher, die Jemand ohne sein
') Denn sie bestimmt (cp, 18) ein Fasten vor dem Feste der Heiligen Jostos
nnd Pastor.
*) regtUa monastka communis, cf. Bröckle, Codex regulamm, I, 208—219.
*) z. B. Carmen in Uxudem episcopi Narbonnensis; Carmen in regem Sise-
nandum; 3) Carmen ad quemdam diaconum; 4) ein Gedicht anf Fmetnosos,
das sicher nicht von ihm stammt, sondern von einem seiner Verehrer.
*) Cavete autem dudum iUiua patriae venenaiwn Priscilliani dogma quo
et DicHnftJum et muUos cUios, ipeum quoque sandum Orosium invenumis fiiiut
iftfeeivm, quamms postea a sancto Augustino correcium, — Lezteres scheint ein
Irrthnm zn sein; Orosins wollte gegen die Anhänger des Priseillian in Galicien ein
Heilmittel von Angnstin erhalten. — Dass am 640-650 die Sekte noch in GalieieD
nachwirkte, daf&r liegen keine Beweise vor. Diese Stelle aber dient zur Ventlik-
nng des Beweises, dass die Sekte, welche zuerst in Lnsitanien anftrat, ihren Hanpt-
Sil nicht in dieser Provinz, noch weniger in Baetica, sondern in Grdiden gehabt
habe (K.-G. II, S. 367, 383).
§• 4. Fractaosna und Abt Valerius. 157
Wissen aus seinem Bücherschrank hinweggenommen^), hoSt er später
senden zu können; er besizt aber keine doppelten Exemplare. Person-
lich zwar hofft er den Fructuosus zu sehen: doch fühlt er bei seiner
Kränklichkeit sein Ende nahen ^)y und er meint, dass Fructuosus bei
dem Reichthumc seines Geistes und Wissens die ihm (dem Braulio)
vorgelegten Fragen viel besser selbst hätte beantworten konnen^^), eine
Ansicht, die wir vollkommen theilen, es sehr bedaurend, dass die Er-
wartungen des Braulio sich nicht erfüllten. Zum Schluss rühmt er^
Galicicn, das Männer, wie Orosius, Turibius, Idatius und Carterius^A
den Bischof ruhmvollen Alters, hervorgebracht*). ,,--— — ^
§. ö.
VatorlM
Valerius, der Abt des Klosters zum heiligen Petrus von den Bergen
aus dem Bisthum Astorga^), blühte zur Zeit des Königs Wamba, und starb
um 692 — 696. Nash seiner Bekehrung war er längere Zeit Recluse
in einer unzugänglichen Felsenhohe, von wo ihn ein Priester Flainus
vertrieb. Valerius suchte eine tiefere Einode auf — in den Bergen
von Bierzo. Aber Flainus und Räuber vertrieben ihn auch von hier.
Er wohnte nun bei dem Orte Ebronauto bei einer KJrche, wo ihn ein
Priester Justus verfolgte, der sich in einem schon damals bekannten
spanischen Nationaltanz vor den Leuten produzirte^. Er erhielt nun
den Siz Rvpiana'')^ auf ruhiger Felsenhöhe, wo schon Fructuosus ein
Oratorium unter dem Namen des heiligen Petrus gegründet, und wo
er auch gewohnt hatte. Vergebens wollte ihn Bischof Isidor von
Astorga mit sich zum zwölften Concil nach Toledo (681) nehmen, der
inzwischen starb. Noch viele andere Versuchungen stürmten auf Va-
lerius ein. Seine Kämpfe aber dauerten vorher zwanzig, und wieder
zweiundzwanzig Jahre in Rupiana, bis ihm Trost zu Theil wurde, in-
dem jüngere Mönche sich ihm zugesellten. Der Bischof Aurelius von
Astorga, „der Mann Gottes" (681 — 693), weihte den Valerius wider-
strebend zum Priester. In der lezten Zeit seines Lebens hatte Valerius
*) suhtractoa eos de armario nostro inveni.
') verumtamen aegritudini mcrtalitatis meae qtu>tidie spero finem,
*) nam ingenium tuvm admirahüe Jtabeo, et sermonis tui supellectilem in-
finitam intueor. Made virttde cuius talia erumpunt germina, qualia existent
Fructuasi fructuosa frumenta.
^) Der Schlass lantet: Vale in Domino, mihi charitaie germane, meriio
Domine, fili aetate, coUega dignitate, atque parens a^finitate, et pro me tu tui-
que orate et nactis occasionibus stude tuum mihi mittere sermonem,
*) cp. 25, ap. Valerium „Asturicensis provinciae indigena^'-
'') Die Stelle stellt bei Schlick, Geschichte der dramatischen Literatur und
Kunst in Spanien. Frankf. 1854, Bd. II, Nachtrage, S. I.
'') Damach ist Monaster. Rvp(f)ianense and San Pedro dasselbe.
ten.
168 AohteB BooL NemiteB Kapitel« — §. 5. Abt Valeriiu.
innere und äassere Rahe. Tamayo bringt eine Grabinschrift, nach der
Valerins am 26. Februar 695 gestorben wäre, welche vor und nach
Tamayo Niemand sah^)«
Sein« Neben dem Leben des heUigen Fructaosus, das ihm von den
schrif- Meisten zugeschrieben wird, hinterliess Valerius Erinnerangen an die
Kampfe und Muhen seines eigenen Lebens, die unter dem Namen
„opwctda^ zuerst Florez vollständiger, als frühere, edirte. Voran steht
ein Brief über das Leben der seligsten Nonne Echeria (Eucheria^
Egeria, Echeria). Es folgt ein Aufsaz „von der eitlen Weisheit der
Welt, worin Hermenegild, der „König der Gothen^', als Märtyrer ge-
nannt wird; dann verschiedene Ausprüche des Valerius vor seinem
Schüler Donadeus, namentlich Visionen über die Zustände im jensei-
tigen Leben. Femer wird gehandelt von den Mönchen. Es folgt das
Leben des Heiligen, wie er es seinem Schüler Donadeus erzählte. Die
Erzählung hat keinen eigentlichen Abschluss^.
■) K.-G IL 6. S. 4.
^ Eßparia scufrada, t 16: „i9. VdUrii ahbatis opiLSCuia ane(c)dota. Ex
eodidbua Carraeedensi, duobus Toletanis ei aUero Äemiltanensi, p. 366—416,
— </. Yepes^ II, 310S11 (der nach Ambrosius Morales wenig mitzutheiien hat).
— NicoL Antonio, I, p. 411^413 (l. 5, cp. 7), — Abdruck aas E»p. aagrada
— in Migne Patrol: latina. t. 87, p, 422 — 458, mit einem Kapitel am Schliua:
de noüoe vüae ingtituiione, so klassisoh schön geschrieben , dass es mit den flbri-
gen Schriften des Valerius nicht harmonirt (wie es auch bei Florez nicht steht).
— Ueberhanpt scheinen unter den „Obras'* des Valerius einzelne Bruchstücke ans
andern ascetischen Schriften zu stehen.
Zehntes Kapitel.
Die Könige Wamba, firwig, Egiea, Wltiia. — Die Synoden
von 075—701. — Jullanos von f oledo.
§. 1.
Nach dem Tode des Receswinth folgte Wamba, den die einstim* wamb*
mige Wahl der Grossen erhob, die bei und nach dem Tode des Re- J^^
ceswinth versammelt waren. Vergebens hielt Wamba den Grossen
sein Greisenalter entgegen. Ein Gothe trat vor und rief: ,,Es bleibt
dir die Wahl zwischen Tod und Krone; entweder führen wir dich als
König von hinnen, oder lassen dich als Widerspenstigen getodtet hier
zurück.^ Wamba nahm an, zog aber sogleich nach Toledo, um seine
Wahl von den dazu Berechtigten bestätigen zu lassen. Am neunzehn-
ten Tage nach dem Tode des Receswinth wurde Wamba von dem
Metropoliten Quiricus gesalbt. Alles Volk freute sich dieser Wahl;
nur in Septimanien reizte Hilderich, Statthalter von Nismes, der selbst
nach der Krone getrachtet hatte, das Volk zum Widerstände. Paulus,
den Wamba mit einem Heere gegen ihn sandte, fiel, in Narbonne an-
gekommen, selbst ab, und liess sich als Konig ausrufen. Diese ganze
Provinz und ein Theil von Nordostspanien fiel ihm zu. Wamba schlug
mit einem kleinen Heere in sieben Tagen einen Aufstand der Vasconen
nieder; dann zog er gegen Gallien. Paulus floh aus Narbonne, das
bald von den Gothen genommen wurde. Beziers, Agde und Mague-
lone mussten sich ergeben; 40,000 Gothen erstürmten Nismes. Paulus
wurde gefangen und gebrandmarkt. Im Triumphe kehrte Wamba nach
Toledo zurück.
Florez fragt nach den Gründen, aus welchen von 656 bis 675Dioz«it
kein Concil mehr stattfand, und findet dieselben wie wir in einer Ver- ^•^
. . • . • 656—678
schlimmerung des Rönigs Receswinth. Zur Zeit des Ildefons sei diese
Verschlimmerung eingetreten. Der Chronist Isidor von Pace nennt
160 Achtes Bach. Zehntes Kapitel.
den ßeceswinth einen „lasterhaften^' König. — Dem fugt der Bischof
Rodrigo Sanchcz de Arevalo bei: „Er war aber sehr schlimm; denn er
opferte den Dämonen"^). — In dem Leben des heiligen Udefons
von Bischof Cixila von Toledo wird zweimal versichert, dass Udefons
dem Konig verhasst gewesen sei, weil er ihm seine Ungerechtigkeit
vorgehalten habe^). — Wir besizen ferner zwei (noch nicht erwähnte)
Briefe des heiligen Udefons an den mehrerwähnten Bischof Quiricus
von Barcelona, sie werden von Florez in demselben Sinne erklärt.
Quiricus hatte zuvor geschrieben, dem Udefons für das gedankt, was
er früher geschrieben, und ihn dringend zu weitern ähnlichen Arbeiten
ermuntert. Den ersten Brief schliesst Udefons mit den Worten: .,Ich
möchte mehr sagen, wenn der Druck der Uebel es gestattete", —
Den zweiten Brief schliesst er mit den Worten: „Die Noth der Zeiten
reibt so sehr die Kräfte des Geistes auf, dass wegen der bevorstehen-
den Uebel mich das Leben nicht mehr freut" ^). — Daraus erhelle,
„dass viele Verwirrung und Unordnung in der obersten Klasse der
Gesellschaft herrschte, welche durch den Heiligen nicht geregelt werden
konnte. Diess muss auf den Palast des Königs bezogen werden, und
darnach war keine Zeit, dass der König eine Synode, wenigstens nach
Toledo, berufen hätte"*).
') gest. 1471, Verfasser eines Jus canonicum — fuü autem pessimua; nam
sacrificabcU dciemonibus — es erhellt nicht, worauf sich diese Aassago stfizt.
') Oixila, Vita lldtfonsi, cp. 4 -— qui (rex) cum ob iniquitates suas in-
crepatas superbo oguIo intuebatur, und: cp. 6, rex, minus de tiinore dei solid-
tus, et de suis iniquitatibvs male conscius. Dagegen fülirt Leinbke die grossen
Lobspriiche der Synode von Emerita und des Bischofs Tajo auf Receswinth an
(p. 102). Aber Lezterer schrieb vor 657, und jene fallt in diesem Punkte kaum
in*s Gewicht.
*) Ep, 1 Quirico episcopo, dicere plura vettern, si miseriarwni pressura
sineret, sed totum satisfactum sibi reputet charitas , quod vel minimum pernii-
sit taediosa necessitas.
Ep. IL Igitur, ut praecipis, appeterem loqui frequcnter , et hoc mihi pia
devotione adest, vt in m^di(t)atione legis Dei linqua simiU et vita silentium
non haderet; sed ita necessitas temporum vires atferit animorum, ut nee delectet
vita propter imminentia mala.
*) de aqui se infiere, que havia mjicha turbacion y desorden en la classü
suprema, que no podia ser arreglada por el Santo : lo que precisamenfe dvhe
reducirse cd palacio, y asi no era tiempo de que el Rey conw^casc a Concilio,
h lo menos para^ Toledo, en tiempo, que san Ildefonso pudiese soiicitarh' y
presidirle. — Florez, t VI, p. 206, del concil. 11. de Toledo. — cf. Tejada y
Ramiro, t II, p. 430: „este (rey Receswinto) se habia maleado mucho'*.
Gleichzeitig nennt ihn Cavanillcs einen grossen König (gran rey, I, 232—236) und
Vicente de la Fuente nennt die Annahmen des Floren ,,graiuitas'*, d. i. nnge-
gründet (llistor. ed. de Espana, 1855, I, 208). Receswinth möge seine Fehler
gehabt haben, als Privatperson, aber „ein böser König'' sei er nicht gewesen.
§. 2. Die eilfte Synode von Toledo, 675. 161
§. 2.
Ekidlicli, nach einer Unterbrechung von fast zwanzig Jahren,
nachdem die Feinde Wamba's niedergeworfen, und die Ordnung im
Reiche wiederhergestellt war, traten die Bischöfe der Carthaginensischen
Provinz am 7. November 675 zu dem eilften Concil von Toledo zu-
sammen«
„Im vierten Jahre des Königs Wamba haben sich die Bischöfe
der Provinz zu Toledo an dem Size (in der Kathedrale) der seligsten
Jungfrau Maria versammelt. An diesem Tage ist es den Bischofen
gegeben, sich zu freuen, und zugleich wegen des Vergangenen vor
Gott zu trauern.^ Denn bis jezt waren wir ohne ELalt in der wüsten
Fluth dieser wandelbaren Welt, weil die lange Reihe von Jahren, in
denen die Leuchte der Concilien von uns hinweggenommen war, nicht
so fast die Fehler vermehrt, als vielmehr die Mutter aller Irrthümer,
die Unwissenheit, in die müssigen Seelen einführte. Wir sahen ja *),
wie der angezündete Glutofen der babylonischen Verwirrung einerseits
die Zeiten der Concilien femehielt, anderseits die (Hohen-) Priester
des Herrn in seine zügellosen Sitten verwickelte: denn sie folgten den
Einladungen der mit dem Purpur geschmückten Buhlerin, weil die
Zucht der kirchlichen Versammlungen fehlte, und Niemand war, der
die Irrenden besserte, da das gottliche Wort verkannt war; und da
keinerlei Befehl vorlag, dass die Bischöfe sich versammeln sollten, so
trat eine zunehmende Verschlimmerung der Sitten ein.
') Cemebamus, quomodo babyloniccte canfusianiM oUa succensa nunc fem-
pora concilioTum averteret, nunc sacerdotes Domini de resolutis moribus irre-
tlret; purpuratae enim meritricis sequebantur invitamenta, quia ecclesiastici
conventus non aderat disciplina, nee erat qui errantium corrigeret partes, quum
sermo dim'nus haberetur extonris, et quia non erat adunandorum pontificum
Ulla praeceptlo, crescehat in majus vita deterior, Quum tandein divina nos
dementia ex alto respiciens et te^npori aetatis nostrae se occursuram praebuit
et saluti, praeparans nostris saecidis religiosi prindpis mentem devotam pariter
et insfructam , cuius fervidae soüicitudinis voto et lux concüiorum renovata re-
aplenduit, et altema Caritas se mutuo in corrigendis vel instruendis moribus
excitavit, dum. et aggregandi nohis hortatu principis religiosi facultas est data
et opportuna corrigendis praeparata est disciplina, vt qui decursis lange ante
tempwnbus post decein et octo scilicet labentium annorum excursum in unum
meruimus aggregari conventum, mederi possemus speciali gratia sanitatwn,
Neque enim numerus iste alienus est a scUute etc. Nos igitur per tot annos
vurvo nostri ordinis persistente statu eo quod nuUa nos concüiorum definitio
jungeret, nullus etiam conventus ecdesiatici ordinis adunaret, tandem divinae
voluntatis imperio et religiosi principis jussu evocati in Tohtanam urbem
ronvenimus,
Ghids, fpan. Kirche. IT. 2. XI
162 Achtes Buch. Zelmtes Kapitel.
Endlich hat Gottes erbarmendes Auge auf uns geblickt, und Gott
hat uns einen frommen und zugleich in seinem Geseze unterrichteten
Fürsten gesandt, dessen innigstes Verlangen die Erneuerung der Gon-
cilien ist, in denen die gegenseitige Liebe sich zur Belcln^ung und
Besserung der Sitten ermuntert, so dass wir uns endlich nach acht-
zehn Jahren (vielmehr 19 — 20 Jaluren) wieder versammehi konnten.
Die Zahl „achtzehn" habe eine gute (Vor-) Bedeutung. Denn acht-
zehn Jahre sei jene Frau im Evangelium gekri'unmt gewesen, welche
das menschliche Gesclilecht darstelle. Sie aber seien endlich nach dem
Willen Gottes und auf Geheiss des Königs zu dieser Synode zusammen-
getreten^). Ein Verbot also^ Concilien zu halten, scheint nicht bestan-
den zu haben; aber weil eine Aufforderung dazu von Seite des Königs
nicht erfolgte, und weil man sich allzusehr daran gewöhnt hatte, auf
den Willensausdruck des Königs zu warten, hatte dieser fehlende
Willensausdruck die factische Wirkung eines Verbots. Die Selbstan-
klage der Bischöfe war begründet, aber sie hatte für die Zukunft nicht
die Folge, dass die Kirche bei der Berufung der Concilien der eigenen
Initiative folgte,
GUa- Quiricus von Toledo verlas am ersten Tage der Synode den
bent- ausführlichen Entwurf eines Glaubensbekenntnisses, über welchen die
"^^^^^ Bischöfe nach dreitägiger Meditation und Fasten sich aussprechen
sollten. Am dritten Tage wurde es gemeinsam recitirt. Es wird ge-
sagt, dass Christus durch Natur, nicht durch Adoption Sohn Gottes
sei, gegen die Bonosianer, dass der heilige Geist vom Vater und vom
*) Ob die purpuraia meretrix eine historische Person, oder eine allegorische
Figur sei, liegt im Streite. Ersteres behauptet //e/^en'cÄ , der Arianismus der Wcst-
gothcn, S. 68; dcrs.: Westgothenrecht, S. 1^4. — Dagegen FeL Dahn, politische
Geschichte der Wesfgothen, S. 2ü(), nennt diess „Selbsttäuschungen'* des Helfferich,
und weist auf Apocalypse XVII, 4 hin, wornach darunter Fleischeslust und Haereai«
zu verstehen sei. — £inen „bösen König** hat den Rcccswinth kaum Jemand ge-
nannt; einen grossen Fürsten würden wir ihn nennen, wenn seine Regierung etwa
mit dem Jahre 657 geendigt hätte. Aber in der Geschichte sind die Fälle doch
zahllos, dass auf gute Anfange ein schlimmes Ende folgte. Es genügt nicht, wie
es die meisten Historiker und Erklärer der Concilien thun, über obiges Kapitel mit
Stillschweigen hinwegzugehen, und die indirecte Anklage des Receswinth, die darin
liegt, zu ignoriren. —
Florez hat ein herrliches Werk über die katholischen Königinen Spanieos
verfasst (Memoriaa d% Icls reynas catholicas, 2 toni., Madrid 1790), das voo
Hermenegild bis Karl III. reicht (580—1759), worin er die Verdienste der könig-
lichen Frauen um Kirche, um Staat und Volk in Spanien darstellt Hier erscheinen
die Gemahlinen der Könige Reccared^ Gundemar, Swinthila, Chindaswinth vor Reces-
winth , der des Erwig, Egica und Rodrigo nach ihm. Den Namen der Gemahlin des
Receswinth kennt oder nennt er nicht. — & soll einen Sohn und eine Tochter ge-
habt haben. — Zu seinen Gunsten scheint zu sprechen, dass im Jahre 057 S. Ilde*
fons, im Jahre 667 Quiricus Bischöfe von Toledo wurden.
\
§. 3. Die ellfte Synode von Toledo, 676. 163
Sohne ausgehe, und von beiden gesandt sei. Vom Monotheletismus
findet. man keine Andeutung; dagegen ist der Sohn Gottes nicht bloss
vom Vater, sondern auch vom heiligen Geiste, und von sich selbst
gesandt, denn nicht bloss der Wille, sondern auch die Wirksamkeit
der Gottheit ist untheilbar ^).
§. 3.
Am folgenden Tage (also am 10. November) wurden sechzehn
Capitel aufgestellt:
1) Gegen die Bischöfe, die im Concile sizen, erhebe sich keinoABooM
unziemliches und verwirrtes Geschrei, keine eitlen Fabeln oder Ge-
lächter werde gehört, vor Allem werde kein frecher Streit begonnen.
Wer dagegen handelt, wird sogleich ausgewiesen, und drei Tage ez-
communicirt.
2) Das Studium der heiligen Schrift und Wissenschaft wird den
Bischöfen dringend anempfohlen. Aus Unwissenheit wissen einige
Bischöfe ihren Untergebenen Nichts zu predigen. Die Metropoliten
müssen die Suffi-aganbischöfe (confiniHmos), diese ihre Untergebenen
zum Studium ermuntern. Die Unvnssenden müssen sich selbst unter-
richten, oder Unterricht empfangen (nach U. Synod. v. Toledo).
3) Die Weise des Psallirens richte sich überall nach der Metro-
pole. Nur Erlöster dürfen eigene Officien haben. Sonst darf Vesper,
Matutin und Messe nicht anders als in der Hauptkirche gehalten
werden. Wer anders handelt, wird sechs Monate ausgeschlossen und
vollbringt Busse bei dem Metropoliten, und lernt dort den kirch-
lichen Ritus.
4) Bischöfe (saeerdotes) und Priester, die jahrelang in Feindschaft
mit einander leben, sollen die doppelte Zeit Busse thun; ihre Opfer
sollen am Altare nicht angenommen werden.
5) Einige Bischöfe {saeerdotes) verübten verschiedene Gewaltacte.
Haben sie Vermögen, so müssen sie die Geldstrafen bezahlen, welche
das weltliche Gesez vorschreibt, und sie werden eine Zeit lang aus-
geschlossen. Sind sie ohne Vermögen, so darf das Kirchengut für sie
nicht eintreten, sie dürfen auch nicht als Sclaven verkauft werden, son-
dern für je zehn Solidi Strafe sollen sie zwanzig Tage Busse thun. —
Hat ein Bischof mit der Frau, Tochter oder Verwandten eines Mag-
*} Haec est confessionis nostrae fides exposita, per quam omnivm haere-
ticorum dogma perimitur, per qimm fidelium corda imindantur, per quofn etiam
ad Deum gloriose acceditur, cuius sacrosanctum saporem sub iriduano dierum
J^unio continua reUäionum colUsHone ructantes ad ea, quae stdmixa sunt,
sequenti die decemenda iransivimus.
11*
164 Achtes Buch. Zehntes Kapitel.
Daten sich fleischlich vergangen, so trifft ihn Excommunication mit
Verlust seiner Würde und Verbannung. Nur am Ende darf er die
Communion erhalten. Eben so werden gestraft die Mörder mit Vor-
bedacht, oder welche gegen hochgestellte Personen schweren Frevel
begangen haben.
6) Kein Priester darf Bluturtheile aussprechen oder Glieder ver-
stümmeln oder solches befehlen. Zuwiderhandelnde werden lebensläng-
lich eingesperrt.
7) Bischöfe und Priester sollen nur in gesezlicher Weise Strafen
über ihre Untergebenen verhängen.
8) Für Taufe und Firmung, für Chrisma und Weihen darf Nichts
angenommen werden. Der Bischof^ der es geschehen lässt, wird zwei
Monate, der Presbyter drei, der Diacon vier Monate ausgeschlossen;
Subdiaconen und Kleriker treffe Züchtigung und Ausschliessung.
9) Der Bischof schwöre bei seiner Weihe, dass er, um sein Amt
zu erlangen, Niemand Geld gegeben habe oder geben werde, die Si-
monisten werden zwei Jahre verbannt und ausgeschlossen, können aber
dann ihr Amt wieder erlangen.
10) Der Kleriker verspreche ^) vor der Weihe, den katholischen
Glauben treu zu bewahren, rechtschaffen und keusch zu leben, seinen
Obern aber die schuldige Ehrfurcht erweisen zu wollen.
11) Da über den Canon 14 der ersten Synode von Toledo*)
Zweifel entstanden, wird erklärt, dass den schwer Kranken wegen
Trockenheit des Mundes (auch nur) das heilige Blut gereicht werden
könne. Wer aber ausserdem den Leib des Herrn wieder aus dem
Munde nimmt, sei für immer ausgeschlossen. Thut es ein Ungläubiger,
so treffe ihn körperliche Züchtigung und beständiges Exil.
12) Schwer Kranke, welche durch Handauflegung in die Busse
eingetreten sind, sollen ohne Verzug die Keconciliation ompfangeu.
Sterben sie vor Empfang derselben, so soll das heilige Opfer für sie
dargebracht werd(^n.
13) Besessene sollen nicht am Altare dienen^. Im Zweifel, ob
das Leiden (z. B. des Ilinstürzens zur Erde) ein rein köri)crliches sei,
werden sie ein Jahr laug beobachtet.
14) Jeder Geistliche soll, wo möglich, beim Gottesdienst einen
Stellvertreter haben, der im Falle der Erkrankung*) für ihn eintritt
*) auch hier steht placiti sui innodatione, d. i. placitum = Versprechen,
wie oben S. 141.
») K.-G. Ua, S, 391.
*) a 29 von Elvira, IIa, p. 82 und 98.
*) NiichTejada (11,450) war damals die Krankheif, die mau „vajwrcs" oder
^vertigoa** (Schwindel) nennt, sehr häufig.
\
§. 4. Die dritte Synode von Braeara, 675. 165
15) Alljährlich werde am Metropolitansiz eine Synode dieser Pro-
vinz gehalten. Die Zeit bestimmt der Konig und der Metropolit, die
Säumigen werden ein Jahr lang ausgeschlossen. Entschuldigt sind sie
nur, wenn der Konig sie verhindert,
16) Gott sei Preis und Ehre, dem König Dank, „auf dessen
Anordnung wir versammelt, durch dessen Eifer wir vereinigt sind,
der, ein Erneuerer der Kirchenzucht in unsrer Zeit, die unterlassenen
Concilien nicht nur wiederherzustellen trachtet, sondern auch deren
jährliche Wiederholung verlangt."
„Ich Quiricus, Metropolitaubischof der königlichen Stadt, habe
— unterschrieben.** — Wörtlich so Athanasius, Bischof von Sätabis,
Argemund von Oretum, Joannes von Bigastro, Godiscalcus von Osma,
Leander von Elche und Elotana, und elf andere Bischöfe, nebstdem
zwei Vicarien von Bischöfen; weiter acht Aebte, und der Archi-
diacon Gudila von Toledo. Es waren vier Bisthümer nicht vertreten:
1) Mentesa; 2) Eliocroca, welches aber schon früher eingegangen zu
sein scheint; 3) Elotana, das inzwischen mit Elche vereinigt wurde;
4) Ergavica^). Mentesa und Ergavica waren vielleicht eingegangen)
oder wenigstens erledigt*).
§. 4.
Im Jahre 675 war auch die dritte (und lezte) Synode von Braga. Bynod«
Sie wurde gehalten in dem vierten Jahre des Königs Wamba, also^-®'»*»"
nach dem 1. September 675, vielleicht gleichzeitig mit der von Toledo.
Die Bischöfe sind „geziemend durch den heiligen Geist in der Stadt
Braga versammelt, um zu verhandeln über die Missstände in der Kirche
Gottes, und um die Irrthümer auszurotten. Zuerst handelten sie über
den rechten Glauben, und fanden, dass alle einträchtig in der gesunden
Lehre seien. Sie danken Gott, und sprechen diesen Glauben aus. Sie
erfahren, dass Einige beim heiligen Opfer Milch ^) statt Wein, Trauben
*) K.-G. IIa, S. 442. Es scheint Fhrez und andern, dass statt Carthaginm'
sis (das nicht mehr bestand), unter den Unterschriften: Ercavicensis zu lesen sei.
') Loaysa, p. 540-^570. — Harduin, III, 1018^1030. — Concilia edU.
Iiahhi'Venetae, VII, 555—578. — Aguirre, IIj 660—674. — Aguirre - Cata-
lani, IV, 238-254, — Ferreras, II, 431-434. — Florez, VI, 204-210. —
Bruns, I, 305. — Tejada y Eamiro, II, 430—452. — Hefele, III, 103-106. —
Hdfferich, Westgothenrecht, 184—190. — F. Dahn, Verfassung der Wcatgothen,
Würzb. 1871 , S. 470-472.
*) Galizien und Asturlen hatte und erzeugte keinen Wein; schon Isidor von
Sevilla kennt und beschreibt den Gerstensaft (der dort, wir wissen nicht, seit welcher
Zeit, bereitet wurde). Isidor, Etymolog, XX, 3, Cerevisia a Cerei'e, i. e. fruge
vocata. Est enim potio ex seminibtis fi*umenti vario modo confecta. Die Ga-
laeci sind ihm weisse Gallier, weil ihre Haut weisser ist, als die der andern Spa-
166 Achtes Bnch. Zehntes Kapitel.
statt Wein, gebrauchten, dass Trauben geweiht, und deren Beeren aus-
getheilt worden. Ebenso, dass Priester das heilige Brod, in Wein ge-
taucht, den Gläubigen reichen, ja noch schlimmer, dass einige Priestei
(jquidam aacerdotum) sich der heiligen Gefässe zu ihren Malilzeiten und
als Trinkgeschirre bedienen. Andere Priester feiern die heilige Messe
ohne Stola, hängen an den Festen der Märtyrer deren Keliquien sich
nm den Hals und lassen sich auf den Tragsesseln von Diaconen mit
Alben herumtragen. Sehr viele Priester (plerique sacerdotum) wohnen
auch ohne Zeugniss (d. h. ohne Zeugen) mit Frauen zusammen; an-
dere wenden gegen ehrwürdige Mitbrüder die Strafe der Schläge an,
andere ertheilen die Weihen unter dem Versprechen (künftiger) Be-
zahlung. Diese Missbriluche werden in sechs Kapiteln verboten.
1) Nur Brod, und Wein, mit Wasser vermischt, darf zu dem
heiligen Opfer gebraucht werden. 2) Die heiligen Gefässe dürfen nie
zu profanem Gebrauche dienen. 3) Beim heiligen Dienste soll der
Priester stets die Stola auf beiden Schultern tragen. 4) Nur die Mutter
darf (ohne Zeugen) bei dem Priester wohnen. 5) Reliquien sollen nicht
am Halse getragen werden. 6) Gegen Kleriker soll man Schläge nicht
als Strafe anwenden. 7) Für Weihen werde Nichts bezahlt. 8) Das
Vermögen der Kirchen soll treu verwaltet werden. Ehre Gott, Dank
dem König Wamba, dessen Frömmigkeit uns hieher berufen hat.
Leodegi8U8, in Christi Namen Bischof, mit dem Beinamen Julianus
(von Braga); Genitivus von Tude, Froaricus von Oporto, Isidor von
Astorga (den Valerius, vielleicht übertreibend, einen dnrcliaus pesti-
lenzialischen Menschen ^) nennt; seinen Nachfolger dagegen nennt er
einen „Mann Gottes"), Bela von Britoniuni, dem spätem Moudonedo,
Hilarius oder Alaricus von Orense, Rectogenes von Liigo, Ildulf, zn-
genannt Felix, von Iria, unterschrieben.
Das zeitweilige Erzbisthum Lugo ist völlig verschwunden, die
vier Bisthümer Coimbra, Lamego, Idanha und Caliabria sind ohne
Widerspruch bei Emerita geblieben. — Die A(!ten der Synode selbst
sind in würdiger und gemessener Form abgefasst. — Es ist möglich.
dass das neun Jahre früher gehaltene Concil von Merida einigen Anlass
gegeben hat, die Synode von Bracara zu halten^).
nier. Die Einwohner sind Abkömmlinge der Griechen (IX, 2); ,JIi graocam sih
OTtginem aaserunt'^ Ebenso Braulio in dem Briefe an Fructuosns: „caer Lhd(1
(d. i. Volk) rühmt sich, griechischen Ursprungs zu sein.*
*) h&mo pestüentisstmus.
') Loaysa, p, 671—679, — Aguirre, II, 376; Aguirre-Catalani, IV,
265-^262. — Harduin, III, 1032—1036. - Mansl, XI, 164^162. - Ixibbe-
OoUti, VII, 578^-686. — Ferreras, II, 430^431, - Iflorez, XV, 244-247, -
y Bamiro, II, 662^660.
§. 5. KOnig Wunlw; König Errig. 167
§. 5.
Dem Könige Wamba wird auch eine neue kirchliche Eintheilnng
von Spanien zugeschrieben, die seineu Namen trägt. Sie ist durchaus
nicht sein Werk ^). Ihre Sprache weist auf das Mittelalter. Sie deutet
bloss die Grenzen der einzelnen Bisthümer an, wie sie waren von
Alters her. Wamba hat hierin Nichts geändert, Nichts erneuert.
König Wamba wird heute von allen Seiten als ein grosser Herr- w*«-
scher anerkannt: vielleicht war er der grösste aller Gothenkönige, der Qr^Mi
edelste, der freieste von Fehlem. Aber in seiner Beurtheilung ist ein
merkwürdiger Wandel vor sich gegangen. Früher galt er als ein
schwacher, von der Geistlichkeit abhängiger Mann. Die Aehnlichkeit
seines Schicksals mit dem Ludwig's des Frommen hat veranlasst, dass
er mit diesem gleich gestellt wurde. Wie nach neuern Forschungen
Heinrich H. nicht bloss ein der Kirche gewogener Mann, sondern auch
eine energische Herrschematur*), so war Wamba ein thatkräfliger Re-
gent. Sein gezwungener Rücktritt von der Regierung bezeichnet den
nahenden, sichern Verfall des Gothenreiches, den Anfang einer 31 Jahre
dauernden Agonie und Anarchie, die mit der Katastrophe der grossen
Maurenschlacht endete.
Der Metropolit Quiricus, ein würdiger Kirchenfurst, starb im ^'^^
Jahre 679, und im Januar 680 folgte ihm Julian. Der Palatin, Graf Thron-
Erwig, ein Verwandter des Königs Receswinth, brachte dem Wamba rttt^er.
am 14. October 680 ein böses Getränk bei, in Folge dessen Wamba
sogleich betäubt wurde ^). Nach der Sitte jener Zeit wurden ihm als
Sterbenden, der die Pönitenz übernehmen sollte, die Haare abgeschnitten.
Nach 24 Stunden kam er, durch kräftige Gegenmittel, wieder zur Be-
sinnung. Da er aber nur gezwungen die Regierung früher übernom-
men, so wollte er nicht zu derselben zurückkehren, schlug den Erwig,
dessen Frevel gegen ihn er nicht ahnte, als seinen Nachfolger vor,
und zog sich in das Kloster Fampliega zurück^).
Das war der Unglückstag, der über Spanien hereinbrach, und
das Reich den Feinden in die Hände gab. „Mit ihm endete die Herr-
lichkeit der Gothen: die noch folgenden Könige sind es nicht werth,
an seiner Seite zu stehen; vielmehr gehören sie zu dem Zeitalter des
••
•) Florez, IV, 185^252. — Ferreras, 434. — Wiltsch, kircbl. Geographie
und Statistik, I, 288.
*) W. Oiesebrecht, deutsche ELaisergeschichte , Bd. II.
•) Jierba, cui nomen est spartum. Chronic. SebctsHani, cap, S.
*) Er wurde später, wie Receswinth , in der Kirche der heiHgen Leocadia de!
Alcazar begraben (K.-G. I, 342).
168 Achtes Bach. Zehntes Kapitel.
Verfalles, welches von der Enthronung Wamba's seineu Ausgang
nimmt*).**
§. 6.
Ervig war der Sohn des Griechen Ardabast, der unter Chindas-
winth aus Byzanz nach Spanien gekommen war. — Nach der Thron-
entsagung Wamba's folgte er ihm auch durch die Wahl der Grossen
(15. Oct. 680). Zwei schriftliche Erklärungen Wamba's wurden vor-
gezeigt, die eme den Wunsch aussprechend, dass Erwig König werde,
die andere den Wunsch, dass Julian ihn zum König salbe, was am
22. October geschah^). — Schon drei Monate nachher berief er die
Bischöfe des Kelches zu der zwölften Synode von Toledo, welche vom
9. — 25. Januar 681 dauerte. Sic fand statt in der Kirche der heiligen
Apostel. Die Bischöfe sind auf den Befehl des Königs zusammenge-
kommen, und als sie ihre Sizc eingenommen, erschien der König in
ihrer Mitte, der demüthig sich dem Gebete aller anempfahl, dann Gott
innig dankte ftir den Zusammentritt der Bischöfe, dann eine Ansprache
hielt, in der er sie Gegenmittel gegen die Wunden der kranken Welt
ausfindig zu machen aufibrderte, sodann ihnen einen „Tomus^^ über-
reichte, der das Nähere seiner Wünsche und Antrage enthielt. Nach-
dem er sich wieder entfernt, wurde nach seinem Verlangen der Inhalt
„des Tomtts^ vorgelesen. Die Bischöfe sollten besonders zwei Geseze
prüfen, das von Erwig neu erlassene Gesez gegen die Juden, und das
Gesez des Wamba über die Verj)flichtung der Spanier zum Kriegs-
dienste. Sie sollten überhaupt alle Geseze prüfen und bcbsorn, und die
hier anwesenden Verwalter der Provinzen und Herzoge von Spanien "'j
sollten diese Verbesserungen in ihren Bezirken dnrcht'ührcu.
1) Die Bischöfe sprechen ihren Glauben aus — nach dein Be-
kenntnisse der achten Synode von Toledo, wie es auch in der liuiligcn
Messe recitirt wurde. König Erwig wird bestätigt und es wird zur
Treue gegen ihn aufgefordert, nachdem der Synode die oben erwähnten
zwei Urkunden von Wamba vorgelegt worden*).
') Vicente de la Fuente, historia eclesiastica de Espaiia, /. l*i/. — (-7.
Historia WaTtibae regia Toletani (von Julian.?). — JRodericus Tolet., d*: r*f.
Hispaniue, TU, 8—11, — Ferrcra^, IT, 415 -439. ~ ].vmhke, p. 109-110,
Helffench, Weetgothen-Recht, 184-190. - Fei. Bahn, Könige der Wcstgotlicn,
204-216. — Cavcmilles, I, 237—24'J.
*) Es ist das zweite uns bekannte Beispiel einer Salbung. — S. Ilistor.-polit.
Blätter, ,,dio Krönung und Salbung der Könige'', "20, L'H».
*) rectores provincianim et duces Ilispaniae.
*) qui ante tefinpora in occnltia Dei judiciis pracscitits eat retfnatnrus. —
Quem et divinum Judicium in regno praeclegit , vt dcceaaor princeps sncct:ssu-
S. 6. Die zwölfte Synode von Toledo, 681. 169
2) Es kam vor, dass solche, die in gesunden Tagen nach der Bjnou
Busse verlangten, durch Krankheit die Besinnung und die Sprache ^*^ ^***
verloren. Ihre Angehörigen traten dann för sie ein, damit sie die
Wegzehrung erhielten. Aber spater, wiederhergestellt, behaupten sie
zur Busse nicht verpflichtet zu sein, von der sie Nichts gewusst. Aber
wie die Taufe, die sie nicht verlangt, dennoch giltig ist, so auch „das
Geschenk der Busse.^ Wer irgend die Ponitenz erhalten hat, darf in
die Welt und in den Kriegsdienst (ad cingulum militare) nicht zurück-
kehren. Der Geistliche, der Jemand, ohne deutliche Zeichen des Ver-
langens, die Ponitenz gibt, wird ein Jahr lang ausgeschlossen. — Hier
wird die Busse, wie sie in Spanien Sitte war, einem Sakramente gleich-
gestellt, was sie nicht ist. — Troz dieses Canons verpflichtet eine auf-
gezwungene Busse nicht. — Erwig aber fürchtete die Wiederkehr des
Wamba, und ihr sollte vorgebeugt werden.
3) Verbrecher gegen den Staat, welche der König begnadigt hat,
sollen auch der Kirchengemeinschaft theilhaftig werden. — Hier er-
scheint also Ausschliessung und Wiederaufnahme nur durch den Willen
des Königs bedingt.
4) An Orten wo (vorher) kein Bischof war, soll keiner eingesczt
werden.
Der Metropolit Stephan von Merida klagt, dass König Wamba
ihn veranlasst, im Kloster des Dorfes Aquis, wo der Leib des heiligen
Pimcnius ruht, einen Bischof zu weihen. Weil Stephan aber allzuleicht,
nachgegeben, so warf er sich jezt zur Erde nieder, und bat um Ver-
zeihung. „Aber weil wir wahrhaftig, und allgemein wissen, dass dieser
Fürst im leichtsinnigen Entschlüsse') nicht bloss befolen hat, dass in
Aquis ein Bischof sei, sondern dass er auch mit seinem angewöhnten
Eigensinne^) verordnet hat, dass hier in der Vorstadt von Toledo, in
der prätorianischen Kirche der Apostel Petrus und Paulus ein Bischof
eingesezt werde; und da er es an andern Flecken und Dörfern ebenso
machte, so sollen gegen die insolente Frechheit dieser (allgemeinen)
V^ervvirrung ^) die Canones sprechen (was geschah). In Aquis solle
mm sihi instUuit, et quod superest quem totius popuH amahilitas exquisivit —
unde non erit — jam deiiiceps, aut ab anath^matis sententia alienus, aut a di-
vlnae animadveraionis ultione securiis, qnisquis süperbe contra salutein ejus
fleinceps aut ei'cxerit vocem aut commoverit caedem aut quamcunque exquisierit
laedendi occasionem. Der Synode war die Art, wie ^der vor aller Zeit voraas-
gewusste König'^ Erwig zur Gewalt gelangt, entweder ein wirkliches oder ein
diplomatisches Gehcimniss.
') cons'dio Icvitatis agentcm.
') cum consudis obstinat ionibus ordinasse.
') pro tarn insolenti haiusmodi disturpationis Uceniia ■— canonum üisti-
tiUa in medio proferrL
170 Achtes Bach. Zehntes Kapitel.
also kein Bischof sein. Dieser Bischof Zuniuldua, der nach der Wfirde
nicht getrachtet, möge ein durch Todfall vacantes Bisthum erlangen;
Aquis soll, wie früher, unter einem Abte sein. Wer in Zukunft an
Orten einen Bischof einsezt, wo früher keiner war, der sei Anathema
vor dem allmächtigen Gotte, der Ordiairende und der Ordinirte sollen
ihre Würde verlieren, weil sie die Anordnung der Apostel zerstört
haben. — Mit diesem Canon war Wamba aufs Neue niedergeschmettert
— er der „todte Lowe."
5) Es gibt Priester (sacerdotes)^ welche öfters an einem Tage das
heilige Opfer darbringen, und nur bei der lezten Messe die heilige
Communion nehmen^). Diess ist ganz gegen das Wesen des heiligen
Opfers, von dem die heilige Communion unzertrennlich ist. Wer diess
femer thut, soll ein Jahr lang der Communion beraubt sein. — Nicht
bloss mehrere, sondern viele Messen wurden also von Einigen an dem-
selben Tage celebrirt').
6) Damit in Zukunft die erledigten Bischofsstühle baJder bcsezt
werden, darf der Metropolit (Primas) der königlichen Stadt jeden vom
König ernannten Bischof sogleich einsezen, ebenso in Betreff der
übrigen Rectoren der Kirchen.
7) Das Gesez Wamba's, dass die Wehrflüchtigen das Recht zu
testiren verlieren sollen, soll gemildert werden. Wenn sie sonst
Nichts verbrochen haben, sollen sie das Recht, Zeugen zu sein,
wieder erlangen.
8) Wer sich, ausgenommen Ehebruch, von seiner Frau trennt,
bleibe so lange ausgeschlossen, bis er zu ihr zurückkehrt. Wenn er
diess, wiederholt von seinem Bischöfe ermahnt, nicht thut, so verliere
er seine Würde als Palatin oder Adeliger.
9) Die zwanzig Geseze gegen die Juden, welche König Erwig
sogleich nach seiner Salbung erlassen^), bestätigt die Synode. Dar-
nach sind 1) die frühern Geseze gegen die Juden bestätigt; 2) da?
Gesez gegen die Lästerer der Trinität; 3) die Juden dürfen sich, ihre
Söhne und Sclaven der Taufe nicht entziehen; 4) sie sollen nicht uacL
ihrer Sitte das Pascha feiern, Beschneidungen vollziehen, Christen von
ihrem Glauben abfallen machen; 5) sie dürfen ihre Sabbate und FesU^
nicht feiern; 6) sie sollen an den Sonntagen nicht arbeiten; 7) sit
sollen keinen Unterschied unter den Speisen machen; 8) keine Ver-
wandte zur Ehe nehmen; 9) die christliche Religion nicht angreifen,
die ihrige nicht verthcidigen, nicht auswandern, um wieder Juden zu
*) Süd in uno die, si plurima per se Deo offeranJb sacrificia, in omnihwi
se ohlationibus a communicando suspendant,
•) Binterim, Denkwürdigkeiten, Bd. IV, Thl. 3, S. 2(31.
') Sie stehen in leges Wüfigothorum, t. 12, L 3.
§. 6. Die zwölfte Synode von Toledo, 681. 171
werden; 10) dass Christen von Jaden keine dem Glauben derogirenden
Geschenke annehmen; 11) dass Juden haeretische Bücher nicht lesen;
12) keinen Christensclaven besizen; 13) um diese behalten zu dürfen,
sich nicht fälschlich als Christen ausgeben; 14) der Jude, welcher
Christ wird, legt ein specielles Glaubensbekenntniss und einen Eid ab ;
15) die Christen, welche Sclaven der Juden sind, und Christen zu
sein leugnen (werden gestraft); 16) die Juden dürfen, ausser einer
Vollmacht des Königs, über keinen Christen herrschen oder ihn be-
strafen; 17) die Sclaven der Juden, wenn sie Christen werden, sind
frei; 18) kein Jude darf Guts Verwalter und Aufseher ^) über christliche
Knechte sein; 19) die nach Spanien kommenden Juden müssen vor
den Bischöfen sich stellen; 20) die Juden überhaupt müssen sich an
gewissen Tagen vor den Bischöfen stellen u. s. w. Die Bischöfe sollen
allen Juden in ihrem Sprengel ein Buch geben, in dem ihre Irrthümer
widerlegt werden etc.
10) Mit Zustimmung des Königs wird das Asylrecht dreissig
Scliritte über die Thormauern der Kirchen ausgedehnt.
11) Knechte, die noch heidnischen Unfug treiben, sollen geschla-
gen und in Eisen geschlossen werden. Die Herren, welche sie nicht
strafen, werden ausgeschlossen. Beständige Ausschliessung und Ver-
bannung trifft die Freien, welche Gözendienst treiben.
12) In jeder Kirchenprovinz soll jährlich am 1. November eine
Synode gehalten werden. Die Fehlenden werden ausgeschlossen.
13) Diese Beschlüsse sollen beständig in Kraft bleiben, Ehre
Gott, Dank dem König, auf „dessen Befehl wir zu dieser Synode be-
rufen zu werden würdig waren." Es unterschrieben (als Pontifices):
„Ich Julianus, unwürdiger Bischof der Königstadt Toledo." Dann
folgt „Julianus y von Gottes Gnaden, Bischof von Hispalis." „Ich
Liuva, unwürdiger Bischof von Bracara." „Ich Stephanus von Emerita
habe unterschrieben." Dreissig Bischöfe, zuerst Asphalius von Avila, un-
terschrieben, 3 Stellvertreter von Bischöfen, 4 Aebte, 14 viri illttstres^).
*) viUicus et actor.
') Loaysa, 680-609. — Ferrer as, II, 437—442. — Aguirre, II, 681--
694. - Aguirre -Catalani, IV, 262-278. — Harduin, III, 1715-1728. —
Mami, XI, 1028-1043, — iMbU-Coleti VII, 1429-1451. — Florez, VI,
210-213. — Tejada y Ramiro, II. 453-493. — Hefele, III, 286-290. —
Helfferich, Westgothen-Recht, 194—198. — Fei Dahn, VerfassuDg der Weat-
gothen, 476—480.
172 Achtes Buch. Zehntes Kapitel.
Am 4. November 683 — wurde das dreizehnte (National-) Concil
Joncii ^^^ Toledo gehalten, in der Kirche der heiligen Apostel. Erwig er-
oa68s. schien, empfal sich dem Gebet, empfal die zeitgemässen Verbesser-
migen der Kirchenzucht und legte wieder einen „Tomus^^ mit Vor-
schägen vor. „Dann gaben wir für den von dem Fürsten empfangenen
Tomtis Gott die Ehre, und segneten den ruhmreichen Fürsten." Der
Fürst aber, nachdem er seine Wünsche kundgegeben hatte, ging huld-
voll aus der Versammlung hinweg*). — In dem „Tomtis^ spricht
sich Erwig mit äusserster Herablassung aus^). Er empfielt Milde,
denn er will die durch „Tyrannei" weggerissenen Glieder des Reiches
wieder in die Gemeinschaft des (geistigen) Leibes zurückführen. Die
Anhänger des Paulus sollen ihre politischen Kechte wieder haben,
welche mit Infamie und Vermögenseinziehung gestraft waren ^), u. a.,
was in den 13 Kapiteln verhandelt wurde. — Nach Recitirung des
Glaubenssymbols wird beschlossen:
1) Die wegen der Empörung des Paulus Gestraften oder ihre
Kinder soUen ihre confiscirtcn Güter zurückerhalten, ausser dem, was
der König an Andere verschenkt hat.
2) Palatino*) und Geistliche sind oft (unter Anklage der untreue),
ohne rechtliches Verfahren oder nach Erpressung eines Bekenntnisses
abgesezt, gefesselt, gepeitscht, der Güter beraubt, eingekerkert worden.
Hinfort sollen sie vor und durch die Versammlung der Bischöfe,
Senioren und Gardinge ^) gerichtet werden können. Ebenso die übrigen
Edeln^ die nicht Palatine sind, die, wenn sie der König schlagt, wie
es Gewohnheit ist, weder ilii-e Ehre noch ihre Güter verlieren sollen.
Der König, der dagegen fehlt, verfällt dem Banne.
3) Das Edict des Königs (das der Synode angehängt ist), wird
*) gratiosus — exivit — kann auch hcissen: mit Grazie, mit lieblichem
Anstand.
') coram coetus vestri revereniia humilis devotusque prostenior, recHnis
assisto, promptus astipulor, primain de conventus vestri aggregatione Pain
luminum gratiarum copiam solvent, deinda votorum meorum stiidia vestris
judiciis dirhncnda cwnmUtens,
•j Wamba wird hier Fürst ^divae vieinoriae'* genannt, war also vor dein
4. Nov. r>83 gestorben.
*) Höhere Adelige, die zum Dienste des Königs gezogen werden, FeL Dahn,
West gothen Verfassung, S. 108.
*) Gardinge, oberste Palastbeamtc; c/. Ducangc (Gardingus); Fei, DaJin,
Verfassung der Westgothen, 1871, S. 103 über ISeniores, S. lOÖ-lll über üar
dinge, nach welchem sie eine Kategorie der IHdatine sind.
S. 7« Dreizehnte Synode von Toledo, 683. 173
bestätigt, welches die rückstandigen Steuern bis auf die Zeit Erwig's
nachlässt.
4) Am 5. November wird beschlossen: Beständiges Anathcm
treffe, welcher die Söhne des Königs, die Königin Leovigotho oder
einen Verwandten des Königs verfolgt, beraubt , schlägt, oder zur
(öffentlichen) Busse zwingen wilP), bestätigend das von Erwig er-
lassene Edict.
5) Die Wittwe des verstorbenen Königes darf Niemand, auch ein^^"*«*»'
König nicht, heirathen, oder mit ihr Umgang pflegen. „Uneiiräglich
ist, dass die frühere Königin, ein Theil des Leibes des verstorbenen
Königs, der Lust eines Unterthanen diene.''
6) Sclavcn oder Freigelassene dürfen nicht mehr Palatine und
Actoren von Domänen werden, mit Ausnahme der dem Fiscus An-
gehörigen.
7) Das Intcrdict, mit welchem einzelne Geistliche eigenmächtig inter-
ihre Kirchen belegen, wird bei Strafe der Infamie und Absezung ver- *****
boten. Anders ist es, wenn äussere Gefahr droht, oder wenn Jemand
durch Gewissensbisse abgehalten wird, Gottesdienst zu halten.
8) Wenn Jemand vom König oder seinem Metropoliten berufen,
rechtzeitig nicht erscheint, so wird er ausgeschlossen. Verhinderung
durch Krankheit oder schlechte Wege muss er mit Zeugen beweisen.
9) Die Beschlüsse der zwölften Synode sollen giltig sein.
10) Am 6. November wird beschlossen: Hat ein Bischof oder
Priester wegen Erkrankung die Busse übernommen, und kein schweres
Vergehen bekannt, so darf er nach seiner Genesung und vorhergehen-
der Keconciliation durch den Metropoliten sein Amt wieder führen.
11) Es ist verboten, einen fremden oder entflohenen Kleriker oder
Mönch aufzunehmen.
12) Gegen den eigenen Bischof kann mau bei dem Metropoliten
klagen. Ehe dieser entschieden, kann der Klagende nicht excoramunicirt
werden. Von dem eigenen Metropoliten kann man an einen andern
appelliren; wenn zwei Metropoliten ihn nicht hören, kann er an den
König appelliren. Es folgt (13) die gewöhnliche Schlussform.
Durch Edict vom 13. November bestätigt der König das Concil. unt«-
Es uuterscbrieben „Julian, der unwürdige Metropolitanbischof; Liuva, wiwift«
„Bischof** von Bracara; Stephan, „Bischof" von Merida; Floresind,
„Bischofs von üispalis, dann die (eigentlichen) 44 Bischöfe, jeder
seinem Namen „Ich" voransezend; 9 Aebte, 26 Stellvertreter von
Bischöfen, 26 Adelige und Magnaten^).
^ „Eine offoDbar vom bOsen Gewissen eingegebene Besorgniss'', Fei. Bahn,
p. 483,
') Verglichen mit der vierten Synode von Toledo ist hier eine kleinere Zahl
174 Achtes Bach. Zehnes Kapitel.
§. 8.
Das am 14. November 684 zu Toledo gehaltene Proviüzialconcil
der (vordem) carthaginensischen Kirchenprovinz, war gleichfalls vom
Konig Erwig berufen. Es handelte sich in demselben um die Annahme
der Beschlüsse der sechsten allgemeinen Synode gegen die Monothc-
letcn*). Diese wurden angenommen, imd in der Conciliensamnilung
» den Acten der Synode von Chalcedon angereiht (weil damals in Spanien
S' die fünfte allgemeine Synode vom Jahre 653 noch nicht allgemeine
Annahme gefunden hatte*). — Die Acten unterschrieben 17 Bischöfe,
2 Vicarien, 6 Aebtc und die 5 Stellvertreter der übrigen (frühem)
Metropoliten').
§. 9.
KSnig Von den Gesezen, welche König Erwig gab, nrtheilt der Chronist
*^'^* Sebastian von Salamanca: Er hat die von Wamba gegebenen Geseze
,. ' verschlechtert, und andere unter einem Namen herausgegeben'^). Jene
von BischOfon erschienen. Dort erschienen 62 Erzbischöfe nnd Bischöfe nnd 7 Stell-
vertreter, hier 48 Bischöfe und Erzbischöfe, 26 {aL 25) Stellvertreter, ergiebt za-
sammen 73 (74) Bisthümer, 5 (4) mehr als im Jahre 633, nämlich ein Bischof von
Anca erscheint hier, und ein Stellvertreter desselben, die Namen der Bischöfe aber
differiren, wesswegen Florez nnd Ftc. la Fuente einmal .yNismes^ (Nematisem,
verwechselt mit Äucens,) zu lesea vorschlagen. Es erscheint ein Bischof von Ma-
lacca, dem wir 633 nicht begegneten, femer ein Bischof von Dianium oder Diaiüa.
endlich ein Bischof PoterUinus ,, Verecemis"^. Da es ein solches Bisthum nicht gab,
da aber Galiabria nicht vertreten ist, so schlagen die genannten Autoren v^r, „Ca-
Liabriensis" zu lesen (Florez, VI, 217 ; Vic. la Fuente, 1, 391), Soviel BisthQ-
mer haben überhaupt bestanden. Vic. la Fuente zählt zwar 76 (p. 38ö); allein
dass ein Bisthum Abdera bestanden habe, ist eine Streitfrage, an die Stelle des
eingegangenen Carthagena war Bigastro getreten, an die Stelle von Castulo war
Beatia (BaiSza) getreten, Elotana war nach Uici verlegt worden, das nördliche Mcn-
tesa kam nach Oretum.
Cf. OarciaLoaysa 610^640. — Aguirre, edit, /, II, 694—710, — Aguirre-
Catalani, IV, 278-^297. — Uarduin, III, 1735-1762. — Conc, ed. LabU-
Coleti, VII, 1463—1482. - Mansi, XI, 1059—1082. — Ferreras, III, 443—446.
— Florez, VI, 214—223. — Bruns, I, 333. — Tejada y Ramiro, II, 494-519.
— Uefele, III, 290^292. — A, Ilelfferich, 198-199. — Fei. Dahn, 480-484.
') oh confutandum Apollinaris dogina pestiferum.
«) Uqfele, II, 899.
') Gare. Loaysa, 641—658. — Aguirre, II, 717—720. — Aguirre-Cata-
lani, IV, 302-306. — Uarduin, III, 1754-1758. — Conc. ed. Labhe-CoUti,
VII, 1488-1494. — Mansi, XI, 1086-1092. - Ferreras, II, 448—449. ^
Florez, VI, 223-225. — Bruns, J, 349. — Tejaduy Ramiro, II, 520-527. -
Uefele, III, 293—294. — A. Ilelferich, 199^2iH). - Fei. Dahn, 484-486.
*) leges a Wambane inatituta^s corrupit, et alias ex nomine suo edidit.
§. 10. Fünfsehnte Synode zu Toledo, 688. 175
dürften die Geseze über die Wehrverfassung sein, durch deren Milder-
ung oder Aufliebung er den Sieg der Araber über Spanien erleichterte,
Leztere sind wohl die Geseze gegen die Juden, welche mit Sehnsucht
auf den Einfall der Mauren warteten. Erwig legte die durch List und
Gewalt errungene Herrschaft den 14. November 687 nieder, und starb
wenige Tage nachher in einem Kloster ^).
Egica war der Schwiegersohn des Königs Erwig, der Gemahl KSnig
seiner Tochter Cixilo, und Neffe Wamba's. Als Erwig sein Ende ^'^^
herannahen fühlte, wollte er die Herrschaft in seiner Familie erhalten,
und es gelang ihm. Am 14. November (nicht August) 687 übernahm
Egica die Gewalt, am folgenden Tage, den 15. November, nahm Elrwig
„die Bussc,^ und starb zwischen dem 15. — 24. November.
Am 24. November 687 wurde Egica (Egiza) von dem Primas
Julian gesalbt. Egica regierte fünfzehn Jahre, zehn allein, und fünf
mit seinem Sohne Witiza, nämlich vom 24. November 687 — 698; er
starb im Jahre 702, ohne die fünfzehn Jahre vollendet zu haben.
§. 10.
Sogleich nach seinem Regierungsantritt berief er die (15) National- synod«
Synode nach Toledo, welche unter dem Yorsize Julian's am 11. Mai^oness
688 eröffiiet wurde, in der Hauptkirche der heiligen Apostel. Nach
alter Sitte trat der König in die Yersanmilung, warf sich nieder und
cmp&hl sich den Gebeten der Bischöfe, dann stand er auf und hielt
eine „entsprechende",*) Anrede, und übergab einen „Tomits/^ worin er
seine Anliegen niedergelegt habe. Darin stand, dass Egiza zwei Eide
habe leisten müssen. Zuerst habe er dem Erwig, als er dessen Tochter i>ieEui<
Cixilo (Cixlona) heirathete, schwören müssen, dass er die Angehörigen «».Bgio«
des Kimigs schüzen, und jeden Angriff von ihnen ferne halten wolle.
Erwig woUte sich so vor der Rache der zahlreichen Anhänger Wamba's
schüzen. Vor dessen Tode habe er seinem Schwiegervater^) schwören
müssen, dass er dem ihm anvertrauten Volke Gerechtigkeit erweisen
wolle. Egiza stellt sich selbst als in einem Zwangsverhältnisse zu
0 Fd. Dahn: „Zuletzt entsagte der König, von Krankheit, Aberglauben,
und, wie es scheint, Gewissensangst gepeinigt, dem Scepter, das er ebenso ver-
werflich gefiihrt, wie erlangt hatte". — Qf. Chronol, regum Oothor. c. 30. —
üebast. ScUmant c. 3. — Roderic. Tötet. III, 13 (succedit Ervigus tyranide,
tum de jure). — Ferreras, II, 438—450, — Florez, //, 209. — CavanilUa, J,
242-^248. — Lembke, 110—112. — Ä. Helfferich, 190—204. — Fei. Dahn,
Könige der Westgothen, 215—219.
*) svfficienti.
^) es heisst: divue socer^ Erwig war also schon todt.
176 Achtes Bach. Zehntes Kapitel.
Erwig stehend dar, und meint, dass beide Eide sich wiedersprechen,
da er nicht Allen im Volke ein gleich gerechter Herrscher sein könne,
wenn er die Angehörigen Erwig's gegen die Gerechtigkeit vertheidige.
Erwig habe mit grosser Härte sehr Viele gegen das Recht ihrer Güter
beraubt. Adelige zu seinen Sclaven gemacht, sie gefoltert, und Gewalt
geübt u. s. w.
Nach Verlesung des Tomus wurde das Symbolnm recitirt. Hier-
auf wurde eine dogmatische Differenz mit dem (inzwischen am 8. Mai
685) gestorbenen Papste Benedict II. behandelt. Die Spanier behaup-
teten hierin im Rechte zu sein, und sie vertheidigten die vom Papste
getadelten Ausdrücke in Betreff der Bedeutung von „Wille und Weis-
heit** im Monotheletenstreite „auf eine gar wenig höfliche Weise *).*
Sie gebrauchen den Ausdruck: „unwissende Nebenbuhler" in einem
Zusammenhange, in welchem nur die Päpste verstanden werden können.
Indem die Synode sodann die zwei Eide des Egica behandelt,
erkennt sie, dass der zweite dem ersten Eide vorangehe, d. h. sie ent-
bindet den Egica von der Rücksicht auf die Familie des Ei'wig, wie
er es wünschte. Einen dritten Eid aber, den Erwig Rir die Sicherheit
seiner Angehörigen von dem ganzen Volke verlangt hatte, fand die
Synode nicht bedenklich. — Wer den Besclilüsscn dieser Synode
widerstrebt, verliere den zehnten Theil seines Eigenthums, und werde
excommunicirt« Es unterschreiben nach Julian (die ehemaligen^ Metro-
politen von Sevilla, Braga, Merida und Narbonne; unter den Bischofen
zuerst der gefeierte Idalius von Barcelona, im Ganzen 56 Bischöfe,
einer weniger, als auf der vierten Synode, und 5 Stellvertreter ab-
wesender Bischöfe. Ferner 8 Aebte für sich, 1 Erz[)rioster, Erzdiakou
und Primicerius (von Toledo), 17 Grafen^).
§. 11.
Julianus stammte aus einer jüdiscihen Familie ^) ; war Erzbischot
von Toledo vom 29. Januar 680 bis 6. März 690. Seine Schrift: j
1) Progiiosticou futuri saeculi ad Idalinm sioe de praescieihtia futuri
saecnli llbri TU ist an Bisehof Idalius von Barcelona goriditet. Das
erste Buch handelt über den Tod des Menschen als eine Folge der
') Ilefele, III, 295; davon unten Kap. 12.
') Gare. Ijoaysa, p, 659—685,— Affuirre, II, 721—731. — Aguirre-Ca-
taJani, IV, 306-317. — Ilarduhi, III, 1759-1772. - Couc. ed. Lahhe-Odvti.
VIII, 6-22. — Mansi, XII, 7- 25. — FerreroH, II, 450 -153. ~ Fiorez, VI,
225-227. — Bruns, i, 353, — Tejada y Ramiro, II, 528-552, — Ilefele,
III, 295—296, — A. Ilelffcrich, 204-206. — Fei. Dahn, Verfassung der West-
gothen, 4HG- 490.
') ex traduce Judaeonim. — Isidor, Pac. 23.
§. 11. Julianns von Toledo. 177
, der als Gesez der Natur ungeachtet der Taufe herrscht, die
Ifenschen von der Erbsünde reinigen soll. Das zweite Buch
It von dem Zustande der Seelen bis zu der Auferstehung und dem
ite. Von leztenn handelt das dritte Buch. Augustin und Gre-
I. sind die Hauptquellen des Julian. — Zwei andere Schriften
nit Unrecht dem Julianus zugeschrieben.
Y) Die Schrift: Demonstratio sextae aetatis seu de Christi adventu
'U8 Jvdaeos L 3 ist auf Bitten des Königs Erwig um 686 ver-
gegen den Einwurf der Juden, dass Christus nicht im sechsten
Iter geboren sei, wie es doch von dem Messias die Schrift vcr-
Im ersten Buche will Julianus die Uebereinstimmung der im
Testamente über den Messias sich findenden Angaben nach-
I. Im zweiten Buche sucht er aus dem Neuen Testamente den
8 zu fuhren, dass Christus der wahre Messias sei, ein Beweis,
ach die Apostel gegen die Juden geführt haben. Das dritte
▼ersucht chronologisch nachzuweisen, dass Christus im sechsten
ber (Jahrtausend) erschienen sei.
J) Die Schrift: Historia de Wambanis (Wambae)^ regis Gothorum
ni expeditione, d. i. des Feldzuges gegen den Rebellen Paulus
gewohnlich dem Julianus zugeschrieben. Ein äusseres Zeugniss
licht Tor. Aber einen andern spanischen Schriftsteller jener Zeit
man nicht.
Jalianus ist ohne Zweifel Verfasser des Textes der in den Jahren
688 abgehaltenen Synoden, die ganz und gar seinen Geist ath-
nnd seinen Stil wiedergeben. — Er ist Verfasser der dogmati-
£rorterungen, die aus Anlass der sechsten allgemeinen Synode
hen Gom und Spanien gepflogen wurden, und zeigt sich hierin
nen ebenso streitfertigen wie gewandten Theologen, der von dem,
*r einmal ausgesprochen, nicht ein Titelchen auf- und preisgibt,
er ist sich bewusst, das Rechte auf die rechte Weise gesagt zu
u Wer daran zweifelt, versteht entweder Nichts, ist ein Ignorant,
er hat ihn nur flüchtig und oberflächlich gelesen — denn es ist
möglich, dass er sich geirrt haben könnte.
Dass Julianus den hauptsächlichen Antheil an der lezten Bedac-
1er altspanischen Liturgie und der Sammlung des Kirchenrechts
ist meine Ansicht, ebenso, dass in Beziehung auf formelle Dar-
Dg er alle oder fast alle spanischen Schriftsteller im siebenten
inndcrt libertrifil. Nur Eulogius im neunten, Martin von Leon im
len Jahrhundert erreichen annähernd seine Formgewandtheit. Nach
Tode des Ildefons, des Tajo und des Fructuosus ist er die ge-
Ipte Persönlichkeit Spaniens am Ende dieses Jahrhunderts; aber
ideblichkeit und die innere Kraft, die Geister im Leben und nach
Mtt, ipan. Kfrcbe. IL 2. \2
T.
etlona.
178 Achtes Buch. Zehntes Kapitel.
dem Tode an sich zu zicheu, imd sie gefesselt zu halten, eine Macht,
die dem Udefons und Fructuosus bis zum heutigeu Tage innewohnt,
besass und besizt er nicht. Er war niemals ein Heiliger des Volkes.
Ausserhalb Spaniens wurde er niemals verehrt, ja nicht einmal in To-
ledo. Sein Nachfolger Ximenes fand ihn ganz vergessen und vernach-
lässigt von dem Volke, und wollte seine Verehnmg in die Hohe
bringen. Allein vor wie nach Ximenes zog er die Herzen nicht an
sich. Die wahren Heiligen ziehen vom Ximmel herab die Herzen an
sich — vorschi'eiben kann man ihre Verehrung nicht ^).
§. 12.
ifUHoa Der Bischof Idalius von Barcelona, Nachfolger des Quiricus viel-
^^ leicht um das Jahr 666, erscheint zum leztenmale auf der Synode des
Jahi'es 688 ^) , auf welcher er als der älteste der sämmtlichen Bischöfe
die Acten unterschreibt. Ihm widmet und übersendet mit einem Briefe
Julianus von Toledo sein Werk: „Frognosticon futuri saectdi/^ welches
derselbe hinwieder dem Metropoliten Suniefredus von Narbonne sendet.
In seinem Briefe an ihn sagt Julianus, dass er mit Idalius Ostern in
Toledo gefeiert habe, wahrscheinlich im Jahre 688. Ostern fiel damals
auf den 29. März, und die Synode fand erst im Mai statt. Damals
war Idalius vom Podagra arg gequält^). Die zwei Bischöfe kamen
auf die Frage über den Zustand der Seelen vor der allgemeinen Auf-
erstehung, und ihre Ansichten waren nicht die gleichen, und sie er-
muthigten sich darüber (sich) zu schreiben. Auf Antreiben des Idaliii?
liess Julianus sogleich einen „Notar" kommen, und die Hauptpuncte der
Frage niederschreiben. Damals wurde auch der Inhalt der drei Bücher ,
dieses Werkes festgestellt.
Nach demüthigsier Danksagung für das erhaltene Work sai^'t
Idalius: „Es kam zu uns ein gewisser Jude, Namens Itestitutus. \
welcher so zu sagen wie ein unvernünftiges Thier dieses lichtvolle
') Patrum Toletanorum quotq. extant opera^ ed, F, Tjorenzana, t, 11,
p, 3—884, Matr, 1785 (Abdruck ap, Migiie, L 96). — Fhrez, L 5, p. 277—2^7.
— Nicol, Antonio, ed, F. Bayer^ I, 413—124. — Fei. Bahr, die christlich-römi-
sche Theologie, 1837, S. 470-472. — A. llelfferich, Westgotheii recht, la»)», S. 196-
20G. — Wcstgoth. Arianißmus, 1800, S. 71—79. — Fol, Bahn, Verfassung der
Westgotlieii, 1871, S. 473—190.
') Schon im Jahre (*.oü war er der älteste unter 24 Bischöfen, die ihre Vica-
rien sandten; im Jahre (>88 der älteste unter r>5 Bischöfen.
*) Eros enim tunc, fatetyr, mi Domine et frater sanctissime, podagrici
dolor is contwtionihus tahidus, scd multo ampliiut spe divinas confemplationis
erectits. Ob es aber gerade das Jahr G88 war, wie Florez als sicher annimint,
anter liegt einigem Zweifel.
§. 12. Idalins von Barcelona. 179
Werk mit sich führte — es mir mit beiden Händen überreichte, das
ich, voll Begierde, es zu kennen, mehr an mich riss, als in Empfang
nahm, es schleunigst offiiete, und den Titel erblickend gestehe ich Dir
meine Verwunderung ein, warum Deine Heiligkeit ein so herrliches Werk
einem so ungläubigen und dem Glauben fernen Träger anvertraut
hat ^). Doch habe er aus dieser Art der Uebersendung die Demutb
des Julian erkannt, der, eitlen Ruhm verschmähend, sich eines ge-
meinen Trägers ^) bedient habe. Hierauf lobt er die Schrift des Julian.
Andere Schriftsteller haben ihm das Gold, d. i. den Stoff geliefert^ er
aber habe es geprägt und ihm die beste Form gegeben. Elr dankt
Gott, dass er am „Ende der Welt^^) dem Julian ein so herrliches
Werk zu schreiben verliehen; er habe das Werk „der ganzen Kirche^
mitgetheilt *).
Sunifredus, Erzbischof von Narbonne, hatte (nämlich) dieses Werk
von Idalius verlangt, und Idalius sendet es ihm, damit er es sämmt-
lichen Bischofen seiner Provinz mittheile ^). Es ist ein wohlthuender
Anblick, der Anblick der beiden Bischöfe Quiricus und Idalius von
Barcelona, welche diese gefeierte Kirche wohl fünfzig Jahre regiert
haben, wie sie mit tiefster DemQth und innigster Lembegierde andere,
in ihren Augen begabtere Bischöfe als sie (Tajo, Bdefons, Julianus)
zum Schreiben dringend auffordem, wie sie Gott danken für die
Gaben, die er den Andern mitgetheilt, und wie sie sich bemühen, diese
Schrift;en zur Belehrung und Erbauung „der ganzen Kirche^ mitzu-
theilen, was damals ohne den bedeutendsten Aufwand der Zeit nicht
möglich war®).
*) tanti et tarn praeclari mercimonii causam tarn infido et a cultu fidei
alieno vestra sanctitas crediderit bajulo.
*) viliori gerulo,
') in fine temparum, aut in consummatione mundi.
*) Ecdesiae universitas, ad cuius notitiam insignia operis vestri dedaxit
nostra tenuitas,
^) Er nennt den Julian dreimal „Socius vester**, (d. i. Metropolitan, wie
Snnifred), „Julianus, Toletanae primae sedis episcopus**. Er nennt Barcelona
„civitatula** (ein Städtlein), (,>cai indignus praesideo"), den Sunifredus aber
nennt er: Vemacule Domne (vielleicht lieber Herr und Freund V). Florez aezt
diesen Brief in das Jahr 089.
*) Espana sagrada, t. 29, p, 184-^144. — ib. Idalii opuscula, p, 447^
451. — Felix Torres Amat, Diccionario de los escritoros Catalanes, Bare. 1836.
p. 314-315.
12
180 Achtes Bach. Zehntes Kapitel.
§. 13.
I
DLOon- A.m 1. November 691 hielten die Bischöfe der Kirchenprovinz
e» Ton Tarragona, vielleicht nach dem Vorgange der von Emerita (666) und
g^Mi^. Bracara (675) ^auf Geheiss des Königs Egiza^ ihre Provinzialsynode
zu Saragossa, (es war die di'itte hier gehaltene,) und sie verordnen ^) :
1) Nach altem Geseze sollen Kirchen und Clerik^r nur an Sonntagen
geweiht werden. 2) Die nahe wohnenden Bischöfe sollen sich an
Ostern zu ihrem „Primas^ begeben, und das Fest mit ihm feiern.
3) Laien dürfen nicht als Gäste in Klöstern aufgenommen werden,
ausser in getrennten Häusern (Gast- oder Fremdcnhäusem.) 4) Sclaven
der Ejrche, welche ein Bischof freigelassen hat, müssen seinem Nach-
folger ihre Freibriefe vorweisen. 5) Canon 5 der 13. Synode von
Toledo (über die verwittweten Königinen) wird dahin verschärft, dass
die Wittwe unverweilt das weltliche Kleid mit dem religiösen ver-
tausche, und in das Kloster trete. „Denn es ist nicht zu ertragen,
was oft geschieht, dass königliche Wittwen geschmäht, verfolgt und
misshandelt werden.^ Was also ein Zwang war, das erscheint hier
als Mittel des Schuzes. In der That, es war „etwas faul^ in den
Staate der Westgothen. Die Unterschriften der Synode fehlen ^).
§. 14.
^ Nach dem Tode des Julian von Toledo folgte ihm als Prima*
Silber- der frühere Abt Sisbei-tus, welcher der erste Metropolit aus dem Gc-
«»■ ▼«» schlechte der Gothen gewesen sein soll. Nach einer Kcfirieranff voü
etwa drei Jahren wurde er wegen cmer gegen Üigiza angesponneneD
Verschwörung seiner Würde cntsezt.
§. 15.
Am 2. Mai 693 wurde die sechszehntc Synode von Toledo, „anf
Geheiss des orthodoxen Königs Egiza^ in der Kirche der heiligen
Apostel eröflnet. Alle sassen nach der Gewohnheit nach der Zeit ihrer
') Nachdem sie drei Tage sich über das nicünische Ulaubcnssymbol (vielleicbr
mit Rücksicht auf die Differenzen zwischen *Kom und Toledo) besprochen hatten.
') Grarc. Loaysa, 690^695, — Aguin'c, II, 732—734, — Aguirre-Cata-
lani, IV, 317-320. — Harduiny III, 1779-1782. - Ccmc, ed. Ixibbe-Coleti.
VIII, 31-36. - Mansi, XII, 42-46. - Ferreras, II, 456-456. — Florez-
Bisco, t. 30, 243^-244. - Tejada y Ramiro, II, 132-137. — Fei. Dakn,
490-^491.
§. 15. Die sechzehnte Synode von Toledo, 698. 181
Ordination ^) , und dankten Gt)tt ^) , der sie versammelt hatte. Sie
redeten unter sich über geistige Dinge, und erwarteten den Ausgang
der Dinge mit sanftmüthiger Geduld^). Da erschien der König in
ihrer Mitte, und indem er „den Scheitel seines ruhmreichen Hauptes
demüthig neigte" *), empfahl er sich dem Gebete Aller, und „mit eigener
Hand" übergab er uns den Tomus, in \^elchcm seine Wünsche und
Anträge standen, und hielt eine kurze Ansprache. Nachher wurde der
Inhalt des Tomus vorgelesen, und den Acten der Synode einverleibt.
Er empfiehlt nach dem oilhodoxen Glauben Verbesserung der Disziplin.
Für die Priester und Kirchen auf dem Lande sei bessere Sorge zu
tragen. Gegen Judenthum und Heidenthum, gegen Päderasten und
Verschworer müsse eingeschritten werden. Als freiwillige Schiedsrichter
mögen sich die Bischöfe vor Parteilichkeit und Bestechlichkeit bewahren.
In dem Symbolum der Synode wurde die orthodoxe Lehre von
den zwei Willen in Christus dargelegt. Dann wurde beschlossen:
1) Die Geseze zum Zwecke der Bekehrung der Juden sollen
genau beobachtet werden. Den bekehrten Juden werden die Abgaben
('der übrigen Juden) an den Fiscus nachgelassen, und sie erhalten
gleiche Rechte mit den Christen.
2) Die Bischöfe, Priester und Richter sollen, unter Strafe der
Absezung und Ausschliessung auf ein Jahr die Ueberreste des Heiden-
thums zu tilgen suchen, u. a. das Anzünden von Lichtem, die Zauberei,
Wahrsagerei u. a. — Die Schuldigen werden um 3 Pfunde Gold, sind
sie arm, mit 100 Hieben bestraft.
3) Ein Bischof, Priester oder Diakon, der Sodomiterei begeht*),
wird abgesezt und für immer verbannt. Laien werden ausgeschlossen,
öffentlich gegeisselt, decalvirt und verbannt. — Wenn sie nicht genü-
gend Busse gethan, so sollen sie auch am Ende die Communion nicht
erhalten*).
4) Wer einen Versuch des Selbstmords machte, wird auf zwei
Monate ausgeschlossen.
5) Die Bisehöfe sollen das ihnen zukommende Drittel aus den
Einkünften der Kirchen zu deren Restauration verwenden, oder es an
die Angehörigen der Kirche herausgeben. Vom Kirchengute darf der
Bischof Andern nichts vergeben. Mehrere Kirchen dürfen nicht unter
■) ex mort seciindum ordinationis suae temptts in locis debitis.
*) ei precum murmura effundenJtes.
*) coepit unionis nostrae numerositas de rebus spiritucdibus mutua inUr
se collatione orsa diffundere, (Uque everUum rei spectcUione mansuetissima
praestolari.
*) gloriosi capitis verticem cemuo voto redinans,
*) cf. IIb, p, 83,
*) cf, can. 2, von Elvira,
* , - . ■ ■• - ■ ■■/ ■
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K
A
t
182 AeliteB Bach. ZehDtee Kapitel.
einem Priester stehen. Hat eine Kirche zehn Mancipia^), so eiiudt
sie einen Priester; hat sie weniger, so wird sie mit andern Kirchen
verbanden.
6) Zam heiligen Opfer darf nicht gewohnliches Brod gebrancht
werden. Ein besonders nnd mit Soi^fidt bereitetes massiges (nnge-
saaertes) Brod^ werde auf den Altar zar Consecration gelegt.
7) Innerhalb der sechs ersten Monate nach einem Provinzialconcil
mnss der Bischof den dazn bemfenen Achten, Klerikern and Laien die
Beschlässe eröffnen.
8) Geistliche nnd Laien sollen dem Konige, der sich um die
^^ Kirche nnd das Volk so verdient gemacht, treu bleiben, ihm nnd
seiner Nachkommenschaft. Ausgenommen am Gharfreitag soll für den
König und seine Familie an allen bischoflichen und Landkirchen täglich
das heilige Opfer dargebracht werden. 1
SMMit 9) Der Primas Sisbert wollte den Konig und dessen Kinder, 1
**7jJ^ Frogellus, Theodemir, Liuvila, Liuvigito, Theda und die Uebrigen |
ermorden, Verwirrung und Zerrüttung über Beich nnd Volk bringen.
Darum haben wir ihn abgesezt; und nach den frühern Canones^ wird
er verbannt, ausgeschlossen nnd seiner Güter beraubt; nur am Ende
kann er die Gommunion erhalten.
10) Da Verschwörungen gegen den König und das Reich sich
mehren, so sollen sie schwer bestraft werden.'
11) Gott sei Dank! Er schüze den König.
12) Mit Beistimmnng des Volkes und Klerus vcrsczcn wir den
Erzbischof Felix von Sevilla auf den Stuhl von Toledo, dt»n der König
schon zum Verweser eingesetzt hat. Faustinus von ßraeara wird
Erzbischof von Sevilla, Felix vom Bisthum Porto auf das von Braga
versezt.
UBtar- 13) Die Bischöfe von Narbonne konnten wegen einer Seucbt
■•>»*'■ nicht erscheinen (nur der Bischof Ervig von Beziers war anwesend);
darum sollen sie auf einem Provinzialconcil diese Beschlüsse unter-
schreiben ^).
') lex Visig, V, 1, 5. Naeh Ducange siDd hier nicht Knechte, sondere
Höfe mit je einem unfreien Insassen gemeint (mit jo einer Familie von Hörigen '0
Fü. Dakn verweist auf Sidon. Apollinar., ep, 7, 2, — Fei. Dahn, VerfassanK'
der Westgothen, 8. 207.
*) modica obkUa, daher das Wort „Oblaten**.
») C. Toht. IV, c. 76; F, c. 4; VI, c 17; X, c. 2.
*) Oarc. Loaysa, 692—728. — Aguirre, II, 736-762. -. Aguitre-Cata
lani, IV, 820-84O, - Harduin, III, 1785-1806. - Ed. Ijabbi-ChUU, VIll
49-7 5. - Mansi, XII, 69 --86. - Ferreraa, II, 466-469. — Floret, VI, 228-
232. — BrwM, I, 361—381. — Ti^ada y Ramiro, II, 663-587. — HtfeU, III,
319-^22. - Ad. Helffmeh, 207-210. - Fei Dahn, 491-497.
§. 16. Siebenzehnte Synode von Toledo, 694. 183
Der Synode wohnten 5 Erzbischöfe, 4 Bischöfe, 5 Aebte, 3 Vi-
carien von Bischöfen, 16 Grafen bei.
§. 16.
Naclidem derjenige, von dem es unter allen Millionen des Reiches ^^_
zulezt erwartet werden musste, nachdem der Primas von Spanien Ver- tohwör.
rath nnd Mord an König, Reich und Volk der Gotheu versucht hatte, ^l^^
darf man sich nicht wundern , dass auch die Juden auf Verrath sannen.
Weil sie zunächst mit den Juden in Africa eine Verschwörung ange-
zettelt hatten, berief der König Egiza eine neue Synode nach Toledo,
welche am 9. November 694 in der Kirche der heiligen Leocadia in
der Vorstadt eröflfiiet wurde. Die Bischöfe sprachen, nach abgelegtem
Glaubensbekenntnisse, folgende Capitel aus:
1) Bei Beginn jeder Synode sollen die Bischöfe drei Tage zu synod«
Ehren der heiligen Trinität fiasten, und, in Abwesenheit der Laien, ▼on
iiber den Glauben und die Zucht des Klerus verhandeln.
2) Am Anfange der Fasten soll der Bischof den Taufstein mit
einem Ringe versiegeln, und er bleibe bis Gründonnerstag geschlossen.
3) An letzterem Tage muss überall die Fusswaschung gehalten
werden.
4) Die heiligen Gefasse und aller Schmuck der Kirchen ist nicht .
Eigenthum der Geistlichen.
5) Geistliche, die Todtenmessen für Lebende halten, damit sie
bald sterben, und die Urheber dieses Frevels werden abgesezt, för
immer verbannt und ausgeschlossen. Sie dürfen die Communion nur
am Ende erhalten.
6) Während des ganzen Jahres sollen Litaneien (Exomologesis)
gehalten werden für die Kirche, den König und das Volk, damit
Gott vergebe.
7) Die früheren Geseze zu Gunsten der königlichen Familie
werden erneuert.
8) Die Juden haben ihren alten Verbrechen das neue hinzugefügt,
dass sie Land und Volk zu Grunde richten wollten, nachdem sie zum
Scheine sich hatten taufen lassen. Ihr Vermögen erhält der Fiscus,
sie selbst werden zu Sclaven gemacht. Ihre Kinder werden vom sie-
benten Jahre ihnen genommen, und später Christen zur Ehe gegeben.
Ihre Eigenthümer dürfen keine jüdischen Gebräuche bei ihnen dulden.
Es fehlen die Unterschriften der Synode, die der König bestätigte^).
') Oarc. Loaysa, 729-750, — Aguirre II, 752—763. — Aguirre-Cata-
lani, IV, 340-350. — Harduin, III, 1810-1818. - Ed. Lahbi-Coleti, VIII,
81—95. - Mansi, XII, 94-108. — Ferreras, II, 459-460. - Florez, VI. 232-^
184 Achtes Buch. Zehntes Kapitel.
§. 17.
König Im lahre 698 nahm Egiza seinen Sohn Witiza als Mitregenten,
WiOu. ^jjjj ^jgg jjjjQ »pyy ^Xude) als seinen Wohnsiz an. Im Jahre 700 fiel
dem Witiza bei der Schwäche seines Vaters die ganze Gewalt zu, in
welchem Jahre er auch gekrönt wurde (14. Nov.?). Im Jahre 702
starb Egiza. In dieser Zeit wurde die achtzehnte Synode von Toledo,
unter dem Primas Gunderich gehalten, deren Akten verloren sind*).
(Nach sehr guten Anfängen artete Witiza aus, und verfiel den Aus-
schweifungen; Die Liebe zu ihm wandelte sich in Ilass und Verachtung.
Eine gegen ihn gemachte Verschwörung der Grossen, deren Frauen
und Töchter willenslos seinen Lüsten dienen sollten, wurde entdeckt.
Das Beispiel des Königs wirkte ansteckend, wie eine Pest. Kr soll
den Priestern erlaubt haben, sich zu verheirathen, Jedem aber, so viel
Kebsweiber zu haben, als er wollte. Nach dem Tode des Primas
Gunderich (um 708) trat Sindered, eine Creatur Witiza's, an seine
Stelle. Die Priester, die gegen das Verderben eiferten, bestrafle er
mit Härte«).
Als im Jahre 709 Don Rodrigo von der Partei der Unzufriede-
nen als König aufgestellt wurde, kam es zum Bürgerkrieg, während
gleichzeitig wiederholte Angrifte der Araber auf Spanien stattfanden.
Witiza starb im Jahre 710, und Rodrigo wurde als König anerkannt.
Aber von allen Seiten erhoben sich die Feinde. Mit den Arabern ver-
banden sich Graf Julian, dessen Tochter liodrigo Gewalt angethan
haben soll, die Söhne des Witiza, Siscbut und Evan, sowie ihr Oheim,
Oppas, Erzbischof von Sevilla. Diese luden die Araber zum Einfalle
in Spanien ein. Die Araber besetzten Calpc oder Gibraltar, und von
hier aus rückten sie in Spanien vor. Koderich stellte sich mit dem
ganzen Heere der Gothen dem Feldherrn Taric entgegen^ der in eintr
ihm gunstigen Stellung ihn erwartete. Am 11. November 711 wurde
die Schlacht am Guadalcte (-Fluss, früher Schlacht bei Xeres de In
Frontera genannt) geschlagen, „welchen Tag Gott bestimmet hatte, die
Sünden zu strafen, womit Spanien überschwemmt war'''*).
Eine Ehrenrettung des Königs Witiza versuchten die S[)anier
235. - Bruns, 1, 381-892. — Ilefele, III, 322-324. — Ad. Ilelffcrich
210-211, - Fei. Bahn, 498-601. - Tejada, II, 588-605.
•) Loaysa, 751. — Äguirre, II, 762—763. — Manai, XII, 163,
*) Isidor. Pacensis: 35. Sinderedus . . sanctimirniae studio claret; atqut'
longaevos et merito fwnorabiles viros, qwos in suprafata sibi covitnissa ecclesia
reperit, non secundum scientiam zelo sanctitatis stimulat, atque iiuttinctu jam
dicti Witizac Principis eos 8ub ^U8 tempore convexare non cessat,
') So sagt Ferreraa, der Spanier, II, 505—508«
Ende der Westgothen. 185
PeUiceTj besonders aber Mayans, 1772; femer Lembkej Ad. Hdffe-
rich, Fd. Dahn und Andere^). Die Zeugen gegen ihn seien nur
Geistliche gewesen, und haben so spät gelebt, dass sie höch-
stens Gerüchte erzählen konnten. Es sei undenkbar, dass er er-
laubt habe, dass Jemand mehrere Frauen zugleich habe. Den Prie«
stem aber e(ei die Ehe keineswegs verboten gewesen, was kaum zu
beweisen ist. Witiza sei ruhig in Toledo gestorben (nach den älte-
sten Berichten, era 749, Jahr 711). Roderich sei in demselben Jahre
gefolgt, und habe ein Jahr regiert. Arabische Schriftsteller erzählen, ^ö"*»
Roderich habe sich mit Gewalt des Thrones bemächtigt, und die Söhne
des Witiza ausgeschlossen, diese aber sich mit den Arabern verbunden. ,
Ebenso habe der Graf Julian, von Roderich schmählich beleidigt,
ein Schwager des Witiza, das ihm anvertraute Septa in Airika den
Mauren übergeben. Er, ein zweiter Julian, der Abtrünnige, zog auch .
mit dem Maurenheer nach Spanien hinüber. Sie landeten bei Algesi-
ras (28. April 711). Der Fels Calpe bot ihnen einen Stützpunkt, und
von dem Heerführer erhielt er den Namen Gebr al Tarek (Gibraltar).
Mit einem Heere von wenigstens 40,000, höchstens 100,000 Mann
eilte Roderich herbei.
Am Flusse Guadalete, nahe bei Asido (Xeres de la Frontera), trafen
sich die beiden Heere. Die Schlacht begann Sonntags, am 18. Juli 711,
und endete Sonntags den 26. (25?) Juli. Roderich hatte die Leitung
der beiden Flügel den zwei Söhnen Witiza's anvertraut. Diess war sein
Verderben. Da der Kampf mehrere Tage unentschieden blieb, den
Gothen aber ihre Ueberzahl den Sieg zu geben schien, so boten die
Söhne Witiza's dem Tarik ihre Hilfe an^), wenn er ihnen ihr väter-
liches Erbtheil wiedergäbe.
Als die Schlacht wieder begann, erlangten die Mauren durch
diesen Verrath die Uebermacht und den Sieg. Tarik suchte den König
Koderich auf. Roderich fiel im Kampfe, oder verschwand in dem
Flusse. Nach achttägigem Kampfe war das Heer, das Reich und das
Volk der Gothen vernichtet.
*) Pellicer, Anales de la Monarquia de Espana despiies de su per-
dida, I, Valencia 1643; Gregor. Mayans y ISiscar, defensa dd rey Witiza,
Valencia 1772; Lembke, 124.
') qui cum eo aemiUanter fraudidenterque ob ambitionem regni adve-
nerant. Isid. Pac. 34.
Eilftes Kapitel.
Die spanische Liturgie.
§• 1-
Nachdem wir früher an verschiedenen Stellen über den Ursprang
und die Ausbildung der altspauisirhen Liturgie gehandelt, auch die Messe
der apostolischen Siebenmänner (welche von der Stadt Acci ausging)^
mitgetheilt haben ^), fassen \nr die Ergebnisse unsrer Studien im Fol-
gendem zusammen.
Die u- 1^16 altspanische Liturgie, enthaltend das Missale und das Pscd-
^^^^^'terium oder das Brevier ^ ist genau gefasst, die Liturgie der Kirche
* von Toledo, in der Ausbildung und in der Gestalt, welche dieselbe
Jim Ende der Westgothenzeit gefunden hatte. Vorher, und besonders
im siebenten Jahrhundert, viellei(?ht bis zum Jahre 690, erlitt dieselbe
vielfache Aenderungen und Vermehrungen, nachher aber blieb sie sich
bis zu ihrer Abschaffung gleich , mit Ausnahme der Entfernung einiger
anstössiger Stellen, auf die sich die Adoptianer falschlich beriefen.
Dass wir die Liturgie von Toledo besizen, das beweist auch das
Sendschreiben des Elipandus an Alcuin, wenn er sagt: „Weiter (theilen
wir Dir mit) die Zeugnisse der heiligen und ehrwürdigen Väter (Eugen.
Ildefons, Julian), welche zu Toledo (Gott) dienten, und welche in den
heiligen Messen ausgesprochen sind"*)' — Elipandus und die Spanier
») K.-G. v. Spanien, I, 47, 77, 81-85, 101—117, 113-145, 210-215, 270-275,
204, 300, 311—312, 339-341, 354, 357-358, 362, 368, 373, 414; IIa 370, 390—391,
;.97, 427, 433— 13^?, 453, 459, 46); IIb 11, 17, 65, 91—93, 133, 136.
*) Iterum testiinonia Sanctorum Patrum venerabilium Tolefo desei'vientium
in Mxssarum oraciUis edita sie dicunt Und noch spccieller in der uns nur aus-
zugsweise erhaltenen Denkschrift des Elipandas und der Seinigen: Scquitur in
eodem libello vestro : Item praedecessores nostri Eugenius, llildefonsus^ Jvlianus,
ToletancLe sedis antisiites, in suis dogmaiibus ita dixcrunt in Missa de Coena
domini (Äguirre, 111, lOö).
spanische Liturgie. 187
seiner Zeit hielten demnach die Väter, d. i. die hervorragenderen Bi-
schöfe Toledo's für die Verfasser der spanischen Liturgie. Die Ver-
änderungen aber, welche namentlich Eugen II., Udefons und Julian an
dem Messbuch und dem Breviarium gemacht haben, waren theils eine i^re
Vermehrung des Inhalts, theils eine Verbesserung der Form. Sie ver- <^onu.
besserten theils den vielfach entstellten Choralgesang, theils verfassten
sie für gewisse Feste neue Messen. Die apostolische Messe, d. i. die
ursprünglich seit Einfiihnmg des Christenthums in Spanien begangene
Messliturgic blieb dabei unverändert und unangetastet, vor allem der
Canon der Messe. Hier wurde Nichts geändert, denn es ruhte auf
apostolischer Ueberlieferung.
Auch in einem andern Sinne wurde Nichts geändert. Kein Hei-
liger, welcher nach dem Jahre 400 lebte und starb, fand Eingang in
diese Liturgie, d. h. wurde durch eine eigene Messe und ein OiBcium
gefeiert. Es ist allbekannt, welche Verehrung die heiligen Hicrony-
mus, Augustinus und Gregor der Grosse in Spanien genossen. Die
beiden Leztorn waren fast die einzigen Schrittsteller, deren sich die
Spanier immer und für Alles bedienten, und die Verehrung, die sie
genossen, war eine unbegrenzte, aber sie mussten sich, so zu sagen,
mit der Missa de commnni confessomim P. begnügen ; eine Missa propria
erlangten sie nicht an ihren Festtagen. Auch die einheimischen
grossen Heiligen, ein Aemilian de laCogolla*), ein Isidor^), ein Ude-
fons, ein Fructuosus, die schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt wur-
den, haben keine eigenen Messen, und wir wissen auch die Zeit genau
nicht zu bestimmen, von welcher an ihre Namen in das Missale ein-
getragen wurden, in dem sich selbst einige Heilige des spätem Mittel-
alters, wie Petrus, Märtyrer von Verona, und Thomas von Acjuin
(t 1274) befinden.
') Branlio sagt, er habe aBgeordDCt, dass desseD Fest (oach dem commune
confessoruvi) gefeiert werde.
') Als ich in Cranada war, erkundigte ich mich genau nach Allem, was die
Verehrung des Gregor von Elvira betrifft. Keine Kirche trug oder trägt seinen
Namen: die einzige, jezt geschlossene, kleine Kapelle, die mein Freund Simonet
auffinden konnte, und die im Jahre 151)2 dedicirt wurde, hatte ihren Namen von
Gregor I., dem Papste. Ebenso hat er an seinem Festtage (der ein gewöhnlicher
Werktag ist), keine eigene Oration, geschweige denn Messe. Unter dem Volke ist
sein Name völlig unbekannt, nirgends eine Spur einer früheren Verehrung desselben,
wie denn auch Herr Simonet erst durch mich Einiges ober ihn erfuhr. Wie ganz
anders in Sevilla und Emerita, wo das Andenken und die Verehrung der heiligen
Justa, Rufina, Enlalia, Leander, Isidor, dem Volke nicht bloss in das Herz gegraben
sind, sondern auch nie aufgehört hat?
188 Achtes Buch. Eilftes Kapitel.
§. 2.
P*^- Die spanische Liturgiß besteht aus dem Breviarium und dem
Misscde. Jenes wai* der mehr geschlossene und auf den Chor beschrankte
Kirchendienst der Kleriker, dieses war die öffentliche, kirchliche Feier-
lichkeit auch fiir das Volk. Beides heisst, jenes: Breviarium secimdum
regulam Beatissimi Isidori, archiep. Hi^palensia, dieses : Missale mistum ')
secundum regtdam B, Isidori, dictum Mozarabes, Da im ganzen Alter-
thum und selbst noch im Mittelalter von Isidor als dem Urheber der
mozarabischen Liturgie Niemand weiss, so ist diese Ueberschrift auf
Ximenes und Ortiz, die ersten Herausgeber derselben, zurfickzufuhreu.
Das Brevier beginnt mit dem ersten Adventsonntag, und gibt überall
zuerst die Vesper mit dem bald längern, bald kürzern Hymnus. Für
die Hymnen ist der Dichter Prudentius sehr stark benüzt. Andere
sind von vei*schiedenen Verfassern. Einer ist bestimmt von Quiricus
von Barcelona, andere mögen von Petrus von Lerida tftid Conantins
von Palentia sein. £ine grosse Anzahl ist sicher von den Bischöten
Toledo's im siebenten Jahrhundert verfasst worden. Auf die Vesper')
folgt die Matutin (maiutinum)^ wie in unscrn Brevieren, mit dem Hym-
Adveni. nus des Prudentius: Aeteme verum conditor, dann folgt eine Oration,
hierauf (drei) Antiphonen zu den Psalmen, 3, 50, 56; dann fünf Ora-
tionen mit entsprechenden Antiphonen und Kesponsorien. Die Ijaudet
(in Latidibus) enthalten das Canticum Deuteranomii (cap. 32), mit der
am Anfange und Ende gesproclicnen Antiphon. Hierauf der Gesang
der drei Knaben (Daniel 11), Psalm 148, 149, 150, als lectio cap. 24
des EcclesiaHticus, der Hymnus (eines nicht bekannten, eines gewand- |
len und nicht grossen Dichters), darauf die ßSnpplicatio, Capitula^ das
Pater twster, ein Gebet, der Sogen n. s. w., endlich die Vesper des
folgenden Tages. Drei Wochentage des Advents, Montag, Mittwoch,
Freitag, haben jeder sein eigenes Officium. Nach der ersten Advents-
woche folgt das Officium auf den zweiten Sonntag im Advent (in st-
cnnda Dominica de Adventu Domini), dann folgen die Officien des
Montags, Mittwochs und Freitags. Gleichmässig hat der dritte Sonn-
tag im Advent, und die bezeichneten drei Wochentage ihre OtKcien.
Es folgt der vierte Sonntag; in der auf ihn folgenden Woche hat von
Montag bis Freitag jeder Tag sein Officium. Statt des erwarteten
^) mixtum bezieht sich nicht auf die Mozaraber, sondern bedeutet ein soge-
nanntes Missale Plenarium perfectum , sive Mistum, weil es neben den Orationen
und Gebeten — auch die Benedictionen, Antiphonen, Rcsponsorien, Leetionen u. a. w.
enthält, d. i. die vollßtändigo Messe. Cf. Leslei, praefat. in Missale mixtum, nr, IS»
*) Es heiast nach spanischer Sitte stets ad vesperos (statt vesperas).
Kirchenjahr der Westgothen. 189
nstags heisst es: Auf den fünften Sonntag in der (Erwartung der)D«rAd-
kunft des Herrn, es folgt Montag der funfiien Woche des Advent J*"^^'
zum Freitag. Es folgt der sechste Sonntag im Advent, hierauf der w«u-
►ntag, dann die Vigilia von Weihnachten. Damach dauerte der Ad- *^^'
it 37 Tage, und da Weihnachten, wie bei uns auf den 25. Deceniber
, so begann der Advent am 17. November. Diese Eintheilung ent-
ach der Anschauung des christlichen Alterthums und besonders der
änier, nach welcher fünf Weltalter der Ankunft Christi vorangegan-
1 sind, mit Christus aber das sechste und lezte Weltalter seinen
sgang genommen. Auf dieser Anschauung ruht die Eintheilung der
eltgeschichte des Orosius (die Eintheilung des Werkes Augustinus
1 der Stadt Gottes); diese Anschauung hat, wie wir horten, Julian
I Toledo in einer eigenen Schrift gegen die Juden vertheidigt. Wie
3 die vier Adventsonntage die vier Jahrtausende vor Christus sinn-
den, so jenen die sechs Sonntage die sechs Weltalter.
Diese Eintheilung und Anschauung der Spanier findet auch ihre
chtfertigung und Bestätigung in dem heutigen romischen Martyro-
;ium, indem es (25. December) heisst: In dem 5199. Jahre seit Er- weft.
laffung der Welt, als Gott Himmel und Erde erschuf, in dem miu
57. Jahre seit der Siindfluth, in dem 2015. Jahre seit der Geburt
»rahams, 1510 Jahre nach Moses und dem Auszuge der Israeliten
3 Aegypten, 1032. Jahre seit der Salbung Davids zum Konige, in
r 65. Woche nach Daniel, dgr 194. Olympiade, 752 Jahre nach
Bindung der Stadt Rom, im 42. der Regierung des Kaisers Au-
stus, als der ganze Erdkreis im Frieden lebte. In dem Sechsten
ter der Welt 9 ist Christus, der Sohn Gottes, in Bethlehem geboren
irden*). Es folgt das Officium auf Weihnachten*), dann des heili-
nStephanus, „des Protomartyr", des j, Apostels^ und „Evangelisten**
hannes, das Fest „der Zerquetschung der Kinder"^) oder der hei«=
en Unschuldigen, ohne den herrlichen Hymnus des Prudentius.
Am 29. December wird das Fest des Apostels Jacobus des Ael-
II gefeiert*), am 1. Januar das Fest der Beschneidung unsers Herrn.
*) Martyrol. rcmanum^ octavo Kalendas Januarii,
^) In Nativitate Demini nostri Jesu Christi, In dem Hymnus der Vesper
let sich die Strophe:
EgreMiM cjofl a Patro
R^nreMus ejus *d Patrem
Ezcarsui nsqae ad inferoi
Recnrfiui ad Sedem Del.
') In „aUisione infaniium".
*) Der Grund der Verlegfung vom 12. April auf den 29. Deebr. ef. OamSy
nie du martyre des «. ap, Pierre et Paul. Paris,, 1867, p. 17.
190 Achtes Buch. Eimcs Kapitel.
Der Hymnus ist theil weise aus Prudentins ^). Hierauf fangt an das
„Fasten -Officium an den Kalcnden dos Januar**-) — für den ersten,
zweiten und dritten Tag. Diese drei Tage haben nach den Landen
(Prim) eine eigene Terz, Scxt und Non^); ebenso am zweiten Tag:
am «dritten beisst es: 9, Vor dem Fasten der Epiphanie. Lasset uns
Alle fasten, um unsern Herrn Jesum Christum wegen unserer Sunden
zu erweichen, und um den Frieden zu erlangen"; und"*) um die hei-
ligen Lesungen zu hören, lasset uns die Kirche Gottes besuchen".
„An dem dritten Tage, welcher ist die Vigilia der Erscheinung des
Herrn'*, bis zu der Sext; „zu der Scxt aber werde Alles gesprochen,
wie in der Sext während des ganzen Jahres**. Die Non ist dieselbe,
wie am zweiten Tage der Fasten. Daran schliesst sich der kirchliche
Dienst am Feste „der Erscheinung des Herrn", an welchem Tage in
Spanien (wenigstens vor dem Jahre 385^), die heilige Taufe ertheilt
wurde. Später sollten in der Tarraconensischen Provinz Weihnachten
und Ostern die vorzuglichen Taufzeiten sein. Wieder hat der erste
Sonntag nach der Octav der Epiphanie ein eigenes Officium, der
darauffolgende Montag eine eigene Terz, ebenso der Dienstag, Mitt-
woch, bis zu dem Samstag der heiligen Maria ^). An allen Samstagen
wälirend des ganzen Jahres wird nämlich ^ wenn kein Fest von 9 Lc-
ctionen einfällt, das gleiche Officium und die Messe der seligsten
Jungfrau gefeiert. — Der zweite Sonntag nach der Octav der Epipha-
nie, der dritte, der vierte, der liinfle, der sechste, der siebente, der
achte, beide leztere den Sonntagen Septuageninia und Sexagesima'^) ent-
sprechend, endlich der Sonntag „vor dem Tage der Asche", oder
Qßiinqaagesima folgen, ohne besondere Officien fiir die WochcntagCj
unmittelbar auf einander.
Paaton. „Der Mittwoch odcr Anfang der vicrzigtägigcu Fasten"*^) hat, wie
bei uns, sein eigenes Officium mit langer Terz nnd Scxt. Am Si^lilusst
steht die: „Rede unsers seligsten Vat(»rs, des Bischoi's Isidoi' zu dei
') er hat die Worte:
Laoti bibamuR sobriam
Ebriotatetn 8piritus.
') Incipit officium jejunioi^Vi in Kalendis Jnnuarii {ohscrvatur fn'hu^
diebus ante festum Epiphaniae, tsicut sequitur).
') Nach dieser heisst es ad vespcrum.
*) vel (bedeutet immer „und", auch „sodann",) ad sucrns lectiones audiaulas
Ecdesiam Domini frequentemus.
^) K.-G. II a, S. 427-435. — Neale, Tetralog. liturgica, 1849, p. 224,
^) Sabbato sanctae Mariae.
^ hier und auch in der gallicanischon Liturgie haben die drei Sonntage \oi
der Fasten keine besonderen Namen.
") Btots genannt „in capite Jejunii",
Fastenzeit, Ostern, Hinunelfiihrt 191
Entfernung des Fleisches') während der Fastenzeit^, welche sicher nach
dem Jahre 636 in dieses Breviarium kam. Daran schliesst sich die
Feier des ersten Sonntags in der Fasten. Der Hymnus der Vesper
fangt an mit Alleluja, und cilfmal wiederholt sich: ^Endloses Alleluja^^.
Der Montag hat eine besondere Feier mit Terz. Der Dienstag bis
Samstag haben je einen eigenen Hymnus zur Terz, Sext und Non.
Ebenso hat der Dienstag Matutin^ Landes^ bis zur Non. So die übrigen
Wochentage sammt dem Samstag. Genau so bei den übrigen Sonntagen
und Werktagen der Fastenzeit Der fünfte Sonntag heisst hier nicht
der Passionssonntag ^. Der nächste heisst: „(am) Sonntag in den Palm-
zweigen^^). Der folgende Montag heisst: ,,Zweiter Tag nach den
Falmen^. Gründonnerstag heisst einfach: ,,Fünft;er Tag^. Bei der
Non aber heisst es; „In coena Domini^. — Zur Entkleidung der Al-
täre und der Fusswaschung sind besondere Gebete angefugt. Der
nächste Tag heisst: „Freitag in Parasceve^. Es findet statt: „Die Be-
grüssung des Holzes (Kreuzes) des Herm^. Es folgt: „Der heilige
Sabbat"".
Ostern wird eingeleitet durch die Worte: „An dem Freudentage ostenu
der Auferstehung des Pascha^ ^). Darauf folgt: „Montag der Aufer-
stehung^ bis zum Sabbat in der Octave der Auferstehung. Unser
weisser Sonntag heisst: „Sonntag auf die Octaven (in octavasf) des
Pascha^, wozu der erste und zweite Sonntag nach Ostern zu gehören
scheint, da wenigstens lezterer ein eigenes Officium nicht hat. Es
folgt der dritte Sonntag nach Pascha, bis zum Sonntag vor Christi
Himmelfahrt. Die Wochentage haben kein eigenes Officium mehr.
Nach dem sechsten Sonntag folgt unmittelbar das Fest der Himmel-
fahrt, dann der Sonntag nach Himmelfahrt. Mittwoch, Donnerstag,
Freitag vor Pfingsten haben eigene OfiBcien, wie auch der Samstag,
der aber keine Andeutung der Weihe des Taufwassers bietet
Die Pfingstfeier heisst: „Auf das heilige Pfingsten**®). Für den Pünf-
Pfingstmontag findet sich kein eigenes Officium. Das nächste ist „an '^^^
dem Tage der heiligsten Dreieinigkeit^. Dann am zweiten Sonn-
tage nach dem heiligen Pfingsten, am dritten Sonntage. Hierauf folgt
unmittelbar: „An dem Sonntag vor dem Fasten des ersten November**,
nebst einem Officium für den folgenden Montag und Dienstag. Die
') ad cames toüendas,
^ alleluja perenne,
*) hier heisst es: perient (statt peribunt) afacie tua.
*) Die Palmen, welche ich in diesen Tagen (1865) in Barcelona (zum Ver-
kaufe ausgestellt) gesehen, erinnern an den Orient.
^) in Icbdatione diei Pasehae resurrectionis.
*^) in sanctum Pentecosten,
I
193 Aobtes Bach. EHAes Kapitel.
drei Tage oieaes Fastens, welche dem Feste des heiligen Martinns
▼orangingen, haben ihre eigenen Officien. Damit sohliesst das gothi-
ache Brwianum.
§. 3.
Dann folgt das ganze P^aüeriumj d. i. die Ueberseznng der
150 Psalmen^), mit geringer Abweichang von nnsem Psalmen. Die
Psalmen sind, wie gewohnlich, in fonf Bücher abgetheilt. Nach deo
Psalmen folgen die Terschiedenen Gantica^, die in dem Gottesdienste
gebraucht werden, Gesänge für die Feste des Herrn und der Heiligen,
Gesänge for den taglichen Dienst Gottes').
An die Gtesange reihen sich „die Hymnen för den ganzen Kreb
des Jahres''^). Sie haben einen Prolog, der als Gedicht vielleicht
nicht gelangen ist Die Hymnen haben im Allgemeinen viele Anklänge
an Pmdentias, den Vater und Meister der Hymnen, dem hierin der
Spanier Damasns voranging. Wie Spanien das Land der Bienen nnd
der Kerzen, so ist es anoh das Land der Hymnen. Auch viele Hymnen
anf ^e Heiligen finden sich hier, Hymnas auf die Weihe einer Kirche,
eines Bischoft, anf die Restauration einer Kirche, auf die Ordination
eines Bischoft, den Geburtstag eines Königs, Hymnus zum Abzug und bu
zur Backkehr des Heeres, Hymnus für verschiedene Heimsuchnngen,
Hymnus beim reichen Regen (aber das wasserarme Spanien), Hymnus
beim Mangel an Regen, Hymnus für Brautleute, für Verstorbene.
Hymnen für die Sonntage^), für die einzelnen Wochentage, Hymnen
zur Complet, zur Ruhe, Hymnen um Mitternacht*), zum Aufstehen")
an den verschiedenen Wochentagen, die täglichen Hymnen zur Ma-
tutin^, Hymnus zur dritten, vierten, fünften, sechsten Stunde, znr
siebenten bis zwölften Stunde, zur Vesper.
Nach dieser Liedersammlung „fangen an die canonischen BtnndCll^f
^) das V wird immer wie b gesprochen nnd geschrieben : z. B. pulbis, in
brM^ cUxmabif lebabi, also aach bibit für vivit, suabis für suavis. Uodie heiait
odte, apprehendiU = adpreendüe.
^ Sie heissen „Cantici", aber das einzelne „Canticum'^, z. B. Canticum
JEba/e (oder Eaaye) propheiae; Canticum Iheremiß propliete. Incipiunt Cantiä
de Quadraguima dicendi. Für die Charwoche folgen „Cantid de traditiont
DamifU*, muere Lamentationen.
*) IncipkaU CanÜet de catidiano,
*) Indpiunt ymni de Mo eircido annL
^) es heisst: ynmi dommieofes coHdiani, d. i. für die Sonntage im Kirchen-
Jahre, die keine besonderen Gesänge haben.
") ymni de medium noctis.
*) ymni de noeknvos.
^ inei^im^ ymni MatuHnarii coiidian (if); hier war der Codex lOekenhaü
rmm.
Hymnen, Breviarium, Missale. 193
d. i. das gewöhnliche Chorgebet für das ganze Jahr, abgesehen von
den Officien „de tempore^ und „de aanctia^^ anfangend mit der „an-
rora" vor der Prim*), übergehend zu der „Prim*), von der Prim zu
der Terz^, zu der Sext und Non bis zur Complet*). Daran schliesst
sich „das Commune^ fiir die Kranken^), welches an den nicht „verhin-
derten^ Freitagen oder sonst an einem beliebigen Tage gebetet wurde.
Dem Kranken- folgt das Todten- Officium^. Zwischen der Vesper
und der Matutin steht „die Agende der Todten^^.
Es folgt das sogenannte „Commune de tempore^, das heisst, das
Officium für einen hervorragenden Märtyrer, mit 6 oder 4 Mitren, das
Officium for einen Märtyrer und Bischof, für einen Märtyrer mit
9 Lectionen^^. — Dann „fangt an das Officium oder die Geschichte
sehr vieler Märtyrer, mit 6 Mitren •), das Officium sehr vieler Mär-
tyrer, mit 2 Mitren, oder 9 Lectionen^. — Es fangt an die Geschichte
eines hervorragenden Bekenners und Bischofs'®), dann eines hervor-
ragenden Bekenners, der nicht Bischof war, eines einfachen Bekenners,
mit 2 Mitren oder neun Lectionen. „Es fangen au die Hören oder
die Geschichte sehr vieler Bekenner", das Officium „sehr vieler Bi-
schöfe und Bekenner'^; das Officium einer „hervorragenden Jungfrau^,
„das Officium oder die Geschichte sehr vieler Jungfrauen^.
Hiemit schliesst das Brevier, oder sezt sich fort in dem y^San-
etorale^, welches die engere, kirchliche Feier, gleichsam die Chorfeier
für die nicht zahlreichen Heiligen ist, deren Fest die spanische Earche
im Laufe des Jahres beging.
§. 4.
Das mozarabische Missale verläuft nach der Ordnung des Bre- Mutau,
viers. Es beginnt mit der Messe auf den ersten Adventsonntag, geht
über zu der Messe fiir den zweiten Sonntag, von da bis zum sechsten.
Diesen folgt die Messe zu Ehren des heiligen Papstes und Märtyrers
/'
') Incipit aurora, quae ante pnmam reeitatur in diehus feriis per totvm
annum.
') Incipit ardo Primote, quae debet dici per totum annvm.
') Incipit ordo cantandus vel recitandus ad Tertiam,
*) Hie incipiunt completoria.
^) Officium unius infirmi vel plurimorwn infirmorum,
") Incipit officium mortuorum.
^) in agenda mortucrum.
') unius martyris simplicia novem lectionum,
•) Incipit officium plurimorum martyrum, sex capparum.
'•) Incipit historia tcnius confessoris ponüficis praecipui.
Gftmi, ■pUL Kirche. IL S. ][3
]94 Achtes Buch. EilfteB Kapitel.
Kirchen- Clemens, zu Ehren des heiligen Bischofs Saturninus, des Apostels
J*^*" ^®" Andreas, der heiligen Jungfrau Eulalia (vom 10. December), zum
ITeste der Ankündigung der seligsten Jungfrau Maria (18. December),
„am Tage des heiligen Apostels Thomas^. Es folgt Weihnachten*),
Fest des Leviten Stephanus, des Apostels Johannes, der „heiligen Un-
schuldigen^, Fest des heiligen Jacobus, des Bruders des Herrn, auf
die Beschneidung des Herrn ^), Messe auf den Sonntag vor Erschein-
ung des Herrn ^), Erscheinung Christi*), erster Sonntag nach der
Octave der Erscheinung, dann der zweite Sonntag „nach den Octaven^
der Erscheinung, dritter Sonntag nach den Octaven, bis zum neunten
Sonntag*). Vor dem Tage der Asche, Messe auf Aschermittwoch, auf
den ersten Fastensonntag, auf den folgenden Mittwoch und Freitag,
ebenso bei den andern Fastensonntagen und Wochen bis zum „Freitag
vor den Palmzweigen"®). Bis Ostern (von Aschermittwoch) sind es im
Ganzen 21 Messen. Am Sonntage „an den Palmzweigen** (Feier) zur
Weihe der Blumen oder Zweige"; Messe für den Mittwoch nach den
Palmzweigen, Donnerstag „an dem Mahle des Herrn *^, Charfreitag und
Charsamstag. Da die Litanei zu allen Heiligen an diesem Tage den
Namen des heiligen Eugenius enthält, der nach dem neuesten Proprium
von Toledo den Toletanern erst nach dem Jahre 1085 bekannt wurde,
so findet sich hier wenigstens ein Zusaz aus sehr später Zeit; indess
auch die heiligen Franciscus und Dominicus stehen in dieser Litanei.
Meisen ^^^ Messe „auf den Tag der Auferstehung des Herrn** folgt die
Ostern auf Moutag „uach dem Pascha", bis zum Samstage. Es folgt die so-
ber. genannte apostolische Messe, das Messformular für das ganze Jahr,
mit den entsprechenden Noten zu dem, was gesungen wird. Hier ist
gewählt die Messe auf das Fest Jacobus des Aeltern, vom 30. Decem-
ber hieher verlegt.
Es folgt der erste Sonntag, und unmittelbar darauf der dritte
Sonntag nach Ostern, bis zum sechsten, die Messe auf Christi Himmel-
fahrt und den folgenden Sonntag, auf Vorabend vor Pfingsten. Der
Festmesse für Pfingsten folgt unmittelbar die für den ersten Sonntag
bis No
vem
^) Dieses Missale, wie die Missalia Gallicana, weisen an Weihnachten nur
eine Messe auf, während z. B. Gregor I. an diesem Tage drei Messen feierte.
*) Codex legum Visigoth. Ily tit /, lex 11, — lib, XIL tit, IV, l. 6,
') Diese Messe wurde früher an Neujahr celebrirt (Leslei nr, 27).
*) apparitio seu Epiphania Domini: Leslei sagt (nr. 28), die alten Spa-
nier haben an diesem Tage den Advent geschlossen.
•) er heisst auch: ante diem Cineris, et ante cames tollejidas.
") feria sexta ante ramos palmarum. — Die Mozaraber haben die alte Ord-
nung und Reihenfolge der Officien und Messen in der Fasteuzeit vielfach geändert
(und verwirrt;. Leslei, Praef. nr. 33—38,
MlBsale, Banctonüe.
Id5
nach Pfingsten^). Die Messe auf das „Corpva Chrisfi'^ -Fest weist
auf das dreizehnte bis sechzehnte Jahrhundert hin^). Die Mozaraber
haben im Allgemeinen sehr wenige Messen seit der Herrschaft der
Mauren eingefugt. Die Orationen dieser wenigen haben sie nicht aus
sich geschöpft, sondern sie haben sie aus dem alten Missale, zuweilen
ganz, zuweilen mit leichten Aenderungen und Weglassungen, einige
Orationen haben sie aus dem römischen Missale entlehnt. Nur die
7 ersten Sonntage nach Pfingsten haben ihre eigenen Messen. Dann
folgt der Sonntag vor dem Fasten des ersten Novembers, und eine
Messe für dieses Fasten.
§. 5.
Das Proprium de Sanctis heisst sowohl im mozarabischen Brevier
als Messbuch das jjSanctorcUe^. Sonst versteht man unter diesem
Kamen auch das Martyrologium, eine Sammlung ausfuhrlicher Biogra-
phien der Heiligen, entsprechend unsern Legenden und den „Menaeen
der Griechen^, welche in Klöstern und christlichen Familien laut vor-
gelesen wurden. Brevier und Messbuch enthalten dieselben Heiligen
an denselben Tagen, welche wir in spanische und ausserspanische
Heilige theilen, und welche folgende sind:
Januar.
7. Jtdianus und Bcuilissa, Mär-
tyrer, und Gefährten (unter
Diocletian), 4 Mitren.
19. Sehastianua, Märtyrer, und Ge-
fährten, 6 Mitren (f c. 287).
19. LudantiSj Priester und Märty-
rer (f 312), 9 Lectionen.
20. Agnes f Jungfrau und Martyrin
(f im dritten Jahrhundert),
6 Mitren.
21. TlncentlDS, Märtyrer (121. Ja-
nuar 305), 4 Mitren.
24. Babylcu , Bischof von Antio-
chien, und 3 Knaben, 9 Le-
ctionen (f Ende des dritten
Jahrhunderts).
28. Thyrsus, , Märtyrer unter Dio-
cletian, 9 Lectionen.
Februar.
2. Fest der Beinigung Maria's,
6 Mitren.
5. Agatha, Jungfrau und Marty-
rin in Catania (f 25 1 ), 6 Mitren.
7. Dorothea, Jungfrau und Mar-
tyrin zu Caesarea unter Dio-
cletian, 9 Lectionen.
*) Neben dieser haben die Mozaraber noch eine Mesae, 8.S. TriniiatU,
eingeftigt
') doch ist der grössere Theil derselben aus verschiedenen Festen des Mis-
aale gothicum entnommen. Die Stelle: Panis hie transmatatns in camem, calix
hie transformatiis in sanguinem sit offerentibus gratia^ et sumentHms medicina,
ist ans der Messe des letzten Sonntags vom November.
13*
rolt.
196
Achtes Buch. Eilftes Kapitel.
12. EnlidiA von Barcelona, Jung-
frau und Martyrin (f 12. Febr.
305), 9 Lectionen.
lo. FractttOSHS) Märtyrer, Bischof
von Tarraco, seine Diakonen
Eulogius u. Augurius (f 21. Ja-
nuar 259), 9 Lectionen.
22. Cathedra S. Petri, 6 Mitren.
24. Matthias, Apostel, 6 Mitren.
März.
3. Emetertos und Ohelidonlns,
Märtyrer von Calagurris,
(t c. 287), 4 Mitren.
Mai.
1 . H. TorquatnS und seine 6 Ge-
fährten, erstes Jahrhundert,
9 Lectionen.
3. Erfindung des heiligen Kieuzes,
6 Mitren.
Juni.
17. Hadriamis und Natalia, Mär-
tyrer in Nicomedien, unter
GaleriuSj 9 Lectionen.
23. Sonntag vor Johannes Baptista.
24. Geburt Johannes des Täufers,
6 Mitren.
29. Fest der heiligen Apostel Pe-
trus und Pauhis, 6 Mitren.
Juli.
12. Martiana, Jungfrau und Mar-
tyrin in Caesarea Mauritaniac
unter Diocletian, 9 Lectionen.
16. Jnsta und Roflna (t c. 287),
Jungfrauen und Martyrinncn
in SeviUa, 4 Mitren.
RnfllUly Jungfrau von Sevilla (mit
besonderm Officium).
22. Maria Magdalena^ Büsseiin,
6 Mitren.
24. Christina, Jungfrau und Mar-
tyrin (Italien ?), 9 Lectionen.
25. Christophorus und Gefährten,
Märtyrer (f in Lycien c. 251 ?),
9 Lectionen.
29. FcUXy Märtyrer von Gerona
(t c. 304—305), 9 Lectionen.
August.
6. JnstOS und Pastor, Märtyrer
(f 6. August 304), 9 Lectionen.
10. Laurentius, Märtyrer (j- 258),
6 Mitren.
15. Himmelfahrt Maria, 6 Mitren.
24. Bartholomaeus, Apostel, 6Mitr.
25. Genesius, Märtyrer zu Arles
(f c. 303), 9 Lectionen.
26. CterontlnS, Märtyrer und Bi-
schof von Italica (f im dritten
Jahrhundert), 9 Lectionen.
29. Enthauptung Johannes des Täu-
fers, 6 Mitren.
September.
8. Mariae Geburt, 6 Mitren.
14. Kreuzerhöhungj 6 Mitren.
Fasten vor dem Feste de>
heiligen Cyprian.
14. Cyprian, Bischof und Märty-
rer (f 14. September 258 1.
9 Lectionen.
20. Matthams, Apostel, 6 Mitren.
27. Cosmas und Damianus, Mär-
tyrer (f zu Aegaea in Cili-
cien, 297), 9 Lectionen.
28. FanstosJannarliisu.iiiartlalU,
Märtyrer in Cordova (f 304—
305), 9 Lectionen.
29. Erzengel Michael, 6 Mitren.
Octobcr.
23. Serrandns und Germanas,
Märtyrer beiCadix (f c.304—
305), 9 Lectionen.
Sanctonüe.
197
28. Apostel Simon und Judasj
6 Mitren.
November.
L Allerheiligen^ 6 Mitren.
11. MartinuSj Bischof und Beken-
ner (f 397—400), 6 Mitren.
15. Speratu8y Märtyrer und Genos-
sen in Africa, 9 Lectionen.
17. AeiselnS und YietOrla, Mär-
tyrer in Corduba (f 304 —
305), 9 Lectionen.
18. Romanue, Krieger und Mär-
tyrer (t in Rom c. 258),
4 Mitren.
1 9. CrfspinnS^ Bischof von Astigi,
Bekenner (hat nur 1 Oration).
22. Caecilia, Jungfrau und Mar-
tyrin (f in Rom c. 235),
6 Mitren.
23. Clemens, Papst und Märtyrer,
6 Mitren.
29. Satv/min, Bischof und Märtyrer
von Narbonne, 6 Mitren.
30. AndrecMj Apostel, 6 Mitren.
December.
8. Mariae Empfangniss, 6 Mitren.
9. Leoeadla, Jungfrau und Be-
kennerin (f in Toledo c. 305),
6 Mitren.
10. EnlaUa, Jungfrau und Marty-
rin (f 10. December 304 zu
Emerita), 9 Lectionen.
12. Eugenia, Jungfrau und Mar-
tyrin (in Rom unter Gallie-
nus?); 9 Lectionen.
12. Columba von Sens.
18. Mana« Verkündigung, 6 Mitren.
21. ThomaSy der Apostel, 6 Mitren.
25. Weihnachtsfesty 6 Mitren.
26. Fest des heiligen Stephanus,
6 Mitren.
27. Johannes, Apostel und Evan-
gelist, 6 Mitren.
28. Fest der iJin^cAu^ijfen, 6 Mitren.
29. Fest</aco&t<«desAelteni, 6Mitr.
30. Fest Jacob^iSy des Bruders des
Herrn, 6 Mitren.
Daraus ergeben sich 68 Feste, welche eigene Officien, wenigstens
eigene Messen hatten. Von den Heiligen, welche also gefeiert werden,
sind 15*) (und mit Laurentius 10) Spanier, die übrigen Nicht-Spanier*).
Von allen Heiligen, welche so gefeiert werden, hat keiner nach dem
Jahre 400 gelebt. Wir sind also berechtigt, dieses Jahr in einem
') Leslei zählt 22 (vielmehr 28), er zShlt die Heih'gen, ich die Feste (L c.
nr. 48).
^ Es sind 7 ROmer, Sebastian, Laurentius, Agnes, Cäcilia, Eagcnia, Cosmas nnd
Damianos, Cristina war Sabinerin, Agatha ist von Catania; drei sind Africaner:
Cyprian, Speratus, Marciana; ans Antiochien sind Babilas and Romanas; Doro-
thea aus Cappadocien; Ludan. und Adrianus von Nicomedien; drei sind Gallier:
G^nesias, Colnmba von Sens, Martinns. Unbekannt ist die Heimath von Thyrsus,
Jolianus and Christophorns. — Maria Magdalena erscheint als Martyrin. — Die
Messe ans Mariae Reinigung stammt aus dem Mittelalter, ist jedoch ganz entnom-
men ans Theilen des alten Missale, Dagegen ist die Messe auf Mariae Geburt
nicht in und nicht ans dem leztem ; ebenso die Messe Mariae Empfangniss und
198 Achtes Buch. Eilftes Kapitel.
gewissen Sinne als den Schlusstermin für die Heiligen dieser Litorgie
zu bezeichnen.
Span. Von den spanischen Heiligen hat nur Leocadia ein Fest mit
BtiUgt. g Mitren, Justa und Kufina von Sevilla und Vincenz von Saragossa
werden mit 4 Mitren gefeiert, sei es wegen der nähern Verbindung
und Freundschaft der Städte Sevilla und Saragossa mit Toledo, sei es,
weil es hervorragendere Heilige waren. Die übrigen spanischen Heili-
gen haben nur Feste von 9 Lectionen, was namentlich in Anbetracht
der apostolischen Siebenmänner auffallend ist.
Wenn allein die Bekennerin Leocadia von Toledo, am 9. Decem-
ber, im Gegensaze der Eulalia von Merida, am 10. December, mit
9 Lectionen, von welcher jene doch weit überstrahlt wird, ein Fest
von 6 Mitren hat, so ist dieses ein neuer Beweis, dass nicht die alte
spanische Liturgie, sondern nur die Liturgie der Kirche von Toledo
auf uns gekommen ist.
Von den 15 Heiligen, deren Feste die Kirche von Toledo be-
geht, gebort keiner der Provinz Galicien , eine der Provinz Lusitanien,
7 der Provinz ßaetica, 8 der früher ungetheilten Provinz Tarraconm-
M, nach der Theilung unter Constantin noch 5, die übrigen 3 der
carthaginensischen Provinz an (Torquatus, Leocadia, Justus und Pastor).
Dass keine Heiligen aus Galicien gefeiert werden, kann sich
«daraus erklären, dass die Kirchen Verfolgung unter Diocietian diese
Provinz überhaupt nicht erreichte. Die Heiligen aus späterer Zeit
wie Vincentius, Fructuosus, erhielten keine eigenen Officien.
§. 6.
Eine grosse Anzahl von Heiligen wurde nach dem allgemeinen
Bitus für besondere Klassen der Heiligen*) gefeiert, von denen die
Mehrzahl nach dem Jahre 400 lebten, nämlich im Monat Januar:
Heilige 40 Märtyrer, 9 Lectionen. Paulus, erster Eremit, ebenso.
11. Januar: Priester Jnlianus; 13. Januar: Hilarius, Bischof; Bischof
Marius; Märtyrer Felix in Pincis; Maurus, Abt; Marcellus, Papst;
Antonius, Abt; Prisca, Martyrin und Jungfrau; Jnlianus, Bischof und
Bekenner; 9 Lectionen. 23. Januar: Ildefons, Erzbischof von Toledo,
6 Mitren; heilige Maria vom Frieden, Timotheus, Pauli Bekehrung,
Projectus, Policarp, Joanes Chrysostomus, Valerius, Bischof und Mär-
tyrer, Octave des heiligen Ildefons.
Für die folgenden Monate erwähnen wir nur noch: Februar:
') 10 Missae communes sind in dem Missale, 6 fUr Märtyrer, 2 ftlr Beken-
ner, 2 fUr Jungfrauen. Dann folgen 8 missae communes votivae, wovon 2 für
Kranke, endlich <; Messen fUr die Todten.
Spanische Heilige und Feste. 199
VedastuB und Amandas. — 12. März: Papst Gregor^ 6 Mitren;
13. März: Leander (von Sevilla), Bischof und Bekenner, 9 Lectionen;
14. März: Papst Leo L 9 Lectionen. — 4. April: Ambrosius von Mai-
land, 6 Mitren; 4. April: Isidor von Sevilla, 6 Mitren; 8. April:
Fructuosus von Bracara, 9 Lectionen; an demselben Tage Turibius
von Astorga, 9 Lectionen; 12. April: Victor von Braga, Märtyrer. — ,
2. Mai: Athanasius, 6 Mitren; 9. Mai: Gregor von Nazianz, 9 Lectio-
nen; 26. Mai: Augnstin von Canterbury, ebenso; 28. Mai: Germanus
von Paris, ebenso; — 14. Juni: Basilius von Caesarea, ebenso. —
28. August: Augustin von Hippo, 6 Mitren. — 30. September: Hiero-
nymus, 6 Mitren. — 15. November: Eugenius, Erzbischof von Toledo
und Märtyrer, dessen Fest nicht vor dem zwölften Jahrhundert hicher
gekommen sein kann, da die Fiction, dass Toledo schon im ersten
christlichen Jahrhundert ein Erzbisthum gewesen sei, vor dem zwölf-
ten Jahrhundert nicht erscheint; 19. November: Elisabeth von Thürin-
gen, gestorben 1231, Fest von 6 Mitren.
§. 7.
Im Laufe der Zeit kamen so ziemlich alle Heiligen in den moz* Oonu-
arabischen Kalender, welche bis zum Ende des dreizehnten Jahrhunderts f'^*.'^
gelebt haben und heilig gesprochen wurden. Da aber die mozarabische dar ■!>«-
Liturgie von Gregor VII. bis auf Kardinal Ximenes ausser Gebrauch g||[^**
gekommen war, so wurden diese Heiligen erst seit der Zeit des Xi-
menes in dieselbe eingetragen. Den grossen Heiligen des sechzehnten
Jahrhunderts aber blieb sie verschlossen, d. i. sie blieb von Ximenes
an bis zu ihrer Bestätigung durch das Concordat von 1851 unverändert.
§. 8.
Diejenigen OfBcien der spanischen Heiligen, welche die Kircho
von Toledo von andern spanischen Bisthümern annahm, blieben, wie
ersichtlich, ohne Veränderung. So lautet die Präfation der aposto-
lischen Siebenmänner: „Da sie in der Nähe dieser Stadt ihre Schüler
aassandten, um Lebensmittel einzukaufen^ so vollzogen diese, was
ihnen geboten war"*). — Unter dieser Stadt kann nur Acci oder
Guadix verstanden werden, eine Beziehung auf eine andere Stadt,
etwa Toledo, ist nicht möglich'). Der Zeit nach der nächste Heilige
ist Fructuosus von Tarraco, in dessen Festmesse es u. a. heisst:
*) cum missis discipidis in huiua urbis convicinitatem escarum emi parum
aliquod precepissent : agunt assecle precepta sibi: quejussa sunt
•) Ebenso Florez, t 3, p, 378: „el formador del Oficio estaba en Ouadix.**
^ .
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I
200 AehtesBodi. Eilfte Kapitel.
j^eaer Ort und dieses Volk ist auf ganz besondere Weise doreh die
G^;enwart ihrer ehrwürdigen Reliquien geweiht, und darum bitten wir
(Gott), Sun zu helfen und es (ihn) zu schuzen^^). „Dein Fructnosus
möge Dir zur Empfehlung imgers und des ganzen (gläubigen) Volkes
die SVnchte seiner Verdienste darbringen (ingercU).
Der Eingang der Messe der heiligen Eulalia von Barcelona webt
gleich&lls nidit undeutlich auf diese Stadt als den Ausgangspunkt
dieser Feier hin, und vielleicht zugleich auf den Anfang ihrer Feier
durch eine eigene Liturgie, indem es u. a. heisst: ,,Es ist da, gelieb-
teste Bruder, jenes hehre Fest der heiligen Eulalia, welches wir jähr-
lich zu begehen entschlossen sind^^, da dieselbe Heilige Bürgerin
und Bewohnerin dieser Stadt, den Boden ihrer Vaterstadt, die sie an-
dern Auszeichnungen vorzog, auch durch die Ehre des Begräbnisses
verherrlichte. Lasset uns in ihr verehren die Martyrin in ihren Wun-
den, in unserer Hingebung die Mitbürgerin: in der frommen Verehr-
ung die Mutter" (des Christenthnms)'). EJs ist möglich, dass erst
Quiricus diese Festmesse «verfasste, in welcher das Volk (von Barce-
lona) „eine kleine Schaar^^ genannt wird^), wie sein Nachfolger Idalios
die Stadt ein ^Städtchen^^ (eivitahda) nennt.
In der Festmesse des Felix weisen die Worte auf Gerona hin: Felix
war ein eijBriger Kaufinann in dieser Stadt ^), indem er mit aller Soi^
fidt die hinmilischen Sohäze sammölte. — Das 0£ficium des heiligen
Vlncentius weist auf die Stadt und Provinz Saragossa hin^. — Dass
die Festmesse zu Ehren der heiligen Emeterius und Chelidonins von
üalahorra jünger sei, als der Festhymnns des Prudentiun, geht ans
der Vergleichung beider hervor. Die Festmesse beginnt mit den
Worten des Festhymnus''). Auch die Festmesse beklagt den Mangel
an Nachrichten über sie. Ihre Leiber ruhen — auch nach der Fest-
<) ?iuic peculiarius laco et popido venerahüium reliquiarum presentia
eonseerato: et assistere et opihdare jubeas Rex summe precamur,
') quod annuis recurHöus siiscipimtis (injcolendum,
*) recognoscaimus ergo per tndnera martyrem: per obsequta civem: per
pietaüa studia genifyricem,
*) tantiUae pUbts.
') sieut hvQUs civitatis avidus negotiator hie Sanctissimus extitü Felix.
") aequale tidtionis {suxüium reddat pro cinerilms mundo: dvibus pro
sepuichro (Valeniiaf) , vielleicht: in die ganze Welt sind seine Reliquien, ist seine
heilige Asdie serBtreut, aber hier ist doch sein Grab.
') Hymnos: Festmesse:
Sit diw luMe fiBita nobity Sit dies Iimo nobia frita, fratred,
Sit uaratiim gkodlam. Sit Mcratnm gftndlam.
Spanische Liturgie. 201
messe — in Calagurris'), und von hier scheint sie auch aasgegangen
zu sein').
§. 9.
Die heiligen £[naben Justus und Pastor hatten u. a. eine ihnen
geweihte Kirche zu Toledo, und vielleicht war ein Kloster mit ihr
(oder mit einer Kirche in AJcala) verbunden. Die Festmesse diente
jedenfalls einer „Congrcgation^S die wohl den Namen der Heiligen
trug^). Dass das Officium der heiligen Leocadia in Toledo verfasst
wurde, kann einem Zweifel nicht unterliegen. — Da sich in der Fest- Heilig«
messe der heiligen Eulalia von Merida eine Hinweisung auf Emerita ^J^^
und auf ihr Grab nicht findet^ so dürfte diese Messe gleichfalls in
Toledo entstanden sein. Die beiden leztei-wähnten Festmessen zeichnen
sich vortheilhaft vor andern aus, und verrathen einen gewandten Schrift-
steller. — In der einzigen auf Crispinus sich beziehenden Oration findet
sich keine Hinweisung auf Astigi.
Die Märtyrer Servandus und Germanus gehören Gades, Sevilla
und Emerita an. Ihr Officium aber ist vielleicht von Cadix ausgegan-
gen*). — Aus der Festfeier des Bischofs Gcrontius lässt sich nichts
Genaueres über den Ort seines Todes und seiner Verehrung entneh-
men*). — Die Festofficicn der heiligen Justa und Rufina weisen auf
Sevilla hin, obgleich es an bestimmten örtlichen Hinweisungen in den-
selben fehlt.
Acisclus von Corduba hat eine schöne Festmesse (in deren Pra-
fation es [ausnahmsweise] heisst: Billig und gerecht, würdig und schön
ist es, dass wir Dir immer Dank sagen); wiederholt findet sich in der-
selben die Hinweisung auf die eintretende Adventszeit, aber eine deut-
liche Hinweisung auf Corduba finden wir nicht. — In der Festmessc
des heiligen Faustus , Januarius und Martialis befindet sich eine scharfe
Hinweisung*) auf den functionirenden Bischof, ein Bischof scheint der
Verfasser derselben zu sein, — und es liegt nicht so ferne, sich des
*) quorum corpora etemis tituLia vivacis memorie consecrata Ccdagurri-
tana custodit Ecdesia.
*) sictU alumna plebs (Ccdagurritana) de eorum gemina susceptione cor-
porum grattdatur.
*) quorum meritis bonorum univeraitas ctdjuvatur, horum memoriis nostra
cangregcUto,
*) K.-G. I, 373.
«) K.-G. I, 280.
*) legatione fungimur impoaiH offidi: pro nostris peccatis non idonei
cogimur inferpellare pro scderibus popuH delinquentis.
202 Achtes Buch. Eilftes Kapitel.
HosiuB von Corduba zu erinnern. Es ist diess eine der schönsten und
kräftigsten Festmessen der ganzen Liturgie^ besonders die Präfation^).
§. 10.
v>itdo Wenn wir in der Geschichte von Toledo, wo die Liturgie zu ihrer
**»* spätem Ausbildung und Vollendung gefuhrt wurde, zurückgehen, so wer-
den wir gestehen müssen, dass der erste Bischof dieser Stadt im Jahre 306
erscheint, und dass auch Toledo im Jahre 400 noch keinen Erzbischof
hatte. Vor dem Jahre 306 hatten Bischöfe Acci, Elvira, Urci, Illi-
turgi, Corduba, Sevilla, (Italica), Emerita, Astorga und Leon, Sara-
gossa und Tarragona.
Woher erhielt Toledo das Christenthum? Darüber fehlen die
Nachrichten, und werden wohl immer fehlen. Wir haben oben ange-
nommen, dass Emerita und Lusitanien das Christenthum von Sevilla
und Corduba aus erhielt. Wir haben angenommen und bewiesen, dass
Baetica und Hochandalusien das Christenthum von Rom über Cartha-
gena empfing. Wir nehmen aber nicht an, dass das Christenthum von
Carthagena nach Toledo kam, schon darum nicht, weil sich für Car-
thagena überhaupt vor dem sechsten Jahrhundert kein Bischof sicher
nachweisen lässt. Vielmehr war Castulo eine Zeit lang Metropole von
Carthaginensis.
to u- Tarraco war Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Tarraco
''^* hatte im Jahre 258 schon einen bejahrten Bischof mit zwei Diakonen
B drii. zur Seite. Von Tarraco scheint das Christenthum nach Saragossa,
njthr. LßQjj und Astorga gekommen zu sein, und die Gründung des Bisthums
Tarraco — haben wir oben spätestens in das zweite Jahrhundert nach
Christus versezt. — Von Tarraco, nehmen wir an, kam das Christen-
thum, sei es direct, oder über Saragossa nach Tolctum, mit dem
Christenthum die bischöfliche Hierarchie, und mit ihr die Liturgie der
tarraconensischen Earche.
§. 11.
Der Verkehr zwischen Tarraco und Rom war ein belebter, ein
ununterbrochener — in vier Tagen gelangte man von Rom sowohl nach
') Hier steht aber für tristibus: sit tristantibus leticia. Sit egrotantibus
Salus. Sit malagma (Heilmittel?). *- Da die Festmessen der Heiligen aas den
Provinzen Baetica und Lnsitanien bestimmte Ortliche Hinweisungen nicht enthalten,
80 sind sie vielleicht alle in Toledo entstanden, da doch die Liturgie des südlichen
Spaniens der des nördlichen nicht ganz conform war. (Diese Ansicht spricht, nnd
zwar mit grosser Bescheidenheit, auch Fr. Lorenzana aus.)
i
(
Tkmeo und Rum. 203
Tarragona als nach Carthagena. Der heilige Laurentius stammte aus Tunm
Osca bei Saragossa, od^r aus lezterer Stadt, und er kam in früher
Jugend nach Rom* Die beiden abgesezten Bischöfe Basilidcs von
Emerita und Martialis von Astorga begaben sich um 250 — 253 zum
Zwecke ihrer Wiedereinsezung nach Rom, und kehrten von daher
zurück. Wenigstens den leztern führte der nächste Weg über Tarraco.
Wir sagen nicht, dass erst um das Jahr 250 die romische Liturgie
nach Tarraco kam, sondern wir weisen auf die Verbindungen zwischen
Rom und Tarraco hin.
§. 12.
Im Jahre 260 wurde die Liturgie zu Rom wohl noch in griechischer orieeu
Sprache gehalten. Hippolyt, Märtyrer um 238, schrieb noch griechisch. *^^^
Sein jüngerer Zeitgenosse Novatian ist der erste entschieden lateinische tch« u
Schriftsteller in Rom. Minucius Felix und Tertullian waren Africaner. *"'**
— Als aber die romische Liturgie, vielleicht im zweiten christlichen
Jahrhundert, nach Tarraco kam, musste sie dort in das Lateinische
übersezt werden ^), und die Uebersezung hatte wohl einige Abänderun-
gen im Gefolge. In dieser also übersezten Liturgie brachte der Mar-
tyrbischof Fructuosus von Tarraco die heiligen Geheimnisse dar. Aus Fkvetac
der Erinnerung an diese Liturgie sprach Fructuosus am 21. Januar 259,
auf dem Wege zum Martyrium, zu dem Christen Felix, der ihn bei
der Hand fasste und ihn bat, seiner zu gedenken; leh mnSS AtT
llfttllOllS€ll6II Kirche eingedenk sein, welche vom Morgenlande bis zum
Abendlande ausgebreitet ist*) Wenige Jahre nachher wurde Tarraco
von den in Spanien eingewanderten Völkern zerstört, und noch in der
Zeit des Orosius war sie nur ein trauriger Ueberrest ihrer einstigen
Grösse. Aber wie es — vor 259 — Bischöfe, Priester und Gemein-
den in Saragossa, Leon und Astorga gab, so war vor der Zerstörung
die dort übersezte (und vielleicht theilweise umgearbeite) Liturgie über
die Tarraconensische Provinz verbreitet worden^.
*) Inlatio oder Illatio, Praefatio in der rOmischen, Contestatio in der gal-
lischen Messe, ist gleichfalls eine Uebersezung des griechischen „avai^of^a".
*) Er sprach: In mente me habere necesse est ecclesiam catholicam, ab
Oriente laque ad Occidentem diffusam (K.-G. I, 275). Im Kanon der Messe aber
heisst es nach dem Sanctua: Ecclesiam sanctam catholicam in orationihtis in
menie Jiabeamus, ut eam Dominus et fide, et spe, et charitate propitius am-
pliare dignetur. — cf. Leslei, praef. v» Missale mixtum, nr. 210, — F. Probst^
Liturgie der drei ersten christlichen Jahrhunderte, 1870, S. 98 u. 108.
*) Als Beweis des hoben Alters der Liturgie werden noch angeführt Kanon 29
und 48 von Elvira. Die Stelle in der Ulation der Weihnachts messe : In hac die,
ante non mtdta tempora, nobis ncUtts est Christus — auf das erste Jahrhundert
zu beziehen, scheint mir doch zu gewagt.
204 Achtos Bach. Eilftes Kapitel.
§. 13.
P'^ Einen Zusaz haben der oder die Uebersezer in Tarraco sicher
gemacht. In der Commemoratio der Lebendigen spricht der Priester:
„Es bringen dar das Opfer Gott dem Herrn unsere Bischöfe {sacer-
dotea noatri), der römische Papst (Papa Romensis), und die übrigen
für sich und den ganzen Klerus, und die ihnen auvcilrauten Gemein-
den des Volkes: d. i. fiir sämmtliche Brüder: das Opfer bringen dar
alle Presbyter und Diakonen, die Kleriker und das sie umgebende
Volk: zur Ehre der Heiligen für sich und die Ihrigen. Der Chor:
Sic opfern für ^ch und für die sämmtlichen Brüder (auf Erden) ^).
Der In diesen Worten ist zunächst der Primat des römischen Papstes
^'''°**" ausgesprochen. Er ist der erste Bischof der Kirche, er wird vor allou
und allein genannt. Die Worte können unmöglich wörtlich aus der
römischen Liturgie entnommen sein. Denn in Rom kann der cclebri-
rende Papst, Bischof oder Presbyter nicht sagen: es opfert der römi-
sche Papst, sondern höchstens „unser Papst, unser Bischofs. Aber
auch das Wort: Papa — dürfte in Spanien in die Liturgie gekommen
sein, wo bis zum sechsten Jahrhundert die Bischöfe im nördlichen
Spanien, besonders der Metropolit von Tarraco, den Ehrennamen:
Papa, Vater — hatte.
§. 14.
Sicher aber stammt das Wort: Romensis (für Romanos) nicht ans
liom. Dieser Ausdruck stammte ferner nicht aus Gallien, nicht aus
Africa, nicht aus Südspanien, denn dort sagte man stets: y^Papa ro-
manus^ ecclesia roniaiia*' -). Dieses so ganz und gar anomale und abnorm
Wort kommt nur in der Tiirraconensisehen Provinz vor. Auf diesi
Wortbildung konnte nur derjenige fallen, in dessen Ohren die Eudiniu;:
ensis — bestandig lag, nur derjenige, bei welchem die Provinz, wie
die Stadt, in der er lebte, diese Endung hatte. Diess trifft bei dco
••
*) Dicat Presbyter: Offerunt Deo Domino oblationem Sacerdotes nosfri:
Papa Romensis et reliqui pro se et pro mnni clero ac plehihus pcx'.lesie sibinnt
consignatis: vel pro universa fratemitaie: item offerunt universi Preslniferi
Diaconi Clerici ac popvli ctrcvmstantes : in honorem sanciorum pro sp ci
suis, f^, Chorus: Offerunt pro se et pro universa fratemitate,
*) Der Codex Bobbiensis (Bobbio), in dem MdbUlon den litcl fand: Mis^n
Romensis cottidiana, ist eine Sammlung verschiedcntr Messformulare , darunter
wohl auch des spanischen , wenigstens enthält es einzelne AnezFige aiiB unserm J//.«-
Hole (Ijeslei, Praef, nr, 297). Oder — es ist die analopo Bildung von Baiiftün
sin und Romensis, woraus sieh das Wort erklärt.
Born und Tarraco. 205
Städten Barcino, Lerida^ Gerona, Leon, Astorga and Tarraco zn. Ein
Einwohner von Tarraco hatte sich an die Form: TairraeonenHs ans-
schliesslich gewohnt, und die Endung (Romjaims lag nicht in seinem
Ohre. So ist es zwar auffallend, aber doch erklärlich, wie der Ueber-
sezer und Erweiterer der von Rom gekommenen Liturgie den „Papa
Romerms^ y und nicht „Rcmanua^ in dieselbe brachte. Allmählig ge-
wohnte man sich an diese Form. Der ^Popa Romensis^ blieb in der
Liturgie Jahrhunderte, nachdem sie nach Toledo gekommen. Aber
wäre die Liturgie von Toledo ausgegangen, oder dort übersezt worden,
so hätte der übersezende TolCdttUCr sicher den „Papa Rcmanus^ an
die Stelle des ^Romensia^ gesezt
§. 15.
Auf Tarraco, als den Ausgangspunkt dieser Liturgie, weist die Epipbi
Antwort des Papstes Damasus an den Metropoliten Himerius dieser ^^ ™^
Stadt vom Jahre 385 hin. Der Papst verbietet, zu anderer Zeit, als f^nu,
an Ostern und Pfingsten, die Taufe zu spenden. In Spanien geschah
diess an Weihnachten, besonders an Epiphanie, und an verschiedenen
f>esten. Aber die Festmesse dieses Tages fängt an: „Ihr, die ihr in
Christus getauft seid, habet Christum angezogen, Alleluja^ ^). Der Messe
war die Taufhandlung vorausgegangen, und die Liturgie beruft sich
darauf, dass Christus an diesem Tage oder in diesen Tagen im Jordan
sich habe taufen lassen^). — Woher die Spanier diese Gewohnheit
nahmen, wissen wir nicht. Aber die Liturgie des Tages bestätigt die
Rüge, welche Papst Damasus gegen den Bischof von Tarraco ausspricht.
§. 16.
Die Uebersezung der Liturgie aus der griechischen Sprache deu-
ten einige Ausdrücke in derselben an. Unser „Sanctus^ nach der Prä- Bagio».
fation heisst in dieser Liturgie: „Affios^ (i. e. Sytog)^). Der griechische
Ausdruck wurde in ähnlicher Weise beibehalten, wie wir bis zum
heutigen Tage in der romischen Liturgie das „Kyrie deison^ bei-
behalten haben als eine der lezten Erinnerungen, 'dass auch die römische
Liturgie ursprünglich in der griechischen Sprache gehalten wurde. —
In den Martyracten der heiligen Perpetua und Felicitas finden wir
') K.-G. na, 427.
') sive quod aquas baptümate suo ad omnium gentium lavoHonem Jor-
danis alveum sanctificaturus intrami.
*) Der Chor spricht dreimal: Ägyos, agyos, agyosf Domine Deus rex
eteme tibi lattdes et gratias.
r ■-
906 Achtes Baeh. Eüftes KqiiteL
gleichfidls, dass um daa Jabr 202 die Kirche von Karthago in ihrer
Liturgie nicht 8anetu$, aondem noch „Agioi^ sprach, ein Wort, das
die Idee der göttlichen Heiligkeit besser auszudrücken scheint.
§. 17.
In der Commemoration der Abgestorbenen wurden in der Kirche
SU Toledo genannt die seligste Jungfrau^), Zacharias, Johannes, die
Unschuldigen, die zwölf Apostel, Marcus und Lucas (und alle Mär-
tyrer). Dann spricht der Priester: Femer für die Seelen der (im
Herrn) Ruhenden*), des EBlarius, Athanasius, Martinus, Ambrosios,
Augustinus, Fulgentius (von Astigi), Leander, Isidor, dann der Bischöfe
von Toledo, die aber sehr ungeordnet durch einander stehen, und unter
denen Meletius, Asturins, Montanus, Justus, (Eugen I.), Eugen L
und Eugen IL, Udefons, Quiricus, Sinifredus, Cixila, Eulogios u. a.
w*A»- sich nicht befinden. — Der Chor: Und aller Entschlafenen^). Der grie-
chische Ausdruck (naimcLfUvmv oder igavoiUvwv) ist hier wörtlich über-
tragen. Entsprechend dem Zeitwort hat der Uebersezer das Ebuptwort
foataHo gebildet.
Den Ausdruck ffpauBnare^ und „pauBcUio^ finden wir nicht im
sfidlichen Spanien, woU aber ausserhalb Spaniens^). In den spaten
Synoden von Tarraco kommt der Ausdruck nicht mehr vor. In der
uns Torliegenden Liturgie,* d. i. in den einzelnen Messen „de tempart^
und „de eanctW wechseln die Ausdrücke: „pausantes^ und „defuneti*
(auch „sqpulH^)^ so dass das leztere Wort vorwiegt. Zuweilen
stehen beide neben einander. In der Festmesse der heiligen Eulalia
von Emerita (10. December) wird gebetet fiir die Verstorbenen um
den Trost der ewigen Kühe mit den Worten: „et d^functis eterne pau-
eitHonis solatium^, — In der Messe des Papstes Clemens bitten sie:
„pro spiritibus fiddium requiem defunctorum^^^; in der Messe der
r.
') gloriose Sande Marie virginis.
*) Item pro spiritibus pausantium.
') ihres Hosius gedenken sie nicht.
*) ei omnium pausantium.
*) Bei Ducange stehen 8 Beispiele, n. a. aus Commodian. und Cassian, ; aoi
einer Grabschrift, und auch vom heiligen Bonifacios heisst es „pausai** (in Folds).
— In den romanischen Sprachen bedeutet „pausar^ nie (im Grabe) rohen. -
Cf. Dietz, Wörterbuch der romanischen Sprachen, 2. Aufl. 1861, I, S. 310.
*) Leshi meint, diese Messe sei zorZeit der Völkerwanderung entstanden. —
In den von Mone edirten gallischen Messen heisst es: „spiritus quoque carorum
nosirorum laetis sedüms conquiescant.** In Missa III: „recitatis nominilmt
drfun/dorum,**. Missa IV: „d^functorum fiddium animae''. Missa VI: „de-
flmcU'' et „sepuUi". Missa XI: „d^fvnctorum spiritus". Fr. Jos. Mone,
I
k
Kanon der Messe. — Isidor über die Litorgie. 207
£piphanie: „refrigerium quietis defuncHs accumtda^. In der Vigü vor
Pfingsten heissen die Abgeschiedenen: „die Unsrigen, die schon im
Tode uns vorangingen** (nostri, gut jam a sectdo precesB&runC). In der
Messe der Siebenmänner heissen sie: „alle Verstorbenen** (pro defunctia
Omnibus); ebenso in den zwei Messen der heiligen Justa und Rufina.
In der apostolischen Messe heissen die Todten: pausarUes, auf der
Synode zu Elvira (306) aancti, und spater gewohnlich defuncti,
§. 18.
Die tagliche Messe, d. i. die ursprüngliche, welcher die äbrigen
nachgebildet sind, oder der Kanon der Messe heisst gewöhnlich: Miasa
(omnitmi) offerentium, zuweilen Missa apostolorum, Misaa b. Jacobi
apostoli, Missa Septemmrorvm, auch Messe auf den ersten Adventsonn-
tag; femer: „Missa cotidiana Romensis'^, tagUche römische Messe, d. i.
Kanon der „Messe**, der von Rom kam.
In der Fürbitte fiir die Lebendigen werden neben den Presbytern «uaaoiif
die Diakonen genannt» Sie heissen diac(h)oni. In sämmtlichen spätem ™f
spanischen Concilien heissen aber die Diakonen: diacones. Diese Form
(diacones) erscheint zuerst in der ersten Synode zu Toledo (400). In
Elvira finden wir noch die Form: diaconi. Wir folgern demnach, dass
der Messkanon frühem Ursprungs sei.
§. 19.
Die Liturgie der drei nördlichen spanischen Provinzen leiten wirsodtp««
demnach von Tarraco her, wohin dieselbe vor dem Jahre 259 aus ^^^
Rom gekommen, und wo sie mit Abänderungen in das Lateinische
übersezt wurde ^). Es scheint uns aber wahrscheinlich, dass dieselbe
römische Liturgie (etwa über Carthagena oder Cadix) in den Süden
von Spanien früher gekommen sei, weil der Süden schon viel früher
Bischöfe und christliche Gemeinden hatte, als der Norden. — Wir sind
aber nicht im Besize der Liturgie des Südens. Wir können nur aus
der Schrift Isidors: „über die kirchlichen Officien** Schlüsse auf die
Liturgie des Südens machen.
Von den Responsorien sagt er, sie stammen aus Italien.
Lateinische und griechische Messen aus dem zweiten bis sechsten Jahrhundert, 1850,
S. 17—38. — Schon bei Tertallian kommen die Todtenmessen unter dem Titel vor:
Saerificium pro spirittt, oder pro anima (das. S. 82). — de exfiortat. castitatis,
c. 11. — de monogamia cp, 10 (annuis diebus dormitionis ejus).
') Ferd. Probst, Lehre und Gebet in den drei ersten christlichen Jahrhunder-
ten, 1871, S. 314.
208 Achtes Buch. Eilftcs Kapitel.
wdorn. Von dem Allelnja sagt er, dass es in Africa nur an den Sonn-
turgie. ^^S^^j ^°d ^ Tage nach Ostern gesungen werde ^); in Spanien aber
^nach der alten spanischen Ueberlicferung^ das ganze Jahr, ausser der
Fastenzeit: ^denn es steht geschrieben: allzeit sei sein Lob in meinem
Munde^.
Die Ordnung der Messe aber, und der Orationen, durch welche
das Gott dargebrachte Opfer consecrirt wird, Ist ZUCrst TOD dCID ll6l-
llgen Petras eingenUhrt worden, deren Feier zu einer und derselben
Zeit der ganze Erdkreis begeht*). Die romische und apostolische
Messe also hat auch Spanien erhalten, aber ihre Beschreibung bei
Isidor weist einige Verschiedenheiten von der nordspanischen Liturgie
auf, die sich in unbestimmter Zeit gebildet haben. Sieben Oratio-
nen zählt Isidor, 7 hatte auch Toledo^ die Beschreibung im Einzelnen
passt aber nicht ganz.
Das heilige Messopfer fui' die Ruhe der abgeschiedenen Gläubi-
gen darzubringen oder far sie zu beten, weil diese Sitte auf dem ganzen
Erdkreise besteht, so glauben wir, dass diess von den Aposteln selbst
überliefert ist'). Auf eine nähere Beschreibung der heiligen Messe aber
geht Isidor nicht ein. — Ueberhaupt enthält sein Werk wenig, was
uns nicht von anderer Seite schon bekannt wäre.
§. 20.
Nord- Wir nehmen an, dass die Messliturgie zu verschiedenen Zeiten
°* ®,***'' von Korn nach Süd- und Nordspanien gekommen, dass bie clarnm bei
Bpanien. ^ ^ ....
einzelnen Diflferenzen — dieselbe war und blieb, wir bcsizen aber nui*
die nach Nordspanien gekommene. Leander von Sevilla hat nach dem
Zeugnisse Isidor's — gleichsam die ganze Liturgie neu bearbeitet^).
Aehnliches wird von Isidor wenigstens nicht bezeugt.
Der uns erhaltene „Ordo Missae*^ aber kam von Rom nach Tar-
raco, und wurde dort vor 259 aus dem Griechischen übersezt. — Um
*) Isidor, de ecdes. ofßc. 1, 9,
') Ordo atUem missae, et orationurriy quibics oblata Dco sacrificia con^e-
crantur, primum a sancto Pttro est institutus, cujus celebrationein uno eodem
que inodo universus peragit orhis. — l. /, 15, — - Lvd. Aug. Hoppe, Die Ejti-
clesis der orientalischen Liturgiceu und der röm. Consecrations-Kanon, 18» 14, S. 7»V
') Sacrificium pro defunctorum fidelium requie offerrc, vel pro eis oran\
quia per totum hoc orbem custoditur, credimus quod ab ipsis apostoUs traditum
»iL Hoc enim vbique catholica tenet eoclesia quae nisi crederd fidciibu^ de-
functis dimitti peccaJta, non pro eorum spiritibus vel eleemosynam faceret, vel
sacrificium Deo offerret — F, Propst^ l. c. p. 334— 3S9,
*) Isidor, de viris illustr. cp. 41. In ecclesiasticis nfficiis non pan^^
laboravit studio: in toto enim PsaUerio, duplici Editione, orationes coinposuit,
in sacrificio quoque laudihus atque Psalmis multa dulci sano composuit.
Isidor und die Utargie. 209
das Jahr 400 blühte der grosse Dichter Aurelius Prudentins Clemens,
dessen kirchliche Hymnen in und ausserhalb Spaniens in allen Kirchen
und im kirchlichen Dienste Eingang fanden: vielleicht zu gleicher Zeit
der Bischof Petrus von Lerida, ^der for verschiedene Feste Orationen
herausgab, sowie Messen von eben so schönem Inhalt, als klarer
Sprache^ ^). Zwei Jahrhunderte später machten sich Johannes von Sara-
gossa und Conantius von Palentia in gleicher Weise verdient^).
Die Kirche von Toledo nahm in ihr Missale und PsdUerivm die
Officien der nordspanischen Heiligen ohne Veränderung auf, ob auch
die südspanischen und ausserspanischen ebenso unverändert, können
wir nicht ermitteln. — Wiederhersteller und Verbesserer der Toletani-
schen Liturgie im siebenten Jahrhundert waren Eugen H. und Ildefons.
Gleichsam die lezte Hand an dieselbe hat Julianus von Toledo gelegt
Wenn man irgend Jemand den Vater oder Verfasser der mozarabischen
Liturgie nennen will, so gebührt ihm dieser Name^). Ihm gebührt
hiefiir volle Anerkennung, um so mehr, wenn man die eigentlichen
Officien der Toletanischen Kirche mit den von andern Kirchen ent-
lehnten vergleicht, die nicht selten an Form wie an Inhalt mangel-
haft sind^).
') Da es i'd der Messe des heiligen Martin von Tours, der lezten des Mis9aU
der Zeit nach, heisst: Nunc virvm quem aetatis nostrae tempora protulenmt, ju-
beas auxilium nostria Jerre temporibus. Bona, verum lüurg. 1. 1. cp. 11, Beet. 1,
— Petr. le Brun, Explicat Missae, t IL p. 284, so kann Petrus deren Ver-
fasser sein.
'} IIb, 75 und 138.
') Item librum Missarum, de toto circulo anni, in quatuor partes divisum,
in quibus aliquas vetustatis incuria vitiat<is et semiplenas emendavit atque
eomplevit; item librum orationum de festimtatxbus anni, quas Toletana ecote-
sia per totum circulum anni est solita celebrare, partim stylo sui ingenii de-
promptum, partim corredum, in unum congessit, atque Ecclesiae Dei usibus,
ob amorem reliquit sanctas religionis. Felix — in appendice ad Ildefons.
de viris illustr., cp. 16,
*) Die Literatur s. oben, K.-G. I, 84—85; 102; vgl. L. Äug. Hoppe, die
EpiMesis, Schaffh. 1864, p. 76—92 (die mozarabische Liturgie).
OaBU y iimn. Kirche. II. 8. 14
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v.
p
«
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1*1
Zwölftes Kapitel.
Me Ilrdie von f oledo anil die KIrehe von Spanien. —
Die linshe ? on Spanien und die Urehe von Itom.
§. 1.
Toledo wird im Jahre 306 znerst als Bisthom genaont. Wieder
tritt es im Jahre 400 aos dem Dunkel hervor durch die erste wegen
der Priscillianisteii dort gehaltene Synode. Toledo war die am meisten
in der Mitte Spaniens gelegene Stadt und ist es anch heute noch,
ond darum zu Synoden die gelegenste. Wegen ihrer centralen nnd
festen Lage wurde sie anch Hauptstadt des Reiches der Westgoth^,
dessen Eonige znerst in Toulouse und dann eine Zeit lang in Bar-
celona residirten. Zuerst war es Montanus von Toledo, welcher
nach der Würde eines Metropoliten strebte. Aber nur die Bis-
thümer von Carpetanien oder Neu-Castilien Hessen sich zu dieser An-
erkennung herbei. Als Leovigild von Toledo aus ganz Spanien be-
herrschte^ stieg auch die kirchliche Bedeutung dieser Stadt; noch mehr,
als sein Sohn Beccared Katholik wurde und als die dritte Synode von
Toledo (689) die kirchliche Einheit Spaniens aussprach und besiegelte.
Weil aber der Bischof Euphemius von Toledo , der Wahrheit Zeug-
niss gebend, sich nur Metropolit von Carpetanien nannte, und weü
Toledo nicht seit der Bildung der Provinz Carihaginensis Metropole
gewesen war, entstand ein langer Streit und ein Schisma, indem nicht
wenige Bischöfe der Provinz sich weigerten, Toledo als Metropole an-
zuerkennen. Um diesen Streit zu beendigen, erstrebte und erwirkte
Bischof Aurasius, der Nachfolger des Adelphius, dass fast alle Bischöfe
der Provinz in der Erklärung sich vereinigten, ihn und seine Nach-
folger als ihren Metropoliten anerkennen zu wollen, dass König Gun-
deikiar in einem sehr strengen Decrete dasselbe aussprach, und gegen
die Widerstrebenden mit den schärfsten Massregeln drohte, dass
Der Primas. 211
endlich auch vier andere Metropoliten und sehr viele Bischöfe der an-
dern Provinzen dieser Erklärung zustimmten^).
§. 2.
Auf der vierten Synode zu Toledo erscheint Justus unbestritten
als Metropolit der Carthaginensischen Provinz. — Doch unterzeichnet
Isidor tfls der älteste der sechs Metropoliten zuerst. Justus erscheint
als der vierte Metropolit^). Es war aber noch kein Jahr verflossen,
seitdem er seine Würde erlangt hatte. Auf der fünften Synode ist
Eugen I. der einzige anwesende Metropolit; er ist ^durch Gottes Er-
barmen Metropolitanbischof der Toletanischen Kirche''. Auf der sechs-
ten Synode (638) steht der älteste Metropolite, Selva von Narbonne,
voran. Aber weil er sich als blosser Bischof unterschreibt, folgen die
andern vier, und folgt Eugenius als der dritte seinem Vorgänge, er
ist blosser „Bischof*.
§. 3.
Florcz hat nachgewiesen, dass auf der siebenten Synode des Toiado
Jahres 646 Eugen II. schon Bischof war. Hier tritt der auffallende •^[^•^
Umstand ein, dass Orontius von Merida und Antonius von Sevilla
sich Metropolitanbischüfe nennen, dass aber Eugen, als der dritte,
sich nur als Bischof, nach ihm aber Protasius wieder als Metropolitan
von Tarraco unterzeichnet. Florez meint, dass überhaupt hier eine
Verwirrung in die Unterschriften gekommen, da Protasius vor Euge-
nius stehen müsse ^). Dagegen bei der achten Synode des Jahres 653
stehen die vier anwesenden Metropoliten als solche, und an dritter
Stelle Eugen IL als „Metropolitanbischof der königlichen Stadt^. In
der nächsten (neunten) Synode erscheint er in derselben Eigenschaft.
Schon im folgenden Jahre (656) ist er unter drei Metropoliten der
älteste, und unterschreibt sich als „unwürdiger Metropolit des Toleta-
nischen Sizes^; es folgen Fugitivus, „unwürdiger Metropolitanbischof^
von Sevilla, Fructuosus, „unwürdiger Metropolit** von Bracara« Lez-
terer war eben, ersterer im Anfange desselben Jahres erwählt worden.
Aus einem „Bischöfe** im Jahre 646 war also Eugen IL im Jahre 656
wenigstens erster d. i. ältester Metropolit geworden.
') Die Aechtheit der hieher gehörigen Actenstficke ist mehrfach and neae-
stens wieder von (Helfferich and) FeL Dahn angestritten worden.
«) IIb, 101.
•) Espana sagrada, VI, 187,
•< j *
218 Aditea Baoh. Zwölftes Kapitel.
Bnmiio Aber grosse Ereignisse treten nicht plözlich ein; sie kündigen
^gBU^sicli dorcli Vorzeichen an^ und bereiten sich allmälig vor. Bischof
Branlio von Saragossa liebte seinen Archidiakon Eugen wie seinen
Sohn. Als Engen aber Erzbischof von Toledo geworden , so schreibt
ihm Branlio „als seinem vorzugsweisen Herrn, dem Engen, dem
PrfniBg der Bischöfe*^ ^). War es eine Schmeichelei, welche Branlio
dem Engen ü. sagte, oder war es der Ansdrnck der Realität? Wir
haben mehrfach gelesen, dass unter Engen IL dem Bischof von Toledo
die Wurde eines Primas von Spanien übertragen worden sei» Als
Beweis der Primatie wird angefahrt, dass Isidor von Sevilla den
Bischof (Honorius?) vor Corduba vor das Gericht des Bischoüs Hella-
;; dins von Toledo gewiesen habe^), damit er abgesezt werde. Allein —
auch Martianns von Astigi ist ohne Zweifel von Isidor und seinen
Soffiraganen abgesezt worden, ohne Dazwischentreten von Toledo« —
Anoh heute ist bei einer Klagsache gegen einen Erzbischof oft der
r, benachbarte Bischof die erste Instanz, ohne dass er deaswegen über
i dem Erzbischofe steht. In diesem Falle aber wollte Isidor wahrschein-
^ lieh nicht selbst richten, weil der gefallene Bischof aus dem Klenis
der Elrche von Sevilla war*). Im Jahre 636 aber schreibt er an
Bugen L, als an „seinen liebsten Herrn, an den durch Tugenden her^
vorragenden Bisehof Eugenius^.
■3-.
§. 4.
Sq. Es ist wahr, dass auf den beiden Synoden von 655 und 656 Eugen
'^^ allen anderen Bischöfen voransteht* Aber die daraus gezogene Folgerung}
FriiDM. dass im Jahre 653, sei es vom Papste, sei es von Konig Receswinth, sei es
von der achten Synode von 653, ihm der Primat von Spanien übe^
tragen worden, ist nicht gegründet* Denn er unterschreibt im Jahre 655
als der einzige anwesende, im Jahre 656 ab der älteste anwesende
Metropolit^)« — unter der Regierung des Udefons fanden keine (Jod-
cilien statt. Man ersieht nur aus seinen Schriften^ dass er an deo
Vorrechten der Ejrche von Toledo festhält, und die Vertheidiger de^
selben belobt. Wir haben von Quiricus von Barcelona zwei Briefe
an Bdefons. In der üeberschrift des ersten nennt er ihn Bischof des
') EtpaOa sagrada, XXX, 369. ,J)omino ringuUmUr fMo, EugeM
PrimoK Episeoporum, Braiulio aerous inuHlis aanUorum Dei**.
«) Hb, 108.
^ OognooimiU9 etiimHispäleniem Corduhenria eeelesiae sacerdoiem inpom-
i^ficali cuknine eamali labe dilapwm. Die Adresse ist: DominU meU 0t Jki
tervif HMadio coeferM^ue, qui cum eo sunt eoiidunati episcopis, IMofnu*
«) ^loras, VI, 284.
Erhebung und Ueberhebung von Toledo. 213
Sizes von Toledo. Die Ueberschrift des zvreiten lautet: „Dem heiligsten
Herrn, und dem mir ganz besonders angehörenden Ildefons, dem Erz-
bischof'^), — Man sieht, dass Quiricus nicht so ganz schmeichelhaft
schreibt, wie Braulio, Ein anderer Quiricus folgte im Jahre 667 dem
Udefons in der Regierung, der, gevnss ein würdiger Bischof, von dem
Ruhme seines Vorgängers und seines Nachfolgers verdunkelt wurde.
Er salbte im Jahre 673 den Wamba zum König. Es ist diess der
erste uns bekannte Fall der Salbung eines Königs. Er hielt im Jahre 675
ein Provinzialconcil, welchem keine anderen Metropoliten anwohnten.
Hier nennt er sich: Ich Quiri^cus, Metropolitanbischof der Königsstadt ^).
Nach den Bischöfen unterschreibt der ,,unwürdige Abt'' Julianus, der
sechs Jahre später „unwürdiger Primas** wurde.
Zunächst wurde Julian noch unter Wamba Erzbischof von Toledo. Joiütn
Bald darauf erfolgte die schmähliche Entthronung Wamba's durch Erwig. jj^*
— Ob dabei Julianus in das Geheimniss eingeweiht, oder in irgend
einer Weise dabei betheiligt war, liegt im Dunkeln. Neuere Schrift-
steller gehen hierin vielleicht zu weit. Aber die abhängige, die pre-
cäre Lage, welche sich Erwig bereitet hatte, trug zur Erweiterung der
Macht und des Einflusses des Julian bei. Ohne Julianus konnte Erwig
sich nicht halten. Julianus aber, um die Auctorität des Königs zu
heben, salbte denselben. Es ist diess der zweite in der Geschichte
erwähnte Fall der Salbung eines Königs durch einen Bischof. Zwar
bei der Taufe des Chlodoväus, des Königs der Franken, soll ein Engel,
nach Andern eine weisse Taube — das Chrisma vom Himmel gebracht
haben. Aber es war das Chrisma zur Besiegelung und Yollendimg
der Taufe, es war die . „conßimatio sacramenW. Bei Erwig aber war
es die Salbung zum Könige, welche Julianus vollzogt). Die katholi-
sche Kirche aber wird im Allgemeinen mehr Einfluss und Blüthe er-
langen unter Fürsten, wie Wamba und Karl dem Grossen, welche die
*) Damno sanctissimo, et vere mihi spedaliter pertinendo Hdephonao ar-
chiepiscopo, Quiricus servtdtut vester. Hier kommt das Wort: „Erzbischof* neben
und nach (vielleicht auch etwas vor) der Synode von Emerita znm zweiten Male vor
(s. oben, S. 142).
') Ego Quiricus urbis regiae (al. urbis regiere ecclesiae sanctae Mariae)
mefrapolitanus episcaptts haec gesta synodica a nobis definita svJbscripsi,
') Ueber die Krönung und Salbung der Könige: Histor.-polit. BlStter, Bd. 20,
S. 221. Bei der Salbung Wamba's soll sich Aehnliches ereignet haben: nam mox
e vertice ipso, ubi oleum ipsum perfusumfueratf exporatio guaedamfiimo simi-
lis in modum columnae sese erexit in capite, et e loco ipso capitis apis visa
est prosiliisse. Quod utique Signum cuiusdam felicitatis secuturae spedem por-
tenderet. — Vita Wambae regis, cp. 4. ap. Florez^ VI, 544. -— Die Beschreib-
ung der Salbung gibt indess der Vermuthung Baum, dass dieselbe schon vor Wamba
stattgefunden habe.
214 Aditoe Baoh. Zwölftes Kapitel
sdiüsen, ab unter Forsten, welche von der Ejrche gescfanzi
werden müsaen, wie Erwig und Ludwig der Fromme.
MiM«i Bald nachher fimd die zwölfte Synode von Toledo statt (681),
welche Julianus unbedingt leitete. Zum ersten Male heissen hier die
Versammelten JPontificeB^. Hier nun — steht Julianus, seit Kurzem
Erzbischoi^ vor den drei andern Erzbischöfen. Bei Surius, Mariana,
Morales u. a. steht vor ihm Jolianus ron Sevilla. Doch da die Mehr-
zahl der Handschriften seinen Namen voranstellt, so sezen die neuesten
Concilienaosgaben ihn an erster Stelle als ,9 Julianus, unwürdiger Me-
tropolitanbischof der ELonigsstadt'' ^). „Ich glaube^S sagt Florez, „dass in
der That Sanct Julianus in diesem (zwölften) Goncil die Ehre ausza-
üben begann, Allen voranzugehen ohne Rücksicht auf das höhere Alter
(der Ordination); und wenn ich dieses beweise, so scheint es, dass
nicht bloss die Codices f welche ihn als Prilsidenten darstellen, eine neue
Kraft erlangen, sondern dass auch der Ehrenvorrang, um den es sidi
handelt, eine neue Stüze erhalten wird^. Dann meint er, Julianas
habe vermöge eines seinem Size inhärirenden Vorrangs den Vorsix
geführt Da aber Julian's Vorgänger diesen Vorrang bis jezt nicht
entdeckt hatten, so wäre Julianus zwar nicht der Gründer, aber doch
der Erfinder der Primatie von Toledo , was der Substanz nach dasselbe
ist — Auf dieser Synode sind allerdings die entscheidenden Schritte
zur Erklärung der Primatie geschehen. Aus diesem Grunde finden
wir im Anhange an diese Synode das berühmt gewordene Decret des
Königs Grundemar vom Jahre 610 über den Vorrang Toledo's vor
jedem Bisthume der Carthaginensischen Provinz, einen Vorrang, wel-
chen der König „die Ehre des Primates^ gemäss der alten Auctorität
der Synode nennt ^).
§. 5.
joitaB Julianus war dem König Wamba, so lange er regierte, ohne
J*^l. Zweifel sehr zugethan. Sicher hatte Wamba ihn auf den Stuhl vos
Toledo erhoben, welchen er 8Vf Monate vor der Entthronung Wamba'i
bestieg. Desswegen ist auch die Sprache, welche Julianus und seioe
Synode gegen den nun unschädlich gemachten Wamba führte, auffid-
lend. Es wird dem Wamba als furchtbares Verbrechen angerechnet,
dass er in Aquis und in der Vorstadt von Toledo einen Bischof ein-
sezen liess Aber welchem der folgenden Könige wird es zum Vo^
•) FhreiL, 71, 286^287.
^ Aber ans der Synode unter Montanns ISsst sich dieser Primat nicht ab-
leiten, hOohstenSy dass Montanns den Primat angestrebt habe. — In diesem Decret
hiisst der Bischof von Toledo wirklich ,,Prima8".
Jaliamifl wird Primas. 215
warfe gemacht, dass sie Bisthümer gründeten, welche nach einiger
2ieit wieder eingingen (wie Simancas, Valpuesta, Oca [zum zweiten
Mal gegründet], Ribagorza, Pallas, Roda u. a.)? Wamba aber hat
einerseits aus Leichtsinn, anderseits mit seinem gewohnten Eigensinn
(cum consuetis ohstinationibiis)^'^ vielmehr Hartnäckigkeit gehandelt, und
dieses ist eine „insolente Frechheit der Verstörung" *) von Seite Wamba's
gewesen, der indess, so lange er regierte, keinen Tadel oder Widerstand
erfuhr, und gegen den Julianus, der Leiter dieser Synode, sicher vor
dem 14. October 680 keine so „gar wenig höfliche" Sprache ge-
fuhrt hätte«
Julianus wirft ihm vor, dass er durch „insolente Frechheit" die
Ordnung der Kirche „verstört" habe. Wir glauben nicht, dass Wamba.
die „Verstörung" der kirchlich^ Ordnung zugegeben hätte, welche
Julianus gleichzeitig wagte und durchsezte, zu welcher König Erwig
und sämmtliche Bischöfe Spaniens ihr „Placet^ ertheilten. Sogleich
nach der „Abwandlung" des Königs Wamba wird der ;,grundstürzende"
Kanon vorgelegt:
„Auch das hat sich uns nach gegenseitiger Besprechung zur Be- jaiunv
schlnssfassung dargeboten^), dass in einigen Städten bei dem Ableben ^[[J^„
des Bischofs, während die Ordination des Nachfolgers lange verzögert
wird, die heiligen Officien keinen geringen Schaden erleiden, und ein
0 principem amsilio levitaiis agentem, cum consuetis obstinationibus de-
finisse — pro tarn insolenti hujusmodi disturbationis licentia — etc.
*) lüud quoque collaiione mutua decemendum nobis occurrit, quod in
quibusdam citritatibus decedentibus episcopis propriis, dum differtur diu ordi-
natio successor^y non minima creatur et officiorum divinorum offensio, et ecde-
sictstiasticarum rerum nocitura perdüio, Nam dum longe lateque diffusa tractu^
terrarum commeantum impeditur cderitcLS nuntiorum, quo aut non queat regiis
auditibus decedentis praesvlis transitus innotesci, aut de successore morientis
episcopi libera principis electio prciestolari, nascitur saepe et nostro ordini de
relatione taliüm difßcuUas et regiae potestati, dum consulium nostrum pro sub-
rogandis pontificibus susHnet injuriosa necessitas. ünde placuit omnibus pon-
tifidbus Hispaniae atque OcUliae (in drei Codices fehlt: Qxdliae), ut salYO pri-
Tilegto uniuscujiisque provinciae licitum maneat deinceps Toletano pontifici
quoscunque rtgalis potestas elegerit et jam dicti Toletani episcopi Judicium
dignos esse probaveritf in quibuslibet provinciis in praecedentivm sedium prae-
ficere praestdeSf et decedentibus' episcopis eligere successores: ita tarnen , vt
quisque iUe fuerit ordinatus, post ordinationis suae tempus infra trium Tnen-
sium spatium proprii metropolitani praesentiam visurus accedat, qualiter ejus
auctoritate vel disdplina instructiu condigne susceptae sedis gubemacula teneat,
Qy>od si per desidiam aut neglectu quolibet constituti temporis metas excesserü,
quibus metropolitani sui nequeat obtutibus praesentari, excommunicatum se per
omnia noverit, eoccepto si regia jussione impeditus se esse probaverit Hanc
quoque definitionis formulam, sicut de episcopis, ita et de caeteris ecclesiarum
rectoribus placuit observandam.
216 Achtes Bach. Zwölftes Kapitel.
verderblicher Verlust den kirchlichen Dingen erwächst. Denn da bei
der weiten Ausdehnung des Landes unmöglich die Boten schnell hin-
und zurückgehen können, so dass der König sehr spät den Tod des
verstorbenen Bischofs erfährt, oder die freie Wahl des Nachfolgers
durch den Fürsten auf sich warten lässt, so erwächst oft unserm
Stande aus solcher Verzögerung (vielleicht aus der Berichterstattung in
solchen Fällen) eine Schwierigkeit, so wie auch der königlichen Macht,
(den Bischof zu wählen) , da unser Gutachten für die Bischofswahlen
abgewartet wird, ein gehässiger Nothstand. Darum hat es allen Bi-
schöfen von Spanien und Gallien gefallen, dass, OübCSChadCt der Pri-
vilegien jeder Provinz, es hinfort dem Toletanischen Pontifex erlaubt
sein solle, alle Jene, welche die königliche Gewalt (zu Bischöfen) er-
nennt, und welche das Urtheil des erwähnten Toletanischen Bi-
schofs für würdig erachtq^, in allen Provinzen als Bischöfe ein-
zusezen, und den verstorbenen Bischöfen Nachfolger zu ernennen:
so jedoch, dass, wer immer ordinirt ist, er innerhalb der Zeit von
drei Monaten nach seiner Ernennung seinem eigenen Metropoliten
sich vorstelle, damit er durch dessen Auctorität und Disciplin das
Steuerruder des übernommenen Bisthums geziemend festhalte. Wenn
er aber aus Trägheit oder irgend einer Geringschäzung die festgesezte
Zeit verstreichen lässt, und seinem Metropoliten nicht unter die Augen
tritt, so möge er wissen, dass er durchaus excommunicirt sei, es sei
denn, dass er nachweist, dass ein Befehl des Königs ihn daran ver-
hindert hat. Die gleiche Entscheidung, wie in Betreff der Bischöfe,
treffen wir auch für die übrigen Rectoren der Kirchen".
§. 6.
D^r „Ein grosses Wort sprach er (Julianns) gelassen ans", und di-
nnbo- Uebrigen sprachen es ihm nach. El)en noch, als sie den l)eseitii(tii.
taPri- Wamba abstrafen wollten, weil er zu EhnMi des Märtyrers Pinionin'
"»*• ein Bisthum gestiftet hatte, da citiron sie sauimtliche alte Cdtmues^ die
ihnen zur Verfügung stehen, um ihr Gericht zu begründen und /o
rechtfertigen. Was Wamba gethan , war eine verscliwindende Kleinig-
keit gegen das, was jezt Julianus that, diess war eine unerhörte um.
ungeahnte Neuerung, es war der völlige Umsturz der ganzen i\\Ui
Verfassung und Regierung der Kirche. Keine Kirche des Morgen-
oder Abendlandes , die mit Rom, in Verbindung stand und blieb, kaniiu
oder hatte diesen unumschränkten Primat und Principat. Der Pap^^
selbst schüzte und stüzte die Metropolitanverfassung, welche, wie dtr
Primat selbst und der Episcopat, in der Anschauung der alten Kinli?
von deren Stifter grundgelegt war (und ist). Und nun -- <la dir>'
göttliche Einrichtung für Spanien (weg -)fallen soll, beruft sich JuIianiL^.
Der annnuiohrftiikte Primat. 217
„der selbstgeschaffene Primas^, nicht auf die alten Eirchengeseze,
nicht auf die Canones der spanischen und ausserspanischen Kirche,
nicht einmal in unbestimmten Ausdrücken oder Redewendungen. Für
den Neubau der spanischen Nationalkirche, den er in Angriff nahm,
gab es keine Analogieen oder vorbereitende Geseze in der Vergangen-
heit der Kirche. Er konnte auch nicht sagen, wie die Juden, bevor
sie den Saul als König erhielten, sprachen: Weil die andern Volker
Konige haben, so wollen auch wir einen König. Denn Gallien, Bri-
tannien, Germanien, Italien, der Orient, hatten keine Primaten nach
Toletanischer Omnipotenz. Afrika hatte Primaten Aber der jyEpi"
scopua primae Sedis'^ wechselte, der Primat ging von einem Bisthume
auf das andere über, und gab eine sehr unbedeutende Gewalt.
Da aber die Schaffung der neuen Primatie von Toledo irgendwie b«-
motivirt werden musste, so sah man sich auf das Nüzlichkeitsprincip ,J^^
angewiesen, womit man von jeher jede Gewaltthat und jeden Umsturz Primsti
beschönigt hat. Die Bisthümer werden schneller, als bisher, besezt.
Dieser Grund soll die Primatie empfehlen. Aber wenn der Primas
und der König eine Wahl verzögerten, aus Nüzlichkeitsgründen, wer
konnte sie richten oder sie zwingen?
Mit der Schaffimg dieses Primats waren sämmtliche fünf Metro-
politansize in Spanien abgeschafit. Es ist ein leeres Wort, dass die
Primatie „unbeschadet der Privilegien der Metropoliten** ent- und be-
stehen sollte. Dieser „Gesammtepiscopat^' von Spanien verschlang Bi-
schöfe wie Erzbischöfe. Der Metropolit hatte weiter Nichts zu thun,
als drei Monate auf den Bi^such des neuen aus Toledo gesandten Bi-
schofs zu warten, vielleicht sich auch von demselben beaufsichtigen
zu lassen.
Wer wählte die Bischöfe? Dem Namen nach der König, der
Sache nach der Primas. Wer bestätigte die Bischöfe? Der Primas
allein. Wer bestätigt, kann auch verwerfen. Wer weihte, wer sandte,
wer instruirte die Bischöfe? Der Primas, und er allein. Er besezte
die Bisthümer. Darum konnte er auch die Bischöfe versezen und ab-
sezcn. Woher nahm er die Bischöfe? Naturgemäss aus dem Schoosse
des ihm bekannten und am Herzen liegenden Klerus von Toledo, er
nahm solche, auf die er sich verlassen konnte. Wollten Nicht-Toleta-
ner Bischöfe werden, so mussten sie in den Augen des Primas un-
tadelig sein, also eine Zeit lang unter seinen Augen gewandelt haben.
Aber nicht genug, sämmtliche Rectoren der Kirchen, das heisst wohl:
I^farrer oder Kirchenvorstände wurden von dem Primas eingesezt.
218 Aehtos Baeh. ZwOlftM Ki^itel.
■
Die spanische Earche war in Toledo centralisirt, der Primas war ihr
Ptmiifw maaBimus ohne Schranken, ohne Controle der Macht.
§. 8.
»•Bz. Was sagten denn die bisherigen Metropoliten zu ihrer Degrada-
^^J^tion? Sie sprachen Ja und Amen, und schafften sich selbst ans der
Welt. Indem ^Stephanns, der Bl8€llOf des Emeritensischen Sizes^ , auf
Verlangen Wamba's einen Bischof für Aquis weihte, that er nichts
Unrechtes. Er that, was jeder Andere, auch Julianus, an seiner Stelle
gpthan hatte. Aber dafür sollte er büssen und gezüchtigt werden.
In ihm wurden die Metropoliten gezüchtigt und zum Stillschweigen
verwiesen. Er musste also vor Julianus und vor der ganzen Synode
hervortreten und sich verdemüthigen. Weil er Etwas that, was „die
kanonische Einrichtung^^ in keiner Weise zulässt, so warf sich^der eben
erwähnte Mann auf die Erde nieder, und bat, dass ihm nach unserm
heilenden Gebote Verzeihung ertheilt, und dass durch den Urtheils-
spruch unsers Mundes entschieden werde, was mit der Person des von
ihm Ordinirten zu geschehen habe^). Stephanus that auf der Erde
*.S liegend Busse; er büsste auch für seinen Vorganger Proficias, der
V „ohne und vielleicht selbst gegen Toledo*^ im Jahre 666 seine Synode
lu halten gewagt hatte. Die „P<mUfiees^ aber unterschrieben die Syn-
ode in folgender Ordnung und Weise:
1) Ego Jtdianm ifuUgnua urbia regiae ToUtanae aedia episeopua
haee aynodica inaiituta a nobia edita aubacripai.
2) Julianua Dei gratia Hiapalenaia Ecdeaiae aedia epiacopua haac
aynodica etc.
3) Ego lAuva indignua Bracarenaia aedia epiacopua haec aynodica
inatituta ete.
4) Ego Stephanua Emeritenaia aedia epiacopua aubacripai,
6) Aaphaliua Äbilenaia aedia epiacopua aubscripai,
Asphalius war der erste und älteste Bischof, der unterschrieb.
Wer aber sonst nicht weiss, dass Merida ein Erzbithum, Avila em
Bisthum ist, der bemerkt es nicht an dieser Unterschrift. Stephanna
hatte der Metropolitanwürde entsagt.
') praediciua idem vir (Stephanua) prostratiiB hämo medicamine noairi
praaeepti et aihi dari veniam petiit, et quid potiaaimum fieri oporferet de per-
aona ^ua qui iUio ordinatua fiiertU noatri oria aententia decemendum popoacit.
0 %
Der new Primai 219
§. 9.
Nach zwei Jahren auf der Synode des Jahres 683 sprachen auch
die andern vormaligen Metropoliten durch ihre Unterschriften ihre Ver-
zichtleistung auf die frühere Würde aus. Sie überlassen dem Primas
die Macht, die Würde und den Namen« Unterschriften:
„Ego Julianus indignus sanctae Ecdesiae Toletaruie metropolüanus
episcopus insütuta a nolis definita subscripsi'^.
Ego Liuva Bracarensis et Dumiensia episcopus.
Ego Stephanus Emeritensis episcopus.
Ego Floresindus Hispalensis episcopus,
Ego Leander llidtanus episcopus.
Und so alle andern. Dem Wortlaut ihrer Unterschrift wie der
Sache nach hatten sie verzichtet. Sie waren zu einfachen Bischöfen
herabgesunken. Zwar gingen sie noch den übrigen Bischöfen in den
Unterschriften voran, sie heissen noch dann und wann episcopi „primae
Sedis'% aber sie waren nicht mehr» als die andern Bischöfe. Der
Primas bestätigt, weiht und sezt sie ein; sie sind nicht immovibi^
les, sondern — ad ntUum ejus amombiles. Wenn man fragt, ob Ju-
lianus ihnen diese wegwerfende Unterschrift befohlen, oder ob sie von
freien Stücken auf ihre Würde verzichtet haben, so antworten wir, sie
thaten das, was dem Julianus angenehm war, und es war ihm ange-
nehm, seiner Primatialwürde der Sache und der Form nach den schärf*
sten Ausdruck zu geben ^). Als Julius Cäsar längst eine mehr als
königliche Würde hatte, streckte er seine Hände auch nach dem
Diadem aus, und Antonius, der es ihm darreichend aufhörte, sein
Nebenbuhler zu sein, war ihm eine angenehmere Person, als jene, welche
ihre Entrüstung ob solcher Knechtschaft und Wegwerfung nicht zurück-
halten konnten.
Der neue Primat war unmittelbar in das Leben getreten. Nach dem
Decret, welches König Erwig am 25. Januar 681 erlassen, sollten die
Beschlüsse des Concils sogleich in Vollzug treten. Ausserdem be-
schliesst die Synode des Jahres 683 in ihrem neunten Kanon in den
schärfsten Ausdrücken, über welche die (lateinische) menschliche
Sprache gebietet, die Unverlezbarkeit und die ewige Dauer des Pri-
mates von Toledo^). „Durch die ganze Ewigkeit der Zeiten" soll
*) In den Acten der Synode von 683 ist noch von einer Mehrheit von ,|Metro-
politen**. die Rede.
') Licet unafiimi consensionis nostrae judicio gesta synodaUa Toletani
condlii duodecimi acta sunt atgue disposita (der „gmndstürzende" Kanon ist
allerdings fein zwischen harmlosen Verordnungen versteckt), nunc tarnen iterato
220 Achtes Budu Zwölftes Kapitel.
Geltung haben „die dem Pontifex von Toledo durch die allgemeine
Synode verliehene Gewalt, dass die Bischöfe einer andern Provinz mit
der Genehmigung der Fürsten in der Königsstadt ordinirt werden.**
Diejenigen, welche den Primat von Toledo allmälig und aus der Tra-
dition sich entwickeln lassen, finden ihre Widerlegung in obigen Wor-
ten. Dieser Primat ist im Jahre 681 in Folge des Beschlusses, viel-
mehr „der Connivenz^ der damals versammelten Bischöfe, und der
„Connivenz** des Thronräubers Erwig gegründet worden. Er sollte
zwar dauern „für die ganze Ewigkeit der Zeiten". Aber der Herr der
Kirche hatte es anders beschlossen. Er dauerte kein Menschenalter.
Er dauerte höchstens bis zum 27. Juli des Jahres 711, und nachdem
Julianus selbst aus der Zeit in die Ewigkeit übergetreten war, konnte er
für die ewige Dauer seines Primats nicht mehr thätig sein^).
Die fünfzehnte Synode des Jahres 688 war die lezte, in welcher
Julianus als Primas auftrat. Egiza war der zweite König, den er am
20. November 687 gesalbt hatte. Egiza, eben ein Anfänger in der
Regierung, tritt ein, und „wirft sich zur Erde nieder^, sich den Ge-
beten der Bischöfe empfehlend. Die Synode beschäfligte sich aber
diessmal nur wie im Vorübergehen mit dem Könige. Die Hauptsache
war vielmehr die Lection, welche Julianus in Gegenwai*t sänimtlicher
Bischöfe Spaniens den römischen Päpsten ertheilte, weil einer dersel-
ben sich ein paar mündliche Bemerkungen über Julian's dogmatische
Ausdrücke erlaubt, und demgemäss an Julian's Unfehlbarkeit zu zwö-
feln schien. Aus den Verhandlungen selbst ersieht man nicht, ob Jq-
lianus im Jahre 688 noch Metropoliten neben sich anerkannte oder
duldete. Sieht man aber auf die Fassung der Unterschriften, so gab
es ausser ihm nur noch Bischöfe in Spanien. Denn:
„Ich Julianus, Metropolitanbischof der Königsstadt, habe diej>^
Statuten der Canmies unterschrieben".
„Sunifredus , BlSChOf des Narbouensischen Sizes , habe diese Sta-
tuten der Canones unterschrieben".
Floresindus, Bischof des Ilispalensischen Sizes, ebenso.
Faustinus, Bischof des Bracarensischen Sizes, ebenso.
InconYnlsIbllls nostrae definitionis asaeiisu ea ipsa gesta, prout gesfa sunt w!
caruscripta, omni tempornm aeternltate valitura decernmvs et omnimodae soli-
ditatfs vigore firmamus juxfa ordinem capifulorum. Die einzelnen Kapitel wer-
den nun kurz angeführt. Darunter: Item — de concessa Tolct<itw ponfifici gem- •
ralis synodi potestate, ut episcopi alterius provinciae cum connivetUia princi-
pum in urbe regia ordinentur,
') In dem Kanon 9 der Synode von 68.'J heisst Erwig „gloriosissimus rex'.
und in seiner Bestätigung dieser Synode sagt er, dass die zwölfte Synode in dem
leersten Jahre unserer Glorie** gehalten worden.
Der PrimaB Siabert 221
Maximns, Bischof des Emeritensischen Sizes, ebenso.
Idalius, Bischof des Sizes von Barcino, habe so unterschrieben.
Zwischen den früheren Metropoliten and den übrigen Bischöfen
ist hier nur noch der Unterschied, dass jene vor den Bischöfen unter-
zeichnen und dass sie die Worte Julian's: jfJuiec canonum statuta »ulh-
scripsi^ nachschreiben, sein ,,Ego^^ aber und sein „Metropolitanus^ nicht
nachschreiben, während die übrigen Bischöfe nach dem Vorgänge des
ältesten Bischofs Idalius nur sagen: „ita mbscripsi'^. Idalius wollte
wenigstens, soweit er es vermochte, einen Unterschied zwischen
sich und jenen statuiren und in seinem Briefe an Sunifredus von Nar-
bonne') nennt er diesen einen Metropoliten und auch für Julianus hat
er keinen andern Titel. Cyprian, Erzbischof von Tarraco, war allein
von den firühem Metropoliten nicht zugegen. Er hatte för sich einen
Yicarius entsendet, der als der erste nach den anwesenden Bischöfen
sagt: „Sesuldus, Erzpriester, vertretend die Stelle meines Herrn Gypria-
nus, des BUChOft des Tarraconensischen Sizes, habe so unterschrieben'^.
•
§. 10.
„Hochmuth kommt vor dem Falle*^. Diess Spruchwort findet auf
aUe Sterbliche seine Anwendung, und auch ein Primas von Toledo ent-
zieht sich derselben nicht. Als der Primas Julianus im Jahre 690 mit
Tode abgegangen war, trat der Primas Sisbertus an seine Stelle. Er
war nahe verwandt mit König Egiza, und soll der erste Bischof To-
ledo's aus gothischem Geschlecht gewesen sein. Auf der Synode von
688 hatte er als „Sisbertus, Abt^ unterschrieben, mitten unter 7 Aeb-
ten, im Jahre 684 unter 5 Aebten als der fiinfte, im Jahre 683 unter
9 Aebten als der sechste, im Jahre 681 findet er sich noch nicht.
Sisbertus, der nächste Nachfolger des gewaltigen Julianus, mochte Der
sich mit der Würde eines Universalbischofs von Spanien nicht begnü- ^[JJJJ
gen. Es war ihm unertraglich, dass neben ihm König Egiza waltete, to^
dem er seine Erhebung zu danken hatte. Die Erhebung schlug in
Ueberhebung um, und die Ueberhebung brachte ihn zum Falle.
Sisbert, der Kirchenfurst, wollte den König stürzen, nicht bloss
so, wie Erwig den Wamba gestürzt hatte. Er wollte ihn, die Königin,
die Söhne und die Töchter des Königs durch Mord aus dem Wege
räumen. Dann hoffte er unbestritten der £2rste im Gothenreich zu
sein^). Sein Plan wurde entdeckt, er selbst abgesezt und verbannt.
Ueber sein weiteres Schicksal herrscht Stillschweigen. Dass es aber
schon mit dem zweiten Primas ein so schreckliches Ende nahm, lässt
«) Üb, S. 180.
*) Die Synode von 693 wirft ihm ffSuperbia*^ and ^perjurivm^ vor.
282 Adita Bodk Zwölftes Kapitel.
die Piimaswfirde * selbst nicht im besten Lichte erscheinen. —
solches jisitdiches Ungeheuer^ weist der romische „Primat^ in acht-
zehn Jahrhunderten nicht anf.
§. 11.
»«r An die Stelle des Verrilthers trat der Erzbischof Felix. Dieser
j^u^ Felix war einer jener Bischöfe, welche von Toledo aus über Spanien
sich verbreiteten, nm die Bande der neuen Primatie festigen zo helfen.
In den drei der Synode von 693 vorhergehenden Concilien nnterzeicb-
net sich ein Felix, Erzpriester (von Toledo)^ im Jahre 693 erscheint
dieser Erzpriester nicht mehr, also schliesst Florez, dass er inzwischen
Erzbischof geworden ^). — Wenn es derselbe Felix war, so war er
auch vielleicht der erste den Sevillanem von auswärts zugesandte Kir-
chenforst. Za Obigem kommt hinzu, dass die Lobrede, welche er co
Gunsten seines Vorgangers Julianus hielt, auf eine nähere Bekannt-
schaft der Beiden schliessen lasst Diese Lobrede lasst den Jolianu
in dem glänzendsten Lichte erscheinen, tmd einige ihm ertheilte gün-
stige Piädicate haben wir oben selbst anerkannt.
Die Bischöfe Spaniens hätten jezt Gelegenheit gehabt, die ihnen
entzogenen Rechte zurückzufordern; wir finden nicht, dass sie dieselbe
benüzt haben. Wahrscheinlich aber ist, dass Felix die Zügel der
Gewalt weniger stramm an sich gezogen hat, als Julianus, nnd dar
,, Judas* ^ Sisbertus. Bescheidener als Julianus, unterzeichnet er:
„Ich Felix, unwürdiger Bischof der Eönigsstadt, habe diese
von uns ausgegebenen Synodaldecrete unterschrieben^. Lidem er den
,^Metropo]iten^ in seiner Unterschrift fallen lasst, und sich nur Bischof
nennt, hat er vor den Erzbischofen von Sevilla, Merida, Tarraco und
Bracara eben nur den ersten Plaz voraus.
Weitere Handlungen des Felix und seiner nächsten Nachfolger,
worin sie dem Primat von Toledo einen Ausdruck gegeben, sind nicb
zu unserer Kenntniss gelangt.
§. 12.
Gleichen Schritt mit der Erhebung und Ueberhebung der Kircbe
von Toledo zu der Primatie über Spanien hielt die Lockerung und
Lösung der Verbindung mit der romischen Kirche. In den Jahren 589—
604 war diese Verbindung am innigsten, überhaupt zu der Zeit
*) Hare», V. 299; IX, 250.
*) io nennt ihn die Synode von 69S.
Iddor Aber den Primat Petri. 223
Gregor's L, des Leander und Reccared. Dass in den Jahren 604 — 636 Der
ein Verkehr mit Rom stattfand, finden wir nicht Dass aber Isidor Primat
der getreue Erbe der Gesinnungen seines Bruders war, ist nicht zu
bestreiten. Doch machten sich schon in der lezten Zeit seines Lebens
Tendenzen geltend, die ihn schmerzlich berührten. Engen L von To- eu^üL
ledo wurde im Februar, vielleicht Januar des Jahres 636 zum Erz- ^®*
, , , Toledo.
bischofe gewählt, und zum Antritte seines Amtes schrieb er an Isidor,
und sprach seine Bedenken gegen den Primat der römischen Kirche
aus. Eugen ging auf die Quelle, auf die Einsezung der Apostel durch
Christus zurück, und scheint behauptet zu haben, dass Christus keinem
Apostel einen Vorrang vor den übrigen gegeben habe. Ihm antwortet
Isidor u. a. *): „Wenn der gleiche Rang der Apostel behauptet wird,
so ragt vielmehr Petrus über alle hervor, dem der Herr sagte: Du
wirst Kephas genannt werden; du bist der Fels (und das Uebrige);
nicht von irgend einem Andern, sondern von dem Sohne Gottes und
der Jungfrau hat (Petrus) zuerst die Ehre des Pontificats in der Kirche
erhalten. Zu ihm sprach auch der Sohn Gottes nach seiner Aufer-
stehung : Weide meine Lämmer, indem er unter dem Namen der
Ltfimmer die Bischöfe der Einzelkirchen verstand. Obgleich die Würde
seiner Gewalt auf sämmtliche katholische Bischöfe übergegangen ist,
so bleibt sie doch durch ein besonderes Privilegium dem römischen
Oberhirten, als dem Haupte, das erhabener ist als die übrigen Glieder,
bis zum Ende der Zeiten in ausgezeichnetem Grade. Wer ihm also
nicht in Ehrfurcht den schuldigen Gehorsam leistet, der trennt sich
*) Den Brief Eugen's hat er (Febraar oder März 636) durch Eagen's Boten
Verecondas erhalten, nnd freut sich, dass Gott dem Engen die Gesundheit des
Leibes nnd der Seele erhalte. Er meint sodann, Engen habe Erfahrung genug, um
die dem Isidor vorgelegten Fragen selbst beantworten zu können. Von diesen
Fragen betraf eine den Primat Petri, und nur auf diese geht Isidor, damals dem
Tode nahe, ein: Quod vero de parilitate agüur apostolorumy Petrus praeemi-
net caeteriSf quia a Domino audire meruit: Tu vocaberis Cephas, tu es
Petrus et aietera, et non ab alio aUquo, sed ab ipso Dei et virginis filio
honorem pontificatus in Christi ecclesia primus suscepit. Oui etiam post
resurr ectionemfilii Dei ab eodem dictum est: Pasce agnos meos (Joann. 21 ^ 16),
agnorum nomine ecdesiarum praesules notans. Cujus dignitas potestcdis etsi
ad omnes catholicaiiim episcopos est trantfusa, specialius tarnen Romano anti-
stiti singuktri quodam privilegio, velut capiti, caeteris membris cdsior perma-
net in aetemum.
Qui igitur debitaim ei non exhibet reverenter obedientiam, a capite se-
jundus, Acephalorum schismati se reddit obnoxium, quod sicut iUud saneti
Äthanasii de fide sanctae Triniiatis saneta Ecdesia approbat, et custodit, quasi
Sit fidei catholicae articulus: Quod nisi quisque fideliter firmiterque credidetit^
gahus esse non poteriL — Haec vestrae dulcissimae eharitati breviter praeli"
bavi, cansiderans iüud philosophi, pauea s/uffiMre sapUitiH, Isidori ep. 8.
von dem Haupte, steuert dem Schisma der Akephaler zu, nw
jene Worte in dem Glaubeasbekenntnisse dee Athanasins geg
anwenden: Wenn Jemand dieses nicht treu und fest glaubt, c
nicht selig werden. Dieses habe ich Euer Licbden kurz vorj
erwägend den Ausspruch des Philosophen, dass Hir eiDea weiai
wenige Worte genügen".
Die Zurechtweisung war entschieden und verdient. Ef
aber eine Umstimmung mcht eingetreten zu sein.
[„j„r ^^9 ^^^ Briefe Isidor's an seinen Erzdiakon ßedemptus
■MB R<.- gleichfalls die grosse Sorge des Heiligen um die Erhaltung
heit mit der römischen Kirche hervor, „Diejenigen", sagt er,
vom wahren Wege nicht abweichen, welche, nach der Gewok
römischen Kirche, das heUige Opfer des Leibes nud Blutes d
zu vollbringen streben". Am Schlüsse sagt er: „Untersuc
genau, und du wirst finden, dass die Gewohnheiten der heilig
sehen Kirche in Nichts von den göttlichen Einsezungen auch
Mindesten abweichen'").
Nach dem Tode laidor's (<S36) fanden die schismatiscben
zen, welche sich in dem Briefe Eugen's ankündigten, einen |
g^niiQ Widerstand. Wir glauben, dass Braulio den Brief, welche
»nP'p" Interesse dieser Tendenzen im Jahre 638 nach Rom schrieb,
,jn, , Zeiten Isidor's nicht geschrieben hätte. Zur Zeit der sechsten
von Toledo (638) oder kurz vorher traf daselbst ein Brief des
Honorius ein. Den Inhalt dieses Briefes lernen wir nur sehr
hall aus der Antwort des Braulio kennen; denn ausser den
„canea muH", stumme Hunde, finden wir kein wörtliches Cital
Unter den 44 Briefen des Braulio, welche im Allgemeiuen
ihrer Abfassung nach aneinander gereiht sind , wesswegen die 1
Isidor voranstehen, der Brief an Fructuosus die Sammlung :
ist das Schreiben an Honorius der einundzwaozigste. Es ist i
des Braulio „im Namen des sechsten Toletanischen Concils" ;
ben an „den bochwürdigsten, und wegen der Verdienste dei
lischen Glorie zu ehrenden Papst Honorius"; ihm schreiben
Spanien eingesezten Bischöfe""). Der Eingang ist höflich; ia
des Briefes aber bricht die Gereiztheit, ja Bitterkeit hervor. D
entspreche seiner Stellung und Würde, indem er, auf die W
Kirche Christi gestellt, die Gegner der wahren Lehre und dei
„durch das Schwert des göttlichen Wortes, durch den 1
*) Diligenter omma inspice, et reperies, sancto« Romanae Eedt
Buetudinea a divinis aucioribUibua in nuUo aliquatenua deaian.
*) Domino reverendissimo, et Apostolicae gloriae meritU hmorant
Honorio, untvern ^nscopi par Hieptmiam conttitntt.
Papst Honorins und die Spanier. 225
himmlischen Eifers durchbohre. Gleiche Gesinnung trage der König
Chintüa in sich, und habe dieselbe durch die Berufung aller Bischöfe
Spaniens bekundet, als eben durch den Diacon Tuminus „das Dekret^ ^)
des Papstes den Bischöfen zukam, das sie kräftiger im Glauben, fri-
scher in dem Kampfe gegen die Ungläubigen (perfidi) machen sollte.
So scheine Gott es gefugt zu haben, der dem Papste und dem Könige
die gleichen Gedanken und Wunsche inspirirt habe. Aber auch die
Bischöfe habe keine solche Erschlaffung erfasst, dass sie, vergessend
ihrer Pflicht, durch keinen Anhauch der göttlichen Gnade zu bewegen
wären; nur sei nach der Lage der Zeit eine gewisse Milde eingetreten,
mehr aus Klugheit, als aus Nachgiebigkeit und Furcht, indem sie auf
die Rückkehr der Sunder ho£%en^).
Am nächsten liegt es, die Vorwürfe des Papstes auf die Be-
handlung der Juden zu beziehen. Bratdio aber geräth jezt in Aufreg-
ung, und sagt, die ungebührlichen Vorwürfe des Papstes treffen sie
nicht; mit Unrecht heisse man sie stumme Hunde, welche nicht bellen
können, ein Wort, nicht des Ezechiel, sondern des Jesaias^. Denn
sie wachen mit unermüdeter Sorge über der Heerde des Herrn, sie
,, erschrecken die Wölfe durch ihr Beissen, die Diebe durch ihr Bellen^,
denn der Herr, der Israel behüte, schlafe und schlummere nicht in
ihnen. Damit er sich wirklich davon überzeuge, so übersenden sie
ihm die Verhandlungen der früheren Zeiten mit den gegenwärtigen
Akten, d. i. wohl die Akten der spanischen Synoden. Daraus könnte
man folgern, dass diese Zusendung früher nicht geschehen sei. Dann
spricht Braulio:
„Wir glauben, dass Verläumder geho£^ haben, dass die Ohren
Eurer Sanftmuth leicht ungünstigen Berichten sich erschliessen, da oft
ein falsches Gerücht ohne Urheber ausschwärmt, durch sein leichtes
Gewicht in unbeständige Gemüther eindringt, so dass sie die Lüge der
Wahrheit vorziehen. Aber weil Gott den Mund derer, die Ungerech-
tes reden, verwüstet, so glauben wir nicht, dass das Gebilde der
Schlange seine Fusstapfen gesezt habe auf den Felsen Petri^), von
') vesirum nobis est aUcUvm decretum. Es scheint, dass HonorioB einen
Brief an den König nnd einen an sSrnrntliche Bischöfe Spaniens schrieb.
*; Quocirca artificioso temperamento agere voluimuSf id quos vix indi'
nari posse disciplina rigida cemebamus, chrütianis hlanditiia ßecteremus, et
genuinam duritiem assiduia et longinquis praedicatümum fomerUis svbigeremua.
*) Damach hätte sich Honorios „verschrieben'*. „Licet nos horum, quae in
cbjurgationem nostri vestra SancHtas indebite protulit, pro hcLC dwmtaxat
cbctume nihil omnino respectet, praecipue tarnen iUud, non Ezechielis, sed Esajae
testimanium, quamquam prophetae omnea uno prologuantur spiritu: Cane»
muti, nan valentes latrare — - ad nos nüUo modo pertinet
*) Quoniam degtruit Dens os loqueniiwn iniqua, ideo figmentum eolu-
bri(i8) non credimus fecisse vestigium in Petra Petri etc, — Non credimus,
Oamsi spaa. Kirch*. II. 2. 15
Achtes Bach. Zwfllftea Kapitel.
dem sie M'isBen, dass Christus selbst ihn eingesezt; sie gU'
dasB diese traurige Gift der Lüge in seinem Herzen Eingan
habe, da sie wissen, dass, je besser ein Herz, es um so i
Böse glaubt. Der Hstige und stets lauernde Feind des
gcschlechts, da er sein Mühen vergeblich sieht, will durci
und Verläumdung die Herzen der Verdammten trösten".
„Du aber, Ehrwürdigster unter den Männern und Heil
den Vätern, halte au, halte an durch die Tugend, in der Di
stark bist, durch die Predigtgabe, die Dir eigen ist, durch
keit, die Dich schmückt, und führe die Feinde des Kreuze
Anbeter des Antichrist ja recht bald auf jedem Wege tn d
der Multerkirche zurück. Die Kirche des Morgen- wie <
laudes, erschüttert von Deiner Stimme, und im Gefühle dej
Dich nahenden Hilfe Gottes eile, die Arschläge der Bösen
ren; Du, ein zweiter Elias, während Du die unseligen Prop
züchtigst, und vom gewaltigen Eifer durchpeinigt, weheklf
Du allein übriggeblieben seiest, mögest die Stimme von O
dass viele übrig geblieben, welche ihre Kniee nicht vor Bf
haben. Diess aber legen wir nicht, vom Geiste der Prahlen
Stolzes aufgebläht, Eurer Heiligkeit nahe, sondern als Ve
Wahrheit, damit Du, nauhdem die Demuth vorhergegangen
die Wahrheit vernehmest, und diess Dir zu beherzigen zu gi
wir für gut befunden, damit unter uns die Wahrheit bestet
Ungläubigen sich von der Eitelkeit täuschen lassen".
„Und obgleich wir Dir auf das Einzelne antworten
haben wir doch, damit die lange Rede nicht lästig falle, ;
aber wie uns dünkt, doch hinreichend geantwortet. Denn d
Manne genügen wenige Worte".
Er möge ftir sie an den Gräbern der seligen Apostel
Heiligen, wenn er für die ganze Kirche bete, dringend furl
den König, die Bischöfe und das Volk, wie auch sie zu thu
chen. Noch fügen sie Beilagen hinzu, damit der Papst ui
die Schuldigen wirklich so strenge bestraft werden sollen, i
rius verlangt habe. Denn, »wir finden, dass Solches nir^
niemals in den Akten unserer Väter, oder in den Ausspn
Neuen Testaments enthalten sei".
Da wir den Brief des Honorius nicht besizen, können
seinen Inhalt nicht urtheilen. Man hat über den Brief Bra
tarn funesti venenum meadadi in pectoris vestri placiditate locu«
ijoienisse; scimus, oplimae esse mentis itidicium prava di/ßcilius
Catlidus et ubique insidiosus humani generis inimtcu» -^ ex mendi
damnatorwm nitifv.r eorda solari.
Bnnlio nnd Tajo in and Ober Rom. 227
eben, und in demselben sogar den Glauben Spaniens an die
;he Unfehlbarkeit gefunden. Wir finden in ihm eine Bitterkeit
ssigkeit, für welche moderne katholische Spanier kein Verstand-
ben, da sie den Hohn als tiefen Ernst auffassen. Es ist zunächst
-ache eines tief Beleidigten, die aus dem Briefe spricht, der
Pein aber wird in ihm nicht geleugnet. Insofern war es besser,
raulio schrieb, als wenn Eugen I. geschrieben hätte ^).
§. 13.
.uf diese bittere Polemik, auf die Bischöfe Eugen I. und Braulio Tajo in
die Bischöfe Eugen II. »von Toledo und Tajo. In die Jahre ^""'
50 wird die Reise Tajo's nach Rom verlegt. In den Briefen
•'s wird diese Reise nicht erwähnt. Der Hauptzeuge für sie ist
ef , welchen Tajo bei Uebersendung seiner Sentenzen an Eugen II.
. — Spanier sezten die Erzählung in Umlauf, dass, als Tajo
tom gekommen, um die „Moralia^ Gregorys I. zu suchen, dort
nd ihm dieselbe habe verschaffen können. Da wandte sich Tajo
Bknnfl an Gregor I. selbst Er äbemachtete in der Feterskirche,
liienen ihm ein Engel, Petrus und Paulus, Gregor und ein Un-
iter, nnd Gregor I. zeigte ihm das Fachwerk, wo in der Vati-
len Bibliothek seine „MoraLia^ zu finden wären,
loch nicht fünfzig Jahre nach dem Tode Gregorys also wären
sine Werke verschwunden gewesen. Auch Baronius hat es in
^malen aufgenommen^). Tajo selbst aber erzählt das gerade
ttieil davon. Seinem ^^heiligsten und ehrwürdigen Herrn Eugenius,
Ikchofe der Stadt Toledo schreibt Tajus, der lezte Knecht der
le Gottes, der Bischof von Saragossa^ ^):
|Wir sahen, wir sahen unsern Gregorius, den in Rom befind-
\ nicht mit leiblichem Auge, sondern mit dem Blicke des Geistes^).
\ Braulumis epistola 21. — Espana sagrada, t. 30, p. 848--352.
) Baronius (649, 80—85) beruft sich aaf Roderich von Toledo, de rebus
riae, II, 20.
) Wie Tajo nach der alten Litargie den Papst „Romensis** , statt Romanus
BL 160), BO nennt er sich nach Gregor's Vorgang „Servus servorum Dei^,
rinick, der, von Gregor gegenüber dem „oecumenischen" Patriarchen Joan-
I Constantinopel angenommen, später den Päpsten allein übrig blieb, wie
Im „Paps,^ allein blieb.
^ Vidimus, vidimvs Qregorium nostrum Romae positum, non visibus
m sed obtutüms mentis. — Die Legende steht zuerst bei Isidor. Pacen-
Wg Chindaswinth lässt den Tajo auf dessen Bitten zu Schiff nach Born
"'Der Papst verspricht lange, ihm die „Moralia^' zu geben, und gibt sie
Jh flbernaehtet Tiyo am Grabe Petri, nnd „ein EngeP zeigt ihm den betref-
15 •
S28 Aclites ßoch. Zwölftes EapEtel.
Wir haben ihn gesehen, niclit bloss in seinen Geheimsch
damals noch lebten), sondern auch in seinen Hausgenoi
seinen leiblichen Dienet besorgten, und ihren Bericht übt
genden haben wir gehört". Eine sehr anschanliche Beschr<
Vorzüge folgt jezt, „Pa ich mich also," fährt er fort, ,
fand, nnd fleissig nach denjenigen seiner Schriften forsi
bei nns in Spanien sich nicht finden, als ich sie fand, und
Hand sie abschrieb", sei er von ihrer Lieblichkeit ganz entzü
Er habe olle Schriften Gregor 's mit grossem Zeitaafwaade
und namentlich die Anwendung und Erklärung, welche
Stellen der heiligen Schritl gebe, und habe dieselben u
Rubriken gebracht, woraus seine „Sentenzen" entstanden.
§. u.
Die Verehrung Gregor's I. in Spanien mag theilweif
mutb zurückgedrängt haben, der sich in den Jahren 63G-
den Papst manifestirte. Bis zu dem Tode des Qniricus
ja bis znm fünften Jahre des PrimAS Julianua erfahrcc
Weiteres von einem frenndlichen oder unfreundlichen Verkel
• TL mit Rom. Als nun in der sechsten allgemeinen Synod
SjrTode i^^™«^"-' ^•='' Monothdctei. verdamnit worden war, solltv.i
D. sp>- welche die Akten der fünften allgemeinen Synode niemals i
Dien, long ihrer Concilien aufgenommen haben, zur Anerkeunuu:
ten Concils vermahnt werden. Dem Papste Agatho folgte i
Leo II. Leo II. Dieser richtete im Jahre 683 vier Briefe an die S
™^ erste trägt den Titel r An alle Bischöfe (praesiäibus) i
Christi in Spanien. Er berichtet über die Verhandlungen
allgemeinen Synode, auf welcher Theodor von Pharan, t'yr
Sergius, Petrus und Paulus verworfen, aber auch das l
Honorius 1, gesprochen wurde, „welcher den Brand der
Lehre nicht, wie es die Pflicht des Inhabers des apostoli^«
war, in seinem Aufkeimen erstickte, sondern durch Gleiche
gegen sie nährte'"). Weil aber, siigt er, die Verhani
fenden Schrank. Jezt erst ist der Papat (Papa Romensis) voll Eifei
Ha" mitzutheilen. Isidor redet von dem „Engel", von Petras, Pan
(und Augustinus), als seien sie erschienen. — Isid. Pac. c. 13. — .M
thaten wiederholt den Isidor Poderic. Ximenes, de rebus Hispaitiue
') Q,ui (Honoriua) flammam haeretici doffiiuttis, non, ut dtcui
aitctoritatem, incipientem extinxit, sed negligendo coiifovit. — Es
boguen, dtus die Spanier hier im Jahre <i^3 eine geviase äatisfaclioa
des Honorius 1. vom Jahre 038 erhidten, und es liegt die Vtnnutbt
ferne, dasa Leo II. aus diesem Grunde Beinen VorgKoger nicht getci
Rom und SpaniOD, 683-685. 229
ingsten Concils in griechischer Sprache verfasst, und noch nicht mit
Genauigkeit in unsere Sprache übersezt sind, so übersenden wir euch
orläufig die Hauptentscheidung des Concils, und die dem frömmsten
[aiser dargebrachte Glüctwünschung, welche Prosphoneticus genannt
rird, ebenso das kaiserliche Edikt zur Bestätigung der Synode, alles
US dem Griechischen in das Lateinische übersezt, durch den Trager
ieser Briefe, den Kegionar-Notar unserer heiligen Kirche, und wir
werden seiner Zeit auch die vollständigen Akten übersenden^). — Die
(Bcielle Uebersezung der Akten musste allerdings von Rom ausgehen,
nd sie erforderte Zeit. In Spanien war stets die griechische Sprache
3n Wenigen gekannt. (Aber durch die Titel, die er seinen Schriften
üb: Prognosticon (fviuri saeculi) und AnHkeimenon (ävuxHfAivmv)
olltc auch hier Julianus von Toledo seine Kenntniss der griechischen
prache manifestiren. In dem Dichter Prudcntius hatte er einen Vor-
Inger in der Wahl solcher Titel). Die Bischöfe mögen diese Be-
^hlüsse schleunig unterzeichnen und verkündigen* Petrus sollte die
Dterschriften zurückbringen.
§. 15.
Es folgt ein Brief an den Bischof QuirictM, dem er Mittheilung Brief«
3n den drei andern Briefen macht, und den Notar Petrus empfiehlt. ^^'•"•
\b Geschenk sendet er ein Kreuz, in dem ein Nagel von den Banden Bpanier
es Apostels Petrus sich befand, „damit das Verdienst, Bischof zu sein,
ie Liebe Gottes und des Nächsten festige^, und durch das Zeichen
es heilbringenden Kreuzes, mit Christus, der an ihm erhöhet wurde,
er Schlüssel der göttlichen Gebote die Glieder des ganzen Leibes
erbinde und die also Verbundenen Petrus, der die Thore des Him-
lels öffnet und schliesst, in die himmlische Freude eintreten lasse^.
„Dem herrlichsten Herrn und Sohne, dem Könige Erwig^' schreibt
panier williger zur Unterwerfung anter die neue Synode zu machen, und eben
adarch näher an Rom zu ziehen. Honorins aber wird nicht der Häresie, sondern
er Gleicbgiltigkeit gegen das Aufkommen derselben bezüchtigt. In dem „Ldber
mmtis'* (ou r ecueil des formides usiiies par la chanceUerie paniificale du 5,
u IL sücle — par Eugen, de Rozüre, Paris 1869), S. 198, widersagt der
idesmalige Papst auch dem „Honorius, qui pravis eorum intentionibus fomen-
im impendiV, Cf. die Abhandlang das. S. 317—339. Roziöre hat a. a. 185i
e „Formtdae Wisigothiccie*' edirt
') Quia quaeque in concilio currenie ceUbrato gesta sunt, — in Oraeco
mscripta sunt, et necdum in nostrum eloquium examinate translata, defini-
onem interim cancilii et acclamationem, quae prospfumeücus dicUur, fac/tam
i ptissimum principem, partterque edicium — imperatoris — per Petrum no-
trium regionarium vestrae dilectioni direximus.
') ut praesulare (f) merüum Dei et proximi charitas vinciai.
Man nimmt ohne Weiteres an, dass Simpliciu
beamter bei Erwig war, und ds sein Käme auf den C
sich nicht findet, hat Baronius an der Aechtheit dea '.
sowie er aus einigen andern Gründen diese vier Briel
in dem Briefe an Quiricas steht, daes der Papst auc
sen Comes" schreibe. In dem Namen „Simplicius" k
obwalten, worunter die Aechtheit des Briefes nicht
würfe des Baromas gegen die vier Briefe sind ohne
§. 16.
B«M. Der Notar Petras war noch nicht von Rom abg
i°t n.^Qi 3, Juli gg3 starb. Benedictus II. war gewählt,
^DiOT. besUtigt nnd nicht geweiht (was erst am 26. Juni 6
der Notar Petrus wartete auf einen Bescheid. Da sc
dictns, der Presbyter, nnd im Namen Gottes Erwäl
apostolischen Stuhles"^), dass I^eo IL ihm die Reis
Spanien, zu dem herrlichBten and christlichsten Kön
heiligsten Erzbischöfen*), and zu den Bischöfen aller
nnd zugleich an den erlauchtesten Comes öbertragen
diesen Auftrag za vollziehen" °).
'} una cum eis Honoriva Romaniu, qui immacuiaita
Honia regvtam, quam a praedectaaoribus «hm accepä, mat>
Qairicna und Jnlianas von Toledo« 231
§. 17.
Nach dem 24. Juli 683 reiste Petrus ab. In Toledo aber kam sbehof
er nach dem 13. November 683 an, nachdem die dreizehnte Synode ^"*^""
des Jahres 683 geschlossen war, und die Bischöfe sich zerstreut hatten.
Er konnte seine Briefe nur dem Könige Envig, dem Comes, und viel-
leicht einigen Bischöfen geben. An Bischof Quiricus aber konnte er
keinen Brief abgeben, denn Quiricus von Barcelona war wenigstens
seit 667, Quiricus von Toledo war seit 679 todt. Die Einen sagen,
man habe in Rom den Tod des Quiricus noch nicht gewusst. Die
Bollandisten , und wir mit ihnen, finden diess fast unglaublich^). Wenn
man dort von König Erwig und dem Comes Simplicius wusste, so noch
mehr von Bischof Julianus. — Pagi meint, Quiricus sei nicht der von
Toledo gewesen, oder die Abschreiber haben Quiricus statt Julianns
geschrieben (!). Florez schliesst sich an die Meinung des Cajet. Cenni
an, dass man in ßom von Quiricus gewusst, weil er viele Jahre Bischof
gewesen, während Julian's Wahl vom Jahre 680 datire^).
In Rom, sagt Florez, hatte man keine Verpflichtung zu wissen,
wann der Nachfolger eintrat. Es sei kein Grund zur Annahme, dass
man in Rom von der Weihe Julian's gevmsst. — Ich neige mich za
einer andern Erklärung. Wenigstens die Mehrzahl der Metropoliten,
wenn nicht der Bischöfe, glaube ich, schrieben an den Papst, um in
Gemeinschaft mit ihm und der römischen Kirche zu treten und zu
bleiben. Unter diesen, die ihm ihre Wahl angezeigt, war auch Qui-
ricus von Toledo. Sein Nachfolger Julianus hatte die Anzeige unterlas-
sen, darum lebte für Rom so zu sagen noch Bischof Quiricus. Es ist
diess eine Hypothese. Ebenso ist es eine Vermuthung, dass im
Jahre 636 Eugen I. an Isidor seine Zweifel über den Primat Fetri
schrieb, um, wenn Isidor's Antwort ihm entspräche, von der Pflicht
oder der Uebung befreit zu werden, dem Papste seine Wahl anzuzei-
gen. Aus dem Unterlassen dieser Anzeige und andern Unterlassungen
sogleich ordinirt werden könne. — Jaffi, Regesta PorUifieum, p, 168—169, — .
AguirreCatalani, IV, 297.* — Mansi, XI, 1050—1065, 1085, — M. Vülanmo,
Summa Conciliorum Hispanuie^ Madr. 1786, t II, p. 83—96.
') Acta Sanctorum, 8. Mart,, Matt, I, 784,
') Mirum solummodo Uli erit, qui antiqucie inacius disciplinae Episcopo-
rum omnium ohüum et ordinatianem cum recenti componit Cenni, de discipL
eccL Eispaniae, II, 202. — Florez, V, 276. Hier aber dOrften sich Florez wie
Cenni täuschen. Die Gewohnheit, dass die gewählten Bischöfe sich von Rom con-
firmiren Hessen, oder wenigstens ihre Wahl anzeigten, war viel allgemeiner, als
Cenni glaubt Cf. Rozitre, liber diurnua roman. pontif., p. 18, 20, 21, 22, 23,
S3, 71, 147, 167, 245, 248, 261, 252, 266, 269 entiialten viele Formeln der
Wahl and Bestätigung der Bischöfe durch die Päpste.
Achtes Bacb. ZvOlfles Kapitel.
fioss vielleicht der gereizte Briel, den Honoiius iin Jahre 638
Spanien schrieb. — Florez aber iiud der Romer Cenni scheine
im Irrthume eich zu befinden mit der Annahme, dass man in R
Jahre 683 von Jnliunus nichts wueste. Wir glanben, dass mai;
iich verlangte, ihn nnd durch ihn die Kirche von Spani«i wiedei
an Rom za ziehen; beweisen aber können wir ee nicht.
I §. 18.
Was die Päpste Leo U. und Benedict II. gewünscht,
sich theilweise erst in der Provincialsynode, die Julianas zu
rnoii« am ] 4. November 684 hielt. Erwig hatte diese Synode
■*'*'Ias8t, um dem Willen des Papstes zu entsprechen; ja in einer
befahl er, dass, weil alle Bischöfe nicht zusammentreten könnt
nigstens die einzelnen Provinzen sich versammelten, dass a
Synode von Toledo vorangehe, dass die Bischöfe „der übriget
Size" durch die Berichte ihrer Stellvertreter von dem io Tolei
bandelten vergewissert, es in ihren Provinzen vcrktioden sollten
Unterschriften ihrer Stellvertreter sollten fiir ihre Mandatare vi
tend sein. Demnach blieb den Bischöfen der ersten Size nicbt
als Zustimmung und Unterwerfung.
Die Briefe und die Einladimg des Papstes sei den ein/el
Echöfen mitgetheilt worden"). Sic erkennen an, dass die neut
gemeine Synode den orthodoxen Glauben bekannt habe. Dan
Winter 683 — 684) haben sie, zu ihrer Vertheidigung (dass ;
nicht versammeln können), eine Denkschrift an den Papst g
und ihren Glauben in „der reinsten Ausdruckeweise ^) dargclegf
weil darin „über den doppelten Willen und die Wirkungswi
Sohnes Gottes reichhaltig und klar dasjenige hervorgehoben wi
die Wahrheit ist, was durch spanische Boten schon nach H
bracht wurde, so bleibe übrig, dass sie jezt feierlich die Bf
(gegen die Monotheleten) annehmen, dass die übrigen Provi
dieser Annahme ihnen nachfolgen, dass endlich dieselben dei
') Hier erscheint das Wort Metropolit noch einmal: ex quo omniii
polilaiWTwm fiiissel (ctmcüium) et asse/tsiftus promulgafum. Die Sj-noi
nnr von dem Briefe an Erwig nnd dem an alle Biscböfe. Die Briefe sind
Romanae sedis nnd o Romano praesvie nuntiatum est. Der Bote heis;
lus Romani praeaidis. Leo II. beisst: arUiquae Romae pontifex, e
einen ffratiomw (al. gloriasu») epistolae tractus. Die AosdrQcke sind et
daaa sie den Primat Petri einerseits nicht BUBspreclien, imderseita nicht läi
') sparst» sedibus atque locis praefatas gestorum reguias pertr
tutcepimus, susceptas perlegimus.
*) pttriasima ver&orum enodatione.
Synode von Toledo, 684. 233
kundgethan werden. Gleichzeitig sollte die Antwort , die Julian schon
nach Rom gesandt, vorgelegt und gebilligt werden, was ohne Wider-
spruch geschah.
In der einen Person Christi erkennen sie an die unzertrennlichen nie mo-
Eigenschaften zweier Naturen, welche wie ungetheilt und unzertrenn- °**|^*"
lieh, so un vermischt und un vertilgbar bleiben, die Natur der Gottheit
und die Natur des Menschen, die eine, welche aus Gott dem Vater,
die andere, welche aus Maria der Jungfrau geboren ist. Als Gott und
Mensch vollständig ist Christus ohne alle Sünde in der Einzigkeit
einer Person. Aus der Natur der Gottheit besizt er es, dass er nicht
sterben kann, aus der Substanz der Menschheit, dass er nicht sterben
will und dennoch sterben kann, nach der einen unsterblich ist, nach
der andern dem Loos der Sterblichkeit unterliegt; in dem ewigen
Willen seiner Gottheit besass er es, dass er die Menschheit angenom-
men (dass, indem er sich des Menschen annahm, er selbst den Men-
schen annahm), indem es in dem Willen des von ihm angenommenen
Menschen lag, dass der menschliche Wille Gott unterworfen war.
Darum sagt er selbst zu dem Vater: Vater, nicht mein, sondern dein
Wille geschehe, indem er dadurch zeigte, dass der Wille der Gottheit
ein anderer sei, in dem er den Menschen annahm, ein anderer der
Menschheit, in der er Gott gehorchen muss^). — Und darum sind
auch gemäss der Verschiedenheit dieser beiden Naturen die Eigen-
schaften zweier untrennbarer Willensäusserungen und Thätigkeiten in
Christus anzuerkennen.
Die apologetische Antwort unsrer Vertheidigung aber, welche wir
zur Bestätigung dieser (Lehren), zum Unterricht für Viele, und zum
Frommen der kirchlichen Zucht herausgegeben haben, siegeln wir mit
derselben Kraft der Ehre und der Hochachtung, und wir sezen fest,
dass dieselben in der Weise von Decretalbriefen festgehalten werden
sollen^). — Julianus also befiehlt, dass seine Erlasse, wie päpstliche
Decretalbriefe aufgenommen und als solche dem spanischen Kirchen-
recht einverleibt werden, während die von Rom im Jahre 683 gesand-
ten Decretalbriefe keine Aufnahme fanden. Julian's Primat schliesst den
Primat Petri aus. — Von dem Briefe an Quiricus erwähnt Julianus nichts. *
') quod suscephim Tiominem svmeref, Jiabens in suscepti hominis vohmtate,
ut humana voluntas Deo subdita esset. Unde et ipse dicU ad pairem: Pater,
non mea voluntas, sed tua fiat; aUeram videlicet ostendens voluniatem divini'
tatis, qua susceptus est homo, aUeram hominis, qua obediendum est Deo. Et
ideo secundum harum duarum differentiam ncUuramm duarum quoque insepck
rabilium proprietaies praedicandae sunt voluntatum et operum.
^ lUa igüur apologetica defensionis nostrae responsa, quae ob ist&rvm
eonfirmationem sunt edita pro mtUtorum instrtidione et tttüitate ecdesiasticae
disciplinae, simili honoris et revererUiae vigore firmamus atque ad vicem decrer
talium epistolarum ea permanenda sancimus.
284 AditMBmdL ZwMftes Kq^L
§. 19.
BjnodB Diese Angelegenheit konnte wohl als abgeschlossen gelten« Aber
«wM8.es gefiel dem Jnlianus, dieselbe zam fisust aosschliesslichen Gegenstand
der nächsten Nationalsynode (688), der ersten nnter Konig Egica^ zo
machen, weil es ihm unerträglich war, dass ein romischer Papst g^en
einige seiner Ansdräcke mündliche Bedenken aasgesprochen hatte.
Zwei Jahre vor diesem Concile habe der romische Papst Benedict IL
seligen Andenkens dorch den Ausdruck seiner Briefe uns ermahnt,
welche Ermahnungen er jedoch nicht mit eigener Hand gab, sondern
er trug unserm Boten auf, sie niederzuschreiben, worauf ihm schon in
demselben Jahre eine genügende und entsprechende Antwort sn Theil
wurde ^).
bm V. Indem wir aber jezt das von unserm Boten Notirte aufinerksamer
^^'**™ lesen, fluiden wir, dass in jenem Buche der Erwiderung unsers Glao-
bens, welches wir durch Petrus, den Regionär der romischen Kirche,
abgesandt hatten, das erste Ejtpitel jenem Papste unvorsichtig (ineaute)
ausgedrückt zu sein schien, worin wir in Betreff der gottlichen Wesen-
heit sagen: Der Wille hat erzeugt den Willen, sowie auch die Weis-
heit die Weisheit erzeugte. Was jener Mann im flüchtigen Lesen
fibersehend meinte, dass wir diese Namen, das ist: der WiUe und die
Weisheit nicht nach der Wesenheit, sondern entweder vergleichswase
oder in der Vergleichung des menschlichen Geistes (mit dem gottlichen)
gesezt haben. Darum meine der Papst, man könne nicht sagen, dass
der Wille aus dem Willen erzeugt werde*). Julianus aber habe den
Willen als Wesen gesezt. „Denn bei Gott ist Sein dasselbe wie
Wollen, Wollen wie Wissen, was bei dem Menschen nicht der Fall
ist^). Denn ein anderes ist es bei dem Menschen, dass er ist, ohne
') pro quffms (capittdis) muniendis ante hoc biennium beaiae memoriae
Romantts papa Benedictus nos literarum srutrum significaUone monrAerat, qtiae
tafnen non in scriptis suis annotare curavit, sed homini nostro verbo (veiiaf)
renotanda injunxit, ad quod Uli jam eodem anno sufficienter conffnieque respon-
sum est „im*' beziehe ich aaf den Papst, andere beziehen es auf den „homo"
Julian's.
') voluntas genuit vohmtaiem, siciä et sapientia sapientiam. Quod — vir
iUe incuriosa lecHonis transcursione praeteriens existimavit haec tpsa twmifUk
id est voluntatem et sapientiam, non secundum essentiam, sed atU seamdum
relatirmm aut secundum comparationem hvmanae mentis nos posuisse: et ideo
in ipsa renotatione sua ita nos admonere visus est dic^ns, etc.
*) Hoc enim est Deo esse quod velle, hoc veüe quod sapere, quod tarnen
de fufmine dici non potest. Aliud quippe est homini id quod est sine velle, fi
aiiud velle etiam sine sapei'e. In Deo avJtem non ita est, quia simplex ibi
natura est, et ideo hoc est Uli esse, quod velle, quod sapere.
Jolianns und der Pftpst 235
das Wollen, und ein anderes der Wille ohne die Weisheit. In Gott
aber falle Sein, Wille und Weisheit zusammen. Wer diess verstanden
hätte, dem hätte unsere Erklärung kein Bedenken erregt. Wer unser
Werkchen mit Fleiss und Aufmerksamkeit liest, der wird darin auch
die Stelle aus Athanasius finden, dass in Gott der Wille nichts ande-
res ist, als die Natur. Also ist in Gott der Wille, was die Natur,
die Natur, was die Substanz oder die Essentia. Der Sohn Gottes ist
derselben Substanz mit dem Vater, also ist er auch Wille aus dem
Willen des Vaters, nicht zwei, sondern ein Wille; denn der Wille
Gottes ist nichts anderes, als seine Natur. Die Auffassung unsrer
Worte (durch Benedict) ist möglichst „absurd^ ^). Augustin sage im
fünfzehnten Buche von der Trinität dasselbe. Jeder Verständige sieht
demnach ein, dass nicht wir hier geirrt, sondern ,Jene sich vielleicht
durch ihr unaufmerksames Lesen geirrt haben^.
In einem besondem in die Akten der Synode aufgenommenen joiim
Aufsaz behandelt und vertheidigt Julianus seine Behauptung, dass drei °^^
Substanzen in Christus bleiben'). Er schäme sich nicht, das Wahre
zu vertheidigen, aber gewisse (Leute) werden sich vielleicht schämen,
nicht zu wissen, was das Wahre ist^). Jeder Mensch bestehe aus
zwei Substanzen, Leib und Seele. Wenn nun in Christus die gott-
liche Natur mit der menschlichen sich vereinigt, so könne man von
drei besondem, und im tropischen Sinne von zwei Substanzen spre-
chen^). — Aber nicht auf das „Können^ Julian's kam es an, sondern
die Frage war, ob damals und überhaupt der kirchliche Sprachgebrauch
drei Substanzen in Christus kannte. Es kam nicht auf die Ausdeutung,
sondern auf den Gebrauch des Wortes „Substanz^ an. Bestimmend
für alle Earchen lateinischer Zunge war der Sprachgebrauch der römi-
schen Kirche. Dem Julianus war es nicht gestattet, hierin gleichsam
nach eigenen Heften zu lesen. Wer in Glaubenssachen seine beson-
dere Sprache redet, wird allmälig anderes glauben und bekennen als Joiua
die Kirche. Die Berufung Julian's auf Augustin und Fulgentius ist ^^^
nicht durchschlagend. Denn nicht jeder Ausdruck Augustin's ist mit
der kirchlichen Ausdrucksweise vereinbarlich oder recipirt worden.
Auf diese zwei und noch zwei andere Bedenken habe Julianus
vor zwei Jahren „nach jener Gegend hin** geantwortet*). Wenn jene
*) putati svmus dixisse : voluntas ex voluntate (nach der Analogie des
HenBohen), quod tdique dici vel serUiri absurdissimum est,
') „De tribus svbstantiis in Christo manentibus domini JtUiani (usertio
manifesta**.
') foTsan quosdam pudebit, quae vera sunt ignarare,
*) possent et tres propriae et dtiae trcfpice appellari svbstanÜae,
*) Sane guatuor specialitates capittdorum, gtuze, üb a nobis solida ej^ke-
rerUwr, hortati sunt (d. i. nor der Papst Benedict II.), quid a quo fwrii doeiore
286 AditesBiieh. Zwölftes Kapitel
(Bomer) in Znkaiift, entg^en den dogmatischen AoBsprächen der
Vater anders denken , so darf man mit ihnen nicht weiter streiten,
sondern, indem wir geraden Schrittes wandehi in den Fosstapfen der
Vorfahren, wird in Folge des göttlichen Gerichtes unsere Antwort den
Liebhabern der Wahrheit erlialieil CrMflielBeil, wmn de BlA m-
Wl886lldeil N6ll61lllllld6ni nicht stichhaltig (?) za sein scheint.
§. 20.
So sprach Juliano^ der Primas, und überliess Rom seinem Schick-
sal. Hatte er doch ^fur alle Zeiten der Ewigkeit^ seinen Primat ge-
gründet Die Spanier aber sagten, dass man in Rom voll Bewonder-
nng Jnlian's Reden aufgenommen, und ihm in Allem recht gegeboi
habe« Schon Isidor Pacensis weiss es (c. 754): „Würdig und fromm
nimmt Rom Julian's Antworten auf, und es befiehlt, dass Alle sie lesen
und dem höchsten Ejtiser (in Ostrom) theilt Rom die Antwort mit,
rufend: Dein Lob, o Herr, (geht) bis an die Enden der Erde« Dieser
aber (der Ejdser? oder der Papst?) sandte dem Herrn Julianns durdi
die erwähnten Legaten ein Rescript sehr ehrenvoll zur Danksagung
snrück, erklärend, dass Alles, was Julianus geschrieben, recht und
fromm sei^ *)•
§. 21.
Mächtig hatte der Chronist in die Trompete gestossen, und
mächtig stiessen die Andern nach ihm in ihre Tompeten, Allen voran
Roderich von Toledo, des Julianus Nachfolger*). In demselben Tone
prolatum^ congesto m uno responsionis nostrae libro, ante hoc biennium parti
Uli porreximvs dignoscendum. Jam vero si post haec et ab ipsis dogmatünu
Patrum, quilms haec prolata sunt in quociinque dissentiunt, nonjam cum iUii
est amplius contendendum ; std majonim directo calle inhaerentes vestigiis, erü
per divinum Judicium amatoriJbus veritatis responsio nostra sublimis, etiam «t
ab ignorantibu^ aemulis censeatur indocilis. Wir wissen keinen passenden deat-
sehen Ausdruck Hlr: indocilis,
*) Isidor, Pac. 26. quod Borna digne et pie recipit, et cunctis legendum
indicit: et summa Imperatori satis acdamando: Laus UtaDeus in fines terrae^
cngniium facit. Qtii et rescriptum Domino Juliano per supra fatos legatos satis
cum gratiarum actione honorifice remittit, et omnia, quaecunque scripsit , justa
et pia esse depromit.
*) de rdms Hispaniae^ 3, 14. Quod Roma digne et pie recipiens, cunctis
legendum indixit, atque Imperator, (alias Papa) acdamando: Lau^ tua Dms
in fines terrae, lectnm saepliu notmn fecit: qui et rescriptum domino Juliano
per supra fatos legatos cum gratiarum actione, et cam bonore remisü, et omnia,
quaecynque scripsit, justa et pia esse deprompsit
Rom und Jnliairas. 237
ging der Jubel fort, bis auf die neuere Zeit. Nur der Jesuit Mariana
und der Kardinal Baronius^) erlauben sich Bedenken, ob denn Julianus
in seinem Rechte gewesen sei. Andere, wie die BoUandisten im
lieben Julian's^) und Kardinal Lorenzana drücken die Augen zu, loben
den Papst, und schweigen zu den „Invectiven" Julian's^, Florez
endlich glaubt und erzählt treuherzig nach, welchen Jubel des Julianus
Antwort in Kom hei-vorgerufen. Der Tadel aber einiger Ausdrücke
Julian's sei nicht vom Papste, sondern von Rom (einigen Romern?)
ausgegangen. Denn ,,11Ild6nkbftr^^ ist es einerseits, dass Julianus so
von einem Papst gesprochen, anderseits, dass derartige, gegen die
Ehre Spaniens laufende Vorwürfe ihn trafen. „Ich wenigstens, sagt er,
verstehe die Sache so; denn in Rom fassten sie die Sache zu Gunsten
Julian's auf«*).
"Wir aber fassen die Sache so, dass der Weg, den Julianus wan«
delte, zum Schisma, zur Trennung von Rom führte, dass das Schisma
des Westens dem Schisma des Ostens vorhergegangen wäre, wenn
nicht Gott in seinen verborgenen und allzeit anbetungswürdigen Rath-
schlüssen die Kirche und das Volk der Westgothen in die Gewalt der
Feinde gegeben hätte, um dieselbe, die Kirche Spaniens, bei ihrer
Wiederherstellung mit neuen und festern Banden an die römische, an
die katholische Kirche zu knüpfen. Wie die frommen Spanier, sagen
auch wir, dass Gott Spanien (im Jahre 711) für seine Sünden habe
züchtigen wollen, aber die Züchtigung war auch eine Heimsuchung,
eine Gnade, und in der Strafe verherrlichte sich der erbarmungsvoUe
') (nnnium scriptorum Ecdesiasticorum doctorum arhitrum esse Romanvm
Antistitem, atque de his singulis esse judicem Apostolicam sedem.
Sed avdi modo Joannis Marianae de ^rismodi Jvliani sententia Judicium
gravi lance perpensum, cUgue ita proUxbum : „Nofns, inquit, cHiquanto liberior
visa est, quam tU JiUiani Tnodestiam erga Romanum Fontificem, summum
JScclesiae doctorem deceret. Et nimirum de ingenii laude cui quicquam con-
cedat, rarus est, et in ardore dispviandi modum teuere difficüe. Erat enim
JvUanus eruditionis laude ea aetate celehris, ut ejus libri ttstantur, ac prae-
sertim opus quod Prognosticon saecidi venturi nominavit, liberque de sex aeta-
tibus, qui libri ad nostram aetatem conservati sunt, alii injuria temporum desi-
deraniur. Fuit ex Judaeorum sanguine propagatus, Eugenii tertii discipulus*^,
etc. ista quidem ipse. Ex Judaeis (ut vidimi^) Julianus ad Ecdesiam veni-
ens, doctrina fidgens, nomine celebris ad primaria^ in Hispania Ecclesiae
Episcopatum ex neophyto evectus est, quod in primitiva Ecdesia nonnisi Apo-
stolica indtdgentia licuisset, prohibente Apostolo ordinari neophytum, ne (ut ait)
in superbiam elatus, in Judicium incidat diaboli, Nos reliqua prosequamur
historiae. Annales, 688, nr, 3—5.
') Act. Sanetarum, Mart. I, p, 784,
*) Patres Toletani, t II, p, XIX.
*) Florez, V, 280.
33n Ao}it«aBncb. Zwölftes Kapitel. — Rom und Jaliuiiu.
Gott, der Spanien in die Uand seiner Feinde gab, damit er es wun-
derbar aus der Hand seiner Feinde errette').
') Hier sollte Ncb eine weitere ÄbbandluDg über die Sammlung des altspftoi-
oehca Kirctienrcchts (Corpus Canonum ecctesioE Hispaniac) einreihen. In ciaer
frUbcrn Abhandlung sachte ich theils nacheuwcisen, tbeils wnhrscbeiiüich su macbea,
dasB die Summlung tu Toledo nm 610— tili dnrch den Erabiscbof Anrosiaa ange-
legt oder Angeregt worden, im Interesse der Machtansprüobe der Kirche von Toledo,
Diese Theorie ist durch die Einwürfe des Canonisten Maasscn nicht erschüttert wor-
den. Weil mir diese Einwürfe aber erst ror wenigen Wochen zur Kenntniss geJfom-
men, so halte ich ca ftlr pAsscnd, die crwühnte Abbandlnng spütcr einzareihen, stJit
ira et cum sttidio. Die Correspondcnz, welche ich in dieser Frage mit mehreren
Gelehrten anknüpfe, bindert mich, dieselbe jezt uilzutbcilen.
Ebenso wird unten in Kürze von den christlichen Inschriften in Spanien ge-
handelt werden, da das Werk Em. IlUbner's über diese Inschriften mir gleiclif«lls enl
vor wenigen Wochen bekannt wurde.
^
Neuntes Buch.
Die zwei ersten Jahrhmiderte der Enechtsclialk.
Von Govadonga nach Compostella.
ErstesKapitel.
Die Katastrophe. — Die Zeit von 711— 75S.
§.1.
Nach achttägiger Schlacht war das Heer und Volk der Gothen spaniM
vernichtet (Juli 711). Der Schrecken der Betäubung fiel über Spanien. "*■"•
Fast widerstandslos fiel das durch die Natur so befestigte Land in die
Gewalt der Mauren. Fast ohne Widerstand fielen Malaga, Slvira,
Mentesa, Sevilla, nach einigem Widerstände Corduba, Emerita und
Orihuela, fast ohne Widerstand die feste Königsstadt Toledo, dann die
Orte zwischen Toledo und Saragossa, nach hartem Widerstand das
allzeit standhafte Saragossa (713^, es fielen Barcelona, Gerona; das
hochragende Tarragona wurde ein Trämmerhaufe. Die Reste der
Streitbaren flüchteten in die Hochgebirge und in die tiefen Schluchten
von Cantabrien, von Asturien und Galicien^).
Bald aber überschritten die Mauren das Grenzgebirge der Pyre-
näen. Es galt einen hohen Preis, ein hohes Ziel, es galt, ganz Europa xampf
dem Halbmonde zu unterwerfen. Die Völker, die anbetend vor dem ""
Sohne Gottes knieeten, sollten an Muhamed, als den Gesandten Gottes
glauben. — In denselben Tagen, in welchen der Apostel Bonifacias
*) „(CatUiverio) Captimtaa de los Saracenoa" ist bei den Spaniern der
stehende Ansdrack für die Zeit der Manrenhenrschaft
Nenntu Buch. Erstes Kapitel
ans dem Lande der Aiigdsaclisen auszog, um, mit dem Seger
Verbindaiig mit der romischeu Kirche Dentschland zu cbris
und das Frankenreicli kirchlicb neu zu organisircu ; Bonifacius,
wie die frommen Spanier aller Zeiten, die Niederlage der Sp
Jabre 711 als ein göttlifbes Strafgeric^hi fiir ihre Sünden betra
brachen die Araber mit grossen Heeren durch die E^ugpässe d
näeu, überschwemmten das ganze südlicbe Gallien, drangen
bis gegen Toura und die Loire vor, überscbritten die Kbt
erreichten Autun und Lyon. — Zu derselben Zeit, besonder
Jahren 717 — 719 belagerten sie dreizehn Monate lang Consti
daa als sichere Beute vor ihnen lag, zur See ond zu Lai
Landheer ging durch einen strengen Winter und durch Seuch
zu Grunde, die Flotte wurde wieder durch das griechische F'
atort'}. — In Gallien war es zuerst der Herzog Eudes von At
welcher die Mauren bei Toulouse schlug (721). — Karl Hart«
sie in entscheidender Schlacht zwischen Tours und Poitiers.
fuhrer Abderrhhaman fiel im Kampfe (i.S2).
k Die Chronik des sogenannten Isidor von Pacc, welche
. nadi die nächste Quelle der Ereignisse vom Jahre 711 an i
i' dei) Titel: Isidori Pacensis episcoj^i chronicon, und stellt j^ic
gedrängter chronologischer Abriss der Geschichte der ostr
Kaiser, von Heraclius an (610), der Herrscher der Aral
Jahre 622 oder dem ersten Jahre der Hegira), bis zum Jah
Die Chronik will eine Fortsezung der Weltchronik des Is
Sevilla sein, welche bis zum Anfang der Itegierung des
reichte. Sie wurde nach dem Jahre 1100 ans einem Codex /
') Bonifacms EtheUialdo rtgi, tp. 62 (ann. 74!i) : aimt ulü
Hispaniae, et Provinciae (die Provence wur damula von den Araberu t
et Burgundionum poputis c/mtigit, quat sie a Dm recedenfes fornkv
judex omnipotens taUum criminum uUrices potnas per ignorantiuvt
et per Saracenos, venire et saevire permiint.
') Schon ia den Jahren 671— C7S hatten sie wiederhult ConslaiiÜE
gert ConatAntin Porphyrogen. behauptete im Jahre 949, das griechische Feu<
einen Eogel Conatantin dem üroasen anvertraut worden. Wer das Geheioi
BereitDng verrathe, solle ewig verflucht und ausgestoBsen sein. Spater s
den Arabern das Geheimniss verrathen, und ConsCantinopel selbst, so o(
vertheidjgt, erlag später seiner zerstörenden Wirkung, cf. Eucyklopädie <
und Gniber, I. Bd. 91, S. 8, Leipz. 1871.
*> IiKtpit epitotne Imperatorum vel Arabiint Ephemerides, atqi
BIO« chronographia tub uno volttmine coUeda.
Chronik von 711—754. 241
fundcn und abgeschrieben, und stand hinter der Chronik des Isidor
1 Sevilla. Der Verfasser der Inhaltsangabe des Codex schreibt diese
ironik dem „Isidor, Pacerms ecclesiae episcoptia^ zu.
Es ist klar, sagt R. Dozy^), dass der (abschreibende) Mönch die
Ibe „Hi8^ bei Hispalensis wegliess^ was im Mittelalter gewöhnlich
rde, und dass er „pacensis^ statt y,palen8%8^ las. Die aus dem
lex gezogenen Folgerungen seien falsch, dass es einen Isidor, Bischof
1 Face, gegeben, der diese Chronik verfasst habe.
Dozy sagt, dass die Stadt Face in dieser ganzen Chronik gar
ht vorkomme, dass sie aber, wenn der Verfasser in Face gelebt
:te, wegen eines Aufstandes der Facenser gegen einen maurischen
ittbalter hätte vorkommen müssen, von dem der Schriftsteller Maccari
'ichtet^). Er nimmt an, dass der uns unbekannte Verfasser zu Cor-
ba gelebt habe, wegen der grossen Anschaulichkeit und Vorliebe,
mit er die dortigen Ereignisse beschreibt, so dass man an einen
igenzeugen derselben denken müsse. Das Werk selbst ist in ge-
mter Frosa, und von Jemand, der mitten unter den Arabern lebte,
verweist auf einige andere früher von ihm verfasste Geschichts-
Tke^). — Dozy hat weiter an Beispielen nachgewiesen, dass mehrere
^llen interpolirt seien, d. i. dass Glossen, welche die Abschreiber
r Erklärung des Textes an den Kand sezten, im Laufe der Zeit in
1 Text selbst gekommen sind. Der lateinische Styl des Chronisten
tbeils sehr originell; theils sehr unverständlich. Wir treten im
Igemeinen den Annahmen Dozy's bei. Die Thatsachen, welche sich
3 dieser Chronik für die Kirchengeschichte Spaniens in den Jah-
I 711 — 754 entnehmen lassen, sind spärlich.
') Recherches sur Vkistoire et la lütirature de VEspagne pendant le
yen age^ par K. Dozy, 2 idit, Leyden, 1861^ t. I, 2^15 (Chronique d^Isi-
•e de Bija).
^) Maccari^ t II, p, 17, edit. de Leyden,
*) z. B. 70. Quisquü vero hujus rei gesta
cupit scire^ singvla in epitome temporwn legat
quam dudum coüegimus, in qua cuncia
reperiet enodata:
ubi et prodia Maurorum adveraua Ckiltum dimicantium euneta
reperiet scripta
et Hispaniae bella eo tempore imminentia releget
annotata (cf, c. 65).
c. 78. Reliqua vero gesta eorum — nonne Tiaec scripta sunt in libro
verborum dierum saectUi, quem Chronicis praeteritis ad singula addere
procurauimus f
Leztere Redewendnog mahnt an jüdisch - orientalische Sprache. Eines von
sen zwei oder drei Werken kann die Continuatio Ckronici Joann, Bicla-
isis sein (Fiorez VI, 430—441), die mit dem Siege des Herzogs Endes im
ire 721 schliesst
O^xoB, Mj^Ok. Kirch«. IL 8. 16
§. 3. Sindered und Oppas.
UiilPi" Witiza wurde Sindered Primas von Toledo, (
suiiliclio Frömmigkeit zwar der Clironiat auerkennt, dem e
Kcliwereo Vorwurfe maclit, daE>8 er aus Rücksicht gegen
i'ilteren Mitglieder des Klerus heftig getadelt habe, uud de
Nt-hwerern, dass er beim Heraouahcn der Gefahr die ihm
Heerde feige im Stiche gelassen habe, und nach Rom gel
Tu der Tliat finden wir den Diechof Sindered unter denen,
rümificlie Synode des Jahres 721 unterschrieben, wornacli
das» er überhaupt nicht mehr nach Spanien zurückkehrte.")
kern Worten noch bezeichnet Roderich von Toledo seine '.
Feigheit ")■
Unter denen, welche die Sache Spaniens verrathen b
in erster Linie der Bischof Oppas von Sevilla genaumt. ]
Bruder Witiza's. Er soll mit den Sühnen des Ijezteru i
gegangen, und die Mauren zatn Einfall aufgefordert haben
nach neuem Forschungen der Abfall der Söhne Witiza's i
S<'hlacht am Guadalete erfolgte, so fällt damit das Ersti
Aber auch von seinem Antheilc an der Schlacht schweigen
Nach der Katastrophe aber scheint er einen traurigen Antl
vülligen Unterwerfung des Landes gehabt zu haben. Musf
herr, eilte nach Toledo, und bediente sich dabei der Hilte
„Einige angesehene Adelige, welche zurückgeblieben waren,
wollten, liess er durch Oppas, den Sohn des Königs Egica
Dieser Opas erscheint auch in einigen Verzeichnissen als
Toledo. — Weiler berichtet Roderich von Toledo (nn.
Quellen, wissen wir nicht), Oppas sei mit dem Araber AI
') Isidor Pac. c. 35.
') Pac. c. 35: qui et post modtcum ineursus Ardbum erpa
iit pastor, sed vt mercenarius Christi ovea contra decreta major,
Roinanae patriae sese adventat (dasa Sindered nicht ans Rom stauDi
verstÜDdlirh, olif;lcic)i der iinlichilflic^be Ausdrack des ChroDiaten es verc
') Jlis diebiLi Sinderedus, urbis regiae }>raesui et Primaa
Arafmm expavexceits, et Vitizae innvientiis fatigatve, Romanac
iledil, oves deserens, ut mercenarius, non ut pastor. Roder. 3, Ih
Sjnode von T2I nennt er sJcli : „episcoptts ex Ilispania' , und nnlcn
den Bischöfen aus Italien.
*) Musa nonnuUos seniores (i. e. nobües viros), qm ufcum
aerant, per Oppatn filivm. Egieae regis a Toleto fugam arripifn/ein (
moint JJozy), gladio patihvii jugiUat, H per ejt*s occasioneiii c
dcfnmrat. Is. P. cp. 36.
Die BimMfe von 711—754. 243
nach Asturien, bis zu der Hohle gedrungen, in der Pelagius wohnte«
Hier seien vor der Höhle des Berges Auseva an 20,000 Araber ge-
fallen, mit ihnen Alchamam, Oppas aber sei in die Hände des Pela-
gius gefallen 0.
§. 4.
Während der Abwesenheit des Bischofs Sindered in Rom wurde
Urban, sei es zum Verweser, oder zum wirklichen Erzbischof, durch
den Klerus erwählt. „Um diese Zelt, sagt der Chronist'), waren Fredo-
arius (ed. S. Frodoariua), der Bischof des Accitanischen Sizes, Ur-
banus, der „melodische Veteran^ (Domcantor?) der königlichen Stadt
Toledo, und Evantius, Archidiakon desselben Sizes, gar sehr durch
Wissenschaft, durch Weisheit, auch durch Heiligkeit berühmt, und —
nach der Schrift, (stark) in allem Glauben, aller Hoffiiung und Liebe,
zur Stärkung der Kirche Gottes**').
Fredoarius von Acci blühte um das Jahr 720. Nach Vasäus
wäre sein Tod um das Jahr 721 erfolgt, aber diese Angabe finden wir
nicht mehr in der Chronik^).
Zum Jahre 737 berichtet der Chronist: Um dieselbe Zeit wan-
derten die Lehrer der Kirche, die Leuchten in heiligem Wandel, Ur-
banus und Evantius, freudig zu dem Herrn, und ruhen im Frieden^).
lioderich nennt den Urban einen „erwählten^ EIrzbischof. Viel-
leicht war er Stellvertreter zu Lebzeiten des Sindered , und nach dessen
Tode (nach 720) wirklicher Erzbischof«).
Zum Jahre 746 berichtet der Chronist: „Um diese Zeit wurde
Petrus Pulcher, der Diakon von Toledo, in Spanien für einen gefeier- ^^«'«'^•
*) de rebus Hispaniae, 3, 2, — Oppa autem a Pelagio captus mansit
Ab cUiquibus dicitur Oppa fuisse filius Vitizae, ab aliquibus f rater comUis
Jvliani. Sed verius filius fuit Egicae et frater Vitizae. 8ed — certum eit
fuisse Architpiscopum Hispalensemi (d. h. nicht von Toledo). Andere geben die
Zahl der Gefallenen auf 124.000 an.
*) Isidfxr, Pac. nr. 49, — Roder. 3, 3,
') Per idefin tempus Fredoarius, Äccitanae sedis episcopus^ ürbanus To-
letanae Sedis urbis regiae cathedralis veteranus melodicus, atque ejusdem sedis
Evantius Archidia^onus , nimium doctrina, et sapientia, sanctitate quoque, et
in omni secundum scripiuram Spe^ Fide, et Charitate ad confortandam ecde-
siam Dei dari habentur,
*) Florez, VII, 40—42. Petr. Suarez, Historia del Obispado de Quadix,
1696, p. 134.
') c. 62, Per idem tempus viri doctores, et sancHmoniae studio satis
pollentes, ürbanus et Evantius, laeti ad Dominum pergentes quiescwU in pace.
•) Florez, V, 318—323. — Perez sagt: Hie Oppas intrusus, et ürbanus
functus munere absentis episcopi. Florez glaubt, daas er nicht geweiht worden.
tom
tcn Musiker, ja fiir sehr bewandert in allen Schriften geh
l die Bewohner von Sevilla, welche Ostern zur unrechten Ta
I richtete er eine treffliche Schrift, in der er sie aus den Zeiij
Väter belehrte'), zu welcher Zeit^sic das Ostei-fest begehen
Von der Schrift des Petrus ist Nichts erhalten"),
§■ 5.
Nachdem viele arabische Statthalter im schnellen Wccb
beherrscht hatten, gründete der Ommijade Abderrahhman el Dal
sonderesChälifat (getrennt von dem zu|Damascus) von Cordnba
clier bis zum Jahre 788 über Spanien regierte. Sein Sohn Hesclu
der Regierung (bis 79ti). ElHhakem regierte bis 822. In Asturi
zuerst Don Pelayo (Pelagius), von der Höhle Cova (Cava) I
gehend, gegen die Araber und gegen Üppas, den Renegaten.
Rgifta erster Herrseher des christlichen Reiches Asturien. Die K
■ T™ hoben sich aas ihren Trümmern. Nach einer Regierung voi
, '"andern 19 Jahren (f 739?) folgte sein SohnFavila, welcher
Jahren anf der Jagd umkam. Alfoae, der Katholische, der Seh
Felayo's, folgte ihm, welcher über Asturien und Cantabrien \
, £r zog durch Oalicien, und durchzog siegreich das Land b
Sfllamanca und Avila. Die befreiten Christen führte er mit -.
Berge seines Reiches, das von Astorga bis zur Rioja sich
Nach einer Regierung von 18 Jahren starb er (c. 739 — 75
Sein Sohn Fruela I. kämpfle siegreich gegen die Ai
Fontumium in Galicien sollen allein 54,000 Mauren gefallen
unruhigen Vasconen züchtigte er. Er erbaute die Stadt O
in ihr die Kirche San Salvador), welche lange Zeit Hatip
Asturien war. Das Bisthum Oviedo entstand im Anfang d
Jahrhunderts (802—814)*). Als aber Fruela aus falschen
seinen Bruder Yimaran hatte ermorden lassen, wurde nach
gierung von 11 Jahren auch er ermordet (768 — 770). Sein
Don Äurdio regierte 6 Jahre (769 — 774). Dessen Nachl
war Schwiegersohn des Alfons I., er starb ohne Nachkommen
') Petras Toletanae sedis DiaconiM Pulckev apud Hispaniam
melodicus, atque in omnibus scripfuria aapientissimun ; (ad) hahilat
pali propter paseJias erroneas, ,9uae ab eis sunt celebratae, libell
atque diversis auetoritatibus puhhre compositum conscripsit, ep. 71
'] Isidori ehronicon — ed. Pntdentiua Sandoval. Pampetonaf,
- ibid. 1634. ~ Espaüa sagrada, VIII, 269-282. 325-339.
'j Florez Riaco, t. 37, p. 77 sq.
') Esp. $agr., t. 37. App. 6—8. — JUasdeu, Bist. crit. dt Esp..
Könige von Afitorien. 246
jähriger friedlicher Regierung in seinem Wohnorte Pravia (783). Der
Eindringling MaureccU, ein Sohn des Alfons I., erhielt sich bis zu seinem
Tode (789) zu Pravia in der Gewalt. BermudOj Sohn Fruela's, ein
Diakon, vrurde gegen seinen Willen durch die Grossen des Reichs
auf den Thron erhoben. Nach 3 Jahren dankte er zu Gunsten seines
Neffen Alfons II. ab (792)0-
*) Chronicon Alb(v)elden8e, anch Aemüianense oder Dulcidii genannt, ap.
"^ FloTtz, Xllly 433 — i66, — Chronicon Sebcutiani iSalmanticensis (alias AI-
' /oim ///., ibidem, p. 477-492. — Lembke, 316-326; 352-366. — Doxy,
Rtcherches sur Vhistoire du Royaume des Agturies et de Idon^ l. c. t L 90^138.
Zweites Kapitel.
(J. 756—783.)
Die Bischöfe €Ixlla, Odoarius nnd Egila. Die Higi
Als Nachfolger des ürban auf dem SIzb von Toledo voi
diiB, dem Adoptianer, worden genannt Sunifrcdus (738 — 758),
diu8 758 — 774), und nach diesem der Schriftsteller CixUa, we
das Juhr 7S2 — 783 gestorben sein soll. Anderseits kann es
dass er unmittelbar auf Urbiin inn das Jahr 7;!8 gefolgt eei.
ihof Zum Jahre 744 berichtet nämlich der sogenannte Isidur
■''* nUm diese Zeit ist der heiligste und von Kindheit an in doii
iBdo. Gottes stehende Cixila Bischof in der Stadt Toledo. Und
seit dem Eintritt der Araber in dieser Stadt war, so wurde
Metropoliten ordinirt: denn er war im heiligen Leben nntenii
Wiederher stell er der Kirchen, voll vom Geiste des Glnnbenii, i
nung und der Liebe, und seine. Verdieuste sind Allen bekanu
wollte ein Sabelhaner in die Kirche treten. C'ixila befragte
über, und der Mensch läugnete Alles. Aber sogleich wuidi'
Dämon so ergriffen, dass die ganze Menge in Staunen geriitli
aber der Heilige zu beten begann, so übergab er denselben ■
gen Kirche gesund und unverlezt. Neun Jahre verwaltete er .'
und in der Liebe, in der er gelebt, starb er"').
Da die Chronik das Jahr 7.'»4 nicht überschreitet, s'
Cixila in den Jahren 738 — 748 Bischof gewesen sein. Auf di
Seite fehlt dieses Kapitel in mehreren Handschriften des C
und es kann in den Text durch eine spätere Hand gekommen
Wenn wir aber die Schreibweise des Cixila mit dem Style c
') ChTon. Pac. e. 69 (Florez, 8. 319).
Cixila and der heilige Udefons. 247
Isidor Facensis vergleichen, so finden wie aufTallende Aehn-
Q, die ihren Gmnd auch in der gegenseitigen oder damals
aen „Stylverwilderung** haben können.
n Cixila besizen wir das „Leben des Metropolitanbischofes des ^* '^''-
n Toledo, S. Ildefons". Siehe, sagt er, die honigsossen Spei- houigc^
s Herrn Qdefons, welche er raubend aus dem Paradiese Gottes, «wefouH
streuend durch das ganze Hesperien, wodurch er unsem Hunger
ine unendliche Beredtsamkeit gesättigt hat. Darnach scheint die-
m eine Vorrede zu Bdefons Schriften zu sein. Udefons sei von
iligen Papste Eugen (II.), dem Metropoliten von Toledo, an Isidor,
hrer** und „Spalensischen^ Metropoliten gesandt worden. Von
ivurde er festgehalten, und, wie man sagt, in irdische Bande
I, damit er in dem, was an Wissen ihm noch fehlte, vollkom-
iterrichtct, zu seinem Pädagogus, dem Herrn Eugenius, zurück-
Er war Diakon in der Kirche der heiligen Cosmas und Da-
der Vorstadt von Toledo, und wurde sodann Abt. In seinem
sbald hervorleuchtend hat er sogleich zwei Messen zum Lobe
incr Herren , welcher man an ihrem Feste sich bedienen sollte,
ser Kenntniss der Melodie verfasst, „welche Messen ihr unten
erdet**.
ne Tugend als Bischof habe hell hervorgeleuchtet. Als er am
3r heiligen Leocadia deren Reliquien dem Volke zeigte, habe
Grab, worin sie bis heute bcigesczt sei, cröfthet, der Grab-
den kaum zwanzig Männer erheben könnten, habe sich wie
eis Händen gehoben, sie habe den Schl(»ier, dessen sie sich
a bedient, gezeigt, und sei mit ihm hervorgetreten. Die Bi-
iie Fürsten, die Priester, die Diakonen, der Klerus und das
:>lk rief: „Gott sei Dank im Himmel, Gott sei Dank auf Er-
d Niemand schwieg. Sie selbst aber^) erhob mit dem ganzen
re Stimme und rief laut: „Gott sei Dank. Es lebt meine
nrch das Leben des Udefons", und diess wiederholend sang
US mit Kraft: „Allelujah*', und das Lied, welches der Herr
vor Kurzem gemacht hatte: „Herrlich ist sie, Allelujah: und
hlgeruch ist wie reiner Balsam", und Anderes, was in der
1 sancto Papa Eugenio -— ad Doctorein (Isidorum) Spalensem —
am sc'wltis videbaiur, adeo ab eo teiitus et elimaius est, et ut fcrunt
ferro corustrictus, ut si quid scientiae deeraf, pleidus instrudus, ad
fn suuin domnum Eugenium rameaiis, luxii post midtos dies adhuc
ojßduni peragens, in Ecclesia SancUrruin Co»niae et Dnmiani, quae
% suburhio Toletano, Abha praeficeretur. — Kein Schriftsteller des sie-
hrhandcrts berichtet Aehnlichcs, und wir wollen Andern überlassen, den
m Gehalt dieses ^Lebens" zu ermitteln.
nanibtAS statim complexans et adstringens (den heiligen Udefons?).
CixiU nnd lldefons. Flucht der Reliquien. 249
diesem Leben geschmückt^ und im kommenden Leben sollst za mit
den andern Knechten meines Sohnes dich in meinen (seinen?) Wohnun-
gen erfreuen^).
Diess ist die ursprüngliche Form einer Erzählung, die im Laufe
der Zeiten auf die verschiedenste Weise umgestaltet wurde. In dem
weiter ausgeführten Leben des heiligen Ildefons von dem Schriftsteller,
den Florez „Fr* RodflgO d Cerratense^ nennt, und der im dreizehnten
Jahrhundert lebte, heisst es u. a.: „Auf diesem Size (dieser Cathedra)
wirst du sizen. Wer aber nach Dir es wagen wird, dieses EJieid an-
zuziehen, und auf dieser Cathedra zu sizen, der wird der Strafe nicht
entfliehen. Mit diesen Worten verschwand sie, und hinterliess ihm
ein Gewand; welches wir „Albe*' nennen"'). ■ — Nach Rodrigo von To-
ledo (t 1247) ist bloss die seligste Jungfrau dem Ddefons erschienen,
am 18. December, begleitet von den Choren der Apostel, der Mär-
tyrer und der Jungfrauen. In ihrer Ansprache an Ildefons spricht sie
nur vom diesseitigen Leben; sie sagt: „empfange das Gewand aus den
Schäzen meines Sohnes, damit du schon in diesem Leben mit dem
Gewände der Glorie geschmückt, und an DlClncn Ond dCU FCSteU
meines Sohnes mit demselben bekleidet werdest'). — Es scheint mir,
dass der Bericht des Cixila den Vorzug verdiene. Florez untersucht
die Frage, waruu) die Zeitgenossen des Ildefons über diese Erschein-
ungen geschwiegen haben, und findet die Antwort darauf in dem Plane
des Cixila, von Ildefons das zu berichten, was dessen Zeitgenossen
ausgelassen hatten^).
Verwandt mit vorstehendem Berichte ist der Bericht von der di^ r,
Flucht oder Rettung der Heiligthümer der Christen #nach Asturien. liQ«*««
Urbanus, der Nachfolger des Sindered (erzählt Roderich), soll die tct-
Lade (arcam) der Reliquien, die Schriften des Ildefons und Julianus,
und das heilige Kleid, das die seligste Ji^ngfrau dem Ildefons gegeben^
nach Asturien gebracht haben, wo sie von Ort zu Ort, wie die Ver- ■
folgung es erheischte, von den Gläubigen getragen wurde*). Derselbe
*) Florez, V. 482^601, in fwturo in promptuariia meia cum aliis servis
Füii tnei laeteris.
*) MabilUm, annales 0, 8. B,, t I, 1. 16, n. Z. Albam absolute guando-
que vocabant Caaulam illam, quod ex panno aWo co^fecta esset. — Vita 8, II-
defonsi por el Cerratense, ap. Florez, V, 602^606.
*) Roderic. Toi lib. 2, cp. 22.
*) Florez, V, 493-498; 600-501.
') Roderic. 4, 3, Die Unwissenheit des Boderich über die Lage der Christen
anter den Arabern ist erstaunlich.
260 Nemitoi Btioh. Zweites KapUel
sagt, dass diess die Ardie der zahlreichen Reliquien gewesen, welche
sich in Oviedo befanden haben ^). Ganz nahe bei Avil» zeigt man
eine Stelle, wo die Träger der Reliquien aasgemht haben. Diese
Stelle weist anf die Richtung von Toledo hin«
Wahrscheinlich ¥rurden verschiedene Reliquien za verschiedenen
Zeiten nach Asturien gefluchtet, je nachdem Grelegenheit oder Gre&br
war; viele wohl auch heimlich, woher sich die Erscheinung erklart,
dass sich dieselben sowohl an dem ursprünglichen als ao dem Orte
der Uebertragung befinden sollten. Viele Kostbarkeiten wnrden auch
vergraben, und so verloren. Diess gesdiah mit den goldenen Kronen,
von denen eine den Namen des Receswinth tragt Man fand im Jahre
1868 in dem Oratorium Guadamur bei Guarrazar (nahe bei Toledo)
acht Kronen der gothischen Konige (?), geschmückt mit Gammen,
y^^^ Etfdelsteinen, Kreuzen, und Inschrifien, deren zwei sich im Mu-
seum Cluny zu Paris, die übrigen in der königlichen Bibliothek zu
Madrid befinden*). Die grosste Ejrone, ein hängendes Kreoz ohne
Buchstaben, tragt die Inschrifl: Becesumthua rex offerei (der Konig
Receswinth opfert); die kleinere E[rone ohne Buchstaben, ein schwe-
bendes Kreuz mit der Inschrifl: In Domini Nomine offeret Sonnica
Sancte Marie in Sorbacee (im Namen des Herrn opfert diese Krone
Sonnica der heiligen Maria in Sorbaces).
Die dritte Krone ist mit den Buchstaben geschmückt: Suintiü'
kmiu rex offeret (Konig Swintila opfert). Die vierte Krone tragt
ebenso die Inschrifl: Offeret mumisculum aancto Stephano Tkeodostu»
ahba (es opfert diese geringe Gabe der Abt Theodosius). Ferner ein
goldenes Kreuz mit der Inschrift auf der Rückseite: In nomine d(o7iü)nif
in nomine 8(anct)i offeret Lticef pins (im Namen des Herrn, im Namen
des Heiligen opfert der fromme Luce?)^.
Eine Zeit lang glaubte man die Kronen des Receswinth, seiner
*) 4, 8, Die Arche sei aus Jerusiilciu nach Toledo, von da nach Oviodo
gtkommen, wo sich auch das Messgewand des heiligen Ildefons befanden habe.
') So sagt in: Inecriptiones Hispaniae Christianae, ed, Aemilitu Hübntr,
Berol. 1871, p. 50. Als ich im Jahre ISr»! diese Kronen in Paris sah, waren a
sieben. Entweder sind sie später, als Hübner in Spanien war, nach Paris gekuui-
nien, oder die kleinem sind von Paris nach Spanien zurückgekommen. Jedenfiüls
ist es geradezu unbegreiflich, wie man ein solches Nationalgut in das Ausland
wandern Hess.
") Ferd. de Lasteyrie, description du trhor de Ouarrazar, accompagnh
de recherches itur toutcs les questions, qui s'y rettrachent, Paris 1860^ 4*, —
Jose Ämator de los Kios: El arte latino-bizantino y las Coronas visigodas di
Ghiarrazar, Madrid 1861, 4\ — Ders. in „Monumenlos arquitectonicos de Espana,
fasc. 21. — FeL Dahn, Verfass. der Westgothen, S. 514. — Die Araber fanden
die Kronen von 23 gothischen Königen zu Toledo.
Die Reliquien. Odoariiis von Logo. 251
angeblichen Gemahlin Sonnica, und seiner Kinder zu besizen. Indess
sind diese Kronen religiöse Weihegeschenke in Kirchen, vielleicht
gerade in die Kirche, wo sie gefunden wurden. Auch bei Longobarden
und Franken war es Sitte, hängende Votivkronen zu opfern. Die be-
rühmteste dieser Kronen ist die sogenannte eiserne Krone des Königs
Agilulf, mit der Inschrift: Agilulf, von Gottes Gnaden glorreicher
König von ganz Italien, opfert (diese Krone) dem heiligen Johannes
dem Täufer in der Kirche von Monza').
§. 3.
Florez sucht den Beweis zu führen, dass die Reliquien nicht so
frühe, als es Rodrigo angibt, nach Asturien geflüchtet worden seien.
Als Beweis seiner Behauptung fährt er die Worte des Cixila an, dass
der heilige Leib der Bekennerin Leocadia bis zum heutigen Tage in
Toledo ruhe'). Daraus allein würde Nichts folgen. Denn nicht alle
heiligen Leiber vrurden geflöchtet. Er sagt sodann, dass Abderrahhman I.
eine grosse Wuth gegen Leiber der Heiligen gehabt, und überall sie
zu entweihen und zu vernichten gesucht habe. Damals, meint er, sei
auch der Leib der heiligen Leocadia nach Norden geflüchtet worden,
und diess sei geschehen kurze Zeit , nachdem Cixila seine Schrift über
Udefons geschrieben habe. Die unklare Weise, in welcher Koderich
von dieser Sache redet, lässt ersehen, dass man auch im Mittelalter
nichts Sicheres über die Flucht der Reliquien wusste^).
Unter den Bischöfen des achten Jahrhunderts ragt Odoarius von BiMbof
Lugo hervor. Er war der erste Bischof dieses Sizes seit dem Ver- ^^^•"
laste von Spanien. Er war aus dieser seiner Vaterstadt in die Ge- i^jo.
birge geflohen. Als aber Alfons I. (um 740?) Lugo wieder eroberte,
kehrte er als erwählter Bischof auf seinen Siz zurück. »Wir fanden",
sagt er in seinem Testamente, »den Siz selbst verödet und unbewohn-
bar". Er stellte die Kathedrale- der seligsten Jungfrau wieder her,
gründete viele Kirchen , sammelte das christliche Volk zu neuem Leben.
Unter andern Kirchen gründete er die des heiligen Jacohus von Ma-
milani. Sein erstes Testament ist datirt vom 15. Mai 747, worin er
sich M Odoarius, von Gottes Gnaden Erzbischof" nennt. — Bracara
*) f AgiltUf, grat di. vir. glor. rex totiua Ital. offeret sco. Johanni
Baptiste in ecdesia ModicicL
*) twmdus, in quo aandtvm ejus eorptisculum usque hodie twmdatwm e$t,
•) Florez, V, 312-318.
Wti Netuites Bnoh. Zweites Esplt«!.
stellte er vor dem Jalire 763 wieder her. Nach langer, gros
kirchlicher Tbätigkeit starb er am 21. September 786. Er n
Stiize und SÜnle der Kirche in jenen Gegenden, ein würdige
eiferer dee heiligen Fractaosus von Braga').
§.6.
Der erete bekannte Bischof von Elvii'a = Granada (?) seit der
' herracbafl war Egila. Er hatte Bieh in verBchiedeiien Aiifragei
Papst Hadrian I. gewandt, deren Inhalt wir nur sehr iiuvo
aus der Antwort erkennen. Die erste Antwort des Papstes ha
nicht erhalten. Egila liess durch Karl den ßrossea nnd diese
durch den Bischof Petrus von Pavia den Papst um eine Antwo
I Dieser liess den in den päpstlichen Archiven aufbewahrten Bri«
I' abschreiben, und ihn durch Bellerofonsns und (seu7) den Kle
tiu- Hannes wieder an Egila abgehen. Jene frechen Häretiker
i~m.' seinen orthodoxen Glauben zn untergraben suchten, welche, ■
^°f Seiten ihn beengend, Aengste und viele Stürme über ihn brinj
^ ' er, nach der Lehre der Apostel, nach der einen und andern
I Weisung als Heiden nnd Zöllner betrachten und meiden. „^
! der Lehre der heiligen katholischen und apostolischen römischt
folgest, so tiast du kein Uebel zu befürchten, denn der rr
Führer und ihr Gründer, der selige Petrus, der die Schlüssel i
melreicbes trägt, ist mit dir bis zum Ende, wie der Herr ve
„Siehe, ich bin bei euch bis zur Vollendung der Zeiten". Er
angefragt über das Fasten am Freitag und Samstag. Nach c
Ueberlieferuug solle er das Fasten am Samstage festhalten.
bezeuge es, dasa Ambrosius die entsprechende römische Pra
gelobt habe*). Der zweite, resp. erste Brief ist gerichtet „an
geliebtesten Bischof Egila und an den Priester Johannes. De
Saranus und der Kleriker Victorinus hatten den ersten Brief i
nach Rom gebracht und mündlich Näheres berichtet. So
diesem Briefe, als aus dem Briefe des „Wulcharius, des Erz
der Provinz Gallien" (von Sens?) hatte der Papst Günstiges ü1
erfahren. In der Zeit der Osterfeier sollen sie sich an die Ents
*) Eapana sagrada, p. Manuel RUco, t. 40, p. 89—105.
') Der ScblusB heisst: quia gerente spiriht sancto, ntälis ten
sitperari ttiam almitatem conjicimus, eas, quas superius poUiciti aumu.
exarationü pagina imtituemus series. — „Series" acheint die Abtheilang
SUD die sich aneinander Khliesaenden Zeilen dea ersten Briefes eq beden
nscti obiger kürzere Brief mit dem in zweiter Abschrift abgegugeoen
Brief loglelcb abgeachiokt worden wäre.
Papst Hadrian I. nnd Spanien. 258
der Synode von Nicaa halten, welche stattfinde am ersten Sonntag nach
dem Vollmond, nach dem vierzehnten Tage des Mondes (Nisan).
Sieben, und nicht acht Wochen liegen zwischen Ostern und Pfingsten.
Femer spricht sich der Papst gegen die Unsitte dortiger Christen aus,
Blut von Rindern, Schweinen, und Ersticktes zu gemessen. Wer diess
thue, sei nicht bloss roh, baar des gewohnlichsten Wissens, sondern
verfalle dem Anathema.
Fälschlich lehrten Andere oder dieselben, die Vorherbestimmung
zum Leben oder zum Tode liege bei Gott; Andere hingegen: Warum
bitten wir zu Gott um Sieg in der Versuchung, da wir doch durch
die Kraft des freien Willens siegen können? Er widerlegt aus Ful-
gentius und Eugippius die falschen Prädestinatianer. Für die Bösen
hat Gott nicht den bösen Willen oder die bösen Werke prädestinirt,
sondern er hat für sie die gerechten und ewigen Strafen vorherbestimmt.
Wer zur Glorie nicht vorherbestimmt ist, der ist vorausgewusst zur
Strafe ')•
Viele, die sich Katholiken nannten, führten dort ein gemeinsames
Leben mit Juden und mit ungetauften Heiden, in Speise und in Trank,
und sagten, dass fremde Irrlehren sie nicht beflecken, und ziehend an
einem Joche mit den Ungläubigen geben sie ihre Töchter den Fremden
zur Ehe, und so werden sie den Heiden überliefert werden^.
Weiter — wurden Priester ohne alle Vorbereitung geweiht und
als Seelenhirten eingesezt — Es war die schreckliche Unsitte eingeris-
sen, dass bei Lebzeiten des Mannes dort Pseudo-Priester die Weiber
zur Ehe nehmen, und noch vieles Andere^). Diess sei die Irrlehre
des Priscillian^). Allem diesem Unwesen solle Egila mit den Gesezen
der Kirche entgegenwirken, damit nicht längst unterdrückte Aerger-
nisse wieder hervorbrechen, und aus der ausgerotteten Irrlehre in jener
Provinz^ ein neues Unkraut emporschiesse, das den Nachwuchs der
heiligen Kirche im Keime vergifte. Die Widerstrebenden, Kleriker
wie Laien, sollen aus der Gemeinschaft der Kirche ausgestossen werden.
— jyUnd wie ihr, sei es durch Uns, sei es durch den Erzbischof zur
Fredigt der wahren Lehre gesendet wurdet, möget ihr in Eintracht mit
der heiligen römischen Kirche aus Liebe zu dem seligen Fürsten der
Apostel Petrus predigen, damit, wie einer unser Hirte ist, Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes, wir Alle vereinigt in demselben
') quisquis mm est praede^tinatua ad ghriam, iwoenitur sine dubio prae-
sdtus ad poenam.
*) ipsi filias stuu cum alio benedicard, et sie papulo geniüi tradenitur.
Vielleicht ist za lesen: cum aliis cqpulant
') mulieres in connubio sibi sorfianiur ipsi pseudosaeerdotes.
*) quid muüis vobis haeresum singula scribam f qiUa olim tempus est
quod Priscüliani dogmatis impleverunt
Nean(«s Bnoh. Zweites Kaintel.
Schafstalle, wie wir die Glieder eines Hauptes, ein Leib ■
Cbristus Jesus unserm Hcrro" '). Egila befuDd sich vor sei
in Gallieu und wurde geweiht von dem Erzbischof Wulci
Bens?) ata Itegionarbiadiof iür Spanien. Bischof von Elvir
ohne ganz sichere Beweise genannt, weil im Verzctclmisse d
dieser JCirche ein Egila voikommt, während man um diese
andern Egila nicht findet. Floiez hält ihn für einen Gall
cbariuB hatte den Papt ersucht, dass er den Egila weihen d'
er ihn dann zur Predigt des Evangeliums nach Spanien s
Papst verlangte, dass Egilu nicht nach einem fremden, <L i.
sezten Bisthiime trachte.
§. 6.
1- Die beiden vorstehenden Briefe sind um das Jahr 781
" schrieben. Einen dritten Brief schrieb der Papst im Jahre
gegen obigen Egila und gegen Migetius, theils gegen die
Elipandns und Ascaricus. Die IHlgetiaser sind so zn sag
unsern Tagen erst an das Licht gebrachte Häresie, welche
zeitig AA. Hdfferick nnd J. Hefdo aus der Verborgenheit i
mgrada hervorgezogen haben. *). Ueber Migetius sind wir nur bi
haft unterrichtet. lu dem dritten Briefe Uadrian's an alle
Spanien wird nur erzählt, Bischof Egila sei mit deni Priest
niu-\i Spanien gekommen, dort habe er einige Irrthnmcr seir
Mingc-ntius angenommen, sei von der katholischen Kirchen?
wichen, «nd in mehreren andern l'unkten solle er seine Pr
gen den Christen autdrängen. „Wenn dem so ist, so ni
Liebden, welche die Kegel und die Zucht unsrer heiligen
Kirche festhalten, anf keine Weise an den Wahnsinn (di
und Egila) glauben und denselben Folge geben; vielmehr i
crmahnen und sie zum wahren nnd rechten Glauben zuri
trachten". Migetius oder Migentius erseheint danach als Ve
') et sictU per nos, seu Ätmum Archifpiscopum, in praedkc
iloxae. ßdei directi, Sanclae Romano« Eccteniae lA amorem Beafi
cipis Aposlolorum concordes praedicafe, ut — unutn efficiamuT corpi
Jesu Domino nostro. — Wer ist der Erzbischof? Ich zweifle d
Wulchar ist, der den Titel: „almvs", der erlaacbte, erhält. — Der N:
ziemlich häutig' in Spanien.
") Florez. V, p. 621, 524-535. — Masdeu, XIII, 225. - I
logische Quartalschrift, 18Ü8, S. 86—96. — Ooncillcngcschlchte, 3, Bd. I
!>f*3. -~ A. Helfferich, der Weitgothischo Arianiamns und die sp.ii
geschiclite, 1860, 8. 81-SG. — K. Werner, Geschichte der apologeli»
lemischen Literatur der chriatlichen Theologie, 2. Bd. Scfaaffh. 1862, ä.
ElipandoB nnd Hfgetilu. 255
Regionarbischofs Egila. Den Brief des Elipandus an Migetias, worin
sich Näheres über diese Häresie findet, fanden um das Jahr 1727 die
Benedictiner Martin Sarmiento und Frego Mecolaeta zu Toledo, und
Florez hat ihn zuerst veröffentlicht^). Nach diesem wohnte Migetius
in der Provinz Baetica, vielleicht in oder bei Sevilla. Migetius hatte
vorher an Elipandus geschrieben, der ihm in einem wahrhaft schauer-
lichen Tone u. a. antwortet: „Deinen Brief, welcher aus dem schreck- Eiip«i-
lichen Grabeshügel deines Herzens erstanden, aus dem ascheerfüllten m^^tig^
Grabe deiner Brust hervorgegangen ist, geschrieben nicht in dem Tone
des Fragenden, sondern mit dem Befehle des Lehrenden, haben wir
früher zum Lesen erhalfen. Wir sahen und verlachten den thorichten
nnd abgeschmackten Wahnsinn deines Herzens: wir sahen, und wir
erachteten die Trägheit deiner Einsicht für würdig, verlacht zu werden.
Wir sahen, dass jener durch deinen Mund geredet, der sprach: Ich
bin ein lügenhafter Geist in dem Munde seiner Propheten.
„Indess bevor die Schriften deines Wahnsinns an uns kamen,
bevor der überaus hässliche Geruch deiner Worte uns anwehte, glaub-
ten wir auf das Gerede des unverständigen Volkes hin, dass bei Dir
Einiges richtig sei. Als wir aber selbst das Trauerlied deiner Thor-
keit lasen, hat sogleich nicht bloss uns, sondern jeden Stand des katho-
lischen Glaubens vor dir und der ganzen Lehre deines Gestankes
Schrecken erfasst, wir haben sie verdammt und mit dem beständigen
Anathcma geschlagen^. In dieser Weise reihen sich bei Elipandus die
ärgsten Ausdrücke aneinander, die sich in den lezten Tiefen des mensch-
lich-lateinischen Sprachgebietes auftreiben lassen, wie: Gräber der^*««*'*"
Häresieen, tiefer Sarkophag des Anathema, Gestank der Worte etc.
„Indem uns der Sohn Gottes in der Wolkensäule am Tage, in der
Fcuersäule in der Nacht vorangeht, bewafihet mit Glaubenseifer, dir,
dem wahrhaften Feinde Christi, entgegen zu gehen, wollen wir hervor-
treten, sprechend: Es schelte der Herr dich, Satan , es schelte dich
der, welcher Jerusalem erwählt hat. In dir ist gesagt, Migetius, der
du den Beinamen hast: Weiche zurück. — Es ist nicht ein Hund,
gegen den wir leichthin bellen. Nicht mit Wein und Oel ist deine
Krankheit zu heilen, sondern deine beständige Fäulniss ist mit dem
zweischneidigen Schwerte zu treffen. Mit dem Widder der Gerechtig-
keit wollen wir den Thurm deines Ilochmuthes niederwerfen, damit
kein Schatten deines Irrthumes als verderbliche Ejrankheit sich den
Gläubigen mittheile. Vorerst wollen wir das Gebäude deines Wahn-
sinns mit dem Steine der Vernunft verwerfen; darin, dass du nicht das
Amt des Fragenden ^ sondern des Lehrenden dir angemasst: da doch
der Erloser in dem Tempel zuerst gefragt, und nicht gelehrt hat. Zur
n«r.
') Esp. sagr, V, 1750, p. 624-^635.
(Galat. 1, 1), von welclipin der Psaltnist sage: Spii
omnia vitiua eorum; und weil Christus von ihm sage:
eher von meinem Vater ausgeht, wird euch alle Wabi
fuhrt den Isidor gegen Migetius an.
Wie könne David Gott der Vater sein, der von
In Ungerechtigkeiten hin ich empfangen, und in S
meine Mutter gehören? Seine Lehre von Christus füt
nur für einen Menschen zu halten. Hier aber hricb
Lehre von zwei Söhnen schon hervor, dem aus dem '.
ters von Ewigkeit gezeugten, und dem Sohne Maria'
los sei des Migetius Lehre vom heiligen Geiste.
Nach der zwar nicht schwierigen, aher doch v
aas gelungenen und erschöpfenden Widerlegung diese
Trinilätslebre fällt Elipandus wieder in seinen polternd
fenden Ton zurück, „Erkenne, Elender, wie viel Fala
Bauche du redest; erkenne, o Kczer, wie viel Böse
Krebs behafteter Mund hervorgebracht. Erkennen so
aus der Masse des Verderbens (der Verlorenen) gesan
durch deine Irrlebren betrogen wurde, aber auch jenes
Gottes Guade von deinen Irrthümeni bewahrt ward
den Kezem ist dir gleich, keiner ist dir ebenbürtig. E
von allen bist du; doch mit dem Gifte aller Kezer eil
>■■ Migetius fragte femer, warum die Priester sich
^'bekennen, w«nn sie wahrhaft Heilige seien? Oder «<
hcit Sünder zu sein cestehen, wamm sie dem h^litrei
Elipandos und Migetins. 257
, da der Herr sage, seid heilig, weil auch ich, der Herr euer
heilig bin^}? Wenn wir, erwidert Elipandus, so sprächen, so
Jeder von ans gleich dir ein Lügner sein. Aber wir sagen mit
Lpostel: Wenn wir sprechen, dass wir keine Sünde haben, so
ren wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns etc. Welche
leit sei es, wenn sich Migetius einen Heiligen nenne? Dagegen
a Schrift- und Väterstellen, unter dem Namen: die heiligen Väter,
Alle Heiligen nennen sich selbst Sünder, weil alle Vieles an
:u beklagen haben, sind es nicht Vorwürfe des Gewissens, so
es doch die Unbeständigkeit und Wandelbarkeit der menschlichen
'). — Fulgentius von Ruspe und Joannes Chrysostomus werden zum
se dagegen angeföhrt. Die Zurückweisung des Migetius ist treiFend.
r beunruhigte sich Migetius mit der Frage nach Speise und
•). Aber Nichts verunreinige den Menschen, ausser der Genuss
lenschenfieisch. Er aber sage, dass die Speise der Ungläubigen
erzen der Gläubigen beflecke. Wenn er mit Sündern nicht essen
so halte er sich für besser und heiliger, als der Herr selbst,
it Sündern und Zöllnern oft gegessen habe. Augustinus, Gre-
und Hieronymus werden dagegen angeführt. So gut die Wider-
; an sich ist, so befinden sich doch hier Elipandus und seine
le im relativen Unrechte. Sie hatten gegen sich die Tradition
irche Spaniens, wie wir sie in den Jahren 250—254, 306, 589 —
)rgefnnden haben. Mit Juden, mit Heiden, überhaupt mit Un->
;en sollten die Christen nach dieser Tradition nicht unbeschränkt
lg haben. Denn der beständige Verkehr mit ihnen war dem
m gefährlich. Ausserdem lauten die oben angeführten Briefe
ipstes anders.
Lber gerade in lezterem Punkte bietet die Gegenschrift des MigeUaa
dus und seiner Freunde die stärksten Blossen. Migetius soll ^^'
; haben, „dass in Rom allein die Macht Gottes sei, dass Chri-
i Born wohne. D«r Prophet aber spreche: Er (Christus) wird
len von Meer zu Meer, und von den Flüssen (vom grossen
i) bis zu den Grenzen des Erdkreises: nur dort sei die katho-
Elirche, wo alle Heilige seien ohne Makel und ohne Flecken''.
ist insoweit gut gesprochen, aber unmittelbar daran schliesst sich
ilagnung des Primates Petri (wovon unten). Wenn Migetius
Primat mit Uebertreibungen festhielt, so war er der Wahrheit
) Hier steht im Texte: stote sancti, statt estote.
) si non reprehensione conscientiae, certe mobilitate et mutdbilitate con-
I hu/manae.
) e. 11. C^iod atUem de escis, et stercore ventris disptdare conaris.
By span. Kirche. II. 2. 1'J
t
258 Neuntes Bach. Zweites Kapitel.
näher, als Elipandus, der ihn mit dürren Worten läfignete. — Recht
hatte er, zu sagen, dass nach Gregor I. viele Böse iu Rom gewohnt
haben, ^ic in jeder andern Kirche und Gemeinschaft. — Mit dieser
„romischen Frage" schliesst die Abhandlung gegen Migetius, ohof
eigentlichen Abschluss, ohne eine Conchmo, welche Abhandlung, mh
Ausnahme der persönlichen Ausfalle des Elipandus, eine nach Foini
und Inhalt sehr gelungene Streitschrift ist. Schwer allerdings wari
Migetius nicht zu widerlegen; aber diess thut der Widerlegung selki,
wie sie vorliegt, keinen Eintrag. Der oder die Verfasser bekundfc
eine ungewöhnliche Begabung und Gewandtheit.
Mit dieser widerlegenden Schrift hielt Elipandus die Sache nick
für abgethan. Er that weitere Schritte gegen Migetius. Er sezte fsA
iu's Einvernehmen mit Bischöfen, ohne Zweifel im Süden von Spania
und es scheint ihm gehmgcn zu sein, des Uebels Herr zu werden
Aber ihm nicht allein. Denn der dritte Brief des Papstes Adrian i
auch gegen Migetius gerichtet. Da Elipandus der einzige uns bekaioki
spanische Bischof ist, welcher damals den Primat Pctri läugnete, si
dürfen wu* wohl annehmen, dass bei den übrigen Bischöfen die Stirn«
des Papstes (gegen Migetius) Gehör fand. So aber sagt Elipanotj
in seinem Briefe an den Abt Fidelis'): Er und seine übrigen Br
(im Episcopate) haben sich lange Zeit Mühe gegeben, gewisse n
den „Sevillancrn" herrschende Irrtliümer und Missbräuclie auszurottd
Mit der Hilfe Gottes ist ihm dieses gelungen. In der Frage von i
üsterfeier und gegen die andern Irrthiimcr der Migetianer hat Elip
dus mit Erfolg gearbeitet.
Wer sind die „Ispalitaner" des Elipandus? Zunächst sind esfl
Hispalenser, die Einwohner und wohl auch Umwohner von Sevilla, i
weitern Sinne können es die Bewohner von Andalusien überhaupt sfl
deren kirchliche Metropole Sevilla war. Diese Stadt oder ihre l«
gebung scheint der Schauplaz der Thiitigkeit des Migetius gewesen
sein. Wer war Migetius? Wir wissen es nicht. Dass er Pri(^
war, wie Masdeu sagt, oder gar Bischof, lässt sich nicht erhär«
Er wird Lehrmeister des Bischofs Egila genannt; er konnte trozi
') Ignominia erit mihi, si intra difionem Toletanam (in traditione T
tana) hoc mal um fuerit avditum (dass Beatas kein Adoptianer sein Wüllttv:
qiLod. egn et coferi fratres mei in Ispalitaals tanto tempore dijudicarimtLi.
Di'o aiu'iliante, taut in. festis pasclialium, quam in ceteris erroribus Migd
norum haeresim cmtfulavirnus; nunc Uli e contrario inveniunt, umh nos
guant. (Florcz, V. 537.)
Migetianer. 259
I Laie sein. Aber das Meiste über ihn liegt im Dunkeln« Wir
ben nur die Anklage gegen ihn, nicht seine Vertheidigung.
Angenommen, dass er in Allem so gelehrt habe^ yfie ihn Elipan-
is lehren lässt^ so stand er mit seiner Häresie jenseits des Ghristen-
ums. Er war yielleicht ein Mann, in den sich Christenthum, Juden-
iim, Muhamedanismus nnd verschiedene Häresieen thciltcn, und sich
II seinen Besiz stritten '). Man sagt, dass Elipandus gegen ihn um
IS Jahr 782 zu Sevilla eine Synode gehalten habe. Da Elipandas
'Vi Primat der Toletanischen Kirche über ganz Spanien aufrecht zu
klten äusserst beflissen war, da er als eine sehr thätige und ener-
sehe Persönlichkeit uns entgegentritt, so scheint es mir sehr wahr-
licinlich, dass er in Sevilla eine Synode gehalten habe. Aber ich
iche nach einem positiven Beweise dafür; auch ist das Jahr 782 nur
ne Vermuthung.
Uefele zwar sagt bestimmt, Elipandus habe im Jahre 782 mit
inen Mitbischöfen „tn Ispalitanis^^ d. i. in Baetica eine Syn-
le gehalten, „dass auf dieser Synode „in HispaHtanis^' d. i. zu
■jvilla*) oder in der Umgegend die Irrthümer der Migetianer verwor-
n wurden". Aber das einzige Wort „dijudicavimua^' — „wir haben
3richtet", scheint mir nicht entscheidend zu sein^).
Aus dem Briefe Adrian's an alle spanischen Bischöfe ist nur zu
itnehmen, dass Bischof Egila von den Irrthümern des Migetius sich
istecken liess. Aber die Woile: „nt fet^tur'^, und: y^quod si ita est^,
:ellen die Thatsache selbst doch nicht sicher. Egila kann in dem
Inen und andern Punkte, z. B. in der Anschauung von der Heiligkeit
er Stadt Rom, in de'm Verkehre mit Andersgläubigen, auf dem Stand-
Qükte des Migetius gestanden sein. Nicht unwahrscheinlich ist uns,
ass er der Abhängigkeit von spanischen Bischöfen sich entzogen, und
adurch in eine schiefe Stellung gekommen sei. Den spanischen Bi-
2höfen konnte ein von Rom und Gallien gesandter Bischof von An-
mg an gemischte Gefühle erwecken^ und die Stellung des Elipandus
11 der römischen Kirche konnte dem Egila unmöglich bei diesem eine
ünstige Au&ahme verschaffen.
*) Seine Lehre, sagt Helfferich, entspricht genau dem jQdisch-mohamedani-
shen Prophetenthom , wiewohl die — Weltanschauang der Priscillianisten — nicht
wesentlich davon abwich. S. 84.
') Dieses Wort kann sich aber aach aaf die rfratres mei in Hispalitanis*^
eziehen.
^ l. c. p. 589. Noch bestimmter sagt Helfferich: ,,In seiner Eigenschaft
ils Krzbischof von Toledo) hatte Elipandas zur Vcrartheilung des Migetius eine
ymxle im Si^vilhinischcn abgchalton'^. S.87. — Er hat aber auch keine andere Quelle,
Is die angeführten Worte des Elipandus, nachweisen können, nnd beide scheinen
em Marufi, Concilia, XII, p. 902, gefolgt zu sein, der „dieses Concilium His-
>anum*' in das Jahr 783 sezt.
IT*
260 Nennte« Buch. Zweites Kapitel. — Migetini.
In dem Briefe, den Elipandns und die spanischen Bischöfe an
die Bischöfe Ton Gallien, Aquitanien undAustrien richteten, sagen sie:
„Mit wem sollen wir den Beatns (von Liebana) vergleichen, mit wem
sonst, als mit Migetius, dem Lehrer der Casianer und Salibaner? Als
er geisteskrank von seinem Arzte am Kopfe gebrannt wurde, so er-
wählte er sich, ein anderer Christas, zwölf Apostel, und zu einem
mitleidigen Weiblein sprach er: Wahrlich, ich sage dir, heute noch
wirst du mit mir im Paradiese sein^^). Als er krank war, so gelobte
er, dass er in drei Tagen wieder auferstehen werde. Aber er stellte
sich nur krank, er stand am dritten Tage, gelähmt, vom Bette auf.
') Opera Älcuini, ed. Frohen, t IL in appendice, p, 1330.
Drittes Kapitel.
Die Adopflaner (783—800).
§. 1. Nestorianer und Adoptianer.
Elipandus war der Nachfolger des Cixila auf dem Stuhle von
Toledo (um 782 — 783). Er war eine Herrsehematur in dem der Natur
les ersten Julianus entgegengeseztem Sinne, eine Natur, die unbedingt
md ohne Widerspruch herrschen wollte, und sich selbst nicht beherr-
ichen konnte.
In Elipandus bildete sich die Ansicht aus, dass Christus, der
Sohn Gottes, seiner menschlichen Natur nach nicht der wirkliche,
ondern der adoptirte Sohn Gottes sei, eine Ansicht, die mit innerer
^othwendigkeit zu der Annahme von zwei Personen in Christus
rängt, deren historischer Zusammenhang mit der Lehre der Nestoria-
er zur Zeit noch nicht nachgewiesen ist, welche aber doch sachlich
ie unverkennbarste Aehnlichkeit mit ihr hat.
Die aus dem römischen Reiche vertriebenen Nestorianer (c. 489) noho-
»nden in dem persischen Reiche Aufnahme, Schuz und sehr weite ^^^^
^erbreitung. Bis nach Indien und nach China breiteten sie sich aus^sianmid
nd noch im vierzehnten Jahrhundert waren mehrere Gemahlinen der^ ^^
fongolenherrscher in Cambalu (Pecking) nestorianische Christinen,
if an kann den Nestorianem einen grossen Eifer in der Verbreitung des
^hristenthums nicht absprechen.
Als die Araber das persische Reich stürzten (636 — 639), fanden
ie daselbst die Nestorianer (Chaldäer) sehr mächtig. Mahomed stand
lit einem nestorianischen Mönche, Sergius, in genauer Verbindung,
hm soll er bei der Verfassung seines Koran viel verdanken. Als er
ur Gewalt kam, stellte er den Nestorianem einen Schuzbrief aus. Sie
raren vom Kriegsdienste befreit, ihr Klerus frei von Abgaben. Ihre
rebräuche und Geseze sollten geachtet werden. Die Reichem mussten
!r ■ ■ ' ■ * ■ ■ *.■.-;.* —
6, . • ^ - ■
262 NeuBtes Booh. Dritte KafiiteL
als Abgabe swolf, die Aermem vier Groldstficke entrichten')* XJfber
die glückliche Lage der Nestorianer unter den Arabern schreibt der
Patriarch Jemijah an Simon, den Metropoliten einer persischen Stadt:
Sogar die Araber, denen in diesen Tagen der Allmächtige die Herr-
schaft der Erde gegeben, befinden sich unter uns, wie da weisst. Sie
▼erfolgen aber die christliche Religion nicht, sondern rahmen im Ge-
gentheil ansem Glauben, und ehi^n die Priester und Heiligen des
Herrn, nnd beschenken seine' Kirchen*).
0^**^ Damals war die orientalische Gelehrsamkeit vorzugsweise bei den
h cto-Chaldäem zu finden. Durch ihre Kenutoisse und ihre Gewanddieh
erlangten sie (von der Mitte des siebenten bis zur Mitte des neunten
Jahrhunderts) die Gunst der Ghalifen, die sie zu ihren Geheimscfarei-
bem, Aerzten und Schazmeistern erwählten. Sie bemühten sich mit
Erfolg für den Schuz ihrer Glaubensgenossen. Durch sie kamen die
griechischen Werke (u, a. Aristoteles) zu den Arabern. Auf den
Schulen zu Edessa, Nisibis, Seleucia (Modaina) und Dorkena wurde
das Chaldäische, Syrische und Griechische gelehrt, femer Grammatik,
Bhetorik, Poesie, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astrono-
mie, Medicin. Die Scdiriften der Lehrer wurden in ofl^tlichen Biblio*
theken aufbewahrt^. Die Werke der griechischen Aerzte und Hiilo- ■
sophen^ welche schon früher in das Ohaldäische übersest worden, |
wurden auf den Befehl der Ghalifen von Nestorianem in das Arabische
übertragen. Der Chalife AI-Mamun (809—833) schickte gelehrte
Nestorianer nach Syrien, Armenien und Aegypten, um Mannscripte
und Gelehrte zu sucheu. J. S. Assemani, welcher die Geschichte der
Nestorianer und Eutychianer schrieb, gibt ein langes Verzeichniss vod
Uebersezem und Erklärern des Aristoteles^).
Ueber das Verhältniss der Nestorianer zu den Arabern sagt
Alex. Humboldt*): ,^In den wundersamen Bestimmungen der Welt-
ordnung lag es, dass die christliche Sccte der Nestorianer, welche
einen sehr wichtigen Einfiuss auf die räumliche Verbreitung der Kennt-
nisse ausgeübt hat, auch den Arabern, ehe diese noch nach dem viel-
gelehrten und streitsüchtigen Atexandrien kamen, nüzlich wurde, ja
« ■
') Ueber das sogenannte testamentum Mahumeti, über welches Bar Bf-
hraeiis Maris und Amrus berichten, s. Assemani^ Bibliotheca orientcUiSy IV, 5^.
Die meisten Neuem bestreiten die Aechtheit
*) l. c. ///, 131, — Oust Bickdl, Canspecius rei Syrorum lUerariai^
Manast. 1871, p. 38.
•) Assemani, IV, 943,
*) Jos. Sim. Assemanus, Bibliotheca orientalis, t. i— 4, Rom. 17 19—1736 ,
t IV, 743.
*) HwnboUU, Kosmos, IL Bd., S. 247.
Nestorianer tmd Araber. 263
dass der christliche Nestorianismns unter dem Schnze des bewaffneten
Ishim tief in das östliche Asien dringen konnte. Die Araber wurden
nämlich mit der griechischen Literatur erst durch die Syrer, einen
ihnen yerwandten, semitischen Stamm, bekannt, während die Syrer
selbst, kaum anderthalb Jahrhunderte früher, die Kenntniss der grie-
chischen Literatur erst durch die Nestorianer empfangen hatten. Aerzte,
die in den Lehranstalten der Griechen und auf der berühmten von
nestorianischen Christen zu Edessa — gestifteten medicinischen Schule
gebildet waren, lebten schon zu Mohammed's Zeiten, mit diesem, und
mit Abu-Bekr befreundet, in Mekka".
§. 2.
Wohin immer die Araber drangen, dahin folgten ihnen die Nesto-
rianer. Seit der Herrschaft der Mauren in Spanien herrschte ein
sehr reger, wissenschaftlicher Verkehr zwischen Spanien und dem
Orient. Es ist staunenswerth, wie auf die Kunde von den Reichthümern
Spaniens der Strom der Auswanderung vom Orient nach Spanien zog. „Die
Völker der Syrer und Araber, der Aegypter und Palästiner, Perser
und Afrikaner standen in bunter Vermischung neben einander; jedes
von ihnen verlangte die blühendsten Gegenden als sein Eigenthum, und
in dieser gegenseitigen Eifersucht lag der Keim nie erlöschender Zwie-
tracht Um diesen zu entfernen, unternahm es der Statthalter (Abul
Khatar), einem jeden dieser Völker feste Wohnsize anzuweisen, und
damit ihr Besiz einen desto grösseren Reiz für sie haben möchte, sah
er bei der Vertheilung darauf, dass die neue Heimath der verlassenen
in Hinsicht der Lage, der Ausdehnung^ des Himmelstriches und der
Erzeugnisse so viel wie möglich entsprechend wäre. Die ¥011 Danuisk
verlegte er nacll Elblra, die von Hems (Emessa) nach Sevilla, die
Ijcutc von Kennasrin nach Jaen, die vom Jordan nach Raia und Malaga,
die Palästiner erhielten Sidonia und Xerez, die Aegypter Ossonoba,
Bcja und Tadmir*). Die entlegenen Provinzen fielen denen aus Irak
und Kairwan zu. Die neuen Wohnsize wurden nun mit den Namen
der alten Heimath belegt**").
Warum sollten mit diesen Völkern gerade keine Nestorianer ge-
kommen sein, deren Heimath besonders Syrien und Persien war? —
Die Syrier waren unter dem Feldherm Bal(e)di eingewandert, welche
einen Aufstand der Berbern gegen die Araber in Spanien nieder-
») Murcia hiess z. B. Todmir, Dozy (cf. p. 264), I, 260, 268.
') Isidor. Pacensis, cp, 64^67. El Codhai apud Mich. Casiriy Mblio-
theca arabico'hispana escuriaUnsis, Matrüi 1760—1770, 2 tom. 1. 11^ 32, —
Lembke, 301. — Dozy, I, 268.
264 Neuntes Buch. Drittes Kapitel.
schlugen (741). Sie bemächtigten sich der Stadt Corduba, vertrieben
den Statthalter Abdalmelic, und proclamirten den Baledi als Statthalter
von Spanien (20. September 741). — Baldi nahm in sein Heer so
viele Christen auf, dass diese vielleicht die Mehrzahl seiner Soldaten
bildeten. Zwar fiel Baldi (742) im Kampfe, aber die Syrier kehrten
als Sieger nach Corduba zurück') — Erst nach ihm gelangte Aböl
Khatar zur Gewalt, der gleichfalls aus Damaskus in Syrien stammte.
§. 3.
Wir geben jezt einige Hinweisungen, welche die von uns aus-
gesprochene Vermuthung begründen sollen, dass die Adoptianer von
den in Spanien cingowandeilen Nestorianern ausgegangen sind. Der
Siz der Maurenherrschaft und aller gelehrten Schulen in Spanien war
Corduba. Nach Corduba zog es die Nestorianer; wenn sie überhaupt
in Spanien waren, so waren sie dort. Nun schreibt Elipandus an
Felix (799): „Ich habe deinen Brief nach Corduba an die Bruder ge-
sendet, welche das Rechte über Gott lehreu, Ulid welChe YiClCS SD
mlCll geschrieben liabeili was ich zu deiner Unterstüzung dir mitthii-
len sollte. Aber ich habe auch Mittheilung davon gemacht dem Erz-
kezer Alb i7iU8 (Alcuin.), dem Schüler des Beatus, des Mannes des Wider-
spruches"). — Der Brief des Elipandus an Alcuin weist gleichfalls
auf die „rechtgläubigen Brüder'^ in Corduba hin. Denn Alcuiu sagt in
einem Briefe gegen Elipandus vom Jahre 801 : ^Vorzugsweise ist der
Ursprung dieser Irrlehre von der Stadt Cordnba luiygej^aiigcir^'.
Alcuin scheint nicht zu wissen, dass von Corduba aus ein starkor uii'i
beständiger Verkehr mit dem Orient war, und dass die Nestoriantr
Die im Reiche der Araber einen so umfassenden Einflnss besassen. Es b*
»BrUder gj^,|jgj.^ (]jjgg Eüpandus in den „reehtgläubigen Brüdern" zu Cordiil.'
Corduba eine starke Stiize und Ermunterung Jiatte. Sie waren es, yiWüKlie !>'•
weisstellen für die neue Lehre sammelten''*). — Das Sammeln «i»^
Stellen war aber so ziemlich die Hauptsache. In denselben sollte <li
Zusammenhang der neuen Lehre mit der alten Lehre der Kirche nachge-
wiesen werden. Der Spanier Villanueva trägt (mit uns) kein Bedenken, ^lii»
') R. Dozy, Histtnre des Musidmans d' Esjjagnc (711 - fl 10), Let/d f. /
1861, p. 260 sq. ' * i
') Ego vero direxi epistolam tuam ad Cordobam fratribuSy qui de /•■ i
recta seyitiunt, et mihi rnnlta scrlpsernot, qaae Id tuo adjutorio debaerani dtri- ]
gere. Scd ad ipso (ipsum) haeresiarcham Albini (i. e. um)-(ttf) Miftjtst>-
Antifrasio Beato direxi relegenda,
^) maxime origo hujus perfidiae de Cordiiha civitate proce^sit. Alcuii •
ep, IL ad Laidradum etc., — Opera ed. Migne, t. II, p, 234.
*) Hefele, Conciliengeschichte, III, 601.
Ursprung der Adoptiaoer. Ephraem, der Syrer. 265
Bruder in Cordiiba" als die eigentlichen Urheber der Häresie zu be-
trachten, ohne indess iibcr Corduba hinauszugehen. „Der Irrthuui,"
sagt er, „hatte seinen Ursprung in Corduba , wo die Araber bereits
blühende Schulen hatten und viele christliche Leluer n)it den Arabern
in Verbindung standen. Diese neue Lehre von Andalusien war der
Grund, aus welchem Elipandus den Felix (von Urgel) um Rath fragte,
und dass sich dieser über die (Irr-) Lehre aussprach^ ^).
§. 4.
Die Spanier waren nur im Besize von wenigen lateinischen Kir- wanice
chenvätern. Isidor von Sevilla besass nicht den ganzen heiligen Au- ^"l^"
gnstin. Der Schriftsteller Apringius von Face war im siebenten Jahr- spaaian'
hundert nicht mehr aufzufinden. Um ein Exemplar der „Mondia*^
Gregorys I. zu erlangen, musste Tajo nach Rom reisen, und es daselbst
mühsam abschreiben. Von seinen „Sentenzen'^ besass Tajo höchstens
zwei Exemplare. Obgleich er das Werk dem Quiricus widmete, musste
es ihm Quiricus doch zurückschicken. Die Spanier hatten nur Werke
oder die Werke des heiligen Cyprianus, Hilarius, Ambrosius, Augusti-
nus, Leo L, Gregor I. Wir sind bis jezt keinem Citat aus einem
griechischen Schriftsteller begegnet. Elipandus gehörte gewiss nicht
zu den gelehilesten Spaniern, und die Zeit von 711 — 782 war nicht
geeignet zur Sammlung von Büchern.
Aber siehe! In dem Kampfe gegen Migetius citirt er nicht bloss
den Chrysostomus, sondern sogar den seligen „Efren**. Es war wohl
das erste Mal, dass Efren, i. e. Ephräm, der Syrer, in Spanien er-
wähnt wird. „Dass Nestorianer Ephräm's Namen nach Spanien ge-
bracht, ist sicher sehr wahrscheinlich^^). War dem also, so mussten
Ephräm's Schriften zunächst sich in Corduba befinden. Diess wird
indirect dadurch bestätigt, dass Alvanis von Corduba (c. 839 — 862)
ein Jahrhundert später denselben Ephräm kennt und anfuhi-t. Der-
selbe Alvarus citirt auch mehrere andere griechische Kirchenväter,
denen wir bisher in Spanien nicht begegnet sind^).
*) „El cual (desvariö) tuvo su origen en Cördova, donde ya fenian escue-
las florecientes los drabes, y can dlos egtaban mezclados muchos doctores cristia-
nos. Y esa nueva doctrina de la BHica ftie la ocasion de que Elipando con-
sultase d Felix, y de que este dogmatnase sobre ello". — J. Villanueva, Viage
literario d las tglesias de Espana, Val, 1821, t X (Urgel), p, 22.
') So schreibt mir auf meine Anfrage P. Pius Zingerle, 0. S. B., in Heran.
*) Florez, XI, 48. — Die Schrift „scintillae'' wird aber auch andern Ver-
fassern, als dem Alvarus, zugeschrieben.
NcQiites Buch. Drittw KiplteL
%
§.5. '
Man 8agty*da88 Elipandiu sohon in seiner Wideiiegnng des Mi-
getioB, deren Substanz nach unserer Annahme von den ,yBrfideni in
Mo- Gordnba* in einer an Inhalt nnd Form sdiacenswerthen AUiandlnng
* geliefert wurde, seinen Adoptianismns im Keime Terrallien habe, nur
das Wort nnd die Begründung fehle noch. Ich gehe weiter, und
sage, dieser Adoptianismns im Keime war der ungefalsohte Nestorianis-
mus, ausgesprochen in unverblfimter Weise von wirklich^i Nestoria-
nem. Sie sagen ^), die Person des Sohnes Grottes ist dieienige, wddbe
▼or aller Zeit von Gott dem Vater gezeugt ist, welche Tor Annahnw
des Fleisches durdi den Propheten spricht: Vor den Hügeln bin ich
. geboren, noch hatte er die Erde nicht erschaffen, als ich schon war.
Nach der Annahme des Fleisches aber (ist er nicht die Person), voo
der du annimmst, dem Fleische nach, von der er selbst sagt: Der
Vater ist grosser, als ich, sondern jene, von welcher er selbst sagt:
Idi und der Vater sind eins« und wieder: Ich bm in dem Vater und
der Vater ist in mir*). Bei aller ündeutlichkeit der Fassung ist doch
so viel deutlich, dass hier zwei Terschiedene Personen in Christus ge-
lehrt werden, die Person, welche sagt: ich und der Vater sind eins,
und die Person, welche sagt: der Vater ist grösser, als ich. Eis wer-
den zwei Naturen und zwei Personen in Christus unterschieden. Nor
ein Nestorianer kann sagen: dass die Person dessen, der gesagt hat:
der Vater ist grosser als ich, eine andere sei, als die Person dessen,
der sagte: Ich und der Vater sind eins.
Bald nach diesem ging Elipandus vollständiger in die Falle der
Brüder von Cordaba. Er war ihr Schüler, sie aber Hessen ihm die
Ehre des Vortritts.
§. 6.
Unter den zahlreichen Märtyrern, welche Corduba in den Jahren
849 — 859 hatte, sind zwei Orientalen, Der Mönch Georgius war aas
dem Kloster des heiligen Sabbas bei Jerusalem nach Afrika, um
Almosen zu sammeln, und von da nach Spanien gekommen. Er
*) c. 7 advers, MigeÜvm,
*) Post adsumptionem vero earnis, non eam quam tu asseris aecundum
camem, de qua ipse dicit: Pater major me est; sed eam, de qua ipse dieit:
Ego et Pater unum sumus. Et iterum: Ego in Patre, et Pater in me est.
„Namentlich wird zwischen dem ewigen Sohne Gottes und dem aus David^s Samen
stammenden Messias die Schranke eines unaosgleichbaren Gegensazes aufgerichtet''.
Helffmch, p. 88.
Nestorianer? in Spanien* Adoptianer. 367
schwankte, ob er nacli Gallien gehen, oder dircct in sein Kloster orienta-
znrückkehren sollte (852). Der Mönch Servio - Dei war aus dem J*V^
Oriente gekommen, und hatte sich zu Elvira niedergelassen; er kam
mit seinem Freunde Rogellus nach Corduba, und vollendete dort als
Märtyrer, 852. — So ist es auch nichts Unerhörtes, anzunehmen^ dass
schon hundert Jahre früher Christen aus dem Morgenlande nach Spa-
nien gekommen. Von solchen Ncstorianern ist in der Kegel anzunehmen,
dass sie das Griechische, Arabische und Lateinische verstanden. Aber
von Georgius rühmt Eulogius dasselbe*). Von dem Verfasser der
Chronik des Isidor Pacensis, den wir für einen Orientalen zu halten
geneigt sind, müsste man dasselbe annehmen.
Der Araber Jbn-Khaldoun nennt den Bischof von Corduba (um
962) den „Catliolico^. Daraus folgt, sagt Dozy, dass man zu Corduba
diesen Namen desswegen dem Bischöfe gab, weil man denselben im
Orient dem Bischof der Nestorianer gab^). Hieraus folgt zunächst
nur, dass den Arabern die kirchlichen Aemter der Nestorianer bekannt
waren, und dass, weil Corduba die Hauptstadt des maurischen Spa-
niens war, die Araber den Bischof dieser Stadt für den Obersten der
Bischöfe Spaniens hielten.
Wir haben oben schon genug der Beispiele angeführt, wie viele
der Spanier nach dem Orient, wie viele der Orientalen nach Spanien
wanderten. Wenn wir diesen nun auch die Nestorianer beizählen, so
waren sie weder die Ersten noch die Lezten.
Die Qaellen des Adoptianismus sind die Schriften des Elipandus
nnd des Felix von Urgel, sowie ihrer Gegner in Spanien, des Abtes
Beatus und des Bischofs Etherius von Osma, der dritte Brief des
Papstes Hadrian I., die Gegenschriften des Alcuin, Paulinus, Leidrad
und Agobard von Lyon, die Acten der Synoden von Regensburg,
Frankfurt und Kom. — Unter dem Titel: „de las Cosas de Elipando^
finden sich die wichtigeren Actenstücke (in Espana sagrada, t F, edit. 3,
Madr, 18n0) gesammelt, nämlich die drei Briefe Adrian^s, wovon der
dritte hieher gehörige: omnihus episcopis per universam Spaniam com-
morantibus, maxime tarnen Elipando vel Ascarico cwn eorum consenta-
neis, jyro haeresi vel blasphemia^ quod ßlium Dei adoptivuni nominant etc.
(V, 518 — 520). Cf. Caj. »Cenni, Monumenta daminationis ponHßciae
(c. Codex Carolinus, Rom. 1760, /, 443). — Mami, Concil. XII, 757,
807 -- 814; XIII, 814 — 873. — Muratori^ verum Italic, scriptores, Illy
*) Eulogius, Memorial. Sanctorum, II, 10, 12.
^) Doxy, Histoire des Musuhnans, III, 103.
\ ' ■ ■
868 NeimlM Biudi. Dritte« KapIteL
2, 277. — 2) ^Üpütola EUpandi ad Fiddem abbaUm (Flaregj V, 536).
8) EpUkia Elipmudi ad Cardtm M. (hoiia hoy) bis 1751 (no pwAUcada,
gegen Beaiu$), p. 537—542. — 4) EpUkia EUpandi ad AOmm
(Akuimmh eine Abhandlnng), p. 543—557. — 5) Epitiola ElipaM
ad Fd\e0m (nuper conoenum, 799)j war ein Begleitsdireiben za tot-
stehender Abhandlnng, — 6) EpUkla epUcoporwn BUpamae ad ^pucopa
OaUiae, Aqmkmiae €i AmtHae (ohne Zeitangabe nnd Unterechriftai),
tntor Alemni opera, ed. FMenita^ Appendix II. dogmaiiea (Migne^
P. laL, i. 101, p. 1322—1331); neu edirt von Hdfferich, p. 1^—161.
— 7) EpUkia m/nodiea ConeUii FraneofurUenrii, ad epieoopoe JSt*
pantaa mieea^ vom Jahre 7d4, ist eine Widerlegung des Briefee «r. 6.
— Matm. Xm, 864—899. — Aleuin. l e. p. 1331—1346. — 8) Ept-
eiola CaroU M. ad Elipandwn et epiee. Biepamae^ inter ejne apera,
ed. Migme, t. 98, p. 899.
Von Felix von Urgel beaizen wir: Oonfeseio Fidei FeUeU OrgdU-
tatd, poet epretum errarem (1799)^ Schreiben an die Priester von ürgd
(Manei, XIH, 1034 — 1039). Von den in Spanien gegen EHipandns ver-
fiuwten SduHlften ist nnr erhalten: Heterii et Saneti Beati ado.
EUpandum liJhi II. Das zweite Buch hat den besondem Titel: in
Ckrieto et ef^ corpore, quod eet eedeeia, et de diabolo et efue corpon
gwod eet AsUiehrietue, ann. 1785. eeript., ap. Joe. Basnage, Uiseaierui
mummmentorum eedeeiaetieorum, 1725, 11^ 1, p. 279 — 374 ^).
hpiu. Idteratnr: 1) Jac. Baenage, Obeerv. hietcr. drca Fdidtmam W
*>'^'*rsnm. in Theeaurue monumenL ecdesiast. Amsterdam. 1725, t. II. I,
tar. p. 284. 2) Madrisi gab in seiner Ausgabe der Werke des PatUinus
Aquü. mehrere Abhandlungen über die Seete, von denen eine gegen
Basnage gerichtet ist, 1737. — 3) Walch, historia Adoptianorum^y Gott-
ting. 1755, verbessert in: 4) Kezerhistorie, Bd. IX, S. 667 — 940, mit
Angabe der Literatur bis 1780. — 5) Gegen Walch: Enhuebery Disser-
tcttio JUstarica de haeresi Elipandi et Fdids in: opera Alcuini, ed,
Probenius, 1804, p. 923 — 943^ woran sich schliesst: 6) Dissertat. dog-
mat. historica, gegen Christ Walch, worin «7. B. Enhueber, O. S. B,
(von S. Emmeran) zeigen will, dass die Adoptianer Nestorianer seien,
das. p. 944^1003. Dazu in demselben Werke: 7) Epistolae des Spa-
niers Gregor. Mayans von Valencia: Acta et scripta Elipandi HlustraH-
tes, ib. Append. II, p, 688 — 596. — 8) Carl. Hefde , Conciliengeschichte,
der Adoptianismus, t. III, 1858, p. 600—680. — 9) Ad. Helffetich,
der westgothische Arianibmus und die spanische Kezergeschichte, 1860,
S. 88—104 (der Verfasser sieht in Vielem das Richtige, aber die fixe
Idee, überall westgothischen Arianismus finden zu wollen, fuhrt ihn
*) ap, OaUandiy Bibliotheca veterum pairum, t. XIII, 1779, p. 290—350.
— Migne, P. lat, t. 96, p. 894.
Lehre der Adoptianer. 269
vielfach irre). — Im Anhange hat derselbe das dogmatische Schreiben
der spanischen an die gallischen Bischöfe zur Vertheidigung ihres
Adoptianismus, die ofQcielle Streitschrift derselben, aus einem Codex
von Toledo neu herausgegeben. — 10) Carl. Werner^ apol. und polem.
Literatur, SchaflFh. 1862, II, 434—453.
§. 8.
Die LelirC der Adoptianer nimmt in Christus die göttliche und i^i^r«
die menschliche Natur an, aber statt der Vereinigung beider Naturen ^d^pt^^.
(zu einer einzigen gottmenschlichen Persönlichkeit), durch welche die «>«'•
göttlichen und menschlichen Eigenschaften dem untheilbaren Gottes-
und Menschensohne zukommen, lehrt sie, dass die Menschheit in
Christus von Gott dem Vater adoptirt, wurde. Der Mensch oder
die Menschheit Christi ist nicht hypostatisch vereinigt mit der Gottheit
des Sohnes, sondern von der Gottheit (sei es bei der Empfangniss
oder Taufe, oder Himmelfahrt Christi) zu Gnaden angenommen
worden. Christus als Mensch ist nicht der natürliche, sondern der
Adoptivsohn Gottes.
Wir bekennen, schreiben die Adoptianer, nach den Aussprüchen
der heiligen ehrwürdigen Väter Hilarius, Ambrosius, Augustinus, Ihe-
ronimus, Fulgentius, Isidor, Eugenius, Ildefonsus, Julianns und der
i'ibrigen rechtgläubigen und katholischen Väter: und wir glauben, dass
Gott (und) Gottes Sohn vor allen Zeiten ohne Anfang aus dem Vater
erzeugt, gleichewig, gleichähnlich und gleichen Wesens nicht durch
die Adoption, sondern die Geburt, und nicht durch die Gnade, son-
dern durch die Natur (sei), indem derselbe Sohn dieses bezeugt: Ich
und der Vater sind eins, und das Uebrige, was von seiner Gottheit
derselbe wahrhaftige Gott und wahrhaftige Mensch zu uns geredet hat;
dass er aber für das Heil des menschlichen Geschlechts am Ende
der Zeit aus jener innersten und unaussprechlichen Wesenheit des
Vaters heraustretend und vom Vater nicht zurücktretend in die Nieder-
ungen dieser Welt kommend, und im Angesichte des menschlichen
Geschlechtes erscheinend, dass er der unsichtbare, einen sichtbaren
Leib annehmend^ in unaussprechlicher Weise im Leibe der unbefleckten
Jungfrau gebildet ist nach der Ueberlieferung der Väter: wir bekennen
und wir glauben, dass er, gebildet aus dem Weibe, unterworfen dem
Geseze, nicht seinem Geschlechte nach der Sohn Gottes sei, sondern
durch Annahme (an Kindesstatt), auch nicht durch die Natur, sondern,
durch die Gnade'). Denn, sagt der Sohn: der Vater ist grösser, als
') Confitemnr et credimiu Deum dei filium ante omnta tempara sine
1^^ , 970 HenntaBadu Dritt« K^^itaL
ich, und der Bnuigelist: Der Knabe aber wodba ao Weiabeil
Gbade.
2jwei Personen in Christus aber wollten die Adoptianor
sageben. Wenn man ihnen Nestorianismos vorwarf, ao bethe
sie, dass sie die hypostatische Vereinigang der beiden Natai
Christas, aasgenommen die Sünde in der einen Person des 1
nach der Lehre der Synode von Chalcedon festhalten. „In
and demselben Grottes- and Menschensohne, in einer Person, al
swei Natormi, die vollständig and vollkommen sind, Gottes an
Menschen, des Herrn and des Knechtes, des Sichtbaren und d<
i; femer in drei Sabstansen, des Wortes, der Seele m
(ist Christas), so dass geglaubt wird, dass in einer an
selbcai Person Gh>ttes and des Menschen sowohl der Gotti
(homo dirifiicm)^ als der Mensch gewordene (humanatu^) Gott ist**
Worten den Nestorianismas verwerfend, verfielen sie thatsS
den Lrrwq^en desselben. Sagend, dass die Gk>ttheit dem Loge
Nator eigen sei, dass er aber die Menschheit nar angenommen
pfor», xaweilen aach ocbtniMre^, folgerten sie, dasa Christas
Menschheit nach nar Adoptivsohn Gottes sei, darch Chiade od
freien Willen Gottes. ^Der Eingebome ist der wahre Sohn Gott<
Brstgebome aber der Adoptivsohn^. Das ¥rar die Häresie, di
aach die Menschheit in Christas adoptirt werden, zu Gnaden ano
Hessen, so dass der „primogemiut inier mulldf fratreg^ zaglei
der erste mit Gott versöhnte (sündige) Mensch erscheint. Die
menschliche Natur nannten sie Sohn. Die adoptirte d. i. im
Sinne angenommene (asaumta) menschliche Natur in Christus
weder Adoptiv- noch wirklicher Sohn Gottes heissen. Der £ing
und der Erstgeborne ist derselbe wahre Sohn Gottes von Natur.
Christus ist durch Gnade Das geworden, was er nicht war, si
in ihm und wegen seiner sind die Sünder begnadigt worden.
Adoptianer mussten consequent Christum der Erbsünde unterv
wenn er nicht von Natur aus als Gott und Mensch, als die ein
theilbare Person Gottes Sohn war. Der Menschensohn Christ
tTii^o ex paire genitum aetenvum et cansimüem et consubsiarUialei
adobtUme sed genere, neque grcUia sed natura^ id ipsut eodem fiLio adtt
ego et ptäer uwum svmuSj et cetera que de divinitcUe sua idem venia c
verus hämo nobts loquutue est : pro sdLute vero humani generis in fine te
ex illa intima et ineffabüi Pcttria substantia egrediens et a patre tum re
huius mundi infima petens, ad publicum humani generis apparens, inv
visibile corpus adsumens de Virgine ineffabüiter per integra virginalia
cnixus secundum traditwne8(em) patrum; confitemur et creditnus eum .
ex midiere, factum sub lege non genere esse filium dei, set adobtion^,
natura set gratia.
Beweis stellen der Adoptianer. 271
der menschgewordene Sohn Gottes. Indem sie den Adoptivsohn von
dem fiUxts ncUuralis imd aetemua unterschieden, hatten sie zwei
Sühne und zwei Personen, und waren mit oder wider Willen Ne-
storiancr.
Die Adoptianer, nach meiner Annahme die Nestorianer in Cor-
dubn, Hessen bei der Beweisführung für ihre Lehre Ephräm, den
Syrer, den heiligen Chrysostomas , überhaupt griediische Väter fallen.
Sie hätten sich so selbst verrathen, und was sie in den griechischen
Vätern fanden, das boten ihnen auch die lateinischen dar, eine Menge
von Stellen, die man nach Belieben erklären kann, wenn man sich den
allgemeinen Synoden und dem Lehrkörper der Kirche nicht unter-
werfen will-
§. 9.
Die Stellen aus Hilarius, Ambrosius u. s. w. übergehen wir fug- Die oi-
lich. Es ist bekannt, dass diese einen adoptirten Christus nicht ge- ***• *"
lehrt haben, wenn auch manche Redewendungen derselben eine solche
Auslegung zuzulassen schienen. Die Stelle aus Isidor aber stehe hier:
Eingeboruer wird er genannt gemäss der einzigen Gottheit, weil er
ohne Brüder (ist): Erstgeborner gemäss der Annahme des Menschen,
in welcher er durch die Annahme der Gnade Brüder zu haben sich
würdigte, von denen er der Erstgeborne wäre*). Hier nun tritt das
Missverständniss sonnenklar hervor, dem die Adoptianer stets unterlagen.
So weit sie Spanier waren, verstanden sie nicht die Sprache oder die
Redeweise ihres eigenen Volkes; so weit sie reine Nestorianer waren,
verstanden sie die Sprache des ihnen fremden Volkes nicht. Nicht
Christus ist, nach Isidor, zu Gnaden angenommen worden, sondern
durch seine freiwillige Annahme der Menschheit sind die Menschen seine
Brüder, und von Gott zu Gnaden angenommen worden (non Christin
per grcUiam ctdoptatus est, aed fratres ejus adoptionem gratiae acceperunt).
In diesem Sinne bezieht sich die „adoptio^' stets auf die Menschen,
nicht auf die menschliche Natur in Christus. Bezieht sie sich aber
auf leztere, so bedeutet adoptio stets: cuaumtio. Diess mussten Spanier
wissen. Ausländer konnten es wissen, ausser sie fanden, was sie
suchten, Beweise für die nestorianische Häresie.
ner.
*) Igitur beahts laidorus in libro Ethimologiarum ita dicit: wiigenitus
autefin voccUur secundum diviniiatis excdlentiam quia sine fratrihiis: primo-
genUvs seciindum susceptionem hominis, in qua per cuioptionem gratie fratres
obere dignatus est, quibiis e^set primogenitus. Etymol. 7, 2. cf. l, 10, adoptitms,
quia est palam optatus in filium, and 9y 6, adoptione dicimtis: Pater noster,
qui es in coelis.
272 NennteB Buch. Drittes Kapitel
§. 10.
Quellen Am meisten Aufhebens machten, das grosste Aufsehen erregten
i^'^ die Adoptianer durch ihre Berufimgen auf die spanische Ijiturgie. Dass
zu diesem Zwecke Stellen in derselben gefälscht worden seien, haben
wir niemals geglaubt. Die Liturgie bot ächte Stellen in grosser An-
zahl dar, von welchen sich Jene täuschen Hessen, welche die Sprache
dieser Liturgie nicht verstanden. Diese Liturgie gebraucht das Wort:
adoptarey adoptio, cidoptivua ohne Bedenken in dem Sinne von assumere,
asaumtio und assumtua. Ebenso das Wort: homo in der Regel (ur
natura humana. Homo adoptivtut heisst also: in und von Christus ist
die menschliche Natur angenommen worden. Ebenso gebraucht sie die
Worte: adoptio filiorum dei — in dem Sinne, dass die Menschen durcb
Christus zu Gnaden angenommen worden. Christus selbst aber, oder
die menschliche Natur in ihm ist niemals von Gott zu Gnaden ange-
nommen worden.
Darnach lauten die citirten Stellen im Einzelnen: In der Messe
auf Gründonnerstag heisst es in der lulation: Qui (Christus) per adob-
tivi hominis pa8sione(m), dum suo non indidsit corpori, nostro demum id
est iterum non pepercit *) — Christus hat durch das Leiden in der von
ihm angenommenen Menschheit seinem eigenen Leibe an Leiden Nichts
nachgelassen, und hat dadurch unsers Leibes geschont.
Und anderswo^): qtti pietate tua per adobtivi hominis passion^(m)
quasi quasdam in presentis populi adquisltione manubias quum non ex-
hibuerit e celo, exhibuerit e trinmpho, et qnmn non habuerit divimta$ \
immutabilis pugnam, abuerit fragilitas adsumia victoriani. D. i. Chri-
stus hat durch das Leiden in der von ihm angenommenen menschliche:.
Natur der Liebe seines himmlischen Vaters in der Erwerbnn<r de?
gegenwärtigen Volkes eine gewisse Beute zwar nicht vom Himmel her.
sondern durch seinen Triumph (am Kreuze) zugeführt; und obgloKl.
die unwandelbare Gottheit den Kampf nicht gefuhrt, so hat doch dit
von ihr angenommene (menschliche) Gebrechlicheit den Sieg erfochten.
In der Missa in ascensione Domini steht die Stelle: Odie salvator
*) Ich glaube, dass es zneret lautete: nostro demum pepercit. Heiß er id
liest nach einem vollständigen Missale in Toledo: qui j)er adoptionem 7iativifati< |
suae, dum suo non induiget corpori, nostro d&)num non pepercit. Von diese: -
Stelle nahm man an, dass sie sich nirgends finde, cf. Leslei, praefatio, nr. 32 sq I
— IlefelCy p, 608. Schon Alcuin findet, dass die Stelle so (mit demum non pepercit •
keinen Sinn gebe (II, 7, adv. Elip.),
') f'eria V post Pascha. Die heutigen Ausgaben lesen hier : per adsumpti
hoininis.
Die Adoptianer nnd die Liturgie. 273
noster post adohtionem camia sedem recepit DeitcUis. Odie hominem Die
simm intulit patri, quem obtulit paasioni. Heute hat unser Heiland, ^^°'*'^"
nachdem er das Fleisch angenommen, den Siz seiner Gottheit wieder die li-
eingenommen. Die Stelle enthält gar nichts Verfängliches; adobtio *•**"*'"'
ist aber heute doch durch assumtio ersezt.
Aus der Messe des heiligen Speratus führen sie die Stelle an:
adoptivi hominis non horruisti vestimentum sumere camia; die Stelle ist
entfernt worden, wollte aber nur sagen, dass Christus die menschliche
Natur angenommen habe.
Aus einer der Messen für die Abgestorbenen fährten sie die
Worte an (die sich nicht mehr nachweisen lassen): quos fecisti adop-
tionia participea, jubeas haereditcUis ttiae eaae conaortes: Du hast es er-
langt, dass sie von Gott als Kinder angenommen werden, mache sie
nun auch zu Genossen deiner Herrlichkeit.
Die zwei folgenden Stellen finden sich in feria 4 und 5 der
Messe nach Ostern: reapice Domine ttuynim fidelinm mtdHtudinem :
quam per adoptionia gratiam flio tuo facere dignatua ea cohaeredem.
Und feria V: praeceaait in adoptione donum. Aber hier ist nicht von
Christus, sondern von den Gläubigen die Kede.
Es ist klar, in diesen und allen andern Stellen bedeutet adoptio
entweder die Annahme der Menschheit durch Christus (von der die
Spanier allzeit sagen: Christus hat den „Menschen^ angenommen), oder
die Annahme der Gläubigen an Kindesstatt wegen der Verdienste
Christi. Gebome und halbwegs gebildete Spanier mussten diess ein-
sehen. Ausländer konnten durch das Wort adoptio sich irre leiten
lassen. Die Synode von 675 hatte gegen die Bonosianer erklärt, dass
der Sohn Gottes durch die Natur, und nicht durch Adoption Sohn sei.
Die ganze Lehre der Adoptianer aber beruht nur auf scheinbaren
Gründen.
§. 11.
Die Anllftllger des EHpandus in Spanien waren Felix, Bischof Anbin-
von Urffel, und der Bischof Ascaricus. Lezterer wird in Hadrian's Briefe «®' **••
an die spanischen Bischöfe genannt und schrieb an Elipandus^). Man ,ins.
hält ihn für den Metropoliten der Provinz von Galicien, aber nicht
mit dem Size in Bracara. Da aber der Bischof von Lugo
Erzbischof von Galicien war, so möchte ich den Ascaricus lür
den Metropoliten von Mcrida halten^). — Zu den Anhängern darf
*) Lezterer legt dessen Brief Beinern Schreiben an Abt Fidelis bei.
^) Wenn es überhaupt sicher wäre, dass er Metropolit war.
Garns, span. Kirche. IL 2. 13
274 NeoDtes Bnoh. Dritte K«|rftoL
wohl der Abt Fidelia in Astarien gezahlt werdieii. l&idKch et
Bischof Jonas von Orleans, dass er in Astarien Schaler des EKps
gesehen, welche er als wahre Antichristen bezeichneL Er habe •
Lente, deren änssere Erscheinung eine sehr angunstige gewesen,
Kezer gemieden^).
!»• Zahlreicher waren seine 66gll€f • Zaerst traten gegen ihn ao
^^ Abt Beatas von Libana und der noch jange Etherias, adion 783 Bi
sHpaii- Yon Osma. Mit diesen war ein sonst nicht bekannter Felix verbin
Aus den Schriften des Paulus Alvams von Cordaba erfidireo wir
drei froher nicht gekannten Gegnern des Eilipandos.. Der erste
der (Ens-) Bischof TBudula(ila) von Sevilla. Von ihm sagt Ahn
qZu jener Zeit, als die Pest des Elipandus in wahnwisiger Wutb
sere Provinz verwüstete, hat euer jezt schmerzlich vermisster Bü
Teudtda nach vielen und mannigfiMshen theologischen Erörterungen
die Eigenschaften Christi dieselben in den Schlussworten znsami
gefieust: Wer immer behauptet, dass das Fleisch (die Menschl
Christi vom Vater adoptirt sei, der sei aosgeschloasen^^
Der einzige aus jener Zeit uns bekannte Bischof von Südspt
war ein Gegner der Irrlehre; ebenso Bischof Etherius« Namen
Stellung der Uebrigen sind für uns im Dunkel geblieben. Aber Ü
BMOit-rns fahrt fort: Höre, was BasüiMcus zu Elipandus sagt: Es spn
einer: Gott der Vater hat das Fleisch (Christi) nicht gezeugt i
selbst gestehe es — aber den Sohn, dessen ist das Fleisch, hit
gezeugt'). Kein Vater erzeugt die Seele seines Sohnes, sondeni
Fleisch, dessen die Seele ist**). Denn dort erzeugt Gott Vater i
Geist den Geist, nicht das Fleisch; hier aber der irdische Valeri
Fleisch das Fleisch, und nicht den Geist; dort Gott der Vater*
Natur und die Person, hier der Mensch nur die Natur, nicht i
Person*). — Darnach wären sämmtliche Seelen der Kinder gleicbs
von deren Eltern adoptirt, deren uneigentliche Kinder. — Wer ßaj
liscus sei, ist nicht ermittelt. Er wird nicht Bischof genannt Goa
Bravo, der die Briefe des Alvarus entdeckte, meint, er sei jener B
schof , der mit Froyla als Gesandter Alfona des Keuschen bei Ki
') Der Brief des Jonas — ap, FUn^ez, F, 560--56L
^) Eo tempore, quo Elipandi lues vesano fiirore nostram v<ut<Aatff^
vinciam, et crudelior barbarico gladio lethali pectnra dissipabat fortiUf
fea (romphaea), vester nunc requisitus Kpiscopus Teudula post multa ei
de proprietate Christi veneranda eloquia txili Jine toHus suae dispositionis
dusit epitoma, ut diceret: Si quis camem Christi adoptivam dixerit PaU\
thema sit. Amen. — Ep, IV, Älvari ad Joannem^ Esp, s. XI, 1 22— 123,
*) sed filivm, cujus coro est, genau»
*) sed camem, cujus est animam (anima), generat,
*) /. c. p. 124. — ep. 4, nr, 28.
Gegner des Elipandns. 275
dem Grossen gewesen, und demselben ein manijisclics Zelt zum Ge- .
schenke machte*). Morales nennt ihn Basilius, Mariana — Basilicus^).
Ebenso der Chronist Kegino zum Jahre 798; andere Franzosen dage-
gen: Basiliscus« Bischof wird er nirgends genannt. Florez ist geneigt,
ihn für einen Cordubonser zu halten*).
Endlich führt Alvarus einen „Lehrer" mehrfach an, den er „un- vincen.
Sern Vincentius" heissf*). Er lebte zur Zeit des heiligen Eulogius und
des Abtes Speraindeo^ und war noch ein Zeitgenosse des Alvarus.
Gomez Bravo sagt nur über ihn: Es scheint, dass er über Christus
und seine Eigenschaflen schrieb. Bei Alvarus findet sich nur ein Citat
desselben, welches aus einem kirchlichen Officium entnommen zu sein
scheint. Alvarus nennt ihn femer: den sehr gelehrten Vincentius,
und vertheidigt ihn gegen den Vorwurf, dass er der Menschheit Christi
ein vorzeitliches Sein zuschreibe, da er nur die Einheit der Gottheit
und Menschheit in Christus betonen wollte.
Hiernach scheint, dass Elipandns „und die Brüder in Corduba^^
selbst iu Spanien mehr Gegner, als Anhänger zählten.
§. 12.
Unter den Gegnern ragt der Abt und Priester Beatus^) her- Abt
vor, gegen dessen siegreiche Polemik Elipandns nur Verwünsch- ^«•**»*'
ungen und Verleumdungen hatte. — In seiner nicht alten „TOa**
heisst es, dass E^lipandus unter dem Könige Mauregatus dem Cixila
nachgefolgt sei, „weil der lluhm seiner Lehre und Heiligkeit durch
ganz Spanien ging''. Ihn habe von frühester Jugend an ein gewisser
Felix (von Urgel) unterrichtet. Daraus allein geht der geringe histo-
rische Werth dieser j^Vita^ hervor; Jeder weiss, dass Elipandns um
das Jahr 719 geboren, bedeutend älter als Felix war. Mabillon nennt
den Verfasser einen Schriftsteller aus „neuerer Zeit*' (recentioris aetatis'^),
') Juan Oomez Bravo, Catalogo de los ohispos de Cordoba. 2 tom. Cor-
doha 1778, I. p. 114.
') Morales^ Coronica general de Espana^ l. 13, 31, — Mariana, 7, 9. —
Regina, Chron, ad 798.
') Esjy. sagr. XI, p. 6—8 (de Basilisco).
^) Noster nunc doctor Vincentius, e/>. Alvari, 1, nr, 13; 4, nr. 29, Go-
mez Bravo, p, 114.
^) Uehor Beatus cf. Yepes, Coronica de la orden de san Benito, III,
280—282. — Seine Vita zuerst edirt von Tamajo (ex legendario Asturicensi) ad
19. Febr. — Acta Sand. Febr. t III, p. 147-^148. — Acta Sand. 0. S. B.
ed. Mabillon, saec, 1 V, 1, p. 735—738. — Tamajo mag Manches aus Eigenem der
.„Vita*' bcigcfTigt haben, denn Elipaodus wird möglichst rein gewaschen , Felix aber,
^ein Gallier", ranss ihn verführt hahen.
18*
Beatos und Etherius. 277
(^ach der ,fViia^^ des Beatus hätte Elipandus endlich eine Synode
zu Toledo gehalten, und vor ihr seine Irrthümer widerrufen, und da-
selbst den Beatus gelobt und gepriesen; das ist Erfindung des Tamajo,
der den Beatus am 19. Februar 798 sterben, während er ihn in der
angeblichen Synode von c. 799 — 801 wieder leben lässt.)
Beatu8 und Etherius schreiben dem „eminentesten und von Gott b«**«"
geliebten Elipandus, dem Erzbischof des Sizes von Toledo". Sie haben Eiipan-
den Brief Elipand's an Abt Fidelis, geschrieben im October 785, am <*"•
26. November 785 gelesen; zu Fidelis sind sie aus Anlass des Ein-
tritts der Königin Adosinda, der Wittwe Silos, in das Kloster, gekom-
men und vernahmen, dass der Brief gegen sie in ganz Astnrien ver-
breitet sei.
Das Schiff der Kirche, in dem Petrus und sie sind, wird nicht
Gefahr leiden; wohl aber das Schiff, in dem „Judas'* fährt. Die Geg-
ner (d. i. Elipandus) „heulen, aber behandeln nicht die Schrift. Und
weil sie heulen, sind sie Wölfe, wandeln im Dunkeln, das ist, predigen
unter den Unwissenden: bringen dunkle und verworrene Disputationen
zum Vorschein, durch welche sie die Unwissenden täuschen. Die
Hirten der Kirchen wagen sie hinwegzunehmen, damit sie die Schafe
Christi leichter erdrosseln. Brüder, trauet ihnen nicht, stosset sie von
euch. — Sind sie nicht Wölfe , die euch sagen : Glaubet an den adop-
tirten Jesus Christus, und wer diess nicht glaubt, werde ausgerottet
(exterminetur)*' *)?
Aber Etherius und Beatus sind für ihren Glauben Exil und Tod
zu leiden bereit. Und käme auch vom Himmel herab ein Engel, der
euren ausländischen Glauben uns predigen würde, ihm würden vrir
Anathema Maranatha entgegenrufen ^).
^) et episcopus metrqpolitanus , et princeps terrae, pari certamine haere-
: ticorum Schismata, unus verbi gladio, alter virga regiminis ulciscens, de terra
j vestra funditus auferantur, — et tum solum per Asturiam, sed per totam His-
paniam, et usque ad Frandam diwlgaium est, quod duae quaestiones in Astu-
ricensi ecdesia ortae sunt. Et sicut duae quaestiones, ita duo populi et duae
ecclesiae, una pars cum altera pro uno Christo contendunt Cujus fides vera
an falsa sit, grandis inventio est: et hoc non in minuta. plebe, sed inter epi-
scopos est, Una pars episcoporum dicit, quod Jesus Christus adoptivus est
humanitate, et nequaquam adoptivus divinitate. Altera pars dicit: nisi ex
tUraque natura tmi4sus est Dei patris filius proprius, non adoptivus, in tantum
proprius, ut ipse sit Dei filius Deus verus; et ipse adoretur et colatur, qui
sub Pontio Pilato est crucifixus. Haec pars nos sumus, id est Heterius et
Beatus cum caeteris ita credentibus. Wer ist der MetropoHtanbischof, der „durch
das Schwert des Wortes" ausgetilgt werden soll? Wir kennen nur den Odoarins
von Lngo, welcher im September 786 starb.
'} vestram fidem peregrlnam. In der That war dieser Glaube ans Asien
eingewandert.
Beatas und Elipandns. 279
in der Tugend (?) nnd dem Irrthum, Verkehr, Bonosus und Beatus sind
wegen des gleichen Irrthums vcrurtheilt. Jener glaubte an Christus,
als den von der Mutter adoptirten, und nicht an den von dem Vater
vor aller Zeit gezeugten, nicht aber den (nur) aus der Mutter in der
Zeit*) adoptirten. Wem soll ich ihn (den Beatus?) vergleichen, wenn
nicht dem Manichäer Faustus? Faustus hat die Patriarchen und Pro-
pheten verdammt: dieser verdammt die alten und die neuen Kirchen-
lehrer. Ich bitte, dass ihr von der Hize des Glaubens entzündet, in
' dem Eifer erglühet, dass ihr den erwähnten Irrthum aus eurer Mitte
entfernet: damit, gleichwie Gott durch seine Knechte die Migetianischc
Häresie aus dem Gebiete von Baetica ausgerottet hat, er durch euch
die Beatianischc Häresie aus dem Gebiete von Asturien bis zur Wurzel
austilge. Weil ich aber vernommen habe, dass der Vorläufer des
Antichrist in eurer Mitte erschienen, der verkündet, dass der Anti-
christ selbst schon geboren sei, so bitte ich, du mögest ihn ausfor-
schen, wo und wie und wann jener lügenhafte Prophetengeist entstan-
den, der aus ihm redet, imd uns Sorgen um ihn machf*.
So weit Elipandus; und Beatus fährt fort: Diess ist dein Brief. Boatu«
Diess sind deine Worte. Diess ist dein Glaube. Diess ist deine Lehre, eh^h-
Diess ist deine Weisheit, und du befiehlst, dass wir uns zu derselben dm.
hinneigen. Weil wir es nicht thun, so schreist du, dass wir Kezer
und Vorläufer des Antichrist seien. Und deinem Fidelis sagst du:
Forsche, wo er geboren, und seze uns davon in Kenntniss. Diess ist
nicht eine Unbild gegen uns, sondern gegen den, welchen wir anbeten.
3 — Elipandus, Erzbischof von Toledo, wird mit Arius, Sabellius, Bo-
: nos(i^us, Marcio(n), Basilides — auf gleiche Linie gestellt. — Er sage
t von sich: Jener ist Christus, wir aber sind Christi: jener ist Knecht,
i und wir sind Knechte^). Dass der, den die Jungfrau geboren hat,
, nicht Sohn Gottes sei, das ist der Glaube des Elipandus.
Das zweite Buch des Beatus gegen Elipandus hat den Titel: Von zweites
Christus und seinem Leibe, welcher ist die Kirche, und von dem ^^^^
Teufel und seinem Leibe, welcher ist der Antichrist Weil die Schrif- Boatat.
ten, in denen sie von Elipandus Kezer, Unwissende im Glauben und
Schüler des Antichrist genannt werden, schon in verschiedenen Län-
dern verbreitet seien, so dass Alle, welche sie lesen, ihn für den ka-
tholischen Doctor des Sizes von Toledo, fiir den neuen (novdlum) Erz-
bischof, sie aber für unwissende Libanenser^ Kezer und Schüler des
*) et non de mcUre temporalttei\
') Als Beispiel, wie Cbristus und Christiani, führt er an -- Wifiza und Wi-
tizani: ned multi hodie ab ipso nomen sumunt Witizani, etiam pauperes ^ vt
per nomen agnoscatur, quod de stirpe regia est. Daraus kann man vielleicht
folgern, dass der Name des Vitiza am Endo des achten Jahrhunderts in keinem
üblen Rufe stand.
Elipandus gegen Beatus. 281
ndig nicht erhalten^). Den Elipandus brachte es nicht auf bessere
age. Aber die Katholiken in Spanien hatten nun eine Fahne, um
816 sich sammeln konnten, und Elipandus war nicht im Stande,
n Beatus zu antworten. Er brachte es über ohnmächtige Scbmähun-
I nicht hinaus. Er erfand die „Beatinische Kezerei^, dichtete dem
ttns alle möglichen Irrthumer und Laster an, u. A.: dass er in
ler Yerlomen Schrift über die Apocalypse das nahe Ende der Welt
phezeit habe, und nennt ihn desswegen Antiphrasius, um auszu-
icken, dass er ^schlich sich „Selig*^ nenne.
In dem Briefe des Papstes Hadrian an die spanischen Bischöfe H«dr. i.
■liaüpt erscheint Ascaricus neben Elipandus als Häretiker. Zunächst ^\J^^
Pen wir nur, dass er einen höflichen Brief an Elipandus schrieb
I von ihm lernen, ihn nicht belehren wollte. Es scheint uns, dass
pandos dem Brief eine Deutung gabj der über die Absichten seines
ifiulsers hinaus^ng.
Papst Adrian soll sich in dieser Sache auch an Karl den Grossen
nndt, und dieser desswegen die Synode von Narbonne berufen
Pen (788*). Diese Synode sagt: Im Jahre 788 der Menschwerdung
r Herrn kamen wir wegen vieler kirchlichen Angelegenheiten, beson-
k wegen der „giftigen Lehre" des Bischofs Felix von Urgel etc.
imen. Aber die Acten handeln nur über die Grenzen der Diöcese
»nne. Von dem Irrthum der Adoptianer ist keine Rede, wohl
ist Felix von ürgel unter den anwesenden Bischöfen unterschrie-
nicht wie ein Verklagter, sondern wie ein Zeuge und Richter^)'
Akten der Synode sind wahrscheinlich falsch, die chronologischen
pBD harmoniren nicht. Viele andere Gründe sprechen gegen die
ihtheit.
§. 13.
Die Angelegenheit der Adoptianer wurde zuerst auf der Synode synod«
I Regensburg 792 behandelt. — Bevor ich, sagt AIcuin, nach Frau- *"
1 kam, ist die Secte deiner Irrlehre unter dem Vorsiz des Königs bürg.
rl in Gegenwart des Felix, den du sehr zu loben pflegst, und wel-
r damals der Vcrtheidiger eurer Partei war, an dem berühmten
;e Reiginisburg behandelt (ventilata), und durch den Synodalanssprnch
Bischöfe, welche aus verschiedenen Ländern des christlichen Rei-
ft zasamroengekommen waren, mit ewigem Anatheni verurtheilt
rden, ja auch von dem damaligen Papste Hadrian gründlich aus-
') Caetera desiderantur in auiographo,
*) Nach andern 791 gehalten.
*) Felix Episcopus ürgellitanae Sedis subacripsi.
2^2 Neuntes Bach. Drittes Kapitel
geschlossen: bis derselbe Felix iiDglficklicher Weise in eure Gegenden
ziirückfloh, und auf euren Antrieb die schlammernde Asche der Kezerei
Aviedcr zu erwecken strebte. Alcnin habe ihm liebevoll gesehrieben').
Vergebens u. s. w.
Eginhard schreibt (792): (Felix) wurde zu dem Hoflager des
Königs, damals zu Uegino, einer Stadt in Baiem, gefiihrt, dort worde
er von einer Synode gehört, und des Irrthums überfuhrt, und sodann
zu Papt lladrian I. nach Korn gesendet'). — Papst Leo HJ. selbst
sagt (799): Dieser Erzkezcr (Felix) hat dreimal falsch geschworen,
zuerst auf der Synode zu llegensburg, die auf Befehl des Königs Karl
gehalten wurde, wo er, wie er sagte, von freien Stucken seine Häresie
verflucht hat^). Er hat den Beschluss des Concils unterschrieben, und
jedem Anathema gesprochen, welcher den Sohn Gottes dem Fleische
nach Adoptivsohn Gottes nennen wüide. Bestätigend erzählt Paulinm
von Aquileja: Felix habe vor dem Kaiser und in seiner Gegenwart airf
die heiligen Evangelien geschworen, geschworen, der Irrlehre zu ent-
sagen, und die Kegel des Glaubens, der er jezt zugeschworen, ^ulTe^
änderlich festhalten zu wollen'').
Die Acten der Synode von lli^gensburg sind nicht erhalten.
§. 14.
Von Karl im Geleite Angilberts nach Rom gesandt (792), schwv
Filix in der Petorskirche vor lladrian I. aufs Nene seine Irilhiiner
ab. Im (icianpjnisse (in vincnUs)'^) schrieb er eine orthodoxe Schrß
in der er b(?kanntc, dass Christns der eigne und wahre, auch s
Mensch nicht Adoptivsolin Gottes sei. Er legte diese Schrift auf Cr
lieiliujen Mysterien in der Patriarchalkirche (des heiligen Johannes) uti
wieder auf den Leib des heiligen Petrus. — Von Rom kehrte er ri
.seinen IJischofssiz*'') zurück. Von hier scheint er, weil er den alti'j
Jrrlhum wieder lehrte, seiner Sicherheit wegen sich in das Gebiet Jo:
Mauren begeben zu haben').
Um diese Zeit kehrte Alcuin nach Frankreich zurück, und ht-
kämpfte etwa 8 Jahre lang (793 — 801) die Häresie der Adoptianer.
') advers. Elipanduiii L IV; (1, 16).
'; Annales Einhardi, nd ann. 792.
') cnnfessus est, «c sc ipsa (ipso?) hacresi male dixisse (vielleicbl auri
V(dedi:t'isse).
*) Jfarduin, IV, 927. - Mansi, XII l, 103L
^) in JUistJindi^tT Haft oder Busse V
**) Analisfa Saxo: menutquG rcverfi , ad propriae i*ursu.^ rt-fii/OtJui"
sedis honorem.
') Harduin, IV, 928. — LnbbeCohfi. IX, 64. ~ Mansi, XIII, P^'il-
\
AlcuiD an Folix^ 793. 283
8t richtete er (793) einen liebevollen Brief an Felix. Diesen lange Aienin
renen Brief hat Abt Froben \vieder aufgefunden *). „Dem verehr- *°^^3"*
w'ürdigen und in der Liebe Christi zu umfangenden Bischof Felix
*ibt der demüthige Levite Alcuin^. Alcuin hat ehedem von einem
ter ans jener Gegend den herrlichen Ruf des Felix gehört, und
dessen Fürbitte empfohlen. Er möge jezt doch in den Schooss
wahren Kirche zurückkehren. Keiner ist Häretiker, ausser aus
tsncht. Streite nicht umsonst. Die evangelische Lehre erglänzt
der ganzen Welt. Nicht neue Namen wollen wir ersinnen, nichts
liortes vortragen, nicht unserm Namen durch die Neuheit irgend
Lehre einen eitlen Ruhm erwerben. Die Kirche ist entweder bei
oder bei euch. Der neue Name y^Adoptio^ komme im ganzen
und neuen Bunde nicht vor. Ob sie denn glauben, dass die
s Kirche nur bei ihnen sei? Ist Petri Fels gefallen, ist seine
alt dir übertragen, dass über dir am Ende der Zeit und der Erde
lene Kirche aufgebaut würde? Er möge die von ihm Verführten
skfübren in die Kirche. Was ist ein Adoptivsohn, wenn nicht der
tic Sohn? So viel Wahres stehe in seinen Schriften. Er möge
wegen dieses einzigen Namens „Adoption^ von den heiligen Vä-
abweichen. „Sei nicht mit wenigen Liebhaber deiner eigenen
Lung, sondern mit Vielen Vcrtheidiger der Wahrheit; verliere nicht
jkrbeit eines religiösen Lebens von früher Jugend an**. Er fnhil
en aus Hilarius, Athanasius, Cyrillus von Alexandrien, Au-
iDUS, Gregor L, aus Chroniatius, dem Vorsteher der heiligen römi-
D (?) Kirche, an. „Ermahne deinen Bruder, den ehrwürdigen
-) Bischof, den ich mit Liebe nenne, den Elipandus, dass er mit
and der unzählbaren Monge der Heiligen zu dem Thore der ewigen
t emporsteige. Wollet nicht Christi Heerde, die euch zur Hut
rtraut wurde, verderben, wollet sie retten. Nur in dem einzigen
te der Adoption weichet ihr ab von der heiligen und a[)ostoliseheu
he. Leicht ist es, mit Gottes Gnade, diess Wort zu ändern, und
der evangelischen und apostolischen Worte zu bedienen. Wie
ich, wie lobwürdig und heilsam ist euere Bekehrung zu der Kin-
des Friedens und des Glaubens, und welchen Ruhm iiabt ihr bei
und seinen Heiligen! Möchte doch meine Wenigkeit euere Briefe
I, damit it;h freudig schaute, dass die Bitten meiner Innigkeit und
e eine Frucht brächten. Seid nicht Liebhaber der eigenen Weis-
mit Wenigen, sondern V^erthcidiger der Wahrheit mit Vielen. Es
me euch zuvor die göttliche Gnade im heiligen Geiste, damit ihr
Quet und lehret den wahren Glauben, und dass ihr unbefleckt und
*) e codice Salisburgensi.
284 Neunfes Buch Drittes Kapitel.
gekrönt vor dem llicliterstuhle des höühsten Richters die Worte höret:
Kommet, ihr Gesegncteu meines Vaters*^.
§. 15.
Brief Um dieselbe Zeit , und vielleicht noch bevor AIcuin's Brief nach
Dter^^im »^P*'"cn kam, richteten Elipandus und die Seinigen an Karl den Gro«-
Karidon 8cn und die tränkischen Bischöfe zwei Schreiben (793 — 799). Im Ein-
®"***" gange des ersten Briefes *) singen sie zuerst Dithyramben des Lobes dem
ruhmreichen Herrscher, dessen Name die ganze christliche Welt er-
füllte. Zur Erde ausgestreckt bitten sie Gott für ihn um lange
Herrschaft.
„Diess vorausgeschickt, fahren sie fort, gelangte die Kunde zn
dem Ohre deiner Knechte, dass die stinkende Schrift des fälschlich so
genannten Beatus die Herzen einiger wenig Nachdenkenden (parvipenden-
tinm sacerdotum) mit ihrem (Hfte besudelt hat. Dieser anselige Priester
und falsche Prophet lehrt, der Sohn Gottes habe nicht aus dem Leibe
der Jungfrau die Adoption des Fleisches angenommen^). Gegen diesn
Wahnsinn haben wir einen Brief an die Bischöfe eures Reiches geridh
tet, der auch eueren Augen unterbreitet werden soll. Du mögest
Richter sein, zwischen Bischof Felix, dem dir nächsten Vertheidiger
unsrer Sache, und denen, welche den sacrilegischen, durch schändliche
Fleischeslust gemästeten Antifrasius Beatus vertheidigen, ohne allfi
Oel der Schmeichelei. Dann möge der Herr deine Feinde dir s
Füssen legen, und die Ehre derer, die dir widersprechen, zu Staof
verwandeln. Was wir hier näher nicht ausfiihi'en konnten, haben t.
dem Träger unsers Briefes anvertraut. Aber von übermässigen Schmer
durchbohrt sind wir gezwungen, dir das Wort des Herrn vorzuhalta
Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzet
Und das andere Wort, das der Herr zu der im Ehebruch ergriffen«
Sünderin sprach, dass sie ihre Sünde nicht wiederhole."
Elipandus überfliesst von Höflichkeiten gegen Karl. „Darum wi:
ausgestreckt vor dir bitten wir mit Thräncn, dass du deinem t)ieuc.
Felix sein Bisthum zurückgebest, dass du der durch reisseude Wolle
versprengten Heerde ihren Hirten wiedergebest^. Sie erinnern ihn aß
Constantin den Grossen, der durch den „seligen Sylvestrius" aus eioen
Gözondiener zum Christen bekehrt, später durch die Schlange, sein;
Schwester, verführt, von der Lehre der 318 Väter von Nicäa abfit'.
') Op. Alcuini, ed. Frohen, p. 783—787. — Es scheint nicht, dass dieser
Brief bis jezt in Spanien bekannt sei. In dem Werke gegen Elipandns (I^ It
weist Alcuin auf denselben hin.
') Dcifilium. — nequaquam ex ufero virghiis camis adsumsisse adoptionfv..
ElipaodQB an (gegen) Karl den Grossen. 285
1 in beweinenswerthem Sturz bis zur Holle versenkt, sein Leben
Joss^). Wieder bitten sie, dass er die Lehre des stinkendsten anti-
astischen Beatas, des Läugners, dass Gottes Sohn wahrhaft Fleisch
[enonimcn aus Maria der Jungfrau, aus seinem Reiche austilge, „und
8 du dem dir untergebenen Volke den katholischen Glauben mit
ren Worten festzuhalten gebietest^.
Aber in Ländern, wo die Heiden nicht herrschen (in Asturicn
[ der spanischen Mark?), gehen doch unzählige Seelen durch den
Fleischeslust ergebenen antiphrastischen Beatus verloren, welche er
sich in den ewigen Brand der Hölle hinabzieht ^). Da möge Knil
ichreiten, sich erinnernd, dass auch Petrus von dem Jüngern Puu-
offentlich sich zurechtweisen Hess. „Den Rath so Vieler verachte
nicht allein; nämlich die Aussprüche so vieler ehrwürdiger Väter
r die Adoption des Fleisches Christi weise du allein nicht zurück.
in man sagt, dBSS du Tlele dureh den Schrecken Yor deiner Ge-
I, und nicht dorch die Serechtlgkelt fiele flberwelsest Es
ge deiner Frömmigkeit leid thun, dass dieser stinkende Beatus nach
ler Bekehrung wieder und wieder zu dem Lager der Sünderin
ackkehrend') sich rühme, und nach allen Weltgegenden hin schreibe,
■ er den König Karl im katholischen Glauben befestigt habe.
. Aber auch die nichtige Meinung ist unter den Heiden verbreitet,
le zu glauben gottlos ist, dass du nach Art der Heiden läugnest,
Christus der Sohn Gottes des Vaters ist. Nachdem wir diess
iwickelt^ haben, bitten wir, dass im Stillen deine Antwort uns
jtochte und uns erfreue, und dass das Gebet deiner Knechte deine
Ipbene Herrschaft erhöhe. Amen*). — Die Unterschriften werden
biisst; aber nach Durchlesung dieses Briefes nmsste sich Karl viel-
jlit gestehen, dass er noch nie einen so scharfen^ ihn in die Hölle
Rammenden Brief erhalten habe, wenn er nicht zu der Fahne des
ptndas schwören würde.
§. 16.
Der dogmatische Brler EUpand'S ist „an die Herrn und in
ristus verehrtesten Brüder, an alle Hohenpriester von Gallien und
idtanien und Austrien^ von uns „unwürdigen und kleinen Vorstehern
'; et ad infemum flenda ruina demersus, diem clauait extremam.
*) ad infemum ignis aetemi incendio exurenda secum perducat
■) €id thorum scorti reversus.
*) opinio iniäilis in geniibus divulgata est, quod credi nefas est, eo quod
ft gentilivfm Christum negaveris IJei Patris esse fiHum, His explosiv peti-
» ii dam (vor den Sarezenen) nos reciprocatus sermo vester inliuffret, qui nos
^et, et oratio servomm fuonim imperii vestri culmun exaltet. Auitn.
gtuuiiiiiien iiai--^. wuii loigi uie ooen ^g. o} niiigeiueiiie
Sclireibens, worin sie iiiren Adoptiauisiaus klar und unverhül
eben. Für ihre Lehren führeu sie an missverstandeDe Stellet
brosiiia, Hilarins, ÄnguBtjnue, Isidor (dos Uebrige wie ol
den Fasetapfen der Väter haben sie bescbloseen, oiclit ah
In Christna ist der iomo deißcus und der humanatus D«hb.
Annahme des Menechen ist keine Vierbeit in Gott entstaade
die Trinität ist geblieben. In der Gestalt des Knechtes ist •
und darum adoptivus. Sie meinen, atrvus sei viel niedriget
ptivuB, aber sie vergessen, dasa Niemand vor ihnen Chris
Adoptivsohn nannte. Der Prophet sagt: Wir haben ihn
Anssözigen erachtet, nnd du scheust dich, ihn einen Adop
nenueii?") Nach einigem Weitem kommt ilmen wieder der
liehe Beatua in den Sinn und sie erschöpfen wieder ihren Sp
um den Schrecklichen zu zeichnen, den Naburzardan, dco F
Kirche, den Niederreisser der Mauern Jeraealems^J, diesen
Faustus, der die Patriarchen Marktleule nannte, dieser zweite
Als Beatus, berauscht vom Weine, sich niederseztc, unt
dummen Thiere einen Abt ordinirte, Unfinns mit Namen, ]
seinem Schlage, waa Uufiuus mit eignem Munde bezeugt*),
er, sich seH>st für Christus haltend, (zu Ka6nus) zu drei<
Simon Petrus, liebst du mich? Weide meine Schafe. Wie
*) Wu dnrcbana erdichtet ist Ueberhaapt, was Elipandiu von Be
tet, verdient nur dann Be&chtang, wenn es auch von anderer Seite bec
Möglich ist, dui BeatDB wohlbeleibt war. Aber die Kirche sShlt mi
beleibte Selige und Heilige (wie Thomas von Aqiiin), nnd nnr die alte
Hchrilten eeiren derartiee Aiuwflchsc von Staatswesen ein.
Elipandiis über Beatos. 287
IJbdj da8S er nach drei Tagen auferstehen werde, so prophezeite Bea-
I in der Ostervigil dem Hordonius, in Gegenwart des Volkes von
ibana, dass die Welt am Ende sei. Erschreckt nnd wie besessen
im das Volk in jener Nacht keine Speise zu sich, und soll an
tern bis zur neunten Stunde gefastet haben. Ein gewisser Hordo-
18 (Honorius), da der Hunger ihm zusczte, soll zum Volke gesagt
>en: Lasset uns essen und trinken, und wenn wir todt sind, wollen
' wenigstens satt sein. Beatus stellte sich krank, und wollte nach
fi Tagen auferstehen. Aber er war todt').
'Sie sagen Anathem dem Bonosus, dem Sabellius, dem Arrius^ Eiipan.
D Maniceus (Manes). Wir anathematisiren den Antiphrasius Bea- (]|!1'||'^
, den der Ausgelassenheit des Fleisches ergebenen, und den Wsild- «^••niem
1, den Etherius, den Doctor der Bestien (f lestialium) , welche
ren, dass der Sohn Gottes keineswegs die Adoption des Fleisches
sh der Gestalt der menschlichen Knechtschaft (an sich) gehabt habe.
„Darum beschwören wir euch, ehrwürdige Kirchenvorsteher in
ristus, bei der Ankunft des Herrn, bei seinem schrecklichen Gericht,
}B ihr über das, was wir oben gesagt, eifrig nachforschet, und es
D Könige Karl zum Lesen vorleget. Wollet nicht richten vor der
it, bis der kommt, der die Geheimnisse der Finstemiss erleuchten,
i die Absichten der Herzen offenbaren wird. — Mit welchem Ge-
hte ihr richtet, mit dem werdet auch ihr gerichtet werden. Wir
Eeuch, dass wir, die wir das Zeichen desselben Christus tragen,
Frieden, den Christus seinen Jüngern anempfohlen hat, uuvcr-
unter uns bewahren mögen. Wenn aber eure Klugheit anders
l^t, 80 erleuchtet durch eure Antwoii unsre Scbläfrigkeit; das Licht
I Wahrheit möge durch den Strahl des wahren Dogma die Abgründe
irer Herzen durchleuchten, damit C'hristi Liebe in uns bleibe; damit
^y welche Christi Keichthum fruchtbar macht, die Entfernung der
Inder nicht von einander trenne.
§. 17. Synode von Frankfurt, 794.
Die genaue Piüfung, welche die Spanier wünschten, Hess nicht
r sich warten. Carl sandte den Brief der Spanier an Papst Hadrian,
1 holte seinen Ilath ein. Für den Sommer (Juni und Juli) 794
ief er die Synode von Frankfurt, welche viele Chronisten eine „all-
neine^ nennen. Sic wurde berufen wegen „der Häresie des Felix",
Ichen die Abendländer allein persönlich kannten. Die Bischöfe Theo-
\ßaet und Sfephanvs waren als päpstliche Legaten abgesandt worden ^),
') Die Sfellc iftt nicht mehr zu entziflern.
*} Ein Bischof Sfephnnus von GaloHc erscheint Ti'?.\ im .lubre SiKJ erscheint
f^ ''
■ ,"*
"t I
I '
288
HenftM Boeh. Driftto KapitaL
Adrum schrieb (noch 793?) an die Spanier *X ^^ ^^'^'^ Wi|WBdM,
dem Enbischofe von Toledo an den Konig Karl geeimdten Briefis ^Ikr
die Adoption* Jesu Chriati, des Sohnee Gottes dem Fleisehs nsfl^
seien ihm äbergeben worden. Alle, weldie dieser fidschea Lehre fblg^
werden, wenn sie nicht snm Glauben zarackkehren, der Tg^ftnawiM.
cation verfidlen*). Ans Italien waren noch gekonunen Fanlinos «■
Aqoileja, Petrus von Mailand. Ans Britannien hatte EjkA mtkm
Gelehrte berofen. Zugegen sollen gewesen sein Benedict iFon Aan^
Beda, Ardo Smaragdns, deren Schüler Ingeila, Aimo^ Rhaban« wi
Greorgplos. Felix war nicht erschienen. Carl führte wenigBtens im
Ehrenvorsia').
,iAls eines Tages*, berichtet Panlinns, ,|im Saale des Palastes da
BischSfe Tersammelt waren, die Priester, Diakonen und übrigen Kuie
im Kreise nmherstanden, in Anwesenheit des Forsten^ wuide
Brief von Elipandns, dem Urheber der Terderblichen brldire^
Br wurde auf Geheiss des Königs vorgelesen. Der Konig stand
trat auf die Stufen des Thrones, sprach ausfuhrlich über den
streit, und fragte: Was dünket euch? Seit einem Jahre hat
jenen Landern dieser thorichte Wahn weit Tarfareitet Wcna
Bewegungen auch an den äusserst^ Grensen unsera Beichs fw
gehen, so muss der Irrthum doch durch das GMdit des
abgeschnitten werden.
Es wurde eine Frist von mehreren Tagen angesect,
welcher Jeder seine Ansichten niederschreiben, und sie dem
überreichen sollte^). Die italienischen Bischöfe und die übrigen
flammen theilten sich in zwei Gruppen. Vielleicht geschah dieses,
die Spanier nicht an die Italiener geschrieben hatten^). Sie sei
in Form eines Tractates, jene in Form eines Briefes. Der TracUli
der von Paulinas verfasste „Ubdlus sacrosyllabtu^^, nich, Pi
unwürdiger Bischof von Aquileja in Hesperien, zugleich mit dem
würdigsten Bischof Petrus von Mailand und allen Grenossen, Bi
und Mitbiscböfen von Ligarien, Austrien, Hesperien und Aemilieo
fltlJ.
[nizi:
[ /
I
lii.
ein Bischof Stephanus von Rimini. Theophylactus war Bischof von Todi, der
als Legat nach Enghuid, 794 nach Frankfurt ging. Gerade von 760—^
die meisten Bistbümer des Kirchenstaates Lttclsen aufzuweisen. Ptrtz, Mc
1, 190, p. 181 (Einhardi annaUs ad 794).
*) Sacerdotibus Oaliciia Spaniisque,
») Mansi, XIII, 866. — AguirreCatalani, IV, 93.
') Baronius (794, 1) kennt an 300 Versammelte ohne n&here
*) Mansi, XIII, 873. — Paulinus, libellus sacraayllahtis.
') Walch, Kezerhistorie , S. 760.
•) Harzheim, Concil. Qermaniae, /, 296-^303. — Harduin, IV, 873-
— Mami XIII, 873^883, - op. Paulini, ed, Madrisi, /, 151-^166.
m
miri
'j*i
Synode von Frankftirt, 794. S89
jene Tborheiten (des Elipandns) nach meiner schwachen Einsicht
irorten. Einige, deren Namen nicht im Buche des Lebens stehen,
en eine alte Irrlehre erneuert. Faulinus zeigt die absurden Folgen
Adoptionslehre, und wie sie der heiligen Schrift widerspreche. Es
den sehr viele Schriftstellen zur Widerlegung angefahrt Er wider-
die Redeweise, dass der Erlöser eine Person aus drei Substanzen
Wort, Seele und Fleisch. Es genäge, zu sagen, eine Person aus
i Naturen. Die Widerstrebenden, besonders Elipandus und Felix,
en ausgeschlossen werden, „unter allseitigem Vorbehalt des Vorrech-
des obersten Bischofs, unsers Herrn und Vaters Hadrian, des selig-
. Papstes des ersten Sizes^.
Während diese Abhandlung die Irrlehre vorzugsweise aus der
igen Schrift zu widerlegen sucht, sandten die heilige Synode und
ehrwürdigen Väter in Christus, mit allen Bischöfen Germaniens,
Bens und Aquitaniens, mit dem ganzen Klerus der katholischen
lieinschaft, an die Ejrchenvorsteher von Spanien und die übrigen dor-
II Trager des Namens der Christenheit, in Gott dem Herrn, dem
ften and eigenen (proprio) Sohne Gottes, Jesus Christus, den Gruss
^ewigen Heiles^). In der Confeagio fidei der Spanier haben sie mit
|berz wahrgenommen, dass die Spanier, abweichend von den Lehren
l'Yater, Neues einfuhren, und klüger sein wollen, als die Väter,
wagen es, über die ewige und zeitliche Geburt des Sohnes Gottes
iuehungen anzustellen, von der es heisst: Wer wird seine Geburt
\) erzählen? Isaj. 63, 8. — Bei den angeführten Väter-
haben die Spanier Buch und Kapitel der Verfasser nicht citirt,
sie leichter aus Eigenem einfügen könnten. Sie haben einer
ans Augustin die Worte angehängt: non gener e esse flium Dei
Hone, ebenso einer Stelle: adopHone et gratia f actus est (hominis)
L was eine grosse Fäbchung sei. Andere Stellen sprechen gerade
pi sie. Ihre Schriftstellen beweisen Nichts zur Sache. Eine Stelle
fiieronymus haben sie gefälscht. Wenn Augustin sage: der Mensch
1 adoptirt, so meine er nicht Christus, sondern die Menschen. Er
ne keineswegs denjenigen „adoptatus^, der bei Johannes Ev. (1 Joh.
1) unser „Advocatus^ heisse.
Die Spanier berufen sich auf ihren Ildefons, und ihre Liturgie.
|bi sei es ein Wunder, wenn so schlechte Gebete nicht erhört wer-
y und Spanien der HerrschafT der Mauren verfallen sei^)? —
') Harduin, IV, 882-896. - Mansi, XUI, 883-^98. - Harzheim, I,
'-^/tf. — Opp. Älcuini, ed. Proben., II, 1331-1346. — Migne, Patr. lat. 1. 101.
*) Eine viel bessere Antwort gab später Alcuin: Äfflictis non est addenda
tftio,
0p«n. KIrehe. II. 2. J9
^euiiiiiii HLTUtj; UK'a» uutr nnmu t ui'^itiiuiiuugtiii, ./Yuopiiv&i
kein Bild. Die Adoptianer seien echon in der Häresie der
Terdammt worden, deren Irrtbümer sie jezt nur mit ne
wiederholen. Elipandus und seine „Legion" wird zur L
Bessern ng ermahnt.
Eugen (II.), Ildefons und Julianue von Toledo werde
genannt, deren Namen der heiligen und allgemeinen Kircbc
geblieben wären, wenn euer Schisma sie der Welt uicbt b
macht faütte. Daraus folgt, dass Ildefons, nnd mehr noc
damals nusserlialb 8[ftuiicns nicht verehrt, ja dass ihn
und Kamen nicht einmal bekannt waren. Mit Geringschäzi
sie den Ildefons „esaler fldefonnta", der doch wenigstens
Frage sehr orthodox war. Aber es ist eigen, dass die Sei
Spanier dem Auslände fast immer unzugänglich blieben,
uadrin Ein Schreiben des Papstes Iladrian an die spanischen Bise
•o .IIa jjig dritte Antwort den Spaniern zugesandt Es erhellt aber
TU. ' die Beschlüsse der Synode zur Sanctionirung nach Rom gesan
Der Papst schreibt an die geliebten Bruder und Mitpriest
den galiciscben nnd spanischen Kirchen vorgesezt und, wcc
so nennen darf, die im Glauben mit uns nicht einig sind,
liebteater Sohn und geistlicher eompater Carl ') hatte ihm dci
Elipandua mitgetheilt, worin Vieles zu tadeln und zn be
Die Adoption Christi nach dem Fleische habe die KircJie i
Die Lehre, Christus sei Adoptivsohn und Knecht Gottes.
phemiscb. Wie mögen sie den einen Knecht nennen, der i
Kuechtschall Satans errettet, in die ihr durch euere Irrthömc
zuräekkebren wollt? Durch seinj Gnade bat er eooh zn Ad(
Gottes gemacht. Zum Danke dafür lästert ihr ihn wie belle
Gari an die Spanier, 794. 291
nde mit der alten Schlange den Schuldbrief erneuern, den Christus
lem Blute ausgetilgt. Sie verwerfen selbst das Zeugniss Gottes.
dgcn 'wählen zwischen Leben und Tod, Segen oder Fluch. Wenn
sich gehen, sollen sie in die Gemeinschaft der Kirche zurück-
i, durch Busse ihre Sünden sühnen, und ihre Aemter beibehalten,
werde sie der Papst in der Auetoritat des heiligen Stuhls und
posteis Petrus mit ewigem Anathema fesseln*).
!3arl sandte diese drei Urkunden mit einem eigenen Brief an
idus und die übrigen Bischöfe in Spanien. Er werde stets den
1 Glauben schüzen, und er meint, dass die Spanier nur im Interesse
Ediren Lehre an ihn und die Bischöfe geschrieben haben, obgleich
klar sei, ob sie belehren oder belehrt werden wollen. Er liebe
)anier und es schmerze ihn, dass sie in der Knechtschaft der Un-
gen seien. Trauriger wäre es, wenn sie in die Knechtschaft
i und in das Schisma fallen. Er wünscht und hoffl; ihre Besscr-
Ueber die neue Erfindung der Adoption habe er drei- und vier-
oten an den Papst gesandt, um zu hören, „was die heilige römi-
ürche, belehrt durch die apostolische Tradition^, in dieser Streit-
antworten werde. Auch aus Britannien habe er Gelehrte beige-
Was er ihnen jezt übersende, sei aus der Untersuchung und
'einstimmung der Väter der Synode hervorgegangen. Der Brief
an's zeige, was der Papst mit der heiligen römischen Kirche über
rage urtheile.
Wenn sie ihn vor dem Schicksale des Constantinus warnen, so
i er sich wohl hüten, sich weder von Beatus, noch von einem
m verleiten zu lassen. Sie selbst aber mögen ihren Sinn nicht
iatan verkehren lassen. Er wünsche sehr, sie mit der Eorche
r vereinigt zu sehen. Sie sollen ihre Privatmeinung der Lehre
{esammten Kirche nicht vorziehen^). — Die erste Arbeit dieser
ie war die Yerurtheilung des Adoptianismus. Daran schlössen
>4 Canones verschiedenen Inhalts.
Paulinus verwarf im Jahre "{96 auf seiner Synode zu Friaul auf
^eue den Adoptianismus.
<) Harduin, IV, 865-872. - Mam^h XIII, 866-872. - Harzheim, I,
296. — Codex Carolinus, ap. Migne, P. lat t 98, p, 374—386.
•) Harduin, IV, 896-903. - Mansi, XIII, 899. — Harzheim, I, 316-
— Opp» Carolin l. c. t. 98, p. 899—906. — Bintei'im, dentoche Concilien,
67.
19
Synode von Aachen, 799. 293
sm Auespruch der Väter weichen. Endlich bekannte er seinen
iHin«
Jezt schrieb er einen Brief über seine Bekehrung, gerichtet an
Priester Eman, den Priester Ildesind, an Exsuperius, Gundefre-
Sidonins, Ennegild (Namen, die auch sonst beglaubigt sind),
die übrigen Priester, ebenso dem Diakon Vittildus und Witiricus,
an die übrigen Kleriker im Sprengel der Earche von Urgel, und
Grlanbigen überhaupt Er habe, vor den E^aiser geführt und ihm
sstellt, die Erlaubniss zur Disputation von ihm erhalten, „wie es
ehrwürdige Herr Bischof Laidradus uns in Orgellum versprochen
, über seine Lehre „von der Adoption des Fleisches (in dem Sohne
es)^ ^). Seine Irrlehre sei aber aus Stellen des Cyrillus, Gregorys L,
B I., und Anderer, die ihm vorher unbekannt gewesen, femer durch
^uctoritat der neulich hierüber in Rom gehaltenen Synode, besiegt
len. Durch das Gewicht der Wahrheit und den Consens der
en Ejrche überwiesen , ist er aus ganzem Herzen zu der allgemei-
Kirche zurückgekehrt, nicht mit Vorbehalten, wie ehedem, sondern
dem Bekenntnisse des Herzens und Mundes. Was wir auch vor
D Bischofen und Mönchen bekannt haben, bereuend unsem alten
nm und den nicht gehaltenen Eid. Er spricht jezt ein correctes,
pdoxes Bekenntniss aus').
! Er lehrt: Wir bekennen in beiden Naturen, der Gottheit und
bchheit, einen proprius et vertks JUius, unigenitum Patria, unicum
p ejus; die „proprietates^^ beider Naturen sind geblieben, die Gott-
des Logos ist nicht in die menschliche Natur verwandelt, die vom
bs angenommene (assunUa) menschliche Natur ist nicht in die gött-
I verändert worden. Von der Empfängniss im Leibe der seligsten
naa an sind beide in der Einheit der Person (singvlariiate per-
m 80 mit einander verbunden, dass der eine Sohn Gottes aus dem
m der seligsten Jungfrau unversehrt hervorging. Der vom Logos
bommene Mensch ist aber nicht, wie der Logos selbst^ aus der
fauiz des Vaters geboren (genitus)^ sondern aus der Substanz der
er. Aber der aus Maria gebome Mensch ist vom Augenblick der
Suigniss an der wahre und eigene Sohn Gottes; es ist nicht ein
rer der Sohn Gottes und ein Anderer der Menschensohn, sondern
und Mensch sind der eine wahre und eigene Sohn Gottes des
B, nicht durch Adoption, nicht durch blosse Benennung oder
I) seu de nuncupatione in humanitate ejus; seiner Menschheit nach nannten
ifltos auch ^deua nuncupativua^ ,
•) ManH, XIII, 1034^1039. — Harzheim, I, 336-340. — Felicia epi-
ip. Migne, t 96, p. 882--888.
* ElipandoB an Felix. 296
^ war der rechtgläubige Bnider Milita nicht in Toledo. Er hatte
lieh an Elipandus vier Quatemionen (von Schriften) gesandt, die
iBiidiia gegen Beatas gerichtet hatte. — Milita ist sonach der grosse
lakannte, der den Elipandus stüzt, hält und treibt.
' Den Brief des Felix hat er wie einen vom Eümmel gesandten im
^ empfimgen^ und ^mit ausgestreckten Armen habe ich meinem
|b unendlichen Dank gesagt, der mich bei den täglichen verzehren-
(Uebehi der Welt durch dich erfreut hat, Uebeln, in denen wir uns
liehr fortschleppen als leben^^).
' Aber „den stinkendsten Brief des Sohnes des höllischen Feuers, eh-
koa, des neuen Arrius, der sich in dem Lande Austria zur Zeit p*"''^'
aniliinreichen Fürsten (Carl) erhoben, nicht des Schälers Christi, Feiix.
pam jenes, welcher sprach: Ich will meinen Thron im Norden auf-
bn, und ich werde ähnlich sein dem Allerhöchsten. Von dem ge-
feben steht: Von uns sind sie ausgegaugen, aber sie waren nicht
\; denn wären sie aus uns gewesen, so wären sie bei uns ge-
(habe ich empfangen?). „Gegen ihn habe ich, wie ich wollte,
ipt abgegeben, und habe es mit den Sentenzen der orthodoxen
lolischen Väter unterstüzt^. Felix solle ausharren, obgleich ein
in Mitte der Wölfe. Seinen Brief hat er auch an die recht-
Brüder in Corduba gesandt, die ihm so viel geschrieben,
dem Felix zur Hilfe übersenden sollte; auch dem Kezer Albi-
er geschrieben. Diese Schrift möge Felix vorher dem Könige
, bevor sie in die Hände Alcnin's gelange*). — Diese Briefe
heimlich durch Juden besorgt werden, welche dort (in Frank-
-i ihre Weiber und Kinder hatten, welche also des Handels wegen
.{Spanien kamen. Bruder „Ermedeo^ befand sich bei Felix. Ein
^Bruder^ war (in Gallien?) gestorben, an welchen Elipandus
J^Bncher der Briefe des heiligen Hieronymus, und kleine Schriften
teligen Isidor gesandt hatte. Den „Ermedeo^ möge Felix be-
llen. — „Wisset, dass ich, schon ein abgelebter Greis, am 25. Juli
Ä2. Xiebensjahr angetreten habe"; betet stets für uns, wie wir
^ch^).
') Zho meo ulnis extensis immensas gratias egi, qui me fecit tuis eloquiis
tfari inier ipsa quotidiana dispendia mundi, quibiis duramus potius quam
IIP.
^ tu vero dirige scriptum illud pro tuo fidele gloinoso principale (prin-
» antequam venuU ad ipso filio mortis Albinus, qui non credit camis
wmem in filio Dei.
*) fne tarnen cognoscite senectute jam decrepita octuagenario secundo anno
4fei€nH} Kalend. Äug. ingressus fiiisse, et orate pro nobis sicut et nos fa-
pro vos assidue, ut nos Deus in regione vivorum pariter jungat. Sed
JriUribus demandavimus, vJt pro vos sacrificium Deo offerant. Merear
I
39ft Neuntes Baeh. Drittes K&pl(e1. — EUpandns und die Klmische SMie.
hahea sich die alten Irrthiimer bt-ftinden. I>ie Spanier Bageu, dass
KierauB Nichts gegen ihn bewuiBcn lasse. Es können auch Seh
gewesen sein, welche ihm aus Toledo and Cordalm Ktifresandt W(
' Das Dunkel zu erhellen, in welches sich Klipandiis in de»
"' Jahren seines Lebens einhiillt, welüher um das Jahr 808 geel
sein soll, wohl neunzig Jahre alt, ist uns nieht'gegeben. So
der Ilußbung Itaum, daas er sich bekehrt habe. Zum SchlosBe ■
wir noch Huf seine Anschannng von dem römischen Primale
Da nur, meint er, ist die katholische Kirche, wo alle Heilig-
ohne Makel und ohne Flecken. Nur von dieeer Kirche gilt das
Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche
„Wir glauben, dass der Herr nicht bloss von Rom zo Petrus t
du bist der Fels, das ist die Festigkeit: sondern toq der ganzen
liBchen Kirche, die im Frieden auf dem ganzen Erdkreise vei
ist. — Wanun ist denn Liberius, Pontifex der römischen Kirche
den Kezern verdammt worden? Warum sagt der selige Gregor
Bo viele Gottlose in Rom seien"? Petrus nennt Rom (aber dai
nisuhe) Babylon, indem er an Einige schreibt: Es grtisst eu
Kirche, welche in Babylon ist.
Diese rationalistische Ausdeutung der Worte Christi langt
ganzen Primat Petri, den ganzen Vorrang der römisclien Kird
dieser Läugnung wandelte EHpandus in den Fnsstapi'en wen
zweier seiner Vorgänger, des Eugen I. und des Jidianus, wlIi
terer Petri Vorrang in Worten weder läugnete noch bekannte,
That aber verlängnete. Den Primat Toledo's hatte Elipandu
vergessen, und es war schwer, neben diesem den römischeu
anzuerkennen. Mit solcher Hartnäckigkeit hielt er seine Irrleh
weil er überzeugt war, dass die Kirche von Toledo von Auf;
eine unerschüttertc Säule der Orthodoxie gewesen. Ein Papst z
als Kezer verdammt worden; aber kein Bischof von Toledo is
einer Irrlehre verfallen*): so sprach und dachte Elipandus, dei
diesen Stuhl von Toledo so sehr durch seinen häretischen Troz be
Liberius ist als Kezer von der Kirche nicht gerichtet, nicht ver
worden. Die Kezerei der Adoptiancr ist aber schon auf der i
von Epbesus (431) gerichtet worden, und seit dem Jahre 1'^.
ist sie auPs Neue verurtheilt. Elipandus wollte mit Wenigi
schmalen Weg des Lebens gehen; aber nicht um Tugend nnd
keit, sondern um die wahre Lehre haudcite es sich, in der n
nicht irre geht, der mit der ganzen Kirche geht,
') advers. Migetium, cp. 12.
') AiifTallenrl ist, dass Elipandus zu Felix sagt (799): seie mich io K.
wer in Rom aufgestellt ist (certifica me. qut est positas in Jioma).
^1-
i
*
Viertes Kapitel.
Bekenner und die Märtyrer von Cordaba (839—864).
§• 1.
Wie aus dem Dankel anerwartet, überraschend Elipandas mit
erneuten Nestorianismus hervortritt, so erhebt sich ein Menschen-
nach seinem Zurücksinken in das Dunkel in lieblicher Blüthe, in
ider Starke die Kirche von Cordova, und erneuert in Spanien
dtalter der Märtyrer des vierten Jahrhunderts. Welche geistigen
sich hier gesammelt, hier zu einem Ganzen sich vereinigt haben,
unser Staunen, unsere Bewunderung. Weil aber die Kirche
ittes Reich auf Erden nicht bloss aus menschlichen, sondern auch
[otllichen Kräften sich erbaut, so können wir zwar beschreiben,
geworden, nicht aber, wie es geworden ist.
Die Kirche hat in ihrem Berufe, in ihrer Sendung, alle Volker zu
zu fuhren, stets die grössten, die volkreichsten Städte zuerst auf-
it, um von der Mitte aus nach allen Seiten zu wirken. Die politi-
Haoptstädte waren stets auch Size der Metropoliten. Sevilla erhielt
Zeit lang den kirchlichen Primat über Spanien, weil es in der
Z^eit des romischen Westreiches politische Hauptstadt von Spa-
war. Die kirchliche Centralstellung Toledo's ruhte ausschliesslich
Toledo, als der Königsstadt (womit wir den exclusiven Primat des
nicht in Schuz nehmen wollen). Seitdem Cordova Hauptstadt
rarischen Spaniens und Siz des Chalifats war, war es auch die
liehe Hauptstadt des maurischen Spaniens. Die Bischöfe von
|edo, Merida und Sevilla behielten den Namen von Erzbischöfen,
m der Bischof von Corduba hatte den einflussreichsten Bischofssiz,
jl die uns bekannten Synoden fanden nur in Corduba statt. Die
oster in und um d>ese Stadt beherbergten die Blüthe der Frommen
r
SOO NeutosBaeh. VteriaiK^MeL
unter den Christen. Die Bekenner und MMrtyrer strömten ans Nih
nnd Fem in Gordaba zosammen.
§. 2.
Die Lage der Christen im maorisohen Spanien war dieselbe, «ie
die in allen den Arabern unterworfenen Ländern. Sie wmren gedridl,
aber nicht erdrückt; sie worden zum Abfidl nidit gezwungen ^ aber da
Abfall bot den grossten aossem Gewinn. Sie bezahlten monatlich ah
Abgabe wenigstens den fünften Theil ihres EinkonuneDS, manriiail
anch zwei Fünftel nnd mehr. So viel Einsicht hatten in der R^
die Maaren, die Christen nicht ganz aussnsangen, um in ihnen mt
gesicherte Qoelle der Einnahmen zu beMzon. — Die Ghristoi hatta
überall ihr eigenes Recht und ihre eigenen Obrigkeiten^ nidit iomcr
zu ihrem Schnz, oft anch zu ihrem Di(aoke nnd ihrer Anssaogam
Ihre höchsten Beamten in Gordnba hiessen Chmiie$ (Gonden). Da
Arzt Romanos in Sevilla nennt Alvaros: rtSermutsimut^. Dm
er war der Christen Richter oder Oberster aller Christen ^). -— Der
Erzprieeter Cyprianos nennt zwei andere Christen „(hmüen^, Adiil(
den ^icrlanchten Grafen*^ nnd ,|den hehren GhTafen** Ghiifredas*).
Ein Anderer, Servandos, ein hochmüthiger und geiziger Mcnd^
erlangte das Comitat über die Stadt Cordnba, ohne durch Abkil
befalügt zn sein, Tielmehr stammend ans den KürchensolaTen. Er fl|
ans nnd quälte die Christen in Cordoba. Die einen machte or m
Sciaven des Staates, und zwang sie zum Abfall , andere zwang er, du
Mauren unendlichen Tribut zu bezahlen, ja selbst die Todten riss i
aus ihrer Ruhestätte^). Alle christlichen Kirchen machte er zinspflicl
tig, legte Abgaben auf alle Gaben an die Kirchen. Er zwang &
Kirchen, die Priester zu nehmen, die er ihnen vorsezte.
Die Christen bekleideten die Aemter von Censoren^) nnd Ezoef-
toren^) der Mauren, worin eine starke Versuchung zum Missbrancl,
zu Erpressungen, zum (innem und äussern) Ab&ll vom Glauben hj
und versahen am Hofe der Cbalifen verschiedene einflussreiche Disnili
*) Omnium catholicorum aymmus dominus; ptUemUcta vettra; steh mIM| i
nennt er seinen Sohn; (serenissimus; princeps Ramanorum). Alwxri sp. P.
') Cfypriani, epigramm., tet 4, hoc opus tUustri comiUU ciarescU Ads4'\
— ComiÜs cUmi (Oidfredi),
') Samsonis abbcdis apologeticus, II, 6^9 (praefott.).
*) ein gerichtliolies Amt — semotus ab admimstratUmejudicii^ Eulog, 3Ji\
wohl soviel als Alkalde.
') Notar, Schreiber, anch Verwalter, Administrator (puUiccrum oact^o^l
exceptor, wohl Ärrendador),
Die ChaUfen. Glans imd Bltttiie von Cordnb«. 301
§. 3.
Nach dem Chalifen Hakem (795—821) führte Abderrahman II.
lange, und im Ganzen glückliche Kegiemng (821 — 852). Abder-
nan 11. übertraf alle seine Vor^nger in dem Bestreben ^ die Stadt
iova ZQ hoher Blüthe zu bringen^). Die mit schonen Steinen ge-
lierten Strassen, die herrlichen Wasserleitungen sind sein Werk,
er ihm entbrannte aber auch die erste heftige Christenverfolgung,
leren Mitte er starb. Sein Nachfolger Mahomed (852 — 886) ver-
I die Christen an dem Tage seiner Krönung aus seinem Palast,
arte sie unwürdig aller Aemter, den Feinden der Christen aber
'gab er die einflussreichsten Stellen. Er liess die ärmlichen Kirchen
erreissen, welche die Christen zur Maurenzeit erbaut. Er wollte
ai den Christen aber auch die Juden austilgen.
§• 4.
In der Zeit des Friedens hatten die Christen bei den Kirchen
nne mit Glocken. Die Kirchen hatten ihre Sänger, Psalmisten,
boren, Leviten und Priester^). Die Feste wurden regelmässig
ilten und wer von ihrer Feier sich ausschloss, gab schweres Aer-
188^). Zu allen kanonischen Stunden rief die Glocke^). — Es
neben dem Bischof der Erzdiakon und der Erzpriester.
In Corduba bestanden nicht bloss die Kirchen aus früherer Zeit kitoIimi
, viele waren restaurirt, manche in der Zeit des Friedens neu- ^^^^
' dalw.
*) Etdogiua, memoriaL martyrum, II, 1. Era 788 (anntis Christi 750),
tUaiua (id est Chalifatus) Habdarrdhagman anno 29: cujus temporibua
9 et dignitate gens Arabum in Hispaniis aacta, totam pene Hiberiam diro
leffio occupavit; Cordubam vero, quae olim Patricia dicebatur, nunc sessi-
ma Urbem regiam appelUxtam, summa apice extulit , honoribus sublimavit,
a düaUwity divitiis cumtdavit, cunctarumque delitiarum mundi affluentia
a quam credi, vd did fas est) veJiementius ampliavit: ita vi in omni
Hl saectdari praedecessores generis sui reges excederet, superaret et vinceret
que svb ejus gravissimo jugo Ecclesia orthodoocorum gemens, usgue ad
iium vaptdaret^ etc,
*) Denn von der Zeit der Yerfolgang sagt Enlogins: non promit Cantor
lum Carmen in publico: non vox Psalmistae tinnit in Choro: non Lector
ancUur in pidpito: non Levita evangdizat in poptUo: non Sacerdos thus
t aUarxbus.
») Samson. apolog. 2, 2, praef.
«) Alvarus, indicul, Ivm., 6. basilicae signum, hoc est tinnientis aeris
!icm, qui — horis omnibus canonicis percutitur.
802 HemitM Badu ViertM K^itaL
gebaut worden^). Diese Bauten wurden von jenem Drittel he
das von jeher für Kirchenbauten bestimmt war, and das a
nicht selten seinen Zwecken entzogen wurde *).
§. 5.
Unter den Kirchen in Gorduba ragen hervor die Bas:
Märtyrers Äcisclus*). Diese Kirche scheint Kathedrale gev
sein, weil in derselben im Jahre 864 die luthronisiraog des in
BisdiO& Stephanus volkogen wurde^). — Die zweite Kirche
prächtige Basilica des heiligen Zoylos, die Bischof Agapius (
618) zugleich mit einem Kloster für hundert Mooche erbaut
Unter den Klerikern war damals der heilige Eulogins, Sami
war Abt oder Bector der Kirche^. — Die dritte Kirche war
heiligen Fäustus, Januarius und Martialis^, gewohnlich die ^<
ligen^ genannt. — Es folgt die Kirche des heiligen Bischofs i
tyrers Gyprian^. — Die Ejrche des heiligen Genesins wai
Vorstadt Tercios*), mit einem Kloster gleichen Namens. — Di
der heiligen Olalla (Eulalia) befand sich in der Vorstadt Fraj
— Eine Kirdie der seligsten Jungfrau bestand wenigstens im Jahre
*) jvJM (Mdhomed) eeeUsias nuper äirucUu dmnere^ ei quidquid %
in antiquds baeUidi gphndebat, fiurialtque temporünta Arabum rudi /
adjedum, eUdere. — Aus diesen Worten kann nun nicht besthnmt auf ]
Bchliessen. Sicher waren manche ElOster and Klosterkirchen neuem l
Euiog. memorial. Sandor. 3, 3,
*} wie von dem unwürdigen Bischof Hostegesis von Ifalaga, von de
erzählt, apolog,: 8ed et tertiam oblationum ecdesiae, qu(»m episcopi
soleni acdpere, et in restauratione basilicarum, sumptusque paupe:
sumere, extorquet, ut tum jam Tertiam credatur redpere, sed vecti
tiu8 exigere — apol. praef, 2, 2. — Florez XI, 378^
») K.-G. I, 358—369. — Eulog. memar. Sctor, 2, 1 et 5.
*) Samson., apd. 2, 8 (pra/ef.). — in Banlicam s. Äcisdi feeerunt
») K.-G. I, 861.
") €^L prooem. 2, 2, 8.
*) K.-G. I, 855. — Nach MordUs (Antig. Hisp. 17, 6) war
Kathedrale.
•) Eulog. 2, 10. - 5, 10.
') Etdog., memorialU Sanctarum, 2, 10 (34).
*•) Eulog, memor. 3, 10 (nr. 12), Basilica sancJae Eulalia v
mariyris, quae in vico Frageliaa constituia est.
*') Esp. sagr, „Iglesias deniro de la ciudad*^ , X, 254^261.
Kirchen nftd KlOater. 303
§. 6.
£inc nicht kleine Anzahl von Kirchen und Klöstern befand sich Kidstar
ier Umgebung von Corduba. In der Ilegel war die Kirche mit Jj* ^^*^
I Kloster verbunden. San Christobal (S. Christophori) lag südlich
Corduba am jenseitigen Ufer des Bactis^), mit einer Basilica.
I Kloster S. Cosmas imd Damian lag in dem Orte, genannt Colu-
; die Kirche lag in oder ganz nahe der Stadt ^). — Kirche und
Bier von San Felix lag in Froniano, auf dem Gebirge westlich der
it, drei Leguas entfernt'). — San Martin war ein Kloster im Ge-
fe von Corduba, an dem Orte Rojana*). — Die Kirche des heiligen
rtin war zwei Miglien von der Stadt entfernt, wie wir ans dem
sebericht des Johann von Gorze um das Jahr 957 — 960 ersehen^).
In dem Innern des Gebirges, in der Oertlichkeit Fraga, befand sich
Kloster S. Justus und Pastor, sechs Leguas von der Stadt entfernt^).
Das Kloster San Salvador hiess von seiner Lage auch Penna-
uria^, gelegen am Abhänge eines Berges, vier Miglien nördlich
der Stadt, gestiftet von den Eltern der heiligen Pomposa, ein
ipelkloster für Mönche und Nonnen. Beide Erlöster hatten zwar
selben Abt, waren aber durch hohe Mauern geschieden^. Dieses
Bter bestand noch im Jahre 858. — Das Erlöster des heiligen Zoylus,
pnnt M. Armilatense, lag im Norden der Stadt in schauerlicher
Ikle, an dem Flusse Armilata^), von dessen Fischen die Mönche
en, der zweieinhalb Leguas oberhalb Corduba in den Baetis
et. — In Cuteclara, westlich von der Stadt, bestand das Kloster
edarense, unter dem Namen der seligsten Jungfrau^®), ein Franen-
iter, aus dem viele Martyrinnen hervorgingen.
Das sehr gefeierte Kloster Tabanos lag sieben Miglien, etwas
Iger als zwei Leguas, im Norden der Stadt. Dieses Männer- und
lenkloster heisst gewöhnlich Tabanense, gestiftet von Jeremias und
er Gemahlin Elisabeth, welche ihr grosses Vermögen zu frommen
*) Etdog. 2, 4; 9; 10 (basilica /3. Christophori martyris).
*) Oomez Bravo, Catalogo des los obispos de Cordova, Cord. 1778, 1 1, 139.
•) Esp. sagr., t 9,appendiceiUtim0y nr, 9 (Eulog, memor. Sctor., 2,4; 8).
^) Etdog. 2, 11.
*) Ada Sanetor,, Februar, 27., nr. 118 (Vita Joannis GorzensisJ.
•) Fhrez, X, 257.
') Eulog. 3, 7, (MeUaris pinaculi =■ Ilonigberg, Espana sagrada t 7,
ndice 1.)
•) cf, Synod. IL von Sevilla, Can. 11. — s. oben IIb, «8.
*) heute Bio Almellato.
*•) Euiog. ap. Florez, IX, apend. 8, nr. 1.
804 NemttM Badt IHertM KqiitoL
Zwecken und milden Stiftungen vergaben. Sie selbst und fi
ganze Verwandtschaft lebten in dem Kloster Tabaoos^) in so
\\ - Uebung, dass der Rof davon gleichsam das Abendland don
Die Araber zerstörten es aber schon im Jahre 853')« Es v
wahre Pflanzstatte der Märtyrer dieser Zeit*).
\p' Da die vorstehenden Kirchen und Kloster nur aos bes
;: AnlSssen von Eologius und seinen Zeitgenossen erwähnt wer
\ 1 nimmt man an, dass noch viel mehr Barchen und BHoster
:/ den haben.
•
k.
§. 7.
Die Christen hatten an der hohen Schule zu Cordnba \
liehe Lehrer, troz, vielleicht zum Theil wegen des bestandige
V " kehrs mit den Muhamedanem. Unter ihnen ragte Eulogins
der u. a. unter den Mozarabem die ganz vergessene Metrik
einfShrte. Sein Lehrer war der Abt Speramdeo; es blähten der
YincentiuSy der Abt Samson, der Erzpriester Gyprian, der I
K*. Leovigildi Es erhellt aber nicht, ob dieselben auch ofPentlich*
^>, den Arabern anerkannte Lehrer waren. — Diese alle, ja die I
überhaupt, behielten ihre klericale Tracht bei; ebenso die Moncl
Nonnen^. Die Religiösen bedienten sich nur der Kleidoi
Wolle. Die Laien trugen lange Barte. Die Kleriker folgten im
schiede von den Ghiechen der Sitte des Occidents, vom AnfaD
Elirche, keinen Bart zu tragen^).
§. 8.
g^iuiB. ^ Sandoval hat zuerst einen angeblichen Schuzbrief veroffent
brief T. "^eichen im Jahre 734 ein arabischer Befehlshaber den Christ
Provinz Coimbra ausgestellt habe. Nach dieser Urkunde zah
gewohnliche christliche Kirche jährlich fünfundzwanzig Pfund
Tribut, jedes Erlöster fünfzig Pfund, die Kathedralkirchen hundert
Der gewöhnliche Christ zahlt doppelt so viel Steuern und A
») Efulog. 2, 2, 10.
«) ihid. B, 10.
") Chmez Bravo, 1 1, 130 sq. — Memorias sagradas del Yermo (i
de Cordoba^ per Bart. Sanchez de Feria y Morales, Cord, 1782, —
X, 260—266 (Iglea. y monasterioa fuera de Cordoba),
*) Euiog. bedient sich gewölwlioh des Ausdrucks: sHgmata piae n
ferewtes.
') Gregor. VII, epüt. 7, 10 (gegen das Barttaragen der Kieriker in Sa
•) Sandovdl, Cinco obispos, Pampel. 1615 (1634), p. 87 sq.
Abgaben und Lasten der Christen. 305
[er Junger Muhamed's ^). — Ein Graf sollte die Christen der
nz nach gothisoher Sitte richten« Dieser Graf sei aus dem Ge-
shte der Christen, und erhalte sie in ihrem guten Rechte, nach
alten Gesezen; er lege bei die Streitigkeiten, die sich unter ihnen
len, und er tödte Niemand ohne die Anordnung des maurischen
fde oder Alguacil (Kadi). Dieser muss sagen: Es ist gut (bien
er erhält dafür hundert Pfund Silbers, und dann werden sie den
Idigen tödten. An kleinen Orten haben die Christen ihre eigenen
ter. Tödtet oder beleidigt ein Christ einen Mauren, so entscheidet
ladi nach den Gcsezcn der Moslim. Thut ein Christ einer Maurin
Jt an, so werde er Muhamedaner und heirathe sie oder er sterbe;
68 um so mehr dann, wenn sie verheirathet ist. — Wenn ein Christ
Moschee besucht, wenn er von Allah oder von Muhamed Uebles
it, so werde er Muhamedaner oder sterbe; die Bischöfe der
ten sollen nicht Uebles sprechen von den maurischen Köni-
oder sie sollen sterben. Die Priester dürfen ihre Messen
lei geschlossenen Thüren feiern; sonst müssen sie zehn Pfund
* bezahlen. — Ist die Urkunde auch unächt, so kann sie doch
Liifidrnck oder die Darstellung der im Allgemeinen bestehenden
nde der Christen sein^ die bei allem Drucke bis in das zwölfte
nndert sich erhielten. Dass^die Christen eine Moschee nicht be-
I durften, bezeugt auch Eulogius-); ebenso ist bekannt das Ver-
ICuhamed zu schmähen^). Der Moslim, welcher Christ wurde,
le es mit dem Tode büssen.
§. 9.
Die Tribute waren ordentliche und ausserordentliche. Die erstem Tribute
B von Anfang an festgesezt, durch welche sich die Christen freie ^^f*"
■ioDSÜbung erkauften, die Erhaltung ihrer Kirchen, Kirchendiener
Grlocken. Unter dem Chalifen Izit mussten sie den fünften Theil
Güter bezahlen. Die Contributionen wurden nicht auf die Fa-
ll repartirt, soudern die Einzelnen, wenn sie getrofi*en wurden,
en zum Zahlen angehalten. Jeder bezahlte für sich. Die Bezahlung
') Portugaliae nwnumenta historica a saecid. VIIL Ulyss. 1865 (das
oehiuen ist in's Stocken gerathen). — Esp. sagr., t, XIV (Coimbra, cp. 4).
icente de la Fuente, t II, 1855, p. 71—135, — Ijembke sagt (I, 314):
B diese Urkunde acht, so hätten wir ein sehr schäzbares Denkmal der btirf.;er-
L Verfassung aus diesem Zeitraum, allein die Unächtheit ist handgreiflich''.
*) Memorial,, 2, IS, qvod apzid iHos grande facinus reputatur.
•) Alvarus, Indimdiis luminoifus, Florez, XI, 228, nr, 6, ut qai blasphe-
U, flageUetur.
•I»an. Kirche. U. 2. 20
Bischof Sanlns von Corduba. 307
be&nden sich die heiligen Jungfrauen Flora und Maria, welche
L 24. November 851 litten. Diese Heiligen hatten versprochen, sie
Uten nach ihrer Vollendung Gott um die Befreiung ilirer Mitgefan-
boi bitten. Sie vergassen nicht, was sie verrsprochen hatten. Am
November trat Saulus aus dem Geiängnisse, mit ihm seine Leidcns-
Shrten. Als derselbe Chalife im Jahre 852 aufs Neue gegen die
listen entbrannte, die offen als Glaubensbekenner hervortraten, so
M er den Bischof wieder in einen schrecklichen Kerker werfen^),
demselben Jahre starb Abdcrrhaman und vielleicht aus diesem
ass wurde Saulus frei. Der Chalife Mahomed erliess im Jahre 853
Q neuen Haftbefehl gegen ihn, woniuf Saulus die Flucht ergrifft).
"Wenn man auf Paulus Alvaius allein hören würde, wäre Saulus
Bchlimmer Bischof gewesen; aber dem Alvarus konnte es Niemand
Brden recht machen, am wenigsten ein Bischof. Der Vorwurf, dass
US sich verberge, ist ungerecht; diess haben die Bischöfe, dicss
Papste in der Kegel getban^ welche zu der Zeit der Verfolgungen
ie Katakomben flohen, und den Ort ihres Aufenthaltes oft wech-
ou Wahrend Alvarus sagt: „Ich wundere mich, warum er, der
ice L#ebrer, sich verbirgt, warum er aus Menschenfnrcht von den
i^en getrennt durch verschiedene Orte schweift^, antwortet ihm
baaz „Was kannst du mir entgegenhalten? da du mich ja (in Cor-
') gegenwärtig hasf*^)? Den Christen also war det Aufenthalt
^ischofs bekannt; die Araber brauchten ihn nicht zu wissen. Es
Int aber, dass Alvarus mit dem abgefallenen Bischof Samuel (von
n) Umgang hatte, und dass darum Saulus sich von ihm ferne hielt ^).
Um das Jahr 860 — 862 folgte dem Saulus Bischof Valentins. Bi«chot
ihm haben wir nur durch den Abt Samson Kenntniss. welcher ^'*'*'**'
-: ^nach der Ordination meines Herrn , des Bischofs Valentins, wel-
I die Ejrche von Corduba im Jalire 862 als ihren Leiter zu erhalten
Brdigt wurde" ^) u. s.w. Er nennt ihn einen Mann „voll des Glaubens,
ert mit der Jungfräulichkeit, voll Enthaltsamkeit, ruhend in dor
ratb, feurig in der Liebe, brennend im Eifer der Wahrheit, gelehrt
en Schriften, Freund des Rechtes und der Gerechtigkeit"*).
■) denuo PorUifex korribili carcenim specui traderetur, Eulog. 2, 15.
*) sed ipse fugae pracventua remedio HoLvatur, EtUog. S^ 7.
^} epist, IS. Alvari, nr. 4, — epist 12, 2, ,
«) Oomez Bravo, I, 148. — Samson, prolog. apologet 2, nr. 4.
*) Sanison, apologet, 2, proL 7, nr. 7.
•) Samson, apologet 2, prolog.
20
Die Biflchöfe Hostegeaia und Becafred. 309
age; und in der Betrunkenheit begingen diese Leute die schwersten
iesse« — An seinen Thüren hielt er sich eine Wache von Soldaten,
▼erschafite sich ein Zeugniss aller Christen seines Bisthums bis zu
Ejndem. Dann zeigte er dieselben den Mauren an, damit sie den
isten schwerere Tribute auflegten, selbst den Kindern. Täglich
l er sich (da er gewohnlich in Corduba wohnte) antichambrirend
len Wohnungen der Machthaber ein; selbst während der Vesper
18. December 863, als alle Christen in die Kirchen eilten, harrte
in der Thüre irgend eines Mächtigen. Auch zur Verfolgung der
taten von Corduba verband er sich mit andern Bösewichtern, be-
iers mit dem schon geschilderten bösen „Grafen^ Servandus, der
Nichte des Hostegesis heirathete, mit den beiden Antropomor-
(n Komanus und Sebastian, Vater und Sohn. Gegen ihn erhoben
u. a. der Abt Samson und der Priester Leovigild. — Welches
i Hostegesis genommen, ist nicht bekannt.
§. 13.
jNach dem Erzbischofe Teudula, dem Gegner des Elipandus, um Buch&fe
fahr 800, erscheint als nächster Bischof von Sevilla Johannes, welcher
Synode des Jahres 839 in Corduba anwohnte. Er unterzeichnet:
nnes, Bischof und Metropolitan des Ispalensischen Sizes^). —
Brich von Toledo berichtet von einem auch bei den Arabern gefei-
I Bischöfe Sevillas „in dieser Zwischenzeit^ der maurischen Herr-
ft, dem sie den Ehrennamen Caeit Almatran gaben. Beide bicssen
iniies; allein dieser Name allein genügt nicht, den Johannes des
es 839 und den „Lehrer der Weisheit^ als eine und dieselbe
cm zu erklären^).
Um das Jahr 850 — 852 ist Recafredus Erzbischof von Sevilla, und
n Jahre 839 ein Recafred als Bischof von Corduba unterzeichnet,
at Florez geschlossen, dass derselbe um das Jahr 850 nach Sevilla
!zt worden sei. Ich kann nicht umhin, dieser Vermuthung beizu-
a, da wir dem Namen Recafred sonst nicht begegnen, da er nicht
Johannes, sehr häufig vorkommt. Er steht in einem bösen Licht
Ruf. Abderrhaman II. bediente sich seiner Dienste, die Christen
balten, sich vor den Richtern unaufgefordert als Christen zu be-
BD, and den Muhamed zu schmähen. Recafred erklärte, dass die-
en nicht als Märtyrer zu betrachten seien, welche also handelten.
von
Serillt.
') Joannes, IspcUensis Sedis Episcopus et Metropolitanus haec statuta
Hpsi.
*) JSimonet weist in Betreff des Caeit Almatran auf hinterlassene Manu-
e des Buriel S, J, hin, die ich nicht einsehen konnte.
gcn^J. Möglich aber ist, dass damals llecalredus Doch lebt
Jahre 937 ist keio weiterer Bischof von Sevilla bekaont.
§. 14.
Nach Elipandtis ist Gvmeaiiidut der nächste nns beka
po]it von Toledo, welcher nur ans Catalogcn bekannt ist, <
gemeinen mit dem Jahre 820 verbunden wird, welchem Floi
Itegicrungsjalmf von SOS — 82S zathcilt. Es ist zuzuges
dieser Erzbischof historisch nicht genügend beglanbigt ist.
erregt es, dass gerade in dieser Zeit zu Toledo ein andere
dus heranwuchs, welcher dntcr den Märtyrern von Toledo
vollendet wui-de. Dagegen ist Bischof Wistremir dorch E
Corduba beglaubigt. Dieser sagt: Ich katu (c. 849) von 1
Toledo'*), wo ich unsern »Itea und beiligsten Erzbischof Wis
die Fackel des heiligen Geistes, die Leuchte tod ganz Span
heiliges lieben den ganzen Erdkreis erleuchtet, dessen fa
Umgang ich viele Tage gcuoss. Dieser Brief ist im Jali
schrieben. Die Reise selbst fiel in die Jahre 848 — 860.
') Oomez Bravo, p. 128.
') Mvanui, Vita Evlogii, cp. 2. — Tandem Recafndm epi*
eedeKias et dericos quasi lurbo vUiteatus inaiiuü.- omneaqtte Sace,
potuit, carcerali vinado aUigavü. Inier quo«, u/ electiu ariea (Et
cilur, et cwn pontifice suo, vel aliü aacerdotifma vindtttr.
WiBtremir toh Toledo. Synoden und HSresieen. 311
)giu8 keimen die Bischöfe Wäerindua von Famplona, Senior von
igossa, Sisemundus von Siguenza, Venerius von Complutnm* Im
B 849 war Wistremir hoch auf Jahren; schon im Jahre 839 hatte
en Vorsiz anf der Synode zu Gorduba gefuhrt.
Die Namen der äbrigen Bischöfe dieser Zeit lernen wir theils
den Goncilien, theils aus dem Berichte des Abtes Samson kennen.
lach scheint es, dass in den Jahren 839 — 864 kein einziges der
bümer eingegangen war, welche zur Zeit des Einfalles der Mauren
} bestanden hatten. Denn wir finden die Brzbischofc von Toledo,
x>ime, (Tarraco war zerstört), Bracara, Emerita imd Sevilla* —
finden die Bischöfe von Pamplona, Saragossa, Signenza, Com-
im, Uici, Acci, Basti, Beatia, Tucci, Urci, Malaga, Elvira, Egabra,
Luba, Astigi, Elepla, Asido. Mentesa war, wie Tarraco, zerstört,
günstiges Geschick hat uns aber gerade aus den Jahren 839 — 864
Namen so vieler Bischöfe erhalten, wozu noch die Bischöfe des
hes von Asturien und der spanischen Mark kommen.
§. 15.
(Synodeu und Häresieen in den Jahren 839 — 864.)
Das im Jahre 839 zu Corduba gehaltene Concil wird von keinem synod«
ern Schriftsteller erwähnt oder angedeutet Diess ist um so auf- ^•^^•
Inder, als Eulogius, Alvams und Samson eine so grosse Menge
Nachrichten über die Ereignisse ihrer Zeit mittheilcn. Man
Dt dieses das zweite Concil von Corduba; das erste soll Hosins
das Jahr 350 gehalten haben; aber dasselbe ist nicht beglau-
;. Im Jahre 1753 gab Florez den zehnten und eilften Band der
jpana sagrada^ heraus, welche eine unschäzbare Fundgrube für die
chengeschichte Spanien's in jener Zeit enthalten, aber von der Sy-
e des Jahres 839 hatte er keine Ahnung. Einige Jahre später er-
t er von Leon die Abschrift eines Bestandthcils der sechsten Synode
Toledo von 638, betreflTend die Absezung des Bischofs Marcianus,
Astigi *), und die Abschrift der Synode von Corduba. Leider
das Manuscript in einem Zustande, dass wesentliche Bcstandtheile
lelben nicht mehr zu enträthseln waren. In der Vorrede des funf-
iten Bandes, erschienen 1759, thcilte Florez diese Actenstücke
, und wies auf die zahlreichen Bereicherungen hin, welche die
intniss der spanischen Kircliengeschichte aus diesen Entdeckungen
'onnen habe, als welche er bezeichnet:
1) Die Anwesenheit und nähere Feststellimg der Zeit des Metropo-
») K.-G. IIb, 121.
f
* liten Wistremir von Toledo; 2) die Feetstellnng der Zeit des M
politcu Joliannes von Sevilla, wenn es näjnlicb lucbt mehrere ßn
d, N. gab '); 3) Bischof Recafred von Cordtiba war im Febni»
zugleich Ädniinistrator des Bistbums Egabra. Diese Vereinigoiij
zui'ällig und zeitweilig, denu vorher und nacbher hatte Eg&hrt
eigenen Bischöfe. 4) Emerita war auch im Jobro 839 im Bcsixe
Metropoliten, von den Einen Ariull", von Andern AliulfuB gc
Ariulf lebte noch im Jahre 862=). 5) Der Bischof Quiricos voi
ist der nächste uns bekannte Nachfolger des Frodoariug (um
er unterzeichnet als der älteste unter den auwesendeD Soffirag:
Seine Entdecknng spricht gegen jene, welche aus Mangel an N»
teil behaupten, die kleinern und abgelegenem Städte im mau
Spanien haben ihre Bischöfe verloren. G) Es erscheint im Jah
ein bisher uubekannter Bischof Leobeaindus von Astigi*). 7) D
ist der Fall mit dem nur hier genannten Bischof ArHcdeemd
Malaga, der vor HostegeeiB einzureihen ist^). 8) Der Name d
fridius von Elvira war bekannt, aber unbekannt seine Seit.
spanischen Bischöfe unter der Mau renherrs ehalt waren io den
der Ruhe durch nichts verbindert, Synoden zu halten*).
§• 16.
Die Bischöfe sind wegen der Angelegenheit des göttlii,be
Spruches des katholischen Cilaubens versammelt, und um d:is l
der Irrlehren auszureissen. Da trugen „plÖzlicb" unsere Brrii!
Mitbischöfe, Recafred von Corduba und Egabra und Q'dricus vi
') Florez. IX. 242 (271).
') Wean aUu Äscaricua Biachof von Merida war, so war er in '
Metropolit.
') Floroi, VII, 42. — Fs ist auch mügticb, daaa maD ihn wegen di
ecines BisthuniB hinter den Metropotiten DnlerzeichDen lieaa.
■) Florez, X, 111.
») Florez, XII, 324 0:i3).
*l Ad. Hdfferkh, Westgolh. Arianismas, p. lOS. — Noch Jtn J.i!
sagt Nilfferieh, dasa die Acten der Sjiio<)e von Cordaba ausserhalb $p.i
gut wi(i iinbekHDDt geblieben seien. Aus der Espana sagrada nahm dlt'
■uerat auf in seine ^Summa Conciliorum Hispauiae, quolquot inveniri p"
ad usqtte safctiliim 16^ Matthias de Vil/anuäo , O. S. B., Matriti
2 tarn. p. •Jh'3-271 (Condlium Cordvhens': . Äera 677, sei* anno 839.
SM» Artphnhg congregatum. Xiate primum collectioni coneiliorum in
— Dem VitltiituHo folgte Juan Tejada y Bamiro in seiner Coleecion dt
MM y de Mof los condlios de Espana. I. III, Sladr. I8>9, p. L'2-
Nicht minder II<ljferieh am a. 0.,S. tOS-lH. während Ilefde, Cunciheuj«
Bd. tV, dicM und die folgende ^aode von r. 862 über^ht.
Synode von 839. 313
y dass in ihren Sprengein gewisse Acepbaler (Separatisten) mit
len Cla8{8)ianer sich befinden, welche, auf gewundenen Pfaden
Ind, allmälig vom Ufer des Meeres her sich eingeschlichen
, und jezt in Epagro, im Gebiet von Egabra, in Winkeln und
len ihr Unwesen treiben, behauptend, dass sie mit ihren Lehren
Gebrauchen, welche mit unsem Lehren nicht harmoniren, von
gesandt worden seien. Sie hatten oder beriefen sich auf einen
lUchen Bischof, den weder die Geistlichkeit noch der Verein der
erwählt, der auch einem Metropoliten sich nicht vorgestellt^
von Rom aus gesandt zu sein vorgab. (Hier sind die Lücken
»88, dass der Sinn nur errathen werden kann.) Kein Bischof und
leriker darf absolut, ohne bestimmten Ort, geweiht werden^).
Leute hatten dunkle und verbotene Traditionen, welche ihr
Cassianus mit seinen Schülern und Mitschuldigen festhält, die
die heilige Kirche zei'fleischen. Diese Sektirer, die Cas(s)ianer,
J'a(o)venianer, die Simonistcn, erlauben Ehen mit Blutsverwandten
mit Ungläubigen (?). Desswegen verfassen wir einen Artikel
. die Casianisten, die sich der Speisen der Heiden enthalten,
r.sie unrein seien, gegen die Lehre des Apostels (I. Cor. 10, 25. —
1, 15.) und des Herrn (Matth. 15, 17.). Hiemit ist ja auch die
lie der Manichäer verwebt, welche, wenn Weihnachten auf den
fallt, fasten, worauf die Väter das Anathem gelegt haben.
ie ist es, sich zu trennen von der katholischen Kirche, nach der
des Datan und Abyron. — Wie Vigilantius verehren sie die
[nien der Heiligen nicht, besonders der Märtyrer, auf deren Namen
Ie Kirchen geweiht sind. Wer die Heiligen und ihre Keliquien
ehrt, der gelte für keinen Christen, sondern für einen Novatia-
t und Vigilantianer. Ist es ja doch ungereimt, Holz von Steiucichen
1^. geweihte?) Steine in die Altäre zu legen, was eigentlich Gözen-
ist*). Bei der Taufe und der Salbung mit Chrisma legen sie
Unrecht) Speichel in den Mund, und sagen wie Jesus: Ephefa
dich). Dicss sind Acephaler, ja monströse Uippocentauren, die
nur unter einander durch die Urheber ihres Irrthums weihen, als
_ sie am römischen Stuhle gewcDit, und darum als wahre Heuch-
-i,'»ich für besser halten, als alle Andern. Wir wundern uns über
•) Et iterum mm habeatur epücopus, quem nee elerus, nee populus pro-
dvitoHs exquisivit. Aber hat z. B. Sevilla die Bischöfe Felix, Faustinus (G93)
'Becalredus (850), hat Elvira den Samnel, Malaga den Hostegesis gewählt?
•) nam absurdum et profanum est, silieis suis altaribus recondere tarn
jB^Ü» Sanctorum reliquiae, cum inauditum sit lapides trahere et in öenedictiane
recondere quod est idolorum servitus; aber der geweihte Altarstein ist
■ehr alte Praxis in der Kirche.
Sitte sei, dasB die Anhänger dieser Seilte auswärts über
Commnaion empfangen. Sie werdeo ferner abgehalteo, bei
am Ende des Lebens eine Busse zu iibemehmen. Oiese 1
kein bekanntes oder anerkanntes Hanpt, sie s^en, dass
Emcntia?) allein zum Bischof geweiht habe, was durch k<
begründet ist^. Wir mahnen darum alle Katholiken toi
Ohr nnd Herz diesen Leuten zu Terschlieseen, den Casit
Jnvenianisten, den Simonisten, welche, wie Lamech, zu
Weiber zu haben gestatten, welche die von einem Anden
zu beirathen gestatten, welche ihre Töchter den Ungläubig
geben, ja auch den Priestern Uogebübrliches gestatten^.
Schenken zu sein, weltliche Gescliäfte zu betreiben und i
Frauen zusammenzuwohnen. Mutter, Tante von Vater
Seite and Schwester sind von dem Verbote ansgeaommen.
wird ciogeschärft, dass Adoptirte (adoptivaa), Blutsyer
Fremde ferne von ihnen, von ihrem Anblicke wohnen solle
Diese Casiancr wohnten in dem Orte S. Casiano?');
eiuc auf Sandboden erbaute Kirche (wahrscheinlich in der :
grossen Steppe von Cabra, die weit und breit nnfrochtbai
Kirche des heiligen Uasioniis, vielleicht dem Märtyrer C
') et de diversit catieie comtnuntcanfes ex auorvm 8acrament
IholicU mori&EM manent respuenda, qttae extimeretur «uorum etm
ac mvHerea mors Uvitarum eis eucharistiam tn manu porrigunt,
stt^pieione Jvdaeorum. atqve Jutereticomm quasi ad os ducens ii
cttnibua porrebant. Hit Aasnahmc der Iczten Anadrflckc bio idi nid
Synode von 839. 315
ka, oder dem von Pnidentius besungenen Märtyrer Casianus von
la geweiht, lag also auf dem Territorium von Egabra, ^in der Villa,
beEpagro heisst, und nahe bei der Stadt Egabra ^). Diese gehört
Metropole von Sevilla, während jezt Wistremir Metropolitanbischof
Size von Carpetanien^), Johannes Metropolitan von Sevilla, Ajul-
Metropolitan von Lusitanien ist^.
Die acht Bischöfe sind mit einem Collegium von Priestern und
„einem Keil"" von Klerikern versammelt, und sie „verwerfen jene
ammenswerthe Lehre mit ihren Urhebern, oder jenen Antifrasius
\erieu8^) mit seinen Genossen, welche nicht das Uebel besiegen,
em das Volk verfuhren, und ein fanatisches Leben fuhren^). Wir
ihnen alle, wo immer sie sind, in die Einheit der katholischen
he zurückzukehren. Wir empfehlen unserm Mitbischofe Recafredus,
er mit aller Sorgfalt die Verführten auf den bessern Weg leite.
3en sie verstockt, so soll ihr Antheil sein mit Judas, dem Ver-
sr. Jene Kirche aber bei Epagro erklären wir für ein profanes
Aude, da sie kirchlich nicht eingeweiht wurde. Eine Spelunke ist
keine Kirche, sie soll niedergerissen werden. Bekehren sie sich,
ollen sie eine durch die Hand des Bischofs Becafred geweihte
be haben, unter der Aufsicht des Metropoliten Joannes^), von
auch sollen sie die Weihe mit dem Chrisma erhalten^.
Wistremir unterschreibt zuerst; zulezt Nifridus von Elvira. Dann
n sie: «Wir versammelten Bischöfe haben mit eigener Hand diese
bandlungen bekräftigt, und haben sie auch den Priestern zur Unter-
rift übergeben, am 21. Februar 839 Flavius, Presbyter (an der
2he der heiligen drei Märtyrer) unterschreibt zulezt.
Die Anklänge, die Aehnlichkeiten der Sekte der Casianisten,
die von der Kirche S. Casianus ihren Namen zu haben scheinen,
den Migetianem und den Anhängern des Missionsbischofs Egila
. so zaiilreich und unverkennbar, dass wir die Sektirer des Jahres
von den Anhängern des Egila ableiten. Ausgeschlossen bleibt
t, dass inzwischen ein neuer Missionsbischof aus Gallien, Italien
«) K.-G. IIa, 11.
*) Diess ist entweder nicht richtig , oder Carpetanicn hat hier die Bedeutung
Carthaginensis, Denn die Bisthiimcr Acci, Basti, Urci, Ilici u. a. gehörten
nnd anch jczt zu Toledo. Aber auch so hat Wistremir die alte, allerdings
dauernde Primatie von Toledo fallen gelassen, und ist (erster?) Metropolitan
B zwei andern Metropoliten.
*) hier erscheint wieder ein Antiphrasius. Das Wort kann doch „Geist doH
Bm^uches*' bedeuten. Quniericus mahnt an das Wort Uunericli oder Gundcrich.
*) qui quiescendo favoi'em in religione prophanantium vitam dticunt
Uieam.
*) sub conditione, mit Genehmigung?
Von Carl dem Grossen erzählt u. a. Wilhelm von Tyn
stets seine milde Hand geö&et habe ancb für die Christen
Da nnn diese Christen später ganz verschwinden, ao kÖnx
Schaarea derselben nach Spanien sich verirrt haben. Doch
nach Helffericb, die Ableitung der Casianer von den Mig
meiste Wahrscheinlichkeit)
§• 17-
Um das Jahr 838 fiel der Hofcaplan Ladwig's des
'- Bodo, aus alemanniBcbem Geschlecht, auf einer Reise nach E
fen, zum Judenthum ab, and verkaufte mittelst der Jaden s
liehen Begleiter an die Heiden (i. e. Maaren). Nor einen
hielt er bei sich. £r nannte sich nun Eleazar, nahm die 1
Kriegers an, neben der Beschneidang, heirathete ein Judi
und zwang auch seinen Verwandten zum Abfall. Im Augof
er mit andern Juden nach Saragossa. König Ludwig ko
oder nicht vermocht werden, an diesen Abfall zu glaabei
hoffte, den Cbalj/en und dessen Häthe von der Nothwen
überzeugen, dass alle mozarabischen Christen entweder J
Moslim werden müssten; oder „sie müssten getödtet werden",
beängstigt, sandten die Mozaraber (c. 847) eine Klageschr
König Carl den Kahlen und alle westfränkiscben Bischöfe,
König den Apostaten Bodo, als fränkischen Unterthanen, zui
möchte. So weit bericbteu die Annalea Bertinieati. Aus d
des Alvaro ersehen wir, dass Eleazar sich schon 840 nac
begeben hatte, wo er den Christen mehr schaden konnte.
Alvanis nnd Eleazar. 317
yhristas gewinnen mochte. Er kämpft gegen ihn als gegen einen
»igen Juden von gutem Willen, der, wenn er die Wahrheit des
itenthums erkannt , sich auch zu demselben bekennen würde. Elea-
ntwortete ^seinem geliebten Alvarus*'*). Aber nur wenige Worte
3 Schreibens sind uns erhalten. Ein Besizer des Codex Cordttben-
ßseitigte den Brief, indem er zwölf Zeilen unleserlich machte, das
;te Blatt aber ausschnitt. In seiner Antwoit (Brief 16) nennt ihn
•o „ehrwürdigster Bruder**, und „geliebter Eleazar***). Eleazar
1 den weltlichen Wissenschaften hinreichend , in der Theologie
r unterrichtet; er wisse nichts von der jüdischen Geschichte. Er
. ihn einen „Gallier^ (homo GaUus). Er sagt, dass Eleazar selbst
chandlichen Umgangs mit yerschiedenen Frauen sich gerühmt^).
Ivaro handelt jfon den verschiedenen Ausgaben und Lesarten der
aginta, und erhebt den heiligen Hieronymus als ersten Exegcten,
seine Bibelübersezung. In die Einzelheiten^ in die er eingeht,
Q wir ihm nicht folgen. Er schreibt in der 878 Era^ im Jahre 840.
ahre 867 sollte aber nach Eleazar's Erwartung der „ZabvluB^ (der
ias?) der Juden erscheinen^), und die Juden erl5st werden. —
'o kennt und citirt die jüdische Geschichte des Josephus Flavius.
»r hatte seinen Brief mit den Worten geschlossen: ,Lebe wohl,
iialte deinen Jesus fest, jezt und allzeit**, worauf Alvaro dreitach
an** spricht.
Von einem weiteren Brief Eleazar's sind nur einige Zeilen erhal-
Die Antwort Alvaro's^) ist eine lange Abhandlung. „Willst du
n, sagt er ihm ,(c. 16), wer Urheber (deines Judenthums) ist?
Weih ist es. Was du übel begonnen, vollendest du noch schlim-
Du bist Knecht der Venus geworden. Wenn die Lust dich
, so suche nicht die Juden, sondern die Muhamedaner^) auf, wo
lanzen, wo du nicht eine, sondern mehrere Frauen nehmen, wo
I Saus und Braus leben kannst**. Eleazar will nicht dem Gebelle
wütbenden Hunde antworten'). Würde er in Alvaro ein Fünk-
der Hoffiiung eines besseren Glaubens entdecken, so würde er
ausführlicher antworten, damit er einsähe, dass er selbst nur „ein
pilator sei, und dass die Bücher, auf die ihr euch beruft, irren**.
') ep, 15 tnter ep. Alvari,
*) ferner: mi germane, mif rater, nr, 10; wohl, weil Alvaro (früher) Jude war.
■) ep. 16, 2, ita tU passim per diversarumfeminarum concubiius in templo
> (f) te glories diUces tibi hubitere complextis,
*) Ueber ihn lässt sich Alvaro in Ausdrucken ergehen, die sich vielleicht nur
ndalasier erlanben konnte.
*) epist 18.
') Mamentianoa = Mahometanos.
*) ep. 19.
pbiioD. weit verbreitet war. Sie behaupteten, daes Gott me
habe, dass er in der Höhe des Himmels wobnc, T«n
schaae mid leite, wie mit leiblichen Augen und Hän<
dasB das Znsammenleben mit den Arabern diesem In
geleistet habe. Namentlich waren viele vornehme O
Trrtham verstrickt, wie die „Crrafen" Komanns ond
und Sohn, Hostegesis, der Gottes reale Allgegenwarl
fanden es unwürdig Gottes, dass er allen Dingen gi
Sagte man, dass Gott in allen Wesen zugegen sei,
dass olle Dinge in dem Menschen enthalten oder vereit
Gon, alz vorzüglicher Gegner der Irrlehre, wurde von
und bei den Bischöfen angezeigt. Er schrieb dagegen
„Confeano Jidei". Im Jahre 862 traten einige BischöJ
einem Concil zosammen.
§. 19.
Zwischen dieses und das im Jahre S39 gehaltene C
dcrcs in das Jahr 852^), von dem Eulogius berichtet,
Ezccptor, Christ dem Namen nach, Christenfeind in "^
dem versammelten Concil der Bischöfe die Christel
welche gegen die Mnbamcdftncr auftraten'). Die Bise
diesem Anlasse (um den allzu grossen Eifer der Chiie
Gondl von 862. 319
8 yerschiedenen Provinzen „von dem Könige'^, d. i. dem Chalifen synodaa
Mlerrhaman U. nach Corduba berufen worden, hätten, sei es aus !?* ^
LTcht, oder sich dem Gutachten der Metropoliten fugend, ein Decret
l^hen lassen, in dem sie verboten, sich selbst zum Martyrtod zu
uigen. Der Erlass selbst aber, an dem Eulogius einigen Antheil
habt zu haben scheint, war so unklar gefasst, dass man darin auch
le flmpfehlnng der Märtyrer finden konnte*). Tadel also legten die
schöfe auf das gewaltsame Drängen zum Martyrium, die Märtyrer
übst aber loben sie. Denn Gott hatte für sie entschieden und ihnen
ft Gnade der Ausdauer verliehen^).
Ein weiteres Concil vom Jahre 860 — 861 wird aus den Briefen
I Bischofs Saulus gefolgert oder erschlossen. Es handelte sich
nun, das Schisma unter den Christen von Corduba zu heben, da
I strengem Christen den Umgang mit den nachgiebigen vermieden.
B Bischöfe entschieden sich, gestuzt auf zahlreiche Zeugnisse der
Aer und der Geschichte, für die müdere Praxis, und es scheint nicht,
■B sie Widerspruch fanden^).
§. 20.
Die Bischöfe des (vierten) Concils von Corduba vom Jahre 862,
t Zeit des Bischofs Valentins, prüften und billigten zunächst das
m Abt Samson verfasste Glaubensbekenntniss , welches derselbe drei
■jp vor Eroffiiung der Synode einreichte^). Aber Hostegesis drang
pseinem Anhang in die Synode ein, legte den Bischofen eine von
|D entworfene Formel vor, liess dieselbe vorlesen, und zwang diescl-
a g^en ihren Willen zur Unterschrift derselben. Selbst der fromme
■ohof Valentins von Corduba unterschrieb, damit er nicht den Bischö-
i^ welche ihn vor Kurzem ordinirt hatten, zu widerstreben schiene.
:]iofite die Bischöfe durch personlichen Umgang für die Wahrheit
"gewinnen und dann den Abt Samson in sein Amt wieder einsezen
können^).
^^— ■ ■
') eademque scheda minime decedentium agonem impugnans, quod futuros
^abilUer extolleret müites, percipitur, 2, 14,
*) cf. Canon. 60, von Elvira, K.-G. IIa, 124.— r/. Tejada y RamirOy f. III,
37 — 32 (ConcUio de Corduba del anno 852).
*) JSpiscopt (et, ut apparet Sauli Cordubensis) ad alterum episcopum
figtola, nr. 10, inter epist. Alvari, Florez, XI, 156—163, nr. 2. Metropo-
mwrwn partim epistolari decreto partim praesentiali participatinnis commu-
mid nr. 5 : Metropolitanorum sancHonibtis in praeterito et pracsenti in-
eonfinnatum. Also war wenigstens ein Metropolit zugegen. Tejada denkt
beiden Erzbischöfe von Sevilla und Mcijda; Concil. de 860, III, p. 32—33.
L Fiorez, X, 365-366, edit. 3.)
•) Samson, apologet. 2, 1.
*) apolog. tiamsonis, 2, 7.
Kirche Gebrauch ist Der Gottlose behauptet, dass die G
AUmöchtigen so ansgcgossea ist, wie Erde, oder Feacht
Lnft oder das Licht. Er lehrt, dass Gott ia gleicher Vi
den Propheten, wenn sie prophezeien, wie in dem Teufel,
der Liait zerstreut*), oder in dem Idol, das von den Unglä)
ehrt wird, ja sogar in den kleinsten Mücken enthalten ist.
glauben, dass er in Allem vermöge der Snbtilität, nicht
Wesenheit enthalten sei ^). Samson nimmt neben den dre
in Gott dem Vater, dem Sohne und heiligen Geiste, deren
senheit nicht in Frage steht, noch andere gewisse Aehnlict
die er nicht Geschöpfe, sondern Schöpfer nennt, so dass e
Heiden eine Vielheit der Gotter einführt. Darum verdammt
Irrthum zugleich mit seinem Urheber. Er sei ansgeschlossc
raubt seiner priesterlichen Würde, abgesezt für immer von je
kaliscben Amte, ja beraubt jeder Mitgliedschaft an der Kin
Bischöfe mussten diese Bannbulle nnterBchreiben, ihre Unt
aber sind nicht erhalten.
Die Bischöfe suchten ihren Fehler gut zu machen, un«
^1* dem Samson theils mündlich, theils durch ihre Briefe, dass ;
oinen guten Katholiken halten, und er wnide in sein Amt i
gesczt. „Die Bischöfe (sagt Samson)"), welche durch i
mich von aller Schuld freisprechen zu sollen glaubten, sind:
welcher dem Concil nicht beigewohnt hatte, Metropolitanb
Emeriteneischen Sizes (den derselbe sfwtestfins seit 839 i
') 2, 3 — exemplar sententiae aub nomine concilii ab Haste J
'1 consdbrini.
Bynode von 862. — Die UBityrer. 321
0, Bischof des Stuhles Yon Beatia, der gleichfalls in der vorher-
enden Versammliiiig sich nicht eingefunden hatte. Auch Reculfus,
!sbof von Egabra (das jezt «wieder, nach 839, seinen eigenen Bischof
e). Aber auch Beatus, Bischof von Astigi, welcher seinen Aus-
ich in die Hände des Bischofs Valentins niederlegte. Joannes aber,
shof yon Basti, Oenesius, Bischof von Urci, aber auch Teudegutus,
itkot von Elche, glaubten mit eigenem Munde (vor Bischof Valen-
) die ungerechte Verdammung durch eine gerechte Lossprechung
jSD ZU sollen. Miro aber, Bischof des Sizes von Asido, als er die
ife seiner Mitbischofe las, und ihren Sinn erwog, indem er zugleich
meinem Herrn, dem Bischof Valentins, sich berieth, beschloss,
firOheren Urtheilsspruch aufisuheben, und mich in der vorigen
isde wiederherzustellen, was er auch sogleich that. Ja auf Bitten
JQeriker und der Gemeinde der Kirche des heiligen Zoilus, in
isker der Leib desselben ruht, beschloss er, mich Untauglichen, der*
fga vorzusezen ^). Darüber waren die Feinde aufs Aeusserste er*
Wim Durch den Befehl des Chalifen Hessen sie also den Bischof
ins absezen, und den Stephanus, genannt Flacco, drängten sie
ichof ein. Den Metropoliten (Recafired?) beriefen sie darum nach
iba, den Reculf von Egabra und den Beatus von Astigi, welche
Drohungen eingeschüchtert hatten, und sezten den Stephanus
Kirche des heiligen Acisclus ein. Da keine Katholiken erschie-
raren, hatten sie Juden und Moslim in die Kirche berufen. Weiter
unsere Kenntniss über die Schicksale des Valentins, Stephanus
lon nicht.
I §. 21.
^ Wir gelangen endlich zu den Märtyrern dieser an traurigen und
pBg^n Ereignissen so reichen Zeit. Die Geschichte dieser Märtyrer
gder ruhmreichste derselben, „der liebliche Blutzeuge Christi^ Eulo-
jl in seinem „Memorials Sanctorum^ geschrieben, so kräftig, so an-
Ipibdi, so erbaulich, dass der heilige Geist ihm die Feder gefuhrt
|bben scheint^).
4 Adulfus und Joannes erlitten den Martyrtod in dem Anfange der
|p»rung Abderrahmans U. (c. 824). Aber Eulogius sezt den Priester
Iperfectus vom Jahre 850 allen andern Märtyrern voran. Die Acten
Sr verfasste der Abt Esperaindeo, sie sind aber nicht erhalten^).
') Valentias, nnd nicht Bischof Miro hat diess gethan.
_ ^ ut in pyxide spiritus S. calamum intinxisse videatur.
•) Eidog, 2, 8, cp. 8.
m, Span. Kirche. II. 2. 21
Am Pascha der Moslim (18. April) etarb er als Mai
sten begruben ihn neben dem Leibe des heiligen Ac
wart des Bischofs, des Klerus, der Mönche nnd des \
Usuardus kam sein Name (18. April) in das von il
tyrologiam, von da in die übrigen und znlezt in d
tyrologiam des Baronius. — Die laxem Christen in
ihn in Schuz, weil er zuerst (den Thatbestand der A
und nachher im Stande des Zwanges siuh befand. I
seine spätere Standhaftigkcit, in der er aus der t
machte, und Gott freiwillig sein Leben opferte'). E
Christen nichts über oder gegen Muhamed gesprocl
FerfectuB das Stillschweigen gebrochen, da erhoben
voll Muth, und wie in den Jahren 304 — 305 die B
nicht aufgesucht hervorgetreten waren in den Kampf,
Jungfrauen, so tiaten jezt selbst die Mönche aus ihre
vor. und verlangten nach der Krone des Martyriums.
u Joannes, geuaont „Confasaor" , bot sich nicht frt
tern dar, sondern wurde von den Mauren angeklagt
Wohlstand hatte den Neid derselben erregt. Sie besc
Schmähung Muhamed's und dass er in seinem Name
Er sollte gepeitscht werden, bis er Christus verläu|i;ne
hundert Streiche erhielt er. So zugerichtet wurde er
nnd die Tempel der Christen geführt, während der
werde gestraft, wer über den Propheten und sei
redet" ^). Diess trcschah ein Jalir und darüber nae
tsaac, der Märtyrer. • 323
nge Zeit blieb Joannes im Gefangniss. Zu dieser Zeit befand sich
eh £rilogia8 im Gefangnisse, und .sah dort den Johannes. Später
trde er, wahrscheinlich mit dem Bischöfe Saulus nnd Enlogius, ans
m Gefängnisse entlassen. Er scheint im Frieden gestorben zu sein.
sr £rzpriester Cyprian yerfasste auf ihn die Grabschrift: Ueber dem
nbeahügel des heiligen Bekenners Joannes. Gefangniss und harte
lerne Bande hat Joannes aus Liebe zu Christus ertragen. Sein Leich-
m ruht in dieser Halle ^).
§. 22.
Der Märtyrer Isaac stammte von Corduba, Sohn adeliger und is^ae.
Ir reicher Eltern, die als gute Christen lebten. Isaac wurde im
■ore 824 geboren. Er erhielt Unterricht in der arabischen Sprache,
ff er Tollstandig erlernte^. Er bekleidete das Amt eines öffentlichen
%fiC6ptar^'. Als er 24 Jahre zählte, und von weltlichen Ehren wie
tncht war, ergriff ihn plozlich die Gnade; mit fröhlichem Herzen
er allen Gütern, und verliess die Welt (848). Er suchte das
yon Tabanos auf, wo der heilige Jeremias, sein Oheim, lebte,
rieh fast mit seiner ganzen Verwandtschaft dahin zurückgezogen
mit seinem Vermögen dieses Kloster gestiftet hatte. — Martin, der
[er der Frau des Jeremias, war daselbst Abt; unter seiner Leitung
Isaac drei Jahre, ganz versenkt in die Betrachtung der ewigen
'heiten. Getrieben vom Eifer des Herrn erschien er vor dem
iter, und lud ihn ein, ihm Grund und Wesen seines Glaubens zu
Der Richter, wähnend, dass Isaac Moslim werden wollte,
es, so gut er es vermochte. Isaac erwiderte: Dieser &lsche Pro-
hat gelogen und euch irre geführt, er verführte so viele Seelen,
sie in den Abgrund, und für seine Uebelthaten wird er ewig
Wie mögt ihr, die ihr Weise zu sein euch rühmt, euch nicht
isen von diesen Gefahren? Warum entsagt ihr nicht der Pest
T verworfenen Lehren, um anzunehmen das sichere Heil des Chri-
In? Der Richter wusste auf solche Reden nichts zu antworten, er
Ldem Bekenner nur einen Schlag mit der Hand. Selbst die Mauren
ten diese Handlung nicht vertheidigen, da Isaac ohnedem sterben
BBBte. — Er wurde zum Tode verurtheilt und starb am 3. Juni 851*).
Der Laie Sanctius (Sancho), ein Gallier, starb zwei Tage später
t: den Glauben*). Wieder nach drei Tagen, am 8. Juni, vollendeten
*) Haofunctus in avla quiescU,
') EtUog. lih, I, prolog,
21
VerfolgQDg TOD den Heiden (MoBÜm) aueging; wir habt
dass auch die Unsrigen im Eifer (für die Ehre) Gotte«
Menschen, sich erhoben haben. Waa also findet ihr hier»
Zögert nicht, es zn sagen. Sie sahen entbrannt den heii
angethan mit dem Panzer des Glanbena haben sie eilige
mit anverdroesenem Schritte — den herrlichsten Kri^
Nachdem sie den einen getödtet, den andern verwandet sal
sie wegen der Fnlme der Glorie auf das Schlachtfeld ge<
war die Anschannng nicht nnr des Älvams und Eulogii
aller gläubigen Christen überhaupt, auch der Bischöfe.
Abderrahman II. erliess neue Edicte gegen die Cbri
Tribute er erhöhte. Anf seinen Befehl liess der Erzbiscl
den Eulogins in das Gefängniss werfen, weil er die Mar
tbigte. Er erklärte die für excommnnicirt nnd ebrloa, '
Martyrthnm eich drängten. Die Leiber der Märtyrer wnrde
ihre Asche in den Flnss geworfen.
Die Jnnglrauen Nonilo nnd Alodia litten im October I
den Tod für den Glauben*). Nach langem Gefängnisse
Jnngfrauen Flors von Corduba nnd Maria von Elepla, di
des Märtyrers Walabonsne, am 25. November für den Gls
sie es vor ihrem Tode vorhergesagt, wurden sechs '
Bischof Panlua nnd Eulogius aus dem Gefängnisse entlasst
') Btdog. 2, 4.
^1.2,5.
•J l. 2, 6.
Märtyrer von 852 und 853. 325
§. 23.
Am 13. Jannar 852 litten Gnmesindns, Priester von Toledo, und ^^y-
r vo
852.
^önch Servusdei den Tod für Christns*). Die heiligen Märtyrer'*' ^"°
sliiis, Felix von Corduba, mit ihren Frauen Sabigotho und Liliosa,
ihnen der Mönch Georgius aus Syrien erlangten am 27. Juli die Krone
IhKartyrer^). Ihnen folgten am 20. August auf demselben Wege
Vollendung die Mönche Christophorus von Corduba und LeovigU-
r^on Elvira^. — Am 15. September wurden Emila und Jeremias
i2Ck>rduba gekrönt; der Mönch Rogellus von Elvira und der Mönch
Dei aus Syrien wurden am 16. September nach verschiedenen
enthauptet. Erschreckt durch die Standhaftigkeit so vieler
suchte auf das Neue Abderrahman durch den Bischof Reca-
die Christen einzuschüchtern. Den Christen wurde ein Eid ab-
ieHy dass sie vor den Richtern nicht erscheinen sollten.
§. 24.
Als Mahomed zur Regierung gekommen war, brach die Verfolg- Many
mit erneuter Heftigkeit aus. Mahomed zerstörte die Kirchen ''^L^^'^
isten*). — Diess ist die dritte Christen Verfolgung in Corduba.
13. Juni 853 starb Fandila , Priester und Mönch von Acci, als
•er*). — Am folgenden Tage , den 14. Juni, erlangten der Mönch
iester Anastasius, Felix, Mönch von Complutum, die Gott ge-
Jungfrau Digna den Siegeslorbeer*). Die Matrone Benildis
am 15. Juni gemartert'). — Die heilige Columba von Corduba,
ttgeweihte Jungfrau, wurde am 17. September enthauptet®). —
^16. October folgte ihr die Jungfrau und Martyrin Pomposa im
nach').
40
') EtOog. 2, 9.
*) 2, 10.
•) 2, 11.
') 3, /-*.
') 3, 7.
•)3, 8.
') 3, 9.
•) 3, 10.
•) 3, 11.
lucci, retnis juoqcd aas ^oruciDa, uuuovicus aus v^c
Martyrtod gekrönt*). Der Greis Witesiodus ans Egal
selben Jahre für den Gtlaabea. Den Tag bat Ealo^ns i
jtbrS6e Im Jahre 856, am 17. April, litten Elias, Presl
nien, die Mönche Paulus und Isidor den Tod für
Ärgimirus, Mönch von Egabra, wurde im Bekennti
38. Juni getödtet*). Die Gott geweihte Jongirau Auf
der Märtyrer Adulphus und Johannes, erlangte am li
des Martyrthums.
iihrff-7 Im Jabre 857, am 19. März, erlitten Rudericue
Salonio den Tod für den Glauben.
Das folgende Jahr 858 hat bei Eologius keinen
§. 26.
Im Jahre 859 starb Eulogius selbst als Mait^
Viele zum Martyrthum gefuhrt und ermuthigt, und d
so vieler Märtyrer der Nachwelt erhalten hat. Mit I
Spanien dieses grosseo Mannes, der die Bhreunam<
Vater, der Kirchenlehrer, die Säule der Kirche" u. a
Mitten einer dunkeln Zeit als hellleuchtender Stern er;
stammte aus einer vornehmen Familie in Corduba und
der Kirche des heiligen Zoilus zum Manne heran, i
der Abt Sperundeo. Als Kleriker wie als Mönch i
aus. Er wurde znm Diakon und zum Priester gew<
Enlogios von Cordaba. 327
lesicht, glänzend seine Rede. Was er lernte, was er wusste, das
te er die Andern. Durch seine Lieblichkeit zog er alle Gemüther
dcli. „In sich vereinigend die Strenge des Hieronymus, die Beschei-
beit des Augustinus, die Milde des Ambrosius, die Geduld des
gorius in der Unterweisung der Irrenden stüzte er die Kleinem,
lügte er die Grossem, ertrug er alles Schreckliche, und zeigte in
mt eine wunderbare Vielseitigkeit^. Um zwei seiner Brüder aufzu-
hen, welche des Handels wegen angeblich nach Mainz gegangen^
her eine Reise nach Frankreich an, gelangte aber nur bis Pam-
|i^ c 844 — 849. Durch Handelsreisende erfuhr er ihren Aufenthalt,
me kehrten nach einiger Zeit wohlbehalten zurück. Ueberall be-
Eulogius die Bischöfe und Kloster. Sein nach dieser Reise an
chof Wilesind von Famplona geschriebener Brief gibt uns die
»ten Nachrichten über die damalige Lage der Christen in
Von dieser Reise brachte Eulogius kostbare Handschriften
Corduba zurück.
Bei seiner Rückkehr — um 849 — lebte noch der Erzbischof
ipiremir von Toledo, dessen Todesjahr sich nicht bestimmen lässt
I?)» Die auf Eulogius gefallene Wahl zu dessen Nachfolger lehnte
ler ab. — Wiederholt theilte Eulogius das Gefangniss der Bekenner
l der Märtyrer. Stets unerschrocken tröstete, stärkte, begleitete er
-bis zum Tode, und sammelte ihre heiligen Leiber. In der Zeit der
l|Bten Bedrängniss hielt er Alle und Alles aufrecht. Von der Noth
ler Zeit sagt Eulogius:
' »Die innersten Gefängnisse sind erfüllt mit den Schaaren der
r; beraubt ist die Kirche des heiligen Dienstes der Bischöfe
Priester. Die Tabernakel Gottes sind in schrecklicher Verlassen-
die Spinne hat den Tempel umwoben. Alles ruht im Stillschwei-
▼erwirrt sind die Priester und die Diener des Altares, weil die
des Heiligthums über alle Strassen ausgestreut sind. Während
ttlichen Gesänge in den Kirchen verstummt sind, wiederhallen die
borgenen Gefängnisse von dem Gebet der heiligen Psalmen^.
?! Nachdem Eulogius so Viele zum Martyrtod gestärkt und gefuhrt
le, sollte er zulezt selbst als Märtyrer sterben. Er und seine
Pfwester, die Nonne AnuUo; hatten ein maurisches Mädchen Leocritia
^tfosa) im Christenthimi unterrichtet, und verbargen es vor deren
im. Leocritia wurde endlich ergriffen, und mit ihr Eulogius. Auf
(Frage des Richters, warum er solches gethan, antwortete Eulogius:
r Befehl zu predigen ist uns gegeben, und unserm Glauben kommt
zu, dass wir denen, die uns befragen, das Licht des Glaubens dar-
len, dass wir keinem, der auf den Pfaden zur Wahrheit wandeln
II , das, was zum Heile dient, zu geben verweigern. Weil nun diese
Bgfirau die Regel des heiligen Glaubens von uns zu erlangen wünschte.
Enlogins' Schriften. 329
§. 27.
Die Hauptschrift des heiligen Eologius ist 1) das H6morial6 San- scbrif-
ten dM
Enlogina
etorum in drei Büchern. Das erste Buch ist gerichtet gegen jene*®" ^^
(Christen), welche die Ehre dieser Märtyrer angriffen, weil sie von
freien Stücken die Gefahr und den Tod aufsuchten, und nicht durch
äussere Gewalt zur Verleugnung ihres Glaubens gezwungen wurden.
Das zweite und dritte Buch enthalten die Geschichte der Märtyrer bis
zum Jahre 856.
X- • 2) Apologeticus sanctorum martyrum schildert den Martyrtod der
:^ heiligen Bodericus und Salomo (857), und vertheidigt auf das Neue die
2 Märtyrer von Corduba.
fe 3) Das „Documentum martyrii, quod in carcere poaitus virginibus
s. Christi Florae et Mariae ergastulo mancipcUis dicavit^ sollte diese Jung-
r firauen zur standhaften Erduldung des Todes ermuntern. Am Schluss
S' ist noch eine „oratio ad Deum^ beigefügt.
s 4) Die Briefe. Erster Brief an Alvarus, über das Martyrthum der
i Jangfranen Flora und Maria. Brief an die Baldegotho, die Schwester
; der Flora. Brief an den Bischof Wiliesindus von Pamplona, womit
er ihm Reliquien des heiligen Zoilus und Aciselus übersendet, und
aber die Verfolgung der Kirche von Corduba berichtet. Er nennt die
Namen der bis zum November des Jahres 851 vollendeten Märtyrer.
Der Brief ist zu der Zeit geschrieben , als die Jungfrauen Flora und
Maria taglich auf ihre Vollendung warteten.
§. 28.
^_ Die Werke des Eulogius hat zuerst vollständig Amhrosius Mo-
TcleB von Corduba mit sehr ausfuhrlichen Schollen herausgegeben. Com-
^pluti, 1564, fol. Sie wurden abgedruckt in der Hispania illustrata,
^ td. Franc. Schott, Francf. 1603—1608, 4 vol. f., in t. IV, p. 223; in
.^der Bihliotheca patrum Lugdunensis maxima, 1677 , t. XV, p. 277 sq,
"^Ferner in der Ausgabe der ,f Patres Tdetani*^ von Franc. Lorenzana:
Sancti Eulogii Cordubensis martyris, decti Archiepiscopi Toletani, opera
iHnnia, t II, Matrit. 1785, p. 391 — 619; endlich ap. Migne^ Patrologia
^ latina, t. 115, p. 705—960.
Ueber Eulogius schrieben sehr ausfahrlich: Morales in seinen
Schollen; Nie. Antonio^ Bihliotheca Hispana vetus^ /, p. 463 — 467. —
^lorez, Espaila sagrada, t. X, passim (am genauesten und er-
schöpfendsten), Masdeii, t. XII. — J, Christ E. Bourret, de schola
Corduhae christiana, suh gentis Ommiaditarum imperio, Paris. 18ööy
p. 38 — 58 (S. Eulogius). — Vic. de la Fuente, H. edes. de Espana,
330 Nanotes Buch. Viwtea Kqiitel.
(. //, 1853, p, 124—126. — Ad. HdfferUh, der westgotliische Arianis-
mu8, 1860, S. 120—126. — Bdnhard Boa/ , Bütoin de» MymimuiM
^Espafpie. (711^1110), t II, Leydm 1861, p. 1 — 162 (mit eotochie-
deoer Pftrteiuahnie gegen die Cbristen).
Bvis'ikin Von dem Abte Speroüideo, dem Lehrer des heiligen Ealt^oi,
'""'' gewisEermassea dem ersten Träger dieser grossen geistigen Erbebnng
iD Spimica, i^t uns weder Käheres bekannt, noch etwas SduiftUcbei
erhalten '). Enlogias erwähnt einen Commentar deseelben g^en da
Koran. „T)ieEe Frage hat der beredte Mann TortrefiBicb entwickelt
diesea grosse Licht der Kirche in onaem Zeiten" (indem er den Kocu
aus Bciucm ei^eu Inhalte widerlegte)*). Er oemit ihn femer da
„bei-ühmtesten Lehrer", welcher den siegreichen Ausgang der Mar^
Adiilphiii) und Johannes beschrieb. „Die glänzenden Thatea ("
leiirhtcuden Geetinie hat, zum Nuzen der heiligen Kirche, zum V(v-
bild für die Schwachen, der Greis, unser Lehrer glückseligen Ande»-
kens, in atisriihrlicher Erzabinng dargestellt"*).
§. 30.
OrpHa- Cyprieatits ist nur bekannt aas dem von Mondes vielgenanaM
'^' Codex von Azagra, der nach Toledo kam, und dessen sich auch hr
renzana bediente. Unter dem Titel: »Des Herrn Cyprianns, ErTprifr
sters des Sizes von Cordnba (Domini Cypriam, ArchiprtabyteH Cord^
bensis Sedis)'^ stehen eioige Gedichte. In dem ersten seiner Epigranim:
lobt er den Conde Adolfos, welcher der Kirche des heiligen Acisclns
eine Bibel schenkte. Der Sohn des Conden, Fredenand (Ferdinand'
wird gebeten, das zu schüzen, was sein Vater geschenkt. Das zvm
Epigramm lehrt uns einen Archidiacon Saturninus kennen, für welcbti
Zo'ilas eine „Bibliothek" geschrieben hatte. Eine Bibliothek bedeaB
hier das Alte und Neue Testament. Das dritte Epigramm ladet z^v
Fröhlichkeit wegen des wiederkehrenden Frühlings ein. — Das vierte
Epigramm lobt den Grafen Gutfredus, der „in der heiligen Taufe de»
Namen Guifredus erhalten hat"*). Seine Gemahlin Guisinda erhJw
hier zum Geschenke einen Fächer, um die Hize von sich abzuwehrea
Es folgen drei Epitaphien, auf das Grab des Abtes Samson, dessn
') Nicol. Antonio, l. c. l. VI, ep. 7; 8.
') Eutog-, memOT. actor. 1, 1.
*) ZMd, 2, 8. — Alvari Vita Eutogii. — Flores, XI, p. 3—5.
') Nomine Guifredtts ex aacro gurgite dictus.
Abt Samson. 331
im ganz ^Hesperien^ feiere und welcher im hohen Alter gestorben
nämlich am 21. Juli ^er Aera 928 (Jahr 890); auf das Grab der
ligen Nonne Ilermildis, ein drittes auf das Grab des Bekenners
lannes.
Aus diesen Versen lässt sich nur entnehmen, dass der Erzpriester
prian, dem ein Erzdiacon zur Seite stand, um das Jahr 890 lebte,
l dass die wenigen von ihm erhaltenen Verse eine für die Christen
dlichere Zeit vermuthen lassen*).
§. 31.
Der Presbyter und Abt Samson wurde zu Corduba am Anfang am
neunten Jahrhunderts geboren, um das Jahr 810. Zu jener Zeit, ^°^^^
welcher die Uebung der lateinischen Sprache sehr in Verfall gera-
a, und aus dem verfallenen Latein sich sehr langsam eine neue
ache bildete, galt Samson als so gewandt im Gebrauche der latei-
;hen Sprache, dass man sich seiner am Hofe des Chalifen zum
Dersezen der Briefe an den Hof von Frankenreich aus dem Arabi-
en in das Lateinische bediente*). Er zeigt in seinen Schriften grosse
intniss der positiven Theologie, der Dogmatik, Polemik in der
elastischen Form. Obgleich er den Namen „Abt^ fiihrt, war er
h Kleriker oder Priester von Corduba, der im Jahre 858 zum Abte
Klosters Pinamelaria gewählt war. Auf Bitten der E^leriker und
Volks wurde er aber im Jahre 862 als Rector (oder Pfarrer) der
che des heiligen Zoilus in Corduba eingesezt^).
Vorher, um das Jahr 861, befand er sich zu Corduba, wo er die
che gegen die Angriffe des Hostegesis vertheidigte. Desswegen
rde er verbannt. Seine Kämpfe sind oben erwähnt. Die Schrift
Samson „apologetictts^ besteht aus drei Büchern. Voraus gehtApoJogt.
3 Vorrede: „Samson, der Baiecht der Baiechte Gottes (wünscht) dem g^^*"
nmen Leser Heil". In dieser Schrift schildert er seinen Gegner?
er war, vertheidigt sich gegen dessen Angriffe auf seinen
luben und seine Sitten. Er schildert ihn wie als einen schlech-
Menschen, so als einen unwissenden Theologen und Grammatiker.
3 erste Buch handelt von dem Glauben; vom Lobe des Glaubens,
. den Zeugnissen für Gott den allmächtigen Vater als die erste
son in der Gottheit, von den Beweisen, dass Gott der Sohn
der Wesenheit des Vaters erzeugt sei, von dem heiligen Geist,
') Florez, XI. p. 8—10,
') prolog, ad apologet Samsonis, l, 2, nr, 9,
*) Yepes, Coronica etc. ad annum 859.
333 Nenntes Bnoh. VieitM K^tel.
*■ dass er von dam Vater nnd dem Soline sosgehe, tihi der EinlHit da
^ Wesens der göttlichen Dreieinigkeit. Er handelt von der M'w^M
des Sohnes Grottes, dass sie erschaffen sei, dass in dem «änai Sohne
Gottes eine Person and zwei Naturen seien; dass die Maischhot da
Sohnes Gottes in dem Leibe der seligsten Jnngfran erschaffen w<»deii;
dass Gott nicht amachlosaen (nicht begrifiTen) werden könne*), im
Gott überall sei.
Das zweite Bach „des Apologeticua contra perßdo»'* beginnt mS
einer Vorrede oder einem Gebete an Gott Dann folgt der Bericht
über die Streitigkeiten mit Hoategesis. Daa zweite Buch selbst kf-
fallt in zweinndzwanzig Kapitel. E^ enthält die Gonfesaia, welck
Samson im Jahre 862 den Bischöfen überreicbte, nnd die darüber g»
pflogeDcn Vefliandlimgen (cp. 1 — 8). Gottes Natar sex ein&cb; ebt
Blasphemie sei es, zQ sagen: Wir glauben, dass Gott vermöge sei-
ner SubtilitÄt in allom sei, and nicht vermöge seiner N&tar (ep. 9).
In Cp. 10 — 12 spricht er gegen die Gtrammatik') und die zahlroc^
Wideisprüebe des Ilostegeais'). Cp. 13. In dem Theile des Körpei^
welcher das Herz genannt wird, war Christus nicht eingeschlosaea
Hostegcsia, oder wer ihm die Feder geführt, hatte nämlich in eniea
zweiten Schriflstöcke n. a. behauptet, der Logos sei nicht in des
Schoosse, sondern in dem Herzen Maria's Fleisch geworden (cp. 13 — tSj.
— Weiter widerlegt er die Änscbanangen der Gegner in Betreff dl
AUgegenwart Gottes. Er lehrt (cp. 17), dass die Gottheit in dem e»
gebomen Sohne Gottes unversehrt sei. Ferner sage man von dem faciliga
Geiste, dass er eich nähere nnd sich entferne, in Beziehung anf seilt
Gnade: vermöge seiner Natar ist er aber überall ganz und angethei
(i^, 18). Er zeigt, was es heisse, dass Gott komme und d.iss Gik
bleibe fcp. 19); was man unter Himmel verstehe (cp. 20). Alles, wt
der allmächtige Gott geschaffen hat, ist gut vermöge seiner Kaim
Was gut ist, wird erfüllt von dem guten Gott. Was man unter den
„All" verstehe. Von den Unterschieden der Geschöpfe ("cp. 21^',
Der Gott, welcher die Geschöpfe der ersten Ordnung erfüllt, verlääs
') quod inconclusibilis sit Dens.
*) Id cp. 5 ateht: Exemplar credulütUis eorwn, qui hosH Jesu
eaiU, eine zweit« Schrift des HoategeaiB oder seines Anhangs — ülier Gottea Ü-
gegenwart. Samson unterscheidet ein „primumnndBeamdum pittadum" dessflbo.
') Eostegesis hatte gesagt: Contenii siote stipendia vestra — was Samsi
alao berichtigt; Non diant Evangelista per Twminativum casum: ContaUiM
stip. vestra sicut tu novae laiinitatis inveniur ais, sed eoiitenti stole stipaidii
vtstris per dativum (f) casum pronuntiavit. Das yfStote" aber bestand schon i*
Zeitalter des Elipandaa. Hostegeaia achrieb : contenti sunt (sacerdotts) simplicil'^
ckriatiaTta, die Priester sind zufrieden mit der christlichen Einfalt Er schrie*
quidam (i. e. quaedam) pestis; idolatrix vir für idolm-um cullor.
') der lebloaen Dinge.
Abt SamsoD. , 333
) Naturen der dritten Ordnung, welche sicher die bessere ist, nicht;
QU er trägt Sorge für Alle (cp. 24). Vor Gott gibt es kein Uebel,
wer die Schlechtigkeit der vernünftigen Geschöpfe, vor Gott, dem die
iSter abschreckend, die Tugenden ein süsser Wohlgeruch sind. Zu-
t (cp. 26 — 28) handelt er von der Weise der Gegenwart Gottes bei
r VoUbringung des Bösen, ;^ welcher ist Zeuge der Gottlosigkeit und
höpfer des Menschen^, und von der Gegenwart Gottes (in) den
«en. — Nach Form und Inhalt ist diess eine der gelungensten theo-
^chen Schriften überhaupt, und besonders für jene Zeit
Samson verbindet, wie Eulogius, mit einem umfassenden Wissen sam-
le grosse Tiefe und Innigkeit des Gemüthes. Er ist innerlich mit ^■*^''**
i^ geeint, wahrhaftig gottinnig. Er bittet Gott um seine Gaben
18 Richtige und Wahre zu schreiben), und dankt ihm demüthig ftir
sselben. — Unter den Auetoritaten, die er anführt, ist auch „Julia -
B (von Toledo) der vortreffliche Lehrer*^ ^), die übrigen Schriftsteller
mt er „selig** oder „heilig". Unter ihnen ist Fulgentius von Ruspe,
mdianus (den er weder selig noch „Lehrer** nennt). — Es ist zu
chten, dass Samson zwar ankündigt, sem Werk werde aus drei
diem bestehen, dass uns aber nur zwei vorliegen, das zweite von
entend grösserem Umfange als das erste. — Endlich ist zu beach-
» dass auch Samson eine Stelle aus dem seligen „Ephren** anführt;
i8t aber dem Sinne nach dieselbe, welche in dem Schreiben des
Nandus an Migetius steht ^).
Samson lebte bis zum Jahre 890, und starb 80 — 90 Jahre alt,
chtet von ganz Spanien. Darnach ist es eine Erdichtung, dass
Qson zwar durch den Erzbischof Bonitus von Toledo von den Au-
gen der baetischen Bischöfe freigesprochen worden, aber zu Toledo
Rest seines Lebens in der Verbannung zugebracht habe^).
Nachdem Morales reichliche Auszüge aus der Schrift des Samson
getheilt, nachdem noch Nie. Antonio berichtet, dass dieselbe noch
:cdruckt in einem sehr alten Codex von Toledo verborgen sei, in
^ man auch die Schrift des Beatus gegen Elipandus finde, war es
^ Florez vorbehalten, die Werke des Samson zum ersten Mal her-
zugeben*).
<) 2, 20 (3). Dagegen 23, 2: ^Sanctus Jvlianus in missa quotidiana^.
im wiederholt er: (11, 13 [2]), vielleicht wegen der Worte des Felix von To-
: scripsit (Julianus librum missarum de toto anni circtUo). Die Stellen
', welche Samson anführt, sind nicht aus dem Kanon der Messe genommen, son-
I die eine ist eine Paraenese vor der heiligen Commnnion, die andere ist aus
r Prä£ation.
*) fl. oben S. 265.
*) So dichten Psendo-Luitprandus und Tamajo de Salazar (29. August). —
XicoL Antonio, L VI, cp. 7, nr, 142—144.
*) Esp, sagr. t. XI, Madr. 1753 (wieder 1775 und 1792): „Vida y escritos
Gemeinscbafl zu halten — und ausserhalb Corduhf
dass Leovigild Dachgegeben habe. Er brachte es ;
Hoetegeeis öffentlich in der Kirche seinen Irrtt
Gott sei nicht überall der Substanz nach zugegen
habe in dem Herzen der seligsten Jungfrau Fleis
Ebenso entsagte Sebastianus seinem Änthropomorphisi
Leovigild mit ihnen Kirchengemeinschaft. Aber er «
solche Gegner nicht Herr*). Nach ihm kam Samson,
den Hostegesis. Diess geschah um 964. Weiteres ii
des Leovigild nicht bekannt.
§• 33.
Im Jahre 858 wird scheinbar ein anderer Leovigild, :
Dl« Äbadsolomes, genannt. In diesem Jahre kamen dii
ü*mM ÜBuard nnd Odilardus nach Spanien, wegen Reliquiei
und Heiligen. Der Mönch Aimoin ans S. Germain des I
oduud fagggj. (]gg „gg erbalteueu Reiseberichtes^. Man hatt
ineditoa del Abad Samson', Vida p. 300—324. Dm Werk ;
615, von welchem Flarez eise Abachrift von dem Bchon erwähnter
Mecolaeta (Sarmiento) erhielt, welche der Domherr Juan. AtU(
mit dem zn Toledo aofbewahrten gothischen Origindl verglich.
SamsOD ist dem Abbd Migne entgangen und SaniHon bt diesseil
ziemlich nnbekatint (namentlich von Fei. Bahr Übergangen}.
p. 127—135. — Bourret, p. 31—35.
Die gallischen Mönche in Gorduba. 335
, dass man in Valentia den Leib des heiligen Vincentius, dessen
men damals noch das Erlöster S. Germain des Pres trug, leicht er-
ben konnte, wegen der Verwüstung der Stadt Valentia durch die
Dren. Die Mönche erfuhren aber, dass der Bischof Senior in Sara*
sa den Leib des Heiligen erhalten habe, doch unter einem andern
men (Marinus). Die beiden Gallier befanden sich nun rathlos in
\^ona. Dort erfuhren sie von den zahlreichen Märtyrern aus jung-
' Zeit in Cordnba, sie beschlossen, troz aller Abmahnung, die Reise
in zu wagen, und wurden an einen Priester Leovigild empfohlen,
reisten über Saragossa. In Corduba begaben sie sich zu der Kirche
heiligen Cyprianus, wo die Leiber der heiligen Adulfus und Joan-
begraben waren. Von einem Diacon dieser Kirche, Hieronymus,
-den sie freundlich aufgenommen. Auch Leovigildus, mit dem Bei-
len Abadsolomes, erschien, und nahm sich ihrer an. Dieser zog
Priester Samson in das Geheimniss. Samson und Leovigild hatten
leid mit den gallischen Mönchen, die unter solchen Lebensgefahren
h Corduba gekommen. Sie konnten aber nicht hofiPen^ dass die^
isten in Corduba freiwillig auf die dort aufbewahrten heiligen Leiber
dchten würden; jedenfalls mussten sie eine grosse Aufregung der
nüther besorgen^). Die Leiber waren zu Pinnamelaria, welchem
ster Samson eben als Abt vorgesezt worden, beigesezt. Zuerst
'den einige Brüder des EJosters in das Geheimniss gezogen, welche
r bei den übrigen Mönchen einen entschiedenen Widerstand fanden.
Uich verglich man sich dahin, dass man der Entscheidung des Bi-
Dfis sich fugen wolle.
Damals führte der Chalif Muhamed Krieg gegen den aufständischen
bthalter von Toledo, gegen welchen er ein grosses Heer nicht bloss
Muhamedanern, sondern auch von Christen aufbot, so dass die
dt Corduba sehr leer an Männern wurde. — Inzwischen erlangten
Gallier von dem Bischöfe Saulus, dem sie mit wahrhaft franzö-
liem Ungestüm zusezten, nach äusserstem Widerstreben kaum die
ahnte Einwilligung'^). Feierlich wurden von Priestern die heiligen
ber erhoben, und mit dem Sigel des Bischofs verschlossen. Es
en die Leiber des Mönches Georgius, des heiligen Aurelius ohne
') Claustris arcani Sacerdoti (Sacerdotiif) retectis, beatorum Reliquias
rgii BetTüeemüae (dessen Absicht es gewesen, noch nach Gallien zu kommen),
de Aurelii Cordutbensis viri popularis, si tarnen posse praestaret^ utrisque
lere libet — Bei der sehr unklaren Fassung der Worte neige ich mich zu der
Uunng, dass Samson und Leovigild die Grüfte öffneten oder öffnen Hessen , es
r den beiden Galliern überlassen wollten, die heiligen Leiber herauszunehmen.
*) dum prolixius canceriatum, plurimumque precüms ab episcopo collu-
^mm fuissety praebetur, dure quidem , vJti ab invictis (invitis f), vix toUendi
Bensus. — Ita — opus secretum honeste perficitur.
iBii, uuu wu am li Aage
das von dem Blute des seligen Märtyrers Felix überstri
von da in die Metropole Narbonne, wo sie am Grabe
kenners Paulus weilten, endlich nach Beziers, „das
des Leibes des seligen Bischofs Afrodisius gefeiert is:
genommen von dem „Primaten" Gerinua, die von ihner
• ligen Leiber in dem Oratorium der seligsten Jungfj
Hier gcacliah das erste Wnndcr durch ÄDruüing diese
Wegen des verschiedenen Beinamens unterscbei
Cordubenscr mit dem Namen LeovJgild. Wir neigen
zu der Ansicht, dass es derselbe Leovigild war, dei
spanischen, auch einen arabischen Beinamen trug.
Leovigild „de habilu dmcarum" ist ausschliesslich m
das Exemplar (ans dem Escurial) ganz lückenhaft; de:
sich Florez, aus demselben nur die Vorrede mitzotheiJ
brige für die Geschichte keinen Werth hat').
§• 34.
Mit grosser Vorliebe und Ausfübrlicbkeit bandel
Florez von dem Cordnbenser Alvarua (Älvaro), den e
Zeit Paulus genannt hat. Es ist ungewiss, ob er aug
gothischem Geschlecbte stammte. Für Beides lasse
Briefen an Eleazar Anhaltspunkte finden. Manche li
Gothen in Spanien mögen zum Judenthnme abgefkUea
AlvaroB. 337
uibt, dass Alvaros nur dnrch eine Nebenlinie oder Verwandtschaft
D den Gothen abstammte. Sicher ist, dass er sich der Abstammung
D Abraham und den Gothen zugleich rahmte. Mit Eulogius genoss
den gleichen Unterricht bei. Abt Speraindeo. Alvarus war sicher
I Laie. Ihm legte Eulogius sein Werk: Memoriale Sanctorum (Ge-
ikbnch der Heiligen) zur Prüfung vor. Ihm schrieb der Abt Spera-
leo, damit er eine Schrift von ihm verbessere. Ueber das Leben des
laros sind wir auf Vermuthungen angewiesen. Mit Eulogius lebte
}m Frieden, mit Bischof Saulus im Unfrieden. Er wollte die Eir-
pobnsse wegen einer schweren Krankheit übernehmen. Von Verfolg-
gegen ihn ist nichts Sicheres bekannt. Seine Haltung aber
it uns immer wieder an Tertullian. Er war herb, reizbar, tadel-
;, unzufrieden. Den Frieden^ die Sanftmuth und die Gelassen-
seines Freundes Eulogius finden wir nicht bei ihm. Florez dagegen
ite ihn in allen Tugenden dem Eulogius gleichstellen. Er sezt den
des Alvaro in das Jahr 861, Andere in die Jahre 869 — 870.
1) Seine Confessio ist ein Glaubensbekenntniss, in Form des Ge-
an Gott gerichtet, und zugleich ein Bekenntniss der menschlichen
^hheit und Schuld. Sie ist nach Florez um 860 verfasst.
2) Es folgt das „Buch der Briefe des Alvarus^ welche einigen, wenn
nicht tiefem Einblick in die damaligen Zeitverhältnisse gewähren.
sie sind vielfach unverstandlich. Von den zwanzig Briefen sind
von Alvanis. Es sind sechs Briefe gewechselt zwischen Alvarus
dem vornehmen Sevillaner Joannes, einem Laien, wovon aber nur
von Johannes sind. Es werden verschiedene Fragen hier behan-
It, von dem Gebrauch der heidnischen Classiker, von dem Ursprung
r Seelen, über die Menschwerdung Christi. Der siebente Brief ist
Abt Speraindeo, damit er eine Kezerei gegen die Trinität und Gott-
Christi bekämpfe. Im achten Briefe antwortet lezterer dem Al-
Der neunte Brief ist an den Arzt Romanus, um 861, geschrieben,
zehnte Brief ist von einem ungenannten Bischof (Saulus?) an
Bischof (Metropoliten?) gerichtet. Der eilfte Brief ist an Bischof
Ins wegen der von Alvarus übernommenen Kirchenbusse gerichtet,
zwölften -Briefe antwortet der Bischof; worauf (13) Alvarus wieder
;egnet. Die Briefe 14 — 20 enthalten den erwähnten Briefwechsel
fischen Alvarus und dem Apostaten Eleazar.
F 3) Das Werk: „Indiculus luminosus^ schrieb Alvarus zur Ver-
pdigung der Märtyrer. Er lobt die heiligen Märtyrer. Dann (cp. 21)
wnpft er die Irrlehre Muhamed's, der ihm ein falscher Prophet und
BHaufer des Antichrist ist. Die nicht vollendete Schrift ist veriasst
F'Jahre 854. — Ob einige Gedichte, die in dem Codex der Schriften
^ Alvarus stehen, von ihm stammen, ist zweifelhaft. Vorstehende
span. Kirche. II. 2. 22
der Väter", Augastmus; „Collattones" (Gespräche der
von Cassian), Gregorias und Isidor. Die hier angefüh
Väter sind nach unserer Annahme durch die Nestoriau
gekommen, denn früher fanden sie sich nicht in Span
hat 64 (73) Kapitel.
Weil die Schrift keine Beziehungen zu der Gesi
nien hat, wollte sie H. Florez nicht herausgeben. Di<
veFBchiedenen aüdem Verfassern zugeschrieben wird ((
erschien nur einmal unvollständig zu Basel, ohne Nai
sers und des Jahres (?).
Eine Gesammtanagabe der Schriften des Alvarus
erschienen. Vergl. über ihn: Nie. Antonio, Vetu» Bibl
ep. 8, p. 475—481. — H. Floraz, Esp. sagr., t. Xj
p. 10 —61. — Juan Gomez Bravo, Catalogo de loa obi
Cord. 1778, t. I, p. 118 eq. — Jos. Christ. Ernst B,
Bischof von fiodez), de schota Cordvbae chrittiana ai
diiarum imperio. Par. 1855. p. 59 — 72.
>) Esp. sagr. XI, 62-80-218—275—290. Duaua M
p. 397—566.
') Opera Enlogii.
') lü>er scinÜliarum Alvari Cordubeiuis, coUeetua dt
Tum patmm.
Fünftes Kapitel
; Keteh Asturien (Leon) und die spanische Hark im
neunten Jahrliandert.
§. 1-
Konig Alfons IL, der Keusche (792—842), führte eine sehr lange ax-
relativ glückliche Regierung über das Reich Astarien. Unter ihm '**"■ ^•
ie Oviedo die Residenz der Konige. Er machte viele Schenkungen
die Auschmückung und den Dienst der Kirche von Oviedo*). —
hdem er eine Schlacht über die Mauren gewonnen, machte er
\se Schenkungen an die Kirche von Lugo^) in den Jahren 832,
841. — Im Jahre 804 verlieh er der Kirche von Valpuesta (bei
gos) ein Privilegium^. Im Jahre 811 bestätigte er die Besizungen
Klosters San Julian de Samos in Galicien gegen die Eingriffe von
tn^). Alfons, der kinderlos war, bestinunte seinen Vetter Ramiro,
Sohn des Königs Bermudo I«, zu seinem Nachfolger (842 — 850). Bamiro.
en ihn erhob sich Nepotian, der Comes Pal(xHu Mit einem in
eien gesammelten Heere zog Ramiro gegen das aus Asturiern und
3onen gesammelte Heer des Nepotian. Nepotian, von seinen Trup-
verlassen, wurde gefangen, geblendet, und in ein Erlöster verwie-
£in zweiter Palastgraf Avito (auch Aldervito), der sich gleich-
empörte, wurde ebenso geblendet (845). Ein dritter Palastgraf^
iolo, empörte sich mit seinen sieben Söhnen (848). — Die Frevler
den hingerichtet. Den Normannen brachte Ramiro im Jahre 843
*) Esp. mgrada, t 37, appendic. 4 et 5.
^ l. c. t 40, app. 7 et 8.
*) t 26, app, 2.
^) Z. c, t, 40, app. 3. — cf. Coleccion de documentos ineditos para la
Tia de EspanOy t. 22, Madr, 1853 (p, P. Sainfi de Baranda), p. 130.
22»
glückliche Kriege gegen die Mauren^). Im Jabre 854 unterst
Aufstand der Toletaner, in welchen auch die Mozaraber vem
Sie wurden aber geschlagen, und 8000 Chrinten kamen Qm. Eii
war mit seinem ganzen Geschlechte*) zu dem Mohaminedaiiis
len, empörte eich aber später gegen den Ohalifen von Gordal
lange Zeit Glück und liess sich den dritten König in Spai
neben den Herrschern von Corduba und Astarien. Er hatt
Stadt Albailda gegründet Diese belagerte Ordonno I.
grossen Heere kam Muza herbei. Ordonno griff ihn mit
seines Heeres an und schlug ihn. Hier sollen mehr aU 1
naten"), mit dem ganzen Geschlecbte Garsea (Garcia), oI
meinen, gefallen sein. Muza kam schwerrerwundet ans
und erholte sich nicht mehr. Ordonno zerstörte die Sta
Lnpue, des Muza Sohn, der „Consol über Toledo" wai
sich mit all' seinen Leuten, und führte mit Ordonno vi
gegen die Mauren. Ordonno eroberte die Stadt Coria
Könige Keth"; die Stadt Salamanca^ „mit ihrem Könige 1
seiner Gemahl in". — Die aufständischen Vasconen band
Wieder hatten die Normannen mit hundert Schiffen die 1
••Galicien furchtbar verheert. Sie wurden durch den Gb
zurückgeschlagen, und iubreu weiter nach „Spanien"'), d
Seeküste sie mit Feuer und Schwert verwüsteten. Dann
*) adver sta üaracenoa bis ■proeiiamt et vidor exstitit. Chron
•) /. c fabricam mirae ptdcritudinis perfetHque decarüi (^ut
Ordonno IL, Alfons IIL, 866—910. 341
nach Africa, grijSen die Stadt Nachor in Mauritanien an, und todteten
dort viele Chaldäer. Dann griffen sie die Inseln Majorica, Fermentella
(Fermentera) und Minorica an. Später fuhren sie nach Griechenland
und kehrten nach drei Jahren in ihre Heimath zurück.
Ordonno bevölkerte die von den Mauren verlassenen Städte Tude,
Astorica, Leon, und das ,,Patricische Amaja^. Er war so geliebt von
seinem Volke, dass er den Ehrennamen ,, Vater des Volkes^ verdiente.
Am Tage vor seinem Tode (an Pfingsten, 26, Mai 866) Hess er
seinen Sohn Alfons m. zum Konige krönen. Die von Alfons II. der
Kirche von Oviedo gemachten Schenkungen bestätigte und vermehrte
er im Jahre 857*), sowie er im Jahre 860 dem Bischof Frunimius von
; Lieon verschiedene Güter überwies*).
§. 2.
Alfons HL, der Grosse, Konig von Asturien, zählte bei seinem
Regierungsantritte erst 18 Jahre. Aber seltene Fähigkeiten, erlangte
Kenntnisse und Erfahrungen, da er 4 Jahre lang Mitregent seines
Vaters gewesen, auch körperliche Vorzüge zeichneten ihn aus. — Der
Chraf Froila, unter dem Galicien stand, erhob sich and zog gegen
Oviedo. Er nahm zwar die Stadt ein, wurde aber in Bälde ermordet.
Alfons nahm nun seinen Wohnsiz in Leon. Er befestigte sich in dem
Besize des von seinem Vater ererbten Reiches und erweiterte es durch
r
Broberungen. Er unterwarf sich die bedeutendsten Städte Lusitaniens,
_*drang über den Duero, den Tajo, selbst bis über die Guadiana in der
Nähe von Merida. Am Oxifer, einem Ausläufer der Sierra Morena,
^ erfocht er über die Mauren einen glänzenden Sieg. Den Christen war
die Aussicht eröffiiet, ganz Spanien wieder zu erobern. Die verlasse-
. Hen Grenzstädte stellte er wieder her und bevölkerte sie, u. a. Zamora,
, Sijotiancas, Duenas und den Landstrich, genannt Campi Gothorum, bis
%n den Duero. Viele feste Burgen und Kirchen wurden erbaut. Die
^arch den Grafen Didacus auf Befehl des Königs befestigte und be-
völkerte Stadt Burgos war eine Schuzwehr des Reiches gegen Osten.
Cä-egen die Angriffe der Normannen baute er das Castell Gauzo am
^»antabrischen Meere, das nahe bei dem Seehafen Gijon lag. Trozdem
tiatte Alfons III. stets gegen Empörungen, selbst seiner eigenen Brüder,
^alezt seiner Gemahlin und seiner Söhne zu kämpfen.
') E9fp, sagr. t. 37, app. 10.
*) ib. t 34, append. 1 (2).
des Eoderic. Ximenes fiir die höcbete Ehre — von (
nigs Wamba, and wollte sie bis zu der Zeit des
Sohnes Alfons HI., fortsezen. Es geht ein kurzer Br
Sebastian voraus, worin er ibn an die Ausfnhmag st
ihm Sebastian dnrch den Priester Dtücidius mitgetb
scheint ').
Aber Isidor konnte seine Chronik der Gotbea u
König Wamba fortsezen. Vielmehr haben verschic
Verfasser die Cbromk Isidor's fortgesezL Alfons &
unklaren Briefe dem Sebastian Beitriige für dieses Gl
sprechen. Sebastian und Alfons berufen sich nur ax
richte und üeberliefernngen. Es ist indess klar, da
uns bekannten schriftlichen Qn eilen schöpfen. Von
Königen der Gothen weiss der Chronist Weniges tu
Der Chronist erzählt, dass man zu seiner Zeit, ah
Christen wieder bevölkert warde, dort in einer Kir
mit der Inschrift gefunden habe: „Hier ruhet Bndei
Gotheu"^. Es ist möglich, dass die Gothen den Leid
in dem Flosse Gnadalete wieder fanden, and ibn 1
bis Viseo führten.
Der Chronist kommt an Felagins. Die Christen
durch das Schwert, sondern aach durch den Hunger
Pelagius verbarg sich in der Hohle „der heiligen Ma
hielt eine Anrede an ihn, worauf Felagins sehr gerne
risch antwortete. Nach dieser Darstellung lüttte sit
K
Ghronicon Albeldense. 343
in der Hohle eine Kirche der Mntter Gottes befunden, welche doch
erst später dort erbaut wurde. 124,000 „Chaldäer^ fielen, 63,000 aber
flohen, und „entflohen nicht der Rache des Herm^. Denn ein Berg
erhob sich, stürzte sich auf sie, und begrub 60,000 in dem Flusse, wo
man heute noch ihre Waffen und Gebeine sieht. „Es geschah, was
mit den Aegyptiem im rothen Meere geschah^.
Von Alfons I. sei „Bardulien", welches jezt Castella (Alt-Casti-
lien) heisse, bevölkert worden. — fVoila erfocht viele Siege gegen „den
j Feind von Corduba**. Diese Chronik redet stets von „Spanien** als
, von einem fremden, d. i. den Mauren unterworfenen Lande. Die Chro-
^ nik selbst reicht nur bis zum Jahre 866, oder zum Anfange der Re-
gierung Alfon's TTT.
Die Chronik gab zuerst Prud. Sandoval heraus, (Cinco ohispos,
; 1615 (1634); eine bessere Ausgabe gab Juan de Ferreras, Historia de
Eapana, t. 16, Matr. 1727, append. 9. — Dieser folgte die Ausgabe
des Florez, Esp. aagr,, t. 13 (secund. edity 1816), append. 7. —
„Chronicon dd obispo Sebastiano^, p. 467 — 477. Text des Chron.
p. 477—492.
§. 4.
Das Chronicon Albeldense, oder auch Emilianense, ist die zweite ckrm
Quelle der Geschichte dieser Zeit. Es hat zuweilen den Titel Chroni- ^^
^ cm des Dulcidius. Jos. Pdlicer gab es zuerst unter diesem (unächten
Titel) heraus (Didcidii presbyteri Toletani chronicon. Barcinone, 1663, 4^.)
— P« Joseph Moret^) nennt dasselbe desswegen Chronicon Aemüia'
L. nense oder von S. Millan , weil es in dem Archive dieses Klosters
gefunden wurde. Denselben Titel gaben ihm Franc. Bergamd^), und
^ der Benedictiner «7uan ddSaz^), weil sie dasselbe aus zwei gothischen
fiandschriften des Klosters S. Millan abgeschrieben hatten; H. Florez
20g den Namen Chronicon Albeldense (auch Ahddense und Albaildense)
vor, weil Juan P, PereZj Juan Vazquez de Marmol, Mariana und
Jfirreras*) sich dieses Namens bedient hatten, weil das Chronicon sich
zCiemer in dem berühmten Codex der Concilien befand, der aus dem
') J. de Moret, InvesHgacumes historicas de las aniigtüdades del reyno
de Navarra, Pamplona, 1665, fol. — cf. l, II, cp. 2.
*) Chronicon Emüianense, ap, Franc Berganza, Antiguedades de Espana,
jpropugnadas en las noticias de sus reyes, y condes de CastiUa la vie^a; en la
historia del Cid Campeador, y en la Cronica del monasterio de iSan Pedro de
Cardenna, Madrid, 1719 el 1721, 2 vol. f. {t. 11, p. 648),
') Chronic, de Espana Aemüianense, cum notis Joann. dd 8az, Madrid,
1724, S\
*) Juan de Ferreras, Histcyria de Espana, t XVI, 1727, p. 66,
344 Netmtcs Buch. Ffinßes Kapitel.
Kloster Albelda staaimt, und sich im Esciiiial befand, aber auch von
ciuem Mönche jenes Klosters „Virgilanus'* heisst, der denselben im
Jahre 976 geschrieben hat '). König Ordonno I. zerstörte die von Muzi
gegründete Stadt Albailda, 2 Leguaa von Logronno gelcgeu. Im folgenden
Jahrbiindtirtc wurde hier ein Kloster des heiligen Bischofs and Betenneis
Martinua von dem Könige Smicho Abarca von Navarra gegründet; du
KJoBter aber {wie der mebrerwälinte Codex der Concilieu) biege M. AM
rfeniri"). Pclllcer hielt den Priester Dulcidias von Toledo für den Ver&ssa.
In der That kommt er ain Schluas des C'hronicon vor, aber es heisi
nicht von ihm, dass er dasäclbe geschrieben habe, sondern: „Vtae
König (AlfoDs ni.) sandte als seinen Legaten den Priester Dulciduis
ans der Stadt Toledo mit Briefen an den König (Maliamed) von Coi-
dnba im September des Jahres 883, von wo er in diesem Monai Ko-
rember nodi nicht zurückgekehrt ist" '). Ebenso enrähnt Alfoss IE
in seiner angeführten Vorrede einen Priester Dnlcidins, als MittelsmiB
zwischen ihm und dem Bischof Sebastian. Aber der Schreiber d«
ChroDicon redet von Dulcidius als von einer dritten Person. — P. Sb
hält D. Roman, Prior von S. Millan, für den VeriäsBer des Chnmio«
weil Roman im Jahre 871 über die Psalmen Davids schrieb. Vorlü^
ist der Verfosser, der im Grebiete Alfona IIL schrieb, unbekannt D«
Kloster Albelda wurde mehr als 40 Jahre nach dem Jahre 883 £^
gründet Der Mönch Vi^a von Albelda aber hat das Chronicon tktS-
weise bis zu sräier Zeit (976) fortgesezt Das (Jhronicon bis qi. ff
wurde im Jahre 881 geschrieben. Der Verfasser benüzte den lödv
von Sevilla.
Voran steht eine sehr kurze und seltsame Geographie'*). Es fd^
die D.irstellung von Spanien"), wo wir erfahren, dass die „Zucht oi
die Wissenschaft von Toledo" ausgehe*), wenigstens in der Zeit (fa
Gothen. Noch kleinere Abschnitte verschiedenen, vielleicht zerstrenta
Inhalts folgen. Darunter werden die im Jahre 881 lebenden Biscbä
des Reiches Asturien genannt^). Mit gelungenen Versen wird Alfona ID'
gefeiert, der der ganzen Welt bekannt geworden sei, berühmt hei d«
') DsB Kloster hiess früher von dem obeo erwäfantea Muza Albailda (A
weisse nnd schOoe Stadt).
*) Einige sohreiben Alvelda statt Albelda, tezteres aber zieht Flore: ib
conformer der Etymologie vor. Das Alter des im Jahre 976 geschriebenen Cü*i
ist bekannt, nicht aber das der zn San Millan gefundenen M. S., die wahrscherDlJi*
jÜDgeren Datums sind.
') Chron. Alheldense, cp. 75.
') Keqw'gitio totiits mundi.
') expositio Spaniae.
') Mel de Qallicia. Disciplina, atque ncientia de Toledo.
') cf- § 9
Chronicon Albeldense. 345
oriem, stark anter den Vasconen, Rache übend an den Arabern,
Izend die Bürger. Es folgen die romischen Konige nnd Kaiser von
ms Cäsar an, der „vier Jahre Imperator^ war. Philippus sei der
e christUche Kaiser gewesen, „er glanbte an Christus im Jahre
t€Süd der Stadt^ Rom^). Jolianns ist „ans einem Kleriker^ Kaiser
Heide geworden, und hat „die Idole angebetet^. Aus Liebe zu
ianus „ist das ganze Heer christlich geworden^. — Die Berichte
r die westgothischen Konige in Spanien sind sehr mager.
Ausfuhrlicher wird die Erzählung von Pelagius angefangen, und
Les findet sich wieder, was in der Chronik Sebastian's steht. Der
Ctfser scheint in Oviedo längere Zeit gelebt zu haben. Alfons H.
j^die ganze Ordnung der Gothen, wie sie in Toledo gewesen, zu
iU> sowohl in der Kirche als in dem Konigspalast eingeführt^.
imir hat den „Magiern durch Feuer ein Ende gemacht^. Damals
anen die Lordomanen (Normannen) zuerst nach Asturien^. Dem
dien Nepotian und dem Tyrannen Aldoitrus hat er die Augen aus-
ben lassen^.
§. 5.
Wir komen hier noch einmal auf das sogenannte Chronicon Pa- chroni-
B zurück. Die beiden vorerwähnten Chronisten hatten keine Kennt- ^^^'
▼on demselben. Ich halte den sogenannten Pacenser für einen
Utalen, für einen Nestorianer, oder wenigstens orientalischen Chri-
^ der um das Jahr 740 mit dem grossen Heere der Araber zuerst
it Afrika, und dann mit dem Heere des Baldri nach Spanien kam.
aoner eigenen uns nicht erhaltenen Schrifl hat er den Krieg des
t]to8^ (Kouldoun) gegen die aufständischen Mauren oder Berbern
inrieben. Ein Spanier konnte diess nicht leisten. In seiner uns
ütenen grosseren Chronik zeigt er eine Kenntniss der arabischen
bfaichte, welche ein Spanier jener Zeit nicht erlangen konnte, nicht
Igt hat. Die gereimte Prosa, in der er schrieb, kam bei den
niem nicht vor, wohl aber bei den Orientalen. Er schrieb 1) ein
Hne temporum, das wenigstens bis 740 reichte (cp. 70). 2) Die uns
Itene Chronik der griechischen Kaiser, der Araber und der Spa-
*) Er benQzt nicht nur den Lsidor, sondern anch den Idatins.
^ oculos ab eorum frontibus ejecit. Die Aehnlichkeit des Inhalts mit dem
•nicon Sehastiani lässt mich vermnthen, dass die Verfasser beider Chroniken
"^nd einer Verbindung stehen, z. B. die erstere Chronik der Entwurf oder
^beit Alfons III. oder des Dalcidias, leztere (Chron. Albeldense) das Werk
«dan's sei. — Florez, XIII, (Jhronicon Albeldense, 17 -432-^466. -d 4,
^ozy, Rcherches etc., t I, p, 16-^23.
MeUto and Mflita. 347
r. ^QiUk^ und „Mdito^ kann dieselbe Person sein und derselbe
Ktto^, der Vor dem Jahre 799 den Elipandus nnterstüzte, kann
jitfiisser der Chronik des Melito, oder der Ueberarbeitnng des ächten
klor, Fortsezer der Chronik des Johannes von Biclaro, und Verfasser
t Chronik des sogenannten Isidor Pacensis sein.
Zwei starke Bedenken heben sich bei näherer Betrachtung. Wenn
Kta oder Melito noch im Jahre 799 lebte, warum hat er denn seine
todSJl nur bis zum Jahre 754 fortgeführt? Ich antworte, im Jahre 756
len die Ommajaden und Abderrahman I. zur Regierung, welcher
agstens in der spätem Zeit die Christen verfolgte. Die Zeit des
ii lebenden und zu Corduba noch herrschenden Königs mag Melito
Mschreiben nicht für rathsam gehalten haben. Denn er musste
und unter den Arabern leben. Zweitens: wenn Melito um das
r 740 nach Afiika und Spanien kam, wie konnte er noch im
ra 799 als Schriftsteller thätig sein, und dem Elipandus „vier Qua-
iimen^ Schriften zusenden? Er konnte es. Wenn er im Jahre 740
2eit seiner Auswanderung aus Syrien 25 Jahre zählte, so konnte
m Orient seine vollständige theologische und historische Ausbildung
■gt haben, die er zu Corduba verwerthen und erweitem konnte,
bt nicht nothwendig anzunehmen, dass er seine „vier Quatemionen^
Ijbi Jahre 799 schrieb, er kann sie auch im Jahre 797 oder noch
Br geschrieben haben, im Jahre 797 aber zahlte er gerade 82 Jahre.
Nun tritt uns im Jahre 799 Elipandus mit 82 Jahren in vollster
ttrischer Waffenrüstung entgegen. Den ganzen Sommer dieses
ries schreibt er unermüdlich. Was das Feuer verzehrt hat, schreibt
ttrerdrossen zum zweiten Male. Was Elipandus mit 82 Jahren
■n konnte, das konnte auch „Bruder Milita^ mit 82 Jahren voU-
11^. So spreche ich denn die Yermuthung aus, dass er der Ver-
ar der verschiedenen erwähnten Chroniken, zugleich Helfer des
iftndus gewesen, vielleicht auch Verfasser des gelungenen Aufsazes
Migetius.
§. 6.
In dem uns vorliegenden Zeitraum sollen 4 Concilien zu Oviedo
gefunden haben. Das erste, ohne Unterschriften der Bischöfe, vom
e 791, dürfte apokryph sein. S. Aguirre hat die Akten eines (des
sn) angeblich im Jahre 811 gehaltenen Concils mitgetheilt, an
n Aechtheit die Mehrzahl der Spanier, u. a. auch Buriel S. J. und
«OS gezweifelt, das erst Risco (1789) und neuestens (1859) Tejada
uniro vertheidigen. Die versammelten Bischöfe, und mit ihnen
ig ^dephonsus der Keusche^ ^), haben den Rath des frömmsten
^ So wird er hier schon zu Lebzeiten genannt.
Bischöfe im nennten Jahrhundert. 349
^)ttigenen S&nden gefallen^), und der Herr hat Asturien anserwählt.
& den Bergen von Astarien können bequem 20 Bischöfe leben und
'm Unterhalt finden. Sie sind auf Geheiss und den Ruf des römi-
AEi Bischofs Johannes versammelt in Oviedo. Ein Papst Johannes
B im Jahre 707 und ein anderer Johannes in den Jahren 872 — 882;
ist dieses Ooncil im besten Falle interpolirt oder verstiimmelt.
■ j^Privilegium** selbst ist vollzogen worden am 14. Juni der Era 849
äfE^Sll)^). Unterzeichnet ist Adefonsus, der König, Adulfus, Bischof
'rOriedo, Theodemir, Bischof von Columbria, Argimundus von
moTBy Didacus von Tude, Theoderindus von Iria, Wimaredus von
B^ Oomellus von Astorga, Vincentius von Leon, Abundantius von
ptia, Joannes von Osca.
» Adulfus ist der erste Bischof von Oviedo; das Bisthum selbst
li das Erzbisthum) wurde in den Jahren 802 — 812 errichtet. Ein
Imn Columbria besteht nicht. Entweder ist hier das Bisthum
nbra oder Dumium (nach Mondonnedo verlegt) gemeint. Argimun-
^TOn Bracara wird nur hier genannt. Ein Bischof Didacus von
P erscheint sonst in den Jahren 890 — 900, möglich, dass ein an-
Didacus 80 Jahre früher lebte; Bischof Theoderindus von Iria
lleicht jener Theodemir, zu dessen Zeit der Leib des heiligen
entdeckt wurde. Bischof Wimaredus von Lugo kommt nur
ror. Gomellus von Astorga erscheint sonst nach 850, ebenso
5 im Jahre 852 Oviedo einen Bischof Gomellus. Im Jahre 900
yi sich ein Bischof Vincentius von Leon, aber nicht im Jahre 811.
^Bischof Abundantius von Palentia erscheint nur hier; sonst besteht
^> Jahre 693 bis 1035 eine Lücke in dem Kataloge der Bischöfe von
pitia. Endlich — ein Bischof Joannes von Osca erscheint nur hier;
^gen um das Jahr 800 Bischof Nitidius, um das Jahr 802 ein
shof Frontinian, 809 ein Ferriolus. Die erwähnten 10 Bischöfe
SD wohl nicht alle im Jahre 811 gelebt; wenn aber auch alle, so
oisen die Unterschriften nicht die Aechtheit der Synode. Bei den
liofen, die sonst nicht vorkommen, können wir weder beweisen,
I sie damals gelebt, noch auch, dass sie nicht gelebt haben, an
llachtsgründen aber, dass auch diese Namen theilweise fingirt seien,
I es nicht ^).
*) jvdicio autem divino propter peccata retroacta cecidit Toletus.
•) actum Privilegium. — D. i. Der Kirche von Oviedo ist das Privilegium,
Vorrecht, Metropole .za sein, an dicBem Tage zugesprochen worden. Hier
■dt das Wort ^privilegivm^ in demselben Sinne vor, wie oben in dem Briefe
Bischofs Montanus von Toledo an die Palentiner (IIa, S. 440).
*) Florez, t 4, tract. 3, 3, p, 6; §. 4; t 2G; Bisco, t. 34, cp. 7. Derselbe,
7 jfdisertacion sobre el concilio Ovetense*^ (ap. Äguirre, II, 155), p, 166—
360 Achtes Bnch. Fünftes Kapitel.
§•'•
lodB Zur Zeit des KÖuigs Ramiro (842 — 850) wurde ebe Sy
" Astorga gebalten. Zugegen war der König Ramiro, nod der
NovidinG von Astorga. Eb wurde bestimmt, dass dem Biathnm
alle jene Bezirke und Pfiirreien wieder zufallen sollen , welche e
den Einfall der Sarazenen , und an beuacbbarte Bistbümer verlor
Zugleich wurde dae Bistbum Simancas nach sehr kurzem Bestand
unterdrückt. Nacb Jahrhunderten tiat au die Stelle von Simai
Bisthum Valadolid. KÖnJg Ordonno beätatigte dem Bischof
diese Rückerstattungen, „und in seinen Zeiten erwählte er no<
Bischof in der Stadt Septimanca, aber einen andern Bischof
nicht mehr". Im Jahre 974 wurden diese Beschlüsse wieder bcf
In die Jahre 872 — 876 soll ein weiteres ConcU von Ovi
fallen sein, in dem auf das Neue Oviedo zur Metropole eriiobt
dieses Concil fand aber wahrachetnlich erst später, oder garnii
BiMhBiu Auf üdoarius, den Erzbischof von Logo, gestorben 786
""" Odo, Bischof voll Lugo und Braeaia, wdcher diese Städte .
Rechte seiner Vorgänger innehatte". Er scheint Bischof ulitr I
Galiciens, von Dumium, Bracara, Tude, Orense und Iiia gi\*
sein. Nach ihm folgte vielleicht der oben zum Jahre Sil ;
Wimaredus. Nach dem Jahre 811 begegnet uns „Atlmlt'i
Orense und Braga; im Jahre 835 Froylan. Nach der Wieder
ung der Städte Braga und Orense, wurde das Bisthum Braga
Neue an Lugo übertragen, so dass Lugo Metropole aller ^
Galicien und „Portucalien" war. Im Juli BÜl erscheint Gladil
Bischof von Bracara und Lugo; im Jahre 807 Flavianus ;!l>
von „Brachare". Ihm folgte Kcccaredus, „welcher Alles, h:
Vorgänger besassen, festhielt"-}. Vom Jahre 875 wird KcL-ar
Metropol itanbi 3 chof von Lugo genannt, bis zum Jahre 92o.
193. — Tejada y Ramiro, Concilios de Espaäa. III, p. 7—21 (Ab-
AbhaodluDg Uisco's).
') Esp. sagr., t. XVI, 2 edic, p. 315—316; ajipendicc nr. 10. -
y Ramiro, Concilios, t. III, p. 26—27.
'1 qni tributa sibi omnia viiidicavit.
Bischöfe von 881-883. 351
§. 9.
In dem Chronicon Albddense besizen wir ein Yerzeichniss der
fkofe Asturiens vom Jahre 881 — 883. Den königlichen Siz hatte
(menegild 'inne. Er war im Jahre 881 Bischof von Oviedo, nnd^wedo,
i noch 891. Erst im Jahre 905 erscheint sein Nachfolger Gomellns.
knus war Bischof von Braga, er hatte den Titel von Braga, wohnte
f in den Bergen von Asturien. Er kommt hier und bei dem Bis-
1 LfUgo vor im Jahre 867. Risco dagegen meint, so ähnlich auch
Name Flajanus dem des Flavianus sei, so seien doch zwei Perso-
za unterscheiden*), weil ja im Jahre 881 Flavianus von Bracara'ßraciir»
ebend neben Recafred von Lugo angefahrt werde, was sich nicht
irklichen konnte ausser durch den Tod seines Vorgängers Flavia-
ivie man in dem alten Kataloge der Bischöfe von Lugo lese:
Flavian gestorben war, folgte ihm Beccaredus nach^; Flavian sei
wenigstens im Jahre 875 schon todt gewesen. Ich aber bin ge-
(, in Beiden Eine Person zu finden, annehmend, dass Flavian meh-
JTahre vor seinem Tode resignirt, und sich mit dem Titel eines
^afüB von Braga begnügt habe. Denn der Name Flajan oder
kn kommt sonst nur hier vor, und wir finden gerade im neunten
zehnten Jahrhundert, dass manche Bischöfe von Asturien firühe
jEarien, und noch viele Jahre in Klöstern lebten, so der heilige
oadius von Astorga (um 929), Bischof Maurus von Leon (um 904),
l^achfolger Cixila U., der sich schon im Jahre 914 in das
fter des heiligen Cosmas zurückzog, und wenigstens bis zum
p 938 lebte, dessen Nachfolger Fronimius ü., der schon 928
qvorückzog, aber noch 953 lebte, so dass es eine Zeit lang drei
liofe von Leon gab, femer Bischof Yelascus von Leon, der um
'resignirte, auch der heilige Rudesindus von Dumium, der im
e d42 seinem Bisthum entsagte, und erst 35 Jahre später starb.
^Seccaredus war im Jahre 881 Bischof von der Burg Lugo^;
gauros aber von Dumium, der zu Mondonnedo wohnte; denn umDamium
Jshr 866 war Bischof Sabaricus von Dumium in das nördliche
[den geflohen, und seine Nachfolger nannten sich mehrere Jahr-
lerte Bischöfe von Dumio. Es ist aber zu beachten, dass nach
m Zeugnissen Rudesindus I. in den Jahren 877 — 907 Bischof von
iiom war. Es ist demnach möglich, dass Tudemir zwar in den
en 881 — 883 diesen Titel führte, aber in der Nähe von Oviedo in
n Kloster wohnte, wie manche andere Titular-Bischöfe jener Zeit.
Im Jahre 881 — 883 war Sisnandus I. Bischof von Iria, ^mächtig
') Esp. sagt., t, 40, p. 122.
Bteus bi8 zum Jatu-e üfH. üjT hatte als ISactitoIger im .
Bischof Censericus, Censericus aber hat die Aasstatt
tham aaf schmäUiche Weise vergeudet, sogar verkauft,
Meistbietenden den Preis in Empfang genommen").
Weggange war nnn im Angust 886 Somna der dritte
Orense*), welcher am 28. August 886 von dem Könige
nngen seines Bisthams durch eine neue Stiftougsarktu
sen wurde. Schon im Jahre 899 erscheint Effia als
Orense, und die Bischofsreihe -des zehnten Jahrhunderts
brochen fort, so daiSS vielleicht Orense eines der wenif
ist, von welchem wir seit seiner Wiederherstellung um
bis zu seiner zweiten UnterbrechuDg oder Zerstörung d
falle der Normannen am das Jahr 977 sammtliche Bise)
'} Ädvettiente Sebastiano ArdKAientis peregrino Epiacopo,
bona mirahüittr hone Sedem (t. e. Aurienaem) Uli concMnmta,
eexiemam antütea fuit {f). — Esp. sagr. 1 17, 2 edii., p 235 (Ad
Aurienaem Eedeaiam et ejiia doUm inatatirat atmo Regni ejy
Atigusto, (^riati 88S). Die Worte: qui primua idem Eccleaiani
Bcheinen xü bedeoten, dasB Sebutianas der erste Bischof des wii
Orense war, — denn Alfons III. fährt fort: post pasaaHonem vitae
cum tn toeo ejt« Epiaeopum ordinavänita,
'] Sed profanator Anüatea Ceaaericwi maligno, et tnuna
arreptua beneficio non sohimviodo vi»us est noslra pia diaao
etiam in tanta inhaesit veeania, tä ipsam ecdesiae dotem diasip
HcücUion&n cum precio ab emptoribua accipere. — Und wiedei
factom EccUaiaa iaxavimus, malitiase, id superius diximua, et a
Bisthnm Attorga und Leon« 353
Jostus war im Jahre 881 — 883 Bischof von Portacale, wohnte Porta-
r in Astnrien. — ; Alvaros wird Bischof von Velegia genannt. Ein *^**
rlies Bisthnm kennen wir nicht. In dem Jahre 876 — 877 erscheint
r ein Titularbischof Theodemir „Vesensis", d, i. Ton Viseo, und ^^•®-
der im Jahre 905 trägt Gundemir den Namen „Yesensis^. Statt
ftle^ia'' ist also vielleicht ^Veseo^ oder „Yesea^ zu lesen.
Felmirus, auch Vellemirus und Felemirus war im Jahre 881 — 883
diof von Osma, konnte aber wahrscheinlich, wie hundert Jahre ^■"^**
hier Etherius, in seinem Bisthume nicht wohnen, wohl aber Bischof
mllbs von Astorga, der in den Jahren 881 — 898 mehrfach genannt
L In den Jahren 841 — 881 erscheinen vier Bischöfe von Astorga. ^^rs**
ft 693 (oder 711) bis 841 ist die Bischofsreihe unterbrochen, und
leicht hat das Bisthum etwa ein Jahrhundert lang au%ehort.
§. 10.
läne eigenthümliche Erscheinung bietet das Bisthum Leon dar.
kette einen Bischof im Jahre 306; dann scheint in der ganzen Zeit
^: €k>then das Bisthum Leon eingegangen zu sein. Die Spanier, l^ob.
Hke diess nicht zugeben wollten, aber doch nicht läugnen konnten,
B^enf keiner Synode nach 306 bis zum Jahre 693 ein Bischof von
m unterschrieben sei, haben sich daran erinnert, dass Leon ein
■ites Bisthum sei, und seine Bischöfe von dem Besuch der Con-
QD dispensiii gewesen seien. Sie haben aber nicht bewiesen, dass
rom vierten bis siebenten Jahrhunderte in diesem Sinne exemte Bis-
■eer in der katholischen Kirche gegeben habe. Dagegen begegnet
^eehon um das Jahr 792 ein Bischof von Leon^ und die Errichtung
ikm Bisthums scheint noch in das achte Jahrhundert zurückzureichen,
^gleichzeitig mit der Errichtung des Bisthums von Oviedo zu sein.
Jahre 792 wird Bischof Suintila genannt; es folgen Quintila 811
* 820, Cixila L 853 und 855, Frunimius 860 und 875, und S. Pela-
i 875, gestorben 878, Maurus 878, welcher resignirt zu haben
9int, da er 904 noch lebte, aber 899 schon einen Nachfolger hatte.
ITach der Reihenfolge der von dem Chronisten angeführten Bi- BiMiiOfo
Bfe hat der von Oviedo den ersten, der von Bracara den zweiten ^^
, . AttarUa
, keiner aber von allen diesen Bischöfen wird Metropolit genannt ^).
i^
*) Item notitia episcaporum cum aedibus 8u%s.
Begiamque Sedem Hermenegüdua teneL
FU^anua Bracarae: Luco Episcopus arce Reccaredug.
TudeminiB Dumio, Mendunieto degens:
SUnandm Iriae Sancto Jacobo poüens:
NauiUcua ienens Canimbriae Sedem.
fpta. Kirch«. U. S. 23
3M Nenntea Bncb. FQBftes Kapitel.
§. 11.
B«. Im Jahre 788 gewann Carl der Grosse die Stadt Gteron
Bistlifimer Gerona und Urgel waren nicht, oder nar kurze Z<
brechen. Der Bischof Adolf von Gerona wie der Bischof I
Urgel wohnten der im Jahre 788 oder 791 gehaltenen Syi
Narbonne bei. Ludwig der Fromme wollte sich Barcelona nnl
Nach langer nnd harter Belagerung ergab sich die Stadt im Oct
So entstand die sogenannte spanische Mark, das spatere Füi
Catalonien, das in einer gewissen Abhängigkeit von dem Ri
c6. Franken stand. Die Grafen von Barcelona wachsen an M;
^* Bedeutung, und bei dem Zerfiül des Frankenreichs machten
unabhängig. — Im neunten Jahrhundert treten auch die Eoi
v Sobrarbe (Oberaragon) und die Grafen von Aragon aof. Im J
»' fielen der Eonig Sancho Garces und der Graf D. Jimeno i
E^onpfe mit den Mauren. Die Christen konnten sich kaum
und Ainsa halten. Innige Jimenez Arista erscheint als erst
- von Sobrarve um das Jahr 860, und suchte im Kampfe g
Franken und Mauren seine Unabhängigkeit zu behaupten. I
trr« auch Konig von Navarra. Die Stadt Pamplona blieb in der I
Christen. Der Konig Garcia, Sohn des Arista, fiel im Jahr<
Kampfe gegen die A&uren.
§. 12.
In seinem im November 858 an den Bischof Wielesim
Pamplona geschriebenen Brief berichtet Eulogius Einiges über c
der Kirche in Navarra. Eulogius weilte länger bei dem Bische
ihm die Weiterreise nach Gallien unmöglich war. Von Pampl
besuchte er die nahen Klöster und heiligen Orte, besonders das
des heiligen Zacharias am Fusse der Pyrenäen und dem FIussi
„das durch das Streben in der Ausübung der strengsten regulärei
n-
la.
Brandericus quogue locum Lamecensem:
Sebastianus quidem Sedem Auriensem,
Justusque simüiter in Portticalense,
Älvarua Vdegiae, Fdmirus Uxomae.
Maurua Legione, RanvXfus Astoricae.
Und mit anderer Schrift:
Praefatique praestdes in Ecdesiae plebe,
ex regia prudentia emicant clari.
') Eodem anno Oerundenses homines Gerundam ctvitatem Karol
tradiderunt
Enlogins in N«y>r». 355
I
ibbenihmt, im ganzen Abendlande hervorleuchtete''^). Dorthin gab
Bischof ihm fromme Brüder zur Begleitung. Bevor er dahin kam,
ilte er mehrere Tage in dem Kloster San Salvador de Leyre^), wo Loyre.
in Frömmigkeit ausgezeichnete Männer traf. Von da durchwanderte
verschiedene Orte, und gelangte endlich in das Zachariaskloster, zaeh«-
Ichem der Abt Odoarius vorstand, ein Mann von hoher Heiligkeit J^*^,
i seltener Wissenschaft, der ihn mit grösster Liebe aufnahm.
^In jener frommen Genossenschaft, welche fast die Zahl von
idert Brüdern überschritt, leuchteten wie die Gestirne am Himmel,
einen durch diese, andere durch andere Verdienste und Tugenden
TCMT. In Einigen blühte die vollkommene Liebe Christi, welche jede
reht vertreibt: die Meisten erhob die Demuth auf eine hohe Stufe,
irelcber sich Jeder für den Niedrigsten von Allen betrachtete. Viele,
j^eich leidend an Gebrechen des Leibes, bemühten sich eifrig, alle
Ibote zu erfüllen. Alle hielt das Band des Gehorsams zusammen.
Bftteifemd arbeiteten Alle; der Eine den Andern ermunternd, war
ior bemüht, der Erste zu sein. Gegenseitig wurde der Eifer entzün-
1^ Gott und den Brüdern zu gefallen, und jeder übte die ihm eigene
jppst^ zum Frommen des Ganzen. Einige nahmen sich mit Sorgfalt
I: Fremden und der Gäste an, und sich neigend vor dem in ihnen
I nahenden Christus, waren sie allen Ankommenden zu Diensten.
-Viele es ware/i, kein Murren, keine Anmassung wurde bemerkt.
le waren eifrig im Stillschweigen, sie verbrachten die ganze Nacht
fiicbsam im verstohlenen Gebete oder in der Betrachtung^).
Als Eulogius mit schwerem Herzen von ihnen schied, warfen sich
le vor ihm zur Erde nieder, klagten, dass er sie sobald verlasse,
d baten ihn um seine Fürbitte für sie. Mit ihm war auf der ganzen
der Diakon Theodemundus von Corduba. Der Abt Odoarius
der Propst (Prior) Joannes gaben ihnen eine Tagereise weit das
te. Mit dem Kusse des Friedens von ihnen sich trennend, kehrte
Jpogius zu dem Bischöfe von Pamplona zurück^). Die Sehnsucht,
pe fromme Mutter Elisabeth, seine Schwestern Niola und Anulo,
irie den Jüngern Bruder Josef ^) wieder zu sehen, führte den Eulo-
tB nach Corduba zurück. In Saragossa weilte er eine Zeit lan^c bei ^*^'
0 beati Zachariae ascystervum — quod famosissimis in exercitaiione re-
iaris disciplinae siudiis decoratum, toto refidgebat ocdduo.
*) Legerense monasterium.
') propriae artis indusiriam.
*) totamque per noctem furtivis precibus inctimbentes.
^) ad te, apostole Dei, e vestigio repedavimus. Der Ausdrack „repedare'^
^ßm Sinne von „zarfickkehren** findet sich sehr hantig bei dem sogenannten Chro-
von Face, von dem wir gleichfalls annahmen, dass er in Corduba schrieb.
*) Die beiden älteren Brüder hiessen Alvarns nnd Isidor.
23 ♦
damit er za Ehren dieser Heiligen eine Kirche baue, w
Bischof gelobt hatte. Dann berichtet er, dass in diei
schöfe, Priester, Aebte, Leviten und der ganze Klerus i
unter ihnen er selbst. Er fugt ein Verzeichnise der t
tyrer bei. Er bittet za grüssen den Abt Fortunius von
seiner ganzen Genoesenschafl; AthiUas, den Abt dee
Cillas"), gleichfalls) mit seinem Convente; den Abt
Klosters von Serosa^ mit den Brüdern; den Scemeaas,
sters von Ygal^, mit seiner ganzen Schaar; den Dadilf
KJosters von Urdaz"), mit seinen Brüdern.
■} B. oben S. 311 nad 386.
*) apud Seniorem episeopum, gut twic rec^ vüae monbi
regebat. Senior lebte noch im Jahre 8-58.
*> Taptim per Segoncican transiena civitatan, in qua t
gerebat vir prudenÜMimui Sisanunduä.
') evm ab antiatite Complulensi Veneria digne tadper
diem ToUtum reverti. Das nun Folgende b, oben S. 310 Anm.
riDS hat dem heiligen Enlogiiu auch aber den Hsrtertod der h(
Nnnilo und Alodia berichtet.
*) vos autem POmpilona locati, Christicolae prineipit
dominio.
*) CeUentia monorierü.
'') Seraeienais Tnotuuierii, i. e. zum heiligen Zaohariaa. H
nehmen hier an, dass dasselbe Kloster und denelbe Abt gerne!
meint, der frflher genannte Abt Odoarins sei im Jahre 851 schon t
ersoheiDende Odoan'na Abt eines andern Klosters gewesen. M
0. 8. B., ann. 86/. nr. 26 t'n ßne. Lorenzana entscheidet si
TWWnni Tl. MI). — Tenex. Cnrimira. IV. ». 75. — Ich tmtp
Nftvarra. 357
§. 13.
Ueber die einzelnen hier genannten Kloster hat A. Yepes spar- Klöster
Nachrichten gegeben. Nach ihm ist das Kloster zum heiligen jnJ^^„^
ler von Leyre das älteste in dieser Gegend. Im sechzehnten Jahr-
eri waren keine Spuren mehr des Klosters zum heiligen Zacharias.
Ehester Urdaspalense, später Urdaz genannt , war zu Zeiten des
lies ein Kloster der Praemonstratenser; es lag jenseits der Pyre-
, nicht weit von Bajonne^). Wenn dieses Kloster, wie Yepes
k, nrsprünglich den Benedictinern gehörte, so ging es durch die
le von drei Orden.
Um das Jahr 860, als Pamplona für eine Zeit lang in die Hände
dCaaren fiel, vielleicht sogar zerstört werde, musste sich der Bischof
Pamplona flüchten, und die Kathedrale wurde in das Kloster von
e übertragen^, welches in rauhen Bergen lag. So blieb bis zum san
B 1023 die Kirche dieses Klosters Kathedrale des Bisthums. Viele ^^^
ge von Navarra sind in diesem Kloster begraben. Der Benedic-
Benito de Ozta übersandte dem Chronisten Yepes das Verzeich-
der Klöster und Villen, welche unter dem Kloster von Leyre
len. Es sind nicht weniger als 72 Klöster, unter diesen auch das
ter von Urdax, und Ygal, deren Aebte Eulogius grüssen lässt.
^en wird das Kloster zum heiligen Zacharias und das Kloster
Cillas hier nicht mehr genannt, welche entweder eingingen, oder
re Namen erhielten. Ferner besass das Kloster 57 Flecken (Villas)
andere Oertlichkeiten in Navarra, Aragon und Castilien. Yepes
; die Gründung des Klosters bis auf die Zeit der Gothen zurück,
sagt, dass die Mönche des Klosters (eine Zeit lang) den Bischof
Pamplona erwählten. Die Reform der Cluniacenser wurde in dem-
n eingeführt, später die der Cistercienser. Yepes führt bis zu
r Zeit (1613) 41 Aebte auf; als den ersten bekannten den Abt
mius (vom Jahre 849).
*) Nor wenige Zeilen über dieses Kloster enthält die ^Ghllia chrisHana'^,
p» 1326. — Urdacium^ Ourdach* Haec abhatia dioecssis Baionensis, filia
M'Dei, ard. Praemonstr, S. ScUvatori dicata est, sita inier Brenae-
M in regno Navarrcte, sed in ipso pene Gcdliae vestibulo. Cum fuisset
dÜo canonicorum Regtdarium 8. Augustini, ann. 1209, Pr€iemonstr<Uense
exa est institutum, cf. Oihenart, notitia Vasconiaey L 2, cp, 3, p, 102.
tpes^ IV f 75.
•) Sandoval, OaUü. de los obispos de Pamplona, 1614,foL 19 b. — O. Fem.
i, Historia de la igles. y obispos de Pamplona, M, 1820, /, p. 37. —
f, p. 76.
tigea. Selra warf sich sogar zum Metropoliten aof, u
das durch den Tod des Theotarius (f 886) erledigte Bistbi
Priester Ermemir ein, und verdrängte den von Volk u
mblten Bischof Serrus Dei. Hierin boIUd ihm die Bist
von Barcelona und Godemar von Vieh Dienste geleist
die Klagen der vertriebenen Bischöfe seien Selva (Sclaa
dorch Papst Stephan VI. abgesezt worden, welche Abae:
Concilien von S. Gines de Montanis, von Portns nnd zi
im Jahre 992 auf das Nene bestätigt worden sei '). —
selbst ist richtig, aber nicht die Nebenumstände derseibi
vielmehr Sclua, Suniarius war Graf nicht von Urgel
Ampurias. Aecht sind vielleicht nur zwei Briefe des I
sns vom Jahre 892 an den Bischof Servus Dei von Ger
Papstes Romanns vom 15. October 897, worin dieselbe
gen der Kirche von Gerona bestätigen. Nach dem en
ServUB Dei selbst nach Rom, und nahm für sein Bisl
losein Majores und Minorca in Anspruch, worauf doch
gründete Ansprüche halte'). Nach der anerkannt ftc
Papstes Komanus kam Servus Dei selbst nach Rom. Si
acht, eo machte er die Reise zweimal*). Jedenfalls
') Petrm de Marca, Marca httpamca, tive Umea Hispat
seriptio Cataloniae, Rimeionvi, etc., ab anno 817 ad onn. 1268
ehroniea, et appendix acf.onim veteram . . . ad Auitu hiatoria
etc tdit. Stephan. BaluzH, Paris. 1688, f. — DicBea Werk ist
damals — neuen Docamenteii, sber anch an falachen DooameDten.
*) K. O. IIa, S- 1«9. Den Brief des P. PonnoBUs halten
niiavn flir nnlirht h«i .Tniff Rpttntla r P. Hteht er. wie der des
Urge), Gerona, Barcelona tind Yich. 359
ein Eindringling in das Bisthnm Gerona, in dem sich nun Servus Dei
eine Reihe von Jahren behauptete. Aach Sclua ist beglaubigt durch
ein achtes Document, nach welchem nach dessen Tode nnd auf den
Wunsch des Sterbenden der Bruder des Sclua, der Priester Egila, die
Besizungen des Sclua in der Grafschaft Cerdanna an die Kirchen von
Urgel vergabte*). Die Schenkungsurkunde ist vom Jahre 924, und
; kurze Zeit nach dem Tode des Eindringlings Sclua verfasst, welcher
i demnach die rechtmässigen Bischöfe von Urgel, Ingobertus (885 — 893)
2 und Nantigisus (900 — 914) überlebte^. In einem alten Bischofscatalog
. von Urgel heisst es, dass Sclua das Bisthum anderthalb Jahre inne
hatte, dann aber weichen musste^).
Ob die Bisthumer Gerona, Vieh und Barcelona eine Zeit lang nach B«ro«
dem Einfalle der Mauren ihre Bischöfe verloren, oder ob dieselben nur ^^"**
ons nicht bekannt geworden sind, lässt sich nicht ermitteln. Nach
der Vergleichung mit andern Bisthümern muss man das Leztere an-
nehmen. Nach dem Jahre 693 wird uns erst im Jahre 858 wieder ein
Bischof von Barcelona bekannt, aus Anlass der Reise zweier gallischer
' Mönche nach Corduba. Dieser Athaulfus wohnte mit seinem Metro-
politen Fredold von Narbonne der Synode von Tousi im Jahre 860
^ AD. Ihm folgte Bischof Joannes (c. 860 — 875), und diesem der eben
^ genannte Frodoinus, welcher vom Jahre 877 — 890 erwähnt wird. Er
^ erhielt von Carl dem Kahlen Geld zur Wiederherstellung seiner Kirche.
' IVodoin musste erst von dem Metropoliten Sigebodus von Narbonne
aogetrieben werden, nach dem in Vergessenheit gekommenen Grabe
; der heiligen Eulalia zu suchen, deren Reliquien er in der Kirche der
Heiligen Maria del Mar fand^) (877), und welche mit grosser Feier-
<lichkeit in die Kathedrale übertragen wurden.
In der Reihenfolge der Bischöfe von Vieh (Ausona) findet sich amohi
^ine Lücke vom Jahre 693 an, bis erst im Jahre 886 der schon er-
^^ivähnte Bischof Godemar erscheint, der um das Jahr 899 starb.
Von Saragossa ist uns in den Jahren 693—849 kein Bischof 8&ra<
bekannt. Bischof Senior lebte 849 und 858. Dann folgt eine Lücke ■^'^
') in sanctas Dei ecclesias. — Haec omnia dono aique cancedo egoEgUa
^jpresbgter propter remedium animat frairis mei domno Sduvani episcopi (f),
^^mcui iüe mihi juncsit. Aber erst nach dem Tode des Egila soll Alles der Kirche
mm Urgel zufallen (ad ecclesiam sanctae Mariae sedem Oridensem, seu ad co-
fumicos, qui ibidem Deo aerviunt). Egila will einerseits seinen Bruder als wirk-
'ftchen Bischof erhärten, anderseits für dessen Seelenheil die Kirche von Urgel
-'keschenken.
*) Villanueva, X, 74— 7P. Appendice XII, p. 244—247. — Mofdeu,
Bistor. crit de Espana, t XV, Madrid, 1795, lüustr. 20, p. 202-^206 leugnet
B^perkritisch die ganze Reihe von Thatsachen.
') Sdoa, anno 1 et semis, et postea perdidit episcopaium,
*) K.-G. I, 317.
711 — 900 tritt die gleichsam begrabene Eircbe von Sf
mal in das Licht der Geschichte, durch Elipandus, dei
traurigeo Gestalt, ood seine Irrlehre, und durch dit
Märtyrer von Corduba, deren Vorkämpfer and zugl
Schreiber der „liebliche Blutzeuge Christi", der nie gen
heilige Enlogins war, der mit dem grossen heiligen
»od so vielen heiligen Gefährten das Volk wid die Kiri
verherrlicht hat
*) Jatme Pa$qitcd, diacuno higtorieo aobre el antiquo ol
m Cotaiunna, 3V«mp., 1785, foL
Zehntes Buch.
Jacobus, der Apostel und Patron von Spanien.
Von Compostella nach Toledo.
(J. 900—1085.)
Erstes Kapitel.
Jaeobos, der Aeltere.
§. 1-
Zu seinen Aposteln sprach der Herr: „Gehet hin in alle Welt, und
bret alle Völker^ (Matth. 28, 20). Dieser den Aposteln gegebene
aftrag wurde scheinbar von zwei Aposteln nicht vollzogen, von Ja-
*S>us, dem Aeltern, dem Sohne des Zebedäus und Bruder des Apo-
^is Johannes, und von Jacobus, dem Jüngern, dem „Bruder^ des
6rrn. Denn Jacobus, der Jüngere, starb als Bischof von Jerusalem,
^<i hatte wohl nie die Grenze Judäa's überschritten, Jacobus, der
ältere aber starb schon am 12. April des Jahres 41 zu Jerusalem als
^^rtyrer. Die damals ausgebrochene Verfolgung der Christen wurde
^1* erst der Anlass, dass sich die Apostel von Jerusalem entfernten
d den Auftrag des Herrn an sie vollzogen. Jacobus, der Jüngere,
U^^g ihn auch dadurch, dass er in Jerusalem blieb, denn die Apostel
^^^"^0 nicht bloss zu allen Völkern der Heiden, sondern auch zu den
^€D gesendet Indem Jacobus in deren Mitte blieb, erfüllte er die
^ gewordene Sendung.
Jacobus, der Aeltere, aber konnte scheinbar den Auftrag des
'^m nicht erfüllen, da er schon im Jahre 41 getödtet wurde*). Es
*) Die von mir in der Schrift: „Das Jahr des Martertodes der Apostel Petras
i
TOiizienen, acr loa trat mnaefna aazwiscnen. J^er a
gegeben uad masste vollbracht werden. £r wurde t
hunderte nach dem Tode des Apostels, indem der H
das unter dem Drucke der Maaren Benizende, und beina)
christliche Spanien, welches er nicht ontergehen li
wunderbar erretten wollt«, in die Hände des Apostel
stiger Weise übergab, und dnrch die Fürbitte ui
des Apostels Jacobus eine solche Fülle von geistiger ]
christliche Spanien ausgoss, dass es den sonst unmc
gegen seine Todfeinde siegreich führte, als Sieger hervc
Kampfe, und nach acht Jahrhunderten den Besiz d
Schlacht von acht Tagen verlornen Landes wieder erla
Pyrenäen und dem Cap Finis Terrae bis zum Cap Sa
von Colpe (Gibraltar).
§.2.
Jacobus, der Apostel, trat als Patron von Spani
dem nennten christlichen Jahrhundert. Mit der im J
Comp»- zogenen Weihe der in Gompostella ihm zq Ehren erbaute
■uiu. dig Verehrung desselben in weitere Kreise, nnd es vi
Auslände bekannt, dass zu Santiago de ComposteUa dei
ligen Jacobns ruhe und verehrt werde.
Wir stellen demnach die doppelte Bebauptang &i
jezt der Beweis nicht geffihrt worden, dass Jacobas in
digt, und dort einige wenige Schüler gefunden habe, a
über ieden Zweifel erhabene Thatsache, dass der Lei!
Der Leib des heiligeii AposteLi Jaeobus. 363
»bas von Jerasalem nach ComposteHa gebracht wurde. Diese Ueber-
QDg aber erfolgte (nach meiner Hypothese , welche ich schon mehr-
igedeutet habe^)), in folgender Weise.
§. 3.
Jacobus, der Apostel, ist wahrscheinlich am 12. April 41 zu Je-
ilem als Märtyrer gestorben^). Sein Leib lag dort begraben, bis
das Jahr 528 — 530 Justinian die Kloster des Berges Sinai und von
Üku erbauen Hess. Nachdem durch die räuberischen Ueberfalle der
ixenen viele Mönche schon ihr Leben verloren, das Leben der An-
i beständig gefährdet war, sandten die zahlreichen Mönche um den
bi an Kaiser Justinian I., und baten ihn um Schuz und Hilfe. Er siost-
)$ zwei mächtige Klöster bauen, das eine am Berge Sinai selbst, ^<>■'•'•
i der Kirche der Verklärung. Es war ein sehr fester Bau, aber
to ihm wurde noch ein Fort^) errichtet und Soldaten in es gelegt,
h Scbuze der Mönche gegen alle Ueberfalle^). Die Kirche soll an
I Stelle erbaut worden sein, wo schon die heilige Helena eine Ka-
ie gebaut hatte. Die Kirche der heiligen Jungfrau stand tief gegen
IFuss des Berges.
Das zweite Kloster wurde erbaut zu Raithu (auch Rayeh), süd- Kiotter
itlich vom Sinai. Der Legat des Kaisers baute auch in Kolzum die ^**^"'
"cbe des heiligen Athanasius.
Der Kaiser schenkte den Mönchen eine grosse Anzahl von Scla-
I zum Schuze des Klosters, Klostersclaven oder Klosterknechte, Kloster-
lohe besondere Wohnungen in der Umgebung der Mönche erhielten,
«n Zahl auf 1000 angegeben wird, und die im Laufe der Zeit sehr
inicbsen. Lange erhielt sich hier das Christenthum wie in einer
Be. Gegen das Ende des siebenten Jahrhunderts verbreitete sich
;er ihnen der Islam. Es kam zum Kampfe unter ihnen selbst.
de wurden erschlagen, andere flohen, die Zurückbleibenden waren
Siamedaner. Noch im zehnten Jahrhundert hiessen diese Kloster-
M^bte, und bekannten den Islam.
In das Kloster des Berges Sinai wurde der Leib der heiligen Heiug«
tharina von Alexandrien übertragen, sehr wahrscheinlich in dieser ^^"
it. Als dieselbe später durch Wunder zu leuchten begann, erhielt
') K.-6. von Spanien, IIa, S. 285—299 (Jacobus, der Aeltere, und Hosiiu
B Corduba). — Jahr des Martyrtodes der Apostel Petrus und Paulus, S. 63 (der
ozösischen Ueberseznog).
') Der Beweis, L c, j>. 16,
*) Procopius, de aedifidis, V, 8 (ed. Bonnae, t. III, 327).
Dien, aber alle drei waren Mönche aus Raithu*).
Aaf einem Wege, über dessen Richtimg ich ke
habe, brachten sie das kostbare Heiligthum in die £
ond es wnrde in der Crypta der Kirche del Pilar l
zeigen sich Spnren der hohen Verehning, in welcher di
in Spanien stand. Athanosiae nnd Theodor behüteten
Schaz nnd sie wurden neben dem heiligen Jacobas begi
in Saragossa oder an dem Orte der dritten Uebertragi
Stella geschah, darüber habe ich keine Ansicht. Von
sie die ersten Bischöfe von Saragossa genannt, wie icl
mit Recht. Florez meint, die Kirche von Sari^^ssa
Zierden, dass sie aaf diese verzichten könne. Ebenso ii
Fortsezer, so aufrichtig, za gestehen, dass der Beweis
schöfe gewesen, sich nicht fuhren lasse"). — Florez at
an, dass Petras, genannt Ratbensis, der erste Bischof
als welcher er erst im Mittelalter genannt wird*). Ti
aber sagen: Es möge djess den Bracarensern überlass'
ihn verehren*). — Es scheint mir, dass aacb Petms
Bischof war. Diese drei Mönche von Rattba, welche
heiligen Jacobns nach Spanien trachten, sind im Mitt
aaf die neueste Zeit mit den von Rom gesandten „!
confimdirt worden. Von der Zeit, wo die Reise des j
nach Spanien vergessen war, wo nar Jacobus im Munde
Spanier lebte, wurden die sieben Apostelschüler Junge
Jacobas genannt, und ihnen Athanasias und Theodor,
Petrus Ratbensis beigefügt.
TraDBlationen jAi heil^;eo Jacobos. 365
§. 4.
Der Leib des heiligen Jacobus wnrde nach der Eroberang Spa- Dritt«
dnrch die Araber in ähnlicher Weise geflüchtet, wie so viele ^^^
re Reliquien. Die Zeit wissen wir nicht zu bestimmen, vermuthen dea L«i-
» es sei vor dem Jahre 757 geschehen. Denn unter den Docu- ^*Jj,^
en, die aus der Zeit des Bischofs Odoarius von Lugo erhalten jaeobua.
erscheint ein Document: „Gründung der Villa von Avezano und
eriz durch eine Familie des Bischofs Odoarius, mit der dem heili-
Jacobus geweihten Kirche*^ Zu „Ehren des heiligen Apostels Ja-
18, den der Herr in seine Glorie aufzunehmen sich vdirdigte, und
er uns als Patron aufgestellt hast^), gründen sie diese Oertlich-
n^. „Oftmals,'' sagen sie, „haben wir grosse Lichter an diesem sparen
I gesehen, auch in der Villa, genannt Avezano, und Gott hat es verehr-
in das Herz gegeben, dass ich (Anzano) die (von mir geschaute?) «of^n
be baue, mit meiner Gemahlin Adosinda, im Namen meines Herrn 101^757.
i Christi, und seines Jüngers, des seligen Jacobus, wie wir in
er Villa Avezano am Minho-Flusse eine Kirche gebaut haben ^).^
beten: „O heiliger Jacobus, du Bewohner des Himmels, wolle für
^ Sünden fürbitten bei deinem Meister und Herrn, damit nach
rm Tode Alles in dem Stande bleibe, wie wir es gegeben und
«findet haben'' ^. Jacobus wird Patronus der Einwohner genannt,
von Gott ihnen gegebener Beschüzer.
Li einem Documente vom Jahre 760 erzählt Bischof Odoarius odo«-
liogo, „dass in dem Lande „Africa^ die „Ismaheliten'^ aufgestan- '*luIo°
I dass sie Spanien den Christen entrissen'', und dass er selbst in (t 786)
[er Verbannung gelebt. Gott aber habe durch die Fürsten Pelajo ^^'^^^^
I Alfons I. (f c. 757) den Christen wieder geholfen. Auf die Kunde J«eobot.
PD sei er „mit seinen vielen Familien und mit dem übrigen Volke
£dlen und Nicht -Adeligen zu dem Size von Lugo gekommen".
\ baue er die Kirche der seligsten Maria, und er errichte auf das
le die zerfallene Stadt, und habe neue Orte rings herum erbauen
') quem tu excUtare in gloriam tuam fecisti, et nobis Domine patronum
UuUti,
*) Vidimus per multaa vices magna luminaria in Jtunc locum, et in viUa
'iata Avezani, unde inspiravit Dominus in corde nostro, ut et Avezano Ecde-
% visam edificarem, cum uxor mea Adosinda in nomine D, n. J, Chr.^ et
I discipnli beati Jacobi,
*) 0 Sande Jacobe Coelicole^ ei Apostole Dei^ qui gratiam accepisii
Mi et solvendi, intercede pro nostris piaculis ad tuum Magistrum D, J, Chr.,
^ eustodienda, et omnia possidenda post obitum nostrvm. — Esp, sagr., 40,
^end. IL
cbidiakone, 11 Presbyter, 9 Diakone, 9 Kleriker, 18 La
§.5.
I- Von jezt an aber scheint der beilige Jacobus in G&l
^ weise Vergessenheit gekommen zu sein. Es wird erz
I- Orte, wo sein Leib ruhte, haben die Umwohner wieder!
and sich bewegende Lichter in dem dichten Gebüsche erb
das vergessene Grab des Apostels Spaniens überwucbe
dass dieses Grab Niemand mehr bekannt gewesen sei,
Vergessenheit anheimzutallen drohte, bis dasselbe za
Königs Alfons U. von Ästurien und des Biscbofa Theod
wieder aufgefnnden wurde"). — Lange Zeit beriefen sicl
als Beweis für die Zeit nnd die Axt dieser AafBndang auf t
Papstes Leo III. (799 — 816), in welcher n. a. gesagt wi
Joden nach der Enthauptung des Apostels den Leib i
die Stadt Jerusalem den Tbieren zum Baube gebracht
Schüler seien aber sclion zu Lebzeiten von ihm ermahnt
möchten nach seinem Tode seinen Leib nach Spanien
hätten also, wie derselbe Papst Leo bezeuge, den gan
dem Haupte in Eile von Jerusalem an das Meeresufer (t
bracht, und voll Angst, wie sie denselben nach Spanien bri
■) Poat perada heue omnia, /edmb» imprimäer EecU*
facen qwxm dieunf Saneti Jacobi de Mamüani supsr portum .
jpundata in Villa Ävaani, et posuitmts et et Dextros (f) in die
ita vi lex docet, tt instiper hereditatea, et plantadoa, et iUa Vi
WiedeiaoffindniMyles Mligen Jacobns, 367
n sie ein vom Himmel ihnen zubereitetes Schiff am Ufer vor- bqUo
iden, es freudig bestiegen, seien der Scylla, der Charybdis und den ^*!f'^
sn glücklich ausgewichen, und seien in glücklicher Fahrt zu dem
%£en Iria in Galicien gelangt; dann haben sie den heiligen Leib
sn Ort, der damals „Liberum donum^j jezt aber (im zwölften Jahr-
ert) Gompostella heisse, gebracht, und ihn unter marmornen Ge-
en (areubua) nach kirchlicher Sitte beigesezt^).
§. 6.
Der Verfasser der sogenannten Hiatoria Compostdlana lebte im
ften Jahrhundert, und damals galt die angebliche Bulle des Pap-
Ijeo als acht. Was in ihr stand, galt als wahre Geschichte. Viele
re ähnliche Berichte finden sich. Nach einem derselben wurde
Schiff (der Kahn, raus) ohne Segel und ohne Ruder bloss durch
es Hand von Joppe durch das ganze Mittel- und einen Theil des
tmeeres in der kurzen Zeit von einer halben Stunde gefuhrt.
I)ie Angaben über die Zeit der Auffindung des heiligen Leibes
ken zwischen den Jahren 772 — 829. Lange begnügte man sich zu
hdie Auffindung sei zu der Zeit KarPs des Grossen geschehen,
e man die Bulle Leo's III. für acht hielt, konnte man nicht
las Jahr 816 zurückgehen. Nicht Wenige hielten am Jahre 772
Die zahlreichen ächten, in der Espana sagrada mitgetheilten
■mente aber scheinen die Annahme zu rechtfertigen, dass der hei-
Leib des Apostels erst in den Jahren 824—829 gefunden worden sei.
§. 7.
In der Aera 867, das heisst im Jahre 829 (nicht Aera 862) ai-
libt Konig Alfons II.: „Durch diesen unsem Befehl geben "odj^"^*^
Bhen wir diesem seligen Apostel Jacobus und dir, unserm Vater heilig«
bdemir dem Bischof, drei Miglien in dem Umkreise der Tumba des •'■^*^••
psk Apostels Jacobus. Denn der heilige Leib dieses seligsten
stels ist in unsrer Zeit geoffenbart worden'' '). Als er dieses hörte.
^ l c. p. 6.
*) huius enim beaiissimi Apostoli pignora, videlieet Sanctüsimum Corpus,
liliifii est in nostro tempore. Quod ego audiens cum magna devatione, ei
ikaiume ad adorandum et venerandum tarn pretiosum thesaurum cum
fnbus nostri Palatii cucurrimus, et eum sicut Paironum et Dominum totius
feiiiui« cum Uurymis et predbus müUis adoravimus, et supradictum munu-
Ml ei voluntarie amcesimus, et in honorem ejus Eedesiam construximus,
'fensem 8edem cum eodem loco Sancto eonjunximus pro anima nostra et
Id der Zeit vor Theodcmir werden einige Bischöfe
tuuint, da aber bloss ihre Namen erscheinen, ohne Vert
Thatsachen oder Jahre'), so neige ich mich zq der Annal
Siz von Iria etwa ein Jahrhundert lang aufgebort habe, d
Bistham im achten Jahrhundert za Logo gehört habe. A
Theodemir der erste durch Docamente beglaabigte Bis
Zeit der Maaren. Wir wissen daraus nur, daes er am daa i
Zu ihm kamen, nach dem sehr spät«B Berichte dei
TOQ üompostella", einige Personen von grossem Ansehen
teteo, dass in dem über dem Grabe des Apostels erwachi
während der Nacbt mannigfoltige Lichter erschienen am
stimmen gehört worden. Der Bischof begab sich an dii
erblickte dieselben Lichter. Er fand den kostbaren L
stds in einem Grabe, welches mit einem Gewölbe vor
schlössen war. Dem Könige Alfons II. machte er Mittl
Ueber dem Grabe erhob sich eine Kirche. Von Iria w
schofssiz an das Grab des Heiligen übertragen. In
wohnten die Bischöfe vrährend des Advents and der F
grösaern Rnhe wegen, in Iiia.
P^ ' Der Ursprung und die Bedentung des "Wortes „Gmn
■MUh im Dunkeln. Das „Chronieon Iriense", wohl aus dem x
handert, erzählt, dass nach der AufGndung des Leibei
Jacobns Uänner zasammenkamen , und sprachen: „W(
Oowfpodtella. d6d
en wir diesem Orte geben? Einige sagten: „heiliger Ort'', Einige:
reies Geschenk^, Einige: „Zusammengelegter Landstricli'', woher es
»mpostella'' heisse^).
Der Chronist entscheidet sich för keine dieser Erklärungen. Die
Järnngen selbst sind unhaltbar. Alfons IL nennt Compostella 829
t ^heiligen Ort''. „Liberum donum^ kommt in der unächten Bulle
»'s m. von — Gewöhnlich erklärte man: y^Campus stdlae^^ Ort des
mes oder der Lichter, die hier erschienen, woraus das Volk „Compo-
la" gemacht habe. Diess war im achtzehnten Jabrhundeit die ge-
bnliche Erklärung. Aber die ,J,umincma^ waren (nach Florez) keine
me. Man kenne nicht genau die Zeit, in der der Name „Oompo-
ia" aufgekommen. Er meint, dass aus den Worten der Wallfahrer,
wbo Apogtolo, oder „Oiacomo Pasiolo^ oder „t/toc Apostol^ sich leicht
knoposteUa" gebildet habe, wie der Jesuit Harduin — zu Plinius,
b natur. 4, 20, 8. v. Capori erklärend sage *). — In der Landschaft
na befand sich ein Ort, Namens Compostella, wo die Wallfahrer
r den Fluss Sil sezten, um nach Compostella zu gehen. Im ganzen
bten Jahrhundert kommt das Wort noch nicht vor. Noch im An-
m des zehnten Jahrhunderts nennt Konig Ordonno II. den Sisenand
llria „Bischof des heiligen Ortes" ^). Dagegen heisst es schon in
m Schrift vom Jahre 914 (wenn keine Interpolation stattgefunden)
FStadt Compostella«).
§. 10-
Im Jahre 842 kam Ramiro I. zur Regierung von Asturien^). Ra-
leh der langen und im Ganzen glücklichen Regierung Alfons' II. ^^'^ ^
gte ihm unter den ungünstigsten VerhSUtnissen sein Verwandter
*) Compositum tdus, a quo dicitur Compostella, et qui voluerit dicere
iam dicat propter Trin, et qui voluerit dicere TUiam dicat propter filiam
^jani principis: et qui voluerit dicere bisriam dicit propter duo flumina,
f$ et üliam (bisria, i. e. iterum rto), zwei Fifisschen, Sare et Ulis, zwischen
leben Compostella liegt. Einige sagen: „Compotem SteUam^, woraus „Compo-
la* entstanden. So erklärt noch Seb, de Minnano: Dicdonario geografico-
Wiistico de Espana y Portugal, Madr, 1827, t. 8, p. 130.
*) Compostella, quae vox conflata a duabus^ Jacomo apostolo, Sancti
tobi apostoli fanum sonat, cf. Isaac, Vossius zu Mela, Oeogr. 3, cp, 1, —
ffani dixere: ^Oiacomo Postolo"^ unde contracium Compostela.
*) Aera 950^ Jahr 912, apud Tepes, Coronica, t IV, Escritura 12. Utile
Mwi fidtj ui Iriense Episoopium ad hunc apostolicum transferreiur locum.
*) SisnandiiSy divino nutu Iriensis episcopus, et ecdesiae Sancti Jacobi
terdas Apostolicus (d. h. Bischof des Apostels) concedimus monasterio S. Mar-
^ de Pignario, quod situm est in urbe Composteüa. — Escritura 13^ l c.
K eagr. t. 19, p. 72 (edic. 2, 1792).
*) 8. oben, S. 339.
NuBfl, tpan. Kirobe. II. 9. 24
IUI. i^ioYigu, n»^.uc uivui. ucgiauuigL ibl, UCUI üt^
sichtbar erschien, ihm voranging, selbst eingriff in
dem Kri^smantel bekleidet, mit dem Hammer bewaf
mit eigner Hand 3000 — 300,000 Araber niederhäm]
diess wirklich getban, nnd sonst Nichts, so wäre das c
nicht aus der Hfuid der Mauren erlöst, nicht wiederfai
Nicht eine Schlacht wurde im Jahre 843 (al. 844)
Sieg ober die Mauren errungen. Aber in der Zeit c
drängniss daroh innere and äussere Feinde, durch
Nordmiuiner erschien Jacobas, der Apostel, dem Kön
man gewöhnlich sagt, im Tranmgeeicht, and kündig
Gottes an, den Schuz in allen Nöthen und Gefahren,
Führer und Schüzer dem chrisÜicben Spanien vorange
Im Jahre 844 soll Bamiro der Kirche des heil
Ptirat. sogenannte „Privilegium voiorum" ausgestellt haben, c
"^l^ übernommene Verpflichtang zn gewissen Lüstnngen
gegen den heiligen Apostel Jacobus. ^Der König Rai
Gott mit ihm verbundeoe Königin Urraca, zugleich x
Ordonno, and seinem Bruder, dem Könige Garsia, hi
das wir dem ruhmreichsten Apostel Gottes Jacobns
Zastimmang der Erzbiachöfe, Bischöfe, Aebte, unser
aller Christen von Spanien jezt in dieser Schrift ;
damit nicht etwa unsere Nachfolger aus Unkenntnis
gcthan haben, wieder aufbeben*'.
Diese Einleitung macht die Aechtheit der SchriÜ
Erzbisohöfe gab es im Jahre 843 nicht; das Land di
nicht Spanien, sondern Asturien. Ob die, oder eine
<1»o TT^^-in-c TT.^a»<> hiBBB ist nlfkt an HnnmatnaalioK
Bamiro I oad der heilige Jacobns. 371
inigs Brader, wissen wir nichts Sicheres. — Die vier Könige von
tonen nnd Leon, welche den Namen Ramiro tragen, sowie deren
mahlinen, sind hier offenbar confandirt, und unser Schriftstück dürfte
bt vor dem eilften, vielleicht erst im zwölften Jahrhundert cntstan-
i sein. — Dennoch enthält es ächte Bestandtheile, vielmehr ruht
I in demselben Berichtete auf einem wahren geschichtlichen Hin-
gmnde.
EJs wird weiter erzählt, dass die früheren Konige vor Ramiro I.
B Arabern jährlich hundert der schönsten Mädchen ihres Landes
■geliefert, fünfzig aus adeligem Blute, fünfzig aas dem Volke, um
k den Frieden auf diesem schmählichen Wege zu erkaufen. Als er
t Bamiro — die Regierung angetreten, habe er beschlossen, diesen
jtoBahlichen Tribut abzuschaffen (welchen demnach vor Allem sein
Mjpmger, Alfons der Keusche, entrichtet hätte), und habe sich darüber
Mhen mit den Elrzbischofen, Bischöfen, Aebten, Religiösen, nachher
I aDen Fürsten des Reiches. Nach dieser Berathnng gab er bei
ion Geseze, und befahl, „dass in sämmtlichen Provinzen des Reichs
Gewohnheiten festgehalten werden sollen^. Dann rief er „von
entferntesten Grenzen^ seines Reiches die streitbarsten Männer zu
dazu auch die Erzbischofe u. s. w. Sein Befehl wurde erfiillt
die schwächsten Männer blieben zum Anbau des Landes zurück,
seinem Heere zog nun Ramiro nach Naxara (Najera), von da
«h Albaida, welche beiden Orte etwas südlich vom Ebro, zwischen
fegos und Calahorra, liegen. G^en ihn sammelten sich sämmtliche
hher diesseits des Meeres, durch Briefe und Eilboten wurden auch
|l Schaaren jenseits des Meeres aufgeboten. Das Heer Ramiro's
hlob in wilder regelloser Flucht« Die Uebrigen sammelten sich auf
hl Hügel Glavigium (Clavigo), wo sie fast die ganze Nacht in
bftnen und Gebeten zubrachten. Ramiro sank in Schlaf. Da erschien
ii in leiblicher Gestalt der selige Jacobus, der Beschüzer von Spanien ^).
k^Wnndert fragte er ihn, wer er sei. Er bekannte, dass er der Apostel
ttes, der selige Jacobus sei"). Als Ramiro bei diesen Worten über
Maassen erstaunte, fiihr der selige Apostel fort: Wusstest du denn
bt, dass unser Herr Jesus Christus die andern Provinzen zwar
itien andern Brüdern, den Aposteln, ziitheilte, dass er aber ganz
inien wie durch das Loos meiner Obhut übergab, meinem Schuze
Ueilte^)? Indem er mit seiner Hand meine Hand an sieh zog
*) Beatus Jacobus Hispaniarwn protectar corporali specie est se prae-
Köre dignaius. Im Jahre 843 hatte das christliche Spanien noeh nicht den
„Hispaniae'^*
*) Apostolum Dei, Beatum Jaeobum, se esse confessus est
*) Dominus noster «7. Ch, alias promncias aliis fixüribus meis Apostolis
24^
aer selige Apostel uottes, zur scmacDt ermutuigeo
hemmend nnd aas einander schlagend die Scbaaren i
Die Christen riefen: »Hilf ans Gott, and dn seliger Jaco
Rof wnrde von da an in Spanien gehört Mit diesen
der Ver&sser, dass er selbst lange nach dem Jahre 84i
auf eine frühere Zeit zurückweist, ans welcher diese
der Spanier stammte.
An jenem Tage seien etwa 70,000 Sarazenen g<
verfolgte die Fliehenden, nahm die Stadt Calaforra (C
und unterwarf sie der christlichen Religion. Fnr di
wollte Ramiro dem Apostel Jaoobos sich dankbar erw«
Er will also, nnd gelobt, dass in ganz Spanien)^}
Landstrichen desselben, welche Gott unter dem Namen (^
des Apostels Jacobos aus der Hand der Sarazenen '
Ton jedem Joch Ochsen*) ein gewisses Maass der t
nach der Weise der Brstlingsfrüchte, ebenso vom Weil
halte der Kanoniker an der Kirche des heiligen Ji
werde, welahe jährlich an dieselbe za entrichten sind,
dass die Christen in ganz Spanien von aller Bente
zenen „nach dem Maasse des Antheües eines Soldaten
reidien Patron, dem Beeohüzer von Spanien, dem ae
digtribumt, totam Hiaponiam mea» tuttlae per »ortem dtputaa
mitiuet proUctioni.
ro*« Qm-
Ittbde.
Bamiro*8 Gelflbde. 373
)en ^). Der Eonig bittet, dass Gt)tt unter Vermittlung seines Apostels
lobns diese Graben, und ihn selbst in Gnaden, und einst in die ewi-
i Wohnungen aufnehmen wolle«
Die Erzbischofe und Bischöfe behaupten am Schlüsse, dass sie ^^i
I Wunder der Erscheinung des Apostels in ülavigo selbst gesehen.
ir das Gelübde des Königs nicht erfülle oder breche, sei maledicirt,
{KMnmunicirt, und wir verdammen ihn mit Judas dem Verrather zur
idigen Höllenstrafe ^), was doch etwas zu stark^ist, da Gott allein
)) Höüe verdammen und selig machen kann. „Unsere Nachfolger,
sbischofe und die Bischöfe sollen jährlich mit Frömmigkeit diess
lolen (diese Maledictionen?). Thun sie es nicht, so seien sie
die Auetoritat des allmächtigen Gottes, und die unsrige verur-
iy sollen der Excopmunicatiön anheimfallen, und der ihnen von
verliehenen Gewalt beraubt werden^. Gemacht ist die Schrift
|; Tröstung, Schenkung und Widmung in der Stadt Calaforra am
i Mai der Aera 872 (834)^.
Dulcis, der Erzbischof von Cantabrien, unterschreibt Sodann
ios, Bischof von Oviedo, was, wäre die Urkunde acht, ein Beweis
die angebliche Synode von 811 — 814 wäre. Es unterschreibt
%, Bischof von Asturien, Salomo, Bischof von Astorga, Rodericus,
»f von Lugo, Petrus, Bischof von Iria, welche sämmtlich zugegen
I, und verschiedene Grossen, von denen jeder den Titel: „potesUu
sich beilegt. Endlich unterachreiben ^^alle Bewohner der Land-
von Spanien, die zugegen und Zeugen der Erscheinung des
Is Jacobus waren".
Einen Erzbischof von Cantabrien gab es nie. Ein Suarius von
lo erscheint sonst nicht, dagegen könnte er zwischen 813 und 852
haben. Einen Bischof von Asturien gab es nie. Im Jahre 841
^int Fortis, 842 Novidius als Bischof von Astorga, ein Salomo
in den Jahren 931 — 952; ein Bischof Roderich von Lugo erscheint
' in den Jahren 1181 — 1218. Ein Bischof Petrus von Iria (Compo-
la) erscheint erst in den Jahren 986 — 1000.
Wir haben ein unächtes Aktenstuck aus sehr später Zeit Aber nach
der Ansiebt erschien doch der Apostel Jacobus dem Könige Ra-
> im Anfange seiner Kegierung, wohl zu Clavigo, wo zum Andenken
iiese Erscheinung noch in unserm Jahrhundert eine grosse könig-
*) ad mensuram portionü unius militis glorioso Patrono no9tro, et
Harum Protectori Beato Jacobo fideliter attrünuxtur,
') eum maledicimus, et excommunicamus, et cum Juda traditore gehenali
>a damnamus in perpetuum cruciandum,
*) Andere besser Äera 882.
des Apostels Jacobns zur Erhebung nnd Errettung von i
§. u.
OrdoDiDs , der Nachfolger des Königs Bamiro ,
' Jahre 854 an den Bischof Athaolfns II. von Iria (Athai
in den Jahren 848 — 851, vielleicht unmittelbar nach The<
er ans Ehrfurcht vor dem seligen Apostel Jacobns, den <
Male „seinen Patron , und den Patron von ganz Spt
„dessen Leib beigesezt ist in Gallaetia, in dem Gebiete
den Bischof in dem Besize jener drei Miglien bestätige,
Voi^ioger, Alfofia der KeuBohe, zu Ehren des Apostels Jaoo!
habe. Er selbst gibt gleichfalls „zum Heile seiner Seele
Ehre desselben Apostels" andere drei Miglien, so dass c
sechs Meilen sind'), und dass das ganze Volk, welches da
dem heiligen Orte ebenso diene, wie es mir und meinet
gedient bat"*).
§. 12.
AI. Alfons der Grosse machte im Jahre 866 (Era 904
*" «^ Bischöfe Athaulf IL eme neae Schenkung. Er gibt and
haiiif* »den heiligsten Ort uosers Patnms, des heiligm Apoe
^**'>°^mit Allem, was seit langer Zeit zn diesem Orte gehört 1
Pftdron.
Alfons III. und der heilige Jacobns. 375
I gehört, was seine Vorgänger und er selbst bisher gegeben und
titigt habe^. Er fugt hinzu den Bischo&siz von Ina, wo die Kirche
heiligen Jungfrau Eulalia ist, mit allen Einwohnern, wie die Bi-
^e Theodemir und Athaulf (I.) es besassen. Von dieser Zeit an
or sich der Name „Iria^ mehr und mehr, und „Iria^ erhielt den
Ben „Ei Padron^, den es heute noch besizt, weil es Eigenthum „des _ bi
Kma^ von Spanien war*). El Padron liegt etwa 4 Leguas von
^KMtella, 2% Leguas von dem Meere entfernt, während das alte
I etwas näher dem Meere lag. Diess erklärt sich vielleicht theils
Bk das Zurücktreten des Meeres, theils dadurch, dass £3 Padron in
Richtung von Compostella neu gebaut oder erweitert wurde. Bis in
neuere Zeit wird El Padron eine Hafenstadt genannt, da der FIuss
' (vereinigt mit dem Flusse Ulla) bedeutend, und die Meeresfluth
tu einer Miglie von dem Orte heraufsteigt^).
§. 13.
Im Jahre 880 (Era 918) gab Alfons III. dem Bischöfe^ Sisnan- ai-
I der schon 869 als PresbytiT und Verweser des Bisthums genannt '<»"• "^
I, auf das Neue die Bestätigung in allen Besizungen des Bisthums
besonders „das Haus des heiligen Apostels Jacobus, unsers Pa-
i , mit allen Leistimgen an es. Diese „Cancesaio^ und „ConiestaHo^
le ausgestellt am 30. Juni 880 (Era 918)^).
In den Jahren 88ö und 886 schenkte Alfons lU. die Güter zweier
ichwörer und Rebellen gegen ihn dem heiligen Jacobus, „unserm
on'^. Neben dem König wird seine Gemahlin Ekemena genannt.
§. 14.
Manche andere Schenkungen an den heiligen Jacobus müssen hier
gangen werden, welche von Laien oder Priestern gemacht wurden^
Zungen, welche zum Theil weit entfernt lagen, z. B. in Leon oder
»ira. Um das Jahr 895 hatte Alfons III. vorübergehend Coimbra
ert, und er schenkte aus Dankbarkeit verschiedene Orte und Kir-
i in der Nähe dem heiligen Jacobus^). Diese Schenkung geschah
*) ÄDdere ErkläruDgen gibt Florez, t 19, p, 3 sq., welche mir unhaltbar
inen, z. B. dass König Ferdinand II. 1164 den Ort viUa P^wni nenne; es
I wohl heissen: Patroni; FLorez meint: Petronii.
*) Minnano, s. v. Padron.
*) Esp. sagr., t. 19, append. 7.
*) Viüas in suburhio Conimbricensi, guas nuper Dominus de manu Oen-
m abstuUt.
376 Zeholes Baclj. EntM KafUtL
»m 30. December, wo man von Altefs her, nnd MK& du
Hanptfest den heiligen Jacobus in Spanien fflieite*
§• IS.
Die alte nnd erste Kirche des heiligoi Jaoobns ratspt*'
mehr der neuen glänzenden Zeit. Alfons IL hatte ne uu S
ßrdc gebaut; sie war zu klein. Sisenand bat Alfinw HL, dass
Neim Apostel einen herrlichem Tempel bane. Ans weiter Feme, za L
xbxba gp^^ ]jjg ^^^ Porto, und dem zerfallenen Area, woiden die B
Comp«- und der Marmor her beigebracht. Alfons III. aandte an Papel
•^"•- nes IX. (898—900) als seine Gesandten den Serems und Side
der Angelegenheit der Kirche von Santiago nnd des Bisthams
Der Papst billigte die Anträge nnd sandte den BainsldoB als
Nuntius. Der König bestimmte nun als den Tag der fänweibi
neuen Kirche den 6. Mai 899.
Es waren zugegen die BiEcböfe Joannes von Oaca (oder l
Vincentius von Leon, Gomellus (oder Geaoadins) von Astorgi
menegildus von Oviedo, Dulcidina von Salamaoca, Jacobne voi
Nansti von Coimbra, Argimir von Lamego, Theodorich (oder
deniir) von Viaeo, Gumadus von Porto, Argimir von Braga, I
von Tny, Egila von Orenee, Sisnondus von Iria, ReoaredosTOD
Theodesindus (Rudesindns 1. ?) von Britoninm, Eleca von Sarag
Der König kam am festgesezten Tage mit seiner Gei
seinen Söhnen, und mit all' seinen Grossen (oder Grafen)'),
Namen Sampiro aufzählt. Viel Volk strömte zusammen. Am I
wurde die Kirche geweiht; einzelne Altäre von einzelnen Bis<
Der Hanptaltar war dem Heiland der Welt geweiht; zu seiner K
stand der Altar der Apostel Petrus und Paulus, zu seiner Linki
Altar des Apostels Johannes.
Der Altar über der Gruft (dem heiligen Leibe) des A[
Jacobus, sei, sagt Sampiro, welcher 1035 Bischof von Astorga
von den sieben Schülern des Jacobus eingeweiht worden, deren I
sind : Calocerus , Pius , Basilius , Grisogonus , Maximns, Theo
Athanasiiis, mit Ausnahme der zwei Leztern ganz fingirte Name
dichtet mit Rücksicht auf die von Rom nach Spanien ges
Siebenmänner,
Kein Bischof wagte diesen Altar, der sehr wahrscfaeinhc
712 — 756 über dem Grabe des Apostels errichtet -worden, wie
weihen. Nur die Oration und die Messe wurde anf demselben gesui
') CKronicon Sampiri, Eap. sagr., t. 14, p. 442 (456).
') cum univtrih Potestatibus.
') Chronirou ü'umpiri, p. 457.
Nene Kirehe, geweiht 899. 377
Am 6. Mai, dem Tage der Weihe, stellte Alfons III. die
ide der neuen erweiterten Schenkung an die Kirche des heiligen
US ans^), „dem Himmelsbewohner, unserm ruhmreichen Herrn
?atron, dem heiligen Apostel Jacobus, dessen ehrwürdiges Grab
marmornen Bogen ist*) — in der Provinz Gallecia''; er, die
;e Exemena, mit „unserm Vater'^ dem Bischof Sisnandus, auf
ti Antrieb er das Grab erneuert und erweitert^ habe. Er schenkt
„heiligen Altar^' des Apostels verschiedene Kirchen und Villen,
S. Christophorus am Ufer des Minho, mit der Villa Nugaria,
len Wald Magnimiri, die Kirche der heiligen Eulalia in Monteni-
die Kirche der heiligen Maria in Arenoso am Flusse Thena, und
e Villen, u. a. die Familie der heiligen Eulalia des Sizes von
das Kloster des heiligen Bischofs Fructuosus im Orte Monteselios
raga^), Dumium mit seinem ganzen Gebiete; die ganze Villa
tia mit der Kirche des heiligen Petrus; die Insel Acnes mit der
e des heiligen Martinus, die Insel Arauca mit der Kirche des
en Julianus, die Insel Saltare mit ihrer Kirche, die Insel Ocobre
er Kirche des heiligen Vincentius, die Kirche der heiligen Maria
ies heiligen Romanus in der Vorstadt von Leon, viele Villen im
te von Astorga, Oviedo und Coimbra. Diese Villen und Kirchen
it er zur Vergebung seiner Sünden dem seligen Apostel Jacobus.
künftiger Bischof des heiligen Ortes möge auf eine dieser Besiz-
. Verzicht leisten, oder Versuche gegen seinen Besizstand gleich-
und sorglos zulassen. Ebenso werden die Nachfolger Alfons' HI.
im ermahnt, seine Vermächtnisse an den heiligen Jacobus nicht
Igten, oder antasten zulassen. Er schliesst mit der Bitte: „Nimm
ir bitten dich, o Herr, diese Gaben, welche wir darbringen in
Tempel deiner Ehre (in der Kirche) deines Apostels Jacobus,
reiche wir in die Hände deines Bischofs Sisnandus legen, welcher
ch mit uns dieses Gelübde vollzogen hat. Wir bestätigen Alles,
nsere frömmsten Ahnen und unsere Eltern diesem deinem Hause
srt haben, unser Urgrossvater seligen Andenkens, der Fürst Al-
II.), unser Grossvater^ der Fürst Banimir guten Andenkens, und
Vater, der Fürst Ordonius^ welche mit keuschem Sinne auf
[ heiligen Altare viele Gaben und Geschenke dargebracht haben^^
ischehen am Tage der Kirchweibe, am 6. Mai 899.
"Es unterzeichnen die Bischöfe (nach ihrem Weihealter) Theodemir
■) Dotatio Ecclesiae Sancti Jacobi per regem Adrfansum IIL in die con-
4mis templi, Era 937 (899),
*) mb arcis marmoricia (oder anch marmorner Tnmba).
*) studuimus Aulam tumtdi tui instaurare, et ampliare,
*) cf. oben, S. 151—155.
Bis jezt hatte man sieh-nocU mcbt die Frage vor;
Weise und aaf welchem Wege der Leib des heilig
Compostella gekommen sei; noch viel weniger hatte
Nachricht, dass, oder ob der Apostel lebend nach S
sei. Man besass den kostbaren Schaz seiner Beliqui
und verehrte den Apostel als den Patron des chri
Mehr wusste man nicht. Der König AU'ons III. erhi
Dl« Tn- seinem Tode um das Jahr 906 einen Brief von dem
j^^'i'von Tours, auf welchen er im Jahre 906 antwortet, n
tont in. hülb Dcagierig, halb zweifelnd über den kostbaren S
^^ erkundigten. Diess war ihnen aber eine Nebensache
mehr dem Alfons III. eine goldene Kaiserkrone znm I<
„der König von Spanien"^), antwortete d^m chmtlit
den Hütern des Grabes des heiligen Bekenners Chr
Martinus von Tours". Sie hatten ihre Briefe durch J
dem Bischof Sisnand übergeben lassen. Er beklagt,
nen den Dom des heiligen Martinus in Tours verbr
neser wollten ihn wieder bauen, und darum wabrscbeii
Krone verwerthen.
') Vietleicbt mnss es heiuen: Gomadiu (von Oporto), Vi
M dasB diese iwei Bischttfe nur ihre Namen nnterscbriebeo faSi
*} Er beisat aonit Theodemtr und ist vielleicht der o
Alfons m. an die Tnroneser (906). 379
Sie hatten wiederholt geschrieben, dass sie eine kaiserliche, aus nir«
Jd nnd Eklelsteinen gezierte Krone, würdig seiner Fürstlichkeit^ KAia«r-
MQ, nnd sie hatten den Bischof Sisnand gebeten, seinen Einfluss
f den Konig geltend zu. machen, dass er sie ihnen abkaufe. Gern
bt er auf das Anerbieten ein. Zwischen ihm nnd seinem Freunde,
IB Herzog Amalvinus von Bordeaux, bestehe ein Verkehr zur See^);
( Monate Mai (906) fahren seine Schiffe nach Bordeaux, mit ihnen
Ute von seinem Hofe^), während sie ihre Krone bis Mitte Mai an
ben Freund senden möchten. Er werde ihnen ohne Zögern die ganze
niune bezahlen; er wolle ihre Kirche nicht schmälern, sondern sie
reichem. Er sende ihnen auch Geschenke zu ihrem neuen Kirchenbau.
JE!r bittet sie, ihm die Berichte über die Wunder des heiligen Heu.
riinns von Tours zu senden; er bietet ihnen dagegen „das Leben ^^*^'
Vüer von Merida"^) an.
,,Wenn ihr im Uebrigen fragt, welches Apostels Grab sich bei Aifont
befinde, so wisset ganz sicher, dass wir das Grab des Apostels ^"'^^^
>1yiis, des Zebedäus Sohn, des Boanerges, der durch Herodes ent-de«heii.
jvtet wurde, in marmornen Gewölben*), in der Provinz Galicien, •'*~^"*-
Ben. Denn durch die Leitung der Hand des Herrn ist sein Leib,
*^ele wahrhaftige Berichte aussagen, bis dahin durch einen Kahn
bnseug?) gebracht und hier begraben. Sein Grab leuchtet bis heute
dh viele Wunder: Besessene werden hin und her geworfen^), den
iden wird das Augenlicht wieder gegeben , den Lahmen ihr gerader
1^, den Tauben das Gehör, den Stummen die Sprache, und viele
5s»e Wunder geschehen, von denen wir gehört, und die wir gesehen,
die uns die Bischöfe und Kleriker erzählt haben.
,^enn wie er zu Jerusalem von Herodes enthauptet wurde, wie
^her geführt und begraben wurde, zu welcher Zeit und auf welche
^mej diess ist Allen bekannt und sonnenklar, und die wahrhaftigen
kCb unsrer Erzbischöfe, die Geschichten der Väter und die Aussagen
bezeugen es*).
') navalem remigationem inter vos (nost), et amicum nostrum ÄtncUui-
Dticem Burdelensem inesse*
*) cum pueria pakttii nostri.
*) S. oben S. 118.
*) in archis Marmoricis. Manu enim donUni gubemante^ ut muUae veri-
^ cantinent historiae^ usque ibidem per rotem ccrpus ejus perlatum est
CK sepuUvm,
*) ladnantyr daemones.
^ Nam quomodo in Jerosolima ah Herode deeollatus est, et huc sport€h
Ugue sepuUusy vel quo tempore, vet quomodoy evidenter manifestum omni-
et veridicae nostroi^m Ärchiepiscoporum Epistolae, et Palrum historiae,
"^^torum testantur cloquia, Q,uod si ad singida modo voluerimus ea vohis
aem \jne, wejcner „Ziwei-f lusse- (,oienaj tieisst, aas iBt
Biedio&siz Iria der heUigea Ealalis zehn HiglieD, von h
SD seinem herrlichen Grabe zwölf Miglien sind.*'
Von einem Weilen des Apostels in Spanien sdbst m
Luidstriche weiss Älfons III. im Jahre 906 noch Nicht«
des Apostels kam durch ein kleineres Schiff') nach Ir
Bisiia heisst, and von da in das Innere des Landes. W
diesB geschehen, daräber weiss Alfons III. Nichts zn ga
sollen sie das Nähere er&hren. Sonst vird der Brief zo
die Boten haben Eile.
Was weiter geschah , wissen vir nicht, Alfons IIL s
und weitere Docnmente sind nicht zur Hsod").
§• 17.
Früher waren zur Zeit der Verödung ihrer Size d
von Tay nnd Lamego Pfarreien nnd Kirchen im Bisthui
wiesen worden. Der König Ordonno U. nnd seine Geo
schenkten dnrch Urknnde vom 29. Janaar 915 diese Deca;
narrare, in Itmgiua vexetur ttibu, quo modum exademtu Epittdta
ft^mationem gerulomm gm nolvermU remoran. Sed opütUm
vatri ad not dtvetierint Clerici, omnia liguidiut et emtcUaie, i
hrvtione retenla, ged Quod a aanetia Patribvs aceepimtu, et tat«
vabi» dirigere von dentgamus, Deo amntente, tt amota omm Aoei
cndali», quod rectum ti jtutum lenemiu. Quod autem escquinttit
WaohseDde Yerehrnng des heüigen JacobuB (906—962). 381
Bisthum Iria zurück^). Denn die starke Hand der Vorfahren des i>erh«i.
onno, |,der Kaiser, seiner Grossväter und Väter, hat einen Theil ^^tm^
alten Spaniens zurückerobert, er selbst hat den ,,Nacken seiner »i« v^-
de gebrochen^, und mit Betrübniss*) sind sie in der Holle begra- ^^^.
worden, die noch übrigen (Mauren) denken bereits daran (? ?), »«r spa-
n zurückzukehren, von wannen sie gekommen sind. In den erober- ^^^^
Gebieten sind die Size von Tuy und Lamego bereits wieder her-
ellt. Bei dieser Wiederherstellung waren betheiligt die Bischöfe
uredus von Lugo, Froarengus von Coimbra^, Jacobus von Coria,
nadius von Astorga, Savaricus von Dumio, Asuri von Orense, Ad-
von Zamora, Fronimius von Leon, Oveco von Oviedo, Ansericus
Viseo. Diese Bischöfe müssen, so weit sie können, zu ihren
n zurückkehren, damit dem Bisthum Iria, welches „mit dem Orte
srs Patrons, des heiligen Apostels Jacobus verbunden ist'', sein un-
dirankter Bezirk, wie es von Alters her war, bleibe: Möge kein
marozer^) des Fiscus die Pforte des heiligen Jacobus beunruhigen,
Aer au%estellt ist, die Seelen aller Einwohner aus den Gebieten
niens bei dem Tage des Gerichtes (dem Richter) darzustellen''^). —
r bricht die ebenso erhabene als wahre Idee durch, dass Jacobus
et der leibliche Vorkampfer Spaniens in blutigen Schlachten, son-
a der geistige Fürbitter für dasselbe, besonders für die Seelen der jamInm
geschiedenen bei dem Gerichte Gottes sei; es liest in dieser Idee ^ ^^'
^ » o bitter.
unleugbare Bestätigung unsrer Anschauung. Gott hat femer dem
Lonius durch die Vermittlung des heiligen Apostels eine nicht ge-
*c Zahl von Christen unterworfen^ wesshalb er neue Schenkungen
Liand den alten beifügt. Nach seinem Tode möge ihn dafür der
ige Jacobus und die heilige Eulalia, seine Hechte und Linke hal«
ly in das ewige Leben einführen*).
In einer andern Urkunde desselben Königs vom Jahre 915 wird
romische Kirche „die Mutter der Christenheit'' ^ genannt. In einer
ainde vom Jahre 927 des Königs Sancius wird der Apostel Jaco-
lyUnser von dem Herrn erwählter Patron'^ genannt. In einer Ur-
de des Königs Ramiro U. vom Jahre 934 heisst es, dass der Leib
*) ad honorem sancti Jacobi Apostoli, cujus heneoolwn eorpua turmdaium
agnoseUur Promncia Ocdleciae, 8ub arcia marmorieis in finibus Amaeae.
^ cum amaritudine, nostra relinquentes^ in infemo demerH sunt.
*) FroareDgüs von Coimbra wird sonst nicht genannt; die Uebrigen passen zu
I Jahre 915.
*) es heisst scurro fisci, wahrscheinlich scwrra.
') qui omnium finium Hispaniae ad judicii dient ju99ua est praesentare
*) l. c t 19, append. 14.
Ö quae est mater ChrisHanitatis.
Abt Ciisariitt. 388
Bah in seiner nächsten Nähe die Bisthumer Barcelona, Gerona,
>na, Urgel, Lerida, Derios^ Hnesca, Tarragona, Pampelona, aber
Herz überwallte vom Schmerze , als er die alte, ehrwürdige Me-
>le Tarraco in Trümmern sah, nnd es schnitt ihm in die Seele,
die Bischöfe dieses schonen Landes ihren Metropoliten jenseits
Pyrenäen, im Lande der Gallier, zu Narbonne, hatten. Er fühlte
ich einen unwiderstehlichen Drang, er hielt sich von Gott dazu
(Ssn, die alte Metropole Tarraco wiederherzustellen, und er fand
lieses gottgefällige Werk einen geeigneteren Mann nicht yor, als
selbst. Sofort ergriff er seinen Wanderstab und er lenkte seine
itte zu dem Grabe des Apostels und Patrons von Spanien. Was
weiter geschah und nicht geschah, theilen wir aus seinem (viel-
wegen Schwulstes nicht übersezbaren) Briefe an den Papst Jo-
les XII. mit (905-964)*).
Nach einer unendlich schwulstigen „capfcttio benevolentiae^ spricht osmiiia
^Meinem Herrn Joannes (XII.): Ich, Cäsarius, von Gottes ^'^"^
den unvTÜrdiger Erzbischof der Provinz Tarracona, welche gegrün- compo-
ist in Spanien. O Herr, mein Vater, heiligster Apostolicus, •**"^
i mich, Vater y wie ich gewandert bin zu dem Dome des hei-
i Jacobus des apostolischen Sizes, welcher begraben ist in sei-
apostolischen Size in Gallicia, und ich unwürdiger Vorgenannter
m dem Hause des heiligen Jacobus, und ich habe gebeten um
Benediction (d. i. die Uebertragung) der Provinz Tarragona und
* Zugehörigkeiten^), d. i. Barquinona, Egara, Jerunda, Ympurias
« Ampurias), Ausona, Urgellum, Hilerta (d. i. Lerida), Hyctum^),
iiiosa (Dertosa), Cäsaraugusta, Oscha (d. i. Huesca), Pamplona,
ba (d. i. Oca), Calahorra, Tirasona. Und es werden (sein) sech-
. Städte unter der Metropole von Tarraco (mit dieser selbst). Ich
I also um die Benediction mit der oben genannten Provinz gebeten,
ich habe (sie) gefunden. Nämlich einen (gewissen) ruhmreichsten
■) Die Eiuleitnng des Briefes können wir nur lateinisch geben, da sie jedes
lehes einer Uebersezong spottot Er betitelt den Piqwt: Sydereo fidgore vduti
poU luminaria virtutum meritis radianÜ, florerUi ut olore opinione alma,
mti ut lÜium, pudicUiae dngtUo rubenti ut rosa, prolixa execratione (?)
B9iagticae ut apparet gaudium jejuniorum trigüiarumque^ ac obedienHae
wubmUtentivm, fragranti respersione, odorifera unitate^ (inf)dis80ciabüi
t^ amorisy ac henignitatis, et suatntaHs vinctdis conneocum, quorum oratio
Uo aeihereoque throno penetrat sicut incensum nitore et humilüatia
üo retpUndet color (vielleicht violaceo resplendenti colore), et laus ac end-
wd prope resonare cemitur, Domno meo Joanni ego Caeaarius indigmu
ÜB Dei Archiepiscopus Provinciae Tarracona, quae est fimdata in Spania.
") petivi benediciionem de Provincia Tarragona, vel mUs nrnnificentiis.
*) Hyctum, es könnte Jacca sein.
' weiben, nna es sclmeU tban.
Wiliolfus, der strahlendste Mann, Bischof von Tod«
vtdlem Anblick'), sprach: Unser Vorhaben, es zu tbun*), {
Denn von anaern Fürsten ist es (uns?) befohlen word
Concilien von Toledo geordnet, so dass wir die Gewalt
wir als Recht erkannt haben, auch zn than. Wir wollen
ist gerecht. (Der heilige) Rudesindns, Bischof von Dom!
salluB, Bischof von Leon (951 — 967), Adovarins, Bischof«
Afltorga (sonst Odoarios, 952 — 962) , Dominicus von Numa
jezt Zamora genannt wird (960 — 968), Tudemandus, Biscl
von Salamanca (welcher nur 968 nnd 962 genannt wird
Bischof des Sizes von Orense (erscheint nur im J^ire 96
Bischof des tamacenBiscben Sizea (Lamego)*), Didacos,
Sizes von Fortacale'), stimmten bei.
Der Abt Adamantias, der heiligste und gotteefürcbti]
heiterm Angesicht sprach: In der regulären Unterwerfong
halten, die wir innehalten müssen, womach dieser die ^
Oberbirten erlangen mnss').
^ wahnoheinlioh feUt: die Bi>ohBfe der Pioviiu beiwohnten.
^ S. VÜiuyiu, erscheint seit 952, rerignirte am 97a
*) noiira prativmtio faäendi,
*) In der bis jeit bdamnten IMhenfblge der BiachOfe von l4
grosse Llloke von Pantsleon 933 bis Jaoobos im Jahre 981', da der 1
aarias erst ans den gKIseeUaiieen* des BaluEins (t. 7, p. 57) in die
grada' überging. Da loh die „Siamoria dtronologica'^ der BimliSfi
Usboa 1789, nicht anffinden konnte, weiss Ich nicht, ob Ornates <
JedenMs tätt er in die grosse lAtke von 932 bis 981 ein, die er
Cisariofly als Enbischof fiweiht 385
Viele Andere aber sprachen mit grossem Frohlocken: VfBhf ISt
). Wir wissen, dass der yorgenannte Diener Gottes, derAbtCae-
B (ein vortrefflicher Mann ist?), znm Erzbischofe mässen wir ihn
iilen.
„Ich Sancio (König von Galicien) habe diese Provision unter-
sben — 29. November (c. 96i^). Dieses Alles bestimmen und
tigen wir in einem einzigen CoUegium''.
Die oben angeführten Bischöfe salbten mich und segneten mich
ler Provinz Tarraco, und ihren Angehörigkeiten, den erwähnten
Hen. Und ich Cäsarius kehrte als Archipräsol (Erzbischof) in
3 erwähnte Provinz zurück, und es widersprachen mir die Bischöfe ciMriu
folgenden Namen: Petrus, Bischof von Barcelona (962—972);]^^^
Iphos, welcher vordem Bischof von Gerona war^); Atto, Bischof
Aosona (957 — 971); Wisaldus, Bischof von Urgel*), und Emeri-
Metropolitanbischof des Sizes von Narbonne (927 — 977). Diese
löfe also sagten: jenes Apostolat, welches genannt wird: „Spanien
Abendland^, war nicht das Apostolat des Apostels Jacobus; weil
Apostel nach seinem Martyrtode hieher kam, keineswegs in sei-
Leben*). Ich aber habe ihoen eine Antwort gegeben nach der
nbchen Auetoritat aus dem Concil von Nicaa, wo 318 Bischöfe
li, und nach dem Kanon von Toledo, wo 66 Bischöfe unterschrie-
kaben^), im Jahre 3 des Königs Sisenand*^.
O Herr (Papst), wisset doch, dass nämlich Petras Rom (als
) erhielt, Andreas Achaja, Jacobus, welches bedeutet (?) Sohn des
daus, der Bruder des Apostels Joannes, predigte in Spanien und
Abendland, und unter Herodes starb er dnsch das' Schwert^.
068, welcher bedeutet den Sohn des Zebedäus, hat in Asien und
phesus gepredigt. Thomas hat in Indien gepredigt, Matthäus in
sdonien, Philippus in Galatien, Bartholomäus in Lichaonien, Si-
*) alii avtem plures cum magna exultatione dixerunt: Verum est hoe.
nu8 quia hie famulus Dei praedictua Catsarius Alba Ärchiepiscopum eum
mis eligere.
^ Amnlph, 954, f 17. April 970. Der Brief des Cftsarins kann nicht erst
dar spSter geschrieben sein, denn Papst Joannes XII. lebte nor bis 964. Man
Termathen, dass Bischof Arnulph entweder abdankte, oder Cäsarius die falsche
loht von seinem Tode erhalten hatte.
*) sonst Wisadns II., der vom Jahre 942—978 vorkommt
^ quia istum Apostolatum, quod e$t nominaium Spania et Occidentalia,
wnt non erat ApostolaJtum S. Jacobi; quia iüe Apottoltts interfedus hie
, tmUo modo autem vivua.
*) aof der vierten Synode von Toledo waren 56 Bischöfe nnd 7 Vicarien (im
lA 69 Unterschriften).
^ Bpaniam et occidentalia loca praedicavit, et sub Herode gladio cae$u$
f paa. KIrehe. IL S. 25
Vater, bei Gott dem allmächtigeo Vater, dass ibr
eure Briefe') mir darch diesen Priester NameDs Gi
wollet. Und sobald icb selbst es vermag, will ich
fiircht eilen zu den Schwellen des seligen Apostels P
reriange eure Füsse zu küssen, und euer Angesicht
Ich bitte, dass ihr mir von euren Käthen einen solt
ich mich ihnen gegenüber retten kann^). Nur Uinet
und wendet meinen Bitten euer Ohr zu, Herr und el
Amen. Es geschehe"').
„ C^isarins hatte mit der „Benedic-tion" , die er io
in Cataloniea keinen Eingang gefunden. Hier wollte
am Grabe des Apostels Jacobos geweihten Metropoli
Es war auch schwer, da Tanraco noch in Rainen tag.
von Tarraco anzuerkennen. Cäsarius wandte seine
nach den Bergen von Astnrien, aber von Asturien kau
Da erinnerte er sich Borns, und wie Elipandns den
kundige dich doch, wer in Rom aufgestellt ist", er,
der römischen Kirche läugnete, so ei^ondigte sich G
Namen des römischen Papstes; es war Joannes XU.
kens. Der Papst sollte dem Cäsarius helfen, sich vo
Papste zu trennen. Der Papst sollte eine Theorie
durchfuhren helfen, welche die Eine Kirche in zwölf
welche die römische Kirche auf Rom nnd Italien bei
nien aber nnd das Abendland", also auch Britannien
Compostella binden wollte. Dazu konnte auch Joani
Jieobofly ,PiUron von Spanien". 387
er blieb Abt, nach wie vor, and Tarraco lag noch zwei Jahrhan-*
) in Roinen.
Aber bis jezt haben wir von Niemand gehört, dass Jacobas lebend
L Spanien gekommen sei. Sobald Cäsarins zam ersten Male diess
nptet, findet er energischen Widersprach bei den spanischen Bi-
fen selbst. Nicht im Leben ist er gekommen, sondern sein heili-
Leib warde nach Spanien gebracht Sie behaupten genaa daaselbe,
ich b^aapte.
§. 19.
Welche Ansicht die Bischöfe hatten, ▼on denen Cäsarias seine du z«it
lie erhalten, wissen wir nicht Wenn wir aber den Wortlaut der^\!??"
Dnden nach dem Jabre 962 in das Aage fassen, so ist auch in
n von einer Predigt des Apostels in Spanien noch nicht die Bede.
Siaenand II. Menendez, der im Jahre 970 von den Normannen er-
det worden, folgte der heilige Radesindus als Verwalter des Bis*
aa Compostella; diesem im Jahre 977 als Bischof Pelagius Kodri-
B» Er nennt sich (978) von Gottes Gnaden Bischof des Sizes von
imd auch „des Apostolischen Sizes^ ^). Bischof Pelagius resignirte
lahre 985. Seit 986 erscheint Bischof Petras (Martinez de Mo-
rio). Er nennt sich um 987 „Petrus Bischof von Ina und des Apo-
aohen Stahles""').
Im Jahre 991 nennt sich König Veremund II. „den E^necht Gottes
•eines Apostels, auf welchem die Starke seines Reiches ruhet,
all dessen Vermittlung er das gnädigste und heiligste Erscheinen
^dem Richterstahl des gerechten Richters hofft, damit er darch die
ttiltlang des Apostels vor dem Richter so rein erfunden werde, als
i^ der heiligen Taafe hervorging*^ ^. Er will von den Geschenken
|k|B an ihn Gott und seinem heiligen Apostel Etwas wiederschenken«
V reiche Stiftangen warden damals überhaupt für die Wallfahrer,
M^ Fremde, für die Gefangenen u. s. w. gemacht, so dass zahl-
%» Pilger in Compostella umsonst leben konnten. — Neben sehr
OD Ortschaften schenkte der König damals dem heiligen Jacobas
b die Seestadt (Pharum) Brigantiam ^).
*) Ego licet immerito PeUigius Dei graüa Irienait, ei etiam Apostolicae
if Epiaeapue. Esp. eagr,, U 19^ p. 373.
*) Donnua Petrtu Iriense et Apostolieae Sedis, L c. p. 375.
^ Damii$ii Servue, et Apaetoli ejus^ in cujus Provincia, ei nomine vel
m regni noetri potentia manet, et per cujus tnanus benignissimam atque
^Üssimam nos speramus praesentiam ante justi judids iribunal, ut tales nos
par vüeroeassiionmfi im»eniat esoanwnOtio futura^ guales regenerami sancU
«Ut unda.
^ Der Hafen Coraima. — c/. L e. p. 379-382.
25*
nana aer Mauren una iNormannen allmalig zu beln
Bermado III., König von Leon, schenkt im
heUigen Herrn, nnd nach Gott uneerm stärksten I
die Unterhaltmig der Kleriker, für die Unteretözoi
die Au&ahme der Fremden" verschiedene Besiznogi
dem Urkunde vom Jahre 1033 nennt derselbe Koni
cobns nach Gott seinen stärksten Patron.
Wir sind bis jezt nirgends der Anschauung be
bns zu Lebzeiten nach Spanien gekommen. Den
Patron, als mächtigster Scbüzer und Fürbitter des cli
verehrt und angerufen, weil er sieb als aolchen ei
vollbrachte das ihm von Gott übergebene Apostolat
nennten Jahrhundert an und vom Himmel herab.
einzige Heilige, dem nach seinem Tode die Obhut
nen von Oott übergeben wurde. Haben nicht in c
des deutschen Reichs im Mittelalter die Deutschen
and Führung des heiligen Michael ihre Feinde besi^
geschehen heute nicht mehr, weil der Glaabe an
Dl* hiii. Himmel fehlt. Zunächst erinnem wir uns hier an i
'^^ rina von Alexandrien nnd von dem Beige SinaL Me
dar htu. war ihr heiliger Leib am Sinai; aber sehr siwt erst 1
''*°^"* Wunder^. Die zahlreichen Mönche auf dem Sinü
Die heilige Katharina von Sinai. 389
^ aas dem Abendlande nicht bloss Jerusalem und das beilige Land,
lern auch den Sinai besnchten. Ja man glaubte die Wallfahrt in
lieilige Land nicht vollbracht zu haben , virenn man nicht auch den
u besuchte. Die Pilger gingen von da nach Rom, wenn sie nicht
V schon gewesen. Eine vollständige Wallfahrt war aber die in das
i^ Land nebst dem Sinai, nach Korn und Gompostella. Das Grab
leiligen Katharina war jezt sehr weit von dem Grabe des heiligen
^bas entfernt Aber zahlreiche oder zahllose Christen knieeten und
len anf dem Sinai wie in Gompostella.
Zwischen Sinai und dem Abendlande war ein bestandiger, reger <>*•
kehr. Immer war eine Anzahl Mönche vom Sinai im Abendlande, deAeii.
dort milde Gaben zu sammeln. Unter diesen rairt der Mönch Katiia-
mon hervor, welcher das ganze Abendland durchreiste, zu Compo- ^^ i^or-
m imd in Galicien längere Zeit wirkte. — Zwei Jahre war er in »»n«»*»-
Ji^ormandie (1027). Er weilte mit einem Gefährten bei dem Vi-
Ae Gosselin von Ronen. Ihm schenkte Simeon einen Finger (we-
rtens einige Theile desselben) der heiligen Katharina, welche er vom
id mitgebracht. Gosselin gründete sofort das Kloster zur heiligen
harina oder der heiligsten Trinitat (in monte), wozu der Herzog Robert
fc der Normandie reiche Graben schenkte. Am 16. August 1030
Wk die Kirche zu Ehren der heiligsten Trinitat geweiht Eine Unzahl
Personen kamen zur Verehrung der heiligen Katharina, eine Art
ijfpen Oeles oder Balsams floss aus ihren Reliquien, und gab den
Kiken die Gesundheit. So kam es, dass nicht bloss die Kirche,
Bern auch der Berg, auf welchem sie gebaut war, den Namen der
l^^en Katharina erhielt. Genau so war es auf Sinai selbst gegangen.
'Kirche der heiligen Katharina wurde ganz neu gebaut im Jahre 1107.
flUire 1310 und wieder 1466 wurden prachtvolle Stufen des Weges
Felsen des Katharinenberges hergestellt. Das Kloster bestand
siebzehnten Jahrhundert^).
Wie bei so vielen andern Reliquien, ist aber auch hier der Irr-
entatanden, dass überhaupt der Leib der heiligen Katharina im
Jahrhundert vom Sinai nach Frankreich übertragen worden.
Ife ist nicht so. Am 25. März 1833 kam der Trappist und Reisende
^« Jos. Geramb in das Kloster des Sinai. Die Katholiken hatten
*) Franc Pommeraye, 0. S. B,, hütoire de Vabbaye de la tr^-sainie Tri-
ik deptsiM de Sete. CaÜierine du M&nt de Bauen. Bauen, 1662, fol.
Iffiur BmoiMtler, Neuetria pia, seu de omnibua et singuUs aX^baÜis et pria-
%m Mkt» Narmaniae. Bothomagi, 1663, fol p. 408 aq. — KaMllon, Anna-
Ord. 8. BenedicH, t IV, Paris, 1707 (ad ann. 1027), p. 342). — Mabnion,
» Sandorum Ordinie 8. BenedicH, 8aecul. VI, P L, Par. 1701, p. 368. —
u fliqiel, la France pantificale, Bauen (Par. 1868), p. 371.
Obern und die ganze Gemeinde war id der Kirche. —
waren noch fünfzig arabische Familien Eigenthnm
§. 21.
1- Giner der stärksten Beweise für unsere Theo
* and Wirksamkeit des heiligen Jacobus in Spani«
- I^tnrgie. Die spaniBche Litar^ie der Gotbenzeit
''Fest des Apostels Jacobos, am 39. December, da
übrigen Apostel, mit sechs Mitren gefeiert wordi
Spanien irgend eine Tradition über die Wirksam
dem lAnde bestanden, oder wäre sein heiliger L
worden, so wäre es undenkbar, dasa das Of&cina
Festes ^nzlich mit Stillschweigen darüber hinweg
Im Laufe des Mittelalters aber traten in di
allmälig in der Richtung von Nordwesten nach Oi
Compostella nach Toledo zwei andere Feste des i
gefüert wurden seit der Auffindung des Leibes i
in Compostella. Am 30. December wird das Fes
*) Qeraimb, Pllg«rrelae nach Jerasalein und anf den
ren 1881-1838. Angsb. 1837, UI, 3. 177 f. — Vgl. JVocop
(Jvatiniani I. imp.), V, S. — Evlydm Alexandrini (c i
1668 (apudUigne, Patnlogia graeca^ t 111, Parit, 186i
Bttter» Geographie, die SinaihalbiaMl. 1348, I, S. 12, 13,
249. «KR *:« iii SOi-Rin ^^rt_■;^;o ^^l(^ coi _ n^.t
Der heilige Jacobns in der spanischen Liturgie. 391
osteis begangen. Der Hymnus dieses Festes thnt meiner Theorie
Ben Eintragt). Der Hymnus^) dankt dem Apostel för seine Wohl-
€en gegen Spanien, welches von Gott gewürdigt worden ist, seine
ligen Gebeine zn besizen. Als Spanien in dunkler Nacht (des Hei-
■thnrns?) begraben lag, hat er den verlassenen Spaniern das erste
^t des Heiles „erworben'^. Damit ist weder gesagt nocÜ angedeu-
p dass er selbst nach Spanien gekommen sei, er erscheint vielmehr
Forbitter für Spanien vor dem Throne Gottes, damit andere Glau-
Bsboten dahin kämen, und es ist nicht ungereimt, zu sagen oder zn
aken, dass die Macht seiner Fürbitte den Apostel Paulus und die
Mtolischen Siebenmänner nach Spanien gezogen oder begleitet habe.
sagt, dass Jacobus sichtbar in der Schlacht erschienen, und die
Ellren mit seinem Schwerte niedergeschlagen habe; wir aber lassen
lern hierin seinen Glauben, halten es aber für keinen Glaubens-
ikel, dass Jacobus sein Schwert gegen die Mauren gezückt habe.
' Die Oration der Festmesse lautet: O Gott, der du durch deine
aderbare Anordnung gewollt hast, dass der Leib des seligen Apo-
ll Jacobus von Jerusalem übertragen, und in Compostella herrlich
(^ezt werde: verleihe uns, wir bitten dich, dass wir durch seine
Kienste und Fürbitten in das himmlische Jerusalem übertragen
en*). Da der Name Compostella vor dem Jahre 1000 n. Chr.
Iit in Gang kam , so kann diese Oration kein Zeugniss dafür sein,
BS der Leib des heiligen Jacobus sogleich nach seinem Tode nach
anien, dass er dahin zur See und durch einen „Kahn^ gekommen.
Geleite von (7?) Schülern des Apostels. Dagegen streitet die
lAion nicht gegen meine Theorie, dass dieser heilige Leib erst im
l)e!nten oder achten Jahrhundert, und dass er auf dem Umwege über
i Erlöster Raithu am Sinai, und über Saragossa vor dem Jahre 757
') Festum TransUUumis 8. Jacobi, Apostoli et Hispaniae Patroni,
*) Er laatet:
D«f6iwor Alme HiipADiae
Jaeob« Tlndex hoaüom
Tonftml qamn filiam
Dei Tooayit FUioi :
Hne coeli ab altit s«di1yat
ConT«rt6 dextar lanin«
Andiqa« laeti debitM
Ormtet tibi quM •olvimiu.
GhrfttM refert HiipanU
Felix too qnae nomine
Te glortotor jngiter
Difnate saeris oMibos.
Tn, eeeea nox atqae impU
Noe com teneret TanltM
Lneem Mlntis primitu
Orbit (?) n>erit Ja^pcfro«.
Ta bell» onm noe einferent
Es ▼irae ipeo in proello
Eqnoqoe et enee aoerrimoi
Blenroe ftirentee etemere.
Freti tno noa pignore
Lergnm tno te monere
RogamoB omnee, nt tnae
Spe protegat praesentiae.
*) DevSj qui dispositiane mirabüi corpus beaü Jacobi Apostoli tui de
fosoLymis ad Hispaniam transferri, et in ComposteUa gloriose sepeliri volu-
i: eoneede quaesumus, %U ejus meritis et precibus in codesti JvrusdUm coUo-
*i mereamur.
392 Zohotes Bncb. Erstes Kapitel.
an den Ort gekomia*;!! sei, der Bchr viel spater CompostelU hiea.
Die Worte aber, „durch wiiDderbare Veranstaltung Gottea" sei die«
üebertrnguDg von Jeriisülem nach Compostella geschehen, fugen üd
vortrefflich zu meiner Theorie.
In der zweiten Noctuni des Festes lesen wir nur: Es wird doni
die Denkmale der Kirche von Compostella überliefert, dass der [^
des heiligen Jacobiis aus der Stadt Jerusalem, durch das weiteste Meer,
durch die wunderbare Vorsehiiug Gottes geführt, an den äussema
Gestaden von Spanien angelangt sei. Da er zuerst in dem Hafen t«
Iria stehen blieb, wurde er (später) nicht weit von diesem Haien u
dem Orte, der jezl Compostella heisst, beigesezt, blieb aber wegen da
langen Verfolgungen lange Zeit verborgen. Der heilige Schaz wurdi
endlich xn der Zeit des Königs Älfons Ü. von Leon darch höbtn
Fügung geoffenbart, und der König schmückte ihn dnrcb eine ho?
liehe') BasUica und andere Geschenke,
Die „Denkmäler" der Kirche von Compostella köonea nach da
ganzen Zusammenhang niebtH Anderes sein, als die sogenannte „hitOrii
Compostdtana" , verfasst im Anfange des z^fföifl«n Jahrhunderts, mi
das sogenannte „Privilegium volorum" des Königs liaiuiro L, in
frühestens im eili'ten Jahrhundert eutstand. Von einer Tradition ods
gleichzeitigen Berichten ist keine Bede. Die „Monumente" eines B»-
tbnms aus dem Mittelalter können die UeberlragUDg des Leibes da
heiligen Jacobus aus Jerusalem im ersten cbristlichcD Jahrhoiidet
nicht bezeugen und nicht verbürgen.
pmi» Der Hymnus \o den „Landes'' des Festes enthält keine And«*-
"bu "^"S ^^^ Spanien. Die Antiphon zu dem Bmedictus: „(Gott) hat dm
heimgesucht durch seinen heiligen Apostel, und hat uns die Errettm)
gegeben über unsere Feinde", ist eine Bestätigung meiner Theorie')
Ebenso gilt diess von der unten stehenden Antiphon zu dem Magnificat^
§. 22.
Am 23. Mai wiid dos Pest der Erscheinung des heiligen Jacob«
gefeiert, welches dieser Erscheinung, dereu Köuig Ramiro I. um d«
Jahr 843 in Clavigo gewürdigt wurde, eine gesicherte historidi!
Unterlage gibt. Der Hymnus zur ersten Vesper, zu den Laude» undn:
<) vielmehr armliche, ola herrliclie Basilica. Alfoua II. war EBnigvonAMriK
') Visitavit nos per sandum suum Aposlolum, et fecit »aiuiem dt äifö^
noetrie Dominus Dnm nostcr
') 0 beatum AposMam, qiti inter primos electua, primna omnium Jpo*
lorum Domini calicem bibere meruit! 0 glorioxtim Hiapaniae rtgtitm, 1^
pignvre ae patrono munitum, per quem feät HU magna, qui potena tat.
Der heilige Jacobns nnd seine Feste. 393
tutin yerherrlicht nur die Grosstbaten des Apostels in dem Kampfe
mieiis gegen die Mauren^).
Die Oration des Festes ist der Faden der Ariadne, welcher sicher
oh das Labyrinth der Jacobus-Frage hindurchfuhrt: 0 GOtt^ ÖßT
taA Tolk Spaniens barmlienlg dem Sehnze deines seligen Apo-
^ Jaeobus übergeben hast, nnd der dn es durch Ihn wnnder-
Ton dem sldiem Untergange errettet hast: verleihe uns, wir
BD dich, dass wir unter dem Schuze desselben (Apostels) des ewi-
Friedens geniessen mögen*).
So ist es! Gott hat das christliche Spanien in die Hände seines
igen Apostels Jacobus übergeben, um es vor dem bevorstehenden
«rgange durch die Muhamedaner zu erretten. Gott hat es geistig
Briet nnd aufgerichtet, dass es aus diesem Kampfe siegreich her-
ging. Um das Jahr 843 ist der Apostel wirklich dem Ramiro
4iienen, und um diese 2^it ergoss Gott über die Christen in ganz
änen eine Fülle von geistiger Kraft. Dieser neue heilige Geist hat
Li auch über die Bekenner und Märtyrer von Corduba ergossen,
m dem heiligen Jacobus wurde nicht bloss das Reich Asturien,
3nm ganz Spanien von Gott übergeben.
§. 23.
In dem Werke Isidor's von Sevilla: de artu et olritu ptxtrum —
mt die Stelle vor: „Jacobus, der Sohn des Zebedäus, Bruder des
■niDes, der Vierte in der Reihenfolge, schrieb an die zwölf Stamme,
abe in der Zerstreuung unter den Heiden leben, und er predigte
oaien und den Heiden der Lander des Abends, und er goss im
indlande das Licht der Predigt aus. Er starb durch das Schwert
Tetrarchen Herodes. Er ist begraben in Marmarica*^').
>) OrmtM rafsrt Hiipuil» Pnwtiis Intzpagnabtl«
Felix tao qoa« nomine Rolmr «Ubee Ramirio
Dnefenqne peratat Über» Per te redempUe Tirglnee
Vitetqne gentla dedecns Lendl« rependant eantlea
Ta, enm Jaeeret barberia Notqne e trfbttto llberi
Cedena, et Imper hoaUbns Hymni trlbntnm pendünnf.
*) Deu8, gut Hispaniarvm gentem beato Jaeobo Äpostolo tuo protegendam
^rieorditer tribuieH, et per eum a& imminenti exiHo mirabilüer libercuti;
«de quaesumus, ut eodem protegente paee perfruamur aeterno. Proprium
wtorum, quorum officia in Hispaniarvm regnis ex eanceeeione apastolica
kmtur, Ratisbonae, 1863. — Miseae, quae in Hispania recitantur, Ratisb,
5 (23. Mai).
') quartus in ordine duodedm tribubus, quae sunt in dispersione gentium,
MJI, atque Hispaniae, et occidentalium locorum gentibta Evangelium prae-
wU, et in occasu mundi lucem praedicationis infiidit. Hie ab Herode tetrar-
ifladio eaesus occubuH. SepuUue in Mcmnariea.
itwor Fragen wir, waa Isidor sonst über den Äpi
hduaü 1° seinen Etymologieen (7, 9) lesen wir: „Jacobas
'"*"• Vater (Sohn) des Zebedäns, den erverUess, and er
dem wahren Vater. Sie sind die Söhne des Blizei
Festigkeit and Stärke ihres Glaahens anch Boanerg
ist Jacobns, Sohn des Zebedäns, Bruder des Joani
nach der Auferstehang des Herrn von Herodes get
Von einer Fredigt in Spanien ist hier keine Rede.
Im vierzehnten Bache: von der Erde und ihi
er eine Geographie; im Kapitel 5 wird von Libyi
bandelt. Kr fuhrt in der Richtung von Osten nach
an: 1) Aegypten, 2) Cyrene, 3) Pentapolis, 4) Tri]
Das Wort „Marmaiica" kennt er gar nicht. Es
Römerberrschaft ganz and gar ausser Gebrauch ge
Name war auch früher selten gebraucht An siel
unmöglich, dass bei der Uebertragang des heilig*
Sinaihalbineel nach Spanien derselbe eine Zeit lang
theitweise mit dem li-ähem Marmarics zusammenf
Auch Oroeius brachte die Reliquien des heil
dem Seewege des Mittelmeeres nach Mahon aof M(
Es ist femer zu beachten, dass hier Jacobns
Reibenfolge der Apostel heisst, irährend er bei c
Apostel in den Etymologieen als der Fünfte erscbeii
Andreas, Joannes, Jacobus).
Dio nn alA ä/«»i(P Sf-hrift, Isidnr'n hat hpi H*
Jaeobufl, Apostel und Patron von Spanien. 396
r Meereaufers aber in Edelsteine *)• Anf Bitten des Volkes erweckte itidor
lemer eine Wittwe, nnd rief die Seele in den wiederbelebten "^
Hl eines Jünglings zurück. Trinkend einen tödtlichen Trank, ent- na«
1 er nidit bloss der Gefahr, sondern die von demselben Trank ^^•»«•^
Mob) Niedergeworfenen stellte er lebend wieder her.
i ^Als er im ' siebenundsechzigsten Jahre nach dem Leiden des
tKÜ den Tag seines Hinüberganges herannahen fühlte, so habe er
|i selbst ein Grab ausgraben lassen, dann stieg er lebend in seine
Bft, und wie in einem Bette ruhte er sofort in demselben aus.
mm sagen Einige, er lebe noch in seinem Grabe, namentlich, weil
"t die Erde immer von der Tiefe nach der Höhe dringt, zu der
Mirflache des' Grabes emporsteigt, und wie unter dem Hauche eines
■ifenden der Staub von Unten nach Oben sich erhebt.^
'Solche fast läppische LfCgenden finden sich sonst nirgends bei
lor. Sie sind Zuthaten späterer Zeit Fast alle Schriftsteller ausser-
p Spaniens halten die Stelle über Jacobus für interpolirt. Fabricius
^ sagen, sie sei durch Papst Calixt U. eingefügt worden.
\
§. 24.
z In Spanien hat man, besonders seit dem siebzehnten Jahrhundert^ jaeoims
I seitdem Widerspruch gegen die Predigt des Apostels Jacobus sich *>«*«^>«>*
loben, das Hauptgewicht auf seine Gegenwart zu Lebzeiten gelegt, dem
9 darüber sein späteres Apostolat übersehen. Ich darf nicht hoffen, '^****
il meine Anschauung sobald Eingang finde. Ich habe die richtig
^rtandenen Traditionen Spaniens mit der wirklichen Geschichte zu
C'hnen gesucht. Ich habe die Herrlichkeit der Kirche Spaniens
angetastet, nicht gemindert, vielmehr bewiesen, dass der Apostel
rins lebend in Spanien wirkte, der Apostel Jacobus „todt nach
■nien kam^^), und das todte christliche Spanien zu neuem geistigem
ben auferweckte.
Grosser ist Gott in seinen Werken, herrlicher in seinen Wundern,
ktungswürdiger in seinen Rathschlüssen, der den Apostel Jacobus sein
ostolat so viele Jahrhunderte nach seinem Tode vollbringen Hess,
1 der das von ihm geliebte und auserwählte Volk der Spanier
die geistige Obhut dieses Apostels übergab, damit er es aus der
nd seiner innem und äussern Feinde befreie. Diese Ehre und
*) item gemmarum fragmina in propriam mutavit naturam t
*) intmftcStus hie venit, nuUo modo atdem vivus, sagen die Bischöfe vom
16 962.
i
Zebntes Bacb. Eratei Kapitel. JacobnB, Apostel a. Pitn)n v. Spuden.
AnszeichnoQg eines Volkes ist einzig in der Geschichte. An ihr tit
nehmen auch die übrigen Völker des Ahendlandee Tbeil. Denn iri;
Spanien ganz muhame dänisch geworden und geblieben, so «üreduii
der Mitte hegende christliche Europa von Westen und von Osten m
spannt, und von den Jüngern des falschen Propheten wohl erdrät
worden. Darum hat auch König Ordonno III. Recht, welcher in ei«
Urkunde des Jahres 954 den heiligen Jacobus „unsem nnd den PiHi
der ganzen Welt" nennt.
J
Zweites Kapitel.
Die Reiehe Astorien, Leon und CastUien (1KN)'-108S).
§. 1.
Nach der Einweihung der Kirohe des heiligen Jacobns za Com- ai-
tella im Mai 899 kehrten die meisten Bischöfe, welche an ihren '**"* ^*
en noch nicht residiren konnten, nach Oviedo zurück. Die Spanier
afen sich auf zwei Briefe des Papstes Joannes ES[. (898 — 900) ^)|
eine gerichtet an Alfons III., „den christlichsten König'', an die
chöfe, Aebte und orthodoxen Christen überhaupt; der zweite an
. König Alfons III. allein, worin er die Einweihung derSarche des
[igen Jacobus, und die Versammlung der Bischöfe zu einem Concil
lehmigt, dagegen Alfons IQ. um Uebersendung einiger bewaffiieten
Auriscen^ zur Hilfe gegen die Saracenen bittet^. Aber unter den
ligen ächten Briefen dieses Papstes stehen diese beiden nicht
iericus erzählt nun weiter:
„Als der König diese Briefe gesehen, wurde er von Freude er-
t, er sezte einen Tag fest, an dem die Edlen, die Magnaten, und
Bischöfe zusammenkommen sollten, um die Kirche des heiligen
iobus einzuweihen. Als die Weihe vollbraoht war, kehrten Alle mit
mden in ihre Heimath zurück. Bei der Weihe selbst aber waren
le Bischöfe: Vincenz von Leon, Gomellus (Gennadius) von Astorga
Obgleich die Könige von Astnrien ehedem die Städte dieser Bi-
öfe inne gehabt hatten, so waren sie doch jezt von Feinden besezt,
*) Rodertc. Ximenei, 4^ 17. -- Mariana, Hidoria de Eepana,
reZ'Biteo, 37, p. 228^-229.
*) guae Hiepani eaoaüoe Alphamioee wecaä.
*) c/ S. 87«.
liten bo*;
!□, wtihiM
ricdo, diM^
398 Zebnt« Bnofa. Zweitet Kkint«!.
T. oder sie lagen in Ruinen biB zu der Zeit des Könige Alfom (VI,^
" welcber Toledo wieder eroberte. Die Bischöfe dieser Slidte vmi
nach Asturien geflotken, und wohnten tbeils in der Stadl, theili ii
Bisthum Oviedo, indem einzelne Distriüte ihnen zugetheilt wiaa,
Darum beisst Oviedo in einigen alten Si'brifl«n die Stadt ia ft
schöfe. Nachdem aber 1 1 Monate vergangen (vom Mai 839), k4
Alfons III. mit seiner Gemahlin, seinen Söhnen, den BischöfeD, Gntt
und Magnaten, vermöge der Ermäc^^htigang des Papstes Joanne«^
in Oviedo zur Feier der S}mode zusammen, in der mit aIlg«iiHv
Zustimmung die Stadt Oviedo zum Erzbistbum, Bischof Uerownffl]
aber als Erzbischof' erhoben wurde'), weil Spanien, da fünf
thümer in der Hand der Feinde waren, seines Metropoliten Imik
war. Die Prälaten, welche dem Schwerte entflohen waren
dcD engen Grenzen Asturiens.
Diess heiast gewöhnlich das zweite Concü von Oviedo,
Aechtheit von Vielen angegriffen, besonders von Manuel Eis«
theidigt wurde*). — Aber der Inhalt der angeblichen Synode fiät
nicht mehr zu der Lage des Königs reich s Asturiea-Leon irnJahntH^
Die Bischöfe von Leon, Aatorga, Tuy, Orense, Iria, Moiuiaadif-
sowie der Erzbischof von Lugo, welche Size ausserhalb Äiiflrt
liegen, konnten an diesen Sizen residiren. Es war nicht nothvoi^
das8 sie sich nach Asturien zurückzogen. — Mach einer andcn fr
rintion des Berichtes wären den Bischöfen nur tur die Zeit dfr Sj»
oden besondere Pfarreien und Klöster um Oviedo zu ihrem Untetf
angewiesen worden").
Die oben erwähnten Briefe des Papstes Joannes IX. wenta !■
Jaffe anter den ächten Briefen des Papstes Joannes VIII. und to
Jahre 876 angeführt''). Da aber die Weihe der Kirche vod S**P
vom Jahre 899 nicht getrennt werden kann, da die bei dersells'*
tbeiligten Bischöfe im Jahre 899, aber nicht 872—876—882 M«
Bo bestehen gerechte Zweifel gegen die Aechtheit der Briefe. — '•
die angebliche Synode des Jahres 900, nach Andern 902 belnft, •
hat sie jedenfalls einen Ertblg nicht gehabt. Denn im Jahre 9l2-^W
,, unterschreibt sich Oveco als „Biscliof" des Sizes von üvied». !•
Jahre 92 1 beisst Hermenegild „Bischof" des Sizes von Oviedo. b
'■Jahre 922 beisst Oveco {II.? bis 953) wieder „Bischof" von OviA
— Einen Erzbischof finden wir nicht. Dagegen heissen in dies« M
') et Uennenegitdits in archiepiscopum sv&timatur.
') Esp. sagr., t. 37 (Oviedo), p. 231 sq.
') Aber es lEsst sich überhaupt keine SjDode von Oviedo
') Paffi, CYitica ad annates Baronii, ad arm. 882. — Agm.m-Cst'i*
Concü, ir, 355-356. - Mami, Concü., XVU, 224-225.
Ovieda — Könige von Leoo, 910—1085. 399
Bischöfe von Lago — ^Metropoliten^« Ein Liebhaber der Grösse
des Ruhmes von Oviedo scheint verschiedene Concilien fingirt zu
sn^). — Dagegen läagnen wir nicht, dass in dieser Zieit einige
{hofe in Astnrien wohnten, die nicht residiren konnten, wie der
thof Eleca von Saragossa, der Bischof Nausti von Coimbra, die
ibofe von Salamanca, Coria, Huesca u. A. Die Bischöfe dieser
[konnten in ruhigem Zeiten residiren, zu Zeiten der Verfolgungen
Bien sie in die Berge von Astnrien fliehen.
§. 2.
Gegen König Alfons III. hatten sich seine Gemahlin Ximena^ Ai-
seine eigenen Söhne verschworen. Es kam zum Burgerkrieg zwi- ^^^ ™*
Bi Alfons und seinen Söhnen. Um ihm ein Ende zu machen, über-
Alfons die Regierung an seinen ältesten Sohn Qorcia. Sein
iler Sohn Ordonno erhielt Galicien; Fruela residirte in Oviedo,
"tia in Leon. Nach seiner Abdankung wallfahrtete Alfons III. <^-
b Compostella. Noch einmal zog er in den Kampf gegen die ^,^1^..
Er kehrte als Sieger zurück, und starb in Zamora am
cember 910. Elr wurde in Astorga, später in Oviedo beigesezt.
(ihm hört die Reihenfolge der Könige von Asturien auf. Mit
Ifia I. beginnt die Reihe der Könige von Leon'). — Grarcia selbst
hrte nur drei Jahre. Er starb ohne Nachkommen am 19. Januar 914.
a Bruder Ordonno wurde in demselben Jahre als König zu Leon ordon-
mnt. Er führte glückliche Kriege gegen den mächtigen Chalifen °^ '^
£)arrahman III. Er starb im Jahre 924, und der dritte Bruder,
lila II* j der sich bisher König von Asturien genannt hatte, folgte Fma-
lals König von Leon, starb aber schon nach 14 Monaten (925). **"*
, Sein Neffe Alfons IV. wurde nun als König ausgerufen. Im Al-
pe 928 resignirte er und trat in das Kloster Sahagun ein, während '^'^' ^'
i Bruder Bamiro II. König wurde. Weil Alfons IV. wieder der b»-
iralt sich bemächtigen wollte, wurde er gefangen und geblendet. ^^
Ramiro II. (931 — 950) führte glückliche Kriege gegen die Mauren,
nahm den Ort „Madrid^ ein, der hier zum ersten Male vorkommt,
1 erfocht bei Talavera, unterhalb Toledo's, einen glänzenden Sieg,
de Städte stellte er wieder her, und bevölkerte sie. Am 6. Januar
) l^te er die Regierung nieder. Elr stiftete eine Menge von Kir-
sn und Klöstern, u. a. das Kloster San Salvador zu Leon, in welches
ne Tochter Elvira eintrat, und worin er selbst begraben wurde.
•) FUyreZ'Rüco, t 37, p. 231-248.
*) Hufui dissennonis caiusa fuit Regina Xemena. Bödme. Tolet , 4, 19.
*) Eine üriLunde von 921 sagt: Oareia principe regnum Legionis tenenie^
der Mauren unter AlmaDoor war Beine Regierung
Die Maaren zerBtörten Leon und Santiago. Glücklieb
AI- Sohn AUbnB V., unter dem sich Leon wieder erhob.
°M»_ ' g«gen d'fi Maaren (1028). Sein mindeijähriger S<
ins. fiel im Kampfe gegen die Navarresen (1037), mit ibt
^^^' liehe Linie der Könige von Leon ans.
Twii- Ferdinand, Sohn des Königs Sancho Ton Nav
»^ '■ Saneha, Schwester Bermndo'a III., erbte das Reich
umudsm 22. Januar 1037 als König von Castilien, das <
^^ regiert hatte, und von Leon gekrönt, und luhrte eine la
loes. gierang. Aber zwischen ihm und seinem altem Brai
von Navarra, brach endlich der Bürgerkrieg ans.
mit dea Maaren verbündet. In der Schlacht bei S
wurde Ciarcia getödtet. Der Christen schonte Ferd
sehen Hilfsvölker wurden grösstentheils gefangen odi
glückliche Kriege führte Ferdin^d gegen die Mann
mego und Yisea ein. Im Jahre 1060 folg. rückte Fi
Spaniens gegen Carlagena vor. Der Emir von Toi
Geschenke und versprach Unterwerfung. Mit rwc
Ferdinand nach Leon zurück. Wieder rückte Fert
südliche Portogal bis gegen Sevilla vor, deseen Ka
grossen Geschenken entgegenkam und um Fried«
Zolezt eroberte der König nach einer Belagerrmg vc
feste Coimbra. Von der Belagerung Yalencia's kefa
Jahre 1065 krank nach Leon zurück. Die Emir
Synoden im Reiche Leon. 401
Jeele nach ihrem Hinscheiden aus dem Leibe gnädig aufzoneh-
Er legte ab die Zeichen der Herrschaft, nahm das Busskleid
i anrufend die Gnade des Herrn, starb er am 27. December
den Armen der Priester.
Dn seinen drei Söhnen hi^tte Alfons Leon und Asturien, Sancho, ai-
iste, Castilien, Garcias, der jüngste, Galicien erhalten. Schon ^^^ ^'
ihrten Alfons und Sancho Ejrieg gegen einander. Die Castilia-
^n. Später wurde Alfons gefangen und nach Toledo verwiesen,
irarcias musste vor Sancho nach Sevilla fliehen. Vor Zamora
ncho um das Leben (7. October 1072). Alfons floh ans Toledo
rde König des ganzen Reiches. Dreizehn Jahre später zog er
rer in Toledo ein.
§. 3.
Is König Gurcias I. im Januar 914 gestorben war, so kamen synode
gnaten und 12 Bischöfe in Leon zusammen, welche den Or- ▼• ^^^^
914 ?
LI. zum Nachfolger wählten und ihn krönten (Juli 914). Ob
;höfe Beschlüsse in kirchlichen Dingen gefasst, ist nicht bekannt,
m 1. September 946 berief König Ramiro U. auf Bitten des
s Salomo von Astorga eine Synode nach Astorga oder Irago^),
er nur der König, Bischof Salomo und verschiedene Aebte an-
1, die Aebte von Santiago, Santa Martina, Santa Leoca-
T beiden Klöster mit dem Namen San Andres, von Cosmas
imian, von San Facundo, San Martin^ San Pedro, San Justo,
jucia und Santa Maria de Tabladillo. Man handelte über die
^enheiten der Religion und den gemeinsamen Nuzen der Kirche.
)ind nicht vorhanden^).
a Jahre 1020 versammelte König Alfons V. die (12) Bischöfe synode
Reiches zu einer Synode nach Leon. Die Zeitangabe schwankt ^- ^®*»"
n 1012, 25. Juli, und 1020^ 1. August. Ambrosius Morales,
und Risco sind für das Jahr 1020. Es war diess ein gemisch-
3hstag, worin für das Reich Leon neue Geseze (fueros) erlassen
, die noch im dreizehnten Jahrhundert galten. Die Bischöfe,
ind Optimaten waren in der Kathedrale der heiligen Maria ver-
t. 1) Li allen künftigen Concilien sollen die kirchlichen Ange-
lten zuerst verhandelt werden. 2) Was durch Testamente der
Concilium Asturiense oder Iracense genannt, vom Berge Jrago.
Esp. sagr.y t. 16 (Astorga), 2 edit, p. 60, p. 438—441, Appendice 7.
um ap. moiitem Irago sub Episcopo Salomone. Era 984 (946). —
y Ramiro, t. III^ p. 56.
span. Kirche. II. 2. 26
selbst ihr Kecht nicht erlangeu kano, so weade sie
jorinuB des KÖDigs'). 6) Sind die AngelegeDheite
schlichtet, so behandle man die des Königs, dann de
mand kaufe das Erbe eines Kirchenknechtes. Wer
sammt dem Preise. — Daran reihen sich 42 .fW
Geseze").
,1 Im J^re 1050 berief Ferdinand I. «ne gemiscl
'" lung nach Coyanza (Coyaza'), später Valencia di
Herstellung der Christenheit*' in seinem Reiche, ve
die Königin Donna Sancha anwohnte. Es waren zu
Froylan von Oviedo (1036—1073), CyprianuB von I
Didacus von Astorga (lOöO — 1061), Oomez voo '
1063), Joannes von Pamplona (1050—1067), Petras
1056), Cresconius von Compostella (1048—1066), B
(104U— 1062), endlich Bischof Gomez „Visocenei«''
vorkommt, und der Bischof von Viseo oder Occ
Sic beschliesseu: I) Jeder Bischof vollziehe den kin
seinen Klerikeru in der Ordnung und in seiner Kirc
und Aebtissinen sollen ihre Kloster nach der Begel
dict leiten. Sie seien ihren Diöcesanbiscböfen unt<
fremde Mönche und Nonnen nur im Einvernehmen
■) lieber ihn Helfferich, Westgotbenrecht, S. 313 ig.
•) Etp. sagr., t. 35, p. 334—347. — Daniu Tgada \
75. — Ad. Helferich, l c. v. 250. 275. 299-314.
Concil von Goyansa, 1050. 403
shmen. 3) Die Elleriker stehen unter ihrem Bischöfe. Die Laien
n keine Gewalt über die Kleriker. Die Ornamente in den Kirchen
I wiirdig, z. B. die Kelche dürfen nicht von Holz oder Thon sein.
Priester trage beim heiligen Opfer den Amictus, die Albe, das
;alam, die Stola, die Casula, den Manipel. Ueber den Altar-
.y die Hostie und den Opferwein wird bestimmt, was noch heute
Die Priester und Diakonen sollen nicht in den Krieg zielien,
Tonsur immer tragen^ ihren Bart rasiren (lassen)'), nur Mutter,
reeter, Tante oder Stiefmutter bei sich haben. Sie sollen die
1er das Symbolum und Vater unser auswendig lernen lassen.
9ter und Diakonen, die hierin fehlen^ zahlen ihrem Bischof 60 So-
nnd verlieren ihre Würde. — 4) Die Archidiakonen und Priester
ai zur (öffentlichen?) Busse rufen. die Ehebrecher, Diebe, Mörder,
berer^), die, welche Incest und Bestialität begangen^). Wenn sie
t Busse thun, so werden sie von der Gemeinschaft der Kirche
geschieden. 5) Die Erzdiakonen sollen an den Quatembertagen zur
ihe fuhren die (Ordinanden), welche das ganze Psalterium, Hymnen,
inge, Episteln, Orationen, Evangelien völlig innehaben. Bei Hoch-
m dürfen die Priester nur erscheinen, um die Benediction zu er-
fen. Kleriker und Laien, die bei Todtenmahlen erscheinen, sollen
Ü Gutes für die Seele der Verstorbenen vollbringen. Hiezu soll
i besonders Arme und Gebrechliche laden. 6) Am Samstag Abends
m alle Christen in die Kirche kommen, am Sonntag Morgens sollen
Üe heilige Messe und alle „Horen^ hören, keine knechtliche Arbeit
ly nicht reisen, ausser wegen einer Wallfahrt, Beerdigung, Kranken-
Ichs, oder wegen des Geheimnisses des Königs, oder des Sturmes
Saracenen. Kein Christ wohne mit Juden in Einem Hause, oder
^, mit ihnen. Wer hiegegen fehlt, thue sieben Tage Busse; wer
ü nicht will, sei ein Jahr ausgeschlossen; ist es Jemand vom ge-
pen Stande, so erhalte er hundert Streiche. Nr. 7 handelt von der
btaverwaltung der Grafen und Majorini. Ebenso der achte Titel
den Gerichten und Strafen. Castilien hat ein anderes Recht und
€z, als Leon, Galicien, Asturien und Portugal. 9) Das dreijährige
ht der Verjährung findet auf das Kirchengut keine Anwendung.
DieChristen sollen an den Freitagen fasten, zur bestimmten Zeit essen
arbeiten. 12) Flieht ein Mensch wegen einer Schuld in die Kirche,
darf ihn Niemand innerhalb des Raumes des Asyls ^), welcher
*) semper Coronas apertas habeant, harbas radant.
*) maleficos,
*) incesttiosos, dann folgt: sanguine mistos, was eine Erklärung des ersten
lies zu sein scheint; Tejada aber übersezt: incesttiosos, sanguinarios,
*) infra dextros EccUsiae.
26*
[Fcliörig vorbereitete ürdinanden vorstellea sollen. E
der Priester 30 Jahre alt. Weltliche Waffen sollen
Für Ordioation, Taufe oder andere kirchliche Dien
verlangt. 3) In der Kirche und einem Umkreis von
kein Laie und kein Weib ') wohnen. Die kirchliche
mit Ziegeln bedeckt und solid gebant, Kreuze und
Silber. Auswärtige Frauen sollen keinen Verkehr i
Mönchen hahen, ausser Mutter, Tante und Schwe
aber als Nonnen tragen sollen. — Abgefallene Priest
genommen, sollen, wenn sie sie entlassen hahen, znr
zugelassen werden. — Ein Christ, der mit zwei !
Frau seines Bruders lebt, werde ansgeschlossen. K
geln für die Klosterfrauen, fintlanfene Mönche and
lange von den Kirchen und den Christen getrennt
Busse thun und zurückkehren. — Kapitel 6 gibt Rege
Verschiedene Arten des Aberglaubens werden verhol
von Blutsverwandten, Priestern und Diakonen sind de
schrieben: „der durch göttliche Hilfe gestözte Cresco
Apostolischen Sizes"; der „durch die Hilfe Christi {
Bischof von Dumiuro"^); „in Gottes Namen Vistrwi
ti'opolitanbischof von Logo".
') Baronius, ad ann. 10S6, nr. ^6. — Agmrre, Com
212. — Bsp. sagr., U8, p. 246-257; 261-266. ~ T«ji
p. 95—100. - Ad. mifferich. p. 314-316.
Synode von Gompostella, 1056 , S. Bosendo. 405
§. 4.
Unter den Bischöfen dieser Zeit wird mit besonderm Lobe der s.Rade.
ge Radesindus von Mondonnedo genannt. Er stammte aus könig- ^^^^^
sm Geschlechte. Sein Grossvater Hermenegild wohnte der Kirch- und
le za Santiago im Jahre 899 als ^Graf von Tuy und Portugal" an. ^^°'^-
Vater war Gutierre Menendez, seine Mutter Ilduara (Alduara),
hter des Grafen Hero. Bosendo wurde am 26. November 907 ge-
01. Erst 18 Jahre alt, wurde er im Jahre 925, jedenfalls vor
xam Bischof von Dumium erwählt^). Er war ein vollendetes
bild jeder christlichen und bischöflichen Tugend. Er erbaute und
Vierte Kirchen, gründete mehrere Eioster, u. a. das von Cabeyro,
[Kloster Samos erhob er zur Abtei. Die Nächte verbrachte er im
«fte. Da er aber auch am Tage nur mit Gott verkehren wollte,
Uoss er, auf das Bisthum zu verzichten. Darum gründete er das
■tar S. Salvador in Villar, in welches er sich zurückziehen wollte.
ndit Jahren vollendete er dieses Kloster, das unter dem Namen
inova so berühmt geworden ist. Es liegt einige Meilen südlich
HOrense und vom Minho. Ans vielen Klöstern sammelte er die
pchsten Mönche. Den heiligen Franquila sezte er zum Abte ein*
Ekr diesem, der vorher Abt von St. Stephan de Ribas de Sil ge-
ta, trat S. Rosendo als einfacher Mönch ein, und bekannte die
9I des heiligen Benedictus, welcher das Erlöster noch im acht-
■len Jahrhundert folgte. Als Franquila gestorben, nahm er die
Ü zum Abte an. Aebte und selbst Bischöfe legten ihre Würden
riir und stellten sich unter seine Leitung. Viele Männer- und
K<?opie gibt Florez nach einer Handschrift der Kirche von Leon. Hier sind
iwirieben die Bischöfe Froyla von Oviedo, Cresconins von Iria nnd Sisnand
Fortacale. Bei Florez finden sich diese drei verschiedenen Copieen beisammen
K sagr., t, 19, edic. 2, p. 396-400, 403—406). — Cf. Baronius ad
-1056, — Pagi, OriHca ad ann. 1066. — In der Gopie von Leon schreiben
HioliOfe einen Brief an den Bischof Enscemenns (Ximenes?), dass er ihre Arbeit
Iren und verbessern möge; and ^haltet einConcil mit enren Brüdern, den Bischö-
enid schärfet ein die Regel des heiligen Glaubens ; denn wir wünschen euch Glück
im EJngheit. Femer theilen wir ench mit, dass wir fünfzehn Tage vor dem
mg der Fasten das Concil in der Stadt Logo wiederholen wollen. Zögert nicht,
m zu kommen." Noch sprechen sie von dem Bischof von Nagera, nnd einem
pi Ordonins, nnd bitten, dass zwei oder drei Bischöfe (aus jener Gregend) zu
b kommen möchten. £r8t in den Jahren 1063—1065 erscheint der Bischof Xi-
p von Leon , und einzelne Schriftsteller haben unsere Synode dem Jahre 1064—
-lügewiesen.
0 Schon im Jahre 919 unterschreibt er sich in einer öffentlichen Urkunde als:
Oiindus filitu Outerri.
406 ZehntM Boeh. Zwdtas KafiM.
Franenkloster wünschten nnter seiner Fahnuig m stehe
mnsste der Heilige aus seiner Kloeterstille in das amn
znriickkehren. Znr 2ieit der Einfalle der Maaren und der
hatte ihm der Konig die Leitnng nnd die Veitheidigimg t
übertragen. Es gelang ihm, die Normannen sn TertreibeD.
Manren mnssten sich vor ihm zurückziehen. Um das Jahr
der Heilige im Triumphe nach Santiago zurfick. Als die '.
wieder einfielen, fiel Bischof Sisenand L im Stampfe gegen
und Bodesind musste nun bis zu seinem Tode die Verws
Oompostella fuhren ^). Bald darauf (971) erlitten die Normi
entscheidende Niederlage. Rudesindus starb am 1 . Harz des <
in seinem Kloster GeUanova^. Dieses EGloster gelangte in
der Reliquien des heiligen Torquatus*). Das Ltehen des H<
▼er&sst von dem Mönche Stephanus in Cellanova, der nm lll
Rudesindus gilt als Erneuerer der EGlosterzucht in seiner !
Kloster GeUanova war durch Jahiiiunderte Mittelpunkt des
Lebens im Nordwesten von Spanien und in PortogaL
Ornate Um das Jahr 899 wurde der heilige Gkmiadius
^I^J^ Gewalt durch Alfons HL dem Bisthum Astoiga vorgese
IM-Moohen und EGloster zu gründen war sein hoohstes Bemüh
grossen König Alfons HL musste er stets begleiten, we]<
durch seine Weisheit und Heiligkeit leiten liess. Er stand d
auch bei seinem Tode zur Seite, welcher nodi durch ihn den
Jacobus eine Summe von 500 Gx)Idmünzen übergeben ü
Jahre 920 kehrte Gennadius in die ersehnte Einsamkeit de^
zurück. Sein Schüler Fortis war sein Nachfolger. Elr starb
Auch der Bischof Salomon (931 — 952) nennt den heiligen (
„seinen Vater seligen Andenkens^ ^).
BiaehSfe Am Ende dieses Abschnittes — zierten den Biscbofl;
°' von Leon, die damalige Konigsstadt, ausgezeichnete und heilig
Gyprian Der heilige Cyprian erscheint als Bischof in den Jahren 1040
Er resignirte im April des Jahres 1057. Er lebte aber a
noch im Mai des Jahres 1085, und durch eine ihm geworde
■) In einer Urkunde des Jahres 974 nennt er sich: IndignMS ei f
nuu Apogtolicae Caihedrae et Sedis Iriensis Rudegindus £^. eomm
*) Ä. Yepes, Coronica, t F, p. 0—27, 36-^158. — ÄpendicA
(enthält sein Testament), nr. 4, 5, 6, 7. — Ada 8anctorum 0. S. E
büUm, 9aec. V, p. 624—643. -- Acta Sanctorum, L Mari., p. 10
Flarez, Esp. sagr., L 18 (edü. 2.), p. 73—106; t 19, p. 161—166.
*) K.-G., L 149.
*) Flarez, t 18 — apendice 32 — p. 374-409, „Vida de S. 1
PortugaUae wumiumenta Uistorica^ /, p. 34 — 43—46.
*) Etp. sagr., t. 16, edic 2, p. 129—166; 349. Apendic 2, ^
BiflohOfe Ton Leon (Astorien). 407
ämmte er den Konig Alfons VI., die Belagerung von Toledo nicht
sogeben. Wenige Tage nachher starb Cyprian. Zum Nachfolger
IBischof hatte er den heiligen Alvitus (1057 — 1063). Er war ein amiüb.
Dch des Klosters von Samos. — Die Königin Donna Sancha wollte
Kirche des heiligen Johannes des Täufers in Leon, die ihr Yater
DOS y. gebaut hatte, auf besondere Weise ehren, da dieselbe die
griUbnissstatte der Konige von Leon war, bestimmt, auch die Begi^b- *
Mtatte ihres Vaters Sancho el Major von Navarra, ihre eigene und
ihres Gemahles Ferdinand I. zu sein. Ferdinand sandte die Bi-
Bfe Ordonius von Astorga und Alvitus von Leon nach Sevilla, um Leon a.
ft den Leib der heiligen Justa zu erhalten, nachdem er vorher den ^*^"^*
wk Benhabet zum Frieden gezwungen^). Aber Niemand wusste zu
jDa den Ort, wo die Gebeine der heiligen Justa ruhten und ver-
sochten die Bischöfe nach ihm. Statt dessen aber fanden und
sie durch göttliche Fügung den Leib des heiligen Isidor.
selbst starb in Sevilla. Sein Leib wurde mit dem des heiligen
Imr nach Leon gebracht. Viele Wunder geschahen während der
beriragong des heiligen Isidor nach Leon. Derselbe wurde in der
■MrwUmten Kirche beigesezt^ welche von da an die Kirche San
ho hiess, der Leib des Bischofs Alvitus aber in der Kathedrale der
llgen Maria (de Regia) ^). Das Kloster an der Kirche des heiligen
Bor war durch Jahrhunderte eine Pflanzstatte der vortrefflichsten
fttinttj aus welcher gefeierte Bischöfe und Schriftsteller hervorgingen.
p' Bischöfe von Lugo hiessen in diesem gaiizen Zieitraume noch Me- Lngo.
ipoliten. Wegen der Einfälle der Normannen und Araber wurde nach
P^ Jahre 970 das Bisthum Tuy mit dem von Compostella, das Bis-
lü Orense mit dem von Lugo vereinigt, bis zum Jahre 1071. Braga
V ohnedem mit Lugo verbunden, und wurde erst im Jahre 1071
idftr hergestellt Der Bischof Suarius U. Bermudez von Mondon-
Iji (1015 — 1022) wird genannt Bischof von Dumium, Lugo, Orense
vTay. — In den Jahren 915 — 922 blühte der heilige Ansurius,
riof von Orense^). Dieses Bisthum war an 70 Jahre eiligegangen, oreme.
wurde erst am 13. Januar 1071 mit allen seinen Besizungen wieder
» *) S. oben S. 400.
^ Acta Sanetorum, t. I, April, (4), p. 330—362. Vita 8. Isidari auctore
ton. regulari eoenobii Legionmsis ü. hidori, forte Luca TSAdensi (f 1250),
.Mb. ToUiano. — HisUnia et Acta translatianis Undein, p. 352-364; 900—
t» — Mabiüon, A. S8. 0. S. B., saee. II, p. 582. — ^Actct» de la trculacian
& laidoro*' in Esp. sagt,, t 9 (tere. edic.), p. 406—412; t, 35 {Leon),
96-92-97.
*) Acta Sanctonm, 26. Januar, (J. II), jp. 751—752. — Esp. sagr., 1. 17
ic.). q. 64-70,
gestellte Bisthum Coimbra lieisst von da an „Siz der be
oporio. ^ ^^11 Jahren 1029 — 1065 wurde gleichfalla das Sisthum
Siz der heiligen Maria", wieder liergestellt. Nach dei
aber wurde die Reibenfolge der Bischöfe wieder nnterbro<
Archidiakonen von Bracara verwalteten daa Bisthum. —
Visen vrurde um dieselbe Zeit voräbergehend eroeaer
Jahre 1101 vereinigte Papst Paschalis II. Visen und
Coimbra; Viseu tritt als getrenntes Bistham erst im Jahre 1 1
§.5.
Die Chroniken des Sebastian von Salamanca und
von Älvelda schliessen mit der Regieiang Älfons' IIL*).
der Mönch Vigila einige 8[^lichc Znsäze über Navarra i
bis 976 reichen. Quellen der Geschichte nnsrer Zeit sine
ken des Mönches von Silos, des Bischofs Sampims von As
Fortsezers, des Bischofs Pelagius von Oviedo, das sogei
nicon von Portugal, die Chronik von Iria. Geschichtsquelle
die zahlreichen Urkunden, welche von Königen, Bischof
und Lüen, zu Gunsten von Kirchen, Klösteni, Städten
Ortschaften ausgestellt wurden.
Buehof Sampiro, früher „Presbyter" und „Notar" des Koni,
flunpira (SanctuB Pirus genannt), erscheint in den Jahren 1035 1
,^,,^,1^ Bischof von Astorga. Es gab im zehnten Jahrhundert
'} Duo episcopi, Didcidiiu Sahnanticetuis et Sermognu Tt
mttU eomprehensi et Oordubam adducti — chron. de Sampiro, iw
Der Chronist Sampiro. 409
sses Namens, im Jahre 990 erscheint ein „Presbyter** Sampiro').
n Abt Sampiro unterschreibt im Jahre 920 neben dem heiligen Gen-
d^ns, dem Bischof von Astorga. Es ist kaum denkbar, dass ,,der
it* des Jahres 920 mit dem ,,Presbyter^ des Jahres 990 dieselbe
irson sei, obgleich der Sfnst so scharfsinnige Sandoval Beide ver-
■ehselt^). Unser Sampiro kommt als Notar in verschiedenen Docu-
■iten vor. Es heisst von ihm u. a.: Sampiro hat notirt (d. i. ge-
hrieben oder dictirt) und bekräftigt^ (Jahr 1018). Als Notar des
inigs schrieb er sein Chronicon, das mit dem Jahre 866 oder der
inmbesteigung Alfons' UI. beginnt, wo Sebastian von Salamanca
Ifons III. selbst?) geschlossen hatte, und das er bis zum Jahre 982 —
A fortfahrt Aus Klugheit scheint er nicht die i^eit der Könige
«mudo'II. und Alfons' V. (982—1028) behandelt zu haben. — Sam-
^ nennt die Könige von Leon „katholische Könige^, ein Name, den
i spanischen Könige bis in die neueste Zeit gefuhrt haben. Der
JTonist beschäftigt sich fast ausschliesslich mit den Schicksalen und
Segen der Könige von Leon. Auch dieser Zeitraum ist erfüllt von
■em Empörungen, von Bürger- und Bruderkämpfen. Von König
maus L (957 — 966) erzählt der Chronist, dass er über die Maassen
labt gewesen, dass er aber durch ein von den Arabern ihm mit-
ikeiltes Heilmittel ganz schlank geworden sei^). — Er und seine
liwester Elvira erbaten sich von Corduba den Leib des Märtyrers
lagins. An der Spize dieser Gesandtschaft stand der damalige
■chof Velascus von Leon (966 — 969). Des Sancius I. Sohn zählte
I seinem Tode erst 5 Jahre, „wesswegen seine Tante, die Gott ver-
Me Herrin Königin Gelvira (Elvira), von grosser Klugheit^, die Re-
ktschaft föhrte. Der junge Ramiro UI. war „aufgebläht, falsch und
jjl unbedeutenden Kenntnissen^^), und durch Worte undThaten kränkte
i^iehr die Grafen von Galicien, Leon und Castilien, welche sein «
jipii abschüttelten. Bis zu seinem im Jahre 984 zu Leon erfolgten
iie reicht unser Chronicon.
^ *) Samphirus presbyter, qui di(fi)tavit, et post Astoricense Sedis episcopus
if. — Lezteres ist entschieden Zosaz eines Späten^ aber ein sicheres ZeugüiBB
Ar, dass der „Presbyter** und „Notar** des Königs mit dem spätem Bischöfe von
Inrga eine und dieselbe Person sei.
*) Sobre el Monasterio de S, Pedro de Mordes, fol. 62 b.
*) Sampinu peceator notavit et confirmavit
*) 8aneitut rex, quum esset crassus nimi», ipsi Agareni herbam attulerunt,
erassitudinem eftis abstvlerunt a venire ejus, et od prisHnam levitatis astu-
m redtictus, consüium iniit cum Sarracenis, qualiter ad regnum sibi ahla-
n perveniret, ex quo ejedus fuerat,
*) Eex Ranimirus — cum esset ekdus, et falsüoquus, et in modica seien-
ipasUus.
Der Verfasser der Chronik, welche den Titel füh
Sileniii ehronicon", wollte die Geschichte Älfons VI. s<
Toledo wieder eroberte, er nahm aber in sein Bach anch <
über die Könige der frühem Zeit, und anter ihoeD die
Bischöfe Sampiro auf).
') Ansgaben: Pntd. Sandooal (Bischof von Punplonii) in:
cinco obispos, oder : Hiatarias de Idacio obispo, de Isidoro, olriapo i
de Sebastian, obispo de Salamanea, de Sampiro, obiapo da AMtor^
obiapo de Oviedo: nunca haeta agora impreaas, am otra» notam
Pampkma 16i6, Duaelbe(iiiitTerSiidertemTitel)etachieDwieder: Fa
Dte dritte Aasgabe ist von Ferreras, Historia de Espana, t. XVI,
der sich auf andere Hanoscripte BtDzte. Zwei Jabre spiter edirte
den „Ferreras conveneido' — den OberwieaeneD Ferreras, Madr.
einen Terbesserten Text ^b, wfihrend er ichon aoht Jahre IHIber in
gvedadea de Espana, t. II, Madr. 1721 dieselbe Chronik «dirt Im
Hamen des HOndtes von Siloa. Einen verbesserten Text ^b H. Fl
sagrada, 1762, t. 14, 2 edic., Madr. 1786. ~ C^ronictm de Sa:
de Ast&rga, p. 432—440-461—473. — CTirontcon de Pelayo, p. 4,
— H. Schäfer, Geschichte von Spanien, Bd. IT, Hamb. 1811, S. 256-
berg-Kert-Brisdutr, Oescbjcbte der Reli^on Jesu Cbriati, Bd. 46, ]
E, Dozy, hisloire des Mitsrtlmans äEspagne {711—1110), t, III,
p. 33 sq. — Derselbe: R^cherches sur l'hiatoire et la Htt&ature
pendmt le vtoyen age, 2 edic., Leyde 1860, t I, p. 164—220; t
mands en Espagne, p. 271—331.
*) e/. Monarehia Luaitana, t. III, auei. Brandano, appeM
p. 415^2 [ed. Z).
•) .Bsp. sagr., i. 11 (2 edic), p. 284—300.
Drittes Kapitel.
i Reiehcr Kavarra, Aragon nnd Catalonlen (900—1081»).
§. 1.
König Alfons IH. von Astnrien nahm Ximena aus dem Für- Kdntge
liaosc von Navarra zu seiner Gemahlin* Zu dieser Zeit war Na- ^^^
m vom Frankenreich wie von Astarien unabhängig. Ihr Vater war
^»aa Inniguez. Aber erst dessen Sohn Sancho Gurcias nahm (905)
Titel eines Königs an, welcher die Saracenen wiederholt mit Glück
ampfte , nnd sein Land aasdehnte. Zum Dank für seine Siege grün-
^ er im Jahre 924 das berühmte Kloster Albdda. Bei seinem Tode
3) waren alle Saracenen aus seinem Reiche vertrieben.
Sein Sohn Garcias (925 — 970) lieferte den Saracenen viele
lachten. Er hatte zwei Sohne , Sancho und Ramiro, von denen
ix ihm in der Regierung nachfolgte, und (unter dem Beinamen
cho el Major) das Reich Navarra zu seiner höchsten Blüthe brachte, saneho
^rlanirte den Besiz von Castilien und Theile des Reiches Leon. ^^
a den Pyrenäen bis Najera, südlich vom Ebro, herrschte er, ver-
b er alle Saracenen, ja eine Zeit lang gebot er von den Grenzen
liciens bis zu den Pyrenäen. Aber wie manch' anderer grosse Re-
t schwächte und zerstückelte er sein eigenes Reich durch Yertheil-
l an seine Söhne. Er starb im Jahre 1035. Der älteste Sohn Gar-
I erhielt Navarra, Yiscaya und einen Theil des Landstriches der
ga, Ferdinand erhielt Castilien und das Land zwischen den Flüssen
nerga und Cea, Ramiro erhielt die Gra&chaft Aragon. Die Theil-
l war eine bleibende. Castilien wurde mit Leon verbunden, und
ib bei ihm. Aragon aber blieb selbstständig, und verleibte sich
ter Catalonien ein, während Navarra seine engen Grenzen nicht
hr erweitem konnte, und in Abhängigkeit von seinen mächtigern
Zebat« BniA. DriU« Kapitel.
Nachbarn kam '), Sancho der Grosse hatte vom Juni 970 bi* F^
briiar I03&, 64 Jahre cnd 8 Monate regiert. Sein Sohn Garciiu (ID,)
regierte nach ihm über das engere Navarra vom 7. Februar 1035 bis imt
I. September 1054; Sancibo III,, Sobu dieses Garcia , an 22 Jahre, k
zum Juni 1076. Dann trat das Reich Navarra in freiwillige Abhio-
gigkeit von dem Königreiche Aragon*).
§•2-
iBchöfa Der Konig Sancho der GroBSe hatte Beine Erziehnug in da
"" Kloster Leyre^) erhalten, und suchte dieses Kloster in jeder War
zu heben. Er berief im Januar 1022 eine Synode in dieses Klo«,
welches von der Zeit des Bischofs Wielesindus bis zum Jahre 1023 St
des Bisthums Pamploua war, so dass die Aebte von San SaWidofi
Leyre zugleich die Bischöfe waren. Seit 1014 war Don Siuicbi» i
Mayor, d. i. der ältere, Abt-Bischof von Leyre, In demselben J»ln
schenkte der König Don Saticho dem Kloster Leyre das Kloster m
die Kirchen von (Alt- und Neu-) San Sebastian am Meerbiwiu w
Biscaya. Die drei Kirchen sind heute noch die drei Pferrciöi ••
San Sebastian in Gaipiizcoa (Santa Maria, San Vicente nnd Siali-
bastian o! antiguo). Leztere, jezt ausserhalb der Mauern dttSw^
war damals ein Kloster. Als im Jahre 1023 die B^sizangen imda
Pum- dem Kloster Leyre und dem Bisthiim Pamplona getheilt wurdia, bW
f''™'- leztere Kirche dem Bischof, welcher sich dcsswegen Abt von All-Sü
Sebastian nuunte. Die Schenkungsurkunde des Jahres 1014 isi aot*
zeichnet von den Bischöfen Mancins von Aragon, welcher soosH"*
Bischof von Jacca heisst, denn Osca oder Huesca wurde er»"
Jahre 1096 wieder den Maiireu entrissen, von Sancho von li*
d. i. Pamplona, von dem Bisehof Garcia von Naxera, dem Bi**
Munius von Alava nnd Julianus von Oca.
Bbtiinm Julianus erscheint in den Jahren l(X)3— 1033 als Bischof yonO«i
°°'- dem alten Auca, Nunnus erscheint im Jahre 1079 als derlezteBiw*
von Oca; diess Bisthum wurde nach ihm mit dem von Burgos '«*•"
nigt. Nagera ist das römische Tricium. Es kommt im Jahre Sf'-"
Nazera vor, später als Nazara, wesswegcn die Einwohner der Si»
auch Nazarener genannt wurden^}. Eine Zeit lang bestand ein Hencf
') Haaptqueller Chronicon monachi Silensis.
') Masdeu, hütoria critica de Eipana, t. XV, 2T4. — Scltii/er, Ge«W*
von Spanien, U, ö. 313—3^1.
') B. oben S. ;i57.
') hiatoria Compostülana, I, 73. Raderich XJmenas schreibt: J«ja'^
das Chronicon Albeldense schreibt: Nagerensin wrbis; gewöhnlich heiMt tt:l*
jara oder Naxara.
Bisthflmer in Navarr». 413
Q „Cantabrien^ , dessen Hauptstadt dieses Najera war ^). Die ganze
dschaft selbst heisst und hiess die Rioja. Im Jahre 923 wurde Na-
i von dem Könige Ordonno U« von Leon erobert*), zugleich mit
benachbarten Stadt Veguera, welche südostlich von Nagera und
ich von Albelda liegt« Weil damals allein noch Calahorra in der
(ralt der Saracenen lag, das zwar erobert, aber wieder verloren
den war, erschien es passend, den Siz des Bisthums nach Nagera
verlegen. Theodemir erscheint in den Jahren 950 und 962 als
er Bischof von Nagera. Im Jahre 971 war Benedictus Bischof;
ISO in den Jahren 983 und 988. Auf ihn folgte vielleicht Alto oder
centius; Belasco erscheint 996 — 997, Garcias, den wir oben ge-
Dt, in den Jahren 1001 — 1014, im Jahre 1020 Benedictus, Garcias IL
Jahre 1023—1024, Fruela im Jahre 1024. Im Jahre 1028 wurde
Bisthum Nagera dem Bischöfe Sancho IL von Famplona über-
;en^); im Jahre 1030 heisst Sancho nur Bischof von Nagera; wie
CO meint, gab es damals zwei Bischöfe dieses Namens Sancho.
Im Jahre 1035 erfolgte die Wiederherstellung des Sizes von Pa- Bi-thnm
ia, der seit dem Einfalle der Mauren verödet war. Es war diess p*»««»^
der lezten Thaten Königs Sancho des Grossen, welcher mit seiner
Qahlin, den Bischöfen und den Grossen seines Hofes in Palentia
einfand. Zugegen waren drei Bischöfe, unter ihnen der Bischof
cius in Najara^). Bemard war der erste Bischof des neuen Palencia.
Später (1042) erscheint ein Bischof Sancho von Nagera neben
che von Pamplona. Im Jahre 1044 unterschreibt ein Bischof Go-
anus von Nagera neben Bischof Garcia von Alava, Sancho von
iplona, Wilhelm von Urgel, Alto von Oca und Bemard (?) von
intia*).
Endlich wurde im Jahre 104Ö die feste Stadt Calahorra den Biitham
Iren entrissen, in deren Händen es mehr als drei Jahrhunderte ^^*^*
csen war. König Garcia von Navarra nahm es ein. Die Christen
den ermuntert durch die Erscheinung des heiligen Aemilian (San
lan)^ stehend über den Mauern der Stadt, welcher den Christen die
Ue zeigte, wo sie den Sturm wagen sollten. Nachdem im Früh-
die Stadt genommen worden, stellte der König sogleich den Stift-
*) ducattis Cantabriae, cujus Sedes fuit Änagarum ab anüquo. — Ro-
Tc. Ximenes, 6, 26.
*) Chronicon Sampiri (Ordonius II),
') Er schreibt: Ego Sancius Pamplonensis atque NajaUnsis Episcopus,
Jahre 1030 heisst er: Sancio, Pamplonensis seu NajaUnsis episcopus.
^ Pedro Femandez de Pidgar, Historia secular y ecUsiastica de la ciudad
Palencia; Madr. lÖTO-^lßSO, 3 fol. {t. II, p. 41).
*) Dieser soll schon 1040 gestorben sein, und zum Nachfolger den Miro (oder
0 gehabt haben. — Morel, Anales de Aragon, I, 673.
414 Zehntea Bnoh. Drittel Kapitel.
uugsbrief d<js erneuertt-n Bistliiims aus (30. April l04ä), Derbiäbmji
UiEchof Sanoho von Najera wurde nun Biechot' der „heiligen
und der heiligen Märtyrer Emeteriua und Chelidonias" you CalilKnii
Von nun fin war und bliob das Bistbura Nagera aafgegangen in
TOD Calahorra*).
"° Wir haben oben auch von einem Bischöfe yon Älaba gchüit
AJaba bestand, wie Nagera, nur im zehnten und eilften JahrhmidA
Alaba war und ist die sndliche der drei baskiachen ProTimen. N'vl
der Eroberung von Nagera wurde auch dieses Biathum errichtet,
cheB den frühem nördliiiL vom Ebro gelegenen Tbeil des Bisün»
Calahorra umfasste, und go ziemlich dein heutigen nea erriduM
Bistbum Vittoria entspricht. Muniua wird im Jahre 927 als SaU
genannt. Im Jahre 956 erscheint wieder ein Munius, BiscW <■
Alaba; ein anderer Munio im Jahre 1014, welcher die obige Scbat
nng von San Sebastian an das Kloster Leyre unterschrieb. Im Juli« I HD
wohnte er der Erhebung und der Uebertragung der Reliquien in »
ligen Aemilian dureh König Sancho den Grossen an. Noch kbt« d
im Jahre 1033. In demselben Jahre tritt Bischof Johannes t'a, ■
Jahre 1037 Bischof Garcia. Im Jahre 1053 nennt er sich ,0»*
Alabensischer Bischof oder (B.) in Vizkaya". Einen besUmmtn ü
seines Bisthums scheint er nicht gehabt zu haben. Vom Jahre l(ffi •
lebten noch die Biscböle Fortunius, Vigila, Munio, VigtliU. f)i
üarcia, Munio, Vigila III. (?), Munio, Fortiiuio. Nach dem Toi
dieses lezten Fortunius wurde um 1088 das Biathum Alava dem "*
Calahorra einverleibt, und Petrus Nazar war erster Biscbol deä »■
vereinigten Nagera, Alava und Calahorra").
Durch die Einfalle der Mauren war Stadt und Kirche »on P»
plona an zwei Jahrhunderte verödet. König Sancho der Grosae l«!"
sich im Jahr 1022 nach Leyre, um mit den dort versammelt» f»
laten und Grossen das Bisthum nach Pamplona zarückzu verleg» •
dem Decrete des Königs wird Sancho der Aeltere Bischof ml*
des Klosters von Leyre genannt. Die Könige, seine Vorgangs'"'
tizB und Uoderich seien in die Hände der verfluchten Secte dwls»*
liten gefallen, weil sie die Wege des Herrn und die Decrete d«>*
ligen Väter verachtet haben. Hurend, dass die Lehre des scligm *
heiligen Benedlctus durch die ganze W^clt mit grossem Glani« sDiMr
verlange er dieselbe auch in seine Lande zu verpflanzen'). Er W
') Esp. sagr., p. M. Risco, t. 30, Madr. 1781, corUiene ta» an(i>'^
de Calahorra , y tos memimas cmcemUntes h Ics obiapadoa de NAg<rrtx y ^
p. 193-222.
'j Egp. sagr.. t. 33, Memoritis de /a provincia de Alaba, y obiip^'
Alaba in Armtntia. p. 230- 371.
') Hier ist die Kefurm von Clugny gemeint, welcher sieb damals »p»«^
Biathnm Pamplona, 102a 415
onen seines Vertrauens in das Kloster Clugny gesendet, von dort-
den Abt Ptxttimua erhalten, mit ihm eine Genossenschaft von Mön-
, und sie in das Kloster des heiligen Johannes Baptista (von Pena)
ordnet ^]. Aus Anlass der Wiederherstellung des Iruniensischen Sizes
er das Kloster von Leyre (welches den Bischofssiz verliert) mit
D Privilegien schmücken, es unter den Schuz der Apostel Petrus
Paulus steUen. Wegen der Wiederherstellung von Pamplona be-
er dahin eine Synode für das nächste Jahr. Das Document ist
21. October 1022, als Sancho in „Castilien, Astorga, Alava, Pam-
%j Aragon, in Sobarbe, in ganz Gascognien, in Leon, in Asturien^
ichte. Zeugen waren die Königin Ximena, des Königs Mutter,
i^onigin Maria, vier Fürsten, Mancio, Bischof von Aragon, Sancho,
von Leyre und Bischof von Pamplona, Garcia, Bischof von Na-
y Arnulf, Bischof von Ribagorza, Munius von Alava, Jnlianus von
ilien und Oca, Poncius von Oviedo, Patemus, Abt von San Juan,
^, Abt von Onna*).
Im September des Jahres 1023 trat die Synode von Pamplona
mmen, welche dieses Bisthum wieder herstellte. Wir besizen als
ibniss dieser Synode das Königliche und Bischöfliche Privilegium
Shren der heiligen Maria des Sizes von Pamplona, und zugleich
Klosters von San Salvador von Leyre.
König Sancho fohlt sich nicht würdig, in irgend Etwas gleich-
et zu werden den heiligen Königen (der alten Zeit), aber er will
ihnen wetteifern in jedem Werke der Heiligkeit und der Gerech-
^it. Jezt hat er die Bischöfe versammelt, um den Iruniensischen
herzustellen. Bischof und Abt Sancho soll die frühem Einkünfte
Bisthums wieder erhalten, aber auch die Ordnung der klösterlichen
^t in aller Strenge einfuhren. Vom Kloster Leyre aus soll sich
t Zucht über das ganze Reich ausbreiten, aus dessen Mitte die
»nden Bischöfe zu erwählen seien. Die Bischöfe sollen, neben
n vortrefflichen Eigenschaften, auch „berühmte Redner, wohl-
gj eintrachtig, mitleidig, fromm, gerecht, durchaus keusch sein^.
Beien gut unterrichtet in den kirchlichen OfBcien, sie seien Psal-
en, Computisten, Sänger, Leser und voll des heiligen Glaubens.
er anaohloBsen, und in welches Kloster sich spanische Bischöfe nach ihrer He-
don Borflckzogen.
•) K.-G., I, 16*.
*) Affuirre-Catalam, IV j 389. — Sandaval, Catalogo de los obispos de
fon, p. 34^36, — (?. Fr. Perez, Obispos de Pamplona, 1820, 7, 84S7. —
da y Ramvro, III, 76-77.
*) Diese Bischöfe seien: honitate largissimi, affabüitate mitissimi, humi-
-unabiUs, desiderabiles, probabües, celebres oratores, benefactores , Concor-
misericordes, pii, justi, mansueti, benigni, pacifiei^ castissimi.
ist, im gegenwärtigen Leben Belbat „aufheben", die k
die Macht des Königthums ihm nehmen, nnd sie dei
lieben, im kommenden Leben sei er getrennt tod
aller Christen, er soll die Gemeinschaft haben mit
ron nnd Judas, dem Verrither, in der tiefsten
Strafen des ewigen Feuers erleiden. Et selbst aber,
möge die Verzeihung seiner Sünden erlangen, and sie
reiche glücklich mit Christus erfreuen.
Die Bischöfe Mancius von Aragon, Sancho von
von Najera, Ämulph von Bibagorza, Munius, Bische
lianus, Bischof von Castilien '), Pontius, Bischof voi
zeichnen. Ärduin, der „Grammatiker, der Schreiber
tes", ist Zeuge').
§. 8.
BftmlrO L| der älteste unter den Söhnen Sut
erhielt bei der Keicheiheilung Aragon, das von jetzt a
') CaaUUenna ^ücoptig. Er kommt in den Jahren 1003
von Oca (Anca) vor, welches Bisthum um das Jahr 1079 in
übergiBg.
■) PoDtins erscbeint Dur in den Jahnn 1028—1085. In
mehrere gleichseitige Bischöfe toit dem Titel von Oviedo vor, w
der sich Erzbischof neoDt
*) Arduiaus Oramttnüicus (Notar), scriptor htgus b
Icnnflo^ ipjltill F.in Tpatiimonf nr-ir h «nfh inanforn aia an Br
res.
Aragon 1035-1104. 417
heint (1035). — Das Land bestand aus den Grafschaften Bibagorza, Reich
rarbe und Aragon. Sobrarbe und Ribagorza erhielt Don Gonzalo, ^"fi^"-
EoDigs vierter Sohn, die Grafschaft Aragon aber Ramiro, zwar
ter, aber illegitimer Sohn Sancho des Grossen. Bamiro nahm als Ramiro
des kleinen Landes den Titel ,,König^ an^). Er erwarb,, nach- ''
sein Bruder Gonzalo durch Meuchelmord gefallen war, die Land-
%en Sobrarbe und Bibagorza. Bamiro selbst fiel im Kampfe gegen
Idauren, nachem er 32 Jahre regiert^.
Nach ihm regierte sein Sohn Sancho Bamirez, nur achtzehn Jahre sanebo
Er verdrängte die Mauren aus ihren letzten Besizungen in den ^™''
eten von Aragon, Sobrarbe und Bibagorza') Er eroberte Barbastro
ahre 1067, wobei der tapfere Graf Ermengol von Urgel, Sancho's
TOideter, fiel. Dann bewegte sich der blutige Krieg um die frucht-
i Landschaften zwischen Barbastro und dem Ebro. Als König
ho IV. von Navarra, der im Jahre 1054 seinem Vater, Garcia IV.,
^T Regierung von Navarra nachgefolgt war, von seinem Bruder
Dn im Bunde mit seiner Schwester Ermesenda ermordet worden
L 1076), so bemächtigte sich Sancho von Aragon Pamplona's, der
>tstadt von Navarra, während Alfons VI. von Castilien Naxera und
borra besezte. Navarra bis zum Ebro blieb mit dem Beiche
:on vereinigt bis 1134. Mit neuer Kraft erhob sich nun König
lio Bamirez gegen die Mauren. Er nahm — lOf^ — das
D88 Monion, im Jahre 1080 Padrillas am Ebro, an der Südgrenze
irras. Aber noch widerstand das feste Huesca. Im Jahre 1081
1 er Bolea, das als Vormauer von Huesca galt, im Jahre 1089
k er Monzon *) südlich von Balbastro am Flusse Cinca, erbaute die
') La Ripa^ Defenaa del Reino de Sobrarbe, Zar, 1676. — Abarca, Ana-
B Aragon, 1682, — Don Ramiro /, cp. 2, §, 17,
•) Eisp. sagr., 46, 344 (Necrologium ex Breviario Ecclesiae Rotensis):
sirenue regeret regnum suum, interfectua eat a Mauris in obsidione Gfradus,
liebte von Spanien von Lembke n. H, Schäfer, II, 335. — Esiudios histo-
iobre ei reino de Aragon, por Josi Morales Santisteban, Madr, 1851, p, 16.
') Die Grafschaft Aragon lag nnd liegt zanächst Ostlich von Navarra, mit dem
torto Jacca; an Aragon grenzte östlich Ribagorza (RipacurHa), beide dicht
^1886 der Pyrenäen ; südlich von diesen beiden lag das kleinere Sobrarbe (Su-
^um). Um das Jahr 1100 ist Sobrarbe und Ribagorza verschwunden; das
g^ich Aragon, das aber noch einen weiten Weg vom Ebro nnd von Saragossa
rot Ist, hat in seinem Rücken die Pyrenäen, im Osten Catalonien, im Westen
Königreich Navarra, südlich aber die arabischen Emirate Arlith und Seiton.
'• Spruner-Menke, Handatlas für die Geschichte des Mittelalters. Gotha, 1871.
*) Etp. sagr. l. c p. 341. — Ziurita, Anales de Aragon, J, 29. (Famosum
n^m, quod dicitur Monzon.)
UM, fpan. Kirehe. II, 2. 27
418
Zehntes Boä
I Pwli
i BbU
Hm
k
An
Bargen Äyerbe und Laliorra'), Caatellav (1091) ond Mwtarago
Jahre 1094 schlug er die Mauren vor Hacsca, und bclsg«
Uuescii selbst. Im Anfang Juni 1094 sUtrb er, durch eina
I. getrofl'en, vor Huesca. Sein Sohn Pedro I. setzte die Beh
fort, vom sterbenden Vater daxu ermahnt'). Zuerst schlug
Alcoraz ein mächtiges zur Hilfe heranrückendes Heer der 1
in welcher Schlacht 10,000 Feinde gefallen sein sollen. Nad
gen Tagen ergab sich Ilueaca — November 1096, Pedro «
Calasanz (109s) und wieder Barhastro — IlOO*). Er 6t«b M
Jahre 1104.
Dl Das Bisthum Kuesca war vom Jahre 713 bis znm Jahi
'■ unterbrochen. Statt dessen treten die Bischöfe von Aragon um
hervor. In den Jahren 800 und 802 werden noch zwei Bischi
Hueaca genannt, ob mit dem Sitze in Uuesca, ist nicht dcuUii
Jahre 809 erscheint Ferriolns als Bischof beim heiligen Pelnn
Jacca. Encco ist 842 Bischof von Aragon, SSO wird Mancius
1 von Aragon und Jacca genannt, ebeuso Forlunius (889 — f ^06)
lus heisst bald Bischof von Aragon, bald von Jauca. Aragon b
das Land, Jacca den Sitz des Bischoles (921 — 927); ebeuM
(971). Mantius (1005—1014) beisst Bischof von Jacca. ImJiibi
beisst Sancbo II., dem (858) Sancho I. vorausgegangen war, 1
von Aragon. Wegen hohen Altera dankte er 1076 ab. Im Jak
iviirdet'.aivias (Goii/.itlczl lüsrhuf vou Amf;iiii, welcher aiicb d(f
Bischof von Jacca genannt wird (1086). Stephan L erscbeiut 10
i.funaer Bischof von Jacca. Petrus 1. 1090—1099 war letzter l
von Jacca, und erster Bischof des wieder hergestellten Hoesa.
folgte Stephan II. (November 1099 — t 1130). Noch im Jahre
: beisst er „erwählter (?) Bischof von Huesca, Jacca und Barbasir
' Jacca war also ein-, vielmehr auf Huesca übergegangen. Bar
wurde erst 1571 als eigenes Bisthum errichtet, ebenso Jaci^
Bisthümer sind aber im Jahre 1851 wieder aufgehoben worden'}.
Der Mönch Patemns hatte längere Zeit im Kloster Clngnj g
') westlich von Bolca, nordweatlich von Hneaca. Ueber Laham c/ E.<
13. Die hier vorliegcodo Form Ltthorra, woraos später Loarre entstand, ixöt
Beweis der Ablcitnog des Wortes von Calagnrris Fibnlaria, das fm J. 3i>4 c
Echofsais wsr.
•) Hoderic. Tolelan. 6, 1, adjuravit filios suos Petrum et Äldth
qitod mmquam ab ofmdione recederent, dtmec ävitas caperetur: ef ipso >
ex fulnere finiente, corpus ejus tnhumatutn lamdiit servav^unt, doatc o
( Osca) fuit capta.
^ Eap. sa^., 46, p. 149, 350. Lembke-Schäfcr , II. 324-342.
') Diego Aynsa, Fundacion de Huesca, H. 1619, fol. p. iÖ-Ä
liamon de Huesca, Teatro de la 8. Iglesia de Huesca, t. 5—7, — de /<u /j*
Aragon 1035—1104. 419
mehreren Gefährten aus Spanien, von wo ihn Konig Sancho der Pater-
lese wieder zurückrief, um in Navarra die Regel von Clogny einzu- "^ ^^'
ren.*) Nach seiner Heimkehr setzte ihn der König zum Abte des
i gegründeten Klosters von San Juan de la Fena in Aragon ein, Kloster
Iches er vor 1022 gegründet hatte, und das er mit reichen Frivile- ^^
[| austattete*). — Nach kurzer Zeit berief der Konig den Fatemns ^ pena.
in das Kloster Leyre. Die Bischöfe und Grossen baten denselben
Qig, dass er. die verbesserte Klosterzucht auch in dem Kloster San
Tftdor de Ona in der Froyinz Burgos einfuhren möchte, das vor Ki<Mt«r
aigen Jahren (1002 — 1011) der Graf Sancho gestiftet und auf das ona.
dkste ausgestattet hatte ^. Es war dies ein s. g. Doppelkloster, in
Ichem schon im Jahre 1032 unter den Nonnen die strenge Zucht
äigdassen hatte. Im Jahre 1032 gehörte das Gebiet von Ona zu ^^tt Pa-'
n Reiche von Navarra und Aragon. Fatemus kam nach Ona, ent- terniu.
Ute die Nonnen, Hess nur die Mönche daselbst, und unterrichtete sie
den ^Gewohnheiten von Clugny^. Der König ernannte sodann den
ircia zum ersten Abte nach der Reform, und Patemus kehrte nach
b Juan zurück. — Dort erhielt er von dem heiligen Abte Odilo aus
bgny einen ermuthigenden Brief, der nach dem Tode Sancho^s des
(iBsen geschrieben ist. Denn er wünscht (vergebens), dass die Söhne
Verstorbenen im Frieden unter sich leben. Er betet besonders für
Konig Redimir (Ranimir von Aragon), dem der in Clugny weilende
ohof Sancho (II. von Aragon?) das beste Zeugniss gab. Für Rani-
Tcrrichtete die Gemeinde zu Clugny taglich bestimmte Gebete^).
all dem Könige Garcias III. von Navarra (1035 — 1054) schreibt der
ige Odilo. Er klagt über die grosse und drückende Noth, unter
sie und das ganze Land durch Misswachs seit 2^/^ Jahren leiden.
bittet dringend den König um Hilfe.
iragan, Zaragoz. 1792 — 1797. — P. Oams , Series episcoporum ecclesiae
holieae, Raüsbon. 1873, p. 36,
') virwn religiosum et timoratum vocitatum Patemum, cum devoto comi-
u religiosorum sociorum, misimus ad praedictum Cluniacense coenobium, vt
j|MO perfectionem monasticae vitae cognosceret ac disceret: qua suffiderder
mtius, ad patnam nostram redtret et sitienti patriae nostrae potum monasti-
jmffeaHonis propinaret. Florez-Rüco, t. 30, 2 edicion, p. 220,
*) Es ist also nicht erst um 1080 gestiftet. — Eütoria de la fundacion y
l^u%dades de San Juan de la Pena (cf, K G. I, 163), von «7. Briz Marti-
1620, p. 398.
•) Flarez, t. 27, edic. II, p. 125—176. — Yepes, Coronica, t 7, p. 319
<i« Escritura^ 43—46, — Mabiüon, Anncdea 0. 8. B., ad annum 1022^
S9^S0; annus 1033, nr. 26.
*) Der Brief ist unvollständig erhalten, cf. d'Ächery, Spicilegtum, t, III,
tßl. — Migne, Patrol, tat, t 142, p. 942 (opusc. 8. Odilonü), Der Bischof
dns kann auch der von Leyre-Pamplona sein; denn er bat resignirt.
27*
mit dem mannsclien Uauptlmg Alcliagib ron Sara)
gehen zu wollen. Den Vertrag untcrschriebeD aucl
Barcelona, Vieh and Urgel. Dies war keine zu £
Synode dreier Bischöfe^).
Dagegen soll im Jalire 1062 eine Synode zu Si
stattgehabt haben, nach welcher in Zukunft die B
aus den Mönchen dieses KlosterB genommen werden
Inhalt der angeblichen Acten der Synode machen
dächtig*), welche das Datum des 25. Jnni der Aera
im Jahre 1024 war lianimir noch nicht Herrscher tc
genannten Bischöfe Pontius von Oviedo und Julianus
lebten vor der Zeit des Könige Ranimir. Es schei
ungeschickte Copie des BeschluBses der Synode t
Jahre 102.^ vorliege, dass die Bischöfe Famplona's t
Leyre gewählt werden sollen.
Im Jahre 1063 berief König Uamiro, mit sei
eine Synode von 9 Bischöfen an den Ort, der „von
Jacca genannt wurde". Alte kirchliche Bestimmung
ncnert, besonders aber das Bisthum Huesca, das '
angegriffen nnd zerstört worden, an dem Orte Jacca
(da die bisherigen Bischöfe von Aragon Wander-
Der König und sein Sohn schenken dem Bisthnm d
mit allen seinen Gütern, das Kloster Lierdi mit sein
das Kloster Sicbcnquellen, das Kloster Sirasia, d
und das Kloster S. Maiia; ferner alle Kirchen, die
Synode von Jacca, 1063. 421
1 in Zukunft erstehen werden^ yom Ursprünge des Flusses Cinga ^), Bisthum
in das Thal Luparia, soweit vordem das Bisthum Osca rcichtej ^^^
in in der Richtung von Südost nach Westen bis zn dem Orte, der
WIM major heisst, dann wieder nördlich zu den Pyrenäen, eingeschlos-
I das Thal Orsela, und das ganze Pintanum mit den Pfarrkirchen
I Hlera, Pena, Sos, Lopera, Uno castello, Susia, Librana, Eliseo,
iteQo-manco, Aguero und Moriello.
Prozesse der Geistlichen sollen nur von dem Bischof und seinen Synode
oiiidiakonen entschieden werden. Ranimir schenkt Gott und dem ^"^^^
ligen Fischer (piscatori, i. e. Petrus) allen Zehenten, den er bisher
\ Christen und Saracenen bezog, an Gold, Silber, Frucht, Wein und
derem. Von seinen eigenen Gütern verspricht er den Zehenten, so-
i von seinen Einkünften. Von Caesaraugusta aber und von Tudela
"ipricht er den dritten Theil seines Zehentens.
^Ich aber Sancho, Sohn des obgenannten Königs, gebe, entzündet
3 gottlicher Liebe, Gott und dem seligen Schlüsseltrager (Petrus)
i Hans, das ich in Jacca besitze, mit seinem ganzen Zubehör.^
Sollte einst das Haupt des Bisthums, Huesca, wieder erobert
vden, so sei Jacca ihm unterthan, und eins mit ihm. Diese Schenk-
isnrkunde ist ausgestellt im Jahre der Geburt Christi 1063, in der.
^ 1101, der dreizehnten Indiction. — Dass in der Urkunde das Jahr
liati Toransteht, wird vielleicht durch die Anwesenheit der französi-
en Bischöfe erklärt. Neben dem König, seinem Sohne Sanctius,
einem andern Sanctius, dem Bruder desselben, unterschrieben:
tindus, der Erzbichof von Aux (1055 — 1068), Guillermus, Bischof
TJrgel (1041—1075), Heraclius, Bischof von Bigorra (Tarbes, 1056—
l), Stephanus, Bischof von Oleron (1060 — 1063), Gamesanus, Bi-
tf von Calahorra (1050 — 1063), Joannes, Bischof von Ley(u)re
K) — 1067), welcher im Jahre 1067 abdankte, und sich nach Clugny
ifskzog; Sanctius , Bischof von Jacca und der Bischof Patemus von
ii^ossa; endlich Amulphus, Bischof von Roda (Lerida). Vclasco
t als Abt des Klosters vom heiligen Joannes (von Pena), Banzo
Abt des EJosters zum heiligen Andreas , Garusus, Abt von Asino ').
Der Bischof Patemus von Saragossa wird hier zum letzten Mal
Uuit. Mit Erlaubniss seines Klerus schenkte er dem Bisthum Jacca
Kloster und die Kirche S. Engracia in Saragossa^). — Gleichzeitig
cle die Weihe der Kirche von Jacca vollzogen*). — Julianas,
') entspringt nordöstlich von Jacca in den Pyrenäen.
«) Aguirre- Catalani , IV, 422-^424. — Harduin, VI, 1136-^1138. —
tm, XIX, 930''934, - Tqjada y Rcmiro, III, 118-121.
•) K.-G. I, 329. — Florez-Eisco, t 30, 222.
^ Morety Investigaciones, l. 2, cp. II, p. 494.
n
''Jahr 919 zorück*). Im Jahre 919 war oder wti
GandeDÜOB war Äbt im Jahre 970. Manina war .
Damals war das Kloster des beiligea Sebastiso von
and konnte kaom drei Mönche nnterhalten. Üute
fromme Licinian Gott in DemtiÜi, Fasten and Gebt
von guten Werken. Damals war der Mönch Donü
naob Bargos gekommen, fliehend vor dem Könige i
Ferdinand übergab ihm im Jahre 1041 die Leitan
Silos. So viele nnd grosse Wander vollbrachte e:
dem Tode, dass das Kloster den alten Namen S
and den neuen San Domingo de Silos erhielt, wie
im Jahre 1076 nennt Im Rafe der Heiligkeit t
20. December 1073. Schon im Jahre 1076 erhob i
tnnins den Leib des Heiligen und Übertrag ihn, in
Prälaten, in die Kirche. Damals lebte im Kloster
dos, welcher das älteste Leben des Heiligen schiii
Im Jahre 1071 wnrde zuerst im Kloster Si
der römische lUtns statt des mozarabischen eingefi
über die Eiofühnuig der römiechen Litai^e in ,
früher gdiondelt').
■) T^ea, l. c V, 338. — MabiOon, Afmaha, ad
Acta Sanctonm 0. 8. B., 8. VI, P. 11, p. 104—107. -
—178. Nach Mabüloa Ist er Im Jahre 1057, nach FJort
Yieente d« la Fueate im Jahre 1071 gestorben.
Die Bereogaere. 423
§. 4. Catalonien.
Die frohere spanische Mark bestand ans den vier Bisthümern Bar-
a, Vieh, Gerona nnd Urgel, und den Grafschaften Barcelona,
na, Besalü, Ampurias, Lampnrdan, Urgel, Cerdagna, Pallas, Au-
^ mit der Hanptstadt Barcelona*). Diese Grafen, anch Herzoge
Barcelona genannt, waren zugleich Grafen der spanischen Mark
Herzoge von Septimanien. Seit 865 war Septimanien von der
icdiaft Barcelona getrennt Wifred ist der erste uns bekannte
^be Graf von Barcelona. Nachdem er das Land von den Mauren
it, gründete er das Kloster Ripoll (vor 880), in welchem er be-
sn wurde (907)*). Sein Sohn Wifred 11. starb 914 kinderlos, und
Igte ihm in der Markgrafschaft sein Bruder Miro (f 929), diesem
Sohn Seniofred (929—967). Borrel (977—993) hinterliess seinem
e Kamen die Gra&chaft (f 1017).
Mit dessen Sohne Bamon Berenguer I. tritt die Dynastie der
Qgaere ein. Er regierte von 1017 — 1076. Im Jahre 1053 ging
ne zweite Ehe mit der Gräfin Almodis ein, welche in den von
erhaltenen Urkunden stets neben ihm, und wie eine Mitregentin
leint. Sie erbauten mit dem Bischöfe Guilabert die neue Käthe-
t, die am 18. November 1058 eingeweiht wurde ^). Im Jahre 1070
leint Ramon Berenguer als Graf von Carcassone und Rasez. Von
(elben wurden die Landesgesetze, welche Usages (UsaHci Bar cht-
ises) heissen, festgestellt und verkündet. Ein Chronist berichtet,
zwölf maurische Emire ihm Tribut entrichteten. Aber in seinen
in Jahren ging er, verlockt durch Gold, Bündnisse mit den Mau-
iin, und er führte Christen gegen Christen in den Kampf. Er
am 27. Mai 1076. Seine Sohne Berenguer Ramon und Ramon
dguer n. stritten um das Erbe. Letzterer, der jüngere, fiel durch
lerhand 1082. Der ältere Bruder starb auf einer Wallfahrt nach
Alem 1092. Ramon Berengar III. folgte. Er erweiterte durch Bamon
k und Klugheit die Grenzen seines Landes. Im Jahre 1112 nannte b<'i^><^'
ch ^von Gottes Gnaden Markgraf von Barcelona und von Spanien, ^^
von Besalü und Provence^). — Im Jahre 1114 nahm er die Insel
ein. Im Jahre 1115 fiel Majorca vorübergehend in die Hand der
}ten; 30,000 Christensclaven wurden an einem Tage befreit. Ramon
en, der Bischof von Barcelona, fiel in diesem Kampfe.
») Marca Hispanica, p. 253. Pertz, Man. Germ., lU. 198.
•) Marc. Hisp. p. 817, nr. 45. — ViUanueva, Viage liter., 8, 209.
*) Acta dedicai. ap. Marca, App. p. 1113, nr. 248.
*) Marca Hisp. p. 1247. Histoire de Languedoc, II, 368.
Aroustus, der Erzbischof vod Narbonne (896 — 911— 913) i
seine Nachfolger bis zum Jahre 971 erschemcn aia Metropoliw i
iiiibam spanischen Maik. Das Bisthum Vieh war iiu Jahre 883 dank i
Tioji (jrafen Wifred wieder hergestellt worden. Thcodard, Vorgiagii
m" Arnustus, hatte den Godmar als Bischof von Vieh ordinirt (S8W«i
and verlangt, dass er und seine Nachfolger jährlich der Kirdie
Narbonne ein Pfund Silber entrichteten. Arnost verlangte die« Gril
von Idalcarius, dem Nachfolger des Godmar. Er versunm^
synoiie Jahre 906 (al. 907) eine Synode zu Barcelona, welcher dii
'" »"^Servus Dei von Gerona (896—887—906), Renaud (Renardos) tm
»09. ziers, Nantigisus von Urgel, Idalcarius von Vieh, Tendericos raoi
celona und Adolf von Pallares anwohnten. Auoh Graf Wifrd
zugegen. Hier beschwerte sich der Bischof von Vit;h über des
I auferlegten Tribut'). Da die Bischöfe ihm beistimmten, ao avi
Amust, dass hier keine vollständige Synode tage, welcher
12 Prälaten anwohnen müssten. Im folgenden Jahre nun (901), b«
ten die Acten, fand wirklich eine Synode in dem Klostor d« W
Tiberius im Gebiete von Agde statt, der neun Bischöfe aowoU
Alle beschlossen, dass eine bischöfliche Kirche nicht zinsbar ga
werden könne. Darnach liess Arnustus seine Forderung Mka
erklärte, dass die Kirche von Vidi liir alle Zeit nnbelüttigt \k
solle. Unterschrieben sind die (9) Bischöfe und der Kleriker Sh.
nus, der „diesen Decret"^ der heiligen Kirche von AuaoM iiw*
und unterschrieb an dem Tage und Jahre wie oben*). In der Vdu-
schrift fehlen die Bischöfe von Barcelona, Vieh und Nismes. Disf»»
die Bischöfe von Toulouse und Uzes gefehlt haben, wie Tej»d» ap>
finden wir ganz begreillich; sie gehörten ja nicht zu der Kiniaq'f
vinz, wie sie damals bestand.
Im Jahre 911 fand die Synode von Fuen-Cubierta in der Köo«
Narbonne statt, unter dem Vorsize des Metropoliten Amoatas, "ü(w
BkiitiDm 10 Bischöfe imd ein Vertreter des Bischofs von Vieh anwohoten. S*
^'«^ tigisus, Bischof von Urgel, führte hier Klage, dass vor 23 J»li«
tara. Adulfus einen Thcil der Diöcese Urgel, die Grafschaft Pallas (P»ll«ö^
') Aguirre-Catalani, 4, 369.
') Gegen Masdeu, welcher die Aechlheit dieser Synode bestritt (fli*'"
critica, XV, 224), verthoidigle dieselbe siegreich VÜlanaeva (VI, 12Sl. W
Baluze (Miscellan. VII, 51) und Flor^ {28, 248) theilt er ein» b(*
Teit der Synode mit (VI, 262—266).
*) huHc decretum.
') aber oben atelit kein Tag, und dos Jahr ist nicht besümmt Via^^
Fuente, II, 69. Tyada y Eamiro, III, 53—53. Wir wollen die Aeditbeil ä*
beiden Synoden nicht beetreiten, aber der Cloriker Stephanae, der ,dM IW
schrieb, scbeint uns etwas aus Eigenem hinzugethan an haben.
Sjmode von Fontana 947 (?). — Erzbisthum Ansona. 425
sich gerissen, und sich nun als „Palliarensischer Bischofs gerire.
vorher habe es einen von Urgel getrennten Bischof von Pallares
eben. Dieses Gebiet fiel vrieder an Urgel zurück, bis zum Jahre 957,
welchem ein Bischof von Roda eingesezt wurde, dessen Siz später
Barbastro, von hier auf Lerida überging ^).
Im Jahre 947 soll eine Synode zu Fontana bei Elna stattgefunden
en, in der die vom Papst verhängte Absezung der Bischöfe von
^ ("und Gerona) vollzogen werden sollte. Die beiden Bischöfe
-^en aber unmittelbar nachher in ihre Würden wieder eingesezt.
Der vnirde festgestellt, dass nach dem Erzbischofe von Narbonne
Bischof von Elna den Vorsiz sowohl bei den Concilien als bei
linationen der Bischöfe haben solle. Acten der Synode sind nicht
üanden *).
Bischof von Urgel war damals Wisadus (942 — 978) , von Gerona wina-
anar (943—951). Wisadus schenkte am 13. April 947 dem Kloster ^^f^!
heiligen Petrus von Roda die Kirche von Ulceja in der Grafschaft urgeu
-dagna^. — Im Jahre 951 erhielt er von Papst Agapet II. eine
le der Bestätigung der Güter seiner Kirche^). Bischof Gotmar von
't)na weihte am 16. October des Jahres 947 die Kirche des Schlosses
cstres^). „Da es aber sicher ist,^ sagt Antol. Merino, ^dass diese
len Bischöfe im Jahre 947 Kirchen eingeweiht und Schenkungen
nacht, so sehe ich nicht ein, welchen Grund die Behauptung haben
Ji, sie seien in der Synode von Fontana abgesezt worden^ ^).
Um das Jahr 962 widersprachen die Bischöfe Arnulf von Gerona Metro-
L der erwähnte Wisadus von Urgel den Ansprüchen des Abtes p^^
Bsarins auf das Erzbisthum Tarraco. Die Abhängigkeit der Bischöfe der
nischen Mark von dem Metropoliten von Narbonne schien aber doch
bt mehr im Interesse und in den Wünschen der Bischöfe von Cata-
ien zu liegen. Da Tarraco nicht wieder hergestellt war, sollten sie
1 unter einen provisorischen Metropoliten in dem eigenen Lande
Jen, und dieser war der jeweilige Bischof von Vieh. Fast drei Jahrhun-
te hatten sich die Kirchen von Gatalonien freiwillig unter den Metro- Enbis-
iten von Narbonne gestellt, und Nichts war vernünftiger und natürlicher *•»«"
dieses. Denn politisch gehörten sie zu dem Frankenreich. Narbonne bonne.
') Tefada, III, 53. - Villawueva, Z, 88. Ada hujus Synodi, X, ap-
dies 14.
«) ÄguirreCatalani, IV, 380.
*) Marca Hispan., p. 391 und append. nr. 82.
*) Ibid. nr. 88.
*) Ibid, p. 860. — Esp. sagr.f t 43, append. 18.
^ Esp. sagr., t. 43, p. 128. Selbst Marca meint, die Synode sei im In-
«se der Ansprüche von Elna erdichtet Marca Hisp., p. 369.
I
lag ihnen politisch und räumlich näher, als Toledo, onter dem tk nie
gestanden waren, and der ferne Bischof von Lugo konnte nicBl äa
Mcti'opolit sein. — Wollten sie ja auch im Jahre 962 Nicht» von mna
in Astorieu geweihten Metropoliten wissen. Der politische and kircl»-
liehe Schwerpunkt Cataloniens lag seit Gründung der spanixchra Hiui
im Frankenreiühe. Daher nahmen aoch die 4 Bisthümer der MaH
die Regel der Kanoniker, d. h. die von Chrodegang in Metz und »jitf
in Aachen 816 festgestellte Lebensweise der Kanoniker an den Kiiic
dralen an. Im Jahre 9ö7 bestand diese „vita canomca" za Barcdou
Dieselbe Ordnung bestand auch zu Vieh im Jahre 957. Die Zeil te
Einfuhrung lässt sich aber nicht ermitteln. ')
j. Atto erscheint als Bischof von Vieh seit dem September dl
1 Jahres 957. Er war im Jahre 945 schon Kanoniker in Vieh ffsmm,
und hatte die Urkunde der Herstellung des Klosters der hetligai U-
cilia auf Montserrat unterzeichnet. Florez nennt ihn Lehrer des VifSä
Sylvester II. (Gerbert von Kheims , der in Spanien studirt halte).
Florez beweist durch drei Bullen des Papstes Joannen XDL
(9G5 — 972) die Erhebung des Bisthums Vieh zur Metropole*), Ii
Januar 971 schrieb der Papst an die Bischöfe von Gallien, udco 9
also die spanische Mark zu Gallien rechnet, dass Graf Borell aiuAt'
dacht die Gräber der Apostel besucht und sich dem Papst zn F^m
geworfen habe, bittend, er möge das Erzbisthum Tarraco dem BiülkW
Ausoua unterwerfen, d.i. mit ihm verbinden, weil es jezt nicht mc^
sei, Tairaco herzustellen. Darum beschliesst jezt der Papst, dBäsdff
Bischof von Ansona die Gewalt und den Primat der Kirche von I*'
raco haben solle, welcher hinfort die neuen Bischöfe zu ordiniren b*
nachdem er selbst vom Papste bestätigt worden sei, Otho (Ado) ™
Vieh wird zum Erzbischof ernannt, und keiner der folgenden IV
dürfe ihn in dieser seiner Würde beunruhigen^). Dem ältesten Bisn*
der Provinz, dem ehrwürdigen Wisad, dem Petrus von BarcelM*
(962—972), und dem Bischöfe Soniarius von Elna (968—977) «to*
er, dass er dem Erzbischof Atto das Pallium gegeben, dass m Ü*
als ihrem Metropoliten gehorchen sollen, der ihre Nachfolger m «»'■
niren und zu weihen habe^).
1
i
') Villamieva, VI, 37, i23, 139.
') Florez, 28, 92-100. — Vülanueva, VI, 152—156. - Chrom-K» l»"
dimense ad tmn. 983. (Oerbertas) Haüani cuidavi Epiacopo troditu*
inslifuendus.
') Diago, Historia de loa Condea de Barcelona, B. 1603, f.. p. '' '
Pujiiden, Oronica — dtl principato de Catalom, Bare. 1829, 4'. (./-*>•'*
174. — Marlene et Durand, Veter. Script. — amplUa. Coüeclio, (- !-■• "
1724. 1, 323. — Mami, XVIII, 489. — Florez, 25, 102.
*, Pujadea, VII, 174. - Florez, 28, 96.
Erzbisüiam Vieh. 427
Der Inhalt des zweiten Briefes scheint eine directe Wideriegung
angeblichen Synode von 947 zu sein. An den Bischof von Gerona
dieser Brief nicht gerichtet, weil Bischof Arnulf im April 970 ge-
rben war. Vielmehr schreibt der Papst wohl in demselben Jahre
n |,rQhmreichsten^ Grafen von Barcelona(?)*), der neugewählte Bi-
lof von Gerona sei nicht in dem Dienste der Kirche auferzogen;
verwerfe darum die Wahl dieses schon geweihten Neophyten, der
n Volke nicht erwählt worden sei, und bestelle den Erzbbchof Atto
Q Verweser und Verwalter des Bisthums Gerona').
Den drei von Florez mitgetheilten Briefen des Papstes Joannes XIII.
J. Villanueva zwei weitere beigefugt Den einen fand er im bischöf-
len Archiv zu Vieh. Er ist gerichtet an den Bischof Suniarius von
la, an seinen Vater Gaucefred, Grafen von Boussillon, an den Erz-
kon und Klerus von Gerona, leztere mögen den Atto als Metropo-
n und als den Verwalter ihres Bisthums anerkennen. Damals aber
te Gerona schon seinen Bischof Miro. Der Brief datirt vom Ja-
ir 971. Der zweite (oder fanfte) Brief ist gerichtet an Atto selbst,
1 er seinen „geliebten Sohn^ nennt, dem er das Pallium verleiht,
I er an den Festen von Weihnachten, Erscheinung Christi, Ostern
3 Christi Himmelfahrt, an Pfingsten, am Feste der Apostel (Petrus
i Paulus), der Geburt und Himmelfahrt Maria, bei der Weihe der
ichofe und am Feste der Earchweihe (des heiligen Petrus von Vieh)
sranchen därfe^ und ist gleichfalls vom Januar 971^.
Florez meint, in Bischof Atto sei in Folge der Bemühungen des
»tes Cäsarius, dessen Kloster Montserrat im Bisthum Vieh lag^ der
Dusch entstanden, selbst Erzbischof zu werden, er habe den Grafen
rell für diese Idee gewonnen und er sei mit ihm im Jahre 970 nach
m gereist*). Vielleicht findet diese Hypothese darin einige Bekräf-
^ngj dass der Papst in dem Briefe an ihn nicht, wie sonst, sagt:
be, wir senden dir das Pallium^ sondern: wir geben es Dir. — Die
Vorragenden Eigenschaften des Atto aber schienen ihn wohl einer
^hen Auszeichnung würdig zu machen. Seine Würde aber konnte
lücht lange führen. Denn er starb schon am 22. August des
') gerade an dieser Stelle, wo der Name stehen sollte, ist eine Lücke.
») proüisarem et gvbematorem ipsi ecdesiae in omnibiM praeesse canstitui-
h Florez, t 28, 99, 252—253.
•) PcUlewn fratemitati tuae ex more ad missanmi solemnia celebranda
Hw. Villanueva, VI, 165, appendices 17 und 18, (Diese zwei Briefe sind in
Aegesta Pontif. E. von Jaff^ noch nicht angeführt.)
♦) Eap. sagr., 28, 97. — In der That heisst es in dem Chroniccn Virdunense
f^b^, Biblioth. M. 8. 1, 157): PraedUdo duce cum epitcopo Ramam eunte,
^ (Oerbertus) cum eis profectus est.
.4S8 Zehntes Buch. Dritte« Ka|)ltel.
Jahres 971. Auf ßeinea Nachfolger Fruyaii koDotc er sein Aoil, niiil
aber seine Eigeoschaflen übertragen. lu Narbonne war der ansgEsaeli-
nctc Eisuhoi' Aimeric (927 — 977), welcher nach wie vor die Jmh^
tion als Metropolit in Catalonien austibte, während Bischof Fnja
sich nicht Erzbiscbof nannte.
ü- Noch lebte auch im Jahre 971 der Abt Cäearias von MoDteerm
' Wieder wandte er sich bittend nach Korn. Weil er diessiuals G«r»
geres verlangte, wurde er erhört. Bencdictna VI, gewährte ihm lai
seinem Kloster Bestätigung und Exemtion von dem Diöcesanbiselinfc'^
~ CäBarius war erster Abt und Gründer dieses Klosters seil 9^5,
welches die Regel des heiligen Benedict aunahm. VillanueT» betnA
tet es als sicher, dafis derselbe Cäsarius sich Krzbischof nannte, meiil
aber vor dem Jahre 945 (um 938), weil es in einer Inschrift hoast,
er war zuerst Erzbiscbof, dann Abt. Allein die oben genanntoi Bi-
schöfe in Asturien und in Catalonien lebten nicht im Jahre 938, son-
dern 961 — 962. Sodann war Cäsarius nach dem Jahre 962 owi
20 Jahre Abt auf Montserrat; denn erst 980 oder später starb er, »tw
er begnügte sich nicht mit dem Titel eines Abtes, und hörte nidit td,
sich Erzbischof zu nennen. Nach den von Villanueva beig^bndiiB
Zeugnissen heisst er 959 Abt oder Erzbischof, 973 heisst er EabisW
und Abt der heiligen Cäcilia, im Jahre 978 heisst er von bG"*"
Gnaden Herr Erzbiachof Cäsarius." Endlich am 2. Februar 980 note-
zeichnet er: „Cäsarius, der ich wegen Krankheit des Leibes niifc
schreiben kann, und nur mit meinem Finger unterzeichne"*). Im Ar
gesiebt des Todes also hört er auf, sich Erzbischof zu nennen. Bio
macht nur das Jalu- 959 Bedenken. Allein nach den verschieda»
Jahres- und Zeitrechnungen kann 959 auch mit dem Jahre 960 n-
sammenfallen ; Cäsarius kann zu Compostella geweiht sein, seiDenBria
nach Kom aber erst um 962 geschrieben haben. Im Jahre 957 vis ö-
auch nach Villanueva, noch nicht Erzbischof, wurde es aber im
Jahre 958. Die Differenz zwischen ihm und Florez ist also anbe-
deutend ^.
Montserrat lag und liegt heute noch im Gebiete des BistbnK
Vieh. lü demselben Bistbum liegt das berühmte Kloster Santa M»"»
') Marca Ilisp. app. nr. 111. Das Datum ist nicht richtig. Bonedi«^
war ioi Deceniber Ü7I noch nicht Papst. Marca fand das ActeDStQck nnr in ä«
Archiv von Hontacrrat.
') Caesarius qui propter egritudinem corporis tum possmn scribtrt, rf*
gilo firvto.
') ViUamieva, VII, 157—170. — Die Exemüousbnlio des Kloslc" •«
Dticember U7I sciicint erdichtet zu sein. Marca, append. nr. ///. Jedeoftlh »«
Benedict VI damnlB noch nicht Papst,
Bisthum und Kirche von ürgel. 429
von Ripoll, nördlich von Ausona. Es erscheint im Jahre 888 aus Kioit«r
Anlass der Einweihung seiner Kirche, und vorher schon im Jahre 880 '). ^*'*^*^
Der vierte bekannte Abt Arnulf war später Bischof von Gerona (954 —
970), er blieb aber dennoch Abt von Ripoll. Unter dem fünften Abte
Widisclus wurde am 17. November 977 die Kirche von Kipoll zum
dritten Male eingeweiht. Zugegen waren die Bischöfe Froya von Vieh,
Miro von Gerona; Wisadus II. von Urgel hatte einen Stellvertreter
gesandt. Denn in diesem Jahre war er wegen „der Reise zum heiligen
Petrus^, d. i. nach Rom, abwesend. In der Einweihungsurkunde stehen
aber noch die Bischöfe Suniarius von E21na, und Vivas (Vivens) von
Barcelona (974 — 995), welche das Kloster Ripoll in dem ungestörten
Besitz seiner Güter und Rechte bestätigen').
Der Bischof Wisadus IL von Urgel weihte noch am 30. Juli 978 Butham
eine Kirche zu Ehren des heiligen Jacobus. Damals hatte er wenig- ^''®''
stens 36 Jahre regiert, und wird hier zum lezten Male genannt Sein
Nachfolger Salla führte eine ebenso lange als thätige Regierung (981 —
1010). Im Jahre 991 hielt er eine Synode mit dem Bischof Vivas
von Barcelona und dem Bischöfe Aymerich von Ribagorza (auch Roda,
Barbastro, später Lerida), mit den Elanonikern, Priestern und Mönchen
von Urgel. Salla excommunicirte, d. i. belegte mit dem Interdicte „das
ganze Bisthum von Cerdagna und Bcrga, d. i. die Grafschaften dieses
Namens, welche zum Bisthum von Urgel gehorten. Einige Uebelthäter
hatten, gestüzt auf die Auetoritat der Gräfin Ermengardis von Cerdana
und ihrer Söhne, sich der Pfarreien und Kirchen bemächtigt, und wei-
gerten sich, dem Bischöfe den schuldigen Tribut zu bezahlen. Die
Gräfin aber und ihre Söhne nahm Salla von der Excommunication aus,
schloss dagegen aus ihre Räthe und Diener, Amaldus, Radulfus und
alle ihre Gehilfen. Umlaufsschreiben ergingen an alle Bischöfe, damit
sie den Urtheilsspruch bestätigen und vollziehen helfen^). Um diese
Zeit schon war es im Plane, dass sein Neffe Ermengol dem Bischöfe
Salla nachfolgen sollte, was erst 19 Jahre später geschah.
Im Mai des Jahres 1001 erliess Papst Sylvester IL auf Bitten
des Bischofs Salla eine Bulle der Bestätigung der Besizungen der
') monasterium RivipuUense. — Marca Hispan. append, nr. 45.
*) Marca, append, nr. 123. Fruya, der sich Frngifer nennt, und Miro liahcn
die Kirche eingeweiht. — ViÜanueva, VIII, p. 2—60,
*) universis epücopis circumquaque ubique commanentibus per quadrifida
dimata cosmu — Marca Hispanica, p, 415, — Aguirre - Catalani , IV,
384-385. — T^ada y Ramiro, III, 57 -58. - J. Villanueva, X, 117-118,
et appendice, nr. 22 et 23 (ex) autogr. in archiv. eccl. ürgell. Schon vorher
hatte Balme in: Capitvlaria regum Francorum (2 vol., Par. 1780, p. 675) die
Ewoi Urkunden, die erste die Excommunication, die zweite das Kundschreiben an
die Bischöfe mitgetheilt.
430
Zehntes Buch. Dritt«« Knpitel
Kircbo von Uigel'). YillanueTa berichtet, dasa Salla, am d
XU erbalten, nach der Gewohnheit der Bischöfe jener Zeit, si
Rom gereist. In Itom sei er mit dem Crrat'en Grmengol I. <
gewesen, znm Zwecke, die Vereinigung der beiden Klöster S
von Codinct iind S, Andreas von Tresponts durcbzusezeo *).
PiT Bischof Miro von Gerona wird erwähnt in den Jj
bis 98!, ohne dass vnt wüseten, ob er derjenige war, den Pa
nea XIII. fiir nicht würdig eines solchen Amtes erklärte*). ]
icheint, aber erst im Jahre 985, Bischof Gundemar (Goli
'. bis zum Jahre 993, vom Jahre 995 an Odo (Otto) bis zam J«
— Er erlangte im December 1002 von Papst Sylvester etni
Bestätignng der Beeidungen seiner Kirche*). — Es ist m I
dass diess das erste Documcnt ist, in welchem eine Kirche voi
die Kirche des heiligen Felix und Narcissns heisst'). — Im JaJ
weihte Bbchof Odo die Kirche des Klosters zum heiligen Pe
Beealb ein. Der Bischof Fruya von Vicb hatte schon im Ja
25. Februar, vom Papste Benedict VII. eine Balle der Bea
der Güter seiner Kirche erlangt, welche er persönlich in Bo
gesucht hatte*). In der Zeit von 975 — 984 hatte sich ein
Giiadaldns als Bischof von Vicb eingedrängt, und halte noch im J
einen Anhang. Fruya starb im Jahre 992. Im Februar 993
iinlfiis Bischof, der den Erzbischof Ermengaod von Narbonw
WIÜ) ale seiueii Metiopoliten anerkannte, indem er sich von
Empfehlungsschreiben für seine Wallfahrt nach Jerusalem
len Hess').
Noch immer aber gerirte sich Guadaldns als Bischof von
Arnulf brachte seine Angelegenheit vor den Papst Gregor V.,
im Mai 998, in Gegenwart des Kaisers Otto III., eine Synode
') Marca Süpanica, Appmdix, nr. 149, p. 957. — Viilanytt
{1821), p. 119-120.
') Id einer Urkunde dei Qrafen von 1004 bebst es: Baec eo (Pn
dicente, una Titecum adstabat Salla presul cum suis cltrieis ( Villan. p. •
Romreiae Beider fallt wohl in das Jahr 1001. Im Juli 1002 vir iM
in Urgel.
') Im Jahre 9GS erscheint ein Graf Miro, wohl der Bisehof ron :■:■'
') Die Bulle beginnt gleichfalls mit: Desiderium — qtiod — Marta,
nr. ISO, p. 958.
') Marca, p. 418. — Villanveva, XIII, 87. Narcisti, q<tt^ "
portam civitatis Oerundae. Et ecdesiam Sanctae Mariae, qua» dinai
palem Imdgo Lebtsbal), wahrend die Kathedrale voo Urgel S«>, ilie ponuj*
Cathedraleo So {Sedes) heiaaen. Esp. sagr. t. 43, p. 145. — Appt»d. L'i.
•) Fbrrez, 28, 254. — ViUanueva, VI, app. 19, p. 280.
') ViUanueva, VI, 166, Append. nr. 21, p. 282 {vom Jik« li>*)
£
I)
Bistham Vieh, 971—1002. 431
hielt. In der am 9. Mai aDSgestellten Urkunde des Papstes ist gesagt,
dass Ermengold, Sohn des Markgrafen Borrel, zugegen war mit seinen
Optimaten und Klerikern, dem Bischöfe Amulph, „mit Guadald, dem
herbeigerufenen Bischofs '), welche vor der Synode sich über den Besiz
des Bisthums Ausona stritten. Guadald versicherte, dass Amulph ihn
mit Gewalt und Unrecht seines Bisthums beraubt habe. Amulph er-
widerte, er sei von dem eigenen Metropoliten von Narbonne, unter
dem das BlSthom stehe '), consecrirt worden. Guadaldus soll zu Leb-
zeiten des Bischofs Fruya von einem andern gallischen Erzbischof Oddo
(wohl dem von Auch) geweiht, von dem Papste Joannes XY. in einer
Versammlung von Bischofen (worüber die Acten fehlen) mit dem Ana-
them belegt worden sein, auf Klagen des Bischofs Fruya, den Guadaldus
mit seinem Bruder, einem nahen Verwandten und mehreren Andern habe
ermorden lassen. Ermengaud und die übrigen Spanier bestätigten diese
Aussagen, namentlich dass Bischof Fruya unschuldig von Guadaldus
ermordet worden^). Guadaldus gestand, dass er das Bisthum zu Leb-
zeiten Fruya's an sich gerissen, von einem fremden Metropoliten ge-
weiht worden, und einen Aufstand erregt habe, in welchem Fruya von
den Seinigen sei ermordet worden. Guadaldus wurde abgesezt. Bene-
dict, der Archidiakon, und Rotber, der Oblationarius, zogen ihm den
Bing ab von seiner rechten Hand, zerbrachen den Hirtenstab über
seinem Haupte, zerrissen die Dalmatica^ und ihn aus der Ordnung des
Pontificates schaffend, machten sie ihn zur Erde niedersizen. Dagegen
erhielt Arnulph den Ring und Stab, und damit das ganze Bisthum •
Ausona. Die Urkunde trägt unter Anderm die Unterschrift des Kaisers
Otto UI^). Guadaldus, der Eindringling, lebte noch viele Jahre.
Im Juli des Jahres 1002 wurde ein Congress zu Ausona gehalten, ^^g^^^f
dem der Erzbischof Ermengauld von Narbonne, die Bischöfe Sal(l)a Amaiph
▼on Urgel, Eizus (oder Aetius) von Barcelona, Bischof Amulph^), die ^^
Grafen Ramon Boreil von Barcelona nebst Gemahlin Ei-mesindis^), sein
Bruder, Graf Ermengol von Urgel, zudem andere Yisconden und Edle
anwohnten. Vor ihnen beklagte sich Siugfred, Abt von Ripoll, über die
Entreissung seines Castrnm Camba. Es wurde befohlen, dass es ihm
') GhuUdaldo, advocato episcopo.
*) cuius Dioecesis fore debet,
*) Pruianum a praefato Oualdaldo tnnocerUer occisum a suis, wahrschein-
Jich den Lenten des Guadaldus.
*) Baluz. MisceUanea, t. II, 117, t VII, p. 62. - Atansi, Z/Z, 227. —
J^orez, 28, 257-261. — Vülanueva, VI, 158 sq.
*) Er heisst: in omni studio phüosophiae plenissime eruditus,
*) Sie heisst : Venustissima efus uxor magnificeque nominanda Ermesinda
438 ZabBtaBoelu Drittat KapitaL
■
suruckgestellt werde '). — Auch Bischof Salla voo Uigd erii
die Anerkeimaiig semes BeeiarechteB auf das Gastmni Kmalt
Aniidf woUte im Jahre 1005 eine Wallfiüiri nadi FaE
treten, fiut 100 Jahre vor dem Anfimg der Ej-eossoge. Neoer
ungen haben aber nachgewiesen, daas beaonders im eilften Ja
die Zahl der Beisenden in das heilige Land ansserardentliofa gr
Dacn stellte ihm der BrEbischof Brmengaiüd Ton Narboime d
^' pass (liiierae f&rmaim) ans* Dieses Docnment ist aehr widi
es einsig in dieser Art ist Bs ist sdir schwer ▼erstandlic
haben, heisst es, alle Bischöfe unserer Diocese berufen, nnd
fragt, was wir thnn sollen. Denn ein Bischof dsurf nicht li
drei Wochen abwesend sein nach den heüigen Canones; aber
ist entstanden in der heiligen Eirche, dass die Bisoliöfe bis
Gräbern der heiligen Apostel Petms nnd Paulas walUahrtetei
nach gestatten wir auch dem Amnlfdi die Beise in das heilig
Er habe den Beisepass auch den Griechen ▼erstiuidlidi (ons
nnverstandlich) geschrieben *)•
Da Amnlf mehrere Jahre nicht erwähnt wird, aofaeint er
die Beise nach Palastina gemacht xn haben. Sein Namen \
wieder im Jahre 1009 gttiannt Im Jahre 1009. war an Barcel
Versammlang von Bischofen nnd Grossen. Zagegen waren C
mand mit seiner Gemahlin Ermesinda, sein Brnder Eärmeni
[ Urgel and OnnS Bemard von Besalü, die Bischöfe Aetins voi
« lona, Amnlf von Vieh, Odo von Gtorona, Salla von Uigel ni
Die Ka- You Elna. Man verhandelte aber die Wiederherstellung der ^
L nonikar^g^ Kanoniker, welche in der Zeit Carls des Elahlen erbaut w
I < T. Bar- ,
eeiona. reicher Elaufinann, Robert, war nach Barcelona gekommen, m
dem Canonicus Bonucio überlassen, über sein Vermögen za
■ seiner Seele zu verfugen. Bonucio sammt den Kanonikern Ih
das Geld für die Wiederherstellung der „Canonica^ (der Wohl
Kanoniker) zu verwenden. Der Graf und die Grafin, sowie der
billigten nicht bloss diese Verwendung, sondern jene gaben d:
Summe Goldes, und verlangten, dass die Kanomker unter sie
Abt und Propst wählten, welche dem Ganzen vorstanden. Am
1009 bestätigten die Bischöfe das Vorstehende. Andere d
k
*) VüUaiueoa, VI, 165, append. 20, p. 281.
*) Wil, Jufüanann^ de peregrinationibtis et eacpeditümibus 9ac\
synodum Claromontanam. VratUlav,, 1859,
*) Weder Florez noch Villanueva hat die mystischen Zahlen und Ba«
des Briefes verstanden. Das Datom ist vom 8. Man 1005. — Flora, 2
261^263. — ViUamkeva, VI, 166, append. 21, p. 282-^285.
Feldzag gegen die Manren, 1010. Bistfaiim Gerona. 433
ichenke traten hinza. Die Kirche der heiligen Maria am Meere sollte
Kirche der Kanoniker sein^).
Das Jahr 1010 war für die obenerwähnten 5 Bischöfe verhäng-
i¥oll. Nnr Oliva von E21na überlebte dasselbe. Der Graf Ramon
Bmahm einen Feldzng gegen die Manren von Corduba, die er in
»n eigenen Lande angreifen wollte, wie sie selbst stets neue Ein-
e in seinem Lande machten. Ihn begleiteten mehrere Grafen; ferner
Bischöfe Aecius von Barcelona, Odo von Gerona und Arnulf von
li. In der Schlacht selbst bei Corduba fielen die Bischöfe von Bar- sehiacht
»na und Gerona. Ueber den Tag der Schlacht widerstreiten sich^^coi^-
Angaben. Eine Grabschrift auf den Bischof von Gerona sagt^ er ^o^o.
am 1« September 1010 umgekommen. Aber auch der Bischof Ar-
E von Vieh wurde tödtlich verwundet, kehrte aber nach Ausona
nck, machte sein Testament am 29. Juli, und starb wenige Tage
Uier am 1. August lOlO. Antol. Merino unterscheidet darum zwei
feiachten, die eine im December 1009 bei Cantiche, die zweite am
Juni 1010 bei Accavatalvacar. In der ersten waren nur Castilier,
der zweiten nur Catalanen'). Damach fielen die Bischöfe von Bar-
^na und Gerona am 21. Juni, sowie der Graf Ermengol, der Bischof
L Vieh starb in Folge seiner Wunden am 1. August 1010; der Bi-
^ von Urgel aber starb in Folge hohen Alters. Er wohnte der
«hl des neuen Bischofs von Vieh, Boreil, im August lOlO, an^).
■1 Tod erfolgte am 29. September 1010. Unverzüglich folgte ihm
a schon erwähnter Neffe, der heilige Ermengol, vorher Archidiakon.
lon im November dieses Jahres stellte S. Ermengold das kanonische
ben sammt der Wohnung der Kanoniker wieder her. Er hätte aber,
int Villanueva, ein so grossartiges Gebäude nicht in so kurzer Zeit
stellen können, wenn nicht der Bau unter Bischof Salla schon weit
{geschritten wäre.
Auf sein Ansuchen bestätigte Papst Benedict VIII. am 1. Decem-
.2 die Besizungen und Privilegien seines Bisthums^). — Der Bischof
arus Bodgarius von Gerona (1010 — 1050) führte die „Vita canonica*' synode
seiner Kirche wieder ein. Am 20. November 1019 versammelten *« ^^
h um ihn die Bischöfe Ermengold von Urgel, Deodatus von Barce- loie!
■a (1010 — 1029), Berengar II. von Elna, Adalbert von Carcassone,
to von Conserans, 7 Aebte, die Archidiakonen und Kanoniker der
') Marca Hisp. Äppend. nr. 169, p, 968—971. — Aguirre-Catalani, IV,
5. — Mansi, t. XIX, 1774, p. 295-298. — FUyrez, t 29, (2 edic. 1859),
210, — T^ada y Ramiro, III, 61.
*) In Esp. sagr., t 43, Madr, 1819, disertcunon sobre d dia y circunstan-
4de la hatdlla de C&rdova, en que muriö el OMspo Odon y otros, p. 147—169.
*) Marc. Hisp. append. nr. 171.
*) Marca, Ap. nr. 169, p. 992. — Villanueva, Z, 135.
Ctami, iptn. Klrebo. U. 2. 28
434 Zehntes Bach. Drittes KApitd.
Kirche von Gerona, die Grafin Wittwe Ermesinde and ihr Sohn Be-
renguer, und viele Kleriker. Sie beschlossen, dass für den Dienst Gott«
nnd seiner Mutter die ^Canonie^ (das Haus der Kanoniker) gebant und
reichlich ausgestattet werde. Der Bischof Petrus , die Grafin und ihr
Sohn wetteiferten in reichen Geschenken an das Hans der KanoDiker
mit vielen Andern^). — In diesem oder dem folgenden Jahre erbaute
auch der Bischof Berengar II. von Elna, der nur in diesen beidci
Jahren erwähnt wird, seine neue Kathedrale, und weihte in ihr dco
Hauptaltar zu Ehren der heiligen Eulalia« Am 5. October 1022 weihte
der Erzbischof Wifred von Narbonne (1019 — 1079) die neue Kirche
des Klosters des heiligen Petrus in Roda ^n^. Es waren zugegen
die Bischöfe Stephanus von Apt, Stephan IL von Agde, nnd Olin
von Vieh (1018—1046). Das Kloster sollte unmittelbar unter dem
romischen Stuhle stehen. — Im Jahre 1027 hielt Bischof Oliva mit
zwei andern eine Versammlung zu Vieh; Acten der Verhandlungen sind
GottM- nicht vorhanden. — In demselben Jahre wurde der .Gottesiiiede'
1097!' (^^^ Dei) auf der zu Tulujas bei Elna gehaltenen Synode in (^at»-
lonien eingeführt. Berengar III. von Elna war auf einer überseeischen
Wallfahrt begrüSen. Bischof Oliva von Elna führte den Vorsiz. Em
weiterer Bischof wird nicht genannt. Dagegen waren Herzoge nod
viele Laien, Manner und Frauen, anwesend. Der schon früher zwi-
schen Oliva und Berengar III. vereinbarte Gottesfiiede wurde bier
feierlich bestätigt. Niemand sollte vom Samstag Abends 9 Uhr bis
zur ersten Stunde des Montags Jemand angreifen, Jedej* sollte deo
Sonntag heilig halten. Andere Bestimmungen über Angriffe auf Kir-
chen und kirchliche Personen, über Verwandtschaftsgrade, UnauflGslicL-
keit der Ehe — schlössen sich an. Mit den Exeommunicirten düne
Niemand verkehren. — Diese Synode beschränkte einerseits die Zeit
des Gottesfriedens, anderseits dehnte sie denselben auf alle Personen.
die sich nicht vertheidigen können, Priester, Mönche und Fraueo, au:
das ganze Jahr aus^).
Ueber die Beschlüsse einer zu Ausona im Jahre 1029 gehaltenen
Versammlung von drei Bischöfen ist fast Nichts bekannt. Bischoi
Guadallus Domnucius von Barcelona (1029 — 1035), Nachfolger deji
Deodatus, gab das Schloss von Banyeres seinem Capitel als Lehen.
— Der Bischof Petrus von Gerona kam im Jahre 1030 nach Kom,
und da er sah^ welches Verlangen Papst Joannes XIX. trage, für die
') Marca, append. nr. 182, p. 1016—1019, — Esp. sag^r., t 43^ Apend.
nr, 28, p. 425-430, — Tejada, 61^65.
') Marca, p, 431, Appeiul, nr, 194, p, 1034, — Mansi, XIX, 407— 4u9.
— Aguirre-Catalani, IV, 390-391, — 'rejada, III, 77—79,
») narduin, VI, 841-842. — Mansi, XIX, 483. — AguirreCatalani
IV, 393-394. - Tejada, III, 82-84.
Gottesfriede. Kloster RipoU. Bisthnm Barcelona. 435
Befireiong spanischer Christensclaven aus der Hand der Mauren thätig Bischof
zn sein, so erklärte ihm Petrus, er wolle und könne für das Seelenheil ^^^'J*
' , ' . von Ge-
des Papstes (jährlich?) 30 Sclayen loskaufen, wenn der Papst ihm rou.
wenigstens 12 Male im Jahre das Becht, das Pallium zu tragen, ver-
leihe. Darauf ging der Papst ein, und bestimmte die 12 Tage im Jahre,
darunter das Fest des heiligen Saturninus, und bei einem in der Provinz
zu haltenden ConciP).
Am 15. Januar 1032 fand die vierte Einweihung der Kirche
B. M. V. des Klosters von RipoU statt, welche Oliva, Bischof von
Yich und Abt von Oliva, mit grosser Pracht hergestellt hatte. Neben
Oliva waren zugegen Berengar IV., Bischof von Elna (1032 — 1054), Gua-
dallus von Barcelona, Guifredus, Bischof von Carcassone (1031 — 1054)
und Amelius U. von Alby. Das für die Unversehrtheit der Besizungen
des Klosters erlassene Decret haben weiter unterzeichnet die Bischöfe Synode
Eriballus vonUrgel, welcher erst im Jahre 1036 als Bischof erscheint, ^J^^^
Bemardus von Conserans, Guilabertus von Barcelona, beide seit 1035, loss-
Petrus von Gerona, Arnaldus von Toulouse, Guifredus, „des heiligen
ersten Sizes^ von Narbonne, u. a.^) Der Bischof Gualtherus von Al-
bano bestätigt Alles ( — um 1096).
Im Jahre 1035 starb der Bischof Guadallus Domnucius von Bar- Biitham
celona; sein Nachfolger war Guislabertus (Guilibert), der durch den ,^^'
vielgenannten Erzbischof Guifredus von Narbonne am 21. September
1035 die Weihe erhielt. Das Andenken an die Metropole Vieh ist wie
erloschen. Es ist, wie wenn der Bischof von Vieh zu klein wäre, den
Bischof von Barcelona zu consecriren« Guilibert regierte mit nicht
geringem Glänze seine Kircho an 30 Jahre (1035 — 1062). Emengol Der w
von Urgel hatte am 14. Dec. 1033 sein Testament gemacht^); am g^™*"^
3. November 1035 starb er in Folge eines Sturzes zwischen Felsen*), urgei.
Schon im Jahre 1044 wurde er als Heiliger verehrt; im Jahre 1070
war im Bisthum Vieh schon eine Kirche unter seiner Anrufung ein- Kath»
geweiht Unter seinem Nachfolger Eriballus wurde am 23. October 1040 , ^{]V
die von Ermengoldus gebaute Kathedrale der seligsten Jungfrau ein- 1040.
geweiht, in Gegenwart des Erzbischofs Wifred, Berengars von Elna,
des Arnulf von JEloda, des Bemard von Conserans, und des Wifred
von Carcassone. Die Kirche von Urgel hatte damals nicht weniger als
40 Canonici majores. Sogleich nachher machte der Bischof Eriballus
') Marca, append. nr. 203, p. 1044. — ViUanueva, XlII^ p. 98. — E$p.
sagr., t 43, ap. 29, p. 430-432.
») Marca, app. nr. 208, p. 1050-^1052. — Aguirre-Catalani, IV, 396--
398. — Tejada, III, 84-87.
') Marca, ap. nr. 210.
1) Viüanueva, X, 147. Er wollte gehen „ad limina beati Jacobi apostoli,
sana mente, et memoria inJLegra". — Append. nr. 30.
28*
436 Zehntes Bnch. Drittes KapiteL
sein Testament, and trat die Reise in das heilige Land an. Aber er
erreichte es nicht; er starb im Kloster Pomposa in Italien — am
19. December 1040").
Käthe- Zwcj Jahre früher war die Elathcdrale von Gerona eingeweiht
dnia V. v^orden, welche Bischof Petrus erbaut hatte. An der Spize der tw-
1033. ' sammelten Bischöfe stand auch hier Wifred von Narbonne; dann waren
Oliva von Vieh, Eriballus von Urgel^ Bemardus von Conseram,
Guilabertus von Barcelona, Berengar von Elna, Gnifredus von Carcas-
sone und Arnaldus von Mageluone zugegen. Die Weihe (and am
21. September statt Zugegen war auch die Grafin Wittwe Ermesiode,
die Schwester des Bischofs von Gerona. Auch die Häuser der Kano-
niker waren zugleich erbaut, die Kanoniker mit Einkünften geziemend
ausgestattet. Die versammelten Bischöfe bestätigen und bekräftigen die
Kanoniker in ihrem Eigenthum^).
Bischof Oliva von Vieh (1018 — 1046) war zugleich Abt von EipoD
und von S. Michael von Cuxa in der Grafschaft. Roussillon. Als aol-
cher verordnete er im Jahre 1027 die feierliche Verehrung, welche dm
Der hu ehemaligen Dogen Petrus Urseolus zu erweisen sei, der 19 Jahre m
urt^ diesem Kloster gelebt, und daselbst im Jahre 997 gestorben war^
Käthe- OUva liess im Jahre 1038 seine Kathedrale der heiligen Apostel
draie y. Petrus uud Paulus durch Gnifredus von Narbonne einweihen. Olm
Vifih.
hatte die Kirche von Grund aus mit grossen Kosten aufgebaut, und
mit vielen Reliquien geschmückt Neben Wifred und Oliva wohntea
der Feier an: Bischof Berengar IV. von Elna, Guislabert von Barc^
lona, Eriballus von Urgel , und Guifredus von Carcassone, welche die
der neuen Kirche von Oliva und Andern gewidmeten Güter und das
Bisthum Ausona in seinem ganzen Umfange bestätigten (31. Äugest
1038). Unterzeichnet sind noch die Erzbischofe Kaimbaldus von Arles,
und Poncius von Aix^). Guifredus hat „diese Kirche seiner Metro-
polis geweiht". Der Priester Ermimir hat die Urkunde vcrfasst*).
Am 16. Juli des Jahres 1045 wurde die Kirche des heiligen
Michael de Fluviä, welche dem erwähnten Kloster Cuxa gehörte, in der
Grafschaft Ampurias, eingeweiht Die Weihe vollzog wieder der Erz-
bischof Guifrcd; nur er und Bischof Oliva unterzeichnen die Stiftuoirs-
9
10S8.
») Marca Hispan., ap. nr. 220, p. 1069. — Aguirre-CatcUani, IV, 400^
401. - Tejada, 90-93. — Vülanueva, X, ap. nr. 34, p. 326.
«) Marca, ap. 218, p. 1065. — Aguirre-CatdUmi, IV, 898-^99. — £4.
sagr., t 43, ap. 29, p. 432—437.
') Justus Fontanini (archi'ep. Ancyranua), de S. Petro ürseolo, Duu
Venetorum, postea monacho 0. S. B., Romae 1730.
*) Wohl Poncius IL, der 1049 erscheint
*) Sie steht nicht bei Marca; mangelhaft bei Florez, t. 28, ap. 13, p. 282^
285; correcter bei Vülanmva, VI, apend. 26, p. 294-298.
Kathedrale Yon Ansona, 1088. Oliva von Ausona. 437
nrkunde. Der Ort liegt in dem Sprengel des Bischof Petrus (von Ge-
rona). Die Urkunde nnterzeichneten später Bemard von Conserans, Ar-
nold von Maguelone, Frotarius II. von Nismes (1027 — 1077), Beren-
gar IV. von Elna, Arnulf von Roda u. a. ')
In die lezte Zeit des Bischofs Oliva gehört noch eine zu Nar-
bonne gehaltene Synode, in der er sich über Eingriffe in die Güter
seiner Kirche beschwerte. — Nach Marca fand im März 1043 eine
Synode zu Narbonne statt, in welcher die Excommunication ausgespro-
chen vmrde gegen die, welche sich an den Gütern des Klosters Cuxa
▼ergreifen würden •). Zugegen waren Wifred, Bischof Petrus von Ge-
rona, Guifredus von Carcassone, Berengar IV. von Elna, Wilhelm von
Urgel, Bemard von Conserans und Bemard von Beziers. Lezterer
kommt nur hier, d. i. im Jahre 1043 nach der Angabe Marca's vor').
Petros Oliva ragt unter den Bischofen dieser Zeit hervor. Er BUchof
war dritter Sohn Oliva's, Grafen von Besalü, weihte sich Gott in dem yJ^J'
Kloster RipoU, wurde Abt von Ripoll, und zwei Jahre später Abt von
Cuxa. Im Jahre 1018 vmrde er Bischof von Ausona. Einige sagen, •
dass er trozdem 38 Abteien geleitet habe. Er starb in dem Kloster
von Cuxa am 30. October 1046, wo er auch begraben vnirde. Die
EJöster von ßipoU und Cuxa erliessen ein Umlaufschreiben, besonders
an die benachbarten Klöster über seinen Tod, welches erst Villanueva
za Ripoll auffand. Sie nennen ihn den „Vater des ganzen Vaterlan-
des^, den sie nach Gott am meisten geliebt haben. Eigene Boten
tragen dieses Schreiben in die einzelnen Kloster. Aus mehr als 80
Kirchen und Klöstern erfolgten, theils in Versen, theils in Prosa, die
Antworten, von welchen Villanueva Beispiels halber nur zwei, die der
Kirche von Ausona, und die des Klosters von Caroffum mittheilt ^).
Oliva's Schriften hat zuerst Florez gesammelt herausgegeben^).
Oliva richtete u. a. ein Dankschreiben an den Erzbischof Gauslin von
Boni^es (1014 — 1029), welcher ihm seine Theilnahme über den Tod
aeines Bmders Bemard, Grafen vod Besalü, bezeugt hatte, 1020; der
Brief des Erzbischoüs ist gleichfalls erhalten. Einen andern Brief schrieb
Oliva an die Mönche von Ripoll um das Jahr 1023 über verschiedene
Ajiliegen, theils ernst, theils scherzend gehalten^). — Den ausfuhr-
') Marca, append. nr. 228, p. 1087. — Aguirre-Catalani, IV, 4Ol'-402.
— Mansi, XIX, 611-614. Tejada y Ramiro, III, 93-95.
*) Das Actenstück ap. Florez, t 28, p. 127, p. 286— 287^ apend. 14.
') Marca, p. 442.
*) Charoux, S. Sauveur, bei PoUiers. — ViUanuem, VI, apend. nr. 29,
p. 302—306.
^) Esp. sagr., t. 28, Oliva» Auson. ep. scripta, 265—282. — Daraas ap.
Migne, Patr. tat, t. 142, p. 598—608.
•) Diese drei Briefe apud Marca, p. 1025, app. nr. 188—190.
438 Zehntes Bneli. Drittes Kaptto).
liebem Brief OÜva's an den König Sancho von Navarra vom Jihre M
j hat Florez zuerst veröfientlicht. Er hebt die Verdienste des Könp
- mit gebührendem Lobe hei'vor, der wie so viele Andere, auch ilnB
Uath gefragt hatte über die Gründe, ana welchen Ehen unWr uii
Verwandten verboten sind. Ohva entnimmt sie der heiligen S<iri
und der Vernunft. Einer der Grossen an dem Hofe Sancba'i \m
eine Ehe mit seiner eigenen Schwester schliesseu wollen. Drti T»
brechen waren es, welche, nach Oliva, damals daa Keich bcimsQiJiM
der lucest, die Trunkenheit und der Aberglaube, der an Abgi
grenzte. Florez hat unter Oliva'a Namen noch eine Predigt über^
heiligen Narcissna von Gerona — Augsburg, und einen lierichl tts
die Bekehrung der heiligen Afra mitgetheilt. Darnach war Narrä«
aus dem Orient nach Augsburg gekommen. Von hier kam a nd
Girona, und litt drei Jahre später mit Felix, seinem Diakon, demAfo
kauer, das Martyrium '). Näher angesehen ist der Unterschied ti-
schen der Legende des Narciasus diesseits und jenseits der PTrenio
der, dass die diesseitige Legende den Narcissus, die Verfolgnog fc-
hcnd, von Gerona nach Augsburg kommen lässt, während jene i^
selben vom Orient nacli Augsburg, und von da nach Spanien konas
lässt. Diese Version klingt an sich weniger onwahrscheinlicli. Ällä
der Name des Narcissus wird in Spanien vor dem Ende des uIb»
Jahrhunderts nicht gehört'').
Am 25. August 1054 bestätigte eine Versammlang von BiscbÖfci
zu Narbonne den allgemeinen Landfrieden. Am 20. November lOM
traten die Bischöfe Guialabert, Wilhelm von Ausona (1046 — 1015), »
Berengar von Gerona zu einer Synode zusammen, in Folge dweodB
Graf Kamen Berengar 1. mid die Gräfin Adalmodis den Beschlnss l«-
stäligten, dass hinfort Niemand die Rechte und Güter der Kanonia
von Barcelona, deren Zahl 40 erreichte, antasten dürfe, UnWraücbfl
sind neben dem Grafen und seiner Gemahlin AJmodis Giiislibwöi
Bischof von Barcelona, Wilhelm von Vieh und Berengar von Go*;
nebstdem haben, wie uns scheint, die Urkunde später unterwid«*
<• die Erzbisehöfe Guifred von Narbonne und Raimbaldns von in*
'■ Im Jahre 1058 war der Bau der neuen Kathedrale von Bar«!'*
welche Ifamon, Almodis und Bischof Guislabert errichtet hatlen, *
Ende geführt. Am 18. November desselben Jahres wurde diet*
eingeweiht. Zugegen waren die Erzbischöfe von Arles und Narbo^
die BisohÖle von Urgel, Vieh und Gerona, Amaldug von Eh», •
') K.-G. I, 302.
') Nicol. Antonio, Bibl. vetus, II. 5. — Uistoire liUirain de la P™*
(. VII, p. S(i6 - 370 (ed. novvdle). - Kemy Cdtlier, Autcurs etcih . (dU. w .
velk, t. XIII, 133. i
Kathedrale y. Elna. Ctottetfriede, 1065. Synode v. BeaalA, 1077. 439
Patemoa Yon Tortosa; mit Gnislabert zwei Erzbischofe und sechs
BiBchofe.
Damals erlangte der Bischof von Barcelona yon dem Emir yon
Denia das sogenannte ^Priyilegium^, dass sein geistlicher Sprengel sich
auch über die Christen yon Denia, Orihuela nnd die Balearischen In-
seln erstrecken solle. Eine solche, mit den Unterschriften aller anwe-
senden Bischöfe versehene Ausdehnung scheint nns eine Bestätigung
unserer Behauptung zu sein, dass yon Alters her der Siz von Barce-
lona Metropolitanrechte auf die Balearischen Inseln theils ausübte, theils
in Anspruch nahm^). Nach der Weihe der Kathedrale des heiligen
Kreuzes und der heiligen Eulalia yon Barcelona wurde in demselben
Jahre, am 10. December, 23 Tage nach dem Feste in Barcelona, auch
die Kathedrale der heiligen Eulalia (von Merida) in Elna eingeweiht. Kanh»-
Hier war wieder an der Spize der Bischöfe Guifred yon Narbonne; ^'**« ^'
mit ihm sein Bruder Bischof Berengar yon Gerona, Guifred yon Car- jo^'
cassone mit Berengar IV. yon Elna, welcher seinen Elanonikem da-
mals den Ort Salellas schenkte*). — So wurden im Laufe yon 20 Jah-
ren die Kathedralen sämmtlicher fünf Bisthümer des Marquisats yon
Barcelona ausgebaut und eingeweiht, zum sichern Beweise des regen
hirchlichen Lebens in jener Zeit.
Dem yerdienten Bischof Gnislabert, gestorben um 1062, folgte
Berengar I. yon Barcelona, unter welchem im Jahre 1064 der römische
Legat Hugo Candidus zuerst den Versuch machte, die altspanische
Liturgie abzuscha£fen, diesmal noch ohne Erfolg. — Im Jahre 1065
ynirde auf einem zweiten Concil zu Tulujas bei Elna der Gottesfriede ooum-
eingeschärft, und im Einzelnen naher bestimmt. Auf drei gemischten ^^*>
Versammlungen, welche im Jahre 1068 zu Barcelona, Gerona und Au-
8ona gehalten wurden, wurde derselbe Gottesfriede angenommen und
eingeschärft, yon Bischöfen, Achten, Magnaten '). ^
Im December 1077 war eine Synode yon 3 Bischöfen zu Besalü, synod«
welche der Legat des Papstes Gregorys VII., Amatus, Bischof yon ^»
Oleron, gegen Simonie und yerwandte Laster hielt, unter dem Wider- 1077.
Spruche des Metropoliten Guifred yon Narbonne, der zwei Jahre später,
nach einem Pontificate yon 60 Jahren , starb. — Zugegen waren die
Bischöfe yon Agde, Carcassone und Elna, yon welchen allen Jener
') K.-G. II, 1, p. 189. — Marca, append. nr. 248, p. 1113-1116. —
Aguirre-Catalani, IV, 416-418. — Fhrez, t 29, p. 228—230. — Tejada,
III, 109-113.
») Marca Hisp., nr. 250, p. Uli. - Aguirre-Catalani, IV, 418-419. —
— T^ada, III, 114-116.
*) Marca, Ap. nr. 268—269. — Aguirre-Catalani, IV, 425-434. —
Mansi, XIX, 1070-1073. - Tejada, III, 122-134. - Esp. sagr., t. 43,
p. 229—236.
440 Zdmtet Badu Drittes KspItoL — Gondl von G^koom, lOTO.
alte Feind, der NarboneoBer, exGommimiGirt^y und aUe aimonifltisdiBi
Aebte aas der Grafschaft Besalü vertrieben wurden. Andere Aebte
worden gemäss der strengen Begel des heiligen Benedict ängesest
Jede einzelne Abtei wurde verpflichtet, einen Beitrag for das «Wesk
des heiligen Petras*' *) za geben«^ Es waren 6 Abteien , nnd die „Com-
niea*' von Besalü, woselbst eine Zeillang ein Bischof , vielmehr Chor«
bisohof im Bisthum Urgel, angestellt war.
oo,^ Im Jahre 1078 brachte derselbe Legat Amatns ein Concil a
▼OB Oerona zu Stande, in welchem derselbe 13 CanoneB erlieea. Sie sind
1078. ' gerichtet gegen die Ehen der Geistlichen, gegen Simonie, scUiessa
die Sohne von Klerikern von priesterlichen Worden ans, ezcommniii-
oiren Kleriker, welche Waffen tragen, scharfen die Tonsur em, ?s^
bieten den Ellerikem einen Bart zu tragen, verbieten Elhen zwisdiea
Blutsverwandten, gebieten, den Zehenten der Kirche zn geben, —
Diese Beschlüsse unterzeichnen nach dem Legaten Amatns — Berat-
[ gar von Gerona (1050 — 1093), Berengar von Vieh (1078 — 1099),
Raymund von Elna, Raymund von Roda, Humbert von Baro»-
' lona (1069—1085). — Ghiifred von Narbonne, der sich dem Fapite
gegenüber auf den Fuss völliger Gleichheit stellte, oder sich von 3is
»: emancipiren wollte, war auf zwei romischen Synoden excommmiidit
worden. In die Zeit von 1068 — 1085 fallt auch in der M^Affd'
Schaft von Barcelona die Ersezung der spanischen durch die rSmiiok
Liturgie*).
') censum constitui od opta Beati Petri,
') Aguirre-CatcUani, IV, 444. — Mawn, t XX, p. 491 — 492; p. StS-
620. — E»p. sagt., t. 43, p. 237-^239. - T^ada, lU, 138-^140.
Viertes Kapitel.
Die Christeii unter den Haaren (900—1085).
Es ist nicht möglich, auch nur im Entferntesten eine Geschichte
' Mozaraber in dieser Zeit zu schreiben, die ohne allen Zusammen-
ig unter sich ihre Existenz mühsam gegen die Araber vertheidigten,
1 deren einzige Hoffiiung in dem Fortschritte der Eroberungen der
risten bestand. Das Christenthum ging in Africa völlig unter, weil
dortigen Christen in keiner Berührung mit den Christen anderer
ader standen. Die Christen in dem nuturischen Spanien hielten und
leiten sich, weil ihre Verbindung mit dem christlichen Spanien nicht
geschnitten werden konnte. Wie es den Christen zunächst in Cor-
ba von der Mitte des neunten bis zur Mitte des zehnten Jahrhun-
is ging, wissen wir nicht. Wir verdanken es einem günstigen Zu-
e, oder dem Ansehen des deutschen Elaisers Otto's I. auch unter
1 Mauren^ dass wir aus den Jahren 950 — 970 einige Künde über die
;e der Christen zunächst in Corduba haben.
Der Chalife Abderrhaman III. (912—961), der grosste und glück-
iste unter den arabischen Herrschern in Spanien, war m sich kein
rfolger der Christen, aber dennoch brachen zu seiner Zeit spora-
che Verfolgungen aus. Die heilige Argentea litt zu Cordoba den dio u.
xtyrtod, zugleich mit dem heiligen Vulftura, im Jahre 931. Argentea ^^^'
tpmte aus der Stadt oder dem Orte Bibistro (Bigastro?) in Anda- ^
ien, dessen Lage sonst nicht bekannt ist. Dieser Ort wurde im
ire 929 zerstört. Darum zog Argentea mit ihren Brüdern und an-
u Landsleuten nach Cordoba, wo sie auch unter den Mauren als
442 Zehntes Bach. Viertes KapiteL
Tochter des vomehmsten Christen in Bibistro bekannt wurde. Ihr
Vater hicss Samuel, ihre Mutter Columba. Argentea entsagte der
Welt und kam besonders den Nothleidenden zu Hilfe. Nach den
Tode ihrer Mutter sollte sie die Leitung des Hauswesens übernehmen, al»
sie weigerte sich dessen. Damals lebte ein Religiöse in der Stadt,
ganz ergeben dem Fasten und den guten Werken, brennend vom Ye^
langen nach dem Martyrium. Gleiches Verlangen erglühte nun in Ar-
gentea und zugleich in zwei Jungfrauen ihrer Umgebung. Sie trat i
schriftlichen Verkehr mit dem Mönche, der ihr antwortete, dass dk
eine Ton ihren Gefahrtinen den Tod vor ihr erleiden werde, dass &
andere nicht als Martyrin sterben werde, dagegen sie, die Argentei^
wenn auch erst nach einiger Zeit. Freudig bereitete sich Argentei
durch Fasten und andere gute Werke auf ihr Leiden vor. In ema
der Kämpfe, welche Abderrhaman lU. mit den Gegnern seiner Hen^
schafl führte, wurde Bibistro zerstört. — Als Argentea nach dem Todi
ihres Vaters nach Corduba gezogen war, wurde sie vollendeter in jedff
ner hl. Tugend. Der Gallier Vulfura kam nach Cordova, tun den Mauren da
^^^*' wahren Glauben zu predigen, und wurde in das Gefangniss gemada
Dort besuchte ihn Argentea, und bekannte sich offen als Christin, b
Gefangnisse blieb sie standhaft. Beide wurden zum, Tode yemitlNi
und enthauptet am 13. Mai 931. In der Nacht nahmen die Christa
ihre Leichname hinweg, und begruben in Gegenwart des Bischofs ds
Leib der heiligen Argentea in der Kirche der drei Märtyrer, denTil-
fura's in einer andern Kirche. „Bis heute, ^ sagt der unbekannte Be
richterstatter, „erglänzen sie unter uns in Wundern ohne Zahl, bda
sie die Kranken von verschiedenen Leiden befreien; obgleich geireiBl
durch den Ort des Begräbnisses, wirken sie vereinigt Wunder^').
§. 2.
Seit dem Jahre 864 sind wir keinem Bischöfe von Cordnba be
gcgnct, in welchem Jahre Valentius verdrängt, und Stephanus euet-
drängt wurde. Im Jahre 931 wird ein Bischof erwähnt, sein N»*
Bischöfe aber verschwiegen. Es könnte der Bischof Joannes vom Jahre SS
Cordova ^^^°« Sicher scheint es , dass die Reihenfolge der Bischöfe v»
Jahre 864 an nicht unterbrochen wurde, obgleich wir schwache
nung haben, dass ihre Namen je bekannt sein werden.
') Wie S. Jacobns in Compostella and die heilige Catharina am Sinti
Berganza , Franc, 0, S, B., la Oronica del Real monasterio «f« ^
Pedro de Cardenna (Antiguedxides de Espana), Madr, 1719, 2 foL, Üb. ^
cap. 7. — Florez, X, 3 edicion, p. 475—481. — Adu eorum, p. o88-S$4.
Abderrhaman IIL und Otto I. 443
Die Christen genossen unter Abderrhaman III. eine theilweise
Duldung. Die Kriege mit den christlichen Reichen in Spanien ruhten
eine Zeitlang. Als im Jahre 951 sein Kampf mit den Fatimiden in
Afirika aufs Neue ausbrach, sandte er an Kaiser Otto I. Bevollmäch-
tigte, um Friede und Freundschaft ihm anzubieten, an deren Spize
ein christlicher Bischof stand. Die Gesandten überreichten Ehrenge-
schenke und einen Brief ihres Herrn, dessen Inhalt die christlichen
Gefühle des Kaisers verlezte. Die Gesandten wurden nicht freundlich
behandelt; Otto I. traute der Aufrichtigkeit des Chalifen nicht. Drei
Jahre wurden sie in Deutschland zurückgehalten. Dann schickte Otto
I selbst Gesandte nach Cordova, theils, um die Angriffe auf die Christen
abzuwehren, sodann, weil er hofile, mit Hilfe des Chalifen die räuberi-
; flehen Araber von Frainet in den westlichen Alpen zu verdrän-
: gen, welche die Oberhoheit des Chalifen anerkannten. Nach langem
i Soeben bot sich freiwillig Johannes, Mönch im Kloster Gorze bei joannti
r Metz, an, als Gesandter nach Cordova zu reisen. Ihn begleiteten der ''^^
', Kaufmann Ermenhard aus Verdun, der öfters in Spanien gewesen war,
Graraman, ein im Schreiben gewandter Klosterbruder, und mehrere
Diener. An diese schloss sich ein spanischer Priester an, Begleiter
des erwähnten spanischen Bischofs, der in Deutschland gestorben war.
< — In dem Leben des Johannes von Gorze steht ein Bericht über seine
Gesandtschaft
§. 3.
Im Herbste 953 verliess Johannes Deutschland mit einem Brief des reiat
Kaisers und dem Auftrage, ihn dem Chalifen selbst zu überreichen. °*^
Die Reise ging über Toul, Langres und Dijon nach Lyon. Auf der 96s.
Rhone wurden die Gesandten von Räubern geplündert; kaum retteten
sie das Leben und einen Theil ihrer Habe, lieber Barcelona kamen
sie in die erste Stadt der Araber, nach Tortosa. Hier mussten sie
einen Monat warten, bis Antwort von dem Chalifen kam. Eine halbe
Meile von Cordova erhielten sie Wohnung in einem Palaste, der dem
Sohne des Chalifen gehörte. Dort sollten sie angeblich drei Mal drei
, Jahre auf Audienz warten. Der Chalif hatte Kenntniss erhalten, dass
Otto's I. Brief Angriffe auf die Lehre Muhamed's enthalte, da doch
jedes derartige Wort unter Todesstrafe verboten war. Selbst der Chalif
sollte sterben, wenn er das Todesurtheil nicht vollziehe. Das Volk der
Mauren war gereizt. — Der Chalif suchte vergebens den Mönch zn
bestimmen, den Brief Otto's zurückzubehalten. Nach einigen Monaten
kam ein spanischer Bischof, und erklärte dem Johannes, dass er Au-
dienz erhalten werde, falls er nur die Geschenke überreiche, den Brief
aber nicht. Johannes zürnte dem Bischof, der ihm zurouthete, gegeA
444 ZelinteR Baeli. Tfertei KapHel.
Eiire und Gewisaen zu handeln. Er sagte zu ihm: „Ich bore, imh
ench sogar beschneiden laast, und der Speisen euch enthaltei , die ik
Arabern verboten sind." Hierin, meinte der Bischof, hätten »ciinDdi
ChriBten der frühem Zeit nachgegeben. Der Chalife drobte nim.-
Nur an Sonntagen durften er und seine Begleiter, unter Escort« n
12 Personen, in eine nahe Kirche geben. Eiumal anf dem Wfp»
die Kirche erhielt er einen Brief des Chalilen, dass, wenn et nÜt
nachgebe, alle Christen im Reiche hingerichtet werden würden, t»
nen ausgenommen. „Bedenke," hiess es, «wie die Seelen it
Ermordeten dich vor Gott anklagen werden". Er antwortet« i»
Chalifen voll Math and Gottvertranen, er müsse den Auftrag
Herrn vollziehen. — Indess fand man den Aueweg, eine nene Gc«*
Schaft an König Otto zu senden, ob er etwa dem Johann neoeVri»
or ungsbefeble senden werde. Als Gesandter bot sich Kecesmund «i.
'^ strenger Christ, beschäftigt in der Kanzlei dea Chalifen, weil « k
1. Lateinische und Arabische verstaDd. Er verlangte aber, dass Mit
erledigte ßiethum Elvira übertragen würde. Es geschah. Er «u »■
Laie, erhielt sogleich die heiligen Weihen, wurde als Biscbof
sezt und trat ohne Verzug die Keise an. In zehn Wochen ku «
nach Gorze und zum Bischof Adalhero von Metz. Im Man 956
pfing ihn Otto I. zu Frankfurt. Johann erhielt den Auftrag, den ftV
hem Brief zu unterdrücken, die Geschenke zu überreichen, dieZuräi-
ziebimg der Räuber von Gardo-Frainet in den Alpen zu verlaigts,
und ein Freuudschaftsbündnias mit dem Chalifen zu scbliessen. Doiä
aus Verdun wurde mit neuen Geschenken und einem ncnen Siiral«
des Kaisers an den Chalifen abgesandt, worin über Muhamed's W*
Nichts gesagt war. Zu Ende des März verlieasen Recesmniid •
Dudo Gorze, im Anfang des Juni waren sie in Cordova. Der CM
liess nun zuerst den Johann und die Seinigen mit seinen Gesctoö
„ eintreten. Da Johann sich in andere Kleider hüllen sollte, sanda ■
'" der Chalif 10 Pfunde Silbers; er aber gab sie sogleich an die Aj*
erklärend, andere lOeider kann ich nicht anziehen, denn es ist **
die Kegel meines Ordens, Der Chalif entgegnete: „Daran erkenM"
den unbeugsamen Sinn des Mannes; doch, ich will ihn sehen."
Am Tage der Audienz war der ganze Weg von dem PalisB«
der Stadt bis zum Palaste des Chalifen auf beiden Seiten mit Krif!*
besezt. Fusssoldaten standen hier, die Lanzen auf die Erde gesi^
dort andere, die ihre Speere in die Lufl warfen and kriegerische^
anftührten. Unter diesen standen leichtbewaflfaete Reiter, und •*
zurück die schwerere Keiterei, die ihre Pferde tummelte. Das Ei«*
war (es war eben Sommerszeit) ganz trocken, Alles in Staub emg«*
Vornehme Hofbeamte führten die Gesandten in den Pallast, (i<ä*
höchster Pracht erglänzte.
BiBohOfe im minriflohen Spanien. 446
Der Chalif reichte dem Johann die innere Seite der Hand zum
nsse, was nur wenigen Auserwählten zu Theil wurde. Dann liess er
n auf einem Sessel Plaz nehmen. Er lobte den Muth und die Um-
cht des Mönches, der nun, obgleich vorher sehr gereizt, auch be-
üftigt war, nachdem er drei Jahre hatte warten müssen auf diese
udienz. Dann wurde die zweite Gesandtschaft eingeführt, welche in
^hann's Gegenwart ihre Geschenke überreichte.
Nach einiger Zeit wurde Johann wieder zu dem Chalifen berufen, johan-
jr die Macht und das Heer Otto's, aber mehr noch sein ^igßi^cs "^^'^^
hmte. Johann meinte, er kenne auf der Welt keinen König, „der so
el Land und, ein so mächtiges Heer besizt, als unser König.^ Der
halife tadelte an Otto, dass er nicht die ganze Gewalt in seinen
änden behalte, sondern den Seinen eine grosse Selbstständigkeit ge-
ähre, und ihnen Theile seines Kelches überlasse. Er befordere da-
irch den Uebermuth und Troz der Grossen, wie erst kürzlich sein
^hwiegersohn Conrad ihm den eigenen Söhn (Liudolf) verführte und
e Ungarn in das Land rief. — An dieser Stelle bricht der Bericht
özlich ab. Das Räubemest in den Alpen wurde nicht eingezogen,
»ndern von den benachbarten Fürsten allmälig gebrochen. Im Jahre 960
urden die Araber von Set. Bernhard vertrieben, fünf Jahre später aus
jr Gegend von Grenoble^).
§.4.
Die Wohnung des Johannes von Gorze war in der Nähe der
irche von San Martin, welche er drei Jahre lang an den Sonn- und
esttagen besuchte^). — Zu ihm kam im Jahre 956 (oder 957) ein
ischof Namens Joannes, von dem Florez annimmt, er sei Bischof
)n Corduba, „da es eben seine Sache gewesen, für die ihm anver-
auten Christen zu sorgen^'). Von einem andern Bischof Joannes
m Corduba ist in der gothischen Bibel von Toledo die Bede^), und
0 Vita Johannü, abbat. Oorziensis (f 973)^ auct. Johanne, abbat, S. Ar*
dfi (in Metz), Monum, Qermaniae, scr, IV, 335—377 (g^eBchrieben 980, reicht bis
m Jahre 956). cf. Acta Sctor., 27. Febr., Febr. III, p. 686—690—716. —
abülon, Act. 0. S. B., V, p. 365 — 412. — Contzen, die Geschichtschreiber der
chsischen Kaiserzeit, p. 126—135. — Ofrörer, Rirchengeschiohte, III, 3, p. 1595,
Ofrörer, Greschichte Gregor'a VII., t. IV, p. 235. — Oiesebrecht, Geschichte
r deatochen Kaiserzeit, 2. Aufl., 1861, p. 503—512, 779, 825—826.
') Ad ecdesiam proximam, quae erat in Tumore 8. Martini, Vita, cp. 118,
^4. — Florez, X, 236 (edic 3.). — cp. 122 heisst erniur: „epuoopus quidam
>annes.^
*) Florez, X, 292.
*) FJorez, VII, 93.
r 440 Zelmtes Bncli. Vtert« KtjdM.
zugleich noch von mehreren andern Bischöfen, wesswegen nix k
Insclirift ans jener Bibel einiiigen:
In nomine Domtni Salvatorta nostri Jesu Christi axtcUiT poi
ip« hujus libri, in quo ■oetua lUimtmque omne »acrum teatatMota
tinelur, Servandus dive memoria fuit qm enimvero nataa ervdit»
beala apaletms sede poatea Catkedram Basligitane meruit loten-
inclito viro coneamu est hie codex Jokanni Sodali tnlimwfwt i
etiam post , . . quam in hano eximiorem Sedem Spatenxis nati
i a patmo svo beate memoria Stefano sapientiaaimo luculenlii
onensia Epiacopo eriiditua ac Sacerdolii ordine dtdicatut '
tnginem Sedem miasus est Ejnacopus. El item inde Iranilaii*
matpia regieqiie Sedis presid electus ex g»to Sede egregie incdm
para ac mente decrevit hunc Codtcem comple perfectum Domino
ftn'e in mprafata Spalensis Seda penes memoriam San<ie semper'
ginis Maria.
Decimo Kalendas Janvanas Era milesima XXVI').
Diese In- oder WidmuDgBschrifl des Codex ist ebe m
Bchäscbare Bereichening der sonst so dunkeln Kirchengeschiclili
Zeit Aus ihr und andern Quellen erfahren wir, daas Corf
^ niaciuMs Jahre 931 einen Bischof hatte. Wir wissen, dass ein Biscbi
t nui» Gegend in Deutschland in den Jahren 950 — 953 atarb; Tiellöt
^^"~ es jener Bischof von Elvira, an dessen Stelle lieccsmund im Ji
trat. — Wir begegnen im Jahre 956 — 957 dem Bischof Join
oder doch in Corduba. Ein anderer Joannes ist in oder v
Jahre 988 sein Nachfolger, der von dem Bisthnme Cartagcoa
stro) nach Corduba veraezt wurde. Er hatte seine Erziehun:;
Kirche von Hispaüs erhalten. Sein Oheim Stephanus, gleiclil!
noniker an derselben Kirche, und von da Bischof oiwj
worden, war wohl im Jahre 988 schon gestorben. Am nächst
zu vermuthen, er sei Bischof von Sidonia gewesen; auch 0
könnte gemeint sein; aber von 688 bis 1188 erscheint keia
dieser Stadt, während Asido noch im zwölften Jahrhundert einen
hatte. Servandus, gleichfalls vor 988 gestorben, war Bisci
') Der Anctor nnd Besizer dieser Schrift des Alten und Neneo Tc«
war Servandus eeltgcn Andcnkena, der geboren nnd erzogen in der Kliebt
Villa, später das Biathum von Baati (oder Astigi) crlugte. Er gab äicif
Beinern innigsten Freunde und Genossen Joannes, der, wie er, erzogen bei A
von Sevilla, und naterwicsen von seinem Oheim, dem weisen nnd herrlichen
des Sizea von (Aaido?) als Bischof nach Carlhagena entsendet, von da »f«
Bistlium der herrlichen KfJnigsstadt Cordoba veraeEt, noch kräftig in Geisii
diesen Codex der Kirche von Sevilla, dem Size der seligsten Jnngfraa Maria ^
den 23. Dccembcr 988.
BfifleBmnnd von Elvirt und Lnitpnmdna von Cremoiui. 447
sti, wahrscheinlicher (nach Florez) von Astigi gewesen. — Im
bre 937 war Jnlianus Erzbischof von Sevilla.
So finden wir in der Mitte des zehnten Jahrhnnderta besezt die
jthümer Sevilla, Cordnba, Attdo?, Astigi oder Basti, Cartagena,
^ira, und wir dürfen annehmen, dass die übrigen südspanischen
ithümer noch nicht verwaist oder eingegangen waren.
§. 5.
In dem Verzeichnisse der Bischöfe von Elvira, welches der Codex Reeas-
milianennsj verfasst zwischen 962—974, enthält, befindet sich der ^^J-
me des Bischofs Recesmund (Regimund, Becemnnd) nicht mehr, nnd
Icher um 957—958 Bischof von Elvira wurde. Die beiden lezten ^'"*
prftnttT«
imen sind Pirricius und Gapius, welche einen fremdartigen Edang cremo-
Den. Indess auch einen zweiten Elipandus finden wir nicht; dennoch ^^
: der eine und einzige wirklich gelebt Recesmund traf und lernte
r seiner Reise nach Deutschland den spätem Bischof Luitprand von
emona kennen (956), der mehrere Jahre in Deutschland in der Ver-
inung lebte, aber bei Otto hohen Einfluss erlangte. Recemund bat
1 Luitprand, dass derselbe eine Geschichte seiner Zeit schreiben
»ge. Luitprand begann dieses Werk im Jahre 958, das er „Antapa-
m^', die Wiedervergeltung, nannte^). Die drei ersten Bücher um-
sen die Zeit von 893 — 931, verfasst von dem „Diakon^ Luitprand
hrend seiner Verbannung, an Recemundus, den Bischof der Kirche
1 Elvira in der Provinz Spanien'). Er nennt ihn „den ehrwürdigen
3r Heiligkeit vollen Herrn Recemundus, Bischof der Liberitanischen
rche^. Zwei Jahre habe er gezögert, den dringenden Wunsch Re-
nuud's zu erfüllen^ die Thaten der Kaiser und Könige von ganz
ropa darzustellen. — Ek* beginnt mit der Beseznng des Alpenpasses
ainet (Fraxineium) nicht weit von Frejus, durch spanische Mauren.
Higuera und die spanischen Geschichtsdichter haben den Luit-
kud, Diakon von Pavia und Bischof von Cremona zum Subdiakon
: Kirche von Toledo und spanischen Geschichtschreiber gestempelt,
1 ihn als Verfasser des „ChrorUcon^ und der „Adversaria^ einzu-
imuggeln gesucht. Higuera lässt den Bischof „Tractemundus" (statt
cemundus) an Luitprand schreiben, dass er sich in der Stadt Gra-
ia ganz nahe von Elvira unter den gläubigen Mozarabern befinde,
ese Romane zu lesen würde sich der Mühe nicht lohnen, wenn
*) Der Herausgeber in Pertz Monum. O, sagt, Reoesmond sei vom 6. Januar
Palmsonntag in Frankfurt gewesen, dann aber im Juni naeh Corduba zurfickge»
irt Otto weilte sowohl im Jahre 956 als 958 in Frankfurt
') ad Rtcemundum^ Hispqniae^otnnciae IMerüanae ecdeaiae episcopunk
ucui ouuuu uuu iiiuMiiuigcr /xuutjrruiuuttu » n±, yijuij,
gewidmet. Eb war natürlich arabiacli geecliriebeD. Der ]
Arabist Beinh. Dozy hat es aii%efa&deD, welcher es i
Franz Xaver Simonet in Gh-anada mittlieilte, □. a. nait
kend: H. Florez wäre entzückt gewesen, wenn er dasae
prächtige Erpana tagrada hätte benüzen können, Dozy f
in einem sehr spaten arabischen Mannscripte. In ei
mit einer historischen Einleitong nnd Erklämngen, g
net herans"), — Aas arabischen Schriftstellern war beka
BiBchof Rabi Ben Zaid ans Cordoba stammte, dass er
Bmm- Abderrbamau'B IH. mehrere, anch artistisdie Reisen machte,
«u"«- ^^'" Schaze Alhacam's IL die astronomischen Stadien
Mner. mehrere astronomische Schriften ver&sste, n. a. einen trel
nomischen and Arznei-Ekalender, den er diesem Uonart
genannt das Bach „von der Eintheilang der Zeiten nnd
') Muratori, Scriptora rer. Ibüie., II, 1, p. 423—476. ~-
menta Qnnium., taript. III, p. 264—339. — Dantu op. Mtfftu
t. 136, p. 769—1480. (Dabei «loh Pteudo-lMÜprtmd , nnd die i
Nicol. Antonio darftber; (. /, 58B). — ß. A. Koq?k«, tU vita et
prandi, Berl. 1842. — Wattenitaeh, Dentacblaads GeachiditaqaeUei
S. Aufl., p. 209-212, S43.
*) Santoral Hi^aiio-Moiarabe, eacrito en 961 por Rabi Be
de Iliberü. PublKodo y awAado por Don Francüco Javier Sm
tico de tengva Ärabe (en Oranada), Madrid 1871, pp. 37, — Hei
mich melir ala irgend ein uiderer Spanier in meinen Arbeiten luitf
(Srdert hat, hatte die Gate, mir dieses „Santoral" %a Moden. Als
I6t>5 in Oranada var, hatte er eine wichtige Arbeit an Ende geflUirt
Becemünd*8 Sohriften. Calendarium Recemnnd's. 449
heitspflege der Leiber". Zwischen den Jahren 956 — 961 hatte er eine
grössere Reise nach Constantinopel und Jerusalem gemacht, von der
er Marmorsäulen von wunderbarer Arbeit, welche Abderrhaman UI.
in dem Alcazär von Medina Azzahra aufstellen liess, sowie eine ver-
goldete und geschnlückte Badewanne zurückbrachte. Er war vor dem
16. October 961 zurückgekehrt. In den Jahren 955 — 962 hatte er
kaum Zeit, sich längere Zeit in Elvira aufzuhalten. — In seinen Ka-
lender vom Jahre 961 nahm er die vorzüglichen Feste der Mozaraber Kaion-
auf, mit Angabe der Kirchen in Cordova, wo sie besonders g^f^^^^t ^Rpce«**
wurden. Daraus erhellt, dass im Jahre 961 die Christen ihren Gottes- mnnd,
dienst ungehindert übten. Obgleich er die Schrift dem Chalifen wid- ^^*'
mcte, so fuhrt er doch keinen den Arabern heiligen Tag an, und zeigte
dadurch, dass er vorzugsweise einen Kalender für Christen schreiben
wollte. Er fürchtete sich nicht, die christlichen Märtyrer zu feiern,
welche durch die Mauren Märtyrer geworden. Der arabische Text
des Calenders war verloren. Die vorliegende lateinische üeber-
sezang fertigte, wie es scheint, im dreizehnten Jahrhundert der be-
rühmte Arzt und Astronom Gerhardus von Cremoua (oder Carmona),
der viele andere arabische Werke übersezte ^). Gerhardus arbeitete eine
Zeit lang in Toledo, wohl unter dem Seh uz „Alfons des Weisen^ ^).
Das Verzeichniss der Heiligen ist hier reicher als das der gothischen
Liturgie. Es waren neu hinzugekommen die Feste: des heiligen Udefons
von Toledo; Bekehrung des Apostels Paulus, Fest des heiligen Gregor I.,
der heiligen Jungfrau Theodosia; heiligen Isidor von Sevilla; Gregorius,
Bischof von Granata; der Märtyrer Victor und Basilius von Sevilla;
Mancius von Elbora; heiligen Maria Magdalena; heiligen Mames u. a.
Nach diesem Kalender befand sich der Leib des heiligen Crispi-
nus noch ganz in Astigi; die Leiber der heiligen Celidonius und Eme-
terius in Calahorra; der heiligen Servandus und Germanus im Gebiete
von Cadix;[ der heiligen Facundus und Primitivus im Gebiete von
Leon; der heiligen Eulalia in Merida; der heiligen Leocadia in Toledo;
und in verschiedenen Kirchen von Cordova die Leiber des heiligen
Zoilus, Acisclus, Perfectus, Pelagius, und des Abtes Speraindeo.
Die Christen besassen in Corduba und seinem Umkreis mehr als Kirchen
20 Kirchen und Heiligthümer, von denen nicht alle bei Florez stehen. *°|^^®'"
Unser Kalender selbst') hat im Januar 13 Feste. Das Fest Christi sei.'
*) Boncompagni, della vita e delle opere di Gherardo Cremonese e de
Oherardo de Sabioneta, Ram<iy 1851.
') Abubecri Rhazae Macmethi opera exquisitiora y per Gerardvm Toleta-
num medicum Oremonensem IcUinitate donata, Basal, 1544, fol. Alfons selbst
nennt den Bischof Recemond „Abemayt*^. — cf, Libros del Saber de astronomia^
ed. Rico y Sinobas.
•) Santoral Hispano-Mozdrabe sacado dd Cakndario astronomico, Jiber
Oams , spaiL Kirobe. U.S. 29
Toledo." Sein Fest wurde demnach zur Zeit der Ms
eingeführt Zorn 2ö. Janoar ist „Pauli BekehmDg" ,
neaeres Fest.
Der Febmar hat nur vier Feste: Am 5. der heil
— am 12. das »Fest der heiligen Eulalia, welche erm
ist in der Stadt Barchinona. Und dort ist sie gemartert
Kloeter aber befindet sich in Sehelaü (Ort bei Cordoba),
Versammlong« (wohl ihr Fest am 12. Februar). Ihr i
Kirche und ein Kloster in dem fernen Cordoba geweiht,
die andere heilige Eulalia ilire eigene Kirche hatte. — Ai
ist das Fest der Kathedra des Apostels Simon Petras an
zu Antiochien); — am 24. Febmar ist das Fest des Apos
Der März hat sechs Feste: 3. März: Fest der heilig
und Chelidoniua, deren Gräber zu Calagurris sind. — Ai
n. a. »der Eingang Christi zu dem Altäre," vielleicht sc
im Tempel. Simonet meint, es hege hier eine Brioneru
des Bischofs in den Orient vor. — Am 12. März haben
das Fest Gregor's, des Herrn von Rom"; auch dieses
nenerer Zeit eingeführt worden. — Am 13. März: Fest
Leander, Erzbischofes von Sevilla, das gleichfalls in der
nicht stand. — Am 21. März: Fest des Heiligen (hier seht
niscfae Uebersezer den arabischen Text nicht verstanden i
22. März: Die Christen haben das Fest des Rücklaofes
Jahres (Sonnenstillstand), und es ist der Anfang der Ze
and der Beginn der österlichen ZeiL (Der Uebersezer I
arabischen Text nicht verstanden, der u. a. sagen wollte,
nie vor den 22. März falle.) Sonst galt im Mittelaltw <
Mozarabiscber Kalender vom Jahre 961« 451
Der April hat acht Feste« Neu ist am 3. dieses Monats das FestFeuaim
der Theodosia, Jungfrau; am 4. das Fest „des heiligen Isidor, Erz- ^^'^
bischofes von Sevilla^. — Zur Zeit Usuard's (853) wnrde es in Spa-
nien schon gefeiert. — 20.: Fest des Märtyrers Secundinus (Secundus?)
in Corduba in der Vorstadt Tiraceo (hier war das Grab des heiligen
Zo'ilus). — 22.: Fest des Apostels Philippus in Jerusalem. — 24.: ^^Fest
des heiligen Gregorius in der Stadt Granata.^ Elvira hiess demnach Qrego-
schon 961 Granata; da Gregor Bischof von Elvira war, so ist Elvira '^^ ^•
und Granada der nämliche Ort. Femer war die Feier Gregor's nur
auf Granada beschränkt, wurde aber wahrscheinlich schon vor 853 be-
gangen, weil ihn Usuardus in sein Yerzeichniss aufgenommen hat Als
ich in Granada war (Februar 1865), fand ich keine Spuren einer Ver-
ehrung desselben, seine Messe ist dort de „Cammuni Pontificum^. Ich
ersuchte Herrn Simonet, zu ermitteln, ob eine unansehnliche, längst
eingegangene Kirche, die die Inschrift: 159L trug, diesem Gregor oder
dem römischen Papst gewidmet war; er konnte nichts Bestimmtes er-
fahren, und erfuhr überhaupt erst von mir Etwas von der Gregorius-
frage. Gregorius war nie ein Heiliger des Volkes , aber auch nicht der
Kirche, so wenig als Julianus von Toledo, über dessen Verehrung
oder Fest unser Kalender schweigt^). — 25. April: Ist der lezte Tag
des Osterfestes (das nicht nach diesem Tage einfallen kann). An die«>
Sern ist das Fest des Evangelbten Marcus, des SChfllOrS PCtri, in
Alexandrien; dieses Fest fehlt in der alten spanischen Liturgie. —
27. April: Die Christen nennen diesen Tag „die Sieben^ (i. e. die
Apostelschüler), den Torquatus und seine Gefährten; sie selbst nennen
8ie die sieben Gesandten (nunüos). Die sieben Tage vom 27. April
bis 3. Mai, deren Mittel der erste Mai war, waren dem Andenken der
Siebenmänner gewidmet, ein neuer und erfreulicher Beweis ihrer hohen
Verehrung auch im Mittelalter. — 30. April: Fest des heiligen Perfec-
tos; sein Grab ist in der Stadt Corduba.
1. Mai: Fest des Torquatus und seiner Gefährten; sie sind die^^^i^
sieben Boten. Seine Festlichkeit ist in dem Kloster Gerisset und dem uaL
Ort Keburiene. (Beides von unbekannter Lage). — 2. Mai: Fest des
Diakon's Felix, Märtyrers in SeviUa. — 3. Mai: Diess ist der lezte
der Tage, welche die Christen die „sieben Boten^ nei^nen. Diess ist
zugleich das Fest des heiligen Kreuzes; denn an ihm ward das Kreuz
gefunden, das in Jerusalem begraben war. Die Festfeier ist in dem
Erlöster Penamelaria und in dem Kloster Catinas (?). — 4. Mai: Fest
der Jungfrau Treptecis in der Stadt Estica. — Diese Heilige steht
nicht im gothischen Brevier, vielleicht ist sie auch aus der Zeit der
Mauren, in welcher das alte Astigi den hier schon vorkommenden
») K.-G. I, 174; n, 1, p. 311.
29
452 Zehntes Bach. Viertes KapiteL
Namen Estica (Ecija) annahm. Simonet vermuthet hier eine Verwecb-
lung mit der heiligen Florentina, die sonst am 20. Juni vorkommt
Da ihre beiden Brüder in diesem Kalender stehen, so wird sie aller-
dings in ihm gesucht. — 7. Mai: Fest der Esperenda, Martyrin, ^und
sie ist in Corduba. Ihr Grab ist in der Kirche des Ortes Atirez*
(Tiraceo?). Simonet denkt hier an den Abt Speraindeo, der aber kein
Märtyrer war. — 12. Mai: Das Fest des Victor und Basilins in S^
villa. Sie kommen weder in der alten Liturgie, noch in dieser Zu-
sammenstellung in den Martyrologien vor. — 20. Mai: Das Fest des
Mjirtyrers Baudilius aus Nismes, ist aus Gallien gekommen. — 21. Msi:
Das Fest des (Märtyrers) Mantius in Elbora wurde vielleicht id Söd-
Spanien schon in der Gothenzeit gefeiert.
Feste im Der Juui hat 10 Feste. 3.: Feier der Uebertragnng des Leib«
^"°'* des Apostels Thomas aus seinem Grabe in Indien in der Stadt (jhr
mina nach Edessa, sonst am 3. Juli gefeiert. — 13.: Fest der beiliga
Julitta (im Orient). — 16. (sonst 17.): Hadrian und Genossen in Nt-
comedien. — 17.: Das Fest (Hadrian's?) in dem Kloster Lanitos.-
18.: Fest des Quiriacus und der Paula, Märtyrer in Cartbagena, i. ei
Cartbago*), welche auch in dem gothischen Brevier stehen. „IhrFed
ist auf den Höhen von S. Paul^ in der Nähe von Corduba. -
19.: Fest der heiligen Maityrer Gervasius und Protasius in Maüaiid.
— 24.: Fest Johannes des Täufers, den auch die Muselmänner in
Spanien feierten. — 26.: Fest des Pelagius. Sein Grab ist in der
Kirche Tarsil (bei Corduba). Märtyrer wurde er erst im Jahre 9?i
— 27.: Fest des heiligen Zoilus^). — 29. Juui: An diesem Tage babrc
die Christen das Fest der beiden Apostel, welche ermordet worden ir
der Stadt Rom, und welche sind Petrus und Paulus, und ihre Gnk:
sind daselbst. „Und das Fest Beider ist in dem Kloster Nubiras*
(Colubris?).
Poiteim Der Monat Juli weist 10 Festtage der Christen nach. 1.: K-
•^"*'- Apostel Simon und Judas, Märtyrer in Persien, sonst am 28. Üctobr/
gefeiert. — 10.: Fest des Christoforus, sonst am 25. Juli getVien^
„Sein Fest ist in dem Wundergarten, der auf der andern Seite tod
Corduba sich befindet, jenseits des Flusses, wo die Kranken sind/
— 11.: Fest der heiligen Martiana. — 17. (sonst 16.): Fest der kili-
gen Justa und Rufina von Sevilla. „Die Feier Beider ist in de»
Kloster Auliati" (Aulia?). — 18.: Fest des Märtyrers Speratus, ^de^ses
Grab in Carthago der Grossen" ist. — 22.: Das Fest der heilig«'
Maria Magdalena. — 24.: Fest des Apostels Bartholomäus, „dessei
Grab in Indien ist". — 25.: Fest des Cucufat, „welcher begraben i»
') Die Araber nannten das alte Carthago, wie Cartagena in Spanien „CartageaM*
') K..G. I, 360-362; II, 2, p. 302.
KirchenfMe der Mozaraber. 453
in der Stadt Barcinona. Aber sein heiliger Leib war schon 835 nach
S. Denys bei Paris gekommen *). „An diesem Tage ist auch das Fest
des heiligen Jacobus und des heiligen Christophorus^. Jacobus, der
Aeltere, kommt nur hier vor; er wird an zweiter Stelle, und wird nicht
Apostel genannt. Also war er im Jahre 961 in Südspanien noch nicht
als Patron und Apostel Spaniens bekannt und anerkannt. Dass aber
Rabi Ben Zaid der Bischof den Ort seines Grabes nicht nenne, sucht
Simonet so zu erklären, weil es vielleicht allgemein bekannt war; denn
in dieser Zeit war die Wallfahrt nach Santiago in Galicien berühmt
im Abend- und im Morgenlande und Niemand war' diess unbekannt
in Corduba. Es war auch Niemand unbekannt, dass das Grab der
Apostelfursten in Rom, das Grab des heiligen Felix in Gerona sei,
und dennoch nennt der Kalender überall den Ort des Grabes. Alle
Welt sagt: der Papst in Rom, und alle Welt weiss, dass er in Rom
ist. Die Erklärung ist verunglückt. So wenig um 961 die erwähnten
Bischöfe im Nordosten von Spanien dem Grab des heiligen Jacobus
einen Vorrang einräumen wollten — denn die Sache hatte auch eine
politische Bedeutung — so wenig hielt es der Bischof von EHvira, der
mit dem Chalifen sOvVortrefflich stand, dass er ihm ein Verzeichniss
der christlichen Feste vorlegte^ für angemessen, die „Jacobusfrage^ zu
berühren. — 26. Juli: Fest der Martyrin Christina; ihr Grab ist in
i der Stadt Tiro (in Toscana, am See von Bolsena). „Ihr Fest ist in
der Kiische des heiligen Cyprian zu Corduba.** — 31.: Fest des heili-
gen Fabius, dessen Grab in der Stadt Cäsarea ist.
Der August weist 10 Feste der Christen nach. 1.: Fest des hei- Fest« im
Jigen Felix, begraben in Gerona, das in der Villa Jenisen (Froniano?) Aof«*-
nof dem Gebirge von Corduba begangen wird. Zugleich Fest des
lieiligen Petrus „ad vincula^j das in der alten Liturgie fehlt. — 6.: Fest
der „heiligen Justus und Pastor von Complutum^ das in ihrem Kloster
begangen wird^. — 7.: Fest des Mames, begraben in Cäsarea, das
irfiher nicht vorkommt. — Ebenso 10. August: Das Fest des Bischofs
Syxtus, und des Soldaten Hippolytus, dagegen „des Archidiakon Lau-
rentius, ermordet in der Stadt Rom; ihr Fest ist im Kloster Anubra-
riß?** — 15.: Fest der Aufnahme Maria's, durch welche (uns) Heil
werde. — 24.: Fest des heiligen Bartholomäus, der begraben ist in
der Stadt Esturis (vielleicht Daras). Es mag eine Verwechslung sein,
dass derselbe am 24. Juli und 24. August vorkommt — 25.: Fest des
heiligen Genesius, begraben in Arles; seine Feier in der Kirche in der
Vorstadt Tercios. — 26.: „Fest des Geruncius, Bischofs in Talica." —
28.: Fest des ^Augustinus, des Philosophen^. — 30.: Fest des Bischofs
») K -G. I, 304.
454 Zehntes Baeh. Yiertes KipHeL
Felix, der in Noia begraben ist Beide leztem Feste smd in spittnr
Zeit eingeführt
FMUim ^^^ Monat September hat wieder 10 Feste. In der alten litiff-
Septem- gie standen schon — 8. September — ^Mariä Grebnrt**; 14.: Cyprai
' von Carthago, der „weise Bischof^, dessen Fest in der Kirche sem
Namens begangen wird; 20. (21): Apostel und ETangelist Milthü«.
den Aglinns, Konig von Aethiopien todtete; 29: Michael, der Erxengd.
— Nebstdem findet sich am 1. September das Fest des Bischöfe Reo
tinianas ^) nnd seiner Gefährten, Märtyrer (zu Todi in UmbrieD). -
15.: Fest des heiligen Emilianns (Emila), sicherlich des Märtyrers tu
Corduba, wie oben bei Perfectns und Pelagins, nennt der Bischof nich
den Ort des Martyriums. — 16.: Fest der Martyrin £npheniia inUai-
cedon. — 27.: Fest des Adnlfas und Johannes in Cordaba. — 30.: Fa-
gang des Priesters Yeronimns in Betlehem nnd Fest des E?angelisio
Lucas (dieses sonst am 18. October).
Fetiaim Der Octobcr hatte in der alten Liturgie nur 2 Feste; hier hat er 7.
^"^^•Am 13.: Fest der drei üeiligen von Corduba, sonst am 28. Septeokr
begangen. — 23.: Die Märtyrer Servandus and G-ermanus, die \ia
„Mönche^ heissen. Ihr Fest ist in dem Orte ^Qnartas^, einer TiBi
in Corduba. — 29. (sonst 28): Fest der Apostel Simon nnd Thaddift
— Neu sind hinzugekonmien, 1. October: Fest der Jnlia, und ünr
Gefahrtinen, die zu Lissabon am Ocean ermordet wnrden. Siesol
unter Diocletian gelitten haben, steht aber nicht in der gotfakba
Liturgie. — 22.: Fest der Märtyrer Cosmas und Damian, steht in fe
frühem Liturgie am 27. September. — 28.: Fest des „Vincentins, dff
Sabina und Christeta, die in der Stadt Abula durch die Handd^
Präfecten Daciau ermordet wurden." — 30.: Marcellns, Martyre
in Tingis.
Feste im Zum Novembcr sind 15 Gedächtnisstage angegeben. Aus früberc
Novem- Zeit Stammen: 11.: Martinas von Tours. — 18. (17.): Acisclos toc
ber.
Corduba. — 19. (18.): Romanus von Antiochia. — 19. (20.): Crisp-
nus von Astigi. — 22.: Cäcilia von Rom. — 23.: Clemens von Koa
dritter Bischof nach Petrus, gefeiert in der Villa „Ibtilibes**? -
29.: Satuminus von Toulouse, gefeiert in der Villa „Casas Albas" -
30.: Andreas, der Apostel, gefeiert in der Villa „Tercios". — Das Fes:
„Allerheiligen" -kommt in unscrm Kalender (noch) nicht vor. Dageg«
am 1 . November das Fest der Uebertragung des Märtyrers SatnnÜDO»
in Tolosa. — 4.: Das Fest der Uebertragung des heiUgen Zoüns^
seinem Grabe in dem Stadttheile Cris (oder Crucis?) in die Kirch
seines Namens in dem Stadttheile „Tiraceo". — 6.: Fest des Evangfr
listen Lucas. — 7,: Fest des Albarus (Alvarus) in Corduba. weick
') Terentiantisf
Feste der Mozaraber. Lage der Mozaraber. 455
ausschliesslich in diesem Kalender vorkommt. „Seine Verehrung ist
nicht so sicher, wie die (gute) Meinung von seiner Heiligkeit^^ ^). Er
war eine Zeit lang Cordubensischer Local-Heiliger, und ist es heute
nicht mehr. Um so schmerzlicher wird S. Eulogius in diesem Ver-
:. zeichnisse vermisst Entweder hatte er im Jahre 961 keinen Cult, oder
i der Verfasser lässt ihn ans Rücksichten weg, das eine oder andere
L wäre nicht ehrenvoll. Was für ein Priester ,,Aemilianu8^' am 12. No-
li vember verehrt wurde, wissen wir nicht. — 27.: Fest der Märtyrer
:. Facundus und Primitivus, begraben in dem Kloster Sahagun.
i Endlich der December hat 12 Feste. Das Fest der heiligen Leo- FwtöU
cadia (9. December) wird begangen in der Kirche des heiligen Cyprian. ^•••"
— Zum 10. December lesen wir: Die Christen haben das Fest der
getodteten Eulalia, und ihr Begräbniss ist in Emerita. Und sie nennen
dieselbe Martyrin. Ihr Fest aber ist in der Villa Careilas (wohl Fra-
gellas) bei Corduba. — 14. December: Andenken des heiligen Justus
I und Abundius. — 18.: Fest der Erscheinung (Erwartung) Maria's, der
, Mutter Jesu. — 21.: Fest des Apostels Thomas, der in Indien ermor-
►
j det wurde. — 25.: Christi Geburt — 26.: Stephanus. — 27.: Fest
, der Aufnahme (in den Himmel) des Apostels und Evangelisten Johan-
j Des. — 28.: Fest des Apostels Jacobus, welcher der Bruder Christi
, genannt wird. Sein Grab ist in Jerusalem (welches Fest sonst am
1. Mai begangen wird). — 29.: Fest der unschuldigen Kinder. —
, 30«: Die Martyrin Eugenia, deren Grab zu Rom ist, sonst am 12. De-
cember begangen. — 31.: Fest der heiligen Columba von Sens, sonst
ebenfalls auf den 12. December fallend *).
Was ist nun der historische Gewinn aus dieser Schrift? Ein
mehrfacher und ein erfreulicher. — Die Mozaraber waren ein Bestand-
theil der katholischen Kirche und nahmen an der Entwicklung ihres
Lebens lebendigen AntheU. Sie nahmen stets neue Heilige, neue Feste
in den Kreis ihres Earchenjahres au£ — Die Mozaraber betrachteten
jene Christen, welche wegen des Christenthums von den Muhameda-
nem getödtet worden waren, als wirkliche Heilige, und erwiesen ihnen
kirchliche Verehrung. — Die Mozaraber waren vom Jahre 864, wo
') Baranda, in ^Coleccion de Documentos intditoa^, t 23, p, 336,
') Neulich hat R. Dozy selbst das ganze Werk herausgegeben a. d. T.: ^Le
Calendrier de Cordove de rannte 961, Texte arabe et andenne traduction la-
tine, pubia par R. Dozy, Leyde 1873. — p. p. 107 (mit einigen wenigen An-
merkungen). Ldbri hatte eine lateinische Ueberseznng schon 1838 herausgegeben.
jB. Dozy fand den arabischen Text in oder nach dem Jahre 1866, unter den M. S«
der (niederländischen) Nationalbibliothek. Derselbe ist erst im vierzehnten Jahrhun-
dert geschrieben und vielfach incorrect. — Mir selbst scheint nicht zweifelhaft, dass
die Substanz des in mehrfacher Redaction vorliegenden Calenders von dem Bischöfe
von Granada stammt
tcniitM Steh ihre Gescliiclito für uns in Dunkel gehüllt hat, bis znm Jahn 9(1,
"''''"wo ein vorübergehendes Licht auf sie fällt, nicht zarückgegiogen, linlt
loadso. unterdrückt worden. Sie hatten sich besonders unter der lugeiib
gierung Äbderrhaman's II[. und seines nächsten Nachfolgere eiset ri j
tiv günstigen Behandlung zu erfreuen. Sie hatten wenigstens «li (
Kirchen und Klöster, als 864, wahrscheinhch mehr. Sie hielleoiba l
Gottesdienst so offen und ungehindert, dass sie vor Nicnümd, m1 ),
dem Haupt der Mauren nicht, davon Etwas verbargen. Wie inü
duba, so war es ohne Zweifel in dem ganzen Lande. — thnRük [
Bisehofe stehen hochgeachtet und einSussreicli da. Die wenignt
schöfe, denen wir in den Jahren 950 — 988 begegnen, machen lof»
den Eindruck, dass sie ihren Beruf kannten, und ihm entfiprai'hciL A
Vorwürfe des Joannes von Gorzc beruhen auf mangelhafter KetuM
der Dinge, über die er urtheilte. Recesmund erscheint in dnr-lia
vort heil hafte m Lichte. Er hielt nicht Itesidenz zu Elvira. Das tkH
auch die Bischole, darunter selbst Heilige nicht, die mit ülioL«
deutschen Staat und die deutsche Kirche regierten. Im ganzen Milri-
alter zogen die Bischöfe mit in den Krieg. Das war eine b dfuto
Verhältnissen liegende Erscheinung. Ueberall stehen dieselben tnia
Spize der Gcsandtscliaf^en , weil sie überall gleich hoher Acbtimgua
erfreuten. Recesmund konnte am Hofe zu C'orduba seiner Getnnut'
zu Elvira sich viel nüzlicher erweisen, als wenn er immer mla ^
geweilt. Wie er die Gemütber anzuziehen und zu belierreclieii '«■
stand, ersehen wir aus seinem Verhältnisse zu Luitprand.
Ist es einerseits schmerzlich tur uns, dass wir über die Ge6cli'd«
der Mozaraber in Spanien in dieser Zeit nicht mehr wissen, so »oll*
wir auch für das Wenige dankbar sein, dankbar besonders dum
weil wir es den Beziehungen Spaniens zu dem neuen deutscben hai
unter Otto dem Grossen verdanken.
§■ ^■ I
Ahderrhaman HI. war am 15. October 961 gestorben. AH*
cam II. regierte bis zum September 976. Sein Sohn HescbiolL
zählte nur 10 Jahre'). Der Iladschib Muhnmed, bekannt nater ^
AimMi - Namen Almansor, zog die Gewalt an sich, besiegte die Chrisiai ■
'"■ glücklicheu Kriegen. Er eroberte und zerstörte Leon (997), Zm»»
Astorga, nahm zweimal Compostclla (988 und 994), und verbräi*
die Kirche des heiligen Jacobus. Die silbernen (kleinen) Glocken '^
dem Grabe des Apostels liess er durch Christen nach Cordova in^
Selbst Barcelona fiel vorübergehend in die Gewalt der Mauren 1?^
') Schäfer, 21, 202. - Gfrörer, IV, 293.
Almansor. Gregor YIL im Verkehr mit Spanien. 457
Das ganze christlictie Spanien schien aufs Neue den Mauren unter-
worfen zu sein. Gegen Almansor vereinigten sich die Könige von
Leon und Navarra, Der Graf Garcias Fernandez von Castilien führte
das Heer. Im Juni 995 siegte Almansor bei Alcocer am Duero.
Garcias Fernandez schwer verwundet, starb als Gefangener. Im
Jahre 1000 schlug Almansor die Christen entscheidend bei Cervcra
(an der Grenze von Navarra). Sieger in mehr als fünfzig Schlachten
erlag er bei Caltannazor; schwer verwundet Hess er sich nach Medina
Celi tragen, wo er am 1. Juli 1002 starb. — Die Christen lebten
i^ieder auf. Von da ging es allmälig abwärts mit der Herrschaft der
Mauren. Es folgten nun lange wechselvolle Bürgerkriege unter den
Mauren, in welche sich auch die christlichen Fürsten als Vasallen ver-
wickeln Hessen. In diesen Kämpfen kam Hescham U, um (c. 1013).
Kurz nacheinander regierten Abderrhaman IV., welcher bald vor Gra-
nada fiel, 1023, und sein Bruder Hescham HI. starb, kaum anerkannt, im
Jahre 1037. Mit ihm starben die Chalifen der Omajaden aus; das
arabische Spanien löste sich in eine Anzahl Fürstenthümer oder Emi-
rate auf.
§. 8.
Wenige Tage nach seiner Wahl zum Papste (22. April 1073)
schrieb Papst Gregor VH. an die Fürsten, welche (zum Kampfe gegen
die Mauren) nach Spanien ziehen wollten. Das Königreich Spanien
habe von Alters her als Eigenthum dem heiligen Petrus angehört. Die
alten Rechtsansprüche seien durch die Eroberung nicht verloren ge-
gangen. Er habe darum mit dem Grafen Ebulo (II.) von Roucy, in
der Champagne, einen Vertrag geschlossen, womach demselben etwaige
Eroberungen in Spanien unter der Oberhoheit der römischen Kirche gehö-
ren sollten. Ebulo zog mit Heeresmacht nach Spanien. Doch schweigen
die spanischen Chroniken über ihn^). — Der Papst sandte den Car-
dinal Hugo als seinen Legaten nach Spanien. Aber auch Gerald, Bi-
schof von Ostia, war im Jahre 1073 römischer Legat in Spanien^.
Am 19. März 1074 schrieb Gregor VU. an die Könige AJfons VI.
von Leon-Castilien und Sancho I. von Aragon, der Apostel Paulus
bezeuge, dass er nach Spanien gekommen; später seien die sieben
Schüler von den Aposteln Petrus und Paulus nach Spanien gesandt
worden, welche dort auch die römische Liturgie eingeführt hätten.
Darum mögen die Spanier wieder die Ordnung und das Officium der
*) Brief vom 30. April 1073. — Registrum, I, 7. — Bouquet, Scriptorea
rerum Frcmcicarum, XII, 14, — Qfroerer, Gregor» VII., Bd. IV, 75, 471, 473.
«) Registrum, I, 16. - Mansi, XZ, 72.
si
KBniio. jgjj 2u senden, besonders in der Angelegenheit eines
von Roda, der wirklich 1075 abgesezt wurde").
Am 9. Mai desselben Jahres schreibt er an
TOD Castilieo, nnd an die Bischöfe seines Reiches,
Panlas Monio gemäss seiner Vorladang in Rom ge«
sprechen habe, die römische Litni^e in seinem Bt
Der König möge ihn in sein Biethnm wieder einsez
meinen sein Reich in Gerechtigkeit regieren'^.
Am 34. Jannar 1075 schrieb er dem Könige i
wegen der Abdankung des Bischofs Sancho IL tc
welcher dieselbe persönlich in Rom nachgesocht
möge mit Hilfe der Nachharbischöfe sein Amt noch
nnd einen Priester zu seinem Coadjntor wählen. "VI
heit des Bischofs zunehme, so möge dann dieser P
zur Bestätigung vorgeschlagen werden, so er inzwii
habe. — • Im Jahre 1076 erscheint nach Sancho IL <
von Aragon-Jacca. Der Papst erklärt, es sei nichl
von nicht legitimer Geburt, auch bei den besten
Bischöfe zu bestätigen*).
Im Mü 1076 antwortet er dem Bischöfe Sim(e)
nes von Bnrgos) nnd freut sich seiner Anhänglichkf
Kirche. Die römische Litni^e müsse eingeführt w
einen Kirche dürfen keine Spaltungen sein. Es se
Gegner „die Söhne des Todes", Briefe von ihm em
sie aussprengen, .Soree also, dass die römische
Gregor VIL im Verkehr mit SpanieD, 1079. 459
Am 28. Januar 1077 erliess er ein Kandschreiben an sämmtliche
Könige, Grafen und andere Fürsten in Spanien, worin er sagt, dass
das Reich Spanien nach den alten Constitutionen dem Apostel Petrus und
der romischen Kirche als rechtmässiges Eigenthum übergeben sei. Er
ermahnt sie, dem heiligen Petrus den schuldigen Dienst zu erweisen.
Er empfiehlt ihnen Amatus, den Bischof von Oleron und den Abt von
S. Pons als seine Legaten. Gleichzeitig schrieb er aus demselben An-
lasse an die „Erzbischofe und Bischöfe, Aebte, Konige, Fürsten, auch
Kleriker und Laien in dem Narbonnensischen Gallien, in Guasconia, und
in der Spanischen Gegend^, und empfiehlt ihnen den Amatus, den
Bischof von Oleron, als seinen Legaten^).
Am. 2. Januar 1079 schrieb er an den Bischof Berengar Wilfred Brief«
von Gerona (1050—1093), er möge die Sohne des Grafen Raimund ®^'''
Berengar's (I.), dessen personliche Anhänglichkeit an ihn er erfahren
habe, unter einander aussöhnen. — NothigenfiEÜls wolle er ihm eigene
Legaten zusenden, und vor einer Excommunication des Schuldigen nicht
zurücktreten. Ueber den Erfolg möge er baldigst an ihn berichten,
oder besser noch, selbst nach Rom kommen« Er betrübe sich sehr
„über das Verderben^ Guifred's von Narbonne, dessen Bruder der
Bischof von Gerona war; er möge alle Kraft aufbieten, denselben zu
bekehren. — Guifired starb noch in demselben Jahre ^. Auf der römi-
schen Synode, die am 11. Februar desselben Jahres stattfand, wurde
auf das Neue die Excommunication über den Erzbischof von Narbonne
ausgesprochen.
In seinem Briefe vom 15. October 1079 wünschte Gregor VIL
dem Könige Alfons VI. von Castilien Glück, dass durch sein Bemühen
die Wahrheit und Gerechtigkeit, welche so lange vom Irrthnm und der
Halsstarrigkeit unterdrückt gewesen, wieder aufzuleuchten beginnen.^
Er ermahnt ihn zur Ausdauer« „Was eure Person betrifft, erwarten
wir das Beste. Denn aus den Berichten unsers Legaten, des Gardi-
nais Richard, den wir zum zweiten Male an Euch senden, ersehen
wir, dass Euer WiUe gut ist — Aber seid stets der Rechenschaft
eingedenk, die Ihr einst vor Gott ablegen müsset.^ Er habe dem
Legaten noch andere Aufträge gegeben, welche er mündlich auszu-
richten habe^).
In dieses gute Einvernehmen kam ein trauriger Zwischenfall^ der
— Ttjada y Ramiro, III, 14O'-208. Disertacion — de la Misa antigua de
Espaina»
») Registrum, IV, 28. — Mann, XX, 234; 622^623. — Gfroerer, IV, 474.
') Registnm, VI, 16. - Äguirre, III, 252. — Mann, XX, 270. — Vü-
lanueva, XIII, 111. — Esp. sagr., t 43, 190-191.
*) RegiHrum, VII, 6. — Mann, XX, 29 i.
460 Zehntes Bach. Viertes Kai^tel.
es störte. Ein Mönch, Robert, aas dem Kloster oder der Congrega-
tion von Qugny hatte im Reiche Castilien grosse Verwirrung angestiftet
Am 27. Juni 1080 schrieb Gregor VII. an den Abt Hugo von Clagny,
er solle diesen Robert züchtigen , der sich gegen die Auctoritit da
heiligen Petrus erhoben, dass er eine Menge von hunderttanseDd
Menschen, welche im Begriffe gewesen, den Weg zur Wahrheit ein-
zuschlagen, in den alteu Irrthnm zurückgeworfen und die Kirche Spi-
niens der grossten Gefahr preisgegeben habe. 99 Ich befehle dir, da
besagten Irrlehrer Robert ohne Verzug auszuschliessen. Dem Könige
aber, der durch den Trug des Mönches verfuhrt worden, sollst du
schreiben, dass er sich den Unwillen des heiligen Petrus zugen^
hat, und dass ihn, wenn er sich nicht bessert, empfindliche Strafe fir
die unwürdige Behandlung treffen wird, die unserm Legaten wider-
fahren ist Wenn er nicht Genugthuung leistet, sind wir entschlossen,
den Bann über ihn auszusprechen, und alle guten Kutholiken Spaniens
gegen ihn aufzurufen. Wenn unsere Befehle nicht genau vollzogen
werden, so werden wir nicht davor zurücktreten, selbst nach Spaniei
zu reisen, um dort das Nöthige anzuordnen. Wir ermahnen dich noc^
dass du alle Mönche deines Ordens ^ die gegen die Regel über Spanien
zerstreit sind, in das Kloster zurückrufest. Keine dort ertheilte Weihe
soll giltig sein, wenn sie nicht durch unsem Legaten bestätigt wird.'
Gleichzeitig (29. Juni) schreibt er dem Konige selbst, er möge
den falschen Mönch Robert, der ihm schlechte Rathschläge gebe, tob
sich entfernen, die mit einer Verwandten seiner Gemahlin eingegangene
sündhafte Verbindung aufgeben *), und den Ratbschlägen seines Legaten
Richard Gehör schenken. Diesen selbst ermahnt er in einem besOT-
dem Schreiben zur Geduld, und sezt ihn in Kenntniss, dass er an d«
Abt von Clugny geschrieben habe.
In diese Zeit fallt wohl das Concil von Burgos, das die Einluhr-
ung der römischen Liturgie in Castilien beschloss. Aragon war se«
dem Jahre 1071 vorangegangen. In Castilien erhob sich in des
Jahren 1074 — 1080 eine sehr starke Opposition. Constantia, die zwew
Gemahlin Alfons VI. (von 1080 — 1092), eine Französin, machte ihrea
Einfluss fiir die römische Liturgie geltend. „Der Klerus und das Volk
von Spanien, sagt Roderich Xiraenes'^), kamen in Unruhe, weil si^
von dem Könige und dem Legaten (Richard, der im Jahre 1079 Abt
') 8. Roderic. Ximenes, 6, 20 tider die Frauen und die „nobilof concvln-
nas'' des Königs Alfons VI. — c/. Florez, Reynas Catolicas etc., 1, p, 163-
230, der ex professo über seine Frauen und seine ,.amxgas*' handelt, unter denen
die Maurin Zayda Tochter des Königs von Sevilla war. — c/1 Registrum, VUl
2, 3, 4, — Mansi, XX, 315^317.
') De rebus Ilispaniae, L 6, 25, de commutatione officii Toletani, AI»
auch Rodericb kennt nur eine Toletanische, keine spanische Liturgie, c/. o66n p. 166-
Oregor VIL und Spanien. 461
von S. Victor in Marseille geworden), gezwungen wurden, „das galli-
caniscbe Officium anzunehmen'^ Der Bischof Simon von Burgos be-
mühte sich seit dem Jahre 1074 sehr iür die Einfuhrung der römischen
Liturgie. Vom Jahre 1077 an bemühte sich besonders der König Einfuhr-
dafur, vom Jahre 1080 an noch mehr, in Folge seiner Heirath mit'^JI^
Constantia, und der Briefe des Papstes. — Es kam zuerst zum Duelle.
(Ob im Jahre 1077, ob im Jahre 1080, oder erst nach der Einnahme
von Toledo im Jahre 1085, ist noch nicht ermittelt.) Der Ritter für
den alten Ritus war ein Castilianer aus dem Hause Matanza's. Der
Zweikampf fand (nach Florez) am Palmsonntag, den 9. April 1077
statt, wie ein Chronicon von Burgos sagt: „In diesem Jahre (1077)
kämpften zwei Ritter für das römische und Toletanische Gesez, am
Tage der Palmen; der eine Ritter war ein Castilianer, der andere ein
Toletaner, und dieser wurde von jenem besiegt." — Wir können uns
für das Jahr 1077 um so weniger entscheiden, als Constantia erst
drei Jahre später Gemahlin des Königs wurde. — Im Jahre 1080 soll
der Legat Richard eine Synode zu Burgos gehalten haben. Das der
Zeit nach nächste Zeugniss ist die Chronik des Pelagius (um 1124),
welcher sagt, der Papst habe den Abt Richard von Marseille auf des
Königs Ersuchen nach Spanien gesandt, „welcher bei der Stadt Burgos
ein Concil hielt, und die römische Liturgie in dem ganzen Reiche des
Königs Alfons VI. bestätigte im Jahre 1085^).
Ist die Jahresangabe richtig, so muss man eine wiederholte
Kinfuhrung des römischen Ritus in Castilien annehmen*). Denn
nach dem lezten uns erhaltenen Briefe Gregorys VII. vom März des
Jahres 1081 an König Alfons VI. freut sich der Papst über die
Annahme des römischen Ritus in den Kirchen von Castilien. Ucber
die Gemahlin des Königs, und über die Abtei des heiligen Secundus
(Facundus?) werde ihm der Legat des Papstes Bescheid geben. Eben-
so möge er bei der Wahl eines Erzbischofes auf den Rath dieses Le-
gaten hören. Dem von dem Könige Vorgeschlagenen fehle es an der
nothigen Wissenschaft. Finde sich in Castilien Niemand vor , so solle
er einen Fremden herbeirufen (was später auch geschah). — Er solle
nicht länger gestatten, dass die Juden in seinem Reiche über Christen
herrschen oder Aemter bekleiden. Der Allmächtige habe ihn über
alle Könige Spaniens erhöht, habe mehr als eine Million Unterthanen
ihm gegeben^). Er dankt dem Könige für die ihm übersandten präch-
tigen Geschenke.
') FUyrez, t 3, p. 321; t. 13, p. 488. - Äguirre-Catalmi , IV, p. 449. —
Ofroerer, IV, 477.
*) Ofroerer, IV, 479. .Es handelte sich zu Burgos nicht um EinfÜbrang,
Bondem um Bestätigung.'
*) Tibi ultra mük hominum millia subjecU. — Registrum, 9, 2. — Mansi,
I
462
Zehntes Bach Viertes Kapitel. — Toledo erobert, lOK
I
In den Jahren 1073— lOSl waren die Kämpfü mit den Miura
eingestellt. Vom Jahre 1082 begannen die Kämpfe aufa Nene, Hk
Emire Aben Abed von Sevilla und Jahia Alkadir von Toledo ^a
im Streite mit einander. Der Eratere schlosa mit AlfoDs VI. dn ^
niss gegen den Emir von Toledo. Jezt machte Alfons VI. wiedeiin»
Einfalle in das Gebiet von Toledo. Nach drei Jahren belagerte n k
Stadt. Zwar wollten die Saracenen den Plaz bia auTs Aenssersti; w-
theidigen. Aber wegen der grossen Hungersnoth in der Stadt veilii^
das Volk stürmisch die Uehergabc '). Der Emir versprach die t'^
gäbe unter den Bedingungen, dasa Leben und Eigentbum allErE*
wohner gesichert, dase keine Moachee zerstört, der öffeDtlicbf Cd
des Islam nicht gehindert werde. Die Mauren behalten ihre cip«
lüchter (Cadi), welche nach den üblichen Gesezen entscheiden. J*
kann auswandern, wohin er will. — Der Emir selbst und die i»
nehmsten Saracenen zogen mit ihren Scliäzen nach Valenui».
5 Am 25. Mai 1085, an einem Sonntage, zog Alfons VL isA
'das nordwestliche Thor, welches man beute noch zeigt, in Toledo«.
,, Der 25. Mai 1085 war auch der Todestag des Papstes Gregor'tTl
„Ks war derselbe Tag, an welchem die Gotben in die Maneni til^
do's einzogen, und das Kreuz wieder über den Thoren der lita
Landeshauptstadt aufpflanzten. Während am Tajo die Lot^iEÜff
der befreiten Spanier ertönten, schwang sich za Saleroo die von L(^
banden gelöste Seele des Gerechten zum Urlichte empor, aus i""
eie stammte"'),
XX, 340. Die Briefe Grcgor'a VII., die er nach Spanien sandte, steheii n- 1
sammelt bei Aguirre, am ScLlusae des t. III der allen, des (. IV der nci»
gäbe von Aguirre (nnd Catalani); t, IV, p. 4H8-448.
') Gfroerer Bagt, „der P«bcl — das heiast die Mozaraber iind dieJ*"
drohten mit Empörung, wenn man die Uebergabe länger verzögere', IV, *W
■) Chromeon Pelagii, ap. Fiorez, t. 14, p. 488. — Ofroertr, P'i«' *
gorins und sein Zeitalter, 17, 484; VII, 968.
Anhang I.
Das altspanisctae Kirebenreeht
Untersnchimg über den Ort und die Zeit seiner Entstehung.
Die Collectio canonum Ecdesiae HUpanae, das Kirchenrecht der vom
^rianismus befreiten spanischen Kirche wird ohne Grund dem Isidor von
Sevilla als Verfasser zugeschrieben. Weil der Sammler sich nicht nennt,
md sonst nicht bekannt ist, weil die Sammlung muthmasslich in der Zeit
[sidor's entstanden ist, wurde die Auetorschaft ihm in ähnlicher Weise
sugeschrieben, vne die der alten spanischen Liturgie. — Die Mehrzahl
ier Schriftsteller, welche dem Isidor die Auetorschaft absprechen,
bat sich für keinen andern Verfasser ausgesprochen. — Die Samm-
lung besteht ans 103 päpstlichen Decretalen, und aus 63 Synoden.
Da der Sammler die Collectio des Dionysius Exiguus benüzt hat, so
muss seine Sammlung um ein Erhebliches später entstanden sein.
Schon vor 544 hatte die spanische Kirche einen ihr cigenthümlichen
Codex canonum, der auch die spanischen Provinzialconcilien und die
an spanische Bischöfe gerichteten päptlichen Decretalen enthielt Diese
älteste Sammlung enthielt anfangs wohl nur die Beschlüsse der Syno-
den von Elvira, Nicäa, Ancyra, Neocäsarea und Gangra. Dazu kamen
die Canones von Sardica in dem lateinischen Original, und noch später
aus einem griechischen Codex die Uebersezung der Canones von An-
tiochien, Laodicäa, Constantinopel (381) und Chalcedon. Zwar ist
die Existenz dieser Sammlung ausser Zweifel, doch hat sich bis jezt
kein Exemplar derselben geftmden. — Von ihr sind die sogenannten
84 capitida des Metropoliten Martin von Braga zu unterscheiden.
Von der im siebenten Jahrhundert geltenden Sammlung haben
sich verschiedene Abschriften gefunden^ von welchen die einen mit
der dritten Synode von Toledo (589) die Sammlung scfdiessen, andere
464
Anhang I.
noch die vierte von 633, andere alle folgenden zum Theil oder ganz
enthalten. Die Brüder Ballerini sprachen sich desshalb fnr die Jahn*
633 — 636 als die Zeit der Entstehung der Sammlong aas. Deatsobe
Canonisten, u. a. O. Phillips, Fr. Schulte u. A. machten dagegen gel-
tend, dass, wenn die Sammlung mit der dritten Synode von Toledo
schloss, also zwischen 589 — 633 entstand, es sehr leicht und natürlich
war, dass den einzelnen Exemplaren die später gehaltenen SjnodeiL
vor allen die grosse Synode von 633, beigefugt wurden.
Der entscheidende Beweis, dass die Sammlung vor dem Jahre C3d
entstand, liegt darin, dass die Vorrede unsrer Sammlung in die Ety-
mologieen Isidor's aufgenommen wurde, welche im Jahre 631, mit Aus-
schluss der Eintheilung in Kapitel, schon vollendet waren. (Faiulih.
Artvalo, hidoriana, P. I, cp. 21, 27), — Sie waren aber wahrschein-
lich viel früher vollendet, da sich Braulio darüber beschwert, cUss
Exemplare derselben schon im Umlaufe seien, "^rährend er, der Venm-
lasser des Werkes, noch keines erhalten habe. Dass aber die Vorrede
der Sammlung nicht aus Isidor entnommen sei, springt bei genaoer
Vergleichung sofort in die Augen:
Praefatio Canonum
Canones genercdium conciliorum
n temporibiis Conatantini coeperurU;
in praecedentibua namqi^ annia
peraectitione fe)*vente, docendanim
plehiitm minime dabatur facultas:
deinde christiamtas in diversas
haereses scissa est, quia non erat
licentia episcopis sanctis in unum
convenire nisi tempore supradicti
imperatoris; ipse namqiie
dedit facultatem Qiristianis
libere congregari. Sub hoc
etiam Scnicti Patres in concilio
Nicaeno^ de omni orbe tei*rarum
conveiiienteSy juxta fidem evange-
licam et apostolicam secundum
post apostolos symbolum tradi'
derunt. Quatuor autem principalia
esse concilia, ex quibus plenissimam
fidei doctrinam tenet ecclesia tarn de
Patris et Filii et Spiritus Sancti
divinitate, quam de praedicti Filii
et Salvatoris nostid incamatione.
laidor. etymoL VI, c 16.
De canonibus conciliorun.
Canonea autem generalium conc^lk-
rum a temporibus Conatantini coiff
runt. Inpraecedentilnta namque anii
peraecutione fervente docendaru»
plebium minime dabatur facvhn.
Deinde Christian itas in divcr^vt
haereses est scissa, quia non rrai
licentia episcopis in vuns
convenire, nisi tempore avifrallcü
imperatoria. Ipse navKjhi
dedit facultatem ChristMii
libere congregari. Sub h-<
etiam sancti Patres in concilio
Nicaeno de omni orbe t^rrarm
convenientes, juxta fidem evangt-
licam et apostolicam secundm
post apostolos symbolum iradi-
derunt. Inter caetera autem conciik
quatuor esse (scimus) venerabiles sy.i-
odos, quae totam principaliter fh^
complectuntur, quasi quatuor Evamir
lia, vil totidem paradisi ßmnina.
AltspaniBches Kirohenrecht
465
So nimmt Isidor fast wörtlich die Vorrede der Sammlang in sein
erk, wie er überhaupt wörtliche Auszüge ohne Angabe der Quellen
machen liebte, und sein ganzes Werk fast aus lauter Excerpten
\tert8 lecHonis^^, d. i. dessen, was er zu irgend einer Zeit gelesen
te, besteht. Nur dann tritt bei ihm eine Abweichung von unserer
raefatio'^ ein, wo ihm ein allzu barbarischer Ausdruck in den Weg
t; z. B.
Iridar:
dans symboli
formam quam tota
flraeeonun e^Latlnonim confessio
in Ecdesiia praedicaU
Praefatio:
.unda synodus dans
lus (!) symboli formam, quam
i flraeeia et Latinltas
Ecdesiis praedicat
Am Schlüsse lesen wir:
Hae sunt lU praediximus guatuor
ncipales et venerabiles synodi
%m fidem complectentes. Sed et si
le sunt synodi quas Sancti
tres spiritu Dei pleni ganxenrnt,
^t istarum qi^tuor ai^oritatem
ni manent stabüitae vigore
trum etiam gesta in hoc opere
dita continentur.
Quaiuor hae sunt synodi
prindpales , fidei doctrinam
plenissime praedicantes. Sed et si
qua sunt concüia quae sancti
Patres spiritu Dei pleni sanxerunt,
post istorum quatuor auctoritatcm
omni manent stabilita vigore,
quorum gesta in hoc corpore
condita continentur.
Es leuchtet ein, dass die lezten Worte wohl für die Vorrede,
)r nicht in die Etymologieen passen. Wer so viel wörtlich aus an-
n Büchern zusammenträgt, wie Isidor, wohl auch Auszüge macht,
1 nicht unwahrscheinlich fremde Hände herbeizieht, d. i. Excerpte
rch sie anfeiligen Insst, dem kann es wohl begegnen, dass sich auch
passendes einschleicht. Die Abschreiber jener Zeit waren ein grosses
euz der christlichen Schriftsteller. Sie schrieben nicht (wie sich
3ronymus und Augustinus beklagen), was sie lasen, sondern was sie
b dachten, wobei sie sich auch manchmal Nichts dachten. Aber es
einleuchtend, dass der Verfasser der Vorrede nicht die Schrift
lor's, sondern Isidor vielmehr die Vorrede vor sich gehabt habe,
ire die Vorrede eine Copie aus den Etymologieen, so hätte der Vor-
ner gewiss nicht aus: Oraecorum et Latinorum confessio — das un-
iinische, höchstens aus der Volkssprache genommene: „Oraecia et
linitas*' gemacht, welches Wort (nach Ducange) erst in viel späterer
t sporadisch in dem Sinne von: lateinisAe Kirche vorkommt. Der
rredner war ein Mann, des Schreibens nicht kundig, dem die Feder
bt geläufig war.
Neuestens aber bat Fr, Maassen das in obiger Thatsache liegende
;ument zu entkräften, und den Beweis zu führen gesucht, dass nicht
3am8 , span. Kirche. II« 2.
30
^
r 466 Anhang I.
der Auszug in den Etymologieen aus der Vorrede , soudeni die Vo^
rede jenen eDtnommen sei. Er meint, es sei mAg'llebt das3 hk
und der Verfasser der Vorrede aus einer genaeiDBchaftlichen Qil'
geschöpft haben. Möglieh wohl, aber der Beweis fehlt. Aber Maim
will die blosse Muglichkeit zur Wahrscheinlichkeit erheben. „Es It
offenbar viel mehr für sich anzunehmen, dass der Autor der sputiKis
Sammlung, als dass Isidor Aenderungcn vorgenommen habe.* tt«
ist eine willkürliche Annahme. Den Ausdruck „Groecia et LalnM
hat der Vorredner gewiss aus keiner frühem Sammlung genomao;
er kommt bei ihm zum ersten Mal in dem Sinne vor: „die Isteioi)^
Kirche". Ducange und die Mauriner haben in ihrem: „Glo$tariimd
scriptorea medtas et tnßmae lalinUatis", Paris. 1733, s. v. „LatinHf
unsere Vorrede übersehen, und sie führen die einzige Stelle «mO»
dericUB Vitalis, gestorben nnch 1142, an: inviolabUiter m'e'gerat tettai i
omni Latinitate (hisior. eccles, l. 10). Vielmehr sind die aoedtui
ächten Citate Isidor'a aus andern Quellen vielfach verändert, IGl
Möglichkeiten können wir nicht rechnen. Die Thatsache liegt «
dass Isidor sein Capitel irgendwo entnommen, und da wir es täipsäi
als in der „Vorrede" finden, schliessen wir mit Recht, dass fr o
dorther genommen. Nun versucht aber Alaassen den Beweis, difs da
Etymologieen im Jahre 630 — 633 noch nicht vollendet gewesen, i*
führt die Stelle an: Cadicem Etymologiarum cum aliia codidbut diii
nere transmisi, et licet inemendatiim prae valeludine, tarnen tibi ttsi
ad emendandum sfatueram offerre. — Wir iibcrsezen: Das Werk da
Etymologieen ist von mir wegen Unwohlsein nicht durchgesehen, nict'
corrigirt worden, sei es, dass es Isidor selbst, oder ein Anderer, od«
mehrere Andere es geschrieben haben'). Damm sendet er es dd
Braulioj dass er das "Werk corrigirc. Ein nicht corrigirtes, nicht dnni-
gesehenes Werk ist darum noch kein unvollendetes Werk. Er H^
nicht, dass er es nicht zu Ende gefuhrt, sondern es nicht ausgebeär«^
habe. Ueber die Vollendung oder Nichtvollendung dieses WeAö
liegen drei Aussagen vor, die des Isidor selbt^l, die seines Freond«
Braulio, und die des Ildefons von Toledo, welcher um ein Menscb*-
alter .=päter schrieb. Wir stellen sie gleichfalls neben einander, dus
sie sich beleuchten und erklären. Isidor also sagt:
Codicetn Etymalogiarum de itinere tranamisi, et licet inemmiiä^
prae valeludine, tarnen tibi modo ad emendandum etatueram offetn. '
ad dextinal^an condlii tocum pervenissem^). Ein nur nicht corrigirtc
') Selbst den kleinen Brief nr. 9 ap. Arevalo h&t Isidor an ßraiilio nicht*'**
gBBchriebcn, denn es stirbt am Scliliisa: Et manii aua: Ora pro nobit; ebn*'^
Brief U und 13 an denselben. J
') epiil. Isidori 13. * m
Verscbiedene An^sigon über das Werk Isidor's „Origines^. 46f
Werk ist ein seiner Substanz nach vollendetes Werk. In der Wid-
luaug an Braulio sagt Isidor: En tibij sicut pollicitus sum, misi opus
de origine qtiarumdam verum ex veteris lectianis recordatione collectum,
et ita in quibiudam lade adnotatum, sicut exiat conscriptum atylo majo-
rum (d. i. wohl: die Citate sind als solche kenntlich gemacht, während
spätere Abschreiber die Anführungszeichen wegliessen). — Dass das
Werk unvollendet sei, findet man von dem Verfasser desselben nicht
behauptet. Man beruft sich ferner auf Braulio von Saragossa. Dieser
hatte geraume Zeit vor Vollendung des Werkes an Isidor geschrieben:
Suggero sane et deposcOj ut librum Etymologiarum, quem jam favente Do-
mino audivimus GOnSDIDIlUltlllllf servo vestro dirigere juheatis^).
Dagegen sagt Braulio in seiner Vorrede zu den Schriften Isidor's,
die gewöhnlich am Schlüsse von Isidor's Buch de viris iUustrihus steht:
„Eiymologiai^m (edidit) codicem nimia magnitudine, distinctis ab eo
titulis, non libris, quem quia rogatu meo fecit, quamvis lmp6rf6CtaiIl
ipse reliquerit, ego in viginii libros divisi.*^ Das Werk Isidor's nennt
Braulio unvollendet, nicht, weil es der Substanz nach nicht vollendet
war, sondern weil es nicht in Bücher abgetheilt und nicht gehörig
revidirt war. Braulio sagt nicht, dass er das Werk vollendet, sondern
dass er es eingetheilt habe; desswegen besteht die Nichtvollendung im
Sinne Braulio's in der mangelhaften oder fehlenden Eintheilung. Er
unterscheidet also zwischen „imperfeetus^^ und „non consummatus'^, zwi-
schen: „nicht zu Ende geführt, und nicht vollendet, nicht vollkom-
men.^ Ein Widerspruch zwischen den Aussagen Braulio's- und Isidor's
findet sich nicht. Der Widerspruch tritt erst durch einen Dritten,
lidefons von Toledo, ein^). Er schreibt: scripsit quoque in ultimo ad
petitionem Braulionis Caesaraugustani episcopi librum Etymologiarum,
quem cum multis annis conaretur perficere, in ejus opere diem extremum
visus est condusisse. — lidefons lebte ein Menschenalter nach Isidor,
und wir halten es für wahrscheinlich, dass er das Buch der Etymolo-
gien gar nie gesehen habe, in Anbetracht der mangelhaften Verbreit-
tung der Bücher in jener Zeit, indem schon damals das Werk des
ApringiuB von Face ganz, das Werk des Dichters Dracontius zum
grössten Theile verloren war, das Werk Justinian's von Valencia viel-
leicht nur in Auszügen bei lidefons erhalten ist. Jedenfalls ist das
nicht wahr, was Udefons von diesem Werke schreibt. Er hat es nicht
zulezt geschrieben, sondern in der Blüthe der Jahre, spätestens um
622. Er hat es nicht geschrieben auf Bitten des Bischofs, sondern
des Archidiakon's Braulio. Er hat es zu Ende gebracht wahrscheinlich
') epistola 10 Isidori, ed, Arevalo , et Braulionis S, ed. Bisco, 30,
p. 320, Bsp, sagr,
') de viris iüustr. cp^jfi.
nn *
I
466 Aahmg J.
in äeroselben Jabre, in welchem Braulio Bischof wurde. DieBägfdü
nicht vor G31. Aber in dieser Zeit schreibt Braolio genide «cU^
gend an Isidor, es seien bereits sieben Jahre verflossen, Bcitda«
den Isidor nm die damals schon vollendeten EtyniologiecD ^
habe. Er sagt: „Sepfimum, ni fallor, annum tempora gyraui, a fi
me memini Ubroa a fe eondItOS Origenum poatulasee, seil «uidli &
Hone modo necdum esse perfCCtOSi modo necdum gcrtptOS, tRK'ii •■
liäeras intercidisse — ad katic «sgwa diem pervenimus (ep. Ji). Ü«
schon nm das Jahr 624 hatte BranUo gebort, dass das Weti loil»
det sei, von da dürfen wir noch wm 3 — 6 Jabre zoruckgeben, dt •
angefangen wurde, etwa um 618 — Ö22. — Es war vielleicht du ml«
vollendete, nicht zulezt angefangene Werk Isidor's. Dnsa Isidorii
vrührend dessen Abfassung gestorben sei, diess sagt lldefons liHt
er hat den Braulio nicht verstanden. Niemand hat noch Lfickai*
dem Werke entdeckt, Niemand vermisst Etwas. Es ist eine Toilaiicii
Encyclopädie des Wissens jener Zeit, es handelt von allem Wissl««
im Himmel, auf Erden und unter der Erde.
Nun schlagt aber Maaa»en bei der Frage, ob Isidor'e Weiwl-
leodet sei, den Weg ein, dass er Ildefons als Hauptzeuga pte"
wissen will. Weil Ildefons sagt, das Werk sei nicht vollendet p"^
aen, so war es nicht vollendet. Ein späterer Zeuge ist keb Üap-"
seine Aussage kann gegen die des Zeitgenossen und Freundes BnA -
nicht beweisend sein. Wenu sodann die Aussagen Braulio's iii»i If»"
dor's sich ohne Mühe vereinigen lassen, der Widerspruch aber rt
durch Ildefons eingeführt wird, so darf Ildefons nicht gehört «wl»
„.Wir behaupten also, Isidor's Werk war vollendet der Substaniu*
>- wenigstens 5 Jahre vor seinem Tode, es war nur unvollendet, i"-
unvollkommen in der Form, es war nicht gefeilt und eingetliedt- W
■ Eintheilnng rührt zum Tbeil von Braulio. Die Feile konnte et m
nicht geben; sie fehlt heute noch. Wenn Isidor wollte und sieb «*
nahm, so war seine Diction auch gewählt und gefeilt.
'■ Demnach behaupten wir, dass, als Isidor am siebenten Biw^
seiner Etymologieen schrieb, er den „Codex Canonum ecdesiae fli^
Hoe" schon vor Augen hatte, und dass er die Einleitung desäflbeo"
sein Werk herübernahm, das spätestens um das Jahr Ö31 "!»»■
det wiu'de.
Wir behaupten ferner wie früher'), dass die äammlung onnJ"
Jahr 610 — 611 durch den Erzbischof Aurasius von Toledo sni-sJ^
oder angeregt wurde. Dass die Sammlung nicht vor 589 entstand*
sei, geben alle zu. Sie kann frühestens 598 entstanden sein, ««111»
ältesten Exemplare, welche nur die dritte Synode von Toledo üi''»''
') B. TUbiDger theologische Quartal Bchrift. Jnhag. 1867, S. 1-23.
Toledo, Metropolis der Provinz Garüuigeiia. 469
der Zeit nach mit der Synode von Haesca 598 sohliessen. Es ist
-dings eine Hypothese, dass die Sammlung gerade 610 — 611 ent-
den sei; aber wir bringen unsere Gründe für diese Annahme. —
jhof Enphemius von Toledo nannte sich in seiner Unterschrift zu
Synode von Toledo Ö89 „Metropoliten der Provinz Carpetanien**,
. von Neucastilien, und virohl auch einem Theile von Altcastilien.
bisch waren bisher die Bischöfe von Toledo mehr nicht gewesen.
Jahre 597 war Adelphins Bischof, und diesem folgte Aurasins
303 — 615). Er machte den Versuch, sich zunächst die Anerkenn-
ais Metropolit über sämmtliche (23) Bischöfe der Carthaginen-
aen Provinz zu verschaffen. Diese Aufgabe hatte grosse Schwie-
citen; 80 Jahre früher hatte Montanus kaum die Bischöfe von Neu-
ilien dahip gebracht, ihn als Metropoliten anzuerkennen, und Eu-
DQins hatte vor wenigen Jahren sich mit dem Landstrich Carpeta-
a begnügt. Als der katholische König Gundemar zur Regierung
, nahm Aurasius die günstige Gelegenheit wahr, Toledo war einmal
tptstadt des Reiches, und es nahm auch eine höhere kirchliche
long in Anspruch. Aurasius sezte es durch, dass er von den
3ten Bischöfen der Provinz als ihr Metropolit anerkannt wurde,
irch gemeinsame Wahl haben sie beschlossen, dass der Stuhl der
i^eiligen (sacrosanctae) Kirche von Toledo Namen und Würde der
tropole haben solle, und dass er ihren (der Suf&agane) Kirchen
£hre und an Verdiensten vorangehe. Kein Bischof der Provinz
hinfort in eitlem und verkehrtem Hader dem Ptllllftt (primatui)
Toledo sich widersezen, bei keiner Bischofs wähl solle, wie bisher
ishehen, diese Kirche übergangen werden. Wer von ihnen oder
n Nachfolgern dieses Statut übertrete, der sei Anathem unserm
nn Jesus Christus, und — herabgeworfen von der Höhe des Sa-
htitmi — werde er zum Voraus durch die Sentenz der bestandigen
3ommnnication gerichtet.^ Die Erklärung der Bischöfe trägt das
:Qm vom 23. October 610. Aber von den 23 Bischöfen der Pro-
E waren nur 15 beigetreten. Bemerkbar macht sich namentlich die
ende Unterschrift von Acci, dessen Bischof wohl an seinem Privi-
ium der apostolischen Kirche festhielt. In Toledo konnte und
Ite man aber hierin keine Concessionen machen; denn die ganze
mnz durfte nicht in zwei oder mehrere Metropolen zerfiülen.
Nach der Erklärung der Bischöfe erliess auch der E^önig das
enannte Deoretum Oandemari. Er könne nicht gestatten, sagt er,
8 die Provinz unter zwei Metropoliten gegen die Beschlüsse der
:er getheilt werde. (Die zweite wäre vielleicht Acci oder Bigastro-
thagena gewesen.) Toledo habe den Vorrang des Alters und der
idenz des Königs. Wenn aber vor 20 Jahren auf der „allgemeinen
ode von Toledo der ehrwürdige Bischof Euphemius sich als Metro-
470 Anhang J.
polit von Carpetanien^ bezeichnet habe, y^so . verbessern wir hiermit
den Ausspruch seiner Unwissenheit^, denn der Lfandstrich Carpetaniaa
sei keine Provinz, vielmehr ein Theil der Provinz Carthaginensis^).
Wir sprechen aber hier die Hypothese aus« dass die „Cclled
cananum Hispantxe^^ in einem sachlichen Zusammenhange mit den &
inühungen der Jahre 610 — 611 stehe. König Gundemar that eisa
scharfen Machtspruch. Der weltliche Arm streckte sich aus, umdk
Kirche von Toledo zu erheben und zu schüzen. Aber dieser materidk
Schuz konnte dem Aurasius nicht genügen. £s mussten die Ansprüd»
def Kirche von Toledo auch geschichtlich begründet werden; es mm-'
ten die Anstände und Bedenken gehoben werden , welche ans de.
frühem Decretalen und Concilien gegen Toledo erhoben werden koio-
tcn. Die früher von mir angeführten Gründe.^), nach den^n dieSamB*
lung im Interesse der Machtaussprüche Toledo's angelegt worden, b:
Maassen kurz „abgefertigt^. Mein erster und zi^eiter Grund ist woki
hinfallig; den dritten und vierten aber halte ich aufrecht. Die 30 (31).
Decretale enthält den Brief des Papstes Innocenz I. vom Jahre 4C4
ffOd universos episcopos in ToZo^a'^ '(muss heissen: qui Toleti congngä
erant). Zwischen dem vollständigen Briefe des Papstes und dem Bride,
wie ihn die spanische Sammlung enthält, ist aber ein grosser Umo'
schied. In der Sammlung sind alle diejenigen Stellen hiuweggekso,
welche einer andern Kirche, als der von Toledo, ein Metropolitanredä
einzuräumen scheinen konnten. — Der Sammler will sich aber do(i
den Anschein geben, dass er den ganzen Brief des Papstes mittheik
denn er hat seinen Auszug auch in die sechs Abschnitte getheili, ß
die der unverkürzte Brief zerfällt. Nur den ersten Saz der Einleitoi*
theilt unser Sammler, und diesen willkürlich verändert mit — Dan;
lässt er das ganze erste Kapitel mit vier Abschnitten , sowie das zweit
und dritte Kapitel gauz aus. Warum dieses?
Die Einleitung erzählt, dass der Bischof Hilarius, welcher i
Synode von Toledo im Jahre 400 augewohnt habe, klagend über c;
kirchliche Lage Spaniens nach Rom gekommen sei. Hilarias b^
nach Rom, weil er Metropolit, und wahrscheinlich der carthaginenä-
sehen Provinz war, als welcher er das Recht und die Pflicht hatte,
für die Ausführung der Beschlüsse von Toledo zu sorgen; er vr
wahrscheinlich Bischof von Carthagena, vielleicht auch von Casta! j
(K.-G. U, 1, S. 187), jedenfalls nicht von Toledo. Seiner Reise lucii
Rom wollte man in Toledo keine Erwähnung thun; es sollte verges^eü
werden, dass Toledo nicht von Anfang an Metropole war. — Üeber-
gangen ist die Angelegenheit der Bischöfe Rußnus und Miüinw
') Das Uebrige b. oben S. 75.
') TUbinger Quartalschrift, /. c.
Alf spanisches Kirchenrecht 471
Rufinas, In der Provinz Carthaginensis, hatte Bischöfe ordinirt, da
doch Hilarins als Metropolit allein dazu das Recht hatte. Rufinus
hatte im Jahre 400 Verzeihung erhalten, aber sich nicht gebessert.
Unser Sammler aber hatte ein Interesse, darüber zu schweigen, dass
ein anderer Metropolit, als der von Toledo, jemals existirt habe. —
Madssen fragt, wo denn bei diesen Auslassungen von Metropoliten die
Rede sei? Diess habe ich früher nachzuweisen gesucht^). Es ist aber
= nicht nothwendig, dass jede weggelassene Stelle von diesem Gegen-
2 Stande handle. — Wenn aber Maassen meint, der Sammler habe das
; Historische in dem Briefe weggelassen, und sich mit der Wiedergabe
i der Decrete begnügt, so ist diess, genau betrachtet, nicht eine Erklär-
ung, sondern eine Ausrede'). Denn sogleich kehrt die Frage wieder:
warum denn blos diese Decretale verstümmelt sei, warum die übrigen
Sriefe des Papstes Innocenz I. und der übrigen Päpste ganz mitge-
theilt seien, obgleich sie mit grossem historischem Ballaste versehen
sind? Hätte der Sammler überall nur die Decrete gegeben, die oft
historische Motivirung der Papstbriefe aber auslassen wollen, so hätte
seine Sammlung sehr klein werden müssen, abgesehen davon, dass es
znr Natur der Sache gehört, päpstliche Decretalen ganz und unver-
stümmelt mitzutheilen.
Noch mehr scheinbare Berechtigung hätte es, zu sagen, der
Sammler habe diese Stellen weggelassen, weil ihr Inhalt wenig ehren-
voll fiir die spanische Kirche gewesen. Dann hätte er aber in seinem
verkürzten Briefe und in andern Papstbriefen noch manches Andere
weglassen müssen. So lange als Maassen eine bessere Erklärung für
den also verstümmelten Brief des Papstes Innocenz I. nicht beibringt,
glauben wir an unserer Erklärung festhalten zu sollen.
Der Papst Hormisdas (514 — 623) schrieb drei Briefe an den
2if etropoliten Joannes (von Tarraco). Der Papst bestellt ihn zu seinem
<) R.-G. II, 1, S. 395 einen Anszng des Briefes, S. 443, über die Person des
Hilarius. Man beachte noch, dass des Hilarias Name nicht blos an achter, sondern
auch an vierter Stelle unter den Unterschriften von Toledo steht. Patrainns, der
erste, war dann Metropolit von Merida, Marcellas, der zweite, von Sevilla, wie von
Vielen zugegeben wird, Aphrodisins war dann Metropolit von Tarraco, Hilarias, der
vierte, Metropolit von Carthaginensis, während Sjrmphosius von Astorga Metropolit
von Galicien war.
Auch Oarcia Loaysa nnd Florez (V, 128) läagnen, dass Hector, Bischof
von Cartagena, im Jahre 516 sich als Metropolit (za Tarraco) nnterzeichnet habe.
In den Samminngen von Loaysa (ad marginem: episcopua Carthaginis) Aguirre
und bei Coleti heisst er einfach: episcopua Carthaginis.
*) Der Manriner Constant nennt die Verstümmelung des Briefes ein ,J^acinus**,
dessen er den Isidor Mercator beschuldigt. Ganz mit Unrecht Das „fadnus" be-
ging ein Spanier, denn Exemplare des Pseudo-Isidor kamen, wie Hinschius nach-
gewiesen hat, erst am Ende des Mittekilters nach Spanien.
472 AnhAog L
Vicarias über ganz Spanien. Mit dieser Uebertragang widi er msk
von den alten romischen Ueberliefemngen ab. Kurz vor 'dem Untff-
gange des Westreiches hatte Papst Simplicios den Bischof Zm
von Sevilla zu seinem Vicarias bestellt. Sevilla war Haoptstidt da
romischen Spaniens seit Constantinns dem Grossen. — Zor Zeit da
Papstes Hormisdas waren die Hauptstädte der Westgothen Narbom
and Barcelona in Spanien (viel später wurde es Toledo). Der BiscU
von Barcelona war Suffiraganbischof von Tarraco, ond konnte ab »
facher Bischof nicht wohl Vicarias des Papstes sein, dagegen wä
sein Metropolit Joannes von Tarraco, dessen Verdienste wir oben da^
gestellt haben. — Bei der Uebertragang des Vicariats an ihn inza
wohl zwei Dinge entscheidend, die Tüchtigkeit des Joannes^ und dk
Bedeutung der Städte Barcelona und Tarragona. (Aach im zwotba
Jahrhundert wurde Tarraco von Barcelona aus wieder hergestellt]
Aber unser Sammler schreibt: Epistcla Harmisdae papat ai Jt-
hannem episcopum IlUcltaiUie ecdedae, nicht Tcurmconenris tcfläm
MaoBsen sagt, dass erstBaronius den Joannes als „Tarraconendif' be-
zeichnet habe. Glaubt denn Maassen, der Papst habe vrirklich da
Bischof vom E3che, und nicht dem Erzbischof von Tarraco, das Tn-
riat übertragen? Baronius durfte diese Einfügung sich erlauben, lA
Bischof Joannes Niemand anders, als der von Tarraco sein \aät
Diess wusste man wohl in Toledo, dennoch machte man ihn zum fi-
schof von. Ilici. Sollte denn wirklich Papst Hormisdas, von den T»
ditionen seiner Vorgänger abweichend, den Bischof einer ganz ^n^^
deutenden Diöcese zum (ständigen) Vicarius über ganz Spanien 2^
sezt haben?
Aber Maassen musste zuerst beweisen, dass es einen Biscfix
Johannes von Ilici gegeben, noch mehr, er musste beweisen, dassö
in den Jahren 517 — 524 überhaupt einen Bischof von Dici gegcbe
habe. Wenn er die „Espana sagrada^ beigezogen hätte, so hätte?
gefunden, dass der erste uns bekannte Bischof von Ilici im Jahre tt
zu Toledo unterschreibt, es war Serpentinus. Im Jahre 689 gab ß
noch keinen Bischof von Ilici. Das Bisthum ist also zwischen 5?3
und 633 entstanden, oder von Elotana nach Ilici verlegt worden. Iß 1
Jahre 611 konnte diess schon geschehen sein. Der Sammler erlaub«
sich also hier einen Zusaz. Denn der Bischof Joannes konnte nor dt
sonst bekannte Bischof von Tarraco sein.
Ich spreche es als Hypothese aus, dass die erwähnten AusIässqb-
gen im Briefe Innocenz's I , und diese Einfügung in den Brief i^
Hormisdas' im Interesse der Ansprüche Toledo's geschehen sei, — W
bin wahrlich nicht der Erste, der Solches von den Toledanern annimB^
Felix Dahn, dessen Bemerkungen sicher bei Maassen viel mehr „kritisci
I
Altspanisches Kirohenrecht. 473
las Gewicht fallen^, als die meinigen ^), sucht zu beweisen, dass
h das y^Decretum Oondemari^ ein unterschobenes Machwerk sei, dass
bt Eonig Gundemar dieses Decret im Jahre 610 erlassen, dass
Späterer (etwa Julianus?) es ihm unterschoben habe. Er er-
int zahlreiche „Fälschungen von Privilegien für die Kirche von
tdo^ (mit Hinweisung auf Pedro Boyas^ historia de la ciudad de
cZo, Madr. 1654,, p, 574; Pisa, historia de la civdad de Toledo^
1617, p. 88—116; MoraleSy Coronica de Espana, V, p. 377, 569.
ifarciaa Loaysa, de primatu ecdea. Toletanae, ap. Aguirre, ConciL
p. II, 437 (alte Ausgabe); Florez, F", (edic. 3.), p. 176 (gegen
widius). Joann. B^ Perez, epist. de concil. Htspan., apud Aguirre,
t. Lardizahalj Fuero Juzgo, Madr. 1815, p. 14. — Lembke, 1, 141.
^ei anerkennt Fei. Dahn indirekt auch meinen Versuch (E.-G. II,
u 444), den Hilarius als Metropoliten der Provinz, in der Toledo
zu erweisen.
Welcher Schriftsteller ausserhalb Spaniens nimmt noch einen
cnius I. von Toledo, den angeblichen Schüler des angeblichen Dio-
138 Areopagita von Paris und S. Denys an? Keiner, alle anerken-
die yjraue pia^ der Bischöfe von Toledo seit 1085, welche die
^he Spaniens nicht nur an die römische, sondern auch an die gal-
^e anknüpfen wollten. Verglichen mit dieser viel grösseren ,Jrau8
^ hat der Sammler der spanischen CoUectio Canonum nichts so Un-
artes oder Ungeheures gethan, wenn er seine Sammlung im In-
Bse der Toletaner Machtansprüche redigirte.
Welcher Gesehichtskenner kann aber leugnen, dass man in To-
sich in den Jahren 610 — 800 gegen einen Vorrang der Kir-
^ von Tarraco, Sevilla oder Bracara sträubte? Die Primatie
ddo's hat Julianus durchgeführt, sie wurde aber seit 610 bewusst
r tmbewusst angestrebt, Tarraco und Sevilla trat hinter Toledo
Ick, Toledo war Intestaterbe der kirchlichen Machtstellung von Se-
fe und Tarraco. Diess war im Grunde von dem Tage an entschie-
B an welchem die westgothischen Könige, welche Toledo zu ihrer
idenz gemacht hatten, zur katholischen Kirche übergetreten waren,
»t Gregor I. hatte dem Leander von Sevilla das Pallium gesendet,
damit ihm einen Vorrang in Spanien gegeben. Der Brief an
*) Maassen: „Die neuen Gründe, die Oame bringt, fallen kritisch kaam in*B
idit» (p, 686). — Damit bin ich »kaum* widerlegt, höchstens „abgefertigt**. —
SB Dahn: Die Könige der Germanen (VI, die Verfassung der Westgothen,
ab. 1871, S. 410), S. 440-442 sucht mit sehr starken Gründen die Aechtheit der
Synode vom Jahre 610 und des s. g. Decretum Chndemari anzustreiten
I diese Actenstficke wirklich unächt oder interpolirt, so flllt die ,Jrau8 pia"
ie Zeit Jolian's von Toledo, denn beide stehen als Anhang hinter dem von Julian
ütenen zwölften Concil zu Toledo im Jahre 681).
ita«, tpaa. Xirehe. U. 8. 31
474 Anhang 1.
Leander konnte ans der Sammlang nicht weggelassen weiden, di «
in aller Händen war. (Doch ein Theil der Handschriften hat die Stdie
pallium vobis transminmus , wirklich aasgelassen.^ Andeneits iber
sachte man die Bedeatang des Pallinms abzuschwächen. Es sollte di
einfaches persönliches Geschenk des Papstes an Lieander sein, nkk
weniger, aber auch nicht mehr. In den „excerpi/i amonum^ oder de
nach bestimmten Rubriken geordneten Uebersicht des Inhalts ierCi-
lectio HUpana^ welcher Anszng in 10 Bücher nnd jedes Bach in Tti
oder Kapitel zerfallt, enthält der lezte Titel des lezten Bach« it
Ueberschrift: „Von den (aas Rom) übersendeten Geschenken"^). Fener
„Ueber die an Leander gerichtete Pastoralregel^, ep. 98. — Ueber di
vom Stahle des heiligen Petras übersendete PtUlium^, 99. — Ueh
die vom Könige Reccared dem seligen Petras übersendeten GesdidK.!
Ueber das Schlüsselbein des heiligen Petras, die fibersendete Kmu-I
Partikel nnd über das an Bischof Leander gerichtete PoCivm, M
Das Pallium ist also, wie „das Buch der Hirtenregel^, ein Gesdiedt
eine Höflichkeitsbezeagang des Papstes, and es ist kein Grand iv>
banden, dass sich Sevilla dessen allzusehr rühme. Die Bischöfe h
ledo's, besonders nach dem Tode Isidor's luttten kanm eine FeMck
gethan, wenn sie sich am das Pallium nach Born gewendet fr
ten; aber sie sachten keine nähere Verbindung mit der ronnsds
Kirche. Die „Excerpta canonum^ reichen bis zur fünfzehnten Späk
von Toledo von 688; damals war Julianus, der gelehrteste alkrfi'
schöfe von Toledo, noch am Leben. Ich halte den Julianus iSrda
Verfasser oder Veranlasser der „Excerpta Cananum'^^ aber anch k
der Form nach fein ausgearbeiteten, dem Inhalte nach ver3chwo>
menen und auf Stelzen gehenden Gedichtes am Anfange „der Ccäettit
canonum^:
Cdsa terribili codex qui sede locaria
Quis tu es?
Und vom „erhabenen Pfuhl '^ herab antwortet der Codex: „Vitii
ordo/^ Auf die weitere Frage: Quod inest tibi nomenf antworte: i
Codex: „Codestis dicor sanctarum regula voce^. Der Codex eanm
sollte ein Nationalheiligtbum und gegen alle Angriffe gefeit sein.
Von Aurasius von Toledo, den ich für den Veranlasser ot
Sammler der CoUectio halte, sagt Udefons von Toledo: „Seine Ahäi
ging mehr auf die Vertheidigung der Wahrheit, als auf die Gre^raDi
heit im Schreiben; desswegen ward er den vollkommensten MinB0
an die Seite gesezt. Denn was die Predigt ihres Wortes aussiete,dif
') AllerdiDgs entdeckte erst Caj. Cenni die „Excerpta'^ , nnd kein Ejbs^i
davon fand sich bis jezt in Spanien. Diess beweist nicht ihren auasei^ttai^l
Ursprung, eher deren geringe Verbreitung.
AltBpaniBchea Kirchenreoht. 47Ö
seine Sorge und sein Schnz vorher gesichert (quia quae de verbo
'wan praedicatio seminavit, defensiorda hujua custodia praemunivit).
heisst wohl, seine Nachfolger im Amte hätten nicht so viel wirken
aen, wenn er nicht durch die Erhebung der Metropole von Toledo
m. den Grund gelegt. Diese vielleicht mit Absicht unklaren Worte
.T)e ich auf das sogenannte Decretum Qundemari, und sollte dieses
:dbt sein, auf die Beibringung der Unterschriften von 15 Carthagi-
iischen und 26 anderen spanischen Bischöfen für die Erklärung
^o's als Metropole, sowie auf die Anlegung der „Collectio Cano-
.^ beziehen zu dürfen.
Einen positiven Beweis für den Ort der Sammlung und den Ur-
3r der spanischen Sammlung hat bis jezt Niemand beigebracht,
n Maassen nicht. Ueber den Ort der Entstehung und die Person
Verfassers geht er schweigend hinweg. In Betreff der Zeit meint
die Sammlung sei nach- 633 entstanden, während vielleicht die
vzahl der deutschen Canonisten die Sammlung am Ende des sechs-
oder Anfang des siebenten Jahrhunderts entstehen lassen^ also zu
eher Zeit, wie ich. Die von mir dargelegten Wahrscheinlichkeits-
nde für meine Hypothese (für Aurasius, und die Jahre 610 — 611)
en so lange Anspruch auf Beachtung^ bis ein positives Zeugniss
«n sie aufgefunden wird. Ein solches hat Maassen nieht beige-
sht; er hat nicht bewiesen, dass die Sammlung nach 633 entstanden
Er hat von den vier Gründen für die Annahme einer tendenzio-
Anlage der Sammlung nur zwei abgeworfen. Hätte er auch die
i andern beseitigt, so wäre damit die Hypothese noch nicht definitiv
erlegt.
Wenn man über diese Frage sprechen will, so muss man sich in
spanischen Eirchengeschichte umgesehen haben. Maassen hat nicht
nal die y^Espana sagrada^ beigezogen. So wenig ich „über die
eilen des canonischen Rechts^ Studien gemacht habe, daher in die
n zugegebenen Irrthümer verfallen bin, so wenig er über die spani-
e Kirchengescbichte. Nicht wenige seiner hieher gehörigen Angaben
1 unhaltbar, und längst widerlegt. Z. B. er spricht von dem „Mar-
>]ogium der heiligen Justa und Rufina^ von Sevilla (p. 720), Ein
'hes gibt es nicht Wohl aber eine ^Passio'* derselben. — Er sagt,
' der Brief Innocenz's I. vom Jahre 404 an die „auf der Synode zu
ido versammelten Bischöfe sich auf eine andere Synode, als die des
"68 400 beziehe'^ Man weiss wohl, dass im Jahre 397 der Ver-
^, eine Synode zu Toledo zu halten, misslungen ist. Von einer Tole-
r Synode aber zwischen den Jahren 400 und 527 (Ö31) hat Nie-
d berichtet, sie ist eine Erfindung (Maassen, p. 700), wenn auch
^tant diese Hypothese ausspricht. Ebenso ist eine allgemeine
ische Synode, gehalten nach dem 21. Juli 447, eine Erfindung.
31*
476 Anhaag I.
Papst lieo I. hat den Wunsch ausgesprochen, die Bischöfe mhäßn
sich versammeln. Sie haben sich aber nicht Tersammdt, weder
in Cklicien, noch in dem übrigen Spanien. Die Glanbensregd
welche die Bischöfe der Provinzen von Tarraco, Carthaginensis, Lib-
tanien und Baetica mit dem Befehl des Papstes Lieo I., an den Bisck
Balcojiins von Galicien übersandten (Mcuzssen, p. 217), ist Nichts, il
die von den Bischöfen des Concils von Toledo I. den galicischen E-
scböfen zur Annahme übersandte Glaubensformel. Der Bischof Bil-
conius wi^ vor dem Jahre 415 Bischof von Braga, nnd wird in Leo'sl
Briefen nicht erwähnt, bei welchem neben dem Bischöfe Turibiasm
Astorga, nur der Bischof Ceponius (von Braga?) nnd der Chrons
Idatius, Bischof von Aquae Flaviae, vorkommen. Wäre nach da
Juli 447 überhaupt eine Synode zusammengetreten, so hätte Idttii
in seinem y^Chronicon^ darüber nicht geschwiegen. — Unrichtig is
femer, wie gesagt, dass Papst Hormisdad im Jahre 517 an einen Bi-
schof Joannes von Elche geschrieben, da dieses Bisthnm erst h
Jahre 633 vorkommt.
Die von Anton Gonzalez, dem Herausgeber der „CoUecHo Ci»
num ecdesiae Hiapanae^ , benüzten neun Codices reprasentiren versdiie-
dene Ausgaben dieser Sammlung. Ebenso die ausserhalb Spaniens n?-
handenen Handschriften, die gallischen, italienischen and die vs
Wien. — Wir nehmen an, dass die „Hispana^^ vor dem Jahre Ö5
nur in wenigen Abschriften vorhanden und ausserhalb Toledo'« t?-
breitet war. Eines der wenigen Exemplare erhielt Isidor vonToIrt
Als er zur Begrüssung des Königs Sisebut (um 612 flg.), dem wsti:
Werk „de natura rerum^ widmete, in Toledo war, konnte er einei^--
die erwähnte Zustimmung zu der Metropolitanwürde von Toledo gele
anderseits ein Exemplar dieser Sammlung erhalten , oder eine Ab-
schrift derselben sich besorgen lassen. — Ich nehme femer an, di?
nach dem vierten Concil von Toledo (December 633), dem alle spc
sehen Bischöfe anwohnten, der schon bestehenden Sammlung dkr
vierte Synode einverleibt, und die so vermehrte Sammlung in rids
Exemplaren über das Land verbreitet wurde, so dass ich die eigentlicif
Ausgabe (Verbreitung) der Sammlung in die Jahre 633 — 6V4, i<
Sammlung selbst aber in die Jahre 610—611 anseze. — Femer fe
der Augenschein der einzelnen Codices, dass auch nach dem Jahre tK^^
634 beständig erweiterte Ausgaben der Sammlung statt hatten, indes
allmälig derselben die spätem Synoden (von Toledo) von der fis^*
ten bis siebenzehnten einverleibt wurden. Besonders tritt die ^
Maassen sogenannte „vermehrte Hispana der jüngsten Forra^ k^*
vor, enthaltend die Concilien von 680 — 694, und die allgeroeia-J
Synode vom Jahre 680, welche, mit Hinzufugung der ,j-Erceppl
Canonum'^ vom oder nach dem Jahre 688 einen gewissen Abschloss c^ I
I
Altspanifidbes Kirohenreoht 477
SammloDg (dnrch die Hand Jnlian's von Toledo?) darstellt. — Die
beiden Codices, Aemilianensis (von 922) und Alvddensis (von 976), beide
aus dem zehnten Jahrhundert, welche die reichste Sammlung der spa-
nischen Concilien bis zum Jahre 694 enthalten, können kaum eine
,inene Ausgabe^' der „Collectio Hiapana^ genannt werden. Sie wurden
zu einer Zeit angelegt, als das altspanische Eirchenrecht nur noch in
der Geschichte vorhanden war, und enthalten verschiedene Provinzial-
concilien (von Toledo vom Jahre 597, zweites Concil von Barcelona
699, Concil (?) von Toledo vom Jahre 610, das Concil von Egara 614,
Concil von Merida vom Jahre 666, das dritte Concil von Saragossa
vom Jahre 691), welche sich in der von Toledo ausgegangenen Samm-
lung nicht befinden.
(Petr, et Hier. Ballerini, de antiquis tum editis tum ineditis colle-
ctionibus et collectoribus canonnm — in Opp, Leonis, curant. Ballerini^
Venet. 1755—1757, in Tom. IIL — Abgedruckt bei Oallandi, de vestus-
Ha canonum collectionibus dissertationum Sylloge, Venet. 1778, 2°.
p. 500 sq. — Mogunt. 1790, 2 vol. 4°. — Mit Noten wieder abgedruckt
in: S. Isidori Hispalensis opera omnia^ ree. Faust, ArevalOj Romae 1797
—1803, in t. II („Isidoriana''), cap. 91, p. 160—219 (Migne, Patr.
lat., t. 81). — Carl. Santander de la Semoj Praefatio historico-critica in
veraim et genuinam collectionem canonum ecclesiae Hispanae. Bruxell. an.
VIII (1800), wieder abg. ann. XI (1803), und ap. Migne, P. lat. t. 84;
Collectio Canonum Eccles. Hispanasy ed. J. A. Gonzalez , Matriti, 1808, 1821
(nach 9 spanischen Codices). Die von P. Buriel vorbereitete Ausgabe ist
nicht erschienen. — M. E. Begenbrecht, de canon. Apostol. et codice
Hispano , Vraiisl. 1827. — K. F. Eichhorn j die spanische Sammlung
der Quellen des Kirchenrechts, Berlin 1834, mit Zusätzen in: Zeitschrift
für geschichtliche Rechtswissenschaft, Bd. XI, S. 129 (1842). —
O. Phillips, Kirchenrecht, 4. Bd., Regensburg 1851, §. 172. Die
spanische Sammlung, S. 46 — 61. — Paul. Hinschius, Decretales Pseudo-
Jsidorianae et Capitula Angilramni, Lips. 1863 (handelt nicht ausfuhr-
lich von unserer Sammlung). — Garns, das altspanische Kirchenreht;
über den Ort und die Zeit seiner Entstehung; in Tüb. theolog. Quartal-
schrift, 1867, S. 1 — 23 (ohne Angabe der Literatur). — Fr. Maassen,
Greschichte der Quellen und der Literatur des kanonischen Rechtes im
Abendlande, Gratz, 1870. — (Vergl. die betreffenden Paragraphen in
den Lehrbüchern des Kirchenrechtes von F. Walter, Schulte, Phillips,
^ Richter (-Dove), Gerlach, 2 Aufl. 1872, Vermg, Freib. 1874).
Jnseriptiones Hispamae chrtstianae, Edif. AeintHua Hadner. (ü-
jecta est tabula geograjthica.) Bervl. 187 J, 4". pp. 120. Der Veriasaei Kit
eeiner {in der von der Berliner Academie der Wissenschaften Teraortil-
teten Sammlung «Her lateinischen Inschriften) SammlnDg der äpäuu-
sehen Insehriften in 2 Bänden als Anhang die vorliegende Sammlmig
christlicher in Spanien bis jezt aufgefundener Inschriften beig^tJ»,
Diese Inschriften reichen nicht iiher die Zeit der Wc-.^tgolhen Mr'-si.
Der /'.Juan Soöreyra, Benedictiner, hat im Manuscript eine ungednKfat
Sammlung der lateinischen Inschriften von 537 — 1633 hinterlasseo, die
sich in der Academie der Geschichte zu Madrid beBndet. Nach ihm bt
Fr. Masdeu im neunten Bande seiner sogenannten „kritischen Gescbidiu
von Spanien" (Madrid 1789), eine allgemeine Sammlung der spaniAcbec
Inschriften vom Jahre 41ö oder 416 an bis zum Jahre 1300 gegeben,
darunter auch die kirchlichen Inschriften, welche Sammlung vor dtr
Kritik wenig Gnade gefunden hat. Aemüivs Huehner wirft ihm ror.
dssB diese Sammlung den „gewöhnlichen Leichtsinn and die Arrogsu*
des Auetors kundgebe. Der Historiker Äureltan. Guerra üi Madrid,
dessen Freundlichkeit und gute Dienste auch ich erfahren, halte die
christliciiea Alterthümer Spaniens überhaupt bis zum neunten JahrbiiD-
dert gesammelt (Arte en Espana, vol. 4, ISHö, p. 49 sq.), und war im
Jahre 1865 entschlossen, sein Werk zu Lyon erscheinen zu lassen-
Aber dieselbe Ungunst der Zeiten, welche das Erscheinen der Schrift
von Simonet über die Mozaraber, eines Werkes des Professors Gangon
zu Grnnada über die Alterthümer und Inschriften Andalusiens verhin-
dert, scheint auch dem Werke Gnerra'a hindernd entgegengetreten a>
sein. — Neben Guerra nennt der Verfasser als die Förderer seiner
Arbeiten die Herren Berlanga in Malaga und Saavedra in Madrid. Er
Spaniaehe^Inschrüten. 479
hat in seiner Schrift etwa 200 Inschriften mitgetheilt, von denen er
etwa 60 selbst sah und erklärte. Nebstdem theilte er an 80 erdich-
tete Inschriften mit. Er gibt die Inschriften entsprechend den einzel-
nen Provinzen des alten Spanien's, zuerst die von Lusitanien, dann
von Baetica, sodann von Gallicien und Asturien, von Tarraconensis,
wozu die Provinz Carthaginensis nebst Toledo gehört. Lusitanien ge-
hören 44 Inschriften, 90 der Provinz Baetica, etwa 60 der Provinz
Tarraconensis an. Zu beachten ist, dass an den Orten am meisten
christliche Inschriften sich fanden, wo sich verhältnissmässig die mei-
sten heidnischen Inschriften geftinden hatten. Drei Viertheile sämmt-
licher Inscripiiones sind Inschriften auf Begräbnissen. Daneben erschei-
nen 21 Inschriften zur Weihe von Kirchen oder Klostern, 12 auf Re-
liquien von Heiligen. Es fanden sich sehr wenige griechische In-
schriften. Die meisten Inschriften stammen aus dem fünften bis achten
Jahrhundert (Jahr 465 bis 782), die Hälfte etwa richtet sich nach der
spanischen Aera. Unter den Namen, die auf den Inschriften erschei-
nen, finden wir keinen Narcissus, keinen Cucufat, keinen Jacobus, aber
auch keinen Isidor oder Leander; keinen Julian, aber eine Juliana,
keinen Mantius, keine Justina, aber einen Justus und eine Justa, einen
Acisclus, aber keine Victoria, keinen Pastor, keinen Ildefons, keinen
Quiricus, keinen Elipandus, keinen Gerontius, aber einen Crispinus,
einen Dei Donum, einen Dexter, einen Dominicus, eine Eugamia, eine
Eulalia, einen Florentius und eine Florentia, einen Fulgentius, einen
Gregorius, einen „Onoratus antistea^ , einen Abt Honorius, einen Fl.
Hyginus, Comes und Praeses der Provinz Mauritania, in Corduba u. a.
— Die Kirchweihe heisst stets „dedicoHo basilicae^, die Begräbniss
stets „d&positio^ und „requievit in pace^. Es findet sich auch die
Formel: ctccqpta poenitentia requiemt in pace^% und ''requiwcat in pace.
Amen^^. — Die häufigste Formel ist: „recessit in pac^^ und ,^cum poe-
nitentia recessit in pace^, selten „receasit^ allein; „requievit" findet sich
gewöhnlich in Lusitanien (22 Inschriften daselbst, 10 in Baetica),
30 Inschrift^en in Baetica haben „recessit^; nur einmal findet sich hier
„reqniescit^ ; die Formel „requieseit^ und „requieacat^ findet sich wieder
vorwiegend in Tarraconensis. Andere Ausdrücke sind: ,,in hoc tumulo
jacet, procumbity sepultus quiesdt, mortuus est, deposita (est), obiit, obiit
in pace Dei, transivit, depoHtus in pace^ mortutbs fuet, in isto loco se-
ptdtus est, situ» est etc. Nirgends aber findet sich der Ausdruck aus
der spanischen Liturgie: „pauscU^^ oder „pausavit^. — In den Inschriften
kommen die Träger folgender kirchlicher Würden vor: Abba (Abt)
antistes für Bischof viermal, anteetis einmal, episcoptu neunmal, epi'
8cupu8 einmal, einmal episcopattu, pontifex tmd ponHficatua fünfinal,
sacerdos für Bischof zwei- (oder dreimal), sacerdos für Abt einmal,
presbyter — Priester — neunmal, Diacon. dreimal, monachua dreimal.
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